Swiss Prevention Summit 2025

«Vorbeugen ist besser als heilen» gilt mehr denn je. Die kardiovaskuläre Prävention konzentriert sich auf die Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Nierenversagen, Schlaganfall und frühem Tod. Aufgrund der weltweiten Adipositas-Epidemie und der steigenden Lebenserwartung gewinnen Bluthochdruck, Hypercholesterinämie, Diabetes und in der Folge chronische Nieren- und Herzinsuffizienz zunehmend an Bedeutung. Neben einem gesunden Lebensstil stehen uns heute neue, sehr wirksame und gut verträgliche Arzneimittel zur Verfügung: Glukagon-like-Peptid-1-Agonisten, Hemmer des Natrium-Glukose-Transporters, PCSK9-Hemmer und nichtsteroidale Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten. Die RNA-Interferenz ist zudem eine Revolution in der Pharmakotherapie: Zur Lipidsenkung und bald auch zur Behandlung der Hypertonie sind nur zwei Injektionen pro Jahr nötig – fast wie eine Impfung. So beschrieben es die Organisatoren Prof. T. F. Lüscher, F. Mahfoud, S. Windecker und F. Mach in ihrer Einführung. Im Folgenden wird über einige Referate dieser Veranstaltung berichtet.

Das Mikrobiom und seine Metabolite: Ein verkannter Risikofaktor


Prof. Thomas F. Lüscher, Brompton/London und Zürich, erläuterte die noch wenig bekannte Beziehung zwischen dem Darmmikrobiom, seinen Metaboliten, dem Körpergewicht und dem Risiko kardiovaskulärer Ereignisse.

Welche Rolle einzelne Darmmikroben bei der Regulation der Körperzusammensetzung spielen, ist weiterhin unklar. In einer Studie wurde das Darmmikrobiom erwachsener weiblicher Zwillingspaare, die sich hinsichtlich ihres Adipositas-Status unterschieden, in keimfreie Mäuse transplantiert. Die Tiere erhielten entweder fettarmes Standardfutter oder Diäten mit unterschiedlichen Anteilen gesättigter Fette sowie Obst und Gemüse, wie sie für die US-amerikanische Ernährung typisch sind. Eine Zunahme von Gesamtkörper- und Fettmasse sowie adipositasassoziierte metabolische Phänotypen liessen sich durch unkultivierte fäkale Mikrobengemeinschaften und entsprechende Bakterienkulturen übertragen. Wurden Mäuse, die das Mikrobiom eines adipösen Zwillings (Ob) trugen, gemeinsam mit Mäusen gehalten, die das Mikrobiom des schlanken Zwillings (Ln) trugen, blieb bei den Ob-Tieren eine Zunahme der Körpermasse und die Entwicklung adipositasassoziierter metabolischer Phänotypen aus. Dieser Effekt korrelierte mit der Übertragung spezifischer Bacteroidetes-Mitglieder aus dem Ln-Mikrobiom in das Ob-Mikrobiom und war ernährungsabhängig. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Wechselwirkungen zwischen Ernährung und Mikrobiom rasch eintreten, übertragbar sind und sich modifizieren lassen.

Auch klinisch wird die Modulation des Mikrobioms untersucht: Eine hochdosierte fäkale Mikrobiota-Transplantation aus mehreren Spenden kann bei aktiver Colitis ulcerosa zu klinischer Remission und endoskopischer Besserung führen. Gleichzeitig werden deutliche mikrobielle Veränderungen beobachtet, die mit dem Therapieansprechen zusammenhängen. Künftige Arbeiten sollten insbesondere die optimale Behandlungsintensität sowie die Bedeutung der Spender-Empfänger-Übereinstimmung anhand mikrobieller Profile definieren.

Das Darmmikrobiom steht zudem in einem mechanistischen Zusammenhang mit physiologischen Prozessen, die die Herz-Kreislauf-Gesundheit beeinflussen. Nahrungsbestandteile prägen die Zusammensetzung des Mikrobioms und den Metabolismus des Wirts. Als Beispiel nannte der Referent den Zusammenhang zwischen dem Konsum von rotem und weissem Fleisch und der Bildung von TMAO (Trimethylamin-N-oxid). TMAO entsteht durch mikrobiellen Abbau von Nährstoffen wie Cholin und L-Carnitin. Erhöhte TMAO-Spiegel im Blut wurden mit einem höheren Risiko kardiovaskulärer Ereignisse (z. B. Myokardinfarkt, Schlaganfall) assoziiert und könnten proinflammatorische Prozesse sowie bestehende Erkrankungen wie Arteriosklerose, Hypertonie und Diabetes ungünstig beeinflussen.

Gewichtsverlust und kardiovaskuläres ­Outcome: Was kann mit GLP1 und GIP/GLP1-RA erreicht werden?

«Weltweit ist das Leben der Menschen zwar länger geworden, aber nicht gesünder», sagte Prof. John Deanfield aus London zu Beginn seines Vortrags. Im Jahr 1960 betrug die mittlere Lebenserwartung weltweit 54 Jahre, im Jahr 2019 waren es 73 Jahre – ein Zuwachs von 19 Jahren. Der Anteil des Lebens, der bei schlechter oder mässiger Gesundheit verbracht wird, hat sich jedoch nicht geändert.

Krankheitsprävention – das sich wandelnde Gesicht der Medizin

Rauchen, Alkohol, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel prägen das Leben in den Industriestaaten. Entsprechend zählen kardiovaskuläre Erkrankungen, Nierenversagen und Typ-2-Diabetes zu den häufigsten Ursachen für eingeschränkte Gesundheit und Todesfälle. Die Prävalenz von Übergewicht hat aus mehreren Gründen zugenommen. Im Jahr 1950 litt weniger als 1 % der britischen Bevölkerung an Adipositas. Heute sind es ca. 30 %.

Ist dies Ausdruck eines kollektiven Verlusts an Willenskraft? Der Referent verneinte: Die Menschen hätten sich nicht verändert, wohl aber das Nahrungsangebot und die Ernährungsumgebung. Übergewicht resultiert aus einer anhaltenden positiven Energiebilanz, und jede Person, die mit Übergewicht lebt, weiss bereits, dass sie weniger essen und sich mehr bewegen sollte. Lebensstiländerungen, beispielsweise Diät und mehr Bewegung, werden zwar immer empfohlen, sind aber selten allein erfolgreich.

Übergewicht gilt inzwischen als chronische, multifaktorielle und rückfällige Krankheit, die mit erhöhter Morbidität und Mortalität einhergeht. Es ist eine Krankheit, bei der die besten verfügbaren Behandlungen ohne Schuldgefühle eingesetzt werden müssen. Wir behandeln LDL, Blutdruck und HbA1c direkt. «Die Adipositas-Biologie verdient denselben Ansatz», so der Referent.

Medikamente würden helfen, das Problem jedoch nicht vollständig lösen. Eine zentrale Stellschraube sei weniger die «Umgebung», sondern die Regulation des Appetits.
Eine wirksame Behandlung der Adipositas wäre ein Wendepunkt für das Gesundheitswesen. Mit GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RAs) gelingt erstmals eine zuverlässig signifikante und nachhaltige Gewichtsabnahme.

SELECT-Studie

Bei Patienten mit vorbestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht oder Adipositas, jedoch ohne Diabetes, war die wöchentliche subkutane Gabe von 2.4 mg Semaglutid gegenüber Placebo wirksamer, um die Inzidenz von Todesfällen aufgrund kardiovaskulärer Ursachen, nicht tödlichen Myokardinfarkten oder nicht tödlichen Schlaganfällen zu verringern. Dies wurde bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 39.8 Monaten festgestellt. Der Nutzen der Therapie mit Semaglutid war grösstenteils unabhängig vom Gewichtsverlust.

Pleiotrope Effekte von GLP-1-RAs bei Typ-2-DM

In einer Studie wurden 215 970 Patienten mit Diabetes, die GLP-1 RAs erhielten, mit einer entsprechenden Kontrollgruppe verglichen. Von 175 Gesundheitsergebnissen war die Verwendung von GLP-1-RAs mit einem verringerten Risiko für Atemversagen, COPD und Suizidgedanken verbunden. Von 175 Gesundheitsergebnissen war die Verwendung von GLP-1-RAs mit einem verringerten Risiko für 34 (19.43 %) Ergebnisse verbunden, darunter Lungenentzündung, Alkoholmissbrauch, Atemversagen, COPD und Suizidgedanken. Ein erhöhtes Risiko wurde für 17 Ergebnisse (9.71 %) gefunden, darunter Übelkeit und Erbrechen, GERD, Bauchschmerzen, Nephrolithiasis und Schlafstörungen.

Hinweise auf einen breiteren klinischen Nutzen

Zunehmend wird ein potenziell breiterer Nutzen von GLP-1-basierten Therapien diskutiert. Als Beispiele nannte der Referent Publikationen zu unterschiedlichen Indikationen (u. a. kolorektale Neoplasien, Morbus Parkinson, obstruktive Schlafapnoe, MASH sowie chronische Nierenkrankheit).

Beispiellose Akzeptanz in der Öffentlichkeit

Trotz begrenzter Zahl verfügbarer Präparate ist die Akzeptanz in der Bevölkerung hoch. Zum Vergleich: Rund zehn Jahre nach Markteinführung hatten Statine etwa eine Million Anwender; selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer lagen in ähnlicher Grössenordnung. Für Wegovy wurde bereits nach fünf Jahren eine deutlich höhere Nutzerzahl berichtet.
Und was kommt als Nächstes?

Neue Moleküle und Indikationen für GLP-1-basierte Wirkstoffe

Zu den in Entwicklung befindlichen Substanzen zählen:
• Retatrutid: Triple-Agonist (GLP-1-, GIP- und Glukagonrezeptor)
• Survodutid: dualer Agonist (GLP-1- und Glukagonrezeptor)
• Insulin degludec/Liraglutid (Fixkombination)
• Insulin glargin/Lixisenatid: Kombination aus Basalinsulin und GLP-1-RA
• Amycretin: dualer Agonist (GLP-1- und Amylinrezeptor)
• Semaglutid/Cagrilintid: Kombination aus GLP-1-RA und Amylin-Analogon

Bei neuen Indikationen wurde Folgendes diskutiert:
• metabolisch dysfunktionsassoziierte Steatohepatitis (MASH)
• periphere Erkrankungen
• polyzystisches Ovarialsyndrom
• Arthritis
• Krebs
• neuropsychiatrische Krankheiten (z. B. Alzheimer-Krankheit, Parkinson-Krankheit, Substanzmissbrauch, Depression, Schizophrenie, Migräne, intrakranielle Hypertonie)

Richtlinien

Die GLP-1-RA-Leitlinien betonen die Anwendung von Semaglutid und Cagrilintid bei Typ-2-Diabetes (T2D) und zur chronischen Gewichtsregulierung (BMI ≥30 oder ≥27 mit gewichtsbedingten Problemen wie Bluthochdruck oder einem hohen Cholesterinspiegel) in Verbindung mit Änderungen des Lebensstils. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Vorteilen für Herz und Nieren. Es sind jedoch auch Vorsichtsmassnahmen zu beachten: das Medikament muss vor Operationen abgesetzt werden, es ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, mögliche Pankreatitis-Symptome sind zu überwachen und eine Schwangerschaft ist zu vermeiden. Zu den wichtigsten Aspekten gehören die Aufklärung der Patienten über Nebenwirkungen (Magen-Darm-Probleme), Verhütung und die ordnungsgemässe Entsorgung von Injektionsmaterial.

Arterielle Erkrankungen, die Herzinfarkte und Schlaganfälle verursachen, lassen sich durch eine nachhaltige, frühzeitige Reduktion des Risikofaktors (RF) weitgehend verhindern, mahnte der Referent.

Trennung von Verhaltenseffekten und Gewichtsverlust

Es wurden Hinweise auf zwei unterschiedliche neuronale Mechanismen diskutiert: einerseits Gewichtsverlust durch Appetit- und Stoffwechselregulation, andererseits Nahrungsaversion. Semaglutid reduziert Hunger und fördert den Fettabbau, indem es auf Adcyap1+-Neuronen im dorsalen Vaguskomplex wirkt. Werden diese Zellen blockiert, ist Semaglutid weniger wirksam in der Reduktion von Appetit und Fettmasse. Eine Abneigung gegen Nahrung blieb hingegen bestehen. Dies spricht dafür, dass ­einzelne Semaglutid-Effekte über unterschiedliche neuronale Bahnen vermittelt werden. Perspektivisch könnte dies die Entwicklung wirksamerer und besser verträglicher Adipositas-Therapien unterstützen.

Durchbruch und Evidenz bei der Behandlung von ­Adipositas

Im Kontext der zunehmenden Verfügbarkeit medikamentöser Therapien stellte sich die Frage, welche Rolle Lebensstiländerungen künftig noch spielen. Sind Lebensstiländerungen im Zeitalter der Adipositas-Medikamente notwendig?

Diskutiert wurden mehrere Entwicklungen und Ansätze:
• Weiterbehandlung nach initialem Gewichtsverlust: Tirzepatid kann Patientinnen und Patienten nach bereits erzieltem Gewichtsverlust weiter unterstützen.
• Ultralang wirksame GLP-1-basierte Wirkstoffe: Länger wirksame Präparate könnten gegenüber kürzer wirksamen Substanzen Vorteile bieten.
• Therapie von Nebenwirkungen: Ein neuer Ansatz zielt darauf ab, Nebenwirkungen der Gewichtsabnahme bzw. der Therapie zu lindern.
• Duodenales Mukosa-Resurfacing (DMR): Das Verfahren basiert auf der Hypothese, dass eine fett- und zuckerreiche Ernährung die Funktion der Duodenalschleimhaut beeinträchtigen kann. Dies könnte abnorme metabolische Signale und Insulinresistenz begünstigen. DMR soll diese Signalwege funktionell «zurücksetzen».
• Amylin-Analoga: Eloralintid zeigte in einer Phase-2-Studie eine Gewichtsreduktion.
• Orale Therapieoptionen: Mit dem Abschluss der Phase 3 schreitet die Entwicklung einer Adipositas-Pille (Orforglipron) voran.
• Deeskalation/Erhaltung: Eine Deeskalation von GLP-1-basierten Therapien (z. B. alle zwei Wochen) wurde als mögliche Option zur Erhaltungstherapie diskutiert.

Sind GLP1Ras die bahnbrechendste Veränderung im Gesundheitswesen aller Zeiten?

Provokativ wurde ein Bonmot zitiert: «Die häufigsten Instrumente für Selbstmord sind Messer und Gabel.»
(Dr. Martin Fischer)

Adipositas wurde als eine der grössten Bedrohungen für Gesundheit und Wohlstand beschrieben. Sie verändert die kardiometabolische Landschaft, indem sie Typ-2-Diabetes, chronische Nierenkrankheit und kardiovaskuläre Erkrankungen fördert, mit negativen klinischen Folgen. GLP-1-RAs könnten zwar einen entscheidenden Beitrag zur Behandlung der Adipositas leisten, werden jedoch nicht als alleinige Lösung verstanden. Über die Gewichtsreduktion hinaus könnten sie mehrere altersassoziierte Erkrankungen beeinflussen und langfristig Verhaltensänderungen unterstützen. Damit besteht das Potenzial, das Gesundheitswesen zu verändern, indem Ursachen kardiometabolischer Erkrankungen adressiert werden – mit Konsequenzen nicht nur für Einzelne, sondern auch für Gesellschaft und Wirtschaft. Gleichzeitig wurde betont, dass GLP-1-RAs den Wandel nicht allein bewirken, jedoch das Spektrum ernährungsbedingter Erkrankungen beeinflussen könnten, indem sie Betroffene dabei unterstützen, weniger zu essen und sich gesünder zu ernähren.

Ist Lipoprotein(a) ein Risikofaktor oder ein ­therapeutisches Ziel?

«Lipoprotein(a) besteht aus einem Molekül Apolipoprotein B, das kovalent an Apolipoprotein(a) gebunden ist. Apolipoprotein(a) ist ein Plasminogen-ähnliches Protein, das aus einer variierenden Anzahl von sogenannten Kringles aufgebaut ist. Diese bestimmen seine Grösse und auch seine biologischen Eigenschaften», erklärte Prof. Arnold von Eckardstein (USZ) einleitend.

Lp(a) weist sowohl proatherosklerotische Eigenschaften wie eine verstärkte Proteoglykanbindung, eine Aufregulation von Adhäsionsmolekülen, eine Proliferation von glatten Muskelzellen, eine Schaumzellbildung, die Bildung eines nekrotischen Kerns oder eine Kalzifizierung von Läsionen auf. Es verfügt jedoch auch über prothrombotische Eigenschaften wie Plasminogen-Aktivierung, Fibrindegradation, PAI-1-Expression, TFPI-Aktivität und Thrombozyten-Reaktivität. Hohe Plasmakonzentrationen von Lp(a) erhöhen das Risiko für kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität. Lp(a)-Werte ≥30 mg/dl sagen unabhängig vom Baseline-ASCVD-Status unerwünschte kardiovaskuläre Ergebnisse voraus. Erstgradige Verwandte von Personen mit erhöhten Lp(a)-Werten haben ein erhöhtes Risiko für schwere unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse. Ein hoher Lp(a)-Spiegel erhöht das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse, unabhängig von traditionellen Risikofaktoren. Die «International Declaration on Lipoprotein(a) Testing and Management» von Brüssel empfiehlt:
• Lp(a)-Werte von über 50 mg/dl (105 nmol/L) sollten bei allen Erwachsenen als kardiovaskulärer Risikofaktor betrachtet werden. Dabei gilt: Je höher der Lp(a)-Wert, desto höher das Risiko (Klasse IIa/Niveau B). Lp(a) sollte einmal im Leben gemessen werden und auch Familienmitglieder (Kinder) sollten getestet werden.

Medikamentöse Senkung von Lp(a)

Statine senken Lp(a) unwesentlich (–0.19 mg/dl, p = 0.58), Bempedoinsäure erhöht Lp(a) um +0.01 mg/dl (p = 0.99), Ezetimib senkt es um –0.21 mg/dl (p = 0.77), Omega-3-Fettsäuren senken Lp(a) um –0.28 mg/dl, Fibrate um –0.61 mg/dl (p = 0.14), Niacin um –706 mg/dl (p < 0.01), CETP-Inhibitoren um –0.77 mg/dl (p = 0.01), Inclisiran um –4.76 mg/dl (p < 0.01) und PCSK9-Antikörper um –6.37 mg/dl.

Take Home Messages

• Lp(a) ist ein LDL-ähnliches Lipoprotein, das als zusätzliches Protein das Apolipoprotein(a) trägt und mit oxidierten Phospholipiden angereichert ist.
• Die Anzahl der Kringle-IV-Domänen ist genetisch determiniert und bestimmt wesentlich die Plasmakonzentration von Lp(a).
• Lp(a) wirkt wegen seiner Ähnlichkeit mit LDL und Plasminogen sowie aufgrund seiner oxidierten Phospholipide atherogen, thrombogen und proinflammatorisch.
• Hohe Plasmaspiegel von Lp(a) und Allele für geringe Anzahlen von Kringle-IV-Repeats erhöhen das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, periphere arterielle Verschlusskrankheit und Aortenklappenverkalkung (genetisch kausaler Risikofaktor!).
• Hohes Lp(a) und traditionelle Risikofaktoren interagieren, weswegen bei hohem Lp(a)-Spiegel das geschätzte Risiko höhergestuft werden sollte. Traditionelle Risikofaktoren sollen konsequent behandelt werden.
• Lp(a) trägt zum residuellen Risiko nach intensiver LDL-Cholesterinsenkung bei.
• Antisense-Oligonukleotide und siRNAs gegen LPA-mRNA senken den Lp(a)-Spiegel um 80–90 %. Ergebnisse klinischer Endpunktstudien werden ab 2026 erwartet.

Was gibt es Neues zum Thema Lipide?
Die aktualisierten Leitlinien der ESC/EAS


Die aktualisierten Leitlinien der ESC/EAS wurden von einer Task Force unter dem Vorsitz von Prof. Mach, Prof. Koskinas und Prof. Roeters van Lennep entwickelt. «Alle neuen Empfehlungen, die in der fokussierten Aktualisierung 2025 enthalten sind, ergänzen die Empfehlungen der ESC/EAS-Leitlinien 2019 zur Behandlung von Dyslipidämien. Alle geänderten Empfehlungen ersetzen die entsprechenden Empfehlungen der ESC/EAS-Leitlinien 2019», stellte Prof. François Mach einleitend fest.

Empfehlungen zur kardiovaskulären Risikoabschätzung

Bei scheinbar gesunden Personen unter 70 Jahren ohne etablierte ASCVD oder Diabetes mellitus wird SCORE2 zur Abschätzung des 10-Jahres-Risikos für tödliches oder nicht tödliches kardiovaskuläres Risiko bei CKD, genetischen/seltenen Lipid- oder Blutdruckerkrankungen (Klasse I, Evidenzgrad B) empfohlen.

SCORE2-OP wird bei Personen ≥70 Jahren ohne etablierte ASCVD, Diabetes mellitus, chronische Nierenerkrankungen, genetische/seltene Lipid- oder Blutdruckerkrankungen zur Abschätzung des 10-Jahres-Risikos für tödliches oder nicht-tödliches kardiovaskuläres Risiko empfohlen (Klasse I/Evidenzgrad B). Es werden drei Risikokategorien unterschieden.

Hohes Risiko
• Personen mit einem der folgenden Befunde: stark erhöhter einzelner Risikofaktor, insbesondere Gesamtcholesterin >8 mmol/l, LDL-C >4,9 mmol/l oder Blutdruck ≥ 180/110 mmHg).
• Familiäre Hypercholesterinämie (FH) ohne weitere wichtige Risikofaktoren.
• Patienten mit Diabetes mellitus ohne Zielorganschäden mit einer Diabetesdauer von ≥10 Jahren oder einem anderen zusätzlichen Risikofaktor.
• Moderate CKD (eGFR 30–59 ml/min (1.73 m²)).
• Ein kalkuliertes SCORE2- oder SCORE2-OP-Risiko von 10–20 % für das 10-Jahres-Risiko für tödliche oder nicht-tödliche kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD).

Mittleres Risiko
Personen mit einem der folgenden Merkmale:
• Junge Patienten mit T1DM (Diagnose vor dem 35. Lebensjahr) oder T2DM (Diagnose vor dem 50. Lebensjahr) mit einer Diabetesdauer von weniger als 10 Jahren ohne andere Risikofaktoren und einem berechneten SCORE2 oder SCORE2 OB ≥2 % und <10 % für das 10-jährige Risiko für tödliche oder nicht tödliche kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD).

Niedriges Risiko
• Berechneter SCORE2 oder SCORE2-OP von <2 % für das 10-Jahresrisiko für tödliche oder nicht tödliche kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD).

Wichtige Botschaften

Das ESC/EAS Focus Update zu Dyslipidämien betont die Bedeutung einer frühzeitigen, personalisierten und aggressiven lipidsenkenden Therapie. Es werden die Integration von SCORE2/Scores 2-OP, die Berücksichtigung von Lp(a) und der lebenslangen LDL-C-Exposition, die Erweiterung der Behandlungsoptionen (vermehrte Kombination mit Ezetimib und Bempedoinsäure) sowie die Einführung neuer Präventionsstrategien bei HIV und Kardio-Onkologie thematisiert.

Was wissen Patienten über kardiovaskuläre ­Prävention?


Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind mit einer hohen Krankheitslast verbunden und die häufigste Todesursache. Die wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Bluthochdruck, Hyperlipidämie und Diabetes, können mit Medikamenten wirksam behandelt werden. Eine gute Therapietreue setzt auch ausreichendes Wissen der Betroffenen voraus. Prof. Thomas Rosemann aus Zürich berichtete über eine Publikumsumfrage zur kardiovaskulären Prävention. Über ein Gesundheitsmagazin wurde ein anonymer Fragebogen an die Leser verteilt, den 3166 Personen beantworteten. Neben demografischen Daten wurden der Gesundheitszustand, die Kenntnis der persönlichen Werte (z. B. Blutdruck, Cholesterin) und die Einschätzung der Risikofaktoren erfasst. Die Ergebnisse wurden ausführlich in der Zeitschrift «PRAXIS» veröffentlicht. Die Mehrheit der Befragten war sich der Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der Möglichkeit ihrer Behandlung bewusst. Körperliche Bewegung und Ernährung wurden als besonders wichtige Faktoren angesehen. Am bekanntesten waren der Blutdruck und der Body-Mass-Index. Als die stärksten Risikofaktoren wurden Rauchen, Cholesterin, Bluthochdruck und Bewegungsmangel eingeschätzt.

Die Ergebnisse zeigen einerseits erfreuliche Grundkenntnisse, andererseits aber auch Defizite. So unterschätzte ein erheblicher Anteil das mit dem Rauchen verbundene Risiko. Ein grosser Teil der Patientinnen und Patienten erreicht die für ihre Risikokategorie empfohlenen Zielwerte für Blutdruck und Lipide nicht. Ärzte sind in Bezug auf Lipide als Risikofaktor und medikamentöse Therapien teilweise skeptischer als Patienten. Die Mehrheit der Befragten lehnte die Aussage ab, Herz-Kreislauf-Erkrankungen seien in erster Linie eine Erfindung der Pharmaindustrie.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

ASH Congress 2025

Langzeitergebnisse der Umstellung von Acalabrutinib auf Zanubrutinib bei Patienten mit B-Zell-Malignomen: Patienten mit vorheriger Unverträglichkeit gegenüber Acalabrutinib sicher und effektiv auf Zanubrutinib umgestellt (1)

Bruton-Tyrosinkinase (BTK)-Inhibitoren spielen eine wichtige Rolle bei der Therapie von B-Zell-Malignomen, können aber durch Nebenwirkungen in ihrer Anwendung eingeschränkt werden. Laut klinischen Studien mussten zwischen 15 % und 23 % der Patientinnen und Patienten, die mit Acalabrutinib behandelt wurden, die Behandlung aufgrund von unerwünschten Ereignissen abbrechen (2–4). Beim ASH 2025 wurden nun Daten vorgestellt, die zeigen, wie erfolgreich ein Wechsel von Acalabrutinib zu Zanubrutinib gelingen kann (1).

Zanubrutinib ist ein BTK-Inhibitor der nächsten Generation, der durch seine besonders hohe Wirksamkeit und Selektivität überzeugt (5). Das Medikament wurde gezielt entwickelt, um eine möglichst vollständige BTK-Belegung zu erreichen und weist im Vergleich zu anderen BTK-Hemmern wie Ibrutinib eine stärkere Wirkung bei weniger Off-Target-Bindungen auf (6).

Ergebnisse aus der Phase-2-Studie BGB-3111-215 (NCT04116437) zeigen, dass Zanubrutinib bei Patienten mit B-Zell-Malignomen, die Ibrutinib und/oder Acalabrutinib nicht vertragen, gut verträglich ist (7).

Der vorliegende Bericht stellt die am ASH 2025 im Rahmen eines Posters vorgestellten Langzeitergebnisse dieser Studie vor, einschließlich einer zusätzlichen dreijährigen Nachbeobachtung zu Verträglichkeit und Wirksamkeit von Zanubrutinib bei Patienten, die Acalabrutinib nicht vertragen (Studienkohorte 2) (1).

Methodik

• Für die Studie wurden Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie/kleinzelligem lymphozytischem Lymphom (CLL/SLL), Waldenström-Makroglobulinämie (WM), Mantelzell-Lymphom (MCL) oder Marginalzonen-Lymphom (MZL) eingeschlossen, die die im Protokoll definierten Kriterien für eine Unverträglichkeit gegenüber Acalabrutinib erfüllten.
• Die Patienten erhielten Zanubrutinib in einer Dosierung von 160 mg zweimal täglich oder 320 mg einmal täglich.
• Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung unter vorheriger BTK-Inhibitor-Therapie wurden ausgeschlossen.
• Die Sicherheit und Wirksamkeit, insbesondere das Wiederauftreten von Unverträglichkeitsereignissen gegenüber Acalabrutinib, wurden von den Prüfern bewertet.

Baseline

• Bis zum Stichtag 1. Mai 2025 erhielten 39 Patienten, die zuvor Acalabrutinib nicht vertragen hatten, Zanubrutinib (CLL/SLL: n = 30; WM: n = 4; MCL: n = 3; MZL: n = 2).
• Das mediane Alter lag bei 71 Jahren (Spanne 51–87 Jahre) und die Patienten hatten im Median zwei vorherige Therapien (Spanne 1–6).
• 36 % der Patienten (n = 14) vertrugen auch vorheriges Ibrutinib nicht.
• Die mediane Dauer der vorherigen Acalabrutinib-Behandlung betrug 5.7 Monate (Spanne 0.2–68.6 Monate).

Behandlungsergebnisse und Verträglichkeit

Zum Zeitpunkt der Analyse lag die mediane Dauer der Zanubrutinib-Behandlung bei 18.2 Monaten (Spanne 0.5–55.8 Monate), die mediane Nachbeobachtungszeit bei 28.5 Monaten (Spanne 1.9–55.8 Monate).

Zum Stichtag erhielten 25 Patienten (64 %) weiterhin Zanubrutinib. Vierzehn Patienten brachen die Behandlung ab – sieben davon wegen unerwünschter Ereignisse (Diarrhö [n = 2], Hautausschlag, Hauttoxizität, Neutropenie, Sturz, Myalgie [jeweils n = 1]), vier auf Entscheidung des Arztes, zwei aufgrund fortschreitender Erkrankung und einer aufgrund Abbruch.

• Insgesamt wurden bei den 39 Patienten 55 Fälle von Acalabrutinib-Unverträglichkeit dokumentiert.
• Die häufigsten Ereignisse waren Myalgie (n = 8), Arthralgie und Kopfschmerzen (jeweils n = 7), Hautausschlag und Fatigue (jeweils n = 4), sowie Diarrhö und Blutungen (jeweils n = 3).
• Bei 24 von 39 Patienten (62 %) traten unter Zanubrutinib keine erneuten Fälle von Acalabrutinib-Unverträglichkeit auf.
• Von den 55 dokumentierten Unverträglichkeitsereignissen traten 37 (67 %) unter Zanubrutinib nicht erneut auf.
• Achtzehn Ereignisse (33 %) traten unter Zanubrutinib erneut auf, davon elf mit gleichem, sieben mit geringerem und keines mit höherem Schweregrad als unter Acalabrutinib.
• Drei Patienten brachen die Behandlung mit Zanubrutinib aufgrund desselben Ereignisses ab, das auch zum Abbruch der Acalabrutinib-Therapie geführt hatte (Myalgie, Hautausschlag, Diarrhö; alle mit gleicher Schwere wie zuvor).
• Fünf Patienten erlebten dasselbe Unverträglichkeitsereignis sowohl unter Acalabrutinib als auch unter Ibrutinib.
• Bei vier von ihnen trat unter Zanubrutinib entweder kein Wiederauftreten auf oder nur ein Ereignis vom Grad 1.
• Ein Patient hatte Diarrhö vom Grad 3 unter allen drei BTK-Inhibitoren.

Bei 39 auswertbaren Patienten lag die Krankheitskontrollrate bei 92.3 %. Davon zeigten 22 Patienten (56.4 %) nicht nur eine Stabilisierung, sondern auch eine weitergehende positive Reaktion auf die Behandlung.

Positives Fazit

Die aktuellen Daten zeigen, dass Patienten, die Acalabrutinib nicht vertragen haben, sicher und wirksam auf Zanubrutinib wechseln können. Obwohl die Behandlungsdauer mit Zanubrutinib im Schnitt länger war als mit Acalabrutinib (18.2 gegenüber 5.7 Monaten), traten 67 % der früheren Unverträglichkeiten nicht erneut auf. Außerdem erzielte die Umstellung auf Zanubrutinib bei Patienten, deren Wirksamkeit bewertet werden konnte, eine Krankheitskontrollrate von 92 %. Insgesamt sehen die Studienautoren Zanubrutinib als gut verträgliche und effektive Alternative für Patienten mit Unverträglichkeit gegenüber Acalabrutinib an.

Quelle: Zanubrutinib is Well Tolerated and Effective in Acalabrutinib-Intolerant Patients With B-Cell Malignancies: A Long-Term Follow-Up. Dr. Mazyar Shadman et al. ASH 2025, December 6–9, 2025, Abstract 5663.

Dr. med. Thomas Ferber

1. Shadman M, et al. Zanubrutinib is well tolerated and effective in acalabrutinib-intolerant patients with B-cell malignancies: A long-term follow-up. Blood, 2025;146 (Suppl 1): 5663
2. Sharman JP, et al. Blood. 2023;142 (Suppl 1): 636.
3. Ghia P, et al. Hemasphere. 2022;6 (12): e801.
4. Seymour JF, et al. Blood. 2023;142 (8): 687-699.
5. Tam CS, Blood. 2019 Jul 24;134(11):851–859.
6. Yazeed Sawalha, et al. OncoTargets and Therapy. 2020:13; 6573—658.
7. Shadman M, et al. Lancet Haematol. 2023;10 [1]: e35-e45.

25. Zürcher Herzkurs – Cardiology Today

Der traditionelle Zürcher Herzkurs fand Ende vergangenen Jahres zum 25. Mal statt. Das von Prof. Franz Wolfgang Amann und Prof. Christian Schmied (HERZGEFÄSSMEDIZIN Hirslanden, Klinik im Park) zusammengestellte Programm stiess auf grosse Aufmerksamkeit, was eine Rekordbeteiligung verdeutlichte. Vom vielfältigen Programm werden hier drei Referate vorgestellt.

NSAR und das Herz – eine unterschätzte Gefahr

Die Geschichte der NSAR beginnt vor mehr als 5000 Jahren, Prof. Christian Schmied gab einen vertieften Einblick in dieses wichtige Gebiet: Diakurides, ein griechischer Arzt in Diensten des römischen Heers, beschrieb die heilende Wirkung von Weidenrindenextrakt bei Gelenkschmerzen. Der Wirkstoff Salicin wurde 1828 isoliert und ab 1874 als Salicylsäure industriell hergestellt.

Zu den frühen «nicht-selektiven» NSAR gehörten Indomethacin und Ibuprofen (1964 bzw. 1969); später folgten Diclofenac (1974) und Naproxen (1976). Um 1999/2000 wurden die ersten selektiven COX-2-Hemmer eingeführt.

NSAR sind mit kardiovaskulären Nebenwirkungen und Interaktionen assoziiert. Beschrieben wurden unter anderem ein verminderter Fluss in (noch) gesunden Arterien bei gleichzeitig «proinflammatorischem» Endothelzustand (Endothelitis), die Entstehung atherosklerotischer Plaques, eine Abnahme antiaggregatorischer Eigenschaften des Endothels sowie eine Zunahme prothrombotischer Mediatoren.

In den USA werden pro Jahr über 70 Millionen ärztliche NSAR-Verschreibungen ausgestellt; inklusive «over the counter»-Gebrauch werden jährlich mehr als 30 Milliarden NSAR-Dosen eingenommen.

Passend dazu wurde Ovid zitiert: «perfer et obdura dolor hic tibi proderit olim» – sei geduldig und stark, irgendwann wird dieser Schmerz dir nützlich sein.

NSAR im Sport

Der NSAR-Konsum ist auch im Sport verbreitet. Ein Viertel der befragten Olympioniken der Olympischen Spiele in Sydney gab an, während des Turniers NSAR eingenommen zu haben. 86% der befragten Profifussballer der italienischen Serie A und B berichteten eine Einnahme an Spieltagen. Beim Boston Marathon 2002 nahmen 55% der befragten Läufer NSAR ein. Zudem gaben 43% der befragten Nachwuchsfussballer (U20, U17) der Fussballweltmeisterschaften im Zeitraum 2002 bis 2014 an, während des Turniers NSAR konsumiert zu haben. Auch wurde beim Engadiner Skimarathon NSAR-Gebrauch im Training (>80%) und während des Wettkampfs (10–34%) festgestellt.

Präparate und Einordnung

NSAR lassen sich grob in nicht-steroidale und steroidale Substanzen einteilen. Zu den nicht-steroidalen zählen die nicht-selektiven COX-1/2-Hemmer sowie die selektiven COX-2-Hemmer.
Zu den nicht-selektiven COX-1/2-Hemmern gehören:
• Arylpropionsäurederivate: Naproxen, Ibuprofen, Flurbiprofen, Dexibuprofen
• Arylessigsäurederivate: Diclofenac, Etodolac
• Indolessigsäurederivate: Indometacin, Acemetacin
• Anthranilsäurederivate: Mefenaminsäure
• Oxicame: Piroxicam, Tenoxicam, Meloxicam, Lornoxicam
• Weitere: Acetylsalicylsäure, Nimesulid, Nabumeton
Zu den selektiven COX-2-Hemmern zählen Etoricoxib und Celecoxib. Als steroidale Substanzen wurden Glukokortikoide genannt.

Wirkmechanismus

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) hemmen die Cyclooxygenase (COX), genauer die beiden Isoenzyme COX-1 und COX-2. Diese Hemmung kann – je nach Substanz – reversibel oder irreversibel sein. Die meisten NSAR binden dabei mit unterschiedlicher Affinität an eines der beiden Isoenzyme. Selektive COX-2-Hemmer wirken bevorzugt auf COX-2, das im Rahmen von Entzündungsreaktionen vermehrt exprimiert bzw. hochreguliert wird.

Durch die COX-Hemmung nimmt die Bildung von Prostaglandinen und Thromboxanen ab, die zentral am Ablauf von Entzündung und Schmerz beteiligt sind. Klinisch führt dies zu einer Abnahme der prostaglandinvermittelten Schmerzen und Entzündungszeichen und erklärt die drei typischen Wirkkomponenten von NSAR: eine antiphlogistische (antiinflammatorische), antipyretische (fiebersenkende) und analgetische (schmerzlindernde) Wirkung.

Daneben ergeben sich weitere, klinisch relevante Effekte: Durch die verminderte Thromboxan-Produktion wird die Blutgerinnung beeinflusst (Thrombozytenfunktion), und durch die reduzierte Prostaglandinsynthese nimmt die prostaglandinabhängige Bildung magenprotektiven Schleims ab, was das Risiko gastrointestinaler Nebenwirkungen mit erklären kann.

Entwicklung der «selektiven» NSAR («Coxibe»)

Die «Coxibe» wurden entwickelt, um die antiinflammatorische Wirkung von NSAR zu erhalten, dabei aber das Risiko gastrointestinaler Nebenwirkungen zu senken, die vor allem durch COX-1-Hemmung entstehen. Durch die selektive COX-2-Hemmung wird die Bildung entzündungsfördernder Prostaglandine unterdrückt, während COX-1 – wichtig für Magenschleimhautschutz und Nierendurchblutung – weitgehend erhalten bleibt. Gleichzeitig können Coxibe das kardiovaskuläre Risiko erhöhen, da die Hemmung von COX-2 die Balance gerinnungs- und endothelwirksamer Mediatoren beeinflussen kann.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen im klinischen Alltag

Als klassische Nebenwirkungen wurden gastrointestinale Komplikationen sowie vaskuläre Effekte (Hemmung/Promotion der Thrombozytenaggregation) genannt. Kardiale Effekte umfassen Hypertonie und Herzinsuffizienz, renale Effekte treten insbesondere bei chronischem Gebrauch auf. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Überempfindlichkeitsreaktionen, Reye-Syndrom sowie ZNS-Symptome wie Schwindel, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Wichtige Wechselwirkungen betreffen Glukokortikoide (v. a. gastrointestinale Komplikationen), Thrombozytenaggregationshemmer und SSRI (gastrointestinale Blutungen), orale Antidiabetika (Hypoglykämierisiko), Saluretika (Abschwächung des diuretischen Effekts), Antikoagulanzien (Verstärkung der Gerinnungshemmung) sowie Antihypertensiva, insbesondere ACE-Hemmer, mit möglicher Wirkungsabnahme.

Kardiovaskuläres Risiko von selektiven COX-2-Hemmern

NSAR sind eine inhomogene Medikamentenklasse. Als zentral wurde herausgestrichen, dass eine ausgeprägte COX-2-Inhibition (deutlich stärker als COX-1-Inhibition) den entscheidenden Mechanismus für die Beeinflussung endothelialer bzw. gerinnungsmodifizierender Mediatoren (PGI2) darstellt.

Rofecoxib (Vioxx) wurde wegen eines erhöhten Risikos kardiovaskulärer Ereignisse freiwillig vom Markt zurückgezogen. Bei moderater Dosierung erwies sich Celecoxib hinsichtlich Sicherheit gegenüber Ibuprofen oder Naproxen (PRECISION-Trial) sowie gegenüber Ibuprofen und Diclofenac (SCOT-Trial) als nicht unterlegen.

Take-Home-Messages

NSAR gehören zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten und bilden eine heterogene, komplexe Gruppe (COX-1/COX-2, Halbwertszeiten, Nebenwirkungsprofil). Jede Patientin und jeder Patient sollte im individuellen, oft komplexen Kontext beurteilt werden (Komorbiditäten, Begleitmedikation), um die «optimale» Therapie zu wählen. Gefürchtete Komplikationen sind neben gastrointestinalen Ereignissen vor allem kardiale und vaskuläre Ereignisse, darunter Myokardinfarkt und Stroke, aber auch Hypertonie, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern sowie möglicherweise ein schlechtes Outcome bei Myokarditis.

Unter den NSAR bieten Naproxen (und Ibuprofen) das günstigste kardiovaskuläre Risikoprofil, unter anderem aufgrund relativ langer (variabler) Halbwertszeit und relativ geringer COX-2-Affinität; bei zusätzlichen GI-Risikofaktoren ist dies besonders relevant. Eine (Fix-)Kombination mit einem PPI reduziert das Risiko gastrointestinaler Ereignisse signifikant.

Schlank und rank dank GLP-1-Agonisten – zu schön um wahr zu sein?

Dr. David Infanger, Leiter Adipositas- und StoffwechselZentrum Hirslanden Zürich, ordnete das Thema zunächst epidemiologisch ein. Gemäss der Schweizer Gesundheitsbefragung 2023 waren 13,2% der Männer und 11,0% der Frauen adipös; 39,1% der Männer und 22,8% der Frauen waren übergewichtig. Im Vergleich zu 1992 zeigt sich damit eine deutliche Zunahme: Damals waren 6,1% der Männer und 4% der Frauen adipös, während 33,2% der Männer und 17,2% der Frauen als übergewichtig erfasst wurden. Dies entspreche einer Zunahme der übergewichtigen Männer um mehr als 15% und bei den Frauen um 24,6%.

Die Prävalenz von Adipositas nimmt weiter zu. Für 2022 wurde erwähnt, dass knapp 900 000 Personen (≥ 13 Jahre) einen BMI ≥ 30 aufweisen, was rund 12% der Bevölkerung entspreche. Bis 2035 werde die Adipositasrate in der Schweiz voraussichtlich auf 37% ansteigen. Die Ursachen seien komplex und multifaktoriell: soziokulturelle und umweltbedingte Faktoren spielen ebenso eine Rolle wie epigenetische und genetische Einflüsse (Heritabilität ca. 40–70%), hormonelle Mechanismen und verhaltensbedingte Faktoren.

Krankheitswert der Adipositas

Adipositas ist mit metabolischen Folgeerkrankungen assoziiert, die insbesondere die Leber (MAFLD 50–70%, MASH 30–35%) sowie Gallensteine und Infertilität betreffen. Hinzu kommen Krebserkrankungen sowie kardiovaskuläre Erkrankungen wie Stroke (um 3–7%), Dyslipidämie (bis 70%), Hypertonie (bis 55%), Myokardinfarkt (bis 21%) und HFpEF. Weiter wurden Typ-2-Diabetes (20–30%) und Prädiabetes (30–35%) genannt, mit Folgeproblemen wie Nephropathie, Nierensteinen, Thrombosen und Gicht. Mechanische Folgen umfassen Asthma, Inkontinenz, Gonarthrose (bis 52%, GERD) sowie körperliche Funktionsunfähigkeit; ebenfalls genannt wurden Inkontinenz und Gonarthrose (bis 53%).

Unterstrichen wurde zudem der Einfluss auf die Prognose: Die Lebenserwartung sinkt bei Adipositas: genannt wurde ein Rückgang auf 50% im Alter von 70 Jahren bei BMI 40–50, gegenüber fast 80% bei BMI 22,5–25. Adipositas ist nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern eine Krankheit mit Todesfolge.

Nutzen der Gewichtsreduktion

Gewichtsreduktion führt zu einer generellen Gesundheitsverbesserung, wobei der Nutzen mit dem Ausmass der Gewichtsabnahme zunimmt. Bei 0–5% wurden Verbesserungen bei Hypertonie und Hyperglykämie genannt. Bei 5–10% stehen u. a. PCOS, MAFLD, Prävention des Typ-2-Diabetes und Dyslipidämie im Vordergrund. Eine Reduktion um 10–15% wurde mit OSAS, GERD, MASH, kardiovaskulärer Krankheit, Urin-Stresskontinenz und Kniearthrose in Verbindung gebracht. Bei 15–20% wurden eine Reduktion der kardiovaskulären Mortalität und eine Remission des Typ-2-Diabetes erwähnt; bei > 20% u. a. HFpEF sowie fortgeschrittene Typ-2-Diabetes-Remission und posturale Instabilität.

Zugelassene medikamentöse Therapie

Als medikamentöse Optionen wurden insbesondere die GLP-1-basierte Therapien besprochen. Semaglutid (GLP-1-RA) ist für Adipositas als Wegovy® zugelassen (BMI ≥ 28 kg/m² mit Begleiterkrankung) und für Diabetes als Ozempic® (BMI ≥ 35 kg/m²; Kostengutsprache über Adipositaszentrum/Endokrinologie).

Tirzepatid (GLP-1/GIP-RA; Mounjaro®) wird zur Gewichtsreduktion eingesetzt, wenn der anfängliche BMI > 30 kg/m2 (Adipositas; Fettleibigkeit) oder > 27 kg/m2 bis < 30 kg/m2 (Übergewicht) beträgt und mindestens eine gewichtsbedingte Begleiterkrankung vorliegt. Als Begleiterkrankungen wurden Prädiabetes, DMT2, Hypertonie und Dyslipidämie genannt.

Wirkmechanismen

GLP-1-Rezeptoragonisten (Semaglutid; Wegovy®/Ozempic®/Rybelsus®) sind synthetisch hergestellte Polypeptide, die an den GLP-1-Rezeptor binden und gegenüber dem natürlichen GLP-1 eine verlängerte Halbwertzeit aufweisen. Sie stimulieren die Insulinsekretion und hemmen die Ausschüttung von Glucagon.
Tirzepatid (Mounjaro®) ist ein Analogon des glukoseabhängigen insulinotropen Peptids (GIP) und wirkt als dualer Agonist an GIP- und GLP-1-Rezeptoren.

Evidenz aus Studien

In der SURMOUNT-Studie wurde berichtet, dass 1 von 3 Teilnehmer/-innen, die Mounjaro® in der MTD anwendeten, eine mittlere Gewichtsreduktion von ≥ 25% erreichten, gegenüber 1 von 5 unter Wegovy®.

Zusammenfassung

Adipositas wurde als multifaktorielle, chronische und nicht heilbare Erkrankung mit Todesfolge beschrieben. Medikamentöse Begleittherapien wie Wegovy® und Mounjaro® seien echte Game Changer mit klarem kardiovaskulärem Nutzen, aber keine Wundermittel. Eine hohe Rückfallquote sei kein Versagen oder Selbstverschulden, sondern Ausdruck einer biologischen Gegenreaktion.

Die wichtigsten Studien und Guidelines für den Praxisalltag

Dr. med. Eva Bühlmann, Hirslanden Klinik im Park, fasste die wichtigsten Inhalte des ESC Congress 2025 in Madrid zusammen. Insgesamt nahmen 33 300 Teilnehmende aus 167 Ländern teil. Im Rahmen des Kongresses wurden 110 Vorträge gehalten, und mehr als 190 Studien wurden gleichzeitig in führenden wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert. Zusätzlich wurden fünf neue bzw. aktualisierte Clinical Practice Guidelines der ESC (teilweise gemeinsam mit Partnerorganisationen) vorgestellt.

Neue Guidelines ESC 2025

Als neue bzw. aktualisierte Leitlinien wurden genannt: Valvular Heart Disease, Myocarditis and Pericarditis, CVD and Pregnancy, Dyslipidemia sowie Mental Health and CVD. Ergänzend wurde ein Clinical Consensus Statement zu mental health and cardiovascular disease erwähnt.

Bei den Valvular-Heart-Disease-Guidelines handelt es sich um ein Update der Version von 2021. Dabei wird jedes Klappenvitium in einem eigenen Kapitel behandelt (AI, AS, MI, MS, TI, TS). Thematisiert wurden zudem kombinierte Klappenvitien, das Management während nicht-kardialer Operationen sowie in der Schwangerschaft, die antithrombotische Therapie bei Patientinnen und Patienten mit operierten Klappen sowie Neuerungen im Bereich der Antikoagulation. Als übergreifende Entwicklung wurden frühere Interventionen, eine erweiterte Rolle minimal-invasiver und transkatheterer Verfahren, eine erweiterte Diagnostik und Bildgebung, die Bedeutung von Team- und Zentrumsstrukturen sowie ein stärker patientenzentrierter Ansatz mit Aufklärung hervorgehoben.

Mentale Gesundheit und Prävalenz kardiovaskulärer Erkrankungen

Ein Schwerpunkt lag auf der psychischen Komorbidität bei kardiovaskulären Erkrankungen. Für Depressionen wurden Prävalenzen von 31% nach Myokardinfarkt und 22% bei chronischer Herzinsuffizienz genannt, mit einer je nach NYHA-Klasse breiten Spanne (11–42%). Weitere Angaben betrafen die Situation rund um Transplantationen (pre-transplant 35%, post-transplant 26%) sowie nach ICD-Implantation (15%). Nach der Implantation treten mittelschwere bis schwere Depressionen gehäuft bei ICD zur Sekundärprävention oder nach ≥ 5 Schocks auf; für pulmonale Hypertonie wurde eine Prävalenz von 28% genannt.

Für Angstsymptome wurden je nach Setting ebenfalls hohe Raten beschrieben: nach CABG/PCI bzw. post MI oder ACS lagen die Angaben bei 12–42% bei Männern und 22–64% bei Frauen. Bei chronischer Herzinsuffizienz wurden 29% klinisch signifikante Angststörung und 13% mit Angststörung genannt. Bei VHFli (auch nach EKV und Ablation) wurden 30% erwähnt, nach ICD-Implantation 23%. Nach akutem Herzstillstand nach Spitalentlassung wurden 30% genannt; insgesamt wurde betont, dass die Prävalenz nach Alter und Geschlecht unterschiedlich ist.

Beurteilung von Depressionen und Angstzuständen

Empfohlen wurde ein Screening bei allen CVD-Patienten. Der Zeitpunkt der Untersuchung soll sich am klinischen Verlauf orientieren: bei neugestellter Diagnose, nach einem kardiovaskulären Ereignis oder Eingriff (ggf. noch während der Hospitalisierung), bei der jährlichen Kontrolle sowie bei Verdacht auf eine psychische Erkrankung.
Für das initiale Screening auf Depression wurden die Two-item screening tools («Whooley questions») vorgestellt. Diese weisen eine hohe Sensitivität (95%) und eine mässige Spezifität (65%) auf und eignen sich als erster Schritt. Dabei wird gefragt: (I) ob man sich im letzten Monat oft niedergeschlagen, deprimiert oder hoffnungslos gefühlt habe, und (II) ob man sich im letzten Monat oft darüber geärgert habe, dass man wenig Interesse oder Freude an Dingen hatte. Das Screening gilt als positiv, wenn mindestens eine Frage mit Ja beantwortet wird. Bei Verdacht auf Depression wurde der PHQ-2 genannt (Sens. 97%, Spez. 48%), bei Verdacht auf generalisierte Angststörung der GAD-2 (Sens. 91%, Spez. 37%).

Therapeutische Ansätze

Als Versorgungsmodell wurde eine integrierte multidisziplinäre Betreuung im Sinne eines «Cardio-mental health team» beschrieben. Nicht medikamentös stehen Psychotherapie, insbesondere kognitive Verhaltenstherapie, möglichst evidenzbasiert, sowie kardiale Reha-Programme mit Integration psychologischer Module im Vordergrund. Ergänzend wurden Lebensstilfaktoren wie Bewegung, Schlafhygiene und soziale Unterstützung genannt.

Medikamentös wurden SSRI als erste Wahl hervorgehoben (z. B. Sertralin, Escitalopram, Citalopram) mit guter kardiovaskulärer Verträglichkeit. Zu vermeiden seien Trizyklika, MAO-Hemmer und Venlafaxin (u. a. QT-Verlängerung, Tachykardien). Bei Anxiolyse wurden Benzodiazepine nur kurzzeitig bei schwerer Angst genannt; langfristig werden Buspiron oder SSRI bevorzugt. Wichtig sei das Beachten von Interaktionen, insbesondere im Hinblick auf CYP-Metabolismus, QTc-Verlängerung und Blutungsrisiko unter OAK + SSRI.

Take-Home-Messages

Zusammenfassend wurde betont, dass depressive und Angstsymptome bei CVD-Patienten routinemässig erfasst werden sollen und ein positives Screening rasch zur Abklärung führen sollte. Die Versorgung soll integrativ erfolgen, idealerweise durch multidisziplinäre Teams, die lokale Netzwerke (Cardio-Mental Health) aufbauen. Psychotherapie und – falls angezeigt – SSRI bleiben für viele Patientinnen und Patienten First-line; die Pharmakotherapie soll individuell erfolgen, unter besonderer Beachtung möglicher Interaktionen und kardialer Sicherheitsaspekte.

Hotline Sessions – praxisrelevante Studien

In den Hotline Sessions wurden zahlreiche praxisrelevante Studien genannt, darunter: POTCAST, AMALFI, DIGIT HF, Treebaeard, Physio syne HF, Praetoiian/ATLA, DAPA-ACT, VICTOR, ODYSSEY-HCM, MAPLE-HCM, REBOOT, BETAMI-DANBLOCK/VEDEPAD, DEFINE-ICD, KP-VACCINATE, DANFLU-2, FLUNITY-HD, PULSE, KARDIA-3, ESSENCE TIMI73b, DANCVAS 2, ABC-AF study, HI-PRO, SWEDEPAD, THE AQUATIC trial, The DUAL ACS TRIAL, OPTION STEMI, NEO-MINDSET, TAILORED-CHIP, TARGET-FIRST, ALONE-AF, BEAT PARADOX AF, CUVIA, PARACHUTE-HF, HELP-MI SWEDEHEART, IMPACT-BP, NEWTON_CABG, TACSI, The TOP_CABG trial, OPTIION Trial.

ALONE-AF: Konklusion und Limitationen
Zur Studie ALONE-AF wurde berichtet, dass das Risiko für den primären kombinierten Endpunkt (Stroke, systemische Embolie und schwere Blutungen) nach Absetzen der oralen Antikoagulation geringer war als bei fortgesetzter Therapie, vor allem aufgrund einer Verringerung schwerer Blutungen. Die Inzidenz ischämischer Komplikationen war zwischen den Gruppen vergleichbar. Damit liefert ALONE-AF erstmals randomisierte Evidenz, um bei ausgewählten Patientinnen und Patienten ein Absetzen der OAK nach Ablation überhaupt in Betracht zu ziehen. Gleichzeitig wurde betont, dass dies nicht für alle gilt und eine sorgfältige Patientenselektion, gutes Monitoring und das Bewusstsein für subklinische Rezidive zentral sind. Als Limitationen wurden genannt, dass die Studie nicht darauf ausgelegt war, Unterschiede in ischämischen Ereignissen nachzuweisen, dass die Population stark selektioniert war und dass das Monitoring auf Rezidive nicht sehr engmaschig erfolgte (Holter 24–72 h, halbjährlich), wodurch subklinische Rezidive übersehen werden könnten. Zudem war der Beobachtungszeitraum nach Ablation relativ kurz (ab 1 Jahr post Ablation im Durchschnitt 3,6), weshalb das Langzeitrisiko über viele Jahre noch unklar ist.

AQUATIC
Abschliessend wurden Ergebnisse der AQUATIC-Studie erwähnt: Bei Patientinnen und Patienten mit chronischem Koronarsyndrom und hohem atherothrombotischem Risiko war die zusätzliche Gabe von Aspirin zur laufenden oralen Antikoagulation mit einem höheren Risiko für kardiovaskulären Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall, systemische Embolie, koronare Revaskularisation oder akute Gliedmassenischämie assoziiert als Placebo; die Ergebnisse wurden gleichzeitig im NEJM publiziert.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

Swiss Prevention Summit 2025

«Vorbeugen ist besser als heilen» gilt mehr denn je. Die kardiovaskuläre Prävention konzentriert sich auf die Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Nierenversagen, Schlaganfall und frühem Tod. Aufgrund der weltweiten Adipositas-Epidemie und der steigenden Lebenserwartung gewinnen Bluthochdruck, Hypercholesterinämie, Diabetes und in der Folge chronische Nieren- und Herzinsuffizienz zunehmend an Bedeutung. Neben einem gesunden Lebensstil stehen uns heute neue, sehr wirksame und gut verträgliche Arzneimittel zur Verfügung: Glukagon-like-Peptid-1-Agonisten, Hemmer des Natrium-Glukose-Transporters, PCSK9-Hemmer und nichtsteroidale Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten. Die RNA-Interferenz ist zudem eine Revolution in der Pharmakotherapie: Zur Lipidsenkung und bald auch zur Behandlung der Hypertonie sind nur zwei Injektionen pro Jahr nötig – fast wie eine Impfung. So beschrieben es die Organisatoren Prof. T. F. Lüscher, F. Mahfoud, S. Windecker und F. Mach in ihrer Einführung. Im Folgenden wird über einige Referate dieser Veranstaltung berichtet.

Das Mikrobiom und seine Metabolite: Ein verkannter Risikofaktor


Prof. Thomas F. Lüscher, Brompton/London und Zürich, erläuterte die noch wenig bekannte Beziehung zwischen dem Darmmikrobiom, seinen Metaboliten, dem Körpergewicht und dem Risiko kardiovaskulärer Ereignisse.

Welche Rolle einzelne Darmmikroben bei der Regulation der Körperzusammensetzung spielen, ist weiterhin unklar. In einer Studie wurde das Darmmikrobiom erwachsener weiblicher Zwillingspaare, die sich hinsichtlich ihres Adipositas-Status unterschieden, in keimfreie Mäuse transplantiert. Die Tiere erhielten entweder fettarmes Standardfutter oder Diäten mit unterschiedlichen Anteilen gesättigter Fette sowie Obst und Gemüse, wie sie für die US-amerikanische Ernährung typisch sind. Eine Zunahme von Gesamtkörper- und Fettmasse sowie adipositasassoziierte metabolische Phänotypen liessen sich durch unkultivierte fäkale Mikrobengemeinschaften und entsprechende Bakterienkulturen übertragen. Wurden Mäuse, die das Mikrobiom eines adipösen Zwillings (Ob) trugen, gemeinsam mit Mäusen gehalten, die das Mikrobiom des schlanken Zwillings (Ln) trugen, blieb bei den Ob-Tieren eine Zunahme der Körpermasse und die Entwicklung adipositasassoziierter metabolischer Phänotypen aus. Dieser Effekt korrelierte mit der Übertragung spezifischer Bacteroidetes-Mitglieder aus dem Ln-Mikrobiom in das Ob-Mikrobiom und war ernährungsabhängig. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Wechselwirkungen zwischen Ernährung und Mikrobiom rasch eintreten, übertragbar sind und sich modifizieren lassen.

Auch klinisch wird die Modulation des Mikrobioms untersucht: Eine hochdosierte fäkale Mikrobiota-Transplantation aus mehreren Spenden kann bei aktiver Colitis ulcerosa zu klinischer Remission und endoskopischer Besserung führen. Gleichzeitig werden deutliche mikrobielle Veränderungen beobachtet, die mit dem Therapieansprechen zusammenhängen. Künftige Arbeiten sollten insbesondere die optimale Behandlungsintensität sowie die Bedeutung der Spender-Empfänger-Übereinstimmung anhand mikrobieller Profile definieren.

Das Darmmikrobiom steht zudem in einem mechanistischen Zusammenhang mit physiologischen Prozessen, die die Herz-Kreislauf-Gesundheit beeinflussen. Nahrungsbestandteile prägen die Zusammensetzung des Mikrobioms und den Metabolismus des Wirts. Als Beispiel nannte der Referent den Zusammenhang zwischen dem Konsum von rotem und weissem Fleisch und der Bildung von TMAO (Trimethylamin-N-oxid). TMAO entsteht durch mikrobiellen Abbau von Nährstoffen wie Cholin und L-Carnitin. Erhöhte TMAO-Spiegel im Blut wurden mit einem höheren Risiko kardiovaskulärer Ereignisse (z. B. Myokardinfarkt, Schlaganfall) assoziiert und könnten proinflammatorische Prozesse sowie bestehende Erkrankungen wie Arteriosklerose, Hypertonie und Diabetes ungünstig beeinflussen.

Gewichtsverlust und kardiovaskuläres ­Outcome: Was kann mit GLP1 und GIP/GLP1-RA erreicht werden?


«Weltweit ist das Leben der Menschen zwar länger geworden, aber nicht gesünder», sagte Prof. John Deanfield aus London zu Beginn seines Vortrags. Im Jahr 1960 betrug die mittlere Lebenserwartung weltweit 54 Jahre, im Jahr 2019 waren es 73 Jahre – ein Zuwachs von 19 Jahren. Der Anteil des Lebens, der bei schlechter oder mässiger Gesundheit verbracht wird, hat sich jedoch nicht geändert.

Krankheitsprävention – das sich wandelnde Gesicht der Medizin

Rauchen, Alkohol, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel prägen das Leben in den Industriestaaten. Entsprechend zählen kardiovaskuläre Erkrankungen, Nierenversagen und Typ-2-Diabetes zu den häufigsten Ursachen für eingeschränkte Gesundheit und Todesfälle. Die Prävalenz von Übergewicht hat aus mehreren Gründen zugenommen. Im Jahr 1950 litt weniger als 1 % der britischen Bevölkerung an Adipositas. Heute sind es ca. 30 %.

Ist dies Ausdruck eines kollektiven Verlusts an Willenskraft? Der Referent verneinte: Die Menschen hätten sich nicht verändert, wohl aber das Nahrungsangebot und die Ernährungsumgebung. Übergewicht resultiert aus einer anhaltenden positiven Energiebilanz, und jede Person, die mit Übergewicht lebt, weiss bereits, dass sie weniger essen und sich mehr bewegen sollte. Lebensstiländerungen, beispielsweise Diät und mehr Bewegung, werden zwar immer empfohlen, sind aber selten allein erfolgreich.

Übergewicht gilt inzwischen als chronische, multifaktorielle und rückfällige Krankheit, die mit erhöhter Morbidität und Mortalität einhergeht. Es ist eine Krankheit, bei der die besten verfügbaren Behandlungen ohne Schuldgefühle eingesetzt werden müssen. Wir behandeln LDL, Blutdruck und HbA1c direkt. «Die Adipositas-Biologie verdient denselben Ansatz», so der Referent.

Medikamente würden helfen, das Problem jedoch nicht vollständig lösen. Eine zentrale Stellschraube sei weniger die «Umgebung», sondern die Regulation des Appetits.
Eine wirksame Behandlung der Adipositas wäre ein Wendepunkt für das Gesundheitswesen. Mit GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RAs) gelingt erstmals eine zuverlässig signifikante und nachhaltige Gewichtsabnahme.

SELECT-Studie

Bei Patienten mit vorbestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht oder Adipositas, jedoch ohne Diabetes, war die wöchentliche subkutane Gabe von 2.4 mg Semaglutid gegenüber Placebo wirksamer, um die Inzidenz von Todesfällen aufgrund kardiovaskulärer Ursachen, nicht tödlichen Myokardinfarkten oder nicht tödlichen Schlaganfällen zu verringern. Dies wurde bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 39.8 Monaten festgestellt. Der Nutzen der Therapie mit Semaglutid war grösstenteils unabhängig vom Gewichtsverlust.

Pleiotrope Effekte von GLP-1-RAs bei Typ-2-DM

In einer Studie wurden 215 970 Patienten mit Diabetes, die GLP-1 RAs erhielten, mit einer entsprechenden Kontrollgruppe verglichen. Von 175 Gesundheitsergebnissen war die Verwendung von GLP-1-RAs mit einem verringerten Risiko für Atemversagen, COPD und Suizidgedanken verbunden. Von 175 Gesundheitsergebnissen war die Verwendung von GLP-1-RAs mit einem verringerten Risiko für 34 (19.43 %) Ergebnisse verbunden, darunter Lungenentzündung, Alkoholmissbrauch, Atemversagen, COPD und Suizidgedanken. Ein erhöhtes Risiko wurde für 17 Ergebnisse (9.71 %) gefunden, darunter Übelkeit und Erbrechen, GERD, Bauchschmerzen, Nephrolithiasis und Schlafstörungen.

Hinweise auf einen breiteren klinischen Nutzen

Zunehmend wird ein potenziell breiterer Nutzen von GLP-1-basierten Therapien diskutiert. Als Beispiele nannte der Referent Publikationen zu unterschiedlichen Indikationen (u. a. kolorektale Neoplasien, Morbus Parkinson, obstruktive Schlafapnoe, MASH sowie chronische Nierenkrankheit).

Beispiellose Akzeptanz in der Öffentlichkeit

Trotz begrenzter Zahl verfügbarer Präparate ist die Akzeptanz in der Bevölkerung hoch. Zum Vergleich: Rund zehn Jahre nach Markteinführung hatten Statine etwa eine Million Anwender; selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer lagen in ähnlicher Grössenordnung. Für Wegovy wurde bereits nach fünf Jahren eine deutlich höhere Nutzerzahl berichtet.
Und was kommt als Nächstes?

Neue Moleküle und Indikationen für GLP-1-basierte Wirkstoffe

Zu den in Entwicklung befindlichen Substanzen zählen:
• Retatrutid: Triple-Agonist (GLP-1-, GIP- und Glukagonrezeptor)
• Survodutid: dualer Agonist (GLP-1- und Glukagonrezeptor)
• Insulin degludec/Liraglutid (Fixkombination)
• Insulin glargin/Lixisenatid: Kombination aus Basalinsulin und GLP-1-RA
• Amycretin: dualer Agonist (GLP-1- und Amylinrezeptor)
• Semaglutid/Cagrilintid: Kombination aus GLP-1-RA und Amylin-Analogon

Bei neue Indikationen wurde folgendes diskutiert:
• metabolisch dysfunktionsassoziierte Steatohepatitis (MASH)
• periphere Erkrankungen
• polyzystisches Ovarialsyndrom
• Arthritis
• Krebs
• neuropsychiatrische Krankheiten (z. B. Alzheimer-Krankheit, Parkinson-Krankheit, Substanzmissbrauch, Depression, Schizophrenie, Migräne, intrakranielle Hypertonie).

Richtlinien

Die GLP-1-RA-Leitlinien betonen die Anwendung von Semaglutid und Cagrilintid bei Typ-2-Diabetes (T2D) und zur chronischen Gewichtsregulierung (BMI ≥30 oder ≥27 mit gewichtsbedingten Problemen wie Bluthochdruck oder einem hohen Cholesterinspiegel) in Verbindung mit Änderungen des Lebensstils. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Vorteilen für Herz und Nieren. Es sind jedoch auch Vorsichtsmassnahmen zu beachten: das Medikament muss vor Operationen abgesetzt werden, es ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, mögliche Pankreatitis-Symptome sind zu überwachen und eine Schwangerschaft ist zu vermeiden. Zu den wichtigsten Aspekten gehören die Aufklärung der Patienten über Nebenwirkungen (Magen-Darm-Probleme), Verhütung und die ordnungsgemässe Entsorgung von Injektionsmaterial.

Arterielle Erkrankungen, die Herzinfarkte und Schlaganfälle verursachen, lassen sich durch eine nachhaltige, frühzeitige Reduktion des Risikofaktors (RF) weitgehend verhindern, mahnte der Referent.

Trennung von Verhaltenseffekten und Gewichtsverlust

Es wurden Hinweise auf zwei unterschiedliche neuronale Mechanismen diskutiert: einerseits Gewichtsverlust durch Appetit- und Stoffwechselregulation, andererseits Nahrungsaversion. Semaglutid reduziert Hunger und fördert den Fettabbau, indem es auf Adcyap1+-Neuronen im dorsalen Vaguskomplex wirkt. Werden diese Zellen blockiert, ist Semaglutid weniger wirksam in der Reduktion von Appetit und Fettmasse. Eine Abneigung gegen Nahrung blieb hingegen bestehen. Dies spricht dafür, dass einzelne Semaglutid-Effekte über unterschiedliche neuronale Bahnen vermittelt werden. Perspektivisch könnte dies die Entwicklung wirksamerer und besser verträglicher Adipositas-Therapien unterstützen.

Durchbruch und Evidenz bei der Behandlung von Adipositas

Im Kontext der zunehmenden Verfügbarkeit medikamentöser Therapien stellte sich die Frage, welche Rolle Lebensstiländerungen künftig noch spielen. Sind Lebensstiländerungen im Zeitalter der Adipositas-Medikamente notwendig?

Diskutiert wurden mehrere Entwicklungen und Ansätze:
• Weiterbehandlung nach initialem Gewichtsverlust: Tirzepatid kann Patientinnen und Patienten nach bereits erzieltem Gewichtsverlust weiter unterstützen.
• Ultralang wirksame GLP-1-basierte Wirkstoffe: Länger wirksame Präparate könnten gegenüber kürzer wirksamen Substanzen Vorteile bieten.
• Therapie von Nebenwirkungen: Ein neuer Ansatz zielt darauf ab, Nebenwirkungen der Gewichtsabnahme bzw. der Therapie zu lindern.
• Duodenales Mukosa-Resurfacing (DMR): Das Verfahren basiert auf der Hypothese, dass eine fett- und zuckerreiche Ernährung die Funktion der Duodenalschleimhaut beeinträchtigen kann. Dies könnte abnorme metabolische Signale und Insulinresistenz begünstigen. DMR soll diese Signalwege funktionell «zurücksetzen».
• Amylin-Analoga: Eloralintid zeigte in einer Phase-2-Studie eine Gewichtsreduktion.
• Orale Therapieoptionen: Mit dem Abschluss der Phase 3 schreitet die Entwicklung einer Adipositas-Pille (Orforglipron) voran.
• Deeskalation/Erhaltung: Eine Deeskalation von GLP-1-basierten Therapien (z. B. alle zwei Wochen) wurde als mögliche Option zur Erhaltungstherapie diskutiert.

Sind GLP1Ras die bahnbrechendste Veränderung im Gesundheitswesen aller Zeiten?

Provokativ wurde ein Bonmot zitiert: «Die häufigsten Instrumente für Selbstmord sind Messer und Gabel.»
(Dr. Martin Fischer)
Adipositas wurde als eine der grössten Bedrohungen für Gesundheit und Wohlstand beschrieben. Sie verändert die kardiometabolische Landschaft, indem sie Typ-2-Diabetes, chronische Nierenkrankheit und kardiovaskuläre Erkrankungen fördert, mit negativen klinischen Folgen. GLP-1-RAs könnten zwar einen entscheidenden Beitrag zur Behandlung der Adipositas leisten, werden jedoch nicht als alleinige Lösung verstanden. Über die Gewichtsreduktion hinaus könnten sie mehrere altersassoziierte Erkrankungen beeinflussen und langfristig Verhaltensänderungen unterstützen. Damit besteht das Potenzial, das Gesundheitswesen zu verändern, indem Ursachen kardiometabolischer Erkrankungen adressiert werden – mit Konsequenzen nicht nur für Einzelne, sondern auch für Gesellschaft und Wirtschaft. Gleichzeitig wurde betont, dass GLP-1-RAs den Wandel nicht allein bewirken, jedoch das Spektrum ernährungsbedingter Erkrankungen beeinflussen könnten, indem sie Betroffene dabei unterstützen, weniger zu essen und sich gesünder zu ernähren.

Ist Lipoprotein(a) ein Risikofaktor oder ein therapeutisches Ziel?


«Lipoprotein(a) besteht aus einem Molekül Apolipoprotein B, das kovalent an Apolipoprotein(a) gebunden ist. Apolipoprotein(a) ist ein Plasminogen-ähnliches Protein, das aus einer variierenden Anzahl von sogenannten Kringles aufgebaut ist. Diese bestimmen seine Grösse und auch seine biologischen Eigenschaften», erklärte Prof. Arnold von Eckardstein (USZ) einleitend.

Lp(a) weist sowohl proatherosklerotische Eigenschaften wie eine verstärkte Proteoglykanbindung, eine Aufregulation von Adhäsionsmolekülen, eine Proliferation von glatten Muskelzellen, eine Schaumzellbildung, die Bildung eines nekrotischen Kerns oder eine Kalzifizierung von Läsionen auf. Es verfügt jedoch auch über prothrombotische Eigenschaften wie Plasminogen-Aktivierung, Fibrindegradation, PAI-1-Expression, TFPI-Aktivität und Thrombozyten-Reaktivität. Hohe Plasmakonzentrationen von Lp(a) erhöhen das Risiko für kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität. Lp(a)-Werte ≥30 mg/dl sagen unabhängig vom Baseline-ASCVD-Status unerwünschte kardiovaskuläre Ergebnisse voraus. Erstgradige Verwandte von Personen mit erhöhten Lp(a)-Werten haben ein erhöhtes Risiko für schwere unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse. Ein hoher Lp(a)-Spiegel erhöht das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse, unabhängig von traditionellen Risikofaktoren.

Die «International Declaration on Lipoprotein(a) Testing and Management» von Brüssel empfiehlt:
• Lp(a)-Werte von über 50 mg/dl (105 nmol/L) sollten bei allen Erwachsenen als kardiovaskulärer Risikofaktor betrachtet werden. Dabei gilt: Je höher der Lp(a)-Wert, desto höher das Risiko (Klasse IIa/Niveau B). Lp(a) sollte einmal im Leben gemessen werden und auch Familienmitglieder (Kinder) sollten getestet werden.

Medikamentöse Senkung von Lp(a)

Statine senken Lp(a) unwesentlich (–0.19 mg/dl, p = 0.58), Bempedoinsäure erhöht Lp(a) um +0.01 mg/dl (p = 0.99), Ezetimib senkt es um –0.21 mg/dl (p = 0.77), Omega-3-Fettsäuren senken Lp(a) um –0.28 mg/dl, Fibrate um –0.61 mg/dl (p = 0.14), Niacin um –706 mg/dl (p < 0.01), CETP-Inhibitoren um –0.77 mg/dl (p = 0.01), Inclisiran um –4.76 mg/dl (p < 0.01) und PCSK9-Antikörper um –6.37 mg/dl.

Take Home Messages

• Lp(a) ist ein LDL-ähnliches Lipoprotein, das als zusätzliches Protein das Apolipoprotein(a) trägt und mit oxidierten Phospholipiden angereichert ist.
• Die Anzahl der Kringle-IV-Domänen ist genetisch determiniert und bestimmt wesentlich die Plasmakonzentration von Lp(a).
• Lp(a) wirkt wegen seiner Ähnlichkeit mit LDL und Plasminogen sowie aufgrund seiner oxidierten Phospholipide atherogen, thrombogen und proinflammatorisch.
• Hohe Plasmaspiegel von Lp(a) und Allele für geringe Anzahlen von Kringle-IV-Repeats erhöhen das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, periphere arterielle Verschlusskrankheit und Aortenklappenverkalkung (genetisch kausaler Risikofaktor!).
• Hohes Lp(a) und traditionelle Risikofaktoren interagieren, weswegen bei hohem Lp(a)-Spiegel das geschätzte Risiko höhergestuft werden sollte. Traditionelle Risikofaktoren sollen konsequent behandelt werden.
• Lp(a) trägt zum residuellen Risiko nach intensiver LDL-Cholesterinsenkung bei.
• Antisense-Oligonukleotide und siRNAs gegen LPA-mRNA senken den Lp(a)-Spiegel um 80–90 %. Ergebnisse klinischer Endpunktstudien werden ab 2026 erwartet.

Was gibt es Neues zum Thema Lipide? Die aktualisierten Leitlinien der ESC/EAS


Die aktualisierten Leitlinien der ESC/EAS wurden von einer Task Force unter dem Vorsitz von Prof. Mach, Prof. Koskinas und Prof. Roeters van Lennep entwickelt. «Alle neuen Empfehlungen, die in der fokussierten Aktualisierung 2025 enthalten sind, ergänzen die Empfehlungen der ESC/EAS-Leitlinien 2019 zur Behandlung von Dyslipidämien. Alle geänderten Empfehlungen ersetzen die entsprechenden Empfehlungen der ESC/EAS-Leitlinien 2019», stellte Prof. François Mach einleitend fest.

Empfehlungen zur kardiovaskulären Risikoabschätzung

Bei scheinbar gesunden Personen unter 70 Jahren ohne etablierte ASCVD oder Diabetes mellitus wird SCORE2 zur Abschätzung des 10-Jahres-Risikos für tödliches oder nicht tödliches kardiovaskuläres Risiko bei CKD, genetischen/seltenen Lipid- oder Blutdruckerkrankungen (Klasse I, Evidenzgrad B) empfohlen.

SCORE2-OP wird bei Personen ≥70 Jahren ohne etablierte ASCVD, Diabetes mellitus, chronische Nierenerkrankungen, genetische/seltene Lipid- oder Blutdruckerkrankungen zur Abschätzung des 10-Jahres-Risikos für tödliches oder nicht-tödliches kardiovaskuläres Risiko empfohlen (Klasse I/Evidenzgrad B). Es werden drei Risikokategorien unterschieden.

Hohes Risiko
• Personen mit einem der folgenden Befunde: stark erhöhter einzelner Risikofaktor, insbesondere Gesamtcholesterin >8 mmol/l, LDL-C >4,9 mmol/l oder Blutdruck ≥ 180/110 mmHg).
• Familiäre Hypercholesterinämie (FH) ohne weitere wichtige Risikofaktoren.
• Patienten mit Diabetes mellitus ohne Zielorganschäden mit einer Diabetesdauer von ≥10 Jahren oder einem anderen zusätzlichen Risikofaktor.
• Moderate CKD (eGFR 30–59 ml/min (1.73 m²)).
• Ein kalkuliertes SCORE2- oder SCORE2-OP-Risiko von 10–20 % für das 10-Jahres-Risiko für tödliche oder nicht-tödliche kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD).

Mittleres Risiko
Personen mit einem der folgenden Merkmale:
• Junge Patienten mit T1DM (Diagnose vor dem 35. Lebensjahr) oder T2DM (Diagnose vor dem 50. Lebensjahr) mit einer Diabetesdauer von weniger als 10 Jahren ohne andere Risikofaktoren und einem berechneten SCORE2 oder SCORE2 OB ≥2 % und <10 % für das 10-jährige Risiko für tödliche oder nicht tödliche kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD).

Niedriges Risiko
• Berechneter SCORE2 oder SCORE2-OP von <2 % für das 10-Jahresrisiko für tödliche oder nicht tödliche kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD).

Wichtige Botschaften

Das ESC/EAS Focus Update zu Dyslipidämien betont die Bedeutung einer frühzeitigen, personalisierten und aggressiven lipidsenkenden Therapie. Es werden die Integration von SCORE2/Scores 2-OP, die Berücksichtigung von Lp(a) und der lebenslangen LDL-C-Exposition, die Erweiterung der Behandlungsoptionen (vermehrte Kombination mit Ezetimib und Bempedoinsäure) sowie die Einführung neuer Präventionsstrategien bei HIV und Kardio-Onkologie thematisiert.

Was wissen Patienten über kardiovaskuläre Prävention?


Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind mit einer hohen Krankheitslast verbunden und die häufigste Todesursache. Die wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Bluthochdruck, Hyperlipidämie und Diabetes, können mit Medikamenten wirksam behandelt werden. Eine gute Therapietreue setzt auch ausreichendes Wissen der Betroffenen voraus. Prof. Thomas Rosemann aus Zürich berichtete über eine Publikumsumfrage zur kardiovaskulären Prävention. Über ein Gesundheitsmagazin wurde ein anonymer Fragebogen an die Leser verteilt, den 3166 Personen beantworteten. Neben demografischen Daten wurden der Gesundheitszustand, die Kenntnis der persönlichen Werte (z. B. Blutdruck, Cholesterin) und die Einschätzung der Risikofaktoren erfasst. Die Ergebnisse wurden ausführlich in der Zeitschrift «PRAXIS» veröffentlicht. Die Mehrheit der Befragten war sich der Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der Möglichkeit ihrer Behandlung bewusst. Körperliche Bewegung und Ernährung wurden als besonders wichtige Faktoren angesehen. Am bekanntesten waren der Blutdruck und der Body-Mass-Index. Als die stärksten Risikofaktoren wurden Rauchen, Cholesterin, Bluthochdruck und Bewegungsmangel eingeschätzt.

Die Ergebnisse zeigen einerseits erfreuliche Grundkenntnisse, andererseits aber auch Defizite. So unterschätzte ein erheblicher Anteil das mit dem Rauchen verbundene Risiko. Ein grosser Teil der Patientinnen und Patienten erreicht die für ihre Risikokategorie empfohlenen Zielwerte für Blutdruck und Lipide nicht. Ärzte sind in Bezug auf Lipide als Risikofaktor und medikamentöse Therapien teilweise skeptischer als Patienten. Die Mehrheit der Befragten lehnte die Aussage ab, Herz-Kreislauf-Erkrankungen seien in erster Linie eine Erfindung der Pharmaindustrie.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

ESMO in the ALPS 2025

Das 6. «ESMO in the Alps» wurde im KKL Luzern mit einer inspirierenden Eröffnungsrede von Prof. Dr. med. Miklos Pless, (Winterthur) dem Präsidenten des Swiss Cancer Institute eröffnet. Schweizer Experten hatten die neuesten Erkenntnisse aus der Onkologie ausgewählt, die auf dem ESMO-Kongress 2025 in Berlin präsentiert wurden, und kommentierten sie. Der zweite Teil dieses Berichts bietet eine Übersicht zu den Brust-, gynäkologischen und urogenitalen Krebserkrankungen.

Urogenitale Karzinome

Die Experten Prof. Silke Gillessen Sommer, EOC und Prof. Arnoud Templeton, St. Claraspital Basel stellten vier Studien zu diesem Thema vor.

Teil 1: Urothelkarzinom

Disitamab vedotin (DV) + Toripalimab (T) vs. 1L-Chemotherapie bei metastasiertem Urothelkarzinom mit HER2-Expression: DV + Tor + CAPOX zeigte eine überlegene ORR und ein längeres PFS bei akzeptablem Sicherheitsprofil; eine reduzierte CAPOX-Dosis verbesserte die Verträglichkeit bei gleichbleibender Wirksamkeit.

KN-905/EV303: Perioperative EV-P bei CIS unfitten Patienten mit cMO MIBC: EFS und OS- Benefit. In der Studie KEYNOTE-905/EV-303 zeigte die Kombination aus einem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat und einer Immuntherapie statistisch signifikante und klinisch bedeutsame Verbesserungen hinsichtlich des ereignisfreien Überlebens und des Gesamtüberlebens.

Die Kombination von Enfortumab Vedotin (EV) – einem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat – und Pembrolizumab vor und nach einer radikalen Zystektomie und einer pelvinen Lymphknotenentfernung könnte laut den auf dem Präsidialsymposium des ESMO-Kongresses 2025 vorgestellten Ergebnissen ein potenzieller neuer Behandlungsstandard für Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs (MIBC) sein, die nicht für eine Behandlung mit Cisplatin in Frage kommen. «KEYNOTE-905/EV-303 wurde als positive Studie erwartet, da die Studienbehandlung mit einer alleinigen Operation verglichen wird und beide systemischen Therapien als hochwirksam bekannt sind, aber die von den Forschern berichteten Hazard Ratios (HRs) für das ereignisfreie Überleben und das Gesamtüberleben sind bei dieser gefährdeten Patientengruppe besonders beeindruckend», sagte Dr. Jonathan Rosenberg vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center, New York, USA, zur Diskussion der Studienergebnisse (siehe Kasten).

IMvigor011: Dr. Powles (London) und Kollegen berichteten über die primäre Analyse der globalen, randomisierten, doppelblinden Phase-3-Studie IMvigor011, in der ctDNA-gesteuertes Atezolizumab im Vergleich zu Placebo untersucht wurde. Atezolizumab als adjuvante Therapie zeigte bei Patientinnen und Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs, die durch serielle molekulare Tests auf Restkrankheit als ctDNA+ identifiziert wurden, eine statistisch signifikante Verbesserung des krankheitsfreien Überlebens und des Gesamtüberlebens im Vergleich zu Placebo. Der klinische Nutzen war in wichtigen Untergruppen im Allgemeinen konsistent. Patientinnen und Patienten, die bei den Tests durchgehend ctDNA– waren, wiesen ein geringes Risiko für ein Rezidiv und den Tod auf. Das Sicherheitsprofil von Atezolizumab war verträglich, es gab keine neuen Erkenntnisse.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass durch serielle ctDNA-Überwachung Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs identifiziert werden können, die von einer adjuvanten Behandlung mit Atezolizumab profitieren, während Patienten, die bei den Tests durchgehend ctDNA– sind, vor einer unnötigen Behandlung verschont bleiben.

Enfortumab Vedotin + Pembrolizumab wurde als Standard Erstlinientherapie für lokal fortgeschrittenes oder metastasierendes Urothelkarzinom mit anhaltendem Überlebens-Benefit und konsistenten Resultaten bei verschiedenen Patientensubgruppen, inklusive ältere Patienten bestätigt.

Teil 2: Prostatakarzinom

Beim metastasierenden Hormon-sensitiven Prostatakarzinom mHSPC werden 4 klinische Gruppen unterschieden: Synchrones, hohes Volumen, synchrones geringes Volumen metachronisch (rezidiviert) hohes Volumen, metachronisch (rezidiviert) geringes Volumen. In der EMBARK- Studie, die von Dr. Neil Shore (Myrtle Beach, South Carolina) vorgestellt wurde, wurde die Wirksamkeit und Sicherheit von Enzalutamid + ADT mit Enzalutamid allein bei biochemisch rezidiviertem Prostatakarzinom verglichen. Die Resultate legen nahe, dass Enzalutamid eine wichtige Ergänzung der Behandlung von Patienten mit hochriskantem biochemisch rezidivierendem Prostatakarzinom sein könnte und möglicherweise den Behandlungsstandard für diese Patientengruppe verändern wird. Die Ergebnisse der Studie sprechen für einen früheren Einsatz von Androgenrezeptor-Inhibitoren im Behandlungsverlauf, was die Behandlungsergebnisse für die Patienten deutlich verbessern könnte.

CAPitello-281

In CAPitello wurde Capivasertib + Abiraterone mit Placebo + Abiraterone bei Patienten mit PTEN defizientem de novo metastasierendem Hormon-sensitivem Prostatakarzinom in Phase III verglichen. Die Schlussfolgerungen von Prof. Karim Fizazi (Institut Gustave Roussy and Centre Oscar Lambret), zu CAPitello-281 waren: Patienten mit PTEN-defizientem mHSPC haben eine schlechte Prognose und profitieren nur in geringem Masse von der derzeitigen Standardtherapie. CAPItello-281 erreichte sein primäres Ziel und zeigte einen statistisch signifikanten rPFS-Vorteil mit Capi + Abi gegenüber Placebo + ABI. – Medianes rPFS im Capi + Abi-Arm 33,2 Monate gegenüber 25,7 Monaten im PBO + Abi-Arm; p = 0,034. Konsistente Vorteile wurden auch bei sekundären Endpunkten und in klinisch relevanten vordefinierten Untergruppen beobachtet. Das OS war noch nicht ausgereift, und eine weitere Nachbeobachtung ist geplant. Post-hoc-Analysen bei erhöhten PTEN-Cut-offs zeigen eine grössere Behandlungswirkung mit Capi+Abi. Die häufigsten Nebenwirkungen <3 Grad wie Hautausschlag und Hyperglykämie sind bei AKT-Hemmung zu erwarten. Abi + CAPi stellt eine potenzielle First-in-Class-Therapie bei Patienten mit PTEN-defizientem mHSPC dar.

PSMAddition 177Lu-PSMA-617

Die von Prof. Scott Tagawa (New York) präsentierte Phase-III-Studie zeigte, dass die Zugabe von 177Lu-PSMA-617 zu ADT + ARPI das radiografische progressionsfreie Überleben (rPFS) bei PSMA-positivem metastasiertem hormonsensitivem Prostatakrebs (mHSPC) im Vergleich zur Standardtherapie mit ADT + ARPI allein signifikant verbesserte, mit einem günstigen Trend beim Gesamtüberleben, einer überschaubaren Sicherheit und ohne wesentliche Auswirkungen auf die Lebensqualität. Die Zugabe der Radioligandentherapie führte zu einer 28-prozentigen Verringerung des Risikos einer radiologischen Progression oder des Todes. PSMAddition ist die erste Phase 3 Studie mit einer zielgerichteten Radioligandentherapie bei Patienten mit mHSPC.

Prostatakarzinom: mHSPC Take Home Messages

Eine ADT- und ARPI-basierte systemische Therapie ist für die meisten Patienten immer noch der Standard of Care. Die Zugabe von Capivasertib führt zu einem geringen Nutzen im rPFS (HR 0,81), jedoch noch nicht im OS, und fügt zusätzliche Toxizität hinzu. Das ändert die Praxis nicht. Die Zugabe von sechs Zyklen 177Lu-PSMA-617 führt zu einem Benefit beim rPFS, aber nicht beim OS, und fügt erhebliche Toxizität hinzu. (Inklusive Langzeitoxizität, ändert die Praxis nicht.)

Metastasierendes kastrationsresistentes Prostatakarzinom: mCRPC und 177Lu-PSMA-617

Das «VISION ARPI + Taxan-Protokoll» bezieht sich auf eine Sekundäranalyse der VISION-Studienergebnisse, die auf dem ESMO-Kongress 2025 vorgestellt wurde oder damit in Zusammenhang steht und den Nutzen einer Kombination aus 177Lu-PSMA-617-Radioligandentherapie mit Androgenrezeptor-Pathway-Inhibitoren (ARPIs) und Taxan-basierter Chemotherapie bei Patienten mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakrebs (mCRPC) untersucht. Die Analyse legt nahe, dass die Zugabe von ARPIs zu 177Lu-PSMA-617 die Gesamtüberlebensrate verbessern kann, selbst nach einer vorherigen taxanbasierten Behandlung.

PSMAfore

Die PSMAfore-Studie, war eine Phase-III-Studie die 177Lu-PSMA-617 (eine gezielte Radioligandentherapie) mit einer Umstellung auf ARPI (Androgenrezeptor-Pathway-Inhibitor) bei PSMA-positivem metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakrebs (mCRPC) verglich. Sie zeigte eine verlängerte radiografische progressionsfreie Überlebenszeit, jedoch aufgrund hoher Crossover-Raten keine statistisch signifikante Gesamtüberlebenszeit, unterstützte jedoch die Anwendung in dieser Taxan-naiven Situation. Die im August 2025 vorgestellte und auf der ESMO diskutierte endgültige Analyse der Studie hob die überschaubare Sicherheit und die Vorteile bei anderen sekundären Endpunkten hervor.

CCTG PR21: Phase-II-Studie 177Lu-PSMA-617 vs. Docetaxel bei PSMA+ mCRPC

Dr. Kim Chi (Vancouver) präsentierte die Studie PR.21 der Canadian Cancer Trials Group (CCTG), eine randomisierte Phase-II-Studie zum Vergleich von 177Lu-PSMA-617 mit Docetaxel bei mCRPC-Patienten mit PSMA-positiver Erkrankung.

Dr. Chi stellte fest, dass 177Lu-PSMA-617 das radiografische progressionsfreie Überleben (rPFS) bei Taxan-naiven Patienten mit mCRPC im Vergleich zu einem Wechsel zu einem Androgenrezeptor-Pathway-Inhibitor (ARPI) verlängert. Mit 177Lu-PSMA-617 betrug das mediane rPFS 11,6 Monate und das mediane Gesamtüberleben (OS) 24,5 Monate. Primärer Endpunkt: rPFS (ITT) HR 1.01; p = 0.51. Das mediane rPFS betrug 8,6 Monate unter 177Lu-PSMA-617 und 10,7 Monate unter Docetaxel.

Prostatakrebs: mCRPC, Take Home Messages

OS mit Docetaxel signifikant besser gegenüber 177LuPSMA-617 bei Patienten mit mCRPC nach ARPI. Wir müssen die Chemophobie überwinden; einige (fitte) Patienten profitieren von Taxanen.

Brust und Gynäkologische Krebserkrankungen

Die Experten Dr. med. Elena Kralidis, Brust-Zentrum Zürich, und Prof. Dr. med. Stefan Aebi, Luzerner Kantonsspital, präsentierten Ergebnisse zu Brust- und gynäkologischen Krebserkrankungen.

DESTINY-Breast05

Dr. Sara Tolaney (Dana-Farber Cancer Institute, Boston) stellte eine Zwischenanalyse von DESTINY-Breast05 vor: Trastuzumab Deruxtecan (T-DXd) reduzierte bei Patientinnen mit hochriskantem, HER2-positivem frühem Brustkrebs und residueller invasiver Erkrankung nach neoadjuvanter Therapie das Rezidivrisiko im Vergleich zu Trastuzumab Emtansine (T-DM1) um rund 50 %. Eine längere Nachbeobachtung ist nötig, um einzelne Signale (u. a. ZNS-Ereignisse) zu bestätigen. Diskutiert wurde zudem der prä- vs. postoperative Einsatz von T-DXd.

Prä-operativ:
1. pCR-Rate verbessert, weniger axilläre Operationen
2. Kürzerer Verlauf. T-DXd 4 Zyklen vs. 14 Zyklen
3. Weniger Toxizität da nur während 4 Zyklen gegeben
4. Könnte in besserer Lebensqualität für Patienten resultieren

Post-operativ:
1. Könnte eine de-eskalierte präoperative Therapie ermöglichen, die diejenigen Patienten mit pCR T-DXd verschont, aber diejenigen mit RD erhalten schlussendlich 14 Zyklen

monarchE: Primäre OS-Daten zur adjuvanten Therapie mit Abemaciclib + ET bei HR+/HER2- Brustkrebs

Wie Prof. Stephen Johnston (London) darlegte, hat die monarchE-Studie einen wichtigen Meilenstein in der Behandlung von Hormonrezeptor-positivem (HR+), HER2-negativem, lymphknotenpositivem, hochriskantem Brustkrebs im Frühstadium erreicht. Eine zweijährige adjuvante Behandlung mit Abemaciclib in Kombination mit einer endokrinen Therapie (Verzenio) führte zu einer statistisch signifikanten und klinisch bedeutsamen Verbesserung der Gesamtüberlebensrate (OS) im Vergleich zu einer alleinigen endokrinen Therapie (ET) und bestätigte somit den langfristigen Nutzen einer CDK4/6-Therapie.

POSITIVE trial

Die POSITIVE-Studie untersuchte die Sicherheit des Abbruchs der endokrinen Therapie bei hormonrezeptorpositivem Brustkrebs, um eine Schwangerschaft zu versuchen. An dieser Studie nahmen 518 Frauen im Alter von bis zu 42 Jahren (Durchschnittsalter 37 Jahre) teil, die eine 18- bis 24-monatige endokrine Therapie abgeschlossen und diese dann abgebrochen hatten, um eine Schwangerschaft zu versuchen. Die Patientinnen wurden zwischen 2014 und 2019 in die Studie aufgenommen (bevor die CDK 4/6-Inhibitoren Abemaciclib und Ribociclib zugelassen und bei Brustkrebs im Frühstadium eingesetzt wurden). Es war eine dreimonatige Auswaschphase (Zeit ohne Medikamenteneinnahme vor dem Versuch einer Schwangerschaft) erforderlich, und die Studienteilnehmerinnen hatten bis zu zwei Jahre Zeit, um für eine Schwangerschaft auf die endokrine Therapie zu verzichten. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse kommen die Autoren zu dem Schluss, dass eine vorübergehende Unterbrechung der ET für eine Schwangerschaft das Risiko für Brustkrebsereignisse nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 71 Monaten nicht erhöht. Mehr als zwei Drittel der Frauen hatten eine Lebendgeburt und die meisten nahmen die endokrine Therapie gemäss Protokoll wieder auf. Wir müssen die Nachbeobachtung fortsetzen, aber diese Daten sind sicherlich beruhigend. Eine weitere Nachbeobachtung ist bis 2029 geplant.

Fünf-Jahres-Follow-up der Wirksamkeitsergebnisse der NATALEE-Studie und aktualisierte Gesamtüberlebensrate

Adjuvante Therapie mit Ribociclib plus nichtsteroidalen Aromatasehemmern bei Patientinnen mit HR-positivem/HER2-negativem Brustkrebs im Frühstadium. Diese vorab festgelegte 5-Jahres-Nachbeobachtung der Wirksamkeitsergebnisse aus der NATALEE-Studie, die von Prof. John Crown (Dublin) präsentiert wurde, zeigte, dass Ribociclib in Kombination mit nichtsteroidalen Aromatasehemmern das Risiko eines Rezidivs über den 3-Jahres-Behandlungszeitraum hinaus weiter senkte, was den Einsatz als adjuvante Therapie bei Patientinnen mit HR-positivem/HER2-negativem Brustkrebs im Frühstadium unterstützt. Es wurde ein anhaltender positiver Trend hinsichtlich der Verbesserung der Gesamtüberlebenszeit zugunsten von Ribociclib + NSAI beobachtet.

TROPION BREAST02

In der Studie TROIAN BREAST02 wurde der Wirkstoff Datopotamab Deruxtecan (auch Dato-DXd oder Datroway genannt) bei Patientinnen mit zuvor unbehandeltem, lokal rezidivierendem, inoperablem oder metastasiertem, dreifach negativem Brustkrebs (TNBC) untersucht. Teilnahmeberechtigt waren Patientinnen, die nicht für eine Therapie mit PD-1/PD-L1-Inhibitoren infrage kamen. Datopotamab Deruxtecan wurde mit einer vom Prüfer ausgewählten Chemotherapie (Paclitaxel, Nab-Paclitaxel, Capecitabin, Carboplatin oder Eribulin) verglichen.

Die primären Endpunkte waren progressionsfreies Überleben (PFS) und Gesamtüberleben (OS). Datopotamab Deruxtecan zeigte im Vergleich zur Chemotherapie eine statistisch signifikante und klinisch bedeutsame Verbesserung sowohl des progressionsfreien Überlebens (PFS) als auch des Gesamtüberlebens (OS), einschliesslich einer Verbesserung des medianen Gesamtüberlebens um fünf Monate. Dies sind die ersten positiven Ergebnisse einer First-Line-Studie zu TNBC, die einen signifikanten Überlebensvorteil für ein ADC zeigen.

TROP2-gerichtete ADCs Sacituzumab Govitecan und Datopotamab Deruxtecan erreichen ihre primären Endpunkte in Phase-III-Studien ASCENT-03

Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) gegen TROP2 rücken weiter in frühere Behandlungslinien vor, darunter auch die Erstlinienbehandlung des dreifach negativen Brustkrebses. In ASCENT-03 wurden ADCs gegen TROP2 mit einer Chemotherapie bei Patientinnen mit zuvor unbehandeltem, fortgeschrittenem TNBC verglichen, die nicht für eine Immuntherapie infrage kommen. In der ASCENT-03-Studie mit 558 Patientinnen und Patienten war das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) unter Sacituzumab Govitecan im Vergleich zur Chemotherapie signifikant länger (9,7 vs. 6,9 Monate; HR 0,62; 95-%-KI 0,50–0,77; p<0,0001). Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 13,2 Monaten sind die Daten zum Gesamtüberleben (OS) noch nicht ausgereift. Die objektiven Ansprechraten (ORR) waren ähnlich (48 % vs. 46 %), die mediane Ansprechdauer (DOR) war unter Sacituzumab Govitecan länger (12,2 vs. 7,2 Monate). Die Rate behandlungsbedingter unerwünschter Ereignisse Grad ≥3 betrug 66 % unter Sacituzumab Govitecan und 62 % unter Chemotherapie; Therapieabbrüche waren unter Sacituzumab Govitecan seltener (4 % vs. 12 %).

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

SOHC 2025 – Erhaltungstherapien im fortgeschrittenen Stadium

Die Therapieoptionen zur Behandlung des fortgeschrittenen kleinzelligen Lungenkarzinoms (SCLC, small cell lung cancer) haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt [1, 2]. Anlässlich der vielen Neuerungen kamen am Swiss Oncology and Haematology Congress (SOHC) am 19. November 2025 in Basel mehrere Expert/-innen aus der ganzen Schweiz zusammen, um anhand eines Patientenfalls über die Anwendung der neuen Therapieoptionen zu diskutieren.

Lungenkarzinome sind noch immer die häufigste krebsbedingte Todesursache [1]. In 12–15% der Fälle liegt ein SCLC vor, welches bei den meisten Patient/-innen (60–70%) bereits bei Diagnose in einem fortgeschrittenen Stadium (ES, extensive stage) ist. Noch bis 2019 standen für die Behandlung des ES-SCLC nur die Chemo- und Strahlentherapie zur Verfügung [2]. Mit den Ergebnissen der IMpower-133- und CASPIAN-Studien wurde die Chemoimmuntherapie (CIT) plus anschliessende Erhaltungstherapie mit Atezolizumab oder Durvalumab zum neuen Standard [1, 3, 4]. Zudem zeigte die aktuelle IMforte-Studie, dass eine Hinzugabe von Lurbinectedin zur Erhaltungstherapie mit Atezolizumab das Outcome der Patient/-innen weiter verbessern kann [5]. Unter der Moderation von Prof. Dr. Alessandra Curioni Fontecedro (Kantonsspital Fribourg) tauschten sich die Expert/-innen Prof. Dr. Martin Früh (Kantonsspital St. Gallen), Prof. Dr. Alfredo Addeo (Universitätsspital Genf), Dr. Nuria Neisy Mederos Alfonso (Universitätsspital Vaud), Dr. Martina Imbimbo (Kantonsspital Ticino) und Dr. Ulrich Richter (Universitätsspital Zürich) anhand eines Patientenfalls von Dr. Alexander Meisel (Kantonsspital Glarus) zu den neuen Behandlungsoptionen aus.

ES-SCLC in der klinischen Praxis: ein Patientenfall

Dr. Meisel startete die Gesprächsrunde mit einem Patientenfall: der 79-jährige Patient stellte sich im Dezember 2024 mit Thoraxschmerzen und Belastungsdyspnoe vor. Er war ehemaliger Raucher mit zusätzlicher Asbest-Belastung in der Vergangenheit und zeigte stark erhöhtes LDH sowie erhöhte Leberwerte. Eine peritoneale Biopsie führte zur Diagnose eines Slfn11-positiven SCLC mit TP53 und CDKN2A-Mutation. Dr. Meisel entschied sich für das IMpower-133-Regimen (Atezolizumab + Carboplatin + Etoposide) [3], mit welchem die detektierte pulmonale Masse sowie die Lebermetastasen nach 6 Zyklen zurückgingen (Teilremission). Er bekam die Genehmigung für den Einsatz des IMforte-Regimens und nach 4 Zyklen dieser Behandlung kam es zu einer weiteren Verkleinerung der Läsionen (nahezu vollständiges Ansprechen). Über 11 Monate wurde dann keine Progression festgestellt. Der Tumormarker NSE war bereits nach dem ersten Zyklus der 1L-Therapie unter den Schwellenwert von 20 µg/l abgesunken und blieb auch unter der Erhaltungstherapie auf tiefem Niveau. Insgesamt vertrug der Patient die Therapie gut und zeigte hauptsächlich Nebenwirkungen geringen Grades (≤2). Unter der Erhaltungstherapie wurde eine Neutropenie 3. Grades festgestellt, welche jedoch mit zwei GCS-F-Gaben behoben werden konnte.

Bewertung der neuen Therapieoptionen durch Expert/-innen

Prof. Früh stellte fest, dass sich durch das Add-On Lurbinectedin zur Erhaltungstherapie neue Möglichkeiten für SCLC-Patient/-innen ergeben. In seiner Erfahrung ist die Verträglichkeit des erweiterten Regimes gut, aber es sollte zwingend GCS-F gegeben werden, um der Neutropenie entgegenzuwirken. Patient/-innen sollten dabei immer in den Therapieentscheid miteinbezogen werden. Prof. Früh erwartet sich durch die Zugabe von Lurbinectedin zur Erhaltungstherapie eine Zunahme an Patient/-innen, welche zur Zweitlinientherapie (2L) fortschreiten können. Dr. Imbimbo stimmt ihm zu, dass eine Intensivierung der Erhaltungstherapie vor allem bei jüngeren Patient/-innen sinnvoll ist, um eine schnelle Progression zu verhindern. Prof. Addeo wirft ein, dass die Datenlage sehr vielversprechend sei, er aber bei unfitten Patient/-innen oder bei Hirnmetastasen die Erhaltungstherapie nicht intensivieren würde. Das Alter selbst sei für ihn aber keine Limitation. Auch Dr. Richter fügt hinzu, dass er anfangs aufgrund der assoziierten Hämatotoxizität Bedenken hatte und weist darauf hin, dass in der 2L aktuell nur Chemotherapeutika zur Verfügung stehen. In Zukunft sind jedoch etwa mit dem bispezifischen T-Cell-Engager Tarlatamab [6] wirksamere 2L-Therapien in Aussicht, welche ein anderes Spektrum an Nebenwirkungen zeigen. Im Hinblick darauf würde auch Dr. Richter die Erhaltungstherapie intensivieren, sodass Patient/-innen eine bessere Chance auf eine 2L-Therapie erhalten. Dr. Mederos fügt hinzu, dass sie für ihre Patient/-innen in der 2L vor allem klinische Studien mit Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten bevorzugt. Sie stimmt zu, dass die Zugabe von Lurbinectedin zur Erhaltungstherapie eine gute Option darstellt, und die Nebenwirkungen normalerweise handhabbar sind. Die einzige Limitierung für den Einsatz der intensivierten Erhaltungstherapie sieht auch sie bei Hirnmetastasen und Patient/-innen mit einem ECOG PS von >2.

Fazit

Prof. Curioni fasst zusammen, dass die Zusammenkunft der Expert/-innen aus so vielen Kantonen der Schweiz eine wahre Bereicherung für den Austausch war und eine Möglichkeit bot, die derzeit stark im Wandel stehende Behandlungslandschaft des ES-SCLC besser zu verstehen. ES-SCLC-Patient/-innen erhalten dank der neuen Behandlungsoptionen immer öfter die Chance auf eine 2L-Therapie und mit den erwarteten Zulassungen sollten sich diese Chance in Zukunft noch verbessern.

Abkürzungen:
ECOG PS = Eastern Cooperative Oncology Group Performance Status, GCS-F = Granulozyten-stimulierender Faktor, LDH = Laktat-Dehydrogenase, NSE = Neuronen-spezifische Enolase

Quelle:
«Small Cell Lung Cancer: How the treatment paradigm is evolving? A Patient Case-based Discussion.» Präsentiert am SOHC, 19. November 2025, Basel, Schweiz.

1. Onkopedia Leitlinie. Lungenkarzinom, kleinzellig (SCLC). Stand: September 2025. Abrufbar unter: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/lungenkarzinom-kleinzellig-sclc/@@guideline/html/index.html. Letzter Zugriff: November 2025.
2. Deutsches Krebsforschungszentrum, Krebsinformationsdienst. Neue Therapieoptionen beim kleinzelligen Lungenkrebs – erste Immuntherapie für das SCLC zugelassen. Stand: November 2019. Abrufbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/fachkreise/nachrichten/detail/neue-therapieoptionen-beim-kleinzelligen-lungenkrebs, letzter Zugriff: November 2025.
3. Horn, L., et al., First-Line Atezolizumab plus Chemotherapy in Extensive-Stage Small-Cell Lung Cancer. N Engl J Med, 2018. 379(23): p. 2220-2229.
4. Paz-Ares, L., et al., Durvalumab, with or without tremelimumab, plus platinum-etoposide in first-line treatment of extensive-stage small-cell lung cancer: 3-year overall survival update from CASPIAN. ESMO Open, 2022. 7(2): p. 100408.
5. Paz-Ares, L., et al., Efficacy and safety of first-line maintenance therapy with lurbinectedin plus atezolizumab in extensive-stage small-cell lung cancer (IMforte): a randomised, multicentre, open-label, phase 3 trial. Lancet, 2025. 405(10495): p. 2129-2143.
6. Mountzios, G., et al., Tarlatamab in Small-Cell Lung Cancer after Platinum-Based Chemotherapy. N Engl J Med, 2025. 393(4): p. 349-361.