Statine sind nicht mit einem erhƶhten Kataraktrisiko bei kardiovaskulƤren Risikopatienten verbunden

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Therapie des Eisenmangels in der Schwangerschaft

schaft. Wegen der hohen PrƤvalenz und der Mƶglichkeit der Intervention lohnt es sich, Eisenmangel zu detektieren und zu behandeln. Die meisten Frauen verfügen nicht über ausreichende Eisenreserven bei einer Schwangerschaft, um den perinatalen Eisenbedarf für Mutter und Fƶtus zu decken. Durch die Eisenhandlung kƶnnen zahlreiche Symptome bei der Mutter behandelt werden und das Kind kann quasi in utero vor schweren Konsequenzen geschützt werden. Die primƤre Intervention bei isoliertem Eisenmangel ist orales Eisen, das allerdings eine hohe UnvertrƤglichkeit bei geringer Wirksamkeit aufweist. Parenterales Eisen zeichnet sich durch eine hohe Wirksamkeit bei im Allgemeinen guter VertrƤglichkeit aus. Bei der Diagnostik des Eisenmangels hat sich ein Ferritingrenzwert von < 30 μg/L als guter Schwellenwert zur Detektion des Eisenspeichermangels durchgesetzt. Ein HƤmoglobinwert < 110 G/L im ersten und dritten Trimenon und < 105 G/L im zweiten Trimenon kann als AnƤmie angesehen werden.

Iron deficiency and/or iron deficiency anemia complicate nearly 50 % of pregnancies globally, negatively impacting both maternal and fetal outcomes. Iron deficiency can cause a range of symptoms that range from aggravating to debilitating including fatigue, poor quality of life, pagophagia and restless leg syndrome. Iron deficiency and iron deficiency anemia are also associated with maternal complications including preterm labor, increased rates of cesarean delivery, postpartum hemorrhage and maternal death. Fetal complications include increased rates of low birth weight and small for gestational age newborns. Prenatal maternal anemia has also been associated with autism spectrum disorders in the neonate, although causation is not established. Deficiency in the newborn is associated with compromised memory, processing, and bonding, with some of these deficits persisting into adulthood. Despite the prevalence and consequences associated with iron deficiency in pregnancy, data show that it is routinely undertreated. Due to the physiologic changes of pregnancy, all pregnant individuals should receive oral iron supplementation. However, the bioavailability of oral iron is poor and it is often ineffective at preventing and treating iron deficiency. Likewise, it frequently causes gastrointestinal symptoms that can worsen quality of life in pregnancy. Intravenous iron formulations administered in a single or multiple dose series are now available. There is increasing data suggesting that newer intravenous formulations are safe and effective in the second and third trimesters and should be strongly considered in pregnant individuals without optimal response to oral iron repletion.
Keywords: Iron, Iron Deficiency, Anemia (Anaemia), symptoms, pregnancy, iron treatment, iron therapy

Einleitung

Eisenmangel ist der weltweit am hƤufigsten auftretende MikronƤhrstoffmangel und folglich ist die AnƤmie in der Schwangerschaft vor allem auf Eisenmangel zurückzuführen. GemƤss WHO-Daten führen Eisenmangel und AnƤmie bei etwa 30–60 % der Schwangerschaften weltweit zu Komplikationen. WƤhrend der Schwangerschaft leiden fast 75 % der Schwangeren unter Eisenmangel im dritten Trimester, wenn man einen cut off Wert von Ferritin < 30 µg/L zu Grunde legt. Trotz der hohen PrƤvalenz und den negativen Auswirkungen des Eisenmangels und der AnƤmie auf die mütterliche und fetale MorbiditƤt, wird Eisenmangel oft nicht ausreichend diagnostiziert und behandelt (1–3).

Die Diagnose und Behandlung der EisenmangelanƤmie in der Schwangerschaft ist zwar relativ einfach, wird aber hƤufig übersehen und/oder von den betreuenden GynƤkologinnen nicht optimal gehandhabt. Ein Problem bei der Labordiagnose des Eisenmangels in der Schwangerschaft ist der fehlende Konsens in der Literatur, da die vorliegenden Studien uneinheitliche Ferritingrenzwerte für die Bestimmung von Eisenmangel verwenden. EisenmangelanƤmie in der Schwangerschaft wird meist definiert als Serum Ferritin < 15–30 µg/L und einem HƤmoglobin < 110 G/L, wobei der Wert < 110 G/L nicht den physiologischen unteren Schwellenwert des HƤmoglobins im zweiten Trimester von 105 G/L berücksichtigt. Die Verwendung eines Ferritingrenzwertes von < 30 µg/L erhƶht die SensitivitƤt der Erfassung des Eisenmangels, es fehlen jedoch Untersuchungen zu schwangerschaftsspezifischen Grenzwerten (5, 10, 11).

Die Ursachen des Eisenmangels sind bekanntermassen vielfƤltig und abhƤngig von sozio-ƶkonomischen Faktoren, ErnƤhrungsgewohnheiten, Alter und Herkunft der Schwangeren, vorbestehendem Eisenmangel und KomorbiditƤten, vor allem gastro-intestinalen Erkrankungen wie Zƶliakie oder Morbus Crohn. 30–50 % der Frauen weisen bereits vor der Konzeption einen Eisenmangel auf (6–8).

Folgen von Eisenmangel und Anämie für die Schwangere und den Fetus

Eisenmangel kann asymptomatisch sein oder belastende Symptome hervorrufen. Dazu gehören Müdigkeit, Reizbarkeit («Brain fog»), Atemnot, Kopfschmerzen, Haarausfall, Konzentrationsschwäche, verminderte körperliche Leistungsfähigkeit und Restless-Leg-Syndrom. Diese Symptome werden sowohl von den Schwangeren als auch von den Gynäkolog/-innen oft als normal abgetan, da sie auf physiologische Veränderungen in der Schwangerschaft zurückgeführt werden können. Der isolierte oder latente Eisenmangel (ohne Anämie) kann die mütterliche Morbidität erhöhen, da das Risiko für eine Anämie, Plazentahypertrophie und Hypothyreose erhöht ist (13, 16, 17, 19, 23, 26).

Daneben ist das Risiko für vorzeitige Wehen und Frühgeburtlichkeit erhƶht (9). Eine peripartale EisenmangelanƤmie geht mit einem erhƶhten Risiko an postpartaler Depression, verminderter LebensqualitƤt, postpartaler AnƤmie und Bluttransfusion einher (21). Schwerer Eisenmangel erhƶht nachweislich die fƶtale und neonatale MorbiditƤt. Erkenntnisse aus Tiermodellen deuten darauf hin, dass Eisenmangel in kritischen Phasen der fƶtalen Entwicklung zu VerƤnderungen des Hirnstoffwechsels, der Neurotransmission, der Epigenetik und der Myelinisierung führt, die sich beim Neugeborenen auswirken. Neuere klinische Studien zeigen, dass diese Folgen auch beim Menschen auftreten und beispielsweise ein Zusammenhang zwischen Eisenmangel und Autismus-Spektrum-Stƶrung und Aufmerksamkeitsdefizit bei Jugendlichen besteht. Mütterlicher Eisenmangel führt zu niedrigen fƶtalen und neonatalen Eisenspeichern mit den entsprechenden Folgen (14,15,18, 27–31) (Abb. 1).

Screenig des Eisenmangels

Es besteht kein Konsens über Screening-Protokolle oder die routinemƤssige Durchführung eines Screenings auf Eisenmangel in der Schwangerschaft. Nur wenige Organisationen unterstützen ein Screening auf isolierten Eisenmangel, da es nur wenige Studien gibt, die eine Risikoverbesserung durch eine Behandlung belegen. In England wird seit kurzem ein risikobasiertes Screening empfohlen, bei Frauen mit AnƤmie in der Vorgeschichte, Multipara, Mehrlingsschwangerschaft, kurzem Schwangerschaftsintervall, Vegetarierinnen, Frauen mit hohem Blutungsrisiko bei der Geburt und Frauen, die Bluttransfusionen ablehnen. Das American College of OBGYN (ACOG) empfiehlt ein Screening auf AnƤmie und die generelle Eisensupplementierung bei Schwangeren. Die Ferritintestung soll gemƤss ACOG nur bei einer AnƤmie durchgeführt werden, mit einem Schwellenwert von < 30 µg/L (WHO < 15 µg/L!) (Practice Bulletin 233, August 2021). Im Expertenbrief der SGGG (Nr. 77) empfehlen wir die Bestimmung von HƤmoglobin und Ferritin im ersten Trimester und bei etwa 24–28 SSW zur Erfassung von Eisenmangel und AnƤmie bei den Schwangeren.

Behandlung

Mehrere nationale Guidelines empfehlen die generelle orale Eisensupplementierung bei Schwangeren (ACOG, Centers of Disease Control, WHO). Diese kann tƤglich oder alternierend alle zwei Tage erfolgen. Es konnte gezeigt werden, dass eine zweitƤgliche orale Eiseneinnahme die Eisenresorption bei erniedrigter unerwünschter Nebenwirkungsrate erhƶht (4, 22). Es sollte die mƶglichst niedrigste Eisendosierung oral gewƤhlt werden (etwa 30 mg elementares Eisen/ Dosis), da hohe Dosierungen zu einem Therapieabbruch bei bis zu 70 % der Frauen führen, aufgrund der gastrointestinalen Nebenwirkungen. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass orales Eisen im ersten Trimester die einzige Behandlungsoption darstellt. Es sind zahlreiche orale EisenprƤparate vorhanden; generell gilt, dass Eisen-II-Salze eine hƶhere Rate an UWR aufweisen als beispielsweise Eisen-III-Komplexe. GemƤss Studien zeigen die sogenannten Eisen-Bisglycinate (Aminoeisenverbindung) eine gute Resorption und Wirksamkeit bei geringer UWR-Rate auf (16, 25). Ab dem zweiten Trimester stehen bei der Therapie der EisenmangelanƤmie intravenƶse EisenprƤparate zur Verfügung, die sich in der Schwangerschaft als sicher und wirksam erwiesen haben. Im Gegensatz zu oralem Eisen eignet sich nur intravenƶses Eisen zur Therapie schwerer EisenmangelzustƤnde und AnƤmien, insbesondere, wenn wir eine Wirksamkeit in kurzer Zeit erwarten (24, 25, 42–49). Die Dosierungen entsprechen denen von nicht schwangeren Frauen.In den meisten FƤllen kƶnnen in der Schweiz heute hoch dosierte Einzeldosierungen verwendet werden, was aufgrund der Einfachheit der Anwendung und der EffektivitƤt auch zu einer hohen Patientinnen-Zufriedenheit führt. Die hƤufigsten verwendeten parenteralen EisenprƤparate weltweit sind Eisen-Saccharat, Eisen-Dextran mit niedrigem Molekulargewicht (LMWD, Cave: NICHT hochmolekulares Dextran!). Eisen-Carboxymaltose (FCM), Ferumoxytol und Eisen-III-Derisomaltose (24, 25). In Bezug auf die allergischen Reaktionen und andere unerwünschte Nebenwirkungen sind die PrƤparate vergleichbar. In Vergleichsstudien zwischen parenteralem und oralem Eisen ist die Rate an UNW bei den oralen PrƤparaten im Allgemeinen hƶher. Vor allem aufgrund der gastro-intestinalen Nebenwirkungen. Eisencarboxymaltose hat gemƤss vorliegenden Studien die hƶchste Rate an induzierter HypophosphatƤmie nach Infusion, wobei schwere HypophosphatƤmien nach Einzeldosierungen selten sind. In einer kürzlich publizierten Studie von der Klinik für Geburtshilfe der UniversitƤt Genf zeigte sich bei 3/22 Schwangeren eine HypophosphatƤmie nach Eisencarboxymaltose vs 1/22 Schwangeren unter oralem Eisen (13 vs. 4 %). Der Unterschied war nicht signifikant und die Neugeborenen zeigten keine HypophosphatƤmie in der Eisencarboxymaltose Gruppe (49). Die in der Schweiz empfohlenen und meist angewendeten PrƤparate sind in Tab. 1 aufgeführt. Bei der i.v. Eisentherapie sollen generell und speziell in der Schwangerschaft die von SWISSMEDIC empfohlenen Richtlinien eingehalten werden. Ebenso sind Kontraindikationen wie erstes Trimester, akute bakterielle Infektion und Status Anaphylaxie oder schwerer allergischer Reaktion nach i.v. Eisengabe zu beachten. Das Risiko einer anaphylaktischen Reaktion ist bei den neuen EisenprƤparaten unter 1 : 1000 einzuschƤtzen.


Indikationen für den Einsatz von parenteralem Eisen sind kein oder ungenügendes Ansprechen auf orales Eisen (Hb Anstieg
< 10G/L innert 14 Tagen), UnvertrƤglichkeit und Non Compliance bei oraler Eiseneinnahme, gestƶrte Eisenresorption (bariatrische Eingriffe, chronische Darmerkrankungen, Zƶliakie), schwere bestehende oder fortschreitende AnƤmie (vor allem
< 90 G/L), Notwendigkeit der raschen und effizienten AnƤmie Korrektur bei Risikofaktoren der Schwangeren (Plazenta praevia, hohes Blutungsrisiko, Gerinnungsstƶrungen, Ablehnung von Fremdblut, Status nach Atonie u.a.m) (42, 43, 48).

Die parenteralen EisenprƤparate werden auch vor allem zur Behandlung der postpartalen AnƤmie (Hb < 100G/L) in der Schweiz standardmƤssig im Wochenbett verwendet.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Prof. Dr. med. Christian Breymann

Gyn & Perinatal Zürich
Ƅrztezentrum Seefeld Hirslanden
Seefeldstrasse 214
8008 Zürich

C Breymann hält Vorträge und Fortbildungen für CLS-Vifor Schweiz und CLS- Vifor International und Pierre Fabre/ Robapharm Schweiz. Er ist ebenfalls an Publikationen über die jeweiligen Eisenpräparate beteiligt.

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REM-Schlaf-Verhaltensstƶrung – mehr als eine einfache Parasomnie

Einführung

Der Traumschlaf oder Rapid-Eye-Movement-Schlaf (REM-Schlaf), benannt nach schnellen horizontalen Augenbewegungen, ist ein wesentlicher Bestandteil des Nachtschlafes. Die durchschnittliche Schlafdauer bei Erwachsenen liegt bei 7,5 bis 8 Stunden und gliedert sich in 90-minütige Schlafzyklen. Der Tiefschlaf dominiert die erste HƤlfte des Nachtschlafes und ist entscheidend für Regeneration und Regulation von Kƶrperfunktionen, wƤhrend der REM-Schlaf die zweite HƤlfte dominiert und für GedƤchtniskonsolidierung und emotionale Regulation wichtig ist (1–4).

Verhaltensauffälligkeiten in diesen Schlafstadien werden als Parasomnien bezeichnet. Im Tiefschlaf können Schlafwandeln sowie Nachtschreck auftreten, als NREM-Parasomnien bezeichnet, im REM-Schlaf kann es zur REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) mit dem Ausagieren von Träumen kommen. Normalerweise schützt die Muskelhypotonie im REM-Schlaf vor unwillkürlichen Bewegungen, diese wird durch ein noradrenerges und serotonerges System im Gehirn reguliert. Bei RBD ist diese Regulation gestört, was oft mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson zusammenhängt, aber auch ein symptomatisches Auslösen durch Antidepressiva mit serotonergem oder noradrenergem Wirkmechanismus (u.a. SSRI, SNRI) erklären kann.

Ƅthiopathogenese und Formen der RBD

Die REM-Schlaf-Verhaltensstƶrung (RBD) wurde 1986 erstmalig von Carlos Schenck und Mark Mahowald beschrieben:

Deren vier über 50-jährige Patienten erlebten lebhafte, emotionale Träume und führten diese im Schlaf aus, was zu Verletzungen führte. Ihre Träume beinhalteten aggressive Szenarien und waren gut erinnerlich. Diese Erstbeschreibung ist typisch und weiterhin gültig (5).

Bei einer isolierten RBD (iRBD) tritt die Störung ohne erkennbare zentrale Nervensystemerkrankung auf. Heute weiss man, dass es sich um ein frühes Stadium einer Alpha-Synukleinopathie handelt, also einer Gruppe neurodegenerativer Erkrankungen, zu denen die Parkinson-Krankheit (PD), die Demenz mit Lewy-Körpern (DLB) und die Multisystematrophie (MSA) gehören (6).

Die sekundäre RBD kann als Symptom einer schon manifes­ten Alpha-Synukleinopathie oder anderen neurologischen Erkrankungen auftreten. Beispiele hierfür sind Autoimmunerkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS) wie die Narkolepsie (7), die Multiple Sklerose (8) oder auch das seltene Anti-IgLON5-Syndrom (9). Auch läsionelle Affektionen des zentralen Nervensystems, wie sie im Rahmen eines Schlaganfalls, einer Hirnblutung oder infektiösen Erkrankung auftreten, kommen als Ursache infrage (10, 11).

Die symptomatische Form der RBD kann im Rahmen von Alkoholintoxikation oder -entzug sowie unter Barbituraten und Benzodiazepinen auftreten. Ein Auslƶsen durch Antidepressiva mit serotonerger oder noradrenerger Wirkung ist ebenfalls hƤufig. Unklar ist, ob die antidepressive Medikation die Entwicklung einer beginnenden, noch subklinischen, isolierten REM-Schlaf-Verhaltensstƶrung beschleunigen oder diese sogar auslƶsen kann (12).

Eine Unterkategorie der symptomatischen Form stellt die Pseudo-RBD im Rahmen einer obstruktiven Schlafapnoe (OSA) dar. Ursächlich konnte ein Zusammenhang mit Entsättigungen und den resultierenden Arousal-Reaktionen gezeigt werden. Diese führen im REM-Schlaf durch dessen Diskontinuität durch Arousal und damit gestörter Muskelhypotonie zum Ausagieren der Träume (13, 14).

Viele Patient/-innen weisen eine gemischte Ƅtiologie, d.h. mehrere Ursachen der RBD auf. Auch nach Korrektur der RBD-provozierenden Faktoren (OSA, Medikamente etc.) zeigen sie weiterhin eine RBD-Symptomatik, sodass mindestens anteilig eine neurodegenerative Ursache der Symptomatik angenommen werden muss.

Die isolierte RBD (iRBD)

Epidemiologie der iRBD
Die PrƤvalenz der iRBD liegt bei 0.4–0.5 % der erwachsenen Bevƶlkerung und steigt auf 1–2 % bei den über 60-JƤhrigen an (15, 16). 80 % der Betroffenen sind MƤnner, was durch die mildere und somit seltener diagnostizierte Symptomatik bei Frauen erklƤrt werden kann (17, 18). Bei sekundƤren Formen der RBD, z. B. bei manifesten Alpha-Synukleinopathien, ist die Geschlechterverteilung Ƥhnlich.

Klinische Manifestation der iRBD
Das Ausagieren von Trauminhalten ist das Leitsymptom der iRBD. Typische Träume beinhalten Angriffssituationen, in denen der Patient oder die Patientin sich selbst oder andere verteidigt, oft gegen unbekannte Menschen oder Tiere wie Hunde, Schlangen oder Löwen. Sportliche Aktivitäten wie Fussball oder Boxen können ebenfalls geträumt und ausgelebt werden (17). Diese Bewegungen können zu Verletzungen führen, beispielsweise durch Kollisionen mit Möbeln oder durch Greifen nach dem Bettpartner im Traum.

Verletzungen sind oft der Anlass für eine Ƥrztliche Konsultation. Begleitend zur iRBD kƶnnen Symptome wie reduzierte Geruchswahrnehmung und Konstipationsneigung auftreten. Subtile extrapyramidale Symptome wie eine Hypomimie oder reduzierte Geschwindigkeit alternierender Bewegungen kƶnnen früh manifest werden und durch gezielte Untersuchung (TAP-Test) identifiziert werden. ZusƤtzlich kƶnnen bereits früh neuropsychiatrische AuffƤlligkeiten wie Apathie, Ƅngstlichkeit oder depressive Symptome bestehen (19).

Ƅthiopathogenese der iRBD
Grundlage des neurodegenerativen Prozesses der iRBD ist die Aggregatbildung von Alpha-Synuklein zu sogenannten Lewy bodies (Abb. 1), was zu Funktionsverlust und im Verlauf Untergang der betroffenen Nervenzellen führt (20). Der Auslƶser und Grund der Aggregatbildung dieses ursprünglich funktionellen intrazellulƤren, vesikulƤren Transportproteins sind nicht bekannt (16).

Die im Rahmen der frühen Entwicklung zur Alpha-Sy­nukleinopathie auftretende zeitgleiche Beteiligung des en­terischen Nervensystems und des Riechhirns bis zu 10 Jahre vor der iRBD-Symptomatik führte zur Dual-Hit Hypothese (21):

Zum einen kommt es ausgehend vom Riechhirn im Verlauf zu einer Ausbreitung der Lewy bodies über die Temporallappen und Basalganglien und spƤter auch auf den Neokortex; zum anderen kommt es aufsteigend vom enterischen, vegetativen Nervenplexus zu einer Beteiligung des Hirnstamms mit dem typischen Auftreten von RBD-Symptomen. Diese Ausbreitungsdynamik im zentralen Nervensystem wurde bereits 2003 von Braak et al. beschrieben und publiziert(22) (Abb. 1).

Verlauf der isolierten REM-Schlaf-Verhaltensstƶrung (iRBD)
Longitudinale Studien zeigen, dass Patient/-innen mit iRBD ein jƤhrliches Risiko von 6.3 % haben, eine manifeste Alpha-Synukleinopathie (PD, DLB, MSA) zu entwickeln (19). Bei gleichzeitig eingeschrƤnkter Riechleistung und subtilen motorischen Symptomen steigt dieses Risiko auf 15.5 % pro Jahr (6).

Eine internationale Analyse ergab eine Konversionsrate von 73.5 % nach 12 Jahren ab Diagnosestellung (19). Einige wenige Patient/-innen bleiben auch nach 20 Jahren im Stadium der iRBD mit nur leichten motorischen Symptomen, die nicht die Diagnosekriterien einer manifesten Alpha-SyĀ­nukleinopathie erfüllen. Die Faktoren, die zu einem langsamen Krankheitsverlauf beitragen, sind noch unbekannt und Gegenstand aktueller Forschung (23).

Diagnostische AbklƤrung und Differenzialdiagnostik

Die Abklärung einer möglichen iRBD ist wichtig aufgrund des nächtlichen Verletzungsrisikos durch Ausagieren von Träumen und weil es sich um das Frühstadium einer neurodegenerativen Erkrankung handelt.

Die meisten Patient/-innen suchen ihren Arzt erstmalig nach eingetretener Eigen- oder Fremdverletzung auf. Zu diesem Zeitpunkt bestehen die Symptome in der Regel bereits einige Jahre. Validierte Fragebƶgen wie der REM Sleep Behavior Disorder Screening Questionnaire aus Marburg (RBDSQ [24]) oder die Einzelfrage des Innsbrucker RBD- Inventars (25): Ā«Treten oder schlagen Sie im Schlaf um sich, weil Sie im Traum das Gefühl haben, Sie müssten sich verteidigen?Ā» wie auch die Einzelfrage der internationalen RBD Study Group (26): Ā«Hat man Ihnen jemals gesagt oder vermuten Sie selber, dass Sie Ihre TrƤume ausagieren, wenn Sie schlafen (z. B. Boxübungen ausführen, mit den Armen um sich schlagen, Laufbewegungen machen etc.)?Ā» erlauben ein gutes Screening bei RBD-Verdacht.
Bei einem positiven Screening ist eine Zuweisung in ein neurologisch-schlafmedizinisches Zentrum empfohlen. Die fachspezifische Anamnese ist wichtig zur differenzialdiagnostischen und Ƥtiologischen Einordnung der RBD-verdƤchtigen Symptome:

Das vorwiegende Auftreten der Symptome in der zweiten NachthƤlfte deutet auf die Assoziation mit REM-Schlaf und damit RBD hin. Im Falle des Auftretens in der ersten NachthƤlfte ist eine Assoziation mit Tiefschlaf im Sinne einer NREM-Parasomnie wahrscheinlicher. Stereotype Bewegungen wƤhrend des Schlafes weisen auf eine schlafgebundene, hypermotorische Epilepsie (SHE) hin (27).

RBD-Symptome im zeitlichen Zusammenhang mit der Einnahme von Noxen oder Antidepressiva oder klinische Symptome einer Schlafapnoe weisen in Richtung einer symptomatischen Form der RBD (14, 28, 29).
Das Fehlen solcher Hinweise bei ansonsten typischen Symp­tomen spricht für eine iRBD. Die klinische Untersuchung spielt eine wichtige Rolle, um den klinischen Status quo zu bestimmen.

Klinisch besonders relevante Aspekte:
Extrapyramidale Symptome wie Tremor, Rigor und Hypokinese (Unified Parkinson’s Disease Rating Scale [UPDRS]) (30) kƶnnen bereits in sehr leichter AusprƤgung vorliegen.

Kognitive Defizite können klinisch und mithilfe des MoCA® (31), vegetative Prodromal-Symptomatik wie orthostatische Hypotonie und Konstipation sollten mittels Schellong-Test und klinisch-anamnestisch evaluiert werden.

Eine Hyposmie empfehlen wir mittels Riechtestung, z. B. mit Sniffin’ SticksĀ®, zu objektivieren.

Der apparative Goldstandard zur Schlafuntersuchung ist die Video-Polysomnographie (vPSG) mit dem Ziel, eine iRBD von einer häufigen OSA-induzierten, symptomatischen RBD abzugrenzen, aber auch, die Differenzial­dia­gnosen der Non-REM-Schlaf Parasomnien und der schlafgebundenen Epilepsie abzuklären.

Mittels der vPSG kƶnnen das neurophysiologische Korrelat der iRBD: Ā«REM-Schlaf ohne MuskelatonieĀ» und komplexe Handlungen wƤhrend des REM-Schlafes, obligate Diagnosekriterien der International Classification of Sleep Disorders 3 (Tab. 1, [32]) nachgewiesen werden. Bei Verdacht auf eine sekundƤre Ursache der RBD mit der Frage nach vaskulƤren oder entzündlichen VerƤnderungen im Hirnstamm ist eine zerebrale MRT erforderlich.

Die nuklearmedizinische Dopamintransporter-Szintigraphie (DaTSCAN®) ist ein funktionelles bildgebendes Verfahren (33). Im Stadium der iRBD kann bereits eine signifikante Verminderung der Dopamintransporteraktivität im Bereich des Nucleus caudatus und des Putamen als Korrelat des neurodegenerativen Prozesses vorliegen (34). Bei deutlich pathologischen Befunden kann der Verdacht auf eine bevorstehende Phänokonversion zu einer manifesten Alpha-Synukleinopathie resultieren (34). In der Schweiz wird diese Untersuchung im Rahmen einer iRBD-Abklärung derzeit nicht von den Krankenkassen übernommen.

Die Durchführung einer 14-tägigen Aktigraphie kann sowohl bei der Erstuntersuchung als auch im Verlauf zusätzliche relevante Informationen über die Schlaf-Wach-Verteilung, die zirkadiane Amplitude und die Stabilität dieser Parameter von Tag zu Tag liefern. Bei regelmässiger Wiederholung können Veränderungen dieser Parameter im Langzeitverlauf Hinweise auf eine beginnende motorische Beeinträchtigung geben (35).

Klinische Verlaufskontrollen empfehlen wir einmal jƤhrlich inklusive der Wiederholung des spezifischen extrapyramidal-motorischen Tests (UPDRS III [30]).

Ein DaTSCAN® oder ein FDG-PET, beides spezifische funktionelle bildgebende Verfahren, können ein Fortschreiten der Alpha-Synukleinopathie dokumentieren (36). Sie sind jedoch nicht Bestandteil der klinischen Routine. Zukünftig werden weitere Technologien in Form von tragbaren Beschleunigungsmessern, Druckmatten, Smartphones, Tablets und darin integrierte Algorithmen zur Bewegungs- und Schlafanalyse eingesetzt werden, um iRBD zu identifizieren, zu dokumentieren und im Langzeitverlauf zu beobachten (37).

Behandlung

Die Behandlung einer RBD ist wichtig, um Verletzungen zu vermeiden. Eine sichere Bettumgebung mit Kissen und Entfernung gefƤhrlicher GegenstƤnde sind empfohlen. Im Fall einer symptomatischen RBD sollten auslƶsende Faktoren wie auslƶsende Medikamente abgesetzt werden und eine relevante Schlafapnoe behandelt werden. Sollte eine sekundƤre, noch unbekannte Ursache vorliegen, muss diese entsprechend abgeklƤrt und behandelt werden.
Bei anhaltenden Symptomen, nach Korrektur aller potenziell symptomatischen Auslƶser und in Abwesenheit einer sekundƤren Ursache muss von einer neurodegenerativen Ursache (iRBD) ausgegangen werden und eine medikamentƶse Behandlung begonnen werden:

Zwei PrƤparate stehen zur symptomatischen Behandlung der iRBD zur Verfügung: Clonazepam und Melatonin. Beide reduzieren die HƤufigkeit und IntensitƤt der SympĀ­tome. Clonazepam (0.5–1 mg) wirkt sofort, kann aber Nebenwirkungen wie erhƶhte nƤchtliche Sturzgefahr und TagesschlƤfrigkeit haben (38). Melatonin wirkt nach 3–4 Wochen nach regelmƤssiger Einnahme 1 Stunde vor dem Zubettgehen und hat ein günstiges Nebenwirkungsprofil (39). Die Behandlung beginnt in der Regel mit 2 mg und kann bis 10 mg gesteigert werden.

Eine randomisierte Studie aus 2022 verglich Clonazepam mit Melatonin bei iRBD-Patient/-innen: Clonazepam zeigte bessere Symptomkontrolle, aber der Wirkungseintritt von Melatonin kƶnnte aufgrund der Studiendauer von 4 Wochen nur unvollstƤndig erfasst worden sein. Ein Therapieversuch mit Melatonin ist aufgrund des vorteilhaften Nebenwirkungsprofils gerechtfertigt und empfohlen.

Eine kausale Therapie zur Verlangsamung des neurodegenerativen Prozesses gibt es bisher nicht. In der Parkinson-Forschung (PASADENA-Studie) werden Immuntherapien untersucht, die sich derzeit in den Phasen 1 und 2 befinden (40, 41). Erste Wirksamkeitsuntersuchungen zeigen eine Reduktion des Alpha-Synukleins im Serum und Post-hoc- Analysen eine Verlangsamung der Zunahme der motorischen Symptome.

Ausblick

Der Einsatz neuer technischer Methoden zur Diagnostik und Langzeitbeobachtung der iRBD wird zunehmend wichtiger. Im Fokus der Forschung sind Technologien zur frühzeitigen Erkennung motorischer Symptome durch Messung der Bewegung und Aktivität wie Beschleunigungs- und Aktivitätsmessgeräte, die auch im Sport- und Freizeitbereich verwendet werden (Smart-Tracker [37, 42]). Smartphone-basierte Stimmanalysen können ebenfalls zukünftig zur Frühdetektion der für Parkinson typischen reduzierten Stimmmodulation beitragen (43). Diese neuen Technologien können helfen, ideale Biomarker zu identifizieren, die den Krankheitsverlauf und das Konversionsrisiko abbilden (6). Die Kenntnis dieser Biomarker kann in Zukunft gezielt beitragen, den Einsatz krankheitsmodulierender Therapien zu ermöglichen, die das Auftreten von Parkinson, Multisystematrophie oder Demenz mit Lewy-Körpern verzögern oder sogar verhindern können.

Abkürzungen
DaTScanĀ® Dopamintransporter-Szintigraphie
DLB Demenz mit Lewy bodies
FDG-PET Fluoro-Desoxyglukose-Positronen-Emissions Tomographie
iRBD Isolated REM Sleep Behavior Disorder / Isolierte REM-Schlaf-Verhaltensstƶrung
MoCAĀ® Montreal Cognitive Assessment / Montrealer kognitiver Bewertungstest
MSA Multisystematrophie
RBD REM Sleep Behavior Disorder / REM-Schlaf-Verhaltensstƶrung
REM Rapid-Eye-Movement schnelle Augenbewegung
SNRI Serotonin Noradrenaline Reuptake Inhibitors / Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer
SSRI Selective Serotonin Reuptake Inhibitors / Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer
UPDRS Unified Parkinson’s Disease Rating Scale
vPSG Video-Polysomnographie

Historie
Manuskript eingereicht: 10.09.2024
Angenommen nach Revision: 17.12.2024

Dr. med. Carolin SchƤfer

Universitätsklinik für Neurologie
Schlaf-Wach-Epilepsie Zentrum
Inselspital
3010 Bern, Schweiz

carolin.schaefer@insel.ch

Die Autorenschaft hat keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

Die isolierte REM-Schlaf-Verhaltensstörung (iRBD) ist nicht nur eine Parasomnie, sondern auch ein frühes Stadium einer Alpha-Synukleinopathie, zu der die Parkinson-Erkrankung, Lewy-Body-Demenz und Multisystematrophie gehören. Lebhafte Träume und deren Ausagieren sind die Leitsymptome der iRBD.
Bei Verdacht auf RBD sollte eine neurologisch-schlafmedizinische Abklärung erfolgen. Die klinische Untersuchung umfasst die Suche nach Frühsymptomen einer Alpha-Sy­nukleinopathie, einschließlich Riechverlust, orthostatischer Hypotonie und Obstipation.
Eine Video-Polysomnographie ist obligatorisch, um eine iRBD von der symptomatischen RBD durch eine Schlafapnoe auszuschliessen und die fehlende Muskelatonie und Bewegungen im Schlaf zu dokumentieren.
Die symptomatische Behandlung der iRBD erfolgt mit Clonazepam und Melatonin, um Verletzungsrisiken zu reduzieren.
Das Ziel der Forschung ist die Identifizierung von Biomarkern des Krankheitsverlaufs und der Konversion der iRBD zur Alpha-Synukleinopathie. Neue Technologien kƶnnen helfen, den Krankheitsverlauf zu dokumentieren und Risikopatienten zu identifizieren.
Eine krankheitsmodulierende Therapie ist noch nicht verfügbar, eine solche kann zukünftig das Fortschreiten der Krankheit bremsen und die Lebensqualität der Patienten verbessern.

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Demenz und assistierter Suizid

Die ethischen Fragen im Zusammenhang mit dem Wunsch nach assistiertem Suizid bei Menschen mit Demenz sind komplex. In erster Linie geht es darum, sich mit ihren Anliegen auseinanderzusetzen und ihre ­Motive und Einstellungen zu Leben und Tod zu verstehen. Eine Bitte um assistierten Suizid kann im Vorgriff auf den kognitiven Verfall geäussert werden, die Durchführung erfordert jedoch Urteilsfähigkeit. Falls gewünscht, können im Rahmen einer Vorausplanung Alternativen für den Fall von Komplikationen und diesbezügliche Präferenzen besprochen werden. Es wird ein interdisziplinärer Ansatz in der geriatrischen Palliative Care empfohlen, um eine Versorgung anzubieten, die den Zielen des Patienten entspricht und seine Entscheidungen am Lebensende
respektiert.

The ethical issues surrounding requests for assisted suicide from people with dementia are complex. First and foremost, we need to address their concerns and explore their motivations and attitudes towards life and death. A request for assisted suicide may be expressed in anticipation of cog- nitive decline, but its realization requires decision-making capacity. If desired, advance care planning can help discuss and determine alternatives in the event of complications and related preferences. An interdisciplinary approach to geriatric palliative care is recommended in order to provide goal-concordant care and to respect the person’s end-of-life decisions.
Key Words: Dementia, assisted suicide, decision-making capacity, advance care planning

Einführung

In diesem Artikel möchten wir einige aktuelle ethische Fragen zum assistierten Suizid bei Menschen mit Demenz ansprechen. Wie so oft bei schweren und unheilbaren Krankheiten sind die Präferenzen von Menschen, die mit der Diagnose Demenz konfrontiert werden, sehr unterschiedlich und hängen von ihren Werten und Einstellungen zu Leben und Tod ab. Manche können sich zunächst nicht vorstellen, mit kognitiven Beeinträchtigungen zu leben, zeigen aber später Anzeichen von Lebensfreude. Andere zeigen Anzeichen von existenzieller Not, Sinnlosigkeit oder Angst vor kognitivem Verfall, was dazu führen kann, dass sie nach der Diagnose einen assistierten Suizid in Anspruch nehmen. Für manche Menschen geht es, wie im Fall von Gunter Sachs, auch darum, die Kontrolle über ihr Leben zu behalten und ein Lebensende zu vermeiden, das sie nach ihrer Werteskala als unwürdig empfinden (siehe Kasten).


Für medizinisches Fachpersonal ist die Ƅusserung eines Todeswunsches oder sogar die Bitte um Beihilfe zum Suizid eine Herausforderung, die KommunikationsfƤhigkeit, aktives Zuhƶren und Respekt vor den Werten anderer erfordert (2). Care-FachkrƤfte haben die ethische Verpflichtung, zu versuchen, ihre Patienten als Menschen zu verstehen und ihre Leiden und deren mƶgliche Ursachen zu berücksichtigen. Eine multiprofessionelle und interdisziplinƤre Beurteilung ermƶglicht ein besseres VerstƤndnis der Herausforderungen, die sich aus jeder Situation ergeben, indem Spezialisten aus den Bereichen Medizin, Krankenpflege, Psychologie, Seelsorge, Geriatrie, Psychogeriatrie und Palliative Care, manchmal aber auch Ethiker und Juristen einbezogen werden.

Wie der Fall von Gunter Sachs zeigt, ist ein Sterbewunsch zu Beginn einer Demenz oft durch die Angst vor einem düsteren Zukunftsbild motiviert: die Befürchtungen, völlig abhängig zu werden, seine Identität und Persönlichkeit zu verlieren, eine Belastung für die Angehörigen zu sein, unter Schmerzen oder anderen unerträglichen Symptomen zu leiden und schliesslich die Befürchtungen, sein Leben nicht mehr kontrollieren zu können und sein Leben aufgrund eines Verlusts der Urteilsfähigkeit nicht mehr beenden zu können (3). Eine systematische Literaturrecherche hat ergeben, dass Demenz an sich kein Risikofaktor für Suizid ist, aber bestimmte Untergruppen ein erhöhtes Risiko aufweisen können, z. B. jüngere Patienten, solche mit Komorbiditäten, Depressionen, semantischer Demenz oder in der Anfangsphase nach Bekanntgabe der Diagnose (4).

Rechtliche und ethische Rahmenbedingungen

In der Schweiz ist die Beihilfe zum Suizid nicht strafbar, sofern die helfende Person keine selbstsüchtigen Beweggründe hat (Art. 155 Schweizerisches Strafgesetzbuch, StGB). Die Tötung auf Verlangen ist jedoch verboten (Art. 114 StGB), im Gegensatz zu einer wachsenden Zahl anderer Länder (Niederlande, Belgien, Luxemburg, Kanada, Australien, Spanien, Portugal). Beim assistierten Suizid behält die sterbewillige Person die letzte Kontrolle über die Handlung: Sie muss die tödliche Substanz trinken oder die Infusion starten. Die Hilfe zum Suizid ist nur erlaubt, wenn der Suizid freiwillig erfolgt und die Person in Bezug auf diese Handlung noch urteilsfähig ist. Um die Freiwilligkeit zu gewährleisten, muss jeder Druck, jede Manipulation, Täuschung oder Nötigung von innen oder aussen ausgeschlossen sein. Die Urteilsfähigkeit lässt sich in vier Teilfähigkeiten untergliedern: das Verstehen von Informationen, die in verständlicher Form gegeben werden, die Einschätzung der eigenen Situation und der Handlungsfolgen, das Abwägen von Gründen und schliesslich die geäusserte persönliche Entscheidung (5). Die Beurteilung dieser Fähigkeit ist jedoch komplex, wenn es um assistierten Suizid geht, und die Literatur zeigt, dass es eine grosse Unsicherheit und Vielfalt bei diesen medizinischen Beurteilungen gibt (6).

Die Richtlinie der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften «Umgang mit Sterben und Tod», die von der FMH als Standesordnung angenommen wurde, stellt zusätzliche Bedingungen (7): Der Arzt muss bescheinigen, dass die Person unerträglich leidet, was durch eine Diagnose oder Prognose objektiviert werden muss. Ausserdem müssen Alternativen zum assistierten Suizid erklärt, erörtert und vorgeschlagen worden sein. Nach dieser Richtlinie darf der Arzt keine Beihilfe zum Suizid leisten, wenn der Suizidwunsch «ein aktuelles Symptom einer psychischen Störung darstellt» (7).

Alternativen und ethische Herausforderungen

Aus ethischer Sicht ist es eine grosse Herausforderung, die Autonomie und Würde von Menschen mit Demenz und die daraus resultierenden Entscheidungen am Lebensende zu respektieren (8). Um eine fundierte Entscheidung treffen zu können, muss die urteilsfähige Person vor allem umfassend und objektiv über die Prognose der Krankheit, ihre gesundheitlichen und lebensbeendenden Folgen, die Optionen des Pflegeprojekts sowie die Risiken und Vorteile dieser Optionen informiert werden.

Die Patienten müssen auch über die verschiedenen legalen Mƶglichkeiten der Leidenslinderung und Sterbebegleitung, insbesondere der Palliativmedizin, informiert werden. Wie alle medizinischen Massnahmen sollten auch lebensverlƤngernde Massnahmen (z.B. Antibiotika) bei Demenz nur dann eingeleitet werden, wenn sie dem autonomen Willen der Person entsprechen. Um diese Autonomie entsprechend der individuellen Werteskala bestmƶglich zu respektieren, ist es von grƶsster Bedeutung, diese GesprƤche bereits in der Frühphase der Erkrankung führen zu kƶnnen (Ā«Relationale AutonomieĀ»). Es wird empfohlen, dass der Patient seine Wünsche, Wertvorstellungen und Therapieziele im Vorfeld mit seinen Angehƶrigen, Ƅrzten und Pflegenden bespricht, idealerweise im Rahmen eines Advance Care Planning (ACP), das von einer qualifizierten Fachperson begleitet wird, die diese GesprƤche moderiert und dokumentiert (9, 10). In diesem Prozess hat der Patient auch die Mƶglichkeit, eine Person seines Vertrauens als vorsorgeberechtigte Person zu benennen und eine Patientenverfügung zu verfassen. Letztere ermƶglicht es dem Patienten zu entscheiden, in welchen Situationen er im Falle seiner UrteilsunfƤhigkeit auf Behandlungsmassnahmen verzichten mƶchte. Man kann sein künftiges, urteilsunfƤhiges Ich nicht zum Suizid verpflichten (wie im Film Ā«Still AliceĀ» gezeigt), und wenn man es kƶnnte, wƤre es ein unfreiwilliger Suizid, der verhindert und nicht unterstützt werden sollte.

ACP ermƶglicht es auch, andere mƶgliche Optionen zu prüfen, z. B. solche, die sich auf die ErnƤhrung und Flüssigkeitszufuhr beziehen. Solange eine Person urteilsfƤhig ist, ist der freiwillige Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit eine legitime Entscheidung am Lebensende, die das Leben verkürzen kann (11). Es ist jedoch ethisch umstritten, ob eine Person im Voraus verlangen kann, im Falle einer fortgeschrittenen Demenz keine GetrƤnke und Nahrung mehr angeboten zu bekommen, insbesondere wenn sie Anzeichen dafür zeigt, dass sie trinken und essen mƶchte – ein Angebot menschlicher Fürsorge, das durch das bioethische Prinzip des Wohltuns gestützt wird (12, 13). Die orale Aufnahme von Flüssigkeit und Nahrung ist keine medizinische Behandlung, sondern eine zwischenmenschliche Hilfeleistung, ebenso wie der Schutz vor KƤlte. Ihr Abbruch kann nicht im Voraus verordnet werden, da dies einem unfreiwilligen (mangels Selbstbestimmung) assistierten Ā«SuizidĀ» gleichkƤme, der weder rechtlich noch ethisch vertretbar ist (13, 14).

Die vermutete Demenz von Gunter Sachs wurde nicht diagnostiziert, und er war für seine depressiven Episoden bekannt. Es wäre angebracht gewesen, ihn von einem medizinisch-pflegerischen Team begleiten zu lassen und ihn durch eine offene Kommunikationskultur in einer Gesellschaft zu unterstützen, die sich verpflichtet, die Entscheidungen am Lebensende aller Menschen zu respektieren, wer auch immer sie sein mögen.

Copyright Aerzteverlag medinfo AG

Übersetzung aus la gazette médicale 02/2025

Dr. med. Rachel Rutz Voumard

UnitĆ© d’éthique clinique,
Institut des HumanitƩs en MƩdecine, CHUV-UNIL

Dr. med. Eve Rubli Truchard

– Chaire de soins palliatifs gĆ©riatriques, Service de soins palliatifs et de support CHUV-UNIL

– Service de gĆ©riatrie et rĆ©adaptation gĆ©riatrique CHUV-UNIL

Prof. Dr. med. Dr. phil. Ralf Jox

– UnitĆ© d’éthique clinique,
Institut des HumanitƩs en MƩdecine, CHUV-UNIL

– Chaire de soins palliatifs gĆ©riatriques,
Service de soins palliatifs et de support CHUV-UNIL,

Die Autorenschaft hat keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

  • Menschen mit Demenz kƶnnen existenzielles Leid, Sinnverlust oder Angst vor dem Risiko eines kognitiven Rückgangs ausdrücken, was insbesondere nach der Mitteilung der Diagnose den Wunsch nach einem frühen Tod begründen kann.
  • Es ist von grƶsster Bedeutung, sich ihre Sorgen anzuhƶren, sie über den Krankheitsverlauf zu informieren, Behandlungsmƶglichkeiten zu besprechen und Therapieentscheide zu planen.
  • Wenn eine Person mit Demenz sich der mƶglichen Alternativen bewusst ist, ist sie eher in der Lage, existenzielle Entscheidungen über ihr Leben und ihren Tod zu treffen.

1. Der Abschiedsbrief von Gunter Sachs. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8.5.2011, https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/wortlaut-der-abschiedsbrief-von-gunter-sachs-1637779.html (accƩdƩ le 19.8.2024)
2. Fachgesellschaft für Palliative Geriatrie (FGPG), Grundsatzpapier ā€žSterbewünsche in der palliativen Geriatrieā€œ. FGPG Berlin 2023, https://www.fgpg.eu/wp-content/uploads/2023/05/GSP-05_Sterbewuensche-Druck.pdf (accĆ©dĆ© le 19.8.2024)
3. van Rickstal R, De Vleminck A, Chambaere K, Van den Block L. People with young-onset dementia and their family caregivers discussing euthanasia: A qualitative analysis of their considerations. Patient Educ Couns 2023; Oct:115:107882. doi: 10.1016/j.pec.2023.107882
4. Schmid J, Jox R, Gauthier S, Belleville S, Racine E, Schüle C, Turecki G, Richard-Devantoy S. Suicide and assisted dying in dementia: what we know and what we need to know. A narrative literature review. Int Psychogeriatr 2017;29(8):1247-59.
5. Appelbaum PS. Assessment of Patients’ Competence to Consent to Medical Treatment. New Engl J Med 2007 ;357 :1834-40.
6. Mangino DR, Nicolini ME, De Vries RG, Kim SYH. Euthanasia and Assisted Suicide of Persons With Dementia in the Netherlands. Am J Geriatr Psychiatry 2020;28(4):466-77.

Update sexuell übertragbare Infektionen

Ein neues nationales Programm sagt HIV, Hepatitis und anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) den Kampf an. Um die Ziele bis 2030 zu erreichen, werden klassische Präventionsmassnahmen wie Information und Beratung der sexuell aktiven Bevölkerung und das Kondom durch biomedizinische Massnahmen, sprich den Einsatz von Medikamenten und Impfungen, ergänzt. Aber auch die sekundäre Prävention, das Erkennen und Behandeln und damit Verhindern von weiteren Infektionen hat einen hohen Stellenwert zum Erreichen der Ziele. Neue Diagnosemethoden wie die Multiplex-PCR sowie Resistenzentwicklungen gegen Antibiotika erfordern ein regelmässiges Auffrischen des Wissens über STIs. In diesem Artikel geben wir eine Übersicht über Neuerungen, die entweder bereits jetzt relevant sind oder in Zukunft werden, und wollen Ihnen damit den Zugang zum Thema STIs in der Praxis vereinfachen.

A new national program is fighting HIV, hepatitis and other sexually transmitted infections (STI). In order to achieve the goals by 2030, traditional prevention measures such as information and advice for the sexually active population and condoms will be supplemented by biomedical measures, i.e. the use of medication and vaccinations. However, secondary prevention, the detection and treatment and thus prevention of further infections, is also very important for achieving the goals. New diagnostic methods such as multiplex PCR and the development of resistance to antibiotics mean that knowledge about STIs needs to be regularly refreshed. In this article, we provide an overview of innovations that are either already relevant or will become relevant in the future and aim to simplify your access to the topic of STIs in practice.
Key Words: sexually transmitted infections (STI), prevention, HIV, hepatitis

Hintergrund

Im November 2023 verabschiedete der Bund das neue nationale Programm (NAPS): «Stopp HIV, Hepatitis B-, Hepatitis C-Virus und sexuell übertragene Infektionen» (1). Bis 2030 soll es keine weiteren Übertragungen von HIV und dem Hepatitis B- und C-Virus mehr geben. Damit schliesst sich die Schweiz dem internationalen Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und den vereinten Nationen (UNAIDS) an (2). Für HIV scheinen wir auf dem richtigen Weg zu sein. Die Zahl der Neudiagnosen sinkt. Bezüglich der drei meldepflichtigen bakteriellen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) Syphilis, Neisseria gonorrhoea (NG) und Chlamydia trachomatis (CT) sieht es jedoch anders aus (3). Hier wäre schon ein Rückgang der Neudiagnosen ein Erfolg, denn die Meldezahlen steigen seit Jahren. Um die Ziele des NAPS zu erreichen, sind daher auch die Grundversorger gefragt. Der Umgang mit diesen Erkrankungen in der Praxis ist anspruchsvoll. Neben guten Kommunikationsfähigkeiten braucht es den Durchblick bei wechselnden Test- und Behandlungsstrategien.

Von den über 30 Krankheitserregern, welche ausschliesslich oder hauptsächlich durch Sexualkontakte übertragen werden, sind nicht alle gleich relevant (4). In diesem Artikel wollen wir Ihnen daher eine Übersicht über Neuerungen sowie ein Auffrischen von wichtigem Wissen zu denen für die Praxis relevanten Erregern geben.

PrƤvention

Sie erinnern sich vielleicht noch an die Ā«Stop AidsĀ»-Kampagne der 80er Jahre. Seitdem hat sich einiges getan in der PrƤvention. BeschrƤnkte sich früher die PrƤvention auf VerhaltensƤnderungen mit dem Ziel der Monogamie, Abstinenz und vor allem der Anwendung von Kondomen, gab es in den letzten 15 Jahren entscheidende Entwicklungen. Heute akzeptieren wir, dass nicht alle Menschen sich immer in jeder Situation an unsere Empfehlungen halten kƶnnen. Daher werden die oben genannten PrƤventionsziele heute individuell mit biomedizinischen PrƤventionsmassnahmen ergƤnzt. Gemeint sind hierbei prƤventiv eingesetzte Medikamente wie die HIV PrƤ- und Postexpositonsprophylaxe, das Ā«Test-and-TreatĀ»-Konzept oder Impfungen für manche STIs sowie individuelle Beratungen und Schutzkonzepte, zum Beispiel abrufbar unter dem Safer-Sex-Check (Abb. 1).

Kondome

Aufgrund ihrer sehr guten Schutzwirkung auf das HI-Virus standen Kondome 40 Jahre im Zentrum der Präventionskampagnen weltweit. Hierbei wurde oft die Tatsache ausgeblendet, dass der Schutz, insbesondere bei bakteriellen STIs, welche in der Regel Schmierinfektionen sind, weit unter dem für HIV liegt. Wie hoch die Wirkung der Kondome auf bakterielle STIs wirklich ist, ist schwer zu sagen; beinahe alle Studien hierzu weisen methodische Schwächen auf (5). Klar ist aber, dass das Kondom, um zu wirken, auch im entscheidenden Moment getragen werden muss. Gerade beim Oralverkehr, welcher zwar kein Risiko für HIV, jedoch aber für bakterielle STIs darstellt, ist das selten der Fall.

Test-and-Treat

In den letzten 15 Jahren wurde daher viel Hoffnung auf das sogenannte «Test-and-Treat»-Konzept gesetzt. Das Konzept beruht auf der Erkenntnis, dass die meisten bakteriellen STIs asymptomatisch verlaufen (6). Die Personen, die Sie mit Symptomen in der Praxis sehen, bilden also nur die Spitze des Eisberges. Würden nun alle Personen, die ein Risiko für eine STI haben, regelmässig getestet, würde man zwar zunächst einen Anstieg an Diagnosen erwarten, durch die Unterbrechung der Infektionsketten sollte es nach einer gewissen Zeit aber zu einer Abnahme der Diagnosen kommen (7). Bei HIV ist diese Strategie durchaus erfolgreich. Auch wenn HIV nicht heilbar ist, so kann doch das Virus unter einer gut behandelten antiretroviralen Therapie nicht mehr weitergegeben werden (8). Bei der Syphilis sehen wir ebenfalls zumindest ein Plateau der Neudiagnosen (3). Bei CT und NG hingegen konnte weltweit noch kein Rückgang beobachtet werden. Der Anstieg in den aktuellen Meldezahlen des Bundesamtes für Gesundheit ist in erster Linie auf die Bemühungen zurückzuführen, dieses Ziel zu erreichen, indem mehr Personen ohne Symptome getestet werden. Aktuell wird daher viel in der Wissenschaft diskutiert, in welcher Form dieses Prinzip bei CT und NG weitergeführt werden soll (9). Für den Einzelnen oder die Einzelne mag der Nutzen jedoch durchaus gegeben sein, um beispielsweise mit einer besseren Sicherheit in eine neue Beziehung zu gehen.
Unbestritten ist bisher der Nutzen der Partner-Notifikation und gegebenenfalls Behandlung, wenn eine STI diagnostiziert wurde. Hier kann auch in Absprache mit dem Patienten eine Blindtherapie indiziert sein. Wichtig ist, dass Sie Ihre Patient/-innen über die Vor- und Nachteile einer eventuell unnƶtigen Antibiotikagabe aufklƤren und – falls sie sich für einen Test entscheiden – auf das diagnostische Fenster achten (bei CT und NG 14 Tage).

Wichtig zu erwähnen ist zudem, dass das «Test-and-treat»-Konzept nur für die Infektionen mit HIV, Syphilis, CT und NG gilt. Bei anderen Erregern, wie beispielsweise Mycoplasma genitalium oder Ureaplasmen, ist das Screening von asymptomatischen Personen nicht empfohlen, da diese selten zu Symptomen und so gut wie nie zu Komplikationen führen, die Behandlung aber sehr belastend sein kann (10). Hier gilt der Grundsatz «Primum non nocere!» Wir raten daher auch von der Verwendung von Multiplex-PCR, welche fünf oder mehrere Erreger gleichzeitig suchen, insbesondere bei asymptomatischen Personen, ab.

Prophylaktische Gabe von Antiinfektiva und Impfungen

Aufgrund des ausbleibenden Effektes des Ā«Test-and-treatĀ»-Konzepts wurde nach neuen PrƤventionsstrategien gesucht. Impfungen gibt es bereits gegen HPV und Hepatitis B. Zu erwƤhnen ist zudem die Impfung mit dem Pocken-Impfstoff JynneosĀ®, welcher auch eine Wirkung auf das Mpox (ehemals Affenpocken) Virus zeigt und daher für MƤnner, die Sex mit MƤnnern haben (MSM) und trans Personen mit wechselnden Sexualpartnern empfohlen ist. Die Impfung wird für diese Gruppen von den Krankenkassen übernommen und erfolgt je nach Kanton an speziellen Impfstellen. Gegen Syphilis, Gonokokken und Chlamydien stehen leider noch keine Impfungen zur Verfügung, auch wenn Studien hierzu laufen. Retrospektive Studien von Personen, die eine Impfung gegen einen den NG verwandten Erreger, den Meningokokken Gruppe B (Bexsero), erhalten haben, zeigen eine 40 % Reduktion von NG (11). Neueste, prospektive Studien konnten diesen Effekt jedoch leider nicht bestƤtigen (12). Aktuell gibt es daher keine offizielle Empfehlung für Risikopersonen, diese Impfung off-label zum Schutz von NG anzubieten.

Neben Impfungen wurde auch das Prinzip der Chemo-prophylaxe untersucht. Bei HIV kennen wir dieses Prinzip schon eine Weile und seit dem 01. Juli 2024 kann die HIV-PrƤexpositonspophylaxe (PrEP) für bestimmte Risikogruppen durch die Krankenkassen vergütet werden. Voraussetzung ist, dass man zu den vom Bund vorgegebenen Gruppen gehƶrt und die verschreibenden Ƅrzte und Ƅrztinnen Teil des SwissPrEPared Programms sind (13). Mehr zur PrEP und zur Teilnahme am Programm finden Sie unter www.swissprepared.ch.

Aber auch bei den bakteriellen STIs bekommt dieses Konzept immer mehr Bedeutung. Studien mit einmalig 200 mg Doxycyclin bis zu 72 Stunden nach einer sexuellen Risikosituation konnten bei MSM beachtliche Effekte von bis zu 70 % Reduktion von Chlamydien- und Syphilis-Infektionen zeigen (12, 14). Bei Gonokokken, die eine rasante Resistenzentwicklung in den letzten Jahrzehnten gezeigt haben, war der Effekt deutlich geringer oder nicht nachweisbar. Einige LƤnder haben daher die sogenannte Doxy-PEP bereits in ihre Empfehlungen für MSM und trans Personen aufgenommen, da hier aufgrund der engen sexuellen Netzwerke die Infektionen am meisten verbreitet sind. Die Eidgenƶssische Kommission für Fragen zu sexuell übertragbaren Infektionen (EKSI) arbeitet aktuell an einer Empfehlung für die Schweiz. Leider gibt es noch wenig Studien, die Daten zu dem Langzeitrisiko, insbesondere auf die Resistenzentwicklung und auf das Mikrobiom, untersucht haben (15).

Diagnostik

Immer wieder sehen wir in der klinischen Praxis verunsicherte Patienten und Patientinnen, bei denen Antikƶrper im Blut gegen CT oder NG bestimmt wurden. Diese Analysen haben ihre klinische Relevanz nur bei disseminierten Infektionen. Zur Ursache bei einer akuten Erkrankung wie einer Urethritis haben sie keinen Stellenwert. Zur Diagnostik einer genitalen Infektion eignet sich ein PCR-Test aus einem Abstrich oder eine Urinprobe. Zervikale und vaginale Abstriche sind gleichwertig. Der Abstrich aus der Harnrƶhre bei einem Penis muss nicht tief eingeführt werden, auch muss das AbstrichstƤbchen nicht hin und hergedreht werden. Ein kurzes Einführen in die Harnrƶhre von < 1cm oder sogar ein Abstrich nur aus dem Meatus ohne Einführen ist ausreichend (16). Beim Abstrich aus dem Penis ist darauf zu achten, dass die Person 2 Stunden vorher nicht uriniert hat, damit die Erreger nicht ausgespült wurden. Bei einer Urinprobe sollte der Erststrahlurin aus dem gleichen Grund verwendet werden (17, 18).

Da diese Erreger aber auch auf anderen Schleimhäuten übertragen werden können, sollten vor allem bei asymptomatischen Personen ein Rachen- und je nach Sexualanamnese zusätzlich ein Rektalabstrich durchgeführt werden. Gerade bei MSM würde man bei einem reinen genitalen Screening bis zu 2/3 aller Infektionen verpassen. (19) Um Geld zu sparen, können die 3 Abstriche gepoolt werden, um nur eine PCR durchzuführen. Hierzu werden alle 3 Abstrichtupfer in ein Röhrchen mit Trägerlösung gegeben (19). Sprechen Sie aber vorher mit Ihrem Labor ab, ob Analysen an gepoolten Abstrichen angeboten werden. Bei MSM mit rektalen Beschwerden, insbesondere Schmerzen oder inguinaler Lymphknotenschwellung und positivem CT-Abstrich, sollte immer auch eine weitere Testung auf Lymphogranuloma venerum (LGV) (CT Serotypen L1-3) erfolgen, da diese eine längere Behandlung benötigen.

Bei der Syphilis erfolgt die Diagnose primär durch serologische Marker. Lediglich bei der frischen Syphilis, mit einem klassischen Ulcus, kann es Sinn machen, auch eine PCR aus einem Ulcus-Abstrich auf Treponema pallidum durchzuführen, da es aufgrund des diagnostischen Fensters zu falsch negativen Resultaten in der Serologie kommen kann. Bei Personen, welche noch nie eine Syphilis hatten, kann der Syphilis-Screening-Test oder Treponema-pallidum-Partikel-Agglutination-Test (TPPA) durchgeführt werden. Da dieser nach einer behandelten Syphilis lebenslang positiv bleibt, muss bei Verdacht eine Re-Infektion und zur Bestätigung eines positiven TPPA der Rapid Plasma Reagin (RPR) oder der Veneral Disease Research Laboratory (VDRL) Test gewählt werden (21). Die Interpretation, ob es sich um eine Sero-Narbe oder eine Re-Infektion handelt, kann schwierig sein. Insbesondere dann, wenn keine Vorwerte vorliegen. Bei der Anamnese sollte zudem immer nach neurologischen Symptomen, speziell nach Seh- und Hörstörungen, gefragt werden. Zudem soll bei Verdacht auch eine neurologische Untersuchung inklusive Lumbalpunktion mit der Frage nach intrathekaler Syphilis-Antikörperproduktion durchgeführt werden, um eine Neuro-Lues nicht zu verpassen. Bei Schwierigkeiten in der Interpretation sollte Rücksprache mit einem Facharzt oder einer Fachärztin für Infektiologie oder Dermatologie/Venerologie gehalten werden.

Behandlungen

In der Behandlung von CT/NG gab es in den letzten Jahren vor allem eine wesentliche Ƅnderung. Auf den Einsatz von Makroliden (Azithromycin) soll aufgrund der raschen Resistenzentwicklung weitgehend verzichtet werden und nur noch bei UnvertrƤglichkeiten auf die Erstlinientherapie ausgewichen werden. Die Erstlinientherapie besteht bei CT aus Doxycyclin 100 mg 2 x tƤglich für 7d (21d bei LGV) (18).

Bei NG wird keine duale Therapie aus Ceftriaxon und Azithromycin mehr empfohlen, sondern nur noch 1 g Ceftriaxon einmalig in Monotherapie (17). Diese kann intramuskulƤr (i.m.) oder intravenƶs (i.v.) erfolgen. Aufgrund der raschen Resistenzentwicklung empfiehlt es sich, immer auch eine kulturelle Testung der NG-Infektion anzustreben. Da diese aber oft nicht gelingt, soll sie die Therapie, vor allem bei symptomatischen Personen, nicht verzƶgern. Sie kann aber im Falle eines fraglichen Therapieversagens oder einer Ceftriaxon-UnvertrƤglichkeit sehr hilfreich sein. Oft sind zudem die Kosten für die Resistenztestung ein Hindernis, gerade bei jungen Patient/-innen mit einer hohen Franchise.

Ein Test-of-Cure ist dann empfohlen, wenn von der Erstlinientherapie abgewichen worden ist oder die Symptome persistieren. Dieser sollte frühestens 14 Tage nach der Behandlung erfolgen, da die PCR in dieser Zeit noch falsch positiv sein kann.

In der Behandlung der Syphilis hat sich wenig geƤndert. Diese erfolgt weiterhin durch 2,4 Mio. IE Benzathin-Penicillin i.m. Da dieses in der Schweiz nicht verfügbar ist, muss es aus dem europƤischen Ausland importiert werden (21). Dies sollte nicht zu einem Ausweichen auf die Zweitlinientherapie mit Doxycyclin führen, da hierunter ƶfters Therapieversagen beobachtet wurde. Falls Sie keinen Zugang zu Benzathin-Penicillin haben, überweisen Sie den Patienten/die Patientin lieber an ein infektiologisches oder dermatologisches Zentrum, welches das Medikament auf Lager hat. Für eine frische Syphilis (<12 Monate nach Infektion) reicht eine einmalige Gabe. Bei unklarem Infektionszeitpunkt oder >12 Monate seit der Infektion sollte diese insgesamt 3 x im Abstand von jeweils 7 Tagen durchgeführt werden. In der Praxis hat sich die Gabe von 50 mg Prednison vor der ersten Gabe zur Prophylaxe einer Jarisch-Herxheimer-Reaktion empfohlen, auch wenn die Evidenz hier nicht wissenschaftlich belegt ist. Ein Test-of-Cure ist bei der Syphilis spƤtestens nach 12 Monaten empfohlen, es empfiehlt sich, die Verlaufskontrolle bereits früher, nach 3 Monaten, zu machen. Auch wenn Therapieversagen selten sind, ist es sonst bei einer mƶglichen Re-Infektion oft sehr schwierig, die Werte zu interpretieren, wenn kein Nadir dokumentiert wurde. Eine Syphilis gilt als erfolgreich therapiert, wenn der RPR oder VDRL-Titer mindestens 4 log Stufen abgefallen oder negativ ist. Bei Menschen mit ImmunschwƤche, inklusive HIV und bei lƤnger zurückliegender Infektion, kann diese Zeit gelegentlich auch lƤnger dauern. Die Therapie einer Neuro-Syphilis erfolgt durch die intravenƶse Gabe von 3–4 Mio. IE Penicillin G i.v. alle 4 Stunden für 14 Tage.

Andere bakterielle STIs

Andere bakterielle STIs spielen nur bei symptomatischen Patient/-innen eine Rolle und sollten nie als Screening abgenommen werden. Bei Patient/-innen mit Urethritis, Vaginitis oder Proktitis empfiehlt sich ein stufenweises Vorgehen. Zunächst sollte ein Abstrich auf CT/NG durchgeführt werden. Werden keine der beiden Erreger gefunden, kann weiter auf Mycoplasma genitalium und bei heterosexuellen cisgender Frauen Trichomonas vaginales getestet werden. Bei nicht spezifischen Symptomen wie Juckreiz darf auch mal abgewartet werden, ob die Symptome von selbst sistieren. Mycoplasma genitalium ist weitgehendst resistent auf die frühere Behandlungsempfehlung mit Azithromycin. Eine kulturelle Anzüchtung zur Resistenzbestimmung ist beinah unmöglich. Wenn also keine genetische Testung auf Makriolidresistenz vorliegt, sollte dieses nicht mehr eingesetzt werden. Auch bei einem auf Makrolide sensiblen Erreger sollte immer vorher 7d mit Doxycyclin behandelt werden, um den bakterial load zu reduzieren und dadurch Therapieversagen und weitere Resistenzentwicklung zu vermeiden (10).

Die Umsetzung des NAPS wird unsere praktische Arbeit in Hinblick auf die sexuelle Gesundheit unserer Patient/-innen in den nƤchsten Jahren verƤndern. Für das Ziel, der Beendigung der HIV-Epidemie bis zum Jahr 2030 und der Reduktion der anderen sexuell übertragbaren Infektionen müssen wir Ƅrzt/-innen, die Bevƶlkerung, aber auch der Bund, die Kantone und die Gemeinden gemeinsam arbeiten. Sie, liebe Leserinnen und Leser, spielen in der Praxis dazu eine wichtige Rolle. Bei jeder STI, die Sie diagnostizieren, sollten Sie vor allem bei MSM unbedingt auch an einen HIV-Test und ein GesprƤch über Schutzmƶglichkeiten wie die PrEP denken. MSM mit einer bakteriellen STI sind die Gruppe, mit dem statistisch hƶchsten Risiko sich in den nƤchsten Monaten mit dem HI-Virus zu infizieren (22). Setzen Sie nicht nur auf das Kondom in Ihrer Beratung, sondern passen Sie Ihre Empfehlungen individuell an Ihre Patienten/-innen an.

Copyright Aerzteverlag medinfo AG

Dr. med. Benjamin Hampel

– Department of Public and Global Health, Epidemiology, Biostatistics and Prevention Institute, University of Zurich, Hirschengraben 84, 8001 Zurich

– Checkpoint Zürich, Limmatstrasse 25, 8005 Zürich

– Eidgenƶssische Kommission für Fragen zu sexuell übertragbaren Infektionen (EKSI)

Dr. med. Barbara Jakopp

– Kantonsspital Aarau, Abteilung für Infektiologie und InfektionsprƤvention, Tellstrasse 25, 5001 Aarau
– Eidgenƶssische Kommission für Fragen zu sexuell übertragbaren Infektionen (EKSI)

Die Autorenschaft hat keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

  • Die Schweiz strebt an, bis 2030 keine neuen Übertragungen von HIV sowie Hepatitis B und C zu verzeichnen und unterstützt die globalen Ziele der WHO und UNAIDS.
  • Neben klassischen PrƤventionsmassnahmen wie Kondomen gewinnen biomedizinische AnsƤtze an Bedeutung. Dazu gehƶren HIV-PrƤ- und Postexpositionsprophylaxe (PrEP/PEP), Impfungen (z. B. gegen HPV und Hepatitis B) sowie angepasste Beratungskonzepte wie der Ā«Safer-Sex-CheckĀ».
  • Das Konzept, durch regelmƤssige Tests asymptomatische Infektionen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, zeigt Erfolge bei HIV und Syphilis. Bei Gonorrhoe und Chlamydien konnte bisher jedoch kein Rückgang beobachtet werden, da viele Infektionen symptomfrei verlaufen und Resistenzen zunehmen.
  • Antikƶrpertests sollten bei der Diagnostik von CT und NG nicht verwendet werden. Stattdessen sollen PCR aus Urin oder Abstrichen aus der Genitalregion (urethral beim Mann, cervikal oder vaginal bei der Frau), sowie, je nach Sexualanamnese, auch aus dem Rachen und Rektum durchgeführt werden.
  • Der Einsatz von Azithromycin wird wegen Resistenzentwicklungen eingeschrƤnkt. Stattdessen wird für Chlamydien Doxycyclin empfohlen, für Gonorrhoe Ceftriaxon in Monotherapie.

1. Bundesamt für Gesundheit. Nationales Programm (NAPS) Stopp HIV, Hepatitis B-, Hepatitis C-Virus und sexuell übertragene Infektionen [Internet]. 2023. Available from: https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/strategie-und-politik/nationale-gesundheitsstrategien/nationales-programm-hiv-hep-sti-naps.html
2. Joint United Nations Programme on HIV/AIDS. The path that ends AIDS: UNAIDS Global AIDS Update 2023 [Internet]. 2023. Available from: https://www.unaids.org/en/resources/presscentre/pressreleaseandstatementarchive/2023/july/unaids-global-aids-update
3. Bundesamt für Gesundheit. Sexuell übertragene Infektionen und Hepatitis B/C in der Schweiz im Jahr 2022: eine epidemiologische Beurteilung. BAG-Bulletin. 2023 Nov 27;48.
4. Wit JBF de, Adam PCG, Daas C den, Jonas K. Sexually transmitted infection prevention behaviours: health impact, prevalence, correlates, and interventions. Psychology & Health [Internet]. 2023 Jun 3 [cited 2024 Sep 28]; Available from: https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/08870446.2022.2090560
5. Koss CA, Dunne EF, Warner L. A systematic review of epidemiologic studies assessing condom use and risk of syphilis. Sex Transm Dis. 2009 Jul;36(7):401–5.
6. Braun DL, Marzel A, Steffens D, Schreiber PW, Grube C, Scherrer AU, et al. High Rates of Subsequent Asymptomatic Sexually Transmitted Infections and Risky Sexual Behavior in Patients Initially Presenting With Primary Human Immunodeficiency Virus-1 Infection. Clinical infectious diseases : an official publication of the Infectious Diseases Society of America. 2017/10/14 ed. 2018 Feb 10;66(5):735–42.
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10. Schweizerische Gesellschaft für Infektiologie. Mycoplasma genitalium Infektion [Internet]. 2024 [cited 2024 Nov 3]. Available from: https://ssi.guidelines.ch/guideline/3447/de
11. Abara WE, Bernstein KT, Lewis FMT, Schillinger JA, Feemster K, Pathela P, et al. Effectiveness of a serogroup B outer membrane vesicle meningococcal vaccine against gonorrhoea: a retrospective observational study. Lancet Infect Dis. 2022/04/16 ed. 2022 Jul;22(7):1021–9.
12. Molina JM, Bercot B, Assoumou L, Rubenstein E, Algarte-Genin M, Pialoux G, et al. Doxycycline prophylaxis and meningococcal group B vaccine to prevent bacterial sexually transmitted infections in France (ANRS 174 DOXYVAC): a multicentre, open-label, randomised trial with a 2 Ɨ 2 factorial design. The Lancet Infectious Diseases [Internet]. 2024 Oct 1 [cited 2024 Nov 3];24(10):1093–104. Available from: https://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(24)00236-6/abstract
13. Bundesamt für Gesundheit. Referenzdokument «HIV-Präexpositionsprophylaxe (HIV-PrEP). 2023.
14. Molina JM, Charreau I, Chidiac C, Pialoux G, Cua E, Delaugerre C, et al. Post-exposure prophylaxis with doxycycline to prevent sexually transmitted infections in men who have sex with men: an open-label randomised substudy of the ANRS IPERGAY trial. Lancet Infect Dis. 2017/12/13 ed. 2018 Mar;18(3):308–17.
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16. Dize L, Barnes P Jr, Barnes M, Hsieh YH, Marsiglia V, Duncan D, et al. Performance of self-collected penile-meatal swabs compared to clinician-collected urethral swabs for the detection of Chlamydia trachomatis, Neisseria gonorrhoeae, Trichomonas vaginalis, and Mycoplasma genitalium by nucleic acid amplification assays. Diagn Microbiol Infect Dis. 2016/08/09 ed. 2016 Oct;86(2):131–5.
17. Schweizerische Gesellschaft für Infektiologie. Gonorrhoe/Tripper [Internet]. 2024 [cited 1024 Nov 3]. Available from: https://ssi.guidelines.ch/guideline/2272/de
18. Schweizerische Gesellschaft für Infektiologie. Chlamydia/LGV [Internet]. 2024 [cited 2024 Nov 3]. Available from: https://ssi.guidelines.ch/guideline/2273/de
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