Das kardio-renale metabolische Syndrom (KRM): eine neue kardiovaskulƤre EntitƤt

Ein von Boehringer Ingelheim gesponsertes Webinar, welches vom Zurich Heart House und vom London Heart House organisiert wurde, widmete sich einer neuen kardiovaskulären Entität, dem kardio-renalen-metabolischen Syndrom. Unter dem Vorsitz von Prof. Thomas Lüscher, London/Zürich, und Prof. Thomas Rosemann, Zürich, präsentierten internationale Experten neue Konzepte zu Herz- und Nierenkrankheiten.

Prof. Thomas F. Lüscher und Prof. Thomas Rosemann Chairmen am Webinar des Zürich Heart House und des London Heart House

Herz-Kreislauf-, Nieren- und StoffwechselĀ­erkrankungen (KRM): das neue klinische Konzept auf dem Vormarsch

Dr. Janaka Karalliedde

Herz-Kreislauf-, Nieren- und Stoffwechselkrankheiten stellen weltweit eine hohe Krankheitslast dar, stellte Dr. Janaka Karalliedde, London, eingangs fest. Diese Krankheiten sind miteinander verbunden und durch Behandlung der einen Krankheit verbessern wir auch die anderen, so der Referent. UngefƤhr 50 % der Personen, die mit Herzinsuffizienz diagnostiziert werden, werden innerhalb von 5 Jahren nach Diagnose versterben. Es besteht ein grosser ungedeckter Bedarf in der Behandlung der Herzinsuffizienz und es gibt kaum zugelassene Therapien für einige ihrer Formen (z. B. HFpEF). Die geschƤtzte weltweite PrƤvalenz der chronischen Nierenkrankheit (CKD) betrƤgt mehr als 11 %. CKD ist in ihren frühen Stadien asymptomatisch, was dazu beitrƤgt, dass die Krankheit bei betroffenen Menschen und bei Ƅrzten kaum bekannt ist. Die PrƤvalenz von Typ 2 Diabetes (T2D) ist hoch und nimmt in allen Regionen zu.

Die Wechselwirkungen zwischen dem Stoffwechselsystem, dem Herzen und den Nieren sind multifaktoriell und komplex. Inflammation, oxidativer Stress und die Entwicklung von Insulinresistenz und Hyperglykämie führen zur Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS), zu einer Natrium- und Wasser­retention und zu Organschaden und -dysfunktionen. Überschüssiges dysfunktionales Fettgewebe, Glomerulosklerose, tubulointerstitielle Fibrose, glomeruläre Hyperfiltration, Hypertonie, Dyslipidämie, metabolisches Syndrom Diabetes führen zu chronischer Nierenerkrankung, Entzündung, oxidativem Stress, Insulinresistenz und münden in Gefässdysfunktion, Atherosklerose und Myokardinfarkt. Dabei lassen sich verschiedene Stadien unterscheiden, wie der Referent ausführte. Im Stadium 0 sind keine Risikofaktoren vorhanden, Stadium 1 zeichnet sich durch exzessives, dysfunktionales Fettgewebe aus. Im Stadium 2 tauchen metabolische Risikofaktoren und Nierenerkrankung auf. Im Stadium 3 und 4 kommen subklinische kardiovaskuläre Krankheit bei KRM-Syndrom dazu.
KardiovaskulƤre, renale und metabolische ZustƤnde treten hƤufig nebeneinander auf, weil sie miteinander verbunden sind. Ein Patient – ein Fall – ein klinisches Team, so der Referent.

Bei Typ-2 Diabetes nimmt das Risiko für Herzinsuffizienz um das 3-fache zu. Das Risiko für chronische Nierenkrankheit um das 10-fache. 80 % der Patienten weisen eine Hypertonie auf.

Die chronische Nierenkrankheit zeigt eine zunehmende Rate an Todesfällen. 2013 lag sie an 19. Stelle, 2017 an 12. Stelle und gemäss Vorhersage für 2040 liegt sie an 5. Stelle. Chronische Nierenkrankheit und Herzinsuffizienz sind die häufigsten ersten kardiorenalen Krankheitsmanifestationen bei Patienten mit T2D trotz angemessenem Blutzuckermanagement. Der Referent begründete die Tatsache, warum wir früher handeln sollten, am Beispiel eines Hochrisiko-Patienten, dessen eGFR von 86 auf 20 innerhalb von nur 6 Jahren abfiel.

Ein klinischer Nutzen entsteht durch die Therapie mit einem SGLT2-Hemmer.

CARAMEL: Die HƤufung von Herz-Kreislauf-, Nieren-, Fettstoffwechsel-, Augen- und Lebererkrankungen bei Typ-2-Diabetes

Dr. Karalliedde wies auf den Begriff CARAMEL hin. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzversagen, Nieren-, Leber-, Augen- und Beinleiden sind Erscheinungsformen derselben (CARAMEL) Erkrankung. Typ-2-Diabetes ist sowohl ein Symptom der CARAMEL-Krankheit als auch eine treibende Kraft für ihr Fortschreiten in verschiedenen Geweben. Die Diabetes-Leitlinien konzentrieren sich jetzt auf die Identifizierung und das aggressive Management von Hochrisikopersonen mit der CARAMEL-Krankheit.

Chronische Nierenkrankheit und Herzinsuffizienz sind die hƤufigsten ersten Krankheitsmanifestationen bei Patienten mit T2D trotz angemessenem Glucose-Management. In einer grossen multinationalen Kohorten-Studie (N=772’336) bei Patienten mit T2D (18 %) ergab sich als erste klinische Manifestation die chronische Nierenkrankheit (39 %), gefolgt von Herzinsuffizienz (24 %), Schlaganfall (16 %) Myokardinfarkt (14 %) und Periphere Verschlusskrankheit (19 %).

SGLT-2 Inhibition

Wir haben nun ein Medikament, welches nicht nur die Blutglucose reguliert, sondern auch einen kardiovaskulƤren Nutzen bringt. Die SGLT2-Hemmer haben sich von der Blutzuckerkontrolle zum Organschutz entwickelt. Sie zeigen einen kardiovaskulƤren Benefit auch bei Patienten ohne Diabetes. Es sind damit Medikamente, die nicht nur den Diabetologen vorbehalten sind, sondern uns allen gehƶren, so der Referent.

Frühes Eingreifen wichtig

Der Referent demonstrierte anhand eines Patienten, bei dem die eGFR innerhalb von sechs Jahren von 86 auf 20 abfiel, die Notwendigkeit einer umfassenden klinischen AbklƤrung. Diese umfasste die Hausarztpraxis, die Diabetesklinik, eine Hospitalisierung in der Diabetes- und kardiologischen Klinik sowie eine Hospitalisierung in der Diabetesklinik, der Kardiologie und Nierenklinik.

Fazit

– Patienten mit Diabetes haben ein signifikant hƶheres Risiko für Krankheit und frühen Tod und der Schaden kann entstehen, bevor sich die Symptome entwickeln.
– Klinische TrƤgheit hat nachteilige Auswirkungen auf die klinischen Ergebnisse und die LebensqualitƤt der Patienten. Wir verfügen mittlerweile über Medikamente, die die klinischen Ergebnisse schnell verbessern. Diese Gelegenheit, die Krankheit früh zu behandeln, sollte nicht verpasst werden.
– Die weit verbreitete Erkrankung durch CRM und die damit verbundenen KomorbiditƤten kƶnnen die Auswahl der Behandlung zu einem komplizierten Prozess machen. Die SGLT2-Hemmer kƶnnen dies vereinfachen und sind einfach zu verabreichende Medikationen.
– Wirksamere und frühe Behandlung von CRM und den KomorbiditƤten reduziert die gesamten Gesundheitskosten und verbessert die LebensqualitƤt der Patienten.
– Bei T2DM müssen wir uns auf den Nutzen von Diabetes-Medikamenten zur PrƤvention von CRM-Komplikationen konzentrieren.

Wie lassen sich die klinischen Ā­Ergebnisse bei CRM-Patienten mit Diabetes verbessern?

Prof. Marc Donath

Der typische Diabetes-Patient, den Prof. Marc Donath, Basel, vorstellte, hat unter anderem ein vergrƶssertes Herz, geschwollene zyanotische Füsse und Flüssigkeit, die die Lunge umgibt. Der Referent wies zunƤchst auf die Inhibition der Glucoseausscheidung in den Urin durch die SGLT2-Hemmer hin. Die Glukosurie mit SGLT2-Inhibition betrƤgt 50-80 g Glucose pro Tag, was 200 bis 320 Kalorien entspricht. Dies gilt auch für Personen ohne Diabetes.

SGLT2-Inhibitoren senken HbA1c, das KƶrperĀ­gewicht (80–100 g Glucose sind ca. 300 bis 400 Kal/Tag) sowie den Blutdruck. Es entstehen keine HypoglykƤmien und alle Kombinationen sind mƶglich.

Aber

Die Behandlung mit SGLT2-Hemmern kann mit genitalen Infektionen oder Ketoazidosen (selten) einhergehen.

Die SGLT2-Hemmung senkt den renalen Schwellenwert für die Glukoseausscheidung, was zu renaler Glykosurie, einer Verschiebung der Substratverwertung von der Kohlenhydrat- zur Fettoxidation und Hyperglukagonämie führt; dies stellt ein theoretisches Risiko für eine Ketoazidose (einschliesslich einer euglykämischen Ketoazidose) dar, wenn andere auslösende Faktoren vorliegen, insbesondere eine Verringerung der Insulindosis oder eine geringe Kohlenhydratzufuhr.

Übergewicht ist ein Hauptrisikofaktor für viele Krankheiten

1. Diabetes
2. KardiovaskulƤre Krankheiten (Herzattacken, Schlaganfall …)
3. Krebs
4. Gelenkschmerzen und -erkrankungen (Osteoarthritis, Gicht …)
5. Neuroinflammation (Depression, Alzheimer …)

Das therapeutische Ziel bei Typ 2 Diabetes ist die Behandlung des metabolischen Syndroms, d.h. Senkung des Kƶrpergewichts, von HbA1c, der Lipide und des Blutdrucks.
Solange der BMI nicht normalisiert ist, wird das therapeutische Ziel nicht erreicht.

Die chronische Nierenkrankheit: das verbindende Organ für KRM

Prof. Christoph Wanner

Ein Patient mit frühem T2D hat ein erhƶhtes Risiko von Komplikationen wegen metabolischen Stƶrungen und damit zusammenhƤngenden Risikofaktoren, stellte Prof. Christoph Wanner, Würzburg/Oxford, fest. Das Vorhandensein der kardio-renalen Krankheit geht mit einem erhƶhten Risiko für MortalitƤt bei Personen mit Typ 2 Diabetes einher. Beim Vergleich gepoolter Sterberisiken in Verbindung mit dem Vorhandensein einer kardiovaskulƤren oder Nierenerkrankung im Vergleich zu einer kardiovaskulƤr und renal Risiko-freien Gruppe von Menschen mit T2D (N=772’336) entwickelten 137’081 von 772’336 Menschen (18 %) eine erste CVRD-Manifestation. Die Lebenserwartung ist beim Vorhandensein der kardio-renalen metabolischen Krankheit bei 60-JƤhrigen um 9–11 Jahre reduziert. Erhaltung der Nierengesundheit bedeutet Verlangsamung der Progression.

Das kardiovaskuläre Risiko und die Nierengesundheit werden gemäss den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie zur Primärprävention aufgrund der Punkte A (Albuminurie), B (Blutdruck), C (Cholesterin), D (Diabetes), E (eGFR) bewertet.

Warum A und E?

GemƤss den KDIGO CKD-Guidelines (Kidney Int Suppl 2013;3:1–150) stellen die eGFR und die Albuminurie wichtige Marker für die kardiovaskulƤre Vorhersage dar. Sie sind nicht nur PrƤdiktoren für die Nierenkrankheit, sondern auch für kardiovaskulƤre Ereignisse. Bei einer eGFR von 60–90 ist noch keine FunktionseinschrƤnkung vorhanden. Dies Ƥndert sich jedoch bei einer erhƶhten Albuminurie. Eine erhƶhte Albuminurie stellt ein frühes Zeichen für eine Nierenkrankheit dar. Das Urinalbumin/Kreatinin-VerhƤltnis (UACR) gibt die Geschwindigkeit der Progression an und ist damit ein entscheidendes Kriterium in der Vorhersage einer NierenĀ­erkrankung.

Praktische Hinweise zur Identifizierung durch Ā­Albuminurie-Messungen

Die meistenHausärzte messen UACR nicht. UACR ist aber mindestens ebenso wichtig wie eGFR. Bezüglich UACR stellte der Referent die folgenden Fragen (die 5 Ws)
Wann? Nehme ich eine Probe? Spoturin am Morgen
Wo? Wohin senden? Zentrallaboratorium
zusammen mit Blutprobe
Was? Was kostet es? 3 Euro 40 Cent (in Deutschland)
Wer? Wer bezahlt? Krankenkasse (Unterschiedlich nach LƤndern)
Was? Was bedeutet es (mg/g)? UACR ist ein Mass für die Durchlässigkeit der Niere. Und ein Mass für die Geschwindigkeit der Progression einer Nierenfunktionsstörung.

Multifaktorieller Ansatz zur Verringerung des kardio-Ā­renalen Risikos bei Personen mit KHK und T2DM – heute und morgen

RAS-Blockade: RENAAL, IDNT
SGLT2 Inhibition: CREDENCE, DAPA-CKD,
EMPA-KIDNEY
Ns-MRA: FIDELIO-DKD
GLP-1-RAs: FLOW
Die medikamentƶse Therapie wird immer kombiniert mit Lebensstilmodifikation und Diabetes-Schulung.
Die weltweite Prognose der Todesursachen im Jahre 2040: Die chronische Nierenkrankheit wird vom derzeitigen 15. Platz auf Platz 5 vorstossen, dies die Prophezeiung der WHO.

Was muss ein Hausarzt über KRM wissen?

Dr. Sarah Jarvis

Mit den 5 W’s begann Frau Dr. Sarah Jarvis, London. Was ist die chronische Nierenkrankheit? Warum müssen wir auf CKD screenen? Wen sollten wir auf CKD screenen? Was verwenden wir für das CKD-Screening? Was tun wir als nƤchstes?

Eine chronische Nierenkrankheit ist eine Reduktion der Nierenfunktion oder ein struktureller Schaden (oder beides) wƤhrend mehr als 3 Monaten mit assoziierten gesundheitlichen Auswirkungen: eGFR < 60 ml/min/1.73 m2 und/oder UACR > 3 g/mmol2

In der Schweiz leben 10 % der Bevƶlkerung mit CKD. In UK sind ca. 44 % der Personen mit CKD nicht diagnostiziert.

Warum sollen wir für CKD screenen?

Die Inzidenz betrƤgt 89 %, die PrƤvalenz 87 %, Tod durch Nierenversagen 98 %. InvaliditƤt und angepasste Lebensdauer 62 %.
Die Referentin wies auf die Prognose der NierenĀ­krankheit durch GFR und Albuminurie hin. Ein Nierenschaden kann aber sogar vorkommen, bevor die Nierenfunktion abzunehmen beginnt.

Wer sollte auf CKD gescreent werden?

Screening mit egGFR, Serumkreatinin und Urin ACR sollte bei Personen mit den folgenden Risikofaktoren durchgeführt werden: Diabetes, Hypertonie, akuter Nierenschaden, strukturelle Nierenerkrankung, rezidivierende Nierensteine, Prostatahypertrophie, kardiovaskuläre Erkrankung, Multisystemerkrankung, Familienanamnese für Endstadium der Nierenerkrankung, Hämaturie oder Proteinurie, Gicht.

Was verwenden wir zum Screening?

eGFR ist ein Mass für die Restnierenfunktion. UACR ist ein Mass für Albuminurie; hohe Werte deuten auf einen Nierenschaden hin.

Weitere Schritte

Als Nächstes folgt die entsprechende Kodierung der Diagnose und die Befolgung der Guidelines zur Überwachung, Überprüfung auf zusätzliche Faktoren, die die Nierenfunktion beeinflussen, und die Anwendung der empfohlenen Therapien.

Dies sollte aber nicht nur bei Patienten mit Diabetes getestet werden, sondern auch bei Patienten mit erhƶhtem Blutdruck. eGFR und UACR sind beide unabhƤngige PrƤdiktoren nicht nur für die Nierenkrankheit, aber auch für das Risiko für kardiovaskulƤre Krankheit. Wenn wir vom Stadium A1 der Albuminurie zu Stadium A2 gehen, verdoppeln wir das Risiko, wenn wir zu Stadium A3 gehen, nimmt das Risiko um weitere 50 % zu.

Behandlung mit SGLT2-Inhibitoren

Die EMPA-KIDNEY Studie umfasste ein breiteres Spektrum von Patienten als andere SGLT2i CKD Studien – einschliesslich Patienten mit niedrigen eGFR ohne Albuminurie. Die Behandlung mit Empagliflozin führte zu einem geringeren Risiko für das Fortschreiten der Nierenerkrankung oder den Tod durch kardiovaskulƤre Ursachen als Placebo. In der DAPA-CKD bei Patienten mit eGFR 25–75 und UACR 200 bis 5000, unabhƤngig vom Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Diabetes, war das Risiko für eine anhaltende Abnahme der eGFR um mindestens 50 %, für eine Nierenerkrankung im Endstadium oder für den Tod durch Nieren- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen unter Dapagliflozin signifikant geringer als unter Placebo. Auch in der CREDENCE Studie mit Canagliflozin das Risiko für Nierenversagen und kardiovaskulƤre Ereignisse bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und Nierenerkrankung eGFR 30bis < 90, UACR >300 bis 5000) war das Risiko für Nierenversagen und kardiovaskulƤre Ereignisse in der Canagliflozin-Gruppe geringer als in der Placebo-Gruppe bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 2.62 Jahren.

Die Guidelines empfehlen eine frühe Intervention mit SGLT2-Inhibitoren als Schlüssel für eine erfolgreiche Therapie.

Was ist bei der Verschreibug von Empagliflozin zu Ā­beachten?

Indikation: Schule den Patienten in der Indikation, für welche Empagliflozin verschrieben wird.
HypoglykƤmie (bei Patienten mit T2D): Bei Anwendung in Kombination mit einem Sulfonyharnstoff oder mit Insulin muss eine niedrigere Dosis des Sulfonylharnstoffs oder des Insulins in Betracht gezogen werden, um das Risiko einer HypoglykƤmie zu verringern.
Volumenverlust: Vorsicht bei Patienten, bei denen ein Blutdruckabfall ein Risiko darstellen könnte, z. B. bei Patienten mit bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei Patienten, die eine blutdrucksenkende Therapie einnehmen und bei denen in der Vergangenheit eine Hypotonie aufgetreten ist, oder bei Patienten über 75 Jahren.
Über die Nieren hinaus, kann Empagliflozin einen dreifachen Schutz für eine breite Palette von Patienten bieten:
T2D und CVD: Verringerung der 3P-MACE, Verringerung der CV-TodesfƤlle
Herzinsuffizienz: primƤres Komposit-Ergebnis Verringerung des Risikos eines Todesfalls oder einer Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz, sowohl bei HFrEF als auch bei HFpEF
CKD: Verringerung des Risikos des Fortschreitens der Nierenerkrankung oder des kardiovaskulƤren Todes.

SGLT2-Inhibitoren werden nicht nur für die Prävention der Nierenkrankheit verschrieben, sondern auch für die kardiovaskuläre Prävention und für Typ 2 Diabetes. Sie sind einfach in der Applikation, es ist eine Tablette pro Tag, keine langsame Einführung, keine Dosisanpassung, so die Referentin.

Fettleibigkeit und Herzinsuffizienz: Wie passen sie in das kardio-renale-metabolische Konzept?

KHK, CKD und T2DM: die maligne Triade.

Prof. John Deanfield

Richard Bright stellte vor bald 200 Jahren fest, dass es eine wichtige Beziehung zwischen Herz und Niere gibt. Dies bildet die Grundlage für die maligne Triade von Herz, Niere und Diabetes, stellte Prof. John Deanfield, London, eingangs fest.

Die KHK verursacht mehr als 30 % der MorbiditƤt und MortalitƤt der Bevƶlkerung. 799 Mio. leiden weltweit an KHK, einer in 20 TodesfƤllen. Mehr als 460 Mio. Erwachsene leiden an T2DM, 40 % haben auch eine CKD. Eine der beiden Krankheiten verschlechtert das Ergebnis in den anderen beiden FƤllen. Welche Disziplin erwischt Dich als erstes? Der Kardiologe, der Diabetologe, der Nephrologe, der Psychologe, der Onkologe, der Neurologe, der Gastroenterologe oder ein anderer Ā«-ologeĀ»?

Die Fettleibigkeit ist eine schwere chronische Krankheit mit alarmierende Fakten

764 Mio. Erwachsene leben mit Fettleibigkeit (WHO-Daten von 2020). 30–49 % der Weltbevƶlkerung sind übergewichtig/fettleibig (2.8–3.5 Bio Personen). Ein erhƶhter BMI führte zu 4 Mio. TodesfƤllen im Jahre 2015 mit mehr als 2/3 wegen KHK.

Fettleibigkeit ist mit multiplen Komplikationen vergesellschaftet: Chronische Nierenkrankheit, Kardiovaskuläre Krankheiten wie Stroke, Dyslipidämie, Hypertonie, koronare Herzkrankheit, Lungenembolie, HFpEF, HFrEF. Type 2 Diabetes, Prädiabetes, Schlafapnoe, Thrombose. Dazu kommen als Folge Depression, Angstzustände, Asthma, NAFLD, Gallensteine, chronische Rückenschmerzen, Unfruchtbarkeit, Inkontinenz, Knie-Osteoarthritis.

Zusammenwirkende Ursachen und TriebkrƤfte der HFpEF sind myokardiale Fibrose, Stau, Herzmuskelverdickung, abnormale Herzkontraktion, abnormale Herzrelaxation, Hypertonie, NierenfunktionseinschrƤnkung, Vorhofflimmern, Inflammation, Diabetes, Fettleibigkeit, chronotrope Inkompetenz, Rechtsherzinsuffizienz, LungengefƤssfunktionsstƶrung, mikrovaskulƤre koronare Herzkrankheit, epikardiale koronare vaskulƤre Krankheit.

Anti-Obesitas-Medikamente in der Pipeline

Eine ganze Reihe von neuen Medikamenten zur Senkung des Blutzuckers und zur Gewichtsreduktion befindet sich in Phase 2 oder ist bereits zugelassen.
– GLP-1 RA SEMAGLUTID zugelassen für Fettleibigkeit von der FDA 2021
– GIP/GLP-1RA TIRZEPATID FDA. 2023 zugelassen für Fettleibigkeit
– AMYLIN/GLP-1RA CAGRI-SEMA- Phase2
– GLUCAGON/GLP-1 RA SURVOTIDE-Phase 2
– PEMVIDUTIDE -Phase 2
– GIP/GLUCAGON/GLP-1 RA RETRATRUDE – Phase 2
– SEMAGLTUIDE oral -OASIS – Phase 3
– ORAL GLP-1RA ORFORGLIPRON – Phase 2
– DANUGLIPRON – Phase 2
– AMG133 – Phase 2

Kardio-renale Guidelines

Einsatz neuartiger Wirkstoffe. Alle Guidelines empfehlen SGLT2-Hemmer, Glp-1RA als First-Line Medikamente bei T2DM-Patienten mit KHK und CKD. Was geschieht mit Nicht-Diabetikern? Die Studien mit SGLT2 Inhibitoren haben gezeigt, dass ihre Wirkung auch bei Patienten ohne Diabetes vorhanden ist.

Frühzeitige Massnahmen zur Verhinderung von T2DM, CKD und KHK

Übergewicht mit 2 Jahren sagt den Status mit 35 Jahren voraus. Ein BMI in der 50. bis 74. Perzentile, d. h. innerhalb des akzeptierten Normalbereichs, während der Adoleszenz wurde mit einer erhöhten kardiovaskulären und Gesamtmortalität während der 40-jährigen Nachbeobachtungszeit in Verbindung gebracht. Übergewicht und Fettleibigkeit waren stark mit einer erhöhten kardiovaskulären Sterblichkeit im Erwachsenenalter verbunden (Twig G et al. NEJM 2016;374:2430-2440).

Fettleibigkeit, und Herzinsuffizienz: Wie passen sie in das kardio-renale Konzept?

Fettleibigkeit verƤndert die Landschaft der kardio-renalen Erkrankungen in der Bevƶlkerung.

HF mit erhaltener Auswurffraktion entwickelt sich zur vorherrschenden Erscheinungsform. Neue Medikamente können bei Patienten mit Übergewicht, T2DM, CKD und CVD sowie Herzinsuffizienz helfen.

Frühzeitiges Eingreifen zur Verhinderung der Entwicklung dieser bösartigen Triade könnte einen Paradigmenwechsel bei der Erhaltung der Gesundheit von Patienten und Bevölkerung bedeuten. Dies das Fazit des Referenten.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

Friedrich Schiller: Raubbau an seinem Kƶrper

Als Friedrich Schillers Drama Ā«Wilhelm TellĀ» am 17. MƤrz 1804 am Weimarer Hoftheater uraufgeführt wurde, war Friedrich Schiller bereits todkrank. Gut ein Jahr spƤter, am 1. Mai 1805, erlitt der Dichter wƤhrend seines letzten Besuchs des HofĀ­theaters einen Zusammenbruch mit langanhaltenden FieberkrƤmpfen und Ā­Bewusstlosigkeit. Acht Tage spƤter starb er.

Patient: Friedrich von Schiller
Geboren: 10. November 1759 in Marbach am Neckar
Gestorben: 9. Mai 1805 in Weimar

Seit zwei Jahrhunderten hat jede Ƅrztegeneration die Krankengeschichte und Obduktion Friedrich von Schillers nach ihrem Wissensstand betrachtet. Über seine Krankheiten und TodesĀ­ursache existiert eine unübersehbare Fülle an Literatur.

Nach Aussagen seiner Schwester Christophine war Schiller «vom frühesten Alter an ein zartes Kind», dem schon die üblichen Kinderkrankheiten stark zusetzten. Als 14-Jähriger musste er auf Anordnung des Landesherrn, des Württembergischen Herzogs Karl Eugen, unfreiwillig auf die Militärakademie. Schon dort lag er häufig im Krankenzimmer, meist mit Husten und «Lungenkatarrh». Während seines fünfjährigen Medizinstudiums ab 1776 lernte er tagsüber Medizin, nachts widmete er sich seiner Leidenschaft, der Schriftstellerei. Im dritten Studienjahr obduzierte Schiller in der Hohen Karls-Schule in Weimar einen Medizinmitstudenten, der an Tuberkulose gestorben war. Ob er damals angesteckt wurde, wie viele Forscher vermuten, ist unklar. Nach sieben Jahren auf der «Militär-Pflanzschule» wurde er Regimentsmedikus, Militärarzt. Heimlich begann er sein erstes Hauptwerk zu schreiben, «Die Räuber», das im Januar 1782 uraufgeführt wurde. Das vom Pubikum bejubelte Stück, das Kritik an der Obrigkeit übte, verärgerte Herzog Karl Eugen. Schiller musste für 14 Tage in der Stuttgarter Hauptwache in Arrest, und der Herzog verbot ihm zukünftig jede literarische Tätigkeit. Schiller floh nach Mannheim, wo er 1783 Theaterdirektor am Nationaltheater wurde.
Anfang September 1783 erkrankte der 24-Jährige an einem «kalten Fieber» (damalige Bezeichnung für Schüttelfrost) und an der «gallichten Sucht» (so nannte man eine zeitweilige Gelbfärbung der Haut). Aus Kalendernotizen und Briefen Schillers ist bekannt, dass er unter regelmässig auftretenden Fieberanfällen litt, was auf eine Malariainfektion hindeutete. Schiller hat sich, wie auch häufig später, selbst behandelt, mit Brechweinstein, Chinarinde, Wassersuppen, fleischloser Diät. Er schrieb: «Chinarinde esse ich wie Brot».

Schiller klagte über die Schwäche seines Körpers

Schiller war ein Nachtarbeiter, er schrieb seine Werke in durchwachten NƤchten. Abends, wenn ihn die Gesellschaft verliess, stellte er Wein, Likƶre, Schnupftabak und Kaffee parat, er rauchte und arbeitete bis zum Morgengrauen. Inspirierend wirkte auf ihn der Geruch faulender Ƅpfel. So sehr er in seinen Briefen die SchwƤche des Kƶrpers beklagte, so wenig nahm er Rücksicht auf seine Gesundheit. (Schillers Lebensweise war seinen Freunden bekannt. Goethe schrieb darüber: Ā«Seine durchwachten NƤchte haben unseren Tag erhellt.Ā»)

Am Nachmittag des 3. Januar 1791 befiel den 32-jƤhrigen Dichter wƤhrend eines Konzerts in Erfurt ein heftiges Fieber. Er erkrankte an Rippenfell- und Lungenentzündung. Seine Studenten, darunter der junge Novalis, teilten sich die Nachtwachen. Schiller hatte hohes Fieber, er hustete mit Eiter vermischtes Blut aus. Die damals gƤngigen Behandlungen mit AderlƤssen, Zugpflaster, Brech- und Abführmitteln verschafften ihm keine Linderung. Erst nach mehreren Wochen konnte er das Krankenbett verlassen. Danach klagte er über Ā«fortdauernde schmerzhafte Spannungen in der BrustĀ». Nach vorübergehender Besserung erlitt er im Mai 1791 eine weitere schwere Krankheitsattacke. Als Mediziner registrierte er seine ZustƤnde genau und schilderte: Ā«Der Atem wurde so schwer, dass ich über der Anstrengung Luft zu bekommen, bei jedem Atemzug ein GefƤss in der Lunge zu zerspringen glaubte.Ā» Dazu klagte er über Ā«starken FieberfrostĀ» und Ā«KrƤmpfe im Unterleib und ZwerchfellĀ». Unter seinen Bekannten zirkulierte bereits das Gerücht, Schiller sei unheilbar an Ā«LungensuchtĀ», der damaligen Bezeichnung für Tuberkulose, erkrankt.

Der Verlauf von Schillers Leiden von 1791 bis zu seinem Tod 1805 setzte sich mit einer Kette von Krankheitserscheinungen fort, richtig gesund wurde er nie mehr. Katarrh, Fieber, Husten und zeitweise BettlƤgrigkeit begleiteten sein weiteres Leben. Dies manifestiert sich auch in vielen Ƅusserungen gegenüber Freunden und Bekannten. In einem Brief an Goethe im September 1794, bei dem es um einen Besuch ging, schrieb Schiller: Ā«Ich bitte bloss um die leidige Freyheit, bey Ihnen krank seyn zu dürfenĀ».

Der Jugendfreund, Staatsrat und spƤtere Biograf Christian Gottfried Kƶrner schrieb 1796 über den Dichter: Ā«Schiller selbst wandelt, ja man mƶchte sagen, rennt unaufhƶrlich im Zimmer herum… Oft sieht man ihm sein kƶrperliches Leiden an, besonders wenn ihn die ErstickungsanfƤlle anwandeln. Wenn es zu arg wird, geht er hinaus und braucht irgendein Palliativ. Kann man ihn in solchen Momenten in eine interessante Unterredung ziehen, so verlƤsst ihn das Übel wieder, um sogleich zurück zu kommen, wenn nichts mehr zu erƶrtern übrig ist. Überhaupt sind ihm anstrengende Arbeiten das sicherste Mittel für den Augenblick. Man sieht, in welcher ununterbrochenen Spannung er lebt und wie sehr der Geist bei ihm den Kƶrper tyrannisiert…».

Im Januar 1798 schrieb Schiller an Körner über den in Arbeit befindlichen «Wallenstein»: «Hätte ich 10 Wochen ununterbrochener Gesundheit, so wäre er fertig; so aber habe ich kaum das Drittheil der Zeit zu meiner Disposition.»

Champagner zum «Heben der Kräfte»

Im Todesjahr 1805 hatte Schiller zwei Krankheitsattacken. Im Februar litt er vor allem unter Verstopfung und Blähungen, vermutlich aufgrund der Tuberkulose. «Die verwünschten Verstopfungen! Sie bringen mich alle Jahre um ein Trauerspiel!».

Am Mittwoch, 1. Mai 1805, hatte er sich entschlossen, den Abend im Theater zu verbringen: die BühnenatmosphƤre bedeutete für ihn immer Zauber und Anregung.

Dr. med. Stephan Keusch

Praxisgemeinschaft Lungdocs
Merkurstrasse 20
8032 Zürich

Daridorexant

Schlaf ist ein kƶrperlicher und geistiger Zustand, der durch ein verƤndertes Bewusstsein, eine erheblich gehemmte sensorische AktivitƤt, eine verringerte MuskelaktivitƤt und – wƤhrend des REM-Schlafs (Rapid Eye Movement) – durch eine fast vollstƤndige Hemmung der willentlichen Muskeln gekennzeichnet ist (1). Schlafmangel wird als Schlaflosigkeit bezeichnet, die sich negativ auf die Funktion des menschlichen Kƶrpers auswirkt. Chronische Unzufriedenheit mit der Schlafdauer oder -qualitƤt, Schwierigkeiten beim Einschlafen, hƤufiges nƤchtliches Aufwachen mit Schwierigkeiten beim Wiedereinschlafen und früheres Aufwachen als gewünscht sind alles Symptome der Schlaflosigkeit, aber es gibt keine allgemeingültige Theorie zur ErklƤrung ihrer pathophysiologischen Ursache (2).

Schlaflosigkeit gilt als die weltweit am weitesten verbreitete Schlafstƶrung, und ihre PrƤvalenz liegt je nach Diagnose und Testverfahren zwischen 4,4 und 4,8 % (3,4). Nach einer US-amerikanischen Untersuchung aus den Jahren 1994-1995 litten 23 % der Bevƶlkerung an Symptomen von Schlaflosigkeit (3). Ƅhnliche Forschungsergebnisse wurden in Polen gefunden, wo 50,5 % der Befragten (58,9 % Frauen und 41,1 % MƤnner) über Anzeichen von Schlaflosigkeit berichteten (5,6).

Orexin-Rezeptoragonsiten und ihre Wirkung

Die Orexin-Rezeptor-Antagonisten wirken auf die Erregungsbereiche im Hirnstamm/Hypothalamus, indem sie auf das Orexin-System (2) abzielen, welches die Neuropeptide Orexin A und Orexin NB und ihre beiden G-Protein gekoppelten Rezeptoren (GPCRs) umfasst.: die orexin-Rezeptoren 1 (OX1r) und 2 (OX2r). Die Orexine sind an einer Reihe von Funktionen beteiligt, von der Modulation autonomer Funktionen bis hin zu höheren kognitiven Funktionen wie Belohnungssuche, Aufmerksamkeit, Verhalten, Stimmung und Kognition [8]. Interessanterweise ist die Orexin-Signalübertragung auch an Stimmungsstörungen beteiligt, die mit einer niedrigen hedonischen Spannung oder Anhedonie einhergehen, wozu Depressionen, Angststörungen, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen und Sucht gehören [8]. Da die Orexin-Neuropeptide in kleinen Neuronenpopulationen im Hypothalamus exprimiert werden, ist ihre Aktivität während der Aktivitäts- und Wachphasen am höchsten, während des Schlafs jedoch nicht aktiv (9). Die Hemmung sowohl von OX1r als auch von OX2r reduziert die Aktivität der wachmachenden Neuronen und die weit verbreitete Hemmung der neuronalen Bahnen (10). Dieser neue Ansatz zur Behandlung von Schlaflosigkeit setzt den Einsatz eines dualen Orexin-Antagonisten (DORA) wie Daridorexant voraus. Daridorexant hat sowohl in Tier- als auch in Humanstudien vielversprechende Ergebnisse gezeigt. Seine Aktivität wurde auf der Grundlage eines auf der Physiologie basierenden pharmakodynamischen und pharmakokinetischen Modells bewertet. Die Anwendung von Daridorexant gilt als sicher und hat keine klinisch bedeutsamen Nebenwirkungen, einschließlich des Ausbleibens von Resteffekten am nächsten Morgen. In einer rezenten Publikation wurde ein umfassender Überblick über Daridorexant gegeben (11).

Fazit

Daridorexant, a new selective DORA agent, acts as competitive orthosteric antagonists and exhibits good brain penetration. Importantly, it promotes sleep with preserved sleep-architecture, and its action leaves no next-morning side effects, which sets it apart from typical hypnotic agents such as benzodiazepines. The activity of daridorexant was confirmed in a number of both animal and human trials that allowed evaluating the impact of daridorexant on the duration of REM and non-REM phase, appropriate dosage, pharmacokinetics and the influence of daridorexant on daily functioning. All of these studies led to a better understanding of its mechanism of action and safety. It was established that the drug is safe for patients with mild to moderate OSA at a dose of 50 mg, and it did not relevantly influence cardiac repolarization. Additionally, the influence of daridorexant on driving showed that it was safer than other hypnotic drugs. Therefore, it seems that daridorexant can become a hypnotic alternative to improve the life of patients suffering from insomnia.

Quelle: Ziemichod W et al. A Comprehensive Review of Daridorexant, a Dual-Orexin Receptor Antagonist as New Approach for the Treatment of Insomnia. Molecules. 2022 Sep; 27(18): 6041. Published online 2022 Sep 16. doi: 10.3390/molecules27186041

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

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11. Ziemichod W et al. A Comprehensive Review of Daridorexant, a Dual-Orexin Receptor Antagonist as New Approach for the Treatment of Insomnia. Molecules. 2022 Sep; 27(18): 6041. Published online 2022 Sep 16. doi: 10.3390/molecules27186041

Swiss Melanoma Guidelines: Was ist neu?

Die Behandlung des Malignen Melanoms unterliegt einem stetigen Wandel mit vielen Neuerungen, die seit den zuletzt publizierten Schweizer Guidelines (2016) Einzug in den klinischen Alltag finden sollten. Es ist wichtig, klare und praxisnahe Richtlinien für die niedergelassenen Kollegen aber auch andere Fachbereiche zu formulieren, die mit dieser Entität in Berührung kommen, um möglichst eine einheitliche, evidenz-basierte Behandlung schweizweit anzustreben. Wir möchten die wichtigsten Neuerungen im folgenden Artikel zusammenfassen.

The treatment of malignant melanoma is subject to constant change with many innovations that should find their way into everyday clinical practice since the last published Swiss guidelines in 2016. It is important to formulate clear and practical guidelines for colleagues in private practice as well as other specialist areas that come into contact with this entity in order to strive for standardized, evidence-based treatment throughout Switzerland. We would like to summarize the most important new features in the following article.
Key Words: Malignant, Melanoma, guidelines, Switzerland, update

Die WHO-Klassifikation des Melanoms wurde an neue Erkenntnisse, welche durch molekulare Sequenzierungen gewonnen ­wurden, an­gepasst und ergänzt (1).

Neu wird der Begriff des low-CSD (low cumulative sun damage melanoma) für das SSM (superficial spreading melanoma) verwendet. Das high-CSD schliesst desmoplastische Melanome und das Lentigo maligna Melanom (LMM) ein. Zudem wurde das Konzept des Melanocytoms eingeführt, welches molekular dezidierte Subtypen einschliesst und die Entität des Spitz-Melanocytoms welcher den atypischen Spitz-Tumor ersetzt, einführt. Diese neuen Subtypen haben aufgrund ihrer molekularen Unterschiede wichtige Implikationen im Hinblick auf die Prognose, Nachsorge und Behandlung.

Bezüglich chirurgischer Exzision wird darauf hingewiesen, dass die diagnostische Biopsie eine Beurteilung der Gesamtdicke der Läsion zulassen sollte, mit kleinem Randsaum. Die pathologische Beurteilung sollte durch ein erfahrenes Institut erfolgen.
Die empfohlenen SicherheitsabstƤnde bleiben gleich, jedoch ist die Empfehlung für den Sicherheitsabstand beim Vorliegen eines Melanoma in situ mindestens 5mm (Tab. 1).

Neoadjuvante Systemtherapie

Interessant sind die Entwicklungen im Hinblick auf die neoadjuvante Immuntherapie. Es wird vermutet, dass bei der neoadjuvanten Anwendung von Checkpoint-Inhibitoren eine höhere Anzahl von T-Zell-Populationen bereits im Tumorbett aktiviert wird und somit eine bessere Wirkung am Primarius und in eventuell vorhandenen Mikrometastasen erzielt werden kann. Zwei randomisierte Phase-2-Studien führten zu einer frühen Berücksichtigung eines neoadjuvanten Ansatzes, gefolgt von einer «practice changing» Phase-III-Studie, welche die neoadjuvante Immuntherapie als neuen Behandlungsstandard für Patienten im Stadium III und tastbaren oder bestätigten Lymphknotenmetastasen etabliert (2-4).

Während in der SWOG-S1801-Studie die Monotherapie mit Pembrolizumab über drei Zyklen vor der Operation evaluiert wurde, untersuchte die NADINA-Studie die Kombination aus Ipilimumab und Nivolumab. Die 2024 im New England Journal of Medicine veröffentlichte randomisierte Phase-III-NADINA-Studie überprüfte die Kombination mit Ipilimumab und Nivolumab über zwei Zyklen vor der Operation mit adjuvanter Weiterführung bei nicht ansprechenden oder bei partieller Remission im Vergleich zu einer direkten Operation mit anschliessender adjuvanter Immuntherapie. Nicht nur ein signifikanter Vorteil für das ereignisfreie Überleben (EFS), sondern auch ein Unterschied in der mittleren Überlebenszeit von 8 Monaten (P<0,001) konnte gezeigt werden (4). Deswegen muss die neoadjuvante Immuntherapie bei Patienten im Stadium III mit tastbaren oder vergrösserten und bestätigten Lymphknotenmetastasen vor der definitiven Operation im interdisziplinären Tumorboard evaluiert werden. Renommierte Experten weltweit setzen sich für die Umsetzung dieses Ansatzes ein (5).

Sentinel-Lymphknoten

Die Indikationen für die Durchführung des Sentinel-Lymphknotens bleiben gleich. Dieser ist empfohlen bei einer Breslow-Tumordicke von 0.8 mm oder grosser oder bei Vorliegen einer Exulzeration (pT1b). Dies selbstverstƤndlich bei klinisch negativen, regionƤren Lymphknoten. Die prognostische Bedeutung bleibt hoch, auch wenn aufgrund aktueller Daten die Notwendigkeit einer regionƤren Lymphonodektomie zu Recht hinterfragt wird. Ein korrektes Staging ist im Hinblick auf die Evaluation der adjuvanten Therapie wichtig.

Zu beachten gilt es, dass die pathologische Aufarbeitung der Sentinel-Lymphknoten aufwändig ist und diverse Kriterien aufgeführt gehören: die genaue Lokalisation der Metastase (subkapsulär, parenchymal oder beides), der Abstand der Metastase von der Kapsel, die maximale Dimension der Metastase und das Vorhandensein von extranodalem Befall. Die maximale Dimension ist ebenfalls wichtig in Bezug auf die Indikation zur adjuvanten Therapie.

Bei Vorhandensein von Melanom Zellen im Sentinel-Lymphknoten, wird nicht mehr routinemƤssig eine Komplettierungs-Lymonodektomie (CLND) empfohlen. Dies, da zwei wichtige Studien (DeCoG & MSLT-II) zwar eine tiefere Lokal Rezidivrate für Letztere zeigen konnten, jedoch keine Verbesserung des Gesamtüberlebens bei doch in Kauf zu nehmender hƶherer MorbiditƤt, gegenüber alleiniger Observation mit regelmƤssigen sonographischen Verlaufskontrollen und sequenzieller CLND (2, 3). Nach Diskussion an einem interdisziplinƤren Tumorboard, soll vor allem die adjuvante Therapie diskutiert werden.

Bei Vorhandensein von klinisch oder radiologisch nachgewiesenen oder vermuteten Lymphknotenmetastasen ist die Therapeutische Lymphonodektomie (TLND) unverƤndert indiziert. Dies, nach vorangegangenem Staging mittels PET-CT oder Kontrastmittel-CT und einem SchƤdel-MRI. Die Therapeutische Lymphonodektomie soll die TotalitƤt des befallenen Lymphknotenareals beinhalten und als en-bloc Dissektion erfolgen. Eine gezielte Lymphknotenexzision (node-picking) ist nicht empfohlen.

Adjuvante Systemtherapie

Über Jahre waren Interferone für die adjuvante Therapie zugelassen und deren Indikation kontrovers diskutiert worden. Diese werden, nach Einzug der Immun-Checkpoint-Inhibitoren und der zielgerichteten Therapie in Form der Tyrosin-Kinase-Inhibitoren, nicht mehr angewendet.

Für Stadien III und IV besteht eine Indikation für eine adjuvante Therapie nach Besprechung am interdisziplinären Tumorboard. Es besteht einerseits die Möglichkeit der Immuntherapie (Checkpoint-Inhibitor in Monotherapie), welche bevorzugt Anwendung findet. Bei BRAF mutierten Melanomen kann auch die Kombinationsbehandlung eines BRAF & MEK-Inhibitors zur Anwendung kommen (4,5). Deshalb ist eine molekulare Untersuchung vor der Tumorboard-Besprechung Voraussetzung.

Bei Patienten mit BRAF-Mutation sollte die Entscheidung möglichst personalisiert erfolgen unter Berücksichtigung des Toxizitätsprofils, der Begleiterkrankungen, des Alters und der Lebensqualität sowie eines künftigen Kinderwunsches.

Für Stadien IIIA mit einer Tumorlast im Sentinel-Lymphknoten von < 1 mm wird eine adjuvante Systemtherapie nicht routinemƤssig empfohlen. Bei der kleinen Untergruppe von Patienten im Stadium IIIA mit hƶherem Rückfallrisiko (SLNB > 1 mm) sollte eine adjuvante Behandlung im Rahmen klinischer Studien erwogen werden. Gibt es keine klinische Studie, kann eine adjuvante Behandlung nach ausgewogener Diskussion über Risikominderung und LangzeittoxizitƤt mit dem Patienten diskutiert werden.

Für die Stadien II ist eine adjuvante Systemtherapie grundsätzlich nicht empfohlen, wobei diese Fälle auch am Tumorboard besprochen werden sollten, um einen Einschluss in laufenden Studien zu ermöglichen. Eine ausgewogene Evaluierung des Nutzen-Risikos ist in allen Fällen durchzuführen und das Potenzial für Langzeit-Toxizitäten mit den Patient/-innen zu diskutieren. Ganz aktuell hat Swissmedic für die Stadien IIB und C Pembrolizumab zugelassen, jedoch ist eine Listung auf der Spezialitätenliste noch nicht erfolgt.

Lokalisiertes und loco-regionƤres Melanom

Bei resektabler oder oligometastasierter Erkrankung sollte ein chirurgischer Eingriff angeboten werden. Vor allem, wenn er mit einer akzeptablen und begrenzten Morbidität einhergeht. Eine adjuvante Behandlung sollte geprüft werden, nach Besprechung am interdisziplinären Tumorboard in Bezug auf eine Radiotherapie bzw. Systemtherapie.

In selektionierten FƤllen, die unter Immuntherapie ansprechen, aber eine lokalisierte Progression zeigen, kann eine chirurgische Resektion erwogen werden, wenn eine vollstƤndige Resektion als sinnvoll erachtet wird. Im palliativen Kontext kann eine Chirurgie bei metastasierter Erkrankung eine wirksame palliative Behandlungsoption sein.

Strahlentherapie

Verschiedene Studien konnten eine gute Wirksamkeit der Strahlentherapie in Bezug auf eine lokale Kontrolle zeigen. AbhƤngig von Lokalisation und PatientenprƤferenz kann diese als Alternative bei inoperablen Tumoren oder bei Ƥlteren Patienten mit hoher KomorbiditƤt angeboten werden. Insbesondere bei Lentigo-Maligna ist eine primƤre, definitive Bestrahlung eine etablierte Option mit hervorragenden Kontrollraten. Weiterhin kann die Radiotherapie in den palliativen Situationen zur lokalen Kontrolle und zur Schmerzbehandlung eingesetzt werden.

Adjuvante Strahlentherapie

Für eine Strahlentherapie des primären Tumorbettes im postoperativen, adjuvanten Setting gibt es kaum Daten, ausser für das desmoplastische Melanom, welches eine höhere lokale Rezidivrate aufweist. Eine postoperative Bestrahlung der beteiligten Lymphabflusswege nach Lymphonodektomie führt generell zu einer signifikanten Verbesserung der regionalen Tumorkontrolle, jedoch ohne Auswirkung auf das Überleben. Es ist jedoch mit einer Zunahme an Toxizität (Lymphödeme, Fibrose) verbunden. Diese sollte deshalb am interdisziplinären Tumorboard besprochen werden.

Palliative Strahlentherapie

Palliative perkutane Strahlentherapie von unkontrollierten Knochenmetastasen führt bei den meisten Patienten zu signifikanter Schmerzlinderung. Eine palliative perkutane Strahlentherapie von destabilisierenden Skelettmetastasen führt innerhalb von 3-6 Monaten zu einer Rekalzifizierung und Stabilisierung des betroffenen Knochens. Aus diesem Grunde wird eine palliative Strahlentherapie sowohl für symptomatische als auch für asymptomatische, aber kritische Knochenmetastasen empfohlen.

Oligometastatische Erkrankung

Für extrakranielle oligometastatische Erkrankung zeigen Studien potenzielle Vorteile in Krankheitskontrolle und Überleben durch stereotaktische, ablative Radiotherapie (SABR) im Vergleich zur Standardbehandlung, obwohl spezifische Studien für malignes Melanom fehlen. Die Kombination von SABR mit Immuntherapie ist sicher, aber Vorsicht ist bei gleichzeitiger BRAF-Hemmung geboten. Aufgrund begrenzter Daten für Melanome wird die Einbeziehung dieser Patienten in laufende Studien stark empfohlen.

Systemtherapie bei fortgeschrittenen Stadien

Bei der systemischen Behandlung von Melanomen mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren haben Phase-3-Studien gezeigt, dass Anti-PD1-Monotherapien (Pembrolizumab, Nivolumab) oder die Kombination aus Anti-PD1 (Nivolumab) und Anti-CTLA4 (Ipilimumab) für nicht resektable oder metastasierte Melanome eine Standarderstlinientherapie darstellen. Die Checkmate 067-Studie ergab, dass die mediane Gesamtüberlebenszeit (OS) bei der Kombination von Ipilimumab und Nivolumab 72,1 Monate, bei Nivolumab allein 36,9 Monate und bei Ipilimumab-Monotherapie 19,9 Monate beträgt (9). In der Keynote 006-Studie war das mediane OS bei Pembrolizumab 32,7 Monate und bei Ipilimumab 15,9 Monate (10). Die Kombination aus Nivolumab und dem Anti-LAG3-Antikörper Relatlimab zeigte eine längere mediane progressionsfreie Überlebenszeit im Vergleich zu Nivolumab allein (10,1 vs. 4,6 Monate) (11). Allerdings ist die Nivolumab-Ipilimumab-Kombination mit einer höheren Rate an schweren immunbezogenen Nebenwirkungen verbunden.

Biomarker, um Patienten zu identifizieren, die von einer Kombinationstherapie profitieren, sind bisher nicht etabliert. Die Therapieentscheidung zwischen Anti-PD1-Monotherapie und Nivolumab-Ipilimumab sollte auf prognostischen Markern wie Vorhandensein von Hirnmetastasen, hohen LDH-Werten, ECOG-Status und Komorbiditäten basieren. Ipilimumab-Nivolumab wird bevorzugt bei asymptomatischen Hirnmetastasen und hohen LDH-Werten empfohlen. Bei Patienten mit vorbestehenden Autoimmunerkrankungen sollte eine multidisziplinäre Teamberatung erfolgen. Im Gegensatz zu früher stellen Autoimmunerkrankungen per se nicht zwingend Kontraindikationen für eine Checkpoint-Inhibitor-Therapie dar.

Bei BRAF-mutiertem Melanom zeigten drei Kombinationen von BRAF/MEK-Inhibitoren (Vemurafenib-Cobimetinib, Dabrafenib-Trametinib, Encorafenib-Binimetinib) eine Verbesserung der PFS und OS im Vergleich zur BRAF-Inhibitor-Monotherapie (12, 13). Bei Bedarf auf ein rasches Ansprechen bzw. eine hohe Ansprechrate kann bei BRAF-mutierten Patienten die Kombination der oben genannten erfolgen. Ansonsten bildet auch hier die Immuntherapie die empfohlene erste Linie. Die Kombination von Atezolizumab, Vemurafenib und Cobimetinib kann bei Patienten mit BRAF-mutiertem Melanom, die für eine ICI-Kombinationsbehandlung ungeeignet sind, in Erwägung gezogen werden, bzw. als Salvage-Therapie im weiteren Verlauf der Erkrankung.

Zweitlinienbehandlung

Ipilimumab-Nivolumab wird als bevorzugte Zweitlinientherapie nach Anti-PD(L)1-Inhibitoren für BRAF-nicht-mutierte Melanome dar und für BRAF-mutierte Patienten nach einer Kombinationsbehandlung mit einem BRAF- und MEK-Inhibitor empfohlen. T-VEC, eine onkolytische Virustherapie, ist für die lokale Behandlung von nicht resezierbarem Stadium IIIB-IIID-M1a Melanom zugelassen. Vor allem bei gut zugƤnglichen, oberflƤchlichen Lymphknotenmetastasen und kutanen Metastasen gilt T-VEC als gute Option. Die klassische, anti-neoplastische Chemotherapie wird bei metastasiertem Melanom seltener oder als letzte Option angesehen. Dacarbazin und Temozolomid, die am hƤufigsten verwendeten Wirkstoffe, zeigen jedoch nur eine kurze Wirkung und eine begrenzte Verbesserung des Gesamtüberlebens. Chemotherapie hat weiterhin einen Stellenwert bei prognostisch schlechten Melanomen, z.B. bei Patienten mit einer hohen LDH und refraktƤrer Erkrankung (Tab. 2).

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

PD Dr. med. Marco Siano

SEELAND CANCER CENTER
Tumorzentrum – Biel
Hans-Hugi Strasse 3
2502 Biel

Der Autor hat keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

  • WHO-Klassifikation: Aktualisierung mit neuen Begriffen wie Ā«low-CSDĀ» für SSM, Einführung des Melanocytom-Konzepts und Ersetzung des atypischen Spitz-Tumors durch Spitz-Melanocytome.
  • Chirurgische Exzision und Sentinel-Lymphknoten: Wichtigkeit einer vollstƤndigen diagnostischen Biopsie und Beibehaltung der Indikationen für Sentinel-Lymphknoten-Biopsie bei bestimmten Tumordicken.
  • Komplettierungs-Lymonodektomie: Empfehlung gegen routinemƤssige Komplettierungs-Lymonodektomie bei Melanomzellen im Sentinel-Lymphknoten zugunsten individueller Therapieentscheidungen.
  • Adjuvante Systemtherapie: Ersetzung von Interferonen durch Immun-Checkpoint-Inhibitoren und Tyrosin-Kinase-Inhibitoren, insbesondere bei BRAF-mutierten Melanomen.
  • Neoadjuvante und lokalisierte Therapien: Neoadjuvante Immuntherapie bietet Vorteile, chirurgische Eingriffe sind bei resektablen FƤllen indiziert und Strahlentherapie wird für lokale Kontrolle oder Palliation eingesetzt.

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Les Centenaires: Pourquoi s’y IntĆ©resser ?

Le vieillissement dĆ©mographique est un sujet Ć  impact majeur et aux enjeux multiples dans le domaine de la santĆ©. Cependant, une moindre attention est accordĆ©e Ć  un groupe spĆ©cifique: les centenaires. Cette population en rapide expansion nĆ©cessite une comprĆ©hension approfondie de ses caractĆ©ristiques uniques et il est important que les professionnels de la santĆ© soient sensibilisĆ©s Ć  ces particularitĆ©s, Ć©tant donnĆ© leurs interactions croissantes avec ce groupe d’âge.

Demographic ageing is a subject with a major impact and multiple challenges in the healthcare field. However, less attention is paid to one specific group: centenarians. This rapidly expanding population requires an in-depth understanding of its unique characteristics, and it is important for healthcare professionals to be aware of these particularities, given their increasing interactions with this age group.

Keywords: ageing, centenarians, gerontology, SWISS100
https://wp.unil.ch/swiss100/fr

Selon les Nations Unies (1), le nombre de personnes Ć¢gĆ©es de 100 ans ou plus dans le monde s’élevait Ć  un demi-million en 2015, avec des projections Ć  3.4 millions en 2050 et de plus de 25 millions en 2100. La Suisse suit cette tendance mondiale. D’aprĆØs l’Office fĆ©dĆ©ral de la statistique, le pays comptait 2086 centenaires au 31 dĆ©cembre 2023 (2), comparĆ© Ć  seulement 787 en 2000 (3). Cette augmentation remarquable peut ĆŖtre attribuĆ©e Ć  une convergence de facteurs, dont les avancĆ©es mĆ©dicales et l’amĆ©lioration de la qualitĆ© de vie. Il est reconnu que les progrĆØs dans la gestion des maladies chroniques et la prĆ©vention jouent un rĆ“le crucial, tout comme les facteurs liĆ©s aux modes de vie et Ć  la robustesse individuelle, particuliĆØrement chez les personnes atteignant un Ć¢ge avancĆ©. Ces dĆ©veloppements soulĆØvent des questions cruciales sur les politiques sociales, les infrastructures de soins, et le soutien nĆ©cessaire aux personnes trĆØs Ć¢gĆ©es.

Plusieurs Ć©tudes sur les centenaires ont Ć©tĆ© rĆ©alisĆ©es: elles contribuent Ć  enrichir notre comprĆ©hension des caractĆ©ristiques particuliĆØres de cette population. Des rĆ©sultats de la Fordham Centenarian Study (4), rĆ©alisĆ©e Ć  New York en 2010 ont mis en Ć©vidence qu’une majoritĆ© des centenaires vivait Ć  domicile, Ć©tait veuve et possĆ©dait un niveau d’éducation Ć©levĆ©. La plupart des participants maintenait de bonnes capacitĆ©s cognitives et une perception positive de leur santĆ©, malgrĆ© la prĆ©sence de comorbiditĆ©s. Bien que confrontĆ©s Ć  des difficultĆ©s dans au moins une activitĆ© de la vie quotidienne, la satisfaction de vivre demeurait Ć©levĆ©e. De plus, la majoritĆ© d’entre eux prĆ©sentait des niveaux de symptĆ“mes dĆ©pressifs infĆ©rieurs aux seuils critiques, malgrĆ© un risque d’isolement social. Les facteurs contribuant positivement Ć  leur bien-ĆŖtre mental incluaient la santĆ© subjective, les capacitĆ©s fonctionnelles et le soutien familial, tandis que les caractĆ©ristiques dĆ©mographiques, le nombre de comorbiditĆ©s et le statut cognitif n’affectaient pas significativement leur santĆ© mentale. Ces rĆ©sultats suggĆØrent que les centenaires font preuve de rĆ©silience: en effet, malgrĆ© la prĆ©sence de comorbiditĆ©s et de dĆ©fis fonctionnels, nombre d’entre eux maintien un niveau Ć©levĆ© de bien-ĆŖtre mental (4). Ces constats mettent en lumiĆØre le Ā«paradoxe du bien-ĆŖtreĀ» qui se manifeste au sein de cette population. Être atteint de maladies et dĆ©pendant sur le plan fonctionnel Ć  100 ans ne se traduit pas forcĆ©ment par une Ć©valuation nĆ©gative de sa propre santĆ©. Cet Ć©cart entre les indicateurs objectifs et subjectifs tĆ©moigne de l’aptitude des centenaires Ć  s’adapter et souligne Ć©galement l’importance des ressources personnelles dans la gestion de leur santĆ© (5).

Les enfants jouent un rĆ“le central dans le soutien des centenaires, les aidant Ć  rester Ć  domicile malgrĆ© des problĆØmes de santĆ© (6). Alors que, ceux sans enfants semblent recevoir moins d’aide, mĆŖme en prĆ©sence d’amis ou de voisins (7). Ces centenaires dĆ©pendent souvent d’un nombre limitĆ© de personnes lorsqu’ils ont des besoins Ć©levĆ©s en aide, les rendant plus vulnĆ©rables (8). Le fardeau des aidants des centenaires est un aspect important, avec des rĆ©percussions sur leur santĆ© physique et mentale (9). Une Ć©tude comparative entre les Ɖtats-Unis et le Japon a rĆ©vĆ©lĆ© que le fardeau des aidants des centenaires Ć©tait significativement influencĆ© par la personnalitĆ© de ces derniers (10). Aux Ɖtats-Unis, le nĆ©vrosisme augmentait le fardeau perƧu, tandis que l’agrĆ©abilitĆ© et la conscienciositĆ© le rĆ©duisaient. Au Japon, l’ouverture Ć  l’expĆ©rience et l’agrĆ©abilitĆ© diminuaient Ć©galement le fardeau perƧu (10). MalgrĆ© le risque de fardeau, l’évidence scientifique indique que les enfants septuagĆ©naires ayant au moins un parent centenaire prĆ©sentent des niveaux fonctionnel et cognitif supĆ©rieurs, ainsi qu’une prĆ©valence moindre de certaines maladies (AVC, HTA, entre autres) (11).

En outre, il est important de noter que la diversitĆ© observĆ©e parmi les centenaires dĆ©coule largement des processus de sĆ©lection qu’ils ont surmontĆ©, de leur environnements physique et social, ainsi que de leurs caractĆ©ristiques personnelles telles que le sexe, ce qui influence leur parcours individuel en matiĆØre de santĆ© et crĆ©e des besoins variĆ©s (12). Une approche globale de la santĆ© des centenaires doit tenir compte de cette diversitĆ© et de ses dĆ©terminants multiples.

L’étude des centenaires en Suisse est d’autant plus pertinente qu’il s’agit de l’un des pays ayant l’espĆ©rance de vie et la qualitĆ© de vie les plus Ć©levĆ©es. L’identification des facteurs favorisant le Ā«vieillissement rĆ©ussiĀ» permettrait d’approfondir notre comprĆ©hension du grand Ć¢ge et de fournir des orientations Ć  l’échelle nationale et internationale pour faire face aux dĆ©fis liĆ©s Ć  l’augmentation rapide du nombre de personnes trĆØs Ć¢gĆ©es (13).

Toutefois, en Suisse, la population centenaire a Ć©tĆ© peu Ć©tudiĆ©e, et les besoins spĆ©cifiques de ces personnes restent largement inexplorĆ©s. C’est de cette lacune que naĆ®t la Swiss Centenarian Study (SWISS100): Vulnerability and Resilience at Age 100 (13, 14), financĆ©e par le Fonds national suisse (FNS) de la recherche scientifique.

L’étude SWISS100 (13, 14), premiĆØre Ć©tude nationale sur les centenaires, adopte une approche interdisciplinaire en intĆ©grant les domaines de la mĆ©decine somatique, de la psychiatrie, de la Ā­psychologie, de la sociologie et de la biologie. Elle inclut des centenaires des trois principales rĆ©gions linguistiques, avec des Ć©quipes de recherche Ć  Lausanne et GenĆØve, Zurich et Manno au Tessin, afin d’explorer les spĆ©cificitĆ©s culturelles. Les objectifs de l’étude SWISS100 sont: (1) la crĆ©ation d’une base de connaissances exhaustive sur les caractĆ©ristiques, les conditions de vie, les ressources et les besoins des centenaires vivant en Suisse ; (2) l’identification de la vulnĆ©rabilitĆ© dans ses diffĆ©rentes formes, de ses prĆ©dicteurs et de ses consĆ©quences ; (3) la dĆ©couverte des mĆ©canismes de rĆ©silience qui permettent de faire face Ć  la vulnĆ©rabilitĆ©; et (4) l’analyse de l’impact des caractĆ©ristiques sociĆ©tales et culturelles sur la vie des centenaires en Suisse, en comparaison avec d’autres pays et entre les rĆ©gions linguistiques suisses (14).

Le projet SWISS100 a dĆ©butĆ© en janvier 2020, juste avant que l’Organisation mondiale de la santĆ© ne dĆ©clare une urgence de santĆ© publique mondiale en raison de la propagation du virus SARS-CoV-2. Pour s’adapter Ć  la situation sanitaire, une premiĆØre Ć©tude tĆ©lĆ©phonique a Ć©tĆ© lancĆ©e, permettant le recrutement alĆ©atoire de centenaires et de leurs proches dans tous les cantons suisses, sans mettre en danger ces individus potentiellement vulnĆ©rables. Cette phase exploratoire, conduite de dĆ©cembre 2020 Ć  juin 2022, avait pour but de tester la faisabilitĆ© de cette approche, d’évaluer la pertinence des questions pour l’étude principale (entretiens face-Ć -face), et d’identifier les ajustements nĆ©cessaires. L’exercice s’est avĆ©rĆ© trĆØs satisfaisant sur le plan de la faisabilitĆ©. Les donnĆ©es recueillies auprĆØs de 169 centenaires ou de leurs proches comprenaient des informations sociodĆ©mographiques, des donnĆ©es sur la santĆ©, le rĆ©seau social, le bien-ĆŖtre, les Ć©motions, et la prĆ©sence de symptĆ“mes dĆ©pressifs. L’âge moyen des participants Ć©tait de 102 ans ; 75 % Ć©taient des femmes, 76 % Ć©taient veufs, et 64 % rĆ©sidaient dans un Ć©tablissement mĆ©dico-social (EMS) (15). Parmi les 36 % habitant Ć  domicile, la moitiĆ© vivait seule (15). La majoritĆ© des Ā­participants (56 %) Ć©valuait sa santĆ© comme bonne, trĆØs bonne ou excellente, et presque tous (92 %) exprimaient une satisfaction de vie Ć©levĆ©e (15). Le niveau de satisfaction de vie Ć©tait supĆ©rieur en comparaison avec les rĆ©sultats des Ć©tudes prĆ©cĆ©dentes (4,6), ce qui pourrait reflĆ©ter une rĆ©action spĆ©cifique au contexte de la pandĆ©mie de COVID-19. Cette situation a pu favoriser des processus de comparaison particuliers, incitant les centenaires Ć  augmenter leur Ć©valuation personnelle. Il a Ć©galement Ć©tĆ© observĆ© que les centenaires rĆ©sidant en EMS prĆ©sentaient un risque significativement plus Ć©levĆ© de dĆ©velopper des symptĆ“mes dĆ©pressifs pendant la pandĆ©mie (16).

L’étude principale de SWISS100, de type longitudinal, a dĆ©butĆ© en septembre 2022 dans six cantons suisses (Vaud, GenĆØve, Zurich, Berne, BĆ¢le-Ville et Tessin). L’échantillon initial, sĆ©lectionnĆ© de maniĆØre alĆ©atoire, est composĆ© de 276 centenaires, rĆ©partis de maniĆØre Ć©quitable dans les trois rĆ©gions linguistiques. Actuellement, la troisiĆØme vague de collecte des donnĆ©es est en cours, ce qui permettra d’étudier les trajectoires des centenaires sur une pĆ©riode de 12 mois. Cette Ć©tude a visĆ© une collecte des donnĆ©es plus exhaustive sur les aspects socio-dĆ©mographiques, de soins, de santĆ© physique et fonctionnelle, de cognition, ainsi que divers aspects psychologiques et psychiatriques. Des Ć©chantillons biologiques, comprenant l’identification de marqueurs d’inflammation et cardio-mĆ©taboliques, sont prĆ©levĆ©s auprĆØs des centenaires consentants. L’analyse des donnĆ©es est prĆ©vue en 2024, et les rĆ©sultats seront diffusĆ©s Ć  travers des publications scientifiques et des participations Ć  des confĆ©rences nationales et internationales.

En conclusion, le projet SWISS100 vise à enrichir notre compréhension du vieillissement en Suisse grâce à une approche interdisciplinaire unique. En explorant le grand âge sous divers angles, ce projet ouvre de nouvelles perspectives sur les défis de la longévité extrême. Cette approche pourrait contribuer à la conception de modèles de services de santé et de politiques publiques adaptés, répondant ainsi aux besoins spécifiques des personnes très âgées et de leurs proches.

Carla Gomes da Rocha 1, 2, 3
Pr Daniela S. Jopp 4, 5
Pr Stefano Cavalli 6
Pr FranƧois Herrmann 7
Pr Armin von Gunten 1
1 Service universitaire de psychiatrie de l’âge avancĆ© (SUPAA), Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV), Lausanne.
2 Institut de sciences biomƩdicales Abel Salazar (ICBAS), UniversitƩ de Porto, Porto.
3 Haute Ɖcole de SantĆ©, HES-SO Valais-Wallis, Sion.
4 Institut de Psychologie, UniversitƩ de Lausanne (UNIL), Lausanne.
5 Swiss center of expertise in life course research LIVES, UniversitƩ de Lausanne (UNIL), Lausanne.
6 Centre de compƩtences sur le vieillissement, Haute Ʃcole spƩcialisƩe de la Suisse italienne (SUPSI), Manno.
7 Service de gériatrie et de réadaptation, HÓpital des Trois-Chêne, HÓpitaux Universitaires de Genève (HUG), ThÓnex.

Copyright Aerzteverlag medinfo AG

Carla Gomes da Rocha

– Service universitaire de psychiatrie de l’âge avancĆ© (SUPAA),
Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV), Lausanne.
– Institut de sciences biomĆ©dicales Abel Salazar (ICBAS),
UniversitƩ de Porto, Porto.
– Haute Ɖcole de SantĆ©, HES-SO Valais-Wallis, Sion.

Pr Daniela S. Jopp

– Institut de Psychologie, UniversitĆ© de Lausanne (UNIL), Lausanne.
– Swiss center of expertise in life course research LIVES,
UniversitƩ de Lausanne (UNIL), Lausanne.

Pr Armin von Gunten

Service universitaire de psychiatrie de l’âge avancĆ© (SUPAA),
Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV), Lausanne.

Les auteurs n’ont pas dĆ©clarĆ© de conflit d’intĆ©rĆŖts en rapport avec cet article.

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13. Swiss National Science Foundation. Swiss Centenarian Study (SWISS100): Vulnerability and Resilience at Age 100 [Internet]. Synergia Project Switzerland; 2019. Available from: https://wp.unil.ch/swiss100/fr/
14. Jopp D, von Gunten A, Herrmann F, Cavalli S. Swiss Centenarian Study (SWISS100): Vulnerability and Resilience at Age 100. In: SNSF – Swiss National Science Foundation, editor. Synergia Project Switzerland, 2019.
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16. Gomes da Rocha C, von Gunten A, Falciola J, Uittenhove K, Cavalli S, Herrmann F, Martin M, Jopp D. Depressive Symptoms in Centenarians During the Covid-19 Pandemic: Findings From the SWISS100 Study. Innovation in Aging. 2023 Dec;7(Supplement_1):276-277. https://doi.org/10.1093/geroni/igad104.0919

Ponction et infiltration articulaire: Pour et Contre

Les ponctions et infiltrations articulaires sont des procĆ©dures mĆ©dicales frĆ©quentes, particuliĆØrement rĆ©alisĆ©es par les rhumatologues. En premier lieu, il y a le genou en raison de sa grande taille et de son accessibilitĆ©, ainsi que sa frĆ©quente implication dans des maladies rhumatismales ou mĆ©caniques. Les Ć©paules, poignets, hanches, chevilles, ainsi que des petites articulations telles que les articulations des doigts sont Ć©galement souvent ponctionnĆ©es ou infiltrĆ©es. Cet article abordera certains principes de base ainsi que les controverses entourant la ponction et l’ infiltration articulaires.

Joint punctures and infiltrations are frequent medical procedures, particularly carried out by rheumatologists. First and foremost is the knee, due to its large size and accessibility, as well as its frequent involvement in rheumatic or mechanical diseases. The shoulders, wrists, hips, ankles and small joints such as the finger joints are also often punctured or infiltrated. This article will look at some of the basic principles and controversies surrounding joint puncture and infiltration.
Key Words: joint infiltration, arthrocnetesis, arthritis

Aspects techniques

Nous distinguons la ponction diagnostique, la plus courante, de la ponction thĆ©rapeutique. Dans un tableau clinique clair comme une chondrocalcinose et un bon Ć©tat gĆ©nĆ©ral, la ponction diagnostique et l’ infiltration thĆ©rapeutique des glucocorticoĆÆdes sont effectuĆ©es simultanĆ©ment. L’ échographie a grandement simplifiĆ© la ponction et infiltration intraarticulaire. Un Ć©panchement articulaire bien ponctionnable est identifiable par une structure hypoĆ©chogĆØne. Dans certain cas (par exemple dans l’ articulation de la hanche, certaines bourses ou en cas de peu d’ épanchement), la ponction articulaire doit ĆŖtre rĆ©alisĆ©e sous surveillance Ć©chographique. GĆ©nĆ©ralement, un simple marquage suffit. En cas de peu d’ épanchement, la main non Ć©chogĆØne ou non ponctionnante peut ĆŖtre utilisĆ©e pour pousser le liquide synovial du cĆ“tĆ© opposĆ© vers la sonde ou l’ aiguille. Un effet secondaire bienvenu est le Ā«contrĆ“le de la porteĀ», c’ est-Ć -dire que la pression de la main envoie des affĆ©rences antalgiques vers la moelle Ć©piniĆØre. On connaĆ®t cela lorsque l’ on frotte une partie du corps en cas de douleur. Bien entendu, les prĆ©cautions stĆ©riles doivent ĆŖtre respectĆ©es, au minimum la technique de non-contact recommandĆ©e. En gĆ©nĆ©ral, nous recommandons de tenir l’ aiguille d’ une main et de crĆ©er ainsi une dĆ©pression pendant la ponction pour obtenir l’ aspirat rapidement et de maniĆØre atraumatique.

Pour la ponction et l’ infiltration articulaire

1. UtilitĆ© diagnostique: Le premier objectif est d’ exclure une arthrite septique ou bactĆ©rienne. Attention: le prĆ©lĆØvement de Gram a une sensibilitĆ© de seulement 50 %. Le standard d’ or est la culture. Pour certaines questions spĆ©cifiques, comme la dĆ©tection de la borrĆ©liose ou de Tropheryma whipplei, une PCR est rĆ©alisĆ©e (1). La microscopie en polarisation peut dĆ©tecter des cristaux frĆ©quents dans l’ arthrite, tels que l’ urate et le pyrophosphate de calcium (illustration 1). Le nombre de cellules diffĆ©rencie un Ć©tat inflammatoire (>2000 cellules par mm3) d’ un Ć©tat non inflammatoire, comme souvent dans l’ arthrose. Une arthrose activĆ©e devrait Ć  notre avis ĆŖtre diagnostiquĆ©e au moins une fois par ponction. L’ injection d’ anesthĆ©siques locaux (souvent mĆ©langĆ©s Ć  des stĆ©roĆÆdes) peut dĆ©terminer si la cause de la douleur est rĆ©ellement intra-articulaire.
2. Traitement ciblĆ©: L’ injection directe du mĆ©dicament dans l’ articulation affectĆ©e permet une action ciblĆ©e sur la zone problĆ©matique, sans affecter le reste du corps ni interagir avec d’ autres mĆ©dicaments. Dans le cas d’ une monoarthrite, par exemple rĆ©active, lors d’ une polyarthrite rhumatoĆÆde ou d’ une arthrose activĆ©e, l’ inflammation peut ĆŖtre traitĆ©e spĆ©cifiquement par infiltration de glucocorticoĆÆdes. Bien que cela ne modifie pas la maladie, cela rĆ©duit considĆ©rablement la douleur et l’ immobilitĆ©. Dans une nouvelle Ć©tude, un stĆ©roĆÆde intra-articulaire Ć  longue durĆ©e d’ action a montrĆ© un effet significatif sur l’ arthrose pendant 52 semaines (2). Pour la polyarthrite rhumatoĆÆde, les stĆ©roĆÆdes peuvent Ć©galement ĆŖtre utilisĆ©s en complĆ©ment de la thĆ©rapie de base (3). ƀ ce jour, il n’ existe pas de Ā«mĆ©dicaments modifiant l’ arthroseĀ». L’ acide hyaluronique agit via le blockage de son rĆ©cepteur CD44 de maniĆØre anti-inflammatoire, cet effet est peut-ĆŖtre mĆŖme plus fort que l’ effet rhĆ©ologique en tant que Ā«lubrifiant articulaireĀ» (4). Le plasma riche en plaquettes (PRP) est Ć©galement utilisĆ© pour ses effets anti-inflammatoires et rĆ©gĆ©nĆ©ratifs. Cependant, il manque de donnĆ©es durables pour les inclure dans la routine. Chez les patients avec des comorbiditĆ©s cardiovasculaires, gastro-entĆ©rologiques ou autres, l’ infiltration articulaire avec des glucocorticoĆÆdes ou de l’ acide hyaluronique peut-ĆŖtre une alternative aux mĆ©dicaments administrĆ©s systĆ©miquement pour Ć©viter les effets secondaires ou les interactions.

Contre l’ infiltration articulaire

1. Risque d’ infections: Bien que le risque soit trĆØs faible, chaque infiltration articulaire comporte le risque d’ une arthrite septique. Les facteurs de risque incluent notamment des infiltrations rĆ©pĆ©tĆ©es dans la mĆŖme articulation, une immunosuppression et un manque d’ hygiĆØne. Ce risque doit toujours ĆŖtre mis en balance avec le bĆ©nĆ©fice potentiel. La question ne se pose gĆ©nĆ©ralement pas pour la ponction diagnostique.

2. Effets secondaires possibles: L’ infiltration de stĆ©roĆÆdes dans les articulations superficielles, comme les articulations des doigts, peut entraĆ®ner des atrophies cutanĆ©es et des dĆ©pigmentations (illustration 2). Cela survient gĆ©nĆ©ralement 2–3 mois aprĆØs l’ infiltration et se normalise d’ elle-mĆŖme aprĆØs jusqu’ à deux ans (5). Cela peut Ć©galement survenir dans des articulations profondes comme les articulations facettaires de la colonne lombaire. Non seulement l’ administration orale, mais aussi l’ administration intra-articulaire rĆ©pĆ©tĆ©e de stĆ©roĆÆdes Ć  effet prolongĆ© peut entraĆ®ner un syndrome de Cushing ou d’ autres dommages induits par les corticostĆ©roĆÆdes comme l’ ostĆ©oporose, la peau de parchemin, etc. Cependant, il faut considĆ©rer que l’ alternative Ć  l’ infiltration articulaire est souvent des anti-inflammatoires oraux, qui ont Ć©galement des effets secondaires qui doivent ĆŖtre mis en contexte.

3. Solution Ć  court terme: Souvent, l’ infiltration articulaire ne fournit qu’ un soulagement temporaire, par exemple des stĆ©roĆÆdes pour l’ arthrose activĆ©e ou l’ arthrite cristalline. La cause n’ est pas traitĆ©e, Ć  part la rĆ©duction de l’ acide urique dans la goutte. Pour le patient individuel, cependant, le soulagement Ć  court terme de la douleur peut avoir une grande valeur.

4. Dommages potentiels aux tissus articulaire: Des injections frĆ©quentes de glucocorticoĆÆdes, mais aussi d’ anesthĆ©siques locaux, peuvent endommager le tissu cartilagineux (6). Certains centres n’ infiltrent plus gĆ©nĆ©ralement d’ anesthĆ©siques locaux dans l’ articulation. Cependant, ces donnĆ©es sont principalement basĆ©es sur des expĆ©riences in vitro et ne sont pas nĆ©cessairement reproductibles dans des Ć©tudes cliniques (8).

5. Preuves incertaines pour la viscosupplĆ©mentation dans l’ arthrose: Diverses sociĆ©tĆ©s professionnelles, telles que l’ ACR, dĆ©conseillent le traitement intra-articulaire avec de l’ acide hyaluronique en raison des donnĆ©es disponibles (7). OARSI recommande un tel traitement pour les patients ayant des comorbiditĆ©s qui ne sont pas Ć©ligibles Ć  un traitement par AINS ou stĆ©roĆÆdes intra-articulaires.

RƩsumƩ et Perspectives

L’ infiltration articulaire est un outil diagnostique important dans les maladies articulaires et peut ĆŖtre une mĆ©thode efficace pour soulager la douleur et rĆ©duire l’ inflammation chez de nombreux patients souffrant d’ arthrite. Ceci est valable pour les arthrites induites par des cristaux, l’ arthrose, ainsi que pour les arthrites issues du spectre rhumatismal. Il est cependant important de considĆ©rer les risques potentiels et les effets secondaires et de les discuter avec le patient.

Dans le traitement de l’ arthrose, une approche globale doit toujours ĆŖtre prĆ©sente. Cela signifie que les facteurs biomĆ©caniques doivent ĆŖtre pris en compte et, par exemple, en cas de malalignement, traitĆ©s par une orthĆØse. Une prudence particuliĆØre est nĆ©cessaire dans le cas de l’ infiltration articulaire (rĆ©pĆ©titive), notamment dans les syndromes de douleur chronique et la fibromyalgie. Ceci est particuliĆØrement vrai pour l’ infiltration de la colonne vertĆ©brale, par exemple des articulations facettaires. De nouvelles approches thĆ©rapeutiques pour l’ arthrose de certaines articulations visent spĆ©cifiquement une administration intra-articulaire plutĆ“t que systĆ©mique. On peut espĆ©rer que, du point de vue diagnostique, en plus du nombre de cellules, de l’ analyse des cristaux et de la bactĆ©riologie, de nouveaux biomarqueurs du liquide synovial soient disponibles, par exemple pour diffĆ©rencier une arthrite rĆ©active d’ une polyarthrite rhumatoĆÆde ou pour mieux prĆ©voir le pronostic et la rĆ©ponse dans la polyarthrite rhumatoĆÆde.

Copyright Aerzteverlag medinfo AG

Pr Thomas Hügle

HƓpital orthopƩdique
Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV)
Avenue Pierre Decker
1011 Lausanne

L’  auteur n’  a pas dĆ©clarĆ© de conflits d’  intĆ©rĆŖts en rapport avec cet article.

ā—† Les ponctions articulaires sont la voie directe pour le diagnostic
des arthrites associƩes aux cristaux et peuvent diffƩrencier entre les arthrites dƩgƩnƩratives et inflammatoires.
ā—† En particulier, les monarthrites peuvent ĆŖtre infiltrĆ©es avec des Ā­glucocorticoĆÆdes au lieu d’ un traitement systĆ©mique.
ā—† Dans le cas de l’ arthrose, les infiltrations de glucocorticoĆÆdes ou
d’ acide hyaluronique ont une importance symptomatique, bien qu’ elles n’ affectent pas l’ évolution radiologique.

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