Zum Jahreswechsel kehrt in der Regel etwas Ruhe im klinischen Alltag ein und wie manch anderer stellte ich mir mal wieder die simple Frage: Erstickt unser Gesundheitswesen an seiner eigenen Bürokratie und Schizophrenie? Als Hämato-Onkologe mit über 30 Jahren Berufserfahrung erlebe ich täglich den Fortschritt in zweierlei Hinsicht: Erfreuliche Verbesserungen der medizinischen Versorgung und leider eine zum Teil abstruse und irrationale Zunahme der Administration.
Nehmen wir ein Beispiel aus der tƤglichen RealitƤt: Man verabreicht eine intensive Chemotherapie mit kurativer Intention und erhƤlt prompt innerhalb weniger Tage kein Lob, sondern Rückfragen der Krankenkassen zum Einsatz von Antiemetika und Wachstumsfaktoren. In Zeiten künstlicher Intelligenz und digitaler Revolution eine absurde Situation ā als kƶnnten Computerprogramme nicht eigenstƤndig erkennen, dass der ICD10 Code kombiniert mit einer intensiven Chemotherapie diese Begleitmedikation zwingend erfordern. Dies ist nur ein Beispiel tƤglicher sinnloser Bürokratie, die Zeit frisst und sicherlich keinen Mehrwert in der Behandlungskette ā eigentlich unsere Kernaufgabe ā schafft.
Der medizinische Fortschritt der letzten Jahrzehnte ist häufig beeindruckend und ein Segen für unsere Patientinnen und Patienten. So wandelten sich die Therapieoptionen beim Multiplen Myelom von einer simplen Chemotherapie im letzten Jahrhundert zu hochkomplexen, personalisierten Behandlungskonzepten. Wo früher Betroffene im Rollstuhl zu uns kamen, leben sie heute deutlich länger, mit häufig guter Lebensqualität. Der Preis dafür: Eine immense Kostensteigerung von wenigen hundert auf mehrere hunderttausend Franken pro Jahr.
Doch wer trƤgt die Verantwortung für diese Kostenexplosion? Sicher nicht die behandelnden Ćrztinnen und Ćrzte. Es ist ein gesellschaftspolitischer Entscheid, welche Therapien zu welchem Preis wir uns leisten wollen. Besonders irritierend sind dabei willkürliche Kostensteigerungen, wie kürzlich bei der CAR-T-Zelltherapie des aggressiven Lymphoms geschehen: Politisch verordnet und ohne Rücksprache mit Fachexperten wurden mit Stichtag 1.1.2025 die Kostenunterschiede zwischen CAR-T-Zentren von ca. 6ā8000 auf zum Teil > 60ā000 CHF erhƶht und nun deutliche Mehrkosten von > 1 Mio CHF pro Jahr dem Gesundheitssystem ohne medizinischen Mehrgewinn aufgebürdet.
Mein Fazit am Jahresende: Unser «Gesundheitswald» droht am Wildwuchs verschiedenster Individualinteressen zu ersticken und so lautet mein Neujahrsappell: Wir brauchen eine Durchforstung und eine Konzentrierung unserer Aktivitäten auf wesentliche und relevante Kernbereiche. Dies jedoch in einem offenen und ehrlichen Dialog aller Beteiligten mit der zentralen Frage: Welche Gesundheitsversorgung wollen und können wir uns als Gesellschaft leisten?
Der Weg dorthin mag utopisch erscheinen. Doch ohne diese grundsƤtzliche Debatte werden wir im Dickicht der Partikularinteressen verloren gehen ā zum Schaden unserer Patientinnen und Patienten. Somit wünsche ich Ihnen einen guten Frühlingsanfang, genug Zeit für Ihre Patientinnen und Patienten und vielleicht erleben wir 2025 noch positive Ćberraschungen ā die Hoffnung stirbt zuletzt.
Prof. Dr. med. Christoph Renner
Prof. Dr. med. Christoph Renner
Onkozentrum Hirslanden Zürich und Onkozentrum Zürich
Witellikerstrasse 40
8032 Zürich
Mit der ersten Ausgabe des Jahres 2025 begrüssen wir Sie herzlich in ein Jahr voller Veränderungen und neuer Perspektiven, auch in der Onkologie. Neben den gewohnten wissenschaftlichen und klinischen Highlights freuen wir uns, Ihnen eine bedeutende Neuerung in dieser Zeitschrift vorstellen zu dürfen: Ab sofort wird die «info@ONCO-SUISSE» regelmässig eine Rubrik enthalten, die von SHOOT (Swiss Hematologists and Oncologists of Tomorrow) gestaltet wird. Diese Plattform bietet jungen Hämatolog/-innen und Onkolog/-innen die Möglichkeit, ihre Stimmen, Ideen und Visionen in den Fokus zu rücken und eine stärkere Präsenz in der Fachwelt zu erhalten.
Wir freuen uns, Sie durch dieses spannende Jahr zu begleiten ā mit wichtigen Einblicken, aktuellen Entwicklungen und den Stimmen der nƤchsten Generation. Ćber die bisherigen Leistungen, Arbeiten und Ziele von SHOOT seit der Gründung werden Sie in der nƤchsten Ausgabe der Fachzeitschrift Ā«info@ONCO-SUISSEĀ» mehr erfahren.
Herzlichst Dr. med. TƤmer El Saadany, Dr. med. Eveline Daetwyler (im Auftrag von SHOOT)
Positionspapier «SHOOT»
Wir freuen uns sehr, heute «Swiss Hematologists and Oncologists of Tomorrow» (SHOOT) vorstellen zu dürfen und ab jetzt Teil von «info@ONCO-SUISSE» zu sein.
Kaum ein Fachgebiet der Medizin hat über die letzten Jahre eine solch rasante Entwicklung erlebt wie die beiden Fachbereiche HƤmatologie und Onkologie. In immer kürzeren AbstƤnden werden neue Therapieoptionen und -ansƤtze publiziert und angewendet. Gewisse Krankheiten haben sich von rasch tƶdlich Āverlaufenden zu chronischen Krankheiten entwickelt. Das VerstƤndnis der Tumorentwicklung mit den entsprechenden molekularbiologischen Hintergründen und der Interaktion mit dem Immunsystem wird immer besser, und das führt zur Entwicklung von neuen und zielgerichteten Therapieoptionen. Auch in der HƤmostaseologie halten neue Therapiekonzepte Einzug. In der Diagnostik kommen zudem immer genauere Methoden zur Anwendung, um die Krankheiten auf molekularer Ebene zu erfassen und einzuordnen.
Die demographische Entwicklung mit einer alternden Bevƶlkerung sowie die verbesserte Prognose von hƤmatologischen/onkologischen Erkrankungen mit entsprechend lƤngeren KrankheitsverlƤufen führen zu einem steigenden Bedarf an HƤmatolog/-innen und Onkolog/-innen. Der Anteil von Frauen in der Medizin hat in den letzten Jahren stark zugenommen, was (auch) zu neuen Arbeitszeitmodellen führt (z.āB. neue/andere Familienmodelle, Zunahme von TeilzeittƤtigkeit).
Aktuelle Entwicklungen führen zu vielfältigen neuen Herausforderungen. Die demographische Entwicklung mit einer älter werdenden Bevölkerung führt zu einer zunehmenden Multimorbidität, die einer komplexen individualisierten Therapieplanung bedarf und in aktuellen Guidelines teilweise noch unzureichend abgebildet ist. Das zunehmende Wissen über molekularbiologische Grundlagen der Neoplasien führt zur Aufsplittung von Tumorentitäten in immer mehr Subentitäten mit eigenen Behandlungspfaden und tumoragnostischen Behandlungsoptionen. Zusammen mit den rasanten Fortschritten in der medikamentösen Tumortherapie wird das gesamte Feld für einzelne Versorger/-innen immer schwieriger, mit der Entwicklung Schritt zu halten. Hinzu kommt die Entwicklung von neuen Technologien wie künstlicher Intelligenz (KI) und Big Data, die auch vor der Hämatologie und Onkologie nicht Halt machen und die Entwicklung über die nächsten Jahrzehnte prägen werden. Auch die steigende Anzahl der Krebsüberlebenden mit den oft lebenslang bestehenden Therapiefolgen stellen eine Herausforderung für die zukünftige Versorgung dar.
All diese Herausforderungen bieten aber auch Chancen zur aktiven Mitgestaltung des künftigen Berufsbildes und -feldes. In diesem Zusammenhang haben sich sowohl die SGMO wie auch die SGH zur Gründung einer eigenen Arbeitsgruppe entschlossen. Young SGMO und Young SGH sind Teil der jeweiligen Fachgesellschaften; sie organisieren sich seit dem Gründungsdatum am 5. August 2021 nun auf einer gemeinsamen Plattform als SHOOT. Diese Plattform dient dazu, organisatorische Synergien zu nutzen, gemeinsame Bedürfnisse zu adressieren und zukünftige Herausforderungen zu bewältigen.
Die Ziele der Organisationen bestehen in folgenden Bereichen:
1. Fƶrderung und Vernetzung von jungen ĀHƤmatolog/-innen und Onkolog/-innen
Oberstes Ziel der Nachwuchsorganisationen ist die Fƶrderung und Vernetzung der jungen HƤmatolog/-innen und Onkolog/-innen. Ziel ist es auch, die aktuell bestehende AttraktivitƤt des Berufsfeldes zu erhalten und weiterzuentwickeln, mit dem Ziel der Erreichung einer langfristigen und nachhaltigen Versorgungssicherheit.
2. Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie mit Fƶrderung von Teilzeitmodellen
Der zunehmende Anteil von Frauen in der Medizin und auch die Auflösung von traditionellen Familienstrukturen erfordern heute flexiblere und andere Arbeitsmodelle für alle Geschlechter. Die Hämatologie und Onkologie mit ihrem überwiegend ambulanten Tätigkeitsfeld bieten hier vielfältige Möglichkeiten zur Mitgestaltung an. Eine anstehende Herausforderung ist hierbei auch die Förderung von Teilzeitmodellen, auch in der Forschungstätigkeit und auch in Führungspositionen.
3. Fƶrderung von Resilienz und Burn-out PrƤvention
Der tägliche Umgang mit schwerstkranken Menschen sowie die ständige Präsenz von Tod und Leid gehören zu den grossen Herausforderungen in der Behandlung von onkologischen und hämatologischen Erkrankungen. Dies bedeutet eine Belastung sowohl für Berufseinsteiger/-innen, aber auch für erfahrene Kolleg/-innen. Zusammen mit der zunehmenden Bürokratisierung und Regulierung im Gesundheitswesen stellen dies Risikofaktoren für die psychische Gesundheit der Hämatolog/-innen und Onkolog/-innen dar. Dieser Herausforderung möchte SHOOT proaktiv begegnen und eine diesbezüglich erste und wichtige Anlaufstelle sein.
4. Erhaltung der hohen QualitƤt der Weiterbildung
Um den zukünftigen Herausforderungen gerecht zu werden, ist eine hochstehende Facharztweiterbildung essenziell. Ziel von SHOOT ist der Erhalt und die Neuschaffung von Ausbildungsplätzen sowie die stetige Weiterentwicklung der Facharztweiterbildung im Hinblick auf kommende Herausforderungen. Das erklärte Ziel besteht im aktiven Einbezug des Nachwuchses in der Gestaltung des Weiterbildungscurriculums.
5. Fƶrderung der ForschungstƤtigkeit
Die Schweizer Krebsforschung ist auf einem international hohen Niveau. Ziel der SGMO und der SGH ist es, dieses Niveau langfristig halten zu kƶnnen. Essenziell ist hierbei die Vernetzung der kommenden Generationen mit bestehenden Strukturen und Fƶrdermƶglichkeiten.
6. Aufklärung über verschiedene Karrieremodelle
Die Onkologie und Hämatologie bieten diverse Karrieremöglichkeiten sowohl im Rahmen einer selbstständigen wie auch einer angestellten Tätigkeit. Ziel von SHOOT ist die Aufklärung über verschiedene Tätigkeitsmodelle und Möglichkeiten zum Austausch mit entsprechenden Exponenten. SHOOT soll zudem beratende Anlaufstelle bei Fragen der Karriereplanung werden.
7. Fƶrderung von Chancengleichheit
Ein weiterer Schwerpunkt von SHOOT besteht in der gezielten Förderung und Vernetzung der Frauen in der Onkologie und Hämatologie. Ziele sind die verbesserte Sichtbarkeit von Onkologinnen und Hämatologinnen, das Aufzeigen von Karrieremöglichkeiten bis hin zur gezielten Förderung von Frauen in Führungspositionen.
8. Kontinuierlicher Austausch mit internationalen Organisationen wie DGHO, ESMO und EHA
Nicht zuletzt ist das Ziel von SHOOT die Kooperation mit internationalen Organisationen wie ESMO, DGHO und EHA, zur Anstossung gemeinsamer Projekte und Aufklärung über Möglichkeiten für internationale Fortbildungen und Fellowships.
Zielgruppe von SHOOT sind HƤmatolog/-innen und Onkolog/-innen in Ausbildung wie auch junge FachƤrzt/-innen. Im Rahmen der sich verƤndernden Karrieremodelle wird auf ein oberes Alterslimit zur Teilnahme verzichtet.
Dr. med. Rahel Schwotzer
Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie
Universitätsspital Zürich, Zürich
Dr. med. Kathrin Vollmer
Onkologie-/HƤmatologiezentrum Thun-Spiez-Berner Oberland
Spital STS AG Thun, Thun
Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Pharmakokinetik und Pharmakodynamik kƶnnen die Arzneimittelwirkung erheblich beeinflussen. Frauen sind tendenziell hƶheren Arzneimittelkonzentrationen ausgesetzt als MƤnner, was zu einem hƶheren ĀRisiko für unerwünschte Reaktionen führt. Der Artikel hebt diese Unterschiede hervor und unterstreicht die Bedeutung der Berücksichtigung von Geschlechtsunterschieden wƤhrend der gesamten Arzneimittelentwicklung, der Marktüberwachung und in der klinischen Praxis, um die Sicherheit und Wirksamkeit von Arzneimitteln für alle Patienten zu verbessern.
Sex-related differences in pharmacokinetics and pharmacodynamics can significantly affect drug response. Women tend to be exposed to higher drug concentrations than men, leading to a higher risk of adverse reactions. The article highlights these differences and underscores the importance of considering sex and gender differences throughout drug development, post-market surveillance, and clinical practice to improve drug safety and efficacy for all patients. Key words: Sex-specific pharmacokinetics, Gender differences in drug response, Adverse drug reactions, Clinical trial representation
Einleitung
Der Einfluss von Geschlecht und Gender im Bereich der Medizin, insbesondere im Zusammenhang mit der Behandlung mit Arzneimitteln, ist ein sehr aktuelles Thema. Der vorliegende Artikel befasst sich vor allem mit geschlechtsspezifischen Unterschieden bei der Reaktion auf medikamentƶse Behandlungen.
Der Ursprung des Geschlechtsdimorphismus geht zurück bis zur Befruchtung und zur nachfolgenden Entwicklung eines Embryos, der die Geschlechtschromosomen XX oder XY trägt. In der Medizin werden Unterschiede in der Häufigkeit und Schwere bestimmter Erkrankungen auf diesen Dimorphismus zurückgeführt: Beispielsweise sind Autoimmunerkrankungen bei Frauen häufiger, während Gicht bei Männern häufiger auftritt. Die mit COVID-19 verbundene Morbidität und Mortalität ist bei Männern signifikant höher, was teilweise durch biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern erklärt wird (Modulation des Immunsystems und der Expression der ACE2-Rezeptoren, an die SARS-CoV-2 bindet, durch Sexualhormone) (1). Im Zusammenhang mit medikamentösen Behandlungen kann sich das Geschlecht auch auf die Pharmakokinetik (PK) und die Pharmakodynamik (PD) auswirken.
Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Pharmakokinetik
Es gibt zahlreiche anatomische, physiologische und biologische Unterschiede zwischen MƤnnern und Frauen, die sich auf die PK auswirken kƶnnen (Tab.ā1).
Der Einfluss des Geschlechts auf die verschiedenen PK-Parameter ist von den physikalisch-chemischen Eigenschaften und den Eliminationswegen des angewendeten Arzneimittels abhängig. Die schlussendliche Wirkung ist das Ergebnis der Einflüsse des Geschlechts auf die Phasen der Absorption, Verteilung, Verstoffwechselung und Ausscheidung des Wirkstoffs.
Die Magen-Darm-Passage ist bei Frauen langsamer, deshalb kann die Aufnahme bestimmter Wirkstoffe verzƶgert sein, wie z. B. beim NSAR Ketoprofen (2). Auch die aufgenommene Menge kann je nach Geschlecht variieren: Bei vorpubertƤren MƤdchen und Jungen, bei denen es keine Unterschiede in den Eisenspeichern oder im HƤmoglobinspiegel gab, war die Aufnahme von oral eingenommenem Eisen bei den MƤdchen signifikant hƶher (3).
Im Vergleich zu MƤnnern ist die Kƶrperzusammensetzung von Frauen durch einen hƶheren Fettanteil und einen geringeren Wassergehalt gekennzeichnet. Bei lipophilen Substanzen wirkt Kƶrperfett als Reservoir, und Wirkstoffe kƶnnen bei Frauen eine verlƤngerte Eliminationshalbwertszeit aufweisen. Folglich ist auch die Zeit bis zum Erreichen des Steady State lƤnger. Die maximale Plasmakonzentration von hydrophilen Wirkstoffen wiederum kann bei Frauen hƶher sein, da sich diese Arzneimittel in einem kleineren Volumen verteilen als bei MƤnnern. Der Einfluss des Geschlechts auf die Verteilung ist jedoch begrenzt; er ist geringer als der Einfluss von Fettleibigkeit auf die Verteilung von lipophilen Wirkstoffen oder von fettfreier Kƶrpermasse auf die Verteilung von hydrophilen Wirkstoffen.
Die Clearance (Metabolismus und Ausscheidung) ist der PK-Parameter, der am ausgeprƤgtesten durch das Geschlecht beeinflusst wird. MƤnner haben im Allgemeinen eine schnellere Clearance als Frauen, was auf die grƶsseren Ausscheidungsorgane (Leber, Nieren) und die unabhƤngig von der Grƶsse der Organe insgesamt hƶhere EnzymaktivitƤt zurückzuführen ist. Da die Dosierungsempfehlungen für beide Geschlechter gleich sind und bis vor Kurzem auf PK-Studien basierten, die an MƤnnern durchgeführt wurden, sind Frauen tendenziell systematisch überexponiert (4). Diese Ćberexposition ist in der Regel moderat, mit Konzentrationen von durchschnittlich +20 % im Vergleich zu MƤnnern, was unter den interindividuellen Unterschieden bei einer moderaten VariabilitƤt von rund 30 % liegt (5). Eine Ausnahme ist Zolpidem: Es wurde eine Exposition von +40ā50 % bei Frauen festgestellt, was die FDA und Health Canada dazu veranlasste, die Dosierung bei Frauen ab 2013 zu halbieren (6, 7). Diese Empfehlung wurde von anderen Regulierungsbehƶrden, einschliesslich Swissmedic, nicht übernommen. Abgesehen davon wurde spƤter in Frage gestellt, ob diese ungewƶhnliche Entscheidung der FDA und von Health Canada sinnvoll war (8).
Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Pharmakodynamik
Es gibt auch bezüglich der PD Unterschiede zwischen den Geschlechtern, auch wenn diese weniger gut dokumentiert sind als PK-Unterschiede, da sie wahrscheinlich schwieriger zu untersuchen sind. In einer Studie wurde die maximale Wirksamkeit von Vasopressin (antidiuretisches Hormon) bei niedrigeren Konzentrationen bei Frauen als bei Männern beobachtet, und Hyponatriämie trat bei Frauen häufiger auf (9). Die Unterdrückung der Cortisolsekretion trat bei Frauen bei niedrigeren Konzentrationen von Methylprednisolon auf als bei Männern (10). Bei gesunden Freiwilligen führte Chinidin bei gleichen Konzentrationen zu einer stärkeren QT-Verlängerung bei Frauen als bei Männern (11).
Zusammenfassung
Das Geschlecht hat einen Einfluss auf das Ansprechen auf Arzneimittel, ist aber nur einer von mehreren Faktoren, und die PK-Variabilität innerhalb einer Population gleichen Geschlechts ist grösser als die PK-Variabilität zwischen den Geschlechtern. Viele Faktoren sind für die interindividuelle PK-Variabilität verantwortlich. Die wichtigsten sind die Nierenfunktion und die Leberfunktion, die bei der Verschreibung konsequent berücksichtigt werden müssen.
Dennoch sind Frauen im Vergleich zu MƤnnern tendenziell hƶheren Wirkstoffkonzentrationen ausgesetzt. Obwohl diese Ćberexposition insgesamt moderat ist, ist sie wegen der systematischen AusprƤgung problematisch und zumindest teilweise für die beobachtete signifikante Ćbervertretung von Frauen bei unerwünschten Arzneimittelwirkungen verantwortlich, da alle unerwünschten Wirkungen ā in unterschiedlichem Ausmass ā konzentrationsabhƤngig sind. Eine Studie über die Sicherheit neuer Arzneimittel ergab, dass bei Frauen im Vergleich zu MƤnnern 60 % mehr unerwünschte Wirkungen auftraten (12). In einer Studie zu verschiedenen Klassen von onkologischen Behandlungen waren Frauen von schweren unerwünschten Wirkungen um 34 % hƤufiger betroffen, wobei die überproportionale Vertretung bei Immuntherapien sogar 49 % erreichte (13). Schliesslich entzog die FDA zwischen 1997 und 2000 zehn Arzneimitteln aus Sicherheitsgründen die Zulassung, wobei acht dieser zehn Arzneimittel mit signifikant hƶheren Risiken für Frauen in Verbindung gebracht worden waren (14). Neben der Ćberexposition kƶnnen auch andere, eher genderspezifische Faktoren zu den hƤufigeren unerwünschten Wirkungen bei Frauen beitragen. Dazu gehƶren Unterschiede in der Empfindlichkeit gegenüber unerwünschten Wirkungen (PD-Unterschiede), die Exposition gegenüber einer grƶsseren Anzahl von Arzneimitteln und eine grƶssere Bereitschaft zur Meldung von unerwünschten Wirkungen bei Frauen als bei MƤnnern (15, 16, 17).
Lange Zeit beruhte die Entwicklung von Arzneimitteln, insbesondere in den frühen Phasen, auf männlichen Versuchspersonen, hauptsächlich wegen allfälligen teratogenen Wirkungen. Auch wenn die Beteiligung von Frauen an klinischen Studien in den letzten zwei Jahrzehnten allmählich zugenommen hat, sind Frauen in den Phasen I und II immer noch in der Minderheit. Dasselbe gilt für präklinische Studien, die immer noch überwiegend mit männlichen Tieren durchgeführt werden (5). Eine bessere Repräsentation während der gesamten Arzneimittelentwicklung sowie die Analyse von Daten in geschlechtsspezifischen Untergruppen sollten zu einer besseren Beschreibung der PK/PD von Arzneimitteln bei Frauen führen, namentlich zu einer Verringerung der Verzerrung bei der Dosisfindung, und somit zur Markteinführung neuer Arzneimittel, die für die Patientengruppe der Frauen insgesamt besser geeignet und sicherer sind.
Nach der Marktzulassung ist es weiterhin wichtig, geschlechts- und genderspezifische Ćberlegungen zu berücksichtigen, insbesondere bei Phase-IV-Studien und in der Pharmakovigilanz, aber auch in der tƤglchen klinischen Praxis.
Die Autorinnen haben keine Interessenkonflikte im Zusammenhang zu diesem Artikel deklariert.
1. Yaāqoub L, Elgendy IY, Pepine CJ. Sex and gender differences in COVID-19: More to be learned! Am Heart J Plus 2021;3:100011. doi: 10.1016/j.ahjo.2021.100011.
2. Magallanes L, Lorier M, Ibarra M, et al. Sex and food influence on intestinal absorption of ketoprofen gastroresistant formulation. Clin Pharmacol Drug Dev 2016;5(3):196-200. doi: 10.1002/cpdd.208.
3. Woodhead JC, Drulis JM, Nelson SE, et al. Gender-related differences in iron absorption by preadolescent children. Pediatr Res 1991;29(5):435-9. doi: 10.1203/00006450-199105010-00005.
4. Stader F, Marzolini C. Sex-related pharmacokinetic differences with aging. Eur Geriatr Med 2022;13(3):559-565. doi: 10.1007/s41999-021-00587-0.
5. Dekker MJHJ, de Vries ST, Versantvoort CHM, et al. Sex proportionality in pre-clinical and clinical trials: an evaluation of 22 marketing authorization application dossiers submitted to the European Medicines Agency. Front Med (Lausanne). 2021 Mar 11;8:643028. doi: 10.3389/fmed.2021.643028.
6. Greenblatt DJ, Harmatz JS, Singh NN, et al. Gender differences in pharmacokinetics and pharmacodynamics of zolpidem following sublingual administration. J Clin Pharmacol 2014;54(3):282-90. doi: 10.1002/jcph.220.
7. https://www.fda.gov/files/drugs/published/Drug-Safety-Communication–Risk-of-next-morning-impairment-after-use-of-insomnia-drugs–FDA-requires-lower-recommended-doses-for-certain-drugs-containing-zolpidem-%28Ambien–Ambien-CR–Edluar–and-Zolpimist%29.pdf (zuletzt aufgerufen am 04.09.2024).
8. Greenblatt DJ, Harmatz JS, Roth T. Zolpidem and gender: are women really at risk? J Clin Psychopharmacol 2019;39(3):189-199. doi: 10.1097/JCP.0000000000001026.
9. Juul KV, Klein BM, Sandstrƶm R, et al. Gender difference in antidiuretic response to desmopressin. Am J Physiol Renal Physiol 2011;300(5):F1116-22. doi: 10.1152/ajprenal.00741.2010.
10. Lew KH, Ludwig EA, Milad MA, et al. Gender-based effects on methylprednisolone pharmacokinetics and pharmacodynamics. Clin Pharmacol Ther 1993;54(4):402-14. doi: 10.1038/clpt.1993.167.
11. El-Eraky H, Thomas SH. Effects of sex on the pharmacokinetic and pharmacodynamic properties of quinidine. Br J Clin Pharmacol 2003;56(2):198-204. doi: 10.1046/j.1365-2125.2003.01865.x.
12. Martin RM, Biswas PN, Freemantle SN, et al. Age and sex distribution of suspected adverse drug reactions to newly marketed drugs in general practice in England: analysis of 48 cohort studies. Br J Clin Pharmacol 1998;46(5):505-11. doi: 10.1046/j.1365-2125.1998.00817.x.
13. Unger JM, Vaidya R, Albain KS, et al. Sex differences in risk of severe adverse events in patients receiving immunotherapy, targeted therapy, or chemotherapy in cancer clinical trials. J Clin Oncol 2022 May 1;40(13):1474-1486. doi: 10.1200/JCO.21.02377.
14. Heinrich J. Drug safety : most drugs withdrawn in recent years had greater health risks for women. United States general accounting office 2001. https://digital.library.unt.edu/ark:/67531/metadc297960/m1/3/ (zuletzt aufgerufen am 04.09.2024).
15. Sportiello L, Capuano A. Sex and gender differences and pharmacovigilance: a knot still to be untied. Front Pharmacol 2024;15:1397291. doi: 10.3389/fphar.2024.1397291.
16. Holm L, Ekman E, JorsƤter Blomgren K. Influence of age, sex and seriousness on reporting of adverse drug reactions in Sweden. Pharmacoepidemiol Drug Saf 2017;26(3):335-343. doi: 10.1002/pds.4155. Epub 2017 Jan 10. PMID: 28071845.
17. Watson S, Caster O, Rochon PA, et al. Reported adverse drug reactions in women and men: Aggregated evidence from globally collected individual case reports during half a century. EClinicalMedicine 2019;17:100188. doi: 10.1016/j.eclinm.2019.10.001.
Kann eine Kombinationstherapie mit Darolutamid das ĀFortschreiten des metastasierten hormonrefraktƤren ĀProstatakarzinoms hinauszƶgern?
In der Schweiz erhalten jedes Jahr rund 6000 MƤnner die Diagnose Prostatakrebs. Das macht diese Krebsart zur hƤufigsten bƶsartigen Tumorerkrankung bei MƤnnern. Die Medizin hat in den letzten Jahrzehnten wichtige Fortschritte in der Behandlung erzielt. Doch das metastasierte Prostatakarzinom, das nicht mehr auf antihormonelle Therapie reagiert ā und somit hormonĀrefraktƤr ist ā bleibt leider unheilbar. Deshalb sucht die Forschung nach neuen Therapieoptionen.
Darolutamid ist ein Wirkstoff, der den Androgenrezeptor auf den Prostatakrebszellen besetzt und so die wachstumsfördernde Wirkung von Testosteron blockiert. Der Wirkstoff weist ein günstiges Nebenwirkungsprofil auf und ist in der Schweiz und in Europa zur Behandlung von Prostatakrebs in früheren Stadien zugelassen.
Die Vorgängerstudie SAKK 08/16 hat gezeigt, dass Darolutamid bei Patienten mit einem metastasierten hormonrefraktären Prostatakrebs wirksam ist, wenn es nach der Chemotherapie als Erhaltungstherapie eingenommen wird. Die neue Studie SAKK 08/23 prüft, ob sich diese Wirkung bestätigen oder sogar verstärken lässt, wenn Darolutamid schon von Anfang an zusätzlich zur Standardtherapie und danach als Erhaltungstherapie zum Einsatz kommt.
Die Studie vergleicht die Behandlungsresultate bei 81 Patienten in der Versuchsgruppe mit den Resultaten von 81 Patienten in der Kontrollgruppe, die die Standardtherapie ohne Darolutamid erhƤlt. Der Zufall entscheidet, welche Studienteilnehmer zu welcher Gruppe zugewiesen werden. Insgesamt nehmen 162 Patienten an der Studie teil. (Abb.ā1)
Die Studie wird in 11 Behandlungszentren in der Schweiz und in 20 Behandlungszentren in Spanien durchgeführt. Eine erste Datenanalyse erfolgt, nachdem 81 Patienten eingeschlossen wurden; die abschliessende Datenanalyse erfolgt, sobald für 121 Patienten ein Fortschreiten der Krankheit innerhalb der Studie gemeldet wurde.
Eckdaten zur Studie
Studientitel
SAKK 08/23 Addition of Darolutamide to first line treatment of mCRPC: a randomized open label phase II trial
Teilnehmende Zentren
Tumorzentrum Aarau, Kantonsspital Baden, Istituto Oncologico della Svizzera Italiana, Kantonsspital Graubünden, HĆ“pitaux Universitaires de GenĆØve, Centre hospitalier universitaire Vaudois, Kantonsspital St.āGallen, Kantonsspital Winterthur, OnkoĀzentrum Zürich, Stadtspital Triemli, UniversitƤtsspital Zürich. ZusƤtzlich werden 20 Zentren in Spanien an der Studie teilnehmen.
Coordinating Investigator
Prof. Dr. med. Richard Cathomas
Supporting Coordinating Investigator
PD Dr. med. Ursula Vogl, MBA
Axillarchirurgie bei Brustkrebs ā PrimƤre Ergebnisse der INSEMA-Studie
Es ist unklar, ob im Rahmen einer brusterhaltenden Therapie auf ein chirurgisches axillƤres Staging verzichtet werden kann, ohne das Ćberleben zu beeintrƤchtigen. In einer prospektiven, randomisierten Nicht-Unterlegenheitsstudie wurde der Verzicht auf eine axillƤre Operation im Vergleich zu einer Sentinel-Lymphknoten-Biopsie bei Patientinnen mit klinisch nodal-negativem invasivem Brustkrebs im Stadium T1 oder T2 (Tumorgrƶsse ā¤5 cm), die für eine brusterhaltende Operation vorgesehen waren, untersucht. Im Folgenden wird die Per-Protocol-Analyse des invasiven krankheitsfreien Ćberlebens (der primƤre Wirksamkeitsnachweis) berichtet. Um die Nicht-Unterlegenheit des Verzichts auf eine axillƤre Operation nachzuweisen, musste die 5-Jahres-Rate des invasiven krankheitsfreien Ćberlebens mindestens 85 % betragen und die obere Grenze des Konfidenzintervalls für die Hazard Ratio für invasive Erkrankung oder Tod unter 1,271 liegen.
Ergebnisse
Insgesamt wurden 5502 Patientinnen (90% mit klinischem T1 und 79% mit pathologischem T1-Stadium) im Verhältnis 1:4 randomisiert. Die Per-Protocol-Population umfasste 4858 Patienten, von denen 962 für eine Behandlung ohne axilläre Operation (die Nicht-Operationsgruppe) und 3896 für eine Sentinel-Lymphknoten-Biopsie (die Operationsgruppe) ausgewählt wurden.
Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 73,6 Monate. Das 5-Jahres-DFiS betrug 91,9% (95% Konfidenzintervall [CI], 89,9 bis 93,5) für die Patienten in der Gruppe ohne Operation und 91,7% (95% CI, 90,8 bis 92,6) für die Patienten in der Gruppe mit Operation, mit einer Hazard Ratio von 0,91 (95% CI, 0,73 bis 1,14) unterhalb der vordefinierten Nichtunterlegenheitsgrenze. Die Analyse der ersten primären Ereignisse (Auftreten oder Wiederauftreten einer invasiven Erkrankung oder Tod jeglicher Ursache), die bei insgesamt 525 Patienten (10,8 %) auftraten, zeigte Unterschiede zwischen der nicht operierten und der operierten Gruppe hinsichtlich des Auftretens von axillären Rezidiven (1,0 % vs. 0,3 %) und Tod (1,4 % vs. 2,4 %). Die Sicherheitsanalyse deutet darauf hin, dass in der Gruppe ohne Operation weniger Lymphödeme, eine grössere Beweglichkeit des Arms und weniger Schmerzen bei Bewegung des Arms oder der Schulter auftraten als bei den Patienten, bei denen eine Sentinel-Lymphknoten-Biopsie durchgeführt wurde.
Schlussfolgerungen
In dieser Studie an Patientinnen mit klinisch nodal-negativem, invasivem T1- oder T2-Mammakarzinom (90% mit klinischem T1-Mammakarzinom und 79% mit pathologischem T1-Mammakarzinom) war der Verzicht auf ein operatives axillƤres Staging nach einem medianen Follow-up von 6 Jahren der Sentinel-Lymphknoten-Biopsie nicht unterlegen.
Quelle
Reimer T et al. Axillary Surgery in Breast Cancer ā Primary Results of the INSEMA Trial. N Engl J Med 2024 Dec 12. doi: 10.1056/NEJMoa2412063. Online ahead of print.
Metronomisches Capecitabin plus Aromatasehemmer als Ersttherapie bei Patientinnen mit HR pos./HER2 neg. metastasiertem Brustkrebs ā die Phase-III-Studie MECCA
Die Mehrzahl der Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs (MBC) ist hormonrezeptorpositiv, wobei die endokrine Therapie (ET) der Eckpfeiler der Erstbehandlung ist. Trotz des anfƤnglichen Ansprechens entwickeln jedoch praktisch alle Patientinnen schliesslich eine Resistenz gegen der ET, was zum Versagen der Behandlung führt (1-4). Bemühungen, diese Resistenz zu überwinden oder zu verzƶgern, wie der Einsatz von Hemmstoffen der Cyclin-abhƤngigen Kinase 4 und 6 (CDK4/6) oder des Mammalian Target of Rapamycin (mTOR)-Inhibitors Everolimus, haben bedeutende Erfolge gezeigt (5-10). Dennoch besteht nach wie vor Bedarf an neuartigen Kombinationsstrategien, um die Ćberlebenschancen von Patientinnen mit MBC mit Hormonrezeptor-positiver, humaner epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor-2 (HER2)-negativer Erkrankung weiter zu verbessern.
Die Auswirkungen einer metronomischen Chemotherapie in Kombination mit einer endokrinen Therapie wurden kürzlich in einer randomisierten klinischen Phase-III-Studie untersucht (11.)
Methoden
Diese randomisierte Studie wurden an 12 Zentren in China vom 22. August 2017 bis zum 24. September 2021 durchgeführt, die letzte Nachuntersuchung fand am 25. August 2023 statt. Eingeschlossen wurden Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem, humanem epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor 2 (HER2)-negativem metastasiertem Brustkrebs (MBC), die keine vorherige systemische Therapie für die metastasierte Erkrankung erhalten hatten. Die Teilnehmerinnen entweder einer metronomischen Behandlung mit Capecitabin plus einem Aromatasehemmer (AI) oder einer alleinigen AI-Therapie zugewiesen. Der primƤre Endpunkt war das progressionsfreie Ćberleben (PFS). Zu den sekundƤren Endpunkten gehƶrten das Gesamtüberleben (OS), die objektive Ansprechrate, die Krankheitskontrollrate (definiert als Krankheitskontrolle für ā„24 Wochen) und die Sicherheit.
Ergebnisse
Insgesamt wurden 263 Patienten randomisiert, von denen 254 die vollständige Analysegruppe bildeten. Während der medianen Nachbeobachtungszeit von 50,7 Monaten traten 203 PFS-Ereignisse auf. Der metronomische Capecitabin-plus-AI-Arm wies ein medianes PFS von 20,9 Monaten auf, verglichen mit 11,9 Monaten im AI-Arm (Hazard Ratio [HR], 0,58 [95% CI, 0,43 bis 0,76]). Das mediane OS wurde in der Kombinationsgruppe nicht erreicht und lag in der AI-Gruppe bei 45,1 Monaten (HR, 0,58 [95 % CI, 0,37 bis 0,93]). Die häufigsten unerwünschten Ereignisse waren palmar-plantare Erythrodysästhesie und periphere Neuropathie; Ereignisse des Grades 3 traten bei 15,1 % der mit der Kombination behandelten Patienten auf.
Schlussfolgerung
Die MECCA-Studie zeigte bei Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem+/HER2-negativem MBC eine signifikante Verbesserung des PFS und OS unter metronomischer Erstlinientherapie mit Capecitabin plus AI im Vergleich zu AI allein. Beide Behandlungsarme wiesen ein tolerierbares Sicherheitsprofil auf, das mit früheren Berichten übereinstimmt.
Quelle
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