Source Ladjevardi C. et al._Physical examinations and whole body imaging versus physical examinations alone during follow up after radical surgery of stage IIB C_Lancet Oncol 2025
Ageing of the general population is a major forthcoming challenge for all healthcare systems. Co-morbidities in geriatrics lead to the prescription of complex polymedications. Deprescribing is a decision-making process that limits the number of inappropriate drugs. Nevertheless, the patientāās perspective remains insufficiently studied. An extensive literature search of several databases identified nine studies up to May 2024 that met the criteria for inclusion. Four main themes have been identified around patientsāā perception of deprescription: 1) the relationship with the general practitioner, 2) the clinical aspects, 3) the psychosocial dimension and 4) the practical aspects. Several factors facilitating desprescribing from the patientāās perspective have been identified and can be exploited clinically. Keywords: Deprescribing, geriatrics, patient perceptions, shared decision-making
Lesions of the rotator cuff are a common cause of shoulder pain. The tendons of the rotator cuff undergo degenerative processes with increasing age, which makes it difficult to distinguish between traumatic and degenerative causes of tendon injuries. The Swiss population is covered by a compulsory accident insurance; thus, the differentiation of trauma and degeneration is important regarding responsibilities of the insurance providers. A detailed and structured documentation of all injury-related information at the first medical consultation, which frequently is conducted by general practitioners and emergency wards, is essential. To provide a reproducible template for this critical documentation, the shoulder and elbow expert group of Swiss Orthopaedics in collaboration with Suva created a shoulder trauma documentation form. The purpose of this article is to introduce, popularise and underline the importance of this form. Keywords: rotator cuff, shoulder injury, insurance medicine, fact sheet
Dr Stefan Loskeā1 med. pract. Peter Bülowā2 (shared first) Pr Andreas Müllerā3 Dr Josef Grabā2 Pr Samy Bouaichaā4 Pr Matthias Zumsteinā5 PD Dr Hannjƶrg Kochā2 Dr Thomas Meierā2 Shoulder and Elbow Expert Group of Swiss Orthopaedicsā6 Pr Claudio Rossoā1
1. Urwin M, Symmons D, Allison T, Brammah T, Busby H, Roxby M, et al. Estimating the burden of musculoskeletal disorders in the community: the comparative prevalence of symptoms at different anatomical sites, and the relation to social deprivation. Ann Rheum Dis. 1998;57(11):649-55.
2. Mitchell C, Adebajo A, Hay E, Carr A. Shoulder pain: diagnosis and management in primary care. BMJ (Clinical research ed). 2005;331(7525):1124-8.
3. Kuijpers T, van der Windt DAWM, van der Heijden GJMG, Bouter LM. Systematic review of prognostic cohort studies on shoulder disorders. PAIN. 2004;109(3):420-31.
4. Yamamoto A, Takagishi K, Osawa T, Yanagawa T, Nakajima D, Shitara H, et al. Prevalence and risk factors of a rotator cuff tear in the general population. Journal of shoulder and elbow surgery. 2010;19(1):116-20.
Mit der ersten Ausgabe im neuen Jahr richten wir den Blick nach vorn und freuen uns, Ihnen über weitere Einsitznahmen von engagierten Kolleginnen und Kollegen in unsere Boards informieren zu können. Denn die Qualität und Praxisnähe unseres Hefts sind abhängig von Personen, die Themen mitdenken, Schwerpunkte setzen und ihre fachlichen Perspektiven einbringen.
Besonders freut es uns, dass unser HausƤrzte-Board mit Frau Dr. med. Rahel Stolz von Moos verstƤrkt wird. Sie bringt als leidenschaftliche HausƤrztin ihre Erfahrung aus dem Blickwinkel ihrer lƤndlichen Hausarztpraxis am Bahnhof Cazis/GR ein, wo sie als Leitende Ćrztin und Mitglied der GeschƤftsleitung die medizinische Leitung verantwortet. In ihrer Praxis, die mittlerweile ein sechskƶpfiges Ćrzteteam umfasst und interprofessionell arbeitet, steht die medizinische Grundversorgung im Zentrum ā genau an dem Ort, wo unsere Fortbildungsthemen ihren Ursprung haben. Denn unser HausƤrzte-Board bestimmt, welche Inhalte Sie hier monatlich lesen: aus der Praxis, für die Praxis. Mit Frau Dr. Rahel Stolz von Moos aus dem Bündnerland wird die lƤndlich geprƤgte Hausarztmedizin authentisch vertreten sein.
Auch unser Editorialboard wƤchst: Mit Prof. Dr. med. Reinhard Dummer, Dr. med. Andrea Rosemann und Prof. Dr. med. Philipp Schütz gewinnen wir drei profilierte Persƶnlichkeiten, die unser Heft fachlich weiter stƤrken. Prof. Reinhard Dummer ist Professor an der UniversitƤt Zürich und Leiter des Hautkrebszentrum, Kantonsspital Aarau. Als ausgewiesener Experte im Bereich Hautmalignome ā insbesondere Melanome ā bringt er umfassende klinische und wissenschaftliche Erfahrung ein. Dr. Andrea Rosemann, FachƤrztin für Kardiologie, Angiologie und Innere Medizin, leitet die Guidelines für Grundversorger am Departement für Innere Medizin, UniversitƤtsspital Zürich, und steht damit für Orientierung und Umsetzbarkeit im klinischen Alltag. Prof. Philipp Schütz, Internist und Endokrinologe mit Schwerpunkt klinische ErnƤhrungsmedizin, leitet am Kantonsspital Aarau die Medizinische UniversitƤtsklinik sowie zentrale Bereiche der Allgemeinen Inneren Medizin und Hausarztmedizin und ist national wie international bestens vernetzt.
Wir freuen uns, zusammen mit den neuen Boardmitgliedern voll motiviert ins neue Jahr zu starten: nah an der Praxis, breit abgestützt in der Expertise und mit dem klaren Ziel, Ihnen Inhalte zu liefern, die im Alltag wirklich weiterhelfen.
Wir wünschen Ihnen einen guten Start ins Jahr und eine anregende Lektüre.
Dr. med. Christian HƤuptle
Medizinische Leitung
Eleonore E. Droux
Verlegerin und GeschƤftsinhaberin
35ā878 Probanden (Alter über 50 Jahre, kein klinischer Verdacht auf Krebs und keine Krebsdiagnose oder Krebsbehandlung in den vorangegangenen 3 Jahren) wurden in die Studie aufgenommen. Von 23ā161 auswertbaren Probanden mit einer Nachbeobachtungszeit von 12 Monaten wiesen 216 (0.93ā%) einen positiven Galleri-Test auf, ein Multi-Cancer Early Detection (MCED)-Test des US-Unternehmens Grail, der charakteristische Methylierungsmuster in zellfreier DNA (cfDNA) aus dem Blut analysiert. Das Methylierungsmuster von Tumorzellen weicht von dem gesunder Zellen ab und ist zudem krebsartspezifisch (zum Beispiel Lunge, Darm, Leber). Mittels Künstlicher Intelligenz (KI) kann der MCED-Test ableiten, ob ein Krebssignal vorliegt und aus welchem Organ es vermutlich stammt. Bei positivem Test erfolgte eine gezielte Diagnostik anhand des vom Test vermuteten Ursprungsorts (Cancer Signal Origin, CSO).
Die SpezifitƤt betrug 99.6ā%; der positive prƤdiktive Wert (PPV) betrug 61.6ā%. Die Genauigkeit der ersten CSO-Vorhersage betrug 91.7ā%. Die SensitivitƤt wƤhrend der 12-monatigen Nachuntersuchung betrug 73.7ā% in einer vorab festgelegten Untergruppe von 12 Krebsarten, die für zwei Drittel der KrebstodesfƤlle in den USA verantwortlich sind, und 40.4ā% bei allen Krebsarten.
Von 329 Probanden mit Krebs hatten 200 durch Vorsorgeuntersuchungen entdeckte Krebserkrankungen: 133 durch MCED-Tests (114 neue PrimƤrtumoren; 19 Rezidive), 20 durch United States Preventive Services Task Force (USPSTF) A/B (beispielsweise Mammografie, Koloskopie, Low-dose-Lungen-CT oder Zervixabstrich) und 47 durch USPSTF C (z. B. PSA-Screening) empfohlene Vorsorgeuntersuchungen. Von den 133 durch MCED erkannten Krebserkrankungen (MCED-Krebserkennungsrate: 0.57ā%) gibt es für 75.2ā% keine gƤngigen Screening-Optionen. Von den 114 durch MCED erkannten neuen PrimƤrtumoren befanden sich 53.5ā% im Stadium IāII und 69.3ā% im Stadium IāIII. Die mediane Zeit bis zur Diagnosestellung betrug 46 Tage (IQR 42ā59).
Von 25ā114 Probanden im Sicherheitskollektiv hatten 159 (0.6ā%) einen protokollbedingt veranlassten invasiven diagnostischen Eingriff. Invasive Eingriffe waren bei Probanden mit Krebsdiagnose etwa doppelt so hƤufig wie bei jenen, bei denen sich der Verdacht aufgrund eines positiven MCED-Tests nicht bestƤtigte.
Fazit:In dieser PATHFINDER-2-Studie führte ein Bluttest, der epigenetische Veränderungen in zellfreier DNA (cfDNA) erkennt, zu einer fast 7-fach höheren Zahl entdeckter Krebserkrankungen zusätzlich zu den etablierten Vorsorgeuntersuchungen (USPSTF A/B) in den USA. Die Zahl stieg um das Dreifache, wenn der MCED-Test zusätzlich zu den von der USPSTF A/B/C empfohlenen Früherkennungsuntersuchungen durchgeführt wurde.
Der positive Vorhersagewert von über 60ā% liegt für ein Screeningverfahren aussergewƶhnlich hoch, verglichen beispielsweise mit der Mammografie oder der Low-Dose-Computertomografie zur Lungenkrebsfrüherkennung mit Werten im einstelligen bis niedrig zweistelligen Prozentbereich.
Die meisten durch den MCED-Test entdeckten neuen Primärtumoren befanden sich im Frühstadium.
Hinsichtlich des Sicherheitsprofils waren die unnƶtigen invasiven Eingriffe selten.
Insgesamt sprechen aus medizinischer Sicht die Ergebnisse für den Einsatz des MCED-Tests für Vorsorgeuntersuchungen in der über 50-jƤhrigen Bevƶlkerung. Hingegen besteht aus gesundheitsƶkonomischer Sicht eine Skepsis, da bei einem Preis von knapp 1000 US-Dollar pro Test rechnerisch Kosten von etwa 174ā000 US-Dollar pro zusƤtzlich diagnostiziertem Krebsfall entstehen.
Einschränkend muss gesagt werden, dass es sich hier nur um ein Kongress-Abstract und nicht um eine peer-reviewed Publikation handelt. Mit Spannung können die Resultate der von den Autorinnen angekündigten 3-Jahres-Nachbeobachtung erwartet werden.
KD Dr. med. Marcel Weber
Literatur
Nabavizadeh N. et. al. Safety and performance of a multi-cancer early detection (MCED) test in an intended-use population: Initial results from the registrational PATHFINDER II study. ESMO Congress 2025 (Abstract LBA64). https://cslide.ctimeetingtech.com/esmo2025/attendee/confcal/show/session/109
Welche HerzgerƤusche geben Anlass zur Besorgnis?
In einer alternden, medizinisch gut versorgten Bevölkerung findet man einen linearen Anstieg von Herzklappenerkrankungen. Diese werden immer noch zu selten diagnostiziert und behandelt. Seit 210 Jahren haben wir das Stethoskop zur Diagnose und Differenzierung von Herzgeräuschen. Ende letztes Jahrhundert wurde der Auskultation neben der Inspektion, Palpation und Perkussion noch grosse Bedeutung beigemessen und unzählige Publikationen und Fachbücher veröffentlicht. Mit der zunehmenden Verbreitung der Echokardiographie fehlt heute leider bei vielen Medizinern das Interesse an und die Expertise für diese wichtige klinische Untersuchungsmethode. Daher ist diese grosse Bevölkerungsstudie besonders interessant.
Die Herzauskultation (hier elektronisch verstƤrkte Aufzeichnungen an vier Lokalisationen) durch drei Allgemeinmediziner und einen Kardiologen ergab in einer norwegischen Bevƶlkerungsstudie von 2015-2016 mit 2131 Probanden ā„40 Jahre (durchschnittlich 64 Jahre, 54% Frauen) bei fast einem Viertel aller Personen (23%) ein HerzgerƤusch. ZusƤtzlich lag bei allen eine Echokardiographie vor (1). Etwa eine von fünf Personen (19%) hatte im Echo eine oder mehrere relevante Herzklappenerkrankung(en) (HKE: milde bis schwere AS 45x, moderate bis schwere MI 286x, AI 148x, MS 3x; 79x >1 Klappe). Die Auskultation wies bei einem deutlichen Systolikum eine hohe SpezifitƤt, aber eine begrenzte SensitivitƤt (35,5%) für die Diagnose einer HKE auf. Die einzige Klappenerkrankung, bei der die Auskultation eines Systolikums eine hohe SensitivitƤt von 100% aufwies, war die Aortenklappenstenose. Eine limitierte SensitivitƤt fand man bei einer AI (43%) und bei einer MI (29%). Ein Diastolikum wurde nur in neun FƤllen einer AI registriert ā dann besteht eine sehr hohe SpezifitƤt. In vielen FƤllen sind HerzgerƤusche aber benigne (akzidentell/funktionell) und nicht mit einer HKE assoziiert.
MƤnnliches Geschlecht, hƶheres Alter (ā„70 Jahre), und ein früherer Myokardinfarkt erhƶhten deutlich die Wahrscheinlichkeit (OR: 3,3; 2,0; 2,3) einer HKE bei Personen mit einem HerzgerƤusch ā PPV 67%. Bei einer Frau <70 Jahre ohne Myokardinfarkt in der Anamnese besteht ein PPV (positiver prƤdiktiver Wert) von lediglich 10% für eine HKE. Frauen hatten in dieser Studie mehr HerzgerƤusche als MƤnner.
Die Herzauskultation kann laut der Erstautorin ein wertvoller und auch kosteneffektiver erster Schritt sein, speziell bei einer AS, diese sollte jedoch bei Personen mit hohem Risiko für eine HKE durch eine Echokardiographie ergänzt werden.
So können auch das Interesse an und die Expertise für die körperliche Untersuchung verbessert werden.
SekundƤr ist die multimodale Bildgebung heute unverzichtbar für die Diagnose und Behandlung von Herzklappenerkrankungen, insbesondere für die Beurteilung der Pathophysiologie und des Schweregrads (2ā5).
Dr. med. Urs Dürst
Literatur
1. Davidsen AH, et al. Heart 2025;0:1ā8. doi:10.1136/heartjnl-2024-325499
2. Narula J et al., Time to Add a Fifth Pillar to Bedside Physical Examination: Inspection, Palpation, Percussion, Auscultation, and Insonation. JAMA Cardiol 2018;3:346ā350 doi:10.1001/jamacardio.2018.000
3. MSD-Manual, https://www.msdmanuals.com/de/profi/herz-kreislauf-krankheiten/untersuchung-des-herzpatienten/auskultation-des-herzens
4. Franke P, Allgemeine und spezielle Auskultation des Herzens, J.F. Bergmann Verlag München 1984
5. Praz F et al., 2025 ESC/EACTS Guidelines for the management of valvular heart disease, European Heart Journal (2025) 46, 4635ā4736 https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehaf194