Reisemedizinische Beratung

Die häufigsten Impfungen am Zentrum für Reisemedizin der Universität Zürich (ohne Corona) sind 970 Tollwutimpfungen, 675 Hepatitis A-Impfungen, 634 Polio-Impfungen, 562 FSME-Impfungen, 498 Gelbfieber-Impfungen, 439 Tetanus-Impfungen, 321 Hepatitis B-Impfungen, 244 Typhus-Impfungen, 216 MMR-Impfungen, 113 Japanische Enzephalitis-Impfungen. Gesamtzahl an Impfungen im Jahre 2022: 35’401. Die Gesamtheit der Coronaimpfungen betrug ca. 200’000, alle Affenpocken-Impfungen ca. 6000, und der Masern-Ausbruch vom Januar bis März 2023 ca. 355, berichtete Dr. med. Julian Maier vom Zentrum für Reisemedizin am Institut für Epidemiologie, Biostatik und Prävention der Universität Zürich.

Wichtige Themen der medizinischen Reiseberatung

Die Themen können in 4 Bereiche eingeteilt werden:
Kontakte (Personen: Hep B, HPV, STI/HIV, MMR, Varizellen, Grippe, Sars-Cov-2, Pneumokokken, Meningo­kokken Pertussis. Tiere: Tollwut), Nahrung (Essen, Trinken verunreinigt: Hepatitis A, Polio, Cholera, Abdominal-Ty­phus), Umwelt (Unfälle: Teta­nus, Sonne, Höhe, Tauchen: Grund­krankhei­ten (Immun­suppression, Diabe­tes, Asplenie, Schwan­ger­schaft, …), Stiche (Mücken: Malaria, Dengue, Zika, Gelbfieber, JE…), Zecken FSME, Rickettsien. Wanzen: Chagas, Tse Tsefliegen: Schlafkrankheit).

Die Maxime der Nahrungsmittelhygiene lautet: «Cook it, boil it, peel it or leave it». Vermeiden von Hahnenwasser (auch nicht zum Zähneputzen), Eiswürfeln, Rohkost-Salaten, Fruchtsalaten, offenen Fruchtsäften und rohen Milchprodukten. Je nach geplanter Reise Wasserfilter, Mikropur Forte mitnehmen.

Eine der häufigsten Krankheiten bei Reisenden ist der Durchfall, verursacht durch Viren, Bakterien, seltener durch Darmparasiten. Wichtig ist der Flüssigkeitsersatz, allenfalls mit oraler Elektrolyt­lösung (z.B. Elotrans®), allenfalls Loperamid (Imodium®).
Über Wasser/Nahrungsmittel übertragene Erkrankungen: Hepatitis A, (Impfung) Hepatitis E, Abdominal-Typhus (orale Lebendimpfung (Vivotif®), Poliomyelitis (Impfung), Cholera (orale Totimpfung (Duoral®), Amöben.
Der Referent erwähnte das Beispiel einer Familie, die nach Kenia reisen will, der Vater ist depressiv, die Mutter ist schwanger und sie reisen mit einem Kind.

Einflüsse auf die medizinische Reiseberatung

Reiszweck (z.B. Tourismus, VFR), Reiseziel inkl. epidemiologische Lage, Jahreszeit, Reisedauer, Kosten/Nutzen, aktuelle Medikation, z.B. Immunsuppression, vorbestehende Erkrankungen, Schwangerschaft, Stillen, frühere Impfungen, Reisestil, Alter, Zeit bis zur Abreise, Einreisebestimmungen.

Impfungen in der Reisemedizin

Indikatonsimpfungen:
Abdominal-Typhus, FSME, Gelbfieber, Hepatitis A / Hepatitis B, Herpes Zoster, Influenza / Sars CoV-2, Japanische Enzephalitis, Meningokokken (ACWY, B), Pertussis, Pneumokokken, Polio, Tollwut, Varizellen.
Basis- und ergänzende Impfungen gemäss Schweizerischem Impfplan:
Tetanus / Diphtherie / Pertussis / Polio / HiB / Hepatitis B.
Masern / Mumps /Röteln / Varizellen. Herpes Zoster. HPV. Influenza / Sars CoV-2. Meningokokken (ACWY)
Mögliche obligatorische Impfungen
Gelbfieber, Masern, Meningokokken (ACWY), Polio, (Cholera), Sars-CoV-2

Grundlagen zur Impfung

Lebendimpfstoffe: 4 Wochen Abstand untereinander oder am gleichen Tag. Nicht in der Schwangerschaft.
Abstandsregeln: Es gibt keine maximalen Abstände. Jede Impfung zählt, Spielraum von 4 Wochen bei Impfungen (Nicht bei Abstand zwischen verschiedenen Lebendimpfungen und Schnellschemen).
Nach Erhalt von Antikörper-enthaltenden Produkten gilt für Lebend­impfstoffe ein Mindestabstand von 3 bis 12 Monaten (je nach Produkt).
Abstand FSME / Japanische Enzephalitis / Gelbfieber nicht mehr nötig.
Kontraindikationen: Akute Erkrankung mit Fieber, Überempfind­lichkeit gegen bestimmte Bestandteile (Hühnereiweiss bei Gelb­­fie­ber, Influenza, FSME). Neomycin, Streptomycin (sofern anaphy­lak­tische Reaktion) Schwangerschaft und Stillen (Impfstoffabhängig), Immunschwäche (Lebendimpfstoffe KI), Überimpfung Tetanus (Antitoxin-Antikörper bestimmen).

Kenia als Beispiel

Familie Müller (Helga 32J, Fatou 37J, Fabian 13J) plant 2-wöchige Reise nach Nairobi und Mombasa, Safari (Masai, Mara), Badeferien, Helga ist schwanger (2. Trimenon), Fatou leidet an Depressionen. Auf welche Gefahren muss man sie aufmerksam machen, an welche Impfungen sollte man denken?
Es gelten die oben gemachten Empfehlungen bezüglich Kontakten, Nahrung, Umwelt und Stichen.

Kenia: Hepatitis A

Abdominaltyphus, Cholera (indiziert nur bei humanitären Einsätzen), Poliomyelitis, Mücken/Insektenschutz (übertragene Krankheiten: Malaria, Gelbfieber, Dengue, Chikunguya, Zika, Japanische Enzephalitis, Chagas, FSME, West Nil-Fieber, afrikanische Schlafkrankheit, afrikanisches Zeckenbiss-Fieber. Wirkstoffe auf Haut: Repellentien (mehrmals täglich auf helle Kleidung), Insektizide (Sprays Räucherspiralen, Insektizidverdampfer), imprägniertes Moskitonetz oder Klima-Anlage. Medikamentöse Malaria-Prophylaxe in Hochrisikogeiet empfohlen. Notfallselbstbehandlung: Fieber >37,5°C über 24h, Aufsuchen eines Arztes / Spitals, wenn möglich innerhalb 24h, Paracetamol und Atovaquon/Proguanil (Malarone®Atovaquon Plus Spirig HC®), 12 Tabletten in 3 Dosen über 3 Tage. Sofort 4 Tabletten auf einmal, 2. und 3. Tag je 4 Tabletten auf einmal.

Kenia: Gelbfieber

Gelbfieber-Virus, Übertragung durch Aedes-Mücken (tag- und dämmerungsaktiv), Impfschema 0, ≥10 Jahre, mit 2 Impfungen lebenslanger Schutz (kontroverse zu WHO). Cave: Impfung macht häufig Fieber, KI Immunsuppression, Schwangerschaft, Stillen, Hühnereiweiss-Allergie, rel. KI ≥60jährige.

Kenia: Dengue

Übertragung durch Aedes-Mücke (tag- und dämmerungsaktiv), im Risikogebiet Mückenschutz empfohlen. CAVE: kein Aspirin (Ausnahme Aspirin Cardio 100mg). Impfung (Qdenga in der Schweiz noch nicht zugelassen. Für Gesunde und Kurzreisen bisher nicht empfohlen.

Kenia: Zika

Übertragung durch Aedes-Mücke (tag- und dämmerungsaktiv) im Risikogebiet ist Mückenschutz empfohlen. CAVE: bis 2 Monate nach Reise mit Schwangerschaft zuwarten Antikörpertests nachakuter Erkrankung unzuverlässig, Ausbruchsmeldungen z. T. verzögert.

Kenia: Poliomyelitis

Übertragung durch Poliovirus (Typ I-III). Kontaminiertes Wasser und Lebensmittel. CAVE: Impfung obligatorisch für bestimmte Länder, Booster nicht älter als 1 oder 10 Jahre , je nach Reisedestination.

Kenia: Tollwut

Übertragung durch Speichel und andere Körperflüssigkeiten von infizierten Tieren (Hauptsächlich Hunde und Fledermäuse). 100 tödlich verlaufende Krankheit. Impfung dringend empfohlen für Langzeitaufenthalte in betroffenen Gebieten, kurze Reisen mit hohem individuellem Risiko (z.B. Fahrrad- oder Motorradreisen, Wanderungen), Reisen in abgelegene Gebiete, Kinder, Arbeit mit Säugetieren, Höhlenforscher (Fledermäuse).
Präexpositionelle Impfung (2 Impfdosen vor Abreise an den Tagen 0 und 7-28, einmalige Auffrischung ≥1 Jahr.
Massnahmen nach Biss- oder Kratzwunde, Ablecken von verletzten Hautstellen, sofort Wunde mit Wasser und alkalischer Seife (Kernseife) säubern für 15 Min., Wunddesinfektion (z.B. Betadine® oder Merfen®), zeitnah Arzt aufsuchen. Beim Arzt: Aktivimpfung für ALLE! Passive Immunisierung mit humanen Tollwut-Immunglobulinen in und um die Wunde bei bisher ungeimpften Personen, Antikörper-Titer-Kontrolle.

Kenia: Meningokokken

Tröpfchenübertragung von Neisseria meningitidis. Impfung 5-Jahres-Schutz, empfohlen bei längerer Reise oder viel /naher Kontakt mit lokaler Bevölkerung. CAVE. Obligatorisch bei HAJJ/Umra.

Kenia: Bilharziose

Übertragung durch Parasiten-Larven in stehendem oder langsam fliessendem Süsswasser, juckender Hautausschlag nach Infektion, erste Symptome erst 1-2 Monate später. CAVE: keine medikamentöse Prophylaxe vorhanden. Screening/Therapie Praziquantel) erst 2-3 Monate nach Infektion möglich. Sollte bei Tropenarzt erfolgen.

Physikalische Faktoren

Höhenkrankheit: ab 2500m möglich, unabhängig von Fitnesszustand. Frühzeichen sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Leistungsabfall und Schlafstörungen. Warnsymptome sind Gleichgewichtsstörung, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit.
Massnahmen: Langsamer Aufstieg (max. 500m/Tag, Ruhetag alle 3-4 Tage. Ruhetag bei ersten Symptomen (Analgetika, Antiemetika), Abstieg bei Persistenz, Verzicht auf Alkohol, Nikotin, genügend Flüssigkeit, allenfalls Diamox® (vorher ausprobieren).

Unfälle: jede Minute stirbt weltweit ein Mensch bei einem Verkehrsunfall. Auf Auslandreisen ist das Risiko eines Unfalls 100mal höher als zu Hause.
Sonne, Tauchen, Flug (Thrombose), Luftverschmutzung.

Speziell in Südostasien: Japanische Enzephalitis

Übertragung durch Culex-Mücken (dämmerungs- und nachtaktiv), vor allem bei Teisfeldern <8generell Feuchtgebiete) und Schweinefarmen. Impfschema 0d, 28d, 1 Jahr. Off-Label Use bei Kindern unter 1 Jahr und bei Schnellschema =,7, sehr selten bei Touristen.
Der Referent präsentierte abschliessend die Impfausweise der Familie Müller und wies auf die Besonderheiten der einzelnen Mitglieder in Bezug auf Impfungen hin: Frau Müller schwanger, Herr Müller depressiv und das Kind im Alter von 13 Jahren.

Wichtige Nachschlagwerke

sind Healthy Travel (www.healthytravel.ch), Schweizerischer Impfplan 2023 (BAG). Für Impfstoffe: Swissmedicinfo.ch, compendium.chviavac-services.ch

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

Neurovaskuläre Prävention

Ein von der AGLA initiiertes Symposium anlässlich der Jahrestagung der SGK hatte die neurovaskuläre Prävention zum Thema. Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. med. Marcel Arnold, Bern und Prof. Dr. med. Augusto Gallino, Bellinzona, wurden aktuelle Themen der neurovaskulären Prävention diskutiert.

Die Rolle von Biomarkern beim ischämischen Schlaganfall

Es ereignen sich ca. 13,7 Mio. neue Schlaganfälle aller Typen jedes Jahr. Global wird jede vierte Person über 25 Jahren einen Schlag­anfall in ihrer Lebenszeit erleiden. Der Schlaganfall ist die zweit-häufigste Todesursache weltweit. Fünfeinhalb Millionen Personen sterben jährlich an einem Schlaganfall und er ist die häufigste Ursache für schwere Langzeitbehinderung, stellte Frau Prof. Dr. med. Mira Katan, Basel, einleitend fest. Die Schlaganfall-Rezidivrate ging bis Mitte der 2000er Jahre zurück, hat sich aber in den letzten zehn Jahren nicht verändert. Die Mehrzahl der kardioembolischen oder hämorrhagischen Schlaganfälle, die ein Rezidiv aufweisen, sind Schlaganfälle desselben Typs, was darauf hindeutet, dass die Umsetzung wirksamer Präventionsstrategien bei diesen Schlaganfall-Subtypen noch suboptimal ist, so die Referentin.

Die wichtigsten Säulen der Sekundärprävention sind 1. Management der Risikofaktoren bei allen Schlaganfallpatienten (Hypertension, Dyslipidämie, Diabetes, Lebensstil/Behaviorale Faktoren (z. B. körperliche Aktivität, Rauchen, Ernährung, Alkoholkonsum, Depression). 2. Spezifische Behandlungen auf der Grundlage der vermuteten Schlaganfall-Ätiologie (Vorhofflimmern: orale Antikoagulation, PFO: Vorhofsohr-Verschluss, symptomatische Karotis-Stenose Carotisendarteriektomie (CEA) und das Carotisstenting (CAS). Vaskulitis: Steroide plus Langzeit immunmodulierende Therapie. Die Identifizierung der zugrunde liegenden Ätiologie stellt ein Problem dar. Es gibt den Kleingefäss-Schlaganfall, den kryptogenen Schlaganfall, das undiagnostizierte paroxysmale Vorhofflimmern, den kardioembolischen Schlaganfall, den embolischen Schlaganfall indeterminierter Ursache (ESUS) sowie andere verdeckte kardioembolische Ursachen. Die Auswirkung einer kontinuierlichen Langzeit-Herzüberwachung im Vergleich zur üblichen Versorgung auf die Erkennung von Vorhofflimmern bei Patienten mit Schlaganfall aufgrund einer Erkrankung der grossen oder kleinen Gefässe wurde in der randomisierten klinischen STROKE-AF-Studie untersucht. Es zeigte sich, dass bei Patienten mit einem Schlaganfall, der auf eine Erkrankung der grossen oder kleinen Gefässe zurückzuführen ist, bei der Überwachung mit einem ICM im Vergleich zur üblichen Versorgung über 12 Monate hinweg signifikant mehr Vorhofflimmern festgestellt wurde. Es sind jedoch weitere Untersuchungen erforderlich, um zu verstehen, ob die Erkennung von Vorhofflimmern bei diesen Patienten von klinischer Bedeutung ist.

Biomarker für eine «verdeckte» kardioembolische Ätiologie: Biomarker der Vulnerabilität (Abwesenheit von Krankheit), Biomarker erhöhter kardialer Thrombogenität (Früherkrankung, nicht nach-weisbar), spezifische Marker (präklinisch nachweisbar, manifest).

Gutenberg Health Study (N=5000): Natriuretische Peptide sind signifikant mit Vorhofflimmern verbunden. Verschiedene Studien zeigten eine klare Assoziation von NTproBNP mit kardioembolischem Hirnschlag und sogar bei Vorhofflimmern nach einem Schlaganfall. Eine der grössten Studien war RESPECT ESUS mit einer Odds Ratio von 1,7.

Auch das MRproANP (midregionales pro-atriales natriuretisches Peptid) zeigt eine signifikante Assoziation mit dem Risiko für einen Schlaganfall. Eine noch laufende Schweizer Studie (MOSES) befasst sich mit der Frage ob eine biologisch unterschiedliche Untergruppe von Patienten mit ischämischem Schlaganfall ohne bekanntes Vorhofflimmern bei der Aufnahme, ausgewählt aufgrund eines Cut-off Wertes für MRproANP von einer direkten oralen Antikoagulation vs. Thrombozytenaggregationshemmer als präventive Therapie profitiert.

Neurovaskuläres Update – die Strategie «Ein Gehirn - ein Leben» zur Schlaganfallprävention


Die Definition der WHO der Gesundheit des Gehirns lautet: Hirngesundheit bedeutet Förderung der optimalen Entwicklung des Gehirns, der kognitiven Gesundheit und des Wohlbefindens für alle Menschen im gesamten Lebens­verlauf. Die Gesundheit des Gehirns ist entscheidend für die allgemeine körperliche, geistige und soziale Gesundheit sowie für das Wohlbefinden, die Produktivität und Kreativität und die Bewältigung von Lebenssituationen. Im Gegensatz zu Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist das Bewusstsein für die Belastung durch neurologische Erkrankungen noch nicht sehr ausgeprägt, so Prof. Dr. med. Alexander Tarnutzer, Baden.

Für die Gesundheit des Gehirns wurden mehrere Faktoren ermittelt (bzw. werden derzeit vorgeschlagen), darunter die folgenden:
– Erhalten: Faktoren, die die geistige und körperliche Gesundheit des einzelnen fördern wie z.B. eine gesunde Ernährung, ausreichender und qualitativ hochwertiger Schlaf, die Pflege sozialer Interaktionen und die Förderung adaptiver Bewältigungsstrategien.
– Schutz und Vorbeugung: umfasst schützende (wie auch vorbeugende) Faktoren wie Vermeidung von übermässigem Alkoholkonsum, Nichtrauchen, Reduzierung des Zuckerkonsums und Kontrolle des Cholesterinspiegels. Bluthochdruck, Übergewicht, Depressionen, Diabetes, Hörschäden und Katarakte sind ebenfalls Faktoren, die sich erheblich auf die Gesundheit des Gehirns auswirken können.
– Zu den Faktoren, die von den politischen Entscheidungsträgern angegangen werden müssen, gehören der Zugang zu Bildung, Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung, die politische Lage, Forschungsstrategien und sozioökonomische Bedingungen.

Zerebrovaskuläre Erkrankung – Auswirkungen der Prävention

Das globale Lebenszeit-Risiko für Schlaganfall (Alter 25 und älter) beträgt etwa 25% (gemischtes Geschlecht). Der Schlaganfall ist für fast 5% aller DALYs und 10% aller Todesfälle weltweit verantwortlich (2/3 aller neurologischen Todesursachen). Mehr als 90 % der Schlaganfallbelastung (DALYs) war auf veränderbare Risikofaktoren zurückzuführen.
– Metabolische Risiken (hoher systolischer Blutdruck, hoher BMI, hoher Nüchternblutzucker, hohes Gesamtcholesterin und einge-schränkte Nierenfunktion) waren für 72,1 % der Schlaganfall-DALYs verantwortlich.
– Verhaltensbedingte Faktoren (Rauchen, schlechte Ernährung, geringe körperliche Aktivität) waren für 66,3 % der zurechenbaren DALYs verantwortlich.
– Umweltrisiken (Luftverschmutzung, Bleiexposition) waren für 28,1 % verantwortlich.
Es müssen Anstrengungen unternommen werden, um die Umsetzung bewährter, wirksamer primär- und sekundärpräventiver Strategien auszuweiten.

Paradigmenwechsel im Bewusstsein der Bedeutung der Gesundheit des Gehirns

Umfassende Initiativen von WHO, EAN, World Federation of Neurology und anderen Akteuren in den Jahren 2020-2022: WHO gründet 2020 Brain HealthUnit. WHO lanciert Globalen Aktionsplan (GAP) zu Epilepsie und anderen neurologischen Störungen.

Die EAN schlägt ihre Strategie für die Gesundheit des Gehirns vor und unterstützt die Entwicklung von Strategien in den 47 nationalen europäischen Mitgliedsgesellschaften zur Förderung des GAP OneNeurology-Initiative.

EAN Gehirn Gesundheitsstrategie: ein Gehirn – ein Leben – ein Ansatz (Claudio I.A. Bassetti et al) mit dem Ziel der Entwicklung eines nicht krankheits- und alterszentrierten, ganzheitlichen und positiven Ansatzes zur Vorbeugung neurologischer Störungen, aber auch zur Erhaltung der Gesundheit des Gehirns und zur Förderung der Genesung nach Hirnschäden.

Fazit

Die Gesundheit des Gehirns hängt von vielen Faktoren ab und ist für die allgemeine körperliche, geistige und soziale Gesundheit von wesentlicher Bedeutung.

Mehr als 90 % der Schlaganfallbelastung (DALYs) sind auf veränderbare Risikofaktoren zurückzuführen und sollten daher durch Primär- und Sekundärprävention angegangen werden.

Paradigmenwechsel im Bewusstsein für die Bedeutung der Hirngesundheit, umfangreiche Initiativen (WHO, EAN, WFN usw.). Eine beträchtliche Anzahl von neurologischen Störungen kann ver-hindert und das allgemeine Wohlbefinden des Einzelnen verbessert werden.

Zerebrovaskuläre Erkrankungen als Modell für die Auswirkungen von Fortschritten bei Behandlung und Prävention seit 1996 auf die DALYs sind beeindruckend!

Individuelles Management des Cholesterinspiegels bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen


Cholesterinwerte sind beim Menschen viel höher als bei allen anderen Arten, wie wilde Primaten (Paviane 2,8mmol/l, Brüllaffe 2,5mmol/l, Nachtaffe 3,6mmol/l), wilde Säugetiere (Pferd 3,6mmol/l, Bär 1,8mmol/l, afrikanischer Elefant 2,8mmol/l), aber auch bei Jägern und Sammlern (Hazda 2,8mmol/l, Inuit 36mmol/l, Pigmäen 3,7mmol/l). Bei modernen Menschen, erwachsenen Amerikanern beträgt der mittlere Cholesterinwert 5,4 mmol/l., stellte Prof. Dr. med. Marcel Arnold, Inselspital Bern, eingangs fest.

Der ischämische Schlaganfall hat viele verschiedene Ätiologien. Ischämischer Schlaganfall bedeutet nicht Atherosklerose. Es gibt verschiedene seltene Ursachen, wie Dissektion, Arteriitis, Fabry Disease, CADASIL (autosomal-dominant vererbte, neuropsychiatrische Erkrankung aus dem Kreis der Leukenzephalopathien). Die European Stroke Organisation (ESO) gibt eine Evidenz-basierte Empfehlung zur Lipidsenkung: Bei Menschen mit ischämischem Schlaganfall oder TIA wird empfohlen, einen LDL-Cholesterinspiegel von <1,8 mmol/l anzustreben, um das Risiko grösserer kardiovaskulärer Ereignisse zu verringern (Stärke der Empfehlung I, Evidenzqualität moderat (I/C). Die Guidelines der American Heart Association/American Stroke Association 2021 empfehlen bei Menschen mit ischämischem Schlaganfall oder TIA (I/C) eine Lipidsenkung mit einem Statin und ggf. Eztimib auf einen Ziel-LDL-C-Wert von <1,8 mmol/l (<70 mg/dl) , um das Risiko schwerer kardiovaskulärer Ereignisse zu senken. Bei Personen mit sehr hohem Risiko, definiert als Schlaganfall plus eine weiterer ASCVD oder Schlaganfall plus multiple Hochrisikobedingungen ist es vernünftig, eine PCSK9-Hemmer-Therapie einzusetzen, um ASCVD Ereignisse zu verhindern (IIa, B-NR). Der Referent präsentierte die Daten der SPARCL-Studie mit hoher Atorvastatn-Dosis (80mg/Tag) nach Schlaganfall oder TIA. Atorvastatin war beim tödlichen und nicht-tödlichen Schlaganfall) (p=0.03), beim schweren koronaren Ereignis (p=0.003), und beim schweren kardiovaskulären Ereignis (p=0.002) signifikant besser als Placebo. Auch in Bezug auf alle Schlaganfälle war Atorvastatin signifikant besser als Placebo (p=0.003), und in Bezug auf ischämischen Schlaganfall ebenfalls signifikant besser (p=0.01). Die Therapie mit 80mg Atorvastatin fiel aber beim hämorrhagischen Schlaganfall signifikant schlechter aus (p=0.02) mit einer Hazard Ratio von mehr als 3.

Überlegungen nach ischämischem Schlaganfall / TIA

Eindeutige Hinweise für Patienten mit ischämischem Schlaganfall und zusätzlicher koronarer Herzkrankheit oder zerebrovaskulärer Erkrankung der grossen Arterien zur Festlegung eines Ziel-LDL-C-Wertes <1,8 mmol/l.

Patienten mit einem ischämischen Schlaganfall haben häufig gleichzeitig eine koronare und eine periphere Arterienerkrankung.
Eine kardiologische Untersuchung ist nicht nur erforderlich, um die Ursache des Schlaganfalls zu ermitteln, sondern auch, um eine koronare Herzkrankheit festzustellen.

Eine sorgfältige Anamnese und klinische Untersuchung auf periphere Erkrankungen ist bei Schlaganfallpatienten wichtig.

Sehr niedrige LDL-Tarife für alle Schlaganfall/TIA-Patienten ohne Atherosklerose scheinen keine evidenzbasierte Strategie zu sein
Es gibt jedoch eindeutige Belege für die Wirksamkeit hochdosierter Statine bei einer heterogenen Population von Schlaganfall-/TIA-Patienten ohne koronare Herzkrankheit und ohne grössere kardioembolische Ursachen mit einem LDL von 2,6-4,9 mmol/l (SPARCL-Studie).
Ziel-LDL-C ist für diese Patienten weniger klar.

Die AHA/ASA-Empfehlung, alle diese Patienten mit Atorvastatin 80 mg zu behandeln, ist möglicherweise zu einfach.

Ein LDL-C-Zielwert von mindestens <2,6 mmol/l (wahrscheinlich niedriger) scheint bei Patienten mit hohen LDL-Werten sinnvoll.
Hochrisikopatienten mit schwerer Atherosklerose können von sehr niedrigen LDL-C-Zielen profitieren. Je niedriger, desto besser.

Alternativ- und Zusatzbehandlungen zu Statinen sind wirksam und verfügbar und werden bei Schlaganfallpatienten oft nicht ausreichend eingesetzt.
Die Statine dürfen im akuten Stadium des Schlaganfalls nicht abgesetzt werden (pleiotrope Effekte).

Leichte Myalgien/Myopathien können bei einigen Schlaganfallpatienten von grösserer Bedeutung sein.

Bei Patienten mit einem eindeutigen nicht-atherosklerotischen Schlaganfall (z. B. Zervikalarteriendissektion, Arteriitis, PFO mit hohem ROPE-Score) gibt es keine Evidenz für eine positive Wirkung von Statinen.

Statine nach ischämischem Schlaganfall bei den Ältesten
Reine retrospektive Kohortenstudie mit 5190 über 65jährigen Patienten , 3157 über 80 Jahre alt zeigte, dass die Statinverschreibung bei 80jährigen und Älteren sowohl in einem niedrigeren Risiko für den kompositen Endpunkt (wiederkehrender Schlaganfall, Myokardinfarkt und kardiovaskuläre Mortalität) , HR o.80 (0.62-1.02) und für die Gesamtmortalität o.67 (0.57-0.80) ergab.

Personalisierte holistische Prävention
Das «Stroke-Card» Konzept (stadiengerechte Nachsorge durch ein multidisziplinäres Team mit individueller Beratung je nach Risikofaktoren (App und 3-Monatsbesuch) reduzierte kardiovaskuläre Ereignisse (5,4% vs. 8,3%; p=0,007), verbesserte die Lebensqualität (<0,001) und war mit einem besseren funktionellen klinischen Ergebnis verbunden (Willeit P et al eClinicalMedicine 2020;25:100476, doi:10.1016/j.eclinm.2020.100476).

Frühzeitige versus späte Einleitung direkter oraler Antikoagulanzien bei Patienten mit Vorhofflimmern nach einem ischämischen Schlaganfall

Prospektive Beobachtungsstudien und zwei kleine randomisierte Studien haben die Risiken und den Nutzen einer frühzeitigen Einleitung der DOAC-Behandlung (meist mit einer medianen Verzögerung von 3-5 Tagen) bei leichten bis mittelschweren ischämischen Schlaganfällen im Zusammenhang mit Vorhofflimmern untersucht. In diesen Studien wurde berichtet, dass eine frühe DOAC-Behandlung mit einer geringen Häufigkeit von klinisch symptomatischen intrakraniellen Blutungen oder hämorrhagischen Surrogatläsionen auf MRT-Scans verbunden war, während ein späterer Beginn der DOAC-Verabreichung (d. h. >7 Tage oder >14 Tage nach dem Index-Schlaganfall) mit einer erhöhten Häufigkeit von rezidivierenden ischämischen Schlaganfällen verbunden war, Dies war keine randomisierte Studie und der Nettonutzen fraglich, erläuterte Prof. Dr. med. Urs Fischer, Basel.

Die ELAN-Studie

Early versus late initiation of direct anticogulants in post-ischaemic stroke patients with atrial fibrillation, eine Studie von Urs Fischer et al (Clinical Trials gov Identifier:NCT03148457). Das Hauptziel der Studie bestand darin, die Auswirkungen einer frühzeitigen Einleitung im Vergleich zu einer späten Einleitung der Gerinnungshemmung abzuschätzen und den Grad der Genauigkeit (d.h. die Konfidenzintervalle) dieser Schätzungen zu ermitteln. Das primäre Ergebnis nach 30 Tagen bei früher Behandlung 2,9%, bei später Behandlung 4,1% OR 0,70 , n.s. Wiederkehrender ischämischer Schlaganfall bei 1,4% vs. 2,6% n.s. Systemische Embolie 0,4% vs. 0,9% Die symptomatische intrakranielle Blutung war bei beiden Behandlungen gleich (0,2%), die schwere extrakranielle Blutung 0,3% vs. 0,5%, OR 0,63 und vaskulärer Tod 1,1% resp.1,0% OR 1.12. Das zusammengesetzte sekundäre Ergebnis nach 90 Tagen war bei früher Behandlung 3,7%, bei später Behandlung 6,6% =R 0,65, signifikant. Wiederkehrender ischämischer Schlaganfall 1,9% vs. 3,1% n.s., Systemische Embolie 0,4% vs. 1,0%, OR 0.42, n.s. Symptomatische intrakranielle Blutung bei beiden Behandlungen 0.2%. Schwere extrakranielle Blutung 0,3% vs. 0,9%, OR 0.40 , n.s. Vaskulärer Tod 1,8% vs. 1,7%, OR 1.04, n.s. Die Subgruppenanalyse ergab nach 30 Tagen beim NIHSS≥10, beim Alter ≥70 Jahre, bei grosser Infarktgrösse und beim weiblichen Geschlecht deutlich bessere Ergebnisse mit der frühen DOAC-Behandlung (nur Hypothesengenerierend). Die Limitationen der Studie sind Ausschluss von Personen mit therapeutischer Antikoagulation bei Baseline, Ausschluss von Personen mit parenchymatösem hämorrhagischem Schlaganfall, Typ 1 und 2, medianem NIHSS Score nach Rando

misierung war eher gering, jedoch mindestens ein Fünftel der Patienten hatten einen schweren Schlaganfall, mehr als ein Drittel erhielten Thrombolyse, mehr als ein Fünftel erhielten eine Thrombektomie.

Die Implikationen von ELAN sind:
Die Raten an symptomatischen intrakraniellen hämorrhagischen Schlaganfällen sind bei früher Antikoagulation gering, wenn eine Imaging-basierte Klassifizierung verwendet wird.

Frühe Behandlung ist vernünftig, wenn aus logistischen oder andern Gründen indiziert.

Frühe Behandlung ist wahrscheinlich besser und unwahrscheinlich, Schaden zu verursachen.

Es gibt keinen Grund die Antikoagulation mit DOACs bei Personen mit akutem ischämischem Schlaganafll und Vorhofflimmern zu verzögern.

Wiederkehrender Schlaganfall trotz Antikoagulation?
Drei Studien untersuchten das Risiko für erneuten Schlaganfall bei Patienten mit und ohne Antikoagulation.

Seiffge et al Ann Neurol 2020: Patienten mit Vorhofflimmern, die trotz vorheriger oraler Antikoagulation einen ischämischen Schlag-anfall erleiden, haben ein höheres Risiko für einen erneuten ischämischen Schlaganfall, obwohl sie einen ähnlichen CHA2 DS2 -Vasc-Score aufweisen wie Patienten ohne vorherige orale Antikoagulation.

Tanaka et al Stroke 2020: Das Risiko für einen erneuten ischämischen Schlaganfall ist bei Patienten mit NVAF (non-valvular atrial fibrillation).-assoziiertem Schlaganfall mit vorheriger Antikoagulation möglicherweise höher als bei Patienten ohne vorherige Antikoagulation.

Yaghi et al, J Beurol 2021: Vorhofflimmern-Patienten, die trotz Antikoagulation einen ischämischen Schlaganfall erleiden, haben möglicherweise ein höheres Risiko für ein ischämisches Wieder-holungsereignis als Patienten, die keine Antikoagulation erhalten haben. Dies deutet auf unterschiedliche zugrunde liegende Pathomechanismen hin, die unterschiedliche Massnahmen zur Schlaganfallprävention erfordern, und die Identifizierung dieser Mechanismen könnte die Strategien zur Sekundärprävention verbessern.

Ursachen für Schlaganfall bei Patienten mit Vorhofflimmern
Adhärenz und Medikamente: Non-Adhärenz, Dosierung, gleichzeitige Medikamenteneinnahme.

Nicht kardiale Abklärung: Gehirn-MRI, vaskuläres Imaging, zusätzliche Tests: Kompetierende Ursachen für Schlaganfall.

Kardiale Abklärung: Kardiales Imaging, Messung der Vorhofsdysfunktion: Kardioembolie trotz Antikoagulation.

Optimale Therapie – Umstellung der Antikoagulation
Schlaganfall trotz Antikoagulation umfasst heterogene Ätiologien, wobei die Kardioembolie trotz ausreichender Antikoagulation am häufigsten ist. Während DOAC mit besseren Ergebnissen verbunden waren als VKA, war die zusätzliche Gabe von Thrombozytenaggregationshemmern mit schlechteren Ergebnissen bei diesen Hochrisikopatienten assoziiert. Die Ergebnisse zeigen, dass dass individualisierte und neuartige Präventionsstrategien über die Antikoagulanzien hinaus erforderlich sind.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

Schilddrüsenerkrankungen in der Schwangerschaft: Wo liegen die Beweise?

An der Tagung der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäko­logie und Geburtshilfe sprach Frau Prof. Dr. med. Sophie Leboulleux, Genf, über Schilddrüsenerkrankungen während der Schwangerschaft.

Prof. Dr. med. Sophie Leboulleux

Im ersten Trimester einer normalen Schwangerschaft erfolgt eine Zunahme von fT3 und fT4 mit einer moderaten Suppression von TSH, beides im Zusammenhang mit der Zunahme der hCG-Spiegel. Die Schilddrüsenfunktion der Mutter in der Frühschwangerschaft ist ein wichtiger Faktor für die frühe Entwicklung des fetalen Gehirns, da die fetale Schilddrüse vor 12-14 Wochen kein T4 produzieren kann, so die Referentin. Es sollten spezifische Referenzbereiche für TSH bestimmt werden. Für den Fall, dass Zentren eigene Referenzwerte nicht bestimmen können, haben frühere Leitlinien feste Referenzbereiche für TSH angegeben. Diese Leitlinien empfehlen feste Obergrenzen für TSH von 2.5mU/l für das erste und zweite Trimester und 3.0mU/l für das dritte Trimester. Bei schwangeren Frauen kommt offene Hypothyreose in 0.5%, subklinische Hypothyreose in 3.5% und isolierte Hypothyroxinämie in 2.1% vor.

Die häufigsten Gründe für Hypothyreose während er Schwangerschaft sind Hashimoto Thyreoiditis postoperative oder postablative Hypothyreose oder schwerer Jodmangel.

Die Aetiologie der Hypothyroxinämie ist weniger klar. Man spricht von Jodmangel, Übergewicht, Eisenmangel, Exposition gegenüber umweltbedingten, endokrinen Disruptoren, Exposition gegenüber angiogenen Faktoren.

Auswirkungen der Hypothyreose, Hypothyreose und Hypothyroxinämie auf Schwangerschaft und fetale Ergebnisse.

Hypothyreose: Auswirkungen auf die Entwicklung im Säuglingsalter: Eine entsprechende Fallkontrollstudie (Haddow JE et al. NEJM 1999;341:549-555) rekrutierte Frauen mit Hypothyreose während der Schwangerschaft (2. Trimester pränatal) mit hohem TSH ≥ 97.7 Perzentile ohne Berücksichtigung des Behandlungsstatus. Ihre Kinder wurden zwischen März 1996 und Dezember 1997 getestet. 47 Frauen hatten TSH- Werte über der 99.7. Perzentile der Werte aller schwangeren Frauen, 15 Frauen hatten Werte zwischen der 98. und 99.7 Perzentile inklusive in Kombination mit tiefen Tyroxin-Werten. und 124 vergleichbare Frauen hatten normale Werte. Ihre Kinder wurden 15 Tests unterzogen, die sich auf Intelligenz, Aufmerksamkeit, Sprache, Lesefähigkeit, schulische Leistungen und visuell-motorische Leistungen bezogen. Die Kinder der 62 Frauen mit hohen Serum-Thyrotropin-Werten schnitten bei allen 15 Tests etwas schlechter ab. Von den 62 Frauen mit Schilddrüsenmangel wurden 48 während der Studie nicht behandelt. Die gesamte IQ-Punktzahl ihrer Kinder war im Mittel 7 Punkte tiefer als diejenigen der Kinder aus den 124 vergleichbaren Kontrollen. 19 Prozent hatten Punktezahlen von 85 oder weniger. Eine nicht diagnostizierte Hypothyreose bei schwangeren Frauen kann sich nachteilig auf den Fetus auswirken; daher ist ein Screening auf Schilddrüsenunterfunktion während der Schwangerschaft gerechtfertigt.

Eine weitere Studie (Männisto T et al. J Endocrinol Metab 2013;98: 2725-2733) zeigte an einer US amerikanischen Kohorte, dass primäre Hypothyreose während der Schwangerschaft mit Präeklampsie, überlagerter Präeklampsie, Gestationsdiabetes, Frühgeburt, Kaiserschnittnach spontanen Wehen und Aufnahme in die Intensivstation einherging. Die Daten deuten darauf hin, dass entweder ein besseres Management von Schilddrüsenerkrankungen während der Schwangerschaft erforderlich ist oder dass es einen intrinsischen Aspekt der Schilddrüsenerkrankung gibt, der zu schlechten Schwangerschaftsergebnissen führt.

Subklinische Hypothyreose während der Schwangerschaft ist ferner mit einem höheren Risiko für Präeklampsie vergesellschaftet (Toloza FJK et al Lancet Diabetes Endocrinol 2022; 10: 243-252). Es bestand ein U-förmiger Zusammenhang zwischen TSH und Präeklampsie. Die Resultate ergänzen die Gesamtheit der Nachweise über das Risiko negativer mütterlich-fetaler Ergebnisse einer Schilddrüsenfehlfunktion während der Schwangerschaft.

Isolierte Hypothyroxinämie: Konsequenzen für die Entwicklung in der Kindheit

Die isolierte Hypothyroxinämie in der Frühschwangerschaft kann ein wichtiger Risikofaktor für eine gestörte Entwicklung des Kindes sein (Pop et al Clin Endocronol 1999;50:149-153). Sie kommt vor in einer Jod-ausreichenden Gegend im Südosten der Niederlande. Es handelt sich um Frauen ohne frühere Schulddrüsenstörung mit normalen Schwangerschaften und Geburten. 220 Kinder mit normalem TSH und FT4 wurden eine Woche nach Geburt untersucht. Eine Untersuchung der neurologischen Entwicklung erfolgte im Alter von 10 Monaten, Bayley Skalen der kindlichen Entwicklung und mütterliche TSH, fT4 und TPO- Antikörper wurden untersucht an Woche 12 und 32 der Schwangerschaft. Niedriges fT4 war assoziiert mit einem niedrigeren mittleren Score für den psychologische Entwicklungsindex der Bayley Skala. Unterschiede im mentalen Score waren nicht statistisch signifikant. Es gab keine Korrelation zwischen den Scores und fT4 in der 32. Schwangerschaftswoche. Erhöhte anti-TPO Antikörper (>50U/l) sind mit einem relativen Risiko von 3.1 in der 12.

Schwangerschaftswoche assoziiert. Niedrige mütterliche Plasmawerte von fT4 während der frühen Schwangerschaft stellen einen wichtigen Risikofaktor für eine beeinträchtigte kindliche Entwicklung dar.

Eine weitere Studie (Levie et al. J Clin Endocrinol Metab 2018; 103: 2967-2979) bestätigt eine konsistente Assoziation zwischen niedrigen mütterlichen FT4 Konzentrationen und niedrigerem IQ der Kinder in verschiedenen Ländern mit unterschiedlichem Jod-Status.

Diese Studien deuten darauf hin, dass die Nachkommen von einer Behandlung der Mutter wegen einer subklinischen Hypothyreose profitieren würden, stellen aber die Auswirkungen eines routinemässigen Screenings in Frage.

Pränatales Schilddrüsenscreening und kognitive Funktion des Kindes: Die CATS-Studie (Lazarus JH et al. NEJM 2012; 366; 493-501): bestätigte die derzeitigen Leitlinien, die ein antenatales Screening auf Hypothyreose während der Schwangerschaft nicht empfehlen. Die CATS-Studie fand keinen Nutzen eines routinemässigen Screenings auf mütterliche Hypothyreose in der 12. Bis 13. Gestationswoche im Hinblick auf die Prävention einer beeinträchtigten kognitiven Funktion beim Kind.

Behandlung der subklinischen Hypothyreose oder Hypothyroxinämie in der Schwangerschaft

Zwei multizentrische, randomisierte, Placebo-kontrollierte Studie wurden parallel in 15 Zentren durchgeführt. Die Patientinnen hatten eine Hypothyroxinämie (normales TSH und fT4 <0.86 ng/dl, oder TSH >4.0mU/l und normales T4. Die Behandlung erfolgte mit 50µg Levothyroxin oder entsprechendes Placebo, bzw. 100µg Levothyroxin oder entsprechendes Placebo.

Der primäre Endpunkt (Ergebnisse zur Bewertung von Kognition, Motorik, Sprache, Aufmerksamkeit, Verhalten und soziale Kompetenz im Alter von 12, 24, 36 Monaten) wurde nicht erreicht. Die Behandlung mit Levothyroxin ändert den IQ im Alter von 3 Jahren nicht. Aber die Behandlung mit Levothyroxin startete erst an Woche 16-18. Es gab 3 Punkte Differenz im IQ-Score. Die Kinder von Müttern, die positiv für anti-TPO Antikörper waren oder die den höchsten TSH-Wert oder die tiefsten fT4 Konzentration hatten, erzielten die höchste IQ-Zunahme als Folge der Behandlung mit Levothyroxin.

Effekte von Levothyroxin auf Schwangerschaftsergebnisse bei subklinischer Hypothyreose ohne anti-TPO Antikörper

Bei Verwendung des TSH-Grenzwertes von 2,5 mIU/L wurde kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen mit und ohne Levotyroxin-Behandlung in Bezug auf Frühgeburten festgestellt [relatives Risiko (RR): 0,86; 95% Konfidenzintervall (CI): 0,47 bis 1,55; P = 0,61]. Eine log-binomiale Modellanalyse auf der Grundlage eines Grenzwertes von 4,0 mIU/L zeigte jedoch eine signifikant niedrigere Frühgeburtenrate bei Frauen, die mit LT4 behandelt wurden, im Vergleich zu Frauen, die keine Behandlung erhielten (RR: 0,38; 95% CI: 0,15 bis 0,98; P = 0,04).

Angesichts dieser Erkenntnisse ist es sinnvoll, Frauen mit subklinischer Hypothyreose mit LT4 zu behandeln, insbesondere wenn ihr TSH-Wert >10mU/l ist.

Die Diagnose und das Management der Hypothyreosen in der Zeit vor der Schwangerschaft stellen besondere Herausforderungen dar. Bei der Entscheidung über die Behandlung ist es wichtig, die Risiken und den Nutzen der Behandlungen nicht nur für die Mutter, sondern auch für den Feten abzuwägen. Ein systematisches Screening wird nicht empfohlen.

Hyperthyreose bei Schwangeren

Die Prävalenz der klinisch transienten Schwangerschafts-Thyreotoxikose beträgt 2-3%. Sie löst sich in der Regel bis zur 16. Schwangerschaftswoche auf. Sie ist assoziiert mit hohen hCG- Spiegeln von >180000IU/l.

Die Prävalenz vorexistierender Graves Hyperthyreose: beträgt 0.5-1.3%, diejenige neuauftretender Graves Hyperthyreose 0.05%. Ein Prozent gebären hyperthyreote Neugeborene. Die Prävalenz der autonomen Sekretion von Schilddrüsenhormonen beträgt 0.1%.

Offene Hyperthyreose während der Schwangerschaft ist assoziiert mit Bluthochdruckerkrankungen, Frühgeburt, in Bezug auf Gestationsalter kleinen Neugeborenen und intrauterinem fetalem Tod.

Statistische Belege für die positive Wirkung einer medizinischen Behandlung liegen nur für Ergebnisse wie Abruptio Placentae, fetale Wachstumsverzögerung, Schwangerschaftsdiabetes, postpartale Blutungen und Totgeburt vor.

Bei subklinischer Hyperthyreose wurde kein Nutzen von der Behandlung demonstriert.

Die Plazenta

T4 wird über die Plazenta auf den Fetus übertragen. Dasselbe gilt für Jod, anti-TPO Antikörper, anti-TSH-Rezeptorautoantikörper (TRAK), anti-Thyreoidea-Synthese- Autoantikörper. T3, TSH, TBG sind dagegen nicht Placenta-gängig.

Risiko für fetale Hyperthyreose korreliert mit TRAK-Spiegel

Mütterliche Thyroxin-bindende Autoantikörper von über 5 IU/l weisen auf das Risiko einer neonatalen Hyperthyreose hin. Bei diesen Müttern trägt eine TRAK-Messung (2. Generationstest) dazu bei, diejenigen genauer zu identifizieren, die eine engmaschige fetale Ultraschallkontrolle der Schilddrüse benötigen.

Morbus Basedow bei schwangeren Frauen

Serum-TSH-Rezeptor Antikörper (TRAK) sollten bei der ersten Vorstellung in der Schwangerschaft bestimmt werden, wenn eine Anamnese für Basedow-Krankheit vorliegt, und bei einer Erhöhung erneut in der 18. Bis 22. Schwangerschaftswoche. Wenn erhöht, fetale Ultraschallüberwachung. Keine Blockade, keine T3-Behandlung.

Fazit

Niedrige mütterliche Plasmawerte von fT4 während der frühen Schwangerschaft stellen einen wichtigen Risikofaktor für eine beeinträchtigte kindliche Entwicklung dar.

Die Hypothyreose bei Schwangeren ist mit einem erhöhten Risiko für Präeklampsie, vorzeitiger Plazentalösung, Frühgeburt, sehr früher Frühgeburt (< 32 SSW) und einer eingeschränkten neuropsychologischen Entwicklung des Kindes assoziiert.

Ob eine subklinische Hypothyreose (normaler fT4-Wert bei erhöhtem TSH-Wert) und eine Hypothyroxinämie (normaler TSH-Wert, verminderter fT4-Wert) in der Schwangerschaft zu einer Einschränkung der kognitiven Entwicklung der Kinder führt, ist umstritten und die Therapie mit Levothyroxin in diesen Situationen wird kontrovers diskutiert.

Offene Hyperthyreose während der Schwangerschaft ist assoziiert mit Bluthochdruckerkrankungen, Frühgeburt, in Bezug auf Gestationsalter kleinen Neugeborenen und intrauterinem fetalem Tod.

Das Risiko für fetale Hyperthyreose korreliert mit den TRAK-Spiegeln.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

Konsequenzen von BRCA-Mutationen und HRD für Genitalkarzinome der Frau

Patientinnen mit Ovarialkarzinom sind schwierig zu behandeln und schwierig zu diagnostizieren, weil wir keine guten Screeningmethoden und keine Früh-Symptome haben, die eine frühe Diagnose erlauben würden, stellte Frau Prof. Dr. med. Christine Brambs, Luzern, fest. Die Prognose ist schlecht, insbesondere bei Patientinnen, bei denen die Diagnose zu einem späten Stadium erfolgt. Die Risikofaktoren für Ovarialkarzinom sind bekannt, z.B. Ovulation, Reduktion der Ovulation durch Einnahme von Ovulationshemmern und Stillen. Es gibt aber auch eine genetische Komponente, die die Behandlung beeinflusst. Diese besteht gewöhnlich aus 2 Komponenten, der Chirurgie und einer medikamentösen Therapie, ausser bei Diagnose in einem sehr frühen Stadium. Die Chirurgie ist extrem wichtig, insbesondere die Qualität der chirurgischen Massnahmen. Das Ziel der primären Operation sollte die vollständige Resektion sein.

Bedeutung genetischer Komponenten

Warum ist die genetische Komponente wichtig? Warum empfehlen die Guidelines, dass die Patientinnen alle eine genetische Testung und Beratung erhalten?

BRCA1/2 Mutationen sind Keimbahnmutationen, die in etwa 20% vorkommen. Sie werden im Blut getestet, nicht im Tumor. Bei HRD, welches für homologe Rekombinationsdefizienz steht, handelt es sich um einen Defekt in der DNA-Reparatur. Der Ausfall dieses homologen Rekombinations-Reparatursystems verstärkt insgesamt die genomische Instabilität der Tumorzellen. Bei Krebserkrankungen wird dies häufig durch Mutationen in den für das homologe Reparatursystem relevanten Genen verursacht. Zu diesen zählen zum Beispiel BRCA1, BRCA2.

Patientinnen mit BRCA1/2-Mutationen haben eine bessere Prognose als Nichtmerkmalsträgerinnen. Als mögliche Ursachen für die Differenzen werden Unterschiede in der Tumorbiologie und ein besseres Ansprechen von Merkmalsträgerinnen auf die platinhaltigen Chemotherapien diskutiert.
Die Genetik spielt aber auch bei den neueren Therapien eine hervorragende Rolle. Das Enzym Poly(ADP-Ribose)-Polymerase-1 (PARP-1) fungiert als Sensor für DNA-Schäden. Es erkennt DNA-Schäden und erleichtert die DNA-Reparatur, indem es die DNA-Reparaturmaschinerie zu den Schadensstellen rekrutiert. Wenn dieses Enzym nicht funktionsfähig ist, z.B. weil es durch eine medikamentöse Therapie blockiert wird oder bei HRD positiven Zellen kommt es zum Zelltod.

Angesichts der Empfindlichkeit von BRCA-mutierten Krebs­arten gegenüber Poly(ADP-Ribose)-Polymerase-1 (PARP1)-Inhibitoren und Platinanaloga ist es wichtig, die Häufigkeit somatischer BRCA(1/2)-Veränderungen zu bestimmen.

Erhaltungstherapie

Einige Dinge haben sich in den letzten Jahren geändert. Patientinnen mit der Diagnose eines fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms (III-IV) sollten zusätzlich eine Erhaltungstherapie erhalten. Als Erhaltungstherapie können folgende Substanzklassen oder Kombinationen eingesetzt werden (S3-Leitlinie von 2022)

  • Bevacizumab
  • PARP-Inhibitoren
  • PARP-Inhibitoren + Bevacizumab

PARP-Studien: Erstlinie

Verschiedene Studien haben die Therapiepraxis verändert. Die Referentin präsentierte die wichtigsten Studien:
– Maintenance Olaparib in patients wiht newly diagnosed advanced ovarian cancer (Moore K et al. N Engl J Med 2018 Dec 27;379:2495-2505). Die Erhaltungstherapie mit Olaparib brachte Frauen mit neu diagnostiziertem fortgeschrittenem Eierstockkrebs und einer BRCA1/2-Mutation einen erheblichen Vorteil in Bezug auf das progressionsfreie Überleben, wobei das Risiko eines Fortschreitens der Krankheit oder des Todes unter Olaparib um 70 % geringer war als unter Placebo.
– Niraparib in patients with newly diagnosed advanced ovarian cancer (Gonzàlez-Martin A et al. Olaparib plus Bevacizumab as first-line mainenance in ovarian cancer. N Engl J Med 2019;381:2391-2402). Bei Patientinnen mit neu diagnostiziertem fortgeschrittenem Eierstockkrebs, die auf eine platinbasierte Chemotherapie ansprachen, hatten diejenigen, die Niraparib erhielten, ein signifikant längeres progressionsfreies Überleben als diejenigen, die ein Placebo erhielten, unabhängig vom Vorhandensein oder Nichtvorhandensein eines Mangels an homologer Rekombination.

– Olaparib plus Bevacizumab as First-Line Maintenance in ovarian cancer (Ray-Coquard I et al. N Engl J Med. 2019;381:2416-2428). Es zeigte sich dabei, dass bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom, die eine Erstlinien-Standardtherapie einschliesslich Bevacizumab erhielten, die zusätzliche Gabe von Olaparib zu einem signifikanten Vorteil beim progressionsfreien Überleben führte, der bei Patientinnen mit HRD-positiven Tumoren, einschliesslich solcher ohne BRCA-Mutation, erheblich war.

Die Studien wurden typischerweise mit Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom durchgeführt, die eine chirurgische Therapie hinter sich hatten. Die Studien waren ähnlich in ihrem Konzept. Die erste Studie, die herauskam, war SOLO-1: Olaparib verglichen mit Standard of Care. Das primäre Ziel war PFS. Die Patientinnen hatten BRCA-Mutationen. Die Resultate waren eindrücklich und Praxis verändernd. Die nächste Studie war PRIMA, Niraparib vs. Placebo bei Patientinnen mit und ohne BRACA-Mutationen. Auch Patientinnen mit Wildtyp. Auch hier ergaben sich eindrückliche Resultate. Patientinnen mit HRD profitierten in Bezug auf PFS. Bei Patientinnen ohne HRD waren die Resultate auch positiv aber lange nicht so eindrücklich wie bei denjenigen mit HRD.

Die dritte Studie, die die Referentin präsentierte war PAOLA-1: Olaparib plus Bevacizumab vs. Placebo bei Patientinnen mit BRCAm/wt und HRDd/p. Das Design ist etwas unglücklich. Heute würde man Olaparib + Bevacizumab vs. Olaparib allein vergleichen, um die Wirkung von Bevacizumab zu analysieren. Dies ist mit diesem Studiendesign nicht möglich, so die Referentin. Die Studie zeigt einen Effekt bei HRD-positiven Patientinnen und weniger bei solchen ohne HRD.

Biomarker sind wichtig

BRCA und HRD sind wichtig für die Therapieentscheidung. Die Referentin präsentierte eine Übersicht über verschiedenen Gruppen von Patientinnen und die entsprechenden Medikamente, die verabreicht werden könnten. Ob ein PARP-Inhibitor verabreicht werden soll oder nicht, oder eine Kombination eines PARP-Inhibitors mit Bevacizumab wird im Wesentlichen durch die Biomarker-Analyse bestimmt. Die Übersicht zeigt, dass Erhaltungstherapie beim Ovarialkarzinom ziemlich komplex geworden ist.

PARP-Inhibitoren in weiteren Linien

NOVA-Studie: In der ENGOT-OV16/NOVA-Studie verlängerte die Erhaltungstherapie mit Niraparib, das progressionsfreie Überleben von Patientinnen mit platinsensitivem, rezidivierendem Ovarialkarzinom, die auf ihre letzte platinbasierte Chemotherapie angesprochen hatten. In NOVA wurde der klinische Nutzen bei Patientinnen, die auf ihre letzte platinhaltige Therapie teilweise (PR) und vollständig (CR) angesprochen hatten untersucht. Dabei zeigte sich, dass Patientinnen einen klinischen Nutzen aus der Erhaltungstherapie mit Niraparib unabhängig vom Ansprechen auf die letzte platinbasierte Therapie erzielten. Die Resultate zeigen aber auch, dass Patientinnen ohne BRCA-Mutationen und negativen HRD-Status von Niraparib nicht profitierten.

Die FDA zog infolgedessen die Zulassung von PARP-Inhibitoren teilweise zurück: Die Zulassung von Olaparib, Niraparib und Rucaparib wird durch die FDA beschränkt auf Patientinnen mit BRCA 1/2-Mutationen und/oder positivem HRD-Status. Dies illustriert die Dynamik dieser Erkrankung und ihrer Therapieoptionen, so die Referentin.

Krebsprävention bei BRCA-Mutationsträgern

Glücklicherweise wurden wirksame Strategien entwickelt, um das Risiko für die Entwicklung von Brust- und Eierstockkrebs bei Frauen mit BRCA1/2-Mutationen zu verringern, so dass Gentests auf diese Mutationen ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Frauen mit einer ausgeprägten Familienanamnese für diese Krankheiten sind.

Die Ovariektomie hat sich als sehr wirksame Methode zur Risikoreduktion erwiesen. Als Beispiel wird dabei stets die Filmschauspielerin Angelina Jolie zitiert, die sich aus prophylaktischen Gründen einer Ovarektomie und Mastektomie unterzogen hat.

Take Home Messages

  • Es gibt genetische Komponenten beim Ovarialkarzinom
  • Genetische Beratung und Testung sind wichtig
  • Wahl der adäquaten Erhaltungstherapie
  • PARP Erstlinie
  • PARP ≥2. Linie
  • Biomarker sind wichtig
  • Die Genetik spielt eine Schlüsselrolle bei der Prävention des Ovarialkarzinoms
Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

Konsequenzen von BRCA-Mutationen und HRD für Genitalkarzinome der Frau

Patientinnen mit Ovarialkarzinom sind schwierig zu behandeln und schwierig zu diagnostizieren, weil wir keine guten Screeningmethoden und keine Früh-Symptome haben, die eine frühe Diagnose erlauben würden. stellte Frau Prof. Dr. med. Christine Brambs, Luzern, fest. Die Prognose ist schlecht, insbesondere bei Patientinnen, bei denen die Diagnose zu einem späten Stadium erfolgt. Die Risikofaktoren für Ovarialkarzinom sind bekannt. z.B. Ovulation, Reduktion der Ovulation durch Einnahme von Ovulationshemmern und Stillen. Es gibt aber auch eine genetische Komponente., die die Behandlung beeinflusst. Diese besteht gewöhnlich aus 2 Komponenten, der Chirurgie und einer medikamentösen Therapie, ausser bei Diagnose in einem sehr frühen Stadium. Die Chirurgie ist extrem wichtig, insbesondere die Qualität der chirurgischen Massnahmen. Das Ziel der primären Operation sollte die vollständige Resektion sein.

Bedeutung genetischer Komponenten

Warum ist die genetische Komponente wichtig? Warum empfehlen die Guidelines, dass die Patientinnen alle eine genetische Testung und Beratung erhalten?

BRCA1/2 Mutationen sind Keimbahnmutationen, die in etwa 20% vorkommen. Sie werden im Blut getestet nicht im Tumor. Bei HRD, welches für homologe Rekombinationsdefizienz steht, handelt es sich um einen Defekt in der DNA-Reparatur. Der Ausfall dieses homologen Rekombinations-Reparatursystems verstärkt insgesamt die genomische Instabilität der Tumorzellen. Bei Krebserkrankungen wird dies häufig durch Mutationen in für das homologe Reparatursystem relevanten Genen verursacht. Zu diesen zählen zum Beispiel BRCA1, BRCA2.

Patientinnen mit BRCA1/2-Mutationen haben eine bessere Prognose als Nichtmerkmalsträgerinnen. Als mögliche Ursachen für die Differenzen werden Unterschiede in der Tumorbiologie und ein besseres Ansprechen von Merkmalsträgerinnen auf die platinhaltigen Chemotherapien diskutiert.
Die Genetik spielt aber auch bei den neueren Therapien eine hervorragende Rolle. Das Enzym Poly(ADP-Ribose)-Polymerase-1 (PARP-1) fungiert als Sensor für DNA-Schäden. Es erkennt DNA-Schäden und erleichtert die DNA-Reparatur, indem es die DNA-Reparaturmaschinerie zu den Schadensstellen rekrutiert. Wenn dieses Enzym nicht funktionsfähig ist, z.B. weil es durch eine medikamentöse Therapie blockiert wird oder bei HRD positiven Zellen kommt es zum Zelltod.

Angesichts der Empfindlichkeit von BRCA-mutierten Krebsarten gegenüber Poly(ADP-Ribose)-Polymerase-1 (PARP1)-Inhibitoren und Platinanaloga ist es wichtig, die Häufigkeit somatischer BRCA(1/2)-Veränderungen zu bestimmen.

Erhaltungstherapie

Einige Dinge haben sich in den letzten Jahren geändert. Patientinnen mit der Diagnose eines fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms (III-IV) sollten zusätzlich eine Erhaltungstherapie erhalten. Als Erhaltungstherapie können folgende Substanzklassen oder Kombinationen eingesetzt werden (S3-Leitlinie von 2022)

  • Bevacizumab
  • PARP-Inhibitoren
  • PARP-Inhibitoren + Bevacizumab

PARP-Studien: Erstlinie

Verschiedene Studien haben die Therapiepraxis verändert. Die Referentin präsentierte die wichtigsten Studien:
– Maintenance Olaparib in patients wiht newly diagnosed advanced ovarian cancer (Moore K et al. N Engl J Med 2018 Dec 27;379:2495-2505). Die Erhaltungstherapie mit Olaparib brachte Frauen mit neu diagnostiziertem fortgeschrittenem Eierstockkrebs und einer BRCA1/2-Mutation einen erheblichen Vorteil in Bezug auf das progressionsfreie Überleben, wobei das Risiko eines Fortschreitens der Krankheit oder des Todes unter Olaparib um 70 % geringer war als unter Placebo.

– Niraparib in patients with newly diagnosed advanced ovarian cancer (Gonzàlez-Martin A et al. Olaparib plus Bevacizumab as first-line mainenance in ovarian cancer. N Engl J Med 2019;381:2391-2402). Bei Patientinnen mit neu diagnostiziertem fortgeschrittenem Eierstockkrebs, die auf eine platinbasierte Chemotherapie ansprachen, hatten diejenigen, die Niraparib erhielten, ein signifikant längeres progressionsfreies Überleben als diejenigen, die ein Placebo erhielten, unabhängig vom Vorhandensein oder Nichtvorhandensein eines Mangels an homologer Rekombination
– Olaparib plus Bevacizumab as First-Line Maintenance in ovarian cancer (Ray-Coquard I et al. N Engl J Med. 2019;381:2416-2428). Es zeigte sich dabei, dass bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom, die eine Erstlinien-Standardtherapie einschliesslich Bevacizumab erhielten, die zusätzliche Gabe von Olaparib zu einem signifikanten Vorteil beim progressionsfreien Überleben führte, der bei Patientinnen mit HRD-positiven Tumoren, einschliesslich solcher ohne BRCA-Mutation, erheblich war.

Die Studien wurden typischerweise mit Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom durchgeführt, die eine chirurgische Therapie hinter sich hatten. Die Studien waren ähnlich in ihrem Konzept. Die erste Studie, die herauskam, war SOLO-1: Olaparib verglichen mit Standard of Care. Das primäre Ziel war PFS. Die Patientinnen hatten BRCA-Mutationen. Die Resultate waren eindrücklich und Praxis verändernd. Die nächste Studie war PRIMA, Niraparib vs. Placebo bei Patientinnen mit und ohne BRACA-Mutationen. Auch Patientinnen mit Wildtyp. Auch hier ergaben sich eindrückliche Resultate. Patientinnen mit HRD profitierten in Bezug auf PFS. Bei Patientinnen ohne HRD waren die Resultate auch positiv aber lange nicht so eindrücklich wie bei denjenigen mit HRD.

Die dritte Studie, die die Referentin präsentierte war PAOLA-1: Olaparib plus Bevacizumab vs. Placebo bei Patientinnen mit BRCAm/wt und HRDd/p. Das Design ist etwas unglücklich. Heute würde man Olaparib + Bevacizumab vs. Olaparib allein vergleichen, um die Wirkung von Bevacizumab zu analysieren. Dies ist mit diesem Studiendesign nicht möglich, so die Referentin. Die Studie zeigt einen Effekt bei HRD-positiven Patientinnen und weniger bei solchen ohne HRD.

Biomarker sind wichtig

BRCA und HRD sind wichtig für die Therapieentscheidung. Die Referentin präsentierte eine Übersicht über verschiedenen Gruppen von Patientinnen und die entsprechenden Medikamente, die verabreicht werden könnten. Ob ein PARP-Inhibitor verabreicht werden soll oder nicht, oder eine Kombination eines PARP-Inhibitors mit Bevacizumab wird im Wesentlichen durch die Biomarker-Analyse bestimmt. Die Übersicht zeigt, dass Erhaltungstherapie beim Ovarialkarzinom ziemlich komplex geworden ist.

PARP-Inhibitoren in weiteren Linien

NOVA-Studie: In der ENGOT-OV16/NOVA-Studie verlängerte die Erhaltungstherapie mit Niraparib, das progressionsfreie Überleben von Patientinnen mit platinsensitivem, rezidivierendem Ovarialkarzinom, die auf ihre letzte platinbasierte Chemotherapie angesprochen hatten. In NOVA wurde der klinische Nutzen bei Patientinnen, die auf ihre letzte platinhaltige Therapie teilweise (PR) und vollständig (CR) angesprochen hatten untersucht. Dabei zeigte sich, dass Patientinnen einen klinischen Nutzen aus der Erhaltungstherapie mit Niraparib unabhängig vom Ansprechen auf die letzte platinbasierte Therapie erzielten. Die Resultate zeigen aber auch, dass Patientinnen ohne BRCA-Mutationen und negativen HRD-Status von Niraparib nicht profitierten.

Die FDA zog infolgedessen die Zulassung von PARP-Inhibitoren teilweise zurück: Die Zulassung von Olaparib, Niraparib und Rucaparib wird durch die FDA beschränkt auf Patientinnen mit BRCA 1/2-Mutationen und/oder positivem HRD-Status. Dies illustriert die Dynamik dieser Erkrankung und ihrer Therapieoptionen, so die Referentin.

Krebsprävention bei BRCA-Mutationsträgern

Glücklicherweise wurden wirksame Strategien entwickelt, um das Risiko für die Entwicklung von Brust- und Eierstockkrebs bei Frauen mit BRCA1/2-Mutationen zu verringern, so dass Gentests auf diese Mutationen ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Frauen mit einer ausgeprägten Familienanamnese für diese Krankheiten sind.

Die Ovariektomie hat sich als sehr wirksame Methode zur Risikoreduktion erwiesen. Als Beispiel wird dabei stets die Filmschauspielerin Angelina Jolie zitiert, die sich aus prophylaktischen Gründen einer Ovariektomie und Mastektomie unterzogen hat.

Take Home Messages

  • Es gibt genetische Komponenten beim Ovarialkarzinom
  • Genetische Beratung und Testung sind wichtig
  • Wahl der adäquaten Erhaltungstherapie
  • PARP Erstlinie
  • PARP ≥2. Linie
  • Biomarker sind wichtig
  • Die Genetik spielt eine Schlüsselrolle bei der Prävention des Ovarialkarzinoms
Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

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Eine systematische Überprüfung und Netzwerk-Meta-Analyse

Die alleinige Androgendeprivationstherapie (ADT) mit Agonisten oder Antagonisten des luteinisierenden Hormon-Releasing-Hormons (LHRH) war während Jahrzehnten die Standardbehandlung für Patienten mit metastasiertem hormonsensitivem Prostatakrebs (mHSPC) (1, 2, 3). In den letzten 10 Jahren haben sich die Behandlungsoptionen für mHSPC jedoch mit der Einführung von vier systemischen Wirkstoffen, die bei kastrationsresistentem Prostatakrebs einen Nutzen gezeigt hatten (Docetaxel, Abirateron, Enzalutamid und Apalutamid), dramatisch verändert. Im Jahr 2015 wurde Docetaxel und ADT als Doppeltherapie zum neuen Behandlungsstandard für mHSPC, nachdem die randomisierten Kontrollstudien (RCTs) CHAARTED und STAMPEDE ARM C trotz des Scheiterns der französischen GETUG-AFU15 einen Vorteil beim Gesamtüberleben (OS) gegenüber der alleinigen ADT-Behandlung gezeigt hatten (4 – 8). Seitdem haben fünf RCTs (LATITUDE, STAMPEDE ARM G, ENZAMET, ARCHES und TITAN) einen OS-Vorteil für eine Doublett-Therapie bestehend aus einem auf die Androgenrezeptorachse ausgerichteten Therapeutikum (ARAT; Abirateron, Enzalutamid oder Apalutamid) und ADT im Vergleich zu ADT allein bei mHSPC gezeigt (9 – 13).

Bislang wurde in zwei laufenden RCTs (PEACE-1 und ARASENS) die Rolle einer Dreifachtherapie bestehend aus einem ARAT (PEACE-1: Abirateron; ARASENS: Darolutamid), Docetaxel und ADT bei mHSPC untersucht (14, 15). Sowohl PEACE-1 als auch ARASENS zeigten einen OS-Vorteil der Dreifach-Therapie gegenüber der Zweifach-Therapie (14, 15). Bemerkenswert ist, dass sowohl PEACE-1 als auch ARASENS im Gegensatz zu früheren RCTs Docetaxel mit ADT (Dublett-Therapie) als Kontrollarm einsetzten. In Anbetracht der Ergebnisse von PEACE-1 und ARASENS besteht die klinische Herausforderung weiterhin darin, die Therapieoptionen (Triplett vs. Dublett [Docetaxel und ADT] vs. Dublett [ARAT und ADT]) zu bewerten und die Triplet- mit der Dublett-Therapie, bestehend aus ARAT und ADT, zu vergleichen. Um diese Wissenslücke zu schliessen, wurde eine systematische Literaturrecherche durchgeführt (16), um die meisten aktuellen RCT-bezogenen Daten zu identifizieren und die systematischen Behandlungsmodalitäten für mHSPC zu untersuchen. Anschliessend wurde eine Netzwerk-Meta-Analyse (NMA) mit direktem und indirektem Vergleich durchgeführt, um die Diskrepanz zwischen den RCTs in Bezug auf den Kontrollbehandlungsarm zu überwinden. Zusätzlich wurden die NMAs in den Untergruppen der niedrig- und hochvolumigen mHSPC gemäss den CHAARTED-Kriterien (5) neu angepasst. Soweit bekannt ist, ist die aktuelle Studie die erste, die die neuesten Daten zur Dreifachtherapie (PEACE-1 + ARASENS) berücksichtigt (14, 15).

In zwei kürzlich durchgeführten randomisierten kontrollierten Studien wurde bei Patienten mit metastasiertem hormonsensitivem Prostatakrebs (mHSPC) ein Vorteil der Dreifachtherapie (Androgenrezeptor-Achsen-gezieltes Therapiemittel [ARAT], Docetaxel und Androgendeprivationstherapie [ADT]) gegenüber der Zweifachtherapie (Docetaxel und ADT) festgestellt. Eine Rangfolge der Therapieoptionen und Vergleiche zwischen der Triplett-Therapie und der doppelten ARAT- und ADT-Therapie sind kaum vorhanden.

Zielsetzung einer rezenten Metanalyse (16)

Die Rangfolge der Therapieoptionen (Triplett vs. Dublett [Docetaxel und ADT] vs. Dublett [ARAT und ADT]) und deren Berücksichtigung in formalen Netzwerk-Metaanalysen (NMAs); anschliessend wurden die NMAs nach Stratifizierung nach niedriger und hoher Tumorlast und Dublett- versus Triplett-Therapie neu angepasst.

Es wurde eine systematische Literaturrecherche (PubMed, MEDLINE, Embase, Web of Science, Scopus und Cochrane-Datenbank) von RCT-Studien durchgeführt, in denen die Wirksamkeit einer systemischen Behandlung bei mHSPC in Bezug auf das Gesamtüberleben untersucht wurde. Die Suche nach Studien und die Einschlusskriterien entsprachen den Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-analyses-Leitlinien.

Evidenz

Es wurden zehn RCTs (n = 9702) identifiziert. Die NMA, die sich auf die Gesamtkohorte der mHSPC konzentrierte, zeigte, dass die Dreifachtherapien (Darolutamid, Docetaxel und ADT sowie Abirateron, Docetaxel und ADT) an erster und zweiter Stelle lagen (Hazard Ratio [HR]: 0,54, 95% Konfidenzintervall [CI]: 0,44-0,66; HR: 0,60; 95% KI: 0,46-0,78), gefolgt von der Dublettentherapie (ARAT und ADT) und schliesslich Docetaxel und ADT. Aufgrund fehlender Daten in einer RCT konzentrierte sich die NMA für niedrig- und hochvolumiges mHSPC auf neun Studien. Bei hochvolumigen Erkrankungen lag die Dreifachtherapie (Abirateron, Docetaxel und ADT) an erster Stelle (HR: 0,52, 95% CI: 0,38-0,71).

Schlussfolgerungen

Die Triplett-Therapie, bestehend aus einem ARAT, Docetaxel und einer ADT, stand bei der systematischen Behandlung von mHSPC an erster Stelle. Darüber hinaus könnte die Triplett-Therapie bei hochvolumigen mHSPC zu einem ausgeprägteren Gesamtüberlebensvorteil führen als die ARAT- und ADT-Doppeltherapie.

Quelle: Mandel P et al. Triplet or Doublet Therapy in Metastatic Hormone-sensitive Prostate Cancer Patients: A Systematic Review and Network Meta-analysis. Eur Urol Focus 2023 Jan;9(1):96-105.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

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