«Den Mut haben, ausgetretene Pfade zu verlassen»

Am Frühjahreskongress der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin (SGAIM) unter dem Motto «Outside the box» ging es um frische Perspektiven in einer sich stetig wandelnden medizinischen Landschaft. Gespannt verfolgten am Donnerstag mehrere hundert Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmer im Congress Center Basel die Keynote von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider, Vorsteherin des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI). Es sei nicht nur angebracht, sondern auch nützlich, Scheuklappen abzulegen, wenn es darum gehe, «die hervorragende Qualität des schweizerischen Gesundheitssystems zu erhalten und zu fördern», sagte sie.

«Über den Tellerrand hinausblicken» bedeute unter anderem auch, bereit zu sein, «genau zu untersuchen, was die Akteure im Gesundheitswesen als Problem betrachten». Leistungserbringer, Politik und Medien würden in diesem Zusammenhang immer wieder die «Bürokratisierung» im Gesundheitswesen kritisieren. «Ich nehme diese Anliegen sehr ernst. Zusammen mit dem Bundesamt für Gesundheit sind wir bereit, hier einen Beitrag zu leisten», so Elisabeth Baume-Schneider.

Und weiter: «Ich kann Ihnen garantieren, dass ich bereit bin, unnötige oder nicht effizient ausgeführte administrative Aufwände, welche durch Vorgaben meines Departementes verursacht werden, zu eliminieren oder effizienter zu gestalten.» Sie hoffe, dass die Bereitschaft bei allen beteiligten Akteuren vorhanden sei, in ihrem Verantwortungsbereich dasselbe zu tun. Zur Umsetzung des Anliegens hat das EDI in einem ersten Schritt eine externe Arbeitsgruppe unter der Leitung des Bundesamts für Gesundheit (BAG) ins Leben gerufen. Momentan sei eine Umfrage bei den Leistungserbringern in Vorbereitung, damit der Grad der administrativen Belastung erfasst und verstanden werden könne, sagte die Bundesrätin. «In einem zweiten Schritt wollen wir Massnahmen zur Behebung von unnötigen – oder ineffizienten – administrativen Aufwänden entwickeln und umsetzen.» Prioritär behandelt werde die Gruppe der Hausärztinnen und Hausärzte. «Erste konkrete Resultate der Arbeiten erwarten wir noch in diesem Jahr.»

Ein weiteres Gebiet, auf dem ausgetretene Pfade verlassen werden müssten, sei die Digitalisierung des Gesundheitssystems. «Seien wir ehrlich: Viele Länder sind in dieser Hinsicht deutlich weiter als wir. Das muss sich ändern.» Die EDI-Vorsteherin nannte das «Leuchtturmprojekt» DigiSanté, das seit Anfang 2025 schrittweise umgesetzt wird. Es soll gewährleisten, dass die verschiedenen Systeme kompatibel sind und verhindern, dass administrative und medizinische Daten mehrfach erfasst werden müssen – gemäss dem «Once-only»-Prinzip.
Persönlich ein grosses Anliegen sei ihr die Stärkung der Grundversorgung. «Hier müssen aktiv Lösungen ausserhalb der bereits bekannten Rezepte gesucht werden.» Deshalb habe das EDI im November 2024 die Agenda Grundversorgung lanciert. «Seither haben rund 80 Akteure in Arbeitsgruppen – darunter auch die SGAIM – den Handlungsbedarf priorisiert und erste Lösungsansätze erarbeitet.» Die Arbeitsgruppen seien breit aufgestellt und nahe an den Patientinnen und Patienten dran. Diese Patientenzentrierung sei grundlegend für eine qualitativ gute Gesundheitsversorgung. Einen Bericht mit Massnahmenvorschlägen erwarte sie bis Ende 2025. «Danach wird der Bundesrat über die Umsetzung entscheiden.»

Die Gesundheitsministerin sprach auch über das neue, gesamtheitliche Tarifsystem im ambulanten Bereich, das aus TARDOC und Pauschalen besteht. Es ersetzt ab dem 1. Januar 2026 den bisherigen Arzttarif TARMED. Sie sei sich bewusst, dass die Umsetzung des neuen Systems eine Herausforderung für die Ärzteschaft darstelle. «Ich lade Sie ein, diesen Wandel mit Geduld und einer konstruktiv-kritischen Haltung zu begleiten. Jede Tarifänderung bringt Unsicherheiten und gewisse nicht vorhersehbare Auswirkungen mit sich», sagte die Bundesrätin.
Im Anschluss an ihre Keynote beantwortete die Bundesrätin auch Fragen aus dem Publikum. Dr. Christoph Knoblauch, Co-Präsident der SGAIM, bedankte sich zum Schluss für ihren Besuch am SGAIM-Kongress: «Wir freuen uns sehr, dass wir die Gelegenheit hatten, an diesem Austausch und Dialog teilzunehmen. Die Diskussion zeugte von bemerkenswerter Kompetenz und fundierter Sachkenntnis. Diese Dynamik muss unbedingt fortgesetzt werden, um einige wesentliche Punkte weiter zu verbessern.»

Dr. med. Lars Clarfeld

Generalsekretär und Leiter der Geschäftsstelle
Monbijoustrasse 43
3011 Bern

lars.clarfeld@sgaim.ch

AACR (American Association of Cancer Research) 2025

Beim diesjährigen Annual Meeting der American Association of Cancer Research (AACR) 2025 in Chicago standen die neuesten Entwicklungen zu Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADC) bei soliden Tumoren im Fokus. Führende Expertinnen und Experten präsentierten aktuelle Daten zu Wirkmechanismen, klinischer Anwendung und zukünftigen Therapiestrategien bei Brustkrebs, Lungenkarzinom, gynäkologischen, urothelialen sowie gastrointestinalen Tumoren. Dieser Bericht fasst die wichtigsten Erkenntnisse, klinischen Fallbeispiele und laufenden Studien im Bereich Brust- und gynäkologischem Krebs zusammen und gibt einen Ausblick auf das grosse Potenzial der ADCs in der Onkologie.

Im Rahmen des AACR Annual Meetings 2025 in Chicago wurden aktuelle Daten zu Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADC) bei soliden Tumoren vorgestellt. Die Ziele der Sitzung bestanden darin, das Wissen über aktuelle und aufkommende ADCs für das gesamte Spektrum solider Tumoren zu erweitern, die Fähigkeit zu verbessern, Patienten mit Brust-, Lungen-, gynäkologischen, Blasen-, gastrointestinalen und weiteren Krebsarten für eine mögliche ADC-Therapie zu identifizieren, sowie Strategien zu vermitteln, um ADCs sicher und wirksam in die klinischen Behandlungspläne zu integrieren.

ADC-Grundlagen

Dr. Funda Meric-Bernstam (University of Texas, Houston) präsentierte Grundlagen zu Aufbau, Wirkmechanismus, Forschung und klinischer Anwendung von ADCs. Zugelassene ADCs für solide Tumoren sind: Trastuzumab Emtansin und Trastuzumab Deruxtecan (HER2), SacituzumabA Govitecan (TROP2), Tisolumab Vedotin (Tissue Factor), Mirvetuximab Soravtansin (Folat-Rezeptor alpha), Enfortumab Vedotin sowie Enfortumab Vedotin + Pembrolizumab (Nectin-4) und Datopotamab Deruxtecan (TROP2) für unterschiedliche Indikationen.

Der Wirkmechanismus von ADCs umfasst mehrere Prinzipien: Einerseits wird eine Antitumoraktivität durch FC-vermittelte Stimulation von Immunzellen und durch Unterbrechung der Rezeptordimerisierung erzielt. Andererseits werden die meisten ADCs nach Bindung an Tumorzellen internalisiert, die Wirkstofffracht wird aus Endosomen und Lysosomen freigesetzt und führt zum Zelltod. Membrandurchdringende Wirkstoffkomponenten können auch benachbarte Zellen abtöten, was als Bystander-Effekt bezeichnet wird.

Eine Übersicht zu Charakteristika der ADC-Zielstrukturen zeigt Tab. 1.

Targets für zugelassene Wirkstoffe: HER2, TROP2, Nectin-4, TF und FRalpha

Die Trends in der Entwicklung von ADCs über vier Jahrzehnte hinweg zeigen eine Vielfalt von Ansätzen mit eindeutig herausragenden Nutzlastklassen. In den 1980er Jahren dominierten Vinca-Alkaloide und DNA-schädigende Substanzen. In den 1990er Jahren kamen Calicheamicin-basierte ADCs hinzu. Danach folgten Auristatin- und Maytansinoid-basierte ADCs. Zwischen 2015 und 2020 dominierten PBD-basierte ADCs. Aktuell befinden sich vor allem Camptothecin-ADCs in klinischer Entwicklung. Weitere Payload-Klassen werden ebenfalls untersucht, haben aber noch nicht zur Zulassung geführt.

Herausforderungen bei der Entwicklung von ADCs

Herausforderungen bei der ADC-Entwicklung umfassen:
– Optimierung von klinischem Monitoring, Dosierung und Zeitplan,
– Verständnis der Linkerstabilität,
– Entwicklung von Fernüberwachungs-Tools,
– Pharmakogenomik-Testungen,
– retrospektive und prospektive Studien zu ADC-Sequenzen,
– klinische Studien zu dualen Wirkstoffen, Radionukliden, immunstimulierenden Molekülen und proteinabbauenden Substanzen,
– Kombinationstherapien,
– Erforschung von Resistenzmechanismen,
– genauere Charakterisierung der Tumorbiologie,
– computergestützte Pathologie und Zielquantifizierung.
ADCs gelten als modulare Plattform: Die Antikörper-Komponente kann bispezifisch, trispezifisch oder maskiert sein. Linker können spaltbar oder ortsspezifisch sein, die Payload duale Wirkstoffe, immunstimulierende Substanzen oder Radionuklide enthalten.

Zukünftige Entwicklungen

Innovationen in jeder der ADC-Komponenten können zu weiteren Verbesserungen in der Krebstherapie führen. Dabei spielt die Toxizität eine wichtige Rolle. Entsprechende Strategien sind: Behandlungsdauer, fraktionierte Dosierung, Dosisanpassung nach Therapieansprechen, spaltbare und/oder chemisch labile Linker. Höhere Potenz des Wirkstoffs, Membranpermeabilität.

ADCs bei Brustkrebs

Prof. Sara A. Hurvitz, Seattle, Washington, präsentierte aktuelle Erkenntnisse, praktische Möglichkeiten zur klinischen Integration und anschauliche Fallbeispiele. Sie stellte den Fall einer 56-jährigen Frau mit metastasiertem Mammakarzinom vor, die ihr zur Beratung überwiesen wurde. Die Patientin hatte vor acht Jahren einen ER+/PR+/HER2 1+ Brustkrebs Stadium IIA links. Nach einer Chemotherapie, einer modifizierten radikalen Mastektomie, einer Bestrahlung sowie einer antihormonellen Therapie mit Tamoxifen (2 Jahre) und Letrozol (2 Jahre) kam es vor drei Jahren zur Entwicklung von Lungenmetastasen (ER+/PR+/HER2 0). Die Erstlinientherapie mit Ribociclib/Fulvestrant führte nach 18 Monaten zu einem Progress in der Leber. Eine Zweitlinientherapie mit Everolimus/Exemestan scheiterte nach 10 Monaten an weiterem Progress in Knochen und Lunge, begleitet von Kurzatmigkeit und Husten.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der HER2-Expression bei Brustkrebs

Während bei nicht amplifiziertem ERBB2 bisher keine Wirksamkeit einer HER2-Blockade nachweisbar war, eröffnet der Einsatz neuer ADCs neue Therapieansätze. In der DESTINY-Breast04-Studie zeigte Trastuzumab Deruxtecan (T-DXd) bei vorbehandelten Patientinnen mit metastasiertem HER2-positivem Brustkrebs eine anhaltende antitumorale Aktivität und einen signifikanten Vorteil beim progressionsfreien Überleben (PFS) gegenüber einer vom Arzt gewählten Chemotherapie. Diese Vorteile wurden sowohl bei HER2-low als auch bei HER2-ultralow Tumoren beobachtet. Die Destiny-Breast06-Studie bestätigte T-DXd als Standardtherapie nach mindestens einer endokrinen Therapie bei Patientinnen mit HER2-low und HER2-ultralow HR+ metastasiertem Brustkrebs (mBC).

In der EMILIA-Studie konnte Trastuzumab Emtansin das PFS und das Gesamtüberleben im Vergleich zu Lapatinib plus Capecitabin verbessern, bei gleichzeitig geringerer Toxizität. Diese Patientinnen hatten zuvor bereits Trastuzumab und Taxane erhalten. In der Destiny-Breast03-Studie wurde das Fortschreiten der Erkrankung bei mit Trastuzumab und Taxanen vorbehandelten Patientinnen, die Trastuzumab Deruxtecan erhielten, deutlich seltener beobachtet als bei Patientinnen, die Trastuzumab Emtansin erhielten. Allerdings war Trastuzumab Deruxtecan mit einem erhöhten Risiko für interstitielle Lungenerkrankungen und Pneumonitis assoziiert.

DESTINY-BREAST12 zeigte, dass T-DXd auch bei Patientinnen mit Hirnmetastasen eine signifikante und anhaltende intrakranielle und systemische Wirksamkeit erzielte. T-DXd wird aktuell als Erstlinientherapie für HER2-Rezeptor-positive Pa-tientinnen eingesetzt. Für die Zukunft erwähnte Prof. Hurvitz drei laufende Studien:

  • DESTINY-Breast09, eine randomisierte, offene Phase-III-Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit von Palbociclib plus ti-HER2+ endokriner Therapie bei hormonpositivem, HER2-positivem metastasiertem Brustkrebs.
  • DEMETHER, eine multizentrische, einarmige Phase-II-Studie zur Erhaltungstherapie mit Trastuzumab und Pertuzumab nach Induktion mit Trastuzumab Deruxtecan bei Patientinnen mit HER2-positivem, lokal rezidivierendem oder metastasiertem Brustkrebs.
  • HER2CLIMB-05, eine Phase-III-Studie mit Tucatinib oder Placebo in Kombination mit Trastuzumab und Pertuzumab als Erhaltungstherapie bei HER2+ metastasiertem Mammakarzinom.

Anschliessend ging Prof. Hurvitz auf die Herausforderungen bei HER2-low und HER2-ultralow mBC ein. In DESTINY-Breast06 wurde ein längeres PFS von Trastuzumab Deruxtecan gegenüber Chemotherapie bei Patientinnen mit hormonrezeptorpositivem, HER2-low oder ultralow mBC gezeigt, die zuvor mindestens eine endokrine Therapie erhalten hatten. Daraus ergibt sich T-DXd als neue Erstlinientherapie bei vorbehandeltem HER2-low oder ultralow metastasiertem Brustkrebs.

Fokus auf HER2-low und -ultralow

Der College of American Pathologists aktualisierte das Protokoll zur HER2-Biomarker-Bestimmung beim Mammakarzinom. Dabei wurden Bewertung und Berichterstattung zur HER2-Statusbestimmung überarbeitet und standardisierte Kommentare eingeführt, die insbesondere die klinische Relevanz betonen. In der DESTINY-Breast04-Studie konnte bei Patientinnen mit HER2-low metastasiertem Brustkrebs mit Trastuzumab Deruxtecan im Vergleich zur Chemotherapie ein signifikant längeres PFS und OS erzielt werden. Auch DESTINY-Breast06 zeigte einen PFS-Vorteil bei Patientinnen mit HR-positivem HER2-low oder ultralow metastasiertem Brustkrebs. Dabei wurden keine neuen Sicherheitssignale identifiziert.

Weitere Studien bestätigten diese Ergebnisse: BEGONIA, eine Phase-Ib/II-Studie mit Datopotamab Deruxtecan (Dato-DXd) plus Durvalumab als Erstlinientherapie bei nicht resezierbarem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem triple-negativem Brustkrebs (TNBC), zeigte hohe und anhaltende Ansprechraten bei akzeptabler Sicherheit. Destiny-Breast08 untersuchte T-DXd in Kombination mit Capecitabin oder Capivasertib und zeigte erste Hinweise auf antitumorale Aktivität bei Patientinnen mit HER2-low metastasiertem Brustkrebs.

Erkennung und Umgang mit T-DXd-bezogenen ILDs: die fünf «S» Regel

Besonders hervorgehoben wurde der Umgang mit T-DXd-assoziierten interstitiellen Lungenerkrankungen anhand der sogenannten «5-S-Regel»: Screen, Scan, Survey, Suspend treatment, Steroids.

In der Phase-III-Studie ASCENT verbesserte Sacituzumab Govitecan das mediane PFS und Gesamtüberleben in allen Trop-2-Quartilen. Die TROPiCS-02-Phase-II-Studie bei Patientinnen mit vorbehandeltem, endokrin resistentem, Hormonrezeptor-positivem und HER2-negativem metastasiertem Brustkrebs zeigte ebenfalls einen signifikanten PFS-Vorteil gegenüber einer Chemotherapie.

Datopotamab Deruxtecan bestätigte in der TROPION-Breast01-Studie bei vorbehandeltem, operablem, HR-positivem, HER2-negativem Brustkrebs eine signifikante Verbesserung des PFS und zeigte ein günstiges und gut kontrollierbares Sicherheitsprofil im Vergleich zur Chemotherapie. Diese Ergebnisse unterstützen den Einsatz von Dato-DXd als neue Behandlungsoption für Patientinnen mit inoperablem oder metastasiertem Brustkrebs, die eine oder zwei vorangegangene Chemotherapien erhalten haben.

Insgesamt zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab: Die Rolle von ADCs bei Brustkrebs verschiebt sich zunehmend in Richtung einer früheren Therapielinie.

ADCs bei gastrointestinalen, gynäkologischen, urothelialen und anderen soliden Tumoren

Dr. Kathleen N. Moore (Stephenson Cancer Center, Oklahoma) präsentierte neue Daten zur Anwendung von ADCs bei verschiedenen Tumoren. An einem Fallbeispiel stellte sie eine 64-jährige Patientin mit metastasiertem serös-papillärem Uteruskarzinom vor. Die Patientin wies eine intraperitoneale Ausbreitung, Lymphknotenmetastasen und Lungenmetastasen auf. Bei HER2-positivem Tumor (HER2/CEP17-Verhältnis ≥ 2) wurde sie mit Paclitaxel, Carboplatin und Trastuzumab behandelt, erzielte eine komplette Remission und erhielt anschliessend 18 Monate Erhaltungstherapie mit Trastuzumab. Bei Rezidiv erfolgte eine erneute Therapiebesprechung. Insgesamt befinden sich aktuell fast 190 ADCs in der Entwicklung für gynäkologische Tumoren. In der Phase-III-Studie MIRASOL führte Mirvetuximab gegenüber Chemotherapie zu einer 35 %igen Verbesserung des PFS, einer 33 %igen Verbesserung des OS und einer Verdopplung der Ansprechrate (42 % vs. 16 %, p < 0.0001). Weitere laufende Studien untersuchen ADCs gegen Folatrezeptor alpha, darunter Raludotatug Deruxtecan, welches bei stark vorbehandelten Patientinnen mit Ovarialkarzinom auch ohne Vorselektion für CDH6 eine akzeptable Sicherheit und ermutigende Wirksamkeit zeigte.

Rinatabart Sesutecan, ein weiterer FRα-gerichteter ADC, zeigte in der Phase-1/2-Studie RAINFOL-01 eine objektive Ansprechrate von 55.6 % bei stark vorbehandelten Ovarialkarzinom-Patientinnen, unabhängig vom FRα-Expressionsniveau.

Ausrichtung auf TROP2 bei gynäkologischem Krebs

Die laufende Phase-3-Studie ENGOT-en23/GOG-3095/ MK-2870-005 untersucht Sacituzumab Tirumotecan versus Chemotherapie bei Patientinnen mit Endometriumkarzinom nach vorheriger Chemotherapie oder Immuntherapie.

Weitere Target-Ansätze umfassen B7H4, ein transmembranöses Protein, das bei etwa 90 % der Endometriumkarzinome exprimiert wird, wobei bei 30 % eine starke Färbung in mehr als 50 % der Tumorzellen festgestellt wurde.

In der TOPIC-03-Studie zeigte Sacituzumab Govitecan bei stark vorbehandelten Endometriumkarzinom-Patientinnen eine vielversprechende Wirksamkeit und beherrschbare
Toxizität.

In der laufenden REJOICE-Ovarian01-Studie erzielte Raludotatug Deruxtecan bei Patientinnen mit platinresistentem Ovarialkarzinom eine bestätigte objektive Ansprechrate von 48.6 %.In der geplanten Phase-3-Studie DESTINY-Ovarian01 soll Trastuzumab Deruxtecan (Enhertu) in Kombination mit Bevacizumab gegenüber Bevacizumab allein als Erstlinien-Erhaltungstherapie bei HER2-exprimierenden Tumoren geprüft werden.

ADCs bei Blasenkrebs

In der Phase-III-Studie EV-302 senkte Enfortumab Vedotin plus Pembrolizumab bei zuvor unbehandeltem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom das Mortalitätsrisiko um 53 % und verlängerte das PFS um 55 % im Vergleich zur Chemotherapie. In DESTINY-PanTumor02 zeigte Trastuzumab Deruxtecan klinisch signifikante Vorteile bei HER2-exprimierenden Tumoren, insbesondere bei IHC3+ Tumoren, unabhängig davon, ob die Patienten durch lokale oder zentrale Tests identifiziert wurden. In der Phase-III-Studie TROPICS-04 führte Sacituzumab Govitecan bei vorbehandeltem metastasiertem Urothelkarzinom zwar nicht zu einer signifikanten Verbesserung von OS oder PFS gegenüber Taxanen oder Vinflunin, wies aber eine höhere objektive Ansprechrate auf. Das Sicherheitsprofil war konsistent mit bisherigen Studien, frühe Toxizitäten beeinträchtigten jedoch den klinischen Gesamterfolg.

ADCs bei gastrointestinalen Tumoren

Bei Magenkrebs zeigte Trastuzumab Deruxtecan in der DESTINY-Gastric01-Studie eine statistisch signifikante Verbesserung gegenüber Standardtherapie. Vorläufige Daten legen auch einen möglichen Nutzen bei HER2-low Magenkarzinomen nahe. Die starke räumliche und zeitliche Heterogenität der HER2-Expression erschwert jedoch die Patientenidentifikation. Eine hohe Übereinstimmung (64 %) zwischen HER2-Positivität und ERBB2-Genamplifikation wurde festgestellt. Weitere Genamplifikationen wie MET, EGFR und FGFR2 in zirkulierender Tumor-DNA waren mit einer geringeren ORR assoziiert.

DESTINY-CRC01 belegte eine signifikante Überlebensverlängerung bei HER2-positivem, metastasiertem Kolorektalkarzinom nach Versagen der Standardtherapien. In DESTINY-CRC02 wurde eine Einzeldosis von 5.4 mg/kg als optimal definiert, auch für Patienten mit RAS-Mutationen oder nach Vorbehandlung.

In DESTINY-PanTumor02 profitierten vorbehandelte Patienten mit HER2-exprimierenden Tumoren, insbesondere bei IHC3+, deutlich von T-DXd, das ein bekanntes Sicherheitsprofil (inklusive ILD) aufwies.

Fazit

Die in diesem Symposium präsentierten Ergebnisse zeigen, dass in der Entwicklung von ADCs grosse Fortschritte erzielt wurden. In den kommenden Jahren ist mit weiteren innovativen therapeutischen Verbesserungen bei zahlreichen soliden Tumoren zu rechnen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

Erkenntnisgewinne vom European Lung Cancer Congress 2025 (ELCC) auf dem Gebiet der Medizinischen Onkologie

Dr. Noemi Requart, Barcelona, referierte auf dem European Lung Cancer Congress 2025 in Paris über den aktuellen Wissensstand, zukünftige Entwicklungen und das zukünftige Potenzial zur Deckung bislang ungedeckter medizinischer Bedürfnisse in der medizinischen Onkologie, insbesondere im Bereich der Therapie des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC).

Gegenwart und Zukunft – Was erwartet die klinische Praxis von morgen?

Im Hinblick auf die Erstlinien-EGFR-Therapie wurden die Studien MARIPOSA (Amivantamab + Lazertinib) sowie COCOON (prophylaktische Intervention gegen Nebenwirkungen) hervorgehoben.

Für die Erstlinientherapie von NSCLC ohne nachweisbare treibende genetische Alterationen (Non-AGAs, Actionable Oncogenic Alterations) nannte die Referentin die Studie MK-3475A-D77.

MARIPOSA

MARIPOSA war eine dreiarmige, randomisierte Phase-3-Studie, in der Amivantamab + Osimertinib (offen) mit Osimertinib (verblindet) und Lazertinib (verblindet) bei therapienaiven Patienten mit EGFR-mutiertem NSCLC verglichen wurde. Primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS), bewertet durch ein verblindetes, unabhängiges zentrales Review (BICR). Ein sekundärer Endpunkt war das protokollspezifische finale Gesamtüberleben (OS).

Nach einem medianen Follow-up von 31 Monaten zeigte die Kombination Amivantamab + Lazertinib im Vergleich zu Osimertinib einen günstigen Trend im Gesamtüberleben (OS) in der Erstlinie. In MARIPOSA war das OS unter Amivantamab + Lazertinib signifikant verlängert (Hazard Ratio [HR] 0,75). Die Überlebenskurven begannen sich nach etwa einem Jahr zu trennen und divergierten im weiteren Verlauf zunehmend.

Bezüglich des intrakraniellen progressionsfreien Überlebens (icPFS) wurde eine klinisch relevante Verbesserung dokumentiert: Nach drei Jahren betrug das icPFS 36 % unter Amivantamab + Lazertinib im Vergleich zu 18 % unter Osimertinib, was auf ein anhaltendes Ansprechen hinweist.

COCOON

Die COCOON-1-Studie evaluierte die Auswirkungen eines erweiterten gegenüber einem Standard-Management dermatologischer Nebenwirkungen bei Patienten, die mit Amivantamab und Lazertinib bei NSCLC behandelt wurden. Die Studie zeigte frühzeitig Erfolg: Durch präventive Massnahmen konnten moderate bis schwere dermatologische Nebenwirkungen in der Erstlinientherapie mit Amivantamab plus Lazertinib bei Patienten mit EGFR-mutiertem fortgeschrittenem NSCLC signifikant reduziert werden.

Erstlinientherapie bei Non-AGAs

Non-AGAs bezeichnen onkogene Veränderungen, die nicht durch gezielte Therapien adressiert werden können, insbesondere bei NSCLC.

MK-3475A-D77-Studie

Die MK-3475A-D77 war eine randomisierte Phase-3-Studie, in der eine subkutane Co-Formulierung von Pembrolizumab mit Berahyaluronidase alfa untersucht wurde. Ziel war es, die subkutane Applikation von Pembrolizumab als Alternative zur intravenösen Verabreichung von Keytruda® (Pembrolizumab) bei Patienten mit metastasiertem NSCLC zu evaluieren.

Das PFS unter der subkutanen Pembrolizumab-Formulierung in Kombination mit Chemotherapie war gegenüber der intravenösen Pembrolizumab-Verabreichung plus Chemotherapie nicht signifikant überlegen (8,1 Monate vs. 7,8 Monate; HR 1,05).

Was kommt als Nächstes? Zukünftige Versprechen für ungedeckte Bedürfnisse

EGFR nach Progression

Im Bereich der Therapiestrategien nach Progression bei EGFR-mutiertem NSCLC wurden zwei Studien hervorgehoben: die biomarkergesteuerte SAVANNAH-Studie (Savolitinib + Osimertinib) sowie die biomarkeragnostische ORCHARD-Studie (Datopotamab-Deruxtecan [Dato-Dxd] + Osimertinib).

Neue HER2-Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKIs)

Unter den neuen HER2-TKIs wurde die Studie SOHO-1 zur Sicherheit und Wirksamkeit von BAY 2927088 vorgestellt.

RAS-Inhibitoren

– Erstlinientherapie RAS(OFF)-COMBOS KRYSTAL-7: Adagrasib plus Pembrolizumab versus Pembrolizumab allein bei NSCLC mit KRASG12C-Mutation und KROCUS: Fulzerasib in Kombination mit Cetuximab bei unbehandeltem, fortgeschrittenem KRASG12C-mutiertem NSCLC.
– Therapien in der zweiten und dritten Linie (RAS(ON)): RASolve 301 (Daraxonrasib): Daraxonrasib demonstrierte signifikante Tumoraktivität und Sicherheit bei Patienten mit RAS-mutiertem duktalem Pankreaskarzinom (PDAC) mit bemerkenswerten Ergebnissen bezüglich PFS und objektiver Ansprechrate (ORR).

SAVANNAH

Diese Phase-2-Studie evaluierte Savolitinib in Kombination mit Osimertinib bei Patienten mit EGFR-mutiertem NSCLC und MET-Überexpression und/oder MET-Amplifikation nach Progression unter Osimertinib.

Die bestätigte objektive Ansprechrate (ORR) lag bei 56 % (bestimmt durch den Untersucher) bzw. 55 % (bestimmt durch BICR). Das mediane PFS betrug 7,4 Monate (Untersucherbewertung) bzw. 7,5 Monate (BICR). Häufige therapieassoziierte Nebenwirkungen ≥ Grad 3 waren periphere Ödeme (11 %), Anstieg der Alanin-Aminotransferase (6 %) und Pneumonien (5 %).

ORCHARD

In dieser Phase-2-Studie wurden Patienten mit EGFR-mutiertem NSCLC, deren Erkrankung unter Osimertinib progredierte, mit einer Kombination aus Osimertinib und Datopotamab-Deruxtecan behandelt.

Die ORR betrug in beiden Dosisgruppen vergleichbare Werte: 43 % bei 4 mg/kg (n = 35) und 36 % bei 6 mg/kg. Das mediane PFS betrug 9,5 Monate (4 mg/kg) bzw. 11,7 Monate (6 mg/kg), bei 28 versus 19 dokumentierten PFS-Ereignissen. Der Anteil schwerer Nebenwirkungen (Grad ≥ 3) lag bei 12 % in der 4-mg/kg- und 19 % in der 6-mg/kg-Kohorte.

Neudefinition der Behandlungsstandards bei ALK-positivem fortgeschrittenem NSCLC

Prof. Solange Peters (CHUV Lausanne) präsentierte die aktuelle klinische Situation und therapeutische Weiterentwicklungen bei ALK-positivem fortgeschrittenem NSCLC (ALK+ aNSCLC).

Trotz signifikanter Fortschritte besteht weiterhin ein ungedeckter medizinischer Bedarf. Betroffene Patienten sind meist jünger, Nichtraucher oder leichte Raucher, und weisen zum Diagnosezeitpunkt häufig eine weit fortgeschrittene Erkrankung (Stadium III–V) auf.

Friktionen zwischen Erst- und Zweitlinientherapie

Ein Drittel der Patienten mit ALK+ aNSCLC erreicht keine Zweitlinientherapie. Trotz Einsatz von Zweitgenerations-ALK-TKIs kommt es bei 53–63 % der Patienten innerhalb von drei bis fünf Jahren zu einer Progression, häufig verbunden mit einer hohen Inzidenz und Belastung durch Hirnmetastasen.

Bereits bei Diagnose zeigen 35 % der Patienten Hirnmetastasen; zudem entwickeln 20 % der Patienten ohne initiale Hirnmetastasen innerhalb von fünf Jahren neue zerebrale Metastasen. Diese sind mit einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität und hohen gesundheitlichen sowie sozioökonomischen Belastungen verbunden.

Entwicklung der ALK-TKI-Therapie

In den letzten 15 Jahren hat sich die Landschaft der 1L-Therapien für ALK+ aNSCLC erheblich weiterentwickelt. Im Jahr 2007 wurde erstmals die EML4-ALK-Translokation beschrieben. Dabei handelt es sich um eine genetische Fusion, die eine der Hauptursachen für NSCLC ist und ein Behandlungsziel für spezifische ALK-Inhibitoren wie Crizotinib darstellt, das 2014 erstmals eingesetzt wurde. Im Laufe der Jahre hat sich die Behandlung weiterentwickelt, von Crizotinib über Ceritinib und Alectinib (2017) bis hin zu Brigantinib (2020) und Lorlatinib (Lorviqua®) (2022), dem neuesten ALK-TKI der dritten Generation. Mit jeder neuen Generation von ALK-TKI verbesserte sich die Wirksamkeit, d.h. die Affinität zu ALK, die Durchdringung der Blut-Hirn-Schranke und die Abdeckung von ALK-Resistenzmutationen.

Drei vergleichbare Studien mit ALK+ NSCLC-Patienten: ALEX, ALTA-1L und CROWN

Alle drei Studien waren Phase-III-Studien. Die ALEX-Studie verglich Alectinib mit Crizotinib, einem 2nd-Generation-TKI mit einem 1st-Generation-TKI. ALTA-1L verglich Brigantinib mit Crizotinib, ebenfalls ein 2nd-Generation-TKI mit einem 1st-Generation-TKI und CROWN schließlich verglich den 3rd-Generation-TKI Lorlatinib mit dem 1st-Generation-TKI Crizotinib. In allen drei Studien war der primäre Endpunkt das progressionsfreie Überleben (PFS), das in einer verblindeten Studie definiert wurde.

Alle 3 Studien hatten praktisch die gleiche Anzahl an Teilnehmern. Die Teilnehmer waren TKI-naiv. In ALTA 1L erhielten sie zunächst eine Chemotherapie, aber keinen TKI. Die 3 Studien hatten also praktisch das gleiche Design und sind sehr gut vergleichbar.

Die ersten beiden Studien, ALEX und ALTA-1L, zeigten eine sehr günstige Hazard Ratio für das PFS zugunsten des 2. Generations-TKI Alectinib (HR 0,47) und Brigantinib mit einer Hazard Ratio von 0,43, also ein sehr vergleichbares PFS. In der dritten Studie, CROWN, zeigte Lorlatinib vs. Crizotinib eine noch günstigere Hazard Ratio von 0,19 und damit einen signifikanten Vorteil für den Einsatz des 3. Da das PFS nach 3 Jahren nicht erreicht wurde, wurde das PFS nach 5 Jahren durch den Prüfarzt in einem kontinuierlichen Effort bestimmt. Die Ergebnisse zeigten, dass das mediane PFS unter Lorlatinib auch nach 5 Jahren nicht erreicht wurde. Lorlatinib reduzierte zudem das Risiko für Progression oder Tod im Vergleich zu Crizotinib um 81% (Hazard Ratio [HR] = 0,19; 95% Konfidenzintervall [95% CI]: 0,13-0,27).

Es gab noch keine Überlebenskurven, da das OS noch nicht reif war. Das 5-Jahres-OS betrug in CROWN mit Lorlatinib 76% gegenüber 66% mit Brigantinib in ALTA 1L und 62% mit Crizotinib in ALEX.

Fazit zur Neudefinition der Behandlungsstandards für ALK+ aNSCLC in der Erstlinie

Nach einer Nachbeobachtungszeit von 5 Jahren war das mediane PFS bei Patienten mit ALK+aNSCLC, die mit dem ALK-TKI der dritten Generation, Lorlatinib (Lorviqua®), behandelt wurden, noch nicht erreicht. Dies ist die längste Zeit, die jemals mit einer zielgerichteten molekularen Therapie bei fortgeschrittenem NSCLC und metastasierten soliden Tumoren beobachtet wurde.

Zusammen mit der verlängerten intrakraniellen Wirksamkeit und dem Fehlen neuer Sicherheitsbedenken stellen diese Ergebnisse einen einzigartigen Erfolg in der Behandlung dieser Patientengruppe dar und setzen neue Maßstäbe für zielgerichtete Krebstherapien.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

St. Galler Fortbildung Klinische Onkologie 2025

Die Organisatoren der 35. St. Galler Fortbildung Klinische Onkologie 2025 Prof. Dr. Christoph Driessen, PD Dr. Stefan Diehm und Prof. Dr. Dr. Markus Jörger konnten wiederum ein zahlreiches Publikum zur traditionellen Fortbildung im Kongresshotel Einstein begrüssen. Der folgende Bericht umfasst das Symposium zu gynäkologischen Tumoren und gibt einen Überblick über einige der Referate.

Bispezifische T-cell Engager bei soliden Tumoren

Prof. Mascha Binder, Chefärztin der Medizinischen Onkologie am Universitätsspital Basel, erläuterte zunächst das Prinzip der Präzisionsimmuntherapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren, CAR-T-Zellen und TCR-modifizierten T-Zellen. Affinitätsoptimierte T-Zell-Rezeptoren können die Wirksamkeit der adoptiven T-Zell-Therapie erhöhen. Die Referentin stellte Afamitresgene autoleucel (afami-cel) vor, eine auf humane Leukozytenantigene beschränkte autologe T-Zelltherapie, die auf das Melanom-assoziierte Antigen A4 (MAGE-A4) abzielt, ein Krebs-/Testis-Antigen, das in verschiedenen soliden Tumoren in unterschiedlichen Mengen exprimiert wird. Explorative Analysen haben gezeigt, dass afami-cel Tumore infiltriert, einen Interferon-γ-gesteuerten Wirkmechanismus aufweist und adaptive Immunantworten auslöst.

CAR T-Zellen bei soliden Tumoren? Durchbruch durch Booster?

Ein neuer Ansatz, bei dem CAR T-Zellen mit seriellen mRNA-Impfstoffinjektionen kombiniert werden, ermöglicht eine robuste antineoplastische Aktivität bei Patienten mit Urogenitalkrebs und ebnet den Weg für eine vielversprechende neue zielgerichtete Behandlungsstrategie.

Präzisionsimmuntherapie mit bispezifischen T-Zell-Stimulatoren?

Als Beispiel nannte die Referentin Tebentafusp beim Aderhautmelanom. Tebentafustp hat eine 1 000 000-fach höhere Affinität zu GP-100 als der natürliche TCR. GP-100 ist typisch für Melanome und Aderhautmelanome. DLL3 wird sehr selektiv auf Tumorzellen beim kleinzelligen Lungenkrebs (SCLC) exprimiert und ist daher ein neues Target für einen T-Zell-Engager beim SCLC. Tarlatamab, das in der DeLLphi-301-Studie in einer Dosierung von 10 mg alle zwei Wochen verabreicht wurde, zeigte eine antitumorale Aktivität mit anhaltendem objektivem Ansprechen und vielversprechenden Überlebensergebnissen bei Patienten mit zuvor behandeltem SCLC. Es wurden keine neuen Sicherheitssignale beobachtet.

Die Referentin stellte den Fall einer 52-jährigen Patientin mit SCLC-Rezidiv vor. Die Diagnose SCLC-LD wurde im März 2021 gestellt, eine kombinierte Radiochemotherapie wurde im April 2021 und eine prophylaktische Ganzhirnbestrahlung im Juli desselben Jahres durchgeführt. Und eine konsolidierende Immuntherapie mit Atezolizumab. Im September CT mit partieller Remission (-68 %). Sept. 2023 neue Leberläsionen. Okt. Biopsie der Lebermetastasen, Histologie: SCLC, Nov. Aufnahme in die DeLLphi-303-Studie (Phase 1b-Studie zur Prüfung einer Therapie mit Tarlatamab in Kombination mit Carboplatin/Etoposid/PD-L1-Inhibitor bei SCLC-ED).

Nebenwirkungen von Tarlatamab: Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS) 53 % (14 % G2+), mediane Zeit bis zum Auftreten 17h, am häufigsten im 1. Prophylaxe: Steroide / intravenöse Flüssigkeitszufuhr. Neutropenie (10 % G3+), neurologische Symptome: 70 % (11 % G3+), mediane Zeit bis zum Auftreten: 9 Tage, mediane Dauer: 5 Tage.

Zusammenfassung

Das Feld der bispezifischen T cell Engager ist in Bewegung –auch bei den soliden Tumoren. Sowohl intrazelluläre (TCR-Bindedomänen) als auch Membranantigene (Ak-Bindedomänen) können Targets sein. 2022 erfolgte die erste Zulassung für Tebentafusp beim Aderhautmelanom; Eine Zulassung beim kleinzelligen Lungenkrebs (SCLC)wird erwartet. Ähnlich wie bei CAR-T-Zellen bestimmt CRS und ICANS (Immune Effector Cell-Associated Neurotoxicity Syndrome) das klinische Nebenwirkungsmanagement.

Amyloidose

Abklärungs- und Therapiestandards

Die geläufigsten Formen der systemischen Amyloidose stellte KD Dr. Axel Rüfer, stellvertretender Chefarzt Hämatologie am Kantonsspital Luzern vor (Tab. 1).


Vorkommen bei Myelom, Waldenström Makroglobulinämie (IgM – assoziiert), IgD assoziierter Leichtketten- Amyloidose.

Eine Online-Umfrage unter 533 Teilnehmern, von denen 72 % an Leichtketten-Amyloidose (AL-Amyloidose) leiden, hat ergeben, dass die Diagnose einer Amyloidose schwierig ist. Die derzeitigen Therapien sind schwer verträglich und verbessern die Lebensqualität der meisten Patienten nicht wesentlich. Es besteht ein dringender Bedarf an gut verträglichen Therapien mit einem klaren therapeutischen Nutzen. Das Bewusstsein der Patienten für klinische Studien kann verbessert werden, zumal die Befragten eine hohe Bereitschaft zur Teilnahme signalisierten. Es gebe viele gute Gründe, an Amyloidose zu denken, so der Referent: „Weil eine frühe Diagnose das Gesamtüberleben verbessert, die Organfunktion schützt, mehr Therapieoptionen ermöglicht und zu einer besseren Lebensqualität führt.

Weil es validierte Biomarker gibt, die eine frühe Diagnose, eine risikoadaptierte Therapie und die Beurteilung des Ansprechens ermöglichen».
Wann besteht der Verdacht auf eine AL-Amyloidose und wann sollte mit der Diagnostik begonnen werden?
► Herzspezifische Zeichen einer AL-Amyloidose
▻ Diastolische Herzinsuffizienz
▻ Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfunktion (HFpEF)
▻ Infiltrative Kardiomyopathie
► Nichtkardiale Zeichen einer AL-Amyloidose
▻ Nicht diabetische Proteinurie/nephrotisches Syndrom, periphere Ödeme
▻ Hepatomegalie (mit Cholestase)
▻ GI Motilitäts-Veränderungen, Diarrhoe
▻ Nichtdiabetische Neuropathie (aufsteigend, symmetrisch, kleine Fasern/axonal)
▻ Orthostatische Hypotonie, Synkope
▻ Fatigue
▻ Unbeabsichtigter Gewichtsverlust

Späte klinische Anzeichen der AL-Amyloidose:
Dehnung der Jugularvene, Schwellung der Submandibular-Drüse Makroglossie, periorbitale Purpura, Waschbäraugen, Mangel an Blutgerinnungsfaktor X.

Kardiale Amyloidose

90 % der kardialen Amyloidosen sind entweder AL-Amyloidosen oder ATTR-Amyloidosen (Transthyretin-Amyloidose) oder beides.
Seltene Formen sind:
► AApoAI, AII, AIV-Amyloidose
► AA-Amyloidose (Serum Amyloid A)
► AFib (Fibrinogen a)
► Isolierte Vorhof-Amyloidose
► Aβ2M (β2-Mikroglobulin)
► AGel (Gelsolin)
Die AL-Amyloidose ist ein Notfall.
ATTRwt = erworbene (Wildtyp, «senile, hohes Alter», 7. oder 8. Dekade)
ATTRv = vererbte Amyloidose (variant, «familiär» – oft mit Neuropathie; V1221: USA, Karibik, Afrika; V30M: Portugal. Schweden. Japan; T60A: UK, Irland

Klinischer Verdacht auf Amyloidose

Der erste Schritt in der diagnostischen Abklärung ist die Frage, ob eine monoklonale Gammopathie vorliegt. Dafür sollten eine Serumprotein-Elektrophorese (SPEP) mit Immunfixation (IF), eine Bestimmung der serumfreien Leichtketten (sFLC) sowie eine Urinimmunfixation durchgeführt werden. Diese Kombination stellt die höchste diagnostische Sensitivität sicher und verhindert, dass sFLC fälschlicherweise als normal eingestuft werden – ein Fehler, der in Studien dazu führte, dass bis zu sechs Prozent der amyloidogenen Klone übersehen wurden.
Fällt das Ergebnis positiv aus, erfolgt eine Knochenmarkuntersuchung mittels Zytologie und Histologie. Ist dieser Befund hingegen negativ, kann eine Tc-99m-Phosphat-Szintigraphie zur weiteren Abklärung durchgeführt werden. Dabei erlaubt der Perugini-Score eine Differenzierung zwischen einer Myokard- und einer Knochen-Tracer-Aufnahme.

Unabhängig vom initialen Befund sollten bestimmte Biomarker sowohl bei der Diagnosestellung als auch bei jedem Follow-up bestimmt werden. Dazu gehören NT-proBNP, Albuminurie und die alkalische Phosphatase. Die Gewebediagnostik spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle. Während die Knochenmark-Zytologie und -Histologie eine diagnostische Sensitivität von 70 % aufweisen, kann eine subkutane Fettaspiration mit einer Sensitivität von 60 % erfolgen. Werden beide Methoden kombiniert, steigt die Trefferquote auf 89 %, weshalb eine gleichzeitige Durchführung empfohlen wird. Alternativ kann Gewebe aus der Speicheldrüse gewonnen werden, das eine Sensitivität von etwa 80 % aufweist. Darüber hinaus können auch weitere involvierte Organe wie die Niere – insbesondere zur Differenzierung von MIDO mittels Kongorot-Färbung –, das Herz oder das Nervensystem untersucht werden.

Zur endgültigen Bestimmung des Amyloid-Typs ist eine Typisierung aller Kongorot-positiven Gewebeproben notwendig, um die genaue Zusammensetzung der Proteinuntereinheiten zu identifizieren. Dies erfolgt in der Regel mittels Immunhistochemie. Sollte diese jedoch mehrdeutige Resultate liefern, kann ergänzend eine Massenspektrometrie durchgeführt werden.

Knochenmarkuntersuchung – immer mit FISH-Zytogenetik

Die Knochenmarkuntersuchung sollte stets in Kombination mit einer FISH-Zytogenetik durchgeführt werden, um genetische Aberrationen frühzeitig zu identifizieren. Im Median liegt das Knochenmarkplasmazell-Infiltrat bei etwa 10 %, wobei der gefährliche Zellklon oft mit kleinen B-Zellen assoziiert ist.

Eine Translokation t(11;14) tritt in 40 bis 50 % der Fälle auf und geht mit einem schlechteren Ansprechen auf Bortezomib und IMIDs einher. Dieser Nachteil kann jedoch durch eine hochdosierte Therapie in Kombination mit oralem Melphalan ausgeglichen werden. Eine 1q21-Gewinnung, die bei etwa 20 % der Patienten beobachtet wird, ist ebenfalls mit einer verminderten Wirksamkeit von oralem Melphalan verbunden.

Besonders Hochrisiko-Aberrationen wie die Translokation t(4;14) oder die Deletion 17p sind mit einer schlechteren Prognose assoziiert, treten jedoch nur in weniger als 10 % der Fälle auf.

Lokal fortgeschrittenes Rektumkarzinom

Prof. Ueli Güller, Chefarzt des Onkologie- und Hämatologiezentrums Thun-Berner Oberland, präsentierte die wichtigsten Erkenntnisse aus den neuesten Studien zum lokal fortgeschrittenen Rektumkarzinom. Seit rund 20 Jahren gibt es einen etablierten Standard of Care, doch mit den Worten „Wenn man nur einen Hammer hat, sieht alles wie ein Nagel aus“ wies er darauf hin, dass neue Studien innovative Therapieansätze bieten. Besonders relevant sind die Studien PRODIGE-23, PROSPECT, das Update der RAPIDO- und OPRA-Studien sowie die Forschung des Memorial Sloan Kettering Cancer Center (MSKCC) zum dMMR Rektumkarzinom.

Die PRODIGE-23-Studie untersuchte die neoadjuvante Chemotherapie mit FOLFIRINOX, gefolgt von Radiochemotherapie, Operation und adjuvanter Chemotherapie. Diese Strategie führte zu einer signifikanten Verbesserung aller Endpunkte, darunter das krankheitsfreie Überleben (DFS), das metastasenfreie Überleben (MFS) und das Gesamtüberleben (OS). Zudem zeigte sich ein positiver Trend in der Lebensqualität. Die Ergebnisse belegen, dass dieses Therapieschema eine überlegene Behandlungsoption im Vergleich zum klassischen Sauer-Regime darstellt, insbesondere bei gesunden Patienten.

In der PROSPECT-Studie wurde untersucht, ob eine neoadjuvante Therapie mit FOLFOX und nur selektiver Radiochemotherapie im Vergleich zum Sauer-Regime gleichwertig ist. Die Ergebnisse zeigten, dass dieses Therapieschema dem Sauer-Regime in Bezug auf DFS, OS und lokales Rezidivrisiko nicht unterlegen ist. Gleichzeitig wies es Vorteile in Bezug auf Lebensqualität, Darmfunktion und Sexualfunktion auf. Damit bietet es eine exzellente neue Therapieoption für Patienten mit intermediärem Risiko. Bei den meisten dieser Patienten kann sogar vollständig auf eine Radiochemotherapie verzichtet werden.

Die NCCN-Leitlinien 2023 (Version 5) empfehlen für Patienten ohne T4-Erkrankung eine 12- bis 16-wöchige Chemotherapie mit FOLFOX oder CAPEOX, gefolgt von einem erneuten Staging. Bei einer Tumorregression von mehr als 20 % erfolgt direkt die chirurgische Therapie mit anschliessender Überwachung (REC-10), inklusive Sigmoidoskopie und optionaler MRT. Falls die Tumorregression 20 % oder weniger beträgt, wird eine verlängerte Chemo- oder Radiotherapie mit Capecitabin, einer 5-FU-Infusion oder einer Kurzzeit-Radiotherapie empfohlen.

Die RAPIDO-Studie untersuchte ein alternatives Therapieschema für aggressivere Rektumkarzinome, lieferte jedoch gemischte Ergebnisse. Während die Therapie insgesamt gut verträglich war, zeigte sich eine signifikant höhere Lokalrezidivrate im Vergleich zur Sauer-Therapie. Besonders problematisch war das 5×5 Gy-Bestrahlungsschema, das nicht empfohlen wird. Stattdessen sollte eine Radiochemotherapie über 28 Fraktionen durchgeführt werden.

Die OPRA-Studie 2023 lieferte nach fünf Jahren Follow-up wichtige Erkenntnisse zur Organerhaltung bei Patienten mit Rektumkarzinom. Die Ergebnisse zeigten, dass eine Therapieabfolge mit initialer Radiochemotherapie, gefolgt von Chemotherapie, bessere Ergebnisse in Bezug auf den Organerhalt liefert als das umgekehrte Vorgehen. Damit hat sich der Organerhalt als vielversprechende neue Behandlungsoption für Patienten mit Rektumkarzinom etabliert.

Schliesslich wurde auch die PD-1-Blockade als vielversprechende Therapieoption für Patienten mit mismatch repair-defektem (dMMR) lokal fortgeschrittenem Rektumkarzinom thematisiert. Eine Studie von A. Cercek, vorgestellt auf dem ASCO-Kongress 2022, zeigte vielversprechende Ergebnisse für eine Therapie mit kurativer Intention.

Take Home message

PRODIGE 23: Verbessertes DFS MFS und OS vs. Sauer-Regime
PROSPECT: Radiochemotherapie kann bei der überwiegenden Mehrheit (>90 %) der Patienten mit intermediärem Risiko beim Rektumkarzinom vermieden werden
RAPIDO: CAVEAT: Lokalrezidiv signifikant höher als Sauer-Regime, 5 x 5 Gy: suboptimal für «hässliches» Rektumkarzinom
OPRA: Ziel Organerhalt: Radiochemotherapie → Chemotherapie >> Chemotherapie >> Chemotherapie → Radiochemotherapie
dMMR: keine Chemotherapie/Radiochemotherapie/OperationTherapie des fortgeschrittenen Pankreaskarzinoms im Jahre 2025

Therapie des fortgeschrittenen Pankreaskarzinom im Jahre 2025

Das Pankreaskarzinom ist eine systemische Erkrankung stellte Prof. Viviane Hess, Leitende Ärztin an der Klinik für Onkologie des Universitätsspitals Basel, fest.

Die epitheliale-mesenchymale Transition (EMT) erfolgt bereits im Stadium der intraepithelialen Neoplasien (PanIN). Sie ermöglicht es Krebszellen, während der Invasions-Metastasierungs-Kaskade funktionelle Anpassungen vorzunehmen. Als Reaktion auf EMT-fördernde Signale kann eine Subpopulation von Epithelzellen am invasiven Rand des Tumors ihre epithelialen Eigenschaften verlieren. In dem Masse, in dem sich diese Zellen weiter vom Hauptteil des Tumors ablösen, werden sie den epithelialen Signalen weniger ausgesetzt und nehmen in Gegenwart von EMT-Signalen, die von Stromazellen geliefert werden, mehr mesenchymale Eigenschaften an. Die metastabilen mesenchymalen Zellen sind für die Invasion in das umliegende Gewebe geeignet.

Ein medizinisches Conundrum sind die biologisch sehr frühen Anzeichen einer systemischen Erkrankung gegenüber der Chirurgie als einzige kurative Behandlungsoption.

Perioperatives Setting
► Borderline lokal fortgeschritten
► Biomarker?
► Oligometastatische Erkrankung

Metastasierendes Pankreaskarzinom
► Erstlinie
► Weitere Linien
► Neue Ansätze

FOLFIRINOX vs. Gemcitabin ergab ein medianes Gesamtüberleben (mOS) von 54 vs. 35 Monaten (p=0.003). Das Prozedere umfasst Systemtherapie, Re-Evaluation, Resektion und erneute Systemtherapie. Eine kurze (8 Wochen) neoadjuvante Therapie hatte einen signifikanten Überlebensvorteil im Vergleich zur sofortigen Operation. Diese Ergebnisse sprechen für den Einsatz einer kurzzeitigen neoadjuvanten Chemotherapie bei Patienten mit grenzwertig resektablem duktalen Adenokarzinom der Bauchspeicheldrüse.

Die perioperative Erkennung von tumorinformierter ctDNA ist in allen Krankheitsstadien möglich und steht in Zusammenhang mit den Überlebensaussichten der Patienten. In der Studie EXTEND unterstützte die Ergänzung der systemischen Therapie durch metastasenorientierte Therapie Patienten mit oligometastasiertem duktalen Adenokarzinom des Pankreas. Diese Ergebnisse rechtfertigen bestätigende Studien zur Verfeinerung der Behandlungsstrategie.

FOLFIRINOX ist eine etablierte Option für die Behandlung von Patienten mit metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs und gutem Leistungsstatus, wie die Studie PRODIGE 4 zeigte. Die NAPOLI 3-Studie ergab, dass die Erstlinienbehandlung mit NALIRIFOX bei therapienaiven Patienten mit metastasiertem duktalem Pankreasadenokarzinom eine klinisch bedeutsame und statistisch signifikante Verbesserung von OS und PFS im Vergleich zu Gemcitabin + Nab-Paclitaxel bewirkte.

Ein gBRCA-mutiertes Pankreasadenokarzinom zeigt eine hohe Ansprechrate und ein verlängertes progressionsfreies Überleben unter platinbasierter Chemotherapie. Diese Ergebnisse sind insbesondere für die neoadjuvante Behandlung und die Planung künftiger klinischer Studien relevant und unterstreichen die Wichtigkeit eines frühzeitigen Keimbahn-Tests bei diesen Patienten.

Erstlinientherapie

► FOLFIRINOX, Nalirifox, Gem-nP: vergleichbare Effizienz Cave: Real World Patientinnen sind nicht gleich Studienteilnehmerinnen: De-eskalation (mFOLFIRINOX, Dosis-Red., Gem, BSC)
► Lebenserwartung weiterhin kurz: early palliative care, individuelle Entscheide (Therapiepausen etc.)
► BRCA, PALB2 Testung (5-9 %): Platin (mFOLFIRINOX) erste Wahl – bei SD Olaparib erwägen

Neue Ansätze
► (Pan)RAS-Inhibitoren
► Claudin 18.2 (>75* % pos Zellen 27 %; Gem-nabPaclitaxel + Zolbetuximab (Phase I/II
► MDM2 Inhibitoren: Brightline-2 Studie (Bern, Genf) Boehringer Ingelheim
► Mikrobiome/ Nutrition: Tryptophan-Metabolismus (Indol-3Essigsäure (3-IAA) Serumwert) assoziiert mit Ansprechen
► Vakzinen:
o Personalisierte Neoantigen mRNA-Vakzine (Autogene Cevumeran) + Atezolizumab
o Dendritische Zell-Vakzine + Nivolumab (CHUV)
o Phase Ib: KISIMA-2 + Immunstimulation bei KRAS C12D/G12V mutierten Patienten (Boehringer Ingelheim)
► AMG 193 bei MTAP (Methylthioadenosinphosphorylase)-Null Patienten (metastasierend oder lokal fortgeschritten, Bern, St. Gallen, Zürich.

Kosten und klinischer Benefit in der Onkologie

Über die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen, die Bestimmung von Benefit, Bestimmung und Bewertung Kosten-Nutzen-Verhältnis, wie breit/umfassend soll die Bewertung sein? und den Fortschritt in der Onkologie: Nutzengewinn mit Kollateralschäden? sprach Prof. Matthias Schwenkglenks vom Institut für Pharmazeutische Medizin (ECPM) der Universität Basel.

Der Referent zog das Fazit, dass die Kosten- und Preisentwicklung im Gesundheitswesen zunehmend problematisch ist – besonders in der Onkologie, wo die Ausgaben oft noch stärker steigen als in anderen medizinischen Bereichen. Diese Entwicklung stellt die solidarischen Finanzierungssysteme in Europa vor große Herausforderungen. Insbesondere hohe Kosten für neue Behandlungen können in bestimmten Fällen sogar die Finanzierung etablierter Therapien gefährden.

Die Bewertung des tatsächlichen Nutzens neuer Therapien gestaltet sich komplex. Während klinische Studien eine zentrale Grundlage darstellen, sind sie allein nicht ausreichend, um den Benefit einer Behandlung vollständig zu bestimmen. Von besonderem Interesse ist die Real-World-Effectiveness, also die tatsächliche Wirksamkeit einer Therapie im klinischen Alltag. Allerdings erschweren kurze Beobachtungszeiträume eine fundierte Einschätzung zusätzlich.

Alle derzeit verwendeten Systeme zur Nutzenbewertung haben ihre Schwächen. So sind QALYs (Quality-Adjusted Life Years) wenig individuell und eignen sich eher für gesundheitspolitische Entscheidungen als für die Beurteilung einzelner Patienten. Multikriterien-Ansätze hingegen haben ihre eigenen Herausforderungen, etwa bei der Bewertung von Scoring-Systemen, der Gewichtung einzelner Faktoren und der möglichen Überlappung von Kriterien.

Ein möglicher Beitrag der Forschung könnte darin liegen, möglichst transparente und objektive Informationen bereitzustellen. Diese könnten als Grundlage für eine gemeinsame Lösungssuche zwischen den verschiedenen Akteuren im Gesundheitssystem dienen.

Dosierung in der Onkologie

Prof. Dr. Dr. Markus Joerger, Leitender Arzt Onkologie und Leiter der Medizinischen Onkologie und Hämatologie am Kantonsspital St. Gallen, referierte über verschiedene Dosierungsstrategien in der Onkologie. Dabei ging er unter anderem auf die allometrische Skalierung anhand der Körperoberfläche (BSA) bei der Verabreichung von Chemotherapeutika ein. Für endokrine und molekular-zielgerichtete Therapien wird hingegen häufig eine Flat-Dose, also eine fixe Dosierung, angewendet. Monoklonale Antikörper werden in der Regel basierend auf dem Körpergewicht dosiert. Auch Checkpoint-Inhibitoren kommen oftmals in Form einer Flat-Dose zum Einsatz.

Dosierung von Antikrebsmedikamenten / BSA, Körpergewicht

Die Dubois-Formel zur Berechnung der Körperoberfläche (BSA) wurde bereits 1916 auf Basis von nur neun Personen entwickelt. Sie lautet:BSA = Gewicht (kg)0.425 × Grösse (cm)0.725 × 0.007184.

In der pädiatrischen Onkologie wurde die BSA-basierte Dosierung um 1950 eingeführt. Allerdings gilt die Du Bois-Formel als unzuverlässig bei einer BSA unter 1.3 m². Die allometrische Dosis-Extrapolation, also die Übertragung von Tierdaten auf den Menschen, bildet nach wie vor einen Grundpfeiler der Dosierungsentwicklung.

Dosisfindungsstudien mit Krebsmedikamenten gelten als aktueller Standard. Dabei ergeben sich jedoch Herausforderungen: Seltene oder kumulative Toxizitäten werden oft unterschätzt oder überschätzt. Eine solche Überschätzung der kumulativen Toxizität war ein zentraler Auslöser für die Initiative «Project Optimus» der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA.

Die systemische Arzneimittelexposition wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst: Alter, Geschlecht, Schwangerschaft, Laktation, körperliche Aktivität, Umweltfaktoren wie Sonneneinstrahlung und Luftdruck, sowie physiologische und pathologische Zustände wie Infektionen, Organfunktionen (Leber, Niere), Immunstatus oder Ernährung. Auch das Verhalten (z. B. Rauchen, Alkoholkonsum, Fasten) sowie genetische Variationen spielen eine Rolle. Zusätzlich beeinflussen pharmakokinetische Prozesse wie Absorption, Verteilung, Metabolismus und Exkretion (ADME) sowie die Therapietreue (Compliance) die Arzneimittelwirkung erheblich.

Pharmakokinetik beschreibt, was der Körper mit einem Arzneimittel macht – also dessen Aufnahme, Verteilung, Verstoffwechselung und Ausscheidung über die Zeit. Demgegenüber steht die Pharmakodynamik, die untersucht, was das Arzneimittel im Körper bewirkt – etwa die Bindung an Rezeptoren und die daraus resultierenden Wirkungen. Die Pharmakokinetik beeinflusst dabei wesentlich den Beginn, die Dauer und die Intensität der pharmakodynamischen Effekte.

Die klassische BSA-basierte Dosierung der Chemotherapie ist unter Kritik geraten, da sie der hohen interindividuellen Variabilität der ADME-Prozesse nicht gerecht wird. Studien zeigen, dass eine Flat-Dose hinsichtlich der pharmakokinetischen Variabilität nicht unterlegen ist. Zudem befinden sich bei konventioneller Dosierung über 55 % der Patienten ausserhalb des gewünschten Expositionsbereichs.

Das Therapeutische Drug Monitoring (TDM) kann dabei helfen, die Dosierung individueller zu gestalten – insbesondere bei Wirkstoffen mit enger therapeutischer Breite, signifikanter interindividueller PK-Variabilität und validierten Zielparametern. Voraussetzung dafür sind u. a. etablierte Bioassays, klare klinische Endpunkte und eine ausreichend lange Therapiedauer. TDM trägt dazu bei, das Sicherheitsprofil zu verbessern, Toxizitäten zu vermeiden und die klinische Wirksamkeit zu erhöhen.

Ein virtueller Fall zeigte eine interindividuelle PK-Variabilität von 35 %. Dabei wurde die minimal effektive Exposition (MEE) auf zwei Drittel der maximal tolerierten Exposition (MTE) festgelegt. Der therapeutische Index, also das Verhältnis zwischen toxischer Dosis (TD50) und effektiver Dosis (ED50), dient als Mass für das Nutzen-Risiko-Verhältnis eines Arzneimittels – je höher, desto besser. Die optimale biologische Dosis (OBD) beschreibt den besten Kompromiss zwischen Wirksamkeit und Verträglichkeit.

Ein Beispiel hierfür ist eine randomisierte Dosierungsstudie zu Sotorasib: Die Vergleichsdosen von 960mg vs. 240mg pro Tag zeigten ähnliche Ansprechraten (ORR 33 % vs. 25 %), jedoch geringere schwere Nebenwirkungen (TEAE 37 % vs. 33 %) in der niedriger dosierten Gruppe.

Bei Patienten mit Organdysfunktionen ist eine individualisierte Dosierung besonders wichtig. Die Leber wandelt Medikamente durch Enzyme (u.a. CYP450) in besser ausscheidbare Substanzen um. Wiederholte Medikamentengaben können zur Enzyminduktion und somit zur Toleranzentwicklung führen. In der Niere erfolgt die Ausscheidung wasserlöslicher Verbindungen. Die Clearance (CL) – also das pro Zeiteinheit vom Wirkstoff gereinigte Plasmavolumen – ergibt sich aus dem Verhältnis von Dosis zur Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve (AUC).
TDM ist insbesondere sinnvoll, wenn bei der ersten Gabe eine hohe Unsicherheit besteht. Hier könnten genetische Faktoren (Genotyp), phänotypische Merkmale oder gar eine Testdosis in die Überlegungen einbezogen werden.

Fazit

Die maximal verträgliche Dosis (MTD) ist nicht zwangsläufig die optimale biologische Dosis (OBD). Das FDA-Projekt «Optimus» zielt darauf ab, das Verständnis für die OBD zu verbessern. TDM bietet eine Möglichkeit zur Individualisierung der Dosierung, etwa bei Wirkstoffen wie 5-FU (CIV), Paclitaxel (alle drei Wochen) oder Imatinib (CML), bei denen Evidenz der Stufe I vorliegt. Für Medikamente wie hochdosiertes Busulfan, Methotrexat oder Imatinib bei GIST existiert Evidenz der Stufe IIB.

Die Umsetzung individualisierter Dosierungen in den ursprünglichen Zulassungsverfahren bleibt eine Herausforderung. Dennoch ermöglicht ein vertieftes Verständnis der Pharmakologie eine gezieltere Dosierung – insbesondere bei Patienten mit Organfunktionsstörungen oder erhöhtem Risiko für dosislimitierende Komplikationen. In der geriatrischen Onkologie sowie in der Gender-Medizin ist dieses Prinzip bislang noch nicht etabliert.

Highlights Medizinische Onkologie 2024

Die Highlights des onkologischen Jahres 2024 präsentierte Prof. Oliver Gautschi, Luzern. Ein besonderer Fokus lag auf dem Einsatz von Checkpoint-Inhibitoren in kurativer Therapiestrategie bei verschiedenen soliden Tumoren.

Bereits vor 2024 publizierte Studien:

► Melanom (Stadium III): Perioperative Therapie (S1801)
► Kutanes Plattenepithelkarzinom: Neoadjuvante Therapie
► Kolorektales Karzinom mit MMRd: Neoadjuvante Therapie (NICHE1)
► NSCLC (Stadium II–III): Neoadjuvante Therapie mit Nivolumab + Chemo (CM816)
► Ösophaguskarzinom: Adjuvante Therapie (CM577)
► NSCLC (Stadium III): Konsolidierung nach Radiochemotherapie (PACIFIC)

Neue Daten im Jahr 2024:

► Melanom (Stadium III): Duale neoadjuvante Therapie (NADINA)
► Kolonkarzinom mit MMRd: Duale neoadjuvante Therapie (NICHE2/3)
► MSI-high Magenkarzinom: Duale neoadjuvante Therapie (INFINITY)
► Triple-negatives Mammakarzinom: Perioperative Therapie (KN522)
► Harnblasenkarzinom: Adjuvante Therapie (NIAGRA)
► Nierenzellkarzinom: Adjuvante Therapie (KN564)
► SCLC (Stadium III): Konsolidierung nach Radiochemotherapie (ADRIATIC)

Studien im Detail

NADINA: Bei resektablem, makroskopischem Melanom im Stadium III zeigte die neoadjuvante Kombination aus Ipilimumab und Nivolumab – gefolgt von Operation und einer an das Ansprechen angepassten adjuvanten Therapie – ein signifikant verlängertes ereignisfreies Überleben im Vergleich zur Standardstrategie (Operation + adjuvantes Nivolumab). Die Hazard Ratio für Progression, Rückfall oder Tod lag bei 0.32 (99.9 % KI: 0.15–0.66).

ASCO-Update / Dostarlimab: In einer einarmigen Phase-II-Studie erhielten Patienten mit lokal fortgeschrittenem, mismatch-reparatur-defizientem Rektumkarzinom eine Monotherapie mit Dostarlimab (500mg alle 3 Wochen, bis zu 8 Monate). Nach einem Jahr zeigten alle 42 Teilnehmenden ein vollständiges klinisches Ansprechen (cCR = 100 %). Es war keine zusätzliche Chemotherapie, Bestrahlung oder Operation nötig.

NIAGRA: Bei Patienten mit Harnblasenkarzinom führte die perioperative Gabe von Durvalumab plus neoadjuvanter Chemotherapie zu einer signifikanten Verbesserung von ereignisfreiem Überleben und Gesamtüberleben gegenüber der Chemotherapie allein.

KN564: Pembrolizumab als adjuvante Therapie nach Resektion eines klarzelligen Nierenzellkarzinoms mit hohem Rückfallrisiko senkte das Sterberisiko um 38% im Vergleich zu Placebo. Auch das krankheitsfreie Überleben wurde signifikant verlängert.

KN522: Bei Patientinnen mit frühem triple-negativem Mammakarzinom verbesserte die neoadjuvante Kombination aus Pembrolizumab und Chemotherapie, gefolgt von adjuvantem Pembrolizumab, das Gesamtüberleben signifikant im Vergleich zur neoadjuvanten Chemotherapie allein.

CM816: Für resektables NSCLC (nicht-kleinzellig) zeigte die neoadjuvante Kombination aus Nivolumab und Chemotherapie Vorteile hinsichtlich ereignisfreiem Überleben und pathologischem Komplettansprechen gegenüber der alleinigen Chemotherapie – ohne Beeinträchtigung der Operationsdurchführbarkeit oder erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen.

CM77T: Die perioperative Behandlung mit Nivolumab bei resektablem NSCLC verbesserte das ereignisfreie Überleben signifikant. Neue Sicherheitssignale wurden nicht beobachtet.

KN671: Bei frühem NSCLC führte eine neoadjuvante Kombination aus Pembrolizumab und Chemotherapie, gefolgt von Operation und adjuvanter Pembrolizumab-Gabe, zu einer signifikanten Verbesserung von ereignisfreiem Überleben, pathologischem Ansprechen und Komplettremission. Das Gesamtüberleben unterschied sich jedoch (noch) nicht signifikant.

PACIFIC-2: Die gleichzeitige Gabe von Durvalumab und Radiochemotherapie bei inoperablem NSCLC verbesserte die Therapieergebnisse nicht signifikant gegenüber Radiochemotherapie allein. Unerwünschte Ereignisse führten bei ca. 25 % zum Abbruch der Durvalumab-Therapie, meist innerhalb der ersten vier Monate. Konsolidierendes Durvalumab bleibt jedoch Standard nach CRT-Versagen.

ADRIATIC: Durvalumab als Konsolidierung nach concurrent Chemoradiotherapie (cCRT) verbesserte signifikant Gesamtüberleben (OS) und progressionsfreies Überleben (PFS) bei Patienten mit begrenztem kleinzelligem Lungenkarzinom (LS-SCLC). Das Sicherheitsprofil entsprach dem bekannten Schema.

Fazit

► PD-L1-Inhibition «in kurativer Absicht» ist heute in vielen soliden Tumorentitäten Standard.
► Das kurative Potenzial variiert je nach Indikation.
► Ein klarer Trend geht hin zur neoadjuvanten Immuntherapie.

Herausforderungen

► Unterschiedliche Studienergebnisse, trotz ähnlicher Wirkstoffe und Designs
► Unklare Rolle von Biomarker-basierten und dualen Checkpoint-Inhibitionen
► Patientenselektion erfolgt bislang nur bei wenigen Tumoren (z.B. MMRd, MSI, PD-L1)
► Der Zusatznutzen adjuvanter Therapie oder dualer Inhibition ist noch nicht abschliessend geklärt
► Kombination mit Strahlentherapie kann potenziell negative Effekte haben, wohingegen eine gleichzeitige Chemotherapie bisher keine Nachteile zeigte.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

Kardiologie Reviewkurs Zürich

Vom 20. bis 22. März 2025 fand der traditionelle Reviewkurs Kardiologie Zürich organisiert von der Klinik im Park und der Agentur andfrank am Flughafen Zürich statt. Die Organisatoren hatten in Zusammenarbeit mit der Mayo Clinic Rochester wiederum ein reichhaltiges und spannendes Programm zusammengestellt. Der folgende Bericht fasst einige der zahlreichen Vorträge zusammen.

Koronare Herzkrankheit (KHK) durch Stress und Sport – ein Paradox?

Das Sportparadox: Sport als Auslöser von Herzerkrankungen und plötzlichem Herztod. Prof. Dr. med. Christian Schmied, HerzGefässZentrum im Park, Zürich, stellte den Fall eines 31-jährigen professionellen Athleten vor, der sich präsentierte, um seine Herz-CT-Ergebnisse zu diskutieren. Der Patient fühlt sich gesund, ist aber gestresst, hat atypische Brustschmerzen, nimmt regulär «Snus», keine anderen Drogen oder reguläre Medikation, NSAR selten, Familienanamnese unverdächtig. Der Referent zeigte die Beziehung zwischen dem Trainingsumfang und dem Gesundheitsrisiko, welches eine U-Form darstellt mit der «optimalen» Bewegungsdosis zwischen keiner Bewegung (höchstes Risiko) und extremer Bewegungshypothese (hohes Risiko). Der grösste Nutzen der Bewegung liegt bei 75 Min/d (9 h/Woche), 4000–5000 kcal/Woche.

Koronare Atherosklerose bei Spitzensportlern

Die Vermutung, dass langfristiges Ausdauertraining zu einer paradoxen Zunahme von Atherosklerose der Herzkranzgefässe führen kann, wurde mit der Master@Heart-Studie bestätigt. Ausdauersportler mit lebenslangem intensivem Training hatten mehr koronare Plaques als fitte und gesunde Personen mit einem ähnlich niedrigen kardiovaskulären Risikoprofil. Emotionaler Stress verstärkte dieses Problem zusätzlich.

Zusammenfassung

Der Referent fasste seine Ausführungen wie folgt zusammen: Regelmässige intensive körperliche Betätigung kann in Verbindung mit anderen Faktoren (insbesondere emotionalem Stress) zu einer chronischen Entzündung führen, die ihrerseits zu koronarer Atherosklerose führt.
Die Unterscheidung zwischen gesundem und belastendem Sport ist schwierig (Selbstreflexion ist entscheidend).

Ist die Koronarsklerose erst einmal etabliert, ist eine Modifizierung /Stabilisierung der Plaque zwingend erforderlich.

Ob regelmässige körperliche Betätigung (und in welcher Intensität) als «natürlicher» Plaque-Stabilisator dient, bleibt umstritten. Eine generelle Bewegungseinschränkung bei KHK wäre jedoch fatal. Verlässliche Ergebnisdaten in diesem Bereich werden dringend benötigt, stellte der Referent abschliessend fest.

Neues bei GLP-1 und GLP-1/GIP-Rezeptoragonisten

Komorbiditäten bei Typ-2-Diabetes

In der Schweiz leiden 6,4 % der Bevölkerung an Typ-2-Diabetes (T2D). Davon sind 60–90 % adipös (11 % in der Allgemeinbevölkerung). Weitere Komorbitäten sind: 20–50 % der T2D-Patienten haben eine kardiovaskuläre Erkrankung, 25 % einen Insulinmangel, 25 % Herzinsuffizienz, 25 % eine chronische Niereninsuffizienz, 50–70 % haben eine mit metabolischer Dysfunktion assoziierte Fettleber, 30-40% eine mit metabolischer Dysfunktion assoziierte Steato-Hepatitis.

Prof. Dr. med. Roger Lehmann vom Universitätsspital Zürich erläuterte, dass makrovaskuläre Erkrankungen bei T2D mit steigendem HbA1c-Wert assoziiert sind: Bereits ab einem HbA1c von > 5,5 % steigt das Risiko für koronare Herzkrankheit oder Schlaganfall um 50–55 %.
GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1 RA) führen zu einer deutlichen Senkung des HbA1c. Die grösste Reduktion wird durch GLP-1RA/GIP-RA-Kombinationen erzielt, wie im SURPASS-2-Studienvergleich (Tirzepatid [Mounjaro®] vs. Semaglutid) gezeigt wurde: Alle drei Dosierungen von Mounjaro® waren wirksamer als Semaglutid 1 mg.

Komorbidität bei Adipositas

Adipositas ist eng mit einer Vielzahl schwerwiegender Erkrankungen verknüpft. Dazu zählen Typ-2-Diabetes (20–25 %), Schlafapnoe (40–45 %), Hypertonie (50–55 %), metabolisch-assoziierte Fettlebererkrankung (MAFLD) (50–70 %), Metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis (MASH) (30–35 %) und Dyslipidämien (65–70 %) (Tab. 1).

Gewicht- und Glukosemanagement

GLP-1 RA
Wirksamkeit: Höhere Dosen verbessern den Gewichtsverlust, steigern aber auch Nebenwirkungen. Dies gilt nicht für die Glukosesenkung. Die beste Wirksamkeit und kardiorenaler Schutz wird mit einer hohen Dosis Semaglutid erzielt.

GLP-1/GIP RA
Tirzetrapid ist eine neue Substanz mit hoher Wirksamkeit. Die kardiovaskuläre Endpunktstudie läuft. Tirzetrapid ist ein dualer Agonist und hat womöglich weniger Nebenwirkungen als hoch dosierte GLP-1 RA. 2,4 mg Semaglutid (Wegovy®) haben das Gewicht von 107,2 kg auf 89,2 kg gesenkt. Der Gewichtsverlust durch Semaglutid betrug 18 kg, durch den Wechsel zu Placebo 6 kg und durch Tirzetrapid 5–15 mg 24 kg. Die Lücke zwischen bariatrischer Chirurgie und medikamentöser Therapie schliesst sich (Abb. 1).

Aktuelle Studien

Die aktuelle Studienlage bestätigt den breiten Nutzen von GLP-1- und GLP-1/GIP-Agonisten über die glykämische Kontrolle hinaus.

Im FLOW-Trial (Perkovic V et al., NEJM 2024) konnte Semaglutid 1,0 mg subkutan eine signifikante Reduktion des primären Nierenendpunktes um 24 % erreichen. Zusätzlich zeigte sich in einer Subgruppenanalyse eine 27 %ige Senkung der zusammengesetzten Herzinsuffizienz-Ereignisse, einschliesslich kardiovaskulärem Tod. Diese Effekte traten unabhängig von einer bestehenden Herzinsuffizienz auf.
Auch bei metabolisch-assoziierten Lebererkrankungen gibt es Fortschritte: Die ESSENCE-Trial (Mitteilung Novo Nordisk) untersuchte 1200 Patienten mit MAFLD und/oder MASH. Nach 72 Wochen zeigten 37,0 % der Patienten unter Semaglutid 2,4 mg eine Verbesserung der Leberfibrose ohne Verschlechterung der Entzündung, im Vergleich zu 22,5 % unter Placebo. Zudem verschwand bei 62,9 % der Patienten unter Semaglutid MASH, ohne dass sich die Fibrose verschlechterte – ein klarer Vorteil gegenüber 34,1 % unter Placebo.

Tirzepatid überzeugte ebenfalls durch seine Wirksamkeit: In Studien führte der duale Agonist bei einer beachtlichen Anzahl von Patienten zum Verschwinden von MASH. Auch der neuere Wirkstoff Retatrutid zeigte vielversprechende Resultate, indem der hepatische Fettgehalt bei behandelten Patienten auf unter fünf Prozent gesenkt werden konnte (Synergy-MASH Trial und Phase-2-Obesity Trial).

Die SELECT-Studie (Linkoff AM et al., NEJM 2023) untersuchte 17 604 Patienten mit bestehender kardiovaskulärer Erkrankung, einem BMI ≥ 27 und ohne bekannten Diabetes mellitus. Über einen Zeitraum von 40 Monaten führte die Therapie mit Semaglutid zu einer 20 %igen Reduktion schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse (MACE), mit einer absoluten Risikoreduktion von 1,5 % und einer Number Needed to Treat (NNT) von 67.

Zusätzlich unterstützt die Real-World-Evidenz den Einsatz von Kombinationstherapien. Die Kombination von GLP-1 RA mit einem SGLT2-Hemmer senkte das Risiko für 3-Punkte-MACE um etwa 30 % im Vergleich zu einer GLP-1-Monotherapie (NNT 30). Im Vergleich zur SGLT2-Hemmer-Monotherapie zeigte sich unter der Kombinationstherapie ebenfalls eine 29 %ige Risikoreduktion (NNT 32).

Dauer und Strategien der Therapie
Die Anwendung von GLP-1- und GLP-1/GIP-Agonisten sollte grundsätzlich kontinuierlich erfolgen, wobei eine individuelle Dosisanpassung wichtig ist, um den erreichten Gewichtsverlust langfristig zu stabilisieren. Alternativ sind auch intermittierende Ansätze – etwa nach dem Prinzip „Start–Stopp–erneuter Start“ – möglich. In bestimmten Fällen kann auch eine einmalige Therapie über ein bis zwei Jahre erwogen werden, vorausgesetzt, sie wird von konsequenten Lebensstilmassnahmen begleitet.

Nutzen-Risiko-Abwägung
Die Vorteile der Therapie sind überzeugend: Ein umfassender kardiorenaler und hepatischer Schutz, eine Reduktion der Mortalität sowie Verbesserungen bei Apoplexierisiko, Blutdruck und Lipidprofil wurden nachgewiesen. Gastrointestinale Nebenwirkungen sind zwar häufig, bleiben aber in der Regel mild und ungefährlich. In Bezug auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis sind SGLT2-Hemmer aktuell klar positiv bewertet. Bei GLP-1-Rezeptoragonisten ist die Einschätzung derzeit neutral, könnte sich jedoch mit sinkenden Kosten eindeutig ins Positive verschieben.

Testosteron und DHEA: Welche Substitution macht Sinn bei Männern und Frauen?

Der alternde Mann: Erwartungen und Realität der Testosterontherapie

Lange Zeit galt Testosteron als Hoffnungsträger, um den alternden Mann zu «verjüngen» und seine Gesundheit zu verbessern. Doch wie Prof. Dr. med. Bernd Schultes (St. Gallen) feststellte, haben neue Studien diese Hoffnungen weitgehend entkräftet.

Für die Labordiagnostik werden heute folgende Empfehlungen gegeben: Eine Mehrfachbestimmung des Gesamttestosterons, mindestens zweimalig, sollte erfolgen. Die Blutentnahme sollte morgens zwischen 7 und 10 Uhr stattfinden, da zu dieser Zeit die höchsten Werte gemessen werden können. Zusätzlich wird die Messung des Sexualhormon-bindenden Globulins (SHBG) sowie die Berechnung des freien Testosterons empfohlen. Bei Verdacht auf sekundären Hypogonadismus sollte eine Differenzialdiagnostik unter Einschluss von LH, Prolaktin und Ferritin erfolgen, ergänzt durch eine weiterführende endokrine Abklärung. Die Indikation für eine MRI sollte dabei eher zurückhaltend gestellt werden.

Testosteronspiegel sind alters- und BMI-abhängig: Mit zunehmendem Alter und steigendem Körpergewicht sinkt das freie Testosteron, während es nach einem Magenbypass wieder ansteigt. Studien zeigten, dass bei adipösen Männern die Gabe von Aromatasehemmern den LH- und Testosteronspiegel steigen lässt, Estradiol hingegen abfällt. Jedoch hatte diese Intervention keinen nachweisbaren Effekt auf metabolische Parameter, körperliche Leistungsfähigkeit oder Stimmung.

Wirkung einer Testosteronbehandlung bei älteren Männern

Eine Zusammenfassung von sieben Placebo-kontrollierten Studien bei Männern über 65 Jahre mit Symptomen und einem Gesamttestosteronwert unter 9 nmol/l zeigte, dass die sexuelle Funktion durch eine Testosteronsubstitution deutlich verbessert werden konnte. Die körperliche Leistungsfähigkeit wurde subjektiv ebenfalls als besser empfunden, jedoch zeigte sich keine signifikante Verbesserung der Vitalität.

Metabolische Effekte

In zahlreichen kontrollierten Studien in verschiedenen Populationen mit niedrigen Testosteronwerten und Symptomen konnte eine eindeutige Verbesserung der Körperzusammensetzung festgestellt werden: Der Fettanteil nahm ab, während die Muskelmasse zunahm. Das Körpergewicht reduzierte sich moderat. Ergebnisse zum Glukosestoffwechsel waren gemischt, reichten von neutralen Effekten bis hin zu leichten Verbesserungen, auch bei Typ-2-Diabetes-Patienten. Die Lipidprofile zeigten tendenziell leichte Verbesserungen. Weniger erfreulich sind Hinweise aus einer kleinen Studie (n = 209) im New England Journal of Medicine (Basaria et al., 2010), die bei Männern über 65 Jahre mit eingeschränkter Mobilität eine Häufung kardiovaskulärer Ereignisse unter Testosteronsubstitution zeigte, was zum vorzeitigen Studienabbruch führte. Eine neuere Untersuchung zur kardiovaskulären Sicherheit ergab eine nicht signifikante Hazard Ratio von 0,96, wobei die Nichtunterlegenheit (p < 0,001) nachgewiesen wurde.

Indikation zur Testosteronsubstitution

Ein allgemeiner Konsens besteht darin, dass eine Testosterontherapie bei einem Gesamttestosteronwert unter 8 nmol/l (230 ng/dl) und entsprechender Symptomatik indiziert ist. Liegt der Wert über 12 nmol/l, besteht keine Indikation zur Therapie. Bei Werten zwischen 8 und 12 nmol/l sollte das freie Testosteron berechnet werden. Liegt dieser Wert unter 225 pmol/l (65 pg/ml), kann eine Therapie erwogen werden.

Risiken und Kontraindikationen der Testosterontherapie

Die Inzidenz von Prostatakarzinomen wird unter Testosteronsubstitution nicht erhöht. Allerdings kann der Hämatokrit ansteigen, ebenso können sich eine benigne Prostatahyperplasie (BPH) oder eine Schlafapnoe verschlechtern.

Absolute Kontraindikationen für eine Testosterontherapie sind ein bestehendes Prostatakarzinom, ein PSA-Wert über 4 ng/ml, Mammakarzinom, bestehender Kinderwunsch, ein Hämatokrit über 50 % sowie schwere Symptome einer BPH oder einer unbehandelten Schlafapnoe (letztere gelten als relative Kontraindikationen).

Testosteronbehandlung und Frakturrisiko

Eine aktuelle Publikation im New England Journal of Medicine (Snyder PJ et al., 2024) untersuchte den Zusammenhang zwischen Testosterontherapie und Frakturrisiko bei Männern mit Hypogonadismus. Entgegen der Erwartungen führte die Testosteronsubstitution nicht zu einer Reduktion des Frakturrisikos, sondern war mit einem signifikant erhöhten Risiko verbunden.

Dehydroepiandrosteron (DHEA) bei Frauen

Die Anwendung von DHEA bei Frauen mit primärer oder sekundärer Nebenniereninsuffizienz oder Anorexia nervosa zeigte in Studien nur geringe Vorteile hinsichtlich Lebensqualität und Stimmung. Positive Effekte auf Angstzustände oder sexuelle Funktionen konnten nicht eindeutig belegt werden. Bei gesunden Frauen wurden keine konsistent positiven Effekte auf Wechseljahrsbeschwerden, sexuelle Funktionen, kognitive Leistungen oder das allgemeine Wohlbefinden nachgewiesen.

Eine Ausnahme bildet die lokale Anwendung von DHEA, die bei vulvovaginaler Atrophie signifikante Vorteile zeigte. Die systemische Verabreichung von DHEA zur Verbesserung der Ovulationsinduktion bei Frauen mit reduzierter Ovarialreserve wird hingegen nicht empfohlen. Zu den Risiken einer hochdosierten oder langfristigen DHEA-Verabreichung zählen androgene und östrogene Nebenwirkungen, die insbesondere bei längerer Anwendung relevant werden.

Testosterontherapie bei Frauen

Ein globaler Konsensus (Davis SR et al., JCEM 2019) stellte fest, dass es keine einheitliche Definition für einen Androgenmangel bei Frauen gibt, da spezifische Cutoff-Werte für DHEAS oder Testosteron fehlen.

In der Praxis wird bei Frauen eher die Gabe von Testosteron als von DHEA bevorzugt. Positive Effekte wurden insbesondere hinsichtlich der sexuellen Funktion, vor allem der Libido, sowie bei urogenitalen Symptomen beobachtet. Selbst bei Patientinnen mit primärer oder sekundärer Nebenniereninsuffizienz wird eine Testosterontherapie jedoch nicht generell empfohlen. Zu beachten sind mögliche Nebenwirkungen wie Hirsutismus und Akne. Langfristige Sicherheitsdaten zur Testosterontherapie bei Frauen liegen derzeit nicht vor.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

Kardiologie Review Kurs Zürich

Vom 20. bis 22. März 2025 fand der traditionelle Review Kurs Kardiologie Zürich organisiert von der Klinik im Park und der Agentur And Frank am Flughafen Zürich statt. Die Organisatoren hatten in Zusammenarbeit mit der Mayo Clinic Rochester wiederum ein reichhaltiges und spannendes Programm zusammengestellt. Der folgende Bericht fasst einige der zahlreichen Vorträge zusammen.

Herzfrequenz – up and down

Tachykardiopathie

Arrhythmie induzierte oder vermittelte Kardiopathie

Bei einer induzierten Arrhythmie (klassische Definition) ist die Arrhythmie die alleinige Ursache der ventrikulären Dysfunktion. Bei der vermittelten Arrhythmie verstärkt die Arrhythmie die ventrikuläre Dysfunktion und/oder verschlechtert die vorbestehende Herzinsuffizienz, stellte Dr. med. Eva Bühlmann, Cardiopark AG Zürich, einleitend fest. Die Inzidenz für Vorhofflattern (HF > 100/min, 10–20 %), Vorhofflimmern (HF > 100/min, 15–30 %), ventrikuläre Extrasystolen (VES) ist insgesamt gering, ca. 5.4 % in 5–6 Jahren, Kardiomyopathien können bereits ab 10 % VES-Häufigkeit auftreten.

Das Management dieser Erkrankungen erfordert eine frühzeitige Diagnosestellung, da sie bei adäquater Therapie potenziell reversibel sind. Insbesondere VES sollten bei neu aufgetretener linksventrikulärer Dysfunktion als Differenzialdiagnose in Betracht gezogen werden. Die klassische Klinik umfasst Symptome und Zeichen einer progredienten Herzinsuffizienz. Eine über mehr als 10–15 % des Tages anhaltende Tachykardie mit einer Herzfrequenz über 100/min gilt als bedrohlich. Allerdings existiert keine klar definierte Schwelle der Herzfrequenz, die per se zur Entwicklung einer Kardiopathie führt. Auch die Ruhefrequenz ist diagnostisch oft wenig aussagekräftig.

Eine proaktive Behandlung wird empfohlen, wobei die Wahl der Strategie von der zugrunde liegenden Arrhythmie abhängt – im Vordergrund stehen dabei Frequenzkontrolle versus Rhythmuskontrolle. Die potenziell kurative Ablation ist in vielen Fällen die Therapie der Wahl, insbesondere bei supraventrikulären Tachykardien (SVT), aber auch bei Vorhofflimmern, ventrikulären Tachykardien und VES. Persistierendes Vorhofflimmern ist vermutlich die am besten untersuchte Form, da es chronisch verläuft und eine hohe Prävalenz aufweist. Es ist mit einem erhöhten Risiko für Herzinsuffizienz assoziiert. Die diagnostische Herausforderung besteht darin, zu klären, ob die linksventrikuläre Schädigung primär durch eine zugrunde liegende Herzerkrankung oder durch die fehlende atriale Kontraktion in Verbindung mit einer schnellen, unregelmässigen ventrikulären Frequenz verursacht wird.

Unabhängig von der Ätiologie zeigt sich eine Verbesserung der linksventrikulären Funktion unter praktisch jeder Form der Therapie. Dies umfasst die medikamentöse Frequenzkontrolle ebenso wie die Rhythmuskontrolle mittels elektrischer Kardioversion, Antiarrhythmika oder Katheterablation. Auch Pacing in Kombination mit einer AV-Knoten-Ablation – nach vorheriger Implantation eines Schrittmachers (VVI) oder eines kardialen Resynchronisationssystems (CRT) – stellt eine wirksame therapeutische Option dar.

Conduction system pacing (LBBAP)
Dies könnte künftig eine Alternative zur «Pace and Ablate»-Strategie darstellen. Zunächst sollte jedoch eine grössere randomisierte kontrollierte Studie (RCT) zur Sicherheit und Wirksamkeit abgewartet werden. Bei CRT-Patientinnen und -Patienten mit Vorhofflimmern (VHFli) ist dieses häufig der Hauptgrund für eine suboptimale biventrikuläre Stimulation. Eine hohe BV-Stimulation ist oft nur durch eine Intensivierung der antiarrhythmischen Medikation oder durch eine gezielte Frequenzkontrolle erreichbar. Rhythmuskontrolle: Die Wiederherstellung des Sinusrhythmus ist ein wichtiger Faktor für die Erholung der linksventrikulären Funktion – vorausgesetzt, der Sinusrhythmus kann langfristig stabil gehalten werden. Der Erfolg einer Ablation ist am grössten, wenn die Patientinnen und Patienten strukturell herzgesund sind und das EKG weder einen Schenkelblock noch Repolarisationsstörungen zeigt.

Nach einem Vorhofremodelling sinkt die Chance auf einen langfristigen Ablationserfolg deutlich. Auch bei Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz führt die Rhythmuskontrolle zu einer Reduktion der Mortalität – dies wurde unter anderem in den Studien CASTLE-AF und AATAC-AF gezeigt.

Take Home Message
Die Störung ist potenziell reversibel. Das Krankheitsbild sollte erkannt und adäquat behandelt werden, da es prognostisch bedeutsam ist.

Tachykardien (> 100/Min.), Arrhythmien und Dyssynchronie sollten vermieden werden.

Schrittmacherindikation bei Bradykardie: Wieviel ist zu wenig?

Die Frage, wann eine Herzfrequenz «zu langsam» ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere von Symptomen und der individuellen Situation, erläuterte PD Dr. med. David Hürlimann, Klinik Hirslanden Zürich.

Allgemeine Richtwerte für eine zu niedrige Herzfrequenz (Bradykardie)
Ein normaler Ruhepuls liegt bei 60–100 Schlägen pro Minute (BPM), eine Bradykardie wird bei einer Frequenz unter 60 BPM definiert. Eine zu niedrige Herzfrequenz kann insbesondere bei Sportlern oder im Schlaf gefährlich werden. Eine Bradykardie unter 30 BPM ist behandlungsbedürftig, da sie zu Ohnmacht oder Herzstillstand führen kann.

Gemäss den ESC-Leitlinien ist Pacing indiziert bei Patienten im Sinusrhythmus mit permanentem oder paroxysmalem Drittgrad- oder Zweitgrad-AV-Block Typ II, infranodalem 2:1-Block oder hochgradigem AV-Block – unabhängig von Symptomen (Empfehlung I/C).

Pacing sollte in Betracht gezogen werden bei Patienten mit symptomatischem Zweitgrad-AV-Block Typ I oder wenn in der elektrophysiologischen Untersuchung ein intra- oder infra-His-Block festgestellt wird (Empfehlung IIa/C).

Die Empfehlungen der ACC/AHA sind in folgender Abbildung zusammengefasst:
Abb.: Empfehlungen für permanentes Pacing bei chronischer Therapie/Management der Bradykardie wegen Sinusknotendysfunktion (SND)

Stimulation bei Sinusknotenerkrankung
Für die Herzschrittmachertherapie bei asymptomatischem Sick-Sinus-Syndrom (SSS) wurde, im Gegensatz zur Stimulation bei AV-Block, nie ein prognostischer Nutzen belegt. Daher kann das SSS nur dann als geeignete Indikation für permanente Stimulation angesehen werden, wenn die durch das SSS verursachte Bradykardie symptomatisch ist. Die Etablierung eines Zusammenhangs zwischen Symptomen und einer Bradyarrhythmie ist ein wesentlicher Schritt bei der Entscheidungsfindung. Bei Patienten mit Synkope und asymptomatischen Pausen > 6S aufgrund eines Sinusarrests, kann Stimulation indiziert sein.

Zusammenfassung
– Die Frage, was zu langsam ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten.
– Die Guidelines helfen uns nur beschränkt weiter.
– Eine Symptomkorrelation ist zentral (insbesondere beim Sick Sinus).
– Die Entscheidung muss individuell getroffen werden (Alter, Komorbiditäten, Patientenpräferenz etc.).

Was ist LBBA-Pacing? Was gibt es für Entwicklungen bei den Schrittmachern?

Left Bundle Branch Area Pacing (LBBA-Pacing) ist eine Stimulationstechnik, die das Erregungsleitungssystem des Herzens im Bereich des linken Schenkelblocks stimuliert, um eine physiologische Stimulation mit einem engen QRS-Komplex und einer verbesserten linksventrikulären Aktivierungszeit zu erreichen. Es wird verwendet um möglichst ohne Nebenwirkungen auszukommen. Dabei werden die Kabel aus der rechten Herzkammer durch die Herzgefässwand mit der linken Kammer verbunden, was für einen synchronen Herzschlag sorgt. Diese neue Methode kann einer möglichen Herzinsuffizienz entgegenwirken.

PD Dr. med. Alexander Breitenstein, USZ, präsentierte zudem elektrodenlose Schrittmacher für die Vorhofstimulation, ventrikuläre Stimulation (AVEIR®VR leadless Pacemaker) und die Zweikammerstimulation (AVEIR® DR Dual Chamber Pacemaker System).

Koronarien

Koronare Herzkrankheit (KHK) durch Stress und Sport – ein Paradox?

Das Sportparadox: Sport als Auslöser von Herzerkrankungen und plötzlichem Herztod. Prof. Dr. med. Christian Schmied, HerzGefässZentrum im Park, Zürich, stellte den Fall eines 31-jährigen professionellen Athleten vor, der sich präsentierte, um seine Herz-CT-Ergebnisse zu diskutieren. Der Patient fühlt sich gesund, ist aber gestresst, hat atypische Brustschmerzen, nimmt regulär «Snus», keine anderen Drogen oder reguläre Medikation, NSAR selten, Familienanamnese unverdächtig. Der Referent zeigte die Beziehung zwischen dem Trainingsumfang und dem Gesundheitsrisiko, welches eine U-Form darstellt mit der «optimalen» Bewegungsdosis zwischen keiner Bewegung (höchstes Risiko) und extremer Bewegungshypothese (hohes Risiko). Der grösste Nutzen der Bewegung liegt bei 75 Min/d (9 h/Woche), 4000–5000 kcal/Woche.

Koronare Atherosklerose bei Spitzensportlern
Die Vermutung, dass langfristiges Ausdauertraining zu einer paradoxen Zunahme von Atherosklerose der Herzkranzgefässe führen kann, wurde mit der Master@Heart-Studie bestätigt. Ausdauersportler mit lebenslangem intensivem Training hatten mehr koronare Plaques als fitte und gesunde Personen mit einem ähnlich niedrigen kardiovaskulären Risikoprofil. Emotionaler Stress verstärkte dieses Problem zusätzlich.

Zusammenfassung
Der Referent fasste seine Ausführungen wie folgt zusammen: Regelmässige intensive körperliche Betätigung kann in Verbindung mit anderen Faktoren (insbesondere emotionalem Stress) zu einer chronischen Entzündung führen, die ihrerseits zu koronarer Atherosklerose führt.
Die Unterscheidung zwischen gesundem und belastendem Sport ist schwierig (Selbstreflexion ist entscheidend).

Ist die Koronarsklerose erst einmal etabliert, ist eine Modifizierung /Stabilisierung der Plaque zwingend erforderlich.

Ob regelmässige körperliche Betätigung (und in welcher Intensität) als «natürlicher» Plaque-Stabilisator dient, bleibt umstritten. Eine generelle Bewegungseinschränkung bei KHK wäre jedoch fatal. Verlässliche Ergebnisdaten in diesem Bereich werden dringend benötigt, stellte der Referent abschliessend fest.

Ballon – Stent – beschichtete Stents- beschichtete Ballons – wie weiter?

«Die perkutane koronare Intervention geht zurück auf Prof. Andreas Grüntzig 1977, der die erste perkutane transluminale Koronarangioplastie in Zürich durchführte», sagte Prof. Dr. med. Raban Jeger, Stadtspital Triemli, Zürich. Jacques Puel und Ulrich Sigwart führten 1986 die Bare-Metal Stents ein. Das Problem dieser Intervention ist die In-Stent-Restenose. In der RAVEL-Studie war das Myokardinfarkt-freie Überleben und die Zielgefäss-Vaskularisierung mit einem Sirolimus beschichteten Stent 94.1 % vs. 70.9 % mit einem Standard Stent. In einer gross angelegten, auf individuellen Patientendaten basierenden Studie von Madhavan MV et al (JACC 2020) traten zwischen 1 und 5 Jahren nach der PCI bei allen Stenttypen sehr späte Stent-bezogene Ereignisse mit einer Rate von ~ 2 %/Jahr auf, ohne dass ein Plateau erkennbar war. Die Studienautoren folgern, dass neue Ansätze erforderlich sind, um die langfristigen Ergebnisse nach der PCI zu verbessern.

Die Geschichte der PCI ist durch mehrere technologische Meilensteine geprägt:
1977: Erste Ballonangioplastie (PTCA) durch Andreas Grüntzig
1986: Einführung des ersten metallischen Stents (BMS) durch Ulrich Sigwart
1999: Einführung medikamentenbeschichteter Stents (DES)
2000: Entwicklung bioresorbierbarer Stents (BRS)
2006: Einführung medikamentenbeschichteter Ballons (DCB)

In der AIDA-Studie wurde ein bioresorbierbares Gerüst (Scaffold), das Everolimus freisetzt, mit einem ebenfalls Everolimus-freisetzenden, metallischen Stent verglichen – bei Patienten, die sich einer PCI unterzogen. Das Ergebnis:
→ Kein signifikanter Unterschied bei der Rate des Zielgefässversagens.
→ Allerdings: Das bioresorbierbare Gerüst war mit einer höheren Rate an Gerätethrombosen innerhalb von zwei Jahren verbunden.

Folgen des Misserfolgs von «Absorb»
Der Absorb-Stent war das bisher am besten untersuchte BRS. Die enttäuschenden Ergebnisse aus den ABSORB-Studien führten zu einem erheblichen Rückschlag. Dennoch sind aktuell rund 34 bioresorbierbare Gerüste von 22 Firmen in der Entwicklung.

Gründe für das Scheitern von Absorb waren 1) Schwache mechanische Eigenschaften, 2) Dicke und breite Streben: Dadurch schlechtere Verankerung und grösserer «Fussabdruck», was zu Unterexpansion und Vorsprüngen führen kann, was schliesslich zu einer erhöhten Thrombogenität führt, 3) eine längere Bioresorptionszeit in Kombination mit einem Versagen der Verkapselung der Streben, bevor der Demontage-Prozess beginnt.

Angesichts der Vielfalt der bioresorbierbaren Materialien (auch unter den PLLA) und der unterschiedlichen mechanischen Eigenschaften und Bioresorptionsprofile jedes neuen BRS könnte man einen erheblichen Unterschied in den frühen und späten klinischen Ergebnissen erwarten. Tatsächlich haben Daten aus First-in-Man (FIM) und Zulassungsstudien unterschiedliche klinische Ergebnisse gezeigt. In der Tat stützen frühe klinische Beweise aus FIM-Studien keinen Klasseneffekt. Das Fehlen eines Vergleichskriteriums hindert uns jedoch daran, endgültige Schlussfolgerungen zu ziehen. Weitere klinische Nachweise sollten das Fehlen (oder Vorhandensein) eines Klasseneffekts bestätigen.

Das Freesolve Scaffold stammt aus der BIOMAG-I-FIH-Studie. Es basiert auf dem geprüften Osiro Mission Liefersystem, hat dünne Streben, eine Biolute®-resorbierbare Beschichtung sowie die Biomag®-proprietäre Magnesiumlegierung. Ein neues Tantalum-­Marker-Konzept sorgt für bessere Visibilität. Nach 12 Monaten zeigten sich keine definitiven oder wahrscheinlichen Scaffold-Thrombosen, keine kardialen Todesfälle, keine Zielgefäss-Myokardinfarkte und eine 2.6 % Ziel-Läsionsversagensrate.

Medikamentenbeschichtete Ballons bei koronarer Herzkrankheit: Der dritte Bericht der internationalen DCB Consensus Group (Jeger R et al) hebt hervor: DES haben immer noch einige Einschränkungen bei bestimmten klinischen und anatomischen Bedingungen. DCBs sind eine neuartige therapeutische Strategie für die koronare Herzkrankheit. Neben der ISR zeigen neue Daten mögliche Indikationen für die native koronare Herzkrankheit. Zukünftige Forschungen werden sich auf alternative Wirkstoffbeschichtungen und andere mögliche Indikationen konzentrieren.

Zweit-Generations-DES sind heute der Goldstandard in der interventionellen Kardiologie, weisen aber eine kontinuierliche jährliche Eventrate von 2 % auf. Während PLLA-basierte BRS zuvor gescheitert sind, sind neue Mg-basierte BRS in klinischer Erprobung. DCB zeigen bei richtiger Anwendung mindestens ähnlich gute Ergebnisse wie Zweit-Generations-DES. DCB in Kombination mit DES scheinen besser als DES allein zu sein («blended therapy»). Eine Kombination von DCB und BRS wäre eine ideale Kombination («leaving nothing behind»).

«Leaving nothing behind» «No Stents»

Ein Patient wünschte ausdrücklich einen Stent. Doch wie Dr. med. Daniel Weilenmann, St. Gallen, erläuterte, war auch POBA – die «plain old balloon angioplasty», also die klassische Aufdehnung einer Koronararterie ohne Stent – sicher und dauerhaft. Bei einem Stent kann es hingegen zu einer durchflussbegrenzenden Dissektion, einem TIMI-Flow < 3 oder einer akuten Rekoalition kommen. Prädiktoren einer Restenose bei neueren Generationen von DES sind: patientenbezogene Faktoren wie die optimale medikamentöse Therapie, die Wahl eines neuen Generationen-DES, läsionsbezogene Risikofaktoren sowie implantationsbezogene Risikofaktoren, die auch vom Operateur beeinflusst werden können. Für kleine Gefässe gilt: DCB ist DES überlegen. Auch in der SYNTAX-II-Studie bei Patienten mit Multivessel-Erkrankung (MVD) zeigte sich, dass weniger eingesetzte DES mit einem besseren klinischen Outcome assoziiert waren.

Schlussfolgerungen
Eine Behandlung ohne DES ist sinnvoll, wenn das angiographische Resultat zufriedenstellend ist. Die Evidenzlage für DCBs bei In-Stent-Thrombose und bei kleinen Gefässen ist eindeutig. Zudem gibt es eine zunehmende Evidenz für den Einsatz von DCBs in allen PCI-Bereichen, einschliesslich chronisch totaler Okklusion (CTO) und beim akuten Koronarsyndrom (ACS). DCBs gelten als effizient und sicher. Weitere Studiendaten sind in Vorbereitung. Adaptieren Sie frühzeitig, um Ihre Patienten bestmöglich zu behandeln – und nicht bald als altmodisch zu gelten.

Neues bei GLP-1 und GLP-1/GIP-Rezeptoragonisten

Komorbiditäten bei Typ-2-Diabetes

In der Schweiz leiden 6.4 % der Bevölkerung an Typ-2-Diabetes (T2D). Davon sind 60–90 % adipös (11 % in der Allgemeinbevölkerung). Weitere Komorbitäten sind: 20–50 % der T2D-Patienten haben eine kardiovaskuläre Erkrankung, 25 % einen Insulinmangel, 25 % Herzinsuffizienz, 25 % eine chronische Niereninsuffizienz, 50–70 % haben eine mit metabolischer Dysfunktion assoziierte Fettleber, 30–40% eine mit metabolischer Dysfunktion assoziierte Steato-Hepatitis.

Prof. Dr. med. Roger Lehmann vom Universitätsspital Zürich erläuterte, dass makrovaskuläre Erkrankungen bei T2D mit steigendem HbA1c-Wert assoziiert sind: Bereits ab einem HbA1c von > 5.5 % steigt das Risiko für koronare Herzkrankheit oder Schlaganfall um 50–55 %.
GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1 RA) führen zu einer deutlichen Senkung des HbA1c. Die grösste Reduktion wird durch GLP-1RA/GIP-RA-Kombinationen erzielt, wie im SURPASS-2-Studienvergleich (Tirzepatid [Mounjaro®] vs. Semaglutid) gezeigt wurde: Alle drei Dosierungen von Mounjaro® waren wirksamer als Semaglutid 1 mg (Tab. 1).

Komorbidität bei Adipositas
Adipositas ist eng mit einer Vielzahl schwerwiegender Erkrankungen verknüpft. Dazu zählen Typ-2-Diabetes (20–25 %), Schlafapnoe (40–45 %), Hypertonie (50–55 %), metabolisch-assoziierte Fettlebererkrankung (MAFLD) (50–70 %), Metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis (MASH) (30–35 %) und Dyslipidämien (65–70 %).

Gewicht- und Glukosemanagement
GLP-1 RA
Wirksamkeit: Höhere Dosen verbessern den Gewichtsverlust, steigern aber auch Nebenwirkungen. Dies gilt nicht für die Glukosesenkung. Die beste Wirksamkeit und kardiorenaler Schutz wird mit einer hohen Dosis Semaglutid erzielt.

GLP-1/GIP RA
Tirzetrapid ist eine neue Substanz mit hoher Wirksamkeit. Die kardiovaskuläre Endpunktstudie läuft. Tirzetrapid ist ein dualer Agonist und hat womöglich weniger Nebenwirkungen als hoch dosierte GLP-1RA. 2,4 mg Semaglutid (Wegovy®) haben das Gewicht von 107.2 kg auf 89.2 kg gesenkt. Der Gewichtsverlust durch Semaglutid betrug 18 kg, durch den Wechsel zu Placebo 6 kg und durch Tirzetrapid 5–15 mg 24 kg. Die Lücke zwischen bariatrischer Chirurgie und medikamentöser Therapie schliesst sich (Abb. 1).

Aktuelle Studien
Die aktuelle Studienlage bestätigt den breiten Nutzen von  GLP-1- und GLP-1/GIP-Agonisten über die glykämische Kontrolle hinaus.

Im FLOW-Trial (Perkovic V et al., NEJM 2024) konnte Semaglutid 1.0 mg subkutan eine signifikante Reduktion des primären Nierenendpunktes um 24 % erreichen. Zusätzlich zeigte sich in einer Subgruppenanalyse eine 27 %ige Senkung der zusammengesetzten Herzinsuffizienz-Ereignisse, einschliesslich kardiovaskulärem Tod. Diese Effekte traten unabhängig von einer bestehenden Herzinsuffizienz auf.

Auch bei metabolisch-assoziierten Lebererkrankungen gibt es Fortschritte: Die ESSENCE-Trial (Mitteilung Novo Nordisk) untersuchte 1200 Patienten mit MAFLD und/oder MASH. Nach 72 Wochen zeigten 37.0 % der Patienten unter Semaglutid 2.4 mg eine Verbesserung der Leberfibrose ohne Verschlechterung der Entzündung, im Vergleich zu 22.5 % unter Placebo. Zudem verschwand bei 62.9 % der Patienten unter Semaglutid MASH, ohne dass sich die Fibrose verschlechterte – ein klarer Vorteil gegenüber 34.1 % unter Placebo.

Tirzepatid überzeugte ebenfalls durch seine Wirksamkeit: In Studien führte der duale Agonist bei einer beachtlichen Anzahl von Patienten zum Verschwinden von MASH. Auch der neuere Wirkstoff Retatrutid zeigte vielversprechende Resultate, indem der hepatische Fettgehalt bei behandelten Patienten auf unter fünf Prozent gesenkt werden konnte (Synergy-MASH Trial und Phase-2-Obesity Trial).

Die SELECT-Studie (Linkoff AM et al., NEJM 2023) untersuchte 17 604 Patienten mit bestehender kardiovaskulärer Erkrankung, einem BMI ≥ 27 und ohne bekannten Diabetes mellitus. Über einen Zeitraum von 40 Monaten führte die Therapie mit Semaglutid zu einer 20 %igen Reduktion schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse (MACE), mit einer absoluten Risikoreduktion von 1.5 % und einer Number Needed to Treat (NNT) von 67.

Zusätzlich unterstützt die Real-World-Evidenz den Einsatz von Kombinationstherapien. Die Kombination von GLP-1 RA mit einem SGLT2-Hemmer senkte das Risiko für 3-Punkte-MACE um etwa 30 % im Vergleich zu einer GLP-1-Monotherapie (NNT 30). Im Vergleich zur SGLT2-Hemmer-Monotherapie zeigte sich unter der Kombinationstherapie ebenfalls eine 29 %ige Risikoreduktion (NNT 32).

Dauer und Strategien der Therapie
Die Anwendung von GLP-1- und GLP-1/GIP-Agonisten sollte grundsätzlich kontinuierlich erfolgen, wobei eine individuelle Dosisanpassung wichtig ist, um den erreichten Gewichtsverlust langfristig zu stabilisieren. Alternativ sind auch intermittierende Ansätze – etwa nach dem Prinzip «Start–Stopp–erneuter Start» – möglich. In bestimmten Fällen kann auch eine einmalige Therapie über ein bis zwei Jahre erwogen werden, vorausgesetzt, sie wird von konsequenten Lebensstilmassnahmen begleitet.

Nutzen-Risiko-Abwägung
Die Vorteile der Therapie sind überzeugend: Ein umfassender kardiorenaler und hepatischer Schutz, eine Reduktion der Mortalität sowie Verbesserungen bei Apoplexierisiko, Blutdruck und Lipidprofil wurden nachgewiesen. Gastrointestinale Nebenwirkungen sind zwar häufig, bleiben aber in der Regel mild und ungefährlich. In Bezug auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis sind SGLT2-Hemmer aktuell klar positiv bewertet. Bei GLP-1-Rezeptoragonisten ist die Einschätzung derzeit neutral, könnte sich jedoch mit sinkenden Kosten eindeutig ins Positive verschieben.

Lipide /Hormone/Aging

Primärprophylaxe Dyslipidämie

Zu Beginn präsentierte Prof. Dr. med. Jean-Paul Schmid, Gais, den Checkup eines gesunden, beschwerdefreien 35-jährigen Probanden ohne Medikation, dessen Cholesterinwert 6.3 mmol/l, Triglyceride 1.4mmol/l, HDL-Cholesterin 1.0mmol/l, LDL-Cholesterin 3.8 mmol/ö und Chol/HDL-Quotient 5.1 betrugen.

Sein BMI war 24.5kg/m2. Er wies eine positive Familienanamnese auf (Vater mit MI im Alter von 58 Jahren).

Risikoabschätzung mit dem AGLA-Rechner
Der AGLA-Rechner ist nur anwendbar bei scheinbar gesunden Personen im Alter von 20–69 Jahren, die nicht an einem Diabetes leiden.

Mit diesem Rechner ergab sich für den oben beschriebenen Patienten ein niedriges bis moderates Risiko von 0.9 %. Gemäss den ESC Guidelines zur kardiovaskulären Risikoprävention von 2021 wird ein Rauchstopp, Lebensstil-Empfehlungen und bei Alter 50–69 Jahre ein systolischer Blutdruck < 140 bis 130 mmHg, sofern toleriert, empfohlen (Klasse I) und ein LDL-Cholesterinwert < 2.6 mmol/l (Klasse IIa). Bei Alter ≥ 70 Jahre ebenfalls SBP < 140 bis 130mmHg und LDL-C < 2.6 mmol/l (Klasse IIb).

Der AGLA-Rechner ermittelt das Risiko, innert der nächsten 10 Jahre ein kardiovaskuläres Ereignis zu erfahren. Dieses Risiko wird bei jungen Probanden konsistent unterschätzt. Es wird deshalb die Ermittlung des lebenslangen Risikos empfohlen. Dieses wird beispielsweise mit dem LIFE-CVD2 Modell ermittelt, welches den Behandlungsnutzen abschätzt. Im vorliegenden Fall wurde keine Therapie empfohlen. Das lebenslange Risiko beträgt 18.9 %, keine Therapie, 0.0 % Risikoreduktion. Bei einer Therapie mit 2mg Rosuvastatin ergibt sich eine Riskoreduktion um 6.4 % und eine lebenslange NNT von 16, mit zusätzlich mediterraner Diät Risikoreduktion 9.6 % und lebenslange NNT von 10. Die gewonnen Lebensjahre bei einer Lebensewartung von 87 Jahren beträgt 2.8 Jahre.

Ein weiteres Patientenbeispiel betrifft eine 78-jährige Frau, TAVI, nachgewiesene Koronarsklerose Total Cholesterin 8.8 mmol/l, Triglyceride 1.3 mmol/l, HDL-C 0.9mol/l, LDL-C 4.4 mmol/l, Chol/HDL-C 6.6. Kardiovaskuläre Risikofaktoren, BMI23.8kg/m2 , behandelte Hypertonie (BD 135/85mmHg). Für die Berechnung des Risikos wurde der ESC SCORE2 OP-Algorithmus verwendet (anwendbar ab 70 Jahren). Das errechnetes Risiko betrug 14.8 %. Der Blutdruck sollte < 140 bis 130 mmHg (Klasse I) und das LDL-Cholesterin < 2.6 mmol/l betragen (Klasse IIb).

Präventionsziele gelten für alle
Sie betreffen sowohl gesunde Personen, bei denen eine Abschätzung des 10-Jahres-Risikos für kardiovaskuläre Erkrankungen vorgenommen werden sollte, als auch Patienten mit einem bereits etablierten kardiovaskulären Risiko, bei denen das residuelle Risiko im Vordergrund steht.

Besonderes Augenmerk gilt Personen mit spezifischen Risikokonditionen wie Diabetes mellitus, chronischer Nierenerkrankung (CKD) oder familiärer Hypercholesterinämie.

Die kardiovaskuläre Risikoschätzung sollte Grundlage einer informierten Diskussion sein – über das lebenslange Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie über die individuellen Behandlungsvorteile. Dabei müssen persönliche Bedürfnisse und Präferenzen berücksichtigt werden, ebenso wie Faktoren wie Alter, Begleiterkrankungen, Gebrechlichkeit und Polypharmazie.

Lipidprobleme aus dem Alltag – ein Quiz

Frau Prof. Dr. med. Isabella Sudano, Kardiologie USZ präsentierte die Fallvignette einer 1986 geborenen Frau mit positiver Familienanamnese (Mutter (68) mit progredienter koronarer Herzkrankheit (ED mit ca. 54 Jahren), RF Hypertonie und Hypercholesterinämie. Der Vater (78) leidet an generalisierter Arteriosklerose, Aorta-Aneurisma infrarenal, koronarer Herzkrankheit (ED mit 57 Jahren). Seine Risikofaktoren waren Hypertonie und Hypercholesterinämie, Tabakkonsum, Diabetes und Hypercholesterinämie. Persönliche Anamnese Grösse 158, Gewicht 54, BMI 19 kg/m2, Blutdruck 116/73 mmHg, HF 81/Min.

Geschätztes kv Risiko. Alter 39, LDL-C 4.5 mmol/l, HDL-C 2.15 mmol/l, TG 1.06 mmol/lSBD 116 mmHg, Raucher ja. Für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 ohne ASCVD und ohne Zielorganschäden wird der SCORE2 Diabetes-Rechner empfohlen. HDL 2.15 liegt ausserhalb der für die Berechnung zulässigen Werte , es wurde auf das Maximum 1.9 gesetzt. Das geschätzte Risiko betrug 0.6 %. (niedriges bis moderates Risiko). LIFE-CVD2 model: kein Interventionsziel, kein Statin, kein Zielblutdruck derzeitiges Risiko 9.5 %, Reduktion mit Behandlung 0 %. Steigerung der Schrittzahl pro Tag um 2000 Schritte, kein Statin, kein Blutdruck-Behandlungsziel. Derzeitiges Risiko 9.5 %, Reduktion durch Behandlung 1.6 %, Lebenslange NNT 61 Behandlung +2000 Schritte, 20 mg Atorvastatin.

Risikoreduktion 3.5 %, lebenslange NNT 28. Die Referentin zeigte eindrücklich, welchen Einfluss eine frühzeitig begonnene Statintherapie bereits im Kindesalter auf das ereignisfreie Überleben bei Patienten mit heterozygoter familiärer Hypercholesterinämie hat. Im Vergleich dazu war das ereignisfreie Überleben der Elterngeneration, die noch keinen Zugang zu dieser Therapie hatte, um mehr als 40 % kürzer.

Testosteron und DHEA: Welche Substitution macht Sinn bei Männern und Frauen?

Der alternde Mann: Erwartungen und Realität der Testosterontherapie

Lange Zeit galt Testosteron als Hoffnungsträger, um den alternden Mann zu «verjüngen» und seine Gesundheit zu verbessern. Doch wie Prof. Dr. med. Bernd Schultes (St. Gallen) feststellte, haben neue Studien diese Hoffnungen weitgehend entkräftet.

Für die Labordiagnostik werden heute folgende Empfehlungen gegeben: Eine Mehrfachbestimmung des Gesamttestosterons, mindestens zweimalig, sollte erfolgen. Die Blutentnahme sollte morgens zwischen 7 und 10 Uhr stattfinden, da zu dieser Zeit die höchsten Werte gemessen werden können. Zusätzlich wird die Messung des Sexualhormon-bindenden Globulins (SHBG) sowie die Berechnung des freien Testosterons empfohlen. Bei Verdacht auf sekundären Hypogonadismus sollte eine Differenzialdiagnostik unter Einschluss von LH, Prolaktin und Ferritin erfolgen, ergänzt durch eine weiterführende endokrine Abklärung. Die Indikation für eine MRI sollte dabei eher zurückhaltend gestellt werden.

Testosteronspiegel sind alters- und BMI-abhängig: Mit zunehmendem Alter und steigendem Körpergewicht sinkt das freie Testosteron, während es nach einem Magenbypass wieder ansteigt. Studien zeigten, dass bei adipösen Männern die Gabe von Aromatasehemmern den LH- und Testosteronspiegel steigen lässt, Estradiol hingegen abfällt. Jedoch hatte diese Intervention keinen nachweisbaren Effekt auf metabolische Parameter, körperliche Leistungsfähigkeit oder Stimmung.

Wirkung einer Testosteronbehandlung bei älteren ­Männern
Eine Zusammenfassung von sieben Placebo-kontrollierten Studien bei Männern über 65 Jahre mit Symptomen und einem Gesamttestosteronwert unter 9 nmol/l zeigte, dass die sexuelle Funktion durch eine Testosteronsubstitution deutlich verbessert werden konnte. Die körperliche Leistungsfähigkeit wurde subjektiv ebenfalls als besser empfunden, jedoch zeigte sich keine signifikante Verbesserung der Vitalität.

Metabolische Effekte
In zahlreichen kontrollierten Studien in verschiedenen Populationen mit niedrigen Testosteronwerten und Symptomen konnte eine eindeutige Verbesserung der Körperzusammensetzung festgestellt werden: Der Fettanteil nahm ab, während die Muskelmasse zunahm. Das Körpergewicht reduzierte sich moderat. Ergebnisse zum Glukosestoffwechsel waren gemischt, reichten von neutralen Effekten bis hin zu leichten Verbesserungen, auch bei Typ-2-Diabetes-Patienten. Die Lipidprofile zeigten tendenziell leichte Verbesserungen. Weniger erfreulich sind Hinweise aus einer kleinen Studie (n = 209) im New England Journal of Medicine (Basaria et al., 2010), die bei Männern über 65 Jahre mit eingeschränkter Mobilität eine Häufung kardiovaskulärer Ereignisse unter Testosteronsubstitution zeigte, was zum vorzeitigen Studienabbruch führte. Eine neuere Untersuchung zur kardiovaskulären Sicherheit ergab eine nicht signifikante Hazard Ratio von 0.96, wobei die Nichtunterlegenheit (p < 0,001) nachgewiesen wurde.

Indikation zur Testosteronsubstitution
Ein allgemeiner Konsens besteht darin, dass eine Testosterontherapie bei einem Gesamttestosteronwert unter 8 nmol/l (230 ng/dl) und entsprechender Symptomatik indiziert ist. Liegt der Wert über 12 nmol/l, besteht keine Indikation zur Therapie. Bei Werten zwischen 8 und 12 nmol/l sollte das freie Testosteron berechnet werden. Liegt dieser Wert unter 225 pmol/l (65 pg/ml), kann eine Therapie erwogen werden.

Risiken und Kontraindikationen der Testosterontherapie
Die Inzidenz von Prostatakarzinomen wird unter Testosteronsubstitution nicht erhöht. Allerdings kann der Hämatokrit ansteigen, ebenso können sich eine benigne Prostatahyperplasie (BPH) oder eine Schlafapnoe verschlechtern.

Absolute Kontraindikationen für eine Testosterontherapie sind ein bestehendes Prostatakarzinom, ein PSA-Wert über 4 ng/ml, Mammakarzinom, bestehender Kinderwunsch, ein Hämatokrit über 50 % sowie schwere Symptome einer BPH oder einer unbehandelten Schlafapnoe (letztere gelten als relative Kontraindikationen).

Testosteronbehandlung und Frakturrisiko
Eine aktuelle Publikation im New England Journal of Medicine (Snyder PJ et al., 2024) untersuchte den Zusammenhang zwischen Testosterontherapie und Frakturrisiko bei Männern mit Hypogonadismus. Entgegen der Erwartungen führte die Testosteronsubstitution nicht zu einer Reduktion des Frakturrisikos, sondern war mit einem signifikant erhöhten Risiko verbunden.

Dehydroepiandrosteron (DHEA) bei Frauen
Die Anwendung von DHEA bei Frauen mit primärer oder sekundärer Nebenniereninsuffizienz oder Anorexia nervosa zeigte in Studien nur geringe Vorteile hinsichtlich Lebensqualität und Stimmung. Positive Effekte auf Angstzustände oder sexuelle Funktionen konnten nicht eindeutig belegt werden. Bei gesunden Frauen wurden keine konsistent positiven Effekte auf Wechseljahrsbeschwerden, sexuelle Funktionen, kognitive Leistungen oder das allgemeine Wohlbefinden nachgewiesen.

Eine Ausnahme bildet die lokale Anwendung von DHEA, die bei vulvovaginaler Atrophie signifikante Vorteile zeigte. Die systemische Verabreichung von DHEA zur Verbesserung der Ovulationsinduktion bei Frauen mit reduzierter Ovarialreserve wird hingegen nicht empfohlen. Zu den Risiken einer hochdosierten oder langfristigen DHEA-Verabreichung zählen androgene und östrogene Nebenwirkungen, die insbesondere bei längerer Anwendung relevant werden.

Testosterontherapie bei Frauen
Ein globaler Konsensus (Davis SR et al., JCEM 2019) stellte fest, dass es keine einheitliche Definition für einen Androgenmangel bei Frauen gibt, da spezifische Cutoff-Werte für DHEAS oder Testosteron fehlen.

In der Praxis wird bei Frauen eher die Gabe von Testosteron als von DHEA bevorzugt. Positive Effekte wurden insbesondere hinsichtlich der sexuellen Funktion, vor allem der Libido, sowie bei urogenitalen Symptomen beobachtet. Selbst bei Patientinnen mit primärer oder sekundärer Nebenniereninsuffizienz wird eine Testosterontherapie jedoch nicht generell empfohlen. Zu beachten sind mögliche Nebenwirkungen wie Hirsutismus und Akne. Langfristige Sicherheitsdaten zur Testosterontherapie bei Frauen liegen derzeit nicht vor.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

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