Fünfundzwanzig Jahre Diabetologie am USZ – Abschied von Prof. Roger Lehmann

Am 19. November nahmen zahlreiche Kolleginnen, Kollegen, Wegbegleiter und viele ehemalige und derzeitige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Abschied von Prof. Roger Lehmann in einem bestens gefüllten grossen Hörsaal. Gleichzeitig wurde die Labhart-Schwyzer-Medaille an Prof. Giatgen Spinas verliehen.

Würdigung von Prof. Roger Lehmann und seinem Lebenswerk am USZ

Im Mittelpunkt des Abends stand der Abschied von Prof. Roger Lehmann, der nach 25 Jahren am Universitätsspital Zürich eine zentrale klinische, akademische und organisatorische Rolle in der Diabetologie und Transplantationsmedizin innehatte. Sein Engagement für die Weiterentwicklung der Inselzelltransplantation, seine langjährige Tätigkeit als Forscher, Kliniker und Mentor sowie seine national und international anerkannte Expertise im Bereich Diabetes und Transplantationsmedizin wurden von zahlreichen Rednerinnen und Rednern hervorgehoben. Auch sein Wirken als Mitglied verschiedener Fachgesellschaften und als Editor wissenschaftlicher Zeitschriften fand besondere Erwähnung.

Akademischer Rückblick, Fachvorträge und Ausklang des Abends

Nach der Begrüssung und der Verleihung des Labhart-Schwyzer Stipendiums an Dr. David Colameo führte Prof. Felix Beuschlein in den akademischen Teil über. Der Festvortrag von Prof. Giatgen Spinas («Serendipity. Die Entwicklung der Endokrinologie am USZ») bot einen historischen und zugleich sehr persönlichen Rückblick auf die Entwicklung der Endokrinologie und Diabetologie am USZ. Es folgten Vorträge u. a. von Prof. Peter Wiesli, Prof. Michael Brändle, Dr. Richard Züllig, Prof. Philipp Gerber und Prof. Barbara Ludwig, die Aspekte von Lifestyle-Medizin über moderne Diabetesklassifikation bis zu translationalen Konzepten der Inselzelltherapie beleuchteten. Die Vorträge werden in späteren Ausgaben der Zeitschriften der «informierte arzt» und inf@herz&gefäss veröffentlicht werden.

Der Anlass klang in einem Apéro riche aus, der Gelegenheit für regen Austausch, persönliche Würdigungen und viele gemeinsame Erinnerungen bot.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

Fünfundzwanzig Jahre Diabetologie am USZ – Abschied von Prof. Roger Lehmann

Am 19. Dezember nahmen zahlreiche Kolleginnen, Kollegen, Wegbegleiter und viele ehemalige und derzeitige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Abschied von Prof. Roger Lehmann in einem bestens gefüllten grossen Hörsaal.
Gleichzeitig wurde die Labhart-Schwyzer-Medaille an Prof. Giatgen Spinas verliehen.

Würdigung von Prof. Roger Lehmann und seinem Lebenswerk am USZ

Im Mittelpunkt des Abends stand der Abschied von Prof. Roger Lehmann, der nach 25 Jahren am Universitätsspital Zürich eine zentrale klinische, akademische und organisatorische Rolle in der Diabetologie und Transplantationsmedizin innehatte. Sein Engagement für die Weiterentwicklung der Inselzelltransplantation, seine langjährige Tätigkeit als Forscher, Kliniker und Mentor sowie seine national und international anerkannte Expertise im Bereich Diabetes und Transplantationsmedizin wurden von zahlreichen Rednerinnen und Rednern hervorgehoben. Auch sein Wirken als Mitglied verschiedener Fachgesellschaften und als Editor wissenschaftlicher Zeitschriften fand besondere Erwähnung.

Akademischer Rückblick, Fachvorträge und Ausklang des Abends

Nach der Begrüssung und der Verleihung des Labhart-Schwyzer Stipendiums an Dr. David Colameo führte Prof. Felix Beuschlein in den akademischen Teil über. Der Festvortrag von Prof. Giatgen Spinas («Serendipity. Die Entwicklung der Endokrinologie am USZ») bot einen historischen und zugleich sehr persönlichen Rückblick auf die Entwicklung der Endokrinologie und Diabetologie am USZ. Es folgten Vorträge u. a. von Prof. Peter Wiesli, Prof. Michael Brändle, Dr. Richard Züllig, Prof. Philipp Gerber und Prof. Barbara Ludwig, die Aspekte von Lifestyle-Medizin über moderne Diabetesklassifikation bis zu translationalen Konzepten der Inselzelltherapie beleuchteten. Die Vorträge werden in einer späteren Ausgaben der «info@herz+gefäss» veröffentlicht werden.

Der Anlass klang in einem Apéro riche aus, der Gelegenheit für regen Austausch, persönliche Würdigungen und viele gemeinsame Erinnerungen bot.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

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SWISS BRIDGE AWARD 2025

Seit einem Vierteljahrhundert setzt die Swiss Bridge Foundation mit dem SWISS BRIDGE AWARD ein starkes Zeichen für die europäische Krebsforschung. In der diesjährigen Ausschreibung zur Präzisionsmedizin wurden zwei Projekte ausgezeichnet, die neue therapeutische Angriffspunkte erschliessen wollen – und dafür insgesamt 500 000 Franken Fördergeld erhalten.

v.l.n.r.: Philip Lübke, Dr. Inmaculada Martinez Reyes, Prof. Jakob Passweg, Prof. Andreas Moor und Prof. Adrian Ochsenbein

Seit 25 Jahren eine der bedeutendsten Auszeichnungen in der Krebsforschung

Wie Philipp Lübcke, der CEO der SWISS BRIDGE FOUNDATION, in seiner Begrüssung betonte, wird der mit insgesamt 500 000 CHF dotierte SWISS BRIDGE AWARD seit 25 Jahren von der Stiftung Swiss Bridge an herausragende Forscher verliehen. Damit ist der SWISS BRIDGE AWARD eine der bedeutendsten Auszeichnungen in der europäischen Krebsforschung.


Das Thema des diesjährigen Forschungspreises lautete: «Neue Angriffspunkte in der Präzisionsmedizin». Den Preis erhielten Frau Dr. Inmaculada Martinez Reyes vom Deutschen Krebsforschungszentrum und der Charité-Universitätsmedizin Berlin sowie Prof. Dr. Andreas Moor von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Sie erhalten jeweils 250 000 CHF für die Realisierung ihrer vielversprechenden Forschungsprojekte.

Bedeutende Fortschritte der Krebsforschung in den letzten beiden Jahrzehnten

Der Präsident der SWISS BRIDGE FOUNDATION, Prof. Jakob Passweg, wies in seiner Eröffnungsrede auf die Fortschritte in der Behandlung von Krebserkrankungen hin und erläuterte dies am Beispiel einer seiner Patientinnen mit einer akuten myeloischen Leukämie die noch vor zehn Jahren an ihrer Krankheit verstorben wäre. Sie hat eine Stammzelltransplantation erhalten und darauf einen Rückfall erlebt. Sie hat Ivosidenib darauf erhalten, ein gezieltes Antikrebs-Medikament, welches die mutierte Isocitrat Dehydrogenase-1 (IDH1) hemmt und bei Patienten, die diese Mutation aufweisen, eingesetzt werden kann. Nach anderthalb Jahren Therapie ist nichts mehr von der Leukämie feststellbar.

IDH1 wurde vor etwa 15 bis 20 Jahren entdeckt, Medikamente etwa vor 4-5 Jahren, auf dem Markt sind sie seit letztem Jahr.

«Das sind etwa die Zeiträume mit denen wir arbeiten. Die Entdeckungen, die heute gemacht werden, werden etwa in 15 Jahren zur Anwendung kommen» so Prof Passweg. Er dankte allen Spendern, die ein Fortbestehen der Stiftung und die Unterstützung weiterer Forschungsprojekte ermöglichen. Die diesjährige Ausschreibung des SWISS BRIDGE AWARDS war denn auch der Erforschung neuer Angriffspunkte in der Präzisionsonkologie gewidmet.

Mechanismen der Präzisionsonkologie

Der Präsident der Wissenschaftlichen Jury, Prof. Adrian Ochsenbein, gab einen kurzen Einblick in die Mechanismen der Präzisionsonkologie. Dabei nutzt man die Spezifität von Antikörpern zur Behandlung von Tumoren. Er nannte insbesondere das Medikament Herceptin, das zur Behandlung einer spezifischen Form von Brustkrebs eingesetzt wird und welches die Rückfallrate dieser Patientinnen fast halbiert hat. Prof. Ochsenbein erwähnt die Immuncheckpointinhibitoren, die vielleicht nicht ganz so spezifisch sind, aber erfolgreich eingesetzt werden und die Antikörper-Drug-Konjugate, bei denen das Medikament an einen Antikörper gebunden ist. Das Medikament wird durch den Antikörper spezifisch an das Zielorgan, die mit Chemotherapie behandelt werden müssen und wo neue Ziele fehlen. herangebracht. Dadurch gibt es weniger unerwünschte Nebenwirkungen und es wird mehr Medikament an den Ort des Tumors geführt. Es gibt aber auch bispezifische Antikörper, die auf der einen Seite eine Krebszelle erkennen und auf der anderen Seite eine Immunzelle. Die Immunzelle wird dann die Krebszelle eliminieren. Ferner ist die CAR T Zelltherapie in den Medien stark präsent. Diese Zellen sind so verändert, dass sie einen Antikörperrezeptor haben, der das Ziel erkennt. Diese CAR-T-Zellen sind sehr effektiv aber auch sehr teuer. Trotz dieser Entwicklungen gibt es immer noch einen grossen Teil von Patienten, die mit Chemotherapie behandelt werden müssen und wo neue Ziele fehlen. Deshalb war die Idee für die diesjährige Ausschreibung die Entdeckung neuer Ziele für die Precision Onkologie. Auf diese Ausschreibung gab es ein grosses Echo. Es gab 61 Bewerbungen, die in einem zweistufigen Prozess mit externen Reviews beurteilt wurden, woraus die beiden Gewinnerprojekte von Frau Dr. Inmaculada Martinez Reyes und Prof. Andreas Moor selektioniert wurden.

Smartes Protein-Targeting gegen Lebermetastasen bei Darmkrebs

Das Team unter der Leitung von Prof. Andreas Moor von der ETH Zürich erforscht innovative Ansätze zur Verhinderung von Lebermetastasen bei Darmkrebs, die bei rund einem Drittel aller Patientinnen und Patienten auftreten und die Sterblichkeit deutlich erhöhen. Die Forschenden haben herausgefunden, dass ein Protein namens PlexinB2 auf Leberzellen die Ausbreitung von Darmkrebs in die Leber begünstigt. Um dieses ­Fortschreiten gezielt zu unterbinden hat das Team «smarte» Moleküle entwickelt, die PLEXINB2 und ähnliche metastasierungsfördernde Proteine in Leberzellen erkennen und abbauen. «Wir verwenden ein spezielles Leberprotein, das als Navigationshilfe für die Leber dient und kombinieren es mit einem Miniprotein, das gezielt an Zielproteine wie PlexinB2 bindet. So können diese selektiv zerstört werden» erklärt Prof. Moor. Ziel des Projekts ist es, mehrere dieser «smarten» Proteinmoleküle zu entwickeln, ihre Wirkung zu verbessern und sie in Tiermodellen zu testen. Dieser innovative Ansatz könnte künftig dabei helfen, Lebermetastasen zu verhindern und somit die Behandlungsergebnisse bei Darmkrebs deutlich zu verbessern.

Gezielte Eliminierung therapieresistenter ­Tumorzellen

Im Zentrum der Studie von Frau Dr. Inmaculada Martinez Reyes vom Deutschen Krebsforschungszentrum und der Charité Universitätsmedizin Berlin und ihrem Team steht die Entwicklung von künstlich hergestellten spezialisierten Immun-T-Zellen, die gezielt ruhende, therapieresistente Tumorzellen angreifen und eliminieren. Die ruhenden Tumorzellen sind ein Hauptgrund für Rückfälle bei Pankreaskarzinom und anderen Krebsarten. Durch Einstellen ihrer Zellteilung entziehen sie sich der Behandlung. Sie können aber später erneut wachsen. Ziel des Projekts von Frau Dr. Martinez Reyes ist es, diese therapieresistenten Zellen mithilfe einer neuartigen, personalisierten Immuntherapie auszuschalten. «unsere Forschungsresultate zeigen, dass ruhende Tumorzellen die Antigene auf ihrer Oberfläche verändern» erklärt Dr. Martinez Reyes. Diese Marker helfen dem Immunsystem die Krebszellen zu erkennen und bekämpfen. Frau Dr. Martinez und ihr Team entwickeln T-Zellen, die mit spezifischen Rezeptoren ausgestattet sind , um diese Antigene zu erkennen und die Tumorzellen gezielt zu eliminieren. Bei Gelingen könnte dieser Ansatz eine neue Klasse von Immuntherapien begründen und dazu beitragen Rückfälle zu verhindern sowie die Behandlungsergebnisse bei Pankreaskarzinom und anderen Tumoren mit ähnlichen Mechanismen langfristig zu verbessern.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

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Eleonore E. Droux

droux@medinfo-verlag.ch

ESMO in the ALPS 2025

Das 6. «ESMO in the Alps» wurde im KKL Luzern mit einer inspirierenden Eröffnungsrede von Prof. Dr. med. Miklos Pless, (Winterthur) dem Präsidenten des Swiss Cancer Institute eröffnet. Schweizer Experten hatten die neuesten Erkenntnisse aus der Onkologie ausgewählt, die auf dem ESMO-Kongress 2025 in Berlin präsentiert wurden, und kommentierten sie.

Das Steering Committee mit Prof. Dr. Jörg Beyer (Bern) und Dr. Daniel Helbling (Zürich) hatte auch dieses Jahr eine glückliche Hand bei der Auswahl der Präsentatoren, die interessante Studien aus ihrem Fachgebiet vorstellten und diskutierten. Entsprechend positiv fiel die Beurteilung durch die Teilnehmer des Meetings aus.

Die Experten PD Dr. Sabine Schmid (Bern) und Prof. Martin Früh (St. Gallen) präsentierten ausgewählte Ergebnisse aus der Lungenkrebs-Session.

ChatGPT und Krebsbehandlung

Die Zukunft? Vorhersage ist sehr schwierig, insbesondere wenn es sich um die Zukunft handelt (Niels Bohr) stellte Prof. Jakob Nikolas Kather, der sich seit Jahren mit künstlicher Intelligenz befasste, einleitend fest. Die Entwicklung und behördliche Zulassung vieler KI-Modelle für einzelne Aufgaben erfolgte in den frühen 2020er Jahren. 2023 war der ChatGPT Augenblick. Large Language Models (LLMs) wie GPT-4, Gemini und Llama 3.1 sind heute fortschrittliche KI-Systeme, die auf Transformer-Architekturen basieren und anhand riesiger Datensätze trainiert werden, um menschenähnliche Texte zu verstehen und zu generieren. 2022: GPT-3 weist einige medizinische Kenntnisse auf. Ein Patient mit metastasierendem NSCLC stellt sich im onkologischen Ambulatorium vor. Welche potenziellen Therapieoptionen diskutieren Sie? Die potenziellen Behandlungsoptionen für diesen Patienten schliessen Chirurgie, Strahlentherapie, Chemotherapie und zielgerichtete Therapie ein.

Prof. Kather verglich die heutigen Large Language Models «zero-shot», «web search context» und «user provides explicit context». Ärzte setzen diese in grossem Umfang ein, und Anbieter behaupten, dass es medizinische Fähigkeiten besitzt. Bald werden LLMs besser sein als Ärzte in allen Belangen, besser in der Konversation, besser in der Psychotherapie besser in Beziehungen.

ESMO Initiative ELCAP. Evaluierung von Language ­Models in der klinischen Praxis

Die ESMO hat die ESMO-Leitlinien zur Verwendung grosser Sprachmodelle in der klinischen Praxis (ELCAP) veröffentlicht, die ersten strukturierten Empfehlungen für den sicheren und effektiven Einsatz von KI-Sprachmodellen in der Onkologie. Die Veröffentlichung der ELCAP in der von Fachkollegen begutachteten Fachzeitschrift Annals of Oncology der ESMO fiel mit einer Sitzung zum Thema Chat GPT und Krebsbehandlung auf dem ESMO-Kongress 2025 in Berlin zusammen, was die wachsende Bedeutung der KI in der Onkologie unterstreicht.

«Die Priorität der ESMO besteht darin, sicherzustellen, dass Innovationen zu messbaren Vorteilen für Patienten und praktikablen Lösungen für Kliniker führen. Mit ELCAP bietet die ESMO einen pragmatischen, Onkologie-spezifischen Rahmen, der KI einbezieht und gleichzeitig klinische Verantwortung, Transparenz und robusten Datenschutz gewährleistet», sagte Fabrice André, Präsident der ESMO.

Da der Einsatz von Large Language Models (LLMs) in der Onkologie zunimmt, erkennt ELCAP an, dass Chancen und Risiken je nach Nutzer – ob Patienten, Ärzte oder Einrichtungen – variieren, und verankert die Empfehlungen daher in einer dreistufigen Struktur, die allgemeine Grundsätze in 23 Konsenserklärungen für die tägliche Praxis umsetzt:

Typ 1: patientenorientierte KI-Systeme: Symptomabfragen, Patientenaufklärung, Lebensstil-Verfolgung
Typ 2: Gesundheitsexperte und AI-Systeme: Unterstützung bei klinischer Entscheidungsfindung
Typ 3: Hintergrund-KI-Systeme, Datenextraktion, Hintergrund-Warnsysteme

Wie KI-Agenten die Forschung und Onkologie verändern werden. Alles, was ein Mensch mit einem Computer macht, kann automatisiert werden.

LLMs heute und wie man sie benutzt
Der Referent stellte den «Zero-shot», den Websuchkontext und den vom Benutzer explizit gelieferten Text einander gegenüber.

Zusammenfassung – ELCAP – Typ 2
Gesundheitsdienstleister sollten in die Aneignung von KI-Kenntnissen investieren. Gesundheitsdienstleister, die mit LLMs arbeiten, könnten die Gesundheitsversorgung verbessern. Die Ergebnisse von LLMs sollten systematisch und empirisch bewertet werden.

Bedenken:
Automatisierungsverzerrung, Dequalifizierung von Fachkräften, negative Auswirkungen auf die Arzt-Patienten-Beziehung, Datenschutz.

Gastrointestinale Krebsarten

Die Experten Prof. Dieter Köberle, St. Claraspital Basel und Dr. Christian Weisshaupt, Onkozentrum Zürich stellten 5 Studien zu diesem Thema vor.

ctDNA

Die Aussicht, das Vorhandensein bzw. Fehlen von zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA) als Entscheidungshilfe nutzen zu können, hat in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die auf dem ESMO-Kongress vorgestellten Studienergebnisse zeigen jedoch, dass ctDNA-Tests noch nicht den Standardpraktiken entsprechen.

Zwei Studien verfehlten ihre primären Endpunkte, was die Notwendigkeit unterstreicht, die Sensitivität von ctDNA-Tests zu verbessern, bevor sie in die klinische Praxis eingeführt werden.

Dynamic III

In der Dynamic III-Studie, die von Prof. Jeanne Tie (Melbourne) präsentiert wurde, konnte bei 702 Patienten mit Kolonkarzinom im Stadium III, die sich einer Resektion unterzogen hatten und ctDNA-negativ waren, keine Nichtunterlegenheit zwischen einer ctDNA-gesteuerten Behandlung und einer adjuvanten Standard-Chemotherapie bestätigt werden. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 47 Monaten betrug das 3-Jahres-rezidivfreie Überleben, der primäre Endpunkt, 85,3 % in der ctDNA-gesteuerten Gruppe gegenüber 88,1 % in der Standardgruppe (absolute Differenz –2,8 %; 95 %-Konfidenzintervall –8,0–2,3) und überschritt damit die Untergrenze von –7,5 %.

PEGASUS

Auch die Phase II-Studie PEGASUS, die von Dr. Silva Masoni, Milano, präsentiert wurde, verfehlte ihren primären Endpunkt. Insgesamt traten bei 100 ctDNA-negativen Patienten mit hochriskantem Kolonkarzinom im Stadium II oder III nach zwei Jahren 12 Rezidive auf (was 12 % falsch-negativen Fällen entspricht). Als statistischer Grenzwert für den primären Endpunkt wurden weniger als 14 Rezidive bei 134 ctDNA-negativen Patienten festgelegt, aber die Studie umfasste nur 100 ctDNA-negative Patienten. In der Gesamtpopulation war das Vorhandensein von ctDNA im Vergleich zum Fehlen von ctDNA mit einer schlechteren krankheitsfreien Überlebensrate (3 Jahre: 58,4 % gegenüber 82,8 %; Hazard Ratio [HR] 2,70; p = 0,0036) und Gesamtüberlebensrate (79,7 %) assoziiert.

Die PEGASUS-Studie belegt die operative Durchführbarkeit und das klinische Potenzial einer durch Flüssigbiopsie gesteuerten adjuvanten Therapie bei reseziertem Kolonkarzinom im Stadium III und bei Hochrisiko-Kolonkarzinomen im Stadium II.

Durch die Anpassung der Behandlungsdauer und -intensität an das molekulare Risiko kann dieser Ansatz unnötige Toxizität reduzieren und die postoperative Überwachung optimieren.

Matterhorn

Auf dem ESMO-Kongress stellte Prof. Josep Tabernero (Vall d’Hebron Institute of Oncology, Barcelona) die endgültigen Ergebnisse zur Gesamtüberlebenszeit aus der Phase-III-Studie MATTERHORN vor – einer globalen Doppelblindstudie.

Diese zulassungsrelevante Studie verglich Durvalumab (Imfinzi) plus FLOT-Chemotherapie (5-Fluorouracil, Leucovorin, Oxaliplatin und Docetaxel) mit Placebo plus FLOT bei Patienten mit resektablem Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs (G/GEJ). Die abschliessende Analyse bestätigt einen statistisch signifikanten Vorteil hinsichtlich der Gesamtüberlebenszeit und unterstützt Durvalumab plus FLOT als potenziellen neuen Standard in der perioperativen Behandlung.

Fortitude 101

Die FORTITUDE-101-Studie, die von Prof. Sun Young Rha vorgestellt wurde, untersuchte Bemarituzumab (BEMA), einen ersten monoklonalen Anti-FGFR2b-Antikörper seiner Klasse, in Kombination mit einer mFOLFOX6-Chemotherapie bei Patienten mit FGFR2b-überexprimierendem, nicht-HER2-positiven, inoperablen oder metastasierten Magen- und gastroösophagealen Übergangskrebs (G/GEJC). BEMA blockiert gleichzeitig die onkogene FGFR2b-Signalübertragung und aktiviert die antikörperabhängige zellvermittelte Zytotoxizität (ADCC) und bietet damit einen neuartigen therapeutischen Ansatz für diese durch Biomarker definierte Untergruppe mit schlechter Prognose.

Fortitude erreichte ihren primären Endpunkt der Gesamtüberlebenszeit und den sekundären Endpunkt der progressionsfreien Überlebenszeit bei Patienten mit FGFR2b-überexprimierendem Magen- und gastroösophagealem Übergangskarzinom (≥10% der Tumorzellen) und etablierte FGFR2b als validiertes therapeutisches Ziel in dieser Population. Der in der primären Analyse beobachtte OS-Vorteil war zwar statistisch signifikant, schwächte sich aber in einer anschliessenden deskriptiven Nachbeobachtung ab, was wahrscheinlich auf Behandlungen nach Fortschreiten der Erkrankung und einer längeren Beobachtungszeit zurückzuführen ist.

Das Sicherheitsprofil von Bemarituzumab war in erster Linie durch unerwünschte Ereignisse an der Hornhaut geprägt, darunter vorübergehende Abnahme der Sehschärfe Diese Augenwirkungen waren jedoch bei angemessener Behandlung reversibel.

IKF-035/ABC-HCC Studie: Atezo/Bev vs TACE bei intermediärem HCC
Die von Prof. Peter Galle (Mainz) präsentierte Studie zeigte, dass die Kombination des PD-L1 Antikörpers Atezolizumab und dem anti-VEGF Antikörper Bevacizumab im Vergleich zu transarterieller Chemoembolisation (TACE) bei Patienten mit hepatozellulärem Karzinom im mittelschweren Stadium (HCC) die Überlebenszeit in der Erstlinientherapie verlängert. Dieser erste direkte Vergleich zwischen Immuntherapie und TACE könnte die Behandlung von HCC im mittleren Stadium neu definieren und einen Paradigmenwechsel hin zur systemischen Therapie in früheren Krankheitsstadien einläuten.

Fortsetzung
Eine Übersicht zu den Lungen-, Brust-, gynäkologischen und urogenitalen Krebserkrankungen folgt in der nächsten Ausgabe der info@onco-suisse.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

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Impfmanagement und Kommunikation zu Impfungen in der Hausarztpraxis

Im Rahmen des diesjährigen Herbstkongresses der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin (SGAIM), präsentierte Dr. med. Thomas Steffen, Facharzt für Prävention und Public Health, am Moderna-Symposium aktuelle Daten zur Impfbereitschaft bei Erwachsenen und zeigte auf, warum Prävention im Alltag oft an einfachen Hürden scheitert.

Abstand zwischen Empfehlung und Realität

Trotz klarer Empfehlungen der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF) bleibt die Impfquote bei Schweizer Erwachsenen tief. Besonders gefährdet sind ältere und multimorbide Personen. Nur ein kleiner Teil der über 65-Jährigen ist gegen Influenza, COVID-19 oder RSV geschützt, obwohl diese Infekte die häufigsten Ursachen schwerer Atemwegserkrankungen darstellen. Dr. Steffen stellte die zentrale Frage: Warum gelingt es uns trotz des Wissens um die Wirksamkeit von Impfungen nicht, einfache Präventionsmassnahmen konsequent umzusetzen? Der Workshop richtete den Blick auf diese Diskrepanz zwischen Wissen und Verhalten und fragte nach den Gründen.

Krankheitslast: Atemwegsinfekte bleiben dominierend

Anhand von Surveillance-Daten des BAG und der Sentinella-Ärzte zeigte Steffen, dass Influenza und COVID-19 auch 2024/25 die Hauptursachen viraler Atemwegsinfekte bleiben. Hinzu kommt das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV), das bei Erwachsenen lange unterschätzt wurde. In der Altersgruppe über 60 Jahre führen RSV-Infektionen jährlich zu über 5000 Hospitalisationen, mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von zwölf Tagen. COVID-19 und Influenza verursachen in dieser Gruppe zehntausende Spitalaufenthalte und mehrere Tausend Todesfälle. Die im Vortrag gezeigten Zeitreihen veranschaulichten, dass alle drei Viren – Influenza, COVID-19 und RSV – saisonal eng überlappen und jedes Jahr substanzielle Morbidität verursachen. Gerade RSV wurde in der Vergangenheit systematisch unterschätzt; die Präsentation zeigte jedoch, dass die tatsächliche Hospitalisationszahl aufgrund unzureichender Diagnostik vermutlich viermal höher liegt als in den offiziellen ICD-Daten erfasst. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass die Surveillance-Strukturen in der Schweiz (CH-SUR, Sentinella, Abwasseranalysen) zwar wertvoll, aber fragmentiert sind, was die Einschätzung der Krankheitslast zusätzlich erschwert.

Neue Impfstoffe – ungenutzte Chancen

Im Vortrag wurden die aktuellen Impfempfehlungen vorgestellt:
• RSV-Impfung: empfohlen für alle ab 75 Jahren sowie für 60- bis 74-Jährige mit chronischen Erkrankungen oder Pflegebedürftigkeit.
• COVID-19-Impfung: jährlich für über 65-Jährige und Risikopatienten.
• Influenza-Impfung: jährlich für dieselben Gruppen, idealerweise zwischen Mitte Oktober und Beginn der Grippewelle.

Der Referent hob besonders hervor, dass diese saisonalen Impfungen zeitlich gut koordinierbar sind. Die Möglichkeit der Co-Administration, etwa COVID-19, Influenza und RSV in derselben Konsultation zu verabreichen, wurde im Vortrag als grosse Chance für Hausärztinnen und Hausärzte präsentiert. Damit können Praxisabläufe optimiert und mehrere Präventionslücken gleichzeitig geschlossen werden. Trotz dieser Synergien bleibt die Impfquote in der Schweiz hinter internationalen Vergleichswerten zurück: Länder wie Dänemark oder Spanien erreichen bei Influenza-Impfraten deutlich höhere Werte (um 70 %), während die Schweiz bei unter 40 % liegt. (Das WHO-Ziel für die Influenzadurchimpfung in der Altersgruppe 65+ und Risikogruppen < 65 liegt bei 75 %).

Impfwirksamkeit: Mehr als Infektionsschutz

Der Referent betonte den Zusatznutzen von Impfungen über die reine Infektprävention hinaus. Studien zeigen, dass die Influenza-Impfung nicht nur Hospitalisationen reduziert, sondern auch kardiovaskuläre Ereignisse senkt. Auch die COVID-19-Impfung mindert Todesfälle und Long-COVID-Risiken. Im Vortrag wurden zusätzliche Real-World-Daten präsentiert, die zeigen, dass respiratorische Impfstoffe in der Altersgruppe 60+ eine Wirksamkeit zwischen 30 % und 80 % im Schutz vor schweren Verläufen erreichen. Ergebnisse aus Phase-3-Studien zur RSV-Impfung bestätigen die Wirksamkeit gegen schwere RSV-Erkrankungen von über 80 %. In der Kommunikation mit Patienten sollte auch auf den Zusatznutzen, etwa die Reduktion von Herzinfarkten nach einer Influenza-Impfung, hingewiesen werden. Denn diese indirekten Effekte werden von vielen Patienten unterschätzt.

Warum impfen sich so wenige?

Es wurden mehrere Gründe genannt, u.a.:
• 42 % der Befragten gaben an, den Impftermin einfach vergessen zu haben.
• 33 % hielten sich nicht für gefährdet.
• 29 % fürchteten Nebenwirkungen.
• 21 % glaubten nicht, dass eine Impfung vor der Krankheit schützt.
• 20 % war es zu zeitaufwendig, deswegen zum Arzt zu gehen.
• 15 % lehnen Impfungen generell ab.

Eine im Vortrag gezeigte Schweizer Umfrage (Q4/2024, n=601) belegte zusätzlich, dass 62 % der über 65-Jährigen nicht wissen, dass ihnen eine jährliche COVID-19-Impfung empfohlen wird, und 43 % die Empfehlung für die Grippeimpfung nicht kennen. Nur ein Fünftel plant, sich in der kommenden Saison impfen zu lassen. Besonders problematisch ist, dass viele Menschen ihr persönliches Risiko systematisch unterschätzen und eine vermeintlich «natürliche Immunität» überschätzen, ein Befund, den sowohl eine Pfizer-Umfrage (2025) als auch BAG-Daten bestätigen.

Kommunikation statt Konfrontation

Im letzten Teil stellte der Referent praxisnahe Empfehlungen für Ärztinnen und Ärzte vor. Der Schlüssel liege in Vertrauen, Empathie und klarer Kommunikation.
Seine fünf Punkte gegen Impfskepsis:
1. Vertrauen aufbauen, zuhören, Ängste ernst nehmen.
2. Wissen vermitteln, Nutzen und Risiken verständlich erklären.
3. Impfung als Normalfall darstellen, klare, verbindliche Sprache ohne Druck.
4. Vorbild sein, proaktive Impfkultur im Team.
5. Rahmenbedingungen optimieren, einfache Abläufe, Informationsmaterial bereitstellen.
Hausärztinnen und Hausärzte bleiben laut Steffen die wichtigsten Multiplikatoren. Ihre Empfehlung ist der stärkste Antrieb zur Impfung.

Fazit

Ärztliche Empfehlung bleibt der entscheidendste Faktor: Die Bereitschaft zur Impfung steigt signifikant, wenn sie aktiv und persönlich empfohlen wird. Die hausärztliche Rolle ist damit zentral für höhere Impfquoten. Ebenso sind regelmässige Impfchecks, einfache Abläufe und klare Informationsmaterialien notwendig, damit Impfungen selbstverständlich in den Praxisalltag integriert werden.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

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Asthma und COPD

An einem weiterer Vortrag am SGAIM Herbstkongress stellte Prof. Dr. med. Daniel Franzen, Uster, an einem Symposium von MSD & Sanofi/Regeneron die neuesten Erkenntnisse zur Differenzierung und Behandlung von Asthma, COPD und Mischformen vor. Der Schwerpunkt lag auf der Versorgung durch Allgemeinmediziner, für die die Unterscheidung zwischen den beiden Erkrankungen oft schwierig ist.

Der Referent betonte eingangs, dass viele Patienten mit unspezifischen Atemwegssymptomen wie Dyspnoe, Husten oder Belastungsintoleranz in der Grundversorgung erscheinen – Beschwerden, die sowohl bei Asthma als auch bei COPD auftreten. Eine korrekte Differenzierung ist jedoch entscheidend, um wirksame Therapien einzuleiten und Fehldiagnosen zu vermeiden.

Unterschiede in Klinik und Diagnose

Asthma tritt häufig bereits im Kindes- oder Jugendalter auf, oft in Verbindung mit Allergien, und zeigt ein meist variables und reversibles Muster der Atemwegsobstruktion. COPD hingegen entwickelt sich schleichend über Jahre und betrifft typischerweise ältere Patienten, fast immer mit signifikanter Tabakexposition in der Vorgeschichte. Der Vortrag zeigte anhand einer Übersichtstabelle klar auf, wie stark sich beide Erkrankungen in typischen Merkmalen wie Anfallscharakter, Symptomdauer, FEV₁-Verlauf, nächtlichen Beschwerden und der Präsenz reversibler Obstruktionen unterscheiden.

Für Allgemeinmediziner besonders hilfreich ist ein diagnostischer Algorithmus, der die Beurteilung von FEV₁-Reversibilität, PEF-Variabilität und der Blut-Eosinophilen berücksichtigt (Abb. 1). Dieser zeigt, dass Asthma auch dann vorliegen kann, wenn keine Obstruktion messbar ist, vorausgesetzt, Variabilität der Lungenfunktion und ein Ansprechen auf eine inhalative Therapie sind gegeben.

Moderne Therapieansätze bei Asthma

Die GINA-Empfehlungen von 2019 haben einen Paradigmenwechsel eingeleitet: Kurz wirksame Bronchodilatatoren sollen nicht mehr als alleinige Bedarfstherapie eingesetzt werden. Bereits bei milden Symptomen wird eine ICS-basierte Behandlung empfohlen. Prof. Franzen betonte, dass Asthma heute als heterogene Erkrankung verstanden wird, bei der die Identifikation von Phänotypen – insbesondere des Typ-2-entzündlichen Asthmas – eine zentrale Rolle spielt.

Biomarker wie FeNO, Blut-Eosinophile und IgE ermöglichen eine genauere Klassifizierung und ein besseres Verständnis des individuellen Entzündungsmusters. Je nach Phänotyp stehen verschiedene zielgerichtete biologische Therapien zur Verfügung. Dazu gehören u. a. Dupilumab, das IL-4/IL-13-Signale blockiert, sowie Tezepelumab, ein TSLP-Inhibitor mit breiter Wirksamkeit auch bei nicht-eosinophilem Asthma. In den höheren GINA-Stufen (4 und 5) bilden diese Medikamente mittlerweile einen festen Bestandteil der Therapie.

Neue Ära mit biologischen Medikamenten

Während sich die COPD-Therapie traditionell auf Spirometrie, Symptombewertung und Exazerbationsrisiko stützt, gewinnt auch hier die Phänotypisierung zunehmend an Bedeutung. Eosinophile haben sich als relevanter Biomarker etabliert, der sowohl das Exazerbationsrisiko als auch das potenzielle Ansprechen auf eine ICS-Therapie vorhersagen kann. Aktuelle Studien zeigen, dass auch COPD-Patienten mit einem Typ-2-entzündlichen Profil von Biologika profitieren können. Besonders hervorzuheben sind neue Daten zu Dupilumab, das bei Patienten mit erhöhter Eosinophilenzahl eine signifikante Reduktion moderater und schwerer Exazerbationen zeigte. Dies markiert den Beginn eines Paradigmenwechsels: weg von einer rein symptom- und risikoorientierten Therapie hin zu einer immunologisch fundierten, personalisierten Behandlung.

Überlappung von Asthma und COPD

Eine zentrale Botschaft des Vortrags war, dass Asthma und COPD nicht immer klar voneinander abgegrenzt werden können. Der Fall einer 69-jährigen Patientin aus dem Spital Uster verdeutlichte diese Herausforderung: Sie wies sowohl COPD-typische Merkmale wie ein ausgeprägtes Emphysem mit Überblähung als auch Asthma-typische Parameter wie eine ausgeprägte Eosinophilie und eine erhöhte Exazerbationsfrequenz auf. Bei ihr erwies sich Dupilumab als vielversprechende Therapieoption, da sowohl die Exazerbationsrate als auch die Lungenfunktion unter der Behandlung deutlich verbessert wurden.

Prof. Franzen erklärte, dass das Konzept des Asthma-COPD-Overlap (ACO) am besten als Kontinuum verstanden wird, das durch genetische Faktoren, Umweltbelastungen, frühe Lebensereignisse und bronchiale Umbauprozesse geprägt ist. Die grafischen Darstellungen im Vortrag zeigten eindrücklich, wie sich Phänotypen entlang dieses Kontinuums bewegen können und warum eine individualisierte Beurteilung unabdingbar ist.

Fazit

Für die hausärztliche Betreuung bleibt eine sorgfältige Anamnese, ergänzt durch Spirometrie und Biomarker, die Basis für eine korrekte Zuordnung der Atemwegserkrankung. Da moderne Therapien zunehmend phänotypbasiert wirken, wird die Identifikation des individuellen Entzündungsmusters immer wichtiger. Die zentrale Botschaft von Prof. Franzen lautet daher: «Der Phänotyp ist entscheidend». Nur wenn die individuellen Merkmale eines Patienten bekannt sind, kann eine zielgerichtete, effektive und langfristig erfolgreiche Behandlung erfolgen. Die Zukunft der Atemwegstherapie liegt in der Präzisionsmedizin – und diese beginnt bereits in der hausärztlichen Praxis.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

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