Chronische HƤmodialyse – Die Schƶne und das Biest

Seit über 60 Jahren steht die Hämodialyse für Patientinnen und Patienten mit chronischem Nierenversagen zur Verfügung. Trotz der kontinuierlichen Weiterentwicklung dieses lebensrettenden Verfahrens bleibt die Morbidität und Mortalität von chronischen Hämodialyse-Patienten mit terminalem Nierenversagen im Vergleich zur Normalbevölkerung erhöht. Den relevantesten Anteil an dieser Übersterblichkeit hat die deutlich erhöhte kardiovaskuläre Mortalität. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass intermittierende Hämodialyse-Behandlungen systemische Hypoperfusionsepisoden auslösen können, die zu langfristigen kardialen und systemischen Organschäden führen können und dadurch zur erhöhten Mortalität und Morbidität beitragen. Gleichzeitig deuten neue Daten darauf hin, dass eine verlängerte Dialysebehandlung, die Vermeidung der Hypervolämie, eine kardiovaskuläre Basismedikation und eine tiefe Temperatur des Dialysates Hypotonie-Episoden vermeiden und so einen protektiven Effekt haben können.

Haemodialysis has been available to patients with chronic kidney failure for over 60 years. Despite the continuous development of this life-saving procedure, the morbidity and mortality of chronic haemodialysis patients with end-stage renal failure remains higher than in the general population. The most relevant factor in this excess mortality is the significantly increased cardiovascular mortality. In recent years, it has been shown that intermittent haemodialysis treatments can trigger systemic hypoperfusion episodes, which can lead to long-term cardiac and systemic organ damage and thus contribute to increased mortality and morbidity. At the same time, new data suggest that prolonged dialysis treatment, avoidance of hypervolaemia, baseline cardiovascular medication and a low temperature of the dialysate can prevent hypotension episodes and thus have a protective effect.
Key Words: haemodialysis, chronic kidney failure, systemic hypoperfusion episodes

Einleitung

Im MƤrz 1960 überlebte der 39-jƤhrige US-Amerikaner Clyde Shields aus Seattle als weltweit erster Patient ein chronisches Nierenversagen dank der chronischen HƤmodialyse. Dieser medizinische Durchbruch erlaubte es Shields weitere 11 Jahre zu leben, bis er wƤhrend einer Dialysebehandlung an einem Myokardinfarkt verstarb. Sein Tod war der Auslƶser für eine Überlebensanalyse der weltweit ersten 39 chronischen HƤmodialyse-Patientinnen und Patienten, die 1974 im New England Journal of Medicine verƶffentlicht wurde. Innerhalb der ersten 13 Jahre (mittleres Follow-Up 6,5 Jahre, mittleres Alter 37 Jahre) zeigte sich eine GesamtmortalitƤt von 56 % mit einer ÜberreprƤsentation kardiovaskulƤrer TodesfƤlle von 60 % (1). Knapp 50 Jahre nach dieser Publikation werden in der Schweiz aktuell ca. 4500 Patientinnen und Patienten (mediĀ­anes Alter 71 Jahre) chronisch hƤmodialysiert (2). Europaweit sind es ungefƤhr 310’000 Patientinnen und Patienten (3).

Obwohl die Hämodialyse-assoziierte Übersterblichkeit in den letzten Jahren leicht gesunken ist (4), beträgt die Lebenserwartung eines 40-jährigen Hämodialyse-Patienten in Europa weniger als 20 Jahre und ist vergleichbar mit der Lebenserwartung eines ca. 75-Jährigen in der Allgemeinbevölkerung (3).

Die Gründe der Übersterblichkeit sind nur teilweise geklƤrt, den relevantesten Anteil stellt aber weiterhin die deutlich erhƶhte kardiovaskulƤre MortalitƤt (4). Die koronare Herzerkrankung scheint dabei allerdings nicht die Hauptursache für den Herztod bei chronischen Dialysepatienten zu sein, sondern die urƤmische Kardiomyopathie. Sie ist gekennzeichnet durch mediale GefƤsskalzifikationen, erhƶhte GefƤsssteifigkeit, linksventrikulƤre Hypertrophie, vermehrte interstitielle Fibrose und eine Rarefezierung kardialer Kapillaren (reviewed in (5)). Zusammen führen diese VerƤnderungen durch eine Abnahme des diastolischen Pulsdruckes, einem Myozyten/Kapillaren MissverhƤltnis und einer verlƤngerten Sauerstoffdiffusionsstrecke zu einer Neigung für BedarfsischƤmien (Abb. 1).

HƤmodynamische Effekte der Dialysebehandlung

Kurze, repetitive HƤmodialyse-Behandlungen haben relevante hƤmodynamische Effekte. Eine Studie an 9 chronischen HƤmodialyse-Pa-tientinnen und Patienten, von denen keiner einen vorhergehenden Myokardinfarkt oder klinische Anzeichen eines autonomen Versagens hatte, konnte zeigen, dass es wƤhrend der Dialyse-Behandlung zu einem Blutdruckabfall von durchschnittlich 13 mmHg kam (6).

Eine Ƥhnliche Studie mit 100 chronischen HƤmodialyse-Patientinnen und Patienten ergab wƤhrend ca. 20 % aller Dialyse-BehandlunĀ­gen einen symptomatischen Blutdruckabfall über 20 mmHg systoĀ­lisch, der eine pflegerische Intervention notwendig machte (7).

Aufgrund des Zusammenspiels dieser hämodynamischen Veränderun­gen und der kardialen Ischämieneigung besteht seit langem der Ver­dacht, dass repetitive Hämodialyse-Behandlungen eine Myokardi­schämie auslösen können (8).

Dialyse-induzierte kardiale IschƤmie

Dieser Verdacht konnte durch eine H2150 PET-Studie, die den myokardialen Blutfluss mass, bestƤtigt werden. In einer Studie an 4 chronischen HƤmodialyse Patienten zeigte sich, dass der globale myokardiale Blutfluss vor Beginn der HƤmodialyse bei allen Patienten im normalen Bereich lag, wƤhrend der HƤmodialyse-Behandlung jedoch stark abnahm und sich über die Dialysedauer weiter verschlechterte. Eine koronare Herzerkrankung wurde im Vorfeld angiographisch ausgeschlossen. Am Ende der 4-stündigen Dialyse war der myokardiale Blutfluss in 90 % aller untersuchten Regionen reduziert und das Ausmass der Blutfluss Abnahme war mit dem Auftreten echokardiographischer Wandbewegungsstƶrungen assoziiert. Obwohl es nach der Dialyse zu einer Erholung des myokardialen Blutflusses kam, waren die Ausgangswerte auch 30 Minuten nach Beendigung der HƤmodialyse-Behandlung noch nicht erreicht. Diese verlƤngerten Phasen von linksventrikulƤrer Dysfunktion sind als Ā«myoĀ­cardiales stunningĀ» im Rahmen der koronaren Herzerkrankung gut bekannt und kƶnnen langfristig zu einem irreversiblen Funktionsverlust und der Entwicklung einer Herzinsuffizienz beitragen. Weitere Arbeiten nutzten serielle intradialytische Echokardiographie, um die HƤufigkeit des HƤmodialyse-induzierten myokardialen Stunnings zu untersuchen. Dies wurde bewiesen durch das neue Auftreten und post-dialytische Verschwinden von regionalen Wandbewegungsstƶrungen und liess sich bei knapp 50 % aller Patientinnen und Patienten nachweisen (9, 10). Die wichtigsten Risikofaktoren für das Auftreten eines dialyse-induzierten myokardialen Stunnings waren einerseits vorbestehende kardiale Erkrankungen (i.e. hƶherer LinksventrikulƤrer Masse Index, geringere linksventrikulƤre Ejektionsfraktion) und andererseits das Auftreten von intradialytischen BlutdruckabfƤllen, sowie die Menge des Ultrafiltrationsvolumens.

Besonders auffƤllig war die prognostische Bedeutung des dialyse-induzierten myokardialen Stunning: Patientinnen und Patienten, die bei der ersten Untersuchung ein myokardiales Stunning zeigten hatten nach einem Jahr eine signifikant niedrigere linksventrikulƤre Pumpfunktion in Ruhe, eine zunehmende Ausdehnung der dialyse-induzierten Wandbewegungsstƶrungen und eine deutlich hƶhere MortalitƤt verglichen mit Patienten ohne myokardiales Stunning bei Studieneinschluss (9,10). Eindrücklicherweise hatten Patientinnen und Patienten ohne Zeichen eines dialyse-induzierten myokardialen Stunning ein 100 % Überleben in der 1-jƤhrigen Nachbeobachtungszeit (9, 10).

Die hƤmodynamischen Effekte der HƤmodialyse-Behandlung haben nicht nur kardiale, sondern auch systemische Auswirkungen.

Systemische Effekte der chronischen HƤmodialyse

Eine Studie, die die renale Perfusion bei 29 chronischen HƤmodialyse Patienten mittels CT-Perfusions-Studien vor, wƤhrend und nach einer HƤmodialyse-Behandlung untersuchte, konnte nachweisen, dass die renale Perfusion wƤhrend der Dialyse Behandlung um 18 % abfiel und mit der Diureseabnahme nach Beginn der chronischen HƤmodialyse assoziiert ist. Dabei ist die Restdiurese nach Dialysebeginn mit einer besseren Kontrolle von Serumphosphat, HypervolƤmie, Bluthochdruck und sogar einem verbesserten Überleben verbunden. Der systemische hƤmodynamische Effekt der Dialyse-Behandlung wurde durch eine hohe Ko-Okkurrenz von myokardialen Stunning und reduzierter renaler Perfusion bestƤtigt (11). Erste Untersuchungen deuten sogar auf eine Umverteilung der hepatischen Perfusion mit negativem Einfluss auf die Leberfunktion und eine erhƶhte Endotoxinfreisetzung wƤhrend einer HƤmodialyse-Behandlung hin (12).

Selbst die zerebrale Durchblutung wird durch die hƤmodynamischen Effekte der HƤmodialyse beeinflusst. In MRI-Studien mit chronischen HƤmodialyse-Patientinnen und Patienten konnte im Vergleich zu Kontrollpatienten eine diffuse SchƤdigung der weissen Hirnsubstanz nachgewiesen werden, die mit schlechteren Werten in neurokognitiven Tests korrelierten (13). In einem Beobachtungsverlauf von 12 Monaten kam es bei den HƤmodialyse-Patientinnen und Patienten zu einer Zunahme der zerebralen LƤsionen, wobei der Schweregrad der zerebralen SchƤdigung mit dem Ausmass der hƤmodynamischen InstabilitƤt an der HƤmodialyse zusammenhing (14).

Zusammenfassend ist in den letzten Jahren deutlich geworden, dass Hämodialyse-Behandlungen eine erhebliche, wiederkehrende Kreislaufbelastung auslösen, die in vulnerablen Gefässbetten zu Hypoperfusionsepisoden führen kann und langfristig zu relevanten Organschäden führt. Interventionen mit dem Ziel, die erhöhte Mortalität und die organspezifischen Langzeitfolgen einer Dialysebehandlung zu senken, sollten daher primär versuchen, die dialyse-induzierte Kreislaufbelastung zu reduzieren.

Therapeutische Mƶglichkeiten zur Reduktion der Dialyse-induzierten Hypoperfusion

Eine der bestuntersuchten Interventionen zur Reduktion der dialyse-assoziierten Kreislaufbelastung ist die Senkung der Dialysat-Temperatur unter die Kƶrpertemperatur, die im Vergleich zu einer Dialysat-Temperatur von 37.5°C die HƤufigkeit intradialytischer BlutdruckabfƤlle, das Auftreten von dialyse-induzierten myokardialen Wandbewegungen und dialyse-assoziierter SchƤdigungen der weissen Hirnsubstanz signifikant reduzieren konnte (14–16). Es wird angenommen, dass diese positiven Effekte einer niedrigeren Dialysat-Temperatur hauptsƤchlich auf einen verbesserten GefƤsswiderstand zurückzuführen sind.

Eine weitere Massnahme zur Vermeidung der Dialyse-assoziierten Kreislaufbelastung ist das Verhindern einer chronischen HypervolƤmie bei Dialyse-Patientinnen und Patienten.

So konnte zum Beispiel eine Interventionsstudie mit 120 chronischen Dialysepatienten nachweisen, dass eine verbesserte Volämiebeurteilung durch den zusätzlichen Einsatz einer Bioimpedance-Messung im Vergleich zu einer rein klinischen Volumenbeurteilung innerhalb einer 12-monatigen Verlaufsbeurteilung zu einer Reduktion der prä- und postdialytischen Hypervolämie, der linksventrikulären Hypertrophie und des systolischen Blutdrucks bei einer geringeren Anzahl notwendiger Blutdruckmedikamente erreicht werden kann (17). Allerdings war nach 12 Monaten der Anteil anurischer Patienten in der Interventionsgruppe höher als in der Standardgruppe. Die bessere prädialytische Volumenkontrolle hat bei gleichbleibender Dauer einer Dialyse-Behandlung einen direkten positiven Einfluss auf den notwendigen Flüssigkeitsentzug (Ultrafiltrationsmenge) während der nachfolgenden Dialyse-Behandlung. Dies ist von Bedeutung, da die Menge des Flüssigkeitsentzugs nicht nur ein wichtiger Risikofaktor für Dialyse-assoziierte Hypotonie und kardiale Wandbewegungsstörungen ist, sondern grosse Entzugsmengen auch mit einer Übersterblichkeit einhergehen (18).

Die Dialyse-assoziierte Kreislaufbelastung kann zusätzlich durch eine Reduktion der Entzugsgeschwindigkeit (Ultrafiltrationsrate) positiv beeinflusst werden. Die kann neben einer Reduktion der Gewichtszunahme zwischen zwei Dialyse-Behandlungen auch durch die Dauer einer Dialyse-Behandlung beeinflusst werden. Insbesondere sehr kurze Dialyse-Behandlungen unter 3h, die eine hohe Ultrafiltra­tionsrate zur Erhaltung der Euvolämie benötigen, sind mit einer Übersterblichkeit verbunden (18).

Gleichzeitig konnte eine Reihe von nicht-randomisierten Studien zeigen, dass eine verlƤngerte wƶchentliche Dialyse-Dauer (nƤchtliche Dialyse oder hƤufigere Dialyse-Behandlungen) mit einer verbesserten LebensqualitƤt, einer verbesserten Blutdruck- und Phosphat-Kontrolle und sogar einer Reduktion der linksventrikulƤren Hypertrophie verbunden war (19, 20).

Diese Ergebnisse wurden allesamt in der randomisierten Frequent Hemodialysis Network Study bestätigt, welche 245 Patienten in eine Standardgruppe mit dreimal wöchentlicher Dialyse oder eine Gruppe mit kürzerer, sechsmal wöchentlicher Dialyse, (insgesamt zwei Stunden längere wöchentliche Dialysedauer) randomisierte (21).

In der verlängerten Studienbeobachtung zeigte sich sogar, dass die durch die verlängerte Dialyse-Dauer erzielten positiven kardiovaskulären Veränderungen auch nach dem Wechsel auf eine dreimal wöchentliche Standarddialyse zu einer signifikanten Mortalitätssenkung führten (22).
Last but not least, erscheint eine gute kardiovaskulƤre Basis-Therapie mit RAAS-inhibierenden Medikamenten und Aldosteronantagonisten nach neuesten Daten der Cochrane Library und der internationalen Dialysis Outcomes and Practice Patterns Study (DOPPS) nicht nur nicht schƤdlich zu sein, sondern sogar eine moderate MortalitƤtsreduktion zu ermƶglichen (23, 24).

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Dr. med. Markus Mutke

-Basel Klinik für Innere Medizin,
UniversitƤtsspital Basel
Petersgraben 4
4031 Basel

-Cardiovascular Research Institute,
UniversitƤtsspital Basel
Spitalstrasse 2
4056 Basel

Prof. Dr. med. Tobias Breidthardt

-Basel Klinik für Innere Medizin,
UniversitƤtsspital Basel
Petersgraben 4
4031 Basel

-Cardiovascular Research Institute,
UniversitƤtsspital Basel
Spitalstrasse 2
4056 Basel

Die Autoren haben keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

ā—† Die chronische HƤmodialyse ermƶglicht das Überleben von Patientinnen und Patienten mit einem terminalen Nierenversagen.
ā—† Patientinnen und Patienten, die auf eine chronische HƤmodialyse angewiesen sind, haben eine deutlich erhƶhte MortalitƤt.
ā—† In den letzten Jahren konnte gezeigt werden, dass kurze, intermittierende HƤmodialyse-Behandlungen zu einer systemischen Hypoperfusion führen kƶnnen.
ā—† Diese Hypoperfusions-Phasen führen direkt zu OrganschƤden (e.g. kardiale Wandbewegungstƶrungen, zerebrale SchƤden der weissen Substanz, renale Hypoperfusion) und tragen langfristig durch irreversiblen Funktionsverlust zur hohen MorbiditƤt und MortalitƤt der Dialyse-Patientinnen und -Patienten bei.
ā—† Eine gute kardiovaskulƤre Basismedikation, das Vermeiden einer HypervolƤmie und eine Dialyse-Behandlung mit gekühltem Dialysat tragen zu einer Reduktion dieser Hypoperfusion-Phasen bei.
ā—† Eine verlƤngerte wƶchentliche Dialyse-Dauer steigert die LebensqualitƤt, reduziert die kardiovaskulƤre Belastung der Dialyse-Behandlung und ist mit einem verlƤngerten Überleben assoziiert. Patientenwunsch, Ƥrztliche PrƤferenz, sowie organisatorische und abrechnungstechnische Probleme verhindern einen breiteren Einsatz dieser Methode.

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Perspectives et rƩflexions en Antalgie intƩgrative

La MĆ©decine IntĆ©grative associe les meilleurs soins de la mĆ©decine scientifique occidentale Ć  ceux des approches complĆ©mentaires ou Interventions Non MĆ©dicamenteuses (INM), dans le but de maintenir la santĆ© et d’ amĆ©liorer le bien-ĆŖtre, en intĆ©grant toutes les dimensions de la vie. C’ est ce qui en fait son intĆ©rĆŖt dans le syndrome multidimensionnel qu’ est la douleur. Pour cela il est nĆ©cessaire d’ innover en allant au-delĆ  de la mĆ©decine conventionnelle, par les thĆ©rapies Ć©nergĆ©tiques et spirituelles. Cette approche apparaĆ®t d’ autant plus Ć©vidente en gĆ©riatrie. En parallĆØle de ces champs de prospection, l’ information/formation des soignants mĆ©dicaux et paramĆ©dicaux Ć  cette autre dimension du soin est primordiale.

Integrative Medicine combines the best care of Western scientific medicine with complementary approaches or Non-Pharmacological Interventions (NPI), with the aim of maintaining health and improving well-being, by integrating all the dimensions of life. This is what makes it so interesting in the multidimensional syndrome of pain. Yet we need to innovate by moving beyond conventional medicine towards energetic and spiritual therapies. This approach is even more obvious in geriatrics. Alongside these fields of exploration, it is vital to inform and train medical and paramedical staff in this other dimension of care.
Key Words: Integrative Medicine, Non-Pharmacological Interventions (NPI), pain, paramedical care

Antalgie intƩgrative

Ā«Lorsque l’ on parle de mĆ©decine intĆ©grative, on parle entre autres de combiner les meilleurs soins de la mĆ©decine scientifique occidentale Ć  ceux des mĆ©decines alternatives et complĆ©mentaires (MAC) dans le but de maintenir la santĆ© et d’ amĆ©liorer le bien-ĆŖtreĀ» (1).

La mĆ©decine occidentale conventionnelle a une orientation curative: elle traite des maladies une fois qu’ elles se prĆ©sentent. La mĆ©decine complĆ©mentaire vise le maintien de l’ état de bonne santĆ©, en favorisant des changements de mode de vie importants et durables dans le comportement des patients. Ainsi, bien que les deux approches Ā«partagent les mĆŖmes objectifs philosophiquesĀ», elles ont des orientations temporelles diffĆ©rentes (2). C’ est ce qui fait la richesse de leur association dans l’ antalgie intĆ©grative. Dans les annĆ©es 80, les traitements naturels de la douleur sont rĆ©pertoriĆ©s dans un livre sous la plume de JosĆ© Lefort, diplĆ“mĆ© de l’ Institut de Psychosomatique Naturelle de Lausanne, et du Dr AndrĆ© Passebecq, chargĆ© d’ enseignement de naturopathie Ć  la facultĆ© de mĆ©decine de Paris-XIIIĆØme (Fig. 1). L’ intĆ©rĆŖt prĆ©sentĆ© par l’ auteur dans l’ utilisation de ces mĆ©thodes naturelles (en dehors de l’ efficacitĆ©) tient dans le titre: Ā«Traitements naturels de la douleur: les mĆ©thodes analgĆ©siques naturelles et orthobiologiques pour vaincre la douleur physique sans dĆ©pendance ni toxicité» (3). Sur le moteur de recherche PubMed, on atteint le chiffre de 4443 rĆ©sultats en inscrivant Ā«Pain and integrative medicineĀ». Le nombre d’ articles publiĆ©s Ć  l’ annĆ©e sur ce thĆØme ne cesse d’ augmenter, passant de moins de 100 en 2012 Ć  plus de 600 en 2022. C’ est dire la place qu’ occupent les Interventions Non MĆ©dicamenteuses (INM) dans la gestion de la douleur. La raison en dĆ©coule de la dĆ©finition mĆŖme du syndrome douloureux chronique.

Pour rappel, la douleur chronique est un syndrome multidimensionnel caractĆ©risĆ© par sa persistance ou récurrence, une réponse insuffisante au traitement, et une détérioration significative et progressive, du fait de la douleur, des capacités fonctionnelles et relationnelles du patient dans ses activités de la vie journalieĢ€re, au domicile comme aĢ€ l’ école ou au travail. Les répercussions émotionnelles de la douleur sont aussi préjudiciables que les répercussions physiques (4). La douleur est donc Ć  l’ intersection d’ une sommation de problĆØmes: somatiques (lĆ©sion organique rĆ©elle ou virtuelle), psychologiques (personnalitĆ©, histoire et culture de la personne), Ć©vĆ©nementiels (traumatismes dĆ©bordant les dĆ©fenses) et environnementaux (familial, professionnel, social) (5). (Fig. 2)
ExtrĆŖmement rĆ©pandue chez les personnes Ć¢gĆ©es, la douleur chronique est associĆ©e Ć  une morbiditĆ© importante (mobilitĆ© limitĆ©e, isolement social et dĆ©pression). Le Dr J. Schwann (universitĆ© de Stanford, USA) a mis en lumiĆØre l’ importance d’ accorder chez les personnes Ć¢gĆ©es douloureuses une attention particuliĆØre aux considĆ©rations propres au vieillissement, notamment les altĆ©rations du mĆ©tabolisme des mĆ©dicaments et lā€™ā€ŠĆ©vitement de la polypharmacie (6).

Il est donc logique de conclure que seule une approche thĆ©rapeutique multidisciplinaire incluant des thĆ©rapeutiques non invasives et non iatrogĆØnes, permet de rĆ©pondre Ć  la complexitĆ© de la douleur chronique ainsi qu’ à la spĆ©cificitĆ© gĆ©riatrique. Ce que dĆ©montre M. Besson dans un article prĆ©sentant trois applications de ce concept en Suisse, Ć  travers l’ action du rĆ©seau douleur des hĆ“pitaux universitaires de GenĆØve (HUG) qui met l’ accent sur la synergie entre diverses professions et entre les services pour amĆ©liorer la prise en compte de la douleur au sein de l’ institution (7).

La mĆ©decine intĆ©grative, par la diversitĆ© et la complĆ©mentaritĆ© des thĆ©rapies qu’ elle regroupe, rĆ©pond Ć  cette demande grĆ¢ce Ć  l’ adjonction des INM aux soins conventionnels (traitements chimiques, chirurgicaux et psychologiques). Elle rĆ©adapte au monde actuel le concept de la mĆ©decine hippocratique, en intĆ©grant toutes les dimensions de la vie: l’ environnement, le corps physique, la psychĆ©, le mental et le spirituel, comme rĆ©sumĆ© dans le modĆØle d’ antalgie intĆ©grative prĆ©sentĆ© par N. Zurron et C. Berna (8) (Fig. 3). La Plateforme universitaire CEPS (Montpellier, France) rĆ©partit les INM en 5 catĆ©gories (Fig. 4) et propose un modĆØle d’ évaluation scientifique adaptĆ©e aux INM qui peuvent alors faire l’ objet d’ études d’ efficacitĆ© et de leur impact sur des indicateurs de santĆ©, de qualitĆ© de vie, comportementaux et socio-Ć©conomiques (9). Les INM les plus citĆ©es en antalgie intĆ©grative comprennent la mĆ©decine traditionnelle chinoise; les activitĆ©s physiques telles que le yoga, la QI Gong et le TaĆÆ Chi, le Pilates; les thĆ©rapies nutritionnelles (jeĆ»nes, complĆ©ments alimentaires); les thĆ©rapies manuelles (ostĆ©opathie, massages, etc); les thĆ©rapies cognitivo-comportementales (TCC), l’ hypnose et la mĆ©ditation, des programmes d’ éducation thĆ©rapeutique, des mĆ©dications naturelles (homĆ©opathie, phytothĆ©rapie, aromathĆ©rapie, etc).

Les patients revendiquent aussi de plus en plus l’ accĆØs Ć  ces pratiques dans leur parcours de soins conventionnels. Plus de 100 millions d’ europĆ©ens en utilisent. En France, 68 % des FranƧais sont convaincus des bienfaits des MAC jugĆ©es plus naturelles (90 %) et moins nocives pour l’ organisme (88 %), contre 56 % des mĆ©decins (deux tiers des professionnels de santĆ© disent n’ avoir jamais suivi de formation sur les MAC) (10).

De plus en plus d’ études cliniques valident l’ effet thĆ©rapeutique et l’ innocuitĆ© de thĆ©rapies jusqu’ alors relĆ©guĆ©es au rang Ā«d’ ésotĆ©riquesĀ». Ces INM sont de plus en plus recommandĆ©es par les autoritĆ©s de santĆ© nationales et supranationales, prescrites par les mĆ©decins, intĆ©grĆ©es dans les parcours de soins et remboursĆ©es par des assurances et des mutuelles.

Pour une vision globale un changement de ­paradigme est nécessaire

MalgrĆ© ce dĆ©veloppement croissant, il est nĆ©cessaire d’ étoffer les propositions thérapeutiques antalgiques en s’ ouvrant Ć  d’ autres mĆ©decines reposant sur un paradigme autre que la physique matĆ©rialiste. Nombreuses d’ entre elles sont en cours d’ évaluation clinique suivant par un processus d’ observation et d’ expĆ©rimentation avant toute application et intĆ©gration, comme les thĆ©rapies frĆ©quentielles instrumentales. Nous pouvons en citer quelques exemples.

En rhumatologie, la photobiomodulation (PBM) (thĆ©rapie par laser basse intensitĆ© et champ Ć©lectromagnĆ©tique pulsĆ©) rĆ©vĆØle ses effets bĆ©nĆ©fiques sur les douleurs articulaires du genou (11). Au CH de Valenciennes (France), le Dr Antoine Lemaire a validĆ© son intĆ©rĆŖt dans la prise en charge des douleurs polymorphes chez le cancĆ©reux, où elle agit directement sur les mĆ©canismes responsables de la douleur, sans effet secondaire et sans interaction avec les autres traitements (12). Les traitements par champs magnĆ©tiques pulsĆ©s (PMF) suscitent un intĆ©rĆŖt croissant en tant quā€™ā€Šapproche thĆ©rapeutique pour plusieurs maladies neuronales. Les rĆ©sultats rapportĆ©s reprĆ©sentent un choix thĆ©rapeutique alternatif prometteur pour la gestion de la douleur neuropathique, grĆ¢ce Ć  ses actions anti-hyperglycĆ©mique, anti-inflammatoire, anti-hyperalgĆ©sique, anti-allodynique et neuro-immunomodulatrice (13).

En soins palliatifs, il est reconnu que la spiritualitĆ© permet aux patients dā€™ā€Šatteindre une plus grande conscience de soi et de rĆ©pondre Ć  leurs besoins spirituels sans les connotations religieuses, dont le soulagement de la douleur (physique et spirituelle) et dā€™ā€Šautres symptĆ“mes (14) (15). Il existe de plus en plus de preuves en faveur de lā€™ā€Šinclusion des facteurs spirituels en tant que composante importante de lā€™ā€ŠĆ©valuation et du traitement de la douleur (16). Dans l’ étude rĆ©alisĆ©e par L. Balducci, la perspective spirituelle a Ć©tĆ© associĆ©e, entre autres, Ć  une meilleure tolĆ©rance au stress physique et Ć©motionnel, et a contribuĆ© Ć  la dĆ©tection et Ć  la gestion de la douleur spirituelle. La spiritualitĆ© a Ć©galement amĆ©liorĆ© la qualitĆ© de vie et rĆ©duit le risque de maladie et de dĆ©cĆØs pour lā€™ā€Šaidant du patient. (17).

D’ autres pistes Ć  explorer? Les sciences physiques au service de la mĆ©decine

Afin de pouvoir offrir d’ autres perspectives aux patients douloureux chroniques, peut-ĆŖtre faut-il chercher des pistes du cĆ“tĆ© de la physique ondulatoire? L’ évolution des sciences physiques depuis l’ énonciation de la thĆ©orie relativiste (Albert Einstein) ouvre une approche scientifique des thĆ©rapies Ć©nergĆ©tiques et des expĆ©riences spirituelles. Selon les rĆ©centes dĆ©couvertes en physique du rayonnement appliquĆ©e Ć  la biologie, l’ être humain est considĆ©rĆ© comme un champ Ć©lectromagnĆ©tique complexe, un systĆØme organisĆ© de connections frĆ©quentielles et d’ organes qui interagissent entre eux par l’ intermĆ©diaire d’ émissions biophotoniques (18).

C’ est le Pr Fritz Albert Popp†, biophysicien allemand de l’ universitĆ© de Marburg, fondateur de Ā«l’ Institut International de BiophysiqueĀ» (IIB) Ć  Neuss (Allemagne), qui dĆ©montra l’ existence des biophotons qui sont des photons de lumiĆØre dans la gamme des ultraviolets et de la faible lumiĆØre visible qui sont gĆ©nĆ©rĆ©s (et Ć©mis) par un systĆØme biologique (19). Une coopĆ©ration franco-suisse (UniversitĆ© Paris 6ĆØme et Institut Tropicale Suisse de BĆ¢le) rĆ©alisa en 2009 une Ć©tude qui suggĆ©ra leur implication dans une communication cellulaire diffĆ©rente d’ un systĆØme basĆ© sur les molĆ©cules et les rĆ©cepteurs (20). Le Pr Popp a dĆ©montrĆ© que lā€™ā€ŠADN des cellules vivantes stocke et libĆØre des photons crĆ©ant des «émissions biophotoniquesĀ» qui pourraient ĆŖtre la solution Ć  la maladie et Ć  la santĆ© (21). De fait, lā€™ā€ŠĆ©mission de biophotons (EBP) fait rĆ©fĆ©rence au phĆ©nomĆØne dā€™ā€ŠĆ©mission constante et spontanĆ©e de lumiĆØre de tous les systĆØmes biologiques, y compris les humains, en raison dā€™ā€ŠactivitĆ©s mĆ©tabolique, sans excitation ni amĆ©lioration (22) (23).

L’ effet des thĆ©rapies Ć©lectromagnĆ©tiques instrumentales et autres pourrait s’ expliquer par ce modĆØle de communication photonique de tout organisme vivant (cellule, tissu, organe, humain). En 2013 une revue de la littĆ©rature effectuĆ©e par le laboratoire de recherche biomĆ©dicale de l’ UniversitĆ© de Zurich conclut que la recherche sur les principes de la communication intercellulaire non chimique et sans contact a le potentiel dā€™ā€Šoffrir de nouvelles perspectives fondamentales sur les processus biologiques, et donc sur les traitements (24).

Conclusion

Dans la pratique multidisciplinaire du traitement de la douleur chronique, l’ ensemble des protagonistes doit avoir connaissance des pratiques de chacun. Cette information – formation de base permet la comprĆ©hension et l’ acceptation d’ une thĆ©rapie qui nous est Ć©trangĆØre. Le constat de la carence en dimensions humaines autres que matĆ©rialiste dans la prise en charge de la douleur et du soin conventionnel en gĆ©nĆ©ral sera palliĆ©e en considĆ©rant les structures Ć©lectromagnĆ©tique et spirituelle de l’ être tout aussi importantes que le corps physique, autant dans la formation que dans la pratique professionnelle. ParallĆØlement au dĆ©veloppement technologique des thĆ©rapeutiques analgĆ©siques instrumentales et mĆ©dicamenteuses, cette ouverture est un prĆ©alable indispensable Ć  l’ évolution thĆ©rapeutique de la prise en charge des patients douloureux chroniques, plus particuliĆØrement pour celles et ceux qui sont Ć  l’ automne de leur vie.

A ce jour, la recherche clinique sur les possibilitĆ©s thĆ©rapeutiques qu’ ouvre la dimension Ć©lectromagnĆ©tique de l’ être humain est trĆØs peu documentĆ©e. De ce fait, il est normal que les institutions mĆ©dicales restent prudentes quant Ć  leur utilisation. Des Ć©tudes expĆ©rimentales en laboratoire, d’ imagerie des Ć©changes biophotoniques et bien entendu des Ć©valuations cliniques, sont plus que nĆ©cessaires pour mieux cerner les indications d’ utilisation de ces thĆ©rapies en antalgie intĆ©grative.

Qu’ elle se fasse par la voie scientifique de la physique du vide et/ou par la voie philosophique de la spiritualitĆ©, cette ouverture transformera l’ approche du syndrome douloureux qui pourra peut-ĆŖtre devenir le guide menant soignants et patients vers une libĆ©ration du corps et une reconnexion de l’ âme.

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Dr Olivier Abossolo

MƩdecin AnesthƩsiste RƩanimateur
DƩpartement Douleur,
Psychosomatique, Maladie Fonctionnelle
PHU Cliniques MƩdicales,
HĆ“pital St Ɖloi, CHU Montpellier
80 avenue Augustin Fliche
34295 Montpellier Cedex 5
France

L’ auteur a dĆ©clarĆ© aucun intĆ©rĆŖt avec un organisme privĆ© industriel ou commercial en relation avec le sujet traitĆ©.

  • La MĆ©decine IntĆ©grative consiste en l’ association des Interventions Non MĆ©dicamenteuses (INM) aux soins conventionnels. Elle est de plus en plus appliquĆ©e dans le traitement de la douleur chronique. Son Ć©volution Ć  court terme pourrait passer par l’ ouverture aux thĆ©rapies Ć©nergĆ©tiques et spirituelles pour gagner en efficience.

1. Organisation Mondiale de la SantĆ©. 2000. Ā«MĆ©decine traditionnelle: dĆ©finitionĀ». In Ā«Principes mĆ©thodologiques gĆ©nĆ©raux pour la recherche et lā€™ā€ŠĆ©valuation de la mĆ©decine traditionnelleĀ».
2. McEwen, Laurel. Ā«La mĆ©decine intĆ©grative aux Ɖtats-Unis et en FranceĀ», Hegel, vol. 1, no. 1, 2020, pp. 52-57.
3. J. Lefort. Traitements naturels de la douleur. Les mƩthodes analgƩsiques naturelles et orthobiologiques pour vaincre la douleur physique sans dƩpendance ni toxicitƩ. Editions Dangles. 1984.
4. Haute AutoritĆ© de SantĆ© (HAS). Douleur chronique: reconnaiĢ‚tre le syndrome douloureux chronique, l’ évaluer et orienter le patient. Consensus formalisé. 2008
5. https://www.prevention-sante.eu/actus/medecine-integrative-medecine-futur
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9. Ninot, Grégory. «Intervention non-médicamenteuse INM: un concept pour lever les ambiguïtés sur les médecines douces et complémentaires», Hegel, vol. 1, no. 1, 2018, pp. 2-3.
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12. Lemaire, Antoine. (2023). Photobiomodulation: intérêt et perspectives dans la douleur multimorphe du cancer. 10.13140/RG.2.2.33862.86082.
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20. Fels D. Cellular communication through light. PLoS One. 2009;4(4):e5086. doi: 10.1371/journal.pone.0005086. Epub 2009 Apr 1. Erratum in: PLoS One. 2009;4(7). doi: 10.1371/annotation/8d99ccc5-cc76-44f4-b468-d63e42e0b9e1. PMID: 19340303; PMCID: PMC2660427.
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Der Mensch ist, was er isst.

Der Philosoph Ludwig Feuerbach verdichtete mit diesem Satz seine Kritik an der überhƶhten Stellung der Seele und des Geistes als Wesensmerkmal des Menschen. Feuerbach definiert das Menschsein über den Kƶrper und der damit verbundenen Sinnlichkeit. Ā«Der Leib ist die Existenz des Menschen.Ā» Für ihn gibt es ohne ErnƤhrung kein Denken, kein Wohlergehen, und keine Moral: Ā«Die DiƤt ist die Basis der Weisheit und Tugend …. Wollt ihr das Volk bessern, so gebt ihm bessere Speisen. Der Mensch ist, was er isst.Ā» Schon 100 Jahre vorher hatte Immanuel Kant in seiner Tugendlehre die Selbsterhaltung durch gesundes Essen zur moralischen Pflicht erklƤrt.

Ganz in diesem Sinne strebt die Biopolitik der westlichen Regierungen an durch Vorschriften zur Nahrung und durch Erziehung der Bevƶlkerung die Volksgesundheit zu verbessern. Krankheiten wie Diabetes, Arteriosklerose, Krebserkrankungen sollen eingedƤmmt werden. Diesem Ziel kann nicht ernsthaft widersprochen werden. Aber es stellt sich die Frage, wie es am besten erreicht werden kann. Denn was ist Ā«gesundesĀ», was Ā«besseresĀ» Essen? Ist es einfach wenig Zucker, wenig Salz, wenig Fett, viel Gemüse? Das sind die MakronƤhrstoffe. Was ist die richtige Menge an MikronƤhrstoffen (Vitamine, Spurenelemente, essentielle AminosƤuren)? Wie müssen wir neue Entwicklungen, wie genetisch verƤnderte Lebensmittel, Metabolomik, Proteomik, NahrungszusƤtze, ErnƤhrungsmedizin (culinary medicine), Erkenntnisse der Interaktion von Darmflora und Essen, für die gesunde ErnƤhrung berücksichtigen? ErnƤhrungsstudien sind schwierig durchzuführen und gute Evidenz ist eher spƤrlich. Studien wƤren aber wichtig, weil Empfehlungen basierend auf pathophysiologischen Überlegungen nicht genügen. So haben wir früher, überzeugt von ihrem Nutzen, die Diabetes DiƤt beim Diabetes und die cholesterinarme DiƤt bei der HypercholesterinƤmie verordnet. Beide Massnahmen hatten wenig Effekt und sind inzwischen verschwunden. Nichtsdestotrotz entstand nun eine Bewegung Ā«Food-is-MedicineĀ». Soll dieses Konzept Erfolg haben, dann muss noch viel Wissen erarbeitet werden. Denn Nahrung ist kein Medikament. Beim Medikament wird die exakte Dosis eines Wirkstoffs eingenommen. Bei der Nahrung ist nicht nur der Ā«WirkstoffĀ» nicht dosierbar, sondern die Zubereitung und Einnahme ist abhƤngig von den Vorlieben, Gewohnheiten, kulturellen BrƤuchen und von religiƶsen und sozialen Regeln und Geboten. Eine erste grosse Studie, die das Konzept Ā«Food-is-MedicineĀ» prüfte ist denn auch klƤglich gescheitert (1). In der Studie wurden Patienten mit Diabetes Typ II wƤhrend sechs Monaten mit ausgewƤhlten Nahrungsmitteln versorgt und von ErnƤhrungsberatern eng betreut. Verglichen mit der Kontrollgruppe hat die aufwƤndige Intervention nicht nur den Diabetes nicht verbessert, sondern das Kƶrpergewicht der behandelten Patienten nahm zu statt ab. Ein Defizit an zuverlƤssigem Wissen bei den ErnƤhrungsexperten wurde offensichtlich. Das New England Journal of Medicine will unser Wissen bezüglich der Effekte von DiƤtinterventionen stƤrken, oder besser unser Unwissen senken, und vermehrt Arbeiten zu diesem Thema verƶffentlichen (2). Die Herausgeber weisen darauf hin, dass für eine korrekte ErnƤhrung viele Aspekte berücksichtigt werden müssen. Zum einen Ƥndern die Bedürfnisse im Laufe des Lebens. Die optimale ErnƤhrung für Kinder, Schwangere und betagte Menschen unterscheidet sich substantiell. Zudem verlangen eine Vielzahl von Krankheiten, wie PolymorbiditƤt, LebensmittelunvertrƤglichkeiten, entzündliche Darmerkrankungen, Betreuung nach bariatrischer Operation eine spezielle ErnƤhrung. Im Lichte dieser offensichtlichen KomplexitƤt scheint der gegenwƤrtige Ansatz einer vom Staat vorgeschriebenen Anpassung der Nahrungszusammensetzung (z. B. eidgenƶssische Salzinitiative) nicht sinnvoll. Bei fehlender guter Evidenz der Auswirkung auf die gesamte Bevƶlkerung kann damit mehr Schaden als Nutzen entstehen.

Zum Schluss sei noch einmal an die Feuerbach’sche Sinnlichkeit als Wesensmerkmal des Menschen erinnert. Ein feines Essen ist wohltuend für die seelische und kƶrperliche Gesundheit. Massvoller Genuss ist sinnvoll und nicht verboten.

Prof. Dr. med. Franz Eberli

1. JAMA Intern Med. 2024;184(2):154-163.
2. New Engl J Med 2024;390(14):1324-25

Prof. Dr. med. Franz R. Eberli

Stadtspital Zürich Triemli
Klinik für Kardiologie
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CARDIO FLASH

Herzklappen der Frauen

Prognose nach Reparatur der Mitralklappe bei schwerer Mitralinsuffizienz

Die europƤischen und die amerikanischen Richtlinien empfehlen eine Reparatur der Mitralklappe, wenn infolge einer schweren Mitralinsuffizienz das endsystolische Volumen auf >40 mm angestiegen oder die linksventrikulƤre Auswurffraktion (EF) unter 60 % abgesunken ist. Eine grosse Registerstudie hat nun gezeigt, dass Frauen bei diesen Grenzwerten mehr Symptome, mehr KomorbiditƤten (z.B. Vorhofflimmern) und eine hƶhere MortalitƤt haben (1). Die indexierte LV-Dimension (LVESDi) zum Operationszeitpunkt war bei den Frauen grƶsser. Je grƶsser der LV und je tiefer die EF, umso hƶher war die MortalitƤt der Frauen verglichen mit den MƤnnern.

Diese Daten sprechen für eine tendenziell frühere operative Sanierung der Mitralklappe bei den Frauen. Wünschenswert wären auch geschlechtsspezifische Richtlinien für die Operationsindikation bei der Mitralklappe. Bei der Erarbeitung der Daten könnten idealerweise auch neue volumetrische Masse aus CT- oder MR-Untersuchungen, statt nur der eindimensionale LV end-systolische Diameter, berücksichtigt werden (2).

Progression und Prognose bei leichter und mittelschwerer Aortenstenose

In einer Registerstudie wurden Patientinnen (43 %) und Ā­Patienten mit leichter bis mittelschwerer Aortenstenose (KƶF 1–2 cm2) (Alter =74 Jahre) nachverfolgt (3). Die Progredienz zur schweren Aortenstenose erfolgte bei den Frauen langsamer als bei den MƤnnern (Zunahme des Druckgradienten 1.15 vs.2.1 mmHg/Jahr). Die MƤnner zeigten ein exzentrisches Remodeling des LV. Die Frauen entwickelten eine konzentrische Hypertrophie mit dickerem Septum und hƶheren LV Füllungsdrücken. Bei den Frauen nahm die LV-Auswurffraktion weniger schnell ab. Aus ungeklƤrten Gründen wurde bei den Frauen nach Erreichen einer schweren Aortenstenose weniger oft eine Klappenersatz durchgeführt als bei den MƤnnern (37 vs. 58/ 1000 Patientenjahre). Die MortalitƤt, auch wenn stratifiziert nach Alter und Schwere der Stenose, war nicht unterschiedlich zwischen Frauen und MƤnnern.

Trotz gleicher Mortalität sollten wir nicht annehmen, dass die Betreuung und der Operationszeitpunkt bei Frauen und Männern optimal ist. Auch hier wäre eine geschlechterspezifische Abklärungsstrategie und differenzierte Empfehlung für die operative Sanierung wichtig (4).

Prof. Dr. med. Franz Eberli

Literatur
1. Abadie BQ. et al. J Am Coll Cardiol 2024;83:303-312
2. Sannino A and Fortuni F. J Am Coll Cardiol 2024;83:313-316
3. Hariri EH. et al. JACC: Cardiovasc Imaging 2024;17:1-12
4. Pellikka P and Kato N. JACC: Cardiovasc Imaging 2024;17:13-15

Omega-3-FettsƤure EPA: Mehr Schaden als Nutzen

Omega-3-FettsƤure-Supplemente sollen besonders wirksam sein bei Patienten mit tiefem Gehalt an der EicosapentaensƤure (EPA), gemessen als VerhƤltnis EPA/ArachnidonsƤure. Eine japanische Studie (RESPECT-EPA) (1) hat deshalb bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit und tiefem EPA/AA-VerhƤltnis (0.243) in einer unverblindeten, nicht Placebo-kontrollierten Studie untersucht, ob 1800 mg EPA tƤglich die kardiovaskulƤren Ereignisse reduziert. Die Studie war ursprünglich auf 2 Jahre angelegt. Wegen fehlenden Effekts von EPA wurde sie auf insgesamt 5 Jahre Nachbeobachtung ausgedehnt. Nach vier Jahren Nachbeobachtung lagen die Ereignisraten noch deckungsgleich übereinander. Erst dann kam es zu einem Auseinandergehen der Kaplan- Meier-Kurven. Zu diesem Zeitpunkt verblieben allerdings nur noch 31 % Kontrollpatienten und 28 % EPA-behandelte Patienten in der Studie. Der primƤre Endpunkt kardiovaskulƤrer Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall, Hospitalisation wegen instabiler Angina pectoris und koronare Revaskularisation wurde in 112/1225 EPA Patienten und in 155/1235 Kontrollpatienten erreicht und war nicht signifikant unterschiedlich. Der numerische Unterschied kam alleine durch eine hƶhere Anzahl an elektiven Koronarinterventionen in der Kontrollgruppe zustande. Die Autoren diskutieren selber, dass dies eine Folge der unverblindeten Studienanlage ist. Auf der anderen Seite bewirkte EPA signifikant mehr Vorhofflimmern (3.8 % vs. 1.2 %; p=0.017) und mehr gastro-intestinale Nebenwirkungen (3.4 % vs. 1.2 %; p=<0.001). Die vermehrte Anzahl von neu aufgetretenem Diabetes war statistisch nicht signifikant (2.1 % vs. 1.2 %).

Trotz selektivem Einschluss von Patienten mit potentiell grƶsstem Nutzen aufgrund des metabolischen Profils mit tiefem EPA/AA-VerhƤltnis hat das Supplementieren der Nahrung mit der omega-3-FettsƤure EPA einmal mehr die kardiovaskulƤren Ereignisse nicht reduziert, jedoch vermehrt Vorhofflimmern ausgelƶst. Omega-3-FettsƤuren Supplemente sollen in der PrimƤrprƤvention oder SekundƤrprƤvention kardiovaskulƤrer Erkrankungen nicht eingesetzt werden.

Prof. Dr. med. Franz Eberli

Literatur
1. Miyauchi K. et al. Circulation 2024. DOI:10.1161/CIRCULATIONAHA.1223.065520

Kein prognostischer Ā­Nutzen von SGLT2-Hemmern in post-MI Patienten

Die EMPACT-MI-Studie untersuchte den Nutzen einer zusƤtzlichen Behandlung mit dem SGLT2-Hemmer Empagliflozin zur Standardtherapie nach einem akuten Myokardinfarkt (1). In EMPACT-MI wurden > 6500 Patienten mit einer neu aufgetretenen linksventrikulƤren Dysfunktion mit LVEF ≤ 45 % oder Anzeichen einer behandlungsbedürftigen HypervolƤmie nach einem Myokardinfarkt, in 75 % ST-Hebungsinfarkt, zu Empagliflozin oder Placebo randomisiert. Die Patienten waren durchschnittlich 64 Jahre alt und wurden mehrheitlich revaskularisiert. Die Basistherapie bestand aus ACE-Hemmern, Betablocker, Statine und Diuretika. Nach 18 Monaten zeigten sich keine Unterschiede im kombinierten primƤren Endpunkt bestehend aus MortalitƤt oder Herzinsuffizienz-Hospitalisationen (Empagliflozin 8.2 % Empagliflozin; Placebo 9.1 % ; Hazard Ratio 0.90 mit 95 % CI, 0.76–1.06; P = .21). Die Gesamtzahl der Hospitalisationen wegen Herzinsuffizienz war in der Empagliflozin-Gruppe allerdings niedriger (HR, 0.67; 95 % CI, 0.51–0.89).

Diese Ergebnisse bestƤtigen die Ergebnisse der DAPA-MI-Studie mit Dapagliflozin, die ebenfalls keine signifikante Verringerung der kardialen Ereignisse nach einem Herzinfarkt zeigte (2). Dies deutet darauf hin, dass obwohl SGLT2-Inhibitoren bei Herzinsuffizienz, chronischen Nierenerkrankungen und Diabetes Ƥusserst wirksam sind, bei Patienten unmittelbar nach einem Herzinfarkt keinen signifikanten Nutzen bringen. Dies liegt nicht an der Unwirksamkeit der SGLT2-Hemmer, sondern vielmehr daran, dass die Vergleichstherapien (akute Revaskularisierung, Thrombozytenaggregationshemmer, Statine, ACE-Hemmer etc.) bereits sehr potent sind. Aufgrund von EMPACT-MI nun einen klinisch relevanten Nutzen von Empagliflozin zur Verhinderung von Herzinsuffizienz-Hospitalisationen in post-MI Patienten zu postulieren, erscheint mir problematisch, da es sich dabei um eine Subgruppenanalyse einer negativen Studie handelt (3). Vielmehr sollten konsequent alle Patienten mit bekannter Herzinsuffizienz, Diabetes oder chronischer Niereninsuffizienz (v.a. mit Albuminurie) ungeachtet eines Myokardinfarktes mit SGLT2-Hemmern behandelt werden. Bei diesen Patientenkollektiven ist der prognostische Nutzen unbestritten.

Prof. Dr. med. Otmar Pfister

Literatur
1. Butler J, Jones WS, Udell JA, et al. Empagliflozin after Acute Myocardial Infarction. N Engl J Med 2024;390:1455-66.
2. James S, Erlinge D, Storey RF, et al. Dapagliflozin in Myocardial Infarction without Diabetes or Heart Failure. NEJM Evid 2024;3:EVIDoa2300286.
3. Hernandez AF, Udell JA, Jones WS, et al. Effect of Empagliflozin on Heart Failure Outcomes After Acute Myocardial Infarction: Insights From the EMPACT-MI Trial. Circulation 2024;149:1627-38.

Hohes Alter und DyslipidƤmie: Statin ja oder nein in der PrimƤrprƤvention?

Ist es sinnvoll Statine zur Primärprävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei älteren Patienten (Alter > 75 Jahre) einzusetzen? Hierzu besteht wenig Konsens, da diese Bevölkerungsgruppe in randomisierten kontrollierten Studien unterrepräsentiert ist. Die Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin rät deshalb in dieser Altersgruppe in ihren Empfehlungen 2021 zu «smarter medicine» von einer Neubehandlung von Dyslipidämien bei Personen >75 Jahre in der Primärprävention ab. Die AGLA widerspricht dieser Empfehlung und folgt weiterhin den Empfehlungen der ESC und AHA/ACC von 2019, wonach eine Therapie bei entsprechend hohem Risiko auch im Alter > 75 Jahre erwogen werden soll, insbesondere auf der Basis einer «patient shared decision».

Eine auf elektronischen Krankenakten basierte longitudinale Observationsstudie bei knapp 70 000 Personen untersuchte nun den primƤrprƤventiven Nutzen einer Statin-Therapie bei alten (75–84 Jahre) und sehr alten Personen ( ≄ 85 Jahre). Studien-Design: Ā«sequential target trial emulation comparing matched cohorts initiating versus non-initiating statin therapyĀ». Eine Statin-Therapie war dabei bei Personen 74–84 Jahre mit einer Reduktion des standartisierten 5-Jahresrisiko für kardiovaskulƤre Ereignisse von 1 % in der Ā«intention to treatĀ» Analyse und von 5 % in der Ā«per protocolĀ» Analyse assoziiert. Sehr alte Patienten ( ≄ 85 Jahre) wiesen sogar eine deutlich hƶhere Risikoreduktion auf (4.4 % intention to treat; 12.5 % per protocol). Typische Statin-assoziierte Nebenwirkungen wie Myopathien oder Erhƶhung der Leberenzyme traten in beiden Altersgruppen nicht gehƤuft auf. Die in dieser Studie gezeigte Statin-assoziierte Risikoreduktion von kardiovaskulƤren Ereignissen bei alten und sehr alten Personen und die gute VertrƤglichkeit in dieser Patientenpopulation unterstützt die Empfehlungen der AGLA und ESC/AHA/ACC auch Patienten > 75 Jahre bei hohem kardiovaskulƤren Risiko und DyslipidƤmie mit Statinen zu behandeln.

Prof. Dr. med. Otmar Pfister

Literatur
Xu W, Le AL, Lam CLK et al. Benefits and risks associated with statin therapy for primary prevention in old and very old adults; real-world evidence from a target trial emulation study. Ann Intern Med. 2024;Epub ahead of print

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Rückblick und Ausblick: Wohin entwickelt sich die Kardio-Onkologie?

Der noch junge Bereich der Kardio-Onkologie hat über die letzten Jahre enorme Fortschritte gemacht. Die Verbesserung onkologischer und hämatoonkologischer Therapien mit einer grösser werdenden Anzahl von Langzeitüberlebenden und das wachsende Bewusstsein für Krebstherapiebedingte kardiovaskuläre Nebenwirkungen mit kurz- und langfristig überhöhter kardiovaskulärer Morbidität und Mortalität waren Basis für die ersten Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (European Society of Cardiology; ESC) zum Thema Kardio-Onkologie 2022 (1). Mehr als ein Jahr nach der Veröffentlichung möchten wir einen Überblick geben über die ersten Erfahrungen mit den Leitlinien im klinischen Alltag sowie einen Ausblick für die zukünftige Kardio-Onkologie.

During the past years, the still young field of Cardio-Oncology has made enormous progress. The increasing number of long-term cancer survivors due to improved oncological therapies as well as the growing awareness of cancer-therapy-related cardiovascular side effects and the excess cardiovascular morbidity and mortality in this patient segment formed the basis for the first international guidelines on Cardio-Oncology from the European Society of Cardiology (ESC) (1). More than a year after publication of these guidelines in 2022 we would like to reflect on the first experiences in everyday clinical practice and provide an outlook into the future of Cardio-Oncology.
Key Words: cardio-oncology, ESC Guideline, adverse cardiovascular events, risk assessment, primary and secondary prevention

Einführung

Krebserkrankte weisen eine erhöhte kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität auf. Gemeinsame Risikofaktoren sowie Folgen potentiell kardiotoxischer Therapien gehören dabei zu den Hauptursachen. Die modernen und verbesserten Behandlungsoptionen auf dem Gebiet der Onkologie mit zunehmender Überlebenszeit nach der Krebsdiagnose rücken die kardiale Sicherheit für diese Patienten immer mehr in den Vordergrund. Umgekehrt zeigen Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen wie z.B. Herzinsuffizienz (2), Myokardinfarkt (3) oder reduzierter kardiovaskulärer Fitness (4) ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Krebsleidens. Die Schnittstellen sind multipel und vielfach nicht komplett verstanden.

Diese Beobachtungen bildeten die Basis für eine allgemeingültige, frühe und aggressive kardiovaskulƤre Risikostratifizierung und Versorgung von Krebspatienten. Am ESC-Kongress in Barcelona 2022 wurden die neuen und ersten internationalen Guidelines für Kardio-Onkologie vorgestellt. Ein wichtiger und grundlegender Gedankenansatz dieser Leitlinien ist, dass es sich beim kardiovaskulƤren Risiko onkologischer Patienten um eine kontinuierliche Variable handelt, die sich über den gesamten onkologischen Behandlungsverlauf und darüber hinaus verƤndern kann. Ziel der Leitlinien ist es im Sinne eines proaktiven Ansatzes, das medizinisch-behandelnde Team von onkologischen Patienten vor, wƤhrend und nach der Krebsbehandlung zu unterstützen, um kardiovaskulƤre Nebenwirkungen optimalerweise zu verhindern oder zu minimieren (Abb. 1). Über 272 Empfehlungen sowie zahlreiche Strategien zur frühzeitigen Detektion und kardioprotektiven Behandlung werden uns an die Hand gegeben, fast 60% davon sind sogar als Klasse I-Empfehlungen formuliert. Allerdings gilt zu beachten, dass gross angelegte, randomisierte klinische Studien für das kardio-onkologische Patientenkollektiv weitgehend fehlen. Somit sind nur 3% der Empfehlungen mit dem Evidenzgrad (LOE) A versehen, und die meisten Empfehlungen basieren auf einem Experten-Konsensus oder kleineren Studien (LOE C: 76%). Nichtsdestotrotz liefern die Leitlinien mit Schaubildern und Algorithmen ein wertvolles, sehr ausführliches Nachschlagewerk. Über ein Jahr nach der Verƶffentlichung dieser Guidelines ziehen wir eine kurze Bilanz bezüglich deren Anwendbarkeit im klinischen Alltag.

Wichtigste Punkte der Guidelines

Harmonisierung des Begriffs KardiotoxizitƤt

In der Vergangenheit bezog sich der Begriff Ā«KardiotoxizitƤtĀ» (Cancer Therapy-Related Cardiovascular Toxicity, CTR-CVT) vorwiegend auf eine myokardiale Dysfunktion und Herzinsuffizienz. In der ESC-Leitlinie wird – auf Grundlage der Definitionen der International Cardio-Oncology Society (IC-OS) (5) – betont, dass die CTR-CVT ein sehr breites Spektrum an kardiovaskulƤren Stƶrungen umfasst, einschliesslich der koronaren Herzkrankheit, Herzklappenerkrankungen, Herzrhythmusstƶrungen, Perikarderkrankungen, autonomer Dysfunktion sowie systemischer und pulmonaler Hypertonie. Neu definiert, mit klaren Kriterien, wurde die myokardiale Dysfunktion basierend auf der Abnahme der linksventrikulƤren Ejektionsfraktion (LVEF) und dem globalen longitudinalen Strain (GLS) sowie des Anstiegs kardialer Biomarker. Diese universelle Definition der KardiotoxizitƤt sowie deren Schweregrades ist grundlegend, um im klinischen Alltag im gesamten Behandlungsteam von Krebspatienten eine gemeinsame Sprache zu sprechen. Schliesslich ist nicht selten die zentrale Frage bezüglich der onkologischen Therapie hiermit verknüpft: Abbrechen, unterbrechen oder weitermachen?

In der Onkologie wird aktuell die 6. Version der Common Terminology Criteria of Adverse Events (CTCAE) erwartet. Die Übernahme der Kardiotoxizitäts-Kriterien aus der ESC-Leitlinie ist zu erhoffen, da mit den Definitionen der CTCAE ebenfalls erhebliche praktische Auswirkungen für den Praxis- und Klinikalltag verbunden sind. Auch die Vergleichbarkeit in Studien- und Register-Daten wird erst durch eine breite Vereinheitlichung der Definitionen ermöglicht, was die Evidenzlage für zukünftige Empfehlungen in der Kardio-Onkologie qualitativ stark verbessern würde.

Baseline-Risk-Assessment vor Therapiebeginn

Ein wichtiger Input der Leitlinie ist die standardisierte Risikostratifizierung onkologischer Patienten noch vor Beginn der onkologischen Therapie. Denn erhält ein Patient die Diagnose «Krebs» ist eine Schlüsselfrage, wie ein Patient mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Toxizität identifiziert werden kann. Hier empfehlen die neuen Kardio-Onkologie-Leitlinien für 13 verschiedene Krebs

behandlungen (hierunter Chemotherapien, molekulare Therapien, Immuntherapien, hämatopoetische Stammzelltransplantation, Strahlentherapie u.a.) sowie im Fall einer Hormontherapie ein Baseline Risiko-Assessment als Basis für das weitere Monitoring und präventive Massnahmen (Abb. 2).

Einige Prädiktoren für kardiale Toxizität sind bekannt, wie z.B. Alter, Bluthochdruck, Diabetes, eine vorbestehend reduzierte systolische linksventrikuläre Funktion oder auch eine zurückliegende Anthrazyklin-haltige Therapie. Die Autoren der Guidelines verweisen zur einheitlichen Risikobewertung auf den Risiko-Kalkulator der Heart Failure Association (HFA) der ESC und der IC-OS (6). Dieser berücksichtigt Patienten-bedingte Faktoren wie kardiovaskuläre Risikofaktoren (KVRF), kardiovaskuläre Vorerkrankungen, EKG, Bildgebung, kardiale Biomarker sowie die onkologische Therapie. Je nach Resultat (niedriges, mittleres oder hohes/sehr hohes Risiko) werden in Folge Art und Umfang verschiedener Präventions- und Überwachungsstrategien empfohlen. Die ESC-Online-App ist mit dem interaktiven Risiko-Assessment Tool ein sehr geeignetes Hilfsmittel für die Risikostratifizierung im klinischen Alltag (https://www.escardio.org/Guidelines/Clinical-Practice-Guidelines/Guidelines-derivative-products/ESC-Mobile-Pocket-Guidelines).

Allerdings birgt das Baseline-Risiko-Assessment mehrere Hürden. Das vorgeschlagene Risiko-Assessment ist nie für diesen Zweck vollumfänglich validiert worden. Die tatsächliche Leistung und klinische Anwendbarkeit im Alltag sind jedoch zumindest für einige Patienten-Subgruppen gezeigt worden, so z.B. für Patienten mit geplanter Anthrazyklin-basierter Therapie (7) oder mit chronisch myeloischer Leukämie (CML) vor Tyrosin-Kinase-Inhibitor Therapie (8). Auch die Implementierung des Baseline Risk-Assessment in den Praxisalltag scheint erschwert. Denn es stellt sich in erster Linie die Frage, wer eigentlich für diese Risiko-Bewertung zuständig ist. Der kardiologische Fachkollege eher nicht; diese(r) wird in der Regel erst beigezogen, wenn bei einem Patienten bereits ein erhöhtes Risiko identifiziert worden ist. Im Gegenzug hat das onkologische Behandlungsteam kaum detaillierte Kenntnisse der Kardio-Onkologischen Guidelines der ESC und auch der Hausarzt rückt in der Phase einer neu diagnostizierten Tumorerkrankung zumindest passager in den Hintergrund. Ein weiteres Problem stellt der Zeitfaktor dar. Auch mit der besten Triage im kardiologischen Praxisalltag kommt es zu Wartezeiten und es ist kaum sinnvoll, auf die komplettierte Risikostratifizierung zu warten, bevor grünes Licht für den Therapiestart gegeben wird.

PrimƤr-PrƤvention

Die PrimƤr-PrƤvention beschƤftigt sich mit der Frage, ob und wie KardiotoxizitƤt verhindert oder minimiert werden kann. Frühe Studien auf diesem Gebiet liessen einen Nutzen für die Herzfunktion durch den Einsatz von ACE-Hemmern (ACEI) und Betablockern (BB) erahnen. Neuere randomisierte Studien konnten jedoch nur eine geringe oder gar keine Wirkung neurohormonaler Inhibitoren in der PrimƤr-PrƤvention zeigen. So fiel auch eine grosse Metaanalyse von 17 Studien wenig überwƤltigend aus (9). Zwar war die LVEF leicht hƶher unter der kardioprotektiven Therapie, die Resultate aber waren sehr heterogen, mit wenig absolutem Unterschied der LVEF. Ƅhnlich fiel das Ergebnis der Themen-gleichen Metaanalyse in der grossen Gruppe der Patientinnen mit Brustkrebs aus (10). EinschrƤnkend muss bei der Interpretation dieser Studien jedoch berücksichtigt werden, dass die hƤufig kleine Patientenzahl und vor allem die sehr heterogene, meist jüngere und somit potentiell gesündere Studienpopulation als im real-world Setting mƶglicherweise zu falsch negativen oder unterschƤtzten Resultaten führen.

Somit müssen wir noch besser verstehen, welche Patienten von einer primär-präventiven Therapie profitieren. Dies gilt nicht nur für den Einsatz neurohormonaler Inhibitoren wie ACEI oder Angiotensin Rezeptor Blocker (ARB) und BB. Es existieren auch primär-präventive Studien mit Statinen. Während die PREVENT-Studie (11) bei vorwiegend Brustkrebspatientinnen keinen Schutzeffekt ergab, zeigte sich in der STOP-CA-Studie (12) für die prophylaktische Statin-Behandlung ein signifikanter Benefit mit einem deutlich niedrigeren Risiko für das Auftreten einer LV-Dysfunktion bei LymphomPatienten. Diese diskrepanten Resultate der beiden Studien implizieren, dass eine solche Strategie möglicherweise nur bei Hoch-Risiko-Patienten sinnvoll ist und veranschaulichen, dass künftige Studien mit gut durchdachtem Design in möglichst homogenen Patientenpopulationen für die Gewinnung weiterer Erkenntnisse notwendig sind.

Aktuell erlauben die existierenden klinischen Studien keine allgemeingültige Empfehlung einer breiten Verabreichung einer primär-präventiven kardioprotektiven Pharmakotherapie. Vielmehr sollte diese auf der Risikobewertung des einzelnen Patienten basieren und v.a. bei Hoch-Risiko-Patienten eingesetzt werden. Konsens besteht darin: um eine wirksame Krebsbehandlung mit wenig unnötigen Unterbrüchen zu ermöglichen, sollten bereits bestehende kardiovaskuläre Herz-Kreislauf-Probleme unbedingt angemessen behandelt sein. Aus dem Praxisalltag wissen wir um die hohe Prävalenz kardiovaskulärer Erkrankungen und Risikofaktoren. Wenn man genauer hinschaut, bestehen auch häufig entsprechende medikamentöse Therapien bei Patienten mit onkologischer Erkrankung, allerdings sind KVRF in dieser Patientenpopulation grossteils nicht suffizient kontrolliert (13).

Monitoring wƤhrend der Therapie

Zur Vermeidung von kardiovaskulären Problemen, bzw. Kardiotoxizität bei Patienten unter onkologischer Therapie wird in der ESC-Leitlinie eine Überwachung generell empfohlen. Wie zu vielen anderen fachspezifischen Risiko-Fragen wird zur Diagnostik subklinischer Auffälligkeiten der multimodale Ansatz verfolgt, also die Kombination aus Kontrolle der Vitalparameter, EKG, Echo oder MRT und kardialen Biomarkern. So finden sich zu 13 verschiedenen potentiell kardiotoxischen Therapien in den Guidelines übersichtliche Surveillance-Pläne. Je nach Ausgangsrisiko der Kardiotoxizität sind die Empfehlungen häufiger oder eben weniger häufiger Kontrollen aufgeführt. Diese Surveillance-Protokolle klingen zwar plausibel, sind im klinischen Alltag jedoch nicht einfach umzusetzen, wenn man der Ressourcen-Knappheit und Kosteneffizienz Rechnung tragen soll (14,15). Eine jeweilige Priorisierung scheint im Gesamtkontext unumgänglich.

Jede Methode zur Überwachung der Herzgesundheit hat ihre StƤrken und Limitationen. Dies ist auch bei der Echokardiographie der Fall. Von der Arbeitsgruppe um P. Thavendiranathan (16) wurde gezeigt, dass die biplane LVEF-Bestimmung nach Simpson – wenn es um die frühe Detektion einer LV-Dysfunktion geht – ungenügend ist, weil sie erst grƶssere LVEF-Abnahmen valide feststellen kann und eine erhebliche VariabilitƤt aufweist. Im Methodenvergleich hat die 3D-Methode am besten abgeschnitten, mit der kleinsten VariabilitƤt von 6% gegenüber >10% der 2D-Analyse. Seit lƤngerem wissen wir, dass bei der Überwachung der kardialen Funktion die Bestimmung des globalen longitudinalen Strain (GLS) helfen kann. Eine VerƤnderung des GLS kann der Abnahme der LVEF vorausgehen. Der Rückgang um 15% vom Ausgangswert wird als signifikant angesehen und deshalb wurde dieser Parameter in die ESC-Leitlinien aufgenommen. Aber wie steht es eigentlich um die Verfügbarkeit der empfohlenen Untersuchungen wie 3D Echo und Strain-Analyse? Nicht überall gehƶren sie in kleineren SpitƤlern oder kardiologischen Praxen zur Routine-Diagnostik.

Viele Fragen aus dem praktischen Alltag sind hier nicht geklärt und neue Fragen kommen auf. Für eine Brustkrebspatientin unter Her2-gerichteter Therapie gilt es z.B. 6 Echokardiographien zu planen, dies sogar unabhängig des Kardiotoxizitäts-Risikos (Klasse I). Mit der Einführung von Trastuzumab 2005 (erst bei metastasierten, dann auch im adjuvanten Setting) sah man zum Teil schwere Formen von kardialer Dysfunktion, wie man sie bis anhin nur von Anthrazyklinen kannte; und zwar in hohem Masse von fast 20% (17) bei gleichzeitiger Gabe von Anthrazyklinen und ca. 4-12% bei sequenzieller Gabe mit Anthrazyklinen (18). Mittlerweile kommen bei den Her2-positiven Mamma-Karzinom-Patientinnen mehr und mehr Anthrayzyklin-freie Therapie-Schemata zum Einsatz. Für die neueren Anti-Her2-Therapien (Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, bzw. Tyrosinkinase-Hemmer gegen Her2) zeigte sich in den Studien ein deutlich geringeres Kardiotoxizitätsrisiko mit <1% (z.B. DESTINY-Studien, u.a. nachzulesen in (19)). Für solche und andere Fragen wird das wachsende Interesse an neuen Parametern zur Identifizierung von Patienten mit erhöhtem Risiko einer «cancer therapy-related cardiac dysfunction» (CTRCD) klar.

Management im Fall einer KardiotoxizitƤt und Permissive KardiotoxizitƤt

Der «gesunde Menschenverstand» sagt, dass es eine gute Idee ist, die Patientengruppe mit onkologischer Erkrankung speziell zu überwachen. Über die frühe Detektion eines kardialen Problems hinaus stellt sich dann aber die Frage nach der «korrekten» Therapie. Wie sollen wir mit subklinischen Befunden und «geringeren Auffälligkeiten» wie z.B. einem asymptomatischen leichtgradigen Troponin-Anstieg umgehen? Sorge muss hier getragen werden, dass sich daraus nicht eine Über-Diagnostik oder Behandlungsodyssee ergeben. Denn es ist unklar, ob niederschwellig zu diagnostizieren und kardioprotektiv zu behandeln das Outcome tatsächlich verbessern. Aktuell fehlen hierzu die wissenschaftlich fundierten Daten. Und zu berücksichtigen gilt auch: nicht jedes Herzproblem, das unter Krebstherapie auftritt, ist der Behandlung oder der Tumor-erkrankung geschuldet.

Allerdings wissen wir, dass, wenn es Hinweise auf eine KardiotoxiztiƤt oder LV-Dysfunktion unter Anthrazyklin-Therapie gibt, es Sinn macht, zeitnah zu handeln, um einen grƶsseren Myokardschaden zu verhindern und die Responder-Rate mƶglichst hochzuhalten (20, 21). Nachdem der 2D-GLS des linken Ventrikels mit robusten Daten bereits subklinische MyokardschƤden entdecken und eine zukünftige CTRCD vorhersagen kann (22, 23), wurden die Ergebnisse des Succour-Trial gespannt erwartet (24). In dieser prospektiven randomisiert-kontrollierten Studie gab es 2 Studien-Arme zur Einleitung einer kardioprotektiven Therapie bei Patienten unter Anthrazyklin-haltiger Therapie. Es wurde ein GLS-basiertes Patienten-Management verglichen mit dem herkƶmmlichen LVEF-basierten Vorgehen. Je nach Resultaten im Echo-Monitoring erhielten die Patienten einen ACEI und BB. Man erhoffte sich, dass der früh-prƤventive Einsatz einer neurohumoralen Blockade ein besseres Outcome zeigt. Fast enttƤuschend war jedoch das Resultat. Es ergab sich kein signifikanter Unterschied in den Patienten-Gruppen bezüglich LVEF-VerƤnderung und / oder Auftreten einer CTRCD. Bei der Nachbeobachtung kam es leider im Rahmen der Covid-Pandemie zu erheblichen Verlusten von Studienteilnehmern. Arco Teske, ein Kardiologe aus Utrecht, brachte die Resultate folgendermassen auf den Punkt: Ā«Global longitudinal strain in cardio-oncology: worth our trouble or more trouble than it’s worth?Ā» (25), unterstreicht jedoch in seinem Statement, dass der GLS unbedingt auch zukünftig als ein solider Parameter für die Risikostratifizierung Bedeutung hat. Inwieweit der GLS zur Steuerung einer kardioprotektiven Therapie hilft, muss jedoch weiter untersucht werden.

In Anlehnung an die jeweiligen ESC-Guidelines offerieren die Cardio-Oncology Guidelines im Falle einer Kardiotoxizät kompakt aufgeführte Behandlungsvorschläge. Obwohl für all diese Krankheits-Entitäten bereits Guidelines bestehen, die zwar nicht für kardio-onkologische Patienten validiert sind, macht dieser fokussierte Blick durch die kardio-onkologische Brille dennoch Sinn. So wird z.B. für einen Patienten, der unter Ibrutinib ein symptomatisches Vorhofflimmern entwickelt, aufgrund der hohen Vorhofflimmer-Rezidiv-Rate und möglicher medikamentöser Interaktionen eher ein primär Herzfrequenz-kontrollierender Ansatz in Betracht gezogen und die Form der Antikoagulation muss aufgrund des erhöhten Blutungsrisikos Patienten-individuell geprüft werden. Die in den Guidelines aufgeführten Algorithmen und decision trees können im klinischen Alltag helfen. Die Leitlinien beschäftigen sich auch mit der Frage, bei welchem Patienten die Tumortherapie fortgeführt werden kann und bei wem diese pausiert oder gar komplett gestoppt werden muss. In enger Kooperation von Onkologen, Kardiologen und Hausärzten soll dies jeweils interdisziplinär diskutiert und entschieden werden.

Neu ist in diesem Zusammenhang das Konzept der Ā«Permissiven KardiotoxizitƤtĀ» 2022 formuliert worden (26). Es steht für eine Strategie, unter der es mƶglich ist, eine optimale lebensrettende Krebstherapie trotz auftretender KardiotoxizitƤt fortzusetzen. Beispiele hierfür kommen aus der grossen Patientinnengruppe mit Her2-positivem Mamma-Karzinom (SCHOLAR (27) und SAFE-HeaRT (28) Studie). Wir wissen, dass jeder Unterbruch der 12-monatigen Anti-Her2-gerichteten Therapie das Outcome für die Patientinnen verschlechtern kann (29). Das Konzept der permissiven KardiotoxizitƤt ist bereits in die Guidelines von 2022 aufgenommen worden: solange die LVEF nur leicht oder mƤssig beeintrƤchtigt ist und die Patientinnen keine relevanten kardialen (Herzinsuffizienz-)Symptome aufweisen, soll die anti-Her2-gerichtete Therapie unter Etablierung einer kardioprotektiven Therapie mƶglichst fortgeführt werden. Eine enge Kooperation der verschiedenen Fachteams (Kardiologie, Onkologie) ist bei solch schwierigen Fragen wichtig. Kürzlich sind die 3 Jahres-Daten aus der Arbeitsgruppe D.P. Leong aus Kanada zu diesem Thema verƶffentlicht worden (30). Unter der kardioprotektiven Therapie konnten 92% der Patientinnen die onkologische Therapie komplett beenden. In den überwiegenden FƤllen normalisierte sich die LVEF, in 14% blieb die LV-Dysfunktion bestehen. Ƅhnlich erfolgreiche Therapie-Fortsetzungen mit geeigneten protektiven Massnahmen sind auch für andere toxische Therapien gezeigt worden, wie z.B. für Vasospasmen unter 5-Fluoro-Uracil (31). Was es zukünftig und langfristig heisst, mit permissiver KardiotoxizitƤt zu arbeiten, bleibt offen.

Evidenz-Lücken und Ausblick

Das Bewusstsein für krebstherapiebedingte kardiovaskuläre Nebenwirkungen ist über die letzten Jahre gewachsen. Die ESC Guidelines
Kardio-Onkologie haben sich als praktischer Leitfaden mit einer umfangreichen Vollständigkeit der dringlichen Notwendigkeit zum strukturierten Vorgehen in der standardisierten Versorgung kardio-onkologischer Patienten angenommen. Sie sind somit ein wichtiger Meilenstein in der Kardio-Onkologie. Eine standardisierte Risiko-stratifizierung, Überwachung und Behandlungsstrategien im Falle von aufgetretener Kardiotoxizität sollen zur Verbesserung der Versorgung und des Outcomes in dieser Patientengruppe beitragen. Das ist die hervorragende Leistung des Autoren-Teams. Nun heisst es, die Guidelines zu leben, üben, überprüfen und lernen und die aufgezeigten Lücken in der Evidenz mit geeigneten, gut angelegten klinischen Studien zu adressieren. Sowohl die Forschung als auch die multidisziplinäre Zusammenarbeit und der enge direkte Austausch im Alltag nehmen hierbei eine zentrale Rolle ein und bilden eine wichtige Voraussetzung für die künftige Weiterentwicklung der Guidelines und der Kardio-Onkologie im Allgemeinen. Dies wird schliesslich helfen, die Langzeitprognose von Krebspatienten in Zukunft weiter zu verbessern.

Copyright Aerzteverlag medinfo AG

Dr. med. Eva Scheler

OberƤrztin mbF
Kantonsspital St.Gallen, Klinik für Kardiologie
Rorschacher Strasse 95
9007 St. Gallen

Prof. Dr. med. Gabriela Kuster

Leiterin Kardio-Onkologie
Klinik für Kardiologie, Universitäres Herzzentrum
UniversitƤtsspital Basel
Petersgraben 4
4031 Basel

gabriela.kuster@usb.ch

Die Autorinnen haben keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

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Neue Trends der Antikoagulation bei Vorhofflimmern

Der Beitrag beschreibt die Etablierung der direkten oralen Antikoagulantien (DOACs) als Standard zur Schlaganfallsprävention in medizinischen Richtlinien. Er betont ihre Wirksamkeit und verbesserte Sicherheit im Vergleich zu Vitamin K Antagonisten. Er erwähnt auch die Empfehlungen für den klinischen Einsatz von DOACs in verschiedenen Situationen und gibt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen in diesem Bereich.

The article describes the establishment of direct oral anticoagulants (DOACs) as the standard for stroke prevention in medical guidelines. It emphasises their efficacy and improved safety compared to vitamin K antagonists. It also mentions the recommendations for the clinical use of DOACs in different situations and gives an outlook on future developments in this field.
Key Words: Anticoagulants, DOACs, stroke prevention, subclinical atrial fibrillation, dialysis

Seit PrƤsentation und Publikation der ersten Studie mit einem der dazumal neuen oralen Antikoagulantien (NOAC) – inzwischen treffender als ā€˜direkte orale Antikoagulantien’ (DOAC) bezeichnet – sind diese als Standard zur SchlaganfallsprƤvention in allen grƶsseren Richtlinien etabliert (1), basierend auf der mindestens gleich effektiven (wenn nicht besseren) Wirksamkeit sowie der deutlich verbesserten Sicherheit, insbesondere hinsichtlich der schwersten Blutungen verglichen mit Vitamin K Antagonisten (2–5). Zahlreiche Richtlinien und Positionspapiere wie der Ā«European Heart Rhythm Association (EHRA) Practical GuideĀ» geben darüber hinaus Tipps und Empfehlungen zum optimalen Einsatz dieser Substanzen im klinischen Alltag, inkl. Patienten mit Niereninsuffizienz, akuten Koronarsyndrom / Stenting, Kardioversion oder nach einem Schlaganfall (6, 7). In manchen Situationen ist hingegen einiges im Fluss; die vorliegende Übersichtsarbeit soll eine Übersicht über die klinisch relevantesten und im Alltag nicht selten vorkommenden Situationen geben, sowie über die weiteren in nƤchster Zeit zu erwartenden Entwicklungen.

Subklinisches Vorhofflimmern / Device-detektiertes Vorhofflimmern

Noch vor wenigen Jahren war die Diagnose des Vorhofflimmerns verhƤltnismƤssig einfach: Ein unregelmƤssig unregelmƤssiger Herzschlag, keine erkennbaren P-Wellen zwischen den QRS, idealerweise Nachweis von Flimmerwellen. Dies hat sich in letzter Zeit deutlich geƤndert, nicht zuletzt aufgrund der Versorgung von mehr und mehr Patienten mit implantierbaren kardialen Devices, sowie Smartwatches etc. Und auch wenn es kontra-intuitiv erscheint: Patienten mit asymptomatischem Ā«Device-detektiertemĀ» Vorhofflimmern auf ihren Schrittmachern oder ICDs haben ein tieferes Risiko eines Schlaganfalls als solche mit einer klinischen Vorhofflimmern-Diagnose. Zwei kürzlich erschienene Publikationen (NOAH und ARTESiA) konnten zeigen, dass bei diesen Patienten zwar das Risiko eines Schlaganfalls durch eine OAK (Orale Antikoagulation) verringert werden kann, das Risiko von Blutungen jedoch anstieg. Praktisch bedeutet dies, dass eine gute Risikostratifizierung – beispielsweise mittels CHADS-VASc Score – zu erfolgen hat: Nur bei Patienten mit hohem Schlaganfallsrisiko (und idealerweise niedrigem Blutungsrisiko) erscheint eine OAK bei Device-detektiertem Vorhofflimmern einen Netto-Nutzen zu bringen; ansonsten scheint das Risiko der Blutung zu überwiegen (Abbildung 1). Ab welchem Ā«BurdenĀ» des Vorhofflimmerns, und ab welchem Risiko für einen Schlaganfall eine OAK sicher indiziert ist, bleibt aktuell unklar und ist Gegenstand weiterer Studien.

Gleichzeitig ist es sehr wichtig, von diesen asymptomatischen Zufallsdiagnosen das symptomatische Vorhofflimmern, welches ebenfalls auf einem Device festgehalten wurde, zu unterscheiden. Die meisten dieser durch einen Kardiologen oder Elektrophysiologen als Vorhofflimmern bestƤtigten Episoden würden auf einem zu diesem Zeitpunkt geschriebenen EKG ebenfalls einem Vorhofflimmern entsprechen. Das heisst, dass in diesen FƤllen die klinische Diagnose ausschliesslich aufgrund logistischer Limitationen (kein EKG zur Verfügung) nicht gestellt wurde. Entsprechend erscheint die Behandlung dieser Patienten im Sinne eines klinischen Vorhofflimmerns gerechtfertigt – inkl. OAK und Rhythmuskontrolle, falls indiziert.

Jedoch muss bei den zunehmend beobachteten Ā«DiagnosenĀ» eines Vorhofflimmerns mittels Smartwatch genau zwischen der Ā«ScreeningĀ» Funktion (hƤufig mittels Plethysmographie) und der Diagnose eines symptomatischen Vorhofflimmerns mittels eigenstƤndig aufgezeichnetem EKG unterschieden werden. WƤhrend die Implikationen von ersteren aktuell unklar ist (abgesehen vielleicht von einer erhƶhten Vigilanz für eine allfƤllige klinische Rhythmusstƶrung), entspricht die Situation bei letzteren Patienten – wie oben erwƤhnt – de facto der eines klinischen Vorhofflimmerns. Bei der Diagnose eines VHF mittels Smartwatch oder anderen Patienten-aktivierten EKGs ist jedoch zu beachten, dass aufgrund der variablen und zum Teil markanten Filterung andere MassstƤbe an die EKG Diagnose anzulegen sind. Gleichwohl ist die Diagnose durch erfahrene Kardiologen / Elektrophysiologen in aller Regel gut mƶglich.

Schwere Niereninsuffizienz / Dialyse

Das Risiko eines Schlaganfalls ist bei schwerer Niereninsuffizienz sowie an der Dialyse deutlich erhƶht. Da die gegenwƤrtig verfügbaren DOACs in dieser Situation bisher nicht randomisiert untersucht worden waren, werden die meisten dieser Patienten mittels VKA behandelt. Hierbei wird jedoch nicht selten vergessen, dass auch für VKA nie eine adƤquat gepowerte randomisierte Studie durchgeführt wurde, die einen Nettonutzen gegenüber Placebo hƤtte zeigen kƶnnen. Denn auch das Blutungsrisiko dieser Patienten ist aufgrund verschiedener Mechanismen deutlich erhƶht (8). Die Ergebnisse zweier Ende 2022 erschienenen Studien macht die Situation nicht einfacher: Auch für Apixaban – was mangels Alternativen nicht selten Ā«off labelĀ» in solchen Situationen eingesetzt wird – konnte in der AXADIA sowie in der RENAL-AF Studie kein Benefit gegenüber VKA gezeigt werden (9, 10). Bedauerlich ist hierbei insbesondere, dass keine der beiden Studien einen Placeboarm hatten, so dass der Nettonutzen einer OAK überhaupt auch hier nicht untersucht werden konnte. Ebenso waren beide Studien underpowered, was insbesondere bei der RENAL-AF Studie auf eine weit unter den Erwartungen zurückbleibenden Rekrutierung zurückzuführen war. Dies ist umso erstaunlicher, als dass in Situationen fehlender klinischer Daten zur Entscheidungsfindung der Einschluss in eine Studie in aller Regel eine hervorragende Gelegenheit bietet, eben solche Daten zu generieren. Leider ist diese Chance erneut ungenutzt geblieben, so dass weiterhin keine Studiendaten existieren, die eine evidenz-basierte Entscheidungsfindung in dieser hoch vulnerablen Patientenpopulation erlauben würde. Dasselbe gilt für die hƤufig in dieser Situation eingebrachte Option eines perkutanen Vorhofohrverschlusses. In der Tat ist nicht nur die Sicherheit (deutlich erhƶhtes Blutungsrisiko), als auch vor allen Dingen die Effizienz einer solchen lokal begrenzten Therapie bei diesen vaskulƤr und humoral schwer kranken Patienten vƶllig unklar und bisher nicht randomisiert untersucht. Daher sollte diese Therapie in der Abwesenheit von adƤquat gepowerten randomisierten Endpunktstudien nur in AusnahmefƤllen und nach ausführlicher AufklƤrung (insbesondere der fehlenden Studiendaten) erfolgen.

«Valvuläres» Vorhofflimmern

Patienten mit mechanischen Herzklappen sowie mit mindestens mittelschwerer Mitralstenose sind von den grossen randomisierten Phase III Studien der DOACs aufgrund ihres hohen thromboembolischen Risikos ausgeschlossen gewesen.

Bei Patienten mit mechanischen Herzklappen scheint nunmehr – nach 2 weiteren negativen Studien – die Situation klar zu sein, dass VKA die Therapie der Wahl darstellen und DOACs kontraindiziert bleiben dürften (11, 12).

Bei (in der Regel postrheumatischen) Mitralstenose hingegen war die Situation lange Zeit weniger klar, bis 2022 in der INVICTUS Studie eine signifikant hƶhere Thromboembolierate sowie eine hƶhere MortalitƤt unter Rivaroxaban verglichen mit VKA gezeigt werden konnte (13). Die Daten sind eindeutig – allerdings nur für Patienten, welche prinzipiell in diese Studie eingeschlossen werden konnten. Dies beinhaltete insbesondere die Mƶglichkeit einer regelmƤssigen INR Kontrolle, und somit Ā«access to careĀ» – was von entscheidender Bedeutung ist, da es für viele der von post-rheumatischem Vorhofflimmern betroffenen Patienten genau nicht der Fall ist. Ob auch solche Patienten mit ‚unüberwachtem‘ und somit fast zwangslƤufig schlecht eingestelltem INR Wert eher von einem VKA als von einem DOAC profitieren bleibt auch nach der INVICTUS Studie unklar. Ob weitere Studien in dieser oftmals vernachlƤssigten, grossen Patientenpopulation durchgeführt werden ist fraglich – nicht zuletzt, da sie zu grossen Teilen in LƤndern mit niedrigem bis mittleren Einkommen zu finden sind …

Faktor XIa Hemmer – die nƤchsten Ā«NOACsĀ»?

Obgleich mithilfe der aktuell eingesetzten DOACs (direkte Thrombin- bzw. Faktor Xa-Hemmer) ein klarer Benefit gegenüber VKA erzielt werden kann, ist insbesondere das Risiko für Blutungen nicht eliminiert. Um dieser Problematik zu begegnen, werden gegenwƤrtig grosse Phase III Studien der neuen NOACs durchgeführt, welche mittels Inhibition von Faktor XI/XIa die Gerinnung hemmen. Diese Therapie stellt ein prinzipiell hoch attraktives Konzept dar, da FXI/FXIa primƤr in der pathologischen Thrombusbildung, jedoch weitaus weniger in der physiologischen HƤmostase involviert zu sein scheint (14). Daten sowohl aus Tiermodellen, als auch von Patienten mit angeborenem Faktor XI Mangel stützen diese Hypothese (15, 16). Phase II klinische Studien stützen das Konzept und zeigen eine erwartete niedrige Blutungsrate. Allerdings musste das Feld Ende 2023 einen Rückschlag hinnehmen: Eine der grossen Phase III Studien (OCEANIC-AF), in welcher der FXIa-Hemmer Asundexian mit Apixaban verglichen wurde, musste aufgrund unterlegener Effizienz des FXIa-Hemmers vorzeitig terminiert werden. Die Ursachen hierfür sind aktuell noch nicht klar; es kommen grundsƤtzlich 3 ErklƤrungen in Frage: Die Substanz, die untersuchte Dosis, oder das ganze Wirkprinzip. Es bleibt abzuwarten, wie die aktuell noch laufenden Studien zu den verbliebenen FXIa-Hemmern herauskommen. Zur Erinnerung: Auch das erste DOAC, der direkte Thrombinhemmer Ximelagatran, musste nach wenigen Wochen auf dem Markt 2006 zurückgezogen werden – wegen eines erhƶhten Risikos einer HepatotoxizitƤt (welches mit den Folgesubstanzen nicht mehr beobachtet werden konnte). Es bleibt abzuwarten, wie sich die Zukunft der FXIa-Hemmer entwickelt.

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Prof. Dr. med.Jan Steffel

Swiss EP AG
Witellikerstrasse 40
8008 Zürich

J. Steffel hat Beratungs- und / oder Vortragshonorare erhalten von Abbott, Alexion, Astra-Zeneca, Bayer, Berlin-Chemie, Biosense Webster, Biotronik, Boehringer-Ingelheim, Boston Scientific, BMS, Daiichi Sankyo, Medscape, Medtronic, Menarini, Merck/MSD, Organon, Pfizer, Saja, Servier,und WebMD. Er ist Teilhaber der Swiss EP AG und von CorXL.
Dr. Steffel ist Mitglied des Executive Committees der OCEANIC-AF Studie (Asundexian vs. Apixaban zur SchlaganfallsprƤvention bei Vorhofflimmern).

1. Hindricks G, Potpara T, Dagres N, Arbelo E, Bax JJ, Blomstrom-Lundqvist C, Boriani G, Castella M, Dan GA, Dilaveris PE, Fauchier L, Filippatos G, Kalman JM, La Meir M, Lane DA, Lebeau JP, Lettino M, Lip GYH, Pinto FJ, Thomas GN, Valgimigli M, Van Gelder IC, Van Putte BP, Watkins CL, Group ESCSD. 2020 ESC guidelines for the diagnosis and management of atrial fibrillation developed in collaboration with the european association of cardio-thoracic surgery (EACTS). Eur Heart J. 2021 Feb 1;42(5):373-498. doi: 10.1093/eurheartj/ehaa612t
2. Connolly SJ, Ezekowitz MD, Yusuf S, Eikelboom J, Oldgren J, Parekh A, Pogue J, Reilly PA, Themeles E, Varrone J, Wang S, Alings M, Xavier D, Zhu J, Diaz R, Lewis BS, Darius H, Diener HC, Joyner CD, Wallentin L. Dabigatran versus warfarin in patients with atrial fibrillation. N Engl J Med. 2009;361:1139-1151
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13. Connolly SJ, Karthikeyan G, Ntsekhe M, Haileamlak A, El Sayed A, El Ghamrawy A, Damasceno A, Avezum A, Dans AML, Gitura B, Hu D, Kamanzi ER, Maklady F, Fana G, Gonzalez-Hermosillo JA, Musuku J, Kazmi K, Zuhlke L, Gondwe L, Ma C, Paniagua M, Ogah OS, Molefe-Baikai OJ, Lwabi P, Chillo P, Sharma SK, Cabral TTJ, Tarhuni WM, Benz A, van Eikels M, Krol A, Pattath D, Balasubramanian K, Rangarajan S, Ramasundarahettige C, Mayosi B, Yusuf S, Investigators I. Rivaroxaban in rheumatic heart disease-associated atrial fibrillation. N Engl J Med. 2022;387:978-988
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