PrƤvention ist besser als Heilung

Vorbeugen ist besser als heilen. Den Organisatoren des Prevention Summits – Prof. Thomas Lüscher, Zürich und London, Prof. FranƧois Mach, Genf, Prof. Felix Mahfoud, Basel und Prof. Stephan Windecker, Bern – ist es gelungen, hochkarƤtige Referenten einzuladen. Mit einem aktuellen Überblick über Risikofaktoren und neue Behandlungsmethoden haben sie ein Ƥusserst interessantes Programm gestaltet, das auch eine grosse Anzahl von Zuhƶrern anzog. Der folgende Bericht umfasst den dritten Teil des Symposiums.

Die 2024 ESC-Leitlinien zu Vorhofflimmern und PrƤvention von Schlaganfall

Die Definition zum Vorhofflimmern (VHF) / atrial fibrillation (AF) prƤsentierte Prof. Tobias Reichlin, Kardiologische UniversitƤtsklinik Inselspital Bern, wie folgt:
- Paroxymales VHF: Das Vorhofflimmern tritt nur anfallartig auf und geht spƤtestens nach sieben Tagen spontan oder durch Intervention wieder in den normalen Sinusrhythmus (SR) über.
- Persistierendes VHF: Das Vorhofflimmern ist mehr als 7 Tage anhaltend vorhanden und endet nicht spontan; eine medikamentƶse oder elektrische Kardioversion ist erforderlich.
- Permanentes VHF: Das Vorhofflimmern besteht dauerhaft. Eine Rhythmuskontrolle ist unwirksam oder kann nicht durchgeführt werden.

Der AF-Behandlungspfad

C Comorbidity and risk factor management
KomorbiditƤt und Risikofaktormanagement: Lebensstilhilfe, Grundversorgung, Kardiologie, Innere Medizin, Pflege, andere
A Avoid stroke and thromboembolism
Vermeide Schlaganfall und Thromboembolie: Grundversorgung, Kardiologie, Neurologie, Pflege, Antikoagulation, e-Health
R Reduce symptoms by rate and rhythm control
Reduziere Symptome durch Herzfrequenz- und Rhythmuskontrolle: Grundversorgung, Kardiologie, Elektrophysiologie, Herzchirurgie, e-Health
E Evaluation and dynamic reassessment
Evaluation und dynamische Neubeurteilung: Grundversorgung, Kardiologie, Pharmazie, Pflege, Pflegende, Angehƶrige, e-Health
Gleichstellung in der Gesundheitsversorgung ­(Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, sozioökonomische Faktoren (Klasse I).
AufklƤrung von Patienten, Familien und Angehƶrigen der Gesundheitsberufe (Klasse I).
Patientenzentriertes AF. Management mit einem ­multidisziplinären Ansatz (Klasse IIa).

KomorbiditƤten und Risikofaktor-Management

AF-CARE

Ein Wechsel von einem DOAC zu einem anderen oder von einem DOAC zu einem Vitamin-K-Antagonisten ohne klare Indikation wird bei Patienten mit Vorhofflimmern zur Vermeidung eines wiederkehrenden Schlaganfalls nicht empfohlen (Evidenzgrad III).

Der chirurgische Verschluss des linken Vorhofohrs wird als ErgƤnzung zur oralen Antikoagulation bei Patienten mit Vorhofflimmern empfohlen, die sich einer Herzoperation unterziehen, um einen ischƤmischen Schlaganfall und Thromboembolien zu verhindern (Evidenzgrad I).Der perkutane Verschluss des linken Vorhofohrs kann bei Patienten mit Vorhofflimmern und Kontraindikationen für eine Langzeitbehandlung mit Antikoagulanzien in Betracht gezogen werden, um ischƤmische SchlaganfƤlle und Thromboembolien zu vermeiden (Evidenzgrad IIb). (Abb. 1)

Rhythmus- vs. Frequenzkontrolle

Die frühzeitige Einleitung einer Rhythmuskontrolle war bei Patienten mit frühem Vorhofflimmern und kardiovaskulären Erkrankungen mit weniger häufigen kardiovaskulären Ereignissen verbunden als die übliche Behandlung, ohne dass sich dies auf die Zahl der Kranken-
Ā­hausbesuche auswirkte.

PrƤvention von embolischem Hirnschlag. Antikoagulation oder Verschluss des linken Vorhofohrs?

Das linke Vorhofohr wurde als Hauptquelle für Thromboembolien bei Patienten mit Vorhofflimmern identifiziert, stellte Prof. Stephan Windecker, Vorsitzender des Departements Kardiologie und des Swiss Cardiovascular Center, Inselspital Bern, eingangs fest.

Rationale für Verschluss des linken Vorhofohrs

Die Rationale für den Verschluss des linken Vorhofohrs umfasst viele Gründe: Mehr als 90% der intrakardialen Thrombi befinden sich im linken Vorhofohr, Thromben im linken Vorhofohr verursachen SchlaganfƤlle durch Embolisation. Die EinschrƤnkungen der oralen Antikoagulation sind schwere Blutungen: 5.3%/Patienten/ Jahr, schlechte Compliance: 40% der Patienten stoppen die orale Antikoagulation nach 1,3 Jahren, SchlaganfƤlle trotz Antikoagulation: 0.9%–1.8%/ Patient/Jahr. Bei Patienten mit Vorhofflimmern, die sich einer Herzoperation unterzogen hatten und von denen die meisten weiterhin eine antithrombotische Therapie erhielten, war das Risiko eines ischƤmischen Schlaganafalls oder einer systemischen Embolie bei gleichzeitigem Verschluss des linken Vorhofohrs wƤhrend der Operation geringer als ohne diese (Whitlock RP et al NEJM 2021).

Techniken des Vorhofohrverschlusses

Der Referent stellte die grundsätzlichen Verfahren vor: den perkutanen Verschluss des linken Vorhofohrs (Ball-Typ, DISC-Typ und Naht) einerseits und den chirurgischen Verschluss des linken Vorhofohrs (Naht oder Atri­Clip®-Gerät) andererseits. In der PROTECT AF-Studie war der perkutane Verschluss des linken Vorhofohrs mit dem Watchman der Warfarin-Therapie nicht unterlegen. In der PREVAIL RCT bei Patienten mit nicht-ventrikulärem Vorhofflimmern und erhöhtem Schlaganfall- oder Blutungsrisiko, die für eine chronische Antikoagulation in Frage kamen, führte der Vorhofohrverschluss mit dem Watchman Implantat im Vergleich zu Warfarin zu einer verbesserten Rate an hämorrhagischen Schlaganfällen, kardiovaskulären/unerklärlichen Todesfällen und nicht-prozedurbedingten Blutungen. Die 5-Jahres-Ergebnisse der PREVAIL-Studie in Kombination mit den 5-Jahres-Daten der PROTECT-Studie zeigen, dass der Verschluss des linken Vorhofohrs mit dem Watchman-Implantat bei nicht-valvulärem Vorhofflimmern eine vergleichbare Schlaganfallprävention wie Warfarin bietet, mit einer zusätzlichen Reduktion schwerer Blutungen, insbesondere hämorrhagischer Schlaganfälle, und der Mortalität.

Vier-Schrittverfahren des Transkatheterverschlusses

1) Venenpunktion der Leiste, 2) Angiography des linken Vorhofohrs, 3) transseptale Punktion, 4) GerƤtefreigabe.

PROTECT AF: Watchman vs. VKA

In einer Übersichtsarbeit über die Wirksamkeit und Sicherheit des linken Vorhofohrverschlusses bei Patienten, bei denen eine Kontraindikation für orale Antikoagulation besteht, wird vorgeschlagen, dass die Implantation der Watchman-Vorrichtung wirksam und sicher ist.

Transkatheter Verschluss des linken Vorhofohrs – Perikarderguss

In einem grossen Register zum Vorhofohrverschluss wurde bei weniger als einem von 20 Patienten ein Perikarderguss beobachtet, der in der Regel innerhalb von 6 Stunden nach dem Eingriff auftrat. Die Mehrheit der frühen Perikardergüsse war klinisch relevant und trat bei Amplatzer-/Amuletteneingriffen auf. Zu den unabhängigen Prädiktoren gehörten die Verwendung von Doppelverschlussvorrichtung, weibliches Geschlecht, orale Antikoagulation.

Verbleibende Peridevice-Leckagen

Bei einem signifikanten Prozentsatz der Patientinnen werden nach 45 bis 90 Tagen mittels transƶsophagealer Echokardiographie neue Peridevice Leckagen festgestellt, was mit schlechteren klinischen Ergebnissen verbunden war.
Beim interventionellen Verschluss des Vorhofohrs müssen Leckagen vermieden werden.

AMULET DIE Studie (Lakkireddy D … Windecker S. Circulation 2021;144:1543–1552)

Der Amulet-Okkluder war hinsichtlich Sicherheit und Wirksamkeit der Schlaganfallprävention bei nicht valvulärem Vorhofflimmern dem Watchman-Gerät nicht unterlegen und beim LAA-Verschluss überlegen. Die verfahrensbedingten Komplikationen waren beim Amulet-Okkluder höher und nahmen mit der Erfahrung des Operateurs ab.

Linker Vorhofohrverschluss versus DOAC

Bei Hochrisikopatienten mit Vorhofflimmern hat der Verschluss des linken Vorhofohrs im Vergleich zu DOACs möglicherweise eine ähnliche Wirksamkeit bei der Schlaganfall-Prophylaxe, aber ein geringeres Risiko für schwere Blutungen und Mortalität. In der langfristigen Nachbeobachtung der PRAGUE-17-Studie war der linke Vorhofohrverschluss den DOACs in Bezug auf die Prävention schwerer, kardiovaskulärer, neurologischer oder blutungsbedingter Ereignisse nicht unterlegen. Darüber hinaus wurde die Zahl der nicht prozeduralen Blutungen durch den Vorhofohrverschluss signifikant reduziert.
Laufende Studien zum Vorhofohrverschluss sind:
OPTION (Ablation + Watchman vs. DOAC + Ablation,
CATALYST (Amulet + DAPT, 3 Monate gefolgt von ASA wƤhrend 9 Monaten vs. DOAC)
CHAMPION-AF (Watchman + OAC + ASA oder OAC allein oder DAPT wƤhrend 3 Monaten) vs. (nicht Unterlegenheit) DOAC.
LAAOS-4 (Watchman + DOAC vs. DOAC),
ELAPSE (LAAC + DOAC vs DOAC
Laufende Studien bei Patienten mit nicht valvulƤrem Vorhofflimmern
ASAP-TOO (Watchman FLX + DAPT gefolgt von ASA vs. SAPT oder keine Therapie)
COMPARE LAAO (LAAC + DAPT wƤhrend 3 Monaten gefolgt von ASA5 Monaten vs. SAPT oder keine Therapie

Derzeitige Europäische Empfehlungen für Vorhofohrverschluss bei Patienten mit nicht valvulärem Vorhofflimmern

CHADSDS2-VA Score ≄2: chirurgischer Vorhofohrverschluss (IIb/C) bei Patienten unter Herzchirurgie = Pat. unter Herzchirurgie (on Top von OAC) (I/B).
Transkatheter linker Vorhofohrverschluss (IIb/C).

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

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Fachwissen, Fallstudien und Philosophie

Das alljƤhrliche Hausarzt-Symposium der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg (SRFT) in Wil ist im Fortbildungskalender der praktizierenden Ƅrzte der Ostschweiz zu einem fest eingeplanten Bestandteil geworden. Es fand am 28. November bereits zum 14. Mal statt und zog wieder eine betrƤchtliche Zahl von HausƤrzten an. Das ausgeschriebene Programm (Motto Ā«Fortbildung und AustauschĀ») mit vier VortrƤgen im Plenarsaal und vier Workshops in GruppenrƤumen scheint sich also zu bewƤhren, besonders da die Liste der Referenten wiederum ein hohes Niveau der Fortbildung versprach. Die Veranstaltung stand auch diesmal unter der bewƤhrten Gesamtleitung von Dr. Markus Rütti, Chefarzt Medizin Spital Wil.

Der erste Haupt-Vortrag gab ein willkommenes Update in der Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2.

Dr. Tilman Drescher, Leitender Arzt Endokrinologie (KSp St. Gallen) erinnerte anhand eines instruktiven Falles mit plƶtzlicher extremer HyperglykƤmie daran, dass Kohlehydrat-Restriktion (hier tƤglich 5 Liter SüssgetrƤnke) und die Therapie mit einem GLP-1-Rezeptor-Agonisten den Blutzucker praktisch normalisieren kann. Der Keton-Test im Urin kann schwierig zu interpretieren sein, wenn nur schon 1 Tag ganz gefastet wird. Der Stellenwert von Metformin ist zwar in den letzten Jahren stark gesunken, besonders bei verminderter Nierenfunktion. DPP4-Hemmer (Gliptine), hƤufig in Kombination mit Metformin, werden aber oft angewendet. Zahlreiche Guidelines und Medikamenten-Übersichten orientieren über die Vielzahl an neuen Antidiabetika (besonders die GLP-1-Hemmer und die SGLT2-Blocker und ihre vielen Generika). Neu sind Wegovy (Semaglutid) und Mounjaro (Tirzepatid, ein GIP = glucose-abhƤngiges insulinotropes Peptid), welche auch zur Gewichtsreduktion verwendet werden. Vielfach ist die KassenzulƤssigkeit ein Problem, vor allem ist die Kombination eines GLP-1- und eines SGLT2-Hemmers nicht zulƤssig.

Im Vortrag Ā«Update Kolon-CarcinomĀ» sprach Dr. Irene Peter, OAz Onkologie St. Gallen/Wil zuerst über die erschreckende Zahl von Dickdarm-KrebsfƤllen, davon 75 % im Colon, 25 % im Rectum. 15–30 % haben bereits bei der ersten Diagnosestellung metastasiert. In 20 % liegt eine genetische Belastung vor. Die Restriktion von Rauchen, Alkohol und Übergewicht verringert die Fallzahlen deutlich. Die PrƤvention mit Aspirin wird nicht generell empfohlen. Ein regelmƤssiges Screening – Koloskopie mindestens alle 10 Jahre, besser alle 5 Jahre –, und der Fecal Occult Blood Test sind nachweislich sehr nützlich. Der CEA-Wert und das CEA 19-9 sind unspezifische Tumormarker. Das therapeutische Vorgehen beim Colon-Carcinom hƤngt vom Stadium (bei der Koloskopie) ab. Im Stadium III wird eine adjuvante Chemotherapie durchgeführt, meist mit XELOX = Capecitabin + Oxaliplatin, oder mit FOLFOX = FolinsƤure, Fluorouracil + Oxaliplatin; sie verringern die Zahl der Mikrometastasen, und die Überlebenszeit wird erhƶht. Im Stadium IV (mit Fernmetastasen) entscheidet das Tumorboard über das weitere Vorgehen (multinodale Therapie, kurativ, palliativ).

Der Psychiater und Psychotherapeut Dipl. med. Thomas Pauli (Wil) sprach im 3. Hauptvortrag über das Ā«Erkennen und Behandeln von AngststƶrungenĀ». Angst ist an sich nichts Negatives, ja Ā«es sichert LebenĀ». Die pathologische Angst hingegen manifestiert sich in Panikattacken, die generalisierte Angststƶrung und verschiedene Formen von phobischer Angst, wie Agoraphobie, soziale Phobien und verschiedenen isolierte Phobien (Hƶhenangst, Spinnenphobie, Klaustrophobie, Angst vor Errƶten etc.). Es ist eigentlich eine Ā«Angst vor der AngstĀ», man verliert die Selbstkontrolle und fühlt sich in die Enge getrieben. Oft sind Angststƶrungen auch mit Depression verbunden, oft besteht zusƤtzlich eine Alkohol- und MedikamentenabhƤngigkeit (besonders Benzodiazepine!). In 45 % werden Angststƶrungen in der PrimƤrversorgung nicht erkannt. Der Patient gibt vielmehr somatische Beschwerden, wie Herzrasen, Schwitzen, Zittern, Atemnot, Schmerzen sowie Schlafstƶrungen an. Die Therapie ist vielfach schwierig und der Patient muss dazu motiviert sein und in das Behandlungskonzept einbezogen werden. Offenbar kann die Hypnose in bestimmten FƤllen unterstützend wirken. Von den vier angebotenen Workshops im kleineren Rahmen konnten vom Berichterstatter leider nur drei besucht werden.

Im ersten behandelte der Allgemein-Internist und Leiter des med. Ambi KSp St. Gallen Georg Hafer das schwierige Thema von Long Covid bzw. Post Covid. Die pathophysiologischen ErklƤrungsversuche sind alle noch nicht durch grosse Studien belegt und die BehandlungsansƤtze nicht evidenzbasiert. (Psycho)-Somatische Beschwerden wie Stechen, Schwindel, Schüttelfrost und vor allem das vielfƤltige Post-virale Fatigue-Syndrom und PEM (post exertional malaise) werden fast immer geschildert, sind aber durch keine fundierten Tests messbar. Der Leidensdruck der Patienten ist oft sehr gross und geht bis zur ErwƤgung einer EXIT-Lƶsung. Der Verkehr mit der IV und den Krankenkassen kann zusƤtzlich sehr schwierig sein. Die Behandlungsversuche beinhalten aktivierende Ergo- und Physiotherapie, das Energie-/Pausen-Management (Pacing!), gezielte Schlafhygiene, Medikamente (meist off-label!) wie SSRI, Low dose Naltrexon, Aripipazol, Ivabradin und andere. Es besteht die Gefahr der Polypragmasie.

Dr. Danny Anthony, Leiter der Akutgeriatrie Spital Wil, behandelte das Problem «Frailty» von wechselnder Perspektive her. Im sehr interaktiven Gespräch diskutierten die Teilnehmenden anhand von drei gleichaltrigen, aber unterschiedlich mobilen Patienten, Fragen der Hospitalisation, Operationsfähigkeit, Verlegung auf die Intensiv-Medizin, Prophylaxe von Osteoporose und Hyperlipidämie und Zielwerten von Laborresultaten. Das Resultat war die Forderung, die Wunschvorstellungen und Ressourcen des Patienten, der Angehörigen und auch des Pflegepersonals zu berücksichtigen. Auf die Wichtigkeit einer Patientenverfügung und einmal mehr des «Runden Tisches» wurde hingewiesen.

Ein weiterer Workshop wurde vom Pneumologen Dr. Gabriel Thomas, LA Spital Wil, geleitet. Sein erster Fall (28j., postgrippaler Infekt, Dyspnoe) war zuerst unklar, das Röntgenbild und die übliche Spirometrie (ausser einer reduzierten Vitalkapazität) vorerst unauffällig. Erst die ergänzende Bodyplethysmographie ergab ein viel zu hohes Residualvolumen. Der Patient litt unter einer obstruktiven Ventilationsstörung mit Pseudorestriktion. Diese spezielle Asthma-br.-Form sprach dann sehr rasch auf Cortison peroral an. Vor Ventolin-Spray allein wurde gewarnt. Asthma bronchiale sollte fast immer mit inhalativen Kortisteroiden /LABA behandelt werden.

Der 2. Fall (dyspnoisch, ohne Sputum) liess im Rƶntgen an einen typischen Pneumothorax bei massivem Lungenemphysem denken. Dem Patienten wurde mit einer operativen Lungen-Volumen-Reduktion geholfen, eine Drainage wƤre hier gefƤhrlich gewesen.

Der 3. Fall (Landwirt, Nichtraucher, mit Gewichtsverlust und Nachtschweiss) verschlechterte sich sehr rasch. Das Rƶntgenbild ergab eine posterolaterale Ā«RaumforderungĀ» rechts und die Zytologie Ā«Nekrotisches Material und epitheloid-histiocytƤre ReaktionĀ» Erst die nochmalige Anamneseerhebung ergab einen MƤusebiss kurz vor der Erstkonsultation. Der Patient war an einer TularƤmie (Ā«HasenpestĀ») erkrankt. Der Erreger ist Francisella tularensis. Die Inkubationszeit kann sehr kurz sein, die antibiotische Behandlung hilft relativ rasch (Aminoglycoside, Doxycyclin, Ciprofloxacin).

Der 4. Workshop konnte vom Berichterstatter nicht besucht werden, er behandelte ein Ā«Update HandchirurgieĀ» (Leiter Dr. Dominik HoignĆ©, St. Gallen) und sei durch praktisches Üben bereichert worden.

Wie schon in früheren Jahren stellten auch diesmal zwei Kollegen, beide aktive Praktiker aus Wil, ganz speziell eindrückliche Fälle aus ihrer Praxis vor.

Dr. Maurilio Bruni berichtete über einen Patienten (56j, Raucher, mit Nykturie, Flankenschmerz, St.n. Burnout, arbeitslos), bei welchem die Abklärung eine Raumforderung suprahilär rechts ergab. Kein Sputum, und die Bronchoskopie war unauffällig! Erst die Oberlappen-Wedge-Resektion konnte säurefeste Stäbchen nachweisen und der Patient musste sich einer antituberkulösen Behandlung unterziehen. Auch in der Schweiz ist noch Tuberkulose möglich.

Dr. Alois Haller referierte über einen schweren akuten Fall einer SGLT-2-induzierten Ketoazidose nach Jardiance. Die Komplikation kann lebensgefährlich sein. Davon zu unterscheiden ist die Lactat-Azidose bei Biguaniden.

Ein besonderes Highlight am Wiler Hausarzt-Symposium ist alljƤhrlich der Schlussvortrag – diesmal unter dem Titel Ā«Wie viel Glück braucht es, dass es uns gibtĀ» von Frau Prof. em. Dr. Kathrin Altwegg (Astrophysikerin, Bern). Auf beeindruckende Art verstand es die Wissenschaftlerin, dieses naturwissenschaftliche, physikalische aber auch philosophische Thema mit vielen klƤrenden Bildern darzustellen. Die Referentin berichtete über die ganze Geschichte des Universums (ca. 13 Milliarden Jahre seit dem Urknall bis in alle Ewigkeit …. Da ist der Mensch hƶchstens Ā«ein Staubkorn in der WüsteĀ»). An den Anfang stellte sie die Aussage von Albert Einstein: Ā«Gott würfelt nichtĀ». Und was braucht es, damit intelligentes Leben entsteht? Antwort: Ein Planet, weder zu gross noch zu klein, flüssiges Wasser, AtmosphƤre, langzeit-stabile VerhƤltnisse, etwas, aber nicht zu viel kosmische Strahlung (für die Evolution). Resultat: Einfach unvorstellbar, aber sehr eindrücklich.

Die VortrƤge sind im Original unter www.wiler-symposium.ch abrufbar.

Dr. med. Hans-Ulrich Kull

Küsnacht

Osteoarthritis: pathogene Signalwege und therapeutische Ziele

Osteoarthritis (OA) ist eine der hƤufigsten Arten von Arthritis und eine chronische degenerative und behindernde Erkrankung, die durch komplexe Stƶrungen des gesamten Synovialgelenks gekennzeichnet ist (1), einschliesslich struktureller Defekte des hyalinen Gelenkknorpels, Verlust des intakten subchondralen Knochens, Gewebehypertrophie und Zunahme der VaskularitƤt im Synovium sowie InstabilitƤt der Sehnen und BƤnder.

Epidemiologie

Im Jahr 2021 litten mehr als 22 % der Erwachsenen über 40 Jahren an Knie-OA, und SchƤtzungen zufolge sind derzeit weltweit mehr als 500 Millionen Menschen von OA betroffen (2). Da es keine langfristige klinische Behandlung gibt, müssen sich OA-Patienten im Endstadium der Erkrankung schliesslich einer Gelenkersatzoperation unterziehen. Die Zahl der Gelenkersatzoperationen steigt weltweit um 10 % pro Jahr, und 95 % davon werden bei OA-Patienten durchgeführt (3).

Die Lebensdauer des künstlichen Gelenks ist jedoch begrenzt, und es besteht das Risiko schlechter Ergebnisse. Schätzungen zufolge wird OA bis zum Jahr 2020 weltweit die vierthäufigste Ursache für Behinderungen sein, was enorme Kosten für Medizin und Gesundheitswesen sowie indirekte Kosten durch Arbeitsplatzverlust und Frühverrentung verursacht.

Pathologische Mechanismen und Signalwege bei OA

Früher ging man davon aus, dass OA durch die Abnutzung und das Reissen des Gelenkknorpels verursacht wird, doch heute wird sie eher als chronische Erkrankung des gesamten Gelenks bezeichnet, die mit biochemischen und zellulären Ver­änderungen im synovialen Ge­-
lenkgewebe beginnt, die zu histologischen und strukturellen Veränderungen des Gelenks führen und schliesslich in einer Funktionsstörung des gesamten Gewebes enden. Gegenwärtig gibt es keine Heilung für OA, was zum Teil darauf zurückzuführen ist, dass der pathologische Mechanismus für die Entstehung und das Fortschreiten der Krankheit nicht umfassend verstanden wird. Daher ist ein besseres Verständnis der pathologischen Signal­wege und der Schlüsselmoleküle, die an der OA-Pathogenese beteiligt sind, von entscheidender Bedeutung für das Design therapeutischer Ziele und die Entwicklung von Medikamenten.

Therapeutische AnsƤtze

In einer neueren Übersichtsarbeit (4) wurden zunƤchst die Epidemiologie der OA zusammen, einschliesslich ihrer PrƤvalenz, der Inzidenz und der Belastung sowie der OA-Risikofaktoren zusammengefasst. Zudem konzentrierte sich die Autoren auf die Rolle und Regulierung der pathologischen Signalwege wie Wnt/β-Catenin, NF-ĪŗB, fokale AdhƤsion, HIFs, TGFβ/Ī’ĪœP und FGF-Signalwege sowie die Schlüsselregulatoren AMPK, mTOR und RUNX2 bei der Entstehung und Entwicklung von OA. Darüber hinaus wurde die Rolle von Faktoren, die mit OA in Verbindung gebracht werden, wie MMPs, ADAMTS/ADAMs und PRG4, im Detail erƶrtert. Schliesslich wurden aktuelle Informationen zu den aktuellen klinischen Therapien und klinischen Versuchen mit biologischen Behandlungen und Medikamenten gegen OA gegeben. Forschungsfortschritte in der Grundlagenforschung vermittelt.

Quelle:
Yao Q et al. Osteoarthritis: pathogenic signaling pathways and therapeutic targets. Signal Transduct Target Ther. 2023; 8: 56. Published online 2023 Feb 3. doi: 10.1038/s41392-023-01330-w

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

1. Hunter DJ, Bierma-Zeinstra S. Osteoarthritis. Lancet. 2019;393:1745–1759. [PubMed] [Google Scholar]
2. Quicke JG, Conaghan PG, Corp N, Peat G. Osteoarthritis year in review 2021: epidemiology & therapy. Osteoarthr. Cartil. 2022;30:196–206. [PubMed] [Google Scholar]
3. Little CB, Hunter DJ. Post-traumatic osteoarthritis: from mouse models to clinical trials. Nat. Rev. Rheumatol. 2013;9:485–497. [PubMed] [Google Scholar]
4. Yao Q et al. Osteoarthritis: pathogenic signaling pathways and therapeutic targets. Signal Transduct Target Ther. 2023; 8: 56. Published online 2023 Feb 3. doi: 10.1038/s41392-023-01330-w

Serum-Magnesiumspiegel stehen in negativem Zusammenhang mit Übergewicht und abdominaler Adipositas bei Diabetes mellitus Typ 2

Magnesiumionen wurden als wesentliche Kofaktoren in mehr als 600 enzymatischen Reaktionen im Kƶrper identifiziert, die eine Vielzahl physiologischer AktivitƤten wie Proteinsynthese, Glykolyse und Energiestoffwechsel umfassen (1). Darüber hinaus haben immer mehr Studien gezeigt, dass eine Abnahme der extrazellulƤren Magnesiumionen zu einem Anstieg der intrazellulƤren Kalzium- und Eisenionen führt, die eine erhƶhte Produktion und einen vermehrten Abbau von Peroxiden induzieren und Entzündungsprozesse auslƶsen (2–4).

Die Veränderung der Magnesiumionen kann daher zu pathologischen Veränderungen wie Endothelzellzerstörung und Insulinresistenz führen und wurde auch mit chronischen Entzündungserkrankungen wie Atherosklerose und chronischer Nierenerkrankung (CKD) in Verbindung gebracht (2, 4, 5). Interessanterweise reduziert in einem Rattenmodell mit Metabolischem Syndrom (MetS) in Kombination mit CKD eine Nahrungsergänzung mit Magnesium signifikant oxidativen Stress und Entzündungsreaktionen und wirkt somit als Gefässprotektor (6).

Der Zusammenhang zwischen Serummagnesiumspiegeln und Adipositas bei Typ-2-Diabetes mellitus (T2DM) wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Ziel einer kürzlich publizierten Studie (7) war es daher, herauszufinden, ob es einen Zusammenhang zwischen Serummagnesiumspiegeln und Übergewicht und abdomineller Adipositas bei T2DM gibt.

Methodik

In einer Querschnittsstudie wurden 8010 Patienten mit T2DM in Quintile nach Serummagnesiumspiegel eingeteilt. Klinische Merkmale und die PrƤvalenz von Adipositas und abdominaler Adipositas wurden mit den Quintilen der Serummagnesiumspiegel bei T2DM verglichen. Mit Hilfe von Regressionsanalysen wurde der Zusammenhang zwischen Serummagnesium und Adipositas und abdomineller Adipositas bei T2DM untersucht (Registrierungsnummer der klinischen Studie: ChiCTR1800015893).

Ergebnisse

Nach Adjustierung für Alter, Geschlecht und Diabetesdauer nahm die PrƤvalenz von Adipositas und abdominaler Adipositas in den Magnesium-Quintilen signifikant ab (Adipositas: 51.3 %, 50.8 %, 48.9 %, 45.3 % bzw. 43.8 %, P < 0.001 für Trend; abdominale Adipositas: 71.5 %, 70.5 %, 68.2 %, 66.4 % bzw. 64.5 %, P = 0.001 für Trend). Nach Kontrolle von Stƶrfaktoren waren SerummagnesiumĀ­spiegel und Quintile signifikant negativ mit Adipositas und abdominaler Adipositas bei T2DM assoziiert. Darüber hinaus vermittelte das C-reaktive Protein teilweise den Effekt von Serummagnesium auf Adipositas und abdominale Adipositas (P = 0.016 bzw. P = 0.004).

Schlussfolgerung

Die signifikant negative Beziehung zwischen Serummagnesium und dem Risiko für Adipositas und abdominale Adipositas wurde bei T2DM beobachtet. Darüber hinaus kann die unabhängige negative Assoziation von Serummagnesium mit Adipositas durch seine entzündungshemmenden Funktionen erklärt werden. Der Serummagnesiumspiegel kann zur Abschätzung des Risikos für Adipositas und abdominale Adipositas bei T2DM verwendet werden.

Quelle
Xu M-R et al. Serum Magnesium Levels Are Negatively Associated with Obesity and Abdominal Obesity in Type 2 Diabetes Mellitus: A Real-World Study. Diabetes Metab J 2024 May 29;48(6):1147–1159. doi: 10.4093/dmj.2023.0401

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1. de Baaij JH et al. Magnesium in man: implications for health and disease. Physiol Rev 2015;95:1-46.
2. Kostellow AB, Morrill GA. Iron-catalyzed lipid peroxidation in aortic cells in vitro: protective effect of extracellular magnesium. Atherosclerosis 2004;175:15-22.
3. Maier JA et al. Mag- nesium and inflammation: advances and perspectives. Semin Cell Dev Biol 2021;115:37-44.
4. Morais JB et al. Role of magnesium in oxidative stress in individuals with obesity. Biol Trace Elem Res 2017;176: 20-6.
5. Leenders NH et al. The association between circulat- ing magnesium and clinically relevant outcomes in patients with chronic kidney disease: a systematic review and meta-analysis. Clin Nutr 2021;40:3133-47.
6. Lopez-Baltanas R et al. Dietary Mg supplementation decreases oxidative stress, inflammation, and vascular dysfunction in an experimental model of metabolic syndrome with renal failure. Antioxidants (Basel) 2023;12:283.
7. Xu M-R et al. Serum Magnesium Levels Are Negatively Associated with Obesity and Abdominal Obesity in Type 2 Diabetes Mellitus: A Real-World Study. Diabetes Metab J 2024 May 29;48(6):1147–1159. doi: 10.4093/dmj.2023.0401

PrƤvalenz und Faktoren, die die Erholung der AnƤmie nach der Intensivpflege beeinflussen

Anämie wird mit ungünstigen Behandlungsergebnissen und verlängerten Krankenhausaufenthalten bei kritisch kranken Patienten in Verbindung gebracht. Trotz der kürzlichen Einführung restriktiver Transfusionsprotokolle auf Intensivstationen ist Anämie nach der Entlassung aus der Intensivstation immer noch weit verbreitet.

Ziel einer kürzlich publizierten Studie war es, die Prävalenz der Anämie nach Entlassung aus der Intensivstation und die Faktoren, die die Erholung von der Anämie beeinflussen, zu untersuchen.

Methoden

In dieser retrospektiven Kohortenstudie mit 3969 erwachsenen Intensivpatienten wurde der Schweregrad der Anämie nach den Kriterien des National Cancer Institute zu sechs Zeitpunkten bestimmt: Aufnahme auf die Intensivstation, Entlassung von der Intensivstation, Entlassung aus dem Krankenhaus sowie 3, 6 und 12 Monate nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Zusätzlich wurden die Ausgangscharakteristika ­einschliesslich Alter, Geschlecht, Begleiterkrankungen und kürzliche Eisensupplementierung oder Erythropoetin-Gabe ausgewertet.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen eine Krankenhaussterblichkeit von 28,6%. Die durchschnittliche Verweildauer im Krankenhaus und auf der Intensivstation betrug 20 bzw. 5 Tage, die hƤufigsten Begleiterkrankungen waren Hypertonie und Diabetes mellitus (DM). Bei 3967 Patienten wurden die HƤmoglobinwerte bei der Entlassung aus der Intensivstation bestƤtigt, was 99,95% der Gesamtzahl entspricht. Die PrƤvalenz der AnƤmie blieb auch nach der Entlassung aus der Intensivstation bestehen; weniger als 30% der Patienten erholten sich, wƤhrend sich die AnƤmie bei 13,6 % der Patienten nach der Entlassung aus der Intensivstation verschlechterte. Faktoren, die zur Schwere der AnƤmie beitrugen, waren weibliches Geschlecht, DM, chronische Niereninsuffizienz, maligne solide Tumore und die Gabe von EisenprƤparaten.

Schlussfolgerungen

Diese Studie unterstreicht die Notwendigkeit gezielter Massnahmen zur Behandlung der AnƤmie nach Entlassung aus der Intensivstation und weist auf mƶgliche Faktoren hin, die die Erholung von der AnƤmie beeinflussen.

Quelle
Yoon KW et al. Prevalence and factors influencing anemia recovery after intensive care. Transfus Apher Sci 2024 Jun;63(3):103922. doi: 10.1016/j.transci.2024.103922. Epub 2024 Apr 16

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Zusammenhang zwischen Herpes-Zoster- und Influenza-Impfung und Demenzrisiko

SchƤtzungen zufolge wird die Zahl der Demenzkranken weltweit von 57.4 Millionen im Jahr 2019 auf 152.8 (130.8–175.9) Millionen im Jahr 2050 ansteigen (1). In Grossbritannien sind 850 000 Menschen von Demenz betroffen. SchƤtzungen zufolge wird diese Zahl bis 2025 auf eine Million ansteigen.

Auch die Kosten des National Health Service für die Behandlung von Demenz werden sich bis 2050 voraussichtlich verdoppeln (2). Neben dem Lebensstil und genetischen Faktoren haben epidemiologische Studien einen Zusammenhang zwischen Infektionen mit verschiedenen Virustypen und Demenz nachgewiesen (3–7). In den letzten Jahren haben mehrere Studien den Einfluss von Herpes Zoster auf das Demenzrisiko untersucht (8–14), und 2021 wurde anhand von Daten aus der UK Biobank-Studie über eine Reduktion des Demenzrisikos durch die Zoster-Impfung berichtet (OR: 0.81 mit 95 % CI: 0.66 bis 0.99) (12). Ebenfalls im Jahr 2021 analysierte eine Studie die medizinischen Daten einer grossen Kohorte von Veterans Health Affairs (VHA) und wiederholte die Analyse in einer weiteren Kohorte, die kommerzielle und Medicare-Ansprüche aus MarketScanĀ® umfasste. Die Autoren berichteten über einen signifikanten Zusammenhang mit einem geringeren Demenzrisiko in beiden Kohorten (VHA HR = 0.69; 95 % CI: 0.67–0.72; MarketScanĀ® HR = 0.65; 95 % CI: 0.5–0.74) (14).

Ziel einer kürzlich publizierten Studie war es, den Zusammenhang zwischen Zoster- und Influenzaimpfung und dem Demenzrisiko zu untersuchen.

Methoden

Die Autoren führten eine retrospektive bevƶlkerungsbezogene Kohortenstudie durch, bei der die elektronischen Gesundheitsdaten von 1469 Hausarztpraxen, die an der Aurum-Datenbank des Clinical Practice Research Datalink teilnahmen, mit der Krankenhausepisodenstatistik (HES) und den MortalitƤtsdaten des Office for National Statistics verknüpft wurden. Es wurden zwei Ā«gematchte KohortenĀ» gebildet: Zoster-Impfung (854 745 Exponierte), die mit 8.8 Millionen Vergleichspersonen ohne Zoster-Impfung in der Vergangenheit gematcht wurden, und Influenza-Impfung (742 487 Exponierte), die mit 7.12 Millionen Vergleichspersonen ohne Impfung in der Vergangenheit als weitere Vergleichsgruppe gematcht wurden. Die Kohorten wurden nachbeobachtet, um den Zusammenhang zwischen Exposition (Impfung) und Ergebnis (Demenzdiagnose) zu bewerten.

Ergebnisse

Die Gürtelrose-Impfung war mit einem geringeren Risiko für die Diagnose Demenz (adjustierte Hazard Ratio (HR) 0.78 mit 95 % CI: 0.77–0.79), Alzheimer-Krankheit (adjustierte HR 0.91 mit 95 % CI: 0.89–0.92) und andere Demenzarten (adjustierte HR 0.71 mit 95 % CI: 0.69–0.72) verbunden. Die Grippeimpfung war ebenfalls mit einem leicht reduzierten Demenzrisiko assoziiert (adjustierte HR 0.96 mit 95 % CI: 0.94–0.97).

Schlussfolgerung

Sowohl die Zoster-Impfung zur Vorbeugung von Herpes Zoster als auch die Influenza-Impfung zur Vorbeugung von Influenza waren mit einem verminderten Demenzrisiko assoziiert, wobei die Assoziation für Zoster ausgeprägter zu sein schien.

Quelle
Lophatananon A et al. The association of herpes zoster and influenza Ā­vaccinations with the risk of developing dementia: a population-based cohort study within the UK Clinical Practice Research Datalink. BMC Public Health 2023 Oct 2;23:1903. doi: 10.1186/s12889-023-16768-4

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

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2. Lancet T. Dementia in the UK: preparing the NHS for new treatments. Lancet (London, England) 2018;391(10127):1237. doi: 10.1016/S0140-6736(18)30709-8.
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