Pfizer Forschungspreis 2021

Auch dieses Jahr wurden wiederum hervorragende Arbeiten von jungen Schweizer Forschern auf den Gebieten Kardiovaskuläre Medizin, Urologie und Nephrologie, Infektionskrankheiten, Rheumatologie und Immunologie, Neurologische Wissenschaften und Erkrankungen des Nervensystemes, Onkologie und Pädiatrie vergeben.

Die Eröffnungsansprache hielt Frau Sabine Bruckner, Country Manager Pfizer. Durch den Abend führte Dr. med. Rahel Troxler, Präsidentin der Stiftung Pfizer Forschungspreis und Country Medical Director Switzerland.

Ziele der Tumor-Immunerkennung entschlüsseln

Die medizinische Krebsforschung konzentriert sich zunehmend auf die Entwicklung von Therapien, die spezifisch gegen Tumore gerichtet sind. Dies erfordert die Identifizierung von molekularen Merkmalen, die nur den Krebszellen, nicht aber den gesunden Zellen im Körper eigen sind. Fast alle Zellen im menschlichen Körper haben solche spezifische Strukturen auf ihrer Oberfläche, die so genannten humanen Leukozyten-Antigene, abgekürzt HLA-Peptide. Auch Tumorzellen haben diese Proteine auf ihrer Oberfläche und diese haben das Potenzial, Zielstrukturen für Krebsimmuntherapien zu sein.
Allerdings müssen solche potenziellen Targets zunächst auf den Tumorzellen identifiziert werden. Die Forschergruppe um Chloe Chong und Michal Bassani-Sternberg entwickelte ein Modell, das auf einer Vielzahl von tumorspezifischen Merkmalen aus immunologischen, genetischen und zellbiologischen Daten basiert. Der Fokus lag dabei insbesondere auf nicht-kodierenden genetischen Sequenzen. Zusätzlich wurden Ergebnisse aus Massenspektrometer-Analysen rechnerisch kombiniert.
Dieser neuartige Ansatz identifizierte Hunderte von HLA-Peptiden aus völlig unterschiedlichen genetischen Regionen des Genoms in einer Vielzahl von Tumorproben. Darüber hinaus entdeckten die beiden Lausanner Wissenschaftlerinnen identische, von den Patienten geteilte HLA-Peptide in den Tumorproben. Schliesslich wurde mit der neuen Methode ein immunogenes Peptid identifiziert, das mit Stammzellmarkern für das maligne Melanom assoziiert ist.
Die grosse Anzahl der neu entdeckten Antigene kann zur Entwicklung neuartiger Krebsimmuntherapien beitragen. Diese Ergebnisse, die auch anderen Forscherteams frei zur Verfügung stehen, werden bereits in laufende klinische Studien im Frühstadium am Universitätsspital Lausanne integriert.
Integrated proteogenomic deep sequencing and analytics accurately identify non-canonical peptides in tumor immunopeptidomes. Chloe Chong, Markus Müller, Hui Song Pak, Dermot Harnett, Florian Huber, Delphine Grun, Marion Leleu, Aymeric Auger, Marion Arnaud, Brian J. Stevenson, Justine Michaux, Ilija Bilic, Antje Hirsekorn, Lorenzo Calviello, Laia Simó-Riudalbas, Evarist Planet, Jan Lubiński, Marta Bryśkiewicz, Maciej Wiznerowicz, Ioannis Xenarios, Lin Zhang, Didier Trono, Alexandre Harari, Uwe Ohler, George Coukos, Michal Bassani-Sternberg. Nat Commun 2020; 11(1):1293.

Erfolgreicher Einsatz von Antikörpern gegen myeloische Leukämiezellen

Bei der akuten myeloischen Leukämie (AML) kommt es durch veränderte leukämische Stammzellen zu einer unkontrollierten Vermehrung von unreifen Vorläuferzellen im Knochenmark, so dass immer mehr «defekte» und immer weniger gesunde Blutzellen entstehen. Leukämische Stammzellen sind oft resistent gegen die herkömmliche Chemotherapie und andere Therapien. Die Behandlungsmöglichkeiten, z. B. mit hypomethylierenden Substanzen als Standardtherapie, sind speziell auf ältere und gebrechliche Patienten beschränkt.
Der molekulare Hintergrund dieser Resistenzen ist wenig verstanden. Ein Grund für das Forscherteam um Carsten Riether, sich dieser Sache anzunehmen. Dieses stellte fest, dass bei der Behandlung von AML-Patienten mit hypomethylierenden Substanzen ein bestimmtes Molekül von den pathologischen Stammzellen verstärkt produziert wird. Dabei handelt es sich um den Liganden CD70. Dieser wird auf der Oberfläche von leukämischen Stammzellen exprimiert und fördert die Resistenz gegen die Krebsmedikamente. Wäre es möglich, diesen Liganden mit einem Antikörper zu blockieren und so den Behandlungserfolg zu verbessern? Genau dieses Ziel verfolgte der Berner Forscher. Mit einer Kombination aus hypomethylierenden Substanzen und dem Antikörper Cusatuzumab, der sich gegen CD70 richtet, konnten im Labor Zellen der myeloischen Leukämie eliminiert werden. Basierend auf diesen Ergebnissen wurden behandlungsnaive AML-Patienten in einer klinischen Phase-1-Studie mit einer Kombination aus Cusatuzumab und − danach − mit einer Standardtherapie behandelt. Die Leukämiezellen und die leukämischen Stammzellen wurden durch die Bekämpfung von CD70 mit Antikörpern signifikant reduziert und alle 12 untersuchten Patienten sprachen auf die Behandlung an.
Diese klinische Phase-1-Studie hat einen neuen Mechanismus der Therapieresistenz bei myeloischen Leukämiezellen entdeckt und gleichzeitig die Untersuchung einer gangbaren Behandlungsstrategie ermöglicht, die anschliessend in weiteren klinischen Studien mit einer grösseren Studienpopulation getestet werden muss.

Targeting CD70 with cusatuzumab eliminates acute myeloid leukemia stem cells in patients treated with hypomethylating agents.
Riether C, Pabst T, Höpner S, Bacher U, Hinterbrandner M, Banz Y, Müller R, Manz MG, Gharib WH, Francisco D, Bruggmann R, van Rompaey L, Moshir M, Delahaye T, Gandini D, Erzeel E, Hultberg A, Fung S, de Haard H, Leupin N, Ochsenbein AF. Nat Med. 2020 Sep;26(9):1459-1467

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

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Update Refresher Endokrinologie

Am Update Refresher Innere Medizin in Lausanne vom 12.2. 2021 stand die Endokrinologie, Diabetologie im Mittelpunkt. Spezialisten des Departements für Endokrinologie und Diabetologie des CHUV referierten über Diagnose und Therapie von Schilddrüsenkrankheiten, Erkrankungen der Hypophyse und der Nebennieren, Behandlung des Diabetes Typ 2 und Dia-
gnose und Behandlung diabetischer Komplikationen. Dieser Bericht befasst sich mit den Schilddrüsenerkrankungen.

Erkrankungen der Schilddrüse – Differentialdiagnose und Therapie

Erarbeiten aller Ursachen der Hyper- und Hypothyreose und deren Behandlung, Verdichtung der Informationen aus Nachschlagewerken, Entwicklung einer eigenen Argumentation angesichts eines Verdachts auf Dysthyreose, Kenntnis der üblichen Fallstricke und Umgang mit ihnen, bessere Beurteilung des Patienten, bevor/statt den Rat eines Endokrinologen einzuholen, Überprüfung der neuesten Nachrichten über Behandlungsmöglichkeiten, Untersuchung der Zusammenhänge zwischen COVID-19 und der Schilddrüse − dies waren die Ziele des Referats von Prof. Dr. med. Gerasimos Sykiotis, Service d’ endocrinologie et diabétologie, CHUV.
Der Referent beleuchtete zunächst die Frage des TSH Screenings. Soll bei einem asympto­matischen Erwachsenen ein Screening des TSH gemacht werden?
Die Empfehlungen der United States Prevention Services Task Force sagen nein. Die American Thyroid Association sagt ja, ab 35 Jahren alle 5 Jahre, die American Association of Clinical Endocrinologists sagt ebenfalls ja, bei betagten Personen (ohne definierte Altersschwelle).

Fazit

Das Screening der Schilddrüsenfunktion erfolgt durch TSH.
Die Bestimmung der freien Schilddrüsenhormone sollte bei normalem TSH vermieden werden, denn diese Bestimmungen sind auf gewissen Automaten weniger vertrauenswürdig. Sie sind durch multiple Faktoren beeinflusst und die Referenzwerte sind zweifelhaft.

Einfluss von COVID-19 auf die Schilddrüse: ein Update

Es ist bekannt, dass die Schilddrüse und die Virusinfektion mit den damit verbundenen entzündlich-immunen Reaktionen in einem komplexen Wechselspiel stehen. SARS-CoV-2 nutzt ACE2 in Kombination mit der Transmembranprotease Serin 2 (TMPRSS2) als molekularen Schlüsselkomplex zur Infektion der Wirtszellen. Interessanterweise sind die ACE2- und TMPRSS2-Expressionsniveaus in der Schilddrüse hoch und höher als in der Lunge, was darauf hinweist, dass die Schilddrüse und die gesamte Hypothalamus-Hypophysen-Schilddrüsen-Achse relevante Ziele der Schädigung durch SARS-CoV-2 sein könnten. Konkret gehören zu den COVID-19-bedingten Schilddrüsenstörungen Thyreotoxikose, Hypothyreose sowie das nicht-thyreoidale Krankheitssyndrom (Scappaticcio L et al. Impact of COVID-19 on the thyroid gland: an update Endocr Metab Disord 2020; 25;1-13).
Die persönlichen Schlussfolgerungen zu COVID-19 und Schilddrüsenerkrankungen des Referenten waren: SARS-CoV-2 kann eine virale/postvirale Thyreoiditis verursachen, wie andere Viren auch, möglicherweise mit weniger oder ohne Schmerzen aufgrund einer Lymphopenie. Die Störung der Schilddrüsenfunktion kann unbemerkt bleiben, wenn das Halsweh auf eine COVID-19-Infektion zurückgeführt wird. Es gibt keine weiteren gut etablierten Assoziationen zwischen COVID-19 und Schilddrüsenerkrankungen. Mehrere Studien sind von unzureichender Qualität. Die Patienten sind Mehrfachbelastungen ausgesetzt (Kortikosteroide, Heparine, jodhaltige Kontrastmittel, akute Erkrankungen usw.) Es gibt keine Epidemien von Hyper- oder Hypothyreose im Zusammenhang mit SARS CoV-2 in der Westschweiz, weder stationär noch ambulant.

Die Überlegungen des Spezialisten bei gestörten Schilddrüsentests

Hat der Patient Symptome und/oder Zeichen eine Dysthyreose? Hat der Patient einen Kropf? Sind Hypothalamus und Hypophyse intakt? Kann man dem Labor vertrauen? Hat der Patient eine akute Erkrankung? Erholt sich der Patient gerade von einer akuten Erkrankung? Welches sind die Medikamente, die der Patient einnimmt? War der Patient einer pharmakologischen Dosis von Jod ausgesetzt?

Klinische Manifestationen – Pathogenese

Einerseits gibt es kardiometabolische Manifestationen, deren Hauptmechanismus eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Katecholaminen ist. Dies führt zur Stimulation des autonomen sympathischen Systems und einem katabolen Zustand.
Andrerseits führen hormonelle Manifestationen zu erhöhter Produktion von hepatischen Vektorproteinen, was zu einer Verminderung der freien (bioaktiven) Hormone führt.
Zudem kommt es zu einer Erhöhung von SHBG (Sexhormon bindendes Globulin), was mit einer Abnahme des freien Estradiols und einem verminderten Peak des LH und infolgedessen einer Anovulation einhergeht.
Ursachenspezifische Manifestationen sind das TSH sezernierende hypophysäre Adenom mit Folgen wie Kopfschmerzen, Hyperprolaktinämie, hormonelle Mängel der anderen Hypophysennebenachsen, Morbus Basedow, Orbitopathie (exophthalmische Inflammation, Ophthalmoplegie, usw.) und Dermatopathie.
Teprotumumab, ein monoklonarer Antikörper, der an den IGF-1 Rezeptor bindet, führt bei Graves’ Disease und aktiver Augenerkrankung zu einer Reduktion des Exophthalmus um ≥2mm.

Subakute Thyeroiditis nach De Quervain: Inflammation der Drüse mit Zerstörung der Follikel, Freisetzung von Hormonen, initiale Hyperthyreose. Hauptsymptome sind Apathie, Depression, Lethargie, Kälteintoleranz, Appetitverminderung, Konstipation, Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Haarausfall, spröde Nägel und Karpaltunnelsyndrom, bei Frauen Oligo-Amenorrhoe oder Menorrhagie und verminderte Fruchtbarkeit.
Bei Dysthyreose sollten die Fragen bezüglich Krankheitsurlaub, Fahrgenehmigung, Schwangerschaft / Wunsch nach Schwangerschaft und Depression nicht vergessen werden.

Probleme der Symptomatologie

Die Probleme mit der Symptomatologie sind Mangel an Sensibilität bei subklinischer Hyper-und Hypothyreose, TSH ausserhalb der Norm mit normalen T4 und T3, keine oder wenig Symptome.
Apathische Hyperthyreose: Mangel an Symptomen trotz einer offenen Hyperthyreose, häufig bei betagten Personen. Die Symptomatologie ist wenig spezifisch. Die Manifestationen sind Depression, Angstzustände, Übergewicht. Es existiert eine positive Korrelation zwischen TSH und BMI, Leptin →↑TRH→↑TSH, Gewichtsverlust kann diskret erhöhtes TSH normalisieren.

Wozu dient dann die Klinik?

Die Symptomatologie und die klinische Untersuchung werden verwendet zur Bestätigung oder zum Ausschluss eines Verdachts, was durch eine Hormonuntersuchung bestätigt wird.
Bei Unstimmigkeiten zwischen Klinik und Labor sind eine Reihe von Fällen zu beachten. Es gibt zwei Typen von Schilddrüsenproblemen: Funktionsstörungen: Euthyreose, Hyperthyreose. Hypothyreose und Störungen der Anatomie: normale (oder nicht palpable) Schilddrüsengrösse, diffuse Struma, knotige Struma.
Funktionsstörungen sind nicht gleich Störungen der Anatomie. Beispiele sind: ein M. Basedow kann sich als Hyperthyreose präsentieren mit diffuser Struma, mit knotiger Struma oder ohne Struma. Ein Schilddrüsenknoten kann sich mit einer Hyperthyreose (toxischer Knoten), einer Euthyreose (nicht funktioneller Knoten) oder einer Hypothyreose (koexistierende Hashimoto Thyreoiditis) präsentieren.

Was bringt es denn, die Schilddrüse zu untersuchen?

Erkennen von Knoten, die eine Zytopunktur erfordern. Zur Orientierung über die wahrscheinliche Ursache der Dysthyreose, sofern das Labor eine Dysthyreose bestätigt. Kenntnis wie man die Schilddrüse palpiert unter (https//www.youtube.com/watch?v=Ed2WE7heOdU). Es muss dabei aufgepasst werden, dass man keine Palpationsthyreose verursacht.
Es gibt zwei Kategorien von Ursachen für Schilddrüsenfunktionsstörungen, abhängig von der Aktivität der Schilddrüse. Die hormonelle Hyperproduktion, die zu einer Steigerung der Schilddrüsenaktivität führt und die Abnahme von Schilddrüsenhormonen, die zu einer verminderten Aktivität führt.

Ursachen einer Hypothyreose

Mögliche Ursachen sind Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, (Hashimoto Krankheit), Nach Schilddrüsenablation, (totale Thyreoidektomie, Lobektomie (20% Hypothyreoserisiko, radiometabolische Ablation wegen M. Basedow), ungenügende Schilddrüsenhormon-Substitution oder abgebrochene Substitution (nach Thyreoiditis, medikamentös, kongenitaler, post-operativer Mangel an TSH/TRH, nach Hypophysenapoplex, Schilddrüsenhormonresistenzsyndrom, TSH-Resistenzsyndrom, kongenitale Hypothyreose, Jodmangel).

Sind der Hypothalamus und die Hypophyse intakt?

Die Hypophysen-Schilddrüsen-Achse ist ein mehrgliedriger Regelkreis zwischen dem Hypothalamus, der Hypophyse und der Schilddrüse, der auch als Thyreoidea-Achse bezeichnet wird. Er reguliert die Konzentration der Schilddrüsenhormone im Blutplasma. Wenn das freie T4 um einen Faktor 2 ändert, ändert TSH um einen Faktor 100!

Übliche Überlegungen zur Diagnose

Vorausgesetzt, dass das Steuerungssystem intakt ist.
Offene Hyperthyreose: TSH erniedrigt, T4 und/oder T3↑
Subklinische Hyperthyreose: TSH erniedrigt, T4 und T3 normal.
Offene Hypothyreose: TSH↑, T4 erniedrigt.

Amiodaron und Schilddrüse

Mehrere pathogene Mechanismen sind möglich. Dazu gehören die Inhibition der Umwandlung von T4 in T3, die Inhibition der Schilddrüsenhormonrezeptoren, direkte toxische Wirkung auf die Schilddrüse, Jodüberlastung (eine 200mg Tablette enthält 3mg Jod. Der tägliche Bedarf ist 150µg).
Dysthyreose unter Amiodaron: Die Empfehlungen sind Messung von TSH alle 3-4 Monate, nach Absetzen Status während mindestens 12 Monaten verfolgen.
Hypothyreose bei weniger als 20% der Patienten, leicht behandelbar (Substitution, mit Amiodaron weiterfahren).
Hyperthyreose (medizinischer Notfall!) bei weniger als 10-12% der Patienten, diagnostische und therapeutische Herausforderung. Diese Situation ist mit erhöhter Mortalität assoziiert.
Bei allen Hyperthyreosen unter Amiodaron sollte die Endokrinologie schnell konsultiert werden!

Symptomatische Behandlung der Hyperthyreose

Betabocker: Propanolol mehrmals pro Tag, nicht kardioselektiv Atenolol, Metoprolol: 1x/Tag, kardioselektiv.
Ziel: Normalisierung der Herzfrequenz (<90/min). Diese Medikamente sind auch wirksam gegen Zittern, Angst und Hitzeintoleranz. Der Einsatz empfiehlt sich, weil synthetische Anti-Schilddrüsen-Medikamente nicht sofort wirksam sind. Sie inhibieren die Jodinierung des Thyreoglobulins, aber nicht die Sezernierung der bereits produzierten Hormone.

Behandlung der De Quervain Thyreoiditis

Keine synthetischen Anti-Schilddrüsen-Medikamente (Freisetzung vorgefertigter Hormone ohne aktive Hypersekretion), Symptomatische Behandlung der Hyperthyreose mit Betablockern, symptomatische Behandlung der Inflammation mit NSAR oder Kortikosteroiden.

Therapeutische Optionen bei M. Basedow

Thyreostatika: seit über 50 Jahren angewandt, Wirkung nach einigen Wochen, verschwindet einige Tage nach Absetzen des Medikaments. Iod-131: wird seit über 70 Jahren angewandt. Progressive Wirkung im Allgemeinen nach 3-10 Wochen.
Chirurgie: seit über 100 Jahren angewandt. Die Wirkung entsteht unmittelbar (nach wenigen Tagen).

Adenome und toxische Struma – therapeutische Strategien

Synthetische Antithyreostatika werden initial angewandt zur Normalisierung der Funktion. Die lebenslängliche Behandlung sollte vermieden werden, ausser bei betagten Menschen. Die prinzipiellen Risiken sind Agranulozytose, Teratogenese.
Schilddrüsenablation: radioaktives Jod, Chirurgie (Adenom → Lobektomie, multinoduläre Struma → Lobektomie oder totale Thyreoidektomie.
Radiofrequenz: ambulante Behandlung (interventionelle Radiologie).

Behandlung der Hypothyreose

In der Schweiz existieren 3 Produkte für Levothyroxin (T4):
Euthyrox® (Tabletten), Eltroxin® (Tabletten), Tirosint®- Sol (flüssige Form von Levothyroxin für folgende Zustände: Hypothyreose und TSH-Unterdrückung bei der Behandlung von Schilddrüsenkrebs.
Welche Dosierung? Dosis für komplette oder partielle Substitution je nach Fall. Komplette Substitution (1.6mg/kg, z.B. nach Thyreoidektomie, partielle Dosis bei subklinischer Hypothyreose, nach Thyreoiditis, etc.
Welcher Zielwert? Bei primärer Hypothyreose: TSH normalisieren.
Zentrale Hypothyreose: Freies T4 normalisieren. Wann Neudosierung? 6-8 Wochen nach Dosisanpassung.
Labor nüchtern oder nicht? Keine Notwenigkeit für Nüchternheit. Bei Bestimmung von freiem T4 Substitution nicht am Morgen vor der Blutentnahme.
Was machen im Falle von Vergessen? Doppelte Dosis am nächsten Tag.

Quelle: FOMF Update Refresher Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetes, Lausanne 12.02. 2021.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

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Impfung gegen Zeckenenzephalitis

Die durch Zecken übertragene Enzephalitis (FSME) nimmt in Europa jährlich zu. Ziel einer kürzlich erschienenen Arbeit war es, die Immunogenität und Sicherheit der FSME-Impfung auf der Basis von Daten aus den Jahren 2009-2019 zu untersuchen.

Die in 27 europäischen Ländern endemische Zeckenenzephalitis (FSME, Frühsommermeningoenzephalitis) mit jährlich etwa 5 000 -10 000 gemeldeten Fällen ist eine der wichtigsten Ursachen für virale Enzephalitis und die häufigste Ursache für virale Meningitis in Europa. Der geographische Schwerpunkt der FSME liegt in Mittel- und Osteuropa, den baltischen Staaten, Russland und Japan, wobei sowohl eine Ausweitung der Risikogebiete als auch eine Zunahme der Inzidenz zu beobachten ist. In der Schweiz hat die Inzidenz von FSME in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Im Jahr 2018 wurden mehr als 350 Fälle registriert (1).
FSME wird durch das humanpathogene FSME-Virus verursacht, das zur Familie der Flaviviridae gehört. Drei Subtypen, basierend auf der geographischen Herkunft und den antigenen Eigenschaften, sind für den Menschen von Bedeutung: Fernöstlich, sibirisch und europäisch (2, 3). Die meisten europäischen FSME-Fälle werden durch die Zecke Ixodes ricinus übertragen, wobei mehr als 100 Arten von Wild- und Haustieren als Wirtsreservoir wirken (4, 5, 6). Zusätzlich treten in bestimmten Gebieten FSME-Fälle der sogenannten alimentären Zeckenenzephalitis, übertragen durch das Einnehmen von nicht pasteurisierter Milch oder Milchprodukten von infizierten Tieren, sowie FSME-Infektionen, die durch die Dermacentor-reticulatus-Zecken übertragen wurden.
In einer systematischen bei PROSPERO registrierten Übersichtsarbeit wurden von insgesamt 2464 Datensätzen aus CINAHI, Cochrane, Embase, PubMed und Scopus Original-Forschungspublikationen auf Immunogenität und Sicherheit ausgewertet (7).

Immunogenität

Siebenunddreissig untersuchte Originalartikel berichteten über Daten zur Immunogenität. Bei vollständig geimpften Personen wurde unabhängig von der Art der Impfung oder von verzögerten Auffrischungsintervallen eine ausreichende Immunantwort festgestellt (8-11). Darüber hinaus zeigte der in Europa zugelassene Impfstoff FSME-Immun® auch eine Kreuzimmunität gegen fernöstliche und sibirische FSMEV-Stamm-Subtypen (2). Bei Erwachsenen mit Allergien wurden im Vergleich zu Geimpften ohne Allergien höhere Antikörperspiegel nach erfolgter FSME-Impfung gefunden (12). Hohe Spiegel an schützenden Antikörpern garantieren allerdings keine FSME-Prävention (13). Die Zahl der Impfversager war gering und ging mit einer schwereren Erkrankung einher, die häufiger bei älteren Menschen auftrat (14-16).
Die älteren Menschen haben niedrigere Antikörperspiegel mit einer abnehmenden Immunantwort, eine Entwicklung, die bei Personen im Alter von über 60 Jahren und sogar bei Personen im Alter von über 50 Jahren beginnt (4, 12, 14). Die meisten untersuchten Impfstoffversagen traten bei Personen im Alter von 50 oder mehr Jahren auf, aber auch bei jüngeren Personen können Versager auftreten (15, 17). Darüber hinaus wurde bei Personen ab 60 Jahren, die eine zusätzliche Priming-Dosis erhalten hatten, kein FSME-Impfversagen berichtet (16).
Bei Kindern im Alter von 1-15 Jahren führen die Impfstoffformeln von Encepur® und FSME-Immun® zu einer hohen Immunogenität von 95,6 % bis zu 100 % und einer hohen Langzeitseropositivität bis zu 5 Jahren nach der Erstimpfung (16, 20, 21). Es scheint keine altersbedingten Unterschiede in der Avidität und funktionellen Aktivität der durch die Impfung induzierten Antikörper zu geben (2, 22).

Booster-Intervall

Bei Kindern wurde eine Langzeit-Seropositivität für die Impfstoffe Encepur® und FSME-Immun® Junior bis zu 5 Jahren bzw. 10 Jahren nach der Primärimpfung berichtet (19, 22). Bei Erwachsenen führten sowohl die Primärimpfung mit Encepur® als auch diejenige mit FSME-Immun® zu einer hohen Langzeit-Seropositivität (77,3%-94%) bei zehnjährigem Follow-up und 91,8% bei einem Median von 15 Jahren Follow-up (8, 12, 25). Altersgruppen über 60 Jahre zeigten jedoch einen schnelleren Rückgang der Seropositivitätswerte (18, 22, 25).

Austauschbarkeit von FSME-Impfstoffen

Sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern können die FSME-Impfstoffe für die Erst- und Auffrischungsimpfung weitgehend ausgetauscht werden (22, 23, 26, 29). Eine Studie zeigte jedoch eine schnellere Abnahme der Seropositivität bei Kindern, die ein gemischtes Primärimpfschema erhielten (zwei Dosen FSME-Immun® Junior gefolgt von einer Dosis Encepur® Kinder) (19).

Sicherheit

Siebzehn Originalartikel berichteten über Sicherheitsdaten. Lokale Reaktionen/leichte unerwünschte Ereignisse wie Schmerzen an der Injektionsstelle, Empfindlichkeit oder lokale Schwellungen wurden bei 24,8% (4.3-54%) der Studienteilnehmer beschrieben (10, 22, 23, 25-31). Systemische Reaktionen wurden bei etwa 30% (0,6-45,9%) der Impflinge berichtet. Fieber traten bei 3,4% (0-9,7%) der Geimpften auf. Systemische Reaktionen waren nach der 2. Dosis im Vergleich zur Verabreichung der ersten Dosis geringer, wie berichtet wurde (28). Höhere Raten von lokalen und systemischen Reaktionen traten bei 7- bis 11-jährigen Kindern im Vergleich zu den Altersgruppen 1-2 und 3-6 Jahre auf (26). Bei Erwachsenen wurde kein Altersmuster der unerwünschten Ereignisse gefunden. Weiterhin führte der Applikationsweg zu Unterschieden in der Nebenwirkungsmeldung: In der Gruppe mit intramuskulär verabreichter Impfung wurde eine signifikant niedrigere Rate an lokalen Nebenwirkungen wie Rötung, Schwellung und lokale Schmerzen berichtet als in der Gruppe mit subkutaner Injektion. Systemische Reaktionen traten in der Gruppe mit intra-muskulärer Verabreichung vermehrt auf, dies war jedoch statistisch nicht signifikant (27).
Anhand der Daten war es nicht möglich, geschlechtsspezifische Muster von unerwünschten Ereignissen zu identifizieren. Allerdings zeigte eine Arbeit, dass die Rate unerwünschter Ereignisse bei gesunden Frauen und bei Frauen mit Allergien ohne spezifische Immuntherapie im Vergleich zu gesunden Männern und Männern mit Allergien ohne spezifische Immuntherapie höher war (30).
Die Durchimpfungsrate der FSME-Impfung wird in der Schweiz nicht aktiv überwacht und daher ist es nicht möglich, die tatsächliche Durchimpfungsrate, die Menge der verwendeten Impfstoffe oder die Feldwirksamkeit der FSME-Impfstoffe in der Schweizer Bevölkerung zu beschreiben. Um die Durchimpfungsrate zu erhöhen, wurden in der Schweiz 2015 die Regeln für die Verfügbarkeit von Impfungen angepasst: Bestimmte Kantone erlaubten Gemeindeapothekern mit Impfzertifikat die rezeptfreie Verabreichung bestimmter Impfstoffe, wie z. B. FSME-Impfstoff (32). Um die Durchimpfung mit FSME-Impfstoffen auszuweiten, empfiehlt die Schweizer Armee seit 2007 eine freiwillige FSME-Impfung bei jungen Rekruten (33). Da der Dienst nur für Schweizer Männer obligatorisch ist, muss ein anderer Weg gefunden werden, um auch Schweizerinnen und Personen ohne Schweizer Staatsbürgerschaft zu erreichen.

Schlussfolgerungen

Die FSME-Impfung ist generell sicher mit seltenen schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen. Die Impfpläne sollten, wenn möglich, die gleiche Impfstoffmarke (nicht gemischt) verwenden. FSME-Impfstoffe sind immunogen in Bezug auf die Antikörperantwort, jedoch weniger, wenn die Erstimpfung nach dem 50. Altersjahr erfolgt.

Quelle: Rampa JE et al. Immunogenicity and safety of the tick-borne encephalitis vaccination (2009–2019): A systematic review. Travel Medicine and Infectious Disease2020 ; 37 : 101876.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

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1. Federal commission of vaccination-questions (EKIF). Frühsommer-meningoenzephalitis. https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/das-bag/publikationen/broschueren/publikationen-uebertragbare-krankheiten/zeckenenzephal itis.html.
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30. Garner-Spitzer E et al. Allergic patients with and without allergen specific immunotherapy mount protective immune responses to tick-borne encephalitis vaccination in absence of enhanced side effects or propagation of their Th2 bias. Vaccine 2018 ;36 : 2816-2824.
31. Aerssens A et al. Analysis of delayed TBE-vaccine booster after primary vaccination: J Trav Med, 2016 ;23 :10.1093/jtm/tav020.
32. Leuthold C et al. The role of community pharmacists in travel Health and vaccination in Switzerland. Pharmacy 2018;6:125. https://doi.org/ 10.3390/pharmacy6040125.
33. Schweizer Armee reagiert auf die Zunahme der Erkrankungen durch Zeckenstiche n.d. https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.ms g-id-10546.html (accessed January 9, 2020)

Umgang mit COVID-19 und Coronaimpfskepsis

m Rahmen der FOMF-Fortbildungen fand am 14.1. 2021 ein Online-Symposium zu COVID-19 mit den Experten Prof. Dr. med. Johannes Bogner, München, und Prof. Dr. med. Philipp Tarr, Basel, statt.

Persönliche Erfahrungen mit der Behandlung und Erkenntnisse der bisherigen Forschung


Der Leiter der Sektion Klinische Infektiologie am Klinikum der Ludwig Maximilian Universität München, Prof. Dr. med. Johannes Bogner, präsentierte beispielhaft zwei Patienten aus der eigenen Praxis, die an COVID-19 erkrankt waren.

Fallvignette 1: 48-jähriger Mann: Symptombeginn ohne respiratorische Symptome, Fieber 39.7 Grad, Husten und Fieber seit 7 Tagen, O2-Sättigung bei Raumluft 92; Belastungsdyspnoe. Der Zustand hat sich innert 2 Tagen wesentlich verschlechtert. Der Patient dekompensierte und musste intubiert werden. Bei COVID-19 werden teils profunde lebensbedrohliche Hypoxien ohne für den Patienten subjektiv wahrnehmbare Symptomatik beobachtet. Das Phänomen der «Silent Hypoxemia» wurde erstmals im Zusammenhang mit COVID-19 beschrieben. Die Hypoxie kommt schleichend, so dass man den Zeitpunkt der Intubation übersehen kann.
Der Patient hat sich erholt, es geht ihm inzwischen verhältnismässig gut.

Fallvignette 2: 65-jähriger Mann mit Hypertonie, Fieber 40 Grad und Ruhedyspnoe, AF 29/Minute. O2-Sättigung bei Raumluft 79%, unter 6 Liter O2 9; nach 2h intubiert. Bei ihm ist unter den gegebenen Verhältnissen ein schlechter Verlauf anzunehmen.

Die Krankheit kann also sehr unterschiedlich schwer auftreten, die möglichen Komplikationen sind anfangs oft schlecht einschätzbar.

Nicht zu unterschätzende Kardiomyopathie?

  • Schwere COVID-19 Infektionen verursachen meistens Troponin-Erhöhungen, kein Typ-I Myokardinfarkt (Ruan Q et al. Int Care Med 2020;46:846-48)
  • 7% der Todesfälle erfolgen durch fulminante Myokarditis. Bei 38% beitragender Faktor (Wang D et al. JAMA 2020;323:1061-69):
  • 12% der Verlegungen auf IPS wegen Arrhythmien Troponin ist ein guter prognostischer Marker für Mortalität, aber
  • kardiale Beteiligung vs. Epiphänomen bei schwerer systemischer Erkrankung (kardialer Stress)?

COVID-19 ist eine Multisystemkrankheit

Sie betrifft das Nervensystem: ZNS, PNS, Geruchsinn, Geschmacksinn, Guillain Barré, Stroke; das Herz: Myokarditis, Rhythmusstörung; den Gastrointestinaltrakt: Bauchschmerzen, Übelkeit, Diarrhoe; das Endokrinium: Blutzuckerentgleisung; Thyreoiditis;
Allgemeinsymptome : Fatigue, Muskelschmerzen, Fieber, Kopfschmerzen; das Gefässsystem: Thrombosen, Embolie, Mikrothromben;
die Haut: Exanthem, Urtikaria, Pernio-like Läsionen;
die Niere: akutes Nierenversagen

Diagnostik: Wen testen? Womit?

Im Folgenden sind die verschiedenen Möglichkeiten, die der Referent erwähnte, aufgelistet.
Am besten alle testen oder möglichst viele.

  • SARS-CoV-2-PCR (Achtung: ca. 20% falsch negativ) Nasopharyngealer Abstrich; Speichel, Sputum oder anderes tiefes respiratorisches Sekret (ENTA. BAL) Stuhl
  • Antigentest: Cave niedrigere Sensitivität
  • Serologie
  • Labor-«Set» an charakteristischen Parametern
  • HRCT

Laborcharakteristika

  • Differenzialblutbild PCT Fibrinogen
  • Lymphopenie Ferritin Troponin
  • Eosinophilie CRP D-Dimer
  • Thrombopenie Interleukin Blutgase

LDH Albumin

Corona-Impfskepsis


Soll ich mich (meine Familie, meine betagten Eltern, meine Kinder …) gegen Corona impfen?, stellte Prof. Dr. med. Philip Tarr, Co-Chefarzt, Medizinische Universitätsklinik Kantonsspital Baselland, Universität Basel, in den Raum. Er präsentierte eine durch den Schweiz. Nationalfonds subventionierte Studie über impfskeptische Eltern und Ärzte.

Ziele der Studie waren:

  • Gründe für Impfskepsis von Eltern und Ärztinnen besser verstehen
  • Gründe von Eltern, welche komplementär- bzw. alternativmedizinische Praxen aufsuchen, berücksichtigen.
  • Verbesserung von Impfverständnis, Kommunikation und Impfberatung für Ärzte, Eltern und Jugendliche in der Schweiz.

Es wurden detaillierte Interviews mit komplementär-medizinisch tätigen Ärzten und Beobachtungen von Impfkonsultationen durchgeführt. Die Konsequenzen des Referenten waren, dass wir zum besseren Umgang mit impfskeptischen Eltern von der patientenorientierten Kommunikations- und Arbeitsweise von Komplementärmedizinern lernen können. Dies bedeutet insbesondere, dass man sich Zeit nehmen sollte, um die Wünsche der Eltern zu verstehen, die Patienten in Impfentscheidungen einzubeziehen, und ihre Bedenken sollten ernst genommen werden.
Schulmedizinisch orientierte Ärzte finden impfskeptische Patienten oft anstrengend und zeitaufwendig. Besorgte impfskeptische Eltern fühlen sich von schulmedizinischen Ärzten teils nicht ernst genommen und suchen eine Komplementärmediziner- in auf. Diese finden dagegen, dass impfskeptische Patienten nicht mühsam sind und betrachten die Beratung von impfskeptischen Personen als eines ihrer Kerngeschäfte.

Die bisherige Impfkommunikation könnte kontraproduktiv sein

Der Referent führte als Beispiel das BAG-Bulletin 3 vom 15. Januar 2018, «Aktueller Stand zur Wirksamkeit und Sicherheit der verfügbaren Impfstoffe», auf. Die Impfungen werden als sicher und wirksam beurteilt. Impfskeptische Ärzte sagen dazu: «Solche Artikel nehmen wir als ’Impfpropaganda’ wahr und lesen sie gar nicht mehr.» Auch impfskeptische Eltern und Pflegefachpersonen scheinen wenig empfänglich zu sein für die bisherige Art der «Impfbotschaften» von Behörden und Ärzten.
Was heisst aber kontraproduktiv konkret? Die wiederholte Betonung, dass Impfstoffe sicher und wirksam sind, erzeugt einen paradoxen Effekt, indem die wahrgenommene Sicherheit von Impfungen abnimmt. Die wiederholte Betonung, dass die Impfskepsis zunimmt und die Impfraten sinken (was nicht stimmt) fördert Misstrauen und Skepsis. Dagegen sollten Informationen für eine ausgewogene und individuelle Impfberatung veröffentlicht werden. Der Referent verweist dazu auf den Update zur HPV-Impfberatung 2019 (Dietrich Lena et al. Swiss Medical Forum 2019;19:220-226), worin die Autorin festhält: «Medienberichte, Social Media, das persönliche Umfeld und insbesondere die Empfehlung der Ärztin haben einen bedeutenden Einfluss beim HPV-Impfentscheid. Wer Impfberatungen durchführt, sollte gemäss dem aktuellen Wissensstand ausgewogene Informationen zur HPV-Impfung vermitteln und den Adoleszenten und Eltern urteilsfrei ein offenes Ohr anbieten können. Die Kenntnis der Faktenlage wird ihnen die bestmögliche, individuelle Entscheidung für ihre Gesundheit ermöglichen.»

Impfskepsis gegenüber Corona Impfung

  • Noch nie wurde erfolgreich eine Impfung gegen ein Coronavirus entwickelt
  • Noch nie wurde erfolgreich eine sichere und wirksame Impfung auf RNA Technologie entwickelt
  • Noch nie kam eine sichere und wirksame Impfung innert weniger als einem Jahr auf den Markt
    o Ja nicht einmal innert weniger als 5 Jahren
  • Die allerersten Dosen mRNA-Covid-Impfungen wurden Ende Juli 2020 gegeben.

Wir können heute, 5 Monate später, seltene langfristige Nebenwirkungen der Impfungen nicht ausschliessen (Prof. Christoph Berger, TV SRF Puls 4.1.2021).
Impfskepsis scheint also etwas völlig Normales zu sein. Wie kann man heute Vertrauen in die Wirksamkeit und Sicherheit einer Impfung haben, die es erst seit wenigen Monaten gibt? Dazu sind die folgenden Fragen berechtigt:

  • Wie lange hält der Impfschutz?
  • Braucht es Auffrisch-Dosen?
  • Sind wir sicher, dass es nicht langfristige Nebenwirkungen geben wird ?
  • Kann ich das Virus trotz Impfung «still» kriegen und weitergeben?
  • Wie gut ist der Schutz
    o bei älteren Personen?
    o bei immungeschwächten Personen?
    o bei Schwangeren, bei Kindern?
  • Wird mein Arbeitgeber ein Impfobligatorium einführen?
  • Vorsicht: Impfobligatorien werden Widerstand auslösen und zu krankgeschriebenen und demonstrierenden Pflegefachpersonen führen.

Diese Fragen zu stellen ist adäquat. Wir sollten aufhören, Impfgegner und Impfskeptiker in einen Topf zu werfen. Sie unterscheiden sich in wesentlichen Punkten:

  • Impfgegner: etwa 1-3% der Bevölkerung: Sie sind gegen alle Impfungen
  • Impfskeptiker: ca. 30% der Bevölkerung
    o Machen sich Sorgen um Sicherheit von gewissen Impfungen
    o Impfen selektiv (diese, aber nicht jene Impfung)
    o Impfen später als offiziell empfohlen (z.B. erst mit 1-jährig)
    o haben erhöhten Informationsbedarf, gehen ev. zu 2 Ärzten, lesen Bücher, diskutieren mit Freunden und Familie

Ist zurückhaltendere, nuanciertere Kommunikation für Impfskeptiker überzeugender als die bisherige Impfbegeisterung?

Impfungen werden von Swissmedic nur zugelassen, wenn sie sicher und wirksam sind. Dafür werden sie gründlich getestet. Das Risiko ernsthafter Komplikationen bei einer Erkrankung am Coronavirus ist um ein Vielfaches höher als die Wahrscheinlichkeit schwerer Nebenwirkungen aufgrund der Covid-19-Impfung. Das Coronavirus ist die Gefahr, nicht die Impfung.
Das Covid-Komplikationsrisiko ist sehr stark altersabhängig. Auch der Nutzen der Impfung ist daher stark altersabhängig.
Fallsterblichkeitsraten und Hospitalisierungsraten in verschiedenen Altersgruppen (Quelle BAG):

Die Abwägung zwischen Impfen oder Abwarten mit der Impfung

Ohne Impfung: Die Angst Covid-19 zu kriegen ist stets vorhanden. Ich weiss aber, dass und wie ich mich vor einer Covid-Ansteckung schützen kann. Ich kann ja noch 2-3 Monate warten mit Impfen – bis dann weiss ich viel mehr über seltene Nebenwirkungen.
Mit Impfung: Es herrscht Angst vor seltenen Nebenwirkungen. Die Sorge, an Infektionen v.a. mit den neuen mutierten SARS-COV-2 Stämmen zu erkranken, ist aber überwunden.
Der Referent schloss mit den Worten: «Optimismus ist wichtig – wir werden uns noch ein paar Jahre mit SARS-CoV2 beschäftigen müssen».

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

Besteht tatsächlich eine Allergie?

Viele Menschen klagen über eine Nahrungsmittelunverträglichkeit. Eine solche sollte immer dahingehend abgeklärt werden, ob es sich wirklich um eine Allergie oder um eine anderweitig bedingte Intoleranz handelt.

Nahrungsunverträglichkeiten können allergisch bedingt sein oder durch eine Intoleranz verursacht werden» erläuterte Professor Peter Schmid-Grendelmeier, Zürich. Eine Allergie könne bei einer Anaphylaxie schlimmstenfalls tödlich enden, eine Intoleranz sei zwar auch oft sehr quälend und könne die Lebensqualität wesentlich beeinträchtigen, aber sie verlaufe nie tödlich. Deshalb sei es wichtig und sinnvoll, diese beiden Formen der Nahrungsmittelunverträglichkeiten streng auseinander zu halten. Patienten mit einer Anaphylaxie benötigten auch immer ein Notfall-Set.

Was spricht für eine Allergie?

Ob es sich um eine Allergie oder eine Intoleranz handelt, lässt sich manchmal schon anhand des klinischen Bildes beurteilen. Während bei Intoleranzen immer die gastrointestinale Symptomatik im Vordergrund steht, sind es bei Allergien die extraintestinalen Sym­ptome. Fast immer besteht bei Allergikern eine orale Allergie-Symptomatik, genauer gesagt, sofort nach der Allergenzufuhr entwickelt sich an den Lippen eine leichte Schwellung mit Juckreiz. «So etwas findet sich bei der Intoleranz nie», so Schmid-Grendelmeier. Weitere Manifestationen der Allergie sind die Haut in Form einer Urtikaria, das Bronchialsystem, und das Herz-Kreislaufsystem bis hin zum anaphylaktischen Schock. Nur in ca. 20% ist auch der Magen-Darm-Trakt betroffen.
Für die Diagnostik der Allergie biete sich primär der Skin-Prick-Test an. Als weitergehende Diagnostik steht die Bestimmung des spezifischen IgE im Serum zur Verfügung. Doch die traditionelle Diagnostik mit den bisherigen Screening-Tests ist ungenau, vor allem ist es schwer, damit Kreuzallergien zu erfassen. Wesentliche Fortschritte vor allem in Hinblick auf Kreuzallergien, bietet die Komponenten-basierte Allergendiagnostik. Mit einer solchen molekularen Allergiediagnostik können einzelne Moleküle bzw. Proteine getestet werden.

Intoleranzen sind häufig

Am bekanntesten und wohl auch häufigsten ist die Laktoseintoleranz. Ursache ist ein Mangel an Laktase, wobei es unterschiedliche Schweregrade gibt. Bei einer Milchunverträglichkeit sollte aber eine Kuhmilchallergie ausgeschlossen werden, obwohl eine solche sehr selten ist. Ursache der Fruktoseintoleranz ist eine intestinale Resorptionsstörung. Eine Erkrankung, die häufig mit einer Allergie verwechselt wird, ist die Histaminintoleranz.

Weizensensitivität: Mythos oder Fakt?

Viele Jahre wurde darüber gestritten, ob es neben der Zöliakie und der Weizenallergie auch noch eine Weizensensitivität gibt. Doch mittlerweile gibt es keine Zweifel mehr an diesem Krankheitsbild, auch wenn es eine Ausschlussdiagnose ist und der eigentliche Auslöser bisher nicht identifiziert werden konnte.
«Das Spektrum der Weizenunverträglichkeiten umfasst neben der Zöliakie und der Weizenallergie auch die Weizensensitivität, deren eigentliche Ursache allerdings noch unklar ist», so Schmid-Grendelmeier. Das Thema Weizensensitivität sei lange Zeit kontrovers diskutiert worden, aber die Datenlage sei zwischenzeitlich eindeutig. Die Weizensensitivität ist kein Mythos, sondern Fakt. Die Weizensensitivität sei auch relativ häufig mit anderen Erkrankungen assoziiert. Bei fast jedem Zweiten findet sich auch ein Reizdarmsyndrom, bei jedem Dritten eine andere Nahrungsmittelintoleranz bzw. IgE-vermittelte Allergie und bei jedem Vierten eine Auto­immunerkrankung.
Bevor die Diagnose «Weizensensitivität» gestellt wird, müssen die beiden anderen Ursachen der Weizenunverträglichkeit ausgeschlossen sein. Die Zöliakie ist autoimmunvermittelt und kann mit Hilfe der Zöliakie-Antikörper (Antikörper gegen Tissue-Transglutaminase (tTg), Gliadin oder Endomysium) und einer Duodenalbiopsie nachgewiesen oder ausgeschlossen werden. Die Weizenallergie dagegen ist IgE-vermittelt. Sie erfordert eine Abklärung mittels IgE-Rast im Serum oder mittels eines Prick-Hauttests. Das Spektrum der geklagten Beschwerden bei einer Weizensensitivität ist breit. Es umfasst nicht nur gastrointestinale, sondern auch extraintestinale Symptome. Am häufigsten sind Bauchschmerzen, ekzematöse Hautveränderungen, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Depression, Muskel- und Gelenkschmerzen, Übelkeit mit Erbrechen, Durchfall und Meteorismus.

Die Suche nach dem Auslöser

Der eigentliche Auslöser der Weizensensitivität ist bisher nicht bekannt. Diskutiert wird neben Gluten und ATIs auch das Darmmikrobiom. Für Gluten als Auslöser sprechen Ergebnisse von Studien, in denen durch eine Gluten-freie bzw. -arme Diät eine deutliche Verbesserung der Beschwerden erreicht werden konnte. In einer anderen Studie gelang es allerdings nur jedem Zweiten, die erhaltene Diät mit und ohne Gluten als solche korrekt zu identifizieren. Und auch nicht immer reagierten die Patienten nach einer Gluten-freien Ernährung mit entsprechender Symptomatik auf eine erneute Glutenprovokation.
Ein anderer Verdächtiger sind die ATIs (α-Amylase-Trypsin-Inhibitoren), die wichtig sind für die Resistenz der Pflanzen gegen Schädlinge und in neueren Getreidezüchtungen vermehrt nachweisbar sind. Diese ATIs, die nicht oral verdaut werden können, aktivieren Monozyten und Makrophagen und stimulieren das angeborene Immunsystem, wobei auch vermehrt proinflammatorische Zytokine freigesetzt werden. Bei Patienten mit einer Weizensensitivität findet sich in der Tat eine systemische Immunaktivierung und Epithelschädigung an der Darmschleimhaut. Da unter ATIs aber auch bei Kontrollpersonen eine Stimulation des nativen Immunsystems nachgewiesen werden konnte, stellt sich die Frage, warum ATIs nur bei wenigen Menschen eine Weizensensitivität auslösen können? Ist bei ihnen der Schwellenwert niedriger oder liegt bei diesen eine Überaktivierung vor oder fehlt die negative Regulierung? Die Brücke zwischen Gluten und ATIs ergibt sich daraus, dass glutenhaltige Lebensmittel den höchsten Gehalt an ATIs haben.
Wenn bei einem Patienten die Diagnose «Weizensensitivität» gestellt ist, empfiehlt sich zunächst über 6 bis 8 Wochen eine glutenfreie Ernährung. Danach sollte die Glutenzufuhr nach der individuellen Toleranzschwelle erfolgen. «Grundsätzlich kann und sollte die Diät weniger strikt sein als bei der Zöliakie», so die Empfehlung von Schmid-Grendelmeier.

Quelle: Prof. Peter Schmid-Grendelmeier, Dr. Susann Hasler, MediDays 2020, 3.9.2020

Dr. med.Peter Stiefelhagen

ESMO in the Alps, Zürich

Das Meeting ESMO in the Alps 2020, das gleichzeitig im Hotel Zürichberg und online stattfand, stellte eine globale Bühne für den Austausch und die Debatte herausragender translationaler Krebsforschung dar, mit ersten Ankündigungen von praxisverändernden Daten und multidisziplinären Must-have-Gesprächen, die zumindest zum Teil transformative Therapien gegen Krebs angeregt haben. Die Sessions wurden von 5 Chairmen moderiert und von 14 Experten kommentiert. Die folgende Übersicht berichtet über die Sessions I, II und IV und die präsidiale Präsentation. Die Sessions III und V wurden bereits in der ESMO-Kongresszeitung 2020 der «info@onkologie» vorgestellt.

Session I: GI Tumoren

Oxaliplatin plus Fluoropyrimidine als adjuvante Therapie bei Dickdarmkrebs bei älteren Patienten: eine Subgruppenanalyse der TOSCA-Studie

Die TOSCA-Studie war Teil der IDEA-Metaanalyse, Stadium III Kolonkarzinom. Sie ist eine Phase-III-Non-Inferioritätsstudie, in der 3759 Patienten randomisiert wurden und in der die Dauer der adjuvanten Behandlung bei Kolonkarzinom untersucht wurde.
Frühere Studien legten nahe, dass die Standardbehandlungskombination von Oxaliplatin und Fluoropyrimidinen zur adjuvanten Therapie von Dickdarmkrebs im Stadium III einen verringerten Nutzen für Patienten über 70 Jahre zeigte.
Ziele und Endpunkt der nun von Dr. Sara Lonardi, Padova, präsentierten Ergebnisse waren die Untersuchung des Einflusses des Alters (<70 vs. ≥ 70-jährig) unabhängig vom Randomisierungsarm auf die Wirksamkeit von Oxaliplatin-basierter Therapie bei Patienten mit Kolonkarzinom im Stadium III, die an der TOSCA-Studie teilnahmen und die Beurteilung der Behandlungscompliance.
In der Studie konnte keine Non-Inferiorität von 3 gegenüber 6 Monaten Behandlung gegenüber der vordefinierten Marge von 20% relativer Zunahme gezeigt werden. Es wurde jedoch eine qualitative, nicht statistisch signifikante Wechselwirkung zwischen Behandlungsschema und Behandlungsdauer beobachtet: Bei CAPOX waren 3 Monate so gut wie 6 Monate; bei FOLFOX ergaben 6 Monate einen zusätzlichen Nutzen.
Die Ergebnisse der TOSCA-Studie stimmten mit denen der gepoolten Analyse IDEA bei mehr als 12800 Patienten, die in 6 Studien eingeschlossen waren, überein. Bei älteren Menschen wurde ein höherer Anteil von Rückfällen beobachtet als bei den unter 70-Jährigen (24,2% vs. 20,3%, p=0,033).
Die multivariate Analyse des rückfallfreien Intervalls deutete jedoch keinen statistisch signifikanten Alterseffekt an (HR 1,19, 95%CI 0,98-1,44, p=0,082). Unterschiedliche prognostische Faktoren und möglicherweise eine verringerte Compliance könnten dafür verantwortlich sein, dass bei älteren Menschen eine leichte Verringerung des Nutzens einer Chemotherapie beobachtet wurde.

Stellungnahme der Experten
Sollte man eine Doublettchemotherapie bei (>70 Jahre) Patienten mit Kolonkarzinom Stadium 3 geben? Die Diskussion unter den Experten ergab einhellig, dass die Schlussfolgerungen nicht korrekt sind und dass die Studie die gestellten Fragen nicht konklusiv beantworten konnte. Die Patienten wurden zu einer Dublettchemotherapie selektioniert. Zur Frage der Dublettchemotherapie müssten Patienten mit Dublettchemotherapie gegen eine Monotherapie randomisiert werden. Die Dublettchemotherapie ist höchstens für sehr fitte Patienten, die älter als 70 Jahre alt sind, geeignet.

Wirkung von 5 Jahren Bildgebung und CEA-Follow-up zur Erkennung eines Wiederauftretens von Darmkrebs in PRODIGE 13

Die intensive Nachsorge von Patienten nach kurativer Operation bei kolorektalem Karznom wird von verschiedenen wissenschaftlichen Gesellschaften empfohlen. Diese Empfehlungen basieren hauptsächlich auf Expertenmeinungen, und die Ergebnisse der wenigen durchgeführten klinischen Studien sind umstritten. Zudem konnte kein Überlebensvorteil nachgewiesen werden.
Die von Prof. Côme Lepage, Dijon, vorgestellte Studie PRODIGE 13 ist eine prospektive, multizentrische, kontrollierte Studie, die durch doppelte Randomisierung die Auswirkungen 1. einer intensiven radiologischen Überwachung (CT-Scan/6m) im Vergleich zu einer Standardüberwachung (abdomineller Ultraschall/3m und Thoraxröntgen/6m) und 2. einer CEA-Bewertung im Vergleich zu keiner, bei der Nachbeobachtung von reseziertem kolorektalem Karzinom im Stadium II oder III ohne Anzeichen einer Resterkrankung bei der postoperativen Untersuchung bewertet. Die Ziele waren Verbesserung des Überlebens durch Nachweis von Wiederauftreten und/oder metachronen Krebsarten. Die Methoden umfassten körperliche Untersuchung, Biologie (CEA), Bildgebung: Thoraxröntgen, abdominaler Ultraschall, CT-Scan, Koloskopie. Es sollte bestimmt werden, welche Untersuchungen durchgeführt werden sollten und was die optimale Häufigkeit für die Rezidivüberwachung ist.
Die Studie zeigte für keinen der Überwachungsarme einen Unterschied hinsichtlich OS. Beim Kolonkarzinom zeigen die vorläufigen Ergebnisse, dass die Überwachung mittels CEA+/CT-Scan zu einer Zunahme der kurativen Resektionen führt. Dies hat aber keinen Einfluss auf das Gesamtüberleben. Die Richtlinien für die Überwachung des kolorektalen Karzinoms nach kurativer Resektion sollten geändert werden.
Der neue Standard könnte lauten: Regelmässige semiologische Untersuchungen von Patienten mit Hilfe von Ultraschall und Thorax-Röntgen. Die CEA-Überwachung ist nutzlos. CT-Scans sollten nur bei Verdacht auf ein Rezidiv durchgeführt werden (klinisch + / – Bildgebung). Weitere Entwicklungen dieser Studie sind bereits im Gange (Immunkontextur, cDNA, Heat Shock Proteine, neue anatomische Pathologie-Parameter. Die endgültige Analyse der sekundären Endpunkte wird 2021 verfügbar sein.

Stellungnahme der Experten
Die Experten sind sich einig, dass dies eine sehr gute und wichtige Studie ist. Die Resultate sind in Kontrast mit den Empfehlungen der SGG, die eine häufigere Kontrolle empfehlen. Manche Patienten wünschen zudem eine engmaschige Kontrolle. Der Expertenkonsens ist, dass die SGG-Guidelines revidiert werden sollten. Ein Risiko-adaptierter Follow-up der Guidelines wäre hilfreich.

Avelumab plus Cetuximab bei vorbehandelten RAS Wildtyp metastasierenden Patienten mit kolorektalem Karzinom als Rechallenge-Strategie: Die Phase II Studie CAVE /Cetuximab AVElumab) bei metastatischem KRK

Die Antikörper-abgängige Zellzytotoxizität (ADCC) wird durch monoklonale IgG1-Antikörper wie beispielsweise Cetuximab verstärkt und kann sowohl die angeborene wie die erworbene Immunantwort aktivieren. Die Induktion von ADCC in der Tumorumgebung könnte eine signifikante Rolle in der Verstärkung der Antitumor-Aktivität der Kombination spielen. Präklinische und klinische Evidenz zeigen, dass die Behandlung mit Cetuximab plus Avelumab bei NSCLC-Zelllinien in vitro selektiv ADCC induziert und Antitumoraktivität aufweist. Die Aktivierung der durch NK-Zellen getriebenen ADCC bei chemorefraktären NSCLC-Patienten wurde in einer kleinen Einzelarm-Proof of Concept-Studie vorhergesagt.
CAVE Colon ist eine einarmige, multizentrische Phase-II-Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit von Avelumab und Cetuximab bei vorbehandelten RAS WT-Patienten mit metastatischem Kolonkarzinom. Sie wurde von Dr. Erika Martinelli, Neapel, vorgestellt. Die Resultate der CAVE-Studie ergeben die erste klinische Evidenz, dass die Behandlung mit Cetuximab plus Avelumab als Rechallenge-Strategie effektiv ist, gut toleriert wird und bei vorbehandelten chemorefraktären RAS Wildtype-Patienten mit metastatischem Kolonkarzinom effektiv ist. Dieses Chemotherapie-freie Regime ist im Vergleich zu den derzeitigen Standarddrittlinientherapien in Bezug auf Sicherheit und Wirksamkeit vorteilhaft.

Stellungnahme der Experten
Ansprechraten ungefähr 10%. Die Kombination ist nicht sehr effektiv. Die Meinung ist geteilt, DK ist nicht so negativ. Er setzt diese Kombination bei gewissen Patienten ein. Die Flüssigbiopsie, die in der Studie zum Nachweis einer RAS-Mutation verwendet wurde, wird empfohlen, um einer nutzlosen Therapie vorzubeugen. Insgesamt zeigen sich die Experten von den Studienresultaten eher enttäuscht.

Hepatische transarterielle Infusionschemotherapie (TACE) mit Oxaliplatin, Fluorouracil und Leucovorin versus transarterielle Chemoembolisierung bei inoperablem hepatozellulärem Karzinom (HCC)

Studienrationale: Chemoembolisation ist der Behandlungsstandard für Leberzellkarzinom im intermediären Stadium. Die Wirksamkeit von TACE auf grosse Leberzellkarzinome ist bei weitem nicht zufriedenstellend. Die Krankheitskontrollrate betrug in früheren Studien nur 50% und die mittlere Überlebenszeit nur 9-13 Monate. Die frühere Phase-II-Studie der Autoren deutete darauf hin, dass hepatische arterielle Infusionschemotherapie (HAIC) mit Oxaliplatin, Fluorouracil und Leucovorin (FOLFOX) ein signifikant besseres Therapieansprechen als TACE hat. Nun berichtete Dr. Ming Shi, Guangzhou, China, über Resultate einer Phase-III-Studie mit HAIC FOLFOX vs. TACE bei Patienten mit unresezierbarem HCC.
HAIC scheint eine höhere Wirksamkeit und Sicherheit im Vergleich zu TACE bei unresezierbarem HCC zu haben. HAIC mit FOLFOX verbesserte das OS signifikant im Vergleich zu TACE (23,1 vs. 16,07 Monate). HAIC mit FOLFOX erzielte signifikante Verbesserung in PFS und ORR und ergab weniger schwere unerwünschte Ereignisse als TACE.

Stellungnahme der Experten
Dies ist eine neue Behandlungsstrategie, die in China durchgeführt wurde und bestätigt werden muss. Die Resultate sind eher mager mit einem OS von 16 auf 24 Monate und einem ebenso kurzen PFS. TACE ist in unserer Region das Standardverfahren. Mit HAIC gibt es noch wenig Erfahrung. Es kam eine ungewöhnliche Zusammensetzung in TACE mit einer Mischung von Lobaplatin plus Epirubicin plus Lipiodol zur Anwendung, die hier nicht verwendet wird. TACE bleibt Standard of Care. Es wurden viele schlechte Resultate mit HAIC gesehen. Die Studie wird als nicht praxisändernd für unsere Länder beurteilt.

Metastatisches duktales Pankreaskarzinom:
Phase-II-Studie mit Gemcitabin und Nab-Paclitaxel vs. Gem, Nab-P, Durvalumab (D) und Tremelimumab (T) als 1st-Line-Therapie der Canadian Cancer Trial Group PA.7

Gemcitabine (Gem) + Nab-Paclitaxel (Nab-P) und FOLFIRINOX stellen die Standard-1st-Line-Therapieoption bei metastatischem duktalem Pankreaskarzinom (mPDAC) dar. Die Immuncheckpoint-Blockade hat bei mPDAC minimale Aktivität ausserhalb des dMMR-Settings gezeigt. Die Mechanismen der Immunresistenz könnten krebsassoziierte Fibroblasten und andere Tumormikroumgebungsfaktoren, die durch GEM + Nab-P vermindert sind, beinhalten.
Durvalumab ist ein selektiver IgG1 monoklonaler Antikörper gegen PD-L1. Tremelimumab ist ein selektiver Antikörper gegen CTLA-4. Eine Phase-Ib-Studie zeigte, dass Darvulumab und Tremelimumab sicher kombiniert werden können.
Der Sicherheits-Run-in von 11 Patienten mit mPDAC, die GEM+Nab-P + D + T erhielten, zeigte keine Toxizität.
Die Zugabe von Durvalumab und Tremelimumab zu Gemcitabin und Nab-Paclitaxel ergab keine signifikante Verbesserung des OS, PFS oder der ORR. Es zeigte sich ein Trend zu verbesserter DCR im experimentellen Arm. Es sind weitere Studien zur Untersuchung von Biomarkern unterwegs, die die Immunsensitivität in diesem Setting voraussagen können, berichtete Dr. Daniel Renaud, Vancouver, der die Studie vorstellte.

Stellungnahme der Experten
Die Experten befanden, dass es eine wichtige Studie ist, die aber negativ ausfiel. Es läuft derzeit nicht viel bezüglich Immuntherapie beim Pankreaskarzinom, obschon sich alle Patienten mit Pankreaskarzinom für eine Immuntherapie interessieren, wird festgestellt. Es wird aber betont, dass den Patienten erklärt werden muss, dass Immuncheck-inhibitoren beim Pankreaskarzinom keinen Stellenwert haben.

Session II: Sarkome, Varia (Haut-, ZNS-Tumoren, COVID-19)

Die vier Studien JAVELIN Head and Neck, PembroRad (GORTEC), IMCISION und Xevinapant (DEBIO 1143) wurden von PD Dr. Dr. Sacha Rothschild zur Diskussion ausgewählt.
In JAVELIN-Phase 3 Head and Neck 100 zeigte der Vergleich von Avelumab plus Chemoradiotherapie (CRT) gefolgt von Avelumab-Erhaltungs- vs. CRT bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Plattenepithelzellkarzinom von Kopf und Hals (LA-SCCHN) in der Interimsanalyse keine signifikante Verbesserung durch die Zugabe von Avelumab, wie Dr. Ezra E. Cohen, La Jolla, USA berichtete. Hochdosierte Cisplatin-basierte CRT ist die derzeitige Standardtherapie bei unresezierbarem LA-SCCHN. Anti-PD-1 Immuncheckpoint-Inhibitoren haben sich als effektiv für die Behandlung von wiederkehrenden und/oder metastatischen SCCHN erwiesen. Die Daten über die Verwendung von Immuncheckpoint-Inhibitoren sind aber bei LA-SCCHN limitiert. Avelumab, ein anti-PD-L1 Immuncheckpoint-Inhibitor hat Antitumoraktivität gezeigt und hatte ein annehmbares Sicherheitsprofil bei einer Vielzahl von soliden Tumoren, inklusive wiederkehrende und/oder metastatische SCCHN. Die Autoren stellten die Hypothese auf, dass Avelumab mit CRT das Outcome bei Patienten mit
LA-SCCHN verbessern könnten.
Javelin Head and Neck 100 ist die erste randomisierte Phase-III-Studie mit einem Immuncheckpoint-Inhibitor, kombiniert mit CRT bei irgendeinem Tumortyp. Die Studie wurde wegen Nutzlosigkeit gestoppt. Avelumab + CRT gefolgt von Avelumab-Erhaltungstherapie verbesserte das PFS nicht signifikant im Vergleich zu Placebo + CRT gefolgt von Erhaltungstherapie. Die CRT-Exposition war konsistent zwischen den Avelumab- und Placeboarmen, ein höherer Anteil Medikamenten-assoziierter unerwünschter Nebeneffekte von Grad 3/4 kamen im Avelumab-Arm (80%) vs. Placebo (74%) vor. Auf Grund der exploratorischen Analyse begünstigte die beobachtete Hazard Ratio für PFS numerisch Avelumab +CRT bei PD-L-1 starken Tumoren. In Anbetracht der starken Begründung, einen Immuncheckpoint-Inhibitor zu CRT in LA-SCCHN zu geben, war das Ausbleiben einer Verbesserung im PFS durch die Zugabe von Avelumab zur CRT unerwartet.
Eine Analyse zum besseren Verständnis dieser Resultate ist am Laufen. Diese Daten werden dazu beitragen, über das Design laufender und zukünftiger Studien zur Kombination von Immuncheckpoint-Inhibitoren und Strahlentherapie +/- Chemotherapie zu informieren. Künftige Studien könnten sequentielle vs. gleichzeitige Behandlungen, fraktionierte Radiotherapie plus anti-PD-1/PD-L1-Therapien oder Biomarker bestimmte Subgruppen untersuchen.

Stellungnahme der Experten
Die Daten sind unerwartet. In einer zweiten, auch am ESMO vorgestellten Studie PembroRad/GORTEC 2015-01, wurden die Resultate bestätigt. In dieser Studie wurde Cetuximab + Radiotherapie mit Pembrolizumab + Radiotherapie bei für Cisplatin unfitten Patienten (wegen Niereninsuffizienz) verglichen. Das primäre Outcome (lokale regionale Kontrolle, PFS und OS) war in dieser Studie ebenfalls negativ. Immuncheckpoint-Inhibitoren spielen demnach keine Rolle im Zusammenhang mit Radiochemotherapie oder Radiotherapie im kurativen Setting. Eine Subgruppe von Patienten mit hoher PD-L-1 Expression scheinen einen gewissen Benefit zu haben. PD-L-1 ist aber variabel und kann durch die Radiotherapie beeinflusst werden. Die Resultate sollten jedenfalls mit Vorsicht beurteilt werden. Eine weitere Studie zu diesem Thema ist Keynote-412, mit einem ähnlichen Design wie JAVELIN. Die entsprechenden Resultate sind aber noch nicht verfügbar, so Rothschild. Er erwähnte ferner die Phase-I/II-Studie IMCISION. In einer Phase I wurden im Arm A 6 Patienten mit Nivolumab vor der Chirurgie behandelt, im Arm B mit Novolumab + Ipilimumab, gefolgt von Nivolumab und darauf Chirurgie. Die Studie war nicht randomisiert, obschon es den Anschein macht. Nivolumab mit/ohne Ipilimumab induzierte bei 31% (beinahe) komplettes Ansprechen mit überlegenem RFS nach 14 Monate Follow-up. Die Resultate wurden als zumindest nicht inferior beurteilt. Die Statistikerin hielt dagegen, dass bei einer als superior definierten Studie die Resultate, auch wenn sie keinen Unterschied zwischen den Therapien zeigen, nicht als nicht inferior bezeichnet werden dürfen.

Gleichzeitige hochdosierte Cisplatin-Chemobestrahlung plus Xevinapant oder Placebo bei fortgeschrittenen Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinomen: 3 Jahre Follow-up

Xevinapant ist ein neues Medikament mit dem neuartigen Mechanismus der Inhibition der Apoptose. Eine Phase-II-Studie zum Vergleich von Xevinapant plus hochdosierte Cisplatin-Therapie mit Placebo plus hochdosierte Cisplatin-Therapie bei LA-SCCHN wurde von Prof. Jean Bourhis, Lausanne vorgestellt.
≥50% der LA-SCCHN-Patienten werden einen Rückfall der Krankheit erfahren. Starke Raucher und HPV-negative OPC-Patienten haben eine schlechte Prognose und stellen ein unerfülltes Bedürfnis dar. Resistenz für Radiotherapie bleibt ein Hauptgrund für schlechte Überlebensraten. Apoptoseproteininhibitoren können die Apoptose negativ regulieren und die Immunantwort modulieren. Sie sind in einer Vielzahl von Tumoren inklusive SCCHN überexprimiert. Xevinapant ist ein neuer, oral verfügbarer Apoptoseproteininhibitor, welcher Chemo/Radio-Sensibilisierungseigenschaften bei SCCHN-Modellen gezeigt hat. Die Studie zeigte eine statistisch signifikante und klinisch bedeutsame Verbesserung im OS (HR 0,49; 0,25-0,92. p=0,026). Das mediane OS wurde im Xevinapant-Arm noch nicht erreicht. Der auf 5-Jahre verlängerte OS-Follow-up ist noch am Laufen. Xevinapant zeigte eine klinisch überzeugende PFS-Verbesserung (HR 0,34;0,17-0,68; p=0,0023). Die Xevinapant-Zugabe ging mit einem guten Sicherheitsprofil einher, welches die CRT Gabe nicht beeinträchtigte. TrilynX, eine Phase-III-Studie zur Bestätigung, ist derzeit am Laufen.

Stellungnahme der Experten
Die Experten bestätigen, dass dies eindrucksvolle Daten mit einem sehr interessanten Medikament sind. Die Resultate ermutigen im Hinblick auf PFS mit einem signifikanten und klinisch relevanten OS-Nutzen. Es muss aber festgehalten werden, dass es eine randomisierte Phase-II-Studie ist, mit nur 50 Patienten pro Arm, und somit ist es zu früh, definitive Schlussfolgerungen zu ziehen. Das Medikament ist ausserhalb von klinischen Studien noch nicht verfügbar und eine Phase-III-Studie unabdingbar. Es bleibt zu hoffen, dass diese sehr positive Phase-II-Studie es zur Phase III schaffen wird. PD Rothschild ergänzte, dass Xevinapant nicht nur ein Apoptoseinhibitor ist, sondern auch ein Induktor der Immunantwort. Es ist bestimmt ein interessanter Partner für Immuncheckpoint-Inhibitoren. Die Frage stellt sich, ob in der Tat eine Chemotherapie in Kombination mit diesem Medikament notwendig ist.

Hohe klinische Benefitraten mit Pembrolizumab als Monotherapie bei ausgewählten seltenen Sarkomhistotypen: Erste Ergebnisse der AcSé Pembrolizumab-Studie. Immuntherapie bei Sarkomen?

Das AcSé Immunotherapieprogramm wurde vom französischen Nationalen Krebsinstitut lanciert und durch das französische Netzwerk der Krebszentren gesponsert. Es ist ein landesweites Untersuchungsprogramm, das den Zugang zu Anti-PD-1-Therapien ausserhalb ihrer derzeitigen Zulassung ermöglicht.
Immuncheckpoint-Inhibitoren haben bei unausgewählten Populationen mit Sarkom nur eine begrenzte Aktivität gezeigt. Sarkome umfassen aber mehr als 150 verschiedene Erkrankungen. Das Ziel dieser Studie war es, die Wirksamkeit und Sicherheit von Pembrolizumab bei Patienten mit seltenen Sarkomsubtypen zu untersuchen.
AcSé Pembrolizumab, die von Prof. Jean-Yves Blay, Lyon, vorgestellte Studie ist eine multizentrische, einarmige Phase-II-Studie. AcSé behandelte 81 Patienten mit seltenen fortgeschrittenen Sarkomen, die bis zu 2 Jahre lang gegen eine Standardbehandlung mit Pembrolizumab resistent waren. Der primäre Endpunkt war die objektive Ansprechrate (ORR) und die sekundären Endpunkte umfassten das progressionsfreie Überleben (PFS), die Gesamtüberlebenszeit (OS), die Dauer des Ansprechens (DOR), die klinische Nutzenrate und die Sicherheit.
Das ORR betrug 15%. Das beste Ansprechen war ein Teilansprechen (PR); es gab keine Fälle vollständigen Ansprechens. Die PR-Rate unterschied sich zwischen den Histotypen, wobei die PR-Rate bei ASPS mit 35,7% am höchsten war, gefolgt von SMBT mit 33,3%, dem Epithelsarkom mit 20%, der anderen Gruppe mit 9% und dem Chordom mit 8%.
Insgesamt lag der Median des PFS bei 7,9 Monaten. Das PFS variierte auch zwischen den Histotypen (P=.013) mit einem Median von 5,7,  14, 5 und 2,7 Monaten für Patienten mit Chordom, ASPS, DSCRCT und anderen. Der Median PFS wurde bei Patienten mit SMBT nicht erreicht. Die 1-Jahres-PFS-Raten betrugen 35%, 58%, 0%, 62,5% bzw. 8%.
Das mediane OS variierte auch je nach Histologie. Es betrug 20, 7,4 und 5,4 Monate für Chordom, DSRCT und andere. Bei den anderen Histo-
typen wurde das mediane OS noch nicht erreicht. Die 1-Jahres-OS-Rate betrug 72% für Chordom, 90% für ASPS, 50% für DSCRCT, 83% für SMBT und 40% für andere.
Diese Sarkome sind nicht konsistent mit PD L-1-Expression, hoher Tumorlast, Zellinfiltraten und tertiären Lymphoidstrukturen assoziiert: die translationale Forschung zum besseren Verständnis der verschiedenen Determinanten ist im Gange.

Stellungnahme der Experten
Es wurden ungewöhnliche Tumortypen eingeschlossen. Die Antwortrate war 50%. Es gibt einige Subtypen bei denen die Immuntherapie wirken könnte, es muss aber herausgefunden werden, welche dies sind. Die PFS-Daten können nicht unbedingt verwendet werden.

TRAMUNE: Eine Phase-Ib-Studie zur Kombination von Trabectedin und Durvalumab

Trabectedin ist für Weichteilsarkom und Ovarialkarzinom zugelassen. Präklinische Daten deuten darauf hin, dass die Aktivität von Trabectedin zum Teil gegen tumorassoziierte Makrophagen gerichtet ist. Die TRAMUNE-Studie untersuchte die Sicherheit und die präliminäre Wirksamkeit der Kombination von Trabectedin mit Durvalumab bei Patienten mit unresezierbarem oder metastatischem Weichteilsarkom oder rezidiviertem Ovarialkarzinom.
Immuncheckpoint-Inhibitoren wie anti-PD1/PD-L1 haben bei Weichteilkarzinomen Aktivität gezeigt.
Die von Dr. Joseph A. Ludwig, Houston präsentierte Studie hat gezeigt, dass Trabectedin in Kombination mit Durvalumab, einem anti PD-L1, beim fortgeschrittenen metastatischen vorbehandelten Weichteilsarkom durchführbar ist. Die maximal tolerierte Dosis von Trabectedin ist 1.2mg/m2 D1 bei Gabe mit 1120mg Durvalumab D2, alle 3 Wochen. Das Sicherheitsprofil war wie erwartet mit Zytolyse und Neutropenie als häufigste unerwünschte Ereignisse des Grades 3-4.
Trabectedin plus Durvalumab zeigte vorläufige Aktivität bei einer unselektierten Population von gemischten Weichteilsarkomen. PDL1- und CD8-Expression waren niedrig = Cold Weichteilsarkom?
Baseline CD 163 positive Zelldichte war mit der Tumorschrumpfung nicht korreliert. Der Trend für ein Tumorprofil «CD8 hoch/CD 163 niedrig» bei Baseline war mit längerem PFS mit Trabectedin + Durvalumab assoziiert. Ergänzende Studien sind im Gange.

Stellungnahme der Experten
Die Resultate dieser Studie an stark vorbehandelten Patienten sind ermutigend. Sie müssen indessen in grösseren Kohorten von Patienten noch bestätigt werden.

Outcome systemischer Krebsbehandlung bei Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion: eine CCC19-Registeranalyse

Krebs und COVID-19: Krebspatienten sind anfällig für SARS-CoV-2-Infektion und nachfolgende Komplikationen: Höhere Raten an Spitaleinweisungen (bis zu 40%), schwere Atemwegserkrankungen (20%) und eine Sterblichkeit zwischen 9-30%. Eine kürzlich erfolgte Behandlung (<4 Wochen) scheint mit einer höheren Rate an Komplikationen vergesellschaftet zu sein. Wenig ist über jüngste oder mittelfristig erfolgte Behandlungen bekannt, so Dr. Trisha M. Wise-Draper, Miami, USA.
Die Autoren identifizierten in einer Kohorte von 928 Patienten mehrere Faktoren, die mit der 30-Tage-Gesamtmortalität assoziiert sind: Alter, männliches Geschlecht, früheres Rauchen, Anzahl von Komorbiditäten, niedriger ECOG und aktive Krebserkrankung. Eine kürzlich erfolgte Behandlung war mit dem Outcome nicht assoziiert.
Diese Korrelation zwischen Timing der Anti-Krebstherapie und COVID-19-bezogene Komplikationen und 30-Tage-Mortalität wurde in einer Kohorte von >3000 Patienten untersucht.
Es wurde festgestellt, dass die 30-Tage-Mortalität am höchsten bei Krebspatienten war, die 1-3 Monate vor der COVID-19-Diagnose behandelt wurden: die Gesamtmortalität betrug 28%.
Die unadjustierte 30-Tage-Mortalität war am höchsten bei denjenigen, die mit einer Chemotherapie behandelt wurden.
Die Mortalität war bei denjenigen am höchsten, die eine anti-CD20-Behandlung 1-3 Monate vor der zeitlichen Periode, in der sich eine signifikante B-Zelldepletion entwickelt, erhalten hatten.
Die Mortalität war bei denen höher, die sich einer aktiven Behandlung (mit Ausnahme der endokrinen Therapie) unterzogen hatten, im Vergleich zu den Patienten, die innerhalb eines Jahres vor der COVID-19-Diagnose unbehandelt waren.
Die Limitationen dieser Studie sind, dass sie retrospektiv mit deskriptiven Statistiken ist und einige Daten fehlen.

Stellungnahme der Experten
Diese Studie ist nicht vom diagnostischen, aber vom Behandlungsstandpunkt aus interessant. Eine Kritik war, dass alle Arten von Krebspatienten zusammengetan wurden, solche mit vielen Komorbiditäten, mit schlechter Lungenfunktion und mit den verschiedensten Behandlungen. Ein Experte beurteilte die Daten als wertlos, während ein anderer mit dieser Beurteilung gar nicht einverstanden war. Krebspatienten haben ein erhöhtes Risiko an COVID-19 zu versterben, das Risiko ist aber weniger als zweifach. Die mit Immunchemotherapie behandelten Tumore sind meist Lungentumore und mit hohem Risiko behaftet. Diese Patienten sterben an COVID-19. Die Immuntherapie allein scheint keine höhere Sterblichkeit an COVID-19 aufzuweisen. Die CD20-Daten sind von grossem Interesse. Diese Patienten sind meistens fit, im gleichen Alter (ca. 60 J.) und haben oft Lymphome. Ein hämatologischer Tumor verdreifacht das Risiko, an COVID-19 zu versterben, im Vergleich zu einem soliden Tumor. Vermutlich ist es nicht die Immunchemotherapie, die mit höherer Mortalität verbunden ist, sondern es sind die Komorbiditäten, die die mit Immunchemotherapie behandelten Patienten aufweisen. Immunchemotherapie bedeutet Lungenkrebs, so ein Experte.
Insgesamt wurde festgehalten, dass das Risiko für Mortalität wegen Krebs grösser ist als für Mortalität wegen COVID-19 und deshalb sollte die Krebstherapie aufrechterhalten werden.

Outcome und prognostische Faktoren einer SARS CoV-2-Infektion bei Krebspatienten: Eine Querschnittsstudie (SAKK 80/20 CaSA)

Kontroverse herrscht bezüglich des Outcomes von COVID-19 bei Krebspatienten. Einige Studien fanden ein schlechteres Outcome bei Krebspatienten im Vergleich zu Patienten ohne Krebs. Negative Konsequenzen der Pandemie, inkl. weniger Krebsscreening, -diagnose, -behandlung wurden festgestellt. Die Schätzung der COVID-19-Mortalität bei Krebspatienten betrug zwischen 14,6% und 36,6% (Bronchuskarzinom).
In der Studie wurde das COVID-19-Outcome bei Krebspatienten in einem von der Pandemie schwer betroffenen Land untersucht. Die Studie wurde von Prof. Dr. Dr. med. Markus Jörger, St. Gallen, präsentiert.
Die COVID-19-Mortalität bei schweizerischen Krebspatienten war höher als bei der Gesamtpopulation (17,8 vs. 5%). Eine substantielle Rate von Hospitalisationen (64,5%) und Notfalleinweisungen (12,0%) wurde festgestellt. Alter über 65 Jahre, nicht kuratives Setting und Einweisung in die Notfallstation waren starke negative prognostische Faktoren. Derzeitige und kürzliche (<3 Monate) Chemo- oder Immuntherapie beeinflusste COVID-19 nicht nachteilig (noch taten dies die Hauptkategorien von Komorbiditäten) und ein dezentrales Gesundheitssystem wie in UK oder US.

Stellungnahme der Experten
Prof. Mikos Pless, Winterthur, gratulierte allen Teilnehmern zum grossen Effort, der fortgesetzt werden soll. Es wurden widersprüchliche Daten gesehen, was auf verschiedene Faktoren zurückzuführen ist: die Krankheit und deren Status und worüber meist nicht gesprochen wird, der Wunsch des Patienten. Viele ältere Patienten wollen nicht mehr in die Notfallstation eingewiesen werden. Zudem stellt sich das Problem der Ressourcen, wie beispielsweise in Grossbritannien, wo anfänglich nicht genügend Intensivbetten zur Verfügung standen. Er wies ferner darauf hin, dass eine Pneumonitis der COVID-19-Infektion sehr ähnlich ist und oft kaum unterschieden werden kann. Das grösste Problem laut Prof. Pless ist der gemeinsame Nenner. Von welchen Patienten sprechen wir eigentlich? Er nennt dabei eine Registerstudie, die in England durchgeführt wurde (Williamson E et al. Nature 2020; 584: 430-436). Darin wurden die Primärversorgungsdaten von insgesamt 172878392 Erwachsenen pseudonym mit 10926 COVID-19-bezogenen Todesfällen in Verbindung gebracht. Es zeigte sich dabei, dass die HR 1,72 war, wenn die Krebsdiagnose vor weniger als einem Jahr erfolgte, und dass die HR auf 1,15 abnimmt, wenn die Krebsdiagnose 5 Jahre alt war. Bei hämatologischen Erkrankungen ist die HR grösser, beinahe 3, bei CD20 ist sie sehr hoch.
Insgesamt stellten die Experten fest, dass die Krebspatienten im Allgemeinen an Krebs sterben und nicht an COVID-19.

Spartalizumab plus Dabrafenib und Trametinib bei Patienten mit früher unbehandeltem BRAFV600-mutiertem unresezierbarem oder metastatischem Melanom

Dr. Paul D. Nathan, Mount Vernon Cancer Centre, UK, präsentierte die Resultate des randomisierten dritten Teils der Phase-III-COMBI i-Studie, einer multizentrischen internationalen Studie mit Beteiligung der Klinik für Dermatologie des Universitätsspitals Zürich (Prof. Reinhard Dummer).
Das Auftauchen von BRAFi- und MEKi-gerichteten Therapien zusammen mit Checkpoint-Blockade hat die Behandlung des metastatischen Melanoms geändert. Trotz dieser Fortschritte erleiden viele Patienten eine Krankheitsprogression und neue Strategien sind notwendig.
COMBI-i ist eine randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Phase-III-Studie, die den anti-PD1-Antikörper Spartalizumab plus Dabrafenib und Trametinib (Sparta-DabTram) vs. Placebo-DabTram untersuchte. Über die Resultate der Sicherheits-Run-in-Phase (Teil 1; N=9) und die Biomarker-Kohorte (Teil 2; N=27) wurde früher berichtet. Der dritte Teil von COMBI-i verfehlte den primären Endpunkt und Spart-DabTram verbesserte das Untersucher-bewertete PFS im Vergleich zu Placebo DabTram nicht signifikant. Die HR betrug 0,820 (p=0,042, einseitig) entsprechend einem medianen PFS von 16,2 Monaten bei Patienten, die mit Sparta-DabTram behandelt wurden vs. 12.0 Monate bei solchen, die Placebo-DabTram erhielten. Der Kontrollarm schnitt besser ab als erwartet.
Obschon das OS nicht formell untersucht wurde, war eine HR von 0,785 zu Gunsten von Sparta-DabTram zu beobachten und das mediane Überleben wurde in keinem der beiden Behandlungsarme erreicht.
Eine grössere Anzahl von Dosisänderungen (Reduktionen/Unterbrüche) und Abbrüchen wurden bei mit Sparta-DabTram behandelten Patienten beobachtet, was auf eine erhöhte Toxizität hinweist.
Zusätzliche Analysen sind am Laufen und für ein besseres Verständnis dieser Resultate geplant. Der weitere Überlebens-Follow-up könnte zusätzliche Einblicke vermitteln.

Stellungnahme der Experten
Warum erreichte die Studie das Ziel nicht? Die Patientenselektion und die Dosierung waren nicht optimal. Zu viele Patienten mit guter Prognose. Diese Art von Therapie sollte bei Hochrisikopatienten angewendet werden. Die Patienten im DabTram-Arm zeigten eine gute Performance, was schwierig zu toppen ist. Zudem gab es Dosierungsprobleme. Wenn eine Dosis reduziert wurde, konnte sie nicht wieder erhöht werden, was unter Umständen äusserst ungünstig war. So wurde konstant unterdosiert. Unterdosierung mit Kinaseinhibitoren ist indessen schlecht. Eine Diskussion zur Statistik ergab, dass immer mehr einseitige Tests zur Anwendung kommen. Dr. Hayoz stellt fest, dass einseitige Tests bei Vergleichen mit Placebo angewandt werden können und dass bei der Untersuchung zweier Behandlungsmethoden zweiseitige Tests zur Anwendung kommen sollten.

Phase-II-Studie SECOMBIT (SEquential COMbo Immuno und gezielte Therapie Studie): Erster Bericht über Wirksamkeit und Sicherheit

Gezielte Therapie (TT) und Immunotherapie (IO) revolutionierten die Behandlung von Patienten mit metastatischem Melanom. Dank der Immuntherapie (anti-PD-1s ± anti CTLA-4) und BRAF/MEK-Inhibitoren können bei mehr als 50% der MM-Patienten einen Langzeitnutzen erreichen. Es herrscht indessen kein Konsens über die richtige Sequenz zwischen gezielter Therapie und Immuntherapie und es gibt nur retrospektive Analysen ohne Daten von randomisierten kontrollierten Studien. Derzeit ist die Wahl der Behandlung eher durch die Patientencharakteristik geprägt als durch die Evidenz von Studien zur Sequenz. Secombit, eine Phase-II–Studie, randomisierte Patienten mit behandlungsnaivem BRAFV600E/K-mutiertem fortgeschrittenem Melanom zu BRAF-Inhibitor Dabrafenib und dem MEK-Inhibitor Trametinib zusammen mit dem PD-1-blockierenden Antikörper Pembrolizumab (Triplett; n = 60) oder zu Placebo (Dublett; n = 60).
69  Patienten wurden in Arm A (Combo T, Encorafenib, Binimetinib, 71 in Arm B (Combo I, Ipilimumab, Nivolumab) und 69 in Arm C (Sandwich Encorafenib Binimetinib) während 8 Wochen behandelt. Prof. Paolo Antonio Ascierto, Neapel, berichtete über vorläufige Daten zu PFS, ORR und Sicherheit.
Infolge der Stratifikationskriterien ergab sich ein leichtes Ungleichgewicht in Bezug auf LDH-Patienten und Anzahl metastatische Organe in den verschiedenen Studienarmen. Patienten mit LDH >2ULN und M1c waren eher gut ausgewogen. Bei der ersten Analyse waren ORR, mPFS und PFS 1- und -2-Jahresraten konsistent mit den in den Schlüsselstudien berichteten. Der erste Bericht des Gesamt-PFS zeigt einen interessanten Trend in Arm C (kurze Behandlung mit TT und Switch zu IO bei Ansprechen). Ein längerer Follow-up mit mehr reifen Daten zur Bestätigung dieser Resultate ist notwendig. In der zweiten Hälfte von 2021 werden zusätzliche Daten zu Gesamt-PFS und der erste Bericht zu OS (Hauptendpunkt) vorliegen. Eine parallele Biomarkerstudie, die zusätzliche Information über Ansprechen und Resistenzmechanismen vermitteln wird, ist ebenfalls unterwegs.

Stellungnahme der Experten
Der Ansatz wird als vorbildlich beurteilt. Dies ist wirklich ein Design, das unser Denken beeinflusst.
Wir glauben alle, dass Immunotherapie am besten wirkt, wenn wir minimale Tumorlast haben. Für BRAF-Mutationen steht eine sehr verlässliche Medikation zur Verfügung. Warum verbessern wir den Startpunkt für die Immuntherapie nicht artifiziell durch Start mit zielgerichteter Therapie statt mit Immuntherapie. Der Sandwich Approach sollte zunächst eingesetzt werden, obschon dies formell nie getestet wurde. Der Ansatz ist aber vorbildlich. Der 8-Wochenansatz wurde ebenfalls diskutiert. Man sollte nicht über der maximalen Aktivität sein. Bei sehr aggressiven Tumoren ist das Maximum nach 8 Wochen erreicht. Hilfreich wäre ein Biomarkeransatz.

Nivolumab plus Cabozantinib versus Sunitinib in der 1st-Line-Behandlung des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms: Erste Resultate der randomisierten Phase-III-Studie Checkmate 9ER

Die Studie brachte eine neue Erstlinienoption für Patienten mit fortgeschrittenem Klarzell-Nierenzellkarzinom.
Nivolumab und Cabozantinib haben beide Verbesserungen im OS als Einzelagentien in Phase-III-Studien gezeigt. Nivolumab vermittelt Antitumorantworten durch Hinderung des Tumors an der Umgehung der Immunerkennung. Cabozantinib hat anti-angiogene und immunmodulatorische Eigenschaften, die der tumorinduzierten Immunsuppression entgegenwirken können. Nivolumab + Cabotantinib zeigte vielversprechende vorläufige Antitumor-Aktivität in einer Phase-I-Studie bei Patienten mit fortgeschrittenen urogenitalen Malignitäten und schaffte eine Rationale für die Kombination.
Prof. Toni K Choueiri, Boston, stellte erste Resultate der Phase-III Checkmate 9ER-Studie mit Nivolumab + Cabozantinib versus Sunitinib in der 1st-Line Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Klarzell Nierenzellkarzinom vor.
Die erstere erfüllte alle Wirksamkeitsendpunkte und zeigte Überlegenheit der 1st-Line-Behandlung Nivolumab + Cabozantinib gegenüber Sunitinib. Reduktion des Risikos für Krankheitsprogression oder Tod um 49%. Reduktion des Risikos für Tod um 40% und eine absolute ORR-Zunahme von 29%. Nivolumab plus Cabozantinib zeigten konsistente PFS-, OS- und ORR-Vorteile gegenüber Sunitinib über die wichtigsten Ausgangsmerkmale hinweg, einschliesslich IMDC-Risikostatus, Tumor PD-L1-Expression und Knochenmetastasen. Die Kombination wurde im Allgemeinen gut vertragen mit einer geringen Rate von behandlungsbezogenen Abbrüchen. Die Patienten hatten eine signifikant bessere Lebensqualität mit Nivolumab + Cabozantinib als mit Sunitinib.
Diese Resultate unterstützen Nivolumab plus Cabozantinib als eine potentielle 1st-Line-Option für Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom.

Session IV: Lungenkrebs

Konsolidierung von Nivolumab und Ipilimumab vs. Beobachtung bei SCLC in begrenztem Stadium nach Chemo-Stahlentherapie.

Die gleichzeitige Chemotherapie und Thoraxbestrahlung, gefolgt von einer prophylaktischen Schädelbestrahlung, ist die radikale Standardstrategie bei SLCLC in begrenztem Stadium (LS-SCLC). CTLA-4- und PD-1-exprimierende T-Zellen spielen eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung der Selbsttoleranz, sind jedoch für eine unzureichende Immunantwort auf Tumorantigene verantwortlich. Die Kombination von Ipilimumab und Nivolumab hat sich bei verschiedenen metastasierenden Krebsarten, darunter Nierenzellkarzinom, NSCLC, Mesotheliom und Melanom, zu einem Standardtherapeutikum der ersten Wahl entwickelt.
Die Nivolumab-Monotherapie bietet ein dauerhaftes Ansprechen und ist als Dritt- oder Spätbehandlung bei rezidivierendem SCLC gut verträglich. Die Kombination von Nivolumab (1mg/kg) plus Ipilimumab (3mg(kg)) verbesserte den primären Endpunkt ORR im Vergleich zur Nivolumab-Monotherapie bei Checkmate 032 signifikant, was nicht zu einer längeren PFS oder OS führte, sondern die Toxizität erhöhte. Alle Ergebnisse waren in der explorativen Kohorte mit hohem TMB klinisch signifikant verbessert. STIMULI ist eine 1:1 randomisierte internationale Phase-II-Studie mit dem Ziel, die Überlegenheit der Konsolidierungsbehandlung mit Nivolumab und Ipilimumab gegenüber der Beobachtung nach Standard-CRT und PCI bei Patienten mit LS-SCLC nachzuweisen. Der primäre Endpunkt der STIMULI-Studie ist PFS, wie vom Prüfer bewertet. Die Ergebnisse der randomisierten Phase II Studie ETOP/IFCT 4-12 STIMULI wurde von Prof. Solange Peters, Lausanne vorgetragen.
STIMULI erreichte seinen primären Endpunkt, die Verbesserung des PFS mit Nivolumab und Ipilimumab-Konsolidierung nach Standard-Radiochemotherapie bei LS-SCLC-Patienten, nicht. Ein in der Studie beobachteter kurzer Zeitraum aktiver Behandlung im Zusammenhang mit der Toxizität und dem Abbruch der Behandlung hat sich sicherlich auf die Wirksamkeitsergebnisse ausgewirkt. Ein längeres Follow-up der Studie ermöglicht die Untersuchung möglicher Spätfolgen der Immuntherapie-Konsolidierung auf das Überleben, die sich bereits beim aktuellen kurzen Follow-up zeigen (Nichtproportionalitätstrend bei OS, p=0,059). Der OS-Nutzen der Immuntherapie-Konsolidierung unterscheidet zwischen dem Niveau der RT-Fraktion, dem Geschlecht und der PS. Ein höherer Nutzen wurde für die zweimal täglich auftretende RT-Fraktion, das weibliche Geschlecht und PS1 festgestellt, wo er auch statistisch signifikant war. Derzeit laufen exploratorische translationale Arbeiten zur Identifizierung von Untergruppen mit Biomarker-definierten Subgruppen, die von der Konsolidierung der Immuntherapie profitieren könnten.

Stellungnahme der Experten
Es handelt sich um eine zwar negative aber wichtige Studie, denn es ist eine der ersten Studien, die die Rolle der Immuntherapie bei dieser sehr schwer zu behandelnden Krankheit untersucht. Man weiss bereits, dass die Immuntherapie bei metastasierendem kleinzelligem Lungenkarzinom in Kombination mit einer Chemotherapie wirksam ist. Die Immuntherapie sollte zusammen mit der Radiotherapie gestartet werden. Der gewählte Plan war damals richtig, würde heute aber geändert. Die Statistikerin moniert, dass die Studie zu ambitiös ist, es gab keine Überlegenheit im Behandlungsarm und die Schlussfolgerung ist irreführend.

Adjuvante Therapie mit Osimartinib bei Patienten mit reseziertem EGFR mutiertem NSCLC (AUDAURA): Rezidiv der ZNS Erkrankung

Die Ergebnisse bei resektablem NSCLC müssen verbessert werden. Ungefähr 30% der Patienten mit NSCLC weisen bei der Diagnose eine resektable Erkrankung auf. Chirurgie mit kurativer Absicht ist die primäre Behandlung für diese Patienten. Eine adjuvante Chemotherapie auf Cisplatin Basis wird für Patienten mit reseziertem NSCLC im Stadium II-IIIA und ausgewählte Patienten im Stadium IB empfohlen. Die Raten des Wiederauftretens der Krankheit nach der Operation bleiben jedoch unabhängig von der postoperativen Chemotherapie in allen Krankheitsstadien hoch. EGFR-TKI gehören zur Standardbetreuung von Patienten mit EGFRm fortgeschrittenem NSCLC, und frühere Studien deuten darauf hin, dass EGFR-TKI im resezierten Setting eine Rolle spielen könnten.
In der von Dr. Masahiro Tsuboi, Kashiwa, Chiba, Japan, vorgestellten Phase-III-Studie ADAURA zeigte das Adjuvans Osimertinib (ein EGFR-TKI der dritten Generation) eine statistisch hoch signifikante und klinisch bedeutsame Verbesserung des DFS bei Patienten mit resektablem (Stadium IB-IIIA) EGFRm NSCLC.
Das verringerte Risiko eines lokalen und entfernten Rezidivs und ein verbessertes DFS des ZNS stärken adjuvantes Osimertinib als eine hochwirksame, praxisverändernde Behandlung für Patienten mit EGFRm NSCLC im Stadium IB/II/IIIA EGFRm nach vollständiger Tumorresektion.

Stellungnahme der Experten
Die Daten werden als zu unfertig betrachtet. OS Daten fehlen. Eine bessere Patientenselektion wäre wünschenswert. Vier Ereignisse im Osimertinib-Arm sind zu wenig. Es müsste länger gewartet werden. Die Daten werden in der vorliegenden Form als nicht sehr wissenschaftlich beurteilt.

Eine internationale, randomisierte Studie zum Vergleich von postoperativer Radiotherapie (PORT) gegen kein PORT bei Patienten mit total reseziertem NSCLC und mediastinaler N2-Beteiligung. LUNG ART, eine Phase III Studie

PORT bei Patienten mit total reseziertem NSCLC ist seit Jahren ein Thema für Diskussionen. Bei pN0 und pN1 Patienten ist PORT seit der Publikation der PORT Metaanalyse (Lancet 1998) keine Standardbehandlung. Bei nP2 Patienten sollte PORT Gegenstand weiterer Forschung sein.
Seit 1998 gab es viele Veränderungen: bessere Selektion, (neo)-ajuvante Chemotheraie als Standard of Care bei Stage III resezierten Patienten, bessere Chirurgie, bessere Radiotherapie. Neue retrospektive Studien oder grosse Datenbank-Studien favorisieren PORT, aber robuste Daten fehlen. Grosse randomisierte Studien sind notwendig, um die Rolle des modernen mediastinalen PORT zu untersuchen.
LungART ist die erste europäische, randomisierte Studie zur Evaluierung der modernen PORT nach vollständiger Resektion bei Patienten, die vorwiegend mit einem PET-Scan ausgewählt wurden und ein (neo)adjuvantes CT erhalten haben. Das dreijährige DFS (43,8% im Kontrollarm und 47,1% im PORT-Arm) war in beiden Armen höher als erwartet. Die Anzahl der Mediastinalrezidive war reduziert (48% in der CA gegenüber 25% in der PORT-Gruppe). PORT war mit einer nicht statistisch signifikanten 15%igen Zunahme des DFS bei Patienten im Stadium III und II assoziiert. Es wurden mehr Toxizitäten im PORT-Arm beobachtet, insbesondere im kardiopulmonalen Bereich, die noch weiter untersucht werden müssen. Weitere Analysen sind geplant (QA-Chirurgie und PORT, Versagensmuster etc.), berichtete Priv.-Doz. Dr. Barbara Kiesewetter-Wiederkehr, Wien.

Stellungnahme der Experten
PORT kann nicht für alle Patienten mit NSCLC Stadium 2 oder 3 empfohlen werden. Die Toxizität wird entscheiden.

Aktualisierte Ergebnisse der Phase 1/2 – Studie mit Mobocertinib (TAK-788) bei NSCLC mit EGFR Exon-20-Insertionen

Ca. 6% der EGFR-mutierten NSCLC-Tumoren weisen EGFR-Exon20 Insertionen auf. Es gibt keine zugelassenen gezielten Behandlungen für diese Patienten; zugelassene EGFR-TKI sind unwirksam, mit niedrigen Ansprechraten und PFS von ca. 2 Monaten. Mobocertinib ist ein oraler EGFR-TKI, der für die Behandlung von NSCLC mit EGFR-Exon20 Insertionen untersucht wird. In einer Phase-1/2-Studie bei zuvor mit EGFR-Exon20 Insertionen behandeltem NSCLC zeigte Mobocertinib mit 160 mg qd eine Antitumoraktivität mit einem bestätigten ORR-Wert von 43%, einem mPFS-Wert von 7,3 Monaten und einem überschaubaren Nebenwirkungsprofil, das anderen EGFR-TKI ähnlich ist. In der EXCLAIM-2-Studie (NCT04129502) wird die Wirksamkeit der Erstlinien-Kombinations-Chemotherapie von Mobocertinib gegenüber einer Chemotherapie auf Platinbasis bei NSCLC mit EGFR-Exon20 Insertionen verglichen.
Die häufigsten behandlungsbedingten unerwünschten Ereignisse (TRAEs; >25%) nach Einschätzung des Prüfarztes waren Durchfall (82%), Hautausschlag (46%), Übelkeit (39%), verminderter Appetit (39%), Erbrechen (36%), Paronychie (29%); Grad ≥3 TRAEs (≥5%): Durchfall (32%), Übelkeit (11%), erhöhte Lipase (7%), erhöhte Amylase (7%), Stomatitis (7%), Erbrechen (7%).
Mobocertinib zeigte Antitumor-Aktivität bei Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC mit EGFR-Exon20-Insertionen. Das Sicherheitsprofil
von Mobocertinib war konsistent mit anderen EGFR-TKI, wie Dr. Pasi A. Jänne, Boston, feststellte.

Stellungnahme der Experten
Es handelt sich um eine Patientenpopulation, die sehr schwierig zu behandeln ist. Die neue Therapie, die vorderhand in Winterthur und Lausanne verfügbar ist, ist daher sehr willkommen. Die Diarrhoe wird als kritisch betrachtet.

Lorlatinib vs. Crizotinib in der 1st Line Therapie von Patienten mit fortgeschrittenem ALK-positivem NSCLC − Resultate der Phase 3 CROWN Studie

ALK-Rearrangements treten in einer Untergruppe von NSCLCs auf und führen zu einer Empfindlichkeit gegenüber kleinmolekularen ALK-TKIs. Oft entwickelt sich eine Resistenz gegen ALK-TKI, die oft eine ZNS-Progression einschliesst. Lorlatinib ist ein hochpotenter ALKTKI der dritten Generation mit allgemeiner und intrakranialer Aktivität bei fortgeschrittenem ALK-positivem NSCLC. Die von Dr. Christine Lovly, Nashville, USA, präsentierte CROWN-Studie ist eine randomisierte Phase-3-Studie zum Vergleich von Lorlatinib vs. Crizotinib als Erstlinienbehandlung bei ALK-positivem NSCLC.
Die Ergebnisse einer geplanten Zwischenanalyse wurden vorgestellt.
Lorlatinib führte zu einer signifikant längeren PFS, signifikant höheren Gesamt- und IC-Ansprechraten und einer verbesserten globalen Lebensqualität, im Vergleich zu Crizotinib bei der Erstlinienbehandlung bei ALK-NSCLC. Die IC-Ansprechrate von Lorlatinib betrug 82% bei Patienten mit messbaren Hirnmetastasen, mit einer vollständigen Ansprechrate von 71% und einer signifikant längeren Zeit bis zur IC-Progression.
Das Sicherheitsprofil von Lorlatinib entsprach in etwa dem in früheren Studien berichteten. AEs vom Grad 3/4 waren häufiger mit Lorlatinib als mit Crizotinib, jedoch handelte es sich bei der Mehrheit um Laboranomalien, die asymptomatisch und leicht zu behandeln waren.
Diese Ergebnisse unterstützen den Einsatz von Lorlatinib als Erstlinientherapie für Patienten mit fortgeschrittenem ALK positivem NSCLC-wirksam.

Stellungnahme der Experten
Die Therapie wird als eine sehr gute Salvage-Therapie beurteilt. Das OS ist noch unreif und wurde trotzdem gezeigt. Ein noch unreifes OS sollte nicht gezeigt werden, so die Statistikerin, weil die Daten sonst fälschlicherweise interpretiert werden. Die kognitive Verschlechterung ist neu und wichtig und wird bei anderen ALK-Inhibitoren nicht gesehen. Sie ist nicht sehr häufig. Die Hypercholesterinämie ist ebenfalls ein Problem, das aber beherrschbar ist. Insgesamt weist die Behandlung zu viele unerwünschte Nebenwirkungen auf. Sie würde deshalb nicht als 1st Line Therapie eingesetzt werden.

R07122290 als Einzelwirkstoff und in Kombination mit Atezolizumab bei soliden Tumoren.

Die erste humane Phase-I-Studie mit R07122290 (R0), einem neuartigen FAP-gerichteten 4-1BB Agonisten, wurde von Dr. Ignacio Melero, Pamplona, vorgestellt. R0 bindet an Tumorstroma über Fibroblasten aktiviertes Protein und aktiviert T-Zellen über den 4-1BB Liganden.
Die Tumor-abhängige Quervernetzung liefert starke FogR-unabhängige Signalisierung, grössere agonistische Aktivität bei Tumoren und reduzierte Aktivität ausserhalb des Tumors sowie eine zielgerichtete Toxizität im Vergleich zu ungezielten 1st Generation Fc gammaR abhängigen agonistischen mAbs. R0 ist ein 4-1BB-Agonist der 2. Generation mit zielgerichteter Tumor-Aktivität durch Bindung an tumorassoziiertes FAP. R0+/-Azetolizumab weist ein akzeptables Sicherheits-/Verträglichkeitsprofil über einen breiten getesteten Dosisbereich auf. Keine MTD, Inzidenz von unerwünschten Nebenwirkungen mässig erhöht für die Kombination mit ATZ vs. Einzelmedikament, inkl. Pneumonitis.
Die PD-Aktivität bestätigt die FAP-4-1BBL Wirkungsweise, die eine CD8+ T-Zell-Aktivierung/Proliferation im Blut und CD8+ T-Zell-Proliferation (Infiltration im Tumor) nachweist.
Objektives Ansprechen wurde vor allem in Kombination mit ATZ und bei CPI-naiven entzündeten Tumortypen beobachtet. Die empfohlene sichere Dosis für die Expansion (in Teil C) von R0 + ATZ beträgt 250 mg QW, die mehrere Faktoren einschliesslich PK, PD-Wirkungen gegen Tumoraktivität und präklinische Daten berücksichtigt.
Die klinische Entwicklung (Teil C) zielt darauf ab, ein vorläufiges Proof of Concept für R0 in Kombination mit ATZ +/- nab-Paclitaxel bei 2L+ Thymom/Thymuskarzinom, 2Ll+ Mesotheliom und 1L PDL1+TNBC Stadium IV zu demonstrieren.

Stellungnahme der Experten
R0 ist ein interessanter neuer Ansatz zur Behandlung solider Tumore. Es weist ein akzeptables Sicherheitsprofil sowohl als Einzelagens als auch in Kombination mit Azetolizumab auf. Die Daten werden aber noch als zu früh für eine endgültig Beurteilung angesehen. Es wäre sicher interessant, Studien mit diesem Approach auch in der Schweiz durchzuführen.

Dauerhaftigkeit des klinischen Nutzens und von Biomarkern bei Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC, die mit AMG 510 (Sotorasib) behandelt wurden; CodeBreak 100

Sotorasib ist ein Klassenerster KRASG12C Inhibitor. KRAS p.G12C Mutation wird bei ungefähr 13% NSCLC, 3-5% Kolonkarzinomen und 1-3% anderen soliden Tumoren gefunden. Sotorasib (für AMG 510 vorgeschlagener INN) ist ein neuer, hoch-selektiver, Klassenerster KRASG12C Inhibitor, welcher Antikrebs Aktivität und ein beherrschbares Sicherheitsprofil bei Patienten mit soliden Tumoren mit KRASG12C Mutation gezeigt hat.
Sotorasib zeigte ein günstiges Sicherheitsprofil. Keine Dosis-limitierenden Toxizitäten, keine therapiebedingten tödlichen Ereignisse, Grad 3 oder 4 behandlungsbezogene unerwünschte Ereignisse kamen bei 18.6% der Patienten vor.
Sorasib zeigte dauerhafte Krankheitskontrolle bei stark vorbehandelten Patienten mit NSCLC. Bestätigte ORR 32.2% für alle Patienten, 35.3% für die 960mg Kohorte, wie Dr. David S. Hong, Houston, zeigte.
Das mediane PFS betrug 6.3 Monate bei allen Patienten mit einer medianen Ansprechdauer von 10.9 Monaten.
Die 960mg Dosierung wurde als die Phase II Dosis für NSCLC identifiziert. Sorasib zeigt klinische Aktivität bei NSCLC über eine Reihe von KRASpG12C MAFs, PD-L1 Expressionsniveaux, TMB Plasmawerten und und Co-Mutationsprofile.
Zusätzliche CodeBreak Studien, die Sorasib als Monotherapie oder in Kombination mit andern Antikrebs Agentien sind derzeit am Laufen (CodeBreak100, CodeBreak200, CodeBreak 101, CodeBreak 105).

Stellungnahme der Experten
Ein interessantes Medikament und eine weitere Option mit guter Perspektive für Patienten mit stark behandeltem fortgeschrittenem NSCLC.

Präsidiale Präsentation – oberer Gastrointestinaltrakt

Erste Resultate der Checkmate 649 Studie
Nivolumab plus Chemotherapie vs. Chemotherapie als Erstlinienbehandlung bei fortgeschrittenem Magenkrebs (GC)/Gastrooesophagus- Übergangskarzinom (GEJC), Oesophagus-Adenokarzinom (EAC)

Die Standarderstlinientherapie bei fortgeschrittenem oder metastatischem, HER2- Magenkarzinom/Gastrooesophagus- Übergangskarzinom resultiert in einem schlechten OS (median < 1 Jahr). Nivolumab ergab ein überlegenes OS gegenüber Placebo bei stark vorbehandeltem fortgeschrittenem GC/GEJC. Nivolumab +Chemotherapie zeigte vielversprechende Antitumor-Aktivität bei 1L fortgeschrittenem /wiederkehrendem GC/GEJC. PD-L1 Expression durch CPS bei Cutoff ≥5 hat eine bessere Wirksamkeit von Checkpoint-Inhibitoren gezeigt als die PD-L1-Expression von Tumorzellen bei GC/GEJC/EAC. Checkmate 649 ist die grösste randomisierte, globale Phase 3 Studie mit PD-1 Inhibitor basierten Therapien im 1st Line Setting bei Patienten mit fortgeschrittenem GC/GEJC/EAC. Prof. Markus Moehler, Mainz, und Koautoren berichteten über die ersten Resultate mit Nivolumab + Chemotherapie vs. Chemotherapie von Checkmate 649.
Nivolumab ist der erste PD-1 Inhibitor, der überlegenes OS und PFS in Kombination mit Chemotherapie vs. Chemotherapie allein bei vorher unbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem GC/GEJC/EAC gezeigt hat. Statistisch signifikanter und klinisch bedeutsamer OS Benefit bei Patienten mit Tumoren die PD-L1 CPS ≥5 und ≥1 exprimieren und in allen randomisierten Patienten. Überlebensbenefit über multiple präspezifizierte Subgruppen. PFS Benefit in PD-L1 CPS ≥5 (statistisch signifikant), PD-L1 CPS ≥1, und in allen randomisierten Patienten.
Es gab keine neuen Sicherheitssignale mit Nivolumab + Chemotherapie. Nivolumab + Chemotherapie stellt eine neue potentielle Standard -Erstlinientherapie bei fortgeschrittenem GC/GEJC/EAC dar.

Immuncheckpoint Blockade als Erstlinientherapie bei Gastroösophus-Adenokarzinom: eine neue Tür öffnet sich

Magen- und Gastroösophagus-Adenokarzinom (GEA) sind für > 800 000 Todesfälle/Jahr verantwortlich. Das mediane OS in gegenwärtigen 1st Line klinischen Studien bei Nicht-Asiaten mit HER2- GEA- Patienten beträgt weniger als ein Jahr. Inkrementelle Gewinne beim OS wurden durch Trastuzumab (1L HER2+, 2010), Ramucinumab (2L, 2014), Nivolumab (3L, 2017) und Influridin-Tipiracil (3L, 2018) erzielt. Ausserhalb Asiens erhält die Mehrheit der GEA-Patienten nur eine Behandlungslinie (40% 2L, 20% 3L+). Bei HER2neg. GEA Patienten blieb die Erstlinientherapie seit den 1990igern unverändert.
Die Schlüsselfragen bei CheckMate-649 und ATTRACTION-4 (ähnlich CheckMate-649 aber ausserhalb Asiens, Endpunkt für alle CPS) waren:
1. Ist Chemotherapie plus Nivolumab ein neuer Behandlungsstandard für Patienten mit therapienaivem fortgeschrittenem Magen- und Gastroösophus Karzinom?
2. Wie sind diese Resultate durch den Biomarkerstatus beeinflusst?
3. Die letzte Studie mit Chemotherapie plus anti-PD-1 bei Erstlinien GEA (Keynote 062) war negativ. Warum sind die Resultate von Checkmate 649 verschieden?
Die Resultate von Checkmate-649 und ATTRACTION-4 werden wahrscheinlich zu einem Paradigmenwechsel in der 1L Behandlung des fortgeschrittenen Gastroösophagus-Adenokarzinoms führen. Patienten mit PD-L1 CPS ≥5 Magenkarzinom, die mit Oxaliplatinfluoropyrimidin und Nivolumab behandelt werden, können ein medianes OS von >14 Monaten erwarten, ein Meilenstein für nicht-asiatische Patienten.
Die folgenden weiteren Analysen sind erforderlich: Checkmate-649 Biomarker-Subgruppen zum Verständnis von Nivolumab für alle Pateinten, ATTRACTION-4 zum Verständnis der Gründe für den fehlenden OS Benefit.

Pembrolizumab plus Chemotherapie vs. Chemotherapie als Erstlinientherapie bei Patiente mit fortgeschrittenem Oesophagus Karzinom. Die Phase 3 Keynote-590 Studie

Die derzeit empfohlenen Therapieoptionen beim fortgeschrittenen Oesophagus Karzinom sind in der Erstlinie Fluoropyrimidin plus Platin-basierte Chemotherapie. In der Zweitlinie Docetaxel, Paclitaxel, Irinotecan und Ramucinumab ±Paclitaxel (für Adenokarzinom).
Pembrolizumab Monotherapie hat Antitumoraktivität mit einem akzeptablen Sicherheitsprofil bei fortgeschrittenem/metastatischem Oesophaguskarzinom gezeigt. Keynote-180 (3L+): ORR 14%, medianes DOR nicht erreicht sowohl bei Oesophagus-Plattenepithelzellkarzinom als auch bei PD-L1 CPS ≥ 10 Tumoren. Keynote-181 (2L): Medianes OS 10.3 Monate vs. 6.7 Monate (HR 0.64) mit Pembrolizumab vs. Chemotherapie. ORR 22% vs. 7% mit medianem DOR von 9.3 Monaten vs. 7.7 Monate bei Oesophagusplattenepithelzellkarzinom mit PD-L1 CPS ≥10. FDA zugelassen für Behandlung von rekurrentem lokal fortgeschrittenem oder metastatischem Plattenepithelzellkarzinom mit PD-L1 CPS ≥10, mit Krankheitsürogression nach ≥1 vorherigen Linie Systemtherapie. Keynote-590 eine Phase 3, randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie zur Evaluation von Pembrolizumab plus Chemotherapie vs. Placebo plus Chemotherapie bei fortgeschrittenem Oesophaguskarzinom in der Erstlinie wurde von PD Dr. Aysegül Ilhan-Mutlu, Wien, präsentiert. Pembrolizumab plus Chemotherapie in der Erstlinie vs. Chemotherapie plus Placebo ergab eine statistische signifikante und klinisch bedeutsame Verbesserung in OS, PFS und ORR bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem und metastatischem Oesophaguskarzinom inklusive Oesophagusübergangskarzinom: Überlegenes OS: Oesophagusplattenepithelzellkarzinom CPS ≥10 (HR0.57; p<0.001), alle Patienten (HR 0.73, p<0.001). Überlegens PFS: Oesophagusplattenepithelzellkarzinom (HR 0.65, CPS ≥10 (HR0.51), alle Patienten (HR 0.65) alle p<0.001. Überlegenes ORR: alle Patienten (45% vs 29.3%, p<0.001).
Vergleichbares Sicherheitsprofil den beiden Behandlungsgruppen, keine neuen Sicherheitssignale aufgetreten. Pembrolizumab plus Chemotherapie sollte ein neuer Behandlungsstandard als Erstlinientherapie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem und metastatischem Oesophaguskarzinom inklusive Oesophagusübergangsadenokarzinom werden.

Immuntherapie für Oesophaguskarzinome: Wann und für wen?

Keynote-590: Die Zugabe von Pembrolizumab zur Platin-basierten Chemotherapie erhöhte RR, PFS und OS signifikant bei Patienten mit fortgeschrittenen Oesophagus Karzinomen gegenüber der alleinigen Chemotherapie. Dies ist ein neuer Behandlungsstandard. keine Bedenken wegen Toxizitätssignalen. Diese Resultate waren unabhängig vom CPS Status, obschon Plattenepithelhistologie und CPS ≥10 maximalen Nutzen erzielen können. Die Auswirkungen für Adenokarzinome können umstritten sein.
Checkmate 577: Nivolumab reduzierte das Risiko für Rückfall bei Patienten mit Oesophagus- oder Übergangsadenokarzinomen, welche nach vorheriger neodajuvanter Chemotherapie reseziert wurden und ein pCR oder eine ähnliche Situation danach nicht erreichten. Diese Resultate waren unabhängig vom PD-L1 Status. Dies trifft für Patienten, die nur mit neoadjuvanter Chemotherapie behandelt wurden, möglicherweise nicht zu. Ausgereifte Daten zu OS werden von grosser Relevanz sein. Alle Studien mit Checkpoint-Inhibitoren bei lokalisierten Gastroösophaguskarzinomen:
Keynote MK3475: Perioperatives Pembrolizumab +SFU / Cisplatin bei Magen- und Oesophagusübergangskarzinomen.
EORTC 1707 -VESTIGE: Adjuvantes Nivolumab + Ipilimumab nach nCTx + Chirurgie bei Hochrisiko ypT N+ oder R1 reseziertem Magen- und Oesophagusübergangskarzinom.
AIO-STO 0317 DANTE: Perioperatives FLOT +/- Atezolizumab bei Magen- und Oesophagusübergangskarzinom.

Wrap up

Insgesamt sind 6 Studien als praxisändernd oder unterstützend erwähnenswert. Bei den gastrointestinalen Tumoren sind die Studie Keynote 590 und Checkemate 577 von besonderer Bedeutung. Die Immuncheckpoint Blockade als Erstlinientherapie beim Gastroösophagus-Adenokarzinom könnte auf Grund der Resultate von Checkmate-649 zu einem Paradigmenwechsel in der Erstlinienbehandlung des fortgeschrittenen Gastroösophagus-Adenokarzinoms führen.
Beim Brustkrebs wird die Studie ASCENT mit Sacituzumab Govitecan praxisändernd sein. Sacituzumab Govitecan ist ein klassenerstes Trop-2 gerichtetes Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, welches sich bei der Behandlung des TNBC als hochwirksam erwiesen hat. Vermutlich wird sich dieses Medikament auch bei anderen Biologien bewähren.
Bei Urogenitalkarzinomen ist die PROfound Studie erwähnenswert. Sie ist die erste positive Phase-III- Studie mit dem PARP Inhibitor Olaparib bei mCRPC, die ihren primären Endpunkt bei BRCA1 und BRCA2 positiven mCRPC erreicht hat. Olaparib sollte deshalb beim mCRPC eingesetzt werden, war die erste Botschaft. Die zweite Botschaft auf Grund von PROfound war, dass die Durchführung von Gen-Testung für BRCA1 und BRCA2 und möglicherweise auch für Pten empfohlen ist. Dies jedenfalls wenn die Patienten kastrationsresistent werden.
Auf dem Gebiet der Lungenkarzinome ist die Studie LUNG ART bedeutend. Sie stellte die postoperative Radiotherapie (PORT) einer kein PORT Strategie bei Patienten mit total reseziertem NSCLC und mediastinalem N2-Beteiligung gegenüber. Die Studienresultate sprechen dafür, dass PORT als Standard of Care bei vollständig resezierten NSCLC-Patienten im Stadium IIIAN2 nicht mehr empfohlen werden kann. Ferner ist die STIMULI-Studie bei den Lungenkarzinomen erwähnenswert, eine Studie die bezüglich PFS negativ war, dies wegen der möglichen Toxizität dieser Medikamente.
Insgesamt war ESMO ein sehr gelungenes und bedeutendes Meeting, an welchem mehrere wichtige Studien präsentiert wurden. Die Anzahl von 6 praxisändernden oder unterstützenden Studien wird als bedeutend betrachtet. Das Meeting ESMO in the Alps stellte einen perfekt gewählten Auszug aus den wichtigsten am ESMO 2020 präsentierten Studien dar. Es war sowohl als virtuelles als auch live stattfindendes Meeting ausgezeichnet organisiert, von den Chairmen hervorragend geleitet und von ausgewiesenen Experten kompetent diskutiert.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch