Künstliche Intelligenz und Entlassungsbriefe

Trotz der Digitalisierung der Krankenakte bleibt der Entlassungsbrief ein unverzichtbarer Bestandteil des Krankenhausaufenthalts eines Patienten.

Sein Hauptzweck besteht nach wie vor darin, gültige und umfassende Informationen (Untersuchungen, therapeutische Überlegungen, Eingriffe und Behandlungen) über den Krankenhausaufenthalt sowie Vorschläge für die weitere Behandlung zu übermitteln. Diese anspruchsvolle Aufgabe ermöglicht (oder sollte ermöglichen!) auch ein pädagogisches Ziel, nämlich die Schulung des synthetischen, strukturierten und prägnanten Denkens. In jüngerer Zeit ist zu diesen beiden Zielen ein rein finanzielles Ziel hinzugekommen, das manchmal sogar so weit geht, dass es die Prioritäten verwischt. Diese Entwicklung hat zweifellos zu dem Gefühl der «administrativen» Überlastung des medizinischen Personals beigetragen, auch wenn diese Informationsübermittlung nach wie vor eine ebenso wichtige Aufgabe ist wie die medizinische Versorgung. Kann künstliche Intelligenz (KI) uns dabei helfen? Die Ergebnisse einer aktuellen Studie lassen dies vermuten (1).

Die Forscher haben nach dem Zufallsprinzip die Akten von hundert Patienten ausgewählt, die drei bis sechs Tage in der Inneren Medizin hospitalisiert waren, und ein KI-Modell vom Typ «Large Language Models» (LLM) gebeten, einen Entlassungsbrief zu erstellen. Dieses und das ursprüngliche Entlassenschreiben des behandelnden Arztes wurden anschliessend von 22 Ärzten blind hinsichtlich Vollständigkeit, Klarheit und Prägnanz sowie möglicher Fehler (Ungenauigkeiten, Auslassungen und Halluzinationen = völlig falsche Informationen) verglichen und bewertet.
Das Ergebnis? Die von der KI generierten Briefe wurden als klarer und prägnanter, aber weniger vollständig bewertet. Sie enthielten auch häufiger Fehler, deren potenzielle Folgen sich jedoch nicht von denen im ursprünglichen Entlassungsbrief unterschieden. Insgesamt äusserten die Gutachter keine Präferenz für die eine oder andere Art von Brief.

Insgesamt war die Qualität beider Arten von Entlassungsbriefen ähnlich und vor allem verbesserungsfähig. Die Autoren schlagen daher vor, einen Ansatz in Betracht zu ziehen, bei dem ein erster Entwurf von der KI erstellt und anschliessend vom Arzt Korrektur gelesen wird, um Fehler zu beseitigen und die Vollständigkeit zu verbessern. Auch wenn zu befürchten ist, dass nun die KI das pädagogische Ziel der Klarheit und Prägnanz erfüllt, scheint dies eine hervorragende Gelegenheit zu sein, das Problem der «administrativen» Überlastung anzugehen. Es liegt an uns, dafür zu sorgen, dass die Korrekturlesung weiterhin streng bleibt!

Prof. Dr. med.Christophe Büla

Lausanne

1. Williams CYK, Subramanian CR, Ali SS, et al. Physician and large language model–generated hospital discharge summaries. JAMA Intern Med 2025;185(7):1-8. doi:10.1001/jamainternmed.2025.0821

Journal Watch von unseren Experten

Neue Protein-Targets für die Prävention von Typ-2-Diabetes und ihre vermittelnde Rolle im ­Zusammenhang zwischen Ernährung und Krankheit

Zirkulierende Proteine stehen im Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes (T2D), aber die Kausalität wurde bisher oft nicht untersucht. Ob Plasmaproteine geeignete Ziele für die T2D-Prävention sein könnten, bleibt ungewiss. In einer kürzlich publizierten Studie versuchten die Autoren aus zwei bevölkerungsbasierten Kohortenstudien und einer Mendelschen Randomisierungsanalyse die Zusammenhänge zwischen Plasmaproteinen und neu auftretendem T2D zu identifizieren und herauszufinden, ob Proteine Zusammenhänge zwischen Ernährung und T2D-Risiko vermitteln können.

Methoden
In der Studie wurden 276 Plasmaproteine in zwei schwedischen prospektiven Kohorten gemessen. Die Entdeckungskohorte bestand aus 4103 Frauen, die Replikationskohorte aus 1017 Frauen und 4124 Männern. Während der Nachbeobachtungszeit entwickelten 189 Frauen in der Entdeckungskohorte und 297 Teilnehmer in der Replikationskohorte T2D. Die Zusammenhänge zwischen Proteinen und neu auftretendem T2D wurden anhand von Cox-Proportional-Hazards-Modellen geschätzt. Es wurden Mendel’sche Randomisierungsanalysen unter Verwendung von cis-Protein-Quantitative-Trait-Loci durchgeführt, um die kausale Relevanz zu bewerten, sowie Kolokalisierungsanalysen, um gemeinsame kausale Varianten zwischen Proteinen und T2D zu untersuchen. Die Autoren untersuchten ausserdem, ob Proteine Zusammenhänge zwischen Ernährungsmustern, die aus der Hauptkomponentenanalyse abgeleitet wurden, und neu auftretendem T2D vermitteln könnten.

Resultate
Insgesamt wurden in zwei Kohorten 112 Proteine mit dem Auftreten von T2D in Verbindung gebracht, unabhängig von Alter, Geschlecht und Lebensstilfaktoren. Genetisch erhöhte Spiegel des Tyrosin-Proteinkinase-Rezeptors TYRO3, des interzellulären Adhäsionsmoleküls 2, Sortilin (SORT1) und des Sialomucin-Kernproteins 24 waren mit einem erhöhten T2D-Risiko assoziiert, während Catechol-O-Methyltransferase, CD2-assoziiertes Protein, Matrix-Metalloproteinase-12, Nectin-2 (NECTIN2), Reticulon-4-Rezeptor (RTN4R) und Fibroblasten-Wachstumsfaktor 21 umgekehrt assoziiert (falsch-positiv-korrigierte P < 0,05). Es wurden starke Hinweise (posterior Hypothese 4 der Kolokalisierung > 0,8) auf gemeinsame genetische Varianten von NECTIN2, RTN4R und SORT1 mit T2D gefunden. Eine phänotypweite Assoziationsuntersuchung auf Genebene bestätigte die Assoziationen von Proteinen mit T2D-Merkmalen. Die Studienleiter identifizierten eine vermittelnde Rolle von Proteinen mit genetischen Belegen für die Assoziation zwischen einem gesunden Ernährungsmuster (d.h. hoher Verzehr von Gemüse, Obst, Nüssen und Vollkornprodukten) und T2D.

Schlussfolgerungen
Die Studie liefert neue und fundierte Erkenntnisse über Proteine, die in einem kausalen Zusammenhang mit T2D stehen, und deren Zusammenhang mit der gewohnten Ernährung. Diese Erkenntnisse können als Leitfaden für Ernährungs­strategien zur Prävention von T2D dienen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

Quellen
Shi L et al. Novel protein targets for type 2 diabetes prevention and their mediating role in the diet-disease relationship: evidence from 2 population-based cohorts and a Mendelian randomization analysis. Am J Clin Nutr 2025;122:1400-1412. doi: 10.1016/j.ajcnut.2025.07.015. Epub 2025 Sep 15.

Einführung: Integrative Onkologie

In einem europäischen Survey gaben 19 bis 73 % der an Krebs betroffenen Patienten an, Komplementärmedizin zu nutzen (1), mit Zunahme der Nutzung in den letzten Jahren (2). Die Gründe sind unterschiedlich: bessere Symptomkontrolle, Wohlbefinden für Körper und Psyche, selber etwas tun können, den Leib gegen den Krebs stärken. Auch sollte Komplementärmedizin zu Beginn angeboten werden (3). Nach dem Diagnoseschock besteht häufig der Wunsch, aus einer passiven in eine selbstwirksame, aktive Rolle überzugehen (4, 5). Chemotherapien, Immuntherapien, komplexe zielgerichtete Therapien, Radiotherapie und Operationen können als aggressiv und unmenschlich erlebt werden, geübte Achtsamkeit, Kunsttherapie, äussere Anwendungen oder eine selbst injizierte Misteltherapie, als menschengemäss und gesundheitsfördernd. Man wird wieder Herr/Frau im eigenen Leib, wird wieder Gestalter seiner persönlichen Biographie.

Mittlerweile belegen auch Studien den positiven Effekt von integrativmedizinischen Massnahmen auf die Lebensqualität sowie die Symptomkontrolle in allen Phasen der Krebserkrankung (z. B. bei Nausea, Wallungen, Polyneuropathie, Angst, Schlafstörungen, Fatigue). Nicht zuletzt hat die im Jahr 2003 gegründete nordamerikanische Society for Integrative Oncology (SIO: https://integrativeonc.org) dazu beigetragen, die wissenschaftliche Evidenz für Komplementärmedizin in der Onkologie deutlich zu verbessern. Guidelines werden in prominenten Journals publiziert, sodass von verschiedenen Seiten der Appell kommt, die Standards of Care in der Onkologie anzupassen und Komplementärmedizin systematisch zu integrieren (6). In Deutschland sind ebenfalls S3-Leitlinien für Komplementärmedizin in der Onkologie erschienen (https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/komplementaermedizin). Bei belegter Wirksamkeit sollte eine ausgewählte Komplementärmedizin bereits bald nach der Diagnose einer Krebserkrankung angeboten werden, im Sinne einer frühen integrativen Onkologie.

In der Schweiz ist ein gewisses komplementärmedizinisches Angebot in den Kliniken für Onkologie schon längst nicht mehr die Ausnahme. Keine integrative Onkologie zu führen, wird zum Konkurrenznachteil. Am 25. April 2024 wurde im Kantonsspital Aarau von über 20 Institutionen das Schweizerische Netzwerk für Integrative Onkologie SNIO (https://integrative-oncology.ch) gegründet (Abb. 1). Darunter alle Universitätsspitäler und mehrere Kantonsspitäler. Ziele des Netzwerkes sind die Förderung von Qualität, Edukation und klinischer Forschung in der integrativen Onkologie. SNIO zählt heute 24 Mitglieder aus allen Landesregionen. Dieses Jahr sind im November am Schweizerischen Kongress für Hämatologie und Onkologie SOHC in Basel mehrere Symposien geplant: Nursing Interventions in Integrative Oncology gemeinsam mit der Onkologie Pflege Schweiz, Integrative Medicine in Pediatric Oncology mit der Schweizerischen Pädiatrischen Onkologie Gruppe SPOG, ein SNIO Science Update (https://www.sohc.ch) und Integrative Onkologie wird im Basiskurs Medizinische Onkologie regulär geschult.

Dankenswerterweise haben sich für diese Auflage der Therapeutischen Umschau Experten von SNIO-Institutionen erfolgreich an die Arbeit gemacht, um einen fundierten und spannenden Einblick in die Disziplinen und Themen der integrativen Onkologie zu ermöglichen.

Die klinischen Angebote von Integrativer Onkologie in SNIO-Zentren basieren auf der Vielfalt der (Traditionell-) Komplementären und Integrativen Medizin (7) und zeigen die Fokussierung auf die in der Schweiz besonders verankerten 7 Kerndisziplinen. Im Artikel Gemeinsamkeiten und Kerndisziplinen wird die gemeinsame Basis dieser Kerndisziplinen diskutiert. Dazu gehören die SNIO-Statuten (siehe Kasten), die auf der Definition der SIO aufbauen (8), und Charakteristika der Schweiz und Europas berücksichtigen, wie z. B. das Verständnis von Phytotherapie (Mehrkomponenten-Extrakte aus ganzen Pflanzen), von Lebensstilmedizin (Fokus auf Verhaltensänderungen basierend auf achtsamer Selbstreflexion und Verbundenheit) oder von traditioneller Medizin (inkl. ganzheitliche medizinische Systeme [Whole Medical Systems]).

Die Artikel der 7 Kerndisziplinen diskutieren neben den Inhalten auch Aspekte der verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz und spezifische Qualitätskriterien. Diese beiden Aspekte werden vertieft in den Artikeln Forschung und Weiter- und Fortbildung.

Auch in der Integrativen Onkologie sind präzise, konkrete Forschungsfragen notwendig, basierend auf einer soliden und reflektierten klinischen Praxis mit Einbezug der Patientenpräferenz. Der Artikel Forschung diskutiert das Dreibein (oder 3 Säulen) der evidenzbasierten Medizin und die Wahl einer geeigneten Forschungsmethodik. Dabei ist ein gründliches Verständnis der gelebten klinischen Realität der Integrativen Onkologie erforderlich (u. a. Patientenauswahl, Beschreibung des therapeutischen Kontexts, angemessene Kontrollgruppen, relevante Ergebnis-Kriterien [z. B. Kohärenz, Autonome Regulation (9)]) und ein breites Repertoire an (kombinierten) Forschungsmethoden mit unterschiedlichen gesetzlichen Vorschriften und Möglichkeiten der vernetzten Forschung (SNIO Working Group Forschung). Dieser Artikel soll dazu beitragen, die Evidenzverankerung der Integrativen Onkologie in der Schweiz zu stärken.

Qualitätskriterien in der Onkologie basieren v. a. auf der Weiter- und Fortbildung, Zertifizierungsprozessen und fachlichem Austausch. Dabei werden zunehmend spezifische Qualitätsindikatoren in Leitlinien (www.leitlinienprogramm-onkologie.de/qualitaetsindikatoren) formuliert. In der Integrativen Onkologie werden einerseits für Kerndisziplinen spezifische Qualitätskriterien definiert. Diese dienen sowohl zur Sicherstellung der bestmöglichen Wirksamkeit von therapeutischen Massnahmen (u. a. mit adäquater fachlicher Qualifikation der Fachpersonen) als auch zur Minimierung von Risiken. Im Artikel Weiter- und Fortbildung werden Angebote der Weiter- und Fortbildung vorgestellt und diskutiert (SNIO Working Group Edukation) und auch allgemeine Qualitätskriterien für die Integrative Onkologie diskutiert (10) (wie adäquate Informationen über die onkologische Erkrankung und Behandlungsoptionen zur Vermeidung von falschen Heilsversprechungen; wie Einbettung der aktiv erfragten Patientenpräferenz in die klinische Entscheidungsfindung mit robuster Evidenzverankerung; oder wie proaktive, transparente Koordination und Kommunikation zwischen den verschiedenen Akteuren für eine optimale interdisziplinäre, patientenzentrierte Versorgung).

Ein wesentliches Element für die Entwicklung von Qualitätskriterien für Integrative Onkologie in der Schweiz im Sinne einer konsensuellen, transparenten und verantwortlichen «Best Practice» ist das SNIO-Projekt Konsensus der SNIO Working Group Konsensus (siehe Artikel Forschung).

Das Spektrum an möglichen Angeboten der Integrativen Onkologie in den Behandlungspfaden der modernen Onkologie ist breit. In den beiden Artikeln Palliative und End-of-Life Care sowie Survivorship werden beispielhaft ausgewählte Behandlungsmöglichkeiten bei typischen klinischen Situationen (z. B. Insomnie, CINP, Fatigue, Symptomkontrolle am Lebensende) diskutiert. Dabei werden auch Gemeinsamkeiten der Integrativen Onkologie mit der modernen onkologischen Survivorship Care, der Palliativmedizin und Supportive Care diskutiert (11), beispielhaft bezüglich Ernährung mit Verbindung von onkologischer Ernährungsmedizin und Unterstützung von Verhaltensänderungen mit Massnahmen der Integrativen Onkologie. Dabei hat die Integrative Onkologie das Potenzial, Lücken in der Krebsbehandlung und unterstützenden Pflege zu schliessen, muss jedoch Kompetenzen aus den «konventionellen» Bereichen (z. B. Ernährung, Bewegungswissenschaft, Rehabilitation, Psychologie, Palliativmedizin) einbringen und die konventionelle onkologische Versorgung anerkennen und (gegenseitig) respektieren. Es spielt wie bei der Supportive Care und Palliative Care weniger die Zuteilung zu einem Begriff eine Rolle (12), sondern primär, dass patientenzentrierte, bedürfnisorientierte, qualitativ hochstehende, evidenzbasierte Massnahmen in transprofessioneller und interdisziplinärer Zusammenarbeit zu den betroffenen Menschen beim Leben mit und nach Krebs kommen.

Wir wünschen Ihnen eine inspirierende und lehrreiche Lektüre dieser Ausgabe.

Florian Strasser 1, 2, Marc Schläppi 1

1 Zentrum Integrative Medizin, HOCH Health Ostschweiz, Kantonsspital St. Gallen, Schweiz
2 Cancer Fatigue Clinic (Münsterlingen, Sargans, Schaffhausen), Schweiz

PD Dr. med. Florian Strasser

Senior Research Consultant
Zentrum Integrative Medizin, HOCH Health Ostschweiz
Kantonsspital St. Gallen
Rorschacher Strasse 95, 9000 St. Gallen

Cancer Fatigue Clinic
(Münsterlingen, Sargans, Schaffhausen), Schweiz

cancerfatigueclinic@hin.ch

Marc Schläppi ist Präsident des Swiss Network for Integrative Oncology.

Florian Strasser ist Extended Board Member des Swiss Network for Integrative Oncology, er hat Honorare für Vorträge, Beratung oder Teilnahme an Advisory Boards erhalten (letzte 5 Jahre) von Abbott Nutrition, Danone-Nutricia, Fresenius, Helsinn, Ology, Pfizer, Sanofi; er führt in selbstständiger Tätigkeit die ambulanten Sprechstunden der Cancer Fatigue Clinic durch.

Auszug aus SNIO-Statuten
• Integrative Onkologie ist eine patientenzentrierte und zielorientierte Integration von Interventionen aus der komplementären und integrativen Medizin (KIM) in die konventionelle onkologische Behandlung und Betreuung.
• Die betreffenden Interventionen werden dabei von Ärzt/-innen, Pflegenden und Therapeut/-innen mit einer in der Schweiz anerkannten, zertifizierten Ausbildung durchgeführt.
• Ein integrativonkologisches Behandlungskonzept gründet auf einem ganzheitlichen bio-psycho-sozio-spirituellen (BPSS) Menschenverständnis und anerkennt die salutogene Beziehung von Mensch zu Mensch sowie zwischen Mensch und Natur.

1. Molassiotis A, Fernández-Ortega P, Pud D, Ozden G, Scott JA, Panteli V, Margulies A, Browall M, Magri M, Selvekerova S, Madsen E, Milovics L, Bruyns I, Gudmundsdottir G, Hummers ton S, Ahmad AM, Platin N, Kearney N, Patiraki E. Use of complementary and alternative medicine in cancer patients: a European survey. Ann Oncol. 2005 Apr;16(4):655-63.
2. Horneber M, Bueschel G, Dennert G, Less D, Ritter E, Zwahlen M. How many cancer patients use complementary and alternative medicine: a systematic review and metaanalysis. Integr Cancer Ther. 2012 Sep;11(3):187-203,
3. Wode K, Henriksson R, Sharp L, Stoltenberg A, Hök Nordberg J. Cancer patients’ use of complementary and alternative medicine in Sweden: a cross-sectional study. BMC Complement Altern Med. 2019 Mar 13;19(1):62.
4. Horneber M, van Ackeren G, Fischer F, Kappauf H, Birkmann J. Addressing Unmet Information Needs: Results of a Clinician-Led Consultation Service About Complementary and Alternative Medicine for Cancer Patients and Their Relatives. Integr Cancer Ther. 2018 Dec;17(4):1172-1182.
5. Boland L, Bennett K, Connolly D. Self-management interventions for cancer survivors: a systematic review. Support Care Cancer 2018;26(5):1585-1595
6. Lopez G, Narayanan S, Cohen L. Integrative medicine in oncology: redefining the standard of care. Nat Rev Cancer. 2024 Nov;24(11):739-740
7. WHO-Definition: complementary medicine refers to additional healthcare practices that are not part of a country’s mainstream medicine. https://www.who.int/health-topics/traditional-complementary-and-integrative-medicine#tab=tab_1
8. Witt CM, Balneaves LG, Cardoso MJ, Cohen L, Greenlee H, Johnstone P, Kücük Ö, Mailman J, Mao JJ. A Comprehensive Definition for Integrative Oncology. J Natl Cancer Inst Monogr. 2017 Nov 1;2017(52).
9. Kröz M, Reif M, Fässler-Teal LR, Berger B, Sasselli C, Zerm R, Martin D, Gutenbrunner C, Büssing A. Predictors of fatigue improvement in multimodal, multimodal-aerobic and aerobic exercise intervention studies in breast cancer survivors with cancer-related fatigue. Sci Rep. 2025 Jul 1;15(1):20690.
10. Balneaves LG, Watling CZ, Hayward EN, Ross B, Taylor-Brown J, Porcino A, Truant TLO. Addressing Complementary and Alternative Medicine Use Among Individuals With Cancer: An Integrative Review and Clinical Practice Guideline. J Natl Cancer Inst. 2022 Jan 11;114(1):25-37
11. Theunissen I, Bagot JL. Supportive cancer care: is integrative oncology the future? Curr Opin Oncol. 2024 Jul 1;36(4):248-252.
12. Jordan K, Aapro M, Kaasa S, Ripamonti CI, Scotté F, Strasser F, Young A, Bruera E, Herrstedt J, Keefe D, Laird B, Walsh D, Douillard JY, Cervantes A. European Society for Medical Oncology (ESMO) position paper on supportive and palliative care. Ann Oncol. 2018 Jan 1;29(1):36-43

Evidenz, Forschungsmethodik und Qualitätskriterien in der Integrativen Onkologie: Grundlagen, Konsens und Perspektiven

Einleitung

Die Integrative Onkologie (IO) steht an der Schnittstelle zwischen konventioneller Krebsmedizin und komplementären Verfahren. Mit dem wachsenden Interesse an ganzheitlichen Behandlungsansätzen stellen sich jedoch grundlegende Fragen: Was gilt in diesem Feld als «Evidenz»? Welche methodischen Standards sind angemessen und praktikabel? Und wie lässt sich die Qualität integrativer Behandlungsangebote bewerten und sichern?

Der vorliegende Artikel beleuchtet zentrale Grundlagen der IO aus methodischer und wissenschaftstheoretischer Perspektive mit dem Ziel, zu einer fundierten, konsensorientierten und zukunftsfähigen Positionierung der IO im Spannungsfeld von Wissenschaft, klinischer Praxis und Patientenrealität beizutragen.

Der Evidenzbegriff in der Integrativen Onkologie

Der Begriff «Evidenz» kann (lt. Duden) verstanden werden als «unmittelbare und vollständige Einsichtigkeit, Deutlichkeit, Gewissheit» sowie im Medizingebrauch als den «empirisch erbrachten Nachweis der Wirksamkeit eines Präparats / einer Therapieform etc.» (1). Die philosophischen Ursprünge der Evidenz liegen im 19. Jahrhundert. Der Begriff evidenzbasierte Medizin (EBM) wurde durch David Sackett et al. in den 1990er-Jahren geprägt und definiert als «gewissenhafter, ausdrücklicher und vernünftiger Gebrauch der gegenwärtig besten wissenschaftlichen Evidenz für Entscheidungen in der Versorgung individueller Patient/-innen». Dabei liegt die Betonung auf der Integration von «individueller klinischer Expertise (inklusive der Identifikation und Verwendung der Werte des individuellen Patienten in dessen Situation) mit der «besten verfügbaren Evidenz von systematischer Forschung» (2). Auf dieser Basis wird manchmal der Begriff «Drei zentrale Säulen der EBM» verwendet (Evidenz, klinische Expertise, Individualität Patient/-in). Dabei sind nicht unabhängige Säulen gemeint, sondern die Kombination im Sinn eines Dreibeins.
Die erste Säule der EBM benennt den aktuellen Stand der besten wissenschaftlichen Forschung oder die sog. externe Evidenz. Sackett gliederte diese hierarchisch in fünf Level (LoE) in Abhängigkeit von der möglichen Bias (Verzerrung). Diese Gliederung (3) dient noch heute als Grundlage für viele Leitlinien (z. B. ESMO [4], S3-Guidelines Onkologie [5]).

Level 1: Grosse randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit eindeutigen Ergebnissen
Level 2: Kleine RCTs mit nicht eindeutigen Ergebnissen
Level 3: Kohorten- oder Fall-Kontroll-Studien
Level 4: Historische Kohorten oder Fall-Kontroll-Studien
Level 5: Fallserien, Studien ohne Kontrollen
Der Entwicklungsprozess von Guidelines wurde vom LoE erweitert mit Checklisten zur systematischen Evaluation (AGREE [6]), Beschreibung der Intervention (TIDieR [7]) und Empfehlungen (GoR: Grades of Recommendation, GRADE [8]). Onkologische Guidelines der Supportive Care können starke Empfehlungen (GoR A/B) bei tiefer Evidenz (LOE IV/V) enthalten (9, 10, 11).

Es kursieren noch immer Annahmen, dass komplementäre Massnahmen nicht wissenschaftlich überprüft seien. Dementgegen stehen gross angelegte RCTs und Metaanalysen (siehe Artikel Kerndisziplinen) sowie Leitlinien, welche die gewonnenen Erkenntnisse zusammenfassen und in Empfehlungen übersetzen (12, 13, 14, 15, 16, 17). In der deutschsprachigen S3-Leitlinie «Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen Patient/-innen» beispielsweise entspricht der Grossteil der Empfehlungen einem hohen Evidenzgrad (I oder II) (18).

Dennoch bringt das Konzept spezifische Herausforderungen mit sich. RCTs stellen den Goldstandard (19) der Evidenzgenerierung aufgrund der geringsten Anfälligkeit für Bias dar, allerdings auch mit Fehlentwicklungen (20, 21, 22, 23, 24, 25) inkl. Publication Bias (26, 27), Spin/Reporting Bias (28, 29) und Citation Bias (30), oft assoziiert mit Industriebeeinflussung (31, 32). RCTs sind vor allem geeignet bei standardisierbaren Interventionen (33, 34) wie der Wirksamkeitsprüfung eines Medikamentes. Bei komplexen multimodalen und/oder individualisierten Interventionen wie der IO oder z. B. der hochspezialisierten Medizin (35, 36, 37) stellen RCTs nur begrenzt die ideale Forschungsmethodik dar. Durch das Streben nach «perfekten» Studienszenarien wird oft die reale Population, die eventuell kränker und komplexer ist, nicht adäquat abgebildet (Selection Bias [38, 39]; Referral Bias [40]), was die Aussagekraft der RCTs für die klinische Praxis limitiert (41). Das Expertenwissen ist (auch) in der Onkologie für die klinische Praxis und Guidelines wichtiger als RCTs (davon nur 7 % mit Placebokontrolle [42]): 94 % der Guideline-Empfehlungen basieren nicht auf RCTs (43), sondern auf Erfahrung (44) (mit Forderung nach robuster Begründung [45]), strukturierten Qualitätsbeurteilungen für Onkologika (46, 47), Kohortenstudien (48, 49) und zunehmend Real-World-Daten (50, 51, 52). Erschwerend für die Generierung externer Evidenz kommt hinzu, dass die Forschungsfinanzierung zu komplementären Verfahren oft geringer ausfällt als für konventionelle Verfahren oder pharmakologische Studien (53), da die Verfahren selten patentierbar oder kommerziell weniger attraktiv sind.

Die zweite Säule der EBM stellt die individuelle klinische Expertise dar. Die Mindestvoraussetzung sollte eine solide klinische Aus- und Weiterbildung sowie kontinuierliche Fortbildung und Erfahrungsgewinn darstellen (www.union-comed.ch). Neben den konventionellen medizinischen Fachrichtungen wie «Onkologie» gibt es SIWF-akkreditierte Fähigkeitsausweise für die Kerndisziplinen (siehe Artikel Kerndisziplinen und Artikel Edukation). Eine doppelte Zertifizierung (z. B. onkologisches Fachgebiet sowie komplementärmedizinischer Fähigkeitsausweis) ermöglicht nicht nur die adäquate Abwägung der passenden Therapieform (sowohl konventionell als auch komplementär) für die aktuelle Patientensituation, sondern stellt auch den Qualitätsstandard für die Anwendung der Therapie sicher (1). Zertifizierungslabels wie «Integrative Klinik» (www.integrative-kliniken.ch) helfen dabei, ganze Institute und Abteilungen mit entsprechenden Qualifikationen hervorzuheben. Für nicht ärztliches Gesundheitsfachpersonal gibt es Register (Erfahrungs-Medizinische Register [www.emr.ch], ASCA [www.asca.ch]).

Insgesamt ist die Bandbreite an Anbietern auf dem Feld der Komplementär- oder gar Alternativmedizin gross. Sie reicht von der oben genannten Doppelzertifizierung von Fachärzt/-innen bis hin zu Personen ohne jeglichen medizinischen Hintergrund (54). Hinzu kommt, dass durch Digitalisierung und Social Media die unkontrollierte Verbreitung von ungeprüften Inhalten und der Vertrieb für teils teure Produkte (siehe Artikel Integrative Palliative Care: «financial toxicity») ohne Wirksamkeits- und/oder Sicherheitsnachweis erleichtert werden (55). Es ist daher nicht immer einfach für Patient/-innen, Angehörige und gar medizinische Fachpersonen, in diesem Dschungel an Angeboten und Informationen die «Spreu vom Weizen» zu trennen. Der Abschnitt «Qualitätskriterien» beleuchtet diesen Aspekt.

Die dritte Säule der EBM stellt die Wünsche und Werte der Patient/-innen dar. Die Patientenpräferenz kann im Entscheidungsprozess systematisch einbezogen werden (56) und hat einen relevanten Einfluss auf das Behandlungsergebnis (57). In der IO spielt Patientenzentrierung eine tragende Rolle. Die Empfehlungen und Angebote sollten unter Einbezug der Bedürfnisse und Erfahrungen der Patient/-innen in die Beurteilung der klinisch verantwortlichen Fachperson mit Kenntnis der Evidenzgrundlagen (2) individuell angepasst sein. Um den Spagat zwischen Studiendaten/Leitlinienempfehlungen, eigenen klinischen Erfahrungswerten und Patientenpräferenz zu bewältigen, erfordert es neben entsprechenden Sachkenntnissen professionelles Einfühlungsvermögen und Kommunikationskompetenz (58). Dabei sind formelle Assessment­in­strumente für die Patientenpräferenz wenig verfügbar (59). Das konsequente Umsetzen von Shared Decision Making (60, 61), in palliativen Situationen evtl. kombiniert mit einem strukturierten Entscheidungsprozess (62), ist die Grundlage, um gemeinsam mit den Patient/-innen zu entscheiden, was im individuellen Fall sinnvoll, nachvollziehbar und verantwortbar ist.

Zusammenfassend wird ersichtlich, dass es sich bei «Evidenz» nicht nur um eine wissenschaftliche Grösse handelt, sondern auch um ein ethisches und kommunikatives Konzept. Um der Komplexität patientenzentrierter Krebsversorgung gerecht zu werden, bedarf es in der IO, als «evidenzinformiertem, patientenzentriertem Gebiet der Krebstherapie» (63), eines dynamischen, kontextsensiblen und vielschichtigen Verständnisses des Evidenzbegriffs, welcher Forschungsergebnisse, ärztliche Erfahrung und patientenbezogene Werte gleichwertig berücksichtigt.

Forschungsmethodik

Die konventionelle biomedizinische Forschung folgt typischerweise einem linearen Weg – von mechanistischen Entdeckungen im Labor über aufeinanderfolgende Phasen klinischer Studien bis hin zur behördlichen Zulassung und klinischen Anwendung. Dieses klassische «bench-to-bedside»-Modell hat sich in der Arzneimittelentwicklung bewährt. Die Forschung in der Integrativen Medizin (IM) kehrt diesen Ablauf jedoch häufig um (64, 65). Viele IM-Interventionen wie Akupunktur, Yoga, Pflanzenheilkunde und Meditation stammen aus jahrhundertealten traditionellen klinischen Praktiken, die oft in ganzheitlichen Medizinsystemen verwurzelt sind und sich vom westlichen, biomedizinischen Paradigma unterscheiden (64). Sie begannen typischerweise am «Krankenbett», basierend auf gelebter therapeutischer Erfahrung, während die wissenschaftliche Erforschung zur Klärung von Wirkmechanismen oder zur Quantifizierung von Effekten erst kürzlich einsetzte. Diese Verschiebung spiegelt einen eigenständigen Erkenntnisansatz wider, der der IM zugrunde liegt. Im Gegensatz zur reduktionistischen Wissenschaftstheorie der konventionellen Biomedizin, die isolierte Mechanismen und kontrollierte Variablen priorisiert, verfolgt die IM einen ganzheitlichen Ansatz (64, 66). Sie bewertet nicht nur biologische Effekte, sondern auch die Bedeutung, die Patient/-innen ihren Behandlungen beimessen, den kulturellen Kontext, die therapeutische Beziehung und möglicherweise auch die Krankheit selbst (1).

IM lehnt wissenschaftliche Forschung nicht ab, im Gegenteil: Es gibt eine wachsende Zahl an qualitativ hochwertigen Studien, die die Wirksamkeit und Sicherheit komplementärmedizinischer Ansätze in der Krebsversorgung belegen, etwa Yoga gegen Fatigue oder Akupunktur gegen Gelenkschmerzen infolge einer endokrinen Therapie (16, 67, 68, 69). Dennoch stellt die IM die Dominanz der RCTs als universellen Evidenzstandard infrage. Sie fordert die Akzeptanz für ein breiteres methodisches Repertoire – eines, das der Komplexität, dem Kontext und der persönlichen Erfahrung einer Intervention gerecht wird.

RCTs, systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen bleiben unverzichtbare Säulen der EBM (vgl. weiter oben). Dennoch zeigen sie grundlegende Einschränkungen bei der Anwendung auf die IM: Viele komplementäre Ansätze sind komplex und multimodal, was eine Standardisierung erschwert, ohne dabei ihre ganzheitliche Natur zu verändern. Auch ist eine Verblindung häufig schwierig – Patient/-innen merken, wenn sie Yoga praktizieren oder Akupunktur erhalten –, und Placebos können methodische Schwächen mit sich bringen, wie im Fall der Scheinakupunktur, die nicht physiologisch inert ist und daher die wahre Behandlungseffektivität unterschätzen kann (70). Darüber hinaus finden viele IM-Interventionen in einem therapeutischen Ökosystem statt, die Patienteninteraktion mit dem Gesundheitsfachpersonal sowie individuelle Rahmenbedingungen und Anpassungen umfasst – Elemente, die sich in herkömmlichen Studiendesigns schwer isolieren oder quantifizieren lassen. Zudem zielen viele dieser Ansätze nicht nur auf die Linderung von Symp­tomen, sondern auch auf die Förderung von Resilienz, Krankheitsbewältigung oder Sinnfindung – Ergebnisse, die sich oft von herkömmlichen Endpunkten abgrenzen. Schliesslich ist auch das klassische hierarchische Evidenzmodell möglicherweise zu eng gefasst, da RCTs auf hohem Evidenzniveau meist hochselektive Patient/-innen-Populationen einbeziehen, die nicht die klinische Praxis widerspiegeln. Gut dokumentierte Verzerrungen – wie selektive Berichterstattung, Publikationsbias und Industrieeinflüsse – erschweren die Interpretation solcher Evidenz zusätzlich (1, 71).

Erweiterung des methodischen Repertoires

Um den Realitäten und der Komplexität gerecht zu werden, hat sich die IM über die traditionellen RCTs hinaus gegenüber einem erweiterten Spektrum an Forschungsmethoden geöffnet. Mixed-Methods-Forschung kombiniert quantitative Ergebnisse mit qualitativen Einsichten, um nicht nur die Frage «Wirkt es?» zu beantworten, sondern auch «Wie fühlt es sich an?», «Hilft es den Patient/-innen?», und erlaubt so eine tiefere Erforschung von Patientenerfahrungen, Werten und therapeutischen Beziehungen – Dimensionen, die im ganzheitlichen Ansatz der IM zentral sind (72). Pragmatische Studien hingegen bewerten Interventionen im realen Versorgungskontext und ermöglichen flexible Protokolle sowie breite Einschlusskriterien, die der klinischen Praxis entsprechen. Ein gutes Beispiel ist die grosse Studie von Brinkhaus et al., die den Einsatz prophylaktischer Akupunktur während Chemotherapie bei Brustkrebspatientinnen untersuchte (73). Ihr Design spiegelte zentrale pragmatische Elemente wider: Die Behandlungen fanden im alltäglichen Krankenhausumfeld statt, mit Flexibilität in der Wahl der Akupunkturtechniken entsprechend dem Zustand der Patientin; die Studienpopulation war breit gefächert und umfasste verschiedene Brustkrebsstadien und Chemotherapieregimes; die Ergebnisse konzentrierten sich auf patientenzentrierte Masse. Bemerkenswerterweise zeigten sich zwar keine signifikanten Verbesserungen in standardisierten Lebensqualitätswerten, aber qualitative Interviews ergaben, dass die Patientinnen bedeutende psychologische und physische Vorteile während der Behandlung durch die Akupunktur erlebten (73). Beobachtungsstudien und Register bieten ihrerseits wertvolle Erkenntnisse aus der Praxis hinsichtlich Anwendungsgewohnheiten, Sicherheit und Langzeitergebnissen, ergänzen RCT-Daten und helfen dabei, sowohl klinische Entscheidungen als auch Gesundheitspolitik zu informieren. Sie eignen sich besonders für individualisierte Ansätze wie homöopathische Präparate, traditionelle Pflanzenheilkunde oder Therapiekonzepte aus der Anthroposophisch erweiterten Medizin (AEM) (52), bei denen personalisierte Betreuung und langjährige klinische Anwendung sich nicht leicht durch konventionelle RCT-Designs abbilden lassen. Die Whole-Systems-Forschung wiederum bewertet die integrative Versorgung als kohärentes therapeutisches System statt isolierter Komponenten und erkennt synergetische Effekte sowie die Bedeutung des Kontextes an (74). Dieses Modell eignet sich besonders für komplexe medizinische Gesamtsysteme wie die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und die Traditionelle Indische Medizin (Ayurveda), bei denen Ergebnisse aus dem dynamischen Zusammenspiel mehrerer Therapiesäulen innerhalb eines kulturell bedeutungsvollen Rahmens hervorgehen. So zeigte eine kürzlich an der University of California durchgeführte Studie zu einer multimodalen ayurvedischen Intervention für Brustkrebsüberlebende sowohl Durchführbarkeit als auch vielversprechende Verbesserungen in Lebensqualität, Schlaf, Fatigue und emotionalem Wohlbefinden (75). Präferenzbasierte Studiendesigns stellen einen weiteren innovativen und äusserst relevanten Ansatz in der IM-Forschung dar, da sie die Wahl der Patient/-innen explizit in das Studienprotokoll integrieren (76). Die kürzlich veröffentlichte MATCH-Studie (77) – bislang die grösste Untersuchung zu Mind-Body-Verfahren in der Onkologie – bietet hierfür ein wegweisendes Beispiel: Krebsüberlebende konnten zwischen einem achtsamkeitsbasierten Trainingsprogramm und Tai Chi/Qi Gong wählen oder wurden randomisiert, wenn keine starke Präferenz bez. Therapien bestand. Die Ergebnisse zeigen, dass die Berücksichtigung individueller Präferenzen sowohl die Teilnahmebereitschaft als auch die Zufriedenheit der Teilnehmenden erhöhte, obwohl keine überlegene Wirksamkeit der frei gewählten Intervention nachgewiesen werden konnte (77). Qualitative Daten verdeutlichten zudem, dass die Präferenzen stark von Erwartungen, Vorerfahrungen, Wissen und dem Gefühl der Selbstwirksamkeit geprägt waren (78). Die MATCH-Studie illustriert eindrucksvoll, wie durch die Integration von Wahlmöglichkeiten sowohl die wissenschaftliche Aussagekraft als auch die klinische Relevanz von Studien in der IO gesteigert werden können – insbesondere angesichts der Tatsache, dass Erwartungen eine zentrale Rolle in der IM haben (57). Viele IM-Ansätze sind kulturell stark besetzt und mit bestehenden Überzeugungen verbunden, die die wahrgenommene Wirksamkeit steigern und klinische Ergebnisse beeinflussen können (79, 80, 81). In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass die Weltgesundheitsorganisation kürzlich den Entwurf ihrer Global Traditional Medicine Strategy (2025–2034) veröffentlicht hat (82). Diese hebt die Notwendigkeit hervor, Forschungsmethoden zu erweitern und anzupassen, um der besonderen Komplexität der traditionellen, komplementären und integrativen Medizin gerecht zu werden. Die Strategie plädiert für verstärkte Förderung von kultursensiblen und ganzheitlichen Forschungsansätzen, die menschenzentrierte Versorgung einbeziehen und traditionelles Wissen respektieren (82). Ein weiteres Beispiel für ein innovatives Design ist RISAT (random invitation single-arm trial design) (83).

IM stellt das konventionelle «bench-to-bedside»-Forschungsparadigma infrage, indem sie einen komplexen, kontextuellen und patientenzentrierten Ansatz verkörpert und flexiblere, kreativere und vielfältigere Forschungsmethoden fordert. Anstatt komplementäre Ansätze in die starren Rahmenbedingungen pharmakologischer Studien zu pressen, sollten Forschende Methoden anwenden, die der facettenreichen Natur integrativer Versorgung gerecht werden und wissenschaftliche Strenge mit Abbildung der Real-World-Komplexität und Patientenerfahrung verbinden. Letztlich wird durch diese Weiterentwicklung der Forschungsmethodik nicht nur den Eigenschaften der IM gerecht, sondern es wird auch der Horizont der medizinischen Wissenschaft erweitert. Damit ebnet sich der Weg für eine inklusivere, mitfühlendere und wirksamere Krebsversorgung.

Intervention und Regulation

Klinische Forschung in der IO erfordert die gleichen Anforderungen an Forschungsmethodik, Bewilligung durch die Ethikkommissionen (EK) wie konventionell-medizinische Projekte, was die Sicherstellung der Einhaltung von Patientenrechten und deren Sicherheit, Transparenz der Forschungsprojekte inkl. Registrierung und Publikation aller Ergebnisse (auch negative Resultate) beinhaltet.

Dies bedeutet praktisch, dass Aussagen von Fachpersonen im Bereich komplementärer und integrativer Medizin zu «wissenschaftlich bewiesen» oder «durch eigene Forschung unterlegt» nur dann als seriös und vertrauenswürdig beurteilt werden können, wenn diese Forschungsprojekte in Datenbanken der EKs (in der Schweiz: BASEC), der Studienregister und der wissenschaftlichen Publikationen auffindbar sind (z. B. www.pubmed.gov).
Bei Forschungsprojekten mit Interventionen von medizinischen Gesamtsystemen (wie die AeM (1) oder TCM [siehe Artikel Kerndiszipinen]) werden aufgrund der hohen Komplexität und Wechselwirkungen individualisierter Behandlungen oft Einzelfallstudien durchgeführt. Diese Methode wird auch eingesetzt bei neuen Anwendungen von traditionellen Arzneimitteln. Für diese Forschungsprojekte und auch retrospektive Datenanalysen sind EK-Bewilligungen und eine Zustimmung von Patient/-innen («Generalkonsent» oder projektbezogene Einwilligung) erforderlich. Nur bei vollständig anonymisierten Daten ist keine Einwilligung notwendig.

Bei neuen u. a. intravenösen Anwendungen von potenzierten Arzneimitteln (siehe Kapitel Klassische Homöopathie) i. R. eines Forschungsprojekts muss eine klinische Studie (Swissmedic, EK) der höchsten Sicherheitskategorie C durchgeführt werden.

Die klinische Forschung in der IO soll die Behandlungskonzepte möglichst authentisch und kliniknah belassen (d. h., durch ein Forschungsprojekt soll keine künstliche Veränderung einer komplexen klinischen Realität erfolgen [75, 84, 85]), Forschungsfragen präzise formulieren (86) und darauf aufbauend die adäquate Forschungsmethodik (siehe Abschnitt oben) entwickeln und anwenden.

SNIO-Konsensus

In die onkologische Versorgung an zertifizierten Schweizer Krebszentren wurden in den letzten Jahren zunehmend auch Angebote aus der IO implementiert. Im April 2024 haben sich einige dieser onkologischen Behandlungszentren dazu entschieden, gemeinsam das SNIO zu gründen. Die gemeinsamen Ziele fokussieren hierbei vor allem auf die Entwicklung gemeinsamer Qualitätskriterien, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie Forschungsförderung im Bereich der IO.

Um das Ziel der gemeinsamen Qualitätskriterien zu erreichen, hat sich eine Arbeitsgruppe zu Konsensusfragen gebildet, welche die Definition gemeinsamer Prinzipien und Integrationskriterien für Schweizer Krebszentren mit integrativem Angebot verfolgt.
Um dieses Ziel zu erreichen, wurde durch die Arbeitsgruppe eine erste Liste möglicher Themen, beruhend auf einer narrativen Literatursuche, definiert, welche im Rahmen eines Workshops mit allen SNIO-Mitgliedern diskutiert wurde. Die Anmerkungen, Ergänzungen und Rückfragen wurden aufgenommen und durch je eine ärztliche und pflegerische Vertretung unabhängig voneinander weiter ausformuliert (Core Group).

Dieser Entwurf stellt nun im Weiteren die Basis für einen Konsensusprozess mit einer Patientenvertreterin und den weiteren Mitgliedern der Konsensusarbeitsgruppe dar. Das Ergebnis dieses Konsensusprozesses bildet wiederum den Ausgangspunkt für den geplanten formalen Delphi-Prozess. Im Rahmen des Delphi-Prozesses werden Vertreter/-innen der teilnehmenden Zentren eingeladen, an einer Onlineumfrage teilzunehmen. Die Umfrage enthält die Statements zu den gemeinsamen Prinzipien (1. Teil) bzw. die Statements zu den Integrationskriterien (2. Teil). Die teilnehmenden Personen geben nun an, wie stark sie dem Statement zustimmen und für wie relevant sie dieses erachten. Die Core Group wird die Onlineumfrage auswerten und alle Statements mit einer Zustimmung > 80 % annehmen. Die Statements mit einer geringeren Zustimmungsrate werden entsprechend den Anmerkungen adaptiert und fliessen in eine nächste Befragungsrunde ein. Sollte nach den ersten beiden Runden weiter eine deutliche Uneinigkeit bestehen, wird eine dritte Runde im Rahmen eines persönlichen Treffens geplant. Dieses Vorgehen wird für beide Teile durchgeführt. Der Unterschied zwischen den beiden Teilen besteht jedoch darin, dass im 1. Teil ein zweistufiger Prozess stattfinden wird, in dem zuerst die Personen mit Doppelzertifizierung abstimmen werden, und dann in einem zweiten Schritt die leitenden Onkolog/-innen und Patientenvertreter/-innen einbezogen werden.

Dieses strukturierte Vorgehen im Rahmen eines Delphi-Prozesses bietet die Möglichkeit, eine stabile Basis für die weitere Zusammenarbeit der SNIO-Mitglieder zu legen und das gemeinsame Verständnis einer qualitativ hochwertigen, sicheren und nachhaltigen IO zu stärken. Insbesondere die interprofessionelle Herangehensweise und der aktive Einbezug von Patientenvertreter/-innen sind wichtige Elemente für das Gelingen.

Praktische Qualitätskriterien für ­Angebote in der Integrativen Onkologie

Wie bereits weiter oben im Text erwähnt, ist es aufgrund der vielfältigen Angebote im Bereich der IO insbesondere für interessierte Laien und nicht spezifisch geschultes medizinisches Personal oftmals schwierig, die unterschiedlichen, insbesondere auch interprofessionellen Angebote bezüglich ihrer inhaltlichen Qualität zu bewerten und unseriöse, an rein wirtschaftlichen Interessen orientierte Angebote von seriösen, qualitativ hochwertigen Angeboten zu unterscheiden. Obwohl Inhalte der IO in Kursen, Lehrplänen und Schulungen vorhanden sind, sind die Informationen über die erforderlichen Kernkompetenzen unvollständig und bisher noch nicht ausreichend standardisiert. Zur besseren Orientierung können daher praktische Qualitätskriterien dienen, welche konkrete Merkmale und Standards umfassen, die die Qualität und Sicherheit der angebotenen Massnahmen sicherstellen.

Die Angebote sollten nach Möglichkeit den Kriterien der EBM unterliegen, insbesondere sollten die Angebote idealerweise auf wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen beruhen, um Wirksamkeit und Sicherheit zu gewährleisten. Ebenso spielt die Patientenpräferenz bei der Auswahl des Angebots eine entscheidende Rolle, im besten Fall können bereits Vorerfahrungen oder vorhandene Ressourcen bei der Auswahl der Methode einfliessen und somit eine individuelle Beratung ermöglichen, welche auf die aktuellen Bedürfnisse und Lebenssituationen der Ratsuchenden abgestimmt ist.
Ein weiteres wichtiges Qualitätskriterium bei der Auswahl sollte die Qualifikation des anbietenden Personals sein. Fachkräfte, welche die Angebote durchführen, sollten angemessen qualifiziert sein (siehe Artikel Edukation). Des Weiteren sollten regelmässige Fortbildungen im Sinne einer dauerhaften Qualitätssicherung und laufenden Qualitätsverbesserung erfolgen. Die entsprechende Qualifikation beinhaltet auch eine individuelle Beratung der Patient/-innen.

Auch Transparenz und Aufklärung über Inhalte, Ziele und mögliche Risiken des Angebotes sowie eine Integration in das onkologische Therapiekonzept im Sinne eines komplementären Therapieangebots mit im besten Fall synergistischer Wirkung können als praktische Qualitätskriterien herangezogen werden und unterscheiden die IO somit deutlich von sogenannten alternativmedizinischen Angeboten, welche eine solche Herangehensweise ausschliesst.

Die Festlegung praktischer Qualitätskriterien hilft dabei, die Sicherheit, Wirksamkeit und Akzeptanz der Angebote in der IO langfristig zu gewährleisten.

SNIO-Arbeitsgruppe Forschung

Die Arbeitsgruppe Forschung von SNIO hat zum Ziel
a) multizentrische klinische Forschungsprojekte in der Schweiz zu fördern, dabei
b) junge Forschende und Patient/-innen sowie mehrere Disziplinen aktiv einzubeziehen und
c) gleichzeitig zentrale Fragestellungen der Implementierungsforschung aufzugreifen.
Die Gruppe ist offen für alle forschungsinteressierten Menschen aus dem medizinischen Bereich und trifft sich alle 1–2 Monate virtuell (www.integrative-oncology.ch), um a) niederschwellig Ideen für Projekte zu besprechen, b) laufende Projekte inhaltlich zu diskutieren, c) neue Projekte in die Projektdatenbank (s. u.) aufzunehmen, d) sich über wissenschaftliche IO-Tagungen auszutauschen und e) neue wissenschaftliche Publikationen zu diskutieren.

Die Projektdatenbank (87) soll
a) den Einschluss von Patient/-innen in laufende Studien verbessern,
b) die Mitarbeit von klinischen und/oder akademisch interessierten Einzelpersonen fördern,
c) die Teilnahme von SNIO-Zentren an laufenden Studien unterstützen.

In dieser Liste werden Projekte aufgenommen mit Bezug zu
1. der «Allgemeinen Integrativen Onkologie» (wie definiert durch SNIO),
2. den spezifischen Fachrichtungen, vertreten im SNIO ­(siehe Artikel Kerndisziplinen),
3. wichtigen IO-Aspekten anderer Bereiche (z. B. Ernährung, körperliche Aktivität, Psychoonkologie).

Um an diesen klinischen Forschungsprojekten teilnehmen zu können, müssen SNIO-Zentren die folgenden Qualitätskriterien erfüllen:
a) Einhaltung der Standardkriterien von Swiss Cancer Research (früher SAKK) für Studienzentren
b) Einhaltung der Qualitätsstandards für die diagnostische und interventionelle IO, wie sie in den SNIO-Konsensus-Kriterien definiert werden

Fazit

Die Integrative Onkologie (IO) ordnet sich an der Schnittstelle von wissenschaftlich fundierter Schulmedizin und erfahrungsbasierten und evidenzinformierten komplementären Therapieansätzen ein. Im Spannungsfeld zwischen konventioneller Evidenzhierarchie, individueller klinischer Expertise und den Bedürfnissen der Patient/-innen zeigt sich, dass eine rein lineare, reduktionistische Sichtweise der Komplexität integrativer Behandlungsansätze nicht gerecht wird. Stattdessen erfordert die IO ein erweitertes, dynamisches und kontextsensibles Evidenzverständnis, das auch qualitative Forschung, Mixed-­Methods-Designs und patientenzentrierte Studienformate berücksichtigt.

Die methodische Vielfalt der integrativen Forschung – von pragmatischen Studien über Whole-Systems-Ansätze bis hin zu präferenzbasierten Designs – trägt dazu bei, therapeutische Realität, kulturelle Kontexte und individuelle Erwartungen angemessen abzubilden. Gleichzeitig bleibt wissenschaftliche Strenge ein zentrales Qualitätsmerkmal: Studien müssen ethisch bewilligt, transparent registriert und nachvollziehbar publiziert werden. Ebenso gilt: Nur durch klare Qualitätsstandards, definierte Ausbildungswege und transparente Kommunikation lassen sich inte­grative Angebote von unwissenschaftlichen oder gar schädlichen Praktiken abgrenzen.

Mit der Gründung des SNIO und der Etablierung eines strukturierten Konsensusprozesses wurde ein wichtiger Meilenstein für die Weiterentwicklung und Qualitätssicherung der IO in der Schweiz gesetzt. Durch gemeinsame Standards, interprofessionelle Zusammenarbeit, aktive Einbindung von Patient/-innen und Förderung klinischer Forschung entsteht eine solide Grundlage für eine sichere, wirksame und patientenzentrierte integrative Krebsversorgung. Damit leistet die IO nicht nur einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität onkologischer Patient/-innen, sondern auch zur Weiterentwicklung eines ganzheitlich orientierten, menschenzentrierten Gesundheitssystems.

Isabell Ge 1, Marie-Estelle Gaignard 2, Sara Kohler 3, Julia Reusch 4, Florian Strasser 5, 6, Arnoud J Templeton 7

1 Frauenklinik und Brustklinik, Universitätsspital Basel, 4056 Basel, Schweiz
2 Department of Oncology, Swiss Cancer Center Leman, Geneva University Hospitals, Geneva, Schweiz
3 Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), Institut für Pflege, Winterthur, Schweiz
4 Klinik für Onkologie und Hämatologie, Stadtspital Zürich Triemli, Schweiz
5 Zentrum Integrative Medizin, HOCH Health Ostschweiz, Kantonsspital St. Gallen, Schweiz
6 Cancer Fatigue Clinic (Münsterlingen, Sargans, Schaffhausen), Schweiz
7 Onkologie St. Claraspital Basel, St. Clara Forschung Basel, Medizinische Fakultät Universität Basel, Schweiz

Dr. med. Isabell Ge

Frauenklinik und Brustklinik
Universitätsspital Basel
Spitalstrasse 21
4056 Basel

Isabellxiang.ge@usb.ch

Marie-Estelle Gaignard ist Board Member des Swiss Network for Integrative Oncology. Florian Strasser ist Extended Board Member des Swiss Network for Integrative Oncology, er hat Honorare für Vorträge, Beratung oder Teilnahme an Advisory Boards erhalten (letzte 5 Jahre) von Abbott Nutrition, Danone-Nutricia, Fresenius, Helsinn, Ology, Pfizer, Sanofi; er führt in selbstständiger Tätigkeit die ambulanten Sprechstunden der Cancer Fatigue Clinic durch. Arnoud Templeton hat Honorare für Vorträge, Beratung oder Teilnahme an Advisory Boards erhalten von Astellas (I), Bayer (I), Janssen (I, P), Johnson&Johnson (P), Ipsen (I), Merck (P), MSD (I). Die weiteren Autor/-innen haben keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

1. Strasser F. Evidenz der Komplementärmedizin am Beispiel Integrative Onkologie. Schweizerische Ärztezeitung. 2023;104(24):32–4
2. Sackett DL, et al. Evidence based medicine: what it is and what it isn‘t. BMJ 1996;312(7023):71-2
3. Sackett DL. Rules of evidence and clinical recommendations on the use of antithrombotic agents. Chest. 1989;95(2 Suppl):2s-4s.
4. https://www.esmo.org/guidelines/esmo-guidelines-methodology
5. https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/programm/informationen-zum-leitlinienprogramm
6. www.agreetrust.org/resource-centre/agree-reporting-checklist
7. www.equator-network.org/wp-content/uploads/2014/03/TIDieR-Checklist-PDF.pdf
8. https://gdt.gradepro.org/app/handbook/handbook.html
9. Arends J, Strasser F, Gonella S, Solheim TS, Madeddu C, Ravasco P, Buonaccorso L, de van der Schueren MAE, Baldwin C, Chasen M, Ripamonti CI; ESMO Guidelines Committee. Electronic address: clinicalguidelines@esmo.org. Cancer cachexia in adult patients: ESMO Clinical Practice Guidelines?. ESMO Open. 2021 Jun;6(3):100092
10. Crawford GB, Dzier?anowski T, Hauser K, Larkin P, Luque-Blanco AI, Murphy I, Puchalski CM, Ripamonti CI; ESMO Guidelines Committee. Electronic address: clinicalguidelines@esmo.org. Care of the adult cancer patient at the end of life: ESMO Clinical Practice Guidelines. ESMO Open. 2021 Aug;6(4):100225
11. Stiefel F, Bourquin C, Salmon P, Achtari Jeanneret L, Dauchy S, Ernstmann N, Grassi L, Libert Y, Vitinius F, Santini D, Ripamonti CI; ESMO Guidelines Committee. Electronic address: clinicalguidelines@esmo.org. Communication and support of patients and caregivers in chronic cancer care: ESMO Clinical Practice Guideline. ESMO Open. 2024 Jul;9(7):103496
12. Mustian K, Lacchetti C, Zick S, Bower JE. Management of Fatigue in Adult Survivors of Cancer: American Society of Clinical Oncology – Society for Integrative Oncology (ASCO-SIO) Guideline Update Clinical Insights. JCO Oncol Pract. 2024 Dec;20(12):1575-1579.
13. Carlson LE, Ismaila N, Addington EL, Asher GN, Bradt J, Mehta A, Rowland JH. Integrative Oncology Care of Symptoms of Anxiety and Depression in Adults With Cancer: SIO-ASCO Guideline Summary and Q&A. JCO Oncol Pract. 2023 Oct;19(10):847-851
14. Liou KT, Ashare R, Worster B, Jones KF, Yeager KA, Acevedo AM, Ferrer R, Meghani SH. SIO-ASCO guideline on integrative medicine for cancer pain management: implications for racial and ethnic pain disparities. JNCI Cancer Spectr. 2023 Jul 3;7(4):pkad042.
15. Ben-Arye E, Mao J, Bruera E, Samuels N, Keshet Y, Lee RT, Ben-Yehuda D, Eisenberg E, Bar-Sela G, Shvartzman P, Balneaves LG, Shani M, Ellis M, Tripathy D, Ash S, Elis A, Vaknin Z, Ofir R, Schiff E. Challenges in Implementing Guideline on Integrative Oncology and Pain: The Israeli Perspective. J Pain Symptom Manage. 2024 Jan;67(1):69-76.
16. Lyman GH, Greenlee H, Bohlke K, Bao T, DeMichele AM, Deng GE, Fouladbakhsh JM, Gil B, Hershman DL, Mansfield S, Mussallem DM, Mustian KM, Price E, Rafte S, Cohen L. Integrative Therapies During and After Breast Cancer Treatment: ASCO Endorsement of the SIO Clinical Practice Guideline. J Clin Oncol. 2018 Sep 1;36(25):2647-2655.
17. Greenlee H, Balneaves LG, Carlson LE, Cohen M, Deng G, Hershman D, Mumber M, Perlmutter J, Seely D, Sen A, Zick SM, Tripathy D; Society for Integrative Oncology. Clinical practice guidelines on the use of integrative therapies as supportive care in patients treated for breast cancer. J Natl Cancer Inst Monogr. 2014 Nov;2014(50):346-58.
18. Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft DK, PatientInnen AKidBvo. Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen, Langversion 1.1, 2021, AWMF Registernummer: 032/055OL. https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/komplementaermedizin/
19. Collins R, Bowman L, Landray M et al. The magic of randomisation versus the myth of real-world evidence. New Engl J Med 2020;382:674-8.
20. Ehsan AN, Wu CA, Minasian A, Singh T, Bass M, Pace L, Ibbotson GC, Bempong-Ahun N, Pusic A, Scott JW, Mekary RA, Ranganathan K. Financial Toxicity Among Patients With Breast Cancer Worldwide: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Netw Open 2023;6(2):e2255388
21. Perez-Gracia JL, Penel N, Calvo E, Awada A, Arkenau HT, Amaral T, Grünwald V, Sanmamed MF, Castelo-Branco L, Bodoky G, Lolkema MP, Di Nicola M, Casali P, Giuliani R, Pentheroudakis G. Streamlining clinical research: an ESMO awareness call to improve sponsoring and monitoring of clinical trials. Ann Oncol 2023;34(1):70-77
22. van Ravensteijn SG, Meijerink M, Nijenhuis-van Schayk R, Desar IME, Bol KF, van Herpen CML, Verheul HMW. The safety risk of information overload and bureaucracy in oncology clinical trial conduct. Eur J Cancer 2023;183:90-94
23. Salawu A, Tannock IF. Rules for the conduct of clinical trials need revision, but ‚good clinical practice‘ requires much more. Ann Oncol 2023;34(1):4-6.
24. Van Noorden R. Medicine is plagued by untrustworthy clinical trials. How many studies are faked or flawed? Nature 2023;619(7970):454-458
25. Booth CM, Sengar M, Goodman A, Wilson B, Aggarwal A, Berry S, Collingridge D, Denburg A, Eisenhauer EA, Ginsburg O, Goldstein D, Gunasekera S, Hammad N, Honda K, Jackson C, Karikios D, Knopf K, Koven R, Marini BL, Maskens D, Moraes FY, Mohyuddin GR, Poudyal BS, Pramesh CS, Roitberg F, Rubagumya F, Schott S, Sirohi B, Soto-Perez-de-Celis E, Sullivan R, Tannock IF, Trapani D, Tregear M, van der Graaf W, Vanderpuye V, Gyawali B. Common Sense Oncology: outcomes that matter. Lancet Oncol 2023;24(8):833-835
26. Dickersin K, Chan S, Chalmers TC, Sacks HS, Smith H, Jr. Publication bias and clinical trials. Controlled clinical trials. 1987;8(4):343-53
27. Riveros C, Dechartres A, Perrodeau E, Haneef R, Boutron I, Ravaud P. Timing and completeness of trial results posted at ClinicalTrials.gov and published in journals. PLoS Med 2013;10(12):e1001566.
28. Boutron I, Dutton S, Ravaud P, Altman DG. Reporting and interpretation of randomized controlled trials with statistically nonsignificant results for primary outcomes. JAMA 2010;303(20):2058-64.
29. Jones CW, Keil LG, Holland WC, Caughey MC, Platts-Mills TF. Comparison of registered and published outcomes in randomized controlled trials: a systematic review. BMC Med 2015;13:282.
30. Duyx B, Urlings MJE, Swaen GMH, Bouter LM, Zeegers MP. Scientific citations favor positive results: a systematic review and meta-analysis. J Clin Epidemiol 2017;88:92-101.
31. Jureidini J, McHenry LB. The illusion of evidence based medicine. BMJ 2022;376:o702. doi: 10.1136/bmj.o702.
32. Ioannidis JP. Evidence-based medicine has been hijacked: a report to David Sackett. J Clin Epidemiol 2016;73:82-6. doi: 10.1016/j.jclinepi.2016.02.012.
33. Qi L, Shi H, Zhang Y, Zhang X, Jia H, Tian H. The effect of acupuncture on recovery after colorectal cancer resection: A systematic review meta-analysis of randomized controlled trials. Medicine (Baltimore) 2023;102(35):e34678
34. Chang CI, Yeh ML, Liao J. Chan-Chuang qigong with breathing meditation improves quality of life and interoceptive awareness in patients with breast cancer: a randomised controlled trial. Support Care Cancer 2023;31(2):140
35. Fey MF. Wo steht die hochspezialisierte Medizin in der Schweiz? Schweizerische Aerztezeitung 2021;102(8):300–3
36. Leoni J, Rougemont AL, Calinescu AM, Ansari M, Compagnon P, Wilde JCH, Wildhaber BE. Effect of Centralization on Surgical Outcome of Children Operated for Liver Tumors in Switzerland: A Retrospective Comparative Study. Children (Basel) 2022;9(2):217.
37. Nattinger AB, Bickell NA, Schymura MJ, Laud P, McGinley EL, Fergestrom N, Pezzin LE. Centralization of Initial Care and Improved Survival of Poor Patients With Breast Cancer. J Clin Oncol 2023;41(11):2067-2075
38. Kent DM, Steyerberg E, van Klaveren D. Personalized evidence based medicine: predictive approaches to heterogeneous treatment effects. BMJ. 2018 Dec 10;363:k4245.
39. McGettigan P, Ferner R. We need reliable evidence to guide treatment choices for the many, not the few. BMJ 2022;377:o1465. doi: 10.1136/bmj.o1465.
40. Pence BW, Gaynes BN, Thielman NM, Heine A, Mugavero MJ, Turner EL, Quinlivan EB. Balancing Contamination and Referral Bias in a Randomized Clinical Trial: An Application of Pseudo-Cluster Randomization. Am J Epidemiol 2015;182(12):1039-46.
41. Deaton A, Cartwright N. Understanding and misunderstanding randomized controlled trials. Social science & medicine (1982). 2018;210:2-21
42. Doussau A, Agarwal I, Fojo T, Tannock IF, Grady C. Design of placebo-controlled randomized trials of anticancer agents: Ethical considerations based on a review of published trials. Clin Trials 2021;18(6):690-98.
43. Yao L, Guyatt GH, Djulbegovic B. Can we trust strong recommendations based on low quality evidence? BMJ 2021;375:n2833
44. Poonacha TK, Go RS. Level of scientific evidence underlying recommendations arising from the National Comprehensive Cancer Network clinical practice guidelines. J Clin Oncol 2011;29(2):186-91
45. Yao L, Guyatt GH, Djulbegovic B. Can we trust strong recommendations based on low quality evidence? BMJ 2021;375:n2833. doi: 10.1136/bmj.n2833.
46. Adam R, Tibau A, Molto Valiente C, Šeruga B, Ocaña A, Amir E, Templeton AJ. Clinical benefit of cancer drugs approved in Switzerland 2010-2019. PLoS One 2022;17(6):e0268545
47. Del Paggio JC, Azariah B, Sullivan R, Hopman WM, James FV, Roshni S, Tannock IF, Booth CM. Do Contemporary Randomized Controlled Trials Meet ESMO Thresholds for Meaningful Clinical Benefit? Ann Oncol 2017;28(1):157-162
48. Matsukawa A, Yanagisawa T, Miszczyk M, Kardoust Parizi M, Fazekas T, Tsuboi I, Mancon S, Klemm J, Schulz R, Cadenar A, Laukhtina E, Rajwa P, Mori K, Miki J, Kimura T, Shariat SF. Trimodality Therapy Versus Radical Cystectomy for Muscle-invasive Bladder Cancer: A Systematic Review and Meta-analysis of Matched Cohort Studies. Eur Urol Focus. 2024 Nov 21:S2405-4569(24)00244-X.
49. Evrard C, Pelras A, Rivet S, Bachet JB, Dubreuil O, Pointet AL, Taieb J, Lahlou W, Portal A, Lepère C, Lecomte T, Chautard R, Williet N, Phelip JM, Coutzac C, Soularue E, Marthey L, Abdallah R, Thirot Bidault A, Artru P, Desrame J, Le Roy B, Jary M, Hammel P, Trouilloud I, Lourenco N, Hautefeuille V, Dahan L, Pernot S, Béchade D, Pozet A, Bonnetain F, Locher C, Dréanic J, Coriat R, Tchoundjeu B, Foucher Y, Tougeron D. Predictive and prognostic factors of efficacy of third-line chemotherapy in patients with unresectable pancreatic cancer: a cohort-based study. Oncologist. 2025 Jun 4;30(6):oyaf125.
50. Concato J, Corrigan-Curay J. Real-World Evidence – Where Are We Now? N Engl J Med 2022;386(18):1680-1682. doi: 10.1056/NEJMp2200089.
51. Gajra A, Zettler ME, Feinberg BA. Randomization versus Real-World Evidence. N Engl J Med 2020;383(4):e21. doi: 10.1056/NEJMc2020020
52. Schad F, Thronicke A. Real-World Evidence-Current Developments and Perspectives. Int J Environ Res Public Health 2022;19(16):10159
53. Herman PM. Evaluating the economics of complementary and integrative medicine. Global advances in health and medicine. 2013;2(2):56-63
54. Kattge S, Goetz K, Glassen K, Steinhäuser J. Job Profile of Non-Medical Practitioners: A Cross- Sectional Study from the Health Service Perspective. Complementary medicine research. 2017;24(5):285-9
55. Ng JY, Verhoeff N, Steen J. What are the ways in which social media is used in the context of complementary and alternative medicine in the health and medical scholarly literature? a scoping review. BMC complementary medicine and therapies. 2023;23(1):32
56. Bien DR, Danner M, Vennedey V, Civello D, Evers SM, Hiligsmann M. Patients‘ Preferences for Outcome, Process and Cost Attributes in Cancer Treatment: A Systematic Review of Discrete Choice Experiments. Patient 2017;10(5):553-565.
57. Delevry D, Le QA. Effect of Treatment Preference in Randomized Controlled Trials: Systematic Review of the Literature and Meta-Analysis. The patient. 2019;12(6):593-609
58. Tilburt J, Yost KJ, Lenz HJ, et al. A Multicenter Comparison of Complementary and Alternative Medicine (CAM) Discussions in Oncology Care: The Role of Time, Patient-Centeredness, and Practice Context. Oncologist 2019;24(11):e1180-e1189. doi: 10.1634/theoncologist.2019-0093.
59. Mangin D, Stephen G, Bismah V, Risdon C. Making patient values visible in healthcare: a systematic review of tools to assess patient treatment priorities and preferences in the context of multimorbidity. BMJ Open. 2016 Jun 10;6(6):e010903.
60. Elwyn G, Frosch D, Thomson R, Joseph-Williams N, Lloyd A, Kinnersley P, et al. Shared decision making: a model for clinical practice. Journal of general internal medicine. 2012;27(10):1361-7
61. Slyer JT. Shared decision-making to improve medication adherence. The Nurse practitioner. 2022;47(8):41-7
62. Ribi K, Kalbermatten N, Eicher M, Strasser F. Towards a novel approach guiding the decision-making process for anticancer treatment in patients with advanced cancer: framework for systemic anticancer treatment with palliative intent. ESMO Open. 2022 Jun;7(3):100496.
63. Witt CM, Balneaves LG, Cardoso MJ, Cohen L, Greenlee H, Johnstone P, Kücük Ö, Mailman J, Mao JJ. A Comprehensive Definition for Integrative Oncology. J Natl Cancer Inst Monogr. 2017 Nov 1;2017(52).
64. Cramer H. Research in Integrative and Complementary Medicine: Particularities, Challenges, Obstacles, and Misunderstandings. Part 1: The Why and the How of Clinical Research. Journal of integrative and complementary medicine. 2025;31(1):1-3
65. Cramer H. Research in Integrative and Complementary Medicine: Particularities, Challenges, Obstacles, and Misunderstandings. Part 3: Who Wants New Answers Should Ask New Questions. Journal of integrative and complementary medicine. 2025;31(3):215-6
66. Soriano S. Wholeness and Interconnection as the Foundation for a New Epistemology of Health. Global advances in integrative medicine and health. 2025;14:27536130251328636
67. ?or?evi? D, Garnier J, van Mackelenbergh T, Seitz S, Mundhenke C. The impact of online yoga on sleep and quality of life in women with breast cancer: a randomized trial. Archives of gynecology and obstetrics. 2024;310(1):571-5
68. Hershman DL, Unger JM, Greenlee H, Capodice J, Lew DL, Darke A, et al. Comparison of Acupuncture vs Sham Acupuncture or Waiting List Control in the Treatment of Aromatase Inhibitor-Related Joint Pain: A Randomized Clinical Trial. JAMA network open. 2022;5(11):e2241720.
69. Gowin K, Muminovic M, Zick SM, Lee RT, Lacchetti C, Mehta A. Integrative Therapies in Cancer Care: An Update on the Guidelines. American Society of Clinical Oncology educational book American Society of Clinical Oncology Annual Meeting. 2024;44(3):e431554
70. Fei YT, Cao HJ, Xia RY, Chai QY, Liang CH, Feng YT, et al. Methodological challenges in design and conduct of randomised controlled trials in acupuncture. BMJ (Clinical research ed). 2022;376:e064345.
71. Templeton AJ, Booth CM, Tannock IF. Informing Patients About Expected Outcomes: The Efficacy-Effectiveness Gap. Journal of clinical oncology : official journal of the American Society of Clinical Oncology. 2020;38(15):1651-4.
72. Wanqing DU, Liuding W, Min J, Xiao L, Bo LI, Yunling Z, et al. Mixed methods research in complementary and alternative medicine: a scoping review. Journal of traditional Chinese medicine = Chung i tsa chih ying wen pan. 2022;42(4):652-66
73. Brinkhaus B, Kirschbaum B, Stöckigt B, Binting S, Roll S, Carstensen M, et al. Prophylactic acupuncture treatment during chemotherapy with breast cancer: a randomized pragmatic trial with a retrospective nested qualitative study. Breast cancer research and treatment. 2019;178(3):617-28
74. Kienle GS, Ben-Arye E, Berger B, et al. Contributing to Global Health: Development of a Consensus-Based Whole Systems Research Strategy for Anthroposophic Medicine. Evid Based Complement Alternat Med 2019;2019:3706143
75. Dhruva A, Wu C, Miaskowski C, Hartogensis W, Rugo HS, Adler SR, et al. A 4-Month Whole-Systems Ayurvedic Medicine Nutrition and Lifestyle Intervention Is Feasible and Acceptable for Breast Cancer Survivors: Results of a Single-Arm Pilot Clinical Trial. Global advances in health and medicine. 2020;9:2164956120964712.
76. Kröz M, Reif M, Glinz A, Berger B, Nikolaou A, Zerm R, Brinkhaus B, Girke M, Büssing A, Gutenbrunner C; CRF-2 study group. Impact of a combined multimodal-aerobic and multimodal intervention compared to standard aerobic treatment in breast cancer survivors with chronic cancer-related fatigue – results of a three-armed pragmatic trial in a comprehensive cohort design. BMC Cancer. 2017 Mar 2;17(1):166. doi: 10.1186/s12885-017-3142-7. Erratum in: BMC Cancer. 2020 Dec 1;20(1):1174.
77. Carlson LE, Jones JM, Oberoi D, Piedalue K-A, Wayne PM, Mina DS, et al. Mindfulness and Tai Chi for Cancer Health (MATCH) Study: Primary Outcomes of a Preference-Based Multisite Randomized Comparative Effectiveness Trial. Journal of Clinical Oncology. 2025;43(21):2372-86.
78. Oberoi D, McLennan A, Piedalue KA, Wayne PM, Jones JM, Carlson LE. Factors Influencing Preference for Intervention in a Comparative Effectiveness Trial of Mindfulness-Based Cancer Recovery and Tai Chi/Qigong in Cancer Survivors. Journal of alternative and complementary medicine (New York, NY). 2021;27(5):423-33
79. Bishop F, Al-Abbadey M, Roberts L, MacPherson H, Stuart B, Carnes D, et al. Direct and mediated effects of treatment context on low back pain outcome: a prospective cohort study. BMJ open. 2021;11(5):e044831.
80. Barth J, Kern A, Lüthi S, Witt CM. Assessment of patients‘ expectations: development and validation of the Expectation for Treatment Scale (ETS). BMJ open. 2019;9(6):e026712
81. Li X, Zhi L, Han KY, Li SQ, Ahmad K, Seluzicki C, et al. Impact of Baseline Expectancy on Outcome Prediction of Real and Sham Acupuncture for Persistent Chemotherapy-Induced Peripheral Neuropathy Pain in Solid Tumor Survivors: A Secondary Analysis of a Randomized Clinical Trial. Integrative cancer therapies. 2023;22:15347354221149992
82. WHO. Draft global traditional medicine strategy 2025–2034. 2025. https://apps.who.int/gb/ebwha/pdf_files/WHA78/A78_4Add1-en.pdf
83. Janiaud P, Ioannidis JPA, Kasenda B, Fretheim A, Goodman SN, Hemkens LG. Single-Arm Trials Can Provide Randomized Real-World Evidence: The Random Invitation Single-Arm Trial Design. Ann Intern Med. 2025 Aug;178(8):1150-1156
84. Renz M, Reichmuth O, Bueche D, Traichel B, Mao MS, Cerny T, Strasser F. Fear, Pain, Denial, and Spiritual Experiences in Dying Processes. Am J Hosp Palliat Care 2018;35(3):478-491.

Integrative Onkologie im klinischen Alltag: Fort- und Weiterbildung

Einleitung

Die Integrative Onkologie gewinnt immer mehr an Bedeutung; die Nachfrage seitens der Patient/-innen, die Anzahl Fachpersonen in der Schweiz mit Weiterbildung in einer integrativ-onkologischen Kerndisziplin (siehe Artikel Gemeinsamkeiten und Kerndisziplinen der Integrativen Onkologie) und Forschungserkenntnisse nehmen zu (1–5). Beispiele für wachsende belastbare Evidenz (siehe Artikel Forschung) sind die deutschsprachige S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung onkologischer Patient/-innen (2) und die Leitlinien der Society Integrative Oncology (SIO) zusammen mit der American Society for Clinical Oncology (ASCO) zum Symptommanagement mit Integrativen Interventionen (3–5). Zudem werden komplementäre Interventionen, wie bspw. Akupunktur oder Phytotherapie, zunehmend in allgemeinen onkologischen Supportive Care Guidelines integriert wie diejenigen vom Leitlinienprogramm Onkologie (S3-Guidelines Supportive Care: z. B. bei Tumortherapie-induzierter Nausea und Emesis, Supportive Massnahmen in der Radioonkologie) (6) des US-amerikanischen National Comprehensive Cancer Network (NCCN: Guidelines Supportive Care; https://www.nccn.org/guidelines/category_3; in den Kapiteln Adult Cancer Pain, Cancer-Related Fatigue, Distress Management, Palliative Care und Survivorship,) oder der Multinational Association of Supportive Care in Cancer (7).

Patient/-innen erhoffen sich vor allem den Einbezug ganzheitlicher physischer, emotionaler, sozialer und spiritueller Bedürfnisse (8, 9), und selbst aktiv zu sein im Leben mit Krebs i. S. von Selbstmanagement (10, 11), welche durch das onkologische Therapiekonzept oft nicht ausreichend adressiert werden (1). Es können auch Aspekte der Schulbildung und der sozialen Situation eine Rolle spielen (12).

Als Reaktion auf den steigenden Bedarf offerieren immer mehr zertifizierte Tumorzentren ein integrativ-onkologisches Angebot. Das Angebot variiert, bedingt durch geografische und historisch geprägte Gegebenheiten und die Verfügbarkeit von Fachkräften, stark. Grundsätzlich gibt es in der Schweiz zwei Personengruppen, welche Angebote zu komplementären Verfahren durchführen: medizinisches Fachpersonal (Ärzt/-innen und Gesundheitsfachpersonen) und Therapeut/-innen. Um die sichere Integration komplementärmedizinischer Verfahren in die Tumortherapie zu unterstützen, benötigt es Fort- und Weiterbildung (1, 13). Die Fort- und Weiterbildungslandschaft bezüglich komplementärer Behandlungsansätze ist vielfältig und unterscheidet sich nicht nur im Umfang und in der Tiefe, sondern auch in der Qualität. Zudem sind die Angebote zumeist spezifisch auf einzelne Verfahren, z. B. Phytotherapie oder Akupunktur, ausgerichtet. Immer mehr Ärzt/-innen, Pflegefachpersonen oder auch Therapeut/-innen erkundigen sich daher nach Angeboten, die verschiedene Ansätze verbinden oder eine Basis für weitere Vertiefung bieten (14).

In diesem Artikel erhalten Sie eine Übersicht über eine sichere Praxiseinbindung komplementärer Methoden, Basiskompetenzen für integrativ-onkologische Fachpersonen, aktuell verfügbare Angebote und erste Ideen für künftige Angebote.

Die Lehre in der Integrativen Onkologie (IO): Eine Notwendigkeit für die optimale kompetente Betreuung von Patient/-innen

Die onkologischen Kenntnisse und Erfahrungen von Therapeut/-innen sind sehr unterschiedlich. Einige behandeln regelmässig onkologische Patient/-innen, andere haben keine Routine in der Begleitung krebsbetroffener Menschen oder lehnen diese ab. Die Einschätzung hinsichtlich der onkologisch-fachlichen Kompetenz der Therapeut/
-innen ist sowohl für die Patient/-innen als auch medizinisches Fachpersonal ohne integrativ-medizinisches Wissen schwer möglich. Zudem liegt es häufig an den Patient/
-innen selbst, die Verbindung zwischen konventionell und komplementärmedizinisch tätigen Behandler/-innen herzustellen – obwohl eine patientenzentrierte, interprofessionelle Zusammenarbeit das Ideal wäre (15).

Während ihres gesamten Krankheitsverlaufs werden Patient/-innen mit zahlreichen Ratschlägen und Informationen unterschiedlicher Qualität konfrontiert – von Angehörigen und Bekannten (16), Therapeut/-innen (17), aber auch über das Internet und soziale Netzwerke (18). Insbesondere in Phasen emotionaler Belastung (Disstress) ist es für krebsbetroffene Menschen nicht einfach, zwischen all diesen Informationen zu unterscheiden und herauszufinden, was in ihrer individuellen Situation «richtig» und fachlich korrekt ist (19).

Mitunter wird die Anwendung komplementärer Therapien als «natürlich» verharmlost. Dies gilt sowohl für Patient/-innen als auch für medizinisches Fachpersonal. Doch kann der unreflektierte Einsatz eines Phytotherapeutikums, die unsachgemässe Anwendung einer manuellen Therapie oder eine restriktive Diät bei Krebspatient/-innen schwerwiegende Folgen haben (20). Potenzielle Risiken können so unterschätzt werden.

Oder aber medizinisches Fachpersonal rät aus Vorsicht oder mangels Wissens gänzlich vom Einsatz komplementärer Therapien ab (21). Dies kann dazu führen, dass Patient/-innen komplementäre Verfahren ohne Rücksprache mit dem medizinischen Fachpersonal nutzen – oder im Gegenteil schweren Herzens darauf verzichten. In beiden Fällen ist der geschlossene Dialog eine verpasste Chance, einem vermutlich unerfüllten Bedürfnis (unmet need) der Patient/-innen gerecht zu werden (22).

Die Risikobewertung einer Komplementärtherapie fällt zwischen Patient/-innen, konventionell-medizinischem Fachpersonal (z. B. Onkolog/-innen, Onkologiepflegefachpersonen oder Hausärzt/-innen) und Therapeut/-innen sehr unterschiedlich aus (21). Um die potenziellen Risiken zu bewerten, sind daher folgende Voraussetzungen erforderlich:

a) eine proaktive, gegenseitig wertschätzende, offene Kommunikation über alle diagnostischen und therapeutischen Massnahmen (einschliesslich komplementärmedizinischer Verfahren)
b) Basiskenntnis des konventionell-medizinischen Fachpersonals der wichtigsten integrativ-onkologischen Fachdisziplinen (siehe Artikel Gemeinsamkeiten und Kerndisziplinen der Integrativen Onkologie)
c) Kenntnis und Kontakt zu regionalen Spezialisten für Integrative Onkologie (z. B. via SNIO-Verzeichnis www.integrative-oncology.ch) oder anderen Fachleuten, je nach dem im Zusammenhang mit dem identifizierten Risiko aufgetretenen Problem (z. B. Akupunktur bei Gerinnungsstörungen, Immunschwäche oder Infektionen [23]; Wechselwirkungen und mögliche Nebenwirkungen bei der gleichzeitigen Anwendung von phytotherapeutischen Behandlungen und onkologischen Therapien [24]; Mind-Body-Interventionen für psychisch instabile Patient/-innen oder bei Patient/-innen mit PTBS [20, 25]; Körpertherapien wie rhythmische Massage, Osteopathie und Chiropraktik bei Skelettrisiken aufgrund lokaler Metastasen oder Osteoporose [20, 25]). Die wichtigsten Risiken sind bei den Kerndisziplinen (siehe Artikel) zusammengefasst.

Basiswissen bzgl. Integrativer Onkologie ist daher für medizinisches Fachpersonal im Umfeld von Krebspatient/-innen sowie für die Patient/-innen selbst unerlässlich – sei es, um einen offenen Dialog über den Nutzen komplementärer Verfahren zu fördern (13, 26, 27), Risiken des Fehlgebrauchs zu erkennen (21), Patient/-innen an Fachpersonen der Integrativen Onkologie zu verweisen, auf deren Bedürfnisse einzugehen oder auch, um komplementärtherapeutische, in der supportiven Therapie validierte Optionen im Sinne eines integrativen Ansatzes anzubieten.

Im Sinne einer ganzheitlichen Patientenversorgung müssen zudem «indirekte» Risiken der Nutzung komplementärer Verfahren berücksichtigt werden wie
a) eine Verzögerung der konventionellen Behandlung (21);
b) Fehlinformationen über die onkologische Erkrankung, deren Schweregrad und Behandelbarkeit und Behandlungsoptionen bis zu falschen Heilsversprechungen;
c) isolierter Verweis auf die Patientenpräferenz (die sog. 3. Säule der Evidenz, siehe Artikel Forschung) ohne eine gleichzeitige klinisch-therapeutische und evidenzbasierte Mitverantwortung;
d) zusätzliche finanzielle Belastungen für die Patient/-innen (insbesondere bei kostspieligen Therapien oder Präparaten), die sog. finanzielle Toxizität;
e) ein überladener Terminkalender durch parallele «konventionelle» und «komplementäre» Termine (sog. Zeit-Toxizität);
f) sog. aggressive integrative onkologische Behandlung nahe am Lebensende (siehe Artikel Integrative Palliative und End-of-Life Care in der Onkologie);
g) mangelnde Koordination und Kommunikation zwischen den verschiedenen Akteuren für eine optimale interdisziplinäre, patientenzentrierte Versorgung.

Eine gut strukturierte Integrative Onkologie mit enger, lokal vertrauter Zusammenarbeit ermöglicht eine koordinierte und individualisierte Anwendung der Verfahren, minimiert die Risiken komplementärer Medizin und nutzt deren Potenziale zur Optimierung der Lebensqualität und Symptomkontrolle bei Krebspatient/-innen.

Grundlegende Fähigkeiten und ­Vor­schläge für die Aus-, Fort- und ­Weiterbildungen in IO

Im Rahmen eines zweiphasigen internationalen Projekts der SIO wurden durch systematische Literaturrecherche und ein interprofessionelles Konsensusverfahren 37 Kernkompetenzen für die Integrative Onkologie identifiziert (13). Diese Kompetenzen, die professionsübergreifend für Ärzt/-innen, Pflegefachpersonal, Psycholog/-innen, andere Gesundheitsberufe und Therapeut/-innen gelten, umfassen Wissen (Knowledge, n = 11), Fähigkeiten (Abilities, n = 17) und Fertigkeiten (Skills, n = 9). Kommunikative Kompetenzen spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Kernkompetenzen dienen als Grundlage zur Entwicklung von Fortbildungsprogrammen, um eine sichere, evidenzbasierte und patientenzentrierte Versorgung in der Integrativen Onkologie auch im deutschsprachigen Raum zu gewährleisten (28). Auch Bennardi et al. sehen neben formaler Vermittlung von Wissen das Lernen im Praxisfeld zum Erwerb von Fähigkeiten und zur Entwicklung der Haltung als relevant (29). Integrative Onkologie versteht sich grundsätzlich als ein Ansatz, der unter Einbezug eines multiprofessionellen Teams stattfindet (13, 30). Betrachtet man die Forschungserkenntnisse zu erfolgreicher Zusammenarbeit verschiedener Gesundheitsberufe in der Praxis, zeigt sich, dass interprofessionelle Aus-, Fort- und Weiterbildungen ein Kernelement für das Gelingen darstellen (29). Zudem stärkt ein interprofessioneller Ansatz die Versorgungsstrukturen und verbessert die Outcomes der Patient/-innen (31). Für die Entwicklung neuer Fort- und Weiterbildungsangebote scheinen daher ein multiprofessionelles Dozierendenteam und eine Ausrichtung der Inhalte auf ein multiprofessionelles Zielpublikum zentral (32). Die Interprofessional Education Collaborative (IPEC) formuliert 4 interprofessionelle Kernkompetenzen, die vermittelt werden sollten (33):

1) Werte und Ethik
2) Rollen und Verantwortlichkeiten
3) Kommunikation
4) Team und Teamwork

Der Weg von der onkologisch tätigen hin zur erfahrenen integrativ-onkologischen Fachperson folgt einem Lernprozess, den schon Patricia Benner 1984 beschrieben hat (34). Sie zeigt in ihrem Werk «From Novice to Expert» auf, welche Kompetenzentwicklungsschritte Fachpersonen bei einem Rollenwechsel durchlaufen und wie das Lernen in den einzelnen Stufen bestmöglich unterstützt werden kann (35). Daran angelehnt empfiehlt sich zu Beginn ein strukturiertes Lernen, gestützt auf vorhandenes Wissen, wenn immer möglich dargestellt in regulären Krankheitsverläufen unter Zuhilfenahme von Leitlinien. Im weiteren Verlauf prägen eigene Erfahrungen und die Reflexion den Lernprozess, und das Lernen wird vor allem durch Intervision mit Kolleg/-innen und Besprechung komplexer oder spezifischer Fälle gefördert. Benner bezeichnet dies als Lernen an Paradigmafällen (36).

Dieses Wissen kann die künftige Entwicklung von inte­grativ-onkologischen Edukationsmaterialien unterstützen.

Um rein theoretisches Wissen zu vermitteln, können beispielsweise Podcasts, Webinare oder kurze Schulungssequenzen genutzt werden. Basierend auf den Kernkompetenzen von Witt et al. lassen sich die in Tab. 1 aufgeführten Inhalte ableiten und in Lernmodule einteilen (13).

Um das theoretische Wissen in einem nächsten Schritt effektiv in den Alltag zu integrieren und somit, wie von Benner (35) beschrieben, die Fertigkeiten zu schulen, braucht es zudem gemeinsame Lernsettings (29, 36). In der interprofessionellen Edukation haben sich hier Simulationen oder konkrete Fallarbeit bewährt (36). Teilnehmende verschiedener Professionen lösen hierbei gemeinsam komplexe Behandlungsszenarien und lernen so nicht nur die praktische Anwendung von Inhalten, sondern zudem auch die Zusammenarbeit miteinander besser kennen. Zum Bereich der Fertigkeiten zählt ausserdem das Erlangen praktischer Anwendungskompetenz zu konkreten komplementären Interventionen, wie bspw. Akupunktur oder auch äussere Anwendungen.

Die konkrete Handlungsfähigkeit entsteht in einem weiteren Schritt durch kontinuierliche Reflexion, Intervision oder bspw. Mentoringprogramme (36). Es geht konkret darum, eine offene und empathische Haltung zu entwickeln. Fertigkeiten sind auch, ein Verständnis den verschiedenen komplementären Verfahren gegenüber zu entwickeln und mit fehlender wissenschaftlicher Evidenz in der Kommunikation und Therapie umzugehen (13).

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass ein stufenweises Vorgehen, welches sich an konkreten Kompetenzen orientiert, zielführend für die Entwicklung künftiger Fort- und Weiterbildungsmaterialien zur Integrativen Onkologie ist. Die Angebote sollten interprofessionell für ein multiprofessionelles Zielpublikum entwickelt werden.

Ausbildung und primärqualifizierende Weiterbildung

In der Schweiz sind nur sehr grundlegende integrativ-medizinische Inhalte in der ärztlichen studentischen Ausbildung enthalten (37). Die ärztliche Weiterbildung zum medizinischen Onkologen (SIWF-SGMO) (38) umfasst im Weiterbildungsprogramm vom 1. Juli 2021 keine Inhalte der Integrativen Onkologie, diese fehlen auch im ESMO/ASCO Core Curriculum (39), es werden Ernährung, körperliche Aktivität, Survivorship, Palliative Care und psychosoziale Aspekte erwähnt, aber ohne explizit Themen der Integrativen Onkologie, die in Supportive Care Guidelines erwähnt sind, aufzunehmen.

Auch die Ausbildung zur Pflegefachperson HF sowie der Bachelorstudiengang zur Pflegefachperson FH enthalten nur sehr geringe Anteile an integrativ-medizinischen Inhalten. In der Regel beschränken sich diese auf den Bereich der Palliative Care, der Grundpflege und/oder der Prophylaxe bzw. das allgemeine Symptommanagement und werden je nach Schwerpunkt der Fachhochschulen bzw. der höheren Fachschulen unterschiedlich stark ausgearbeitet.

In den Weiterbildungen zu Fachexpert/-innen Onkologie oder Palliative Care werden insbesondere äussere Anwendungen zum erweiterten Symptommanagement thematisiert.

Weiterbildungsangebote für die ­Integrative Onkologie in der Schweiz

In der Schweiz existiert bisher keine für Ärzt/-innen SIWF-anerkannte Weiterbildung in Integrativer Onkologie, die Grundlagen der Integrativen Onkologie (z. B. Grundprinzipien, Menschenbild, Diagnostisches Vorgehen) und der einzelnen Kerndisziplinen (Anthroposophisch-erweiterte Medizin, Individualisierte Homöopathie, Medizinische Hypnose, Integrative Pflege, Mind Body Medicine, Phytotherapie, TCM/Akupunktur) beinhaltet. Für einige der ärztlichen Kerndisziplinen können Fähigkeitsausweise (https://www.siwf.ch/weiterbildung/faehigkeitsausweise.cfm) erworben werden (siehe auch SNIO Certification Courses unten).

Eine Übersicht über vom Swiss Network for Integrative Oncology (SNIO) veröffentlichte zertifizierte Weiterbildungen und Kurse finden Sie unter folgendem QR-Code:

https://integrative-oncology.ch/media/education_certification-courses.pdf

Weiterbildungsangebote für die ­Integrative Onkologie im Ausland

In Deutschland bietet die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie bspw. einen Zertifizierungskurs Integrative Medizin in der Onkologie an (40), in den USA gibt es integrativ-onkologische Fellowships (41).

Fortbildungen

Im Bereich Fortbildungen besteht ein langsam wachsendes Angebot, auch mit Inhalten aus verschiedenen Kerndisziplinen der Integrativen Onkologie und Akkreditierung durch verschiedene Fachgesellschaften, wie z. B. wissenschaftliche Session des SNIO am SOHC (Schweizer Hämatologie Onkologie Kongress).

In Zukunft wird das SNIO auch einen Kalender mit den in der Schweiz verfügbaren Fortbildungen veröffentlichen.

Herausforderungen der aktuellen Aus-, Fort- und Weiterbildungen

Eine wesentliche Einschränkung bei den meisten Schweizer Aus-, Fort- und Weiterbildungen besteht darin, dass sie nicht speziell auf den onkologischen Kontext zugeschnitten sind. Das bedeutet, dass sie weder die spezifischen Risiken noch die evidenzbasierten Indikationen komplementärer Therapien (siehe Artikel Kerndisziplinen) bei Krebspatient/-innen vermitteln. Darüber hinaus werden in vielen Fort- oder Weiterbildungen wichtige Aspekte der Lebensstilmedizin im onkologischen Kontext – wie Bewegung, Ernährung, Schlafhygiene, Stressbewältigung und psychische Gesundheit – sowie die Beurteilung von Nahrungsergänzungsmitteln oder pflanzlichen Präparaten nicht adäquat thematisiert.

In den kommenden Jahren beabsichtigt das SNIO, die Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten in Integrativer Onkologie zunächst für Onkolog/-innen und onkologische Pflegefachpersonen auszubauen, in einem zweiten Schritt dann auch für Patient/-innen und Komplementärtherapeut/-innen. Ein Anliegen von SNIO ist es, Gesundheitsfachpersonen, die Krebspatient/-innen behandeln, grundlegende Kenntnisse zu vermitteln und sie somit bei ihrer Befähigung zu unterstützen.

Durch den folgenden QR-Code erhalten Sie eine Auswahl an Informationsquellen, die von der medizinischen Fachgemeinschaft im Bereich der Integrativen Onkologie als zuverlässig eingestuft werden, sowie eine Sammlung von praktischen Werkzeugen (27, 42).

https://integrative-oncology.ch/media/education_resources.pdf

Mithilfe dieser evidenzbasierten Informationen kann jedes komplementärmedizinische Verfahren mit den Patient/-innen im eigenen Kontext und auf der Grundlage des ­Nutzen-Risiko- oder Wirksamkeit-Sicherheits-Verhältnisses besprochen werden, wie es in den SIO-Empfehlungen und den Modellen von Cohen und Eisenberg vorgeschlagen wird (20, 43, 44).

Schlussfolgerung

Integrative Onkologie ist ein zentraler Bestandteil moderner onkologischer Behandlung. Um ihr Potenzial sicher und wirksam zu nutzen, braucht es gezielte, interprofessionelle Fort- und Weiterbildungen, die den onkologischen Kontext berücksichtigen. Der Aufbau entsprechender Bildungsangebote in der Schweiz ist ein wichtiger nächster Schritt, um Patient/-innen ganzheitlich, evidenzbasiert und bedürfnisorientiert begleiten zu können.

Gisèle Montavon 1, Sara Kohler 2, Theresia Knittel 3, Claudia M. Witt 4

1 Service d‘oncologie, HFR Fribourg – Hôpital Cantonal, Fribourg ;
Service d‘oncologie médicale, Centre Hospitalier Universitaire Vaudois (CHUV), Lausanne
2 Institut für Pflege, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), Winterthur
3 Klinik für Onkologie, Hämatologie und Transfusionsmedizin, Kantonsspital Aarau, Aarau
4 Lehrstuhl für Komplementär- und integrative Medizin, Universität Zürich, Zürich

Sara Kohler, MScN, MAS onkol. Pflege, RN

Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW)
Departement Gesundheit; Institut für Pflege
Katharina-Sulzer-Platz 9
8400 Winterthur

sara.kohler@zhaw.ch

Gisèle Montavon ist Board Member des Swiss Network for Integrative Oncology. Claudia M. Witt ist Präsidentin des Schweizer Fachverbandes Mind Body Medicine und erhält Honorare für wissenschaftliche Vorträge zur Integrativen Onkologie und Entwicklung von Behandlungspfaden und Curricula von Schweizer und Deutschen Spitälern.
Die weiteren Autoren haben keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

1. Mao JJ, Pillai GG, Andrade CJ, Ligibel JA, Basu P, Cohen L, et al. Integrative oncology: Addressing the global challenges of cancer prevention and treatment. CA Cancer J Clin. 2022;72(2):144-64.
2. Onkologie L. S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung onkologischer PatientInnen 2024 [Available from: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/komplementaermedizin.
3. Bower JE, Lacchetti C, Alici Y, Barton DL, Bruner D, Canin BE, et al. Management of Fatigue in Adult Survivors of Cancer: ASCO-Society for Integrative Oncology Guideline Update. J Clin Oncol. 2024;42(20):2456-87.
4. Carlson LE, Ismaila N, Addington EL, Asher GN, Bradt J, Mehta A, et al. Integrative Oncology Care of Symptoms of Anxiety and Depression in Adults With Cancer: SIO-ASCO Guideline Summary and Q&A. JCO Oncol Pract. 2023;19(10):847-51.
5. Mao JJ, Ismaila N, Bao T, Barton D, Ben-Arye E, Garland EL, et al. Integrative Medicine for Pain Management in Oncology: Society for Integrative Oncology-ASCO Guideline. J Clin Oncol. 2022;40(34):3998-4024.
6. Onkologie L. S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen [Available from: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/supportive-therapie.
7. Molassiotis A, Affronti ML, Fleury M, Olver I, Giusti R, Scotte F. 2023 MASCC/ESMO consensus antiemetic guidelines related to integrative and non-pharmacological therapies. Support Care Cancer. 2023;32(1):30.
8. Wode K, Henriksson R, Sharp L, Stoltenberg A, Hök Nordberg J. Cancer patients‘ use of complementary and alternative medicine in Sweden: a cross-sectional study. BMC Complement Altern Med. 2019;19(1):62.
9. Paterson C, Toohey K, Bacon R, Kavanagh PS, Roberts C. What Are the Unmet Supportive Care Needs of People Affected by Cancer: An Umbrella Systematic Review. Semin Oncol Nurs. 2023;39(3):151353.
10. Shneerson C, Taskila T, Holder R, Greenfield S, Tolosa I, Damery S, et al. Patterns of self-management practices undertaken by cancer survivors: variations in demographic factors. Eur J Cancer Care (Engl). 2015;24(5):683-94.
11. Boland L, Bennett K, Connolly D. Self-management interventions for cancer survivors: a systematic review. Support Care Cancer. 2018;26(5):1585-95.
12. Kemppainen LM, Kemppainen TT, Reippainen JA, Salmenniemi ST, Vuolanto PH. Use of complementary and alternative medicine in Europe: Health-related and sociodemographic determinants. Scand J Public Health. 2018;46(4):448-55.
13. Witt CM, Helmer SM, Schofield P, Wastell M, Canella C, Thomae AV, et al. Training oncology physicians to advise their patients on complementary and integrative medicine: An implementation study for a manual-guided consultation. Cancer. 2020;126(13):3031-41.
14. Ng JY, Kochhar J, Cramer H. Oncology researchers‘ and clinicians‘ perceptions of complementary, alternative, and integrative medicine: an international, cross-sectional survey. Support Care Cancer. 2024;32(9):615.
15. Mentink M, Jansen J, Noordman J, van Vliet L, Busch M, van Dulmen S. Interprofessional contact with conventional healthcare providers in oncology: a survey among complementary medicine practitioners. BMC Complement Med Ther. 2024;24(1):285.
16. Renet S, de Chevigny A, Hoacoglu S, Belkarfa AL, Jardin-Szucs M, Bezie Y, et al. Risk evaluation of the use of complementary and alternative medicines in cancer. Ann Pharm Fr. 2021;79(1):44-52.
17. Keinki C, Ahmadi E, Kastrati K, Zomorodbakhsch B, Hubner J, Working Group P, et al. Cancer Patient Motives and Expectations on Non-medical Practitioners. In Vivo. 2022;36(5):2505-13.
18. Mazzocut M, Truccolo I, Antonini M, Rinaldi F, Omero P, Ferrarin E, et al. Web Conversations About Complementary and Alternative Medicines and Cancer: Content and Sentiment Analysis. J Med Internet Res. 2016;18(6):e120.
19. Bender JL, Hueniken K, Eng L, Brown MC, Kassirian S, Geist I, et al. Internet and social media use in cancer patients: association with distress and perceived benefits and limitations. Support Care Cancer. 2021;29(9):5273-81.
20. Deng GE, Frenkel M, Cohen L, Cassileth BR, Abrams DI, Capodice JL, et al. Evidence-based clinical practice guidelines for integrative oncology: complementary therapies and botanicals. J Soc Integr Oncol. 2009;7(3):85-120.
21. Stub T, Quandt SA, Arcury TA, Sandberg JC, Kristoffersen AE. Attitudes and knowledge about direct and indirect risks among conventional and complementary health care providers in cancer care. BMC Complement Altern Med. 2018;18(1):44.
22. Bonacchi A, Toccafondi A, Mambrini A, Cantore M, Muraca MG, Focardi F, et al. Complementary needs behind complementary therapies in cancer patients. Psychooncology. 2015;24(9):1124-30.
23. de Valois B, Young T, Zollman C, Appleyard I, Ben-Arye E, Cummings M, et al. Acupuncture in cancer care: recommendations for safe practice (peer-reviewed expert opinion). Support Care Cancer. 2024;32(4):229.
24. Wolf C, Rachow T, Ernst T, Hochhaus A, Zomorodbakhsch B, Foller S, et al. Complementary and alternative medicine (CAM) supplements in cancer outpatients: analyses of usage and of interaction risks with cancer treatment. J Cancer Res Clin Oncol. 2022;148(5):1123-35.
25. Latte-Naor S, Mao JJ. Putting Integrative Oncology Into Practice: Concepts and Approaches. J Oncol Pract. 2019;15(1):7-14.
26. Salamonsen A. Doctor-patient communication and cancer patients‘ choice of alternative therapies as supplement or alternative to conventional care. Scand J Caring Sci. 2013;27(1):70-6.
27. Akeeb AA, King SM, Olaku O, White JD. Communication Between Cancer Patients and Physicians About Complementary and Alternative Medicine: A Systematic Review. J Integr Complement Med. 2023;29(2):80-98.
28. Rogge AA, Witt CM. Education Competencies for Integrative Oncology in Germany: Results of a Stakeholder Engagement Survey Study. Complement Med Res. 2022;29(6):446-52.
29. Bennardi M, Diviani N, Saletti P, Gamondi C, Stussi G, Cinesi I, et al. A qualitative analysis of educational, professional and socio-cultural issues affecting interprofessional collaboration in oncology palliative care. Patient Educ Couns. 2022;105(9):2976-83.
30. Sulosaari V, Dodlek N, Brandl A, De Munter J, Eriksen JG, McInally W, et al. Interprofessional education in cancer care – a scoping review. BMC Med Educ. 2024;24(1):767.
31. [WHO] WHO. Framework for Action on Interprofessional Education Collaborative Practice 2010 [Available from: https://www.who.int/publications/i/item/framework-for-action-on-interprofessional-education-collaborative-practice.
32. Maani-Fogelmann P, Bakitas M. Hospital-Based Palliative Care. Oxford textbook of palliative nursing 4th Edition. 2015:30.
33. IPEC Core Competencies for Interprofessional Collaborative Practice. 3 ed2023.
34. Benner P. FROM NOVICE TO EXPERT EXCELLENCE AND POWER IN CLINICAL NURSING PRACTICE. AJN The American Journal of Nursing. 1984;84(12):1479.
35. Benner P. Stufen zur Pflegekompetenz – From Novice to Expert: Huber; 2012.
36. Kirkpatrick AJ, Donesky D, Kitko LA. A Systematic Review of Interprofessional Palliative Care Education Programs. J Pain Symptom Manage. 2023;65(5):e439-e66.
37. Principal Relevant Objectives and a Framework for Integrative Learning and Education in Switzerland [Available from: https://www.profilesmed.ch/.
38. SIWF/ISFM FMH Weiterbildung in Medizinische Onkologie [Available from: https://www.siwf.ch/weiterbildung/facharzttitel-und-schwerpunkte/medizinische-onkologie.cfm.
39. Cufer T, Kosty MP. ESMO/ASCO Recommendations for a Global Curriculum in Medical Oncology Edition 2023. JCO Glob Oncol. 2023;9:e2300277.
40. Essen UD. Integrative Medizin in der Onkologie [Available from: https://www.nhk-fortbildungen.de/fortbildung/integrative-medizin-in-der-onkologie.
41. Larsen A, Crudup T, Huston A, Sharman R, Babakhanlou R, Miu R, et al. Integrative Oncology Fellowship Training in the United States: Uniting Requirements and Core Competencies. J Cancer Educ. 2025.
42. Swiss Network for Integrative Oncology [Available from: https://integrative-oncology.ch/.
43. Cohen MH, Eisenberg DM. Potential physician malpractice liability associated with complementary and integrative medical therapies. Ann Intern Med. 2002;136(8):596-603.
44. Deng GE, Cassileth BR, Cohen L, Gubili J, Johnstone PA, Kumar N, et al. Integrative Oncology Practice Guidelines. J Soc Integr Oncol. 2007;5(2):65-84.

Integrative Palliative und End-of-Life Care in der Onkologie

Einleitung

Palliative Care bezeichnet die multiprofessionelle, multidimensionale Begleitung von Menschen und deren Angehörigen mit lebenslimitierenden Erkrankungen mit dem Fokus auf Lebensqualität (1). Sie ist gemäss heutigem Verständnis früh – nämlich bereits nach Diagnosestellung einer nicht kurativ behandelbaren Erkrankung – anwendbar. Die spezialisierte Palliative Care ist in der Schweiz breit verfügbar, sowohl stationär (Palliativstationen, Hospize) als auch ambulant (Palliativsprechstunden, mobile palliative Dienste).

Viele Menschen mit onkologischen Erkrankungen fragen nach Komplementär- bzw. Integrativmedizin (2). Dies trifft für alle Krankheitsstadien, auch nicht kurative, zu (3). Verschiedene integrativmedizinische Methoden/Massnahmen können für diese Patient/-innen hilfreich sein; für eine Reihe davon existieren wissenschaftliche Daten, und/oder es gibt eine relevante empirische Basis. Dieser Artikel soll die Möglichkeiten und Grenzen von komplementär- bzw. integrativmedizinischen Methoden in der Palliative und End-of Life Care beleuchten.

Palliative Care

Die moderne Palliative Care (oder auch, häufig synonym verwendet, Palliativmedizin) wurde von der britischen Pflegefachfrau, Sozialarbeiterin und Ärztin Cicely Saunders (1918–2005) begründet (4). Die Definition der Palliative Care der WHO (2002 und 2023 [5]) bezeichnet Palliative Care als «einen Ansatz, der die Lebensqualität von Patienten und ihren Familien, die mit Problemen einer lebensbedrohlichen Erkrankung konfrontiert sind, verbessert durch Vorbeugen und Lindern von Leiden durch frühzeitige Erkennung, sorgfältige Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen körperlichen, psychosozialen und spirituellen Pro­blemen» (1). Dieses bio-psycho-sozio-spirituelle Verständnis bildet eine wichtige Grundlage für zentrale Konzepte der modernen Palliativmedizin. Palliativmedizin beinhaltet – ebenfalls gemäss WHO – einen starken Fokus auf Symptomlinderung und -prävention, eine Lebensbejahung bis zum Schluss, aber auch die Akzeptanz des Sterbens als Teil des Lebens (6), den Einbezug der Angehörigen und des multiprofessionellen Teams; sie ist zudem nicht nihilistisch, sondern schliesst durchaus auch Untersuchungsmethoden und invasive Therapien mit ein, sofern diese das Ziel der Lebensqualitätsverbesserung unterstützen.

Cicely Saunders prägte unter anderem den Begriff «total pain» (7), welcher auch auf andere Symptome übertragen werden kann. Er bedeutet, dass ein Mensch, der das Symptom Schmerz äussert, dieses häufig nicht auf den physischen Schmerz beschränkt, sondern dass auch psychologische, soziale und spirituelle (8) Dimensionen in das Schmerzerleben einfliessen (9, 10) – und damit jene bio-psycho-sozio-spirituelle Gesamtsicht widerspiegeln, die in der WHO-Definition von Palliative Care verankert ist.

Bis etwa 2010 kam Palliative Care in der Onkologie überwiegend erst dann zum Einsatz, wenn onkologische Therapien mangels Wirksamkeit beendet wurden («transition from oncology to palliative care») (11). Einen Paradigmenwechsel leitete 2010 die Studie von Temel et al. im New England Journal of Medicine ein, in der 151 Patient/-innen mit neu dia­gnostiziertem NSCLC untersucht wurden. Jene, die zusätzlich zur onkologischen Standardtherapie regelmässige Konsultationen bei einem spezialisierten Palliative-Care-Team erhielten, zeigten nicht nur eine Verbesserung der Lebensqualität, sondern auch ein längeres medianes Überleben (12). Seitdem gilt an vielen onkologischen Zentren als Standard (13), dass Patient/-innen bereits während aktiver Krebstherapien (14) bei komplexen Symptomen oder psychosozialen bzw. spirituellen Belastungen frühzeitig an spezialisierte Palliative-Care-Teams überwiesen werden sollten (15, 16). Um die «frühe» Palliative Care klar von der Versorgung am Lebensende zu unterscheiden, hat sich für Letztere der Begriff «End-of-Life Care» etabliert (17).

Nicht alle Patient/-innen mit unheilbarer Krebserkrankung bedürfen spezialisierter Palliative Care. Viele Palliative-Care-Interventionen – etwa Gespräche über Krankheitsverständnis, Netzwerkplanung oder Symptomkontrolle – werden im Rahmen der allgemeinen Palliative Care durch Hausärzt/-innen, Onkolog/-innen und onkologische Pflegefachpersonen durchgeführt (18). Bei komplexeren oder interagierenden Symptomen bzw. bei ausgeprägten psychosozialen oder spirituellen Belastungen ist die Überweisung an spezialisierte Teams angezeigt (19, 20).

In der Schweiz ist die Verfügbarkeit von sowohl stationärer Palliative Care (Palliativstationen, Hospize) als auch ambulanter Palliative Care (Palliativsprechstunden, mobile palliative Dienste) allgemein gut (regionale Unterschiede). Für die DKG-Zertifizierung von Krebszentren, welche in der Schweiz verbreitet ist, wird für alle Patient/-innen der Zugang zu stationärer und ambulanter Palliative Care gefordert (21).

Seit dem Jahr 2016 können Fachärzt/-innen, welche sich in Palliative Care spezialisieren möchten, den SIWF-interdisziplinären Schwerpunkttitel Palliativmedizin erlangen. Dieser beinhaltet neben einer strukturierten theoretischen Ausbildung in Palliativmedizin von 160 Stunden eine mindestens zweijährige Tätigkeit in der spezialisierten Palliativmedizin. Ein Schwerpunkttitel Palliativmedizin ist Bedingung, um eine Palliativstation zu leiten. Im länderspezifischen Vergleich liegt der Aufwand für die Erlangung der ärztlichen Spezialisierung in Palliative Care zwischen Grossbritannien, wo die Palliative Care ein eigener Facharzttitel darstellt, und Deutschland, wo die Zusatzbezeichnung Palliative Care für Facharzttitelträger/-innen in 40 Stunden Kursweiterbildung und 120 Stunden Fallseminaren (Letzteres kann ersetzt werden durch 6 Monate Weiterbildung an Weiterbildungsstätten) zu erlangen ist (22).

Integrative Medizin in der Palliative Care

Unter dem Begriff «Integrative Medizin» wird die sinnvolle Verbindung von Komplementär- und konventioneller Medizin verstanden (23). In der Schweiz sind seit dem Jahr 2009 vier komplementärmedizinische Richtungen (Anthroposophisch erweiterte Medizin, TCM/Akupunktur, klassische Homöopathie und Phytotherapie) in der Verfassung festgehalten und deren ärztliche Leistungen werden über die Grundversicherung vergütet, wenn sie von einem/einer Ärzt/-in erbracht werden, welche/-r den entsprechenden SIWF-Fähigkeitsausweis besitzt (24). Viele Arzneimittel, die in den oben genannten komplementärmedizinischen Methoden verwendet werden, werden ebenfalls durch die Grundversicherung vergütet.

In den Schweizer Krebszentren, welche über ein integrativmedizinisches Angebot für onkologische Patient/-innen verfügen («Integrative Onkologie»), werden in der Regel eine oder mehrere der oben genannten Methoden und/oder Mind-Body-Medizin angeboten. Mindestens zweimal monatliche integrativonkologische Sprechstunden durch einen/eine Ärzt/-in mit einem SIWF-Fähigkeitsausweis in einer der oben genannten Methoden oder ein CAS in Mind-Body-Medizin und eine Zertifizierung des Krebszentrums sind die Bedingungen für eine Mitgliedschaft im Schweizer Netzwerk für Integrative Onkologie (www.inte­grative-oncology.ch) (25).

Im Folgenden bezieht sich der Begriff Komplementär- bzw. Integrativmedizin (CIM) schwerpunktmässig auf die oben genannten Methoden. Bei verschiedenen (nicht allen) komplementärmedizinischen Methoden fällt ein Fokus auf Salutogenese und ein multidimensionales Menschenbild, das häufig die psycho-spirituelle Dimension einbezieht, auf (26). Insofern finden sich hier gewisse Parallelen zu den Grundsätzen der Palliative Care. Dieser Aspekt sowie möglicherweise auch der Fokus auf einen «Team-Approach» mit der zentralen Rolle von Pflegefachpersonen in der Palliative Care sind möglicherweise ein Grund, warum in verschiedenen Palliative-Care-Settings Konzepte, wie z. B. Aromapflege, die als Teil der Phytotherapie angesehen wird, in den letzten Jahren etabliert wurden (27).

Vermeiden von «Aggressive End-of-Life Care» auch in Integrativer Onkologie

Der Begriff «Aggressive End-of-life care» bezeichnet belastende medizinische Massnahmen wie nebenwirkungsreiche Chemotherapie, Aufnahme auf die Intensivstation oder Reanimation in der letzten Lebensphase bei weit fortgeschrittener Krebserkrankung – Situationen, in denen der Nutzen in der Regel nur marginal ist. Studien zeigen, dass durch die frühzeitige Integration von Palliative Care die Häufigkeit solcher Interventionen deutlich reduziert werden kann (28, 29, 30).

Dieses Prinzip – belastende Interventionen mit geringem Nutzen zu vermeiden – gilt nicht nur für konventionelle onkologische Therapien, sondern auch für komplementär-integrative Verfahren. Auch wenn CIM-Massnahmen von vielen Patient/-innen und Behandelnden als sanft und weitgehend frei von Nebenwirkungen eingeschätzt werden (31, 32), können sie am Lebensende dennoch relevante Belastungen mit sich bringen. Dazu zählen spezifische unerwünschte Wirkungen beispielsweise von pflanzlichen Arzneimitteln (siehe Kapitel Phytotherapie), invasive Applikationsformen wie Nadeln bei der Akupunktur (siehe Kapitel TCM) oder Infusionen/subkutane Injektionen sowie der logistische Aufwand (33) wiederholter Praxis- oder Klinikbesuche (34, 35) (sog. Time Toxicity [36]) und oft die finanzielle Belastung (sog. Financial Toxicity [37)]. Die finanzielle und logistische Belastung wird wahrscheinlich unterschätzt (38). Entsprechend sollten auch CIM-Interventionen in dieser Phase kritisch auf ihr Nutzen-Belastungs-Verhältnis geprüft und gegebenenfalls in Absprache mit der Patientin bzw. dem Patienten beendet oder nicht begonnen werden. Dazu kann ein strukturierter Entscheidungsprozess wie bei systemischer Krebstherapie in palliativer Absicht angewandt werden (39).

Darüber hinaus suchen viele Patient:innen angesichts der Krankheitsprogression und des nahenden Lebensendes nach einem letzten «Strohhalm». In dieser Situation steigt die Anfälligkeit für unseriöse Angebote der Komplementärmedizin, die teils sogar Heilung suggerieren. Solche Versprechungen bergen das Risiko von Enttäuschung, Fehlallokation von Ressourcen und zusätzlicher Belastung für Angehörige. In solchen Fällen erweist sich die Doppelkompetenz von Fachpersonen mit Erfahrung in Integrativer Medizin und Palliative Care als hilfreich. Sie können durch empathische Begleitung, hohe Kommunikationskompetenz und die fachliche Einordnung unseriöser Angebote dazu beitragen, dass fragwürdige «Strohhalme» nicht ergriffen werden. So bleibt Patient:innen mehr Zeit und Energie für das, was sie selbst als wesentlich erachten.

Beispiele von CIM-Interventionen in der Palliative und End-of-Life Care

Im Folgenden sollen exemplarisch die Möglichkeiten von zwei Kerndisziplinen der integrativen Onkologie (AEM, Phytotherapie) in der Palliative und End-of-Life Care dargestellt werden. Diese Auswahl ist begründet durch die Fähigkeitsausweise in den entsprechenden Disziplinen der Autoren dieses Artikels.

Anthroposophisch erweiterte Medizin

Im Vordergrund stehen erfahrungsbasierte und teilweise studienbasierte, gut nachvollziehbare Ansätze aus ärztlicher, pflegerischer und therapeutischer Praxis, die die konventionelle Versorgung sinnvoll ergänzen.

Medikamentöse Ansätze

Die AEM bietet ein differenziertes Spektrum an Arzneimitteln, die symptomorientiert und individuell angewendet werden (siehe Artikel Gemeinsamkeiten und Kerndisziplinen, Kapitel AEM). Meist handelt es sich um niedrig potenzierte Präparate (D1–D30) oder um nach anthroposophisch-spezifischen Verfahren hergestellte Medikamente pflanzlichen oder mineralischen Ursprungs.

• Appetitlosigkeit: Bitterstoffpräparate wie WALA Magen-Darm Globuli velati oder WELEDA Amara Tropfen haben eine lange Anwendungstradition und fördern durch ihre bittere Komponente Appetit und Verdauung (40, 41).
• Angst und Schlafstörungen: Zubereitungen aus Bryophyllum pinnatum (Brutblatt, verschiedene Hersteller) werden in der anthroposophischen Praxis breit eingesetzt und können Angst sowie innere Anspannung positiv beeinflussen und das Ein- und Durchschlafen unterstützen (42, 43).
• Unruhe im Sterbeprozess: WELEDA Olibanum comp., ein potenziertes Komplexmittel aus Olibanum resina, Aurum metallicum und Myrrha, wird im Sterbeprozess angewendet, wenn Unruhe und existenzielle Not im Vordergrund stehen (44, 45).
• Übelkeit und Verdauungsbeschwerden: WELEDA Nux vomica comp. Dil. und WALA Magen-Darm Globuli velati werden eingesetzt, um Übelkeit und Verdauungsprobleme zu lindern (41).
• Misteltherapie: Mistelpräparate (in der Schweiz: Iscador, Helixor und Abnobaviscum) können Müdigkeit (Fatigue), Appetitlosigkeit und das allgemeine Wohlbefinden günstig beeinflussen (46, 47).

Äussere Anwendungen in der Pflegepraxis

Äussere Anwendungen nehmen im anthroposophischen Pflegekonzept (siehe Kapitel Integrative Pflege) einen zen­tralen Stellenwert ein – sie entfalten ihre Wirkung über die verwendeten, meist pflanzlichen, teils metallischen Sub­stanzen sowie über die physikalische Wirkung der (je nach Anwendung) Wärme und/oder Feuchtigkeit bzw. rhythmischen Berührungen (44, 48).
• Aurum-Lavandula-Herzauflage kann sich positiv auf Angst und innere Unruhe auswirken (41).
• Schafgarben-Leberwickel können die Vitalität stärken, den Stoffwechsel regulieren und die Schlafqualität verbessern (49).
• Oxalis-Zwerchfellauflage wird bei nervöser Anspannung, Verdauungsstörungen oder seelischer Erschütterung/Schock eingesetzt (41).
• Rhythmische Einreibungen nach Wegman/Hauschka: Diese Pflegemethode mit rhythmisch geführten Berührungen kann Körperwahrnehmung und Vertrauen fördern (41, 48). Je nach Ziel der Anwendung werden unterschiedliche Substanzen verwendet.

Künstlerische Therapien

Anthroposophische Kunsttherapien – Malen, Plastizieren, Musiktherapie, Sprachgestaltung oder Heileurythmie, eine achtsame Bewegungstherapie – spielen in der anthroposophisch erweiterten Palliative und End-of-Life Care eine wichtige Rolle.
• Systematische Übersichten zeigen, dass künstlerische Therapien Angst und depressive Symptome bei Krebspatient/-innen deutlich reduzieren können (50, 51).
• Heileurythmie kann Atemnot, Schmerzen und Unruhe günstig beeinflussen, indem sie Rhythmus und Atmung harmonisiert (45, 52).
• Sprachgestaltung und Musik können körperliche und emotionale Symptome lindern, Entspannung fördern und Raum für existentielle Themen schaffen (52).

Psychosoziale und spirituelle Begleitung

Das anthroposophische Menschenbild versteht Leib, Seele und Geist als Einheit und erweitert so die Begleitung im Sterbeprozess um einige Aspekte:
• Spirituelle Begleitung: Neben konventionellen Ansätzen (53, 54) integriert die AEM Biografiearbeit, Meditation und Entspannungsübungen, die auch nicht religiöse Menschen in spirituell-existentiellen Themen begleiten können (44, 45).
• Salutogenese und Selbstregulation: Die AEM legt grossen Wert auf die Förderung innerer Ressourcen. Biografiearbeit, künstlerische Zugänge und äussere Anwendungen zielen auf die Unterstützung der Selbstregulation (55, 56).

Der spezifische Beitrag der ­anthroposophischen Palliative Care

Die AEM erweitert die allgemeine Palliativversorgung in folgenden Punkten:
1. Ganzheitliches Pflegekonzept und äussere Anwendungen: Durch Rhythmus, Berührung und multisensorische Erfahrungen können Geborgenheit und Stabilität vermittelt werden (44).
2. Breites Spektrum symptomorientierter Arzneimittel – meist pflanzlichen, teils auch mineralischen Ursprungs, die eine individuell angepasste, gut verträgliche Therapie ermöglichen
3. Integration von Kunst und Natur: Kreative Therapien und natürliche Substanzen erweitern das Handlungsspektrum.
4. Fokus auf Salutogenese und Selbstregulation: Der anthroposophisch-medizinische Ansatz betont die inneren Regulierungsfähigkeiten auch bei weit fortgeschrittener Erkrankung (55).

Fazit: Die AEM bereichert die Palliativversorgung durch ein praxisnahes Repertoire aus Arzneimitteln, äusseren Anwendungen, künstlerischen Therapien und psycho-spirituellen Begleitmöglichkeiten – stets mit dem Ziel, den Menschen in seiner körperlich-seelisch-geistigen Ganzheit in den Mittelpunkt zu stellen und seine inneren Ressourcen bis zuletzt zu stärken.

Phytotherapie

Phytotherapeutische Arzneimittel in verschiedenen Zubereitungsformen (siehe Kapitel Phytotherapie) können in der Palliative und End-of-life Care in ausgewählten Indikationen zur Symptomlinderung (u. a. Angst/Unruhe, Schlaf, Fatigue, Übelkeit) und zur positiven Beeinflussung des Gesamtbefindens beitragen (57). Neben den Daten aus klinischen Studien spielt für die Nutzenbewertung auch die lange Anwendungstradition, die beispielsweise in den Monografien internationaler Fachgremien wie der Europäischen Arzneimittelagentur (Committee on Herbal Medicinal Products, EMA-HMPC) oder der Weltgesundheitsorganisation (WHO) systematisch aufgearbeitet und mit präklinischen Daten in Bezug gesetzt wird, eine Rolle.

Zu den innerlich angewendeten Arzneipflanzen zählen u. a. Zubereitungen aus der Weissbeerigen Mistel (Vis­cum album), Hanf (Cannabis sativa/indica), Weihrauch (Boswellia serrata) sowie Ingwer (Zingiber officinale). Für Mistelpräparate zeigen systematische Übersichten inkonsistente Ergebnisse; einzelne randomisierte Studien berichten von Verbesserungen der Lebensqualität (46), während Überlebenseffekte nicht gesichert sind. Medizinischer Cannabis kann als Add-on für einzelne Symptome (z. B. refraktäre Übelkeit, Appetitverlust, Schmerzen) nach Aufklärung und unter Beachtung von Interaktionen, Nebenwirkungen und Rechtslage erwogen werden (58, 59). In einer doppelblinden Pilot-RCT reduzierte Weihrauch (Boswellia serrata) peritumorales Hirnödem bei Hirntumoren unter Bestrahlung; die Datenbasis ist allerdings klein (60, 61). Für Ingwer bei CINV (Chemotherapie-induzierte Nausea und Vomitus) fallen Ergebnisse gemischt aus: Metaanalysen und RCTs zeigen teils Vorteile (v. a. akute Übelkeit), teils keine klaren Effekte (62, 63). Für standardisierte orale Lavendelöl-Präparate (z. B. Silexan) zeigt eine Metaanalyse signifikante Angstreduktionen bei guter Verträglichkeit (64). Traditionelle und teilweise wissenschaftliche Evidenz besteht für Zubereitungen aus Baldrianwurzel, Hopfen, Passionsblumenkraut und Melisse bei Schlafstörungen (65, 66, 67, 68). Für Inappetenz verschiedenen Ursprungs werden traditionell Zubereitungen aus Bitterstoff-Arzneipflanzen eingesetzt; die Wirkung ist teilweise auch in klinischen Studien abgebildet (69, 70, 71). Die Übertragbarkeit auf die Situation des Patienten mit Inappetenz bei weit fortgeschrittener Erkrankung ist offen, ein Versuch kann jedoch, wenn vom Patienten toleriert, vertreten werden.

Äussere Anwendungen von Arzneipflanzenzubereitungen in der Form von Wickeln/Auflagen und Aromapflege werden zur Förderung von Wohlbefinden, Entspannung und Schlaf eingesetzt. Eine kleine Pilotstudie wies auf eine Fatigue-Reduktion unter Leberauflagen mit Schafgarbentee während palliativer Radiatio hin (72). Aromatherapie zeigt in systematischen Reviews Effekte auf Angst und Schlaf (73). Im Spektrum der Aromatherapie ist Lavendel (Lavandula angustifolia) am besten untersucht: Inhalative/topische Anwendungen (Diffusor, Duftkissen, Einreibungen) erzielen in RCTs und Reviews – auch in palliativnahen Settings – kurzfristige, überwiegend moderate Effekte auf Angst und Schlaf (73). Eine neue Studie zeigte signifikante Verbesserungen von Schlafqualität, Angstsymptomen und Schmerzen bei Brustkrebspatientinnen unter Chemotherapie, die eine Massage mit Lavendelöl erhielten, gegenüber der Placebogruppe (Massage mit Mandelöl) (74).

Symptomorientiert lassen sich beispielhaft folgende Einsatzbereiche ableiten:

– Angst/Unruhe und Schlaf: Lavendelöl (oral, inhalativ beispielsweise über Diffusor, dermal), Zubereitungen aus Baldrian, Passionsblume, Melisse, Hopfen (65, 66, 67)
– Fatigue (insbesondere unter Radiotherapie): Leberauflagen mit Schafgarbentee (72)
– Inappetenz: Zubereitungen aus Bitterstoff-Arzneipflanzen (bspw. Wermut, gelber Enzian, Löwenzahn)
– Übelkeit/Erbrechen: Zubereitungen aus Ingwer als Add-on zur leitliniengerechten Antiemese (62, 63), medizinischer Cannabis (58, 59)
– Hirnödem/Hirndruck: Extrakte aus indischem Weihrauch in selektierten Fällen off-label nach interdisziplinärer Abwägung und Aufklärung; ggf. zum Versuch der Steroidreduktion (60, 61)
Sicherheit und Qualität: Phytotherapeutische Präparate unterscheiden sich in Extraktart, Dosis, Standardisierung und Qualität; bevorzugt sollten HMPC-/Pharmakopöe-konforme Zubereitungsformen eingesetzt werden. Zu beachten sind mögliche Interaktionen (z. B. mit Sedativa, Antikoagulanzien, CYP/P-gp-Substraten) sowie eine sorgfältige Dosisfindung, insbesondere bei medizinischem Cannabis. Für die Anwendung ätherischer Öle sollten ausschliesslich zugelassene Präparate in geeigneter Dosierung und Qualität in Betracht gezogen werden.

Abschluss und Ausblick

Palliative Care vereint bio-psycho-sozio-spirituelle Begleitung und multiprofessionelle Zusammenarbeit mit dem Ziel, die Lebensqualität von Menschen mit lebenslimitierenden Erkrankungen und ihren Angehörigen zu sichern – möglichst früh im Krankheitsverlauf (1, 12, 16). Viele Patient/-innen in der Palliative Care äussern den Wunsch nach integrativmedizinischen Angeboten (3). Zahlreiche Verfahren der Integrativen Medizin lassen sich aufgrund ihres multidimensionalen Menschenbildes mit Einbezug psycho-spiritueller Aspekte und ihres ähnlichen Teamansatzes gut mit den Grundprinzipien der Palliative Care verbinden und können, wenn sie gezielt ausgewählt und in das individuelle Behandlungskonzept eingebettet werden, wertvolle Impulse setzen (23, 26). Ein zentrales Prinzip der Palliative Care ist es dabei, belastende Massnahmen ohne klaren patientenrelevanten Nutzen zu vermeiden – unabhängig davon, ob sie aus der konventionellen oder aus der komplementär-integrativen Medizin stammen (8, 29, 30). Die AEM und die Phytotherapie stehen exemplarisch für zwei in der Palliative und End-of-life Care häufig eingesetzte Richtungen der Integrativen Medizin, die – jeweils mit eigenen Konzepten und Therapieschwerpunkten – Potenzial für die Unterstützung in dieser Lebensphase bieten, jedoch Fachkompetenz sowohl in der jeweiligen CIM-Richtung als auch in der Palliative Care erfordern, um die jeweilige Situation individuell und differenziert beurteilen zu können. Integrativmedizinische Verfahren können – richtig eingesetzt – dazu beitragen, Menschen am Lebensende umfassend, individuell und im Einklang mit den Prinzipien der Palliative Care zu begleiten.

Sandra Pittl 1, Corrado Bertotto 2, Natalie Kalbermatten 3

1 Zentrum für Integrative Onkologie, Zürich, Schweiz
2 Zentrum für Integrative Medizin, HOCH Health Ostschweiz, Kantonsspital St. Gallen, Schweiz
3 Onkologie/Hämatologie, Kantonsspital Münsterlingen, Schweiz

Dr. med.Natalie Kalbermatten, M.Sc.

Onkologie/Hämatologie Kantonsspital Münsterlingen
Spitalcampus 1
CH-8596 Münsterlingen

natalie.kalbermatten@stgag.ch

Natalie Kalbermatten ist Vizepräsidentin des Swiss Network for Integrative Oncology und ist Mitglied der Eigentümerfamilie eines Unternehmens, das pflanzliche Arzneimittel herstellt und vertreibt. Die weiteren Autor/-innen haben keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

1. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/palliative-care
2. Bleumer T, Abel J, Bodden L, Ortiz M, Stintzing S, Pelzer U, Stephan LU. A Current Assessment of the Use of Complementary Medicine in German Cancer Patients: The CONKO 022 Investigation. Oncol Res Treat. 2025 Jun 4:1-7.
3. Paul M, Davey B, Senf B, Stoll C, Münstedt K, Mücke R, et al. Patients with advanced cancer and their usage of complementary and alternative medicine. J Cancer Res Clin Oncol. 2013;139(9):1515–22.
4. Miccinesi G, Caraceni A, Garetto F, Zaninetta G, Bertè R, Broglia CM, Farci B, Aprile PL, Luzzani M, Marzi AM, Mercadante S, Montanari L, Moroni M, Piazza E, Pittureri C, Tassinari D, Trentin L, Turriziani A, Zagonel V, Maltoni M. The Path of Cicely Saunders: The „Peculiar Beauty“ of Palliative Care. J Palliat Care. 2020 Jan;35(1):3-7
5. https://pallipedia.org/palliative-care-1990-2002-and-2023-who-definitions/
6. Bandieri E, Borelli E, Bigi S, Mucciarini C, Gilioli F, Ferrari U, Eliardo S, Luppi M, Potenza L. Positive Psychological Well-Being in Early Palliative Care: A Narrative Review of the Roles of Hope, Gratitude, and Death Acceptance. Curr Oncol. 2024 Jan 24;31(2):672-684
7. SAUNDERS C. The treatment of intractable pain in terminal cancer. Proc R Soc Med 1963;56(3):195-7
8. Best M, Leget C, Goodhead A, Paal P. An EAPC white paper on multi-disciplinary education for spiritual care in palliative care. BMC Palliat Care. 2020 Jan 15;19(1):9.
9. Clark D. ‘Total pain’, disciplinary power and the body in the work of Cicely Saunders, 1958–1967. Soc Sci Med. 1999;49(6):727–736
10. Thieme. I care Pflege 41.6 – Palliative Care (Arbeitsblatt). Stuttgart: Georg Thieme Verlag; 2015
11. Ferris FD, Bruera E, Cherny N, Cummings C, Currow D, Dudgeon D, Janjan N, Strasser F, von Gunten CF, Von Roenn JH. Palliative cancer care a decade later: accomplishments, the need, next steps — from the American Society of Clinical Oncology. J Clin Oncol. 2009 Jun 20;27(18):3052-8.
12. Temel JS, Greer JA, Muzikansky A, et al. Early palliative care for patients with metastatic non–small-cell lung cancer. N Engl J Med. 2010;363(8):733–42
13. Hui D, Kim YJ, Park JC, Zhang Y, Strasser F, Cherny N, Kaasa S, Davis MP, Bruera E. Integration of oncology and palliative care: a systematic review. Oncologist. 2015 Jan;20(1):77-83
14. Blum D, Seiler A, Schmidt E, Pavic M, Strasser F. Patterns of integrating palliative care into standard oncology in an early ESMO designated center: a 10-year experience. ESMO Open. 2021 Jun;6(3):100147. doi: 10.1016/j.esmoop.2021.100147. Epub 2021 May 10. Erratum in: ESMO Open. 2022 Dec;7(6):100614
15. Davis MP, Temel JS, Balboni T, Glare P. A review of trials examining early integration of outpatient and home palliative care for serious illness. Ann Palliat Med. 2015;4(2):99–121
16. Ferrell BR, Temel JS, Temin S, Alesi ER, Balboni TA, Basch EM, Firn JI, Paice JA, Peppercorn JM, Phillips T, Stovall EL, Zimmermann C, Smith TJ. Integration of Palliative Care Into Standard Oncology Care: American Society of Clinical Oncology Clinical Practice Guideline Update. J Clin Oncol. 2017 Jan;35(1):96-112
17. Crawford GB, Dzier?anowski T, Hauser K, et al. Care of the adult cancer patient at the end of life: ESMO Clinical Practice Guidelines. ESMO Open. 2021;6(2):100225
18. Jacobsen J, Jackson V, Dahlin C, et al. Components of early outpatient palliative care consultation in patients with metastatic non–small cell lung cancer. J Palliat Med. 2011;14(4):459–64
19. Quill TE, Abernethy AP. Generalist plus Specialist Palliative Care — Creating a More Sustainable Model. N Engl J Med. 2013;368(13):1173–5.
20. Radbruch L, Payne S; Board of the European Association for Palliative Care. White Paper on standards and norms for hospice and palliative care in Europe: part 1. Eur J Palliat Care. 2009;16(6):278–289
21. Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin. Anforderungen an die Palliativmedizin in Onkologischen Zentren. 2011, aktualisiert 2023
22. Schweizerisches Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF). Programm Interdisziplinärer Schwerpunkt Palliativmedizin. Bern: SIWF; 2023
23. National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH). Complementary, Alternative, or Integrative Health: What’s in a Name? Bethesda: NCCIH; 2021
24. Schweizerische Eidgenossenschaft. Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999, Art. 118a Komplementärmedizin
25. Swiss Network for Integrative Oncology (SNIO). Mitgliedschaftskriterien. Zürich: SNIO; 2024
26. Baars EW, Hamre HJ. Whole medical systems versus the system of conventional biomedicine: a critical, narrative review of similarities, differences, and underlying philosophies. Integr Med Int. 2017;4:1–21
27. Stadt Zürich, Institut für Pflege Weiterbildung. Aromapflege – Kurs (Fortbildungsunterlagen). Zürich; [Jahr]
28. Romano AM, Gade KE, Nielsen G, Portenoy RK, Levin TT, Kissane DW, et al. Early palliative care reduces end-of-life intensive care unit admissions among advanced cancer patients. Cancer. 2017;123(15):2846-53
29. Balboni TA, Paulk ME, Balboni MJ, Phelps AC, Loggers ET, Wright AA, et al. Provision of spiritual care to patients with advanced cancer: associations with medical care and quality of life near death. J Clin Oncol. 2010;28(3):445-52
30. Wright AA, Zhang B, Ray A, Mack JW, Trice E, Balboni T, et al. Associations between end-of-life discussions, patient mental health, medical care near death, and caregiver bereavement adjustment. JAMA. 2008;300(14):1665-73
31. Mao JJ, Pillai GG, Andrade CJ, Ligibel JA, Basch EM, Cassileth BR, et al. Integrative oncology: addressing the global challenges of cancer prevention and treatment. CA Cancer J Clin. 2022;72(2):144-64
32. Mentink A, Wode K, Horneber M, Drozdoff L, Frenkel M, Huebner J. Effectiveness and safety of complementary and integrative medicine in oncology: An overview of systematic reviews. Support Care Cancer. 2023;31(5):310
33. Dona AC, Jewett PI, Hwee S, Brown K, Solomon M, Gupta A, Teoh D, Yang G, Wolfson J, Fan Y, Blaes AH, Vogel RI. Logistic burdens of cancer care: A qualitative study. PLoS One. 2024 Apr 4;19(4):e0300852.
34. Samuels N, Seely D, Ladas EJ, Torkelson C, Frenkel M, Deng G, et al. Integrative oncology for cancer-related pain: A comprehensive review and clinical practice recommendations. Healthcare (Basel). 2024;12(3):403
35. Nemesure B, Gu Y, Luta G, Goyal RK, Scroggins R, Ashing K, et al. Complementary, alternative, and integrative medicine use in cancer care: Patterns, perceptions, and implications. Support Care Cancer. 2025;33(1):96-108
36. Bange EM, Doucette A, Gabriel PE, Porterfield F, Harrigan JJ, Wang R, Wojcieszynski AP, Boursi B, Mooney BI, Reiss KA, Mamtani R. Opportunity Costs of Receiving Palliative Chemotherapy for Metastatic Pancreatic Ductal Adenocarcinoma. JCO Oncol Pract. 2020 Aug;16(8):e678-e687
37. Lee KL, Eniu A, Booth CM, MacDonald M, Chino F. Financial Toxicity and Breast Cancer: Why Does It Matter, Who Is at Risk, and How Do We Intervene? Am Soc Clin Oncol Educ Book. 2025 Jun;45(3):e473450
38. Narayan A, Lapen K, Dee EC, Thom B, Aviki EM, Chino F. Screening for Financial Toxicity and Health-Related Social Risks in Patients With GI Cancer: Results From a Large Cancer Center. JCO Oncol Pract. 2025 Jul 11:OP2500218
39. Ribi K, Kalbermatten N, Eicher M, Strasser F. Towards a novel approach guiding the decision-making process for anticancer treatment in patients with advanced cancer: framework for systemic anticancer treatment with palliative intent. ESMO Open. 2022 Jun;7(3):100496.
40. European Medicines Agency. Assessment report on Gentiana lutea L., radix. EMA; 2018.
41. Anthromedics. Basisartikel und Praxisempfehlungen: BAS-0365; diverse Praxiseinträge. https://www.anthromedics.org.
42. Simões-Wüst AP, Rist L, Dettling M, et al. Sleep quality improves during treatment with Bryophyllum pinnatum: an observational study in cancer patients. Integr Cancer Ther. 2015;14(5):452–9
43. Huber T, Twardella J, et al. Perceived changes in anxiety symptom burden during treatment with Bryophyllum pinnatum: a prospective, single-arm study. Pharmaceuticals (Basel). 2024;17(11):1423
44. Anthromedics. Praxisempfehlungen: PRA-1012, PRA-1024, PRA-0609, PRA-0969. https://www.anthromedics.org
45. Girke M. Innere Medizin: Grundlagen und therapeutische Konzepte der anthroposophischen Medizin. Berlin: Salumed Verlag; 2019
46. Loef M, Walach H. Quality of life in cancer patients treated with mistletoe: a systematic review and meta-analysis. BMC Complement Med Ther. 2020;20:227
47. Kienle GS, Kiene H, Albonico HU, Hamre HJ. Anthroposophische Medizin für Krebspatienten: eine systematische Übersicht. Integr Cancer Ther. 2013;12(1):34–48
48. Ben-Arye E, Samuels N, Frenkel M, et al. Mindful touch and movement in integrative oncology and palliative care. J Pain Symptom Manage. 2021;61(1):59–67
49. Anthromedics. Praxisempfehlung: PRA-0993 (Schafgarben-Leberwickel). https://www.anthromedics.org
50. Boehm K, Cramer H, Staroszynski T, Ostermann T. Arts therapies for anxiety, depression, and quality of life in breast cancer patients: a systematic review and meta-analysis. Evid Based Complement Alternat Med. 2014;2014:103297
51. Bosman J, Bood Z, Braam AW, et al. Art therapy for anxiety, depression and quality of life in adults: a systematic review and meta-analysis. Psychooncology. 2021;30(3):368–78
52. Anthromedics. Praxisempfehlungen: PRA-0609, PRA-0969 (Kunst- und Heileurythmie). https://www.anthromedics.org
53. Puchalski CM. Spirituality and end-of-life care: a time for listening and caring. J Palliat Med. 2001;4(4):663–9
54. Puchalski CM, Ferrell B, Virani R, et al. Improving the quality of spiritual care as a dimension of palliative care. J Palliat Med. 2009;12(10):885–904
55. Kröz M, Reif M, Glinz A, Zerm R, Girke M, Berger B. Validation of the Self Regulation Questionnaire (SRQ) in German cancer patients. Eur J Cancer Care. 2016;25(1):153–64
56. Kienle GS, Albonico HU, Baars E, Hamre HJ, Zimmermann P, Kiene H. Integrative Anthroposophic Medicine: A Qualitative Study. BMC Complement Altern Med. 2019;19:309
57. Kraft K. Phytotherapy for patients in palliative care. Z Phytother. 2013;34:176–80
58. Braun IM, Nayak MM, McGraw S, et al. Cannabis and cannabinoids in adults with cancer: ASCO guideline. J Clin Oncol. 2024;42(20):2337–57
59. Kleckner AS, Kleckner IR, Kamen CS, et al. Opportunities for cannabis in supportive care in cancer. Ther Adv Med Oncol. 2019;11:1758835919866362
60. Kirste S, Treier M, Wehrle SJ, et al. Boswellia serrata acts on cerebral edema in patients irradiated for brain tumors: randomized double-blind, placebo-controlled pilot trial. Cancer. 2011;117(16):3788–95
61. Ohmura K, Okajima M, Takikita-Sato M, et al. Peritumoral edema in gliomas: mechanisms and conservative treatments. Int J Mol Sci. 2023;24(18):13861.
62. Crichton M, Marshall S, Marx W, et al. Ginger for chemotherapy-induced nausea and vomiting: systematic review and meta-analysis. Nutr Rev. 2019;77(3):173–83
63. Choi J, Jang Y, Kim HE, et al. Effects of ginger intake on chemotherapy-induced nausea and vomiting: randomized double-blind trial. Nutrients. 2022;14(23):5100
64. Dold M, Aigner M, Lanzenberger R, Kasper S, Bartova L. Efficacy of oral lavender oil (Silexan) in anxiety disorders: meta-analysis. Front Psychiatry. 2023;14:1189848
65. European Medicines Agency, HMPC. Valerianae radix — EU herbal monograph. London: EMA; 2016
66. European Medicines Agency, HMPC. Passiflora incarnata L., herba — EU herbal monograph. London: EMA; 2014
67. European Medicines Agency, HMPC. Melissa officinalis L., folium — EU herbal monograph. London: EMA; 2013
68. https://www.ema.europa.eu/en/medicines/herbal/lupuli-flos
69. Kelber O, Bauer R, Kubelka W. Phytotherapy in Functional Gastrointestinal Disorders. Dig Dis 2017;35 Suppl 1:36-42.
70. Malfertheiner P. STW 5 (Iberogast) Therapy in Gastrointestinal Functional Disorders. Dig Dis 2017;35 Suppl 1:25-29.
71. Madisch A, Vinson BR, Abdel-Aziz H, et al. Modulation of gastrointestinal motility beyond metoclopramide and domperidone : Pharmacological and clinical evidence for phytotherapy in functional gastrointestinal disorders. Wien Med Wochenschr 2017;167:160-168.
72. Ghadjar P, Böhm I, Fehse T, et al. External application of yarrow liver compresses reduces fatigue during palliative radiotherapy: randomized clinical trial. Radiat Oncol. 2021;16:61
73. Candy B, Crone R, Varatharajan L, et al. Aromatherapy, massage and reflexology in palliative care: a systematic review. Palliat Med. 2020;34(2):179–94
74. Zhang F, Cheng L, Qin S, Wang L, Liu Y, Liu Y, Yang J, Fang S, An N, Zhang Y, Liu J. Effect of aromatherapy massage with lavender essential oil on sleep quality, pain, and mental and psychiatric disorders among breast cancer patients undergoing chemotherapy: a randomized controlled trial. Support Care Cancer. 2025 Jul 14;33(8):689.