CMV-Screening

Kongenitale CMV-Infektionen können zu schweren kindlichen Beeinträchtigungen führen. In den letzten Jahren wurden erhebliche Fortschritte bei der Risikoeinschätzung, der frühzeitigen mütterlichen Diagnostik sowie medikamentöser Behandlungen zur Verhinderung einer transplazentaren fetalen Infektion gemacht. Dadurch erweitert sich das Spektrum der Optionen bei frühzeitig erkannter mütterlicher CMV-Infektion und die Frage, ob ein CMV-Screening sinnvoll ist, muss neu bewertet werden.

Une infection congénitale à CMV peut occasionner de graves lésions chez l’enfant. Dans les dernières années, des progrès considérables ont été réalisés dans l’évaluation du risque, le diagnostic précoce d’une infection maternelle et dans le traitement médicamenteux pour empêcher une infection transplacentaire du fœtus. Ainsi, l’éventail des options en cas d’infection maternelle à CMV reconnue rapidement s’élargit; et la question de savoir si le dépistage du CMV fait sens doit être réévaluée.

Das humane Cytomegalie-Virus (CMV) gehört zur Gruppe der Herpesviren und persistiert nach einer primären Infektion lebenslang als latente Infektion im Körper. Während die Mehrzahl der CMV-Infektionen bei immunkompetenten Menschen asymptomatisch verlaufen und somit nicht klinisch erkennbar sind, kann es seltener zu einem mononukleoseartigen Krankheitsbild mit langwierigem Fieber und Abgeschlagenheit kommen, das im Blutbild mit einer Lymphozytose und dem Nachweis atypischer Lymphozyten einhergeht. Im Gegensatz zur Epstein-Barr-Virus-Infektion dominiert jedoch das Fieber, während die klassischen klinischen Zeichen der Mononukleose, die Lymphadenopathie und Tonsillitis, signifikant seltener vorhanden sind.

Körpersekrete als Infektionsquelle

Die Infektion findet durch Kontakt mit infizierten menschlichen Körpersekreten (Speichel, Urin, Tränenflüssigkeit, Samenflüssigkeit etc.) statt und wird v.a. durch engen körperlichen Kontakt übertragen. Kleinkinder gelten als die wichtigsten Überträger was auch damit zusammenhängt, dass diese eine zeitlich lange Virusausscheidung zeigen. So haben Mütter mit einem krippenbetreuten Kleinkind ein bis zu 10-fach erhöhtes Risiko für eine CMV-Infektion (1). Frauen, die in der ersten Schwangerschaft CMV negativ waren, hatten zum Zeitpunkt der Folgeschwangerschaft eine Serokonversionsrate von 15.8%, bei einem Drittel lag eine frische Infektion perikonzeptionell oder im ersten Trimenon vor (2). Die von der Seroprävalenz abhängige Serokonversionsrate Schwangerer im Allgemeinen wird für die Schweiz im Vergleich dazu auf ca. 0.5-1% geschätzt. Das Risiko für Kleinkindbetreuerinnen ist etwa 4-fach erhöht. Für Medizinalpersonen konnte trotz relevantem Expositionsrisiko in Studien bisher keine signifikante Risikoerhöhung objektiviert werden, was mit einer erhöhten Routine bei den Hygienemassnahmen zusammenhängen könnte.
Die Rate an durchgemachten CMV-Infektionen (Seroprävalenz) von Frauen im gebärfähigen Alter ist unter anderem abhängig vom sozioökonomischen Entwicklungsstand eines Landes. Die Durchseuchung erreicht bis zu 100% in Teilen von Afrika, Asien und Südamerika. In der Schweiz und West-Europa wird die Seroprävalenz auf ca. 50% geschätzt (3). Das bedeutet, dass etwa die Hälfte der Schwangeren das Risiko trägt, sich neu mit dem CMV zu infizieren.

Risiken der CMV-Infektion

Eine mütterliche CMV-Infektion kurz vor- oder während der Schwangerschaft kann zu erheblicher Schädigung des Feten führen und ist die häufigste infektionsbedingte Ursache für neurokognitive Entwicklungsstörungen und für sensoneuronalen Gehörverlust. Die Wahrscheinlichkeit, dass es bei einer mütterlicher Primärinfektion zu einer transplazentaren Infektion des Feten kommt, steigt mit zunehmendem Gestationsalter an (Tab. 1). Gleichzeitig sinkt das Risiko einer fetalen Schädigung mit fortschreitendem Gestationsalter erheblich. Aktuelle Daten beziffern das Risiko für eine relevante fetale Schädigung auf 20-30%, wenn die mütterlichen Primärinfektion perikonzeptionell- bzw. im ersten Trimenon stattgefunden hat. Hingegen fällt das Risiko auf unter 1%, wenn die Infektion nach dem ersten Trimenon stattgefunden hat (4, 5).
Neben der primären CMV-Infektion können auch Reaktivierungen der latenten Infektion und Re-Infektionen mit einem anderen CMV-Stamm zu fetalen Schädigungen führen. Da die nichtprimäre Infektion diagnostisch schwierig einzuordnen ist, sind exakte Zahlen nicht bekannt, es werden jedoch deutlich geringere Transmissionsraten zwischen 0.2-3.4% geschätzt, wenngleich manche dies für unterschätzt halten (6, 7). Wenn es jedoch zu einer fetalen Infektion kommt, ist das Schädigungspotential dem der Primärinfektion vergleichbar (8).

Erkennung nur über eine serologische Diagnostik

Da über 90% der primären CMV-Infektionen bei Schwangeren asymptomatisch oder unspezifisch verlaufen, ist die frühzeitige Erkennung einer mütterlichen CMV-Infektion eine Herausforderung und kann praktisch nur über die Bestimmung der Serologien erkannt werden. Typischerweise wird die Primärinfektion durch eine Serokonversion des CMV IgG diagnostiziert. Dies setzt jedoch voraus, dass ein negativer Serostatus vorbekannt ist. Da mit der perikonzeptionellen Phase und dem ersten Trimenon ein verhältnismässig kurzes Zeitintervall für eine Schädigung relevant ist, können eine Reihe von Immunglobulin-Konstellationen vorliegen, die interpretiert werden müssen, um die Wahrscheinlichkeit einer relevanten Primärinfektion abschätzen zu können. Wenn eine Risikoeinschätzung erfolgen soll, muss daher ein Serostatus so früh wie möglich bei der ersten Schwangerschaftskontrolle oder bereits präkonzeptionell erhoben werden. Bei negativem Serostatus in der Frühschwangerschaft sollte bei 12-14 SSW erneut eine Serobestimmung stattfinden, um das gesamte erste Trimenon abzudecken. Zu beachten ist, dass der alleinige Nachweis von CMV IgM nicht diagnosesichernd für eine frische CMV-Infektion ist, da unspezifische Kreuzreaktionen vorliegen können und es sollte zunächst eine Verlaufsserologie nach 10-14 Tagen durchgeführt werden. Erst wenn es dann zu einem IgG Nachweis kommt ist eine frische CMV-Infektion gesichert. Bei positivem IgG und negativem IgM ist mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer bereits früher stattgehabten CMV-Infektion auszugehen und eine erneute Bestimmung in der Schwangerschaft ohne Verdachtsmoment ist nicht empfohlen. Wenn sowohl IgG als auch IgM nachweisbar sind, muss der Zeitpunkt der Infektion besser eingegrenzt werden, da IgM für lange Zeit persistieren kann. Dies geschieht mit der Bestimmung der Ig G Avidität als Mass für den Maturitätsgrad des Antikörpers. Eine geringe Avidität spricht für eine kürzlich stattgefundene CMV-Infektion. Schwierig ist die Interpretation, wenn eine intermediäre Avidität vorliegt. Hier zeigen noch unpublizierte Daten, dass in etwa 10% es zu einer fetalen Infektion kommen kann, was bedeutet, dass diese Fälle am ehesten wie eine Primärinfektion behandelt werden sollten. Die möglichen Serokonstellationen sind in Abb. 1 zusammengestellt. Eine verlässliche Erkennung von nicht-primären Infektionen durch Re-Infektion oder Re-Aktivierung ist hingegen nicht möglich und eine weiterführende CMV-Diagnostik sollte nur bei begründetem Verdacht erfolgen.

Behandlungsoptionen bei frühzeitiger Infektionserkennung

Eine frühzeitige Erkennung einer mütterlichen CMV-Primärinfektion ist dann sinnvoll, wenn daraus therapeutische Optionen abgeleitet werden können, mit Hilfe derer eine vertikale Transmission auf den Feten verhindert werden. Hierfür stehen derzeit das Virustatikum Valaciclovir sowie Hyperimmunglobuline zu Verfügung. Beide Substanzen werden im «off-label use» angewendet. In einer aktuellen randomisierten, doppel-blind, placebo-kontrollierte Studie konnte bei Schwangeren mit einer perikonzeptionell- oder im ersten Trimenon stattgefundenen CMV-Serokonversion als Zeichen einer Primärinfektion mittels hochdosiertem Valaciclovir (8g/d) eine signifikante Reduktion der vertikalen Transmission bis zum Zeitpunkt der Amniozentese bei 21 SSW um 70% erreicht werden (11% vs. 30% in der Plazebogruppe) (9). Die Datenlage für die Hyperimmunglobuline (HIG) ist bisher uneinheitlich, während in 2 randomisierten, plazebo-kontrollierten Studien keine signifikante Transmissionsreduktion festgestellt werden konnte (10), zeigte eine aktuelle nicht-randomisierte Beobachtungsstudie mit optimierten Behandlungsmodalitäten hinsichtlich des Behandlungsbeginns, der Dosis und des Applikationsintervalls deutlich seltener eine fetale CMV-Infektion bei der Amniozentese bei 20 SSW (6.5% vs. 35.2% beim historischen Kontrollkollektiv) (11).

Ist ein Screening auf CMV sinnvoll?

Um eine effektive Transmissionsprophylaxe betreiben zu können muss eine mütterliche Primärinfektion so früh wie möglich erkannt werden, damit die transplazentare Infektion verhindert werden kann. Somit stellt sich die Frage, ob ein mütterliches Screening auf CMV in der frühen Schwangerschaft sinnvoll ist und angeboten werden sollte.
Ein systematisches Screening macht nur in Populationen mit verhältnismässig geringer Seroprävalenz, wie sie v.a. in Zentraleuropa vorliegt, Sinn. Einige Gründe sprechen für ein Screening auf CMV in der Schweiz. Etwa die Hälfte aller Schwangeren trägt ein Risiko für eine primäre CMV-Infektion. Die kongenitale CMV-Infektion ist ein relevantes Gesundheitsproblem und ein geeignetes Testverfahren (Serostatus) ist vorhanden mit einer hohen Sensitivität von 93-96% für die neuesten IgG-Aviditätstests für die Erkennung einer primären CMV-Infektion innerhalb der letzten 3 Monate (12). Ferner steht eine Behandlung zur Verfügung, die eine signifikante Risikoreduktion bewirkt. Somit sind zentrale, von der WHO aufgestellte Kriterien, welche an ein Screening gestellt werden, erfüllt (13).
Ob die Evidenz aus den bisherigen Studien hinsichtlich der Transmissionsprophylaxe ausreichend ist, um diese als anerkannte Therapie in Anlehnung an die WHO-Kriterien einzustufen und ob die mit einem Screening verbundenen Kosten in einem ausgewogenen Verhältnis zu den möglichen Kosten der medizinischen Versorgung bei kongenitalen CMV-Infektionen insgesamt steht, bleibt aktuell offen. In der Tat ist ein generelles Screening auf CMV aller Schwangeren im ersten Trimenon international umstritten und bisher in keiner nationalen Guideline empfohlen (14). Argumente gegen ein generelles Screening sind die begrenzte Datenlage hinsichtlich der therapeutischen Optionen für eine Transmissionsprophylaxe (Virustatika, Hyperimmunglobulin s.o.), eine teilweise schwierige Interpretation bei Seropositivität im Hinblick auf Primär- vs. Nicht-Primärinfektion bzw. den Zeitpunkt der Primärinfektion und damit der Risikoeinschätzung. Die Thematik wird mit zunehmender Datenlage zu Diagnostik und Therapie aber aktuell bleiben. So wurden bereits die Daten zur Valaciclovir Behandlung in einer weiteren Analyse bestätigt.

Primärprävention

Die Primärprävention ist nach wie vor die wichtigste Massnahme zum Schutz vor einer CMV-Infektion. Diese besteht in der Aufklärung über die schwangerschaftsspezifischen Risiken und Infektionswege des CMV. Mehrere Studien haben gezeigt, dass das Bewusstsein für das Risiko einer CMV-Infektion sowohl bei den medizinischen Versorgern wie auch bei den Schwangeren begrenzt ist, was dazu führt, dass Hygienemassnahmen nicht oder zu spät durchgeführt werden und somit das Risiko einer mütterlichen Serokonversion steigt. Dass Hygienemassnahmen effektiv sein können, wurde verschiedentlich gezeigt. In einer randomisierten Studie bei seronegativen Schwangeren konnte das Risiko einer Infektion um 85% gesenkt werden (15). Die Hygieneempfehlungen sind in Abb. 1 zusammengefasst. Da jedoch viele Schwangerschaften ungeplant eintreten und die erste Schwangerschaftskontrolle üblicherweise bei 6-9 SSW stattfindet, ist ein grosser Teil der vulnerablen Phase bereits überschritten, sodass diese Massnahmen zu spät kommen könnten, insbesondere wenn das Bewusstsein in der Bevölkerung hierzu gering ist.

Risikoadaptiertes Screening?

Während eine Empfehlung für ein generelles Screening noch nicht abschliessend getroffen werden kann, könnte ein risikoadaptiertes Screening zielführend sein. Dieses betrifft v.a. die Hauptrisikopopulation der Schwangeren mit Kleinkindern im Haushalt und Kleinkindbetreuerinnen in Kindertagesstätten. Nicht ausser Acht zu lassen ist auch das Recht der Schwangeren auf eine informierte Entscheidung im Sinne der Patientenautonomie. Dies setzt voraus, dass einerseits eine Einschätzung der individuellen Risikokonstellation stattfindet und andererseits über die diagnostischen Möglichkeiten inklusive deren potentiellen Unsicherheiten sowie über die Konsequenzen bzw. Optionen im Falle des Verdachts bzw. Nachweises einer Primärinfektion informiert wird. Hierfür ist ein entsprechendes Hintergrundwissen des Aufklärenden notwendig, denn ein wichtiges Argument von Gegnern eines Screening ist, dass dieses zu vermehrten Schwangerschaftsabbrüchen führen könnte, da eine Prognoseeinschätzung im ersten Trimenon schwierig ist und unklare Serologien dazu führen könnten, dass die Schwangerschaft zum Ausschluss der Eventualität einer fetalen Schädigung zu einem frühen Zeitpunkt ohne eine weitere konfirmatorische Diagnostik (Verlaufsserologie, Fruchtwasser) abzuwarten unnötig abgebrochen wird. Eine differenzierte Interpretation der Serologien und eine hohe Expertise bei der Besprechung auffälliger Resultate können dabei zu einer signifikanten Reduktion voreiliger Abbrüche führen (16).


Die fetale Infektion im ersten Trimenon wird üblicherweise durch eine Amniozentese mit PCR auf CMV im Fruchtwasser nachgewiesen, diese sollte mindestens 8 Wochen nach vermuteter Primärinfektion, aber frühestens ab 18 SSW durchgeführt werden. Dies bedeutet eine lange zum Teil für die Eltern schwer erträgliche Phase der Unsicherheit und Sorge. Ein neuer, noch nicht etablierter Ansatz ist, per Chorionzottenbiopsie bereits bei 12-14 SSW durch den CMV-Nachweis in Chorionzotten eine erste Einschätzung zu machen (17). Dies könnte insbesondere in Fällen, bei denen bereits ein Abbruch der Schwangerschaft im Raum steht, bei fehlendem CMV-Nachweis eine Entwarnung geben, dass der Fet zum Zeitpunkt der Vulnerabilität nicht infiziert war. Die Schweizerische Akademie für feto-maternale Medizin hat die Empfehlungen im neuen Expertenbief der SGGG vom Februar 2021 zu CMV in der Schwangerschaft überarbeitet, damit die Schwangere eine informierte Entscheidung treffen kann. Dies könnte auch zu einer verstärkten Sensibilisierung für die Primärprophylaxe durch Hygienemassnahmen führen. Eine vergleichbare Empfehlung wurde im Juli 21 in der kanadischen Guideline publiziert (18).

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Prof. Dr. med. Leonhard Schäffer

Klinik für Geburtshilfe und Pränataldiagnostik
Kantonsspital Baden AG
Im Ergel
5404 Baden

leonhard.schaeffer@ksb.ch

Der Autor hat keine Interessenkonflikte in Zusammenhang mit diesem Artikel.

◆ Eine Primärprophylaxe mittels Information und Hygienemassnahmen ist die Basis zum Schutz vor kongenitalen CMV-Infektionen und muss jeder Frau in der Frühschwangerschaft oder optimalerweise präkonzeptionell vermittelt werden.
◆ Eine individuelle Risikoeinschätzung und ein Angebot zur Erhebung des Serostatus im Sinne eines «risikoadaptierten Screenings» sollte jeder Schwangeren im Sinne einer informierten Entscheidung zu Verfügung gestellt werden.
◆ Unklare Serologiekonstellationen und Serokonversionen im ersten Trimenon bedürfen einer zeitnahen differenzierten Beratung mit dem Ziel, durch Aufzeigen der möglichen Behandlungsoptionen, der weiteren Diagnostik und der Prognoseeinschätzung voreilige Konsequenzen (für die laufende Schwangerschaft) zu verhindern.

Messages à retenir
◆ Chaque femme doit recevoir, en début de grossesse ou mieux encore avant la conception, comme prévention primaire, les informations et instructions sur les mesures d’hygiène qui sont la base de la protection contre une infection congénitale à CMV.
◆ Chaque femme enceinte devrait recevoir une évaluation de son risque individuel et l’offre d’établir son status sérologique dans le sens d’un «screening adapté au risque » pour lui permettre de prendre ses décisions en toute connaissance de cause.
◆ Une constellation sérologique ambigüe ou la séroconversion pendant le premier trimestre nécessitent un conseil différencié sans délai exposant les possibilités thérapeutiques, les mesures diagnostiques complémentaires et le pronostic, dans le but d’éviter des conclusions hâtives (pour la grossesse en cours).

 

1. Hyde TB, Schmid DS, Cannon MJ. Cytomegalovirus seroconversion rates and risk factors: implications for congenital CMV. Rev Med Virol. September 2010;20(5):311–26.
2. Leruez-Ville M, Guilleminot T, Stirnemann J, Salomon LJ, Spaggiari E, Faure-Bardon V, u. a. Quantifying the Burden of Congenital Cytomegalovirus Infection With Long-term Sequelae in Subsequent Pregnancies of Women Seronegative at Their First Pregnancy. Clin Infect Dis Off Publ Infect Dis Soc Am. 23. Oktober 2020;71(7):1598–603.
3. Manicklal S, Emery VC, Lazzarotto T, Boppana SB, Gupta RK. The „silent“ global burden of congenital cytomegalovirus. Clin Microbiol Rev. Januar 2013;26(1):
86–102.
4. Chatzakis C, Ville Y, Makrydimas G, Dinas K, Zavlanos A, Sotiriadis A. Timing of primary maternal cytomegalovirus infection and rates of vertical transmission and fetal consequences. Am J Obstet Gynecol. Dezember 2020;223(6):870-883.e11.
5. Faure-Bardon V, Magny J-F, Parodi M, Couderc S, Garcia P, Maillotte A-M, u. a. Sequelae of Congenital Cytomegalovirus Following Maternal Primary Infections Are Limited to Those Acquired in the First Trimester of Pregnancy. Clin Infect Dis Off Publ Infect Dis Soc Am. 15. Oktober 2019;69(9):1526–32.
6. Britt WJ. Congenital Human Cytomegalovirus Infection and the Enigma of Maternal Immunity. J Virol. 1. August 2017;91(15).
7. Simonazzi G, Curti A, Cervi F, Gabrielli L, Contoli M, Capretti MG, u. a. Perinatal Outcomes of Non-Primary Maternal Cytomegalovirus Infection: A 15-Year Experience. Fetal Diagn Ther. 2018;43(2):138–42.
8. Mussi-Pinhata MM, Yamamoto AY. Natural History of Congenital Cytomegalovirus Infection in Highly Seropositive Populations. J Infect Dis. 5. März 2020;221(Suppl 1):S15–22.
9. Shahar-Nissan K, Pardo J, Peled O, Krause I, Bilavsky E, Wiznitzer A, u. a. Valaciclovir to prevent vertical transmission of cytomegalovirus after maternal primary infection during pregnancy: a randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Lancet Lond Engl. 12. September 2020;396(10253):779–85.
10. Revello MG, Lazzarotto T, Guerra B, Spinillo A, Ferrazzi E, Kustermann A, u. a. A randomized trial of hyperimmune globulin to prevent congenital cytomegalovirus. N Engl J Med. 3. April 2014;370(14):1316–26.
11. Kagan KO, Enders M, Hoopmann M, Geipel A, Simonini C, Berg C, u. a. Outcome of pregnancies with recent primary cytomegalovirus infection in first trimester treated with hyperimmunoglobulin: observational study. Ultrasound Obstet Gynecol Off J Int Soc Ultrasound Obstet Gynecol. April 2021;57(4):560–7.
12. Sarasini A, Arossa A, Zavattoni M, Fornara C, Lilleri D, Spinillo A, u. a. Pitfalls in the Serological Diagnosis of Primary Human Cytomegalovirus Infection in Pregnancy Due to Different Kinetics of IgM Clearance and IgG Avidity Index Maturation. Diagn Basel Switz. 26. Februar 2021;11(3).
13. Wilson JMG, Junger G. Principles and practice of screening for disease. Public Health papers No. 34, Word Health Organization. 1968.
14. Hui L, Shand A. Is it time to adopt routine CMV screening in pregnancy? No! Am J Obstet Gynecol MFM. 22. März 2021;100355.
15. Revello MG, Tibaldi C, Masuelli G, Frisina V, Sacchi A, Furione M, u. a. Prevention of Primary Cytomegalovirus Infection in Pregnancy. EBioMedicine. September 2015;2(9):1205–10.
16. Guerra B, Simonazzi G, Banfi A, Lazzarotto T, Farina A, Lanari M, u. a. Impact of diagnostic and confirmatory tests and prenatal counseling on the rate of pregnancy termination among women with positive cytomegalovirus immunoglobulin M antibody titers. Am J Obstet Gynecol. März 2007;196(3):221.e1-6.
17. Faure-Bardon V, Fourgeaud J, Guilleminot T, Magny J-F, Salomon LJ, Bernard J-P, u. a. First-trimester diagnosis of congenital cytomegalovirus infection after maternal primary infection in early pregnancy: feasibility study of viral genome amplification by PCR on chorionic villi obtained by CVS. Ultrasound Obstet Gynecol Off J Int Soc Ultrasound Obstet Gynecol. April 2021;57(4):568–72.
18. Boucoiran I, Yudin M, Poliquin V, Caddy S, Gantt S, Castillo E. Guideline No. 420: Cytomegalovirus Infection in Pregnancy. J Obstet Gynaecol Can JOGC J Obstet Gynecol Can JOGC. Juli 2021;43(7):893–908.

Gedanken und Neues zu einer Pandemie

Übergewicht und Adipositas stellen die beiden wichtigsten Krankheitsmodulatoren des Risikos der chronischen Erkrankungen in der modernen Gesellschaft dar. Die Adipositas moduliert durch diverse Mechanismen die wichtigsten Risikofaktoren wie z.B. Bluthochdruck (in der Framingham-Studie kann über 70% des Blutdruck-Anstiegs mit dem Alter durch das erhöhe Körpergewicht erklärt werden), Diabetes mellitus Typ 2, Dyslipidämie und KHK, oder auch die vielfach unerkannte Schlafapnoe. Zudem zeigt sich die Bedeutung des Risikofaktors Übergewicht und Adipositas auf eindrückliche Weise in der Übersterblichkeit bei einem Covid-19 Infekt.

Le surpoids et l’obésité sont les deux plus importants modulateurs du risque de maladies chroniques dans la société moderne. Par le biais de divers mécanismes, l’obésité module les facteurs de risque les plus importants tels que l’hypertension artérielle (dans l’étude de Framingham, plus de 70% de l’augmentation de la pression artérielle avec l’âge peut être expliquée par l’augmentation du poids corporel), le diabète sucré de type 2, la dyslipidémie et les maladies coronariennes, ou même l’apnée du sommeil, souvent méconnue. En outre, l’importance du facteur de risque que constitue le surpoids et l’obésité est démontrée de manière impressionnante par la surmortalité en cas d’infection par le Covid-19.

Übergewicht und Adipositas haben in den letzten 10 Jahren pandemisches Ausmass angenommen und es gibt kaum eine Weltregion, die nicht betroffen ist. Im Jahre 2013 erlangten Übergewicht und Adipositas bei der American Medical Association den Krankheitsstatus. Dieselbe Organisation lehnte das Krankheitslabel ein paar Jahre früher wegen Nicht-Erfüllung der klassischen Krankheitskriterien ab. Dies ganz im Gegensatz zur amerikanischen Adipositas-Fachgesellschaft (The Obesity Society), welche in einem Positionspapier Übergewicht und Adipositas bereits im Jahre 2008 als Krankheit taxierte. Trotz aller Kontroverse um die Krankheitsbezeichnung (1) war dies richtig, da damit mehr Ressourcen für die Prävention und Therapie zur Verfügung stehen.

Trotz diesem Krankheitslabel und extremsten Anstrengungen der modernen Forschung wurde bis anhin keine nachhaltige, nebenwirkungsarme und günstige Therapie gefunden und die Prävalenz und Inzidenz steigen weltweit weiterhin an. Dies unterstreicht die Komplexität der Pathogenese von Übergewicht und Adipositas. Mittlerweile sind ungefähr 700 Millionen Erdenbürgerinnen (40%) und -Bürger (39%) übergewichtig oder adipös (13%). Bis im Jahre 2050 werden bei gleichbleibenden epidemiologischen Trends 60-80% der Bevölkerung in westlichen Ländern übergewichtig oder adipös sein. In diesem Zusammenhang muss man sich ernsthaft die Frage stellen, ob ein Zustand, der praktisch alle Individuen in einer Gesellschaft betrifft, tatsächlich eine Krankheit ist. So basiert das Label Krankheit der amerikanischen Obesity Society auf der Aussage «diseases are defined as deviations from the normal or healthy structure or function» (2). Was alle machen, kann doch nicht krankhaft sein. Eine nicht ganz abwegige Überlegung und Argumentation. Das hohe Krankheitspotential einer erhöhten Fettmasse bleibt trotz dieser Kontoverse ein Fakt, und viele unserer Patienten sind in der Tat schwer krank.

Eine Erkrankung der Gesellschaft

Aufgrund der aktuellen globalen epidemiologischen Trends der Adipositas muss bei kritisch realistischer Betrachtung die Adipositas vielmehr als Krankheit der modernen Konsum-Gesellschaft betrachtet werden und weniger als Erkrankung eines einzelnen Individuums. Die langfristige nachhaltige Lösung der Adipositas-Pandemie beinhaltet also nicht nur die Behandlung von einzelnen Patienten, sondern sollte im Besonderen auch die Konsum-Gesellschaft als Ganzes, oder zumindest deren Treiber, «behandeln».

Gemäss Wikipedia bezeichnet der Begriff der Konsumgesellschaft eine Gesellschaft, in der die Befriedigung verschiedenster Bedürfnisse nur durch den Konsum (selbstverständlich gegen Bezahlung) möglich ist (3). In diesem Kontext stellt sich die Gretchenfrage: Warum verfolgen denn die Menschen einen kalorischen Überkonsum bis zur Krankheit? Diese Frage wollen wir hier nicht beantworten, und viele gesellschaftliche und individuelle Einzelfaktoren sind von Bedeutung. Unser modernes zunehmend konzentriertes Ernährungssystem (Food System) mit einer Steuerung des Konsums durch einige wenige Anbieter ist pathophysiologisch von zentraler Bedeutung. Viele Konsumenten unterliegen dem Irrglauben, dass sie selbst einzig und allein bestimmen, was sie essen. Leider ist dem nicht so – der Konsument bestimmt lediglich, was er aus dem Angebot auswählt und kauft und am Ende isst. Jeder muss sich jedoch nach dem Angebot, der Verfügbarkeit und den Verkaufspreisen richten. Viele Produkte, die für die Gesundheit förderlich wären, verschwinden vom Markt, wenn diese nicht verkauft werden oder auch zu aufwändig hergestellt werden müssen. Zudem muss die Nahrung möglichst billig sein und wir wissen, dass billige rekonstituierte Nahrungsmittel den Überkonsum fördern. Der günstige Preis geht in der Regel auf Kosten der ernährungsphysiologischen Qualität der Produkte und am Ende auf Kosten der Gesundheit. Individuelle pathophysiologische Faktoren und Konstellationen mit zunehmenden vielschichtigen endogenen und exogenen Stressoren kommen dazu und machen eine grosse Anzahl der Konsumenten zu Patienten.

Die Bedeutung der Werbung wird nach wie vor unterschätzt. Die Nahrungsmittel-Verfügbarkeit ist ubiquitär – sozusagen 24h/7 Tage. «Mindless Eating» praktiziert die Mehrheit der Population. Jährlich werden Tausende neuer Produkte auf den Markt geworfen – meist auch mit neuen Geschmacksvarianten. Der Konsum wird durch modernste Neuromarketing-Erkenntnisse gefördert: die Physiologie von Hunger und Sättigung des Konsumenten wird dabei überrumpelt und kritische Stimmen fragen, wo denn der Konsumentenschutz bleibt. Neue Forschungsergebnisse bestätigen den seit langem gehegten Verdacht, dass viele dieser modernen Produkte ein hohes Abhängigkeitspotential haben könnten – vergleichbar mit den klassischen Abhängigkeitssyndromen. So wird vermutet, dass bis zu 20% der übergewichtigen und adipösen Patienten die Kriterien für «Esssucht» erfüllen und entsprechend auch spezifische therapeutische Strategien benötigen würden. Wir praktizieren eine absurde legitime Förderung des Konsums und kannibalisieren damit unsere Gesundheit und auch unser Gesundheitssystem.

China und auch viele Entwicklungsländer werden mittlerweile als «lebende Laboratorien» bezeichnet. In China steigt die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas in erschreckendem Ausmass an und die Treiber (systemische und individuelle Treiber, sowie Umgebungsfaktoren inklusive sozioökonomische Determinanten) dieser Entwicklung sind bekannt (4) und wurden in vielen anderen Weltregionen schon erfolgreich «getestet». China und andere Weltregionen unterliegen denselben Kräften und Strömungen der Konsumgesellschaft, die uns auch übergewichtig und adipös machen. Die Kontrolle der systemischen Treiber sollte Priorität haben; meist wird aber aus naheliegenden Gründen nur auf das Individuum fokussiert. Die aktuellen Trends geben unserem Arztkollegen Hippokrates recht, der sagte: «Der Mensch stirbt nicht, er bringt sich selbst um».

Eating «on the go»

«Eating on the go» ist eine typische Multitasking-Situation. Auch Gehen und Laufen erfordert eine hohe kognitive Leistung. So ist die Kombination von Laufen und Smartphone-Gebrauch – allenfalls sogar mit gleichzeitiger Nahrungszufuhr – mit nachteiligen Wirkungen. Fussgänger-Unfälle sind infolge dieser Kombination in den letzten Jahren um ein Mehrfaches angestiegen und neuere Arbeiten weisen auch darauf hin, dass sich durch dieses Verhalten auch das Gangbild in einer physiologisch nachteiligen Weise verändert. Elektromyographische Studien zeigen, dass die muskuläre Aktivität z.B. des M. tibialis anterior, gastrocnemius, rectus femoris, gluteus maximus und gluteus medius abnimmt (5) (was zumindest theoretisch in einem verminderten Energieverbrauch resultieren kann, abgesehen von diversen artikulären und muskuloskeletalen Beschwerden). Zudem wissen wir, dass Medienkonsum in Form von TV oder auch Gaming mit einem erhöhten Körpergewicht (unabhängig vom Energieverbrauch durch Bewegung) verbunden ist (6). Auch die Verwendung eines Smartphones während dem Essen ist mit einer höheren Energiezufuhr und Adipositas assoziiert (7). Auch hier schliesst sich die physiologische respektive pathophysiologische Schlaufe der Abhängigkeit: Smartphone-Abhängigkeit korreliert mit einem ungünstigen, gewichtsfördernden Essverhalten (8).

Ernährungsempfehlungen

Eine Empfehlung ist nur wirksam, wenn diese auch umgesetzt werden kann. Gerade wenn es um Gesundheitsempfehlungen geht, sollen diese, wenn immer möglich, individuell angepasst werden – eine Personalisierung der Empfehlungen ist oftmals der Grundpfeiler für den nachhaltigen Erfolg.
Eine Reduktion oder sogar Vermeidung des Konsums von ultraprozessierten (meist rekonstituierten) Nahrungsmitteln ist dabei prioritär. Die ubiquitäre, zeitlich unbeschränkte Verfügbarkeit dieser Nahrungsmittel ist eine zentrale Determinante der Adipositas-Epidemie (9) und bald stammen mehr als die Hälfte der zugeführten Kalorien von (ultra-)prozessierten Nahrungsmitteln. Diese Empfehlung erscheint für alle Patienten (aber auch Noch-Nicht-Patienten) unabhängig vom Körpergewicht als sinnvoll. Verschiedenste epidemiologische und experimentelle Studien zeigten, dass die Einnahme von ultraprozessierten Nahrungsmitteln den hedonistischen Überkonsum fördern (10) und auch die kardiovaskuläre sowie Krebs-Mortalität steigern (11). Zwischen der Zufuhr an prozessierten Nahrungsmitteln und dem Übergewicht und Adipositas besteht eine kausale Beziehung. In einer prospektiven Studie von Fazzino et al. (12) zeigte sich, dass ein Ernährungsmuster mit einem hohen Anteil an hyerpalatablen prozessierten Nahrungsmitteln zu einer ausgeprägteren Gewichtszunahme führt als bei Vermeidung dieser Nahrungsmittel. Hedonistisches Essen – induziert durch die modernen Nahrungsmittel und potenziert durch diverse individuelle und gesellschaftliche Faktoren, stellt wohl eine zentrale Hauptursache der aktuellen Adipositas-Pandemie dar. Sollte die Adipositas-Pandemie und die Belastung des Gesundheitssystems sowie der vielen Einzelschicksale kontrolliert werden, ist es wohl unumgänglich, den Markt und die Verbreitung dieser hyperpalatablen hedonistischen Nahrungsmittel zu regulieren und auch unphysiologische konsumfördernde Stressoren des Alltags anzugehen.

Neue pharmakologische Therapiemöglichkeiten

Übergewicht und Adipositas sind chronische Erkrankungen und es bedarf einer chronischen (lebenslänglichen) Therapie und Prävention. So werden unter anderem Artischocken-Supplemente, Himbeeren-Extrakt, Hoodia Gordonii oder Zichorien-Wurzeln zur Gewichtsabnahme empfohlen. In der Regel sind diese Produkte nur ungenügend geprüft und ohne nachhaltige Wirkung.

Seit ein paar Jahren stehen uns neue pharmakologische Therapieprinzipien in Form von Glukoagon-Like-Peptide-1 (GLP-1)-
Agonisten zur Verfügung. Diese Pharmaka (sogenannte Inkretin-Mimetika) wurden zur Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 entwickelt und wurden bereits vor gut 15 Jahren erstmalig zugelassen. Es zeigte sich schon in den ersten Studien, dass die GLP-1-Agonisten nicht nur die diabetische Stoffwechsellage verbessern, sondern durch diverse Wirkungen (u.a. Förderung der Insulinsekretion, Hemmung der Glukagonsekretion, Förderung der Sättigung durch ZNS-Effekte, Verminderung des Hungergefühls, Modulation der Magenentleerung) auch einen Gewichtsverlust bewirken können (13). Liraglutid und Semaglutid sind die im Moment bekanntesten Vertreter dieser Pharmaka-Klasse. In verschiedenen gross angelegten Studien zeigte sich eine ausgeprägte Gewichtsreduktion durch die Verabreichung des GLP-1-Agonisten Liraglutid (tägliche Anwendung) (14) und dessen Weiterentwicklung Semaglutid (wöchentlicher Anwendung) (15) mit und ohne begleitender Lifestyle-Intervention. Die gewichtsreduzierenden Effekte dieser Pharmaka sind etwa doppelt so hoch als wir dies von früheren Pharmaka her kennen. So induzierte Semaglutid nach einem guten Jahr in adipösen, nicht-diabetischen Patienten einen Gewichtsverlust von 14.9% (-15.3 kg) im Vergleich zu 2.4% (-2.6 kg) in der Placebo Gruppe (STEP-1-Studie). Knapp ein Drittel der Teilnehmer (32%) erreichte sogar einen Gewichtsverlust von über 20% (15). Dies sind in der Tat eindrückliche Resultate, welche erwartungsgemäss auch in einer Verbesserung diverser Risikofaktoren resultierten (Blutdrucksenkung oder Verbesserung des Lipidprofils). Im Moment ist es allerdings noch unklar, ob dadurch auch die kardiovaskulären Endpunkte beeinflusst werden. Wie heutzutage aus ethischen Gründen notwendig, haben alle Patienten gleichzeitig auch noch eine klassische Lebensstil-Intervention implementiert oder zumindest versucht zu implementieren. Letztere hatte einen langfristig wohl kaum zu unterschätzenden modulatorischen Effekt auf das Ausmass der Gewichtsreduktion (sogenannte STEP-3-Studie) (16). Auch wenn es keine konkreten Hinweise auf ein Nachlassen der Wirkung bei längerer Applikation gibt, wird sich erst bei breiterer Anwendung zeigen, wie nachhaltig diese neuen Therapiestrategien sind. In den bisherigen Studien zeigte sich eine Abflachung der Wirkung nach gut einem Jahr. Es scheint, dass die nicht pharmakologischen Massnahmen während der Applikation dieser Pharmaka nicht von zu grosser Bedeutung sind, allerdings werden diese bei Sistierung der medikamentösen Therapie zunehmende Bedeutung haben.

Die Entwicklung dieser GLP-1-Agonisten und im Besonderen auch deren orale Anwendungsmöglichkeiten sind Meilensteine der pharmakologischen Technologie und Innovation. Die kurzfristigen Nebenwirkungen (im Besonderen gastrointestinale Symptome wie z.B. Übelkeit und Erbrechen) sind unangenehm und unter Umständen auch ein Teil des therapeutischen Wirkprinzips; die Bedeutung und der Stellenwert von anderen langfristigen Nebenwirkungen (Pankreatitis, Cholelithiasis, oder medulläres Schilddrüsen-Karzinom bei entsprechender Prädisposition) sind zurzeit noch ungenügend bekannt.

opyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Prof. Dr. med. Paolo M. Suter

Klinik und Poliklinik für Innere Medizin
Universitätsspital Zürich
Rämistrasse 100
8044 Zürich

paolo.suter@usz.ch

Der Autor hat keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

◆ Die Kontrolle des Übergewichts und der Adipositaspandemie kann mit Sicherheit nicht in der ärztlichen Sprechstunde oder im Operationssaal gelöst werden.
◆ In unserer täglichen Praxis können wir Patientinnen und Patienten auf individueller Basis mit neuen pharmakologischen Strategien behandeln.
◆ Mit einer personalisierten individuellen kombinierten nicht-pharmakologischen und pharmakologischen Therapie haben wir das Potential für einen nachhaltigen Erfolg auf individueller Ebene, dürfen aber die Treiber der Epidemie in der modernen Gesellschaft nicht ausser Acht lassen.

Messages à retenir
◆ La lutte contre l’obésité et la pandémie d’obésité ne peuvent certainement pas être résolues dans le cabinet du médecin ou dans la salle d’opération.
◆ Dans notre pratique quotidienne, nous pouvons traiter les patients sur une base individuelle avec de nouvelles stratégies pharmacologiques.
◆ Grâce à une thérapie individuelle personnalisée combinant des éléments non pharmacologiques et pharmacologiques, nous avons le potentiel pour un succès durable au niveau individuel, mais nous ne devons pas négliger les moteurs de l’épidémie dans la société moderne.

1. Müller MJ, Geisler C. Defining obesity as a disease. European Journal of Clinical Nutrition 2017;71:1256-8.
2. Jastreboff AM, Kotz CM, Kahan S, Kelly AS, Heymsfield SB. Obesity as a Disease: The Obesity Society 2018 Position Statement. Obesity 2019;27:7-9.
3. . (Accessed 1. Juli 2021, 2021, at https://de.wikipedia.org/wiki/Konsumgesellschaft.)
4. Pan X-F, Wang L, Pan A. Epidemiology and determinants of obesity in China. The Lancet Diabetes & Endocrinology 2021;9:373-92.
5. Lee D-H, Jeon H-J. The effect of the use of smartphone while walking on the electromyography activity of the lower extremity in young students. J Exerc Rehabil 2021;17:138-44.
6. Stettler N, Signer TM, Suter PM. Electronic games and environmental factors associated with childhood obesity in Switzerland. Obes Res 2004;12:896-903.
7. Gonçalves R, Barreto DA, Monteiro PI, et al. Smartphone use while eating increases caloric ingestion. Physiol Behav 2019;204:93-9.
8. Kim Y, Lee N, Lim Y. Gender differences in the association of smartphone addiction with food group consumption among Korean adolescents. Public Health 2017;145:132-5.
9. Zobel EH, Hansen TW, Rossing P, von Scholten BJ. Global Changes in Food Supply and the Obesity Epidemic. Current Obesity Reports 2016;5:449-55.
10. Hall KD, Ayuketah A, Brychta R, et al. Ultra-Processed Diets Cause Excess Calorie Intake and Weight Gain: An Inpatient Randomized Controlled Trial of Ad Libitum Food Intake. Cell Metab 2019;30:67-77.e3.
11. Srour B, Fezeu LK, Kesse-Guyot E, et al. Ultra-processed food intake and risk of cardiovascular disease: prospective cohort study (NutriNet-Santé). BMJ 2019;365:l1451.
12. Fazzino TL, Dorling JL, Apolzan JW, Martin CK. Meal composition during an ad libitum buffet meal and longitudinal predictions of weight and percent body fat change: The role of hyper-palatable, energy dense, and ultra-processed foods. Appetite 2021;167:105592.
13. Drucker DJ, Habener JF, Holst JJ. Discovery, characterization, and clinical development of the glucagon-like peptides. J Clin Invest 2017;127:4217-27.
14. Lundgren JR, Janus C, Jensen SBK, et al. Healthy Weight Loss Maintenance with Exercise, Liraglutide, or Both Combined. New England Journal of Medicine 2021;384:1719-30.
15. Wilding JPH, Batterham RL, Calanna S, et al. Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity. New England Journal of Medicine 2021;384:989-1002.
16. Wadden TA, Bailey TS, Billings LK, et al. Effect of Subcutaneous Semaglutide vs Placebo as an Adjunct to Intensive Behavioral Therapy on Body Weight in Adults With Overweight or Obesity: The STEP 3 Randomized Clinical Trial. JAMA 2021;325:1403-13.

Die renale Denervierung

Bluthochdruck zählt zu den Hauptrisikofaktoren für Schlaganfall und Herzinfarkt. Wird er nicht entsprechend behandelt, können die Nervenbahnen zwischen Niere und Gehirn überaktiv werden. Mit der renalen Denervierung wurde eine neue Möglichkeit der Regulation einer Hypertonie geschaffen, die von einer Medikamenteneinnahme unabhängig ist und zu einer dauerhaften Blutdrucksenkung führt. Die renale Denervierung ist ein sicheres endovaskuläres Verfahren ohne signifikante kurz- oder langfristige unerwünschte Wirkungen, basierend auf Daten, die bis zu 3 Jahre zurückliegen. Sie gilt mittlerweile als evidenzbasierte Option zur Behandlung des Bluthochdrucks zusätzlich zu Lebensstiländerungen und, falls notwendig, blutdrucksenkender Medikation. Sie ist keine konkurrierende Behandlungsstrategie, sondern eine Alternative oder Ergänzung zu bestehenden Behandlungsmöglichkeiten.

Herr Prof. Valgimigli, die renale Denervierung ist eine innovative Therapie zur Behandlung von Patienten mit hohem Blutdruck. Können Sie uns genauer erklären, worum es sich dabei handelt und worin der Nutzen für den Patienten besteht?

Prof. Valgimigli: Bei der renalen Denervierung handelt es sich um ein perkutanes, minimalinvasives Verfahren, bei dem Energie an die Nerven um die Nierenarterien herum abgegeben wird. Die Nieren sind Teil des Blutdruckkontrollmechanismus des Körpers. Eine Überaktivität der Nerven, die zu den Nieren führen, kann hohen Blutdruck verursachen. Diese Nerven können herunterreguliert werden, damit die Nieren den Blutdruck besser kontrollieren können. Da die arterielle Hypertonie ein bekannter kardiovaskulärer Risikofaktor ist, der mit Herzinfarkten, Schlaganfällen und Herzinsuffizienz in Verbindung gebracht wird, trägt eine bessere Kontrolle des arteriellen Drucks dazu bei, das Risiko für diese unerwünschten Ereignisse zu verringern.

Was halten Sie von dem neuen ESH-Positionspapier (PP) zu RDN? Was sind die wichtigsten Erkenntnisse/Botschaften aus diesem Papier?

Dieses aktuelle Positionspapier unterstreicht die Tatsache, dass diese Behandlung funktioniert und mit einer Senkung des ambulanten Blutdrucks um 10 mmHg verbunden ist. Es wird erwartet, dass dieser Behandlungseffekt zu einer signifikanten und klinisch bedeutsamen Senkung des kardiovaskulären Risikos führt. In der Vergangenheit herrschte eine gewisse Verwirrung über die objektive Wirksamkeit dieser Behandlung. Neuere Daten haben gezeigt, dass diese Behandlung wirksam ist und sowohl kurz- als auch langfristig sicher ist.

Können wir auf der Grundlage dieser Arbeit sagen, dass RDN als Therapie zur Senkung der Hypertonie funktioniert? Ist sie sicher?

Sie wirkt und ist zweifelsfrei sicher.

Wie wichtig ist die Patientenpräferenz und wie sollte sie in die Diskussion einbezogen werden?

Die Patientenpräferenz ist natürlich von grösster Bedeutung. Der Patient muss die mit der arteriellen Hypertonie verbundenen Risiken vollständig verstehen. In den meisten Fällen akzeptieren die Patienten nicht, dass die Erstlinienbehandlung in einer Umstellung der Ernährung und des Lebensstils besteht. Daher werden Massnahmen wie eine Reduzierung des Salzkonsums und ein gesünderer Lebensstil einschliesslich der Aufgabe des Rauchens, ein eingeschränkter Alkoholkonsum und regelmässige körperliche Betätigung von den Patienten nicht konsequent umgesetzt, obwohl dies als Erstbehandlung empfohlen wird. Ebenso wenig akzeptieren die Patienten die Notwendigkeit einer lebenslangen täglichen Einnahme von Medikamenten zur Blutdrucksenkung und deren Folgen. Daher wird eine Behandlung wie die renale Denervierung, die zwar invasiv ist, aber einen einmaligen Eingriff darstellt, als sehr gute Option angesehen. Letztendlich ist es nicht wichtig, wie man eine bessere Kontrolle des Blutdrucks erreicht, solange man die Ziele auf die eine oder andere Weise erreicht.

Wie wählt man den richtigen Patienten für die RDN aus?
In welchen Fällen sollte RDN verschrieben werden?

Diese Behandlung ist meines Erachtens den Patienten vorbehalten, die trotz Änderungen des Lebensstils und der Medikamente keine stabil niedrigen Blutdruckwerte erreichen oder beibehalten können oder andere Behandlungsmöglichkeiten ablehnen.

Für welche Patientenkategorien würden Sie RDN in Betracht ziehen: jung/alt, Patienten mit kardiovaskulärem Risiko, Patienten, die bereits starke Medikamente einnehmen?

Ich glaube nicht, dass das Alter bei der Auswahl der Patienten eine grosse Rolle spielt, aber natürlich würde man die Behandlung eher Patienten anbieten, deren Lebenserwartung mehr als 5 bis 10 Jahre beträgt und bei denen man davon ausgeht, dass die Auswirkungen der Behandlung auf das Ergebnis grösser sind. Aber auch bei älteren Menschen, die trotz medikamentöser Behandlung unter hohen oder sehr hohen Druckwerten leiden, sollte die Behandlung in Erwägung gezogen werden, wenn man bedenkt, dass ein schwerer Bluthochdruck den Patienten auch kurzfristig einem Risiko für Schlaganfälle und intrakranielle Blutungen aussetzt.

Kann RDN bei Patienten, die ihre medikamentöse Behandlung nicht einhalten, also nicht-adhärenten Patienten, verschrieben werden?

Ja, es ist eine gute Option für diese Patienten. Die Schwierigkeit besteht oft darin, dass der Patient ehrlich zugibt, dass er die verordneten Medikamente nicht regelmässig annimmt. Viele Patienten nehmen die Tabletten erst kurz vor den Arztbesuchen ein und brechen die Behandlung zwischen den Konsultationen ab.

Sollte RDN als Erstlinientherapie verschrieben werden?
Wenn ja, in welchen Fällen?

Ich denke, nur bei Patienten, die andere Behandlungen ganz klar ablehnen. Sie funktioniert als Erstlinientherapie, und die jüngsten Erkenntnisse sprechen für ihren Einsatz in diesem Bereich. Allerdings handelt es sich dabei um eine teure und invasive Behandlung, die nicht routinemässig bei nicht selektierten Patienten als Erstlinientherapie eingesetzt werden kann.

Haben Sie einen Vorschlag für Ihre Kollegen, die mit der RDN beginnen möchten?

Meine Empfehlung ist, diese Behandlung anzubieten. Es gibt immer noch Skepsis in der Gemeinschaft, aber sobald man damit anfängt, merkt man, dass die Behandlung für die Patienten von Nutzen ist und von diesen sogar leichter akzeptiert wird, als die Ärzte vielleicht denken.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

Management von Hypophyseninzidentalomen

Durch vermehrten Einsatz von zerebralen Bildgebungsverfahren, nimmt die Inzidenz der Hypophyseninzidentalome zu. Die interdisziplinäre Evaluation durch eine/n erfahrene/n Neuroradiologin/-en, Neurchirurgin/-en, Endokrinologin/-en und ggf. Neuroophtalmologin/-en ist für jede Läsion notwendig und für das korrekte Management entscheidend.

Hypophysenzindentalome sind, wie der Name suggeriert zufällig (inzidentell) nachgewiesene Veränderungen im Bereich der Hypophyse. Die initiale Bildgebung wurde somit nicht aufgrund der Vermutung einer Läsion durchgeführt. In der westlichen Ländern werden die Bildgebungen häufig im Rahmen von Kopfschmerzabklärungen (40%), gefolgt von Schädel-Hirntraumata und cerebrovaskulären Ereignissen, Sinusitiden, Abklärungen von Beschwerden der Halswirbelsäule bzw. Schwindel und Synkopen durchgeführt (1). Die Prävalenz der Hypophyseninzidentalome unterscheidet sich in den Bildgebungsserien je nach Bildgebungsverfahren und liegt bei ca. 10% (zwischen 4-38%, häufiger in den MRI-Serien gegenüber CT-Serien). Anhand der Grösse der Läsion unterscheidet man Mikro- (<1cm) von Makroinzidentalomen (≥1cm), wobei die letzteren seltener vorkommen (2). Aufgrund der steigenden Verfügbarkeit und Tendenz Bildgebungen durchzuführen in den letzten Jahren, ist eine weiterhin steigende Inzidenz von inzidentellen Hypophysenläsionen zu erwarten, wodurch der Bedarf an Wissen und Kompetenz zur adäquaten Beurteilung und für ein adäquates Management notwendig ist. In der Abbildung 1 wird ein Fall aus der interdisziplinären Hypophysensprechstunde des Universitätsspitals Zürich dargestellt.

Was verbirgt sich hinter einem Hypophyseninzidentalom?

Die Ätiologie der Läsion ist vielfaltig (Tab. 1) (1, 3, 4). Nicht so selten handelt sich bei den Läsionen um bildtechnischen Artefakten ohne morphologischen Korrelat, sowie um anatomischen oder physiologischen (z.B. Zyklusabhängig bei Frauen) Varianten ohne pathologischer Bedeutung.

Die meisten Läsionen sind gutartig und werden selten für die Betroffenen krankheitsrelevant. Deswegen ist es wichtig maligne Läsionen, die häufigste davon sind Kraniopharyngeomen, rechtzeitig zu entdecken. Zudem ist es wichtig Raumforderung zu identifizieren, welche eine hypophysären Hormonfunktionsstörung, sowohl Überfunktion durch beispielweise hormonsezernierenden Adenome, sowie auch eine partielle Unterfunktion durch Mangel an Hormonsekretion des komprimierten hypophysären Gewebe, verursachen. Hinter einem Inzidentalom können sich auch subjektiv unbemerkte kompressionsbedingte neurologische Defizite verbergen, die häufigste davon betreffen die angrenzende Seebahnen, welche für den Patienten und Management relevant sind (1, 2).

Interdisziplinäre Evaluation

Jedes Hypophyseninzidentalom sollte interdisziplinär evaluiert werden.
Die Evaluation startet mit der korrekten Beurteilung und Interpretation der vorhandenen Bildgebung (1, 3). Anhand des Vorliegens bestimmter Merkmale, wie dem Verhalten der Läsion in unterschiedlichen MRI Gewichtungen oder nach Kontrastmittelgabe, bzw. das konkomittierende Vorliegen von Kalzifikationen, kann der beschriebene Befund einer, der in der Tabelle 1 aufgelisteten Entitäten zugeordnet werden. Häufig ist eine erneute oder ergänzende dezidierte Bildgebung mit spezifischen Protokollen für die Sellaregion hierfür notwendig. Eine histologische Evaluation des Befundes, mittels Biopsie-/Teilentfernung, ist nur in seltenen Fällen notwendig und wird im individuellen Fall interdisziplinär festgelegt. Ausserdem ist in der radiologischen Beurteilung von grosser Relevanz, dass in der Bildgebung die Affektion der umliegenden Strukturen, insbesondere der Hirnnerven, evaluiert und beschrieben wird.

Ein weiterer Bestandteil der initialen Evaluation ist die endokrinologische Aufarbeitung (Tab. 2) (2, 3, 5). Eine fachspezifische Anamnese, klinische Untersuchung sowie adäquate Laboranalyse, bei Bedarf mit dynamischer Testung (Funktionstests), sind notwendig um eine Übersekretion oder einen Mangel der hypophysären Hormone festzustellen bzw. auszuschliessen.
Während die vollständige Untersuchung nach Hormonhypersekretionen nur bei Adenom-verdächtigen Läsionen vorgenommen werden sollte, soll die Bestimmung des Prolaktins bei jeder Raumforderung erfolgen.

Eine Hyperprolaktinämie kann in diesen Fällen zwei verschiedenen Ursachen haben. Einerseits kann eine autonome Prolaktin Sekretion durch ein Hypohysenadenom (Prolaktinom) bedingt sein. Andererseits kann das durch eine kompressions-bedingte fehlende physiologische Hemmung der Prolaktinsekretion (die dopaminerge Innervation, welche für die Hemmung der Prolaktinsekretion notwendig ist, verläuft von Hypothalamus ausgehend durch den Hypophysenstiel zu den Prolaktin-sezernierenden Zellen der Hypophyse) zu einer sogenannten «Enthemmungs-Hyperprolaktinämie» kommen. Dies wird auch «Stiel-Effekt» genannt. Die Prävalenz der hormonaktiven Adenome liegt zwischen 0.04 bis 1 pro 1000 Patienten, wobei eine Enthemmungs-Hyperprolaktinämie in bis zu 15% bei Vorliegen von Makroinzidentalomen beschrieben wird (2).
Häufiger hingegen und in 10 bis 40% der Fälle beschrieben ist ein zumindest partielles Defizit der hypophysären Hormone. Am häufigsten betrifft dieses die Gonaden-Achse, gefolgt von der thyreotropen, corticotropen und somatotropen Achse (2).
Eine neuroophtalmologische Beurteilung, inklusive statischer und dynamischer Gesichtsfeldtestung, ist nur in solchen Fällen notwendig, bei der die Raumforderung Kontakt mit den Sehbahnen hat bzw. diese komprimiert.

Management: Chirurgie oder Follow-Up?

Das weitere Management richtet sich nach den interdisziplinär erhobenen Evaluationsbefunden (1-3, 5, 6). Deshalb ist die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Spezialisten im Rahmen spezialisierter Sprechstunden («Hypophysensprechstunde») sowie auch interdisziplinärer Kolloquien («Hypophysenboard») für die weiteren Entscheidungen von Vorteil.

Bei radiologischem Verdacht auf ein Kraniopharyngeom oder eine maligne Erkrankung wird eine Chirurgie angestrebt. Die Chirurgie ist ebenfalls dann die Therapie der Wahl falls ganz unabhängig von der Ätiologie des Inzidentaloms eine Kompression der Sehbahnen mit nachweisbarem neuroophtalomologischem Defizit vorliegt. Dasselbe gilt auch für Adenome mit Hormonaktivität (z.B. Morbus Cushing), mit der Ausnahme von Prolaktinomen, welche primär medikamentös behandelt werden (3, 5). Die moderne Hypophysenchirurgie hat die komplette Entfernung der Raumforderung mit Erhaltung des gesunden Gewebes und der Hypophysenfunktion sowie der neurologischen Funktionen des Patienten zum Ziel (5). Hierzu werden primär minimal-invasive Verfahren über den transnasalen und transphenoidalen Zugang bevorzugt. Diese machen heute bei Hypophysenadenomen insgesamt über 95% aller Eingriffe aus. Die transkranielle Operation hingegen wird nur in Ausnahmefällen vorgenommen, in denen der Erfolg bzw. die Risiken gegenüber einem transnasalen transphenoidalen Zugang überlegen sind, beispielsweise aufgrund der Grösse und besonderen Tumorlage (meistens supra- und parasellär). Um den Resektionserfolg zu steigern und Risiken zu minimieren, setzten moderne Hypophysenzentren auf intraoperative Neuronavigation zur Referenzierung der präoperativ durchgeführten MRI-Bildgebung, sowie den Einsatz von intraoperativen hochauflösenden MR-Bildgebung, was eine Resektionskontrolle und bei Bedarf eine Nachresektion während des Eingriffs ermöglicht (5).

Komplikationen solcher Eingriffe sind relativ selten. Sie erfassen Liquorlecks (0-6%), intrazerebrale Blutungen (<1%), Meningitiden (< 1%) sowie endokrine Störungen wie eine Hypophysenvorderlappeninsuffizienz (2-14%) oder ein Diabetes insipidus centralis bei Verletzung des Hypophysenstiels (3-6%). Die operative Mortalität ist gering (< 0.6%) (5).
Hingegen werden radiologische nicht-suspekte Befunde, welche für ein hormon-inaktives Adenom oder eine zystische Läsion (z.B. eine Rathke-Tasche Zyste) sprechen, ohne Hormonaktivität und unauffälligem neuroophtalmologischem Befund, verlaufsbeobachtet. Eine radiologische sowie auch endokrinologische Verlaufsbeurteilung («Follow Up») ist allerdings in jedem Falle indiziert, da Auffälligkeiten auch erst im Verlauf neu auftreten können (7-10).

In den wenigen uns zur Verfügung stehenden Studienergebnissen wird eine Grössenzunahme der Läsionen in ca. 5-15% der Fälle beschrieben, wobei der Zeitpunkt der Grössenzunahme in Median zwischen 3.4 – 4.3 Jahren liegt. Als möglicher Risikofaktor wird die initiale Grösse der Läsion beschrieben. Momentan liegen keine weiteren prognostischen Merkmale vor, sodass das Intervall der Verlaufskontrollen in Abhängigkeit von Grösse, Lokalisation der Läsion mit insbesondere Beachtung der Nähe zu umliegenden Strukturen (z.B. Seebahnen), die vermutete Ätiologie und die Gesamtsituation des Patienten und dessen Komorbiditäten individuell nach interdisziplinärer Besprechung festgelegt wird. Schnell wachsende Tumoren bzw. das Auftreten von neuen kompressions-bedingten neurologischen Defiziten stellen die Indikation für eine Chirurgie da.
Das endokrinologische Follow-up dient vor allem der Erkennung von Mangeln hypophysärer Hormone. In einer Fallserie wurden in einer Verlaufsbeobachtungszeit von 10 Jahren in bis zu 25% der Fälle neu aufgetretene partielle Defizite beschrieben (8). Da die Evidenzlage auch hier spärlich ist, sind auch hier neue Register- und Beobachtungsstudien in der Zukunft notwendig.

Unabhängig davon, ob eine Chirurgie oder ein Follow-Up angestrebt wird ist die Hormonsubstitution bei nachgewiesenem Defizit immer indiziert. Ebenso kann sich ggf. die Indikation für eine medikamentöse Behandlung einer Enthemmungs-Hyperprolaktinämie in Spezialfällen (z.B. Fertilitätsbehandlung) ergeben.

PD Dr. med. Zoran Erlic

Klinik für Endokrinologie, Diabetologie
und Klinische Ernährung
Universitätsspital Zürich
Rämistrasse 100
8091 Zürich

zoran.erlic@usz.ch

PD Dr. med. Carlo Serra

Klinik für Neurochirurgie
Universitätsspital Zürich
Frauenklinikstrasse 10
8091 Zürich

carlo.serra@usz.ch

Es liegt kein Interessenkonflikt vor in Verbindung mit dem vorgelegten Manuskript.

◆ Jedes Hypophyseninzidentalom soll interdisziplinär evaluiert werden und ein individuelles Management festgelegt werden. Auch grundsätzlich benigne Läsionen können durch ihr Wachstum und eine Kompression der umliegenden Strukturen (Hirnnerven, gesunde Hypophyse) sowie Hormonfunktionsstörungen krankheitsrelevant werden und somit zur Morbidität des Patienten beitragen.

1. Vasilev, V., et al., MANAGEMENT OF ENDOCRINE DISEASE: Pituitary ‚incidentaloma‘: neuroradiological assessment and differential diagnosis. Eur J Endocrinol, 2016. 175(4): p. R171-84.
2. Freda, P.U., et al., Pituitary incidentaloma: an endocrine society clinical practice guideline. J Clin Endocrinol Metab, 2011. 96(4): p. 894-904.
3. Erlic, Z. and S. Fischli, (CME: Pituitary Incidentaloma in Adults: Key Knowledge for the General Practice). Praxis (Bern 1994), 2020. 109(11): p. 879-887.
4. Freda, P.U. and K.D. Post, Differential diagnosis of sellar masses. Endocrinol Metab Clin North Am, 1999. 28(1): p. 81-117, vi.
5. Maldaner, N., et al., (Modern Management of Pituitary Adenomas – Current State of Diagnosis, Treatment and Follow-Up). Praxis (Bern 1994), 2018. 107(15): p. 825-835.
6. Scangas, G.A. and E.R. Laws, Jr., Pituitary incidentalomas. Pituitary, 2014. 17(5): p. 486-91.
7. Sanno, N., et al., A survey of pituitary incidentaloma in Japan. European Journal of Endocrinology, 2003. 149(2): p. 123-127.
8. Vaninetti, N.M., et al., A comparative, population-based analysis of pituitary incidentalomas vs clinically manifesting sellar masses. Endocrine Connections, 2018. 7(5): p. 768-776.
9. Imran, S.A., et al., Analysis and natural history of pituitary incidentalomas. European Journal of Endocrinology, 2016. 175(1): p. 1-9.
10. Tresoldi, A.S., et al., Clinically Nonfunctioning Pituitary Incidentalomas: Characteristics and Natural History. Neuroendocrinology, 2020. 110(7-8): p. 595-603.

Die Makulopathie

Makulopathie ist ein Oberbegriff, der alle Pathologien des zentralen Bereichs der Netzhaut, der Makula, definiert. Diese anatomische Region ist für das feine und präzise Sehen und weitgehend für die Farbwahrnehmung verantwortlich (1). Makulopathien sind in der Regel progressiv und erworben, obwohl es auch angeborene und genetische Formen gibt. Die häufigsten Formen sind die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) und Makulopathien diabetischen Ursprungs. Es gibt auch toxische und medikamenteninduzierte Ursachen (z.B. Hydroxychloroquin). In diesem Artikel wird kurz auf die beiden häufigsten Makulopathien, AMD und diabetische Makulopathie, eingegangen.

Patienten mit Makulopathie verlieren selbst in schwersten Fällen ihr Augenlicht nicht vollständig und behalten ein peripheres Gesichtsfeld und eine gute visuelle Orientierung in ihrer Umgebung; sie können jedoch nicht mehr lesen, Auto fahren usw. und gelten als gesetzlich blind (gesetzliche Blindheit), wenn ihre Sehschärfe unter 0,1 liegt.

Obwohl die derzeitigen Methoden die Behandlung vieler Arten von Makulopathie verbessert haben, gibt es derzeit in den meisten Fällen keine kurative Behandlung. Darüber hinaus gibt es keine Möglichkeit, die verlorene Makulafunktion aufgrund einer Atrophie des Pigmentepithels oder des Netzhautgewebes wiederherzustellen.

Altersbedingte Makula-Degeneration (AMD)

Die AMD ist die häufigste Makulopathie (Abb. 1, 2). Sie betrifft ältere Menschen, in den meisten Fällen über 60 Jahre alt. Sie ist eine der Hauptursachen für Sehbehinderungen in den entwickelten Ländern. Gegenwärtig sind Millionen von Menschen davon betroffen. Die ursprüngliche Ursache der AMD ist nach wie vor unbekannt, obwohl Alter, genetische Faktoren und aktives Rauchen eindeutig als Risikofaktoren für AMD identifiziert wurden (2, 3, 4).

AMD im Frühstadium ist oft leicht oder sogar asymptomatisch. Bei fortgeschritteneren Formen bemerken die Patienten häufig Metamorphopsien (Linienverzerrung aufgrund von Unregelmässigkeiten im neuroretinalen System), verminderte Kontrastempfindlichkeit und erhöhten Lichtbedarf, zentrale Sehunschärfe und Verlust der Sehschärfe, Skotome und Farbsinnstörungen. Es gibt zwei Haupttypen von AMD, die trockene AMD und die feuchte AMD (5).

Trockene AMD

Die trockene AMD ist die häufigste und macht nach Angaben der American Academy of Ophthalmology 80% der Fälle aus. Stoffwechselprodukte, die sich an der Grenzfläche des Pigmentepithels (PE) und der äusseren Netzhaut ansammeln, werden in Form von Drusen gesehen. Das Ergebnis ist ein fortschreitender Verlust dieses interdependenten PE/Photorezeptor-Paares, was zu einer fortschreitenden Verschlechterung der zentralen Sehfunktion führt.

Feuchte AMD

Die feuchte AMD ist seltener, aber sie ist schwerwiegender als die trockene AMD, weil ihr Fortschreiten abrupter ist. Die beiden Formen schliessen sich nicht gegenseitig aus, und es kommt häufig zu einem abrupten Fortschreiten von der trockenen zur feuchten AMD mit akuter und schwerer Sehbehinderung. Dieser Zustand tritt auf, wenn sich abnorme Blutgefässe (so genannte Neo-Gefässe) unter/in der Netzhaut entwickeln, was zu einer grösseren Störung der mikro­anatomischen Architektur der Makula und zum Auftreten einer Ansammlung von Flüssigkeit im Gewebe (sogar zu Blutungen) führt.

Symptome

Es ist wichtig, verdächtige Symptome der AMD zu erkennen, welche den Kliniker darauf aufmerksam machen sollten, den Patienten für eine umfassende Beurteilung an den Spezialisten zu überweisen und die Dringlichkeit der Behandlung zu bestimmen. Bei einer Person über 55 Jahren sind die alarmierenden Anzeichen wie folgt:

1) Allmähliche oder plötzliche Verminderung der Sehschärfe, die mit optischer Korrektur nicht verbessert werden kann
2) Zentralskotom
3) Metamorphopsien, Mikropsien oder Makropsien
4) Schwierigkeiten bei Aktivitäten des täglichen Lebens (z.B. Fernsehen, Lesen usw.).

Die Metamorphopsie ist ein Schlüsselsymptom bei der Beurteilung eines Patienten mit AMD. Metamorphopsien sind ein Hauptzeichen bei Patienten mit Makulaerkrankung und können mit Hilfe des Amsler-Netzes leicht erkannt werden. Patienten werden häufig gebeten, sich mit Hilfe eines Amsler-Netzes auf Linienverzerrungen oder partielle Gitteramputationen selbst zu überwachen. Wenn es keine Manifestation gibt, die auf ein Fortschreiten der AMD hindeutet, werden die Patienten jährlich überwacht.

Behandlung

Bei Patienten mit früher AMD ist es wichtig, veränderbare Risikofaktoren in Bezug auf den Lebensstil zu identifizieren. Es wird empfohlen, mit dem Rauchen aufzuhören und sich ausgewogen und gesund zu ernähren, reich an Obst, Gemüse (natürliche Antioxidantien) und Fisch (die Hauptquelle für mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren wie Docosahexaensäure und Eicosapentaensäure) (7). Auch körperliche Aktivität scheint eine günstige Rolle zu spielen (schliesslich sind die Risiko- und Schutzfaktoren ähnlich wie bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen).

Menschen mit frühen Formen der AMD können von der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, Vitaminen und Mineralien profitieren. Diese Nahrungsergänzungsmittel enthalten Vitamin C, Vitamin E, Beta-Carotin, Kupfer, Lutein, Zeaxanthin und Zink. Diese Vitamine heilen die AMD nicht, kehren sie nicht um oder beugen ihr vor, aber sie können das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen, wie aus verschiedenen Studien hervorgeht, die einen Vorteil dieser Präparate gegenüber Placebo (AREDS und AREDS2) gezeigt haben (8, 9). Es ist anzumerken, dass die neuesten Präparate zunehmend frei von Beta-Carotin sind, das in Verbindung mit aktivem Rauchen das Risiko von Neoplasien der Lungen erhöht.

Gegenwärtig gibt es keine Heilung für diese Krankheit. Für die trockene AMD gibt es keine spezifische Behandlung. Für die feuchte Form der Erkrankung stehen seit etwa zehn Jahren intravitreale Injektionen von antivasoproliferativen Medikamenten (Anti-VEGF) zur Verfügung, die die Sehschärfe und das Makulaprofil durch Hemmung des Wachstums der neovaskulären Membranen stabilisieren und oft sogar verbessern. Leider nimmt die Wirksamkeit der Behandlung in den folgenden Wochen rapide ab, so dass eine enge Nachbeobachtung und zahlreiche Langzeitinjektionen erforderlich sind.

In sehr speziellen Situationen bleibt die Anwendung der dynamischen Phototherapie mit Visudyne (Verteporfin) als Monotherapie oder am häufigsten in Kombination mit Anti-VEGF-Injektionen indiziert. Bei der photodynamischen Therapie wird ein spezieller Laser eingesetzt, um eine Thrombose und Fibrose der neovaskulären Membran zu ermöglichen. Ein photosensibilisierendes Produkt (Verteporfin) wird in eine periphere Armvene injiziert und verteilt sich insbesondere im Auge mit einem erhöhten Tropismus für die neovaskuläre Membran. Das Laserlicht reagiert mit dem Verteporfin und ermöglicht die Zerstörung der Neovaskularisationen.

Diabetische Makulopathie

Die diabetische Makulopathie ist die häufigste Ursache für den Sehkraftverlust bei Menschen mit Diabetes (Abb. 3) (11).
Es gibt zwei Formen der diabetischen Makulopathie:
Ischämische Makulopathie: eine seltene Form der Makulopathie, die unheilbar ist und häufig zu einer schweren Sehbehinderung führt.
Ödematöse Makulopathie (auch als diabetisches Makula­ödem (DMÖ) bekannt): die häufigste Form, ihre Prävalenz bei Patienten mit diabetischer Retinopathie liegt bei 2,7-11% (12, 13) und dies hängt von der Art des Diabetes und der Dauer der Erkrankung ab. Für beide Arten von Diabetes 1 und 2 beträgt sie nach 25 Jahren etwa 30%. Das Risiko, bei Diabetes ein diabetisches Makulaödem zu entwickeln, steigt mit der Anzahl der Diabetesjahre, einem höheren systolischen Blutdruck und schlecht kontrollierten Blutzuckerwerten. Der einzige okuläre Faktor, der mit DME assoziiert ist, ist der Schweregrad der diabetischen Retinopathie (DR); je weiter die DR fortgeschritten ist, desto grösser ist das Risiko für DME (14).

Symptome

Zu Beginn erzeugt das DMÖ keine besonderen Schmerzen oder Anzeichen. Das bedeutet, dass Menschen mit Diabetes betroffen sein können, ohne eine Sehstörung zu spüren und damit ohne es zu wissen. Mit der Zeit treten dann bestimmte Symptome auf:

1) Verminderung der Sehschärfe, einschliesslich verschwommenes Lesen, Schwierigkeiten beim Erkennen von Gesichtern usw.
2) Verlust der Kontrastempfindlichkeit
3) Schwierigkeit, Farben richtig wahrzunehmen.

Behandlung

Die Anerkennung der DMÖ-Risikofaktoren hat zu randomisierten klinischen Studien zur besseren Kontrolle des Blutdrucks und des Blutzuckerspiegels geführt mit dem Ziel, die Prävalenz der Krankheit zu verringern. The diabetes control and complications trial zeigte, dass eine strenge Blutzuckereinstellung bei Patienten mit Typ-1-Diabetes die kumulative Inzidenz des Makulaödems nach 9 Jahren Nachbeobachtung um 29% reduzierte und die Anwendung der fokalen Laserbehandlung bei DMÖ halbierte (15, 16). Die United Kingdom Prospective Diabetes Study war eine ähnliche randomisierte klinische Studie an Patienten mit Typ-2-Diabetes. Es zeigte sich, dass eine strengere Kontrolle des Blutzuckerspiegels die Notwendigkeit einer Laserbehandlung nach 10 Jahren um 29% reduzierte, verglichen mit einer weniger strengen Kontrolle; 78% der Laserbehandlungen wurden bei der DMÖ durchgeführt (17). Sie zeigte auch, dass eine mittlere Senkung des systolischen Blutdrucks um 10 mmHg und eine Senkung des diastolischen Blutdrucks um 5 mmHg über ein medianes Follow-up von 8,4 Jahren zu einer 35%-igen Verringerung der Netzhautlaserbehandlung führte, davon 78% für das DMÖ (18). Es besteht daher ein enger Zusammenhang zwischen diesen Veränderungen und retinalen Effekten. Eine multifaktorielle Intervention zur Senkung von HbA1c, erhöhtem Blutdruck und erhöhten Serumlipiden kann in nur 6 Wochen messbare Effekte auf die Makuladicke erzeugen und bietet eine rationale Grundlage für spezifische augenärztliche Eingriffe (19).

Spezifische augenärztliche Behandlungen

Für das DMÖ gibt es mehrere Behandlungsmodalitäten, wobei oft eine Kombination von Behandlungen verwendet wird, die je nach Situation variieren:

1) Intravitreale Injektionen von Anti-VEGF-Medikamenten
2) Intravitreale Kortikosteroidinjektionen (einschliesslich Implantate mit kontinuierlicher Freisetzung über mehrere Monate (Ozurdex®, Iluvien, etc.)
3) Kombinierte Injektionen von Anti-VEGF und intravitrealen Kortikosteroiden
4) Fokale/Gitter-Laserkoagulation
5) Unterschwellige Laser-Photokoagulation
6) Vitrektomie

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Zweitabdruck des in der « la gazette médicale » 06-2020 erschienen Originalartikels.

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Dr Mohamed Sherif

Service d’ ophtalmologie de l’ Université de Lausanne
Hôpital ophtalmique Jules-Gonin
Fondation Asile des aveugles
Av. de France 15
CP 133
1000 Lausanne 7

mohamed.sherif@fa2.ch

Dr François Thommen

Service d’ ophtalmologie de l’ Université de Lausanne
Hôpital ophtalmique Jules-Gonin
Fondation Asile des aveugles
Av. de France 15
CP 133
1000 Lausanne 7

Pr Thomas J. Wolfensberger

Unité de chirurgie vitréo-rétinienne
Hôpital Ophtalmique Jules-Gonin
Fondation Asile des Aveugles
Département d’ Ophtalmologie
Université de Lausanne
Avenue de France 15
1004 Lausanne

retinechirurgicale@fa2.ch

Die Autoren haben in Zusammenhang mit diesem Artikel keine Interessenskonflikte deklariert.

◆ Makulopathie ist ein Oberbegriff, der alle Pathologien des zentralen Bereichs der Netzhaut, der Makula, definiert.
◆ Die häufigsten Formen sind die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) und die diabetische Makulopathie.
◆ Die Grundursache der AMD ist nach wie vor unbekannt, obwohl Alter, genetische Faktoren und aktives Rauchen eindeutig als Risikofaktoren identifiziert worden sind. Die trockene AMD ist am häufigsten, während die feuchte AMD seltener, aber schwerwiegender ist. Bei der feuchten AMD werden zur Stabilisierung der Sehschärfe intravitreale Injektionen von antivasoproliferativen Medikamenten (Anti-VEGF) eingesetzt.
◆ Die ödematöse Makulopathie ist die häufigste Form der diabetischen Makulopathie. Die strikte Kontrolle des Blutzuckers und eine moderate Senkung des Blutdrucks führten zu einer Verringerung der kumulativen Inzidenz des Makulaödems.

1. Kanski JJ. Clinical Ophthalmology: A Systematic Approach. 6th édition 2007.
2. Chen Y, Zeng J, Zhao C, et al. Assessing susceptibility to age-related macular degeneration with genetic markers and environmental factors. Arch Ophthalmol. 2011;129(3):344–351.
3. Velilla S, García-Medina JJ, García-Layana A, et al. Smoking and age-related macular degeneration: review and update. J Ophthalmol. 2013;2013:895147.
4. Myers CE, Klein BE, Gangnon R, Sivakumaran TA, Iyengar SK, Klein R. Cigarette smoking and the natural history of age-related macular degeneration: the Beaver Dam Eye Study. Ophthalmology. 2014;121:1949–1955.
5. Ferris FL, III, Wilkinson CP, Bird A, et al. Clinical classification of age-related macular degeneration. Ophthalmology. 2013;120(4):844–851.
6. Simunovic MP. Metamorphopsia and its quantification. Retina. 2015;35(7):1285–1291.
7. Carneiro Â, Andrade JP. Nutritional and lifestyle interventions for age-related macular degeneration: a review. Oxid Med Cell Longev. 2017;2017:6469138.
8. Age-Related Eye Disease Study Research Group A randomized, placebo-controlled, clinical trial of high-dose supplementation with vitamins C and E, beta carotene, and zinc for age-related macular degeneration and vision loss: AREDS report no. 8. Arch Ophthalmol. 2001;119(10):1417–1436.
9. Age-Related Eye Disease Study 2 Research Group Lutein + zeaxanthin and omega-3 fatty acids for age-related macular degeneration: the Age-Related Eye Disease Study 2 (AREDS2) randomized clinical trial. JAMA. 2013;309(19):2005–2015.
10. Age-Related Eye Disease Study 2 Research Group Lutein + zeaxanthin and omega-3 fatty acids for age-related macular degeneration: the Age-Related Eye Disease Study 2 (AREDS2) randomized clinical trial. JAMA. 2013;309(19):2005–2015.
11. Klein R, Klein BE, Moss SE, Cruickshanks KJ. The Wisconsin epidemiologic study of diabetic retinopathy. XV. The long-term incidence of macular edema. Ophthalmology. 1995;102:7–16.
12. 4. Xie XW, Xu L, Wang YX, Jonas JB. Prevalence and associated factors of diabetic retinopathy. The Beijing eye study 2006. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol. 2008;246:1519–26.
13. Wong TY, Klein R, Islam FM, Cotch MF, Folsom AR, Klein BE, et al. Diabetic retinopathy in a multi-ethnic cohort in the United States. Am J Ophthalmol. 2006;141:446–55.
14. Klein R, Klein BE, Moss SE, Cruickshanks KJ. The Wisconsin epidemiologic study of diabetic retinopathy: XVII. The 14-year incidence and progression of diabetic retinopathy and associated risk factors in type 1 diabetes. Ophthalmology. 1998;105:1801–15.
15. Progression of retinopathy with intensive versus conventional treatment in the diabetes control and complications trial. Diabetes control and complications trial research group. Ophthalmology. 1995;102:647–61.
16. Early worsening of diabetic retinopathy in the diabetes control and complications trial. Arch Ophthalmol. 1998;116:874–86.
17. Intensive blood-glucose control with sulphonylureas or insulin compared with conventional treatment and risk of complications in patients with type 2 diabetes (UKPDS 33). UK prospective diabetes study (UKPDS) group. Lancet. 1998;352:837–53.
18. Tight blood pressure control and risk of macrovascular and microvascular complications in type 2 diabetes: UKPDS 38. UK prospective diabetes study group. BMJ. 1998;317:703–13.
19. Singh R, Abhiramamurthy V, Gupta V, Gupta A, Bhansali A. Effect of multifactorial intervention on diabetic macular edema. Diabetes Care. 2006;29:463–4.

Impfung gegen COVID-19 und Schwangerschaft

Die SARS-CoV-2-Pandemie ist nun schon seit über einem Jahr im Gange und hat bis Ende April 2021 weltweit über 3 Millionen Todesfälle verursacht. Während die Strategie der Massenimpfung von vielen Ländern übernommen wurde, ist die Frage der Priorisierung des Zugangs zur Impfung zentral. Gefährdete Bevölkerungsgruppen wurden einstimmig als Priorität im Kampf gegen diese Pandemie angesehen. Die Schweiz zählt zu den Ländern, die sich entschieden haben, schwangere Frauen durch eine Impfung gegen COVID-19 zu berücksichtigen und zu schützen.

Das Risiko, während der Schwangerschaft schwere COVID-19 Erkrankung zu entwickeln

Es ist mittlerweile in der Literatur gut dokumentiert, dass schwangere Frauen im Vergleich zu nicht schwangeren Frauen gleichen Alters ein höheres Risiko haben, eine schwere COVID-19 Erkrankung zu entwickeln, einschliesslich eines zwei- bis dreifach erhöhten Risikos der Aufnahme auf die Intensivstation, so die Autoren der grössten Serien (1, 2).
Das erhöhte Risiko einer schweren COVID-19 Erkrankung während der Schwangerschaft ist besonders bei Frauen mit bestimmten Komorbiditäten von Bedeutung. Chronischer Bluthochdruck, chronische Lungenerkrankung, vorbestehender Diabetes sowie mütterliches Alter und Adipositas sind mit einer signifikanten Erhöhung des Risikos für schwere COVID-19 Erkrankung verbunden (1).

In der Schwangerschaft scheint das Risiko einer Frühgeburt erhöht zu sein, obwohl es noch nicht möglich ist, diesen Anstieg genau abzuschätzen. Die Rate der Frühgeburten in der grössten Serie von schwangeren Patientinnen, die mit SARS-CoV-2 infiziert waren, erreicht 15 bis 20 %, einschliesslich der durch schwere Formen von COVID-19 induzierten Frühgeburten, die einen Notkaiserschnitt erfordern. Eine vertikale Übertragung der Infektion ist selten, aber möglich und wird auf weniger als 5 % geschätzt, mit einem sehr seltenen Risiko einer schweren neonatalen COVID-19-Infektion (3,  4).
Die erhöhten Komplikationen einer COVID-19-Infektion versetzen die schwangere Frau daher in eine Risikogruppe, insbesondere wenn sie die Risikofaktoren für eine schwere Erkrankung hat.

Impfung und Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft werden mehrere Impfungen empfohlen, insbesondere gegen Keuchhusten und Influenza, die als sicher und vorteilhaft für die Mutter, ihren Fötus und das zukünftige Neugeborene gelten. Dies sind inaktivierte Impfstoffe ohne infektiöse Eigenschaften. Attenuierte Lebendimpfstoffe hingegen sind wegen ihrer möglichen theoretischen Restpathogenität in der Schwangerschaft kontraindiziert.

Neue Impfstofftechnologien

In den letzten Jahren wurden neue Impfstofftechnologien wie die Verwendung von Ribonukleinsäuren, Proteinuntereinheiten und viralen Vektoren entwickelt. Diese Technologien wurden experimentell gegen Influenza, HIV und CMV eingesetzt. Klinische Studien der Phasen I und II wurden gegen Zika- und Ebola-Viren durchgeführt.
Die beiden bisher in der Schweiz verfügbaren Impfstoffe gegen SarS-CoV-2 sind Pfizer/BNT162b2 und Moderna/mRNA-1273, die beide die mRNA-Technologie verwenden und aus zwei intramuskulären Injektionen bestehen.

Nach der Injektion gelangt die mRNA, eingewickelt in eine Lipidkapsel, in die Wirtszellen, ohne in den Zellkern einzudringen. Die mRNA, die für das SARS-CoV-2-Spike-Protein kodiert, wird in das Zytoplasma der Zelle transkribiert. Sobald das Spike-Protein synthetisiert wurde, wird es zur Zelloberfläche transportiert, wo es dem Immunsystem präsentiert wird, um eine Immunität gegen SARS-CoV-2 zu erzeugen. Die mRNA enthält nicht das Virus, sondern nur den genetischen Code für ein Oberflächenprotein der Virushülle. (Abb. 1).

Die mRNA-Impfstoffe von Pfizer und Moderna sind zu 95 % wirksam bei der Prävention von COVID-19-Infektionen bei Erwachsenen (> 70.000 Teilnehmer), mit häufig leichten bis mässigen Nebenwirkungen und selten schweren allergischen Reaktionen, die auf 1/100 000 geschätzt werden, hauptsächlich bei Patienten mit einer Vorgeschichte von schweren allergischen Reaktionen (5, 6).

Daten zu schwangeren Frauen und Impfung gegen COVID-19

Schwangere Frauen wurden von klinischen Studien mit in der Schweiz zugelassenen Impfstoffen ausgeschlossen. Präklinische Daten an Ratten und Makaken haben keine nachteiligen Auswirkungen auf die Embryonalentwicklung und den Verlauf der Schwangerschaft gezeigt (7, 8). Ausserdem stellt das Profil dieser Impfstoffe kein theoretisches Überschussrisiko bei Schwangeren dar, und das Nutzen-Risiko-Verhältnis spricht stark für eine Impfung in dieser Gruppe von Patienten mit Komplikationsrisiko.

In den Phase-III-Studien (Wirksamkeitsstudien) der mRNA-Impfstoffe erhielten 53 Patientinnen den Impfstoff oder Placebo, ohne zu wissen, dass sie schwanger waren. In der Impfstoff- und der Placebogruppe trat eine gleiche Anzahl von Schwangerschaften auf, was zeigt, dass der Impfstoff keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit hat. Die Anzahl der Fehlgeburten war in beiden Gruppen gleich.

Am 10. Februar 2021 gab Dr. Anthony Fauci, Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Disease (NIAID), auf einer Pressekonferenz im Weissen Haus bekannt, dass mehr als 20 000 schwangere Frauen in den USA geimpft wurden, ohne dass es besorgniserregende Warnzeichen gab (9).
Mit Stand vom 1. März 2021 berichten die Register V-safe (10) und Vaccine Adverse Event Reporting System (VAERS)(11), die vom Center for Disease Control and Prevention (CDC) und der Food and Drug Administration (FDA) in den USA entwickelt wurden, über Daten von mehr als 30 000 schwangeren Frauen, die dem Impfstoff ausgesetzt waren, ohne signifikanten Anstieg von Schwangerschaftskomplikationen.

In Bezug auf die Wirksamkeit zeigte eine im März 2021 veröffentlichte prospektive kontrollierte Studie eine identische serologische Reaktion bei schwangeren (n = 84), stillenden (n = 31) und nicht schwangeren (n = 16) Frauen, was auf eine ähnliche Wirksamkeit des Impfstoffs während der Schwangerschaft und Stillzeit hindeutet (12).
Alle Nabelschnurblut- und Muttermilchproben von geimpften Pa-tienten enthielten Antikörper (12), was auf eine mögliche passive Immunität der Säuglinge bei der Geburt hindeutet, die jedoch noch nicht nachgewiesen wurde. Darüber hinaus gab die Pfizer BioNTECH-Gruppe am 18. Februar 2021 den Start einer Phase II/III-Studie bei schwangeren Frauen bekannt.
In der Schweiz ist die Impfung seit dem 5. März 2021 für schwangere Frauen mit Risikofaktoren zugänglich. Schwangere oder stillende Frauen, die die Anspruchsvoraussetzungen erfüllen, können ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel ein spezielles Rezept bei ihrem Gynäkologen anfordern. Alle Informationen sind auf der Website der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie (https://www.sggg.ch/) verfügbar. Gleichzeitig wird den Patientinnen die Teilnahme an der Impf-Follow-up-Studie angeboten, die die Sicherheit des COVID-19-Impfstoffs bei schwangeren Frauen überwachen soll.

Impftreue von schwangeren Frauen

Während das Misstrauen gegenüber Impfstoffen im Allgemeinen bei schwangeren Frauen und insbesondere bei einem neu entwickelten Impfstoff berechtigt sein mag, stellt COVID-19 ein erhebliches Risiko für potenziell schwere Komplikationen während der Schwangerschaft dar, auch wenn die ersten Daten zur Impfung äusserst beruhigend sind. Schwangere Frauen sind in der Regel zurückhaltender, wenn es um medikamentöse Behandlungen geht (13), unter anderem wegen fehlender schwangerschaftsspezifischer Informationen (14). In einer kürzlich durchgeführten Studie wurde berichtet, dass 40-50 % der schwangeren Frauen vor einer Impfung gegen COVID-19 zurückschrecken, was zum Teil auf einen Mangel an Informationen zurückzuführen ist. Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, den Patienten die begrenzten, aber sehr beruhigenden Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit der Impfung zu vermitteln (15).
Darüber hinaus haben sich viele Fachgesellschaften, darunter die CDC (16), das American College of Obstetrics and Gynecology (ACOG) (17), die Society of Materno-Fetal Medicine (SMFM) (18), das Collège National des Gynécologues Obstétriciens Français (CNGOF) (19) und das Royal College of Obstetrics and Gynecology (RCOG) (20), für die Impfung von Schwangeren ausgesprochen.

Übersetzung des Originalartikels aus «info@gynäkologie» 02_2021

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Karine Lepigeon

Département femme-mère-enfant
CHUV
Rue du Bugnon 2
1011 Lausanne

Karine.Lepigeon@chuv.ch

PrDavid Baud MD PhD

CHUV, Department Woman-Mother-Child
Materno-Fetal Medicine (MFM) specialist
Bureau Maternité CI/04-209
Avenue Pierre-Decker 2
CH-1011 Lausanne

Dr Guillaume Favre

Département femme-mère-enfant
CHUV
Rue du Bugnon 2
1011 Lausanne

Die Autoren haben keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Beitrag deklariert.

◆ Für schwangere Frauen mit bestimmten chronischen Erkrankungen oder mit erhöhtem Expositionsrisiko (vor allem Mitarbeiterinnen des Gesundheitswesens) wird die Impfung in der Schweiz aufgrund des erhöhten Risikos einer schweren COVID-19-Erkrankung in dieser speziellen Bevölkerungsgruppe empfohlen.
◆ Die Informationen werden regelmässig aktualisiert unter www.sggg.ch.
◆ Die Adhärenz der Patientinnen ist abhängig vom Zugang zu Informationen spezifisch zur Schwangerschaft, die auf der Website der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe verfügbar sind.

 

1. Allotey J, Stallings E, Bonet M, Yap M, Chatterjee S, Kew T, et al. Clinical manifestations, risk factors, and maternal and perinatal outcomes of coronavirus disease 2019 in pregnancy: living systematic review and meta-analysis. BMJ. 1 sept 2020;m3320.
2. Zambrano LD, Ellington S, Strid P, Galang RR, Oduyebo T, Tong VT, et al. Update: Characteristics of Symptomatic Women of Reproductive Age with Laboratory-Confirmed SARS-CoV-2 Infection by Pregnancy Status — United States, January 22–October 3, 2020. MMWR Morb Mortal Wkly Rep. 6 nov 2020;69(44):1641‑7.
3. Raschetti R, Vivanti AJ, Vauloup-Fellous C, Loi B, Benachi A, De Luca D. Synthesis and systematic review of reported neonatal SARS-CoV-2 infections. Nat Commun. 15 oct 2020;11(1):5164.
4. Vivanti AJ, De Luca D, Raschetti R, Benachi A. Obstetric and neonatal literature is complex and should be merged to understand perinatal SARS-CoV-2 infection. Ultrasound Obstet Gynecol Off J Int Soc Ultrasound Obstet Gynecol. févr 2021;57(2):351‑2.
5. Poland GA, Ovsyannikova IG, Kennedy RB. SARS-CoV-2 immunity: review and applications to phase 3 vaccine candidates. Lancet Lond Engl. 14 nov 2020;396(10262):1595‑606.
6. InfoVac.ch. Coronavirus (COVID-19) [Internet]. [cité 14 avr 2021]. Disponible sur: https://www.infovac.ch/fr/les-vaccins/par-maladie/coronavirus-covid-19#securite-vaccinale
7. Rasmussen SA, Kelley CF, Horton JP, Jamieson DJ. Coronavirus Disease 2019 (COVID-19) Vaccines and Pregnancy: What Obstetricians Need to Know. Obstet Gynecol. mars 2021;137(3):408‑14.
8. Pfizer-BioNTech. COVID-19 Vaccine VRBPAC Briefing Document [Internet]. [cité 6 avr 2021]. Disponible sur: https://www.fda.gov/media/144246/download
9. Nunez-Smith, M. & Fauci, A. Press Briefing [Internet]. Press briefing by White House COVID-19 response team and public health officials, 10 February 2021. Disponible sur: https://www.whitehouse.gov/briefing-room/press-briefings/2021/02/10/press-briefing-by-white-house-covid-19-response-team-and-public-health-officials-3/
10. Centers for disease Control and Preventio. V-Safe [Internet]. Disponible sur: https://www.cdc.gov/coronavirus/2019-ncov/vaccines/safety/vsafe.html
11. Center for Disease control (CDC) et la Food and Drug Administration (FDA). The Vaccine Adverse Event Reporting System [Internet]. [cité 14 avr 2021]. Disponible sur: https://vaers.hhs.gov/
12. Gray KJ, Bordt EA, Atyeo C, Deriso E, Akinwunmi B, Young N, et al. COVID-19 vaccine response in pregnant and lactating women: a cohort study. Am J Obstet Gynecol. 24 mars 2021;
13. Nordeng H, Koren G, Einarson A. Pregnant Women’ s Beliefs About Medications—A Study Among 866 Norwegian Women. Ann Pharmacother. sept 2010;44(9):1478‑84.
14. Hayakawa S, Komine-Aizawa S, Takada K, Kimura T, Yamada H. Anti-SARS-CoV-2 vaccination strategy for pregnant women in Japan. J Obstet Gynaecol Res [Internet]. 23 mars 2021 [cité 5 avr 2021]; Disponible sur: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jog.14748
15. Ceulemans M, Foulon V, Panchaud A, Winterfeld U, Pomar L, Lambelet V, et al. Vaccine Willingness and Impact of the COVID-19 Pandemic on Women’ s Perinatal Experiences and Practices—A Multinational, Cross-Sectional Study Covering the First Wave of the Pandemic. Int J Environ Res Public Health. janv 2021;18(7):3367.
16. Centers for Disease Control and Preventio. Pregnancy and Breastfeeding/COVID-19 [Internet]. Disponible sur: https://www.cdc.gov/coronavirus/2019-ncov/vaccines/recommendations/pregnancy.html
17. American College of Obstetricians and Gynecologist. Coronavirus (COVID-19), Pregnancy, and Breastfeeding [Internet]. Disponible sur: https://www.acog.org/womens-health/faqs/coronavirus-covid-19-pregnancy-and-breastfeeding
18. The Society for Maternal-Fetal Medicine. Publications & Clinical Guidance [Internet]. Disponible sur: https://www.smfm.org/covidclinical
19. Collège national des gynécologues et obstétriciens français. Vaccination anti-COVID-19 des femmes enceintes : Le CNGOF et Le GRIG rappellent leur position. [Internet]. 2021. Disponible sur: http://www.cngof.fr/patientes/presse/740-covid-19-vaccination-femmes-enceintes-3ars-2021
20. Royal College of Obstetricians and Gynaecologist. COVID-19 vaccines, pregnancy and breastfeeding [Internet]. Disponible sur: https://www.rcog.org.uk/en/guidelines-research-services/coronavirus-covid-19-pregnancy-and-womens-health/covid-19-vaccines-and-pregnancy/covid-19-vaccines-pregnancy-and-breastfeeding/