Das kardiovaskulƤre-renale-metabolische Syndrom (CKM)

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache. Unter den kardiovaskulären (cv) Risikofaktoren nimmt Diabetes mellitus Typ II (T2DM) aufgrund der steigenden Prävalenz eine besondere Stellung ein. Koronare Herzkrankheit (KHK), Herzinsuffizienz (HI) und chronische Niereninsuffizienz (CKD) sind deutlich erhöht. Der Begriff CKM bezeichnet ein komplexes Gesundheitsproblem, das auf den Wechselwirkungen zwischen Herzerkrankungen, Nierenerkrankungen, Diabetes und Adipositas beruht. Das Syndrom erhöht das Risiko für die Entwicklung und das Fortschreiten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und betrifft sowohl Risikopersonen als auch Personen mit bestehenden cv-Erkrankungen. Das Stadium zum Zeitpunkt der Diagnose kann Aufschluss über den Schweregrad der Erkrankung geben.

Cardiovascular disease (CVD) is the leading cause of death worldwide. Among the cardiovascular (CV) risk factors, diabetes mellitus type II (T2DM) occupies a special position due to its increasing prevalence. Coronary heart disease (CHD), heart failure (HF) and chronic kidney disease (CKD) are significantly increased. The term CKM describes a complex health problem resulting from the interaction between heart disease, kidney disease, diabetes and obesity. The syndrome increases the risk of developing and progressing cardiovascular disease and affects both those at risk and those with existing cardiovascular disease. The stage of the disease at the time of diagnosis may indicate the severity of the disease.
Key words: heart disease, kidney disease, diabetes and obesity, CKM-syndrome

Fallbeschreibung

Wir mƶchten einen 63-jƤhrigen Hochrisiko-Patienten mit einer neuen moderaten Anstrengungsdyspnoe vorstellen. Er hat seit ca. 8 Jahren einen T2DM und eine CKD: G3aA3; Erstdiagnose vor 2 Jahren. Seit kurzem eine HI mit einer LV-EF von 53 % (HFpEF). Negative FA bez. koronarer Herzkrankheit, kein Nikotin. Die Details zum Fall vermittelt Abb. 1. Der Fall aus der Praxis soll auch die aktuellen Leitlinien zu den vorhandenen Krankheiten beleuchten. Der Patient hat mit drei kardiovaskulƤren Risikofaktoren und der Anstrengungsdyspnoe, nach den neuen ESC-Guidelines 2024 des CCS, ein moderates Risiko von 17 % für eine obstruktive KHK (1). In einer Koronar-CT-Untersuchung fand sich eine koronare diffuse 3-GefƤsserkrankung mit zwei 50–60 % Stenosen am mittleren RIVA und an der proximalen CX. In einer Stressechokardiographie wurde eine koronare IschƤmie ausgeschlossen. Die augenƤrztliche Kontrolle ergab eine leichte diabetische Retinopathie. Somit besteht wahrscheinlich eine diabetische Nephropathie. Der ABI betrug bei guten Fusspulsen bds 1.0 Die Transaminasen waren normal. Im erweiterten Echo nicht dilatierte, sklerosierte Aorta abdominalis, keine Lebersteatose, Nieren bds morphologisch normal.

Kommentar

Das BD-Ziel von 120–129 mmHg systolisch haben wir mit obiger dualer Fixkombinatio (ACE-H./ Kalziumantagonist) erreicht. Dies ergibt eine bessere Progressionshemmung bei proteinurischen Nieren und eine geringere MortalitƤt (2). Die Triglyceride sind trotz des T2DM bei unserem Patienten normal, das Non-HDL ist <2,2mmol/l, das LDL misst unter obiger Kombinationstherapie 1,4mmol/l.

Bei Hypertonikern, kardiovaskulƤren- und diabetischen Patienten ist der regelmƤssige Ausschluss einer CKD mit einer eGFR (EPI) von <60ml/min/1.73m2 und/oder einer Mikro-/Albuminurie mit Hilfe der Urin-Albumin-Kreatinin-Ratio (UACR) im Spontanurin (A2-A3 >30mg/g Kreatinin) über >3 Monate entscheidend. In der Praxis wird ein Screening bei Risikopatienten viel zu selten durchgeführt. Eine CKD erhƶht das cv Risiko resp. die cv Events und die MortalitƤt. Die UACR ist ein unabhƤngiger PrƤdiktor der cv MortalitƤt über das gesamte Spektrum der Nierenfunktion, dies unabhƤngig von anderen cv Risikofaktoren. Eine UACR ≄10mg/g ist mit einer erhƶhten cv MortalitƤt assoziiert (30mg/g= HR 1,77), bei der eGFR ist dies <60ml/min/1.73m2 der Fall (2).

Das Risiko für eine HI bei einem T2DM, auch nach Kontrolle aller RF, betrƤgt nach verschiedenen Studien 25–45 %; davon haben ¾ eine HFpEF. Vier von 10 Patienten mit einem T2DM und vier von 10 mit einer HI haben eine CKD. 20 % aller Hypertoniker, 50 % aller T2DM-Patienten und 40 % aller Patienten mit einer kardiovaskulƤren Vorerkrankung haben eine Albuminurie. 80 % aller Diabetiker erleiden im Laufe ihres Lebens ein kardiovaskulƤres Ereignis oder eine CKD (2,3). Da bei unserem Patienten eine EndorganschƤdigung vorliegt, ist er ein Hochrisiko-Patient. Er hat auf Grund der eingeschrƤnkten eGFR und der Albuminurie eine 5x erhƶhte 10-Jahres-MortalitƤt und nach den KDIGO 2024 Risikokalkulationen ein Risiko von 16,5 % in 5 Jahren ein terminales Nierenversagen zu erleiden – ckdpcrisk.org/kidneyfailurerisk (4, 5).

Wir haben neben den Lebensstilinterventionen mit einem regelmässigen körperlichen Training, einer gesunden Ernährung, einem Gewichtsmanagement und der Reduktion der kardiovaskulären Risikofaktoren drei neue wirksame medikamentöse Therapieoptionen, welche das kardiovaskuläre und renale Risiko deutlich senken. Zusätzlich kommt es zu einer Progressionshemmung der CKD. So wurde u.a. auch aufgrund der «ESC-Guidelines 2023: Diabetes und Herz», am ERA-Kongress 2024 anlässlich der Präsentation der FLOW-Studie, eine 6-Säulen-Therapie vorgestellt (5,6):

Die bisherigen 3 Säulen bestehen aus einem ACE-Hemmer/ARB, einem Statin/±Ezetimib und Metformin. RAAS-H. sind seit Jahren der Hauptpfeiler der Therapie, um das kardiovaskuläre und renale Outcome zu verbessern (2).

ACE-H./ARB: bei Diabetes; Hypertonie (>130/80mmHg); CKD mit Albuminurie >30mg/g (A2); BD-Selbstkontrolle, 24h-BD; cave: maskierte Hypertonie; wenn mƶglich max. zugelassene Dosis. Bei Hypertonie Fixkombinationen mit CCB/Diuretika, BD <130/80 mmHg bei Proteinurie; i.R. MRA.

Ein klarer cv Benefit ist bei den Statinen nachgewiesen. Metformin hat nach einer Metaanalyse von 40 Studien bei einem T2DM und einer koronaren Herzkrankheit günstige Auswirkungen mit einer MortalitƤtssenkung von 33 % und eine Verminderung der cv Ereignisse um 17 % (7). Es gibt aber keine grossen Endpunktstudien.

Die neuen 3 SƤulen sind: ein SGLT2-H., ein nicht steroidaler Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonist (ns-MRA) und ein GLP-1 RA (5,6). Das Ziel ist eine kardio-renale Protektion: Verringerung der kardiovaskulƤren EndorganschƤden, der MortalitƤt und eine Verlangsamung der CKD-Progression.

Daher wurde die bisherige Therapie in unserem Fall auf Grund des T2DM, der HI und der eGFR von 46ml/min/1.73m2 und der Albuminurie neu angepasst: Anstelle eines DPP-4 Hemmers wurde dieser durch einen SGLT2-H. ersetzt.

Ein SGLT2-Hemmer wird als Antidiabetikum in den verschiedenen internationalen Guidelines, auf Grund seiner kardio- und renoprotektiven Wirkungen, bei obigen Erkrankungen primƤr eingesetzt (5,6,8). SGLT2-H. bei T2DM ± Atherosklerose; HI; CKD eGFR ≄20ml/min/1.73m2; Fortsetzung SGLT2-H. bis zur Dialyse; evtl. mit Metformin sofern eGFR ≄30ml/min/1.73m2 (Dosisanpassung).

Beispielsweise konnte in der DAPA-CKD Studie der renale Endpunkt innert 2,4 Jahren um 39 % gesenkt werden bei einer NNT von 19 (9). In der EMPA-Kidney Studie bei diabetischer (31 %) und nicht diabetischer CKD wurde der renale Endpunkt (Abfall eGFR, end stage renal disease, renaler od. cv Tod) um 28 % über 2 Jahre gesenkt, bei einer NNT von 28 (10). Je nach Ausgangs-eGFR kann eine Nierenersatztherapie mit einem SGLT2-H. um viele Jahre verzƶgert werden. So z.B. bei einer eGFR von 85ml/min/1.73m2 um 26.6 Jahre, bei einer eGFR von 20ml/min/1.73m2 um 5.4 Jahre (11). Nach den KDIGO Leitlinien 2024 wird bei einer CKD ein SGLT2-H. eingesetzt bei einer ACR ≄200mg/g und oder einer eGFR <45ml/min./1.73m2 (5). Auch bei nicht albuminurischen Patienten haben diese nach einer gepoolten Analyse von DECLARE-TIMI 58 und DAPA-CKD eine positive Wirkung (HR 0,54); je hƶher die Proteinurie, desto grƶsser ist der Benefit. Es kommt zu einer Halbierung des GFR-Verlustes (12). Patienten mit einem initialen GFR-Dip haben den grƶssten Benefit. In den ESC-Guidelines 2023 (6) wird der SGLT2-H. bereits bei einer eGFR <60ml/min/1.73m2 eingesetzt. Eine CKD ohne Albuminurie findet man vor allem bei einer HI. Bei einer HI wird ein SGLT2-H. unabhƤngig von der LVEF und dem HbA1c als Klasse IA-Indikation gewertet (6,13).

Finerenon, ein nicht steroidaler Mineralokortikoid-Receptor Agonist, hat heute einen sicheren Stellenwert bei einem T2DM mit CKD und einer persistierenden Albuminurie ≄300mg/g bei eGFR: >60 (A3) oder >30mg/g bei eGFR: 25–60 ml/min/1.73m2 (A2) trotz RAAS-H., eGFR: ≄25ml/min/1.73m2. Das Serumkalium darf bei Therapiebeginn nicht ≄4,8 mmol/l betragen; engmaschige Kontrollen sind wichtig. Stopp bei ≄5,5mmol/l. Die zusƤtzliche Gabe eines SGLT2-H. wirkt hier günstig.

Finerenon verhindert eine profibrotische und proinflammatorische Genexpression und zusƤtzlich Verminderung des oxidativen Stresses und Reduktion einer Vasokonstriktion. Klinisch kommt es zu einer Abnahme einer CKD-Progression, einer Abnahme einer Proteinurie, einer BD-Senkung und einem verbesserten cv Outcome.

Die Studien FIDELIO-DKD und FIGARO-DKD zeigen eine Risikoreduktion bezüglich CKD-Progression bei weniger kardiovaskulƤren Events (14, 15). In der FIDELITY-Studie, welche diese beiden zusammenfasst, wurde über 4 Jahre der renale Endpunkt um 23 %, das Risiko der cv MorbiditƤt (HI-Hospitalisationen) und cv MortalitƤt um 14 % gesenkt (16). Es kommt zu einer Reduktion der Niereninsuffizienz, dies vor allem durch einen signifikanten Abfall der Albuminurie. Bei beiden war die Wirksamkeit über ein breites eGFR-Spektrum nachweisbar. Dabei war die Sicherheit gewƤhrleistet, auch bei Personen mit einer tiefen eGFR. Finerenon ist zugelassen bei einer eGFR: >25ml/min/1.73.m2. Eine Hyperkaliamie wurde in der FIDELITY Studie in 1.7 % nachgewiesen.

Die aktuelle FINEARTS-HF Studie bei einer HI (HFmrEF, HFpEF) mit einer LVEF ≄40 % zeigte mit und ohne T2DM bei 6016 symptomatischen, hovhrisiko und gut behandelten Ƥlteren Patienten, teils mit CKM, mit Finerenon bis 40mg/p.d. positive kardiale Resultate mit einer Reduktion des primƤr zusammengesetzten Ergebnisses, cv Tod und Gesamtverschlechterung der HI, um 16 % bei diesen kardio-renalen-metabolischen Patienten. Dies unabhƤngig vom HbA1c (17). Dies ist als klinisch hochrelevant einzuschƤtzen, da es bisher neben der Gabe von SGLT2-Inhibitoren keine prognoseverbessernde Medikation für Betroffene mit einer HFpEF und einer evtl. CKD gibt. Interessant ist, dass auch bei mit SGLT2-Inhibitoren vorbehandelten Studienteilnehmenden eine Ƥhnliche Risikoreduktion zu beobachten war wie bei den nicht vorbehandelten Patienten.

Das ereignisfreie Überleben konnte um 3.1 Jahre verlƤngert werden – je jünger ein Patient, desto besser (18). Nach einer HI-Verschlechterung sollte die Substanz mƶglichst rasch verordnet werden. Auch war der Gesundheitszustand deutlich besser. Gleichzeitig zeigte eine Subanalyse eine signifikante Reduktion eines neuen T2DM von 25 %, in Kombination (bei 14 %) mit einem SGLT2-H. um 27 % (19). Im Gegensatz zu den bisherigen MRAs hat die Substanz eine hƶhere Wirkkonzentration an Niere und Herz.

In der FINE-HEART Analyse wurden die 3 genannten Finerenon Studien gepoolt mit 18 991 Patienten (mittleres Alter 67 ±10 Jahre, 35 % Frauen). Es zeigte sich eine deutliche Senkung der Nierenendpunkte (HR 0.80) und der Ā­HI-Hospitalisation (HR 0.83). Der cv Tod wurde nicht signifikant gesenkt (20). Aktuell lƤuft bezüglich UACR-Verbesserung auch eine Studie bei Typ1-Diabetes (FINE-One).

GLP1-RA reduzieren die arteriosklerotischen Endpunkte und das Gewicht. Indikation: bei T2DM ± Atherosklerose, CKD bei zu hohen Bz-Werten, trotz SGLT2-H./Metformin (eGFR ≄ 30 ml/min/1.73m2);

GLP-1 RA eGFR >15ml/min/1.73m2, evtl. weitere Bz senkende Medikamente. Gewichtsreduktion bis 15 %, zusƤtzliche Senkung des cv Risikos und Senkung einer Albuminurie durch GLP-1 RA. Je hƶher das atherosklerotische Risiko und je adipƶser ein Pa-tient, desto eher Gabe eines GLP1-RA (6).

Die im Sommer 2024 publizierte Flow Studie zeigte, dass Sema-glutid 1.0mg sc./Woche bei einer diabetischen CKD bei 3160 Pa-tienten mit einem RAAS-Hemmer den renalen Endpunkt hochsignifikant um 24 % gesenkt hat mit einer NNT von 20 in 3 Jahren (21). In einer am ERA-Kongress am 24.5.2024 vorgestellten Metaanalyse von 8 Studien inkl. FLOW mit GLP1-RA bei T2DM und CKD wurde bez. Nierenendpunkt eine Risikoreduktion von 18 % nachgewiesen.

Bei Herzkreislauferkrankungen mit Übergewicht resp. Adipositas ohne einen T2DM konnte mit Semaglutid 2,4mg sc./Woche die kardiovaskulƤre MortalitƤt, die nichttƶdliche Myokardinfarkt- und die Schlaganfallrate gesenkt werden – (HR 0.80) (22). Der mittlere Gewichtsverlust betrug über 33 Monate 9.4 %. Bei einer HFpEF mit Adipositas ohne und mit T2DM zeigen sich unter Semaglutid 2.4 mg sc./Woche ebenfalls positive Resultate mit Verringerung der HI-Symptome und der kƶrperlichen EinschrƤnkung und Verbesserung der Bewegungsfunktion bei deutlichem Gewichtsverlust von im Mittel 13.3 % ohne T2DM resp. 9.8 % mit T2DM. Durch die Reduktion des Fettanteils kommt es u.a. zu einer Verbesserung der Entzündung (CRP-Abfall 42 resp. 43.5 %), des prothrombotischen und metabolischen Milieus. Auch die HƤmodynamik wird günstig beeinflusst. GI-NW traten in 9.5 % auf (23,24).

Es gibt auch einen additiven Effekt bei der Kombination SGLT2- H. und GLP1-RA. In einer Kohortenstudie war die Kombination aus GLP1-Rezeptor-Agonist/SGLT-2-Inhibitor im Vergleich zu beiden Arzneimittelklassen allein mit einem geringeren Risiko für schwerwiegende Ā­kardiovaskulƤre Ereignisse und schwerwiegende renale Ereignisse verbunden (25). Bei Patienten mit T2DM und zumindest mƤssig erhƶhter Albuminurie hat eine Kombinationsbehandlung von SGLT2i, GLP-1 RA und ns-MRA das Potenzial relevante Verbesserungen beim kardio-vaskulƤren und renalen ereignisfreien Überleben und beim Gesamtüberleben zu erzielen: Mace Reduktion für schwere cv Ereignisse (HR 0.65), HI-Hospitalisationen (HR 0.45), Verlangsamung Fortschreiten CKD (HR 0.42) (26). Die besprochenen neuen Medikamente wirken positiv auf den Metabolismus, den Entzündungszustand, den oxidativen Stress, die Insulinresistenz und die vaskulƤre Dysfunktion (27, 28). In Zukunft werden noch mehrere weitere Substanzen (u.a. Tirzepatid ein dualer Agonist an GIP- und GLP-1-Rezeptoren) oder Alternativen dazu kommen. Die soeben publizierte SUMMIT-Studie ergab, dass Tirzepatid das Risiko des primƤren Endpunkts – einer Kombination aus Tod durch kardiovaskulƤre Ursachen oder einer sich verschlimmernden HI – im Vergleich zu Placebo um 38 % reduzierte. Der Effekt wurde durch eine Verringerung der Verschlechterung der HI (HR 0,54) angetrieben, die als solche definiert wurde, die einen Krankenhausaufenthalt oder eine dringende intravenƶse medikamentƶse Therapie erfordern. Tirzepatid hatte auch signifikante Auswirkungen auf den Gesundheitszustand, die Belastungstoleranz und auf systemische Entzündungen. Diese hoch aktuelle Studie zeigt den kardiovaskulƤren Nutzen von Tirzepatid bei Patienten mit HFpEF und Adipositas (29).

Durch diese drei neuen Substanzen (ein SGLT2-H., ein ns-MRA und ein GLP-1 RA) kann beim kardio-renalen-metabolischen Syndrom eine hocheffektive, evidenzbasierte, multidisziplinƤre, personenzentrierte Therapie nach den neuen Guidelines durchgeführt werden; waren doch bisher 1/3 aller TodesfƤlle in den USA auf ein CKM-Syndrom zurückzuführen. Bei unserem Pa-tienten sind, trotz des hohen cv Risikos mit einem CKM-Syndrom Stadium 4, aktuell die Kriterien für einen GLP1-RA nicht gegeben – gut eingestellter T2DM und BMI < 27 kg/m2.

Copyright Aerzteverlag medinfo AG

Zweitabdruck aus info@herz+gefƤss 05/2024

Dr. med. Urs N. Dürst

Zelglistrasse 17
8127 Forch

u.n.duerst@ggaweb.ch

Der Autor hat keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

  • Das CKM-Syndrom wird als eine systemische Stƶrung definiert, die durch patho-physiologische Wechselwirkungen zwischen metabolischen Risikofaktoren, chronischer Nierenerkrankung und dem Herz-Kreislauf-System gekennzeichnet ist.
  • Die Kombination von SGLT2-H., GLP-1 RA und ns-MRA bietet signifikante Vorteile in Bezug auf kardiovaskulƤre und Nierenereignis-freie Überlebenszeit sowie Gesamtüberlebenszeit bei Patienten mit T2DM und Albuminurie.
  • Die Implementierung der Ā«sechs SƤulenĀ» der Therapie für T2DM und CKD – RAAS-Blockade, Metformin, Statin und neu SGLT2-H., GLP-1 RA und ns-MRA – wird individuell empfohlen, um signifikante Vorteile für Patienten mit hohem kardiovaskulƤrem und renalem Ā­Risiko zu bieten.

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Anti-Amyloid-Therapien in der Alzheimerbehandlung: Licht und Schatten

Die Alzheimer-Krankheit ist eine schwere und hƤufige Erkrankung, bei der die derzeitigen Behandlungsmethoden nur symptomatisch wirken und den Krankheitsverlauf nicht beeinflussen. Im Juli 2023 und Juli 2024 wurden Behandlungen mit monoklonalen Antikƶrpern, die auf eines der an der Pathophysiologie der Krankheit beteiligten Proteine, das ss-Amyloid, wirken, von der FDA in den USA zugelassen und werden derzeit in der Schweiz geprüft. Diese Behandlungen, die einen statistisch signifikanten klinischen Nutzen gezeigt haben, sind mit Nebenwirkungen verbunden, die durch Ɩdeme oder Hirnblutungen gekennzeichnet sind und als ARIA für Amyloid Related Imaging Abnormalities bezeichnet werden. Eine strenge Auswahl der Patienten und eine sorgfƤltige Überwachung sind daher unerlƤsslich, um ein günstiges Nutzen-Risiko-VerhƤltnis zu erzielen.

Alzheimer’s disease is a serious and common illness, and current treatments have only a symptomatic effect and have no influence on its progres- sion. In July 2023 and July 2024, monoclonal antibody treatments acting on one of the proteins involved in the pathophysiology of the disease, B-amyloid, were approved by the FDA in the United States and are currently being evaluated in Switzerland. These treatments, which have shown a statistically significant clinical benefit, are associated with side effects characterised by cerebral oedema or haemorrhage, known as ARIA for Amyloid Related Imaging Abnormalities. Careful patient selection and monitoring will therefore be essential if the benefit-risk ratio is to be favourable.
Key words: Alzheimer, Anti-Amyloid, ARIA

Einführung

Die Alzheimer-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung des Gehirns und die häufigste Ursache für neuro-kognitive Störungen, die meist nach dem 65. Lebensjahr auftreten. Weltweit sind derzeit 50 Millionen Menschen von der Krankheit betroffen, davon etwa 25 000 in der französischsprachigen Schweiz. Aufgrund der Alterung der Bevölkerung wird diese Zahl voraussichtlich weiter steigen, wobei bis 2050 mit 152 Millionen Patienten weltweit gerechnet wird. Die Alzheimer-Krankheit hat nicht nur Auswirkungen auf die Patienten selbst, sondern auch auf deren Familien, die Gesundheitssysteme, die psychosozialen Systeme und den Arbeitsmarkt, wobei die weltweiten Kosten auf 1 Billion US-Dollar pro Jahr geschätzt werden (1).

Zu den häufigen klinischen Erscheinungsformen der Krankheit gehören Amnesie, Sprache (primär progressive logopenische Aphasie) oder visuelle Formen (posteriore kortikale Atrophie). Diese behindernden Symptome führen zu einem fortschreitenden Verlust der Selbstständigkeit aufgrund progressiv globaler kognitiver Störungen und zu einer verkürzten Lebenserwartung. Nach der Erstbeschreibung im Jahr 1906 durch Alois Alzheimer wurde nachgewiesen, dass diese Erkrankung insbesondere durch die fortschreitende extrazelluläre Akkumulation von Beta-Amyloid-Proteinen in abnormaler Konformation und die intrazelluläre Akkumulation von Neurofibrillen aus phosphoryliertem Tau-Protein gekennzeichnet ist, was zu zellulärer Dysfunktion und neuronalem Tod führt. Die Symptome treten jedoch erst Jahre nach Beginn dieser Proteinveränderungen auf, die Synergien und Wechselwirkungen mit mikroglialer und vaskulärer Aktivität aufweisen.

Derzeit zielen die Behandlungen für die Alzheimer-Krankheit hauptsächlich darauf ab, die Symptome zu lindern. Die beiden wichtigsten Medikamentenklassen sind Anticholinesterasehemmer wie Donepezil, Galantamin und Rivastigmin, die den Acetylcholinspiegel im Gehirn erhöhen, und Memantin, das die Aktivität von Glutamat, den Neurotransmittern, die am Lernen und Gedächtnis beteiligt sind, reguliert. Diese Behandlungen bieten jedoch oft nur einen geringen Nutzen und verändern die Pathophysiologie der Krankheit nicht.
Aufgrund der HƤufigkeit und Schwere dieser Krankheit versucht die Wissenschaft seit Jahrzehnten, Behandlungen zu entwickeln, die diese Krankheit behandeln oder ihren Verlauf deutlich verlangsamen kƶnnen.

Anti-Amyloid-Behandlungen

Nach der Entdeckung der senilen Plaques und dem Vorschlag der Hypothese der Amyloidkaskade durch Hardy et al. im Jahr 1992 (2) wurden zahlreiche klinische Studien durchgeführt, um «disease-modifying»-Therapien zu entwickeln, die auf die an den Krankheitsmechanismen beteiligten Proteine abzielen. Seit den ersten vielversprechenden Ergebnissen bei Mäusen von Schenk et al. im Jahr 1999 wurden mehrere Versuche beim Menschen durchgeführt, die jedoch aufgrund von Komplikationen, ungeeigneten Zielstrukturen oder dem Fehlen pathophysiologischer Biomarker nicht erfolgreich waren. In der Folgezeit führten eine bessere Auswahl der therapeutischen Ziele, verbesserte diagnostische Methoden (insbesondere der Zugang zu Amyloid-PET und die Bestimmung von Proteinen im Liquor) und höhere Dosierungen zu einer schrittweisen Verbesserung der Ergebnisse, bis 2021 die erste Anti-Amyloid-Therapie, Aducanumab, zugelassen wurde (und 2024 wieder zurückgenommen wurde). Seitdem wurde 2023 ein zweites Medikament, Lecanemab, und im Juni 2024 eine weitere Behandlung, Donanemab, zugelassen. Die beiden letztgenannten Medikamente werden derzeit von den Regulierungsbehörden in der Schweiz geprüft. Eine Nutzen-Risiko-Abwägung ist für die Beratung von Patienten und die Überwachung von Nebenwirkungen von entscheidender Bedeutung. In diesem Artikel geben wir einen Überblick über die Behandlungen, die sich im Zulassungsverfahren befinden, und diskutieren die erwarteten Vorteile und die damit verbundenen Risiken.
Bei diesen Molekülen handelt es sich um menschliche monoklonale Antikörper, die zielen selektiv auf Beta-Amyloid ab und induzieren eine mikrogliale Aktivierung, die zur Phagozytose und zum Abbau des toxischen Proteins führt. Obwohl diese Moleküle auf das gleiche Protein abzielen, verleihen ihre unterschiedlichen Wirkmechanismen Aducanumab eine höhere Affinität zu Oligomeren, Lecanmab mit Protofibrillen und Donanemab mit Amyloid-Plaque.

Nach einer Phase-2-Studie mit vielversprechenden Wirksamkeitsergebnissen wurde Aducanumab in zwei randomisierten klinischen Studien der Phase 3 (ENGAGE und EMERGE) mit über 3200 Patienten in 20 LƤndern untersucht. Die Studien zeigten eine deutliche dosisabhƤngige Senkung der Amyloid- und Tau-Belastung sowie eine Verlangsamung des Rückgangs des CDR-Scores um 18 % über 18 Monate in der EMERGE-Studie und um 15 % über 18 Monate in der ENGAGE-Studie, wobei nur in der ersten Studie signifikante Ergebnisse erzielt wurden (3).

Ƅhnliche Ergebnisse wurden in den Phase-3-Studien CLARITY-AD und TRAILBLAZER-ALZ 2 mit Lecanemab bzw. Donanemab erzielt. Die erste Studie ergab eine Verlangsamung des kognitiven Verfalls um 27 % auf der CDR-SB-Skala nach 18 Monaten zwischen der Experimental- und der Placebogruppe, die zweite um 36 % auf der CDR-Skala und um 41 % beim Verlust der SelbststƤndigkeit bei den AktivitƤten des tƤglichen Lebens.

Neben der Ƥhnlichen Wirkungsweise unterscheiden sich diese Behandlungen auch in der Art der Verabreichung. Lecanemab wird zweimal im Monat intravenƶs verabreicht. Donanemab wurde einmal im Monat intravenƶs verabreicht.

Diese Studien betrafen Patienten in frühen Stadien der Krankheit (MMSE > 22/30), mit einem gemeinsamen Phänotyp (Amnesie) und mit einer Pathophysiologie der pro- uvativen Alzheimer-Krankheit (Amyloid-positiv).

Diese positiven Ergebnisse für die primären Outcomes rechtfertigten die Zulassung durch die US-Behörden. Die klinische statistische Signifikanz und der pathophysiologische Proof of Concept sind unbestreitbar. Das klinische Ausmass des beobachteten Effekts und der langfristige Nutzen bleiben jedoch angesichts des Studiendesigns und der auf 18 Monate begrenzten Dauer bei einer wenig symptomatischen Population fraglich. Die ersten gemeldeten Ergebnisse der Erweiterungsphase und die günstigen Daten zu den Biomarkern der Krankheit (Tau-Protein) deuten auf einen langfristigen krankheitsmodifizierenden Effekt hin.

Dieser biologische Effekt wurde bei mehr als 30 % der behandelten Patienten mit klinischen und radiologischen Nebenwirkungen in Verbindung gebracht, die grƶsstenteils asymptomatisch waren.

Unerwünschte Wirkungen – ARIAs

Die wichtigsten Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Anti-Amyloid-Behandlungen sind die sogenannten Ā«Amyloid Related Imaging AbnormalitiesĀ», kurz ARIAs genannt. Diese AbnormitƤten, die durch bildgebende Verfahren im Gehirn (MRT) festgestellt werden, werden durch die Behandlung zur Entfernung von Amyloid-Plaques begünstigt. Es gibt zwei Arten von ARIAs: ARIA-E, die durch vasogene Ɩdeme bedingte Anomalien aufweisen, und ARIA-H, bei denen es sich um Mikroblutungen oder oberflƤchliche HƤmosiderose handelt. Obwohl die eigentliche Physiopathologie der ARIAs nicht bekannt ist, scheint die SchƤdigung der GefƤsswandintegritƤt zu Beginn der Immunisierung (in den ersten 3–6 Monaten der Behandlung), die durch die Eliminierung der pathologischen Proteine durch die Antikƶrper verursacht wird, signifikant damit in Verbindung zu stehen.

Neben der Behandlung und einer prävalenten Amyloidangiopathie ist das Vorhandensein eines ε4/ε4-APOE-Protein-Allels der dritte Faktor, der das Risiko für ARIAs signifikant erhöht. Obwohl in den meisten Fällen asymptomatisch, können sich diese Anomalien durch ungewöhnliche Kopfschmerzen, Verwirrung oder Schwindel bemerkbar machen. In schwereren Fällen können sie zu fokalen neurologischen Zeichen, Bewusstseinsstörungen, epileptischen Anfällen oder zum Tod führen.

Seit ihrer Beschreibung in den Bapineuzumab-Studien von Sperling et al. im Jahr 2011 haben Expertenausschüsse Empfehlungen für die Nachsorge von Patienten, die mit Anti-Amyloid-Medikamenten behandelt werden, und für den Umgang mit möglichen ARIAs formuliert (4, 5).

Welche Empfehlungen zur Nutzung gibt es?

In der Schweiz werden derzeit Empfehlungen für eine angemessene Anwendung erarbeitet, die auf den Kriterien der CLARITY-Studie und den von Cummings 2023 veröffentlichten Empfehlungen basieren.

(6). Die Behandlungen werden in geeigneten Einrichtungen durchgeführt, die über das nötige Fachwissen und die technischen Voraussetzungen für die Durchführung und den Umgang mit möglichen Nebenwirkungen verfügen. Die wichtigsten Elemente, die Sie kennen sollten, sind die folgenden:

1. Auswahl der Patienten

In Frage kommen Patienten mit Alzheimer-Krankheit im Frühstadium und Amyloid-Biologie. Diejenigen mit dem hƶchsten Risiko für Behandlungskomplikationen, wie z. B. Patienten, die Antikoagulantien einnehmen, die einen ischƤmischen Schlaganfall innerhalb eines Jahres erlitten haben, die eine schwere Leukaroidose oder eine wahrscheinliche Amyloidangiopathie haben, sowie Patienten mit schweren somatischen oder psychiatrischen KomorbiditƤten (z. B. Krebs oder instabile Organinsuffizienz) müssen entsprechend behandelt werden. Es wird geschƤtzt, dass weniger als 10 % der Alzheimer-Patienten, die in GedƤchtniszentren behandelt werden, Zugang zu einer Behandlung haben werden (7).

2. Nachverfolgung von Patienten

Patienten unter Behandlung sollten regelmässig radiologisch mittels MRT überwacht werden und bei Symptomen, die auf eine ARIA hindeuten, sofort eine Bildgebung erhalten. Bei Auftreten einer leichten, asymptomatischen ARIA kann die Behandlung unter engmaschiger Überwachung fortgesetzt werden. In den anderen Fällen sollte die Behandlung ausgesetzt werden, wobei eine regelmässige radiologische Überwachung erfolgen sollte, bis die Anomalien und Symptome abgeklungen sind. Bei schweren Symptomen, Rezidiven oder schweren ARIAs sollte die Behandlung gemäss den Empfehlungen der Arbeitsgruppe ADRD Therapeutics (6) endgültig abgebrochen werden.

3. Umgang mit symptomatischen ARIAs

Bei ARIAs wird eine neurologische Beratung empfohlen, sowie gegebenenfalls eine Krankenhauseinweisung. Je nach Symptomen kann eine Behandlung mit Kortikoiden oder Antikonvulsiva in Betracht gezogen werden (6).

Schlussfolgerung

Anti-Amyloid-Therapien sind die ersten krankheitsmodifizierenden Therapien, die für die Behandlung der Alzheimer-Krankheit im Frühstadium zugelassen wurden, und bieten neue Hoffnung für diese häufige und schwere Krankheit, die Millionen von Familien auf der ganzen Welt betrifft. Trotz dieser Hoffnung sind die bislang beobachteten Vorteile in den ersten Studien jedoch relativ bescheiden und die Auswirkungen auf die Gesundheit sind noch nicht absehbar.

Die Nebenwirkungen können schwerwiegend sein. Eine sorgfältige Auswahl von Patienten mit einem günstigen Ansprechprofil und einem geringen Risiko von Nebenwirkungen sowie eine sorgfältige Nachsorge durch spezialisierte Zentren sind daher unerlässlich, um eine optimale Behandlung zu gewährleisten.

Copyright Aerzteverlag medinfo AG

Übersetzung aus la gazette médicale 09/2024

Henri Perrin

Centre Leenaards de la mƩmoire
Abteilung für klinische Neurowissenschaften,
CHUV und UNILL
Chemin de Mont-Paisible 16
1011 Lausanne

Dr. med. Olivier Rouaud

Centre Leenaards de la mƩmoire
Abteilung für klinische Neurowissenschaften,
CHUV und UNILL
Chemin de Mont-Paisible 16
1011 Lausanne

Prof. Dr. med. Gilles Allali

Centre Leenaards de la mƩmoire
Abteilung für klinische Neurowissenschaften,
CHUV und UNILL
Chemin de Mont-Paisible 16
1011 Lausanne

Die Autoren haben keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

1. Breijyeh Z, Karaman R. Comprehensive Review on Alzheimerā€™ā€Šs Disease: Causes and Treatment. Molecules. 2020 Dec 8;25(24):5789. doi: 10.3390/molecules25245789. PMID: 33302541; PMCID: PMC7764106.
2. Hardy JA, Higgins GA. Alzheimerā€™ā€Šs disease: the amyloid cascade hypothesis. Science. 1992 Apr 10;256(5054):184-5. doi: 10.1126/science.1566067. PMID: 1566067.
3. Budd Haeberlein S, Aisen PS, Barkhof F, Chalkias S, Chen T, Cohen S, Dent G, Hansson O, Harrison K, von Hehn C, Iwatsubo T, Mallinckrodt C, Mummery CJ, Muralidharan KK, Nestorov I, Nisenbaum L, Rajagovindan R, Skordos L, Tian Y, van Dyck CH, Vellas B, Wu S, Zhu Y, Sandrock A. Two Randomized Phase 3 Studies of Aducanumab in Early Alzheimerā€™ā€Šs Disease. J Prev Alzheimers Dis. 2022;9(2):197-210. doi: 10.14283/jpad.2022.30. PMID: 35542991.
4. Cummings J, Aisen P, Apostolova LG, Atri A, Salloway S, Weiner M. Aducanumab: Appropriate Use Recommendations. J Prev Alzheimers Dis. 2021;8(4):398-410. doi: 10.14283/jpad.2021.41. PMID: 34585212; PMCID: PMC8835345.
5. Cummings J, Rabinovici GD, Atri A, Aisen P, Apostolova LG, Hendrix S, Sabbagh M, Selkoe D, Weiner M, Salloway S. Aducanumab: Appropriate Use Recommendations Update. J Prev Alzheimers Dis. 2022;9(2):221-230. doi: 10.14283/jpad.2022.34. PMID: 35542993; PMCID: PMC9169517.
6. Cummings J, wstolova L, Rabinovici GD, Atri A, Aisen P, Greenberg S, Hendrix S, Selkoe D, Weiner M, Petersen RC, Salloway S. Lecanemab: Appropriate Use Recommendations. J Prev Alzheimers Dis. 2023;10(3):362-377. doi: 10.14283/jpad.2023.30. PMID: 37357276; PMCID: PMC10313141.
7. Chiabotti PS, Rouaud O, Allali G. Reader Response: Eligibility for Anti-Amyloid Treatment in a Population-Based Study of Cognitive Aging. Neurology. 2024 May 14;102(9):e209375. doi: 10.1212/WNL.0000000000209375. Epub 2024 Apr 22. PMID: 38648577.

Teil 9: Zusammenarbeit von medizinischen Fachpersonen mit der Industrie

Seit 50 Jahren verƶffentlicht die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) medizin-ethische Richtlinien. Diese bieten Informationen und Orientierungshilfen für den Arbeitsalltag von Ƅrztinnen, Ƅrzten und weiteren Gesundheitsfachpersonen. Die meisten Richtlinien sind Teil der FMH-Standesordnung. In einer losen Serie hatte die Zeitschrift Ā«Primary and Hospital CareĀ» die Inhalte einzelner SAMW-Richtlinien anhand praktischer Beispiele vorgestellt. Teil 9 erscheint erstmals in Ā«der informierte arzt/die informierte ƤrztinĀ». Alle bisher publizierten BeitrƤge dieser Serie sind hier zu finden: www.samw.ch/richtlinien/fallbeispiele

Ein Fortbildungsangebot einer pharmazeutischen Firma an einen hausärztlichen Qualitätszirkel wirft Fragen zu möglichen Interessenkonflikten auf. Die SAMW-Richtlinien betonen, dass medizinische Entscheidungen unabhängig von finanziellen Anreizen sein müssen und transparente Rahmenbedingungen erfordern. Insbesondere Gratisproben, Honorare und luxuriöse Rahmenprogramme stehen im Spannungsfeld zwischen Wissenserweiterung und Marketinginteressen.

An offer of further training from a pharmaceutical company to a GP quality circle raises questions about possible conflicts of interest. The SAMS guidelines emphasize that medical decisions must be independent of financial incentives and require transparent framework conditions. In particular, free samples, fees and luxurious supporting programs are caught between knowledge expansion and marketing interests.

Key Words: SAMS guidelines, conflict of interest, free samples, honoraria

Aus der Praxis: Fortbildungsangebot eines Aussendienstmitarbeiters

Dr. L.M. leitet einen hausƤrztlichen QualitƤtszirkel in der Zentralschweiz. Die zehn Mitglieder dieses QualitƤtszirkels, alle im gleichen Notfallkreis tƤtig, treffen sich einmal monatlich zu einem fachlichen Austausch.

Nun ist der Aussendienstmitarbeiter der Firma X bei Dr. L.M. zu Besuch und stellt ihm ein neues hochwirksames Medikament zur Behandlung von Asthma und COPD vor. Die Wirksubstanz dieses Medikamentes sei in keiner Weise vergleichbar mit den anderen sich auf dem Markt befindlichen Substanzen für diese Indikationen. Daher müsse das Medikament mit einem eigens hierfür entwickelten Inhalator appliziert werden.

Der Aussendienstmitarbeiter macht Dr. L.M. folgendes Angebot: Speziell für die Mitglieder des QualitƤtszirkels würde der Medical Advisor der Firma X, selbst Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, im Rahmen eines nƤchsten Treffens einen Vortrag zur Thematik Asthma und COPD halten. Die Ƅrztinnen und Ƅrzte sowie die medizinischen Praxisassistentinnen würden auch im Gebrauch des Inhalators geschult. Anschliessend an den Vortrag würden den zehn Mitgliedern des QualitƤtszirkels kostenlos je zehn Inhalatoren und zehn Originalpackungen des neuen Medikamentes abgegeben, damit die HausƤrztinnen und -Ƥrzte persƶnliche Erfahrungen sammeln kƶnnten. Die Firma X wƤre dankbar für Rückmeldungen der HausƤrztinnen und -Ƥrzte zu drei Fragen auf einem vorbereiteten Formular. Für jede erfolgte Rückmeldung kƶnne die Firma X ein Honorar von 250 CHF ausbezahlen. Falls Bedarf für weitere Inhalatoren und Originalpackungen bestehe, kƶnnten diese den HausƤrztinnen und -Ƥrzten zu einem vorteilhaften Preis abgegeben werden. Der Aussendienstmitarbeiter würde sich freuen, die zehn HausƤrztinnen und -Ƥrzte gemeinsam mit ihren Praxisassistentinnen und dem Medical Advisor der Firma X im Anschluss an den Vortrag in das nahe gelegene, mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Restaurant zum Abendessen einzuladen.

Was sagen die SAMW-Richtlinien (1) dazu?

Medizinisches Handeln muss sich stets am Patientenwohl und den Interessen der Gesellschaft orientieren. Wenn medizinische Fachpersonen und Gesundheitsorganisationen mit der Industrie zusammenarbeiten, können Eigeninteressen und Interessenkonflikte das professionelle Verhalten beeinflussen und die Glaubwürdigkeit von medizinischen Fachpersonen sowie das in sie gesetzte Vertrauen beeinträchtigen.

Gemäss Definition besteht ein Interessenkonflikt aus ­verschiedenen Umständen, von denen insgesamt ein bedeutsames Risiko ausgeht, dass Sekundärinteressen das ­professionelle Urteilsvermögen im Verhältnis zu Primärinteressen unangemessen beeinflussen (2).

Die Zusammenarbeit von medizinischen Fachpersonen und der Industrie wird durch diverse rechtliche Bestimmungen geregelt. Hervorzuheben sind u.a. das Heilmittelgesetz (HMG), das Krankenversicherungsgesetz (KVG), die Verordnung über Integrität und Transparenz im Heilmittelbereich (VITH) und die Arzneimittel-Werbeverordnung. Die Fachpersonen sind verpflichtet, die Regelungen einzuhalten. Die SAMW-Richtlinien ergänzen und konkretisieren die Bestimmungen.

In den SAMW-Richtlinien werden Handlungsprinzipien dargelegt, die dazu dienen
– Interessenkonflikte zu erkennen,
– Interessenkonflikte zu vermeiden, sowie
– transparent und proaktiv mit Interessenkonflikten umzugehen.

Besonders hervorgehoben seien an dieser Stelle die folgenden Prinzipien, die in den Richtlinien erlƤutert werden:
Trennungsprinzip: Medizinisches Handeln muss den Patienten gegenüber unbeeinflusst sein von angebotenen, versprochenen oder erhaltenen Leistungen oder Vorteilen. Die entsprechenden Vorgänge und Entscheidungen sind klar voneinander zu trennen.

Transparenzprinzip: Interessenbindungen und damit verbundene mƶgliche Interessenkonflikte sind offenzulegen. Geldwerte Leistungen oder Vorteile sollen dargelegt und der Umfang der erhaltenen geldwerten Leistungen soll zugƤnglich sein.

Ƅquivalenzprinzip: Interessenkonflikte sollen mƶglichst vermieden werden. Um Interessenkonflikte gar nicht entstehen zu lassen, müssen Leistungen und Gegenleistungen in einem angemessenen VerhƤltnis zueinander stehen. Bei der Bemessung des Werts der Gegenleistung ist zudem zu berücksichtigen, ob diese bereits durch anderweitige gesetzliche Leistungen vergütet wird.

Die Richtlinien leiten zu einer selbstkritischen Reflexion über Abhängigkeiten und Eigeninteressen an. Zudem empfehlen sie, bei Vorliegen von möglichen Interessenkonflikten Verträge mit der Industrie immer von je zwei Personen pro Institution unterzeichnen zu lassen. Vereinbarungen über die Gewährung von geldwerten Leistungen und Vorteilen sind schriftlich festzuhalten und Geschenke resp. Vorteile von bescheidenem Wert (maximal 300 CHF/Jahr) dürfen nur angenommen werden, wenn das Geschenk resp. der Vorteil in Zusammenhang mit der Berufsausübung steht, für die medizinische Praxis von Belang ist und den Patientinnen und Patienten zugutekommt.

Professionelle Integrität im Zusammenhang mit der Unterstützung von Aus-, Weiter- und Fortbildungsaktivitäten bedeutet, dass
– Ausbildungsinhalte und Referentinnen unabhƤngig von den unterstützenden Organisationen gewƤhlt werden;
– Fachthemen objektiv und gestützt auf wissenschaftliche Kriterien behandelt werden;
– die Zusammenarbeit mit der Industrie schriftlich geregelt wird;
– die Unterstützung durch die Industrie auch von den Veranstaltenden offengelegt wird und
– FortbildungsanlƤsse von mehreren Firmen unterstützt werden (Multisponsoring).

Bedeutung der Richtlinien für den hausärztlichen Qualitätszirkel

In der oben geschilderten Situation ist es entscheidend, dass die Interessenkonflikte erkannt werden: Es besteht eine nicht zu unterschƤtzende Gefahr, dass das PrimƤrinteresse – im vorliegenden Fall die Erhaltung und Fƶrderung der Gesundheit der Menschen mit Asthma und COPD nach den WZW-Kriterien gemƤss Art. 32 KVG – durch SekundƤrinteresse beeinflusst wird. Im vorliegenden Fall durch die Abgabe von Gratispackungen des Medikaments und den geldwerten Leistungen des Honorars für das Ausfüllen des Fragebogens und das Abendessen. Der Erhalt von 250 CHF pro ausgefülltem Fragebogen mit insgesamt drei Fragen sowie das Abendessen im Nobelrestaurant stehen nicht in einem angemessenen VerhƤltnis zur Leistung der Ƅrztin oder des Arztes, womit das Ƅquivalenzprinzip verletzt ist. GemƤss den SAMW-Richtlinien handelt es sich bei dem angebotenen Abendessen um ein sogenanntes Rahmenprogramm, dessen Finanzierung durch eine pharmazeutische Firma nicht zulƤssig ist. Nicht problematisch erscheint mit Blick auf den Patientennutzen die Vermittlung von Informationen zur korrekten Handhabung des Inhalators.

Es muss allerdings davon ausgegangen werden, dass die hausärztlichen Erfahrungsberichte kaum wissenschaftlichem oder praktisch-medizinischem Erkenntnisgewinn dienen, sondern den Marketing-Interessen der Firma X. Auch wenn der Medical Advisor der Firma X Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie ist, muss davon ausgegangen werden, dass er in seiner Rolle als Medical Advisor bei der Firma X nicht neutral ist und damit als Referent nicht in Frage kommt.

Schlussfolgerungen

Die Richtlinien halten fest, dass die Zusammenarbeit von Ƅrztinnen und Ƅrzten mit der Industrie seit Langem etabliert ist. Sie liegt grundsƤtzlich im Interesse einer guten Gesundheitsversorgung und trƤgt zur Mehrung des Wissens, zur Entwicklung neuer und Verbesserung bestehender Therapien und insgesamt zum medizinischen Fortschritt bei. Gleichzeitig kann sie AbhƤngigkeiten mit sich bringen und zu Interessenkonflikten führen.

Die Richtlinien wenden sich an medizinische Fachpersonen und dabei insbesondere an Ƅrztinnen und Ƅrzte, nicht an die Industrie. Denn es ist nicht die Aufgabe der pharmazeutischen Firma, sondern der im vorliegenden Beispiel genannten Gesundheitsfachpersonen, Interessenkonflikte zu erkennen und den oben geschilderten Handlungsprinzipien gerecht zu werden. Allerdings sollte die Firma die Vorschriften des Verhaltenskodex der pharmazeutischen Industrie in der Schweiz einhalten.

Grundsätzlich ist es denkbar, als Ergänzung der interkollegialen Qualitätszirkelarbeit eine Referentin oder einen Referenten für ein spezifisches Fachgebiet einzuladen. Diese Person darf aber in keinem Abhängigkeitsverhältnis zu den pharmazeutischen Firmen stehen, deren Produkte im Vortrag vorgestellt werden. Dabei geht es nicht nur um finanzielle Abhängigkeiten oder Interessenkonflikte der Fachperson, sondern z. B. auch um die Unterstützung eines Forschungsvorhabens durch eine Firma.

Sollte sich eine pharmazeutische Firma an sogenannten Praxiserfahrungsberichten für bereits zugelassene Arzneimittel interessiert zeigen, gilt es, dieses Anliegen sehr kritisch zu prüfen. In den Richtlinien der SAMW ist klar festgehalten, dass Studien nach Marktzulassung von Arzneimitteln respektive Nutzerbewertungen von Produkten eine wissenschaftlich relevante Fragestellung untersuchen müssen. Es ist grundsätzlich zulässig, dass die Evaluationsprodukte im Austausch gegen eine Nutzerbewertung zur Verfügung gestellt werden. Medizinische Fachpersonen dürfen allerdings durch das Bereitstellen von Evaluationsprodukten und zugehörigen Leistungen nicht unangemessen abgegolten und/oder ermutigt werden, die Produkte oder Leistungen einzukaufen, zu empfehlen, zu verschreiben oder anzuwenden.

Dr. L.M., der Leiter des QualitƤtszirkels in der Innerschweiz, sowie seine hausƤrztlich tƤtigen Kolleginnen und Kollegen tragen den SAMW-Richtlinien dann Rechnung, wenn sie
– eine ihnen aus der tƤglichen Arbeit vertraute unabhƤngige Fachperson für den Vortrag einladen;
– das Anliegen der Firma X bezüglich Praxiserfahrungsberichten kritisch bewerten und eine Zusammenarbeit nur dann zusichern, wenn der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn durch die Praxiserfahrungsberichte im Vordergrund steht;
– für die Praxiserfahrungsberichte hƶchstens ein Honorar annehmen, das in angemessenem VerhƤltnis zu ihrem Aufwand steht;
– sich bewusst sind, dass Musterpackungen ein Mittel der Arzneimittelwerbung sind und das professionelle Verhalten beeinflussen kƶnnen;
– sie diese Packungen im Sinne von Art. 9 VITH nicht verkaufen;
– hƶchstens ein bescheidenes bezahltes Abendessen annehmen, dessen Sponsoring durch mehrere Firmen erfolgt und die Firmen zugleich keinerlei Einfluss auf Referentinnen und Referenten sowie Fortbildungsinhalte nehmen.

Letztlich lohnt sich in diesem Zusammenhang auch ein Blick auf die Webseite der Initiative unbestechlicher
Ƅrztinnen und Ƅrzte in Deutschland (https://mezis.de).

Copyright Aerzteverlag medinfo AG

Bianca Schaffert-Witvliet
APN, Spital Limmattal Schlieren und VizeprƤsidentin der ZEK der SAMW

lic. theol., dipl. biol. Sibylle Ackermann
Leiterin Ressort Ethik der SAMW und Mitglied der ZEK der SAMW

 

PD em Dr. med. Klaus Bally

Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH
Universitäres Zentrum für Hausarztmedizin beider Basel, uniham-bb
Kantonsspital Baselland
Rheinstrasse 26
4410 Liestal

Die Autoren haben keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

1. Zusammenarbeit von medizinischen Fachpersonen mit der Industrie. Medizin-ethische Richtlinien der SAMW. 2022,
vgl. www.samw.ch/zusammenarbeit-industrie
2. Emanuel EJ, Thompson DF: The Concept of Conflicts of Interest. In: The Oxford Textbook of Clinical Research Ethics. edn. Edited by Emanuel EJ, Grady C, Crouch RA, Lie RK, Miller FG, Wendler D. Oxford: Oxford University Press; 2008: 758–66.

Lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© chez les enfants et les adolescents

La frĆ©quence et l’ampleur du surpoids et de l’obĆ©sitĆ© chez les enfants et les adolescents ont Ć©galement fortement augmentĆ© en Suisse au cours des derniĆØres dĆ©cennies. Le mĆ©decin de famille ou le pĆ©diatre est gĆ©nĆ©ralement le premier interlocuteur des familles. Il/elle peut dĆ©tecter le surpoids Ć  temps et mettre en place rapidement un traitement appropriĆ©. Les causes de l’obĆ©sitĆ© sont extrĆŖmement complexes et varient d’un individu Ć  l’autre. Outre une balance Ć©nergĆ©tique perturbĆ©e, des facteurs gĆ©nĆ©tiques et sociaux jouent un rĆ“le important. Il est fort probable que l’obĆ©sitĆ© et les maladies secondaires persistent jusqu’à l’âge adulte. L’objectif du traitement des enfants et des adolescents est de contrĆ“ler le poids et de rĆ©duire la masse grasse Ć  long terme, tout en veillant Ć  ce que la croissance et le dĆ©veloppement se dĆ©roulent normalement.

The frequency and extent of overweight and obesity in children and adolescents have also increased significantly in Switzerland over the last few decades. The family doctor or pediatrician is usually the first point of contact for families. He/she can identify obesity in good time and initiate appro- priate treatment at an early stage. The causes of obesity are extremely complex and vary from person to person. In addition to a disturbed energy balance, genetic and social factors play an important role. There is a high probability that both obesity and the accompanying illnesses will persist into adulthood. The aim of treating children and adolescents is to control weight and reduce fat mass in the long term, while ensuring that growth and development proceed normally.
Key words: Childhood obesity, obesity in adolescents, adiposity comorbidities, weight management, childhood obesity treatment, bariatric.

Contexte

En Suisse, environ un Ć©colier sur six est en surpoids ou obĆØse. Depuis lā€™ā€ŠannĆ©e 2005/06, Promotion SantĆ© Suisse Ć©value les don- nĆ©es des services mĆ©dicaux scolaires sur lā€™ā€Šindice de masse cor- porelle (IMC) des Ć©lĆØves des villes de BĆ¢le, Berne et Zurich pour le monitoring annuel de lā€™ā€ŠIMC. Lā€™ā€Šanalyse des donnĆ©es les plus rĆ©centes montre quā€™ā€Šen 2020/21, tous niveaux scolaires confondus, 17.4 % des Ć©lĆØves Ć©taient en surpoids, dont 4.8 % obĆØses dā€™ā€ŠaprĆØs lā€™ā€ŠIMC. La comparaison avec les annĆ©es prĆ©cĆ©dentes montre toutefois que la proportion dā€™ā€ŠĆ©coliers en surpoids reste stable ces derniĆØres annĆ©es.

Selon les donnĆ©es de Promotion SantĆ© Suisse, la frĆ©quence du surpoids chez les enfants et les adolescents augmente avec lā€™ā€ŠĆ¢ge: ainsi, en 2020/21, un quart des adolescents du secondaire Ć©taient en surpoids ou obĆØses, alors quā€™ā€ŠĆ  lā€™ā€ŠĆ©cole enfantine, seul 1 enfant sur 8 Ć©tait concernĆ© par le surpoids (1).

Jusquā€™ā€ŠĆ  il y a quelques annĆ©es, lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© Ć©tait uniquement considĆ©- rĆ©e comme facteur de risque pour des maladies secondaires. Elle est dĆ©sormais reconnue en tant que maladie chronique (Fig. 1).

Qui est trop gros?

On parle dā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© lorsque la proportion de graisse corporelle par rapport Ć  la masse corporelle totale est pathologiquement Ć©levĆ©e. Lā€™ā€ŠIMC, dĆ©fini comme le quotient du poids corporel mesurĆ© en kg et le carrĆ© de la taille mesurĆ©e en m, constitue une mesure indirecte acceptable de la masse grasse corporelle totale. Il est Ć©galement recommandĆ© chez les enfants pour dĆ©finir le sur- poids et lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ©. Contrairement aux adultes, pour lesquels la dĆ©finition Ć©pidĆ©miologique du surpoids et de lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© est dĆ©ter- minĆ©e par des seuils fixes indiquant chacun un risque accru pour la santĆ© (obĆ©sitĆ©: IMC > 30 kg/m2, surpoids: IMC > 25 kg/m2), les seuils pour les enfants et les adolescents dĆ©pendent de lā€™ā€ŠĆ¢ge en raison de leur dĆ©veloppement physique. Il y a surpoids lorsque lā€™ā€ŠIMC est supĆ©rieur au 90e percentile spĆ©cifique Ć  lā€™ā€ŠĆ¢ge et au sexe ; lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© chez lā€™ā€Šenfant et lā€™ā€Šadolescent est dĆ©fi- nie par un IMC supĆ©rieur au 97e percentile. En Suisse, on utilise les courbes de rĆ©fĆ©rence allemandes de Kromeyer-Hauschild (2) pour dĆ©finir lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© chez lā€™ā€Šenfant et lā€™ā€Šadolescent. (Tab. 1) (Fig. 2)

Ɖtant donnĆ© que lā€™ā€ŠIMC ne dĆ©termine pas seulement la masse grasse mais aussi la masse corporelle totale, il nā€™ā€Šest que peu pertinent dans certaines situations, surtout pendant lā€™ā€Šenfance et lā€™ā€Šadolescence (jeunes filles pubĆØres, des sportifs avec une masse musculaire importante, en cas de petite ou grande taille et de maladies endocriniennes). Dans ces cas, il convient de mettre en Ć©vidence lā€™ā€Šaugmentation de la masse grasse par des mĆ©thodes alternatives, comme le DEXA ou lā€™ā€Šanalyse de bio-impĆ©dance (BIA) (4). La mesure du tour de taille et de hanches ainsi que la mesure de lā€™ā€ŠĆ©paisseur des plis cutanĆ©s (5) peuvent Ć©galement ĆŖtre utilisĆ©es pour Ć©valuer le risque individuel de santĆ© (6) (Fig. 3).

ComorbiditƩs liƩes au poids

Un indice de masse corporelle Ć©levĆ© est un facteur de risque important pour les maladies non transmissibles telles que le can- cer, le diabĆØte sucrĆ© de type 2, lā€™ā€ŠapnĆ©e du sommeil et les mala- dies hĆ©patiques et cardiovasculaires, et sā€™ā€Šaccompagne Ć©galement dā€™ā€Šun risque accru de morbiditĆ© pendant lā€™ā€Šenfance et lā€™ā€Šadoles- cence (5).

De nombreux enfants et adolescents obĆØses prĆ©sentent dĆ©jĆ  un ou plusieurs facteurs de risque cardio-mĆ©taboliques, par exemple une dyslipidĆ©mie, un trouble de la tolĆ©rance au glucose ou un diabĆØte de type 2 ou une hyperuricĆ©mie. Le nombre de comor- biditĆ©s liĆ©es au poids augmente avec lā€™ā€Šampleur de lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ©. Des Ć©tudes ont montrĆ© que la tension artĆ©rielle et le pouls au repos augmentent de maniĆØre significative avec lā€™ā€ŠIMC. Il peut y avoir une accĆ©lĆ©ration de la croissance en longueur et de la maturitĆ© squelettique, et la pubertĆ© peut dĆ©buter prĆ©maturĆ©ment. Une partie non nĆ©gligeable des personnes concernĆ©es prĆ©sente dĆ©jĆ  des augmentations significatives des transaminases ainsi quā€™ā€Šune stĆ©atose hĆ©patique Ć  lā€™ā€ŠĆ©chographie dans le cadre dā€™ā€Šune maladie hĆ©patique associĆ©e Ć  un dysfonctionnement mĆ©tabolique (MASLD; anciennement stĆ©atose hĆ©patique non alcoolique = NAFLD). Un genou en valgus se manifeste chez environ 55 % des enfants souffrant d’obĆ©sitĆ© et entraĆ®ne des douleurs aux genoux et favorise les troubles arthrosiques (7).

Mais ce qui est particuliĆØrement grave pour les enfants concernĆ©s, est la stigmatisation. Ils sont souvent victimes de harcĆØlement, manquent de confiance en eux et sont moins bien intĆ©grĆ©s socialement. Cette situation est souvent associĆ©e Ć  des maladies psychiques telles que la dĆ©pression, lā€™ā€ŠanxiĆ©tĆ©, les troubles du sommeil et les troubles alimentaires (8).

PathogenĆØse de lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ©

Lā€™ā€Šorigine de lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© est multifactorielle. Outre la perturbation de lā€™ā€ŠĆ©quilibre entre la dĆ©pense et lā€™ā€Šapport dā€™ā€ŠĆ©nergie, les facteurs gĆ©nĆ©tiques et sociaux jouent un rĆ“le important. On estime que lā€™ā€Šinfluence de la prĆ©disposition gĆ©nĆ©tique sur le poids corporel est dā€™ā€Šenviron 40 % Ć  70 % (9–11).

Un comportement alimentaire dĆ©favorable avec une disponibi- litĆ© permanente de sucreries, de fast-food et de soft-drinks/sodas, un manque dā€™ā€ŠactivitĆ© physique et une consommation accrue de mĆ©dias sont dā€™ā€Šautres facteurs qui jouent un rĆ“le considĆ©rable dans le mĆ©tabolisme Ć©nergĆ©tique. Mais des facteurs socio-Ć©co- nomiques et socio-culturels tels que le contexte migratoire, le statut social et lā€™ā€Šempreinte de lā€™ā€Šenvironnement social et culturel influencent Ć©galement lā€™ā€Šapparition du surpoids et de lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ©. Par exemple, les enfants dont les parents fument ont un risque augmentĆ© de 30 % de devenir obĆØses (11, 12).

Certains mĆ©dicaments tels que les glucocorticostĆ©roĆÆdes (Ā«cor- tisoneĀ») et certains antidĆ©presseurs peuvent influencer la prise de poids et entraĆ®ner une surcharge pondĆ©rale. Les maladies endocrinologiques des glandes productrices dā€™ā€Šhormones, telles que lā€™ā€ŠhypothyroĆÆdie, le syndrome de Cushing ou les maladies de lā€™ā€Šhypophyse, sont Ć  lā€™ā€Šorigine dā€™ā€Šenviron 1 % des enfants obĆØses. Il convient Ć©galement de mentionner certaines formes monogĆ©- niques rares dā€™ā€ŠobĆ©sitĆ©, telles que le dĆ©ficit en leptine, les dĆ©fauts du rĆ©cepteur de la leptine ou les mutations/polymorphismes du systĆØme mĆ©lanocorticoĆÆde, qui se caractĆ©risent par une prise de poids rapide aprĆØs lā€™ā€Šaccouchement avec une hyperphagie mar- quĆ©e et qui peuvent de nos jours dĆ©jĆ  ĆŖtre traitĆ©es de maniĆØre ciblĆ©e. Il est tout aussi important de reconnaĆ®tre lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© dans le cadre de maladies syndromiques, comme par exemple le syndrome de Prader-Willi ou de Bardet-Biedl.

Evolution

Lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© ne disparaĆ®t malheureusement pas en grandissant. Les Ć©tudes pĆ©diatriques sur lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© ou basĆ©es sur la population montrent que lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© ne Ā«se perdĀ» que trĆØs rarement de maniĆØre spontanĆ©e et que la prise de poids acquise Ć  partir de 7 ans est gĆ©nĆ©ralement maintenue Ć  lā€™ā€ŠĆ¢ge adulte. Plus les enfants sont Ć¢gĆ©s (> 11–12 ans) et obĆØses, plus la probabilitĆ© de souffrir dā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© Ć  lā€™ā€ŠĆ¢ge adulte est Ć©levĆ©e (66 et 77 %). Les donnĆ©es Ć©pidĆ©miologiques montrent en outre que les enfants qui prennent rapidement du poids entre 2 et 6 ans dĆ©veloppent gĆ©nĆ©ralement une obĆ©sitĆ© persistante, ce qui indique de maniĆØre Ć©vidente que cette tranche dā€™ā€ŠĆ¢ge reprĆ©sente une phase de vie particuliĆØrement vulnĆ©rable (13). Si au moins lā€™ā€Šun des parents est obĆØse, la probabilitĆ© pour un enfant en surpoids de finir obĆØse jusquā€™ā€ŠĆ  lā€™ā€ŠĆ¢ge adulte augmente dā€™ā€Šenviron 30 % par rapport Ć  un enfant dont les parents ont un poids normal (14).

Diagnostic des maladies de base et secondaires de lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ©

Pour pouvoir prendre à temps des mesures efficaces, il est impor- tant de reconnaître à temps le surpoids et de le prendre au sérieux en tant que problème de santé. Les médecins de famille ou les pédiatres attentionnés devraient toujours aborder le problème du surpoids dans le cadre de leurs examens préventifs . Souvent, les parents ne reconnaissent ni leur propre surpoids ni celui de leur enfant.

Les indications pour le diagnostic et le traitement se prennent de maniĆØre Ć©chelonnĆ©e en fonction de lā€™ā€Šampleur et de lā€™ā€ŠĆ©volution de lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© et des risques anamnestiques. Un examen mĆ©dical approfondi et une prise de sang pour un bilan de laboratoire sont indiquĆ©s pour tous les enfants dont lā€™ā€ŠIMC est supĆ©rieur Ć  P. 97. En cas de surpoids (IMC > P. 90 < P. 97), un diagnostic mĆ©dical est conseillĆ© si lā€™ā€ŠanamnĆØse familiale chez des parents du 1er ou du 2e degrĆ© est positive pour lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© ou les maladies associĆ©es (diabĆØte de type 2, maladies athĆ©ro-sclĆ©reuses prĆ©coces, hypertension artĆ©rielle, hypercholestĆ©rolĆ©mie), sā€™ā€Šil existe une comorbiditĆ© liĆ©e au poids et/ou si des facteurs de risque tels quā€™ā€Šune augmentation du cholestĆ©rol total, du glucose ou de la tension artĆ©rielle, entre autres, sont connus chez lā€™ā€Šenfant. Mais aussi en cas dā€™ā€Šaugmentation particuliĆØrement forte de lā€™ā€ŠIMC (p. ex. > 3 kg/m2 par an), il convient de procĆ©der Ć  un examen complet des facteurs de risque cardio-mĆ©taboliques ou des comorbiditĆ©s associĆ©es au poids (Tab. 2) (15).

Traitement du surpoids et de lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© chez les enfants et les adolescents

Lā€™ā€Šobjectif premier dā€™ā€Šun traitement pĆ©diatrique de lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© nā€™ā€Šest pas de faire baisser le poids corporel, mais dā€™ā€Šobtenir une amĆ©- lioration Ć  long terme de lā€™ā€ŠĆ©tat de santĆ©. Les enfants en pleine croissance prĆ©sentent une prise de poids normale de 3 Ć  4 kg par an. Lā€™ā€Šobjectif devrait ĆŖtre de ralentir la prise de poids et de la maintenir en dessous de cette marge, mais pas de rĆ©duire le poids.

Un traitement est toujours indiquĆ© en cas dā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© (IMC > 97e percentile, tour de taille ou masse grasse supĆ©rieurs Ć  P. 97, res- pectivement +2 DS) ou de surpoids (IMC entre les percentiles 90 et 97) avec prĆ©sence dā€™ā€Šau moins une des maladies suivantes, dont lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© aggrave le pronostic ou qui est une consĆ©quence de celle-ci: lā€™ā€Šhypertension artĆ©rielle, le diabĆØte sucrĆ© de type 2, la tolĆ©rance au glucose perturbĆ©e, des troubles endocriniens, le syndrome des ovaires polykystiques (SOPK), des maladies orthopĆ©diques, la maladie hĆ©patique stĆ©atosique associĆ©e Ć  un dysfonctionnement mĆ©tabolique, des maladies respiratoires, une glomĆ©rulopathie ou des troubles alimentaires avec traitement psychiatrique.

Traitement structurĆ© de lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© pĆ©diatrique

Depuis le dĆ©but de lā€™ā€ŠannĆ©e 2014, les enfants et les adolescents peuvent ĆŖtre pris en charge de maniĆØre globale en Suisse au moyen de la thĆ©rapie structurĆ©e de lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© pĆ©diatrique (16). Si lā€™ā€Šindication pour une thĆ©rapie est donnĆ©e, les mĆ©decins traitants (m/f) spĆ©cialisĆ©s en pĆ©diatrie ou en mĆ©decine de famille peuvent prescrire pendant 6 mois, en plus de leurs propres consultations, la thĆ©rapie individuelle structurĆ©e multiprofessionnelle (TIMS) (conseils nutritionnels max. 6 fois, physiothĆ©rapie 2 fois). Si, aprĆØs 6 mois, lā€™ā€ŠIMC ou dā€™ā€Šautres paramĆØtres ou la comorbiditĆ© psychique/somatique ont augmentĆ©, le patient doit/devrait ĆŖtre inclus dans un programme de groupe multiprofessionnel (PMG) ou ĆŖtre adressĆ© Ć  un(e) spĆ©cialiste de lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© pour enfants et adolescents. Les interventions comprennent des mesures visant Ć  modifier le comportement en matiĆØre dā€™ā€Šalimentation saine, dā€™ā€ŠactivitĆ© physique, de bien-ĆŖtre mental et de travail sur Ć©cran. Les programmes englobent les parents et les enfants (sĆ©parĆ©ment et/ou ensemble) et peuvent ĆŖtre menĆ©s en groupe, individuellement ou en famille.

Chirurgie bariatrique

Les traitements conservateurs (interventions sur le mode de vie), sont les traitements de premier choix. Ils doivent ĆŖtre menĆ©s de maniĆØre multimodale et structurĆ©e. Toutefois, lorsque les possibilitĆ©s de traitement conservateur ont Ć©tĆ© utilisĆ©es sans succĆØs pendant plus de 2 ans, les procĆ©dures chirurgicales reprĆ©sentent de plus en plus une option thĆ©rapeutique efficace, mĆŖme pour les adolescents souffrant dā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© morbide. Il convient de souligner que les procĆ©dures chirurgicales bariatriques nā€™ā€Šagissent pas par une restriction mĆ©canique de lā€™ā€Šapport alimentaire et une diminution de lā€™ā€Šabsorption des macronutriments, mais par des mĆ©canismes dā€™ā€Šaction neuroendocriniens complexes qui influencent la rĆ©gulation de la faim et de lā€™ā€ŠappĆ©tit. Lā€™ā€Šanalyse de lā€™ā€Šindication pour une opĆ©ration bariatrique doit ĆŖtre effectuĆ©e selon les directives pour le traitement chirurgical de lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© de la SMOB dans un centre de rĆ©fĆ©rence bariatrique reconnu par la SMOB (www.smob.ch) en collaboration avec un centre de rĆ©fĆ©rence pour lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© pĆ©diatrique certifiĆ© (Tab. 3).

Jusquā€™ā€ŠĆ  prĆ©sent, des Ć©tudes prospectives ont examinĆ© les rĆ©sul- tats Ć  moyen et long terme aprĆØs une chirurgie bariatrique. Une mĆ©ta-analyse incluant 29 Ć©tudes de cohorte avec un total cumulĆ© de 4970 patients a montrĆ© une rĆ©duction moyenne de lā€™ā€ŠIMC de 13.1 kg/m2 ainsi que des taux Ć©levĆ©s de rĆ©missions de comorbi- ditĆ©s prĆ©existantes telles que le diabĆØte sucrĆ© de type 2 (90 %), la dyslipidĆ©mie (77 %), lā€™ā€Šhypertension artĆ©rielle (81 %), lā€™ā€ŠapnĆ©e du sommeil (81 %), et lā€™ā€Šasthme (92.5 %) (18). Dā€™ā€Šautres donnĆ©es montrent une perte de poids de 29 % 8 ans aprĆØs un bypass gastrique Roux-en-Y, correspondant Ć  une rĆ©duction de lā€™ā€ŠIMC de 16.9 kg/m2 (19). AprĆØs une sleeve gastrectomie, la rĆ©duction moyenne de lā€™ā€ŠIMC aprĆØs 7 ans Ć©tait dā€™ā€Šenviron 16.3 kg/m2.

Outre les risques associĆ©s Ć  lā€™ā€ŠopĆ©ration tels que les problĆØmes cardiorespiratoires, la thrombose veineuse profonde avec, le cas Ć©chĆ©ant, une embolie pulmonaire consĆ©cutive, les insuffisances dā€™ā€Šune anastomose et les troubles de la cicatrisation, il convient surtout de prendre en compte les risques liĆ©s aux complications Ć  plus long terme telles que les troubles gastro-intestinaux (nausĆ©es, vomissements, diarrhĆ©e, RGO), les carences en micro-nutriments (fer, vitamine B1, vitamine B12, vitamine D, acide folique, zinc), les perturbations Ć©lectrolytiques avec dĆ©shydrata-tion, voire la rĆ©duction de la densitĆ© osseuse (20–22). Un suivi systĆ©matique est donc obligatoire.

ThƩrapie mƩdicamenteuse

Lorsquā€™ā€Šune prise en charge multiprofessionnelle nā€™ā€Šest pas suffisamment efficace, un traitement mĆ©dicamenteux avec les agonistes du rĆ©cepteur du glucagon-like peptide-1 (GLP-1), le liraglutide (SaxendaĀ®) et le sĆ©maglutide (WegovyĀ®), est disponible pour les enfants et les adolescents souffrant dā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© Ć  partir de 12 ans afin de rĆ©duire leur poids. Le mĆ©dicament peut ĆŖtre utilisĆ© en cas de poids corporel ≄ 60 kg et dā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© selon les valeurs limites acceptĆ©es au niveau international (correspondant Ć  un IMC ≄ 30 kg/m2 chez les adultes), en complĆ©ment dā€™ā€Šune alimentation saine et dā€™ā€Šune activitĆ© physique accrue.

Les agonistes des rĆ©cepteurs GLP-1 agissent par diffĆ©rentes voies dans les centres nerveux centraux de la rĆ©gulation de la faim et de lā€™ā€ŠappĆ©tit. La sensation de faim est rĆ©duite, la sensation de satiĆ©tĆ© est augmentĆ©e et lā€™ā€Šenvie de manger est rĆ©duite. Comme lā€™ā€Šont montrĆ© les Ć©tudes dā€™ā€Šhomologation, un traitement par liraglutide rĆ©duit le poids corporel de 5 % en moyenne aprĆØs 56 semaines de traitement (23), tandis que le semaglutide rĆ©duit le poids corporel dā€™ā€Šenviron 16 % en moyenne aprĆØs 68 semaines de traitement (24). Les effets secondaires les plus frĆ©quents du lira- glutide sont des troubles gastro-intestinaux tels que nausĆ©es, vomissements, diarrhĆ©e, douleurs abdominales et constipation. Ceci explique quā€™ā€Šenviron 10 % des adolescents traitĆ©s ne tolĆØrent pas le traitement et doivent donc lā€™ā€ŠarrĆŖter.

PrĆ©vention du surpoids et de lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ© par le Ā­mĆ©decin gĆ©nĆ©raliste

Les Ć©tudes actuelles mettent de plus en plus lā€™ā€Šaccent sur lā€™ā€Šimpor- tance et lā€™ā€ŠefficacitĆ© de la promotion prĆ©coce dā€™ā€Šun poids corpo- rel sain chez les enfants et les adolescents. Lā€™ā€Šenseignement dā€™ā€Šun mode de vie sain devrait commencer le plus tĆ“t possible dans la vie et atteindre les familles, les enfants et les adolescents dans leur milieu de vie. Les mĆ©decins de famille et les cabinets pĆ©diatriques sont gĆ©nĆ©ralement les premiers interlocuteurs des familles en ce qui concerne la prise en charge des problĆØmes de santĆ© et jouent donc un rĆ“le dĆ©cisif dans le contexte de la prĆ©vention du surpoids et de lā€™ā€ŠobĆ©sitĆ©. Dans le cadre des contacts Ć©troits et rĆ©pĆ©tĆ©s avec les enfants et la famille, la promotion dā€™ā€Šun mode de vie physiquement actif ainsi que lā€™ā€ŠamĆ©lioration du choix des aliments, Ć  la fois pauvres en Ć©nergie et denses en nutriments (par exemple fruits, lĆ©gumes et salades) et lā€™ā€Šadaptation de la taille des portions devraient toujours ĆŖtre abordĆ©es.

Copyright Aerzteverlag medinfo AG

Cet article est une traduction de «der informierte arzt, die informierte ärztin» 10_2024

Dre Katrin Heldt

SpƩcialiste en pƩdiatrie
Endocrinologie pƩdiatrique et diabƩtologie
Formation approfondie interdisciplinaire en mƩdecine
psychosomatique et psychosociale (SAPPM)

Pr Dr Bernd Schultes

Centre du mƩtabolisme de Saint-Gall
friendlyDocs AG
Lerchentalstrasse 21
9016 St. Gallen

stoffwechselzentrum@friendlydocs.ch

Bernd Schultes est vice-prĆ©sident de la SMOB. Il reƧoit des honoraires de confĆ©rence et de conseil de Novo Nordisk et Eli Lilly, ainsi quā€™ā€Šun soutien financier pour la recherche de la part de Novo Nordisk.

  • Chez les enfants et les adolescents, le surpoids et l’obĆ©sitĆ© sont dĆ©finis Ć  l’aide des percentiles d’IMC en fonction de l’âge.
  • Dans le cadre des soins de santĆ© primaires, la prĆ©sence d’une surcharge pondĆ©rale doit toujours ĆŖtre recherchĆ©e de maniĆØre ciblĆ©e et, si elle est prĆ©sente, le sujet doit ĆŖtre abordĆ© de maniĆØre respectueuse.
  • En prĆ©sence dā€™ā€Šune surcharge pondĆ©rale, il convient dā€™ā€ŠĆ©tablir un diagnostic de base et de proposer une thĆ©rapie structurĆ©e.
  • En Suisse, les programmes thĆ©rapeutiques structurĆ©s multiprofes- sionnels sont remboursĆ©s par les caisses maladie en cas d’indication et devraient ĆŖtre proposĆ©s aux enfants et adolescents concernĆ©s.
  • La chirurgie bariatrique peut ĆŖtre utile chez les adolescents souffrant d’obĆ©sitĆ© extrĆŖme, mais l’indication doit ĆŖtre posĆ©e de maniĆØre diffĆ©- renciĆ©e et interdisciplinaire, conformĆ©ment aux directives de la SMOB, et un suivi structurĆ© doit ĆŖtre assurĆ©.
  • Avec le liraglutide et le sĆ©maglutide, deux agonistes des rĆ©cepteurs du GLP-1 sont disponibles et peuvent ĆŖtre utilisĆ©s pour la rĆ©gulation du poids dĆØs lā€™ā€ŠĆ¢ge de 12 ans.

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AvancĆ©es dans le traitement de lā€™ā€ŠhyperuricĆ©mie et de la goutte

La goutte est un rhumatisme inflammatoire microcristallin souvent associĆ© Ć  des maladies chroniques telles que l’insuffisance rĆ©nale chronique (IRC), l’hypertension, les maladies coronariennes et le syndrome mĆ©tabolique. Par consĆ©quent, la prise en charge de la goutte (traitement des crises et prise en charge de l’hyperuricĆ©mie) doit tenir compte des co-morbiditĆ©s du patient. Des donnĆ©es rĆ©centes ont dĆ©montrĆ© l’efficacitĆ© de traitements Ć©mergents et confirmĆ© celles de traitements plus anciens dans la prise en charge de la goutte. Nous discuterons dans cet article des thĆ©rapies que nous considĆ©rons comme ayant le plus grand impact sur notre pratique clinique.

Gout is an inflammatory arthritis that is often associated with chronic diseases such as chronic kidney disease (CKD), hypertension, coronary heart disease and metabolic syndrome. Consequently, the management of gout (treatment of the acute rash, reduction in serum urea [SUT]) must take account of these co-morbid conditions. Recent advances in the treatment of gout have demonstrated the efficacy of new and existing therapies in the management of gout and in this article we will summarise those that we consider to have the greatest impact on our clinical practice.
Keywords: hyperuricemia, gout, inflammatory arthritis, co-morbidity, pharmacotherapy

Introduction

L’impact de la goutte Ć  l’échelle mondiale est important faisant de cette maladie la forme la plus courante d’arthrite inflammatoire dans le monde (1). Les principes d’une prise en charge efficace sont bien connus et ont Ć©tĆ© publiĆ©s rĆ©cemment sous forme de lignes directrices actualisĆ©es (2, 3); ils reposent sur le contrĆ“le rapide de la poussĆ©e inflammatoire, l’abaissement de l’urate sĆ©rique jusqu’au taux cible, associĆ© Ć  une Ć©ducation thĆ©rapeutique du patient. De nouveaux traitements pharmacologiques aideront le clinicien Ć  atteindre ces objectifs, car l’intolĆ©rance aux thĆ©rapies existantes et les effets secondaires potentiels chez les patients prĆ©sentant des comorbiditĆ©s sont frĆ©quents. Outre la thĆ©rapie pharmacologique, l’importance de la participation et de l’éducation des patients est reconnue et des stratĆ©gies visant Ć  impliquer le patient dans sa prise en charge ont Ć©galement Ć©tĆ© Ć©tudiĆ©es. Cette revue mettra en lumiĆØre les avancĆ©es thĆ©rapeutiques rĆ©centes dans le domaine de la goutte, en insistant sur les traitements rĆ©cemment dĆ©veloppĆ©s ainsi que sur les nouvelles perspectives d’utilisation des thĆ©rapies existantes.

AvancƩes dans le traitement de la goutte aiguƫ

Colchicine et prƩvention cardiovasculaire dans la goutte

De plus en plus de donnĆ©es dĆ©montrent que l’inflammation est un acteur crucial dans le dĆ©veloppement de l’athĆ©rosclĆ©rose. Plusieurs Ć©tudes ont examinĆ© l’effet protecteur potentiel de divers mĆ©dicaments anti-inflammatoires sur les Ć©vĆ©nements cardiovasculaires (CV), y compris la colchicine (4).

Une Ć©tude rĆ©trospective de cohorte monocentrique appariĆ©e a inclus 501 patients atteints de goutte qui ont commencĆ© un traitement de colchicine qui ont Ć©tĆ© appariĆ©s (sur la base de l’âge et du sexe) Ć  501 patients non traitĆ©s Ć  la colchicine (5). Les patients atteints de goutte inclus dans les deux groupes Ć©taient principalement des hommes blancs (64 %) avec un Ć¢ge moyen de 72-73 ans. Les patients ont Ć©tĆ© suivis jusqu’à 4 ans (durĆ©e moyenne du suivi : 1 an) et les Ć©vĆ©nements CV ont Ć©tĆ© enregistrĆ©s. Dans l’analyse ajustĆ©e, les auteurs ont observĆ© une rĆ©duction de 49 % (HR 0,51, 95 % CI 0,30 Ć  0,88) du risque de prĆ©senter un Ć©vĆ©nement CV (accident vasculaire cĆ©rĆ©bral, accident ischĆ©mique transitoire, infarctus du myocarde [IM]) chez les utilisateurs de colchicine. Une diminution de la mortalitĆ© toutes causes confondues a Ć©galement Ć©tĆ© observĆ©e dans ce mĆŖme groupe (HR 0,27, 95 % CI 0,17 Ć  0,43).

Un vaste essai randomisĆ© contrĆ“lĆ© par placebo (Ć©tude COLCOT) a inclus 4 745 patients dans les 30 jours suivant un infarctus. Ces derniers ont Ć©tĆ© traitĆ©s par la colchicine 0,5 mg une fois par jour ou par placebo. La durĆ©e mĆ©diane du suivi Ć©tait de 23 mois. Une rĆ©duction significative (5,5 % contre 7,1 %, HR 0,77, 95 % CI 0,61 Ć  0,96) du risque d’évĆ©nements CV ischĆ©miques a Ć©tĆ© observĆ©e dans le groupe colchicine par rapport au groupe placebo. Les effets indĆ©sirables ont Ć©tĆ© globalement similaires dans les deux groupes. Des diarrhĆ©es ont Ć©tĆ© signalĆ©es chez 9,7 % des patients traitĆ©s par la colchicine (groupe placebo : 8,9 %) (6). RĆ©cemment, une Ć©tude post hoc de l’essai COLCOT incluant uniquement des patients atteints de diabĆØte de type 2 a rapportĆ© une rĆ©duction similaire (HR 0,65, 95 % CI 0,44 Ć  0,96) du risque d’évĆ©nements CV ischĆ©miques (7).

Un autre essai randomisĆ© contrĆ“lĆ© par placebo (essai LoDoCo2) a Ć©tudiĆ© l’effet de la colchicine sur le risque d’évĆ©nements CV chez des patients atteints de maladie coronarienne chronique. 5522 patients ont Ć©tĆ© traitĆ©s par colchicine 0,5 mg une fois par jour ou par placebo aprĆØs une phase d’introduction d’un mois de traitement par colchicine (en ouvert) pour tous. La durĆ©e moyenne du suivi Ć©tait de 29 mois. Une rĆ©duction du risque de survenue du critĆØre composite d’évĆ©nements CV a Ć©tĆ© observĆ©e (6,8 % contre 9,6 %, HR 0,69, 95 % CI 0,57 Ć  0,83). La goutte est survenue moins frĆ©quemment dans le groupe colchicine (1,4 % contre 3,4 %), mais des myalgies ont Ć©tĆ© signalĆ©es plus souvent par les patients traitĆ©s par la colchicine (21,2 % contre 18,5 %) (8).

Il existe aujourd’hui des preuves solides dĆ©montrant que la colchicine peut rĆ©duire le risque d’évĆ©nements cardiovasculaires en association avec les mĆ©dicaments de prĆ©vention CV utilisĆ©s en routine dans diverses populations prĆ©sentant un risque CV accru, telles que les patients souffrant de goutte, de diabĆØte de type 2, d’antĆ©cĆ©dents d’infarctus du myocarde ou de maladie coronarienne chronique.

Ainsi, la colchicine, qui est utilisĆ©e depuis de nombreuses annĆ©es pour traiter l’arthrite goutteuse aiguĆ« et prĆ©venir les poussĆ©es de goutte induites par les traitements hypo-uricĆ©miants, pourrait avoir sa place dans l’arsenal thĆ©rapeutique de prĆ©vention CV Ć  l’avenir.

Inhibition des cytokines

Depuis que nous avons dĆ©couvert la capacitĆ© des cristaux d’acide urique Ć  activer l’inflammasome NLRP3 responsable du dĆ©clenchement d’une cascade intracellulaire complexe conduisant finalement au clivage et Ć  l’activation de pro-IL-1β en IL-1β, cette cytokine pro-inflammatoire est devenue une cible thĆ©rapeutique pour traiter la goutte aiguĆ« (9).

L’anakinra, un antagoniste du rĆ©cepteur de l’IL-1, a Ć©tĆ© le premier agent bloquant de l’IL-1 disponible.

AprĆØs une Ć©tude ouverte et plusieurs Ć©tudes rĆ©trospectives qui ont rapportĆ© une bonne efficacitĆ© de ce mĆ©dicament dans le traitement de la crise de goutte, y compris chez les patients hospitalisĆ©s prĆ©sentant des comorbiditĆ©s, deux essais contrĆ“lĆ©s randomisĆ©s ont Ć©tĆ© publiĆ©s en 2019 et 2021 avec des comparateurs diffĆ©rents. Dans la premiĆØre Ć©tude, 88 patients souffrant d’une poussĆ©e aiguĆ« d’arthrite goutteuse ont Ć©tĆ© traitĆ©s par anakinra 100 mg une fois par jour pendant 5 jours ou par traitement conventionnel (naproxĆØne, colchicine, prednisone). Les auteurs ont montrĆ© la non-infĆ©rioritĆ© de l’anakinra par rapport au traitement conventionnel avec une amĆ©lioration clinique similaire (10). Dans la seconde Ć©tude (Ć©tude anaGO), 165 patients souffrant d’une mono- ou oligo-arthrite aiguĆ« liĆ©e Ć  la goutte, chez qui les AINS ou la colchicine Ć©taient contre-indiquĆ©s, ont Ć©tĆ© traitĆ©s par 100 mg ou 200 mg d’anakinra une fois par jour pendant 5 jours ou par une injection intramusculaire unique de 40 mg de triamcinolone. Tous les groupes de traitement ont montrĆ© une rĆ©duction similaire de l’intensitĆ© de la douleur (11).

Le rilonacept, une protĆ©ine de fusion agissant comme un rĆ©cepteur soluble liant l’IL-1α et l’IL-1β, a montrĆ© son efficacitĆ© dans le traitement de la crise de goutte dans un essai contrĆ“lĆ© randomisĆ© de phase 3 portant sur 225 patients (12). Trois essais randomisĆ©s ont Ć©tudiĆ© l’utilisation du rilonacept pour prĆ©venir les poussĆ©es de goutte pendant l’instauration d’un traitement hypo-uricĆ©miant et ont observĆ© une diminution du nombre de poussĆ©es chez les patients du groupe rilonacept par rapport au groupe placebo (13-15). Cependant, le rilonacept n’est plus disponible pour des raisons commerciales.

Le canakinumab, un anticorps monoclonal anti-IL-1β dont la demi-vie terminale est de 26 jours, a montrĆ© son efficacitĆ© dans le traitement de la crise de goutte dans deux essais randomisĆ©s de phase 3. Ces derniers ont inclus 456 patients traitĆ©s par une dose unique de 150 mg de canakinumab ou par une injection intramusculaire unique de 40 mg de triamcinolone. Une diffĆ©rence significative de l’intensitĆ© moyenne de la douleur (95 % CI) sur l’échelle visuelle analogique (EVA, 0-100 mm) Ć  72 heures a Ć©tĆ© observĆ©e (-9,8, -16,3 Ć  -3,2 mm) (16). Un essai contrĆ“lĆ© randomisĆ© de phase 2 a Ć©tudiĆ© l’efficacitĆ© du canakinumab dans la prĆ©vention des crises de goutte lors de l’instauration d’un hypo-uricĆ©miant et a rapportĆ© une diminution du nombre moyen de poussĆ©es dans le groupe canakinumab par rapport au groupe colchicine (17). En outre, une analyse post hoc de l’essai CANTOS, un vaste essai randomisĆ© (1 059 patients) portant sur les consĆ©quences cardiovasculaires chez les patients traitĆ©s par le canakinumab pendant plusieurs annĆ©es, a montrĆ© une rĆ©duction du risque de crises de goutte (HR 0,4-0,48 en fonction des diffĆ©rents taux d’urate sĆ©riques) sans effet sur les taux d’urate sĆ©rique (18). Le canakinumab a Ć©tĆ© approuvĆ© par l’Agence europĆ©enne des mĆ©dicaments (EMA) en 2013 et par la Food and Drug Administration amĆ©ricaine (FDA) en 2023 pour traiter les patients adultes atteints de crises de goutte frĆ©quentes chez qui il existe une contre-indication Ć  l’utilisation de la colchicine, les AINS ou les stĆ©roĆÆdes.

Outre l’IL-1β, d’autres cytokines pro-inflammatoires sont libĆ©rĆ©es au cours de la crise de goutte, notamment le TNFα et l’IL-6. Certains auteurs ont essayĆ© de bloquer le TNFα ou l’IL-6 pour traiter l’arthrite goutteuse tophacĆ©e rĆ©fractaire polyarticulaire. Quelques rapports de cas ont fait Ć©tat d’une bonne efficacitĆ© des inhibiteurs du TNFα (infliximab, etanercept) et de l’anticorps anti-IL6R tocilizumab (sous-cutanĆ© et intraveineux) chez ces patients (19, 20). Cependant, le niveau de preuve est faible et il n’existe pas d’essais contrĆ“lĆ©s publiĆ©s, d’études d’observation ou mĆŖme de sĆ©ries de cas pour Ć©tayer leur utilisation dans la goutte.

AvancĆ©es dans la gestion de l’hyperuricĆ©mie

PƩgloticase

La pĆ©gloticase est une uricase recombinante administrĆ©e par voie intraveineuse qui dĆ©grade l’urate en allantoĆÆne, un mĆ©tabolite soluble.
Deux essais randomisĆ©s contrĆ“lĆ©s publiĆ©s en 2011 ont inclus 225 patients souffrant de goutte sĆ©vĆØre rĆ©fractaire Ć  l’allopurinol ou prĆ©sentant une intolĆ©rance au traitement. Ces derniers ont Ć©tĆ© traitĆ©s par pegloticase ou par placebo pendant 6 mois. Dans le groupe pegloticase, 38 % des patients ont rĆ©pondu (taux d’urate sĆ©rique < 360 µmol/l pendant ≄ 80 % du temps entre les mois 3 et 6) contre 0 % dans le groupe placebo (21). Cependant, l’utilisation de la pegloticase a Ć©tĆ© entravĆ©e par un taux significatif de rĆ©actions liĆ©es Ć  la perfusion (> 25 %) et une perte d’efficacitĆ© liĆ©e au dĆ©veloppement d’anticorps anti-mĆ©dicaments responsables de la neutralisation du traitement(22).

Par consĆ©quent, aprĆØs une Ć©tude ouverte encourageante, un essai contrĆ“lĆ© randomisĆ© (Ć©tude MIRROR) a Ć©tĆ© menĆ© auprĆØs de 152 patients souffrant de goutte non contrĆ“lĆ©e et d’échec ou d’intolĆ©rance aux hypo-uricĆ©miants conventionnels. Les patients ont Ć©tĆ© traitĆ©s par pegloticase et mĆ©thotrexate oral (MTX) 15 mg/semaine ou par pegloticase et placebo pendant un an (23). Ceux traitĆ©s par MTX et pegloticase ont prĆ©sentĆ© un taux de rĆ©ponse plus Ć©levĆ© (60 % contre 31 %) Ć  un an, et moins de rĆ©actions liĆ©es aux perfusions (4 % contre 31 %, tous sont survenus au cours des 6 premiers mois). Parmi les patients prĆ©sentant des tophi au dĆ©part, la proportion de ceux ayant une rĆ©solution de ≄ 1 tophi Ć©tait de 54 % (contre 31 %) aprĆØs un an de traitement (24).

La FDA a approuvĆ© la pegloticase dans le traitement de la goutte chronique chez les patients rĆ©fractaires au traitement conventionnel depuis 2010. L’EMA a Ć©galement approuvĆ© la pegloticase mais l’a retirĆ©e Ć  la demande du fabricant en 2013.

Nouveaux inhibiteurs de la xanthine oxydase (XOI)

L’allopurinol et le fĆ©buxostat sont des inhibiteurs de la xanthine oxydase bien Ć©tablis et efficaces pour abaisser le taux d’urate. Cependant, des problĆØmes de tolĆ©rance dans des situations spĆ©cifiques (syndrome d’hypersensibilitĆ© Ć  l’allopurinol pour l’allopurinol et tolĆ©rance cardiovasculaire pour le fĆ©buxostat) ainsi que l’intolĆ©rance au mĆ©dicament limitent parfois leur utilisation. Des alternatives Ć  ces traitements sont donc bienvenues. Le topiroxostat et le tigulixostat ont Ć©tĆ© dĆ©veloppĆ©s rĆ©cemment. Tous deux sont des inhibiteurs non puriques de la xanthine oxydase.

Le topiroxostat est disponible depuis 2013 au Japon (25, 26), mais n’est pas encore commercialisĆ© dans l’Union europĆ©enne ou aux Ɖtats-Unis. Le tigulixostat a montrĆ© une efficacitĆ© dose-dĆ©pendante dans la rĆ©duction de l’urate dans des Ć©tudes de phase 2, mais n’a pas encore Ć©tĆ© comparĆ© aux XOI dĆ©jĆ  utilisĆ©s (27).

Inhibiteurs du SGLT2

Les inhibiteurs du SGLT2 (canagliflozine, dapagliflozine, empaglifozine et autres) sont des mĆ©dicaments qui favorisent l’excrĆ©tion rĆ©nale du glucose, rĆ©duisant ainsi la glycĆ©mie. Leur utilisation a rĆ©volutionnĆ© la prise en charge du diabĆØte, de l’insuffisance cardiaque et de l’insuffisance rĆ©nale chronique (IRC). Le principal mode d’action est l’inhibition de la rĆ©absorption du glucose par le SGLT2 (sodium-glucose cotransporter 2) dans le tubule rĆ©nal proximal. D’autres mĆ©canismes d’action (inhibition du transport du sodium, inhibition du stress oxydatif et de l’inflammation et pression glomĆ©rulaire) peuvent expliquer leurs effets bĆ©nĆ©fiques dans l’insuffisance cardiaque et l’IRC. Les maladies mĆ©taboliques, rĆ©nales et cardiaques Ć©tant des comorbiditĆ©s frĆ©quemment retrouvĆ©ees dans la population goutteuse, les mĆ©dicaments qui agissent sur plusieurs cibles cliniques dans la mĆŖme maladie sont d’un intĆ©rĆŖt considĆ©rable. Une revue rĆ©cente a rĆ©sumĆ© succinctement les donnĆ©es disponibles sur les effets des inhibiteurs du SGLT2 en relation avec la goutte (28).

Les inhibiteurs du SGLT2 sont capables d’abaisser le taux d’urate sĆ©rique; dans une mĆ©ta-analyse de 62 essais d’inhibiteurs du SGLT2, l’abaissement moyen de l’urate sĆ©rique observĆ© Ć©tait de -37 umol/L (des variations dans l’importance de la diminution de l’urate sĆ©rique ont Ć©tĆ© observĆ©es entre les classes de mĆ©dicaments) et cet effet semble ĆŖtre indĆ©pendant des niveaux de sucre dans le sang (29). La diminution de l’uricĆ©mie semble Ć©galement ĆŖtre indĆ©pendante de la sĆ©vĆ©ritĆ© de l’insuffisance rĆ©nale pour la dapagliflozine et l’empagliflozine (examinĆ© dans (28)) et de la prise concomitante de diffĆ©rents mĆ©dicaments rĆ©duisant l’urate (30). Il n’existe pas d’études spĆ©cifiques ciblant la population goutteuse, mais des patients goutteux ont Ć©tĆ© inclus dans un certain nombre d’essais sur les inhibiteurs du SGLT2 et des analyses secondaires des donnĆ©es ont montrĆ© que l’incidence des poussĆ©es de goutte Ć©tait rĆ©duite d’environ 50 % chez les patients sous inhibiteurs du SGLT2 (28), et des Ć©tudes de cohorte portant sur des bases de donnĆ©es de soins de santĆ© ont Ć©galement montrĆ© que l’incidence de la goutte Ć©tait Ć©galement rĆ©duite dans une proportion similaire. Le mĆ©canisme de rĆ©duction de l’urate des inhibiteurs du SGLT2 serait secondaire Ć  une augmentation de l’excrĆ©tion urinaire de glucose, qui entre en compĆ©tition avec l’urate pour sa rĆ©absorption par le transporteur rĆ©nal SLC2A9 (Glut 9); un autre mĆ©canisme pourrait ĆŖtre un effet inhibiteur sur le transporteur d’urate SLC22A12 (URAT1) (31).

Les donnĆ©es accumulĆ©es suggĆØrent que les inhibiteurs du SGLT2 peuvent ĆŖtre un complĆ©ment utile aux hypo-uricĆ©miants conventionnels dans la goutte, en particulier chez les patients prĆ©sentant des comorbiditĆ©s cardio-mĆ©taboliques. Il n’y a pas de donnĆ©es actuelles pour soutenir leur utilisation en tant qu’hypouricĆ©miant primaire.

Prophylaxie par la colchicine Ć  l’instauration d’un hypouricĆ©miant

Lorsque les patients dĆ©butent un traitement hypo-uricĆ©miant, la frĆ©quence des poussĆ©es de goutte augmente et atteint un pic au cours des 6 premiers mois avant de diminuer progressivement en frĆ©quence (32). Ces Ā«poussĆ©es paradoxalesĀ» ont incitĆ© les Ā­cliniciens Ć  recommander une prophylaxie des poussĆ©es pendant une pĆ©riode allant jusqu’à 6 mois au dĆ©but du traitement hypo-uricĆ©miant dans les recommandations thĆ©rapeutiques. Une Ć©tude rĆ©cente a Ć©tudiĆ© si une titration progressive lente de l’hypo-uricĆ©miant (en utilisant l’allopurinol) peut Ć©viter la nĆ©cessitĆ© d’une prophylaxie par la colchicine. Stamp et ses collĆØgues ont rĆ©alisĆ© un essai contrĆ“lĆ© randomisĆ© comparant la colchicine Ć  faible dose (0,5 mg par jour) Ć  un placebo pendant les six premiers mois de traitement par l’allopurinol. La dose d’allopurinol a Ć©tĆ© augmentĆ©e de 50 mg par mois jusqu’à ce que le niveau cible d’urates de <360 umol/L soit atteint (33). Ils ont constatĆ© que les patients sous placebo prĆ©sentaient davantage de poussĆ©es au cours des 6 premiers mois que ceux du groupe traitĆ©, mais qu’au bout de 12 mois, les deux groupes prĆ©sentaient une frĆ©quence de poussĆ©es similaire (rĆ©duite). Sur la base de ces rĆ©sultats, la recommandation d’une prophylaxie par la colchicine est maintenue lors de l’instauration de l’hypo-uricĆ©miant.

Information et Ʃducation thƩrapeutique des patients

Doherty et al ont montrĆ© dans un essai contrĆ“lĆ© randomisĆ© que les rĆ©sultats de la prise en charge de la goutte (atteinte des taux cibles d’acide urique, rĆ©duction du nombre de poussĆ©es) sont significativement meilleurs lorsque le traitement mĆ©dicamenteux est accompagnĆ© d’un programme d’éducation thĆ©rapeutique et d’un suivi clinique rĆ©alisĆ© par une infirmiĆØre, par rapport aux soins habituels (34, 35). Des analyses ultĆ©rieures ont Ć©galement montrĆ© que le groupe ayant bĆ©nĆ©ficiĆ© de soins infirmiers Ć©tait plus satisfait, mieux informĆ© sur la goutte et prĆ©sentait un taux de poussĆ©e plus faible que le groupe tĆ©moin. Toutefois, ces rĆ©sultats dĆ©pendent de l’organisation du systĆØme de santĆ©, car l’essai dĆ©crit a Ć©tĆ© rĆ©alisĆ© au Royaume-Uni. Il est probable que d’autres approches puissent influencer les rĆ©sultats du traitement. Aux Ɖtats-Unis, un essai comparant l’intervention d’un pharmacien (information sur la maladie, suivi tĆ©lĆ©phonique et ajustement de la dose d’allopurinol) a montrĆ© que l’observance (> 80 % des jours de traitement) et l’atteinte de l’objectif de 6 mg/dL d’uricĆ©mie Ć©taient significativement plus Ć©levĆ©s dans le groupe en contact avec le pharmacien que dans le groupe recevant les soins habituels (36). Enfin, un essai rĆ©alisĆ© en Ɖcosse, dans lequel les patients ont Ć©tĆ© randomisĆ©s pour bĆ©nĆ©ficier d’un programme visant Ć  amĆ©liorer l’autogestion de la goutte (sous la forme d’un lecteur des taux sĆ©riques d’acide urique pour le monitoring de l’uricĆ©mie Ć  domicile, associĆ© Ć  une application sur smartphone pour amĆ©liorer les connaissances concernant les objectifs de traitement) vs prise en charge classique, a dĆ©montrĆ© une frĆ©quence plus Ć©levĆ©e d’atteinte des taux cible d’acide urique Ć  6 mois dans le groupe intervention par rapport au groupe contrĆ“le (70 % contre 15 %) Ć  6 mois (37). Ces Ć©tudes montrent que diffĆ©rentes stratĆ©gies peuvent ĆŖtre efficaces pour amĆ©liorer l’adhĆ©rence thĆ©rapeutique et les taux sĆ©riques d’acide urique, et que l’approche choisie doit tenir compte des facteurs locaux.

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Dr Alexandre Dumusc

Service de Rhumatologie,
DĆ©partement de l’Appareil Locomoteur
Centre hospitalier universitaire vaudois
Av. Pierre Decker
1005 Lausanne

DrAlexander So

Service de Rhumatologie,
DĆ©partement de l’Appareil Locomoteur
Centre hospitalier universitaire vaudois
Av. Pierre Decker
1005 Lausanne

Les auteurs nā€™ā€Šont pas dĆ©clarĆ© de conflit dā€™ā€ŠintĆ©rĆŖts en rapport avec cet article.

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Préférences de vaccination contre la méningo-encéphalite ­verno-estivale dans quatre pays européens

Lā€™ā€ŠencĆ©phalite Ć  tiques (FSME), causĆ©e par le virus de lā€™ā€ŠencĆ©phalite Ć  tiques (FSMEV), est une maladie neurologique transmise par des vecteurs qui affecte les humains et les animaux (1). La transmission se fait principalement par la morsure dā€™ā€Šune tique Ixodes infectĆ©e dans la nature et les zones rurales (3). La FSME est considĆ©rĆ©e comme endĆ©mique dans 27 pays europĆ©ens (4, 5), bien que lā€™ā€ŠendĆ©micitĆ© puisse varier dā€™ā€Šune rĆ©gion Ć  lā€™ā€Šautre au sein de chaque pays (4).

On estime quā€™ā€Šil y a entre 5000 et 12 000 cas par an en Europe (6), les cas lĆ©gers ou asymptomatiques Ć©tant probablement sous-dĆ©clarĆ©s (5, 7, 8) et les habitudes de dĆ©claration variant considĆ©rablement dā€™ā€Šun pays Ć  lā€™ā€Šautre (2). Des rapports rĆ©cents indiquent que le nombre de cas de fiĆØvre sĆ©rotique Ć  mĆ©ningo-encĆ©phalite en Europe a considĆ©rablement augmentĆ© au cours des cinq derniĆØres annĆ©es seulement (9–11). Cette hausse pourrait sā€™ā€Šexpliquer par plusieurs facteurs, mais les causes principales semblent ĆŖtre les sĆ©jours prolongĆ©s en plein air dans des zones infestĆ©es de tiques, lā€™ā€Šexposition accrue Ć  des aliments peu transformĆ©s et produits localement, ainsi que les changements climatiques qui favorisent une activitĆ© et une propagation accrues des vecteurs (12).

Lā€™ā€ŠannĆ©e derniĆØre, une Ć©tude a Ć©tĆ© publiĆ©e sur les prĆ©fĆ©rences en matiĆØre de vaccination contre lā€™ā€ŠencĆ©phalite Ć  tiques et sur les comportements motivant la vaccination des personnes vivant dans des rĆ©gions europĆ©ennes où cette maladie est endĆ©mique, afin de mettre en Ć©vidence les principales possibilitĆ©s dā€™ā€ŠamĆ©lioration des diffĆ©rentes stratĆ©gies (13).

MƩthodes

Une enquĆŖte en ligne a Ć©tĆ© menĆ©e auprĆØs du grand public en Autriche, en Allemagne, en Suisse et en SuĆØde. Les participants Ć©taient Ć¢gĆ©s dā€™ā€Šau moins 18 ans, ouverts Ć  la vaccination et rĆ©sidant dans des rĆ©gions endĆ©miques pour la fiĆØvre Ć  mĆ©ningo-encĆ©phaliite Ć©quine (FSME) dans ces pays ou sā€™ā€Šy rendant rĆ©guliĆØrement. Ils ont tout dā€™ā€Šabord Ć©tĆ© interrogĆ©s sur leurs connaissances gĆ©nĆ©rales en matiĆØre de vaccination et sur les raisons qui les poussent Ć  se faire vacciner, puis ont Ć©valuĆ© lā€™ā€Šimportance des caractĆ©ristiques du vaccin contre la FSME, telles que lā€™ā€ŠefficacitĆ©, la sĆ©curitĆ©, le schĆ©ma posologique et lā€™ā€Šintervalle de rappel. Ensuite, trois profils hypothĆ©tiques de vaccins contre lā€™ā€ŠencĆ©phalite Ć  tiques prĆ©sentant diffĆ©rentes combinaisons de caractĆ©ristiques ont Ć©tĆ© prĆ©sentĆ©s aux participants. En supposant une efficacitĆ© et une sĆ©curitĆ© identiques, les participants ont Ć©tĆ© invitĆ©s Ć  choisir leur profil prĆ©fĆ©rĆ© parmi douze choix dans le cadre dā€™ā€Šune Ā«analyse de choix discretĀ». Des valeurs dā€™ā€ŠutilitĆ© ont Ć©tĆ© calculĆ©es pour reprĆ©senter lā€™ā€Šimportance de chaque attribut. Les donnĆ©es sont prĆ©sentĆ©es pour lā€™ā€Šensemble du groupe de lā€™ā€ŠenquĆŖte, ainsi que par Ć¢ge et par sexe, et des tests t ont Ć©tĆ© utilisĆ©s pour comparer les moyennes.

RƩsultats

Pour 73 % des participants (n = 1003/1379), lā€™ā€Šautoprotection Ć©tait lā€™ā€Šune des trois principales raisons de se faire vacciner. La gravitĆ© de la maladie, la protection des enfants ou de la famille et lā€™ā€Šavis ou la recommandation dā€™ā€Šun mĆ©decin ou dā€™ā€Šun professionnel de santĆ© Ć©taient les trois principales raisons pour plus de la moitiĆ© des participants. La majoritĆ© dā€™ā€Šentre eux (58 Ć  69 %) Ć©taient dā€™ā€Šaccord ou tout Ć  fait dā€™ā€Šaccord pour dire quā€™ā€Šils faisaient confiance Ć  leur mĆ©decin/professionnel de la santĆ© pour les vaccins, quā€™ā€Šils se fiaient Ć  ses connaissances en la matiĆØre et quā€™ā€Šils prĆ©fĆ©raient que leur mĆ©decin/professionnel de la santĆ© leur recommande les vaccins dont ils ou leur famille auraient besoin. Cependant, pour les profils de vaccination contre la fiĆØvre catarrhale ovine avec des intervalles de rappel de 3, 5 et 10 ans, lā€™ā€Šintervalle de rappel de 10 ans Ć©tait lā€™ā€Šattribut le plus influent dans le choix du profil de vaccination prĆ©fĆ©rĆ© (score dā€™ā€ŠutilitĆ©: 0.58 [erreur standard: 0.01]). Des diffĆ©rences ont Ć©tĆ© observĆ©es entre les sous-groupes dā€™ā€ŠĆ¢ge et de sexe concernant les motivations et les prĆ©fĆ©rences.

Conclusions

Le degrĆ© Ć©levĆ© de dĆ©pendance vis-Ć -vis des mĆ©decins/professionnels de la santĆ© souligne le rĆ“le clĆ© de ces derniers dans la prise de dĆ©cision concernant les vaccins. Lors de la sĆ©lection dā€™ā€Šun profil hypothĆ©tique de vaccin contre lā€™ā€ŠencĆ©phalite Ć  tiques, lā€™ā€Šintervalle de rappel Ć©tait lā€™ā€ŠĆ©lĆ©ment le plus important pour la prise de dĆ©cision, avec une prĆ©fĆ©rence marquĆ©e pour un intervalle de rappel de dix ans. Ces rĆ©sultats pourraient servir de base aux recommandations de vaccination contre lā€™ā€ŠencĆ©phalite Ć  tiques et Ć  la poursuite du dĆ©veloppement de vaccins contre cette maladie.

Source
Zacharias C et al. What makes patients tick? Vaccine preferences against tick-borne encephalitis in four European countries. BMC Infect Dis 2024 Oct 13;24:1151. doi: 10.1186/s12879-024-10045-4

Pr Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

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