Aus einer Mücke einen Ā«TigerĀ» gemacht …

Die Sommerferien sind nun zu Ende. Viele Daheimgebliebene haben sich im eher kühlen und nassen Juli aus Protest gegen einen wärmenden Pulli eine Erkältung geholt. Andere kommen aus dem heissen Süden und erkranken zuweilen nach der Rückkehr. So ist es auch mir ergangen.

Meine Reise durch Sardinien war atemberaubend schön. Sonne, Wind und Meer mit perfekt klarem Wasser und unendlichen Stränden. Die sardische Küche ist einfach köstlich mit typischen Spezialitäten wie im Restaurant «Sa Domu Sarda Pula» mit «Culurgiones al Pomodoro» und «Seadas» zum Dessert, einer süss-salzigen Verführung aus Käse und Honig.

Aber eigentlich wollte ich Ihnen einen kulinarischen Reisebericht ersparen. Am letzten wunderbaren Abend im Ā«OrtoristoranteĀ» in Santa Margherita di Pula, entdeckte ich SIE – (nach kühlendem Ā«VermentinoĀ» und abschliessendem Ā«MirtoĀ»).

DIE asiatische TIGERMÜCKE zwischen der Sprinkleranlage und meinem Wadenbein hin und her tigernd, bis mich das kleine Ding (im Sträflingsanzug) voll erwischt hat. Den Sonnenuntergang habe ich trotzdem genossen, abgesehen von Kratzeffekten am Unterschenkel überstand ich die Reise unbeschadet. Nach blumig-geschöntem Reisebericht an die Zurückgebliebenen freute ich mich wieder auf meinen Praxisalltag.

Getaktet mit ersten kurzweiligen Konsultationen von gebrƤunten Reiserückkehrern fragte mich eine langjƤhrige Patientin, ob es mir wirklich gut gehe – was sich nach Ferien eher irritierend anhƶrte. Schnell setzten Schüttelfrost, hohes Fieber, massive Glieder- und Kopfschmerzen ein. Kurzerhand hat mich meine jüngste PraxisƤrztin mit der Bemerkung Ā«Ich wollte schon immer mal eine Chikungunya diagnostizierenĀ», nach Hause geschickt. In meinem Zustand dauerte es eine Weile, bis ich bei Google die etwas weit hergeholte Verdachtsdiagnose fehlerfrei eingeben konnte: Inkubationszeit und Klinik (entschuldigt liebe Rheumatiker/-innen: jetzt weiss ich, wie Arthritis sich anfühlt!), Chikungunya-Virus-IgG mit 1.9 (< 1.0) erhƶht, Anti-SARS-CoV-2 IgG (Spike-Protein) 3338.5 BAU/ml (< 7.1), CRP 200; Thorax-Rƶntgen: Pneumonie rechts thorakal. Ja, was denn jetzt?

Kurzum: es geht mir heute wieder blendend, habe sogar eine Ausrede an die Redaktion, wieso mein Editorial so spƤt eingetroffen ist, und freue mich wieder gesund und leistungsfƤhig zu sein.

Was gelernt?
→ Auch Ƅrztinnen und Ƅrzte kƶnnen erkranken
→ Erkrankte Reiserückkehrer nach Souvenirs fragen
→ Der Klimawandel bringt neue Gesundheitsrisiken mit sich
→ Flƶhe und LƤuse kann’s geben
→ Geriebener Pecorino mit frischem Basilikum eignet sich hervorragend zu Culurgiones al Pomodoro. Buon Appetito!

Link Tigermücken:
SRF News – Chikungunya-Virus in Europa aufgetaucht:
www.srf.ch/news/schweiz/uebertragung-durch-tigermuecke-chikungunya-virus-in-europa-aufgetaucht-ein-ueberblick

Dr. med.Manfred Wicki

Willisau

m.wicki@hin.ch

Journal Watch von unseren Experten

Modifiziertes Opioid verliert Suchtpotenzial

Der Ersatz eines Sauerstoffatoms im E-Ring der Morphin-Grundstruktur durch eine Methylengruppe soll zum Ausbleiben von Nebenwirkungen wie Atemdepression und Sucht bei gleichzeitiger Beibehaltung der schmerzstillenden Funktion führen. Dies stellen Dr. Sato Akijama und seine Forschungsgruppe von der University of California in Berkeley fest.

Morphin ist ein starker Agonist am µ-Opioidrezeptor (MOR) und ein potentes Analgetikum. Es zeigt jedoch mehrere Nebenwirkungen, darunter Atemdepression und Sucht.

Abkƶmmlinge von Morphin und verwandten schmerzlindernden Opioiden werden seit fast zwei Jahrhunderten untersucht. Allerdings konzentrieren sich die meisten Derivate auf VerƤnderungen in der Peripherie dieser Strukturen. Die Forscher um Dr. Akijama haben nun eine 15-stufige Synthese eines Morphin-Abkƶmmlings entwickelt, bei der ein Sauerstoffatom im E-Ring durch eine Methylengruppe (CHā‚‚) ersetzt wurde. Dieser einzelne Austausch führte zu deutlichen VerƤnderungen im biologischen Profil der resultierenden Verbindung, einschliesslich einer verringerten Atemdepression und eines fehlenden Nachweises konditionierter PlatzprƤferenz bei MƤusen. VerƤnderungen am Kernatom des Opioidantagonisten Nalorphin zeigten ebenfalls AktivitƤten, die sich von denen der Elternverbindung unterscheiden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Abkömmlinge von Opioiden, die auf Modifikationen an Kernatomen beruhen, zu neuartigen Analgetika führen können, die möglicherweise vorteilhaftere Eigenschaften besitzen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

Literatur
Akijama S et al. Total synthesis and biological activity of Ā« carabamorphine Ā» : O-to-CH2 replacement in the E-ring of the morphine core structure. PNAS 2025 ; 122 : e2425438122

Impfung als neue Form der kardiovaskulären Prävention: eine klinische Konsensuserklärung der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie

Der nachfolgende hochaktuelle ESC-Artikel (1) ist für die kommende Herbst-/Wintersaison sehr lesenswert und sollte in der Hausarzt- und Facharztpraxis berücksichtigt und umgesetzt werden, um die MorbiditƤt und MortalitƤt unserer vor allem Ƥlteren Patienten zu reduzieren. So kann z. B. eine Influenza-Impfung kardiovaskulƤre Ereignisse wie einen akuten Myokardinfarkt oder einen Schlaganfall verhindern und die MorbiditƤt sowie MortalitƤt deutlich senken. Eine PrƤvention ist sowohl bei Patienten mit einer chronischen Erkrankung als auch bei Personen ≄ 65 Jahre zu empfehlen. Diese Massnahmen sind einfach, effizient und kosteneffektiv.

Impfungen werden daher zunehmend als wirksame PrƤventionsmassnahme nicht nur gegen bestimmte Infektionen, sondern auch zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Hochrisikopatienten anerkannt. Insbesondere gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass Impfstoffe gegen Influenza, SARS-CoV-2, das Respiratorische Synzytial-Virus, Herpes zoster, andere Virusinfektionen sowie gegen Pneumokokken die HƤufigkeit schwerwiegender kardiovaskulƤrer Ereignisse bei geimpften Personen deutlich reduzieren.

Diese klinische Konsensuserklärung untersucht die vorhandene Literatur und die gesammelten Erkenntnisse und bietet praktische klinische Empfehlungen zum Zeitpunkt der Impfung und zur Zielgruppe, wobei insbesondere komplexe klinische Szenarien mit Schwerpunkt auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen behandelt werden. Sie enthält Leitlinien für die Impfung gefährdeter Bevölkerungsgruppen wie immunsupprimierte Personen, Patienten mit angeborenen Herzfehlern und Schwangere sowie Informationen zur Sicherheit und zu möglichen Komplikationen des Verfahrens.

Dr. med. Urs Dürst

Literatur
Heidecker B. et al., Vaccination as a new form of cardiovascular prevention: a European Society of Cardiology clinical consensus statement, European Heart Journal (2025) 00, 1–14 https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehaf384

RĆ©sultats de l’Ć©tude RATIONALE 306

Le carcinome Ć©pidermoĆÆde avancĆ© ou mĆ©tastatique de l’œsophage est associĆ© Ć  un pronostic dĆ©favorable. L’immunothĆ©rapie prend une importance croissante dans le traitement de premiĆØre ligne de ce groupe de patients (1, 2).

L’étude RATIONALE-306 a examinĆ© le bĆ©nĆ©fice du tislelizumab, un inhibiteur de PD-1, en combinaison avec une chimiothĆ©rapie Ć  base de sels de platine. Un avantage significatif en termes de survie a Ć©tĆ© observĆ© pour le traitement de premiĆØre ligne avec tislelizumab plus chimiothĆ©rapie par rapport au placebo plus chimiothĆ©rapie chez les patients atteints d’ESCC avancĆ©, Ć  la fois lors de l’analyse primaire (2) et aprĆØs un suivi minimal de trois ans (3). Lors du suivi Ć  trois ans, les rĆ©sultats de la survie globale (OS) ont montrĆ© un HR stratifiĆ© de 0,70 pour l’ensemble des patients de la population ITT. Chez les patients ayant un score TAP PD-L1 tumoral ≄ 10 % ou ≄ 5 %, les HR Ć©taient respectivement de 0,70 et 0,62 (3).

ƀ l’occasion du congrĆØs ESMO-GI 2025, le Prof. David Tougeron, de Poitiers (France), et ses collĆØgues issus de 18 institutions internationales ont prĆ©sentĆ© les donnĆ©es de RATIONALE-306 dans le sous-groupe des patients avec un score TAP PD-L1 tumoral ≄ 5 %, comme retenu par l’Agence europĆ©enne des mĆ©dicaments (EMA) pour l’autorisation (4).

RATIONALE-306 (NCT03783442) est une Ć©tude internationale de phase 3, randomisĆ©e et en double aveugle, portant sur l’évaluation de l’efficacitĆ© et de la sĆ©curitĆ© du tislelizumab plus chimiothĆ©rapie par rapport au placebo plus chimiothĆ©rapie en tant que traitement de premiĆØre ligne du carcinome Ć©pidermoĆÆde œsophagien (ESCC) mĆ©tastatique ou inopĆ©rable. Des patients atteints d’un ESCC localement avancĆ© non rĆ©sĆ©cable ou mĆ©tastatique, sans traitement systĆ©mique prĆ©alable pour une maladie avancĆ©e, avec un score de performance ECOG 0 ou 1 et une maladie mesurable ou Ć©valuable selon RECIST v1.1, ont Ć©tĆ© traitĆ©s par tislelizumab 200 mg i.v. toutes les 3 semaines (Q3W) plus chimiothĆ©rapie (platine + fluoropyrimidine ou platine + paclitaxel dans un rapport 1:1) contre placebo i.v. Q3W plus chimiothĆ©rapie (platine + fluoropyrimidine ou platine + paclitaxel), en traitement d’entretien jusqu’à toxicitĆ© inacceptable ou progression de la maladie.

Le critĆØre principal Ć©tait la survie globale (OS) dans la population ITT. Les critĆØres secondaires comprenaient l’OS dans le sous-groupe avec un score TAP PD-L1 ≄ 10 %, la survie sans progression (PFS), le taux de rĆ©ponse objective (ORR), la durĆ©e de rĆ©ponse (DoR), la qualitĆ© de vie liĆ©e Ć  la santĆ© (HRQoL) ainsi que la sĆ©curitĆ©. L’analyse post hoc incluait l’analyse en sous-groupes des patients avec un score TAP PD-L1 tumoral ≄ 5 %.

Facteurs de stratification :
• RĆ©gion gĆ©ographique (Asie [hors Japon] vs Japon vs reste du monde)
• Traitement curatif antĆ©rieur (oui vs non)
• ChimiothĆ©rapie choisie par l’investigateur (platine + fluoropyrimidine)

Les patients ont Ć©tĆ© inclus dans l’étude indĆ©pendamment de leur expression du PD-L1 au moment du screening. Les Ć©chantillons ont Ć©tĆ© colorĆ©s avec le test VENTANA PD-L1 (SP263) (Roche) et l’expression a Ć©tĆ© Ć©valuĆ©e selon le score TAP. ƀ des fins exploratoires, les mĆŖmes Ć©chantillons colorĆ©s ont Ć©tĆ© Ć©valuĆ©s par des pathologistes au laboratoire central selon le score CPS.

Disposition des patients et caractƩristiques initiales

Parmi les 649 patients randomisĆ©s (tislelizumab plus chimiothĆ©rapie n = 326 ; placebo plus chimiothĆ©rapie n = 323), 358 (55,2 %) prĆ©sentaient un score TAP PD-L1 tumoral ≄ 5 % (tislelizumab plus chimiothĆ©rapie n = 172 ; placebo plus chimiothĆ©rapie n = 186) (Tab. 1). Les caractĆ©ristiques de base des patients ayant un score TAP ≄ 5 % correspondaient Ć  celles de la population ITT. ƀ la date de coupure des donnĆ©es (22 aoĆ»t 2024), la durĆ©e minimale de suivi de l’étude Ć©tait de 45,2 mois (plage : 0,4–63,6). Dans le bras tislelizumab plus chimiothĆ©rapie, 106 patients (61,6 %) ont reƧu une thĆ©rapie systĆ©mique post-traitement, contre 126 (67,7 %) dans le bras placebo plus chimiothĆ©rapie. Parmi eux, 27 (25,5 %) contre 44 (34,9 %) ont reƧu une immunothĆ©rapie systĆ©mique.

EfficacitƩ

Des amĆ©liorations cliniquement significatives de l’OS (Fig. 1A) et de la PFS Ć©valuĆ©e par l’investigateur (Fig. 1B) ont Ć©tĆ© observĆ©es avec tislelizumab plus chimiothĆ©rapie par rapport au placebo plus chimiothĆ©rapie. Un taux de rĆ©ponse objective (ORR) plus Ć©levĆ© ainsi qu’une durĆ©e de rĆ©ponse (DoR) prolongĆ©e ont Ć©galement Ć©tĆ© constatĆ©s dans le groupe tislelizumab plus chimiothĆ©rapie (Tab. 2). Le bĆ©nĆ©fice en termes d’OS a Ć©tĆ© observĆ© dans tous les sous-groupes prĆ©dĆ©finis (Tab. 3).

Score TAP PD-L1 vs score CPS – Concordance

Les seuils TAP ≄ 5 % et CPS ≄ 5 ont montrĆ© une concordance globale de 84 %, ce qui reprĆ©sente un accord substantiel (Fig. 2).

SƩcuritƩ et tolƩrance

Des effets indĆ©sirables liĆ©s au traitement (TRAEs) ont Ć©tĆ© observĆ©s chez la majoritĆ© des patients dans les deux groupes, avec des taux similaires tous grades confondus. Une incidence plus Ć©levĆ©e d’effets indĆ©sirables TRAEs de grade ≄ 3 ainsi que d’effets indĆ©sirables graves a Ć©tĆ© constatĆ©e dans le groupe tislelizumab plus chimiothĆ©rapie (Tab. 4).

Les TRAEs de grade ≄ 3 survenant chez ≄ 10 % des patients dans le groupe tislelizumab plus chimiothĆ©rapie comparĆ© au groupe placebo plus chimiothĆ©rapie comprenaient :
• neutropĆ©nie (35,1 % vs 31,9 %)
• leucopĆ©nie (12,3 % vs 17,8 %)
• anĆ©mie (13,5 % vs 11,4 %)

Les TRAEs ayant conduit au dĆ©cĆØs (2,9 % vs 1,6 %) et les Ć©vĆ©nements indĆ©sirables liĆ©s au traitement (TEAEs) ayant conduit Ć  un arrĆŖt de traitement (34,5 % vs 23,2 %) ont Ć©tĆ© plus frĆ©quents dans le groupe tislelizumab plus chimiothĆ©rapie que dans le groupe placebo plus chimiothĆ©rapie.

Des effets indĆ©sirables immunomĆ©diĆ©s (imAEs) ont Ć©tĆ© rapportĆ©s dans les deux groupes. L’incidence des imAEs de grade ≄ 3 Ć©tait plus Ć©levĆ©e dans le groupe tislelizumab plus chimiothĆ©rapie (8,8 % vs 2,2 %) (Tab. 4).

Conclusions

La survie globale mĆ©diane de 19,1 mois sous tislelizumab plus chimiothĆ©rapie chez les patients prĆ©sentant un score TAP PD-L1 tumoral ≄ 5 % Ć©tablit une nouvelle rĆ©fĆ©rence d’efficacitĆ© dans ce groupe de patients atteints d’un carcinome Ć©pidermoĆÆde avancĆ©/mĆ©tastatique de l’œsophage, avec un profil de sĆ©curitĆ© acceptable. Les bĆ©nĆ©fices en matiĆØre d’efficacitĆ© et de tolĆ©rance sont restĆ©s cohĆ©rents avec les rĆ©sultats de l’analyse primaire et du suivi Ć  3 ans, sans nouveau signal de sĆ©curitĆ©.

Ces donnĆ©es soutiennent l’intĆ©gration de cette association thĆ©rapeutique dans la prise de dĆ©cision clinique – y compris dans le cadre de l’approche thĆ©rapeutique en Suisse.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

1. Kato K, et al. Nivolumab plus chemotherapy or ipilimumab versus chemotherapy in patients with advanced esophageal squamous cell carcinoma (CheckMate 648): 29-month follow-up from a randomized, open-label, phase III tria. l Cancer Med. 2024;13:e7235.
2. Xu J, et al. Tislelizumab plus chemotherapy versus placebo plus chemotherapy as first-line treatment for advanced or metastatic oesophageal squamous cell carcinoma (RATIONALE-306): a global, randomised, placebo-controlled, phase 3 study. Lancet Oncol. 2023;24:483-495.
3. Yoon HH, et al. First-Line Tislelizumab Plus Chemotherapy Shows OS Benefit in PD-L1+ ESCC Subgroups. J Clin Oncol. 2024;42(Suppl 16):4032.
4. European Medicine Agency. Tevimbra 100mg concentrate for solution for infusion. Summary of product characteristics. https//www.ema.europa.eu/en/documents/product .information/Levimbra-epar-product-information_en.pdf. Assessed December 19,2 024.

Gestion des comorbidités chez les personnes âgées avec troubles ­neurocognitifs majeurs

Les comorbiditĆ©s jouent un rĆ“le central dans la trajectoire des personnes atteintes de trouble neurocognitif majeur, en accĆ©lĆ©rant le dĆ©clin cognitif et en augmentant les risques de complications aiguĆ«s. Leur prise en charge exige une adaptation raisonnĆ©e des objectifs thĆ©rapeutiques: prĆ©venir les dĆ©compensations, limiter les risques iatrogĆØnes et prĆ©server la qualitĆ© de vie. Cette revue propose une synthĆØse actualisĆ©e des donnĆ©es et recommandations disponibles, mettant en Ć©vidence la nĆ©cessitĆ© dā€™ā€Šindividualiser les dĆ©cisions selon la fragilitĆ© et les prĆ©fĆ©rences du patient avec troubles neurocognitifs majeurs. Lā€™ā€ŠĆ©valuation gĆ©riatrique globale sā€™ā€Šimpose comme un outil transversal et central pour guider ces choix. En analysant quatre pathologies frĆ©quentes – lā€™ā€Šhypertension artĆ©rielle, la dyslipidĆ©mie, la fibrillation auriculaire et le diabĆØte – cet article fournit des repĆØres pratiques pour une mĆ©decine prudente et centrĆ©e sur la personne.

Comorbidities play a central role in the clinical trajectory of individuals living with dementia, accelerating cognitive decline and increasing the risk of acute complications. Their management requires a reasoned adaptation of therapeutic goals: preventing decompensations, minimizing iatrogenic risks, and preserving quality of life. This review provides an up-to-date synthesis of available evidence and guidelines, highlighting the need to individualize decisions based on patient frailty and preferences. Comprehensive geriatric assessment is as a cross-cutting, essential tool to guide these choices. By examining four common conditions – hypertension, dyslipidemia, atrial fibrillation, and diabetes – this article offers practical guidance for a cautious and patient-centered approach.
Keywords: dementia, comorbidities, frailty, comprehensive geriatric assessment

Introduction

Les comorbiditĆ©s cardiovasculaires et mĆ©taboliques telles que lā€™ā€Šhypertension artĆ©rielle (HTA), la dyslipidĆ©mie, la fibrillation atriale (FA) et le diabĆØte jouent un rĆ“le clĆ© dans la trajectoire des troubles neurocognitifs majeurs (1). Facteurs de risque cardio-vasculaires, elles deviennent avec lā€™ā€ŠĆ¢ge des comorbiditĆ©s associĆ©es, aggravant la dĆ©pendance, la morbiditĆ© et le recours aux soins (2). Ce constat reflĆØte un changement de paradigme: si le contrĆ“le de ces facteurs reste central en prĆ©vention, leur prise en charge chez les patients dĆ©jĆ  atteints de trouble neurocognitif majeur nĆ©cessite une rĆ©orientation des objectifs de soins, centrĆ©s sur la qualitĆ© de vie et la prĆ©vention des complications. Dans ce contexte, lā€™ā€ŠĆ©valuation gĆ©riatrique globale permet dā€™ā€Šindividualiser ces Ā­dĆ©cisions en fonction de la fragilitĆ© et des autres syndromes Ā­gĆ©riatriques (3, 4). Cet article propose une synthĆØse des recommandations rĆ©centes sur la prise en charge de lā€™ā€ŠHTA, de la dyslipidĆ©mie, de la FA et du diabĆØte chez les personnes Ć¢gĆ©es atteintes de trouble neurocognitif majeur.

Hypertension artƩrielle

Lā€™ā€Šā€ŠHTA est un facteur de risque bien Ć©tabli tant pour les Ć©vĆ©nements cardiovasculaires que pour le dĆ©veloppement de troubles cognitifs. Une HTA prĆ©sente Ć  lā€™ā€ŠĆ¢ge moyen est associĆ©e Ć  un risque accru de dĆ©clin cognitif, tandis quā€™ā€ŠĆ  un Ć¢ge plus avancĆ©, cā€™ā€Šest lā€™ā€Šhypotension qui semble davantage liĆ©e Ć  une atteinte cognitive (4,5). Chez les personnes Ć¢gĆ©es de plus de 75 ans, un profil tensionnel modĆ©rĆ©ment Ć©levĆ© est parfois associĆ© Ć  une meilleure fonction cognitive (6). ƀ lā€™ā€Šinverse, de grandes variations tensionnelles sont corrĆ©lĆ©es Ć  une augmentation conjointe de la morbi-mortalitĆ© cardiovasculaire et du dĆ©clin cognitif (6, 7). La revue de quatre grandes Ć©tudes dā€™ā€Šintervention portant sur lā€™ā€ŠHTA et ses effets sur la cognition met en Ć©vidence des rĆ©sultats hĆ©tĆ©rogĆØnes, ne permettant pas de conclure de maniĆØre formelle Ć  lā€™ā€ŠefficacitĆ© dā€™ā€Šun traitement antihypertenseur pour ralentir la progression dā€™ā€Šun trouble neurocognitif (8).

Ce tableau contrastĆ© rend les dĆ©cisions cliniques particuliĆØrement dĆ©licates, dā€™ā€Šautant plus quā€™ā€Šil nā€™ā€Šexiste actuellement aucune recommandation spĆ©cifique et consensuelle pour les patients atteints de trouble neurocognitif majeur. Dans les recommandations internationales, cā€™ā€Šest avant tout la prĆ©sence de fragilitĆ© – utilisĆ©e comme critĆØre principal de stratification – qui guide lā€™ā€Šadaptation des objectifs tensionnels (9). Lā€™ā€ŠĆ©valuation gĆ©riatrique globale permet ici de mieux cerner la sĆ©vĆ©ritĆ© de la fragilitĆ©, mais aussi la fonctionnalitĆ©, les comorbiditĆ©s et la charge mĆ©dicamenteuse.

Une mesure ambulatoire de la pression artĆ©rielle sur 24 heures (MAPA) ou des automesures sont recommandĆ©es pour Ć©tablir le diagnostic. Chez les patients prĆ©sentant un trouble neurocognitif mineur ou un trouble neurocognitif majeur au stade dĆ©butant, les cibles tensionnelles restent comparables Ć  celles de la population gĆ©nĆ©rale, avec une pression artĆ©rielle systolique (PAS) visĆ©e entre 120 et 140 mmHg. Une monothĆ©rapie Ć  faible dose est privilĆ©giĆ©e, en dĆ©butant par la dose minimale efficace et en augmentant progressivement dā€™ā€Šabord la posologie puis le nombre de molĆ©cules, si nĆ©cessaire, sans dĆ©passer une trithĆ©rapie. Chez les patients trĆØs fragiles ou dĆ©pendants, une cible plus souple (< 150 mmHg) est proposĆ©e, avec possibilitĆ© de rĆ©duction ou dā€™ā€ŠarrĆŖt du traitement en cas dā€™ā€Šhypotension orthostatique ou de PAS < 130 mmHg (3).

La prise en charge repose en premier lieu sur les mesures hygiĆ©no-diĆ©tĆ©tiques: activitĆ© physique adaptĆ©e Ć  poursuivre le plus longtemps possible, alimentation Ć©quilibrĆ©e, sevrage tabagique et alcoolique. Les traitements de premiĆØre intention incluent les inhibiteurs calciques dihydropyridines, les inhibiteurs de lā€™ā€Šenzyme de conversion (IEC) et les antagonistes des rĆ©cepteurs de lā€™ā€Šangiotensine II (ARA-II), auxquels un diurĆ©tique Ć  faible dose peut ĆŖtre associĆ© si besoin. Les autres classes (bĆŖtabloquants, alpha-bloquants, etc.) ne sont utilisĆ©es quā€™ā€Šen cas dā€™ā€Šindication spĆ©cifique, comme une cardiopathie ischĆ©mique.

La rƩƩvaluation rĆ©guliĆØre du traitement est essentielle pour ajuster les objectifs Ć  lā€™ā€ŠĆ©volution cognitive et fonctionnelle (Tab. 1). Chaque modification thĆ©rapeutique ou Ć©vĆ©nement intercurrent (ex.: ajout de psychotropes ou dā€™ā€Šun alpha-bloquant prostatique) doit alerter sur le risque dā€™ā€Šhypotension et motiver une rƩƩvaluation du schĆ©ma thĆ©rapeutique (10, 11).

DyslipidƩmie

La dyslipidĆ©mie, en particulier lā€™ā€ŠĆ©lĆ©vation du LDL-cholestĆ©rol, est impliquĆ©e dans les processus neurodĆ©gĆ©nĆ©ratifs via plusieurs mĆ©canismes physiopathologiques. Elle favorise lā€™ā€Šaccumulation cĆ©rĆ©brale de protĆ©ines β-amyloĆÆdes, active les voies inflammatoires et altĆØre la fonction endothĆ©liale cĆ©rĆ©brale, contribuant potentiellement Ć  la survenue ou Ć  lā€™ā€Šaggravation de la maladie dā€™ā€ŠAlzheimer (9). En reconnaissance de ces liens, la Commission Lancet 2024 a intĆ©grĆ© pour la premiĆØre fois lā€™ā€Šaugmentation du LDL comme facteur de risque modifiable de trouble neurocognitif majeur, en particulier lorsquā€™ā€Šelle survient Ć  partir de 40 ans (1).

Chez les personnes Ć¢gĆ©es, en particulier les plus fragiles, la relation entre le LDL-cholestĆ©rol et la mortalitĆ© apparaĆ®t moins linĆ©aire. Une mĆ©ta-analyse de la Cholesterol Treatment Trialistsā€™ā€ŠCollaboration a nĆ©anmoins confirmĆ© lā€™ā€ŠintĆ©rĆŖt des statines aprĆØs 75 ans, principalement en prĆ©vention secondaire, bien que lā€™ā€Šeffet soit plus modeste quā€™ā€ŠĆ  un Ć¢ge plus jeune (13). En prĆ©vention primaire, les donnĆ©es demeurent limitĆ©es, en particulier chez les sujets trĆØs Ć¢gĆ©s et vulnĆ©rables, tandis que les effets indĆ©sirables – notamment musculaires, hĆ©patiques ou liĆ©s aux interactions mĆ©dicamenteuses – sont plus frĆ©quents.

Chez les personnes vivant avec un trouble neurocognitif majeur, la dĆ©cision dā€™ā€Šinitier ou de poursuivre un traitement hypolipĆ©miant doit ĆŖtre individualisĆ©e. Elle repose sur le stade Ć©volutif de la maladie, lā€™ā€ŠespĆ©rance de vie, la coexistence dā€™ā€Šautres syndromes gĆ©riatriques et les objectifs thĆ©rapeutiques, en particulier lā€™ā€ŠamĆ©lioration ou le maintien de la qualitĆ© de vie. En prĆ©vention secondaire, la poursuite du traitement est le plus souvent justifiĆ©e. En prĆ©vention primaire, surtout au-delĆ  de 80 ans, la dĆ©cision doit sā€™ā€Šappuyer sur une Ć©valuation gĆ©riatrique globale intĆ©grant les dimensions fonctionnelles, cognitives et sociales (14). En pratique, une stratĆ©gie mĆ©dicamenteuse nā€™ā€Šest gĆ©nĆ©ralement pas indiquĆ©e dans la majoritĆ© des cas.

Les recommandations de la SociĆ©tĆ© EuropĆ©enne de Cardiologie vont dans ce sens, en prĆ“nant une approche individualisĆ©e Ā­fondĆ©e sur lā€™ā€ŠĆ©tat de santĆ© global, les prĆ©fĆ©rences du patient et la balance bĆ©nĆ©fice-risque (15). Lorsquā€™ā€Šun traitement est jugĆ© appropriĆ© chez une personne Ć¢gĆ©e fragile, il convient de privilĆ©gier les statines Ć  faible potentiel dā€™ā€Šinteractions mĆ©dicamenteuses et Ć  demi-vie courte, telles que la pravastatine. Une rƩƩvaluation rĆ©guliĆØre du traitement est indispensable, avec un recours Ć  la dĆ©prescription en cas de tolĆ©rance limitĆ©e ou de bĆ©nĆ©fice clinique incertain. Enfin, les mesures non pharmacologiques – notamment lā€™ā€ŠactivitĆ© physique adaptĆ©e et la prise en charge nutritionnelle – doivent ĆŖtre encouragĆ©es Ć  tout Ć¢ge, y compris chez les personnes atteintes de trouble neurocognitif majeur.

Fibrillation auriculaire

La FA est un facteur de risque bien documentĆ© de trouble neurocognitif, par lā€™ā€ŠintermĆ©diaire de mĆ©canismes convergents incluant les infarctus cĆ©rĆ©braux, les micro-hĆ©morragies, lā€™ā€Šhypoperfusion cĆ©rĆ©brale chronique, lā€™ā€Šinflammation systĆ©mique, ainsi que lā€™ā€Šaccumulation accrue de dĆ©pĆ“ts amyloĆÆdes Aβ42 (16). Sa prĆ©valence chez les personnes vivant avec une trouble neurocognitif majeur est estimĆ©e Ć  environ 20 % (17). Pourtant, la prise en charge de la FA dans ce contexte reste mal codifiĆ©e, en grande partie Ć  cause de lā€™ā€Šexclusion rĆ©currente de ces patients des essais cliniques randomisĆ©s, malgrĆ© leur forte prĆ©valence en gĆ©riatrie.

Les lignes directrices de la SociĆ©tĆ© europĆ©enne de cardiologie (ESC) 2024 mettent en Ć©vidence la persistance dā€™ā€Šune sous-prescription des anticoagulants oraux (ACO) chez les patients prĆ©sentant un trouble neurocognitif majeur, bien que lā€™ā€Šintroduction des anticoagulants oraux directs (ACOD) ait contribuĆ© Ć  amĆ©liorer cette tendance (18).

Cette population se caractĆ©rise par un profil complexe associant risque thromboembolique Ć©levĆ© et vulnĆ©rabilitĆ© accrue aux complications hĆ©morragiques (19). Lā€™ā€Šinstauration dā€™ā€Šun traitement anticoagulant permet de prĆ©venir les accidents vasculaires cĆ©rĆ©braux (AVC) dā€™ā€Šorigine cardioembolique et pourrait, selon certaines donnĆ©es, ralentir la progression du dĆ©clin cognitif (20, 21). MalgrĆ© des bĆ©nĆ©fices cliniques bien Ć©tablis, lā€™ā€Šanticoagulation est moins frĆ©quemment initiĆ©e chez les patients atteints de trouble neurocognitif majeur que chez ceux du mĆŖme Ć¢ge sans troubles cognitifs (22–24).

Lorsque lā€™ā€Šanticoagulation est indiquĆ©e, les ACOD doivent ĆŖtre privilĆ©giĆ©s pour leur simplicitĆ© dā€™ā€Šutilisation (posologie fixe, absence de surveillance INR, faible risque dā€™ā€Šinteractions) et leur profil de sĆ©curitĆ© supĆ©rieur aux antivitamines K (AVK), notamment concernant les hĆ©morragies intracrĆ¢niennes (21–24). Parmi eux, lā€™ā€Šapixaban et lā€™ā€Šedoxaban semblent bĆ©nĆ©ficier dā€™ā€Šun meilleur profil de tolĆ©rance et dā€™ā€ŠefficacitĆ©. Toutefois, une Ć©tude randomisĆ©e rĆ©cente (25) a mis en Ć©vidence une augmentation des complications hĆ©morragiques aprĆØs un switch AVK–ACOD chez des patients Ć¢gĆ©s et fragiles. Lā€™ā€ŠESC 2024 recommande donc de ne pas systĆ©matiquement remplacer un AVK bien tolĆ©rĆ© dans cette population (18).
La dĆ©cision de poursuivre un traitement anticoagulant doit ĆŖtre rƩƩvaluĆ©e rĆ©guliĆØrement, en tenant compte de la sĆ©vĆ©ritĆ© cognitive, de la qualitĆ© de vie, de lā€™ā€ŠespĆ©rance de vie et du profil de comorbiditĆ©s (3). Lā€™ā€Šimagerie par RĆ©sonance MagnĆ©tique (IRM) cĆ©rĆ©brale peut ĆŖtre utile en cas de doute Ć©tiologique, notamment pour dĆ©tecter une angiopathie amyloĆÆde cĆ©rĆ©brale, qui reprĆ©sente une contre-indication potentielle Ć  lā€™ā€Šanticoagulation. (26).

En cas de contre-indication, lā€™ā€ŠantiagrĆ©gation plaquettaire nā€™ā€Ša pas dĆ©montrĆ© dā€™ā€ŠefficacitĆ© dans la prĆ©vention des Ć©vĆ©nements cardioemboliques et augmente le risque hĆ©morragique (22, 23). Elle reste nĆ©anmoins indiquĆ©e en prĆ©vention secondaire en cas de maladie artĆ©rielle, notamment coronarienne, en plus du traitement hypolipĆ©miant.

Une Ć©tude multicentrique (28) a Ć©valuĆ© lā€™ā€Šedoxaban Ć  dose rĆ©duite (15 mg/j) chez des patients de ≄ 80 ans jugĆ©s inĆ©ligibles aux doses standards. Elle a montrĆ© une rĆ©duction des Ć©vĆ©nements thromboemboliques, au prix dā€™ā€Šun risque hĆ©morragique accru (3.7 %/annĆ©e, vs 2.3 %/annĆ©e dans le groupe placebo) mais jugĆ© acceptable. Enfin, lorsque lā€™ā€Šanticoagulation est contre-indiquĆ©, la fermeture percutanĆ©e de lā€™ā€Šauricule gauche peut ĆŖtre envisagĆ©e, en concertation spĆ©cialisĆ©e (18).

Les recommandations internationales dĆ©finissent clairement les critĆØres dā€™ā€Šinitiation de lā€™ā€Šanticoagulation (CHAā‚‚DSā‚‚-VASc ≄ 1), mais restent peu prĆ©cises concernant les critĆØres dā€™ā€ŠarrĆŖt. Chez la personne Ć¢gĆ©e, lā€™ā€Šobtention dā€™ā€Šun score Ć©levĆ©, notamment en raison du poids attribuĆ© Ć  lā€™ā€ŠĆ¢ge, conduit Ć  une indication dans la quasi-totalitĆ© des cas. Paradoxalement, bien que les patients prĆ©sentant un trouble neurocognitif majeur soient globalement moins souvent anticoagulĆ©s, lorsque le traitement est instaurĆ©, il tend Ć  ĆŖtre poursuivi jusquā€™ā€ŠĆ  un stade trĆØs avancĆ© de la maladie. Ainsi, en pratique, les anticoagulants sont frĆ©quemment maintenus jusquā€™ā€Šaux derniers mois de vie, y compris chez des patients institutionnalisĆ©s, dĆ©pendants pour toutes les activitĆ©s de base et en phase terminale. Plusieurs facteurs peuvent expliquer cette faible frĆ©quence de dĆ©prescription, malgrĆ© une balance bĆ©nĆ©fice-risque dĆ©favorable en fin de vie: lā€™ā€Šabsence de recommandations explicites concernant lā€™ā€ŠarrĆŖt des anticoagulants dans la dĆ©mence avancĆ©e, la tendance Ć  maintenir les traitements instaurĆ©s de longue date sans rƩƩvaluation formalisĆ©e, la crainte persistante des Ć©vĆ©nements thromboemboliques, ainsi que les difficultĆ©s Ć  engager des discussions sur les objectifs de soins avec les familles ou au sein des institutions (18).

Lā€™ā€Šintroduction des anticorps monoclonaux dirigĆ©s contre la protĆ©ine amyloĆÆde, tels que le lecanemab, soulĆØve de nouvelles questions cliniques chez les patients prĆ©sentant Ć  la fois une trouble neurocognitif majeur et une FA (28). Le lecanemab a rĆ©cemment reƧu lā€™ā€Šapprobation de lā€™ā€ŠAgence europĆ©enne des mĆ©dicaments (EMA) pour le traitement des formes prĆ©coces de la maladie dā€™ā€ŠAlzheimer, mais pas encore en Suisse (29). Son utilisation est associĆ©e Ć  un risque accru dā€™ā€Šanomalies radiologiques liĆ©es Ć  lā€™ā€ŠamyloĆÆde, notamment les formes hĆ©morragiques (amyloid-related imaging abnormalities with hemorrhage, ARIA-H), en particulier chez les patients prĆ©sentant une microangiopathie cĆ©rĆ©brale ou recevant un traitement anticoagulant (30). En raison de ce risque, lā€™ā€ŠEMA a formellement contre-indiquĆ© lā€™ā€Šutilisation du lecanemab dans cette population, considĆ©rant que le risque hĆ©morragique dĆ©passe les bĆ©nĆ©fices thĆ©rapeutiques potentiels (31).

Cette situation soulĆØve des dilemmes concrets en pratique. Dā€™ā€Šune part, les patients dĆ©jĆ  sous anticoagulation pour une FA pourraient se voir exclus dā€™ā€Šun traitement par anticorps monoclonaux anti-amyloĆÆde. Dā€™ā€Šautre part, une personne atteinte de trouble neurocognitif majeur traitĆ©e par ce type de mĆ©dicament qui dĆ©veloppe une FA expose le clinicien Ć  un arbitrage complexe entre le risque dā€™ā€Šaccident thromboembolique en lā€™ā€Šabsence dā€™ā€Šanticoagulation, et le risque dā€™ā€ŠhĆ©morragie cĆ©rĆ©brale en cas de maintien du traitement combinĆ©.

DiabĆØte

Plus de 29 % des personnes Ć¢gĆ©es de 65 ans et plus sont atteintes de diabĆØte (32). Parmi les personnes atteintes dā€™ā€Šun trouble neurocognitif majeur, la prĆ©valence de diabĆØte peut atteindre jusquā€™ā€ŠĆ  80 %. Une Ć©tude populationnelle prospective menĆ©e entre 2000 et 2016 a mis en Ć©vidence une augmentation conjointe de ces deux pathologies, avec une incidence annuelle de trouble neurocognitif majeur estimĆ©e Ć  2 % . Chez les sujets Ć¢gĆ©s, le diabĆØte de type 2 prĆ©domine nettement, tandis que le type 1 reste rare, en raison de sa survenue prĆ©coce et de son impact sur lā€™ā€ŠespĆ©rance de vie (33).

La prise en charge du diabĆØte chez les personnes avec un trouble neurocognitif majeur est particuliĆØrement complexe. Les altĆ©rations cognitives, comportementales et fonctionnelles compromettent lā€™ā€Šobservance thĆ©rapeutique et la capacitĆ© Ć  reconnaĆ®tre ou gĆ©rer les fluctuations glycĆ©miques. Ces dĆ©fis cliniques sont rĆ©sumĆ©s dans le tableau 1. Lā€™ā€Šobjectif principal du traitement est la prĆ©vention des hypoglycĆ©mies, la rĆ©duction des complications, et lā€™ā€Šadaptation de la stratĆ©gie thĆ©rapeutique aux capacitĆ©s fonctionnelles rĆ©elles, dans le cadre dā€™ā€Šune approche gĆ©riatrique globale visant Ć  prĆ©server la qualitĆ© de vie. Chez les personnes atteintes de troubles cognitifs lĆ©gers ou de trouble neurocognitif majeur dĆ©butant, lā€™ā€Šobjectif dā€™ā€ŠHbA1c est < 8 %, avec une glycĆ©mie Ć  jeun ciblĆ©e entre 5 et 8.3 mmol/l, et une glycĆ©mie au coucher entre 5.5 et 10 mmol/l . En cas de trouble neurocognitif majeur modĆ©rĆ©e Ć  sĆ©vĆØre, la cible dā€™ā€ŠHbA1c est < 8.5 %, la glycĆ©mie Ć  jeun entre 5.5 et 10 mmol/l, et la glycĆ©mie au coucher entre 8.3 et 13 mmol/l (34).

Les hypoglycĆ©mies sont frĆ©quentes dans cette population, avec une prĆ©valence de 33 % (30 % lĆ©gĆØres, 3 % sĆ©vĆØres) (35). Elles peuvent se manifester par des signes neurologiques, psychiatriques, ou rester asymptomatiques, notamment la nuit. Leurs consĆ©quences incluent les chutes (parfois compliquĆ©es de fractures) ainsi que des hospitalisations. Les causes sont multiples: apports alimentaires irrĆ©guliers, traitements hypoglycĆ©miants – en particulier lā€™ā€Šinsuline et les agents Ć  demi-vie prolongĆ©e tels que les sulfamides et les glinides – dont lā€™ā€Šusage est risquĆ© en cas dā€™ā€Šinsuffisance rĆ©nale (36). Le risque est accru par des objectifs glycĆ©miques inadaptĆ©s, une altĆ©ration de la perception des symptĆ“mes ou des antĆ©cĆ©dents dā€™ā€ŠĆ©pisodes sĆ©vĆØres. Par ailleurs, le surtraitement reste frĆ©quent chez les personnes Ć¢gĆ©es diabĆ©tiques de type 2 (37). Les variations dā€™ā€ŠadhĆ©sion thĆ©rapeutique, les fluctuations des apports caloriques et les transitions de soins (hospitalisation, retour Ć  domicile, entrĆ©e en EMS) peuvent dĆ©sĆ©quilibrer la glycĆ©mie, justifiant une rƩƩvaluation systĆ©matique Ć  chaque changement de contexte.

Ce risque dā€™ā€ŠhypoglycĆ©mie ne doit toutefois pas conduire Ć  un sous-traitement. Une hyperglycĆ©mie chronique non contrĆ“lĆ©e favorise les complications microangiopathiques (neuropathie, rĆ©tinopathie, nĆ©phropathie), les complications infectieuses (urinaires, respiratoires, cutanĆ©es) et peut altĆ©rer lā€™ā€ŠĆ©tat gĆ©nĆ©ral du patient (38). Cliniquement, elle peut se manifester par une asthĆ©nie, une lĆ©thargie, un Ć©tat confusionnel aigu, ainsi quā€™ā€Šune diurĆØse osmotique (polyurie, nycturie), augmentant le risque de dĆ©shydratation chez les patients prĆ©sentant un trouble neuro-
cognitif majeur.

Sur le plan thĆ©rapeutique, la metformine demeure le traitement de premiĆØre intention chez le sujet Ć¢gĆ©, sauf contre-indication. En cas de contrĆ“le glycĆ©mique insuffisant, lā€™ā€Šajout dā€™ā€Šun inhibiteur de la DPP-4 est recommandĆ© pour son bon profil de tolĆ©rance. Les sulfamides et les glinides doivent ĆŖtre Ć©vitĆ©s, en raison de leur potentiel hypoglycĆ©miant. Les inhibiteurs de SGLT2 et les analogues du GLP-1 peuvent ĆŖtre envisagĆ©s pour leurs effets cardio-nĆ©phroprotecteurs, mais leur emploi requiert prudence en raison dā€™ā€Šeffets indĆ©sirables plus frĆ©quents chez les patients fragiles.
Des donnĆ©es rĆ©centes suggĆØrent Ć©galement un possible effet neuroprotecteur des analogues du GLP-1. Une revue systĆ©matique parue en 2025 dans JAMA Neurology (n > 160 000) a mis en Ć©vidence une diminution du risque de trouble neurocognitif majeur, y compris de type Alzheimer, chez les patients traitĆ©s par les analogues du GLP-1, comparativement Ć  dā€™ā€Šautres antidiabĆ©tiques (39). Cependant, la perte de poids induite par les analogues du GLP-1 ne constitue pas un objectif pertinent chez les sujets Ć¢gĆ©s atteints de troubles neurocognitifs majeurs, en particulier aux stades modĆ©rĆ© Ć  avancĆ©, en raison du risque Ć©levĆ© de dĆ©nutrition et de sarcopĆ©nie frĆ©quemment associĆ©s aux pathologies neurodĆ©gĆ©nĆ©ratives (38).

En cas dā€™ā€ŠĆ©chec de la bithĆ©rapie orale, une insulinothĆ©rapie basale peut ĆŖtre introduite. Celle-ci peut ĆŖtre temporaire (Ć©pisode aigu) ou prolongĆ©e (Ć©chec des antidiabĆ©tiques oraux, contre-indication Ć  la metformine, notamment en cas dā€™ā€Šinsuffisance rĆ©nale sĆ©vĆØre). Les analogues lents Ć  injection unique quotidienne sont Ć  privilĆ©gier, en dĆ©butant Ć  0.2–0.3 UI/kg/j, avec une majoration progressive de 2 UI tous les trois jours jusquā€™ā€ŠĆ  stabilisation. La surveillance des glycĆ©mies capillaires – par le patient, lā€™ā€Šentourage formĆ© ou un professionnel, selon le niveau cognitif – ou une mesure automatique en continu est indispensable jusquā€™ā€ŠĆ  stabilisation et Ć  chaque ajustement (40). Chez la personne Ć¢gĆ©e vivant avec une dĆ©mence, le monitorage glycĆ©mique en continu sā€™ā€ŠavĆØre faisable et bien tolĆ©rĆ©, et pourrait contribuer Ć  rĆ©duire les Ć©pisodes dā€™ā€ŠhypoglycĆ©mie, tout en allĆ©geant la charge de surveillance pour les aidants. En cas de contrĆ“le insuffisant sous insuline basale, une injection dā€™ā€Šanalogue rapide peut ĆŖtre ajoutĆ©e aprĆØs le repas le plus hyperglycĆ©miant, sous rĆ©serve dā€™ā€Šune prise alimentaire effective. Si le dĆ©sĆ©quilibre persiste, un schĆ©ma basale-bolus avec injections aux trois repas peut ĆŖtre envisagĆ©, avec surveillance adaptĆ©e (38).

Quel que soit le schĆ©ma choisi, lā€™ā€ŠefficacitĆ© et la tolĆ©rance doivent ĆŖtre rƩƩvaluĆ©es dans un dĆ©lai de 3 Ć  6 mois, voire plus prĆ©cocement en cas dā€™ā€ŠĆ©vĆ©nement clinique (hypoglycĆ©mie, hyperglycĆ©mie, intolĆ©rance). Il convient de tenir compte de lā€™ā€Šobservance et dā€™ā€ŠĆ©viter lā€™ā€Šinertie thĆ©rapeutique, que ce soit pour dĆ©prescrire un traitement inadaptĆ© ou pour intensifier une prise en charge insuffisante (38).

Chez les personnes Ć¢gĆ©es diabĆ©tiques atteintes de trouble neurocognitif majeur, la prise en charge nutritionnelle vise Ć  prĆ©venir la dĆ©nutrition, maintenir lā€™ā€ŠĆ©tat gĆ©nĆ©ral et limiter les complications mĆ©taboliques. Les rĆ©gimes restrictifs sont dĆ©conseillĆ©s; lā€™ā€Šalimentation doit rester plaisante, avec un apport Ć©nergĆ©tique suffisant rĆ©parti sur trois repas et, si besoin, des collations. Un apport protĆ©ique de 1.0 Ć  1.2 g/kg/j est recommandĆ©. Il faut assurer une hydratation adĆ©quate et adapter les textures en cas de dysphagie. Lā€™ā€Šimplication des aidants et la rƩƩvaluation rĆ©guliĆØre de lā€™ā€ŠĆ©tat nutritionnel et fonctionnel sont essentielles pour ajuster les stratĆ©gies (41).

Le suivi du patient avec diabĆØte peut ĆŖtre ajustĆ© selon le contexte clinique, Ć  lā€™ā€Šaide de la checklist prĆ©sentĆ©e (Tab. 2). En situation de fin de vie, un assouplissement des objectifs glycĆ©miques, la rĆ©duction de la surveillance invasive et la simplification maximale du traitement sont recommandĆ©s. Chez les patients atteints de diabĆØte de type 1, la posologie et la frĆ©quence des injections dā€™ā€Šinsuline peuvent ĆŖtre diminuĆ©es, mais jamais interrompues (42).

Conclusion

La prise en charge des comorbiditĆ©s cardiovasculaires et mĆ©taboliques chez les personnes Ć¢gĆ©es atteintes de trouble neurocognitif majeur exige un Ć©quilibre entre bĆ©nĆ©fices attendus, risques iatrogĆØnes et objectifs de soins centrĆ©s sur la personne. Les dĆ©cisions thĆ©rapeutiques doivent sā€™ā€Šinscrire dans une dĆ©marche individualisĆ©e, Ć©clairĆ©e par lā€™ā€ŠĆ©valuation gĆ©riatrique globale et guidĆ©e par les prioritĆ©s du patient: maintien de lā€™ā€Šautonomie, qualitĆ© de vie, prĆ©vention des complications Ć©vitables. Dans ce contexte, la coordination interdisciplinaire, lā€™ā€Šimplication des aidants et la rƩƩvaluation rĆ©guliĆØre des traitements jouent un rĆ“le central. Lā€™ā€Šapproche gĆ©riatrique permet ainsi de rĆ©concilier rigueur scientifique et pertinence clinique, en ajustant les stratĆ©gies thĆ©rapeutiques Ć  la complexitĆ© et Ć  la vulnĆ©rabilitĆ© propres Ć  cette population.

Dr Rui Ribeiro da Costa 1*
Dre Marta Robino 1*

Pr Dina Zekry 2
Pr Christophe Graf 1
Dre Aline Mendes 1

*Les deux auteurs ont contribué de manière égale à cet article.
1 Service de Gériatrie et Réadaptation, Département de Réadaptation et Gériatrie, HÓpitaux Universitaires de Genève et Université de Genève, Rue Gabrielle-Perret-Gentil 4, 1211 Genève 14
2 Service de Medecine Interne de lā€™ā€ŠĆ‚gĆ©, DĆ©partement de RĆ©adaptation et GĆ©riatrie, HĆ“pitaux Universitaires de GenĆØve et UniversitĆ© de GenĆØve, Rue Gabrielle-Perret-Gentil 4, 1211 GenĆØve 14

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Dr Rui Ribeiro da Costa

Service de GƩriatrie et RƩadaptation
DƩpartement de RƩadaptation et GƩriatrie
HÓpitaux Universitaires de Genève et Université de Genève
Rue Gabrielle-Perret-Gentil 4
1211 GenĆØve 14

Dre Marta Robino

Service de GƩriatrie et RƩadaptation
DƩpartement de RƩadaptation et GƩriatrie
HÓpitaux Universitaires de Genève et Université de Genève
Rue Gabrielle-Perret-Gentil 4
1211 GenĆØve 14

Les auteurs nā€™ā€Šont pas dĆ©clarĆ© de conflit dā€™ā€ŠintĆ©rĆŖts en rapport avec cet article.

  • Les comorbiditĆ©s cardiovasculaires et mĆ©taboliques (HTA, Ā­dyslipidĆ©mie, FA, diabĆØte) sont Ć  la fois des facteurs de risque et
    des comorbiditƩs associƩes aux troubles neurocognitifs majeurs.
  • Lā€™ā€ŠĆ©valuation gĆ©riatrique globale permet dā€™ā€Šindividualiser les
    stratĆ©gies thĆ©rapeutiques, en tenant compte du stade cognitif, de lā€™ā€ŠĆ©tat Ā­fonctionnel, des comorbiditĆ©s et des prĆ©fĆ©rences du patient.
  • Certaines interventions thĆ©rapeutiques initialement justifiĆ©es
    peuvent devenir inappropriĆ©es avec lā€™ā€ŠĆ©volution de la maladie: une rƩƩvaluation rĆ©guliĆØre du rapport bĆ©nĆ©fice-risque est indispensable.

1. Livingston G, Huntley J, Liu KY, Costafreda SG, SelbƦk G, Alladi S, Ames D, Banerjee S, Burns A, Brayne C, Fox NC, Ferri CP, Gitlin LN, Howard R, Kales HC, KivimƤki M, Larson EB, Nakasujja N, Rockwood K, Samus Q, Shirai K, Singh-Manoux A, Schneider LS, Walsh S, Yao Y, Sommerlad A, Mukadam N. Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission. Lancet. 2024 Aug 10;404(10452):572-628. doi: 10.1016/S0140-6736(24)01296-0. Epub 2024 Jul 31. PMID: 39096926.
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Journal Watch von unseren Experten

Wie tief sollte der Blutdruck beim Diabetiker sein?

Frage
Wie stark sollte der Blutdruck bei Ā­Patienten mit Hypertonie und Typ-2-Ā­Diabetes gesenkt werden?

Hintergrund
Hypertoniker mit einem Typ-2-Diabetes als Komorbidität haben ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Die ESC-Leitlinien von 2024 empfehlen für diese Population, ein Blutdruckziel < 130 mmHg systolisch anzustreben (Klasse IA). Die Studienlage dazu ist bis dato nicht ganz eindeutig. In der SPRINT-Studie hat eine intensivierte Therapie bei Hypertonikern auf systolische Werte < 120 mmHg gegenüber der Standardbehandlung (< 140 mmHg) die Rate kardiovaskulärer Ereignisse und Gesamtmortalität signifikant gesenkt, jedoch waren Diabetiker von der Studie ausgeschlossen (2). In der ACCORD-Studie hat eine Blutdrucksenkung auf < 120 mmHg keinen signifikanten Vorteil für die teilnehmenden Diabetiker erbracht (3). Allerdings hat diese Studie sowohl blutzucker- als auch blutdrucksenkende Interventionen getestet und hatte keine ausreichende statistische Power, den unabhängigen Effekt der strengeren Blutdruckeinstellung zu zeigen.

Studienort
Die Blood Pressure Control Target in Diabetes (BPROAD)-Studie ist eine multizentrische, randomisierte Studie aus 145 Studienzentren in China (1).

Studiendesign und Methode
Die Studienteilnehmer erhielten randomisiert entweder eine intensive Blutdrucksenkung (systolischer Zielwert < 120 mmHg) oder eine Standardbehandlung (Zielwert < 140 mmHg). Der Blutdruck wurde in den ersten 3 Monaten monatlich und danach alle 3 Monate kontrolliert (als PraxisblutdruckĀ­messung).

Ein- und Ausschlusskriterien
Eingeschlossen wurden Personen im Alter ≄ 50 Jahren mit Diabetes mellitus Typ 2, erhƶhtem kardiovaskulƤren Risiko und einem systolischen Blutdruck ≄ 130 mmHg unter antihypertensiver Therapie oder ≄ 140 mmHg ohne Blutdruckmedikation.

Outcome
Als primärer Endpunkt wurde der Komposit aus kardiovaskulären Ereignissen, einschliesslich nicht tödlicher Myokardinfarkte, nicht tödlicher Schlaganfälle, behandelter oder hospitalisierter Herzinsuffizienz und kardiovaskulärer Tod über 5 Jahre erfasst.

Ergebnisse
Eingeschlossen wurden 12 821 Probanden. Die Baseline-Charakteristika beider Gruppen waren ausgeglichen: Im Median waren die Teilnehmenden knapp 64 Jahre alt und hatten einen mittleren Blutdruck von 140/76 mmHg. 45 % waren Frauen. 22.5 % hatten nach eigenen Angaben eine kardiovaskulƤre Vorerkrankung. Auch weitere Risikofaktoren waren vergleichbar wie BMI (im Median 26.7), Raucherstatus, HbA1c, Cholesterin, Nierenfunktion und Dauer der Diabeteserkrankung. Nach 1 Jahr lag der mittlere Blutdruck unter intensiver Behandlung bei 121.6 mmHg und bei 133.2 mmHg in der Standardgruppe. WƤhrend des mittleren Follow-ups von 4.2 Jahren trat bei 393 Personen (1.65 % pro Jahr) in der Intensiv- und bei 492 Personen (2.09 % pro Jahr) in der Standardgruppe ein Ereignis des primƤren Endpunkts auf. Damit hat die intensivierte Strategie das relative Risiko für den primƤren Endpunkt um 21 % gesenkt (Hazard Ratio, HR, 0.79; 95 %-KI 0.69 bis 0.90; p < 0.001). Ā­Signifikant niedriger war auch das Risiko für eine beginnende NierenschƤdigung im Sinne einer Albuminurie. Allerdings traten in der intensiv behandelten Ā­Gruppe signifikant hƤufiger FƤlle symptomatischer Hypotonie (8 [0.1 %] vs.
1 [< 0.1 %], p = 0.05) und HyperkaliƤmie auf (> 5.5 mmol/l: 177 [2.8 %] vs. 125 [2.0 %], p = 0.003).

Kommentar
• Die BPROAD-Studie liefert Evidenz, dass Typ-2-Diabetiker vergleichbar mit Hypertonikern ohne Diabetes prognostisch von einer intensivierten Blutdrucksenkung profitieren.
• Der mittlere systolische Blutdruck lag nach 1 Jahr unter intensiver Behandlung bei 121.6 mmHg, nur etwa 60 % in dieser Gruppe erreichten das angestrebte Blutdruckziel von < 120 mmHg. Angesichts der unter diesem Blutdruckresultat trotzdem erzielten signifikanten Risikoreduktion scheint eine weitere Anpassung des Zielblutdrucks auf < 120 mmHg, wie von den Autoren der Studie zur Diskussion gestellt, aktuell nicht erforderlich. Auch gilt zu berücksichtigen, dass die Studie ausschliesslich in China durchgeführt wurde und die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere ethnische Gruppen unklar ist.
• Somit bestƤtigt die Studie die Leitlinien der ESC 2024 zum Management der Hypertonie bei Diabetikern, die einen systolischen Zielblutdruck von 120–129 mmHg empfehlen. Speziell wƤhrend des Beginns der intensivierten Blutdruckintervention sollten die Patienten auf das Vorliegen von Hypotonien und HyperkaliƤmien überwacht werden.

Dr. med. Andrea Rosemann

Literatur
1. Bi Y, Li M, Liu Y, et al. BPROAD Research Group. Intensive Blood-Pressure Control in Patients with Type 2 Diabetes. N Engl J Med. 2024 Nov 16. doi: 10.1056/NEJMoa2412006
2. Research Group; Lewis CE, Fine LJ, Beddhu S, Cheung AK, Cushman WC, Cutler JA, Evans GW, Johnson KC, Kitzman DW, Oparil S, Rahman M, Reboussin DM, Rocco MV, Sink KM, Snyder JK, Whelton PK, Williamson JD, Wright JT Jr, Ambrosius WT. Final Report of a Trial of Intensive versus Standard Blood-Pressure Control. N Engl J Med. 2021 May 20;384(20):1921-1930. doi: 10.1056/NEJMoa1901281. PMID: 34010531; PMCID: PMC9907774.
3. ACCORD Study Group; Cushman WC, Evans GW, Byington RP, Goff DC Jr, Grimm RH Jr, Cutler JA, Simons-Morton DG, Basile JN, Corson MA, Probstfield JL, Katz L, Peterson KA, Friedewald WT, Buse JB, Bigger JT, Gerstein HC, Ismail-Beigi F. Effects of intensive blood-pressure control in type 2 diabetes mellitus. N Engl J Med. 2010 Apr 29;362(17):1575-85. doi: 10.1056/NEJMoa1001286. Epub 2010 Mar 14. PMID: 20228401; PMCID: PMC4123215.

Schmerzmanagement bei Patienten nach Wirbelsäulenoperationen: Fortgeschrittene Strategien und zukünftige Wege

Eine wirksame postoperative Schmerzbehandlung ist in der Wirbelsäulenchirurgie nach wie vor eine grosse klinische Herausforderung. Schlecht kontrollierte Schmerzen betreffen bis zu 50 Prozent der Patienten und führen zu einer verzögerten Mobilisierung, einem verlängerten Krankenhausaufenthalt sowie einem erhöhten Risiko für chronische postoperative Schmerzen. In einer kürzlich publizierten Übersichtsarbeit wurden aktuelle und neue Strategien zur Behandlung postoperativer Wirbelsäulenschmerzen zusammengefasst. Dabei wurde die Entwicklung von opioidzentrierten Paradigmen hin zu individualisierten, multimodalen Ansätzen verfolgt. Die multimodale Analgesie (MMA) ist zum Eckpfeiler der heutigen Behandlung geworden.

Kombination aus Pharmakologie, RegionalanƤsthesie und nicht-medikamentƶsen Verfahren
Die multimodale Analgesie kombiniert pharmakologische Wirkstoffe wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), Paracetamol und Gabapentinoide mit regionalen Anästhesietechniken, einschließlich der Blockade der Erector-spinae-Ebene und der Anwendung von liposomalem Bupivacain. Ergänzende nicht-pharmakologische Maßnahmen wie Frühmobilisierung, kognitive Verhaltenstherapie und achtsamkeitsbasierte Interventionen optimieren die Genesung zusätzlich und berücksichtigen die biopsychosozialen Dimensionen von Schmerzen. Bei Patienten mit therapierefraktären Schmerzen zeigen Neuromodulationstechniken wie die Stimulation des Rückenmarks und der peripheren Nerven vielversprechende Ergebnisse.

KI, Biomarker und personalisierte Schmerzprotokolle
Fortschritte in den Bereichen künstliche Intelligenz (KI), Entdeckung von Biomarkern und Nanotechnologie ermöglichen personalisierte Schmerzprotokolle durch vorausschauende Modellierung und gezielte Medikamentenverabreichung. Verbesserte Genesungsprotokolle nach Operationen, die viele dieser Strategien integrieren, reduzieren nachweislich den Opioidverbrauch, die Dauer des Krankenhausaufenthalts und die Komplikationsrate. Dennoch bleiben die Variabilität bei der Umsetzung und die Notwendigkeit individualisierter Protokolle zentrale Herausforderungen. Zukünftige Entwicklungen umfassen KI-gesteuerte Analysen, regenerative Therapien und erweiterte Forschung zu langfristigen funktionellen Ergebnissen.

Schlussfolgerung
Diese Übersichtsarbeit bietet einen evidenzbasierten Rahmen für die Schmerzkontrolle nach Wirbelsäulenoperationen und betont die Integration multimodaler und innovativer Ansätze, die auf unterschiedliche Patientengruppen zugeschnitten sind.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

Long COVID – der letzte Akt

Liebe Kolleginnen und Kollegen

In den letzten fünf Jahren scheint Long COVID Ƥhnlich einer klassischen Tragƶdie fünf Akte durchlaufen zu haben. Exposition: Kaum war die Pandemie medizinisch und politisch einigermassen verdaut, wurden erste FƤlle von Fatigue im Zusammenhang mit zurückliegendem SARS-CoV2-Infekt beschrieben. Komplikation/Verzƶgerung: Die FƤlle hƤuften sich, es wurden engagierte Spezialsprechstunden eingerichtet und verzweifelt nach objektivierbaren Diagnosekriterien oder Therapieoptionen gesucht. Der Hƶhepunkt wurde erreicht durch die mediale Berichterstattung über hoffnungslose FƤlle und den zunehmend lauter werdenden Vorwürfen, die Schulmedizin würde die leidenden Patienten zu wenig ernst nehmen und die Forschung würde zu wenig schnell vorangetrieben. Der Akt der Verzƶgerung wurde geprƤgt durch wenige neue Erkenntnisse und parallel dazu durch einen neuen, lukrativen Markt für allerlei teilweise invasive und kostspielige Therapieangebote, die nur wenig Erfolg zeigten. Das Misstrauen gegenüber der Ƅrzteschaft und eine Art Glaubenskonflikt standen im Vordergrund. Es bleiben die Medien als jammernder Chor, welcher die Ereignisse kommentiert und moralisch einschƤtzt bzw. anprangert. Glücklicherweise ist es rund um das Thema Long COVID ruhiger geworden, nun ist es dringend an der Zeit für den letzten Aufzug, die Auflƶsung.

Die Sonderstellung von Long COVID verflüchtigt sich und entsprechend werden auch die Spezialsprechstunden aufgehoben. Für viele Kolleginnen und Kollegen war die Mitarbeit in einer solchen Spezialsprechstunde sehr kräftezehrend und erschöpfend. Aus meiner Sicht bietet sich jetzt die Chance, das Krankheitsbild für die verbleibenden Patienten neu zu ordnen und den Symptomkomplex wieder so zu denken, wie wir es mit allen anderen Beschwerden auch machen. Mit dem Erheben einer sorgfältigen Anamnese, einer internistischen Untersuchung und dem Evaluieren von Differenzialdiagnosen. Dieser wichtige Prozess wurde in der Vergangenheit doch häufig durch die vorgefasste Meinung oder subjektive Einschätzung «ich habe Long COVID» beschnitten. Zusätzliche ­Fra­gen zur Anamneseerhebung wurden mit Argwohn quittiert und die Leidensgeschichten zweifelsfrei und stereotyp geschildert. Meine Routinefrage nach Schlafgewohnheiten, Bildschirmzeit, emotionaler Belastung etc. wurde oftmals mit einem spöttischen Lächeln quittiert. Es war schwierig, die Patienten sorgfältig internistisch zu erfassen und unmöglich ganzheitlich in einem Bio-Psycho-Sozialen System einzuordnen. Der Einbezug der Aspekte Psyche und soziale Situation wurde von betroffenen Patienten gerne kategorisch abgelehnt. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum hinsichtlich Long COVID die Patienten nicht ganzheitlich erfasst werden durften und die psychotherapeutische oder psychiatrische Mitbetreuung auf so heftige Ablehnung gestossen ist.

Ich hoffe sehr, dass mit der Auflösung des Sonderlabels Long COVID wieder ein offener, umsichtiger Umgang mit den ME/CFS-Patienten möglich sein wird. Dass wieder ganzheitlich in einem Bio-Psycho-Sozialen Modell gedacht und bei einem chronischen Verlauf auch immer wieder von Neuem neurologische und internistische Differenzialdiagnosen durchgedacht werden. Ich zweifle nicht an der Existenz von ME/CFS, aber es wäre in der Tat eine Katastrophe, wenn eine möglicherweise therapierbare Ursache der Beschwerden nicht gesucht und das Potenzial einer ganzheitlichen Betreuung im psychosozialen Kontext nicht ausgeschöpft würden.

Herzliche Grüsse

Dr. med.Vera Stucki-HƤusler

Aerzteverlag medinfo AG
Dr. med. Vera Stucki-HƤusler
Seestrasse 141
8703 Erlenbach

stucki@medinfo-verlag.ch