Journal Watch von unseren Experten

Einfluss der Vitamin-D-Supplementierung auf die Muskelkraft nach chirurgischen Eingriffen

Vitamin D spielt eine zentrale Rolle für die Gesundheit des muskuloskelettalen Systems. Zunehmend rückt dabei auch seine Bedeutung für die Muskelfunktion in den Fokus. Während die positiven Effekte von Vitamin D auf die Knochengesundheit im prä- und postoperativen Kontext gut belegt sind, ist der Einfluss einer Supplementierung auf die postoperative Muskelregeneration bislang nur unzureichend erforscht.
Die vorliegende systematische Übersichtsarbeit fasst die aktuellen Erkenntnisse zur Wirkung einer Vitamin-D-Supplementierung auf die Erholung und Kraftentwicklung der Muskulatur nach operativen Eingriffen zusammen.

Methoden: Die Analyse wurde nach den PRISMA-Richtlinien durchgeführt und bei PROSPERO registriert. Eine systematische Recherche in den Datenbanken PubMed, EMBASE und Cochrane umfasste alle bis zum 15. Januar 2025 veröffentlichten Studien. Eingeschlossen wurden Untersuchungen, die den Effekt einer Vitamin-D-Supplementierung auf die Muskelkraft im Zusammenhang mit chirurgischen Eingriffen evaluierten.

Erhoben wurden Studiendesign, Patientendemografie, Dosierung und Zeitpunkt der Vitamin-D-Gabe sowie die gemessenen Endpunkte.

Ergebnisse: Von insgesamt 701 identifizierten Publikationen erfüllten zehn die Einschlusskriterien. Die Auswertung zeigt, dass eine Vitamin-D-Supplementierung, insbesondere hochdosierte Gaben vor oder kurz nach einem Eingriff, die Muskelkraft und funktionellen Ergebnisse signifikant verbessern kann. Dies gilt vor allem für orthopädische Operationen wie Hüft- und Knieprothesen sowie für bariatrische Eingriffe. Der Nutzen war abhängig vom Operationstyp, den Ausgangswerten des Vitamin-D-Spiegels und dem jeweiligen Supplementierungsschema. Die grosse Heterogenität der Dosierungen und das Fehlen langfristiger Nachbeobachtungen schränken jedoch die Aussagekraft der Daten ein.

Schlussfolgerungen: Eine gezielte Vitamin-D-Supplementierung könnte die postoperative muskuläre Regeneration und die funktionellen Ergebnisse günstig beeinflussen. Entscheidend ist dabei ein individualisiertes Vorgehen, das sich an den spezifischen Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten sowie an der Art des chirurgischen Eingriffs orientiert. Zukünftige Studien sollten sich auf die Bestimmung optimaler Dosierungsstrategien konzentrieren und die langfristigen Effekte auf Erholung, Mobilität und Lebensqualität untersuchen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

Quellen
Wang Jja-Dong. The Role of Vitamin D Supplementation in Enhancing Muscle Strength Post-Surgery: A Systemic Review. Nutrients 2025; 17:1512. doi: 10.3390/nu17091512

Keine Wirkung von Cannabidiol bei Fibromyalgie

Von 273 Patientinnen und Patienten mit Fibromyalgie einer spezialisierten Ambulanz in Dänemark wurden 200 Patientinnen und Patienten (Alter 50 Jahre, 95 % Frauen, verheiratet 63 %, BMI 29 mg/kg2, Schmerzniveau in den letzten sieben Tagen VAS 7) in dieser monozentrischen, doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Studie entweder mit pflanzlichem Cannabidiol (CBD) Tabletten 50 mg täglich (n = 100) oder Placebo (n = 100) behandelt. In Woche 24 betrug die mittlere Veränderung der Schmerzintensität –0.4 Punkte (95 % CI: –0.82 bis 0.08) in der CBD-Gruppe und –1.1 Punkte (95 % CI: –1.53 bis –0.63) in der Placebogruppe, was einer Differenz zwischen den Gruppen von –0.7 Punkten (95 % CI: –1.2 bis –0.25; p = 0.0028) zugunsten des Placebos entspricht. Als sekundäre Endpunkte ergab beispielsweise die Selbsteinschätzung der Aktivitäten des täglichen Lebens –0.12 vs. –0.10 (p = 0.91), und auch die übrigen Parameter differierten nicht signifikant, ausser die Lebensqualität (EQ5D global) 0.20 vs. 6.50 (p = 0.012), welche mit Placebo günstiger abschnitt als mit CBD. Die unerwünschten Ereignisse waren im Allgemeinen mild und gleichmässig auf die Gruppen verteilt.

Fazit: Nicht unerwartet bei Schmerztherapieversuchen mit Cannabis zeigt sich auch in dieser methodisch sorgfältigen Studie bei Patientinnen und Patienten mit Fibromyalgie, dass Cannabidiol nicht nur wirkungslos, sondern sogar statistisch signifikant (wenn auch klinisch nicht relevant) einer Placebotablette unterlegen war.

KD Dr. med. Marcel Weber

Quellen
Uggen Rasmussen M. et. al. Cannabidiol versus placebo in patients with fibromyalgia: a randomised, double-blind, placebo-controlled, parallel-group, single-centre trial. Ann Rheum Dis 2025 Aug 21:S0003-4967(25)04238-4. doi: 10.1016/j.ard.2025.07.008. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40846590/

Ohne Praxis keine Zukunft: Ärztliche Weiterbildung im Umbruch

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Mit der Schliessung von kleineren und mittleren Spitälern, vornehmlich Landspitäler, und der politisch gewollten Verlagerung von der stationären Medizin in den ambulanten Bereich wird auch die Weiterbildung der jungen Kolleginnen und Kollegen beeinflusst. Bis jetzt wird der Grossteil der ärztlichen Weiterbildung in den Spitälern geleistet. Durch das Wegfallen der kleineren Spitäler verschwinden zunehmend die interessanten Weiterbildungsstellen in allgemeiner Innerer Medizin und auch solche in den «kleinen Fächern» wir Allgemeine Chirurgie, welche wegen medizinischer Vielfältigkeit und ihrer Praxisnähe besonders bei angehenden Hausärztinnen und Hausärzten beliebt sind. Noch gibt es genug stationäre Stellen in Allgemeiner Innerer Medizin, aber diese Angebote sind oft in einer Fachspezialität zu finden oder sie liegen nicht in der gewünschten Nähe. Der Trend in die ambulante medizinische Versorgung und somit auch die Verlagerung der Weiterbildung in den ambulanten Bereich ist klar. Für andere Fachdisziplinen gilt ähnliches: mit der Ausrichtung der Gesundheitsversorgung von stationär zu ambulant wir auch hier die Weiterbildung teilweise in den ambulanten Bereich verschoben.

Für die Hausarztmedizin ist dies nichts Neues; im Gegenteil. Genuin hausärztliches Wissen und Können kann nur in der Hausarztpraxis gelernt und erworben werden. Seit Jahren wird die Praxisassistenz als anerkannte Weiterbildung zur Fachärztin-Facharzt Allgemeine Innere Medizin angeboten. In der Schweiz stehen gut 320 Praxisassistenzstellen für die AIM und etwas über 50 Stellen für die Kinder -und Jugendmedizin zur Verfügung. Eigens für diese Tätigkeit ausgebildete Lehrärztinnen und Lehrärzte garantieren eine qualitativ einwandfreie Weiterbildung. Und das Interesse an der Lehrtätigkeit ist gross:1793 Personen haben von 2016-2024 an den Lehrärztekursen teilgenommen.

Neben der medizinisch -didaktischen Kompetenz, welche für eine Lehrarzttätigkeit notwendig ist, wird natürlich das medizinische Fachwissen, welche à jour sein sollte, vorausgesetzt. Das betrifft alle Hausärztinnen und Hausärzte, gilt aber insbesondere für Lehrkräfte. Neben den Fortbildungsangeboten der Fachgesellschaften und anderen Fortbildungsveranstaltungen nimmt das Selbststudium einen wichtigen Platz im lebenslangen Lernen ein. Hier ist das Angebot – ob Print oder online- riesig und selbstredend ist auch die Qualität sehr divers. Oft ist in diesen Printmedien oder online-Angeboten nicht ersichtlich, aus welcher Feder ein Artikel stammt, wer hinter einer «neuen» Empfehlung steht und ob das Gesagte oder Geschriebene wissenschaftlich wirklich erhärtet ist und wer für die gemachten Informationen verantwortlich ist.

In unserer Zeitschrift schreiben Ärztinnen und Ärzte für Ärztinnen und Ärzte- für Sie- seien Sie noch in der Weiterbildung oder in der Fortbildung. Die Autorinnen und Autoren arbeiten in unseren Spitälern, Kliniken, Praxen und Instituten. Sie kennen die Besonderheiten der «helvetischen Medizin» und des Gesundheitswesens. Sie Schreiben über relevante Themen der Hausarztmedizin, welche auf einem wissenschaftlich begründet sind und unterschreiben ihren Artikel mit ihrem Namen. So soll es bleiben. Dies ist unser Beitrag an die ärztliche Weiter- und Fortbildung.

Dr. med. Christian Häuptle

Otmarweg 8, 9200 Gossau

haeuptle@hin.ch

Quels vaccins pour les personnes ≥ 65 ans?

Avec le vieillissement de la population, chaque médecin sera amené à prendre en charge des patients plus âgés, à risque accru de développer des formes sévères d’ infection et de décompenser des comorbidités telles l’ insuffisance cardiaque ou les maladies pulmonaires chroniques; des mesures de prévention sont donc indispensables. La vaccination constitue une des stratégies les plus efficaces. Dès l’ âge de 65 ans, plusieurs vaccins sont recommandés. Entre la grippe, le COVID-19, le zona, les pneumocoques, le tétanos et le virus respiratoire syncytial, il n’ est pas toujours facile de s’ y retrouver. Cet article propose aux cliniciens des outils pratiques et des recommandations pour améliorer la couverture vaccinale de leurs patients âgés de 65 ans et plus.

With the aging of the population, every healthcare worker will take care of older patients, who are at higher risk of developing severe infections and decompensation of their comorbidities. Preventive measures are therefore essential, and vaccination is one of the most effective strategies. From the age of 65, several vaccines are recommended. With influenza, COVID-19, shingles, pneumococcus, tetanus, and respiratory syncytial virus, it can be confusing. This article provides clinicians with practical tools and recommendations to help improve vaccine coverage among patients aged 65 and older.
Keywords: Vaccine-preventable diseases, Vaccination recommendations, prevention, gerontology, Vaccine hesitancy

Introduction

La population âgée de 65 ans et plus est en augmentation (1). Selon l’ Organisation Mondiale de la Santé (OMS), un vieillissement en bonne santé repose sur le maintien « des capacités fonctionnelles permettant le bien-être à un âge avancé » (2). La vaccination constitue une mesure préventive sûre et efficace qui contribue à cet objectif. Les personnes de plus de 65 ans ont un risque accru d’ infections sévères avec des complications cardio-respiratoires, neurologiques et une perte d’ autonomie (3). L’ Office Fédérale de la Santé Publique (OFSP) actualise tous les ans le plan de vaccination dont une partie est spécifiquement destinée à cette tranche de la population (4). Pourtant, la couverture vaccinale y reste faible alors qu’ elle est essentielle pour prévenir des maladies graves dans cette population vulnérable. Cet article fournit aux cliniciens et cliniciennes des outils pratiques pour la vaccination des ≥ 65 ans et réactualise les données sur les vaccins conjugués antipneumococciques (PCV) et ceux contre le virus respiratoire syncytial (VRS).

Quels vaccins pour la personne de ≥ 65 ans?

Le système immunitaire évolue au cours de la vie. L’ immunosénescence est caractérisée par des modifications en nombre et en qualité des cellules immunitaires innées et adaptatives en lien avec le vieillissement, comme: une diminution du nombre de cellules B et T naïves, une diminution de la production d’  anticorps et une augmentation de la production de cytokines pro inflammatoires. Un état d’ inflammation chronique de bas grade, appelé «inflammaging», peut ainsi apparaitre et persister. Ces modifications du système immunitaire augmentent le risque de complication en cas d’ infection et réduisent les réponses vaccinales (5, 6). Même si l’ efficacité des vaccins peut être réduite dans cette population, elle permet de diminuer la sévérité de la maladie et de limiter les hospitalisations, les complications et la mortalité (7).
Les vaccins recommandés dès 65 ans, selon le plan de vaccination de 2025, sont résumés dans le Tab. 1 (4).

Vaccins contre la grippe saisonnière

Les personnes de 65 ans et plus infectées par le virus de la grippe sont à risque de développer des complications pulmonaires mais aussi extra-pulmonaires. Chaque année, le vaccin est actualisé si nécessaire selon les souches virales en circulation. Son efficacité varie en fonction de l’ âge, des comorbidités mais aussi selon la correspondance entre les souches vaccinales sélectionnées et celles en circulation (8). Pour améliorer la réponse immunitaire chez les personnes âgées, un vaccin à haute dose (HD) contenant quatre fois plus d’ antigène hémagglutinine qu’ un vaccin standard est disponible. Il renforce l’ immunogénicité et réduit d’ environ 15 % le risque d’ hospitalisation liée à la grippe chez les ≥ 65 ans par rapport au vaccin à dose standard (9, 10). Le vaccin antigrippal a pour but d’  éviter les formes sévères de l’ infection, les hospitalisations, les complications mais également de limiter les événements cardiovasculaires et la mortalité (3). En Suisse, le vaccin HD est remboursé chez les personnes ≥ 75 ans et les personnes ≥ 65 ans avec facteurs de risque (Tab. 1). Les vaccins contre la grippe sont sûrs et bien tolérés. En moyenne, 1 personne sur 2 présente des réactions locales (douleur au site d’ injection, rougeur localisée, gonflement ou induration) et 1 personne sur 3 présente des signes généraux (myalgies, fièvre, etc.).

Vaccin contre le COVID-19

Le SARS-CoV-2 circule toujours. En Suisse, la vaccination contre le COVID-19 est recommandée 1x/an à l’ automne pour les personnes âgées de 65 ans et plus (4). La vaccination réduit les risques de formes sévères, d’ hospitalisations, de complications et de décès, mais la protection contre l’ infection et la transmission reste très faible. Selon une étude cas-témoins en Angleterre, l’ efficacité contre les hospitalisations est maximale durant le premier mois (environ 50 %), puis diminue progressivement (jusqu’ à environ 13 %) (11). Cela souligne l’ importance d’ une revaccination annuelle chez les personnes âgées. Les vaccins sont bien tolérés dans cette population. Les effets indésirables, similaires à ceux du vaccin contre la grippe, sont généralement bénins et transitoires. L’ administration de plusieurs doses semble réduire le risque de développer un COVID long (12).

Vaccin contre le Zona

Le zona est lié à la réactivation du virus varicelle-zona (VZV) et se manifeste généralement par une éruption vésiculeuse. Le risque de réactivation du VZV augmente avec l’ âge: une personne sur trois développera un zona au cours de sa vie et une personne sur deux après 85 ans (13). La complication la plus fréquente est la névralgie post-zostérienne, qui peut entrainer une polymédication, une dépression et une perte d’ autonomie. Des complications ophtalmologiques et neurologiques peuvent également survenir (14). Le vaccin recombinant contre le zona (RZV) composé de la glycoprotéine E du VZV (gE) et l’ adjuvant AS01B est administré en deux doses, à un intervalle de 2 à 6 mois. Il réduit de 87 % le risque de névralgie post-zostérienne et 78 % celui de zona ophtalmique (15). L’ efficacité est bien plus faible après une seule dose (15, 16), d’ où l’ importance d’ informer les patients sur la nécessité des deux doses. Le RZV peut être administré après un épisode de zona, dès les lésions cutanées cicatrisées. Son efficacité pour prévenir un épisode de zona persiste dans le temps (70–84 %) sans différence significative selon l’ âge (17,18). Les effets secondaires comme la douleur au site d’ injection, les myalgies, et la fatigue sont fréquents, généralement d’ intensité légère à modérée et transitoires (19). Il est important d’ informer les patients de ces effets secondaires et de les rassurer: une réaction après la première injection ne signifie pas qu’ ils en auront une après la deuxième, et inversement.

Vaccins contre le tétanos, la diphtérie (+/– la coqueluche, +/– la poliomyélite)

Il existe uniquement des vaccins contre le tétanos-diphtérie combinés à la coqueluche et/ou à la poliomyélite. A partir de 65 ans, un rappel contre le tétanos tous les 10 ans est recommandé. En cas d’ exposition aux nourrissons, un vaccin incluant la coqueluche est préconisé. En cas de voyage dans un pays à risque, un vaccin protégeant contre la poliomyélite est indiqué.

Les nouveautés

Vaccins conjugués antipneumococciques

Plus de 100 sérotypes de Streptococcus pneumoniae ont été identifiés et certains sont associés à des maladies invasives comme des bactériémies ou des méningites. L’ incidence et la mortalité des infections invasives à S. pneumoniae touchent principalement les enfants de moins de 5 ans et les adultes de plus de 65 ans (20). Chez ces derniers, une infection à pneumocoques peut entrainer des complications cardiovasculaires, pulmonaires et une perte d’ autonomie. Les vaccins conjugués antipneumococciques (PCV) ont été développés afin d’ améliorer l’ immunogénicité et prolonger la durée de protection (21). Contrairement aux vaccins polysaccharidiques, les PCV associent les polysaccharides à une protéine porteuse, permettant une immunité mémoire et des anticorps à haute affinité (22). En raison de la couverture des sérotypes restreinte des premiers PCV, certains pays ont continué d’ utiliser le vaccin polysaccharidique 23-valent, parfois en l’ administrant après une dose de PCV-13. L’ arrivée des PCV à valence plus élevée (PCV-15, PCV-20) élargit désormais les options. Le Tab. 2 illustre les dix sérotypes de pneumocoques les plus fréquemment responsables d’ infections invasives (IIP) chez les personnes ≥ 65 ans en Europe ainsi que leur couverture par les PCV selon les données du centre Européen de prévention et de contrôle des maladies (ECDC). En Europe, la couverture des sérotypes responsables d’ IIP chez les ≥ 65 ans est d’ environ 33 % pour le PCV13, 43 % pour le PCV15 et 56.7 % pour le PCV-20 (23). Un PCV-21, conçu pour mieux couvrir les sérotypes responsables de maladies invasives chez les personnes âgées, a déjà reçu l’ autorisation de la FDA et de l’ EMA. Il est en cours d’ évaluation par Swissmedic. Ces nouveaux vaccins permettent une meilleure protection que le PPSV-23.

En Suisse, il est recommandé de vacciner les personnes de ≥ 65 ans avec le PCV-15 ou le PCV-20. En cas de vaccination antérieure avec le vaccin polysaccharidique ou PCV-13, une vaccination peut être réalisée un an après le rappel. Attention, si un PCV-13 a été administré à 65 ans ou plus et pris en charge par l’ assurance de base, cette dernière ne remboursera pas le nouveau PCV. Les vaccins conjugués sont sûrs et bien tolérés. Chez les personnes de plus de 65 ans, l’ effet indésirable le plus fréquent est l’ érythème au site d’ injection (30 %), suivi d’ un gonflement localisé (18 %), de la douleur au point d’ injection et de la fatigue.

Vaccins contre le Virus Respiratoire Syncytial

Le VRS est responsable d’ infections respiratoires, allant de simples infections des voies respiratoires supérieures à des infections sévères, potentiellement mortelles, des voies respiratoires inférieures. Il peut aussi entraîner des complications cardiovasculaires ou aggraver certaines comorbidités. Les symptômes cliniques du VRS sont similaires à ceux d’ autres virus respiratoires. Les hospitalisations concernent principalement les adultes avec des pathologies sous-jacentes telles que l’ asthme, la bronchopneumonie chronique obstructive (BPCO) ou l’ insuffisance cardiaque congestive (24).

Trois vaccins contre le VRS sont autorisés et disponibles en Suisse : Abrysvo®, vaccin non adjuvanté contenant la protéine de surface pré-fusion RSVPreF des deux sous-types de VRS (A et B); Arexvy®, vaccin adjuvanté contenant la protéine de surface pré-fusion RSVpreF3 du sous-type de VRS A2 et l’ adjuvant AS01E. Il s’ agit du même adjuvant que dans le Shingrix® mais à mi-dose; et mRESVIA®, vaccin à ARNm codant pour la protéine de surface pré-fusion RSVpreF du sous-type A, encapsulé dans des nanoparticules. Les études de phase 3 n’ ont pas choisi les mêmes critères d’ évaluation ce qui ne permet pas leur comparaison. Leur efficacité contre les infections des voies respiratoires inférieures semble cependant similaire avec un profil de tolérance acceptable (25–27). Une étude aux États-Unis chez les ≥ 60 ans a montré une efficacité vaccinale de 80 % (IC 95 %: 71–85) contre les hospitalisations associées au VRS (28).

En Suisse, ces trois vaccins sont recommandés pour les personnes de 75 ans et plus et de 60–74 ans avec facteurs de risque (Tab. 1). Ils ne sont pas encore remboursés par l’ assurance de base pour cette population. Les données actuelles montrent une durée d’ efficacité d’ au moins 2 saisons après la vaccination avec ces vaccins (29–31). Il n’ est pour le moment pas recommandé d’ effectuer de dose supplémentaire.

Questions – réponses concernant la pratique de la vaccination

Quand et comment vacciner?

La Fig. 1 reprend les aspects pratiques de la vaccination en termes de modalités d’ injection, de délai entre chaque vaccin et de précautions/contre-indications. La co-administration est sûre et efficace (32). Elle n’ entraine pas plus d’ effets secondaires. Une mise à jour vaccinale peut être réalisée le même jour ou être étalée dans le temps à la convenance des patients et du praticien. Il n’ est jamais trop tard pour mettre à jour les vaccins pour son/sa patient(e).

Les patient(e)s immunodéprimé(e)s en raison de leur pathologie sous-jacente ou des traitements immunosuppresseurs qu’ils reçoivent sont plus à risque de développer des infections et ont une moins bonne réponse humorale aux vaccins (33). Le suivi de la réponse immunitaire pour des vaccins tels que les pneumocoques et le tétanos peut guider les vaccinations ultérieures (doses de rappel, utilisation de doses élevées). Cette analyse est réalisable au laboratoire de vaccinologie des HUG. Les vaccins vivants atténués sont contre-indiqués sous immunosuppression en raison du risque de maladie vaccinale.

Quels outils pour y penser?

Le manque de connaissance, le manque de temps du personnel de santé pour la prévention, l’ absence de documentation de l’ anamnèse vaccinale, la vaccino-hésitance des patients et des soignants, la diffusion de fausses informations, le coût et l’ accès à certains vaccins sont des exemples de freins à la vaccination.

Soutenue par l’ OFSP, la plateforme Infovac (www.infovac.ch) est composée d’ un réseau d’ experts en vaccination qui fournit des informations régulièrement mises à jour sur les maladies à prévention vaccinales et un service de réponses aux questions sur la vaccination aux abonnés.
Encourager les patients à compléter leur carnet de vaccination est un moyen d’ améliorer la documentation. Certains dossiers personnalisés informatiques ont un endroit spécifique pour rapporter les vaccinations. Identifier de manière systématique les patients non à jour et mettre en place des protocoles de vaccination facilitent la mise à jour vaccinale (34). Tous les professionnels de santé, y compris en intra hospitalier, jouent un rôle pour lutter contre la désinformation et la promotion de la vaccination. La vaccination en intra hospitalier ne prolonge pas la durée d’ hospitalisation. Elle est même associée à une diminution des réhospitalisations (35).

L’ admission en établissement médico-social est un moment stratégique pour évaluer le statut vaccinal des patients et les informer ainsi que leurs représentants thérapeutiques sur les vaccins à réaliser. Chaque année une campagne d’ information contre la grippe et le COVID-19 devrait permettre d’ assurer une mise à jour de ces vaccinations.

Que dire à mon/ma patient(e) avant de le vacciner?

Il semble primordial que le/la patient(e) comprenne quelles maladies sont prévenues par la vaccination et l’ impact que ces maladies peuvent avoir pour qu’ il/elle adhère aux propositions de vaccination. Informer son/sa patient(e) des possibles effets secondaires des vaccins permet également une meilleure acceptabilité pour les vaccinations futures.

Comment faire face à un patient vaccino-hésitant?

Une approche motivationnelle contrairement à une approche factuelle permet d’ accompagner les patients vaccino-hésitants et/ou leurs représentants thérapeutiques en cas de troubles cognitifs vers une meilleure adhésion aux vaccins. Un entretien motivationnel se déroule généralement en plusieurs étapes: créer une relation de confiance en écoutant avec empathie, sans porter de jugement, explorer et comprendre les raisons personnelles de l’ hésitation de la personne afin d’ identifier le type d’ information qui pourrait modifier son point de vue, avec sa permission, fournir des informations claires et pertinentes qui soutiennent une prise de décision éclairée et autonome et respecter son autonomie tout en guidant la conversation vers une vision plus positive de la vaccination (36).

Conclusion

Les maladies infectieuses comptent parmi les principales causes de mortalité chez les personnes âgées de 65 ans et plus. La vaccination est une mesure de prévention sûre et efficace; elle protège contre l’ infection mais aussi contre les hospitalisations, les décompensations de comorbidités et la perte d’ autonomie. Pourtant, les taux de couverture vaccinale restent faibles dans cette population à risque. Mettre en place des programmes de vaccination adaptés aux besoins des seniors, tout en renforçant l’ information et la communication, peut contribuer à diminuer l’ hésitance vaccinale et à mieux protéger les 65 ans et plus.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Dre Astrid Malézieux-Picard

Service de médecine interne de l’ âgé
Département de Réadaptation et Gériatrie
Hôpitaux Universitaires de Genève

Pre Virginie Prendki

– Service de médecine interne de l’ âgé
Département de Réadaptation et Gériatrie
Hôpitaux Universitaires de Genève
– Service de maladies infectieuses
Département de Médecine
Hôpitaux Universitaires de Genève

Dre Hélène Buvelot

Centre de vaccinologie
Hôpitaux Universitaires de Genève

Dre Ioanna Kaisari

Service de médecine interne de l’ âgé
Département de Réadaptation et Gériatrie
Hôpitaux Universitaires de Genève

Les autrices n’ ont pas déclaré de conflit d’  intérêts en rapport avec cet article

  • Les personnes ≥ 65 ans sont plus à risque de développer des ­infections sévères et de faire des complications notamment ­cardio-respiratoires et neurologiques après une infection.
  • La vaccination est une mesure de prévention sûre et efficace qui permet de limiter les infections à prévention vaccinale, leur sévérité et leurs complications.
  • La vaccination a également un effet indirect cardioprotecteur et sur la mortalité toute cause confondue.
  • Penser à la vaccination, informer les patients voire leur famille, répondre à leurs interrogations, documenter et mettre à jour les ­vaccins selon les recommandations sont autant d’ étapes ­essentielles à intégrer dans la pratique quotidienne pour protéger nos patients et préserver leur autonomie.

1. Ageing and health [Internet]. [cité 18 juill 2024]. Disponible sur: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/ageing-and-health
2. WHO’ s work on the UN Decade of Healthy Ageing (2021-2030) [Internet]. [cité 5 août 2024]. Disponible sur: https://www.who.int/initiatives/decade-of-healthy-ageing
3. Addario A, Célarier T, Bongue B, Barth N, Gavazzi G, Botelho-Nevers E. Impact of influenza, herpes zoster, and pneumococcal vaccinations on the incidence of cardiovascular events in subjects aged over 65 years: a systematic review. GeroScience. déc 2023;45(6):3419‑47.
4. Plan de vaccination suisse [Internet]. [cité 1 juill 2025]. Disponible sur: https://www.bag.admin.ch/fr/plan-de-vaccination-suisse
5. Chambers ES, Akbar AN. Can blocking inflammation enhance immunity during aging? J Allergy Clin Immunol. mai 2020;145(5):1323‑31.
6. Ecarnot F, Maggi S. Vaccination against Respiratory Infections in the Immunosenescent Older Adult Population: Challenges and Opportunities. Semin Respir Crit Care Med. févr 2025;46(1):53‑62.
7. Ciarambino T, Crispino P, Buono P, Giordano V, Trama U, Iodice V, et al. Efficacy and Safety of Vaccinations in Geriatric Patients: A Literature Review. Vaccines. 24 août 2023;11(9):1412.
8. Recommended composition of influenza virus vaccines for use in the 2025-2026 northern hemisphere influenza season [Internet]. [cité 25 juin 2025]. Disponible sur: https://www.who.int/publications/m/item/recommended-composition-of-influenza-virus-vaccines-for-use-in-the-2025-2026-nh-influenza-season
9. DiazGranados CA, Dunning AJ, Kimmel M, Kirby D, Treanor J, Collins A, et al. Efficacy of high-dose versus standard-dose influenza vaccine in older adults. N Engl J Med. 14 août 2014;371(7):635‑45.
10. Lee JKH, Lam GKL, Shin T, Samson SI, Greenberg DP, Chit A. Efficacy and effectiveness of high-dose influenza vaccine in older adults by circulating strain and antigenic match: An updated systematic review and meta-analysis. Vaccine. 15 mars 2021;39 Suppl 1:A24‑35.
11. Kirsebom FCM, Stowe J, Bernal JL, Allen A, Andrews N. Effectiveness of autumn 2023 COVID-19 vaccination and residual protection of prior doses against hospitalisation in England, estimated using a test-negative case-control study. J Infect [Internet]. 1 juill 2024 [cité 25 juin 2025];89(1). Disponible sur: https://www.journalofinfection.com/article/S0163-4453(24)00111-7/fulltext
12. Byambasuren O, Stehlik P, Clark J, Alcorn K, Glasziou P. Effect of covid-19 vaccination on long covid: systematic review. BMJ Med. 2023;2(1):e000385.
13. Forbes HJ, Thomas SL, Langan SM. The Epidemiology and Prevention of Herpes Zoster. Curr Dermatol Rep. 1 mars 2012;1(1):39‑47.
14. Kennedy PGE. The Spectrum of Neurological Manifestations of Varicella-Zoster Virus Reactivation. Viruses. 30 juill 2023;15(8):1663.
15. Zerbo O, Bartlett J, Fireman B, Goddard K, Duffy J, Glanz J, et al. Recombinant Zoster Vaccination and Risk of Postherpetic Neuralgia or Zoster Ophthalmicus. JAMA Netw Open. 10 juin 2025;8(6):e2514615.
16. Zerbo O, Bartlett J, Fireman B, Lewis N, Goddard K, Dooling K, et al. Effectiveness of Recombinant Zoster Vaccine Against Herpes Zoster in a Real-World Setting. Ann Intern Med. févr 2024;177(2):189‑95.
17. Izurieta HS, Wu X, Forshee R, Lu Y, Sung HM, Agger PE, et al. Recombinant Zoster Vaccine (Shingrix): Real-World Effectiveness in the First 2 Years Post-Licensure. Clin Infect Dis Off Publ Infect Dis Soc Am. 15 sept 2021;73(6):941‑8.
18. Boutry C, Hastie A, Diez-Domingo J, Tinoco JC, Yu CJ, Andrews C, et al. The Adjuvanted Recombinant Zoster Vaccine Confers Long-Term Protection Against Herpes Zoster: Interim Results of an Extension Study of the Pivotal Phase 3 Clinical Trials ZOE-50 and ZOE-70. Clin Infect Dis Off Publ Infect Dis Soc Am. 28 avr 2022;74(8):1459‑67.
19. Parikh R, Singer D, Chmielewski-Yee E, Dessart C. Effectiveness and safety of recombinant zoster vaccine: A review of real-world evidence. Hum Vaccines Immunother. 15 déc 2023;19(3):2263979.
20. Humphreys H, Corcoran M, Mereckiene J, Cunney R, Cotter S. Invasive pneumococcal surveillance to assess the potential benefits of extended spectrum conjugate vaccines (PCV15/PCV20) in older adults. Epidemiol Infect. 26 janv 2023;151:e27.
21. Vadlamudi NK, Parhar K, Altre Malana KL, Kang A, Marra F. Immunogenicity and safety of the 13-valent pneumococcal conjugate vaccine compared to 23-valent pneumococcal polysaccharide in immunocompetent adults: A systematic review and meta-analysis. Vaccine. 14 févr 2019;37(8):1021‑9.
22. Pollard AJ, Perrett KP, Beverley PC. Maintaining protection against invasive bacteria with protein-polysaccharide conjugate vaccines. Nat Rev Immunol. mars 2009;9(3):213‑20.
23. Surveillance Atlas of Infectious Diseases [Internet]. [cité 15 juill 2025]. Disponible sur: https://atlas.ecdc.europa.eu/public/index.aspx?Dataset=27&HealthTopic=40
24. Landi SN, Garofalo DC, Reimbaeva M, Scott AM, Jiang L, Cappell K, et al. Hospitalization Following Outpatient Diagnosis of Respiratory Syncytial Virus in Adults. JAMA Netw Open. 19 nov 2024;7(11):e2446010.
25. Walsh EE, Pérez Marc G, Zareba AM, Falsey AR, Jiang Q, Patton M, et al. Efficacy and Safety of a Bivalent RSV Prefusion F Vaccine in Older Adults. N Engl J Med. 20 avr 2023;388(16):1465‑77.
26. Papi A, Ison MG, Langley JM, Lee DG, Leroux-Roels I, Martinon-Torres F, et al. Respiratory Syncytial Virus Prefusion F Protein Vaccine in Older Adults. N Engl J Med. 16 févr 2023;388(7):595‑608.
27. Wilson E, Goswami J, Baqui AH, Doreski PA, Perez-Marc G, Zaman K, et al. Efficacy and Safety of an mRNA-Based RSV PreF Vaccine in Older Adults. N Engl J Med. 14 déc 2023;389(24):2233‑44.
28. Payne AB, Watts JA, Mitchell PK, Dascomb K, Irving SA, Klein NP, et al. Respiratory syncytial virus (RSV) vaccine effectiveness against RSV-associated hospitalisations and emergency department encounters among adults aged 60 years and older in the USA, October, 2023, to March, 2024: a test-negative design analysis. The Lancet. 19 oct 2024;404(10462):1547‑59.
29. Walsh EE, Eiras D, Woodside J, Jiang Q, Patton M, Marc GP, et al. Efficacy, Immunogenicity, and Safety of the Bivalent Respiratory Syncytial Virus (RSV) Prefusion F Vaccine in Older Adults Over 2 RSV Seasons. Clin Infect Dis. 10 févr 2025;ciaf061.
30. Ison MG, Papi A, Athan E, Feldman RG, Langley JM, Lee DG, et al. Efficacy, safety, and immunogenicity of the AS01E-adjuvanted respiratory syncytial virus prefusion F protein vaccine (RSVPreF3 OA) in older adults over three respiratory syncytial virus seasons (AReSVi-006): a multicentre, randomised, observer-blinded, placebo-controlled, phase 3 trial. Lancet Respir Med. juin 2025;13(6):517‑29.
31. Priddy F. – Safety & Immunogenicity in 18-59 Year Olds at increased Risk for RSV Disease* – Revaccination of Adults at 12 or 24 Months. 2025;
32. Chang YC, Chou YJ, Liu JY, Yeh TF, Huang N. Additive benefits of pneumococcal and influenza vaccines among elderly persons aged 75 years or older in Taiwan–a representative population-based comparative study. J Infect. sept 2012;65(3):231‑8.
33. Eperon G, Bühler S, Enriquez N, Vaudaux B. [The immunosuppressed traveler : vaccination guidelines]. Rev Med Suisse. 2 mai 2018;14(605):922‑33.
34. Frangos E, Barratt J, Michel JP, Ecarnot F. Vaccines in Long-Term Care Settings: A Narrative Review. Gerontology. 2024;70(3):241‑7.
35. Tartof SY, Qian L, Liu ILA, Tseng HF, Sy LS, Hechter RC, et al. Safety of Influenza Vaccination Administered During Hospitalization. Mayo Clin Proc. mars 2019;94(3):397‑407.
36. Verger P, Cogordan C, Fressard L, Gosselin V, Donato X, Biferi M, et al. A postpartum intervention for vaccination promotion by midwives using motivational interviews reduces mothers’  vaccine hesitancy, south-eastern France, 2021 to 2022: a randomised controlled trial. Euro Surveill Bull Eur Sur Mal Transm Eur Commun Dis Bull. sept 2023;28(38):2200819.

Intelligence artificielle et lettres de sortie

Malgré l’informatisation du dossier médical, la lettre de sortie reste un élément incontournable du parcours hospitalier d’un-e patient-e.

Son objectif principal reste de transmettre des informations (investigations, réflexions thérapeutiques, interventions et traitements) valides et exhaustives concernant le séjour hospitalier, ainsi que les propositions pour la suite de la prise en charge. Cet exercice exigeant permet (devrait permettre !) aussi de poursuivre un objectif pédagogique de formation à la pensée synthétique, structurée et concise. Plus récemment, un objectif purement financier est venu s’ajouter à ces deux objectifs, allant parfois jusqu’à les supplanter au point de brouiller les priorités. Cette évolution a contribué sans aucun doute au sentiment de surcharge «administrative» du corps médical, même si cette transmission d’informations reste une mission aussi importante que celle de soigner. L’intelligence artificielle (IA) pourra-t-elle nous aider? C’est ce que les résultats d’une étude récente nous font miroiter (1).

Les investigateurs ont extrait au hasard les dossiers de cent patients hospitalisés de 3 à 6 jours en médecine et demandé à un modèle d’IA de type «large language models» (LLM) de générer une lettre de sortie. Celle-ci et la lettre de sortie initiale produite par le médecin en charge ont ensuite été comparées et évaluées à l’aveugle par 22 médecins en termes d’exhaustivité, de clarté et de concision, ainsi que d’éventuelles erreurs (imprécisions, omissions, et hallucinations = informations totalement erronées).

Résultat? Les lettres générées par AI étaient jugées plus claires et plus concises, mais moins exhaustives. Elles contenaient aussi plus souvent une erreur, mais dont les conséquences potentielles ne différaient pas de celles contenues dans la lettre de sortie initiale. Globalement, les reviewers n’ont exprimé aucune différence de préférence pour l’un ou l’autre type de lettre.

Au total, la qualité des deux types de lettres de sortie étaient similaires et, surtout, améliorables. Les auteurs proposent donc d’envisager une approche combinant un premier jet généré par l’IA suivi d’une relecture par le médecin afin d’éliminer les erreurs et améliorer l’exhaustivité. Même si l’on peut craindre que ce soit désormais l’IA qui réponde à l’objectif pédagogique de clarté et concision, cela paraît être une excellente opportunité pour s’attaquer au problème de la surcharge «administrative». À nous de garantir que l’exercice de relecture reste rigoureux!

Pr Christophe Büla

Service de Gériatrie et réadaptation gériatrique,
Centre hospitalier universitaire vaudois
Ch. de Mont Paisible 16
1011 Lausanne

Journal Watch de nos experts

Un Nutri-Score défavorable augmente le risque de ­maladies cardiovasculaires

Les aliments dont le Nutri-Score est élevé ont un effet négatif sur la santé à long terme. Le Nutri-Score fournit donc aux consommateurs une information simple sur les effets de leur alimentation sur leur santé, grâce à un ­système de feux tricolores. Il convient toutefois de tenir compte des limites de ces auto-évaluations, car les ­données présentent également des incohérences, comme un indice de masse corporelle (IMC) plus élevé dans le groupe ayant la meilleure alimentation selon le Nutri-Score par rapport au groupe ayant la pire alimentation. De plus, la qualité de l’alimentation n’a été évaluée qu’au moment de l’inclusion dans l’étude.

Question
L’alimentation selon le Nutri-Score a-t-elle une influence sur le risque de maladies cardiovasculaires?

Lieu de l’étude
Vingt-trois centres de dix pays européens ont participé à l’étude EPIC (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition).

Contexte
Développé par des scientifiques de l’université de Paris, le Nutri-Score utilise les couleurs des feux de signalisation et une échelle de 5 niveaux (de A à E) pour indiquer aux consommateurs si un aliment a des effets néfastes sur la santé en raison de sa teneur élevée en sucre, en acides gras saturés et en sel, ainsi que de sa valeur énergétique élevée. En Suisse, certains fabricants ont récemment annoncé leur intention de ne plus apposer le Nutri-Score sur leurs produits, car il pourrait semer la confusion chez les consommateurs. Des études antérieures avaient déjà montré les effets néfastes de la consommation de nombreux aliments ayant un mauvais Nutri-Score sur les maladies cardiovasculaires.

Critères d’inclusion et d’exclusion
Des adultes âgés de 25 à 70 ans au début de l’étude. Les personnes ayant des antécédents d’infarctus du myocarde ou d’accident vasculaire cérébral, ou ayant subi un tel événement au cours des deux premières années du suivi, ont été exclues.

Méthode
Entre 1992 et 2010, l’étude EPIC a recueilli des données nutritionnelles auprès de plus d’un demi-million de personnes, qu’elle a ensuite mises en relation avec des cancers ultérieurs, mais aussi avec des événements cardiovasculaires.
Entre 1992 et 2010, l’étude EPIC a recueilli des données nutritionnelles auprès de plus d’un demi-million de personnes, puis les a mises en relation avec des cancers et des événements cardiovasculaires survenus par la suite. Dix pays européens ont participé à l’étude et les données de sept d’entre eux ont été évaluées pour la présente étude. Le Nutri-Score, qui repose sur une version mise à jour en 2023 du «nutrient profiling system (NPS)» sous-jacent, a été utilisé pour analyser les données de 345 533 participants à l’étude EPIC.

Paramètres
Maladies cardiovasculaires, maladie coronarienne, infarctus du myocarde, maladie cérébrovasculaire et accident vasculaire cérébral.

Résultats
Au cours des 12.3 années de suivi, 16 214 premiers événements cardiovasculaires ont été enregistrés, dont:
• 11 009 événements coronariens, dont 6565 infarctus du myocarde.
En outre, 6669 événements cérébrovasculaires, dont 6245 accidents vasculaires cérébraux, ont été observés. Un Nutri-Score supérieur d’un écart-type augmentait le risque de maladie ­cardiovasculaire de 3 % (rapport de risque (HR): 1.03; intervalle de confiance à 95 % (IC): 1.01–1.05).
L’augmentation du risque s’est manifestée comme suit:
• infarctus du myocarde: 3 % (HR 1.03; IC 1.01–1.07);
• événements cérébrovasculaires: 4 % (HR 1.04; IC 1.01–1.07);
• risque d’accident vasculaire cérébral: 4 % (HR 1.04; IC 1.01–1.07). Seul le nombre total d’événements coronariens n’a pas augmenté de manière significative (HR: 1.01; IC: 0.99–1.03), car les angines de poitrine ont été prises en compte en plus des infarctus du myocarde. En comparant les participants ayant obtenu le Nutri-Score le plus bas (le plus favorable) à ceux ayant obtenu le Nutri-Score le plus élevé, on a observé 364 événements pour 100 000 participants contre 490 en 12.3 ans.

Commentaire
• Les aliments ayant un Nutri-Score élevé ont un effet négatif sur la santé à long terme.
• Le Nutri-Score fournit donc aux consommateurs une information simple sur les effets de leur alimentation sur la santé, grâce à un système de feux tricolores.
• Il convient toutefois de tenir compte des limites de ces auto-évaluations, car les données présentent également des incohérences, comme un IMC plus ­élevé dans le groupe ayant la meilleure alimentation par rapport au groupe ayant la pire selon le Nutri-Score. De plus, la qualité de l’alimentation n’a été évaluée qu’au moment de l’inclusion dans l’étude.

Pr Thomas Rosemann

Source
Deschasaux-Tanguy, M. Huybrechts, I. Chantal, J. et al. Nutritional quality of diet characterized by the Nutri-Score profiling system and cardiovascular disease risk: a prospective study in 7 European countries. Lancet Reg Health Europe. 2024; 46:101006
https://www.thelancet.com/journals/lanepe/article/PIIS2666-7762(24)00173-X/fulltext

Anticipation neurale et immunité: le cerveau se prépare aux infections virtuelles

Dans le Journal Nature Neuroscience, Sara Trabanelli (université de Lausanne, université de Genève) et Andrea ­Serino (université de Lausanne) ont résumé des résultats étonnants. Publiée en juillet 2025, leur étude démontre que le cerveau humain peut anticiper la menace d’une infection, même lorsqu’elle est uniquement représentée en réalité virtuelle, et déclencher une réponse immunitaire mesurable.

Anticipation cérébrale dans l’espace péripersonnel
Le système immunitaire réagit généralement après l’entrée d’un agent pathogène dans l’organisme. Toutefois, l’étude explore une hypothèse différente: le cerveau serait capable de signaler un danger infectieux avant tout contact physique.
Pour ce faire, les chercheurs ont utilisé des avatars en réalité virtuelle présentant des signes visibles de maladie. Lorsque ces avatars pénétraient dans l’espace péripersonnel (la zone immédiate qui entoure le corps), les participants présentaient une activation précoce de régions multisensorielles fronto-pariétales et du réseau de saillance. Spécialisées dans la détection des stimuli menaçants, ces zones du cerveau réagissaient déjà lorsque l’avatar infectieux était encore éloigné.

Les réponses immunitaires étaient comparables à celles observées après une vaccination.
Au-delà des mesures neurophysiologiques, l’équipe a analysé le sang des participants. Après exposition à des avatars infectieux, les cellules lymphoïdes innées (ILC) et les cellules NK présentaient des modifications comparables à celles observées après une vaccination contre la grippe. Les ILC2 et les précurseurs des ILC augmentaient, tandis que les ILC1 diminuaient, signe d’une mobilisation rapide du système immunitaire. Cette modulation était spécifique aux stimuli infectieux et ne se produisait pas avec des stimuli neutres ou effrayants.

Un dialogue neuro-immunitaire
Les chercheurs ont ensuite eu recours à l’IRM fonctionnelle et à la modélisation de la connectivité. Ils ont ainsi démontré que l’anticipation d’une infection virtuelle augmentait les échanges entre le cortex et l’hypothalamus, centre clé de l’axe hypothalamo-hypophyso-surrénalien (HPA).

Ce circuit neuro-immunitaire s’accompagnait d’une libération de médiateurs hormonaux et de lipides inflammatoires. Un réseau neuronal artificiel, entraîné sur ces données, a permis de prédire l’activation immunitaire en fonction des taux d’hormones et de médiateurs lipidiques mesurés dans le sang.

Portée et limites de l’étude
Ces résultats suggèrent que l’organisme ne se contente pas de réagir après une infection, mais qu’il dispose d’une stratégie anticipatoire: le cerveau prépare l’immunité dès qu’il perçoit une menace dans l’environnement.

Cette découverte ouvre la voie à de ­nouvelles pistes, notamment dans l’utilisation de la réalité virtuelle pour moduler l’immunité. Toutefois, les auteurs soulignent plusieurs limites:
• étude exploratoire chez de jeunes adultes en bonne santé,
• comparaison restreinte à une seule vaccination,
• inconnue quant à la généralisation des résultats à d’autres contextes ou populations.

Conclusion
L’étude révèle une intégration neuro-immunitaire inédite: l’anticipation d’une infection, même simulée en réalité virtuelle, suffit à déclencher une activation des défenses immunitaires.

Ces données confirment que la barrière entre le système comportemental et le système biologique de l’immunité est plus perméable qu’on ne le pensait. Le cerveau joue un rôle central non seulement pour éviter le danger, mais aussi pour préparer activement la réponse immunitaire.

Pr Walter F. Riesen

Source
Trabanelli, S., Akselrod, M., Fellrath, J. et al. Neural anticipation of virtual infection triggers an immune response. Nat Neurosci (2025).
https://doi.org/10.1038/s41593-025-02008-y

Prophylaxie efficace contre les infections urinaires récurrentes chez la femme

Les infections urinaires (IU) font partie des infections bactériennes les plus fréquentes chez les femmes et constituent un défi croissant en raison de la résistance antimicrobienne (RAM) croissante. Bien que les antibiotiques constituent un traitement efficace, ils sont associés à des risques tels que le développement d’une résistance, des effets secondaires et des perturbations du microbiome. C’est pourquoi les stratégies de prévention non antibiotiques pour les IU non compliquées et récurrentes chez les femmes non enceintes font l’objet d’une attention croissante. L’article met en lumière le contexte épidémiologique, les facteurs de risque à différentes étapes de la vie ainsi que les aspects du diagnostic différentiel, et présente des mesures non antibiotiques fondées sur des preuves, telles que les changements du comportement, l’œstrogénothérapie locale ou les phytothérapies.

Urinary tract infections (UTIs) are among the most common bacterial infections in women and represent a growing challenge due to increasing antimicrobial resistance (AMR). Although antibiotics are an effective therapy, they are associated with risks such as development of resistance, side effects and disruption of the microbiome. Therefore, non-antibiotic prevention strategies for non-complicated, recurrent UTIs in non-pregnant women are increasingly coming into focus. The article highlights the epidemiological background, risk factors in different life stages as well as differential diagnostic aspects and presents evidence-based non-antibiotic measures such as behavioral changes, local estrogen therapy or phytotherapeutics.
Keywords: Infections urinaires, prophylaxie non antibiotique, résistances antimicrobiennes, microbiome urogénital

«Il est impossible pour un être humain d’apprendre ce qu’il croit déjà savoir.»
Épictète, philosophe grec (env. 50–138 apr. J.-C.)

Introduction

Les antibiotiques sont efficaces tant dans le traitement des infections urinaires (IU) aiguës que dans la prophylaxie des IU récurrentes. Cependant, compte tenu de l’augmentation de la résistance aux antimicrobiens (RAM) et des complications qui y sont associées, des traitements alternatifs efficaces et une prophylaxie non antibiotique sont nécessaires. Dans cet article, nous nous intéresserons, dans la lignée de la pensée d’Épictète, aux approches préventives alternatives efficaces et non antibiotiques actuellement disponibles en Suisse pour les femmes non enceintes souffrant d’infections urinaires récurrentes non compliquées. Nous apportons ainsi une contribution importante à la prévention de la résistance aux antibiotiques.

Définition

Une infection urinaire est une infection du tractus urogénital présentant les symptômes typiques d’une cystite, tels que dys-urie, envie fréquente d’uriner, pollakiurie, douleur sus-pubienne ou hématurie. Dans le cas d’une infection ascendante telle que la pyélonéphrite, s’ajoutent des douleurs aux flancs, de la fièvre, des nausées ou des vomissements. La pyurie et une culture d’urine positive avec détection d’un uropathogène spécifique sont déterminantes pour le diagnostic. Une IU est considérée comme compliquée en cas d’anomalies anatomiques ou fonctionnelles, de cathétérisme permanent, de grossesse ou de transplantation rénale. Les IU récurrentes sont au moins 2 infections en 6 mois ou au moins 3 en 12 mois. Une nouvelle infection par le même agent pathogène dans les deux semaines suivant la fin du traitement est en revanche considérée comme une rechute. Les symptômes d’une vessie hyperactive idiopathique ou d’un syndrome de douleur vésical ressemblent parfois à ceux d’une infection urinaire, ce dont il faut tenir compte en l’absence d’amélioration malgré la prise d’antibiotiques et une analyse d’urine normale.

Épidémiologie

Les infections urinaires comptent parmi les infections bactériennes les plus fréquentes dans le monde et les plus fréquentes chez les femmes: une femme sur deux souffre d’une infection urinaire au cours de sa vie et une sur quatre en souffre plusieurs fois (1). La première recrudescence coïncide avec le début de l’activité sexuelle, les suivantes sont liées à la grossesse et à la ménopause. 20 % de tous les antibiotiques utilisés dans la pratique clinique quotidienne sont prescrits pour traiter des infections urinaires (2, 3). Les IU aiguës et récurrentes peuvent ainsi être traitées efficacement lorsque les traitements non antibiotiques échouent (4–7). À l’échelle mondiale, l’un des plus grands défis médicaux est toutefois l’augmentation de la résistance aux antimicrobiens (RAM) (Fig. 1) avec des agents pathogènes multirésistants et, par conséquent, une augmentation substantielle de la morbidité et de la mortalité (8). Cette question préoccupe également l’Organisation mondiale de la santé (OMS) (https://www.who.int/fr/health-topics/antimicrobial-resistance). La RAM est désormais l’une des causes de décès les plus fréquentes dans le monde, dépassant le VIH/SIDA ou le paludisme. En 2019, une étude a estimé que la RAM avait directement causé 1.27 million de décès et joué un rôle dans 4.95 millions d’autres (9). Il est donc urgent de trouver de nouveaux antibiotiques, mais les nouvelles autorisations sont rares.

Résistance aux antimicrobiens

Ce n’est que depuis peu qu’un nouvel antibiotique, la gépotidacin (autorisé par la FDA le 25 mars 2025), est disponible pour le traitement des infections urinaires non compliquées et de la gonorrhée (10). Son double mécanisme d’action inhibe l’ADN-gyrase bactérienne et la topoisomérase IV, ce qui pourrait réduire le développement de résistances. Reste à voir si cela fonctionnera in vivo. La vie trouve toujours un chemin – et les bactéries aussi. Investir ou non dans de nouveaux antibiotiques est avant tout une décision économique. Mais une utilisation rationnelle permet de réduire la RAM et de protéger nos systèmes de santé (11). C’est pourquoi le Conseil fédéral a lancé le 26 juin 2024 le plan d’action « One Health » dans le cadre de sa « stratégie Antibiorésistance » (StAR) 2024–2027 (12). L’objectif est le renforcement de mesures efficaces et de mettre en œuvre la StAR à l’aide de mesures contraignantes, innovantes et durables, en collaboration avec les offices fédéraux de la santé publique, de la sécurité alimentaire et des affaires vétérinaires, de l’agriculture et de l’environnement, ainsi qu’avec les cantons et d’autres acteurs. Dès lors, des mesures préventives contre les infections urinaires sont utiles pour réduire la consommation d’antibiotiques et le développement de résistances. En outre, l’utilisation d’antibiotiques est également néfaste en raison des effets secondaires suivants: Apparition fréquente de troubles gastro-intestinaux ou de mycoses vaginales, et plus rarement de réactions allergiques ou, comme dans le cas de la nitrofurantoïne, d’une fibrose pulmonaire induite. De plus, l’altération du microbiome de la vessie, du vagin et de l’intestin peut augmenter le risque pour de nouvelles IU et d’autres infections, comme p.ex. par Clostridioides difficile (4–7, 10, 13, 14). La fonction rénale et hépatique des patientes doit également être considérée lors d’un traitement antibiotique, tout comme les interactions possibles avec d’autres médicaments, en particulier chez les patientes âgées sous polypharmacie. Par ailleurs, l’expérience montre que la protection antibiotique prend fin à la fin du traitement.

Peut-on se passer d’antibiotiques?

Mais quand l’utilisation d’antibiotiques est-elle judicieuse? La détection de germes uropathogènes dans la culture d’urine, sans symptômes d’infection urinaire ( = bactériurie asymptomatique), ne nécessite en tout cas pas l’administration d’antibiotiques sauf en cas de grossesse ou d’intervention urologique. Même en cas d’infection urinaire non compliquée, du moins chez certaines patientes sans antécédents de pyélonéphrite et dont les symptômes ne durent que depuis 5 jours au maximum, un traitement non antibiotique avec hydratation accrue et anti-inflammatoires non stéroïdiens peut être tenté pendant 48 heures, (directive SSI).

Facteurs de risque d’infections urinaires récurrentes

En 2012, un changement de paradigme s’est produit: l’urine n’est pas stérile, même chez les femmes en bonne santé (15, 16). Certaines bactéries E. coli et entérocoques semblent même avoir un effet protecteur (17). Donc, si le traitement antibiotique n’est pas toujours efficace et parfois même contre-productif, des options non antibiotiques deviendraient alors judicieuses. Ainsi, la réduction des facteurs de risque représente une approche importante. Ceux-ci varient pour les femmes avant et après la ménopause (Fig. 2). Parmi les facteurs de risque anatomiques, on compte les muqueuses périurétrales, l’urètre court et les distances entre son ouverture externe et le vagin et l’anus, ce qui favorise l’exposition aux germes uropathogènes provenant principalement de la flore intestinale et leur remontée dans les voies urinaires, et donc les IU (18, 19). Plus ces distances sont courtes, plus les récidives sont fréquentes. Les facteurs de risque préménopausiques sont principalement les rapports sexuels, l’utilisation de spermicides, un nouveau partenaire sexuel, des antécédents d’infections urinaires récurrentes chez la mère, des infections urinaires dans l’enfance et le traitement d’une bactériurie asymptomatique. Les facteurs de risque post-ménopausiques sont la colpite atrophique due à une carence en œstrogènes, une cystocèle et un volume résiduel urinaire augmenté (20). La carence en œstrogènes et la modification de l’urothélium qui en résulte, avec une altération du microbiome urogénital ou « urobiome », augmentent le risque d’IU (21, 22). Les femmes ménopausées souffrant d’infections urinaires récurrentes et prenant quotidiennement des antibiotiques présentent un urobiome modifié avec une augmentation des bactéries anaérobies par rapport aux femmes sans IU (23). Cependant, ce n’est probablement pas un micro-organisme spécifique de l’urobiome qui est associé aux infections urinaires récurrentes, mais plutôt un déséquilibre et un rapport modifié entre certaines espèces de lactobacilles et les bactéries anaérobies. Les antibiotiques ont un effet négatif sur le microbiome et augmentent ainsi le risque d’infections urinaires. Les futures stratégies thérapeutiques pourraient viser à influencer l’urobiome.

Diagnostic

En cas d’infections urinaires récurrentes, un examen gynécolo- gique ou urogynécologique est indiqué. L’examen de base com- prend l’anamnèse (début des infections urinaires, facteurs déclen- chants, comorbidités et facteurs de risque), l’analyse d’urine (bandelettes réactives, sédiment urinaire et culture d’urine avec test de résistance), le status gynécologique (évaluation d’un éventuel prolapsus génital, trophicité des tissus, frottis direct) et la détermination par échographie (US) du résidu urinaire. L’US des voies urinaires sert à exclure des anomalies anatomiques (diverticules urétraux, urolithiase). En cas de facteurs de risque ou d’hématurie indolore, une cystoscopie est indiquée dans l’intervalle. L’examen urodynamique et la mesure du flux urinaire permettent de distinguer une vessie hyperactive, un syndrome douloureux vésical ou une cystite interstitielle.

Options thérapeutiques et prophylactiques

Dans la mesure du possible, les IU aiguës peuvent se traiter de manière symptomatique et sans antibiotiques dans les premiers jours (24). Jusqu’à 50 % des IU non compliquées guérissent ainsi, mais cela prend quelques jours de plus (25, 26). Toutefois, on ne doit pas craindre une infection ascendante: seuls 0.4 à 2.6 % des IU non compliquées non traitées évoluent vers une pyélonéphrite (27), qui se manifeste généralement par de la fièvre ou des douleurs aux flancs. Pour soulager les symptômes de gêne vésicale et favoriser la guérison, il est recommandé de boire suffisamment, ce qui favorise l’élimination des bactéries. En outre, les anti-inflammatoires non stéroïdiens (AINS) tels que l’ibuprofène ou les phytothérapies peuvent également aider (26, 28). En fin de compte, les antibiotiques sont plus efficaces que les AINS dans le traitement des infections urinaires non compliquées, car ils permettent une meilleure éradication bactérienne. En cas d’infections urinaires récurrentes, la prophylaxie et l’identification et la réduction des facteurs de risque sont prioritaires. Une sélection de mesures prophylactiques fondées sur des preuves est résumée dans le Tab 1.

PD Dr David Scheiner, 1, 2, 3
PD Dr Daniele Perucchini 1
Dr Olivia Ziviello 1
Dr Rebecca Zachariah 2, 3
Dr Sören Lange 2, 3
Dr Nicole Keller 2, 3, 4
Prof. Dr Cornelia Betschart 2, 3

1 Centre de la vessie de Zurich, Gottfried Keller-Strasse 7, 8001 Zurich
2 Clinique de gynécologie, Hôpital universitaire de Zurich, Frauenklinikstrasse 10, 8091 Zurich
3 Université de Zurich, Rämistrasse 71, 8006 Zurich
4 Gynécologie et obstétrique, Hôpital de Grabs, Spitalstrasse 44, 9472 Grabs

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Cet article est une traduction de «info@gynäkologie» 04_25.

PD Dr David Scheiner

– Centre de la vessie de Zurich
Gottfried Keller-Strasse 7
8001 Zurich

– Clinique de gynécologie, Hôpital universitaire de Zurich
Frauenklinikstrasse 10
8091 Zurich

– Université de Zurich
Rämistrasse 71
8006 Zurich

Les auteurs n’ont pas déclaré de conflit d’intérêts en rapport avec cet article.

  • Le problème croissant de la résistance aux antibiotiques nécessite l’utilisation et le développement d’approches alternatives non ­antibiotiques pour la prévention des infections urinaires récurrentes.
  • Les infections récurrentes des voies urinaires sont définies comme au moins deux infections en six mois ou trois en douze mois.
  • Les facteurs de risque anatomiques et fonctionnels diffèrent chez
    les femmes pré- et postménopausées. Ils influencent la prédisposition aux infections urinaires ainsi que les mesures thérapeutiques.
  • En cas d’infections urinaires aiguës, on peut d’abord essayer un ­traitement symptomatique sans antibiotiques.

1. Foxman B. Epidemiology of urinary tract infections: incidence, morbidity, and economic costs. Am J Med. 2002;113 Suppl 1A:5S-13S.
2. Wawrysiuk S, Naber K, Rechberger T, Miotla P. Prevention and treatment of uncomplicated lower urinary tract infections in the era of increasing antimicrobial resistance-non-antibiotic approaches: a systemic review. Arch Gynecol Obstet. 2019;300(4):821-8.
3. Bevölkerungsumfrage zu Antibiotikaresistenzen 2020. Schlussbericht im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit BAG: Demo SCOPE AG; [updated 30.9.2020. Available from: https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/63835.pdf.
4. Ahmed H, Davies F, Francis N, Farewell D, Butler C, Paranjothy S. Long-term antibiotics for prevention of recurrent urinary tract infection in older adults: systematic review and meta-analysis of randomised trials. BMJ Open. 2017;7(5):e015233.
5. Zeng G, Zhu W, Lam W, Bayramgil A. Treatment of urinary tract infections in the old and fragile. World J Urol. 2020;38(11):2709-20.
6. Price JR, Guran LA, Gregory WT, McDonagh MS. Nitrofurantoin vs other prophylactic agents in reducing recurrent urinary tract infections in adult women: a systematic review and meta-analysis. Am J Obstet Gynecol. 2016;215(5):548-60.
7. S3-Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen (HWI). AWMF Leitlinien-Register. 2024.
8. O’Neill J. Tackling Drug-Resistant Infections Globally: Final Report and Recommendations. London: Wellcome Trust & UK Government Review on Antimicrobial Resistance; 2016.
9. Antimicrobial Resistance C. Global burden of bacterial antimicrobial resistance in 2019:a systematic analysis. Lancet. 2022.
10. FDA. Novel Drug Approvals for 2025 2025 [Available from: xhttps://www.fda.gov/drugs/novel-drug-approvals-fda/novel-drug-approvals-2025.
11. Linhares I, Raposo T, Rodrigues A, Almeida A. Incidence and diversity of antimicrobial multidrug resistance profiles of uropathogenic bacteria. Biomed Res Int. 2015;2015:354084.
12. Strategie Antibiotikaresistenzen Bereich Mensch 2024 [Available from: https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/strategie-und-politik/nationale-gesundheitsstrategien/strategie-antibiotikaresistenzen-schweiz.html.
13. Frey N, Bircher A, Bodmer M, Jick SS, Meier CR, Spoendlin J. Antibiotic Drug Use and the Risk of Stevens-Johnson Syndrome and Toxic Epidermal Necrolysis: A Population-Based Case-Control Study. J Invest Dermatol. 2018;138(5):1207-9.
14. Szajewska H, Scott KP, de Meij T, Forslund-Startceva SK, Knight R, Koren O, et al. Antibiotic-perturbed microbiota and the role of probiotics. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology. 2025;22(3):155-72.
15. Wolfe AJ, Brubaker L. “Sterile Urine” and the Presence of Bacteria. European Urology. 2015;68(2):173-4.
16. Fouts DE, Pieper R, Szpakowski S, Pohl H, Knoblach S, Suh MJ, et al. Integrated next-generation sequencing of 16S rDNA and metaproteomics differentiate the healthy urine microbiome from asymptomatic bacteriuria in neuropathic bladder associated with spinal cord injury. J Transl Med. 2012;10:174.
17. Rudick CN, Taylor AK, Yaggie RE, Schaeffer AJ, Klumpp DJ. Asymptomatic bacteriuria Escherichia coli are live biotherapeutics for UTI. PLoS One. 2014;9(11):e109321.
18. Foxman B, Brown P. Epidemiology of urinary tract infections: transmission and risk factors, incidence, and costs. Infect Dis Clin North Am. 2003;17(2):227-41.
19. Hooton TM, Stapleton AE, Roberts PL, Winter C, Scholes D, Bavendam T, et al. Perineal anatomy and urine-voiding characteristics of young women with and without recurrent urinary tract infections. Clin Infect Dis. 1999;29(6):1600-1.
20. Cai T. Recurrent uncomplicated urinary tract infections: definitions and risk factors. GMS Infect Dis. 2021;9:Doc03.
21. Jung C, Brubaker L. The etiology and management of recurrent urinary tract infections in postmenopausal women. Climacteric. 2019;22(3):242-9.
22. Park MG, Cho S, Oh MM. Menopausal Changes in the Microbiome-A Review Focused on the Genitourinary Microbiome. Diagnostics (Basel). 2023;13(6).
23. Vaughan MH, Mao J, Karstens LA, Ma L, Amundsen CL, Schmader KE, et al. The Urinary Microbiome in Postmenopausal Women with Recurrent Urinary Tract Infections. J Urol. 2021;206(5):1222-31.
24. Betschart C, Albrich WC, Brandner S, Faltin D, Kuhn A, Surbek D, et al. Guideline of the Swiss Society of Gynaecology and Obstetrics (SSGO) on acute and recurrent urinary tract infections in women, including pregnancy. Swiss Med Wkly. 2020;150:w20236.
25. Hoffmann T, Peiris R, Mar CD, Cleo G, Glasziou P. Natural history of uncomplicated urinary tract infection without antibiotics: a systematic review. Br J Gen Pract. 2020;70(699):e714-e22.
26. Sachdeva A, Rai BP, Veeratterapillay R, Harding C, Nambiar A. Non-steroidal anti-inflammatory drugs for treating symptomatic uncomplicated urinary tract infections in non-pregnant adult women. Cochrane Database Syst Rev. 2024;12(12):Cd014762.
27. Christiaens TC, De Meyere M, Verschraegen G, Peersman W, Heytens S, De Maeseneer JM. Randomised controlled trial of nitrofurantoin versus placebo in the treatment of uncomplicated urinary tract infection in adult women. Br J Gen Pract. 2002;52(482):729-34.
28. Wagenlehner FM, Abramov-Sommariva D, Höller M, Steindl H, Naber KG. Non-Antibiotic Herbal Therapy (BNO 1045) versus Antibiotic Therapy (Fosfomycin Trometamol) for the Treatment of Acute Lower Uncomplicated Urinary Tract Infections in Women: A Double-Blind, Parallel-Group, Randomized, Multicentre, Non-Inferiority Phase III Trial. Urol Int. 2018;101(3):327-36.
29. Raz R, Stamm WE. A controlled trial of intravaginal estriol in postmenopausal women with recurrent urinary tract infections. N Engl J Med. 1993;329(11):753-6.
30. Tan-Kim J, Shah NM, Do D, Menefee SA. Efficacy of vaginal estrogen for recurrent urinary tract infection prevention in hypoestrogenic women. Am J Obstet Gynecol. 2023;229(2):143 e1- e9.
31. Sabadash M, Shulyak A. Canephron® N in the treatment of recurrent cystitis in women of child-bearing Age: a randomised controlled study. Clinical Phytoscience. 2017;3(1):9.
32. Huttner A, Kronenberg A, Hasse B, Galperine TK. Harnwegsinfekt (HWI). 2025.