Das Mikrobiom peripartal –  was wissen wir darüber?

Über ein Jahrhundert galt das Paradigma, dass der Fet in einer sterilen Umgebung heranwächst und erst durch die Geburt sein Mikrobiom erhält und bildet. Neue Forschungen stellen diese Hypothese in Frage und postulieren eine «in utero-Kolonisation». Sollten diese Erkenntnisse zutreffen, hätte dies einen grossen Einfluss auf das Verständnis der fetomaternalen Einheit.

Henri Tissier hat 1899 als Erster das Bifidus Bakterium isoliert. Der franzƶsische PƤdiater arbeitete am Pasteur-Institut in Paris und untersuchte Stuhlproben von SƤuglingen. Dabei stellte er einen Unterschied zwischen gestillten und nicht gestillten Kindern fest. Die Stuhlproben der gestillten Kinder zeigten eine Dominanz von Bifidusbakterien, ein Bakterium, dem gute Eigenschaften zugesprochen wurden. Heute wissen wir, dass eben diese Bakterien einen positiven Einfluss auf unsere Darmflora haben und als Therapeutikum eingesetzt werden.
Gemäss Henri Tissier wächst der Fet in einer sterilen Umgebung auf und wird erst durch die Geburt und das Stillen mit Bakterien besiedelt. Lange Zeit herrschte die Meinung, dass jedes Bakterium, das in utero nachgewiesen wurde, pathogen sei. Die Forschung der folgenden Jahre konzentrierte sich dann auch darauf und schnell war der Zusammenhang zwischen Infektionen und Aborten oder Frühgeburten klar (1). Über ein Jahrhundert behauptete sich dieses Dogma des «sterile womb». Bei dieser Theorie stellt die feto-maternale Einheit ein steriles System dar: Plazenta, Fruchtwasser und fetaler Darm sind «keimfrei». Die ersten Mikroben werden erst durch die Geburt akquiriert und später wird das kindliche Mikrobiom durch das Stillen weiter angereichert.
Wird das Kind vaginal geboren, so handelt es sich um die mütterlichen Bakterien der Vagina und des Darmes; wird es per Sectio geboren, so wird es vor allem von Hautkeimen der Mutter und Bakterien der Spitalumgebung besiedelt (2-4).

Die Rolle der «Sooners»

Aber ist das wirklich so? Oder gibt es sogenannte «Sooners»? So nannte man die europäischen Siedler, die im 19. Jahrhundert das Gebiet Oklahoma bevölkert haben, bevor das Land offiziell freigegeben wurde. Es entstand die Hypothese der «in utero Kolonisation». Dabei beginnt die Kolonisierung lange vor der Geburt. Die mütterlichen Keime gelangen via Plazenta und Fruchtwasser zum Feten. In vielen Studien konnten dank neuer Techniken mit der Möglichkeit der DNA Sequenzierung, Bakterien in der Plazenta, im Fruchtwasser und im Mekonium nachgewiesen werden. Es handelte sich um kommensale Bakterien, nicht um pathogene Keime (5).
Das feto-maternale System bildet eine symbiotische Einheit, bei der Mutter und Kind in Abhängigkeit voneinander dafür sorgen, dass die Schwangerschaft intakt bleibt und sich das Kind normal entwickeln kann. Nun kommt aber das mütterliche Mikrobiom dazu. Es bildet wiederum mit der Mutter eine eigene symbiotische Kommune, das sogenannte Holobiont, zusammengesetzt aus verschiedenen Spezies, die meisten davon sind Bakterien. Diese metabolisieren Nährstoffe, und somit ist das Blut, das den Feten erreicht, durch diese Mikroben verändert worden (30-35% der Metaboliten im mütterlichen Blut sind bakteriellen Ursprungs). Wenn das Gefüge aus dieser Sicht betrachtet wird, also Holobiont (Mutter und ihr Mikrobiom) und Fet, so ist es fast nicht vorstellbar, dass keine Interaktion zwischen dem mütterlichen Mikrobiom und dem Feten stattfindet. Und da Mikrobiota ein wichtiger Stimulus für die Entwicklung des Immunsystems sind, würde gemäss dieser Vorstellung die Immunoprogrammierung deutlich früher beginnen als bisher angenommen.
Mit der Geburt beginnt für den Feten ein Prozess: die Symbiose zu verlassen und eine neue, eigene zu bilden. Nach der Geburt wird dann das kindliche Mikrobiom weiter ausgebildet, zum Beispiel durch den Einfluss der Ernährung. Das Zusammenspiel zwischen Mensch und seinen Mikrobiom geht also weiter, d.h. es bleibt immer eine Abhängigkeit, oder anders gesagt: man ist immer ein Holobiont (5).
Dass der Geburtsmechanismus eine entscheidende Rolle bei der Bildung des kindlichen Mikrobioms spielt, ist unbestritten. Vaginal geborene Kinder zeigen eine Dominanz von Lactobacillen und Prevotella spec, also analog der mütterlichen Vagina und des Darmes. Bei Kindern, die via Sectio entbunden werden, dominieren Staphylokokken, Corynebakterien und Propionbakterien vor, analog zu Hautkeimen, oralen Bakterien und Bakterien aus der Spitalumgebung. In vielen Studien wurde dieser Unterschied nachgewiesen. Sectio-geborene Kinder haben deutlich weniger Diversität in ihrem Mikrobiom, und es dauert ca. ein Jahr, bis sie dieses Defizit aufgeholt haben (2). Ein Konzept, diese Situation zu verbessern ist das vaginal seeding. Dabei wird eine zuvor in die Scheide gelegte Gaze postpartal über Mund und Nase des Neugeborenen gewischt. Aufgrund der Datenlage wird von diesem Prozedere aber ausserhalb von Studien abgeraten (6, 7).

Abb. 1: Das Mikrobiom der Placenta (nach Ref. 10)

A: Grƶsste Ƅhnlichkeit der Mikrobiome zwischen dem Mikrobiom (Dominanz Proteobakterien) der Plazenta und dem der Mundschleimhaut (Rachen, Speichel, Zahnfleisch)

B: Der Stamm der Proteobakterien (Art: E.coli) ist in der Plazenta am meisten vertreten.

Abb. 2: Schematische Darstellung der beiden Hypothesen. A:The sterile womb paradigm: Plazenta, Fruchtwasser und fetaler Darm bleiben intrauterin steril. Das Kind wird erst bei Geburt mit Bakterien besiedelt, dabei spielt der Geburtsmodus eine entscheidende Rolle vs. B: In utero

colonization, wo der Fet bereits präpartal Kontakt mit einem plazentaren Mikrobiom hat, das seinen Ursprung im mütterlichen Darm und Mund-Rachenraum hat. (nach Ref. 14)

Was stellt die Mutter zur Verfügung?

Koren et al. haben Stuhlproben von Schwangeren untersucht (8). Dabei wurde ein Unterschied im Mikrobiom zwischen dem ersten und dritten Trimester deutlich. Im dritten Trimenon beobachtete man eine relative HƤufung von Proteo- und Actinobakterien. Im MƤuseexperiment wurden die verschiedenen Stuhlproben auf sterile MƤuse übertragen. MƤuse, die Stuhl von Schwangeren im 3. Trimenon erhielten, entwickelten ein metabolisches Syndrom (Adipositas und Insulinresistenz), also eine Stoffwechsellage, die in der Schwangerschaft grundsƤtzlich für das Wachstum des Feten sinnvoll ist und auf die Laktation vorbereitet. Eine andere Forschungsgruppe um Jimenez stellte die Hypothese auf, dass das maternale Darmmikrobiom auf den Feten übertragen würde (9). Sie konnte dies anhand eines MƤusemodells auch bestƤtigen. Schwangere MƤuse wurden mit genetisch markiertem Enterococcus faecium gefüttert und dann via Sectio entbunden. Bei den Nachkommen konnte im Mekonium E. faecium mit dem genetischen Label nachgewiesen werden, hingegen gab es in der Kontrollgruppe keinen Nachweis. Damit bewiesen Jimenez et al. dass von der Mutter oral aufgenommene Bakterien in den fetalen Darm aufgenommen werden kƶnnen. Doch wie gelangen diese Ā«SoonersĀ» dorthin und wo ist ihr Ursprungsort? Dieser Frage ist die Gruppe um Aagard et al. nachgegangen (10). Sie untersuchten 320 humane Plazenten und haben diese mit anderen Kƶrperregionen (Mund-Nase-Rachenraum, Vagina und Darm) verglichen. Dabei haben die Forschenden die grƶsste Ƅhnlichkeit der Mikrobiome zwischen dem Mikrobiom der Plazenta und dem der Mundschleimhaut (Rachen, Speichel, Zahnfleisch) beobachten kƶnnen (Abb. 1A). Das Vorkommen der einzelnen BakterienstƤmme der sieben Kƶrperregionen wurde untersucht und auch die relative PrƤvalenz gemessen. Wie in Abbildung 1 B zu sehen, ist der Stamm der Proteobakterien (Art: E.coli) in der Plazenta am meisten vertreten. Nach wie vor ist aber der Weg der Bakterien von der Mundschleimhaut zum Feten nicht vollstƤndig geklƤrt. Klar ist, dass die dendritischen Zellen dabei eine Schlüsselrolle spielen. Am Beispiel des Darmes lƤsst sich folgender Weg vorstellen (man stellt sich einen analogen Weg beim oralen Ursprungsort vor). Die dendritischen Zellen nehmen die Bakterien aus dem intestinalen Lumen auf, transportieren sie durch das Darmepithel und dann via intestinale Lymphbahnen zu den mesenterialen Lymphknoten. Dort werden die Bakterien den Lymphozyten prƤsentiert und gelangen so in die Blutbahn und schliesslich zur Plazenta. Dort existiert eine lymphoide Region, die in der Lage ist, dendritische Zellen zu empfangen. Im Tierexperiment konnte eine gesteigerte AktivitƤt eben dieser Region beobachtet werden. Der Fet nimmt schliesslich die Bakterien via Plazenta auf, verdaut sie und scheidet sie im Mekonium aus (3, 11). Collado et al. haben Mekoniumproben untersucht und dabei Ƅhnlichkeiten mit dem Mikrobiom von Fruchtwasser und Plazenta feststellen kƶnnen (12). Eine andere Studie sah in diesem Zusammenhang eine Mƶglichkeit zur PrƤvention. Sie untersuchten Stuhl-Mikrobiom von Schwangeren und verglichen dieses mit der mütterlichen Gewichtszunahme wƤhrend der Schwangerschaft. Dabei wurde eine Assoziation zwischen mütterlichem Mikrobiom und Gewichtszunahme beobachtet. Somit wƤre eine Modifikation des Mikrobioms ein mƶglicher Ansatzpunkt zur PrƤvention von Adipositas (3, 13).

Abb. 3: Schematische Darstellung der BakterienstƤmme in AbhƤngigkeit der Lokalisation.

36% der Bakterienarten sind auch bei kontaminierten Proben zu finden. (nach Ref. 14)

Die Hypothese der in utero Kolonisation

Wenn wir also diese neue Hypothese, die in utero Kolonisation ernst nehmen und davon ausgehen, dass die Besiedelung des Feten lange vor der Geburt stattfindet, indem die Mutter dem Feten ihr Mikrobiom überträgt, verabschieden wir uns vom Paradigma des «sterilen Bauches», welches über ein Jahrhundert vorherrschend war. Dies hätte eine grosse Auswirkung auf das Verständnis der fetomaternalen Einheit, auf die Entwicklung des Immunsystems und die Evolution im Allgemeinen. Liest man die vielen Studien, die eben diese Zusammenhänge beobachtet haben, so erscheint einem das auch plausibel (Abb. 2). Doch es gibt auch kritische Stimmen. In einer Übersichtsarbeit von Maria Perez wurden beide Hypothesen unter die Lupe genommen. Das abschliessende Urteil war ernüchternd: Die Evidenz für eine in utero Kolonisation sei sehr schwach. Bei allen Arbeiten konnten lediglich sehr niedrige Raten an bakterieller DNA nachgewiesen werden, nirgends gab es eine positive bakteriologische Kultur und somit kein Nachweis von «lebenden» Mikroben. Bei fehlenden Kontrollgruppen sei eine Kontamination nicht vollständig ausgeschlossen. Diese falsch positiven Resultate seien gerade bei niedriger Biomasse wahrscheinlich, wie das bei der Plazenta vorliegt (Abb. 3). Der angenommene Weg der Bakterien via Plazenta sei aufgrund der Anatomie nicht möglich, da die Plazentaschranke kommensale Bakterien nicht passieren lassen würde. Zudem macht sich die Autorin Gedanken, dass durch die neuen Erkenntnisse der Geburtsmodus an Wichtigkeit verlieren und somit in den Hintergrund rücken würde (14).
Sterile womb oder in utero-Kolonisation? Die Frage ist nach wie vor nicht vollends beantwortet. Die Studien und Tierexperimente zeigen zwar mögliche Wege und bieten Erklärungen für eine präpartale Kolonisation. Aber auch die Kritikpunkte gilt es zu beachten, auch sie scheinen plausibel. Das Thema bleibt spannend und es sind sicher noch weitere Untersuchungen notwendig, damit wir definitiv wissen, ob wir in utero «Sooners» bewirten oder nicht.

Dr. med. Natalia Conde

Frauenklinik Triemli
Stadtspital Zürich
Birmensdorferstrasse 497
8063 Zürich

Natalia.Conde@triemli.zuerich.ch

Die Autorin hat keine Interessenskonflikte in Zusammenhang mit diesem Artikel.

  • Gegenübergestellt werden zwei Hypothesen: das sterile womb Paradigma und die Hypothese der in utero-Kolonisation.
  • In vielen Studien konnte dank moderner Techniken bakterielle DNA in Plazenta, Fruchtwasser und Mekonium nachgewiesen werden.
  • Wenn die in utero Kolonisation tatsƤchlich bestƤtigt würde, hƤtte dies eine grosse Auswirkung auf das VerstƤndnis der fetomaternalen Einheit, der Entwicklung des Immunsystems und die Evolution im Allgemeinen.
  • Es gibt kritische Stimmen, die die Evidenz für eine in utero Kolonisation als sehr schwach bezeichnen.

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14. Perez-Muñoz ME, A critical assessment of the «sterile womb» and «in utero colonisation» hypotheses: implications for research on the pioneer infant microbiome, Microbiome 2017; 5:48

KardiovaskulƤre Aspekte der geschlechtsangleichenden Hormontherapie

Es gibt Menschen deren Geschlechtsidentität nicht mit dem biologischen Ursprungsgeschlecht übereinstimmt, es besteht eine Inkongruenz, die zu einem erheblichen Leiden führen kann, zur Geschlechtsdysphorie. Sowohl die Geschlechtsinkongruenz als auch die Geschlechtsdysphorie kann mit einer Hormontherapie behandelt werden.

Il y a des personnes dont l’ identitĆ© sexuelle ne correspond pas au genre biologique d’ origine. L’ incongruitĆ© peut conduire Ć  des souffrances considĆ©rables, Ć  une dysphorie de genre. L’ hormonothĆ©rapie permet de traiter Ć  la fois l’incongruitĆ© et la dysphorie de genre.

Die Hormontherapie führt im besten Fall zur äusserlichen und inneren Angleichung an das gefühlte, erlebte Geschlecht.

Prinzip der geschlechtsangleichenden Hormontherapie

Die Produktion der Sexualhormone Estradiol, Testosteron und Progesteron wird bei allen Geschlechtern v.a. über die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse reguliert. Durch die Gabe von synthetisch hergestellten Sexualhormonen wird die Eigenproduktion der Hormone in den Gonaden über den Feedback-Mechanismus reduziert. Das Wirkprinzip entspricht dem der hormonellen Kontrazeption. Die Suppression der Gonaden ist abhängig vom Einsatz des Sexualhormons und von der Dosierung. Das zugeführte Hormon führt dann zur Virilisierung bei angeborener weiblicher Biologie (Transmann, Frau-zu-Mann bzw. FzM) und Feminisierung bei angeborener männlicher Biologie (Transfrau, Mann-zu-Frau bzw. MzF).
Grundsätzlich können auch GnRH-Analoga eingesetzt werden plus Zugabe des gewünschten Hormons. Diese Therapie ist aber sehr teuer und deswegen im Erwachsenenbereich nicht üblich (1).

Virilisierende Hormontherapie

Bei Frau-zu-Mann-Transidentität und Wunsch nach Vermännlichung wird Testosteron gegeben. In der Schweiz steht Testosteron in Form von Injektionen und Gelen zur Verfügung (Tab. 1). Die orale Form ist in der Behandlung heute obsolet, da dies zu starken Schwankungen der Serumkonzentrationen führen kann und die Leber durch den First-Pass-Effekt unnötig belastet würde. Mit den üblichen Dosierungen, wie bei der Behandlung des Hypogonadismus bei Männern (2) erreicht man der männlichen Norm entsprechende Testosteronspiegel. Testostoren ist quasi das dominante Sexualhormon und genügt meist allein, um auf hypophysärer Ebene via negativem feedback Mechanismus zu blockieren und damit die Ovarfunktion zu supprimieren. Ausdruck dafür ist das Sistieren des Menstruationszyklus, was meist in den ersten Wochen bis Monaten passiert. Falls die Blutungen weiter bestehen, kann ein Gestagen dazu gegeben werden, wie z.B. Prodafem, Primolut N, oder ein GnRH-Analogon. Innerhalb kurzer Zeit kommt es zur Virilisierung. Die Muskelmasse nimmt zu, der Fettanteil im Körper ab. Körper- und Gesichtsbehaarung beginnen zu wachsen, es kommt zur verstärkten Seborrhoe. Durch die Verdickung und Vergrösserung der Stimmlippen kommt es zum Stimmbruch, die Stimme wird deutlich tiefer. Auch die Klitoris vergrössert sich unter der Testosterontherapie (Tab. 2).

KardiovaskulƤre Auswirkungen

Die wenigen Studien, mit eher kleinen Fallzahlen, die kardiovaskulƤre Risiko-Parameter wie Blutdruck, Lipidprofil und BMI untersucht haben, zeigen teils widersprüchliche Ergebnisse. So gab es eine Studie vor und nach Testosterontherapie, die einen Abfall, eine weitere, die einen Anstieg, eine dritte die keine Ƅnderung der Blutdruckwerte feststellte. Obwohl teils signifikant, waren die VerƤnderungen klinisch irrelevant, da die Werte im normotonen Bereich lagen (3, 5, 18).

Lipidprofil

Konstant sind die VerƤnderungen im Lipidprofil. Die Triglyceride steigen an, das HDL-Cholesterin nimmt ab, das LDL-Cholesterin und das Gesamtcholersterin bleiben im Wesentlichen gleich (3-5). In den wenigen Langzeit-Erhebungen zur MortalitƤt und MorbiditƤt ergibt sich daraus kein erhƶhtes kardiovaskulƤres Risiko (6-8).

Sonstige Nebenwirkungen

Unangenehme Nebenwirkungen sind die häufig vorkommende Akne und die gelegentliche Alopezie. Selten kommt es zu einer therapiebedürftigen Polyglobulie.

Feminisierende Hormontherapie

Die Feminisierung eines testosterongeprƤgten Kƶrpers ist deutlich schwieriger. Bei Mann-zu-Frau-TransidentitƤt und Wunsch nach Verweiblichung ist die Gabe von alleine Ɩstrogenen meist nicht ausreichend. EstradiolprƤparate, die als Tabletten, Gel und Patch zur Verfügung stehen blockieren auf Hypophysenebene ungenügend, so dass ein artefizielles Gestagen dazugegeben wird (Tab. 3). Es bietet sich an, dafür das seit langem bekannte Cyproteronacetat zu verwenden, welches als Einzelsubstanz zur Verfügung steht, das AndrocurĀ®. Androcur in einer Dosierung von 10-50 mg/ Tag bewirkt eine Suppression der Gonadotropinsekretion und daraus folgend eine Abnahme der Spermienproduktion und des Testosteronspiegels. Ausserdem hat es peripher eine direkte antiandrogene Wirkung und vermindert das Kƶrperhaarwachstum. Der Bartwuchs wird nicht wesentlich beeinflusst, so dass meist eine Bart-Laserepilation notwendig ist. Die einsetzende Feminisierung bedeutet eine Umverteilung des Fettgewebes und Abnahme der Muskelmasse. Haare und Haut werden feiner, es kommt zum Brustwachstum. (Tab. 4). In den USA wird als Ā«AntiandrogenĀ» Spironolacton verwendet, da AndrocurĀ® von der FDA nicht zugelassen ist. Spironolacton, ein Aldosteron-Rezeptorantagonist, wird als Kalium sparendes Diuretikum zur Blutdrucksenkung eingesetzt. Es hemmt die Testosteronsynthese in Hoden und Nebenniere und verhindert die Anbindung der Androgene am Rezeptor.

KardiovaskulƤre Auswirkungen

Venƶse Ereignisse: Bei der feminisierenden Hormontherapie stehen durch die Ɩstrogene bedingt thromboembolische Ereignisse im Vordergrund. Man kann davon ausgehen, dass die hƤufigen Thrombosen und Lungenembolien bei Transfrauen in der Vergangenheit durch das Ethinylestradiol verursacht wurden, welches in einer Dosierung von 100 mcg / Tag verabreicht wurde. Seit nur noch natürliche Ɩstrogene eingesetzt werden, Estradiol oder Estradiolvalerat, sind die thromboembolischen Ereignisse deutlich zurückgegangen. Das zeigen Daten einer retrospektiven Studie von 1989 aus Holland im Vergleich mit einer Follow-up Analyse von 1997 und Daten aus den letzten Jahren, seit das Ethinylestradiol in der feminisierenden Hormontherapie obsolet ist (10, 11, 16, 17). Das thromboembolische Risiko kann durch die transdermale Gabe per Gel oder Patch weiter reduziert werden, was bei Transfrauen die Ƥlter als 40 Jahre sind, auch dringend zu empfehlen ist (12, 15, 20).
Arterielle Ereignisse: Ɩstrogene haben einen günstigen Einfluss auf das Lipidprofil, das LDL-Cholesterin sinkt, das HDL-Cholesterin steigt an. Die Glucosetoleranz wird durch Ɩstrogene verbessert. Des Weiteren haben sie einen direkten günstigen Einfluss auf die Endothelfunktion der GefƤsse, einschliesslich der Koronararterien durch ihre antioxidative und gefƤssdilatierende Wirkung (9). Ein kardioprotektiver Effekt durch die Ɩstrogene ist aber in Kollektiven von Transfrauen nicht ersichtlich. In neueren Erhebungen scheint das Risiko für zerebrovaskulƤre Insulte erhƶht. Herzinfarkte traten hƤufiger auf als in einem vergleichbaren Kollektiv von Frauen aber gleichhƤufig wie bei MƤnnern (8, 16, 17).
Unter der feminisierenden Hormontherapie kommt es zur Gewichtszunahme, das HDL-Cholesterin aber auch die Triglyceride steigen an. In einer Studie mit allerdings kleinem Kollektiv hat man einen Anstieg des Blutdrucks festgestellt, der aber klinisch nicht relevant war (19).

Sonstige Nebenwirkungen

Unter der feminisierenden Hormontherapie kommt es hƤufig zur HyperprolaktinƤmie, Prolaktinome sind selten.

Schlussfolgerungen

Die geschlechtsangleichende Hormontherapie ist eine weitgehend sichere Therapie (6-8, 23, 24). In einer retrospektiven Studie aus Holland von 2011, mit über 1000 Transpersonen, 816 Transfrauen und 293 TransmƤnnern, unter geschlechtsangleichender Hormontherapie liegt die MortalitƤt korrigiert nach Geschlecht und Alter, nicht hƶher als bei der übrigen hollƤndischen Bevƶlkerung (6).
In den bisherigen Erhebungen war das kardiovaskulƤre Risiko für TransmƤnner durch die Testosterontherapie nicht erhƶht. Das erhƶhte kardiovaskulƤre Risiko bei Transfrauen ergibt sich durch den Einsatz der Ɩstrogene. Vor Beginn der feminisierenden Hormontherapie ist eigen- und familienanamnestisch das Thromboserisiko abzuklƤren. Eine AufklƤrung zum Thromboserisiko wie in der menopausalen Hormontherapie oder der Kontrazeption mit kombinierten Pillen ist obligat. Obwohl eine vorausgegangene Thrombose oder Embolie grundsƤtzlich als absolute Kontraindikation gilt, ist in EinzelfƤllen eine Dauerantikoagulation angezeigt, wodurch nach AbwƤgen der Risiken eine Hormontherapie mƶglich wird.
Die Datenlage zu Transmenschen ist dünn und teils widersprüchlich, es zeigt sich aber, dass die metabolischen VerƤnderungen und die Auswirkungen auf das kardiovaskulƤre System durch die geschlechtsangleichende Hormontherapie eher gering sind (21, 22).
Das Thromboembolierisiko der Ɩstrogene kann und sollte durch die transdermale Gabe minimiert werden.
Im ersten Jahr der Transition sind 3 monatliche klinische Kontrollen üblich, mit Kontrolle der Laborwerte: Blutbild, Leberwerte und bei über 35 Jährigen Blutfette und Glucose, sowie Gewicht und Blutdruck. Danach einmal jährlich, auch zur Evaluation neu aufgetretener Krankheiten oder kardiovaskulärer Risiken, die letztendlich bei allen Geschlechtern mit dem Alter steigen.

Dr. med. Lucia Wehrle

Klinik für Reproduktions-Endokrinologie
UniversitätsSpital Zürich
RƤmistrasse 100
8091 Zürich

Lucia.Wehrle@usz.ch

Der Autor hat keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Beitrag deklariert.

  • Die geschlechtsangleichende Hormontherapie ist eine weitgehend sichere Therapie.
  • Metabolische VerƤnderungen und Auswirkungen auf das kardiovaskulƤre System durch die geschlechtsangleichende Hormontherapie scheinen gering zu sein.
  • Es besteht ein erhƶhtes kardiovaskulƤres Risiko bei Transfrauen.

Messages Ć  retenir

  • L’hormonothĆ©rapie de rĆ©attribution sexuelle est une thĆ©rapie gĆ©nĆ©ralement sĆ»re.
  • Les changements mĆ©taboliques et les effets sur le systĆØme cardiovasculaire dus Ć  l’hormonothĆ©rapie de rĆ©attribution sexuelle semblent ĆŖtre faibles.
  • Il existe un risque cardiovasculaire Ć©levĆ© chez Ā«hommes vers femmesĀ».

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Examen de la fosse postƩrieure

Lā€™ā€Šexamen de la fosse postĆ©rieure par coupe axiale est recommandĆ© lors de lā€™ā€ŠĆ©chographie morphologique. Il permet de dĆ©pister efficacement la plupart des pathologies ponto-cĆ©rĆ©belleuses. Le but de cet article, Ć  travers des points clĆ©s illustrĆ©s par une iconographie et un schĆ©ma, est de servir de guide pratique pour rĆ©aliser une Ć©valuation avancĆ©e de la fosse postĆ©rieure en Ć©chographie prĆ©natale.

Points pratiques

Les dĆ©veloppements rĆ©cents en Ć©chographie fœtale ont permis une approche plus prĆ©cise de lā€™ā€Šanatomie cĆ©rĆ©brale fœtale, en particulier de la fosse postĆ©rieure. La position et la morphologie du cervelet, du vermis, de la tente cĆ©rĆ©belleuse, du tronc cĆ©rĆ©bral, du 4Ć©me ventricule et de la grande citerne peuvent ĆŖtre abordĆ©es par une coupe axiale trans-cĆ©rĆ©belleuse et complĆ©tĆ©es par une coupe mĆ©dio-sagittale et/ou une acquisition 3D en cas de doute (1-3).

Coupe axiale trans-cƩrƩbelleuse

Cette coupe fait partie des recommandations nationales et internationales et devrait être réalisée lors de tout examen morpho-logique (4).
En partant dā€™ā€Šune coupe axiale trans-thalamique, coupe du Ā«ā€ŠBipā€ŠĀ», la partie de la sonde orientĆ©e vers lā€™ā€Šocciput du fœtus est abaissĆ©e afin de visualiser le cervelet (fig. 1).
Sur cette coupe, les critères suivants seront examinés :

  • Grande citerne (>2mm et <ā€Š10mm)
  • 4ĆØme ventricule : en avant du vermis, plus large que long
  • Mesure du diamĆØtre transverse cĆ©rĆ©belleux (= Ć  lā€™ā€ŠĆ¢ge gestationnel entre 14 et 22 semaine)
  • Anatomie du cervelet : le vermis est entourĆ© de deux hĆ©misphĆØres cĆ©rĆ©belleux symĆ©triques, sĆ©parant le 4ĆØme ventricule en avant et la grande citerne en arriĆØre

Coupe mƩdio-sagittale de la fosse postƩrieure

Cette coupe permet un examen approfondi de la fosse postérieure. Elle peut être réalisée pour confirmer une anomalie dépistée sur coupe axiale, et doit être réalisée lors de tout examen diagnostique pour malformation de la fosse postérieure (4, 5).
Cette coupe peut ĆŖtre rĆ©alisĆ©e au travers de la suture sagittale ou de la fontanelle postĆ©rieure par un abord trans-abdominal (fœtus en siĆØge ou en prĆ©sentation transverse) ou trans-vaginal (fœtus en prĆ©sentation cĆ©phalique) (fig. 2) (2, 6).
Sur cette coupe, les critères suivants seront examinés :

  • Grande citerne : dimensions
  • 4ĆØme ventricule : prĆ©sence, dimensions
  • Vermis cĆ©rĆ©belleux : position, dimensions, fissure cĆ©rĆ©belleuse, foliation
  • Tente cerĆ©belleuse et torcular : position, morphologie
  • Tronc cĆ©rĆ©bral : dimensions, morphologie
  • Pons : morphologie

Acquisition 3D de la fosse postƩrieure

Lā€™ā€Šacquisition 3D de la fosse postĆ©rieure peut-ĆŖtre rĆ©alisĆ©e Ć  partir dā€™ā€Šune coupe axiale trans-cĆ©rĆ©belleuse (Figure 1).
A partir du mode triplan, la ligne inter-hĆ©misphĆ©rique sera placĆ©e de maniĆØre orthogonale afin dā€™ā€Šobtenir une coupe sagittale du vermis (fig. 3).
Cette acquisition a lā€™ā€Šavantage de permettre dā€™ā€Šobtenir facilement la coupe mĆ©dio-sagittale du vermis, nĆ©cessaire Ć  la confirmation et au diagnostic des anomalies de la fosse postĆ©rieure. Toutefois, la vue sagittale du tronc cĆ©rĆ©bral et des pons pour ĆŖtre difficile en raison du cĆ“ne dā€™ā€Šombre souvent prĆ©sent lors de lā€™ā€Šacquisition.

Anomalies de la fosse postƩrieure

Les anomalies de la fosse postĆ©rieure sont dĆ©pistĆ©es devant des signes dā€™ā€Šappel visibles sur la coupe axiale trans-cĆ©rĆ©belleuse :

  • Grande citerne non visible ou dilatĆ©e
  • V4 non visible, dilatĆ© ou de forme anormale (plus long que large)
  • DiamĆØtre transverse cĆ©rĆ©belleux trop petit
  • Vermis non visible (fig. 5A)
  • AsymĆ©trie des hĆ©misphĆØres cĆ©rĆ©belleux

Guibaud et al. ont proposƩ un algorithme diagnostique pour caractƩriser les malformations de la fosse postƩrieure (fig. 4) (8).

Anomalies de la grande citerne

Une grande citerne dilatĆ©e (>10mm sur coupe axiale) doit amener Ć  vĆ©rifier la prĆ©sence et les dimensions du vermis, ainsi que la place de la tente cĆ©rĆ©belleuse et du torcular. En cas dā€™ā€Šabsence du vermis, le diagnostic dā€™ā€ŠagĆ©nĆ©sie vermienne ou de rhombencĆ©phalosynapsis sera retenu. Un vermis trop petit est Ć©vocateur dā€™ā€Šune hypoplasie vermienne. Un vermis horizontal dont la partie infĆ©rieure nā€™ā€Šest pas au contact du tronc cĆ©rĆ©bral est Ć©vocateur dā€™ā€Šune rotation vermienne (fig. 5B). Le vermis peut Ć©galement ĆŖtre surĆ©levĆ© en raison de la prĆ©sence dā€™ā€Šun kyste de la fosse postĆ©rieure : kyste de la poche de Blake (fig. 5C) ou kyste arachnoĆÆdien.
Une ascension du vermis et de la tente cĆ©rĆ©belleuse est Ć©vocatrice dā€™ā€Šune malformation de Dandy-Walker (fig. 5D).
Si aucune anomalie biomĆ©trique ou morphologique nā€™ā€Šest retrouvĆ©e, le diagnostic de mega cisterna magna isolĆ©e peut ĆŖtre Ć©voquĆ©.
En cas de grande citerne non visible, un aspect du cervelet en Ā«ā€Šbananeā€ŠĀ» signera une malformation dā€™ā€ŠArnold Chiari II le plus frĆ©quemment associĆ©e Ć  un myĆ©lo-mĆ©ningocĆØle.

Anomalies du 4ĆØme ventricule

Un 4ĆØme ventricule non visible peut ĆŖtre le signe dā€™ā€Šappel dā€™ā€Šune anomalie dā€™ā€ŠĆ©coulement du LCR entre le V3 et le V4, et une stĆ©nose de lā€™ā€Šacqueduc de Sylvius sera recherchĆ©e par des signes indirects (dilatation tri-ventriculaire) ou par un diagnostic direct de la stĆ©nose Ć  lā€™ā€ŠĆ©chographie ou Ć  lā€™ā€ŠIRM.
Un 4ĆØme ventricule dilatĆ© peut ĆŖtre le signe dā€™ā€Šune hydrocĆ©phalie, si les autres ventricules sont Ć©galement dilatĆ©s.
Un 4ĆØme ventricule de forme anormale, plus long que large, est un signe dā€™ā€Šā€Šappel dā€™ā€Šanomalie ponto-cĆ©rĆ©belleuse, notamment du syndrome de Joubert (caractĆ©risĆ© par des pons ayant un aspect de Ā«ā€Šmolaireā€ŠĀ», fig. 5E).

Anomalies des biomƩtries cƩrƩbelleuses

Un diamètre transverse cérébelleux trop petit doit être complété par une biométrie du tronc cérébral, des pons et par une étude de la morphologie ponto-cérébelleuse.
Une réduction globale et symétrique du cervelet peut être isolée ou associée à une hypoplasie du tronc cérébral et des pons (fig. 5F).
Une rĆ©duction focale dā€™ā€Šun des hĆ©misphĆØres cĆ©rĆ©belleux peut ĆŖtre une anomalie secondaire (hĆ©morragie, ischĆ©mie) ou une dysplasie dā€™ā€Šorigine infectieuse, chromosomique ou syndromique (fig. 5G).

Prise en charge dā€™ā€Šune anomalie de la fosse postĆ©rieure

Toute anomalie de la fosse postĆ©rieure doit ĆŖtre confirmĆ©e et caractĆ©risĆ©e par une neurosonographie dans un centre de rĆ©fĆ©rence. Cette Ć©chographie recherchera Ć©galement dā€™ā€Šautres signes dā€™ā€Šappels cĆ©rĆ©braux ou extra-cĆ©rĆ©braux afin dā€™ā€Šorganiser la suite du bilan. Une IRM cĆ©rĆ©brale fœtale peut complĆ©ter cette Ć©chographie de rĆ©fĆ©rence en cas dā€™ā€ŠaccĆØs difficile Ć  la fosse postĆ©rieure, les anomalies de la fosse postĆ©rieure Ć©tant lā€™ā€Šune des indications principales dā€™ā€ŠIRM cĆ©rĆ©brale fœtale (9).
Une amniocentĆØse, selon le diagnostic retenu, doit ĆŖtre proposĆ©e afin de rĆ©aliser un caryotype, une CGH-array voire des examens de gĆ©nĆ©tique molĆ©culaire en cas de signe dā€™ā€Šappel syndromique (PHACES, Barth, CDG…).
Lā€™ā€ŠamniocentĆØse permettra Ć©galement de confirmer une infection fœtale en cas de sĆ©roconversion maternelle pour lā€™ā€Šune des infections du groupe TORCH.
Le pronostic dĆ©pend principalement de lā€™ā€ŠintĆ©gritĆ© du vermis, des hĆ©misphĆØres cĆ©rĆ©belleux, des pons et du tronc cĆ©rĆ©bral, ainsi que de lā€™ā€Šabsence dā€™ā€Šanomalie associĆ©e.
Une consultation multidisciplinaire en prĆ©sence dā€™ā€Šun neuro-pĆ©diatre peut permettre dā€™ā€Šinformer les futurs parents du pronostic des anomalies de la fosse postĆ©rieure.

LƩo Pomar, MSc

Centre Hospitalier Universitaire Vaudois
UnitĆ© dā€™ā€ŠEchographie et MĆ©decine fœtale
Département Femme-Mère-Enfant
Av. Pierre-Decker 2, 1011 Lausanne

Leo.Pomar@chuv.ch

Pr Yvan Vial

Centre Hospitalier Universitaire Vaudois
UnitĆ© dā€™ā€ŠEchographie et MĆ©decine fœtale
Département Femme-Mère-Enfant
Av. Pierre-Decker 2
1011 Lausanne

  • La coupe axiale du cervelet est recommandĆ©e lors de tout examen morphologique entre 20 et 22 semaines de grossesse. Elle permet dā€™ā€Šaugmenter la sensibilitĆ© du dĆ©pistage des malformations de la fosse postĆ©rieure.
  • Elle montre dans une mĆŖme coupe la grande citerne, le 4ĆØme ventricule, les hĆ©misphĆØres et le vermis cĆ©rĆ©belleux.
  • Toute anomalie de la fosse postĆ©rieure doit ĆŖtre confirmĆ©e et caractĆ©-risĆ©e par une coupe sagittale de la fosse postĆ©rieure.
  • Lā€™ā€Šapproche algorithmique des anomalies de la fosse postĆ©rieure reprĆ©sente une aide dans le diagnostic de ces anomalies.
  • Lā€™ā€ŠĆ©chographie 3D et lā€™ā€ŠIRM sont des techniques efficaces pour imager la fosse postĆ©rieure.
  • En cas dā€™ā€Šanomalie avĆ©rĆ©e de la fosse postĆ©rieure, un bilan doit ĆŖtre rĆ©alisĆ© en centre de rĆ©fĆ©rence (imagerie, gĆ©nĆ©tique, consultation
    neuro-pƩdiatrique).

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3. Achiron R, et al. Development of the human fetal pons: in utero ultrasonographic study. Ultrasound Obstet Gynecol. 2004;24(5):506-10.
4. International Society of Ultrasound in O, Gynecology Education C. Sonographic
examination of the fetal central nervous system: guidelines for performing the ‚basic examination‘ and the ‚fetal neurosonogram‘. Ultrasound Obstet Gynecol. 2007;29(1):109-16.
5. Viossat P et al. [Report of the French Comite national technique de l’echographie de depistage prenatal (CNTEDP)–Recommendations for second line prenatal ultrasound]. Gynecol Obstet Fertil. 2014;42(1):51-60.
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9. Prayer D et al. ISUOG Practice Guidelines: performance of fetal magnetic resonance imaging. Ultrasound Obstet Gynecol. 2017;49(5):671-80.

VƩganisme et risque cardiovasculaire

Le veganisme connart un interet mediatique croissant en pronant un style de vie depassant un regime exclusivement vegetal favorable a la sante pour rejeter toute forme d’exploiĀ­tation animale. Base sur un recent rapport de la Commission federale sur l’alimentation, cet article decrit l’insuffisance des evidences scientifiques pour recommander ce type de regimes pour la prevention et le traitement des maladies carĀ­diovasculaires ischemiques.

CrƩƩ en 1944 en Grande-Bretagne, le vĆ©gĆ©talisme ou vĆ©ganisme en tant que style de vie prĆ“ne un rĆ©gime exclusivement vĆ©gĆ©- tal. Au-delĆ  de ce simple choix alimentaire, le vĆ©ganisme rejette parĀ principes Ć©thiques et philosophiques la lĆ©gitimitĆ© de toute forme d’exploitation animale. Selon ses adeptes les plus militants, le vĆ©ga- nisme constituerait la solution Ć  privilĆ©gier, dans le respect des ani- maux, de l’environnement, tout en favorisant une alimentation Ć©quilibrĆ©e comme source de santĆ© et de bien-ĆŖtre pour les humains. Au cours de ces derniĆØres annĆ©es, l’activitĆ© et les revendications des mouvements vĆ©ganes ont trouvĆ© un Ć©cho de plus en plus large dans les mĆ©dias, en suscitant dĆ©bats et incertitudes chez les consomma- teurs qui montrent un intĆ©rĆŖt croissant pour les consĆ©quences sur leur santĆ© de tout ce qu’ils mangent.

La publication rĆ©cente du rapport de la Commission fĆ©dĆ©rale de l’alimentation intitulĆ© Ā«RĆ©gimes vĆ©gĆ©taliens: analyse des avanta- ges et des inconvĆ©nients sur le plan nutritionnel et pour la santé» a servi de base Ć  la rĆ©daction du prĆ©sent article focalisĆ© sur le risque cardiovasculaire (CV) des rĆ©gimes vĆ©ganes et sur les recomman- dations pour la prĆ©vention des maladies cardiovasculaires ischĆ©- miques (MCVI) (1).

CaractƩristiques des rƩgimes vƩganes

Par dĆ©finition, un rĆ©gime Ā« vĆ©ganeĀ» exclut tout ingrĆ©dient d’origine animale, mais dont le spectre des autres nutriments peut varier. Ce type de rĆ©gime se diffĆ©rencie donc des autres formes de rĆ©gimes tels que :

  • Ā« vĆ©gĆ©tarien Ā» ou Ā« ovo-lacto-vĆ©gĆ©tarien Ā» si aucun ingrĆ©dient ni auxiliaire technologique d’origine animale ne sont inclus, Ć  l’exception du lait, des composants du lait tels que le lactose, des œufs, des composants de l’œuf et du miel ;
  • Ā« ovo-vĆ©gĆ©tarienĀ» si aucun ingrĆ©dient ni auxiliaire technologique d’origine animale ne sont inclus, Ć  l’exception des œufs, des com- posants de l’œuf et du miel ;
  • Ā«lacto-vĆ©gĆ©tarienĀ» si aucun ingrĆ©dient ni auxiliaire technolo- gique d’origine animale ne sont inclus, Ć  l’exception du lait, des composants du lait et du miel.
  • Ā« vĆ©gĆ©talienĀ» si aucun ingrĆ©dient d’origine animale n’est prĆ©sent.

La suppression de la viande, du poisson, des œufs et des produits laitiers comporte une perte de macro- et micronutriments nĆ©cessi- tant d’être remplacĆ©s par d’autres sources alimentaires ou par sup- plĆ©mentation pour s’assurer d’une alimentation Ć©quilibrĆ©e (Tab. 1). De nombreuses Ć©tudes europĆ©ennes publiĆ©es depuis 2015 ont exa- minĆ© les rĆ©gimes vĆ©ganes et calculĆ© l’apport des nutriments en s’appuyant sur des listes d’aliments spĆ©cifiques des pays concernĆ©s. En ce qui concerne les macronutriments, les valeurs de consom- mation moyennes satisfont souvent aux recommandations nutriti- onnelles gĆ©nĆ©rales. Toutefois, leur variabilitĆ© est trĆØs importante, ce qui peut s’avĆ©rer problĆ©matique dans le cas des apports en protĆ©i- nes. Selon le peu d’études ayant collectĆ© des donnĆ©es sur l’ingestion de fruits et lĆ©gumes, il apparaĆ®t qu’en moyenne, l’apport journa- lier recommandĆ© (trois portions de lĆ©gumes et deux portions de fruits) est couvert, mais lĆ  encore avec une trĆØs grande variabilitĆ© de cette consommation. Ces Ć©lĆ©ments laissent supposer qu’il n’y a pas de preuve qu’un rĆ©gime vĆ©gane soit toujours associĆ© Ć  un apport riche en fruits et lĆ©gumes. C’est pourquoi, il est difficile de prĆ©sumer qu’un rĆ©gime vĆ©gĆ©talien procure de facto les avantages de ce mode alimentaire sur la santĆ©. Or, il s’agit lĆ  d’un des axiomes de la plupart des prises de position en faveur d’un rĆ©gime vĆ©gane (1, 2).


Les donnĆ©es relatives aux micronutriments sont souvent limitĆ©es par le manque d’informations spĆ©cifiques concernant les choix alimen- taires des sujets d’études, ainsi que le type et les doses des supplĆ©- mentations. La plupart des Ć©tudes montrent que la supplĆ©mentation en vitamine B12, bien que nĆ©cessaire, n’est que partiellement suivie (50-70 % des participants), ce qui peut occasionner un risque CV accru. Si d’autres carences sont possibles (vitamine D, calcium, etc.) Ć  l’inverse, par comparaison aux omnivores, les vĆ©ganes montrent des apports et un profil sanguin plus riches en micronutriments tels que le magnĆ©sium, les vitamines C, B1 et B6, l’acide folique, les carotĆ©- noĆÆdes et les polyphĆ©nols, d’où un potentiel bĆ©nĆ©fique pour la santĆ©. En somme, les rĆ©gimes vĆ©ganes bien planifiĆ©s pourraient couvrir les besoins Ć©nergĆ©tiques et nutritionnels, mais ils exigent de trĆØs bon- nes connaissances nutritionnelles, ainsi qu’une supplĆ©mentation basĆ©e sur un monitoring sanguin rĆ©gulier des micronutriments les plus importants.

PrƩvalence du vƩganisme, caractƩristiques et motivations de ses adeptes

En Europe, il est estimĆ© que 2 Ć  5 % de la population suivent un rĆ©gime vĆ©gĆ©tarien, vĆ©gane inclus. En Suisse, la rĆ©cente enquĆŖte de l’association Swissveg a fait Ć©tat de 11% de vĆ©gĆ©tariens et de 3% de vĆ©ganes parmi les 1296 personnes Ć¢gĆ©es de 15 Ć  74 ans sondĆ©es en 2017. Ces rĆ©sultats contrastent fortement avec les donnĆ©es de l’étude menuCH de 2015 comptant 2000 participants adultes, puisque la prĆ©valence des vĆ©gĆ©tariens s’est chiffrĆ©e Ć  1.77% et celle des vĆ©ga- nes Ć  0.38 %. Des donnĆ©es plus prĆ©cises manquent, mais selon les EnquĆŖtes suisses sur la santĆ©, il apparaĆ®t qu’entre 1992 et 2017 la proportion de personnes dĆ©clarant ne jamais manger de viande a tout de mĆŖme triplĆ©, passant de 2 Ć  6 %.
Les diffĆ©rents sondages montrent, qu’en Suisse aussi, il s’agit avant tout de femmes jeunes jouissant d’un bon niveau de formation et habitant ou travaillant plutĆ“t en ville. Leurs principales motivations de renoncer Ć  la viande correspondent au bien-ĆŖtre des animaux (78 %), ainsi qu’à des considĆ©rations Ć©thiques (60 %) et Ć©cologiques (58 %). Mais seuls 35 % d’entre elles ont invoquĆ© la santĆ©.

RƩgimes vƩganes et leur impact sur le risque cardiovasculaire

PrivilĆ©giant la consommation de fruits, de lĆ©gumes, de fibres et d’hydrates de carbone, l’apport rĆ©duit en graisses et graisses satu- rĆ©es, ainsi que l’éviction des protĆ©ines animales, notamment de viande rouge et de charcuterie, les rĆ©gimes vĆ©ganes ont montrĆ©, par comparaison aux rĆ©gimes omnivores, des effets plutĆ“t positifs sur les lipides sanguins, le poids et le contrĆ“le glycĆ©mique. Ceci peut prĆ©sager d’un impact favorable sur le risque de maladies cardiova-

sculaires ischĆ©miques (MCVI), de type cardiopathie ischĆ©mique (CPI) ou acci- dent cĆ©rĆ©brovasculaire (AVC). Historiquement, Key TJ et al avaient publiĆ© en 1999 les rĆ©sultats d’une ana- lyse groupĆ©e de 5 Ć©tudes prospectives de cohorte faisant Ć©tat d’une diminution, toutefois non-significative, des taux de mortalitĆ© par CPI (-26 %), ainsi que par AVC (-30 %) chez les personnes vĆ©ganes par comparaison aux personnes omni- vores (3). Largement reportĆ©s comme Ć©tant favorables, en dĆ©pit des limitations mĆ©thodologiques majeures, ces don- nĆ©es mĆ©ritent cependant d’amĆ©liorer le niveau d’évidence scientifique en faveur du vĆ©ganisme. Or, la revue de littĆ©ra- ture scientifique Ć©tablie jusqu’en 2018 ne recense malheureusement aucune Ć©tude d’intervention de type RCT, ce qui permettrait de valider adĆ©quatement le bĆ©nĆ©fice des diĆØtes vĆ©ganes sur le risque de MCVI. De fait, l’essentiel des con- naissances actuelles repose sur des Ć©tu- des observationnelles.
A ce jour, nous ne disposons malheureusement d’aucune Ć©tude observation- nelle ayant cherchĆ© Ć  dĆ©terminer si les rĆ©gimes vĆ©ganes pourraient ĆŖtre associĆ©s Ć  une incidence rĆ©duite d’un premier Ć©vĆØnement CV, qu’il s’agisse d’une CPI ou d’un AVC. Bien que l’opinion gĆ©nĆ©rale, voire mĆŖme certaines prises de position, accordent volontiers des ver- tus bĆ©nĆ©fiques aux rĆ©gimes vĆ©ganes, des recherches plus approfon- dies s’imposent clairement afin de prouver les avantages potentiels de tels rĆ©gimes pour la prĆ©vention ou le traitement des MCVI (2). En revanche, le risque de mortalitĆ© CV associĆ© spĆ©cifiquement aux rĆ©gimes vĆ©ganes a pu ĆŖtre analysĆ© dans les trois Ć©tudes mentionnĆ©es dans le tableau 2 (4-5). Se basant sur les donnĆ©es de Ā«l’Adventist Health Study-2Ā», une grande Ć©tude prospective de cohorte rĆ©ali- sĆ©e auprĆØs de 73 308 membres de la communautĆ© adventisteĀ nord-amĆ©ricaine, dont 5548 vĆ©ganes et 35359 omnivores, Orlich MJ et al ont rapportĆ© des rĆ©sultats contradictoires au terme des 5.6 ans de suivi (4). Alors qu’ils ont observĆ© une rĆ©duction statistiquement significative du taux de mortalitĆ© CV globale (-42%) et coronari- enne (-55%) chez les hommes, ce fut l’inverse chez les femmes au vu d’une augmentation non significative de ces risques atteignant respectivement + 18 % et + 39 %.
Ces donnĆ©es contrastent fortement avec les rĆ©sultats d’Appleby PN et al dĆ©coulant des 2 Ć©tudes de cohortes prospectives Ā«l’Oxford Vegetarian StudyĀ»et Ā«l’EPIC-Oxford Cohort StudyĀ» (5). Poo- lĆ©es pour cette analyse, ces 2 cohortes totalisĆØrent 60’310 person- nes recrutĆ©es au sein de la population de Grande Bretagne, dont 2258 exclusivement vĆ©ganes et 18431 omnivores suivis pendant 15 ans ou plus. Globalement, le risque de mortalitĆ© coronarienne fut lĆ©gĆØrement rĆ©duit (-10 %) chez les vĆ©ganes par comparaison aux omnivores, alors que le risque fut nettement accru, mais de maniĆØre non significative, tant pour la mortalitĆ© par AVC (+ 61 %) que par mortalitĆ© CV globale (+ 21 %).Ā Ces Ć©tudes de cohorte comportent toutes trois diverses limitations mĆ©thodologiques qui affaiblissent le niveau d’évidence en faveurĀ des bĆ©nĆ©fices, voire des dĆ©savantages liĆ©s aux rĆ©gimes vĆ©ganes sur le risque CV.

En conclusion, les donnĆ©es scientifiques acquises Ć  ce jour demeu- rent trop incertaines pour prĆ©coniser les rĆ©gimes vĆ©ganes tant Ć  titre de prĆ©vention que de traitement des MCVI. C’est sans doute une des raisons principales au fait que de tels rĆ©gimes n’ont pas Ć©tĆ© inclus dans les recommandations alimentaires pour la prĆ©vention des MCVI Ć©dictĆ©es par les SociĆ©tĆ©s suisses, europĆ©ennes amĆ©ricai- nes de cardiologie.

 

Prof. Dr. med. Roger Darioli

Chemin des Fleurs 5
1007 Lausanne

roger.darioli@unisante.ch

L’auteur n’a aucun lien d’intĆ©rĆŖt financier, ni de connivence avec les ouvements vĆ©ganes, les dĆ©fenseurs de la cause animale ou les producteurs de viande, pas plus qu’avec l’industrie alimen- taire. De plus, cet article a Ć©tĆ© rĆ©digĆ© en toute indĆ©pendance, sans aucune contribution financiĆØre. De mĆŖme, le rapport du groupe d’ expert de la Commission fĆ©dĆ©rale de l’ alimentation a Ć©tĆ© rĆ©digĆ© en toute indĆ©pendance sur la base des connaissances scientifiques publiĆ©es entre 2007 et 2018.

  • CrƩƩ en 1944 en Grande-Bretagne, le vĆ©gĆ©talisme ou vĆ©ganisme en tant que style de vie prĆ“ne un rĆ©gime exclusivement vĆ©gĆ©tal considĆ©rĆ© comme source de santĆ© pour les humains, en rejetant toute forme d’exploitation animale par principes Ć©thiques et philosophiques.
  • La suppression de la viande, du poisson, des oeufs et des produits lai- tiers comporte une perte de macro- et micronutriments nĆ©cessitant
    d’ ĆŖtre remplacĆ©s par d’ autres sources alimentaires et par supplĆ©- mentation pour prĆ©venir le risque de carences nutritionnelles prĆ©judi- ciables Ć  la santĆ©, notamment cardiovasculaire.
  • A ce jour nous ne disposons d’aucune publication scientifique ayant Ć©valuĆ© l’influence d’un rĆ©gime vĆ©gane sur la prĆ©vention primaire des MCVI. seul le risque de mortalitĆ© CV a Ć©tĆ© analysĆ© dans trois Ć©tudes prospectives de cohorte qui ont produit des rĆ©sultats opposĆ©s entre bĆ©nĆ©fices et risques. Vu l’absence d’évidence scientifique suffisante, le vĆ©ganisme ne figure pas dans les recommandations alimentaires pour la prĆ©vention et le traitement des MVCI.

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Intrauterine Wachstumsrestriktion

Bei der IUGR (intrauterine growth restriction) werden grundlegend zwei Kategorien voneinander unterschieden. Die frühe, chronisch verlaufende Form ist mit einer Störung der plazentaren Entwicklung assoziiert. Der späten Form liegt mehr eine Diffusionsstörung bei nahezu normal entwickelter Plazenta zugrunde. Diese Zusammenfassung informiert über die neuesten Diagnosekriterien. Die Unterschiede im Management der early- und late-onset Form werden zusammen mit der Strategie zur Ermittlung des optimalen Entbindungszeitpunktes erklärt.

Les retards de croissance intrautĆ©rins (RCIU) peuvent ĆŖtre classĆ©s dans deux catĆ©gories. La forme prĆ©coce, d’évolution chronique, est associĆ©e Ć  une anomalie du dĆ©veloppement pla-
centaire, tandis que la forme tardive est plutÓt due à une perturbation de la diffusion dans un placenta de développement à peu près normal. Cette revue présente les critères diagnostiques les plus récents et explique les différences de prise en charge de la forme précoce et de celle tardive avec les stratégies adéquates pour définir le moment optimal pour terminer la grossesse.

Definition: Was ist zu klein?

Bei einer IUGR schƶpft der Fetus sein vorgegebenes Wachstums-potential nicht aus. Das Wachstum ist pathologisch restringiert und hat die Erhƶhung der perinatalen MorbiditƤt und MortalitƤt zur Folge. Davon unterschieden werden SGA Feten (small for gestational age). Sie sind konstitutionell klein, ihr Wachstum ist adƤquat und liegt lediglich im untersten Normalbereich. Andererseits kann auch das SchƤtzgewicht eines IUGR-Feten im Normalbereich liegen. Guidelines ziehen teils unterschiedliche Definitionskriterien heran (Tab. 1 und 2). Ebenso wird auch ein unterschiedliches Zeitintervall zwischen Verlaufsuntersuchungen zur Definition der Wachstumsabflachung genannt, zwischen 2 und 3 Wochen je nach Guideline. (1, 2, 3)

Überprüfung der Fetometrie


In der 11. bis 14. SSW wird anhand der Biometrie bei einem Abweichen der ScheitelsteisslƤnge > 5 d das Gestationsalter korrigiert (4). Die S2k-Leitlinie empfiehlt eine Korrektur ab einer Abweichung von > 6 d (1). Ab der 12. SSW kann, besonders bei variabler Kopfhaltung, der BIP herangezogen werden. Die Korrektur erfolgt dann bei einer Differenz > 6 d (4). Liegt nach bereits erfolgter Terminkorrektur im 1. Trimenon erneut eine biometrische Differenz von > 6 d  vor, sollte bei V.a. frühe IUGR und Chromosomenstƶrung zur spezialisierten prƤnatalen Diagnostik überwiesen werden. Bei sicherem Konzeptionstermin (z.B. ICSI) erfolgt keine Korrektur.
Das biometrische Profil (Tab. 3) hilft bei der ersten differentialdiagnostischen EinschƤtzung. Referenzkurven von Einlingsschwangerschaften kƶnnen vor allem im letzten Trimenon nicht ohne weiteres auf Zwillingsschwangerschaften übertragen werden (5).

Infektionsscreening

Bei schwerer SGA oder IUGR sollte ein serologisches Screening auf CMV und Toxoplasmose veranlasst werden, bei Risikopatientinnen auch auf Malaria und Syphilis.

Ultraschallfeindiagnostik und genetische AbklƤrung


Die Fetometrie < 10. Perzentile ist eine Indikation zur sonographischen Diagnostik durch einen spezialisierten Untersucher (1). Malformationen oder Hinweiszeichen auf eine syndromale Erkrankung sollten verlƤsslich ausgeschlossen werden. Die Plazenta sollte morphologisch sowie hinsichtlich einer velamentƶsen Nabelschnurinsertion beurteilt werden. Feten mit genetischen Anomalien fallen oft durch eine vermehrte Fruchtwassermenge zusammen mit normaler Dopplersonographie auf. Eine Amniozentese sollte dann erwogen und diskutiert werden. Bei normalem Karyotyp sollte eine hochauflƶsende molekulare Karyotypisierung (Array CGH) angefordert werden. Mikrodeletionssyndrome wie das Wolf-Hirschhorn (4q) oder das Cri-du-Chat Syndrom (5ā€Šq) sind Beispiele für genetische Ursachen einer Wachstumsstƶrung beim Feten. Darüber hinaus kann ein auf die Plazenta beschrƤnktes chromosomales Mosaik (z.B. 16 oder 9ā€Šq) Ursache für Plazentainsuffizienz mit konsekutiver fetaler Wachstumsstƶrung eines genetisch unauffƤlligen Feten sein (6). Solche plazentaren Mosaiktrisomien kƶnnen mit NIPD (Nicht invasive PrƤnataldiagnostik) entdeckt werden, die nachfolgende Amniozentese zeigt einen normalen fetalen Karyotyp. Die NIPD kann in diesen FƤllen im Sinne einer Plazentauntersuchung die erhƶhte Wahrscheinlichkeit für deren Dysfunktion vorhersagen.

Doppleruntersuchung

Mit dem Nachweis erhƶhter GefƤsswiderstƤnde in der Art. uterina und Art. umbilicalis lassen sich IUGR und SGA voneinander unterscheiden.
Die frühe IUGR ist durch eine Minderentwicklung und Obliteration von Plazentazotten charakterisiert. Die Erhƶhung der PulsatilitƤt der Art. umbilicalis tritt erst nach Verschluss von 30% der Zottenarterien ein. Bei fehlendem enddiastolischem Fluss (AEDF , absent enddiastolic flow) oder reversem enddiastolischen Fluss (REDF , reversed enddiastolic flow) sind mehr als 60% der Zottenarterien verschlossen (7).
Als Zeichen der fetalen Kompensation bei Hypoxie sinkt der Widerstandsindex in der Art. cerebri media, typischerweise bei early-onset-IUGR. Die PulsatilitƤt der Art. cerebri media ist erniedrigt. Die Messung erfolgt nahe am Circulus arteriosus Willisii. Die cerebroplazentare Ratio sinkt unter die 5. Perzentile.
Die späte IUGR ist weniger durch eine Erhöhung des Gefässwiderstands in der Art. umbilicalis gekennzeichnet. Die Doppleruntersuchung der Art. umbilicalis kann normal ausfallen. Führendes und oft einziges Zeichen einer fetalen Verschlechterung ist die Erniedrigung der Pulsatilität in der Art. cerebri media.
Zudem kompensiert der Fetus die suboptimale plazentare Perfusion durch eine verstärkte Neubildung von Erythrozytenvorstufen. Die konsekutive Polyglobulie kann beim Neugeborenen sehr ausgeprägt sein. Bei fortgeschrittenen Fällen kommt es jedoch durch Downregulation der Erythropoese zur fetalen Anämie. Diese wird bei chronischer IUGR über die erhöhte Maximalgeschwindigkeit in der Art. cerebri media nachgewiesen (8).
Bei pathologischem Widerstand in der Art. umbilicalis ist die Dopplersonographie des Ductus venosus Teil der Überwachung (Abb.1). Die Erhƶhung der PulsatilitƤt bis hin zum Verlust der a-Welle reflektiert die FlusseinschrƤnkung wƤhrend der Vorhofkontraktion. Eine reverse a-Welle oder Erhƶhung des PI ā‰„ā€Š95. Perz. im Ductus venosus ist ein Hinweis auf eine drohende Azidose. Die kardiale Funktion des Feten ist eingeschrƤnkt und das Risiko für intrauterinen Fruchttod (IUFT) verdoppelt sich tƤglich (9).
Pulsationen in der Nabelvene sind Ausdruck fortgeschrittener Hypoxie und kƶnnen prƤterminal gesehen werden.

Computerisiertes CTG

Das konventionelle CTG vermag zwar eine akute fetale Hypoxie anzuzeigen, ist aber wenig hilfreich, um den optimalen Entbindungszeitpunkt zu ermitteln. Es sollte nicht als alleinige Überwachungsmethode herangezogen werden (3,ā€Š10). Im computerisierten CTG (cCTG, auch: Oxford-CTG) wird mittels einer computerbasierten Analyse die KurzzeitvariabilitƤt (KZV) ermittelt. Sie ist Ausdruck fetaler Hirnfunktion, reflektiert den fetalen SƤure-Basen-Status und steigt mit zunehmendem Gestationsalter an. Die Beurteilung ist objektiv. Die KZV trƤgt somit zur besseren Terminierung des Entbindungszeitpunktes bei. Das Erreichen der sogenannten Dawes-Redman-Kriterien oder eine KZV >ā€Š4,5ā€Šms haben hohen prƤdiktiven Wert für einen stabilen metabolischen Status des Feten.

Management

Wie kontrollieren und wann entbinden?

  • Bei unauffƤlligem Doppler in der Art. umbilicalis: alle 2 Wochen bei früher IUGR (1)
  • Bei PI ā‰„ā€Š95. Perz. in Art. umbilicalis: wƶchentlich ambulant
  • Bei AEDV bis REDV in Art. umbilicalis: < 32 SSW: Hospitalisation in Perinatalzentrum, Lungenreifung. Empfohlen ist die tƤgliche Ductus-venosusDoppleruntersuchung, jedoch wurde die Untersuchungsfrequenz in der TRUFFLE-Studie nicht getestet. (11)

Unabhängig von der fetalen Überwachung ist bei schwerer Präeklampsie oder HELLP die mütterliche Indikation zur Entbindung gegeben. Die fetale Indikation zur unmittelbaren Entbindung liegt bei spontanen rezidivierenden Dezelerationen oder persistierendem Variabilitätsverlust im konventionellen CTG vor.

Early onset IUGR

Bei AEDF in der Art. umbilicalis: sollte die Entbindung per Sectio spƤtestens mit 34 + 0 SSW erfolgen. Bei REDV in der Art. umbilicalis: spƤtestens mit 32 + 0 SSW oder entsprechend dem lokalen Protokoll ggf. auch schon früher (1,11). Pulsationen in der Nabelschnurvene gelten jedoch immer als Indikation für die zügige Entbindung (12). Das optimale Timing der Entbindung hat das normale entwicklungspƤdiatrische und neurologische Langzeit-outcome zum Ziel. Die Resultate der TRUFFLE Studie bieten Hilfe bei der Entscheidungsfindung. Der optimale Entbindungszeitpunkt wird mit seriellen Doppleruntersuchungen des Ductus venosus und Monitoring mittels cCTG ermittelt. Bei negativer a-Welle im Ductus venosus sollte die Entbindung indiziert werden. ZusƤtzlich und unabhƤngig von Ductus-venosus-Doppler gelten folgende cCTG-VerƤnderungen als Entbindungskriterium: Zum einen kontinuierliche Abnahme der KZV in seriellen Messungen (1) oder, zum anderen, eine KZV < 2,6 ms (26 + 0 bis 28 + 6 SSW) oder < 3 ms (29+0 bis 32 + 0 SSW). Die Abnahme der KZV ist Hinweis auf eine fetale metabolische Azidose und reflektiert den fetalen Zustand über einen anderen Mechanismus als die venƶse Dopplersonographie. (10, 11)

Late onset IUGR

Die spƤte IUGR ist durch die Wachstumsabflachung gekennzeichnet. Die Fetometrie kann dabei noch in der Norm sein, die Wachstumsstƶrung ist weniger ausgeprƤgt (13). Die Diagnose ist deswegen erschwert. Wegen des hohen Stoffwechselumsatzes des Feten am Termin ist die
Intoleranz von Hypoxie deutlich hƶher. Die Latenz zum IUFT ist bei fortgeschrittenem Gestationsalter kürzer als bei der frühen IUGR < 32 SSW. Es liegt weniger ein Problem der Obliteration von Zottenarterien vor, sondern eher eine Diffusionsrestriktion. Es gibt keine klaren Cut-Offs für die
Definition der frühen versus spƤten IUGR (13). Für die Ermittlung des optimalen Entbindungszeitpunktes gibt es für das Gestationsalter 32 – 37 SSW wenig Evidenz. Ab 37 SSW ist die cerebroplazentare Ratio bzw. der PI in der Art. cerebri media wichtig für das Timing der Geburt, auch bei normalem Umbilicalarteriendoppler (14, 15, 16). Bei
schwerer SGA < 3.Perzentilie mit normalem Doppler sollte auch mit 37  SSW entbunden werden.
Bei SGA mit normalem Doppler sollte die 40. SSW nicht überschritten werden.

Dr. med.Alice Winkler

FMH für Fetomaternale Medizin
Ultraschalltutorin SGUMGG | DEGUM II
Luzerner Kantonsspital
Frauenklinik, Spitalstrasse
6000 Luzern 16

alice.winkler@luks.ch

Die Autorin hat keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Beitrag deklariert.

  • Bei der frühen IUGR < 32 SSW ist die computerisierte CTG-Beurteilung zusammen mit seriellen Dopplersonographien des Ductus
    venosus als simultanes Monitoring einzusetzen. Die biometrische Wachstumsstƶrung ist hƤufig ausgeprƤgt.
  • Ab der 37. SSW wird vor allem mittels PI in der Art. cerebri media
    der optimale Entbindungszeitpunkt bestimmt. In der Biometrie dominiert die spƤte Wachstumsabflachung.

Messages Ć  retenir

  • Dans la forme prĆ©coce de RCIU (< 32 SA), la surveillance Ć 
    recommander est l’utilisation combinĆ©e du CTG computĆ©risĆ© (cCTG, « Oxford-CTG ») avec l’analyse Doppler rĆ©pĆ©tĆ©e du ductus venosus. Dans la forme prĆ©coce le dĆ©ficit de croissance Ć  la biomĆ©trie est souvent important.
  • DĆØs la 37ĆØme semaine de grossesse le moment optimal pour accoucher se dĆ©termine au Doppler par l’indice de pulsatilitĆ© (PI) dans l’artĆØre cĆ©rĆ©brale moyenne. Le symptĆ“me dominant Ć  la biomĆ©trie est le flĆ©chissement tardif de la courbe de croissance.

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4. Empfehlungen der Ultraschalluntersuchung in der Schwangerschaft, 3. Auflage, SGUMGG 2011
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Perorale Therapie des metastasierten Prostatakarzinoms

Abiraterone (ZytigaĀ®) ist eine perorale Therapie für MƤnner mit metastasiertem Prostatakarzinom. Die initial registrierte Indikation beschrƤnkte sich auf Patienten mit kastrationsrefraktƤrem Karzinom. Neuere Daten zeigen, dass auch die hormonsensitive Krankheit vom Einsatz dieses Medikamentes profitiert. Die Standard-Dosis ist 1 000 mg tƤglich kontinuierlich per os.

Szmulewitz RZ et al. J Clin Oncol 2018; 36:1389-95
Kolesar JM, Liu GX. J Clin Oncol 2018;36:1385-6
Tannock I. J Clin Oncol 2018 Sep 6: JCO2018792358 . [Epub ahead of print]

Die Studie von Szmulewitz RZ et al. stellte die simple Frage, ob es dosis-mƤssig Ā«nid es bitzeli weniger sein dürfteĀ»; angesichts des hohen Preises einer typischen Monatsdosis von ZytigaĀ® (Publikumspreis rund CHF 4 000.-) ist diese Frage ƶkonomisch interessant.

Aktuell wird den Patienten empfohlen, ihre Tagesdosis von Abiraterone mit einem Sicherheitsabstand zur vorigen und zur nƤchsten Mahlzeit einzunehmen, was logistisch nicht immer ganz einfach zu bewerkstelligen ist.

Die Studie geht der interessanten Beobachtung aus der Zeit der frühen klinischen Studien dieses Medikaments nach, wonach die Einnahme von Abiraterone zusammen mit einer Mahlzeit höhere Medikamentenspiegel ergibt als die Einnahme auf nüchternen Magen. Da Mahlzeiten nicht kassenpflichtig sind, ergäbe beispielsweise die Kombinationstherapie Abiraterone-Birchermüesli eine nennenswerte Einsparung an Kosten.

Die Studie verglich bei Patienten mit kastrationsrefraktärem Prostatakarzinom Abiraterone à 1000 mg täglich nüchtern (= Standard-Arm) mit der Kombination Abiraterone à 250 mg täglich zuzüglich ein «low fat meal». Der primäre Endpunkt war PSA-Ansprechen innert 12 Wochen nach Therapiestart. Die kostengünstige Niedrigdosis-Kombination war der klassischen Verabreichung nicht unterlegen.
Somit weist diese Studie darauf hin, dass weniger Abiraterone mƶglicherweise gleich viel oder sogar mehr wert wƤre (letzteres, falls die Ersparnis an Medikamentenkosten berücksichtigt wird). Dies hiesse, dass die Patienten mit weniger Dosis und logistisch einfacher, also mit besserer Compliance bei der Tabletteneinnahme (einfach 1 Tabl. zum Zmorge) zu behandeln wƤren, ohne nennenswerte Bedenken wegen einer mƶglichen Wirkungseinbusse. Dem halten Kritiker, z.B. die Autoren des begleitenden Editorials, entgegen, die Studie hƤtte nicht die Bedeutung einer gross angelegten Phase-III-Studie mit Gesamtüberleben als primƤrem Endpunkt – die Daten seien deshalb ohne wirkliche Konsequenz für unseren klinischen Alltag. Ian Tannock, dessen Artikel grundsƤtzlich immer lesenswert sind, widerspricht in seinem Leserbrief: eine Behandlung, die die Krankenversicherung nur mit einem Viertel an Medikamentenkosten belastet, sei im Lichte der Daten grundsƤtzlich zu befürworten. Ein sinkendes PSA sei zugegeben nicht Ā«the full clinical montyĀ» zur Beurteilung der klinischen Wirkung von medikamentƶsen Therapien beim Prostatakarzinom; ein validierter Surrogat-Erfolgs-Marker ist es allemal.

Hussain M, et al. N Engl J Med 2018;378:2465-74

Enzalutamide zur Behandlung nicht-metastatischer, kastrationstresistenter Prostatakarzinome

Bleiben wir der Übung halber beim Prostatakarzinom. Enzalutamide (XtandiĀ®) ist, wie Abiraterone, ein neueres Medikament zur Behandlung des metastasierten Prostatakarzinoms, initial getestet beim kastrationsrefraktƤren Karzinom, und spƤter auch für hormonsensitive Tumoren für wirksam befunden. Die vorliegende Studie beschƤftigt sich mit einer speziellen Gruppe von MƤnnern mit Prostatakarzinom; mit Patienten nƤmlich, die unter androgen-suppressiver Therapie zwar keine nachweisbaren Fernmetastasen aufweisen, deren PSA aber kontinuierlich steigt. Es ist anzunehmen, dass diese Patienten kastrationsrefraktƤre okkulte Fernmetastasen haben (die dem Nachweis im konventionellen CT oder MRI momentan noch entgehen), oder/und eine Progredienz ihres PrimƤrtumors, oder progredienten Tumorbefall in der Prostataloge bei Status nach Prostatektomie aufweisen. Die Prognose dieser Patienten ist insgesamt nicht sehr gut – das Auftreten von symptomatischen Metastasen lediglich eine Frage der Zeit. Die Behandlung bestand in Enzalutamide in der typischen Tagesdosis von 160 mg (muss es wirklich so viel sein? Siehe oben!!) oder Placebo. Der primƤre Endpunkt war metastasenfreies Überleben. Die Suche nach Metastasen wurde gemƤss Protokoll alle vier Monate vorgenommen. Untersuchungen dieser Art müssten stringent mit diszipliniert gleichem Ā«timingĀ» in beiden Studienarmen vorgenommen werden. Falls die Suche nach Metastasen im einen oder anderen Arm nachlƤssig vorgenommen wird, mit Verpassen fƤlliger Termine, so wƤre zu erwarten, dass der Endpunkt im anderen Arm früher erreicht wird, auch wenn Metastasen in Ā«EchtzeitĀ» nicht früher auftreten (sondern lediglich früher gefunden werden). Leider ist dem Artikel im NEJM nicht zu entnehmen, wie diszipliniert die StudienƤrzte die Patienten in den beiden Armen untersuchen liessen – ein wissenschaftlicher Mangel, und das in einem besonders renommierten Journal!!

Eine Zugabe gefƤllig (wie bei Klavierabenden bedeutender Pianisten)? Et voilƠ:

Tasmanischer Beutelteufel – Übertragung vitaler Krebszellen

Der Beutelteufel (Ā«Tasmanian devilĀ» – Sarcophagus Harisii) ist ein fleischfressender (Ā«SarcophagusĀ») Raubbeutler aus Tasmanien, der sich mit seinen Artgenossen beim Vertilgen und im Verteilkampf erbeuteter Tiere oder Aas rabiate Schlachten mit Beissverletzungen liefert.

Kosack L et al. Cancer Cell 2019;35:125-39.e9. Tovar C et al. Sci Rep 2017;7:43827. doi: 10.1038/srep43827

Diese Tischmanieren besiegeln nun beinahe das Schicksal der vom Aussterben bedrohten Species, da bei Bissen vitale Krebszellen («devil facial tumour disease») von Tier zu Tier übertragen werden, die vom Immunsystem des Beissopfers nicht abgestossen werden, und innert Monaten zum Tode des sarkophagen Patienten führen. Es gibt beim Menschen keine Beobachtungen, wonach Krebs durch Übertragung intakter Krebszellen vom einen auf ein anderes Individuum übergehen kann; nicht einmal bei schwangeren Frauen, die an einer akuten Leukämie erkranken, sind Leukämiefälle beim Kind beschrieben. Die fazialen Karzinome beim Beutelteufel exprimieren offenbar keine Proteine der Major Histocompatibility Complex Class I (MHC-I), und deshalb werden sie vom Immunsystem des gebissenen Teufels nicht erkannt. In den Tumorzellen sind alte Bekannte aus der Krebsmolekularbiologie aktiv, nämlich der ERBB-RAS-RAF-MAPK-STAT3 Pfad, der MHC-I unterdrückt. Ein ERBB-Tyrosin-Kinase-Inhibitor kombiniert mit Interferon-γ vermag die Sache (fast) ins Reine zu bringen. Eine klinische Studie bei neun Teufeln zeigte, dass der Transfer von Tumorzellen, die MHC-I exprimierten, nicht zu einer klinischen Krebserkrankung führte. Nebenbei sei angemerkt, dass die für die Studie nötigen Blutentnahmen bei den Patienten unter besonderen Kautelen für einen guten Bissschutz der Studienärzte vorgenommen wurden. Auch wenn die Studie nicht in die Humanmedizin extrapoliert werden kann, so bietet sie doch einen interessanten Einblick in einen vernetzten molekular-immunologischen Pfad für alle Onkologen, die am Beispiel von Sarcophagus Harisii gerne einmal über den humanen Tellerrand hinausschauen möchten.

Woher stammt das Zitat «Wie sich die Bilder gleichen!»
Lƶsung:

* Ā«Wie sich die Bilder gleichenĀ» ist die deutsche Übersetzung der Arie des Mario Cavaradossi aus dem ersten Akt der Oper Ā«ToscaĀ» von Puccini. In der italienischen Originalfassung heisst der Text Ā«Recondita armonia di bellezze diverse! …. E bruna Floria (Tosca), l’ardente amante mia.Ā» etc. Die beste CD-Aufnahme ist immer noch die Einspielung mit Maria Callas, Giuseppe di Stefano und Tito Gobbi, dirigiert von Victor de Sabata.

Prof. em. Dr. med. Martin Fey

Bern

martin.fey@insel.ch

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