Impfpräferenzen gegen ­Frühsommer-Meningoenzephalitis in vier europäischen Ländern

Die durch Zecken übertragene Enzephalitis (FSME), verursacht durch das FSME-Virus (FSMEV), ist eine durch Vektoren übertragene neurologische Erkrankung, die Menschen und Tiere befällt (1). Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch den Biss einer infizierten Ixodes-Zecke (2) in der freien Natur und in ländlichen Gebieten (3).

Die FSME gilt in 27 europƤischen LƤndern als endemisch (4, 5), wobei die EndemizitƤt innerhalb der einzelnen LƤnder von Region zu Region variieren kann (4). Es wird von 5–12 000 FƤllen pro Jahr in Europa ausgegangen (6), wobei leichte oder asymptomatische FƤlle wahrscheinlich untererfasst sind (5, 7, 8) und die Meldegewohnheiten von Land zu Land stark variieren (2). Neuere Berichte deuten darauf hin, dass die Zahl der FSME-FƤlle in Europa allein in den letzten fünf Jahren deutlich zugenommen hat (9–11). Die mƶglichen Gründe hierfür sind komplex und multifaktoriell, doch scheinen lƤngere Aufenthalte im Freien in zeckenverseuchten Gebieten, erhƶhte Exposition durch wenig verarbeitete und lokal produzierte Lebensmittel sowie klimatische VerƤnderungen, die eine erhƶhte VektoraktivitƤt und -ausbreitung begünstigen, die treibenden Faktoren zu sein (12).

Im letzten Jahr wurde eine Studie veröffentlicht, die die FSME-Impfpräferenzen und das motivierende Verhalten von Menschen in FSME-endemischen Regionen in Europa untersuchte, um die wichtigsten Verbesserungsmöglichkeiten für verschiedene Strategien aufzuzeigen (13).

Methoden

Es wurde eine Online-Befragung der allgemeinen Ɩffentlichkeit in Ɩsterreich, Deutschland, der Schweiz und Schweden durchgeführt. Die Teilnehmer waren ≄ 18 Jahre alt, offen für eine Impfung und lebten in FSME-endemischen Regionen der genannten LƤnder oder reisten regelmƤssig dorthin. Die Teilnehmer wurden nach ihrem allgemeinen Impfwissen und ihren Motiven für eine Impfung befragt, bevor sie die Wichtigkeit von FSME-Impfstoffmerkmalen wie Wirksamkeit, Sicherheit, Dosierungsschema und Auffrischungsintervall bewerteten. Anschliessend wurden den Teilnehmern drei hypothetische FSME-Impfstoffprofile mit unterschiedlichen Kombinationen von Eigenschaften vorgelegt. Unter der Annahme gleicher Wirksamkeit und Sicherheit wurden die Teilnehmer gebeten, im Rahmen einer Ā«Discrete-Choice-Conjoint-AnalyseĀ» ihr bevorzugtes Profil aus 12 Auswahlmƶglichkeiten auszuwƤhlen. Zur Darstellung der Bedeutung der einzelnen Attribute wurden Nutzenwerte berechnet. Die Daten werden für die gesamte Umfragegruppe sowie nach Alter und Geschlecht dargestellt, wobei t-Tests zum Vergleich der Mittelwerte verwendet wurden.

Resultate

Für 73 % der Teilnehmer (n = 1003/1379) war der Selbstschutz einer der drei wichtigsten Gründe, sich impfen zu lassen. Die Schwere der Erkrankung, der Schutz der Kinder oder der Familie und der Rat oder die Empfehlung eines Arztes/einer medizinischen Fachkraft waren für mehr als die HƤlfte der Teilnehmer die drei wichtigsten Gründe. Die Mehrheit (58–69 %) stimmte zu oder stimmte voll und ganz zu, dass sie ihrem Arzt/Fachkraft im Gesundheitswesen in Bezug auf Impfstoffe vertrauen, dass sie sich auf das Impfwissen ihres Arztes/Fachkraft im Gesundheitswesen verlassen und dass sie es vorziehen, dass ihr Arzt/HCP Empfehlungen dazu abgibt, welche Impfstoffe sie oder ihre Familie nehmen sollten. Bei den FSME-Impfprofilen mit 3-, 5- und 10-jƤhrigen Auffrischungsintervallen war jedoch das 10-jƤhrige Auffrischungsintervall das einflussreichste Attribut bei der Wahl des bevorzugten Impfprofils (Nutzenscore: 0.58 [Standardfehler: 0.01]). Zwischen den einzelnen Alters- und Geschlechtsuntergruppen wurden Unterschiede bei den Motivatoren und PrƤferenzen festgestellt.

Schlussfolgerungen

Der hohe Grad der AbhƤngigkeit von Ƅrzten/FachkrƤfte im Gesundheitswesen unterstreicht die Schlüsselrolle, die Ƅrzte/FachkrƤfte im Gesundheitswesen bei der Beeinflussung von Impfstoffentscheidungen spielen. Bei der Auswahl eines hypothetischen FSME-Impfstoffprofils war das Auffrischungsintervall die wichtigste Entscheidungshilfe, wobei ein 10-jƤhriges Auffrischungsintervall am stƤrksten bevorzugt wurde. Diese Ergebnisse kƶnnten als Grundlage für FSME-Impfempfehlungen und für die weitere Entwicklung von FSME-Impfstoffen dienen.

Quelle
Zacharias C et al. What makes patients tick? Vaccine preferences against tick-borne encephalitis in four European countries. BMC Infect Dis 2024 Oct 13;24:1151. doi: 10.1186/s12879-024-10045-4

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1. Yoshii K. Epidemiology and pathological mechanisms of tick-borne encephalitis. J Vet Med Sci. 2019;81(3):343–7.
2. Kunze M et al. Recommendations to improve tick-borne encephalitis surveillance and vaccine uptake in Europe. Microorganisms 2022;10(7):1–16.
3. Schielein L, et al. Tick bites in different professions and regions: pooled cross-sectional study in the focus area Bavaria, Germany. BMC Public Health 2022;22(1):234
4. Centers for Disease Control and Prevention. Areas at risk for tick-borne encephalitis. 2024. Available from: Areas at Risk for Tick-borne Encephalitis | Tick-borne Encephalitis Virus | CDC. https://www.cdc.gov/tick-borne-encephalitis/data maps/?cdc_aaref_val=https://https://www.cdc.gov/tick-borne-encephalitis/geographicdistribution/index.html.
5. Riccardi , et al.. Tick-borne encephalitis in Europe: a brief update on epidemiology, diagnosis, prevention, and treatment. Eur J Intern Med. 2019;62:1–6
6. European Centre for Disease Prevention and Control. World Health Organization Europe. Tick-borne encephalitis in Europe. 2014. Available from: https://www.ecdc.europa.eu/sites/default/files/media/en/healthtopics/vectors/world-health-day-2014/Documents/factsheet-tick-borne-encephalitis.pdf#:~:text=Approximately%205000-12%20000%20cases%20of%20TBE,are%20reported%20in%20Europe%20each%20year. Accessed Mar 2024.
7. World Health Organization. Tick-borne encephalitis. 2023. Available from: https://www.who.int/health-topics/tick-borne-encephalitis/#tab=tab_1. Accessed Mar 2024.
8. Albinsson B et al. Seroprevalence of tick-borne encephalitis virus and vaccination coverage of tick-borne encephalitis, Sweden, 2018 to 2019. Euro Surveill. 2024;29(2):2300221
9. Jenkins VA, et al. The epidemiology of infectious diseases in Europe in 2020 versus 2017–2019 and the rise of tick-borne encephalitis (1995–2020). Ticks Tick Borne Dis. 2022;13(5): 101972.
10. Slunge D et al. Burden of tick-borne encephalitis. Sweden Emerg Infect Dis. 2022;28(2):314–22
11. Van Heuverswyn J et al. Spatiotemporal spread of tick-borne encephalitis in the EU/EEA, 2012 to 2020. Euro Surveill. 2023;28(11):2200543.
12.Saegerman C et al. First expert elicitation of knowledge on possible drivers of observed increasing human cases of tick-borne encephalitis in Europe. Viruses. 2023;15(3):791
13. Zacharias C et al. What makes patients tick? Vaccine preferences against tick-borne encephalitis in four European countries. BMC Infect Dis 2024 Oct 13;24:1151. doi: 10.1186/s12879-024-10045-4

Vincent van Gogh: Genie und Wahnsinn

Kreativität und Krankheit: Vincent van Gogh kannte beides. Auf Episoden geistiger Klarheit folgten dramatische ­Höhen und Tiefen, kurze und heftige Krankheitsschübe mit akustischen und optischen Halluzinationen, Depressionen, epileptischen Anfällen und Desorientierung. Zahlreiche Forscher gehen primär von psychischen Erkrankungen aus, andere von somatischen Ursachen. Letztlich bleibt unklar, an welche(n) Erkrankung(en) van Gogh litt.

Patient: Vincent van Gogh
Geboren: 30. MƤrz 1853 in Groot-Zundert, Niederlande
Gestorben: 29. Juli 1890 in Auvers-sur-Oise, Frankreich

Ƅrzte und Psychologen stellten zu Lebzeiten und posthum bei van Gogh verschiedenste Diagnosen seiner Krankheit(en), die im dritten Lebensjahrzehnt einsetzten. Von einer Epilepsie über Schizophrenie bis zur MeniĆØre-Erkrankung, von der bipolaren Stƶrung bis hin zu Syphilis wurden diverse Leiden vermutet. Gegen primƤr psychiatrische Diagnosen sprach, dass die psychotischen Episoden erst spƤt in van Goghs Leben auftraten und nur relativ kurz anhielten. Zudem lagen Anzeichen für eine organisch bedingte Psychose vor, etwa fokalneurologische Symptome, epileptische AnfƤlle, GedƤchtnisstƶrungen und optische Halluzinationen. Von den somatischen Differenzialdiagnosen deckten vor allem die Temporallappenepilepsie und die akute intermittierende Porphyrie (AIP) van Goghs psychiatrisch-neurologische Symptome ab. Sein übermƤssiger Alkoholkonsum hat beide Erkrankungen mƶglicherweise aggravieren und zu einem Alkoholentzugsdelir führen kƶnnen.

Stress, Alkohol, Hunger, Tabakkonsum

Van Gogh quälten immer wieder starke Magenschmerzen. Forscher interpretierten diese Beschwerden gemeinsam mit der Psychose und epileptischen Anfällen als mögliche Manifestation einer akut intermittierenden Porphyrie. Häufig manifestiert sich die AIP um das 30. Lebensjahr latent, bis äussere Einflussfaktoren einen und akuten Schub auslösen. Dazu gehören Stress, Alkohol, Hungern und Tabakkonsum. All diese Aspekte trafen auf van Gogh zu: In seinen exzessiven Schaffensphasen konsumierte er während der Arbeit regelmässig Alkohol, vor allem Cognac und Absinth, und ass tagelang fast nichts, um das Geld für Malfarben zu sparen. «Wenn der Sturm in mir zu laut brüllt, trinke ich ein Glas zu viel, um mich zu betäuben», schrieb er seinem Bruder und Vertrauten Theo, der als Kunsthändler in Paris arbeitete, zwei Jahre vor seinem Tod. Auch das Nervengift Alpha-Thujon, das im Absinth enthalten ist, könnte zu AIP-Schüben geführt haben.

Zeitgenossen berichteten, van Gogh habe unter tonischen Spasmen der Hand gelitten und oft abwesend vor sich hin gestarrt. Für die Dauer dieser Episoden habe eine Amnesie bestanden. Van Gogh konnte sich etwa nicht daran erinnern, dass er Gaugin bei seinem Besuch in Arles bedroht oder sich ein Ohr abgeschnitten hatte. Seine Ƅrzte gingen von einer Epilepsie aus und behandelten ihn mit Kaliumbromid, einem der ersten Antikonvulsiva. Danach soll sich der Zustand des Malers nach eigenen Angaben deutlich gebessert haben. Dennoch setzten die weiterbehandelnden Ƅrzte das Medikament aus unbekannten Gründen wenig spƤter wieder ab.

«Ich habe nicht weniger als 10 Zähne verloren»

Van Gogh ging regelmässig in Bordelle und war zeitweise mit einer Prostituierten liiert. Daher wurde von einigen Forschern auch eine Neurosyphilis als mögliche Ursache seiner Symptomatik diskutiert; diese konnte sowohl zu epileptischen Anfällen als auch zu psychotischen Störungen führen. Allerdings zeigte van Gogh keine weiteren Lues-IV-Symptome wie Ataxie, Hirnnervenausfälle oder Sensibilitätsstörungen.

– Der Maler galt als starker Raucher. Sich selbst portrƤtierte er oft mit Pfeife. Seinem Bruder schrieb er in einem seiner vielen Hundert Briefe an ihn, dass er vermehrt rauche, um Ā«den leeren Bauch nicht spürenĀ» zu müssen.

– In van Goghs Familie gab es zahlreiche psychiatrische Erkrankungen. Bei van Goghs Vater und seinen Geschwistern traten neben neurologisch-psychiatrischen Symptomen wie Wahnvorstellungen auch LƤhmungserscheinungen auf. Forscher sahen in dieser Familienanamnese Anzeichen für eine autosomal-dominant vererbte AIP.

– Eine Bleivergiftung kƶnnte zu einer Enzephalopathie und starken Bauchschmerzen geführt haben. Die mƶgliche Giftquelle: die bleihaltigen Ɩlfarben des Künstlers. Auch Frida Kahlo, Peter Paul Rubens und Michelangelo Caravaggio sollen an einer chronischen Bleivergiftung gelitten haben. Seinem Bruder Theo schrieb van Gogh 1886: Ā«Ich habe nicht weniger als zehn ZƤhne verlorenĀ», was sich wie auch seine Darmkoliken, die AnƤmie, seine Verwirrtheit und Schlaflosigkeit mit einer chronischen Bleivergiftung erklƤren liesse. Auch wegen van Goghs Verwirrtheit, Schlaflosigkeit oder AggressivitƤt gegen Gaugin vermuteten Forscher eine chronische Bleivergiftung. Neben Bauchkoliken, blauschwarzem Zahnfleischsaum und Fallhand wurde eine hypochrome AnƤmie durch den Verdacht auf eine Bleivergiftung als Ursache vermutet.

– Die Fastenperioden und der Alkoholkonsum kƶnnten auch zu einem chronischen Vitaminmangel geführt haben. Das Fehlen von Vitamin B12 etwa, kƶnnte sich in neuropsychiatrischen Symptomen wie Antriebslosigkeit, gedrückter Stimmung oder einer Psychose manifestiert haben. Neben der erwƤhnten AnƤmie finden sich in van Goghs Briefen auch Hinweise auf vegetative Folgeerscheinungen eines mƶglichen Vitamin-B12-Mangels wie Impotenz. Ein Vitamin-B3-Mangel aufgrund des Alkoholabusus kƶnnte bei van Gogh zu psychischen AufĀ­fƤlligkeiten, Desorientierung oder Aggression geführt haben. Ebenfalls iatrogene Ursachen kommen infrage: Digitalis-Intoxikationen kƶnnten bei van Gogh neben Übelkeit und Bauchschmerzen mit einem visuell wahrgenommenen Gelb- und Grünstich einhergegangen sein, wie man ihn von van Goghs berühmten Sonnenblumen kennt. Auch die These, dass der Maler an der erblichen Stoffwechselkrankheit Porphyrie gelitten haben kƶnnte, die einen Einfluss auf die Lichtwahrnehmung des Künstlers hatte, diente einigen Forschern als ErklƤrung für van Goghs eigenwillige Farbkompositionen.

Höchst produktive Zeit im «Asyl für Geisteskranke»

Vincent van Gogh litt an akustischen Halluzinationen und 1879 wurde erstmals die Theorie vertreten, dass der Künstler an Morbus-MeniĆØre-Schwindel gelitten habe. Ein damit einhergehender unertrƤglicher Tinnitus kƶnnte die ErklƤrung für van Goghs Attacke in Arles in der Nacht vom 23. Dezember 1888 aufs eigene Ohr sein, an der er, fast verblutet, am nƤchsten Morgen in seinem Bett gefunden und ins Krankenhaus von Arles eingeliefert wurde.

Nach diesem Vorfall fürchteten sich die Nachbarn van Goghs noch mehr vor dem «Fou roux» und leiteten eine Unterschriften­aktion ein, um ihn einsperren zu lassen. 1889 begab sich van Gogh freiwillig in das «Asyl für Geisteskranke» Saint-Paul-de-Mausole in Saint-Rémy, wo er während eines Jahres behandelt wurde. Es wurde eine der produktivsten Zeiten des Malers überhaupt. Umgeben von riesigen Pinien und grünen Zypressen, entstanden unter vielen anderen Bildern die weltbekannten Grosswerke «Sternennacht» oder «Weizenfeld mit Zypressen». Im Mai 1890 zog er zu seinem Arzt Dr. Paul Gachet nach Auvers-sur-Oise bei Paris. Am 29. Juli 1890 schoss der Künstler auf sich selbst und erlag zwei Tage danach den Verletzungen. Eine Autopsie unterblieb.

Jƶrg Weber

Quellen:
– Arnold W.: Ein Leben zwischen KreativitƤt und Krankheit. BirkhƤuser Basel/Boston/Berlin, 1993
– Decker G.: Vincent van Gogh – Pilgerreise zur Sonne. Biografie. Matthes & Seitz Berlin, 2009

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Winterliche Wanderung in einem geschichtstrƤchtigen Gebiet

Der innere Teil der Val Colla erinnert uns jedes Mal an die schwierigen Jahre, die die Grenzdörfer dort während des Zweiten Weltkrieges durchleben mussten. Dabei sind unsere Gedanken untrennbar verbunden mit den Erzählungen von Aline Valangin in ihrem Buch Dorf an der Grenze, die, ich zitiere den Klappentext der Ausgabe 1982 des Limmat Verlags, die Geschichte eines Tessiner Dorfes und seiner Bewohner zur Zeit des Zweiten Weltkrieges beschreibt. Auf den ersten Blick eine Insel des Friedens, in Wirklichkeit aber von den Ereignissen jenseits der Grenze direkt betroffen: Flüchtlinge, die von Schweizer Grenzbehörden zurückgeschickt werden, schwunghafter Schmuggel mit dem vom Krieg zerstörten Italien, Partisanenkämpfe bis auf das Gebiet des Dorfes. Als kleiner Junge beeindruckte mich der in jener Zeit noch an vielen Stellen der Tessiner Südgrenze weitgehend intakte Maschendrahtzaun insbesondere durch seine Höhe und warf in mir viele Fragen auf. Noch heute bewahre ich ein Stück dieses Zaunes auf, den ich damals herausgetrennt hatte, in Auflehnung gegen die gewaltsame Trennung von Menschen, die über Jahrhunderte durch ihre Kultur und das tägliche Leben auf das Engste miteinander verbunden waren.

Wir beginnen unsere Rundwanderung im nordwestlichen Teil des Dorfes Bogno, bei einem kleinen Parkplatz. Dort zweigt berg- und südostwärts ein Weg ab, der sich bald wieder nach Norden wendet und, den Verbindungsweg nach Cozzo verlassend, zu den steilen Weiden von Bass Comun hinaufführt. Bei den obersten Häusern wenden wir uns nur noch wenig ansteigend gegen Osten den Buchen- und Lärchenwäldern zu. Wir geraten in dichtes Buschwerk von Ginster, das bereits einen Teil der Weiden oberhalb des Dorfes erobert hat. Heute wird es hier wieder zurückgedrängt und ist auch der Weg wieder freigelegt, der vor wenigen Jahren nur noch dem kundigen Auge zugänglich war. Wir ziehen seit je her diesen mehrheitlich in der Sonne liegenden Pfad dem alten Saumpfad vor, der im Dorf beim alten Zollhaus beginnt und sich steil durch die Val Giumela hinaufwindet. Nach einer langen, mehrheitlich fast ebenen Hangtraverse erreichen wir beim Geländepunkt 1358 Meter diesen Saumpfad. Nun ist es nicht mehr weit bis zur Alpe di Cottino, die gleich über der Waldgrenze liegt und wo man im Sommer einkehren sowie übernachten kann. Auch oberhalb der Alp führt der Pfad weiterhin in östlicher Richtung zum Fahrsträsschen hinauf, das von Certara herkommt und über das wir in kurzer Zeit den Passo di San Lucio erreichen. Hier stehen zwei Hütten, eine auf der Schweizer, die andere auf der italienischen Seite (Abb. 1). Diesmal kehren wir bei Ivan ein, in der ehemaligen italienischen Grenzkaserne Fiamme Gialle und geniessen seine herrlich mundende Minestrone, in die wir dünne Scheiben des hiesigen Alpkäses schneiden. Auch den würzigen Würsten mit Polenta können wir nicht wiederstehen, die wir mit einem Glas des süffigen Nostrano abrunden. An den Wänden hängen noch alte Fotografien, die von der lebhaften Geschichte dieses Wallfahrtsortes erzählen, der für die Menschen beidseits der Grenze grosse Bedeutung hat.

Vor der Hütte erwartet uns wieder der eisige Nordwind, der uns an der San Lucio geweihten Kirche vorbei nach Süden in Richtung des Monte Cucco treibt. Diesen umgehen wir auf dessen Ostseite, bis kurz vor der berseitig liegenden Ruine einer Alphütte eine Pfadspur zur Senke zwischen Monte Cucco und Colmo San Bernardo hinaufleitet (Abb. 2). Dort stossen wir auf einen guten Weg, der in
mehreren weiten Kehren den jenseitigen Hang in die Val di Vegin hinunterführt. Schliesslich wendet sich der Karrenweg gegen Norden, durchquert die Cugnoli della Fornace und della Peccia bis zur Waldlichtung von La Corte. An der Stelle wo das Strässchen wieder in den Wald eindringt, zweigt der alte Weg talwärts ab und führt nach einem kurzen Schlenker gegen Süden direkt zu den Häusern von Certara hinunter. Wir verlassen das Dorf gegen Nordosten auf dem oberen Strässchen, das den westlichen Gratrücken des Monte Cucco querend in die Val da Marca einbiegt und uns an den Ausgangspunkt unserer Wanderung in Bogno zurückbringt.

Im Kopf klingen uns Zeilen aus Aline Valangins Erzählung nach: Nach einer Regel, die den Dorfleuten geheimnisvoll blieb und die sie verabscheuten, wurden die einen aufgenommen und die anderen zurückgewiesen. Am Abend konnte man die Männer auf der rückwärtigen Laube hinter den Holzgittern spazieren sehen, auf und ab, hin und her, wie wilde Tiere im Käfig. Man gewöhnte sich an den Anblick. Es war eben Krieg. Es war eben Krieg draussen, irgendwo und überall, aber hier nicht, gottlob!

Leserinnen und Leser, die gerne einmal eine Bergtour mit dem ­Autor der Wandertipps unternehmen möchten, können ihr ­Interesse per E-Mail an christian.besimo@bluewin.ch anmelden und werden darauf über geplante Wanderungen informiert.

Verpflegung
Capanna Alpe Cottino, 071 660 10 70,
Capanna San Lucio, 076 411 68 14, www.capannasanlucio.ch; Rifugio San Lucio, 0039 328 389 6336

In dieser Rubrik werden Berg- und Schneeschuhwanderungen vorgestellt, die in der Regel wenig bekannt sind, zu aussergewƶhnlichen Orten führen und die Genugtuung einer besonderen persƶnlichen Leistung bieten, sei es, dass man sich am Abend nach der Arbeit noch zu einer kleinen kƶrperlichen Anstrengung überwindet, bzw. sich in ein oder zwei Tagen abseits breit getretener Wege unvergessliche Naturerlebnisse erschliesst. Zur besseren Beurteilbarkeit des Schwierigkeitsgrades der TourenvorschlƤge wird jeweils eine EinschƤtzung anhand der SAC-Skala für Berg- (T1-6) und für Schneeschuhwanderungen (WT 1 – 6) gegeben. Die schwierigste Wegstelle, unabhƤngig von ihrer LƤnge, bestimmt jeweils die Gesamtbewertung der Route. Letztendlich bleibt aber jeder selbst für die Beurteilung seiner FƤhigkeiten und Eignung für die vorgestellte Wanderung verantwortlich. Die Gehzeiten sind Richtwerte und gelten für normal trainierte Wanderer. Sie müssen nicht zwingend mit den Angaben auf Wegweisern übereinstimmen.

Prof. Dr. med. dent. Christian E. Besimo

Riedstrasse 9
6430 Schwyz

christian.besimo@bluewin.ch

La dépression chez les personnes âgées

La dĆ©pression est une maladie frĆ©quente et souvent nĆ©gligĆ©e chez les personnes Ć¢gĆ©es. Cet article parcourt le diagnostic et les traitements en suivant les recommandations suisses pour le diagnostic et le traitement de la dĆ©pression chez les personnes Ć¢gĆ©es. Le diagnostic sā€™ā€Šappuie sur lā€™ā€Šexploration clinique, complĆ©tĆ©e par la recherche de diagnostics diffĆ©rentiels. Il faut impĆ©rativement tenir compte du risque accru de suicide en cas de dĆ©pression chez le sujet Ć¢gĆ©. Sur le plan thĆ©rapeutique, on recourt en premier lieu Ć  la psychothĆ©rapie et, dans les cas graves, Ć  la pharmacothĆ©rapie. Des interventions psychosociales et des thĆ©rapies spĆ©ciales peuvent ĆŖtre mises en œuvre en parallĆØle. Dā€™ā€Šautres mĆ©thodes thĆ©rapeutiques biologiques telles que la privation de sommeil, la luminothĆ©rapie et les procĆ©dĆ©s de stimulation cĆ©rĆ©brale sā€™ā€Šappliquent dans un cadre thĆ©rapeutique spĆ©cialisĆ©.

Late-life depression is a frequent and underdiagnosed condition. This article discusses its diagnosis and treatment based on the Swiss Therapy Recommendations for Diagnosis and Treatment of Depression in Old Age. The diagnosis rests on the clinical exploration and the differential diagnostic process. Due to the elevated risk of suicide, the exploration of suicidality is imperative in late-life depression. Psychotherapy is the mainstay of treatment. In more severe cases of depression, it is complemented by pharmacotherapy. Psychosocial interventions and other specialist therapies can be useful add-ons. Biological therapies, such as sleep deprivation, bright light therapy and various brain stimulation methods are mainly used in specialized treatment contexts.
Key Words: Depression in the elderly, psychotherapy, antidepressants

Diagnostic

Il nā€™ā€Šexiste pas de critĆØres diagnostiques spĆ©cifiques pour le diagnostic de la dĆ©pression chez les personnes Ć¢gĆ©es (DPA). Le diagnostic est donc posĆ© et codĆ© comme chez lā€™ā€Šadulte plus jeune, sur la base des critĆØres – purement cliniques – de la CIM-10 pour lā€™ā€ŠĆ©pisode dĆ©pressif (F32) ou le trouble dĆ©pressif rĆ©current (F33). De mĆŖme, il nā€™ā€Šexiste pas de limite dā€™ā€ŠĆ¢ge claire, bien quā€™ā€Šen Suisse, on parle gĆ©nĆ©ralement de DPA pour les personnes > 65 ans (1). La dĆ©pression est frĆ©quente chez les personnes > 65 ans. Selon lā€™ā€ŠEnquĆŖte suisse sur la santĆ© 2022, 4 % des personnes > 65 ans prĆ©sentaient des symptĆ“mes de dĆ©pression modĆ©rĆ©e Ć  sĆ©vĆØre (2). Dans un contexte institutionnel comme dans les maisons de retraite et de soins, la prĆ©valence est nettement supĆ©rieure. Cela a des consĆ©quences pour le systĆØme de soins de santĆ© dans son ensemble. Avec le vieillissement de la population, il doit dā€™ā€Šune part se prĆ©parer Ć  une augmentation du nombre de cas. Dā€™ā€Šautre part, dans tout contexte de soins mĆ©dicaux, il existera une forte probabilitĆ© initiale quā€™ā€Šun patient de plus de 65 ans souffre dā€™ā€Šune DPA. Cela se reflĆØte par exemple dans le fait que 12,3 % des consultations de mĆ©decins gĆ©nĆ©ralistes chez les personnes Ć¢gĆ©es aux Ɖtats-Unis ont abouti Ć  la prescription dā€™ā€Šun antidĆ©presseur en 2012 (3). En Suisse, 46,9 % des antidĆ©presseurs sont prescrits par des mĆ©decins gĆ©nĆ©ralistes, dont la plupart dans le groupe dā€™ā€ŠĆ¢ge > 65 ans (4).

MalgrĆ© – ou peut-ĆŖtre Ć  cause de – sa frĆ©quence, la DPA est sous-diagnostiquĆ©e. Cela sā€™ā€Šexplique notamment par le fait que la DPA peutĀ se prĆ©senter de maniĆØre Ā«atypiqueĀ», par exemple avec des troubles somatiques comme symptĆ“me de prĆ©sentation. Pour confirmer une suspicion diagnostique, un entretien approfondi est nĆ©cessaire, qui doit se dĆ©rouler en dehors des contraintes temporelles du reste de lā€™ā€ŠactivitĆ© du cabinet ou de lā€™ā€ŠhĆ“pital. Des Ć©chelles spĆ©cifiques pour le dĆ©pistage peuvent sā€™ā€ŠavĆ©rer utiles dans le processus diagnostique. Pour le dĆ©pistage, lā€™ā€ŠĆ©chelle dā€™ā€Šauto-Ć©valuation GDS-15 (Geriatric Depression Scale) est bien adaptĆ©e – Ć©galement pour lā€™ā€Šutilisation dans les maisons de retraite (1). La GDS offre lā€™ā€Šavantage supplĆ©mentaire dā€™ā€Šafficher le degrĆ© de gravitĆ© de la dĆ©pression.

Diagnostics différentiels, comorbidités et ­complications

Il nā€™ā€Šest pas rare de trouver chez les patients Ć¢gĆ©s des tableaux mixtes complexes de multimorbiditĆ© et de handicaps quotidiens, de facteurs de stress psychologiques et sociaux (p. ex. perte dā€™ā€Šun ĆŖtre cher et isolement). Il peut ĆŖtre difficile de distinguer les causes des consĆ©quences et les comorbiditĆ©s des complications. Les recommandations suisses pour le diagnostic et le traitement de la DPA fournissent des informations complĆ©mentaires sur lā€™ā€Šinteraction entre la DPA et, entre autres, la dĆ©mence, le sommeil, la douleur et des comorbiditĆ©s somatiques importantesĀ (1). Les pathologies sā€™ā€Šaccompagnant de symptĆ“mes similaires Ć  ceux de la dĆ©pression doivent faire lā€™ā€Šobjet dā€™ā€Šun diagnostic diffĆ©rentiel (tableau 1). Il convient de mentionner en particulier lā€™ā€Šeffet dĆ©pressif possible de nombreux mĆ©dicaments (5).

Tendances suicidaires

On ne saurait trop insister sur le risque de suicide en cas de dĆ©pression. En 2022, en Suisse, 958 personnes sont dĆ©cĆ©dĆ©es par suicide (sans compter le suicide assistĆ©), ce qui correspond Ć  1,3 % de tous les dĆ©cĆØs (6). Le taux de suicide augmente fortement avec lā€™ā€ŠĆ¢ge, lā€™ā€Šaugmentation Ć©tant en grande partie due aux suicides dā€™ā€Šhommes Ć¢gĆ©s (6). Sur la base de ce que lā€™ā€Šon appelle une Ā«autopsie psychologiqueĀ», soit lā€™ā€ŠĆ©tude des antĆ©cĆ©dents de sĆ©niors sā€™ā€ŠĆ©tant suicidĆ©s, il a pu ĆŖtre dĆ©montrĆ© que dans la majoritĆ© des cas (jusquā€™ā€ŠĆ  87 % dans une Ć©tude), il faut partir du principe quā€™ā€Šil sā€™ā€Šagissait dā€™ā€Šune DPA (7). Il est donc faux de supposer que les suicides chez les personnes Ć¢gĆ©es sont des suicides dits Ā«de bilanĀ».

Pour clarifier la suicidalitĆ©, on commence par interroger dā€™ā€ŠĆ©ven- tuelles pensĆ©es suicidaires, pour approfondir lā€™ā€Šexploration selon besoin. Existe-t-il des intentions suicidaires ou mĆŖme des projets de suicide concrets ? Quels sont les facteurs de risque du patient ? En font partie (outre lā€™ā€ŠĆ¢ge avancĆ©, le sexe masculin et la DPA dĆ©jĆ  mentionnĆ©s): des tendances suicidaires dans son anamnĆØse et son environnement social, des comorbiditĆ©s psychiques et somatiques, les douleurs, des limitations des fonctions quotidiennes, des Ć©vĆ©nements de la vie (par ex. la perte du partenaire), lā€™ā€Šisolement social, le sentiment dā€™ā€Šimpuissance ou de dĆ©sespoir et la disponibilitĆ© de mĆ©thodes suicidaires au foyer (par ex. les armes Ć  feu). Lā€™ā€Šabsence de tels facteurs de risque ne doit toutefois pas conduire automatiquement Ć  la levĆ©e de lā€™ā€Šalerte lors de lā€™ā€ŠĆ©valuation aiguĆ«: Ils reflĆØtent des risques statistiques, cā€™ā€Šest-Ć -dire une augmentation du risque dans un groupe de personnes sur une longue pĆ©riode, et nā€™ā€Šont donc quā€™ā€Šune validitĆ© limitĆ©e pour la situation momentanĆ©e dā€™ā€Šun patient individuel.

Pendant lā€™ā€Šexploration, le risque de suicide doit ĆŖtre Ć©valuĆ© et documentĆ©. Si lā€™ā€Šon estime quā€™ā€Šil existe une mise en danger aiguĆ« de soi-mĆŖme et que celle-ci ne peut pas ĆŖtre Ć©vitĆ©e de maniĆØre sĆ»re par dā€™ā€Šautres mesures, un placement Ć  des fins dā€™ā€Šassistance doit ĆŖtre envisagĆ© Ć©galement pour les patients Ć¢gĆ©s.

ThƩrapie

La thĆ©rapie de la DPA se dĆ©cide en fonction de lā€™ā€ŠacuitĆ©, de la souffrance et de la gravitĆ© des symptĆ“mes, de la disponibilitĆ© et de la praticabilitĆ© des offres thĆ©rapeutiques et des prĆ©fĆ©rences de traitement du patient. Il est toujours judicieux dā€™ā€Šimpliquer lā€™ā€Šentourage et de mettre en rĆ©seau les diffĆ©rentes offres dā€™ā€Šaide. Pour la thĆ©rapie, des interventions sont disponibles dans quatre domaines: interventions psychosociales et thĆ©rapies spĆ©ciales, psychothĆ©rapies au sens strict, psychopharmacothĆ©rapie et mĆ©thodes thĆ©rapeutiques biologiques.

Interventions psychosociales et thérapies ­spéciales

Les interventions psychosociales et les thĆ©rapies spĆ©ciales accompagnent le traitement psychothĆ©rapeutique et pharmacologique spĆ©cifique (1). Il sā€™ā€Šā€Šgit notamment de ce que lā€™ā€Šon appelle lā€™ā€Šauto-assistance guidĆ©e (rĆ©alisation autonome dā€™ā€Šinterventions sous la surveillance ponctuelle dā€™ā€Šun thĆ©rapeute), la psychoĆ©ducation, lā€™ā€ŠentraĆ®nement Ć  la rĆ©solution de problĆØmes, la thĆ©rapie rĆ©crĆ©ative (soit la mise en place dā€™ā€Šune organisation gratifiante du temps libre), lā€™ā€Šactivation physique, les mĆ©thodes de relaxation, lā€™ā€ŠentraĆ®nement aux compĆ©tences sociales et les thĆ©rapies spĆ©ciales que sont lā€™ā€ŠergothĆ©rapie et les procĆ©dĆ©s dā€™ā€Šart-thĆ©rapie.

La thĆ©rapie rĆ©crĆ©ative (8) et lā€™ā€Šactivation physique (9) se distinguent par leur Ć©vidence. Ces deux mĆ©thodes ont en commun le fait quā€™ā€Šelles enrichissent le quotidien des patients avec des Ć©lĆ©ments dā€™ā€Šactivation concrets qui permettent de vivre des expĆ©riences positives. Lā€™ā€Šactivation physique semble ĆŖtre plus efficace lorsquā€™ā€Šelle est pratiquĆ©e sous supervision et plusieurs fois par semaine (par exemple, trois sĆ©ances dā€™ā€ŠentraĆ®nement par semaine comprenant chacune un Ć©chauffement de 10 minutes, 30 minutes de marche ou de jogging et cinq minutes de rĆ©cupĆ©ration).

PsychothƩrapie

Selon les recommandations suisses, la psychothérapie est la thérapie de premier choix en cas de DPA. Dans les formes sévères, elle est recommandée en combinaison avec la pharmacothérapie (1). Les méthodes thérapeutiques de groupe et individuelles peuvent être utilisées. Les proches aidants présentent eux-mêmes un risque élevé de dépression et doivent être pris en compte dans le cadre du concept thérapeutique (1).

Parmi les diffĆ©rentes mĆ©thodes psychothĆ©rapeutiques, la thĆ©rapie cognitivo-comportementale prĆ©sente la plus grande Ć©vidence. Les traitements psychodynamiques de courte durĆ©e disposent Ć©galement dā€™ā€Šune bonne Ć©vidence (1). Dā€™ā€Šautres mĆ©thodes qui sont utilisĆ©es sont la thĆ©rapie de rĆ©miniscence (rĆ©trospective sur sa propre vie dans le but dā€™ā€Šobtenir une perspective positive de son propre parcours de vie), la thĆ©rapie interpersonnelle ainsi que dā€™ā€Šautres mĆ©thodes faisant partie de ce que lā€™ā€Šon appelle la Ā«troisiĆØme vague de psychothĆ©rapieĀ» (1).

PharmacothƩrapie

La pharmacothĆ©rapie de la DPA est une forme de traitement efficace, surtout utilisĆ©e dans les cas modĆ©rĆ©s Ć  sĆ©vĆØres. Elle complĆØte la psychothĆ©rapie en tant que traitement de premiĆØre intention (1). Des Ć©tudes mĆ©ta-analytiques ont montrĆ© que la rĆ©ponse Ć  la pharmacothĆ©rapie (Ā«responseĀ» Ć©gale diminution de 50 % de la symptomatologie) Ć©tait obtenue chez environ 50 % des patients atteints de DPA (10).

La pharmacothĆ©rapie de la DPA exige la prise en compte des comorbiditĆ©s psychiatriques et somatiques, des autres mĆ©dicaments et un monitorage minutieux de lā€™ā€Šeffet du traitement et des effets indĆ©sirables des mĆ©dicaments (y compris laboratoire de routine et ECG avant le dĆ©but du traitement). La pharmacothĆ©rapie sā€™ā€Šeffectue selon le principe Ā«Start low, go slow (but go !)Ā», cā€™ā€Šest-Ć -dire que le dosage, initialement faible, est progressif et doit absolument ĆŖtre augmentĆ© jusquā€™ā€ŠĆ  atteindre la zone thĆ©rapeutiquement efficace. En lā€™ā€Šabsence dā€™ā€Šeffet, les taux sanguins des mĆ©dicaments peuvent ĆŖtre utiles pour dĆ©terminer le bon dosage. Pour que lā€™ā€Šessai thĆ©rapeutique soit suffisant, il faut non seulement un dosage suffisant, mais aussi une durĆ©e suffisante. En rĆØgle gĆ©nĆ©rale, il sā€™ā€Šagit dans un premier temps de 4 Ć  6 semaines. En lā€™ā€Šabsence dā€™ā€Šeffet, lā€™ā€Šessai thĆ©rapeutique peut ĆŖtre prolongĆ© jusquā€™ā€ŠĆ  12 semaines (Ā«late responderĀ»). Le tableau 2 donne un aperƧu des substances disponibles.

Le choix de la substance active se fait en tenant compte de lā€™ā€ŠefficacitĆ©, de la tolĆ©rance et des interactions mĆ©dicamenteuses possibles. Parmi les ISRS, le (es)-citalopram ou la sertraline comme exemples peuvent sā€™ā€ŠavĆ©rer bien adaptĆ©s (1, 11). Il existe certes de plus en plus de preuves de lā€™ā€ŠefficacitĆ© et de la tolĆ©rance de la kĆ©tamine et de lā€™ā€ŠeskĆ©tamine en cas de DPA (12), mais leur utilisation est soumise Ć  diverses restrictions et ne devrait actuellement ĆŖtre effectuĆ©e que par le spĆ©cialiste dans des cas prĆ©cisĆ©ment justifiĆ©s. Le traitement pharmacologique dā€™ā€Šentretien, la prophylaxie des rĆ©cidives ainsi que le traitement des dĆ©pressions rĆ©fractaires dĆ©passent le cadre de cet article.

ProcƩdƩs biologiques

Parmi les mĆ©thodes biologiques non pharmacologiques, on compte notamment la privation thĆ©rapeutique de sommeil (thĆ©rapie dā€™ā€Šā€ŠĆ©veil), la luminothĆ©rapie et les mĆ©thodes de stimulation cĆ©rĆ©brale (ECT, rTMS et autres). Ces mĆ©thodes thĆ©rapeutiques offrent en partie une trĆØs bonne efficacitĆ© en cas de DPA. Elles sont toutefois gĆ©nĆ©ralement rĆ©servĆ©es Ć  un contexte de traitement spĆ©cialisĆ© ou sont surtout utilisĆ©es en cas dā€™ā€Šā€ŠĆ©volution de la maladie rĆ©fractaire Ć  dā€™ā€Šā€Šautres traitements.

Copyright Aerzteverlag medinfo AG

Lā€™ā€Šauteur a publiĆ© cet article en allemand dans Ā«der informierte arzt – die informierte ƤrztinĀ» 11_2024, la traduction en franƧais a Ć©tĆ© rĆ©alisĆ©e par les Ć©diteurs. Lā€™ā€Šā€‰auteur nā€™ā€Šā€‰assume aucune responsabilitĆ© pour les modifications dues Ć  une traduction.

Dr Florian Riese

UniversitƩ de Zurich
Directeur du groupe de recherche:
«Qualité de vie en cas de démence»
Stampfenbachstrasse 73
8006 Zürich

Lā€™ā€Š auteur nā€™ā€Ša pas dĆ©clarĆ© de conflit dā€™ā€Šā€ŠintĆ©rĆŖts en rapport avec cet article.

  • La dĆ©pression chez les personnes Ć¢gĆ©es est frĆ©quente et sous-diagnostiquĆ©e.
  • Un Ć©ventuel risque de suicide doit ĆŖtre identifiĆ©.
  • La psychothĆ©rapie est la thĆ©rapie de premier choix.
  • Dans les cas plus graves, des antidĆ©presseurs sont Ć©galement utilisĆ©s.
  • Les ISRS (niveau de preuve A, degrĆ© de recommandation 1), notamment le (es)citalopram et la sertraline, sont appropriĆ©s p. ex.

1. Hatzinger M, Hemmeter U, Hirsbrunner T, Holsboer-Trachsler E, Leyhe T, Mall JF, et al. Empfehlungen für Diagnostik und Therapie der Depression im Alter. Praxis (Bern 1994). 2018;107(3):127-44.
2. Bundesamt für Statistik. Mittelschwere bis schwere Depressionssymptome, 2022 2024 [Available from: https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/gesundheit/gesundheitszustand/psychische.assetdetail.30505730.html.
3. Maust DT, Bloww FC, Wiechers IR, Kales HC, Marcus SC. National Trends in Antidepressant, Benzodiazepine, and Other Sedative-Hypnotic Treatment of Older Adults in Psychiatric and Primary Care. J Clin Psychiatry. 2017;78(4):e363-e71.
4. Schweizer Gesundheitsobservatorium. Psychopharmaka in der Schweiz. Obsan Bulletin 01/2022.
5. Qato DM, Ozenberger K, Olfson M. Prevalence of Prescription Medications With Depression as a Potential Adverse Effect Among Adults in the United States. JAMA. 2018;319(22):2289-98.
6. Bundesamt für Statistik. Suizid nach Alter und Geschlecht (ohne assistierten Suizid), 2019-2022 2023 [Available from: https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/gesundheit/gesundheitszustand/sterblichkeit-todesursachen/spezifische.html.
7. Conwell Y, Thompson C. Suicidal behavior in elders. Psychiatr Clin North Am. 2008;31(2):333-56.
8. Cuijpers P, van Straten A, Warmerdam L. Behavioral activation treatments of depression: a meta-analysis. Clin Psychol Rev. 2007;27(3):318-26.
9. Klil-Drori S, Klil-Drori AJ, Pira S, Rej S. Exercise Intervention for Late-Life Depression: A Meta-Analysis. J Clin Psychiatry. 2020;81(1).
10. Gutsmiedl K, Krause M, Bighelli I, Schneider-Thoma J, Leucht S. How well do elderly patients with major depressive disorder respond to antidepressants: a systematic review and single-group meta-analysis. BMC Psychiatry. 2020;20(1):102.
11. Ishtiak-Ahmed K, Musliner KL, Christensen KS, Mortensen EL, Nierenberg AA, Gasse C. Real-World Evidence on Clinical Outcomes of Commonly Used Antidepressants in Older Adults Initiating Antidepressants for Depression: A Nationwide Cohort Study in Denmark. Am J Psychiatry. 2024;181(1):47-56.
12. Balaram KvD, L. I.; Wilkins, K. M.; Maruca-Sullivan P. E. A New Solution to an Age-old Problem: A Review of Ketamine and Esketamine for Treatment-resistant Depression in Late Life. Current Geriatrics Reports. 2023;12:93-102.

Vorstellung unseres Redaktionsmitglieds Dr. med. David Semela

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Ƅltere Patienten (> 75) mit non-STEMI profitieren nicht mehr von invasiver Therapie

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