Systemische Vaskulitiden – Diagnostik und neue TherapieansƤtze mit Biologika

Systemische Vaskulitiden gehören zu den seltenen Erkrankungen. Bei unklarem Beschwerdebild (Fever of unknown origin, Gewichtsverlust und erhöhten Entzündungsparametern) kann eine frühzeitige Diagnostik mittels PET-CT eine Verzögerung der Therapie vermeiden. Neue Biologika bieten vielversprechende Therapieansätze und senken die Steroidmorbidität.

Les vascularites systĆ©miques font partie des maladies rares. Si les symptĆ“mes ne sont pas clairs (fiĆØvre d’origine inconnue, perte de poids et augmentation des paramĆØtres inflammatoires), un diagnostic prĆ©coce par TEP-TDM peut Ć©viter de retarder le traitement. Les nouveaux produits biologiques offrent des approches thĆ©rapeutiques prometteuses et rĆ©duisent la morbiditĆ© liĆ©e aux stĆ©roĆÆdes

Nicht-infektiƶse systemische Vaskulitiden-Einteilung und Diagnostik

Vaskulitiden entsprechen einer Entzündung der Gefässwand und können infektiös oder nicht-infektiös bedingt sein. In diesem Artikel beziehen wir uns auf die systemischen nicht-infektiösen Vaskulitiden. Die Einteilung nach Gefässgrösse (klein, mittel, gross) erfolgt gemäss prädominantem Auftreten der Entzündung, kann jedoch übergreifend sein. Die 2012 revidierte Chapel Hill Consensus Klassifikation definiert die Nomenklatur der Vaskulitiden (1). Neben systemischen Vaskulitiden gibt es verschiedene organlimitierte Formen (z.B. Haut, Auge, Niere), auf welche wir hier nicht eingehen.
In der Diagnostik kann ein Organbefall mit entsprechender Dysfunktion wegweisend sein, oft stehen aber unspezifische Allgemeinsymptome wie Fieber, Nachtschweiss, Malaise und Gewichtsverlust im Vordergrund. Dies macht meistens eine ausgedehnte Diagnostik mit Infektsuche erforderlich. Die initiale Labordiagnostik beinhaltet ein Differenzialblutbild, Entzündungsmarker (CRP, BSR), Nierenfunktionsparameter inklusive glomerulärer Filtrationsrate. Zusätzlich muss mittels Bestimmung der Proteinurie und Mikrohämaturie eine Nierenbeteiligung gesucht werden. Anti-neutrophile cytoplasmatische Antikörper (ANCA) sind Autoantikörper gegen Proteine/Enzyme in den zytoplasmatischen Granula von Monozyten und Neutrophilen. Mittels indirekter Immunfluoreszenz und ELISA kann der Nachweis eines ANCA Subtyps richtungsweisend sein für eine Kleingefässvaskulitis (2).
Bei der Granulomatose mit Polyangiitis (Wegener Granulomatose) kommt es typischerweise zu einer Beteiligung der Atemwege, Lunge und/oder Niere. Die eosinophile granulomatƶse Polyangiitis (Churg-Strauss Syndrom) ist neben einer bronchopulmonalen Manifestation mit einer Eosinophilie assoziiert. Die mikroskopische Polyangiitis manifestiert sich meist mit einer rasch progredienten Glomerulonephritis und alveolƤrer HƤmorrhagie.
Eine sehr seltene und schwierig zu diagnostizierende Vaskulitis der mittelgrossen GefƤsse ist die Polyarteritis nodosa, welche sowohl fulminant mit multiplen gleichzeitigen Organbeteiligungen, oftmals aber auch schleichend mit einer langen Prodromalphase verlaufen kann.
Zu den Grossgefässvaskulitiden gehören die Riesenzellarteriitis und die Takayasu Arteriitis. Die klinische Trias der Riesenzellarteriitis beinhaltet Kopfschmerz, Kieferclaudicatio (Kauschmerz) und Diplopie mit Erhöhung der systemischen Entzündungszeichen. Jede Form von Augenbeteiligung ist ein Alarmzeichen und bedarf beim leisesten Verdacht auf eine Grossgefässvaskulitis einer sofortigen intensiven Therapie da eine rasche und irreversible Erblindung droht. Die Temporalarterienbiopsie ist weiterhin der Goldstandard in der Diagnostik. Bei der Takayasu Arteriitis, welche sich typischerweise im Alter <50 Jahre manifestiert, kommt es mehrheitlich zu unspezifischen Beschwerden wie Fieber, Malaise und Gewichtsverlust. Durch Dissektion oder Okklusion der betroffenen Gefässe kann es schliesslich aber auch zu territorialen Ischämien und Infarkten kommen (3).
Die Bildgebung dient zur Dokumentation der Verteilung und Ausmass der GefƤssentzündung als auch des Organbefalls. Hierfür kann Magnetresonanztomographie oder 18F-FDG Positronen Emissions CT erfolgen. Das 18F-FDG PET-CT gewann zusƤtzlich an Bedeutung nachdem gezeigt werden konnte, dass es bei Fever of Unknown Origin (FUO) oder Inflammation of Unknown Origin (IUO) zu einer raschen Diagnosestellung beitrƤgt. Insbesondere bei über 50 jƤhrigen Patienten mit erhƶhtem CRP (> 30mg/ml) und ohne Fieber, also einer Population mit markanter Vortestwahrscheinlichkeit einer GrossgefƤssvaskulitis (4, 5).

Bisherige Therapieregimes bei Vaskulitiden

Das bisherige Therapieregime beinhaltete Kortikosteroide und zytotoxische Medikamente (6). Glukokortikosteroide sind durch ihre zahlreichen Nebenwirkungen (Osteoporose, Hypertonie, Diabetes, Gewichtszunahme, erhöhte Infektanfälligkeit, gastrointestinale Blutungen, Katarakt und Glaukom) nicht für eine Langzeittherapie geeignet.
Zytotoxische Arzneimittel wie Methotrexat, ein FolsƤureanalogon und Antimetabolit wurden begleitend zu den Steroiden eingesetzt. Reversible Nebenwirkungen von Methotrexat sind Pneumonitis, LebertoxizitƤt und Myelosuppression.
Als Alternative bei Krankheitsprogression und generalisiertem Befall kamen alkalysierende Medikamente wie Cyclophosphamid zum Einsatz. Nach Erreichen einer Remission erfolgte eine Umstellung auf immunsuppressive Antimetaboliten wie Azathioprine, Cyclosporine oder Mycophenolat Mofetil. Damit wurde versucht die Toxizität von Cyclophosphamid, welche insbesondere das Risiko für Urothelkarzinome als auch Infertilität erhöht, zu minimieren.
Durch Plasmapherese kann die Konzentration von Autoantikörpern und Immunkomplexen im Plasma und Gewebe reduziert werden. Ein klinischer Benefit der Plasmapherese ist nur für wenige, besonders schwerwiegende Vaskulitisverläufe belegt, insbesondere für ANCA-assoziierte Vaskulitiden mit schwerem Nierenbefall und für schwere Formen von Hepatitis B assoziierter Polyarteriitis nodosa (7).

Der Trend zu Biologika

Neue Therapieoptionen – und mittlerweile oft State of the Art – bestehen mit Biologika.

Rituximab (Mabthera)

Rituximab ist ein chimärer (murin/human) monoklonaler Antikörper gegen auf B Zellen exprimiertes CD20 Antigen. Nach dessen Bindung wird eine Zelllyse ausgelöst. Rituximab ist kontraindiziert bei aktiver Hepatitis B. Die Indikation in Kombination mit Glukokortikoiden besteht primär für ANCA-assoziierte Vaskulitiden (6,8).

Tocilizumab (Actemra)

Tocilizumab ist ein humanisierter anti-Interleukin-6 (IL-6) Rezeptor Antikƶrper und blockiert dessen Signaltransduktion durch Bindung an den transmembranen und solublen IL-6 Rezeptor. IL-6 wird bei lokalen Gewebeschaden, Infektion, oder in Folge eines nicht-infektiƶsen inflammatorischen Stimulus von vornehmlich Makrophagen, dendritischen Zellen jedoch auch anderen Zelltypen produziert (9). Die pleiotrope Funktion von IL-6 beinhaltet einerseits die Aufregulation von Akut-Phasen-Proteinen (CRP, Serum Amyloid A, Fibrinogen, Haptoglobin) in der Leber, und Aufregulierung von Hepcidin mit in Folge HypoferritinƤmie und AnƤmie bei chronischer Inflammation (10). Tocilizumab ist zugelassen für die Therapie der Riesenzellarteriitis. Sie führte hier zur drastischen Reduktion der SteroidmorbiditƤt. Tocilizumab wird im off-label use ebenfalls erfolgreich für die Behandlung der Takayasu Arteriitis, Polymyalgia rheumatica und weiteren autoimmunen Krankheiten eingesetzt, insbesondere bei Patienten, welche nicht tolerierbar hohe Glukokortikosteroiddosierungen für die Krankheitskontrolle brauchen (11–13).

Mepolizumab (Nucala)

Mepolizumab ist ein monoklonaler anti-IL-5 Antikörper. Das Zytokin IL-5 ist für die Rekrutierung, Differenzierung und Aktivierung von eosinophilen Granulozyten verantwortlich. Durch die selektive Hemmung der Eosinophilen ist die Anwendung aktuell für die Therapie des eosinophilen Asthmas zugelassen. Bei den Vaskulitiden zeigte der Einsatz von IL-5 Blockern bei therapierefraktärer ANCA-negativer eosinophiler Granulomatose mit Polyangiitis eine signifikante Reduktion der Steroiddosis (14). Der Einsatz von Benralizumab (Fasenra) einem IL-5 Rezeptor Antikörper wird aktuell evaluiert.

Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-ɑ) Blocker

Infliximab ist ein chimƤrer (murin/human) monoklonaler Antikƶrper welcher mit hoher AffinitƤt an den lƶslichen als auch transmembranƶs gebundenen Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-ɑ) bindet. TNF-ɑ wird dadurch neutralisiert und die Aktivierung von proinflammatorischen Zytokinen IL-6 und IL-10, Endothel und Leukozyten gehemmt. Die Wirksamkeit von Infliximab oder anderen TNF-Blockern wurde bei fast allen Vaskulitiden in klinischen Studien getestet mit meist enttƤuschenden Resultaten. Die Therapie ist deshalb auf wenige sehr spezielle Indikationen limitiert (z.B. Morbus BehƧet). ErwƤhnenswert ist, dass TNF-Blocker im Verlauf der Therapie autoimmune Erkrankungen wie Vaskulitis und Lupus hervorrufen kƶnnen (15).
Eine mögliche allergische Reaktion bei den ersten Applikationen (insbesondere bei nicht vollständig humanisierten Antikörpern) sowie erhöhte Infektanfälligkeit besteht unter allen neuen Biologika. Unter längerer Therapie ist für die meisten Biologika die Möglichkeit der Produktion von neutralisierenden Antikörpern berichtet worden. Der off-label use stützt sich bis jetzt lediglich auf kleine Studien und Fallberichte. Die Effektivität bleibt offen und muss im Einzelfall vorsichtig gegen mögliche Risiken abgewogen werden.

Dr. med. Ayla Yalamanoglu, Dr. med. Irina LƩa Dubach
PD Dr. med. Florence Vallelian, Prof. Dr. med. Dominik Schaer
Entzündungssprechstunde
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin, Universitätsspital, 8091 Zürich
dominik.schaer@usz.ch

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Dr. med. Ayla Yalamanoglu

Entzündungssprechstunde
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin
UniversitƤtsspital
8091 Zürich

Dr. med. Irina LƩa Dubach

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Klinik und Poliklinik für Innere Medizin
UniversitƤtsspital
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Prof. Dr. med. Dominik Schaer

Entzündungssprechstunde
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin
UniversitƤtsspital
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dominik.schaer@usz.ch

Die Autoren haben in Zusammenhang mit diesem Artikel keine Interessenskonflikte deklariert.

  • Die Diagnostik mittels PET CT kann bei systemischen Vaskulitiden bei unspezifischer Symptomatik sowie persistierend erhƶhten Entzündungszeichen eine frühzeitige Diagnosestellung einer GrossgefƤssvaskulitis vorantreiben und lƤngerfristige Organkomplikationen vermeiden.
  • Der frühzeitige Einsatz von Biologika stellt einen Durchbruch in der Therapie der Vaskulitiden dar mit rascher Reduktion der SteroidmorbiditƤt. Sie bietet eine hoffnungsvolle Alternative bei Therapieversagen der Glukokortikosteroide und Ƥlteren immunsuppressiven Therapien.
  • Die Entzündungswerte, insbesondere beim Einsatz von Tocilizumab, kƶnnen auch bei einem relevanten Infekt normwertig ausfallen. Eine Infektsuche sollte bei entsprechender Klinik erfolgen, um eine gefƤhrliche Infektion auszuschliessen.

Messages Ć  retenir

  • Dans le cas d’une vascularite systĆ©mique avec des symptĆ“mes non spĆ©cifiques et des signes d’inflammation constamment accrus, les diagnostics utilisant le PET CT peuvent favoriser un diagnostic prĆ©coce de la vascularite des gros vaisseaux et Ć©viter les complications Ć  long terme sur les organes.
  • L’utilisation prĆ©coce de produits biologiques reprĆ©sente une percĆ©e dans le traitement de la vascularite avec une rĆ©duction rapide de la morbiditĆ© liĆ©e aux stĆ©roĆÆdes. Elle offre une alternative prometteuse en cas d’Ć©chec des glucocorticoĆÆdes et des anciennes thĆ©rapies immunosuppressives.
  • Les valeurs d’inflammation, en particulier lorsque le tocilizumab est utilisĆ©, peuvent ĆŖtre normales mĆŖme dans le cas d’une infection pertinente. Une recherche d’infection doit ĆŖtre effectuĆ©e dans une clinique appropriĆ©e afin d’exclure une infection dangereuse.

1. Jennette JC, Falk RJ, Bacon PA, Basu N, Cid MC, Ferrario F, et al. 2012 Revised International Chapel Hill Consensus Conference Nomenclature of Vasculitides. Arthritis & Rheumatism. 2013. pp. 1–11. doi:10.1002/art.37715
2. Miller A, Chan M, Wiik A, Misbah SA, Luqmani RA. An approach to the diagnosis and management of systemic vasculitis. Clin Exp Immunol. 2010;160: 143–160.
3. Ɓgueda AF, Monti S, Luqmani RA, Buttgereit F, Cid M, Dasgupta B, et al. Management of Takayasu arteritis: a systematic literature review informing the 2018 update of the EULAR recommendation for the management of large vessel vasculitis. RMD Open. 2019;5: e001020.
4. Meller J, Sahlmann C-O, Scheel AK. 18F-FDG PET and PET/CT in fever of unknown origin. J Nucl Med. 2007;48: 35–45.
5. Schƶnau V, Vogel K, Englbrecht M, Wacker J, Schmidt D, Manger B, et al. The value of 18F-FDG-PET/CT in identifying the cause of fever of unknown origin (FUO) and inflammation of unknown origin (IUO): data from a prospective study. Ann Rheum Dis. 2018;77: 70–77.
6. Fellner C. Biologics Will Pump Up the Vasculitis Market. P T. 2016;41: 258–260.
7. Jayne D. Evidence-based treatment of systemic vasculitis. Rheumatology . 2000;39: 585–595.
8. Niles J. Rituximab in induction therapy for anti-neutrophil cytoplasmic antibody (ANCA) vasculitis. Clin Exp Immunol. 2011;164 Suppl 1: 27–30.
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11. Michaud M, Lidove O, Bienvenu B, Chiche L, Urbanski G, TOCIMAI Investigators Group. Effectiveness and tolerance of off-label use of tocilizumab in autoimmune diseases: A Multicenter Study. Joint Bone Spine. 2019. doi:10.1016/j.jbspin.2019.08.002
12. Paroli M. Clinical use of biologics in vasculitis syndromes. Biologics. 2012;6: 371–378.
13. Schirmer M, Muratore F, Salvarani C. Tocilizumab for the treatment of giant cell arteritis. Expert Rev Clin Immunol. 2018;14: 339–349.
14. Steinfeld J, Bradford ES, Brown J, Mallett S, Yancey SW, Akuthota P, et al. Evaluation of clinical benefit from treatment with mepolizumab for patients with eosinophilic granulomatosis with polyangiitis. J Allergy Clin Immunol. 2019;143: 2170–2177.
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Hƶhenaufenthalte bei Herzerkrankungen

Heutzutage reisen auch Patienten mit Herzerkrankungen in grosser Zahl in hochgelegene Regionen. Nicht zuletzt aufgrund der eingeschränkten Datenlage besteht dabei aber nach wie vor eine gewisse Unsicherheit. Im Folgenden soll daher ein kurzer Überblick über kardiale Reaktionen auf Hypoxie und die aktuelle Datenlage zu Höhenaufenthalten bei Herzpatienten gegeben werden, sowie darauf basierend Empfehlungen für einen sicheren Höhenaufenthalt dieser Patienten.

De nos jours, un grand nombre de patients atteints d’une maladie cardiaque se rendent Ć©galement dans les rĆ©gions de haute altitude. Toutefois, une certaine incertitude subsiste, notamment en raison de la situation limitĆ©e des donnĆ©es. Par consĆ©quent, un bref aperƧu des rĆ©ponses cardiaques Ć  l’hypoxie et les donnĆ©es actuelles sur les sĆ©jours en altitude chez les patients cardiaques et des recommandations pour des sĆ©jours en altitude sĆ©curitaires pour ces patients seront donnĆ©s ci-dessous.

Reisen in hochgelegene Regionen werden immer beliebter. Dank moderner Infrastruktur ist dies heute auch problemlos und ohne grosse Anstrengung mƶglich. SchƤtzungen zufolge suchen jƤhrlich etwa 100 Millionen Menschen Hƶhenregionen über 2500 m auf. Darunter befinden sich zahlreiche Personen mit bekannten oder auch unbekannten Herzerkrankungen.
Während Höhenaufenthalte beim Gesunden in aller Regel gut toleriert werden, kann die in der Höhe durch Hypoxie gesteigerte kardiale Beanspruchung beim Herzpatienten aber zu Problemen führen. Um Zwischenfälle zu vermeiden ist es zum einen notwendig, die physiologischen Prozesse bei Aufenthalten in der Höhe zu verstehen und zum anderen auch die Besonderheiten kardialer Erkrankungen unter diesen Bedingungen zu kennen.

Physiologische Reaktionen auf Hypoxie

Mit steigender Höhe sinkt der Barometerdruck, damit auch der Sauerstoff-Partialdruck (PO2) in der Einatemluft und folglich alveolärer und arterieller PO2. Aufgrund der Sauerstoffbindungskurve des Hämoglobins tritt ein relevanter arterieller Sättigungsabfall ab einer Höhe von etwa 3000 m auf. Unter Belastung kann dies aber schon auf niedrigeren Höhen eintreten (1). Durch eine Reihe physiologischer Vorgänge versucht der Organismus, den PO2 im Gewebe möglichst aufrecht zu erhalten. Neben ventilatorischer und hämatologischer Akklimatisation spielt das kardiovaskuläre System hier eine wesentliche Rolle (2). Da der Sauerstoffbedarf für eine gegebene Belastung unabhängig vom Umgebungs-PO2 konstant ist, muss bei niedrigerem arteriellem PO2 das Herzzeitvolumen steigen, um die gleiche Menge Sauerstoff zu transportieren (3). Im Vergleich zum Flachland bedeutet dies also einen erhöhten myokardialen Sauerstoffbedarf bei vermindertem Sauerstoffangebot. Weiter gesteigert wird der myokardiale Sauerstoffbedarf durch erhöhte Nachlast: linksventrikulär durch gesteigerte sympathische Aktivierung und rechtsventrikulär durch die hypoxische pulmonalarterielle Vasokonstriktion (4).
Die sympathische Aktivierung steigert zudem die Ruhe-Herzfrequenz. Diese bleibt trotz vollstƤndiger Akklimatisation bei Hƶhenaufenthalten erhƶht, was auch auf die Herzfrequenz bei submaximaler Belastung zutrifft (4, 5). Die maximale Herzfrequenz nimmt dagegen mit zunehmender Hƶhe ab (5), die Herzfrequenz-Reserve wird daher geringer. Die maximale Sauerstoffaufnahme als Mass für die LeistungsfƤhigkeit geht ab einer Hƶhe von 1000 – 1500 m ebenfalls zurück, durchschnittlich um etwa 1% pro 100 m Hƶhengewinn (6).

HƤufige Herzerkrankungen und Hƶhenexposition

Arterielle Hypertonie

Akute Hypoxie-Exposition wirkt peripher vasodilatatorisch. Dieser Effekt steht aber nur für kurze Zeit im Vordergrund. Bereits nach wenigen Stunden überwiegt die systemische, sympathisch vermittelte Vasokonstriktion und der Blutdruck steigt an und bleibt dann in der Regel für einige Tage konstant. Auf 5400 m ist bei über 50-JƤhrigen mit einem Anstieg des Blutdrucks um gut 20 mmHg zu rechnen (7).

Koronare Herzkrankheit (KHK)

Die Sauerstoffausschƶpfung am Herzen ist bereits im Flachland sehr hoch, weswegen bei vermindertem arteriellem PO2 der zusƤtzliche Bedarf nur durch eine Zunahme der myokardialen Perfusion gedeckt werden kann. Bei gesunden Koronarien erfolgt dies in der Hƶhe durch eine hypoxisch bedingte Vasodilatation (8). Bis auf Hƶhen von 8000 m sind im EKG bei gesunden keine Zeichen einer myokardialen Minderperfusion zu sehen (9). Atherosklerotisch verƤnderte Koronarien weisen aber eine endotheliale Dysfunktion auf, weshalb die hypoxische Vasodilatation hier ausbleibt oder es gar paradoxerweise zu einer Vasokonstriktion kommen kann (9). Ein erhƶhtes Risiko für eine myokardiale Minderperfusion und den damit einher gehenden Komplikationen wƤre daher plausibel. Auf der anderen Seite zeigt die Datenlage selbst bei akuter Exposition auf Hƶhen bis 3500 – 4200 m bei Patienten mit stabiler KHK wenig Evidenz für klinisch relevante hƶhenbedingte myokardiale IschƤmien (5, 6, 10). Levine et al. (11) zeigten aber bei akuter Hƶhenexposition auf 2500 m eine etwas geringere Belastungstoleranz als im Flachland, die aber bereits nach 5 Tagen Akklimatisation in der Hƶhe wieder auf das Flachland-Niveau anstieg.
Zur HƤufigkeit kardialer Ereignisse in der Hƶhe bei KHK-Patienten gibt es kaum belastbare Daten. Eine Studie zum plƶtzlichen Herztod bei Wanderern und Skifahrern ergab ein erhƶhtes Risiko nur bei MƤnnern, die Belastung nicht gewohnt waren, einer Patientengruppe die bereits im Flachland ein deutlich erhƶhtes Risiko für kardiale ZwischenfƤlle aufweist (12). Ob die hƶhenbedingte Hypoxie per se hierzu beitrƤgt und wenn ja, welchen Anteil sie daran hat, kann aber auch in dieser Studie nicht ausreichend beurteilt werden. Die HƤufigkeit akuter myokardialer IschƤmien zeigte in einem Kollektiv von durchschnittlich 70-JƤhrigen (KHK PrƤvalenz 20%) keine klinisch relevanten Ereignisse (13). Bei guter oder nur leicht eingeschrƤnkter linksventrikulƤrer Pumpfunktion nach Revaskularisierung traten auch bei maximaler Belastung auf 3454 m Hƶhe keine kardialen Ereignisse auf (6).

Herzinsuffizienz

Zu Patienten mit Herzinsuffizienz in der Hƶhe ist die Datenlage noch dünner. Patienten mit Herzinsuffizienz weisen primƤr schon eine erhƶhte sympathische AktivitƤt auf, die bei Hƶhenaufenthalten noch weiter gesteigert wird. Die erhƶhte Herzfrequenz macht die Herzarbeit ineffektiver, die Wahrscheinlichkeit für Arrhythmien und IschƤmien steigt. Auf der anderen Seite zeigen kurzzeitige Aufenthalte auf 3000-3500 m eine erstaunlich gute Hƶhentoleranz solcher Patienten (klinisch NYHA Klasse II-III). Zwar war der hƶhenbedingte Rückgang der maximalen Sauerstoffaufnahme umso grƶsser, je stƤrker schon die EinschrƤnkung im Flachland war (Flachland vs. 3000 m –10% (EF 39±6%, normale VO2 max) vs. –30% (EF 39±6%, reduzierte VO2 max)), dennoch zeigte sich klinisch keine Angina pectoris Symptomatik und im EKG traten keine Arrhythmien oder IschƤmiezeichen auf (14). In einer anderen Studie konnte zudem bei NYHA II Patienten auf 3454 m keine echokardiographisch fassbare EinschrƤnkung der linksventrikulƤren Pumpfunktion gesehen werden (15).

Empfehlungen

Allgemeine Empfehlungen

Hochgebirgsregionen bieten neben der Hypoxie eine Reihe weiterer Besonderheiten, die in Tabelle 1 dargestellt sind. Wenn Patienten dorthin reisen, sollten sie gut über Erkrankung und Therapie informiert sein, damit sie im Notfall erforderliche Therapieanpassungen selbst vornehmen können. Grundsätzlich gilt für alle kardialen Patienten, dass die medikamentöse Einstellung vor einem Höhenaufenthalt bereits im Flachland optimiert werden sollte. Ist dies nicht der Fall oder befindet sich der Patient in einer instabilen Krankheitsphase, ist von Höhenaufenthalten abzuraten (weitere Restriktionen sind in Tab. 2 zusammengefasst). Zur Medikation kardialer Patienten ist anzumerken, dass kardioselektive ß-Blocker vorgezogen werden sollten. Denn nicht-kardioselektive ß-Blocker vermindern die Ventilation unter Belastung, was in der Höhe zu einem verstärkten Sättigungsabfall führen kann (16). Möglicherweise ist hier ein grosszügigerer Einsatz von Acetazolamid (Diamox®) von Vorteil (14), ein schwaches Diuretikum (Carboanhydrasehemmer), das wegen seiner ventilationssteigernden Wirkung von vielen Bergsteigern zur Prophylaxe der Bergkrankheit eingenommen wird. Grundsätzlich sollten Herzpatienten immer die allgemeinen Aufstiegsprinzipien beachten, insbesondere eine Aufstiegsgeschwindigkeit von 300-350 m pro Tag nicht überschreiten (17). Sinnvolle Voruntersuchungen im Rahmen von geplanten Höhenaufenthalten bei Herzpatienten sind in Tabelle 3 dargestellt.

Kƶrperliche Belastung in der Hƶhe

Körperliche Belastungen werden in der Höhe normalerweise gut toleriert. Personen, die im Flachland nicht schon regelmässig körperlich aktiv sind, sollten damit aber nicht in der Höhe beginnen. Sind körperliche Aktivitäten in der Höhe geplant, kann die Leistungsfähigkeit in der Höhe durch einen Belastungstest im Flachland recht gut abgeschätzt werden (2). Bei Herzinsuffizienz mit eingeschränkter maximaler Sauerstoffaufnahme ist dabei der überproportionale Rückgang der Leistungsfähigkeit mit einzukalkulieren (14). Gegebenenfalls ist ein entsprechendes Training im Vorfeld ratsam. Zur Belastungssteuerung eignet sich auch in der Höhe sehr gut die Herzfrequenz, die aus dem Belastungs-EKG im Flachland ermittelt werden kann.

Arterielle Hypertonie

Patienten welche ausschliesslich eine arterielle Hypertonie haben, die im Flachland gut eingestellt ist, brauchen bei normalen Ferienaufenthalten keine besonderen Massnahmen einzuhalten. Der Blutdruck wird etwas ansteigen (7), was aber für einen kurzzeitigen Aufenthalt in aller Regel unproblematisch ist. Bei längeren Aufenthalten kann dagegen eine Anpassung der Blutdrucktherapie erforderlich und sinnvoll sein. Ein besonderes Augenmerk gilt den Diuretika. In grosser Höhe aufgrund erhöhter körperlicher Aktivität, niedriger Luftfeuchtigkeit und gesteigerter Atmung ist das Risiko einer Dehydrierung erhöht. Diuretika können diesen Zustand weiter verschlimmern und das Risiko einer Hypokaliämie erhöhen und sollten daher nicht Bestandteil der Bedarfsmedikation für Höhenaufenthalte bei Hypertonikern sein.

Koronare Herzerkrankung

Bei koronarer Herzerkrankung sollte eine direkte Anreise auf Hƶhen von 3000 m oder hƶher mƶglichst vermieden werden. In den ersten Tagen eines Hƶhenaufenthaltes sollten zudem kƶrperliche Anstrengungen unterbleiben, da in der Akklimatisationsphase die IschƤmieschwelle etwas gesenkt, das Risiko also umgekehrt erhƶht ist. Personen mit niedrigem Risiko (CCS 0-I) kƶnnen so relativ sicher bis 4200 m aufsteigen und dort auch leichte bis mittlere AktivitƤten ausüben. Intensive kƶrperliche Anstrengungen sollten unterbleiben (5). Bei moderatem Risiko (CCS II-III) scheinen Hƶhen bis 2500 m ebenfalls sicher, wenn dort nur leichte kƶrperliche AktivitƤten unternommen werden (11). Hƶhen über 4500 m sind schon in Ruhe mit einer ausgeprƤgten HypoxƤmie verbunden und sollten bei KHK daher grundsƤtzlich gemieden werden.

Herzinsuffizienz

Herzinsuffizienz-Patienten im klinischen Stadium NYHA I-II kƶnnen ohne grosses Risiko bis 3500 m aufsteigen, sollten aber hier auch nur leichte bis moderate AktivitƤten ausüben (14). Im klinischen Stadium NYHA III sind Hƶhen bis 3000 m bei leichter kƶrperlicher AktivitƤt mƶglich (15).

Arrhythmien

Arrhythmien in Form von singulären ventrikulären oder supraventrikulären Extrasystolen sind vor allem in der Akklimatisationsphase in der Höhe deutlich häufiger als im Flachland. Dieses Phänomen scheint aber benigner Natur zu sein (18). Patienten, die aber bereits im Flachland komplexe oder höhergradige Rhythmusstörungen aufweisen, haben aus physiologischer Überlegung durchaus ein Risiko für Rhythmusereignisse und sollten daher nicht in die Höhe gehen. Daten hierzu gibt es allerdings nicht. Anhaltspunkte für Schrittmacher- oder ICD-Fehlfunktionen allein bedingt durch Höhe gibt es nicht (19).

Pulmonale Hypertonie und Klappenvitien

Bei Patienten mit pulmonaler Hypertonie kƶnnen schon Hƶhen ab etwa 1500 m zu einer Verschlechterung der Symptomatik führen. Patienten mit pulmonaler Hypertonie sollten daher vom Spezialisten im Vorfeld eines gewünschten Hƶhenaufenthalts beurteilt werden. Im Einzelfall kann eine Bestimmung des pulmonalarteriellen Drucks unter (simulierten) Hƶhenbedingungen (z. B. echokardiographisch) sinnvoll sein.
Ein direkter Einfluss der höhenbedingten Hypoxie auf Klappenvitien besteht nicht, bei «Klappenpatienten» ist daher immer die allgemeine kardiale Funktion für die Höhentauglichkeit entscheidend. In der Regel haben leicht- bis mittelgradige Klappenvitien daher keinen Einfluss auf die Höhentauglichkeit. Eine höhergradige Aorten-
stenose kann aber bei höhenbedingter Dehydratation durchaus zu einer Verschlechterung der Symptomatik aufgrund der reduzierten Nachlast führen.
Abschliessend sollte noch erwähnt werden, dass neben den kardiologischen Problemen immer auch akute höhenbedingte Erkrankungen (akute Bergkrankheit, Höhenlungen- und Höhenhirnödem) auftreten können, deren Symptome und Therapie daher bekannt sein sollten. Einen sehr guten Überblick hierüber gibt der Übersichtsartikel von Luks et al. (17).

Zweitabdruck aus «der informierte arzt» 08_2019

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

PD Dr. med. Christoph Dehnert

Allgemeine Innere Medizin und Kardiologie (FMH)
Medbase Sports Medical Center
Lƶwenstrasse 29,
8001 Zürich

christoph.dehnert@medbase.ch

Der Autor hat in Zusammenhang mit diesem Artikel keine Interessenskonflikte deklariert.

  • Stabiler Krankheitsverlauf und gute medikamentƶse Einstellung sind Grundvoraussetzungen für einen Aufenthalt in grosser Hƶhe.
  • Kein Hƶhenaufenthalt bei instabilem Krankheitsverlauf oder kurz nach einer Komplikation.
  • Hƶhen von 2500-3000 m werden von im Flachland stabilen Patienten (KHK, Herzinsuffizienz) in der Regel komplikationslos toleriert. LeistungsfƤhigere Patienten (CCS 0-I bzw. NYHA I-II) tolerieren grƶssere Hƶhen (4200 m bzw. 3500 m).
  • Inaktive Patienten sollten kƶrperliche AktivitƤten auch in der Hƶhe vermeiden. Wer im Flachland aktiv ist, kann dies auch in der Hƶhe sein.
  • Intensive Belastungen in der Hƶhe sowie Hƶhen über 4500 m sollten Herzpatienten grundsƤtzlich meiden.

Messages Ć  retenir

  • Une Ć©volution stable de la maladie et une bonne prise en charge mĆ©dicamenteuse sont les conditions de base pour un sĆ©jour en haute altitude.
  • Pas de sĆ©jour en altitude en cas d’Ć©volution instable de la maladie ou peu de temps aprĆØs une complication.
  • Des altitudes de 2500-3000 m sont gĆ©nĆ©ralement tolĆ©rĆ©es sans complications par des patients stables dans les basses terres (CHD, insuffisance cardiaque). Les patients en meilleure condition physique (CCS 0-I ou NYHA I-II) tolĆØrent des altitudes plus Ć©levĆ©es (4200 m ou 3500 m).
  • Les patients inactifs devraient Ć©galement Ć©viter les activitĆ©s physiques en hauteur. Si vous ĆŖtes actif en plaine, vous pouvez aussi l’ĆŖtre en haute altitude.
  • Le stress intense Ć  des altitudes Ć©levĆ©es et Ć  des altitudes supĆ©rieures Ć  4500 m devrait gĆ©nĆ©ralement ĆŖtre Ć©vitĆ© par les patients cardiaques.

1. Burtscher M, Bachmann O, Hatzl T, Hotter B, Likar R, Philadelphy M, Nachbauer W. Cardiopulmonary and metabolic responses in healthy elderly humans during a 1-week hiking programme at high altitude. Eur J Appl Physiol. 2001;84(5):379-386.
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Intensiver Gedankenaustausch um den Bluthochdruck und seine Folgen

Am 23. Januar fand am Universitätsspital Zürich der traditionelle, von der Klinik für Kardiologie organisierte Hypertonietag statt. Das Ziel war ein intensiver Gedankenaustausch zwischen den verschiedenen medizinischen Disziplinen rund um den Bluthochdruck und dessen Folgen, wobei es galt, neue Horizonte zu entdecken und auch bisher Bekanntes in neuem Lichte zu sehen.

Prof. F. Ruschitzka

Als Einstimmung schilderte Prof. Dr. med. Frank Ruschitzka, Direktor der Klinik für Kardiologie am USZ, den Ausflug von US-PrƤsident Donald Trump an das WEF. Gesichtet: Orange Flasche auf dem Weg nach Davos – Ein Migros-Tweet mit einem Seitenhieb gegen US-PrƤsident Donald Trump geht derzeit viral um.
Prof. Ruschitzka widmete sich ferner der präsidialen Gesundheitsakte, die ausser dem BMI, der erst nach einer geringen «Höhenkorrektur» mit 29.9kg/m2 noch passabel wurde. Der Referent zeigte zusammenfassend eine Hypertonie-Risikotafel der amerikanischen Präsidenten der letzten Jahrzehnte, die vom niedrigen Risiko (Obama) bis zur etablierten Krankheit (Clinton) reicht (Abb.1).

Der hypertensive Notfall

Glücklicherweise ist vor kurzem eine Übersicht über den hypertensiven Notfall im New Engl Journal of Medicine (Aldo J Peixoto NEJM 2019; 381: 19) erschienen, bemerkte Prof. Dr. med. Alain Rüdiger, Chefarzt Spital Limmattal, Schlieren, auf den er sich abstützen wolle.

Prof. A. Rüdiger

Die Bezeichnungen des hypertensiven Notfalls sind Ā«hypertensive KriseĀ» definiert als BD > 180/110 mmHg, hypertensive Gefahrensituation (ohne Organschaden) versus hypertensiver Notfall (mit Organschaden). Zu den OrganschƤden gehƶren Mikroangiopathie (HƤmolyse, Retinopathie), Aortendissektion, Herzinsuffizienz, Myokardnekrosen, Niereninsuffizienz, Hirn-IschƤmie, Hirn-Blutung, posteriores reversibles Encephalopathie-Syndrom (PRES).
Die Ursachen sind nicht oder ungenügend behandelte Hypertonie, Schmerzen, Harnverhalt, Drehschwindel, Angst. Medikamentöse Ursachen können NSAR, Steroide und Katecholamine sein, ferner Intoxikationen durch Kokain oder Amphetamine. Eine weitere Ursache sind Endokrinopathien: Phäochromozytom und Hyperthyreose, Nierenerkrankung: systemische Sklerose und Glomerulonephritis sowie das HELLP-Syndrom in der Schwangerschaft.
Die Diagnostik besteht aus Anamnese (Medikamente), Blutdruckmessung, Erfassung von OrganschƤden. Zu den Laborbestimmungen gehƶren Troponin, Kreatinin, Fragmentozyten. Ferner EKG, Echokardiographie und CT (SchƤdel, Thorax).

Die Therapie besteht in der Behandlung der Grundkrankheit, Verordnung von Ruhe, Anxiolyse und Schmerztherapie. Bei hypertensiver Gefahrensituation (ohne Organschaden) erfolgt ambulant oder stationƤr eine perorale Therapie. Der hypertensive Notfall (mit Organschaden) wird in der Intermediate Care Unit oder Intensivstation durch intravenƶse Therapie behandelt.
Bei der Behandlung der hypertensiven Gefahrensituation ohne Symptome wird mit einer oralen antihypertensiven Therapie begonnen, ambulante Nachkontrollen erfolgen in den nachfolgenden Tagen. Bei Vorhandensein von Symptomen sollten eine Blutdrucksenkung auf < 180/110 mmHg und eine Kontrolle der Symptome erfolgen. Als Medikamente zur Behandlung der hypertensiven Gefahrensituation empfiehlt der Referent Nifedipin ret 20 mg, Nitroglycerin (Nitroderm TTS) 5 oder 20 mg/24h;ACE-Hemmer: Captopril, Lisinopril; Betablocker: Bisoprol, Carvediol (Dilatrend); Clonidin (Catapresan) 75-150 mg.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Behandlungsstrategien bei hypertensiven Notfällen.

Zusammenfassung

Der Referent schloss seine Ausführungen mit den folgenden wichtigen Punkten: Unterschied hypertensive Gefahrensituation (ohne Organschaden) versus Hypertensiver Notfall
OrganschƤden (d.h. Schaden an GefƤssen, Herz, Nieren, Gehirn)
Antihypertensiva (Urapidil, Clevidipin, Esmolol) als therapeutische Optionen

Exposom und Hypertonie – viel LƤrm um nichts?

Wesentliche Einflussfaktoren für den Blutdruck sind Rauchen, Trinken, fettreiche Ernährung, körperliche Inaktivität und die Genetik. Welche andern Einflussfaktoren gibt es noch?

Prof. P. Suter

Prof. Dr. med. Paolo Suter, Zürich, illustrierte dies an einem Patientenbeispiel. Der mƤnnliche Patient, Jahrgang 1960 war immer normotensiv mit ACE-I, schƶnes Dipping 24h ABPM, plƶtzlich Ā«schwer einstellbarĀ», Kreatinin 98 mmol/l, K 3.8 mmol/l, keine sekundƤre Hypertonie, Risikostratifizierung mit AGLA-Score: niedrig. Der Blutdruck nimmt mit dem Alter zu. Dies zeigt sich praktisch bei allen Populationen, im Fallbeispiel treten die VerƤnderungen indessen innerhalb kurzer Zeit ein. Was ist da los? Der Referent führte die Zuhƶrer in die Welt des Exposoms, Foodoms und Pollutoms ein. Die genomweiten Assoziationsstudien werden nun von den exposomweiten Assoziationsstudien ergƤnzt.
Das Exposom wird oft in ein externes (Luft, DiƤt, LƤrm, soziale Faktoren) und ein internes Exposom (biologisches Ansprechen auf Exposition) eingeteilt. Das Exposom kann als Summe aller Expositionen ab Beginn der Konzeption definiert werden, entsprechend hat das HELIX-Projekt eine Beziehung zwischen den Umwelt-Expositionen im frühen Leben und dem Blutdruck bei Kindern gezeigt. Die HypertonieprƤvention beginnt also mit einem optimalen prƤnatalen Exposom. Der besagte Patient ist vom lƤndlichen Wasterkingen mitten in die Stadt Zürich umgezogen und fragt sich, ob dies der Grund des Blutdruckanstiegs ist. In der Tat kann die multisensorische Pollution (Licht-, LƤrm-, Umwelt-, Nahrungspollution) zur Hypertonie führen. Die Konsequenzen sind 3 x mehr Tote als durch AIDS, Tuberkulose und Malaria, 15 x mehr Tote als durch Krieg und Gewalt, so der Referent.
Der Patient wohnt in Zürich an der Kreuzung Badener-/Seebahnstrasse, die stark befahren ist und wo es nie dunkel wird. Zwischen Licht bei Nacht und Dunkelheit wurde eine signifikante Zunahme von 3.3 mmHg systolisch und 2.3 mmHg diastolisch (Obayashi K et al Chronobiology Int. 2014) dokumentiert.
Eine Assoziation zwischen Blutdruck und Hypertonie zeigen ferner die Pestizide. Der Referent erwƤhnte die Muttertag-Studie in Ecuador, die eine Blutdruckabnahme nach dem Muttertag zeigte, die mƶglicherweise nach der Zunahme des Blutdrucks infolge der Pestizide in den am Muttertag verschenkten Blumen eintrat.
Umweltfaktoren wie Licht, Lärm und Pollution scheinen somit ebenso bedeutend zur Hypertonie beizutragen wie Ernährung, Rauchen, körperliche Inaktivität und Stress. «Optimieren Sie Ihr/unser Exposom!», war der entsprechende Ratschlag des Referenten.

Renale Denervation: Phƶnix aus der Asche?

Der Nierennervensympathikus diente als therapeutisches Zielorgan bei Hypertonie seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Damals wurde durch chirurgische Nierendenervation eine dauerhafte Blutdrucksenkung erreicht. Dies aber auf Kosten einer hohen MorbiditƤt. Das Prinzip wurde in den Jahren 2008-2013 durch endovaskulƤre renale Denervation wieder aufgenommen (Ardian – Medtronic). Nach einer negativen Schlüsselstudie fielen die zwei Hauptsponsoren aus und mehr als 90% der Beteiligten stoppten die Weiterentwicklung, stellte Prof. Dr. med. Thomas F. Lüscher, London, Zürich, eingangs fest.

Prof. T. F. Lüscher

Der Referent teilte seine Ausführungen in Verstehen, Verfeinern, Beweisen und Erweitern ein. Er präsentierte die ersten klinischen Resultate der sympathischen Splanchinektomie bei resistenter Hypertonie, deren Pionier Max Minor Peet war. Die experimentelle Evidenz zur Wirkung der renalen Denervation ergibt sich aus Untersuchungen der Noradrenalinkonzentration im Gewebe, die sowohl nach chirurgischer als auch nach katheterbasierter Denervation von ursprünglich 149pg/ml auf 14 bzw. 21pg/ml sank, wobei zwischen den beiden Verfahren kein signifikanter Unterschied resultierte.

Die Studien zur renalen Denervation

WƤhrend der systolische Blutdruck in der SIMPLICITY HTN-1-Studie noch 27 mmHg (nach 12 Monaten) gefallen war, und die SIMPLICITY HTN-2-Studie sogar einen Vorteil von 32 mmHg erzielte, betrug die Blutdrucksenkung in der SIMPLICITY HTN-3-Studie bloss 14 mmHg. Die detaillierte Auswertung der SIMPLICITY HTN-3-Studie zeigte einige Unstimmigkeiten, die das schlechte Ergebnis erklƤren kƶnnten. Der wichtigste Einwand sind prozedurale MƤngel: Nicht alle Patienten hatten die empfohlenen 4-6 Ablationen pro Nierenarterie erhalten. Bei zwei Patienten war die Therapie sogar nur an einem Punkt pro Arterie durchgeführt worden.
Es zeigte sich, dass die blutdrucksenkende Wirkung mit der Zahl der Ablationen korrelierte. Die beste Wirkung erfolgte, wenn 14 oder mehr Punkte der Arterienwand behandelt wurden. Ein weiterer Fehler in SIMPLICITY HTN-3 war, dass die Ablationen nicht immer an allen vier Quadranten der Nierenarterie durchgeführt wurden. Auch hier korrelierte die Wirkung mit der Zahl der behandelten Quadranten.
In einer weiteren Studie (DNERHTN) wurde der Einfluss der medikamentƶsen Therapie minimiert. In Patienten mit gut dokumentierter resistenter Hypertonie wurde die renale Denervation plus eine standardisierte stufenweise antihypertensive Therapie mit der renalen Denervation ohne antihypertensive Therapie verglichen. Dabei wurde der ambulatorische Blutdruck nach 6 Monaten mehr als mit der gleichen antihypertensiven Therapie allein gesenkt.
Die SPYRAL HTN-ON MED-Studie war eine mittels Scheinbehandlung kontrollierte Studie zur Untersuchung der Wirkung der renalen Denervierung auf hypertone Patienten, die einer antihypertensiven Medikation mit bis zu drei verschiedenen Medikamenten unterliegen. Verglichen wurde die Behandlungsgruppe mit einem Scheineingriff bei der Kontrollgruppe, die auch einer antihypertensiven Medikation mit gleichen Parametern unterlag. Das Ziel der Studie bestand darin, eine signifikante Blutdrucksenkung durch die renale Denervierung mit zusƤtzlicher Einnahme einer antihypertensiven Medikation nachzuweisen. Nach 6 Monaten Behandlung zeigte sich bei den mit RDN behandelten Patienten (n = 38) eine signifikante Reduktion des Praxis-Blutdrucks sowie des 24-Stunden-Langzeit-Blutdrucks (p < 0,05) im Vergleich mit der Kontrollgruppe.
In SPYRAL HTN-OFF MED wurden Patienten ausgewƤhlt, bei denen keine für die Untersuchungsergebnisse mƶglicherweise stƶrenden Blutdrucksenker eingesetzt wurden. Die Patienten hatten noch nie Blutdrucksenker erhalten oder diese wurden vor der Behandlung abgesetzt. Patienten mit isolierter systolischer Hypertonie wurden ausgeschlossen, weil die renale Denervierung bei ihnen in früheren Untersuchungen keine Wirkung erzielt hatte. Nach drei Monaten zeigte sich bei mit RDN behandelten Patienten (n = 35) im Vergleich zu Patienten, die die Scheinbehandlung erhielten (n = 36), eine signifikante (p < 0,05) Abnahme des Praxisblutdrucks sowie des 24-Stunden-Langzeit-Blutdrucks.
Es wurden aber auch andere Verfahren getestet, wie die endovaskulƤre renale Ultraschalldenervation in RADIANCE HTN SOLO. Dieses Prozedere senkte den Blutdruck bei Patienten mit kombiniert systolischer-diastolischer Hypertonie ohne medikamentƶse Begleitung innerhalb von 2 Monaten signifikant in der gleichen Dimension wie sie in SPYRAL HTN gesehen wurde. Ein weiteres Verfahren, das der Referent vorstellte, ist die Transkatheter-alkoholvermittelte perivaskulƤre Nierendenervation, die 2016 erstmals beim Menschen angewandt wurde. Auch diese Methode zeigte signifikante Blutdrucksenkungen sowohl systolisch als auch diastolisch. Die renale Denervation und die Studien mit diesem Verfahren sind durch die Phasen Hype, Hope und Reality gekennzeichnet. Die neuesten Studien scheinen allerdings die Wirksamkeit dieser Methode zu bestƤtigen.

Hypertonie – die Rolle von Belastung und Stress

Die INTERHEART-Studie untersuchte den Effekt von potentiell modifizierbaren Risikofaktoren und wurde in 52 LƤndern bei 15 152 FƤllen und 14 820 Kontrollen durchgeführt . Die berücksichtigten Hauptrisikofaktoren waren Nikotin, Cholesterin und Stress (Yusuf S et al. Lancet 2004;364:937-52), hielt PD Dr. med. Christian Schmied, Zürich, fest.

PD Dr. Ch. Schmied

Stress führt über Inflammation durch Aktivierung des Knochenmarks (z.B. durch IL-6) zur Koronarsklerose. Der Referent verwies auf Berichte über koronare Herzkrankheit bei US-amerikanischen Soldaten, die im Koreakrieg getötet wurden. Bei 73% der Herzen wurden starke Hinweise auf koronare Atheriosklerose gefunden. Auch Sport kann Stress bedeuten. Der Referent zeigte entsprechende Beispiele. So erfolgten im letzten Abschnitt eines Rennens wesentlich mehr Herzstillstände als in den 3 vorgängigen Abschnitten
Führt Sport zu Arteriosklerose? Teilnehmer ohne koronare Grunderkrankung entwickelten keine Krankheit (extremer Ausdauersport verursacht keine KHK, wenn kein anderer pathogener Auslöser vorliegt). 4 von 8 Läufern wiesen eine subklinische KHK auf (dies bestätigt, dass körperliche Aktivität, insbesondere Langstreckenlauf, nicht vollständig vor KHK schützt). Eine Progression der KHK wurde bei Läufern mit Basiserkrankung festgestellt.
In den aktuellen Guidelines besteht kein Konsens zum normalen Blutdruck wƤhrend kƶrperlicher AktivitƤt. Es gibt einige Anzeichen, dass eine exzessive Zunahme des Blutdrucks wƤhrend kƶrperlicher AktivitƤt eine Hypertonie unabhƤngig vom Ruheblutdruck verursacht. Trotzdem sind Belastungstests als Routineevaluation der Hypertonie nicht empfohlen, wegen zahlreicher Limitationen, einschliesslich eines Mangels an Standardisierung von Methoden und Definitionen.

Definition und Pathogenese der Belastungshypertonie

Wo liegt der optimale Cut-off?
Bei normotensiven Patienten gilt: je höher der Belastungsblutdruck (Perzentilen), desto wahrscheinlicher ist die Entwicklung einer zukünftigen Ruhe-Hypertonie.
MƤnner: > 160 mmHg syst. (bei 100W Belastung) oder > 200 mmHg (bei Maximalbelastung)
Frauen: > 190 mmHg (bei Maximalbelastung).
Die Korrelation zwischen diastolischem Blutdruck und Risiko für künftige Hypertonie ist umstritten.
58% der Normotoniker mit Belastungshypertonie zeigen eine zugrunde liegende «maskierte Hypertonie». Die Prävalenz der maskierten Hypertonie beträgt ca. 15%, die Prognose ist schlecht.
Der Referent schloss wie folgt:

  • Mentaler Stress ist ein massiv unterschƤtzter (u.a. kardialer ) Risikofaktor
  • Die durch mentalen und/oder physischen Stress ausgelƶste Ā«BelastungshypertonieĀ» ist eine unterschƤtzte, ungenügend definierte Einheit
  • Die prognostische Relevanz ist klar evidenzbasiert (Ruhe-Hypertonie, kardiovaskulƤre MortalitƤt, kardiovaskulƤre MorbiditƤt)
  • Bei mehr als 50% der in Ruhe normotonen Patienten mit Belastungshypertonie steht eine Ā«maskierte HypertonieĀ» im Hintergrund.

Quelle: Zürcher Hypertonietag, Universitätsspital Zürich, 23. Januar 2020.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

NausƩes et vomissements

Les nausĆ©es et les vomissements sont considĆ©rĆ©s comme des rĆ©flexes importants dans lā€™ā€ŠĆ©volution humaine, qui empĆŖchent les gens dā€™ā€ŠingĆ©rer des substances toxiques ou de les excrĆ©ter le plus rapidement possible aprĆØs lā€™ā€Šingestion. La nausĆ©e prĆ©cĆØde gĆ©nĆ©ralement le vomissement proprement dit et dĆ©crit la sensation de devoir vomir dā€™ā€Šurgence. Cet article rĆ©sume les considĆ©rations utiles de diagnostic diffĆ©rentiel et les procĆ©dures pratiques lors de ces troubles physiques.

Les vomissements stimulent souvent le systĆØme nerveux sympathique et parasympathique, ce qui peut entraĆ®ner des symptĆ“mes tels que sueurs froides, tachycardie, dilatation des pupilles ou hypotension. Il convient de distinguer la rĆ©gurgitation des vomissements proprement dits. Ce phĆ©nomĆØne nā€™ā€Šest gĆ©nĆ©ralement pas associĆ© Ć  des nausĆ©es et est souvent causĆ© par un sphincter infĆ©rieur de lā€™ā€ŠÅ“sophage insuffisant ou par une stĆ©nose de lā€™ā€ŠÅ“sophage. La rumination signifie Ć  son tour un transport rĆ©trograde du contenu de lā€™ā€Šestomac (gĆ©nĆ©ralement sans nausĆ©es), par exemple chez les patients souffrant de troubles psychosomatiques. Les Ć©ructations (rots) et les hoquets sont des formes dā€™ā€Šexpulsions dā€™ā€Šair (tab. 1).

Le diagnostic diffĆ©rentiel des nausĆ©es et des vomissements est donnĆ© dans le tableau 2. Lā€™ā€Šaugmentation de la pression intracrĆ¢nienne due Ć  des tumeurs, Ć  des saignements ou Ć  une obstruction de lā€™ā€ŠĆ©coulement du liquide cĆ©phalorachidien provoque une explosion soudaine de vomissements qui se produit gĆ©nĆ©ralement sans nausĆ©es. Lā€™ā€Širritation du labyrinthe entraĆ®ne des nausĆ©es et des vomissements lors du mal des transports, de la maladie de MĆ©niĆØre et des vertiges positionnels paroxystiques bĆ©nins. Lā€™ā€Šobstruction gastrique peut ĆŖtre due Ć  des causes malignes ou peptiques et, comme les obstructions de lā€™ā€Šintestin grĆŖle et du gros intestin (par exemple Ć  la suite dā€™ā€ŠadhĆ©rences, de tumeurs, de volvulus, dā€™ā€Šinvaginations ou dans la maladie de Crohn), elle peut entraĆ®ner des nausĆ©es et des vomissements. On estime que 20 Ć  40 % des patients atteints de diabĆØte sucrĆ© de type 1 dĆ©veloppent une gastroparĆ©sie diabĆ©tique avec des nausĆ©es et des vomissements consĆ©cutifs. Cependant, une gastroparĆ©sie peut Ć©galement se produire aprĆØs une vagotomie, un carcinome du pancrĆ©as, une sclĆ©rodermie et une amyloĆÆdose. Les vomissements en cas de pancrĆ©atite, cholĆ©cystite et appendicite sont causĆ©s par une irritation viscĆ©rale locale et un trouble de la motilitĆ©. Le syndrome de lā€™ā€ŠartĆØre mĆ©sentĆ©rique supĆ©rieure ou syndrome de la pince aorto-mĆ©sentĆ©rique est un tableau clinique rare caractĆ©risĆ© par des vomissements postprandiaux et une perte de poids. Sur le plan pathogĆ©nique, il sā€™ā€Šagit dā€™ā€Šun rĆ©trĆ©cissement du duodĆ©num distal entre lā€™ā€Šaorte et lā€™ā€ŠartĆØre mĆ©sentĆ©rique supĆ©rieure, causĆ© par un angle extrĆŖmement aigu de lā€™ā€ŠartĆØre mĆ©sentĆ©rique supĆ©rieure. Le syndrome se manifeste principalement chez les patients alitĆ©s et cachectiques en position couchĆ©e, accompagnĆ© dā€™ā€Šune douleur de type crampe au milieu de lā€™ā€Šabdomen supĆ©rieur, qui sā€™ā€ŠamĆ©liore de faƧon caractĆ©ristique aprĆØs le passage Ć  la position coude-genou. Les vomissements aigus dans les intoxications alimentaires sont dus Ć  Staphylococcus aureus et Ć  Bacillus cereus. La grossesse est la cause endocrinienne la plus frĆ©quente de vomissements. Jusquā€™ā€ŠĆ  70 % des femmes en souffrent au cours du premier trimestre. Lā€™ā€ŠhyperĆ©mĆØse gravidique est une forme grave de vomissement pendant la grossesse, qui peut entraĆ®ner une perte considĆ©rable de liquide et des troubles Ć©lectrolytiques. Parmi les autres causes mĆ©taboliques de vomissements figurent lā€™ā€ŠurĆ©mie, lā€™ā€ŠacidocĆ©tose, lā€™ā€Šinsuffisance surrĆ©nalienne ainsi que les troubles thyroĆÆdiens et parathyroĆÆdiens. Les mĆ©dicaments sont probablement la cause la plus frĆ©quente des vomissements. En principe, toutes les mĆ©dicaments peuvent provoquer des nausĆ©es et des vomissements. Les plus courants sont les antibiotiques, les antiarythmiques, les antihypertenseurs, les antidiabĆ©tiques oraux, les contraceptifs et les mĆ©dicaments chimiothĆ©rapeutiques (en particulier le cisplatine). La radiothĆ©rapie abdominale entraĆ®ne une perturbation de la fonction motrice et la formation de stĆ©noses. Les toxines prĆ©sentes dans le sang entraĆ®nent une stimulation de lā€™ā€Šarea postrema ou aire du vomissement (par exemple une intoxication alcoolique). Lā€™ā€Šinsuffisance hĆ©patique produit Ć©galement des toxines endogĆØnes qui provoquent des vomissements. Les causes cardiaques telles que lā€™ā€Šinfarctus aigu du myocarde, en particulier de la paroi postĆ©rieure, et lā€™ā€Šinsuffisance cardiaque biventriculaire peuvent entraĆ®ner des nausĆ©es et des vomissements. Les vomissements postopĆ©ratoires surviennent dans prĆØs de 25 % des opĆ©rations et sont particuliĆØrement frĆ©quents aprĆØs des laparotomies, des procĆ©dures orthopĆ©diques et chez les femmes. Les patients souffrant de troubles psychiatriques tels que les troubles alimentaires, les troubles anxieux et la dĆ©pression font souvent Ć©tat de nausĆ©es graves avec retard de vidange gastrique et de vomissements (tab. 2).
Les diagnostics diffĆ©rentiels basĆ©s sur la pĆ©riode de vomissement sont rĆ©sumĆ©s dans le tableau 3, ceux en prĆ©sence dā€™ā€Šun deuxiĆØme symptĆ“me principal dans le tableau 4 et ceux basĆ©s sur le type de vomissement dans le tableau 5.

Ɖtapes de clarification pour les patients souffrant de nausĆ©es et de vomissements

Continuant la procĆ©dure de diagnostic, on fait la distinction entre une apparition aiguĆ« de nausĆ©es et de vomissements (< 1 semaine) et une persistance chronique de nausĆ©es et de vomissements (> 1 mois). Lā€™ā€ŠanamnĆØse et lā€™ā€Šexamen physique indiquent gĆ©nĆ©ralement le diagnostic sous-jacent. Si des symptĆ“mes dā€™ā€Šalarme apparaissent, tels que lā€™ā€ŠĆ¢ge du patient > 50 ans, une perte de poids involontaire, une dysphagie progressive, des vomissements persistants, des signes dā€™ā€ŠhĆ©morragie gastro-intestinale, une anamnĆØse familiale positive de cancer gastrique, une altĆ©ration psychique, des douleurs abdominales, des vomissements fĆ©caux, une hĆ©matochĆ©zie, un mĆ©laena et des dĆ©ficits neurologiques focaux, des clarifications supplĆ©mentaires sā€™ā€Šimposent.
Une procĆ©dure en trois Ć©tapes est recommandĆ©e pour le diagnostic des vomissements. Dans un premier temps, il faut dĆ©terminer principalement les Ć©lectrolytes, le glucose, les valeurs rĆ©nales et hĆ©patiques, lā€™ā€Šamylase (en cas de douleur), le taux de digitaline avec lā€™ā€ŠanamnĆØse correspondante, ainsi que lā€™ā€ŠĆ©tat urinaire et faire un test de grossesse. Si lā€™ā€Šon suspecte une obstruction intestinale, il peut ĆŖtre utile dā€™ā€Šeffectuer une radiographie de lā€™ā€Šabdomen dans deux incidences (debout et couchĆ©), sans prĆ©paration, afin de rechercher les niveaux hydroaĆ©riques dans lā€™ā€Šintestin grĆŖle. La prĆ©sence dā€™ā€Šun ilĆ©us se caractĆ©rise par des boucles intestinales dilatĆ©es et remplies dā€™ā€Šair de maniĆØre diffuse. Dans un deuxiĆØme temps, selon la clinique, lā€™ā€ŠĆ©chographie abdominale, lā€™ā€Šoesophago-gastro-duodĆ©noscopie, la culture des selles, lā€™ā€ŠECG, le test TSH et une radiographie du thorax sont recommandĆ©s. Dans une troisiĆØme Ć©tape, une coloscopie, un examen CT/IRM (CT abdomen en cas de maladie inflammatoire suspectĆ©e, CT/IRM cĆ©rĆ©bral pour exclure une cause centrale), une entĆ©rographie (CT/IRM) pour exclure un processus de lā€™ā€Šintestin grĆŖle, ainsi que la dĆ©termination de la toxicologie urinaire et des porphyrines sont effectuĆ©s.

Cet article est une traduction de «der informierte arzt» 01_2020

Copyright Aerzteverlag medinfo AG

Pr Stephan Vavricka

Zentrum für Gastroenterologie und Hepatologie
Vulkanplatz 8
8048 Zürich

Lā€™ā€Šauteur a dĆ©clarĆ© nā€™ā€Šavoir aucun conflit dā€™ā€ŠintĆ©rĆŖts en relation avec cet article.

  • Chez les patients souffrant de nausĆ©es et de vomissements, il est essentiel et parfois difficile de trouver la maladie sous-jacente.
  • Cet article a pour but de montrer les stratĆ©gies permettant de rechercher la cause d’une maniĆØre ciblĆ©e.
  • Lā€™ā€Šune des causes les plus frĆ©quentes est lā€™ā€Šeffet secondaire des mĆ©dicaments et si lā€™ā€Šon soupƧonne un tel effet, il faut discuter de la nĆ©cessitĆ© du mĆ©dicament.

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10. Mƶrk H, Scheurlen M. Leitsymptom Erbrechen. Internist 1998; 39: 1055-1061.

La mĆ©ningite chez lā€™ā€Šenfant

La mĆ©ningite chez lā€™ā€Šenfant est un tableau clinique dangereux avec un taux de mortalitĆ© Ć©levĆ©. Il est crucial que le diagnostic suspectĆ© soit posĆ© et que les mesures adĆ©quates soient prises dĆØs le premier contact dans le cabinet. Le prĆ©sent article vise Ć  fournir une aide dans de telles situations, non pas dans le sens dā€™ā€Šun article de revue, mais plutĆ“t comme guide pratique.

Vignette clinique

Une fillette de 3 ans est prĆ©sentĆ©e au mĆ©decin de famille de service en novembre. Elle a un rhume depuis 3 jours, une toux lĆ©gĆØre, une fiĆØvre allant jusquā€™ā€ŠĆ  38,9 °C (tempĆ©rature tympanique), une otalgie du cĆ“tĆ© gauche et a vomi deux fois. Ses deux frĆØres et sœurs ont Ć©galement un rhume. Lā€™ā€ŠanamnĆØse personnelle nā€™ā€Šest pas remarquable. Seuls les vaccins de base ont Ć©tĆ© administrĆ©s. Lā€™ā€ŠĆ©tat gĆ©nĆ©ral de la patiente est lĆ©gĆØrement rĆ©duit, elle est larmoyante et affectueuse. Au status, un tympan rouge Ć  gauche et un pharynx lĆ©gĆØrement rougi sont perceptibles. Lā€™ā€Šauscultation des poumons (Ć  travers le T-shirt, parce que la patiente pleure et se dĆ©fend) est normale. Le diagnostic prĆ©sumĆ© dā€™ā€Šotite moyenne aiguĆ« gauche est posĆ©. Une analgĆ©sie fixe est prescrite de mĆŖme que la recommandation dā€™ā€Šune visite de suivi chez le pĆ©diatre le jour suivant. A la sortie du cabinet, la jeune fille refuse de partir, elle est portĆ©e par sa mĆØre. Deux heures plus tard Ć  la maison, elle vomit plusieurs fois et a des crampes. Le service dā€™ā€Šambulance est prĆ©venu. Aux urgences de lā€™ā€ŠhĆ“pital pĆ©diatrique : GCS 13, FR 30/min, FC 160/min, temps de recapillarisation centrale 4 sec, pĆ©riphĆ©rie froide. Un mĆ©ningisme se fait remarquer. Prise dā€™ā€ŠhĆ©mocultures et de septicĆ©mie en laboratoire, compensation volumique et administration dā€™ā€Šantibiotiques. AprĆØs une dĆ©tĆ©rioration supplĆ©mentaire, transfert Ć  lā€™ā€ŠunitĆ© de soins intensifs, où lā€™ā€Šon procĆØde Ć  lā€™ā€Šintubation et Ć  la ventilation. Au cours des heures qui suivent, lā€™ā€ŠĆ©tat se stabilise et il nā€™ā€Šy a plus de crises. Lā€™ā€Šimagerie du SNC (systĆØme nerveux central) est sans particularitĆ©. La ponction lombaire montre une pléïocytose du LCR (liquide cĆ©rĆ©bro-rachidien). La microbiologie rapporte une croissance de diplocoques Gram positif Ć  partir de lā€™ā€ŠhĆ©moculture. Lā€™ā€Šanalyse PCR du LCR montre S. pneumoniae. AprĆØs la 3ĆØme journĆ©e, la fille peut ĆŖtre transfĆ©rĆ©e dans le service de pĆ©diatrie.

AprĆØs lā€™ā€Šintroduction avec des informations gĆ©nĆ©rales, les points les plus importants de lā€™ā€ŠanamnĆØse et de lā€™ā€Šexamen sont rĆ©sumĆ©s en fonction des diffĆ©rentes catĆ©gories dā€™ā€ŠĆ¢ge. En outre, la septicĆ©mie comme Ć©volution possible de la maladie sera rappelĆ©e et enfin, la prĆ©vention et donc les vaccinations recommandĆ©es seront discutĆ©es.

Introduction

La mĆ©ningite bactĆ©rienne de lā€™ā€Šenfance est gĆ©nĆ©ralement causĆ©e par lā€™ā€Šinvasion des muqueuses par les bactĆ©ries aprĆØs la colonisation du nasopharynx. Dans la suite de la maladie, la propagation hĆ©matogĆØne et finalement lā€™ā€Šinvasion du SNC se produit en traversant la barriĆØre hĆ©mato-encĆ©phalique. En fonction de la situation immunitaire et de la charge bactĆ©rienne, une septicĆ©mie peut Ć©galement survenir. En pĆ©diatrie, la septicĆ©mie est dĆ©finie comme une rĆ©ponse immunitaire dysrĆ©gulĆ©e Ć  une infection qui entraĆ®ne le dysfonctionnement dā€™ā€Šun ou de plusieurs organes. Les tableaux cliniques de la septicĆ©mie et de la mĆ©ningite peuvent ĆŖtre parallĆØles. Il est important de rechercher activement les signes de septicĆ©mie chez lā€™ā€Šenfant en plus des signes de mĆ©ningite, car cela peut ĆŖtre crucial pour une prise en charge immĆ©diate.
Les bactĆ©ries responsables de la mĆ©ningite aiguĆ« purulente sont principalement S. pneumoniae, N. meningitidis, H. influenzae de type b (Hib) et les streptocoques du groupe B (SGB). Chez les nouveau-nĆ©s et les nourrissons de moins de 3 mois, les streptocoques du groupe B sont les agents pathogĆØnes les plus courants, chez les nourrissons de plus de 3 mois et jusquā€™ā€ŠĆ  9 ans ce sont S. pneumoniae et N. meningitidis et chez les adolescents N. meningitidis. Le pic de frĆ©quence de la mĆ©ningite bactĆ©rienne se situe dans les deux premiĆØres annĆ©es de la vie. Les mĆ©ningococcies ont un 2ĆØme pic de frĆ©quence Ć  lā€™ā€Šadolescence. Les pneumocoques provoquent la forme la plus grave de mĆ©ningite bactĆ©rienne chez les nourrissons et les jeunes enfants. Lā€™ā€ŠĆ©volution des infections Ć  pneumocoques comporte de nombreuses complications et une guĆ©rison neurologique incomplĆØte est plus frĆ©quente que lors de mĆ©ningite Ć  mĆ©ningocoques ou de mĆ©ningite Hib. La mĆ©ningite Ć  pneumocoques a le taux de mortalitĆ© le plus Ć©levĆ© parmi les agents pathogĆØnes classiques de la mĆ©ningite (1-3). En Suisse, lā€™ā€Šincidence des infections invasives (y compris la mĆ©ningite) chez les enfants de moins de 5 ans a diminuĆ© de maniĆØre spectaculaire, passant de 44 Ć  1,5 sur 100 000 en 21 ans, depuis lā€™ā€Šintroduction de la vaccination anti-Hib en 1991. Lā€™ā€Šintroduction des vaccins conjuguĆ©s anti-pneumococciques (PCV7 et PCV13 en 2005 et 2011, respectivement) a rĆ©duit lā€™ā€Šincidence de 37 Ć  9 en 6 ans. Lā€™ā€Šincidence des infections mĆ©ningococciques invasives a diminuĆ© aprĆØs lā€™ā€Šintroduction des vaccins conjuguĆ©s (MCV-C et MCV-ACWY en 2006 et 2011, respectivement) en 9 ans de 6,3 Ć  3,9 chez les enfants de moins de 5 ans et de 2,3 Ć  0,7 chez les adolescents. Pourtant les pneumocoques restent les agents pathogĆØnes les plus courants de la mĆ©ningite bactĆ©rienne chez les enfants de plus de 1 mois (4-6). La mĆ©ningite aseptique ou virale est beaucoup plus frĆ©quente (incidence de 70 sur 100 000 chez les nourrissons). Le plus souvent (80-90%), cette forme est causĆ©e par des entĆ©rovirus, Ć©tant plus frĆ©quente pendant les mois dā€™ā€ŠĆ©tĆ© et dā€™ā€Šautomne (7, 8).

Facteurs de risque de la mƩningite bactƩrienne (9) :

  • Ƃge < 2 ans et adolescents
  • Pas de vaccination (pneumocoque, Hib, mĆ©ningocoque)
  • AsplĆ©nie, immunodĆ©ficience (primaire ou secondaire), maladie systĆ©mique sous-jacente
  • Maladie infectieuse rĆ©cente (voies respiratoires ou otite moyenne)
  • Malformations anatomiques (ORL, SNC)
  • Implant cochlĆ©aire
  • Contacts rĆ©cents avec des patients atteints de mĆ©ningite (Ć©cole, crĆØche, garderie postscolaire)
  • Ā«ā€ŠCrowdingā€ŠĀ» (service militaire, centres dā€™ā€Šaccueil)
  • Voyager dans les zones dā€™ā€ŠendĆ©mie mĆ©ningococcique comme lā€™ā€ŠAfrique subsaharienne

PrĆ©sentation – ce que les parents rapportent et ce quā€™ā€Šil faut leur demander

Les signes et les changements dā€™ā€ŠĆ©tat gĆ©nĆ©ral classĆ©s dans le tableau 1 peuvent se manifester lentement et progressivement sur quelques jours, mais aussi de faƧon fulgurante en quelques heures. Les enfants de moins de deux ans reprĆ©sentent un dĆ©fi majeur pour lā€™ā€ŠĆ©valuation (1, 10, 11). Ce que leurs parents rapportent (ce quā€™ā€Šils ont remarquĆ©, ce qui les inquiĆØte) est particuliĆØrement important pour ces patients. Laissez les parents vous guider quand ils disent, par exemple, que leur bĆ©bĆ© est anormalement somnolent, pleure diffĆ©remment, respire bizarrement ou nā€™ā€ŠĆ©tablit plus de contact visuel. Les enfants atteints de mĆ©ningite purulente aiguĆ« sont gĆ©nĆ©ralement dans un Ć©tat gĆ©nĆ©ral plus grave que les enfants atteints de mĆ©ningite virale.

Status

Les nourrissons anxieux ne doivent pas ĆŖtre sĆ©parĆ©s de leurs parents dans la mesure du possible. Lā€™ā€Šexamen primaire peut Ć©galement ĆŖtre effectuĆ© avec lā€™ā€Šenfant assis ou couchĆ© sur les genoux de la personne qui sā€™ā€Šoccupe de lui. Une approche systĆ©matique et donc lā€™ā€ŠĆ©valuation rapide dā€™ā€Šun enfant malade est nĆ©cessaire. Lors de la premiĆØre Ć©valuation des risques les examens suivants sont utilesā€Š:

  • Ɖtat gĆ©nĆ©ralā€Š: conscience, tonus, contact visuel, interaction, communication, possibilitĆ© de consoler lā€™ā€Šenfant, douleurs
  • Respirationā€Š: position du corps, sons respiratoires, signes de dyspnĆ©e, frĆ©quence respiratoire, saturation en oxygĆØne
  • circulationā€Š: pĆ¢leur, cyanose, extrĆ©mitĆ©s froides, temps de recapillarisation, frĆ©quence cardiaque

Ensuite, une Ć©valuation prĆ©cise et complĆØte doit ĆŖtre rĆ©alisĆ©e. Lā€™ā€Šenfant doit TOUJOURS ĆŖtre complĆØtement dĆ©shabillĆ© et examinĆ© de la tĆŖte aux pieds. Lors du status, il est important de rechercher non seulement les signes neurologiques (tels que lā€™ā€ŠirritabilitĆ©, la sensibilitĆ© au toucher, le mĆ©ningisme, les dĆ©ficits focaux) mais aussi les signes de septicĆ©mie (tab. 2), car ceux-ci peuvent dĆ©jĆ  se manifester comme un signe avant-coureur de la mĆ©ningite ou en mĆŖme temps que celle-ci. Dans le contexte de la septicĆ©mie, les adultes rĆ©agissent principalement par une rĆ©sistance vasculaire systĆ©mique diminuĆ©e (choc chaud). En revanche, les nouveau-nĆ©s et les nourrissons ont souvent une rĆ©sistance vasculaire Ć©levĆ©e (choc froid) dans la phase prĆ©coce de la septicĆ©mie. Un temps de recapillarisation prolongĆ©, des extrĆ©mitĆ©s froides et une tachycardie sont les signes classiques dā€™ā€Šun Ć©tat de choc prĆ©coce où la pression artĆ©rielle est toujours maintenue (choc compensĆ©). ƀ lā€™ā€ŠĆ©tat dĆ©compensĆ©, un trouble de la conscience et une hypotension artĆ©rielle dĆ©butante sont typiques. La chute de la tension artĆ©rielle chez les enfants est un signe tardif et est souvent proche dā€™ā€Šun collapsus circulatoire complet (11, 12). La mesure correcte de la pression artĆ©rielle chez les nourrissons et les jeunes enfants nā€™ā€Šest pas toujours facile et ne doit pas ĆŖtre possible dans le cabinet du mĆ©decin de famille.

ƀ Noter

Il faut encourager les parents Ć  se prĆ©senter de nouveau avec lā€™ā€Šenfant si la situation se dĆ©tĆ©riore. Un diagnostic suspectĆ© nā€™ā€Šest que la « meilleure supposition » et nā€™ā€Šest jamais infaillible tant quā€™ā€Šil ne peut ĆŖtre confirmĆ© par des rĆ©sultats correspondants. Si les symptĆ“mes progressent et que lā€™ā€ŠĆ©volution ne correspond pas au diagnostic suspectĆ©, il faut le reconnaĆ®tre et ĆŖtre prĆŖt Ć  reconsidĆ©rer le cas. Des erreurs se produisent si les mĆ©decins restent fixĆ©s sur leur diagnostic initial prĆ©sumĆ©.

Lā€™ā€Šinstauration rapide dā€™ā€Šune thĆ©rapie (antibiotique et compensation volumique) permet de sauver des vies. Pour les nourrissons de moins de 3 mois en Ć©tat gĆ©nĆ©ral rĆ©duit il faut toujours initier une hospitalisation. Les clarifications en laboratoire (p.ex. hĆ©mogramme, CRP) ne sont pas utiles, car elles ne sont pas pertinentes.
Si lā€™ā€Šon suspecte une mĆ©ningite mais que lā€™ā€ŠĆ©tat gĆ©nĆ©ral soit bon et que les paramĆØtres de circulation soient stables, lā€™ā€Šenfant peut ĆŖtre transfĆ©rĆ© par transport privĆ©. Il nā€™ā€Šest pas non plus conseillĆ© de procĆ©der Ć  des clarifications en laboratoire dans ce cas. La mĆ©ningite ne peut ĆŖtre diagnostiquĆ©e que par une ponction lombaire. Si un transfert immĆ©diat nā€™ā€Šest pas possible en cas de suspicion de mĆ©ningite et/ou de septicĆ©mie purulente ou sā€™ā€Šil subit des retards, le traitement initial suivant est recommandĆ©ā€Š:

  • Apport en oxygĆØne
  • Remplissage volumique avec une solution cristalloĆÆde Ć©quilibrĆ©e, administrĆ©e en bolus (p.ex. solution de Ringer) 20ā€Šml/kg
  • Ceftriaxone (une seule fois) en perfusion courte i.v.ā€Š/ā€Ši.m. Doseā€Š: 100ā€Šmg/kg p.c. (dose unique maximaleā€Š: 4g)

PrĆ©vention – Vaccinations

Comme le montrent les chiffres des derniĆØres annĆ©es, le risque de contracter une mĆ©ningite aux consĆ©quences potentiellement mortelles ou aux dommages neurologiques Ć  long terme peut ĆŖtre considĆ©rablement rĆ©duit par une immunisation adĆ©quate. Les vaccins suivants (tab. 4) sont Ć  recommander activement.

Cet article est une traduction de Ā« der informierte arzt Ā» 01_2019

Fabia D. Büttcher

Praxis Ottenbach
Affolternstrasse 21
8913 Ottenbach

Dr. med. Michael Büttcher

Leitung PƤdiatrische Infektiologie,
Luzerner Kantonsspital
6000 Luzern 16

michael.buettcher@luks.ch

Les auteurs affirment quā€™ā€Šil nā€™ā€Šy a pas de conflit dā€™ā€ŠintĆ©rĆŖts en rapport avec cet article.

  • Bien que lā€™ā€Šincidence de la mĆ©ningite bactĆ©rienne diminue, son taux de mortalitĆ© reste Ć©levĆ©.
  • Les enfants de moins de 2 ans sont les plus frĆ©quemment touchĆ©s. La prĆ©sentation nā€™ā€Šest pas spĆ©cifique dans cette catĆ©gorie dā€™ā€ŠĆ¢ge. Donc : pensez-y !
  • S. pneumoniae est lā€™ā€Šagent pathogĆØne le plus courant de la mĆ©ningite bactĆ©rienne chez les enfants de moins de 5 ans. Il existe un vaccin efficace. Cā€™ā€Šest maintenant lā€™ā€Šune des vaccinations de base. Recommandez-la activement !
  • Les mĆ©ningococcies ont un deuxiĆØme pic Ć  lā€™ā€Šadolescence. Nā€™ā€Šoubliez pas la vaccination de rappel !
  • La septicĆ©mie et la mĆ©ningite peuvent survenir ensemble. Faites attention aux symptĆ“mes dā€™ā€Šalarme, liĆ©s aux catĆ©gories dā€™ā€ŠĆ¢ge, que vous avez repĆ©rĆ©s de lā€™ā€ŠanamnĆØse et du status.
  • Un enfant que lā€™ā€Šon soupƧonne dā€™ā€Šavoir une mĆ©ningite ou une septicĆ©mie bactĆ©rienne doit ĆŖtre transfĆ©rĆ© immĆ©diatement Ć  la clinique pĆ©diatrique la plus proche avec les services de transport dā€™ā€Šurgence.

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Arthropathies Ơ dƩpƓts de cristaux

La prĆ©valence de lā€™ā€ŠhyperuricĆ©mie et de la goutte a augmentĆ© rĆ©guliĆØrement dans tous les pays industrialisĆ©s ces derniĆØres annĆ©es. Lā€™ā€ŠhyperuricĆ©mie entraĆ®ne non seulement des dĆ©pĆ“ts dā€™ā€Šurates dans les articulations, les structures proches des articulations (par ex. gaines tendineuses, bourses sĆ©reuses) et, plus rarement, dans les organes internes, mais elle est Ć©galement en association avec une augmentation du risque cardiovasculaire, probablement une dĆ©tĆ©rioration de la fonction rĆ©nale et Ć©ventuellement une augmentation de la tension artĆ©rielle. Dans cet article, les mesures actuelles de diagnostic et de traitement sont compilĆ©es et le diagnostic diffĆ©rentiel de la pseudo-goutte est Ć©galement expliquĆ©.

Au cours de lā€™ā€ŠĆ©volution – dans la transition de la vie dans lā€™ā€Šeau Ć  la vie sur terre – des taux dā€™ā€Šacide urique plus Ć©levĆ©s ont dĆ» apporter des avantages. Par consĆ©quent, certains reptiles de grade supĆ©rieur et tous les primates sont dĆ©pourvus de lā€™ā€Šenzyme uricase, qui dĆ©compose lā€™ā€Šacide urique en allantoĆÆne dans tous les autres organismes. SimultanĆ©ment, 90 % de lā€™ā€Šacide urique filtrĆ© est rĆ©absorbĆ© dans nos reins.
Cependant, les changements dans les habitudes alimentaires, lā€™ā€Šaugmentation de lā€™ā€ŠespĆ©rance de vie (diminution de la fonction rĆ©nale) et dā€™ā€Šautres facteurs font quā€™ā€Šaujourdā€™ā€Šhui nous sommes principalement confrontĆ©s aux consĆ©quences nĆ©gatives de lā€™ā€ŠhyperuricĆ©mie. La plupart des laboratoires dĆ©finissent lā€™ā€Šhyper-uricĆ©mie comme un taux dā€™ā€Šacide urique supĆ©rieur Ć  420 µmol/l. Le produit de solubilitĆ©, en revanche, se situe Ć  360 µmol/l, cā€™ā€Šest-Ć -dire que lā€™ā€Šacide urique commence Ć  prĆ©cipiter Ć  des valeurs plus Ć©levĆ©es. Pour cette raison une valeur infĆ©rieure Ć  360 µmol/l est visĆ©e pour le traitement dā€™ā€Šabaissement de lā€™ā€Šacide urique.

Clinique et diagnostic

Lā€™ā€Šarthrite goutteuse aiguĆ« est gĆ©nĆ©ralement une monoarthrite qui se manifeste de faƧon suraiguĆ« (avec des douleurs, des rougeurs et des gonflements importants) et affecte de prĆ©fĆ©rence les membres infĆ©rieurs. Plus la clinique est typique, plus le diagnostic est probable. Cependant, le diagnostic diffĆ©rentiel doit toujours considĆ©rer une infection ou une pseudo-goutte (chondrocalcinose). Le gold-standard pour un diagnostic fiable reste la dĆ©tection microscopique de cristaux dā€™ā€Šurates dans le prĆ©lĆØvement de lā€™ā€Šarticulation affectĆ©e (fig. 1.) (ou celui du tissu) ou dā€™ā€Šidentifier des dĆ©pĆ“ts dā€™ā€Šurates par Ć©chographie Ć  haute rĆ©solution (fig. 2.) ou, Ć  la rigueur, par tomodensitomĆ©trie Ć  double Ć©nergie (les deux mĆ©thodes dā€™ā€Šimagerie sont trĆØs spĆ©cifiques, mais nĆ©cessitent un certain dĆ©pĆ“t dā€™ā€Šurates pour ĆŖtre dĆ©tectĆ©es et peuvent donc ĆŖtre faussement nĆ©gatives, surtout dans les premiers stades).
La dĆ©termination de lā€™ā€Šacide urique sĆ©rique est moins utile au diagnostic lors dā€™ā€Šune crise (il peut mĆŖme ĆŖtre plus faible quā€™ā€Šen dehors dā€™ā€Šune crise), mais elle est importante pour le contrĆ“le de la thĆ©rapie de base visant la rĆ©duction de lā€™ā€Šacide urique. Les signes accrus dā€™ā€Šinflammation (CRP, VS) et une leucocytose vont bien ensemble avec lā€™ā€Šinflammation aiguĆ« de la goutte, mais ne sont bien sĆ»r pas spĆ©cifiques Ć  celle-ci.

Traitement

Traitement de la goutte aiguƫ

En plus du refroidissement local, il faut administrer des anti-inflammatoires puissants, cā€™ā€Šest-Ć -dire des anti-inflammatoires non stĆ©roĆÆdiens (sā€™ā€Šil nā€™ā€Šy a pas de contre-indication) ou des stĆ©roĆÆdes soit systĆ©miques soit (mieux) administrĆ©s par voie intra-articulaire (siā€™ā€Šil nā€™ā€Šy a pas dā€™ā€Šinfection suspectĆ©e) ou de la colchicine (bien quā€™ā€Šelle ne soit pas officiellement approuvĆ©e en Suisse). Dans des cas particuliers, un inhibiteur de lā€™ā€Šinterleukine-1 peut ĆŖtre administrĆ© par voie sous-cutanĆ©e en collaboration avec un rhumatologue en utilisation « off label ».

Traitement de base de lā€™ā€ŠhyperuricĆ©mie

Des mesures non mĆ©dicamenteuses (mode de vie) doivent ĆŖtre recommandĆ©es pour chaque patient. En ce qui concerne la nutrition, un rĆ©gime alimentaire rĆ©duit est trĆØs utile en cas de surpoids (le risque dā€™ā€Šacide urique et de goutte augmente de faƧon linĆ©aire avec lā€™ā€ŠIMC). En outre, tous les patients doivent limiter la consommation de protĆ©ines animales au profit de protĆ©ines laitiĆØres et, si possible, Ć©viter les boissons sucrĆ©es contenant du fructose, les jus de fruits et la biĆØre. La prise en charge gĆ©nĆ©rale dā€™ā€Šun patient atteint dā€™ā€ŠhyperuricĆ©mie comprend Ć©galement lā€™ā€Šattention portĆ©e aux facteurs de risque cardiovasculaire les plus couramment associĆ©s.
Selon la situation, un traitement de base avec des mĆ©dicaments (qui rĆ©duisent lā€™ā€Šacide urique) doit ĆŖtre envisagĆ© aprĆØs la premiĆØre crise de goutte, mais est certainement indiquĆ© en cas de plusieurs crises par an, en cas dā€™ā€Šinsuffisance rĆ©nale simultanĆ©e ou si des calculs rĆ©naux, tophi ou calculs d’urates existent dĆ©jĆ . Le traitement est initiĆ© aprĆØs la disparition de la crise aiguĆ« et doit conduire Ć  une rĆ©duction fiable de lā€™ā€Šacide urique < 360µmol/l (en prĆ©sence de tophi, de destruction articulaire ou de crises frĆ©quentes < 300 µmol/l). En consĆ©quence, la dose est progressivement augmentĆ©e et lā€™ā€Šacide urique est contrĆ“lĆ© rĆ©guliĆØrement jusquā€™ā€ŠĆ  ce que la valeur cible soit atteinte (« treat to target »). Il faut noter et expliquer au patient que, dā€™ā€Šune part, des crises aiguĆ«s de goutte peuvent se reproduire au dĆ©but de la rĆ©duction du taux dā€™ā€Šacide urique (et que par consĆ©quent il faut prescrire une prophylaxie dā€™ā€ŠAINS Ć  faible dose, de stĆ©roĆÆdes, par exemple 5 mg de Spiricort, ou 0,5 mg de colchicine pendant les premiĆØres semaines, soit au moins rĆ©server des mĆ©dicaments pour le traitement des crises !), et il faut lui expliquer que dā€™ā€Šautre part, mĆŖme avec un traitement de base correct, on ne peut sā€™ā€Šattendre Ć  une absence totale de crises quā€™ā€ŠaprĆØs de nombreux mois. Le risque dā€™ā€Šeffets secondaires est plus faible si les inhibiteurs de lā€™ā€Šacide urique sont dosĆ©s progressivement et augmentĆ© progressivement (« start slow and go slow »).
Les inhibiteurs de la xanthine oxydase allopurinol ou fĆ©buxostat restent le premier choix de mĆ©dicament. Ce dernier nā€™ā€Šest pris en charge par les caisses maladies en Suisse que si des effets secondaires se produisent sous lā€™ā€Šallopurinol, sā€™ā€Šil y a une contre-indication ou si lā€™ā€Šeffet est insuffisant. En cas de fonction rĆ©nale normale, il est recommandĆ© de commencer par une dose de 100 mg dā€™ā€Šallopurinol, puis dā€™ā€Šaugmenter progressivement la dose de 100 mg, par ex. toutes les 4 semaines, jusquā€™ā€ŠĆ  ce que le niveau cible dā€™ā€Šacide urique soit atteint. Si nĆ©cessaire, lā€™ā€Šallopurinol peut ĆŖtre dosĆ© sans problĆØme jusquā€™ā€ŠĆ  600 mg/jour. En cas de fonction rĆ©nale limitĆ©e, la dose de dĆ©part doit ĆŖtre adaptĆ©e Ć  la clairance de la crĆ©atinine. Souvent, ces patients ne reƧoivent aucun traitement ou un traitement insuffisant pour rĆ©duire lā€™ā€Šacide urique par crainte des effets secondaires ; cependant, tant lā€™ā€ŠexpĆ©rience clinique que les donnĆ©es scientifiques de plus en plus nombreuses montrent quā€™ā€Šune rĆ©duction adĆ©quate de lā€™ā€Šacide urique amĆ©liore frĆ©quemment la fonction rĆ©nale ou ralentit la progression de lā€™ā€Šinsuffisance rĆ©nale.
Si lā€™ā€Šallopurinol entraĆ®ne des effets secondaires ou si son effet est insuffisant, le fĆ©buxostat peut ĆŖtre utilisĆ©, Ć©galement en augmentant peu Ć  peu les doses, commenƧant par 40 mg/j et augmentant jusquā€™ā€ŠĆ  80 mg/j. Contrairement Ć  lā€™ā€Šallopurinol, aucun ajustement de dose nā€™ā€Šest nĆ©cessaire en cas dā€™ā€Šinsuffisance rĆ©nale. Cependant, le fĆ©buxo-stat doit ĆŖtre utilisĆ© avec prudence chez les patients souffrant de cardiopathie ischĆ©mique.
Une troisiĆØme possibilitĆ© est lā€™ā€Šadministration dā€™ā€Šuricosuriques (uniquement en cas de fonction rĆ©nale normale !), soit le probĆ©nĆ©cide (attention aux interactions !), soit le lĆ©sinurad (uniquement en combinaison avec lā€™ā€Šallopurinol).
Comme pour tous les traitements mĆ©dicamenteux Ć  long terme, une bonne information du patient et des contrĆ“les rĆ©guliers sont tout aussi importants pour une adhĆ©rence optimale Ć  la thĆ©rapie. IdĆ©alement, le patient souffrant de la goutte connaĆ®t son taux dā€™ā€Šacide urique (et le taux cible) tout comme chaque patient diabĆ©tique connaĆ®t son taux dā€™ā€ŠHbA1c.

Arthropathie Ć  dĆ©pĆ“ts de pyrophosphate de calcium (« chondrocalcinose », « pseudo-goutte »)

Avec lā€™ā€ŠĆ¢ge, la prĆ©valence des dĆ©pĆ“ts de cristaux de pyrophosphate de calcium dans les cartilages hyalins et fibreux augmente (ce quā€™ā€Šon appelle la chondrocalcinose). Les causes et les mĆ©canismes exacts de ce type de chondrocalcinose, dite primaire, sont encore inconnus. Sur le plan Ć©pidĆ©miologique, les femmes sont un peu plus frĆ©quemment touchĆ©es ; les groupes familiaux sont Ć©galement dĆ©crits. Chez les patients plus jeunes (cā€™ā€Šest-Ć -dire avant lā€™ā€ŠĆ¢ge de 50 ans), un dĆ©pĆ“t de cristaux de pyrophosphate de calcium peut dĆ©jĆ  se produire dans certaines maladies mĆ©taboliques (par ex. lā€™ā€ŠhĆ©mochromatose, lā€™ā€ŠhypomagnĆ©sĆ©mie, lā€™ā€ŠhyperparathyroĆÆdie – on parle alors de chondrocalcinose secondaire).

Clinique et diagnostic

Cette maladie de dĆ©pĆ“t de cristaux est Ć©galement considĆ©rĆ©e comme le « camĆ©lĆ©on » de la rhumatologie, car elle peut se manifester de nombreuses faƧons :

  • rĆ©sultats radiographiques asymptomatiques (« chondrocalcinose »)
  • arthrite aiguĆ« (« pseudo-goutte Ā») (fig. 3)
  • arthrose progressive dans les articulations qui ne sont pas principalement touchĆ©es par lā€™ā€Šarthrose (typiquement : carpe, articulations MCP, Ć©paule, genou, hanche) ; lĆ©sions mĆ©niscales
  • arthropathie destructive Ć  Ć©volution rapidement progressive (en particulier lā€™ā€Šarticulation de la hanche, lā€™ā€Šarticulation de lā€™ā€ŠĆ©paule)
  • oligo-/ polyarthrite chronique (arthrite « pseudo-rhumatoĆÆde »)
  • ressemblant Ć  la polymyalgie
  • syndrome de la « dent couronnĆ©e » (angl. crowned dens syndrome – CDS) (« pseudomĆ©ningite Ā» due Ć  des dĆ©pĆ“ts de calcium dans les ligaments atlanto-axiales)

En plus du tableau clinique respectif, le diagnostic comprend Ć©galement la dĆ©tection microscopique de cristaux de pyrophosphate de calcium dans le liquide synovial ou de calcifications pathognomoniques du cartilage dans la radiographie conventionnelle (fig. 4.) ainsi que dans lā€™ā€ŠĆ©chographie Ć  haute rĆ©solution (ou dans la tomodensitomĆ©trie en cas dā€™ā€Šun syndrome de la dent couronnĆ©e).

Traitement

Les mĆŖmes principes sā€™ā€Šappliquent au traitement de lā€™ā€Šarthrite aiguĆ« (« pseudo-goutte ») quā€™ā€ŠĆ  celui de lā€™ā€Šarthrite goutteuse. Il nā€™ā€Šexiste cependant pas de vĆ©ritable thĆ©rapie de base (ou traitement causal). Si les crises sont frĆ©quentes, on peut essayer la colchicine ou, au mieux, une supplĆ©mentation en magnĆ©sium. En cas dā€™ā€Šoligo- Ć  polyarthrite avec une Ć©volution plutĆ“t chronique, il faut essayer un traitement de base avec le mĆ©thotrexate.

Cet article est une traduction de Ā« der informierte arzt Ā» 03_2020

Dr. med. Andreas Krebs

Rheuma- und Osteoporose-Zentrum Kloten
Kalchengasse 7
8302 Kloten

andreaskrebs@hin.ch

Lā€™ā€Šauteur nā€™ā€Ša dĆ©clarĆ© aucun conflit dā€™ā€ŠintĆ©rĆŖts en rapport avec cet article.

  • La dĆ©tection microscopique des cristaux reste le gold-standard du
    diagnostic. Lā€™ā€Šimagerie moderne peut aider, car elle est trĆØs spĆ©cifique, mais sa sensibilitĆ© est limitĆ©e.
  • Traitement de base de lā€™ā€Šacide urique par allopurinol ou (en cas dā€™ā€Šeffets secondaires ou de contre-indications) par fĆ©buxostat. Commencer
    par de faibles doses, augmentation graduelle et cohĆ©rente de la dose jusquā€™ā€ŠĆ  ce que la valeur cible de lā€™ā€Šacide urique de 360µmol/l ou 300µmol/l soit atteinte (« treat to target Ā»).
  • Penser aux mesures non mĆ©dicamenteuses et aux comorbiditĆ©s.
  • La chondrocalcinose est une cause frĆ©quente de monarthrite aiguĆ« chez les personnes Ć¢gĆ©es. Une radiographie conventionnelle contribue souvent au diagnostic.