E-Zigaretten werden als sichere Alternative zu traditionellen Zigaretten vermarktet und werden als Methode zur Reduzierung oder Beendigung des Tabakrauchens vorgeschlagen. Es gibt jedoch zunehmend Belege dafür, dass E-Zigaretten nicht harmlos sind (1ā-ā5). Ein neues Positionspapier der European Association of Preventive Cardiology (EAPC) gibt einen Ćberblick über die PrƤvalenz des Gebrauchs von E-Zigaretten, die Auswirkungen des Rauchens von E-Zigaretten auf das kardiovaskulƤre Risiko und diskutiert den Mangel an Evidenz über die Auswirkungen von E-Zigaretten auf die Raucherentwƶhnung.
PrƤvalenz des E-Zigarettenkonsums und Auswirkungen des Konsums bei jungen Menschen
Die Prävalenz des E-Zigarettenkonsums ist schwer zu definieren, da die Definition des E-Zigarettenkonsums variiert. Darüber hinaus ist die Prävalenz von Land zu Land und manchmal auch innerhalb eines Landes heterogen, und sie hat sich im Laufe der Zeit verändert, wobei sie in neueren gegenüber älteren Erhebungen gestiegen ist (6). Die Prävalenz des Dauerkonsums reichte von 0 bis 56,6%, die Prävalenz des Konsums in den letzten 30 Tagen von 2,0% bis 35,0% und die Prävalenz des täglichen Konsums von 0,2% bis 1,7%.
Aus Studien, die sich an Jugendliche oder Studenten richteten, wurden durchwegs hƶhere PrƤvalenzraten gemeldet. Studien berichteten über einen Anstieg der PrƤvalenz des E-Zigarettenkonsums bei jungen Menschen zwischen 2013 und 2019 von 5% auf 25% (7ā-ā9). Der Konsum von E-Zigaretten und die sekundƤre Exposition wurden mit vermehrten AsthmaanfƤllen bei jungen Menschen in Verbindung gebracht, und es gibt Hinweise darauf, dass das Nikotin von E-Zigaretten die Gehirnreifung beeinflussen kƶnnte (10,ā11). Zusammengenommen macht dies E-Zigaretten zu einem neuen potenziellen Gesundheitsrisiko für Kinder und Jugendliche. Darüber hinaus gibt es zunehmend Belege dafür, dass junge Menschen, die noch nie geraucht haben und E-Zigaretten verwenden, die Chance verdoppeln kƶnnten, spƤter im Leben mit dem Rauchen zu beginnen (12ā-ā15).
Auswirkungen des Gebrauchs von E-Zigaretten auf das kardiovaskulƤre Risiko
Es wird angenommen, dass E-Zigaretten weniger schƤdlich sind als Tabakzigaretten (16, 17), jedoch enthalten E-Zigaretten potenzielle Giftstoffe und üben eine Vielzahl biologischer Wirkungen aus (17). Direkte Evidenz zu klinischen CV-Effekten von E-Zigaretten aus klinischen Studien oder Langzeit-Kohortenstudien ist derzeit nicht verfügbar. Die Folgen des Langzeitgebrauchs sind daher weitgehend unbekannt. Die einzige epidemiologische Evidenz, die derzeit verfügbar ist, basiert auf Beobachtungsdaten aus den nationalen Gesundheitsbefragungen von 2014 (n=36697) und 2016 (n=33028). Diese Daten deuten auf ein erhƶhtes MI-Risiko bei E-Zigaretten-Konsumenten hin (OR 1,79, 95%CI 1,20-2,66), wenn auch in geringerem Ausmass als bei Personen, die konventionelle Zigaretten rauchten (OR 2,72, 95%CI 2,29-3,24) (18). Unser derzeitiger Kenntnisstand darüber, wie sich E-Zigaretten auf das kardiovaskulƤre System auswirken, basiert hauptsƤchlich auf nicht randomisierten Beobachtungsstudien mit kleinen Stichprobengrƶssen und Kurzzeit-Follow-up. Die kardiovaskulƤren Effekte von E-Zigaretten wurden indirekt auf der Grundlage mechanistischer Studien bewertet. Zum Beispiel zeigte eine Meta-Analyse, dass die Exposition gegenüber E-Zigaretten die Herzfrequenz, den systolischen Blutdruck und den diastolischen Blutdruck akut erhƶhte. Der Wechsel vom Tabakrauchen zum chronischen Rauchen von E-Zigaretten hatte keinen Einfluss auf die Herzfrequenz, reduzierte jedoch den systolischen und den diastolischen Blutdruck signifikant (19). Das Rauchen von E-Zigaretten kann mit einer akuten endothelialen Dysfunktion und/oder vaskulƤren SchƤdigung in Verbindung gebracht werden (19). Eine akute Exposition gegenüber nikotinhaltigen E-Zigaretten war im Vergleich zur Exposition gegenüber einer Scheinkontrolle oder nicht-nikotinhaltigen E-Zigaretten mit einer erhƶhten AktivitƤt des sympathischen Nervensystems des Herzens verbunden, was mit einem erhƶhten kardialen Risiko assoziiert sein kƶnnte (20). Neben Nikotin sind andere Aerosolbestandteile in E-Zigaretten, die schƤdliche kardiovaskulƤre Effekte ausüben kƶnnen, wie oxidierende Chemikalien und Feinstaub (7). Darüber hinaus kam eine systematische Ćbersicht über 38 Studien, die kardiovaskulƤre Effekte von E-Zigaretten untersuchten, zu dem Schluss, dass die meisten Studien einen potenziellen kardiovaskulƤren Schaden durch Mechanismen vermuten lassen, die das Thrombose- und Atheroskleroserisiko erhƶhen (2).
Insgesamt bleiben zwar die Langzeitwirkungen des Konsums von E-Zigaretten zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt, aber die vorhandenen Evidenzdaten legen nahe, dass E-Zigaretten in Bezug auf kardiovaskulƤre-Effekte nicht als sicheres Produkt angesehen werden sollten.
Fazit
Tabakkonsum ist der grösste vermeidbare Risikofaktor für den vorzeitigen Tod durch nicht übertragbare Krankheiten und die zweithäufigste Ursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Als Reaktion auf die schƤdlichen Auswirkungen des TabakĀrauchens ist der Gebrauch von elektronischen Zigaretten (E-Zigaretten) entstanden und hat in den letzten 15 Jahren erheblich an PopularitƤt gewonnen. E-Zigaretten werden als sichere Alternativen für das traditionelle Tabakrauchen beworben und oft als ein Weg vorgeschlagen, das Rauchen zu reduzieren oder aufzugeben.
Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass E-Zigaretten nicht harmlos sind.
Obwohl Vorhofflimmern (VHF) weit verbreitet ist, wird die Herzrhythmusstƶrung leider oft erst nach einem Hirnschlag diagnostiziert. Neue Smartwatches sind mit mobilen Sensoren ausgerüstet, welche in der Lage sind, den Herzrhythmus regelmƤssig zu überwachen und so potentiell VHF frühzeitig zu detektieren. Wir mƶchten in dieser Ćbersichtsarbeit die Technologie, wissenschaftliche Datenlage, klinische Implikationen und Herausforderungen der Rhythmusdiagnostik mittels Smartwatches nƤher erlƤutern.
Vorhofflimmern (VHF) ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Das Lebenszeitrisiko bei über 40-jährigen beträgt 25% (1). Durch die Einnahme einer oralen Antikoagulation kann die Rate an Hirnschlägen signifikant reduziert werden (2). Leider bleibt VHF jedoch häufig unentdeckt, da es oft nur anfallartig auftritt und keine Beschwerden verursacht So treten 18% der mit VHF assoziierten Hirnschläge bei asymptomatischem oder subklinischem VHF auf (3). Eine frühzeitige Erkennung von asymptomatischem oder subklinischem VHF könnte deshalb potentiell die Anzahl an Hirnschlägen reduzieren. Die Suche nach VHF ist deshalb in den Fokus von «mobile health technologies» gerückt (4). Verschiedene Devices, sogenannte Wearables, welche mittlerweile Smartphones, Armbänder, Ringe, T-Shirts oder Uhren (sog. Smartwatches) umfassen, sind nun in der Lage die Herzfrequenz zu erfassen und (teilweise automatisiert VHF zu detektieren.)
Im Vergleich dazu ist der Standard der Herzrhythmusdiagnostik im klinischen Alltag die Durchführung eines Langzeit-EKG, das den Herzrhythmus für bis zu 96 Stunden aufzeichnen kann. VerlƤuft diese Untersuchung negativ, wird in der Regel die HerzrhythmusdiaĀgnostik abgeschlossen und als unauffƤllig gewertet. Sollte dennoch der Rhythmus weiter überwacht werden, zum Beispiel bei rezidivierenden HirnschlƤgen, kann als nƤchster Schritt ein implantierbarer Loop Rekorder implantiert werden. Dieser Rekorder kann für bis zu drei Jahre Vorhofflimmern durch das kontinuierlich registrierte EKG Signal detektieren und im Falle einer erkannten Episode automatisiert abspeichern. Eine Smartwatch ist hier vergleichsweise günstiger und kann theoretisch von jedermann erworben werden. Sie kƶnnte daher zukünftig die Lücke zwischen dem Langzeit-EKG und einem implantierten GerƤt schliessen (Abb. 1).
Aktuell sind zahlreiche Smartwatches kommerziell in der Schweiz erhƤltlich und weitere Anbieter drƤngen auf den Markt (4ā9). Der gehƤufte Einsatz wird vor allem auch von Patienten und der Industrie vorangetrieben. Es wird geschƤtzt, dass der Einsatz von Smartwatches von 325 Millionen im 2016 auf 1,1 Milliarden Devices ansteigen wird bis 2021 (10). In der Schweiz konnte ein relatives Wachstum von 19% von Smartwatch Nutzern im 2020 festgestellt werden. Der Umsatz durch den Vertrieb von Smartwatches übersteigt bereits den generierten Umsatz durch den Verkauf von Ā«konventionellenĀ» Schweizer Uhren (11). Die digitale Transformation wird aufgrund der Coronavirus Pandemie zusƤtzlich beschleunigt werden. Patienten mƶchten zunehmend direkte Spitalaufenthalte oder Arztkontakte vermeiden. Diese Entwicklung wird einige Bereiche der Kardiologie wie beispielsweise die Rhythmusdiagnostik in Zukunft deutlich verƤndern (4,12).
Wie erkennt die Smartwatch Vorhofflimmern?
Prinzipiell bestehen zwei Mƶglichkeiten mittels Smartwatch VHF zu detektieren: Einerseits mittels der Photoplethysmographie (PPG) Technologie oder mittels Ableitung eines 1-Kanal-EKGs (13). Mittels PPG wird kontinuierlich durch eingebaute Sensoren auf der Unterseite der Smartwatch ein Lichtsignal abgegeben. Dabei dringt Licht in die Hautschichten, bis es am HƤmoglobin des fliessenden Blutes in den Kapillaren wieder mit einer bestimmten WellenlƤnge reflektiert wird. Dieses pulsatil reflektierte Lichtsignal wird von der Smartwatch erfasst und durch eine Software in eine Pulskurve transformiert. Die Analyse der PulsregularitƤt liefert dann Hinweise für das Vorliegen von VHF. Mƶglich ist eine solche Messung im Ćbrigen auch mit einem Smartphone ohne zusƤtzliche GerƤte. Hierbei wird das Blitzlicht der Kamera und die Smartphonekamera selbst genutzt um die Pulswellen aufzuzeichnen (9). Der potentielle Vorteil der Smartwatch ist nun, dass keine aktive Durchführung einer Messung durch den Anwender erforderlich ist. So kƶnnen paroxysmale oder asymptomatische Arrhythmien beispielsweise auch nachts mit dieser Methode detektiert werden (falls die Uhr in dieser Zeit getragen wird). Eine kürzlich erschienene, interessante Arbeit aus China hat gezeigt, dass ein PPG Signal auch über ein Videosignal der Facetime-kamera im Gesicht erfasst werden kann. Bei dieser Arbeit wurden feine Schlag-zu-Schlag-Variationen der Hautfarbe, die arteriellen Blutpulsationen entsprechen, aufgezeichnet und zur Rhythmusanalyse verwendet (14).
Einige Smartwatches besitzen zu dem PPG Sensor auch eine integrierte 1-Kanal-EKG-Funktion. Bei Alarmierung über eine Pulsirregularität durch das PPG Signal, kann mit dieser Funktion ein mögliches VHF verifiziert werden. Hierbei kommen in der Regel zwei Elektroden zum Einsatz. Die eine Elektrode ist üblicherweise auf der Gehäuserückseite verbaut, die andere Elektrode befindet sich zumeist am Gehäuserand (Krone). Für eine Aufzeichnung muss der Patient die Uhr am Handgelenk tragen (damit Elektrode 1 auf der Gehäuserückseite in Hautkontakt ist) und mit dem Finger die Krone (Elektrode 2) berühren. Hiermit ist der Stromkreislauf zwischen beiden Elektroden geschlossen und elektrische Impulse können abgeleitet werden. Da nur zwei Elektroden verwendet werden, entsteht ein 1-Kanal-EKG welches der Ableitung I beim 12-Kanal-EKG entspricht. In der Regel kann mit dieser Methode ein 30 bis 40-sekündiger Rhythmusstreifen (je nach Hersteller) aufgezeichnet werden. Automatisierte Algorithmen interpretieren dieses 1-Kanal-EKG und klassifizieren es in der Regel als «VHF», «Sinusrhythmus» oder «nicht konklusiv». Im Anschluss ist es dem Nutzer möglich, das EKG als PDF weiterzuverwenden und bsp. den Befund einem Arzt per E-Mail zukommen zu lassen. Die Diagnose eines VHFs darf allerdings gemäss den neues ESC Guidelines nur nach ärztlicher Bestätigung erfolgen (17). Der bisherige Goldstandard für die Herzrhythmusdiagnostik, das sog. Holter-EKG besitzt in der Regel drei Ableitungen und kann damit bei unsicheren Befunden zuverlässiger zum Ein- oder Ausschluss von Vorhofflimmern beitragen.
Wie viele Smartwatches mit 1-Kanal-EKG-Funktion gibt es?
Abbildung 2 gibt einen Ćberblick über aktuell in der Schweiz frei erhƤltliche Smartwatches mit 1-Kanal-EKG Funktion (aufgrund der rasanten Entwicklung ohne GewƤhr auf VollstƤndigkeit). Die grƶsste Bekanntheit hat sicherlich die Apple Watch, welche ab der 4. Generation (seit 2018) über eine EKG Funktion verfügt. Weiter in der Schweiz erhƤltlich ist die Samsung Galaxy Watch 3, welche mit zwei EKG Elektroden ausgerüstet ist. Die EKG Applikation ist jedoch zurzeit inaktiv. Die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat Ende September die Freigabe für die EKG Funktion erteilt. Das EKG-Feature soll nun im Oktober 2020 für Schweizer Kunden zugƤnglich sein. Das Gleiche gilt für die Fitbit Sense. Zudem ist die Withings Move ECG verfügbar, welche mit einer FDA Zulassung im vierten Quartal 2020 rechnet.
Ćrztliche Resonanz
Auch wenn fast alle Ćrzte ein Smartphone besitzen und privat auch viele Apps benutzen, so wird es bisher nur von wenigen beruflich eingesetzt. In einer kürzlich publizierten Umfrage der Sektion Ā«Young EPĀ» der europƤischen Gesellschaft für kardiale Elektrophysiologie (EHRA) wurden 417 Ćrzte mit einem medianen Alter von 37 Jahren zum Einsatz von Wearables befragt (15). Wenn die Befragten mit einem 1-Kanal-EKG, welches VHF zeigt, konfrontiert wurden, hƤtten 90% der Teilnehmenden weitere diagnostische Schritte veranlasst. Bei einem symptomatischen VHF Patienten würden die Mehrheit (59%) eine orale Antikoagulation initiieren und 21% bei einem asymptomatischen Patienten. Interessanterweise würden PPG Aufzeichnungen nur in einer Minderheit zu diagnostischen Schritten führen, unabhƤngig vom Auftreten von Symptomen. Die meisten Kardiologen wünschen sich klare Empfehlungen der Gesellschaften.
Wie gut ist die Smartwatch?
Die wohl bekannteste und eine der grƶssten Studien, welche die PPG-Methode zur Vorhofflimmerdetektion untersuchte, war die im 2019 publizierte Apple Heart Study mit 419 297 Studienteilnehmern (6). Aufgrund ihres Studiendesigns konnte die SensitivitƤt und SpezifitƤt der Smartwatch in dieser Industriegesponserten Studie nicht untersucht werden.
Der positive prƤdiktive Wert der PPG-Methode zur VorhofflimmerĀdetektion lag bei 84%. Eine kleinere Folgestudie mit 50 Patienten im klinischen Setting (Teilnehmer der Apple Heart Study waren gesunde Probanden mit einem medianen Alter von 41 Jahren) zeigte jedoch, dass rund 31% aller Messungen mit dem automatischen Diagnosealgorithmus, welcher am Ende der EKG-Aufzeichnung das Resultat auf dem Bildschirm der Uhr anzeigt, als uneindeutig interpretiert werden (16). In dieser Studie zeigte sich eine SpezifitƤt von 100%, aber nur eine SensitivitƤt von 41%. Als mƶgliche Lƶsung wird die Interpretation dieser uneindeutigen Tracings von einem Kardiologen vorgeschlagen. Die Kombination aus Algorithmus und kardialer Beurteilung steigerte die SensitivitƤt auf 96%. Technische Fortschritte im Diagnosealgorithmus sind daher notwendig, um die Implementierung der mobilen EKG-Methode im klinischen Alltag zu vereinfachen. Der grosse Nachteil der Smartwatch ist aktuell die geringe Akkulaufzeit und somit das Nichttragen durch den Anwender wƤhrend einer relevanten Zeit. Zudem gibt es Probleme mit der QualitƤt des Signals, meistens aufgrund von Bewegungsartefakten, in rund 20 Prozent aller Messungen (6).
Für wen eignet sich eine Smartwatch?
Besonders geeignet ist ein Smartwatch-EKG als Eventrekorder bei unregelmässiger Palpitation. Bezüglich Vorhofflimmerscreening gibt es nun ebenfalls klare Empfehlungen (siehe Abschnitt ESC Richtlinien). Zudem wäre der Einsatz von Smartwatches zum Monitoring nach Vorhofflimmer Ablation oder elektrischer Kardioversion denkbar. Die Kombination der Smartwatch-EKG Funktion mit einer Patienten App bsp. «My AF» ist ein interessanter Ansatz Patienten mit VHF zu schulen, sie bei Verhaltensänderungen zu unterstützen, die Therapieadhärenz zu verbessern und interaktive Therapiepläne zu entwickeln. Letztendlich sollen damit mehr Patienten in den Genuss einer leitliniengerechten Therapie kommen.
Was sagen die neuen ESC Vorhofflimmern-Richtlinien 2020 zum Einsatz von Wearables?
Neu kann eine definitive Diagnose mittels Bestätigung von einem 12-Kanal EKG oder einem 1-Kanal-EKG für mind. 30 Sekunden gestellt werden (17). Zudem wird nun ein Screening von VHF durch regelmässiges Puls fühlen oder auch durch 1-Kanal-EKGs empfohlen für Patienten ℠65 Jahre, mit arterieller Hypertonie und mit Schlafapnoe-Syndrom (17). Diese Empfehlung beruht auf ersten Machbarkeitsstudien, welche gezeigt haben, dass systematische Smartdevice-basierte VHF-Screening Programme durchaus durchführbar und effektiv sind, um bei beschwerdefreien Patienten das VHF zu detektieren (18,19).
Was sind die Herausforderungen dieser neuen Technologien?
Die Entwicklung der mobilen Technologien ist rasant und nicht ohne Risiken. Die Smartwatches leiten einen Paradigmen Wechsel ein, nƤmlich von Ā«physician initiatedĀ» zu Ā«consumer initiated testingĀ». Ćrzte aus verschiedenen Disziplinen werden in Zukunft vermehrt mit auffƤlligen Aufzeichnungen von Smartwatches konfrontiert, teilweise ohne begleitende Symptome, welche in der grossen Mehrzahl der FƤlle wahrscheinlich nicht Ƥrztlich, sondern durch den Anwender initiiert wurden. Es besteht somit potentiell die Gefahr, dass gesunde Smartwatch Benutzer durch falsch positive Resultate verunsichert werden. Insgesamt ist davon auszugehen, dass die EKG-Funktion zu vermehrt Ƥrztlichen Konsultationen führen wird. Zudem ist es essentiell hervorzuheben, dass aktuell weiterhin von den Herstellern die Empfehlung abgegeben wird, dass abnormale Resultate Ƥrztlich bestƤtigt werden müssen. Aktuell ist unklar wie dieser potentielle Ansturm von Ƥrztlicher Seite aus bewƤltigt werden soll und wie die ZustƤndigkeiten hier verteilt sind. Zudem ist die Fülle der angebotenen Smartwatches und Wearables so vielfƤltig, dass der Markt kaum noch überschaubar ist.
AI (Artifical Intelligence) – Künstliche Intelligenz
Smartwatches sind in der Lage grosse und komplexe Datenmengen aufzuzeichnen und zu übermitteln. Um die Verarbeitung dieser Signale möglichst effektiv zu nutzen, bietet sich Artificial Intelligence bzw. künstliche Intelligenz (KI) als neue Methode zur Auswertung an. KI kann die diagnostische Sicherheit des automatischen Algorithmus weiter verbessern. Resultate von Studien der Auswertung von 12-Kanal-EKGs mittels AI sind vielversprechend und können wahrscheinlich bald auf die Auswertung von 1-Kanal-EKGs übertragen werden. So gelang es KI aus ausschliesslich im Sinusrhythmus erfassten EKGs VHF mit einer Sensitivität und Spezifität von 79% zu diagnostizieren (20). Weitere Arbeiten konnten zeigen, dass mittels Einsatz von KI, Patienten basierend auf einem Ruhe-EKG mit eingeschränkter Pumpfunktion(21) oder Elektrolytstörungen, Bsp. Hyperkaliämie (22), zuverlässig identifiziert werden können.
Ausblick
Die diagnostische Genauigkeit von Smartwatches zur Detektion der häufigsten Herzrhythmusstörung, dem VHF, wurde bisher noch unzureichend im klinischen Setting untersucht. Mit Spannung wird die von Apple initiierte Heartline-Studie erwartet, die 180.000 Patienten einschliessen wird und das Vorhofflimmerscreening durch die Apple Watch mit ihrer PPG- und EKG-Funktion mit einem Standardvorgehen vergleicht (NCT04276441).(23) Doch nicht nur der Herzrhythmus lässt sich mittels Smartwatch überwachen. Basierend auf der PPG-Methode lassen sich aus der Pulskurve auch eine Blutdruckkurve und die Sauerstoffsättigung ableiten. Die Datenlage in diesen beiden Bereichen ist allerdings noch dünn.
Klinik für Innere Medizin, Universitätsspital Basel
Department of Digitalization and ICT UniversitƤtsspital Basel
Petersgraben 4
4031 Basel
jens.eckstein@usb.ch
Prof. Dr. med. Michael Kühne
Klinik für Kardiologie, Universitätsspital Basel, Cardiovascular Research
Institute Basel, UniversitƤtsspital Basel
Die Autoren haben im Zusammenhang mit diesem Artikel keine Interessenskonflikte deklariert.
ā VHF-assoziierte HirnschlƤge treten in rund ein Fünftel der FƤlle bei asymptomatischen Patienten auf. Eine frühzeitige Erkennung von asymptomatischem oder subklinischem VHF kƶnnte deshalb durch den Beginn einer oralen Antikoagulation potentiell die Anzahl an HirnschlƤgen reduzieren.
ā Die Entwicklung der EKG Funktion der Smartwatches schreitet rasch voran und erlaubt ein Screening von VHF. Dieser Trend wird einige Bereiche der Kardiologie wie beispielsweise die Rhythmusdiagnostik in Zukunft deutlich verƤndern.
ā Weitere Studien zur diagnostischen Genauigkeit der Smartwatches sind notwendig.
ā Smartwatches kƶnnen den Arztbesuch nicht ersetzen, aber einen frühen Hinweis auf VHF geben und den Arzt in der Diagnosestellung oder dem Monitoring von VHF unterstützen.
ā Aktuell ist noch unklar, wie der zu erwartende Ansturm an Herzrhythmusdaten im klinischen Alltag integriert und effizient eingesetzt werden soll. Die Kardiologie ist nun gefordert, entsprechende Modelle zu entwickeln.
Die kardiale Amyloidose ist durch Ablagerungen von Amyloid bedingt, die häufigsten Formen sind monoklonale Leichtketten (AL) oder Transthyretin (TTR). Beide Formen können das Herz befallen und sind mit einer ungünstigen Prognose vergesellschaftet. Die kardiale TTR Amyloidose wird aufgrund der modernen diagnostischen Möglichkeiten immer häufiger diagnostiziert und ist viel häufiger als ursprünglich angenommen. Dies ist wichtig, da seit kurzem eine Therapie verfügbar ist, welche die Prognose verbessert.
An eine kardiale Amyloidose sollte immer dann gedacht werden, wenn sich ein Patient mit Symptomen einer Herzinsuffizienz präsentiert und einen Echokardiographie- oder MRI-Befund aufweist der typisch für eine Amyloidose ist (Abb. 1 und Tab. 1) (1).
Bei der AL Amyloidose liegt die Ursache bei einer hƤmatologischen Erkrankung (monoklonale Gammopathie, meist Plasmazelldyskrasie, seltener lymphoplasmozytische Erkrankung) ā hierbei bilden monoklonale Plasmazellen Leichtketten, welche sich im Herz und anderen Organen ablagern. Bei der TTR Amyloidose unterscheidet man die Ā«wild-type (wt)Ā» von der Ā«variantĀ» (genetische) Form. Bei der familiƤren Form liegt ein Gendefekt im TTR-Gen zugrunde, es kommt zu einer Fehlfaltung von TTR, das sich als Amyloid im Herzen, aber auch im Nervensystem ablagern kann (2). Der Pathomechanismus bei der wt-Form ist nicht abschliessend geklƤrt, wobei sich auch dort TTR als Amyloid in den Organen ablagert. Neben der kardialen Manifestation und insbesondere bei der wt-Form kann es typischerweise ein paar Jahre vor dem Herzbefall zum
Karpaltunnel Syndrom, einer Bizeps-Sehnen-Ruptur oder einer Spinalkanalstenose kommen (3).
Die AL-Amyloidose ist eine seltene Erkrankung und hat immer noch eine schlechte Prognose, insbesondere wenn das Herz betroffen ist ā neue Therapien haben aber hier deutliche Fortschritte erzielt. Auch die vATTR Amyloidose ist sehr selten, in gewissen Gebieten aber endemisch (z.B. Teilen von Portugal, Schweden oder Japan). Die wtATTR Amyloidose wurde bisher ebenfalls als seltene Erkrankung angesehen, in den letzten Jahren hat sich jedoch dank verbesserter Diagnostik gezeigt, dass diese Form viel hƤufiger ist und meist eine bessere Prognose aufweist als bisher angenommen. Für diese Form ist seit kurzem erstmals eine spezifische Therapie zugelassen.
Diagnostik
Bei Verdacht auf eine kardiale Amyloidose (Herzinsuffizienz-Beschwerden, typisches Echo oder MRI) sollten zuerst ausführliche Laboruntersuchungen inkl. kardiale Biomarker NT-pro BNP und Troponin (zur Abschätzung der Prognose) und eine Protein-Elektrophorese mit Immunfixation im Serum und Urin sowie Bestimmung der freien Leichtketten im Serum veranlasst werden. Letzteres ist entscheidend für die Unterscheidung zwischen AL und ATTR Amyloidose. Ein EKG sollte geschrieben werden, um die Frage nach Vorhofflimmern und Blockierungen zu beantworten. Die typischerweise beschriebene «low-voltage» findet sich eher bei der AL-Amyloidose, bei der ATTR ist dies jedoch nicht so häufig (ca. 22%), typischer ist dort ein Pseudoinfarktmuster (63%). Bei unauffälliger Immunfixation ist eine AL-Amyloidose praktisch ausgeschlossen (Abb. 2). In diesem Fall sollte eine Technetium Szintigraphie durchgeführt werden. Fällt diese positiv aus, gilt die Diagnose einer ATTR-Amyloidose als gesichert (4), jedoch kann nicht zwischen wtATTR und vATTR unterschieden werden, weswegen eine genetische Testung sinnvoll ist. Diese kann nach Einholen einer Kostengutsprache durch die Krankenkasse durchgeführt werden kann. An eine hereditäre Form sollte insbesondere dann gedacht werden, wenn neurologische Symptome wie Polyneuropathie vorhanden sind. Bei negativer Szintigraphie und persistierend hohem Verdacht auf eine kardiale Amyloidose, sollte eine Endmyokardbiopsie durchgeführt werden (5). Bei pathologischer Immunfixation und Verdacht auf eine kardiale Amyloidose ist die Situation etwas komplizierter, da die Diagnose mittels Biopsie und Nachweis von Amyloid gestellt werden muss. Normalerweise erfolgt bei pathologischer Immunfixation eine hämatologische Abklärung, gelegentlich gelingt der Nachweis von Amyloid schon in der Knochenmarksbiopsie (ca. 50%), ansonsten muss Amyloid an anderen Stellen (typischerweise Bauchfett, Speicheldrüsen, Endomyokard) gesucht und immunhistochemisch bestätigt werden, was gelegentlich herausfordernd sein kann (Abb. 2). Ein wichtiges Problem stellt die hohe Koinzidenz eines MGUS mit der wtATTR Amyloidose im fortgeschrittenen Alter dar.
Amyloidose mit Herzbefall
WƤhrend die AL-Amyloidose meist verschiedene Organe befƤllt (insb. Herz, Niere, Nervensystem und Magen-Darmtrakt), ist bei der wtATTR Amyloidose meist das Herz im Zentrum (bei der vATTR zusƤtzlich das Nervensystem). Was muss man besonders beachten bei einem Herzbefall? Im Zentrum steht die Herzinsuffizienz, mit den klinischen Zeichen einer restriktiven Kardiomyopathie (links- und rechtsseitige Volumenretention). Sehr wichtig ist die Neigung zu Vorhofflimmern und Hirninfarkten ā ca. 90% der Patienten haben oder entwickeln im Verlauf ein VHF. Weitere Probleme sind Reizleitungsstƶrungen, welche insbesondere bei der ATTR-Amyloidose auftreten, sowie Synkopen und plƶtzlicher Herztod. Synkopen bei Anstrengung sind meist dadurch bedingt, dass das Herzminutenvolumen fixiert ist – die Hypotonie beziehungsweise die Orthostase aufgrund einer autonomen Dysfunktion. Auch Thoraxschmerzen aufgrund einer Beteiligung der Mikrozirkulation sind nicht selten.
Behandlung der kardialen Amyloidose
Für den Patienten steht initial die symptomatische Therapie im Vordergrund. Am wichtigsten ist die Behandlung mit Diuretika, um den Patienten von den Symptomen der Volumenretention zu entlasten. Hierbei gibt es aber zu bedenken, dass die Druck-Volumen-Kurven sehr steil sind und zu viel Diuretika auch einen übermässigen Blutdruck-Abfall bewirken können. Trotzdem müssen die Diuretika genügend hoch dosiert werden um den Patienten wirklich zu entlasten. Im Verlaufe der Erkrankung sind meist immer höhere Dosen notwendig. Die Erkrankung hat einen HFpEF Charakter und die Auswurffraktion ist meist «normal.» Das bedeutet, dass trotz Herzinsuffizienz-Symptomen keine Beta-Blocker, ACE-Hemmer (ACHI), Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB) oder gar Sacubitril/Valsartan verabreicht werden sollten. Beta-Blocker werden meist schlecht vertragen da das Herzminutenvolumen kaum mehr gesteigert werden kann (das Schlagvolumen ist fixiert und der kardiale Output kann nur noch mit der Herzfrequenz gesteigert werden). Vor allem bei der AL-Amyloidose, aber auch bei der fortgeschrittenen TTR-Amyloidose werden ACEI und ARB aufgrund ihrer peripher vasodilatierenden Wirkung sehr schlecht vertragen und können Orthostase und Synkopen verursachen.
Von grösster Wichtigkeit ist das Erkennen von Vorhofflimmern und eine rechtzeitige orale Antikoagulation, um den Patienten vor einem Schlaganfall zu bewahren (häufige Erstmanifestationen einer Amyloidose). Wir empfehlen deshalb ein Holter-EKG alle 6 Monate durchzuführen. Bei einem dokumentieren VHF sollte unabhängig vom CHA2DS2-VASc Score eine orale Antikoagulation (OAK) begonnen werden. Einige Zentren beginnen damit schon, wenn der Patient noch im Sinus-Rhythmus ist, jedoch in der Echokardiographie ein restriktives Füllungsmuster aufweist. Die Rationale dahinter ist, dass in solchen Fällen die intraatrialen Druckwerte so hoch sind, dass kaum mehr Fluss erzeugt wird und der Patient zu Thromben neigt. Daten für Vorhofflimmern-Ablationen in der Amyloidose sind kaum vorhanden, wir sind hier zurückhaltend.
Die Indikationen für einen Herzschrittmacher unterscheiden sich nicht wesentlich von Patienten ohne Amyloidose, eine relevante Blockierung ist jedoch hƤufiger. Eine der grƶssten Schwierigkeiten ist die PrƤvention des plƶtzlichen Herztods. ICD-Implantation müssen im Team und mit dem Patienten gut besprochen werden und der Nutzen und die Risiken gegeneinander abgewogen werden. Es gilt zu bedenken, dass FƤlle von elektromechanischer Entkoppelung und nicht Kammerflimmern die hƤufigsten Ursachen für einen rhythmogenen Tod bei Amyloidose darstellen ā ein ICD hilft hier nicht. Auch sind inadƤquate (und adƤquate) Schocks hƤufiger als bei Nicht-Amyloidose und die Wirksamkeit eines Schocks kann aufgrund der Amyloid-Ablagerungen auch eingeschrƤnkt sein.
Eine ATTR-Amyloidose wird immer häufiger bei Patienten mit Aortenstenose, welche für eine TAVI abgeklärt werden, festgestellt. Hier stellt sich die Frage ob man besser die Amyloidose oder die Aortenstenose behandelt. Es konnte gezeigt werden, dass eine TAVI bei diesen Patienten sicher ist und den Patienten nicht aufgrund der kardialen Amyloidose vorenthalten werden sollte (6). In seltenen Fällen kommt auch die Herztransplantation in Frage. Hier ist es jedoch so, dass insbesondere bei der AL-Amyloidose die Patienten häufig bereits einen Multiorganbefall aufweisen, was eine relative Kontraindikation für eine Transplantation darstellt. Das Ausmass der systemischen Beteiligung ist hierbei entscheidend. Selten kann man bei einem isolierten Herzbefall eine Transplantation durchführen um anschliessend eine intensive Chemotherapie mit autologer Stammzelltransplantation zu ermöglichen. Bei der ATTR Amyloidose mit rein kardialem Befall ist eine Transplantation in einigen Fällen gut möglich, meist haben die Patienten das TPL-Alter jedoch bereits überschritten.
Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankung
Bei der AL-Amyloidose richtet sich die Therapie gegen die zugrundeliegende Erkrankung. Hier hat es in den letzten Jahren grosse Fortschritte gegeben, welche hier nicht im Detail besprochen werden. Wichtig ist die Zusammenarbeit mit einem für die Amyloidose spezialisierten Zentrum, um den Patienten in einem interdisziplinären Umfeld optimal zu betreuen und auch die neusten Therapien im Rahmen von Studien zugänglich zu machen.
Auch bei der ATTR-Amyloidose gab es in den letzten Jahren mehrere entscheidende Durchbrüche in der Behandlung. Mit Patisiran (RNA-Interferenz) und Inotersen (RNA antisense Oligonukleotid) kann die Bildung von Transthyretin in der Leber fast ganz blockiert werden (7). Zwei Studien bei Patienten mit einer familiƤren Amyloid-Polyneuropathie (familiƤr bedingte ATTR-Amyloidose welche das periphere Nervensystem befƤllt) zeigen eindrücklich, wie die Polyneuropathie in vielen FƤllen aufgehalten oder gar verbessert wurden ā auch bezüglich kardialer Symptome gibt es erste Hinweise für einen Nutzen. Entsprechende Studien bei der kardialen Amyloidose (vATTR und wtATTR) werden aktuell durchgeführt.
Ein weiterer Meilenstein ist die Zulassung von Tafamidis, einem TTR Stabilisator, für die Behandlung der kardialen ATTR-Amyloidose. Die ATTR-ACT Studie (mittleres Alter ca. 74 Jahre, 90% Männer, 75% wtATTR) zeigte, dass die Mortalität und die kardiovaskulär bedingten Hospitalisierungen über die Studiendauer von 30 Monaten signifikant gesenkt werden konnte (8). Bis dieser Effekt eintrat, dauerte es jedoch einige Monate. Interessant ist auch, dass die Lebensqualität und die Gehstrecke unter Tafamidis bei einem günstigen Nebenwirkungsprofil (kaum Therapieabbrüche in der Studie) weniger schnell abnehmen. Die Medikation ist zwar jetzt in der Schweiz zugelassen, jedoch nicht auf der Spezialitätenliste zu finden. Ein Kostengutsprache-Gesuch muss deshalb zwingend gestellt werden, die Verfügbarkeit ist zur Zeit limitiert.
NL: In Verbindung mit dem Manuskript: Honorare von Pfizer und KongressbeitrƤge von Alnylam
RS: In Verbindung mit dem Manuskript: Honorare von Alnylam und Pfizer und einen āāunrestricted research grantāā von Pfizer
Nicht in Verbindung mit dem Manuskript: Honorare oder KongressbeitrƤge von Janssen, Mundipharma und Takeda
AFL: In Verbindung mit dem Manuskript: Honorare von Alnylam und Pfizer
Nicht in Verbindung mit dem Manuskript: Honorare oder KongressbeitrƤge von AstraZeneca, Boehringer Ingelheim, Bristol Myers Squibb, Fresenius, Imedos Systems, Medtronic, Mepha, Mundipharma, Novartis, Roche, Schwabe Pharma, Vifor und Zoll
ā An eine Amyloidose sollte bei Patienten mit Herzinsuffizienz und einer typischen Echokardiographie oder MRI gedacht werden
ā Die Diagnose einer kardialen ATTR-Amyloidose kann bei fehlender monoklonalen Gammopathie (normale Immunfixation) mittels Technetium Szintigraphie gestellt werden. Die Diagnose einer AL-Amyloidose erfolgt immer mit dem Nachweis von AL-Amyloid im Gewebe
ā Die kardiale Amyloidose ist gekennzeichnet durch Symptome der Herzinsuffizienz, orthostatische Hypotonie, Synkopen und plƶtzlicher Herztod, Vorhofflimmern mit Hirninfarkten und mikrovaskulƤrer Angina
ā Die Therapie besteht aus der Behandlung der Herzinsuffizienz-Symptome und der zugrundeliegenden Erkrankung.
ā Mit Tafamidis steht für die ATTR-Amyloidose erstmals eine Therapie zur Verfügung, welche die Prognose signifikant verbessert
Eine Trikuspidalklappeninsuffizienz (TI) ist echokardiographisch bei 65-85% der Bevƶlkerung nachweisbar (1). WƤhrend eine leichte TI hƤmodynamisch irrelevant ist und als Normvariante betrachtet werden kann, hat eine mittelschwere oder schwere TI einen erheblichen Einfluss auf die MorbiditƤt und MortalitƤt. Der folgende Bericht umfasst die Diagnostik (Teil 1) und die moderne Therapie (Teil 2) der TI.
Die PrƤvalenz der klinisch relevanten TI nimmt mit dem Alter zu und betrifft ca. 4% der betagten Bevƶlkerung (Alter ā„ 75 Jahre) (Abb. 1A). Eine unbehandelte schwere TI ist, unabhƤngig vom Alter des Patienten, der linksventrikulƤren Funktion oder dem Vorliegen einer pulmonal-arteriellen Hypertonie, mit einer schlechteren Prognose verbunden (2, 3) und erschwert eine begleitende Herzinsuffizienz (4, 5). Bei einem normalen Herzen liegt die Trikuspidalklappe (TK) etwas nƤher am Apex als die Mitralklappe und besteht aus drei Segeln, die nach ihrer Position benannt sind: anterior, posterior und septal. Ćtiologisch wird zwischen primƤrer und sekundƤrer TI unterschieden. Bei der primƤren TI liegt ursƤchlich eine Pathologie der Segel oder des subvalvulƤren Apparates vor. Ćtiologisch stehen hier, die infektiƶse Endokarditis, das Karzinoidsyndrom, ein Prolaps oder kongenitale Defekte (z.B. Ebstein-Anomalie) im Vordergrund. Selten kann eine TI durch eine rechtsventrikulƤre Schrittmacher- oder Defibrillator-Elektrode verursacht werden (6, 7, 8). Im Gegensatz dazu ist die hƤufiger vorkommende sekundƤre TI (>90% der FƤlle (9)) auf eine Dilatation der rechtsseitigen Herzhƶhlen mit konsekutiver Erweiterung des Klappenanulus sowie Zug (Tethering) auf die Trikuspidalsegel und verminderter Koaptation zurückzuführen. Die sekundƤre TI beruht meist auf einer linksseitigen valvulƤren oder ventrikulƤren Herzerkrankung oder entsteht als Folge einer pulmonal-arteriellen Hypertonie (Abbildung 1B). Eine rechtsatriale Dilatation, üblicherweise im Rahmen eines chronischen Vorhofflimmerns, kann ebenfalls zu einer sekundƤren TI führen (10).
Diagnostik
1. Klinische und laborchemische Zeichen
Klinisch führt die relevante TI vor allem zu Symptomen der erhƶhten Füllungsdrücke des rechten Vorhofes, wie periphere Ćdeme, Aszites, Appetitminderung, und Halsvenenstauung. Die fortgeschrittene TI kann zu Leistungsintoleranz und Belastungsdyspnoe aufgrund eines reduzierten Schlagvolumens des rechten Ventrikels (RV) (Low-Output) führen. In diesem Rahmen stellt das pro-BNP einer der wichtigsten laborchemischen Parameter dar, welches prognostisch relevante Informationen über den Schwergrad von hƤmodynamischem kardialem Stress und Herzinsuffizienz liefert.
2. Transthorakale Echokardiographie
Die Diagnose der TI wird vorzugsweise mittels transthorakaler Echokardiographie gestellt. Die 2017 verƶffentlichten Leitlinien für das Management der ValvulƤren Herzkrankheit der EuropƤischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC)/EuropƤsichen Gesellschaft für Herz-Thoraxchirurgie (EACTS) empfehlen ein integratives Vorgehen, in dem qualitative, semiquantitative und quantitative Kriterien zur Beurteilung des Insuffizienz-Schwergrades berücksichtigt werden (11). Zudem sollten Morphologie der Segel, Funktion und Dimensionen des rechten Ventrikels, pulmonalen Druckwerte, linksseitige Klappenvitien und linksventrikulƤre Funktion und Dimension sorgfƤltig untersucht werden, um die zugrundeliegende Ćtiologie zu verstehen. Tabelle 1 fasst die gemƤss den aktuellen Leitlinien geltenden echokardiographischen Diagnosekriterien der schweren TI zusammen.
Bei der routinemässigen Beurteilung der TI müssen verschiedene diagnostische Limitationen berücksichtigt werden:
1) Der Schweregrad der TI ist vom intravasalen Volumenstatus (Vorlast) sowie von den intraventrikulären Druckverhältnissen (Nachlast) abhängig. Somit sollten relevante Veränderungen des Volumenzustandes des Patienten, insbesondere eine akute kardiale Dekompensation (erhöhte Vorlast), sowie Veränderungen der Druckverhältnisse durch die Gabe von vasodilatierenden Medikamenten (verminderte Nachlast) einschliesslich Sedativa, welche bei der transösophagealen Echokardiographie (TEE) eingesetzt werden, berücksichtigt werden.
2) Aufgrund der tiefen DruckverhƤltnisse, welche auf der rechten Seite des Herzens herrschen, kann der Insuffizienzjet, insbesondere bei ausgeprƤgtem Koaptationsdefekt, tiefe Geschwindigkeiten aufweisen und somit bei fehlendem Aliasing mit Farbdoppler verpasst werden.
3) Die für die TI verwendeten quantitativen Kriterien wurden primƤr für die Mitralklappe entwickelt und basieren auf der Annahme, dass die FlƤche des Koaptationsdefektes kreisfƶrmig ist, was in Anbetracht der Anatomie der Trikuspidalklappe selten zutrifft (eher ellipsoid oder sternfƶrmig ) (Abb. 2) (12). Die undifferenzierte Anwendung der monoplanen Vena contracta und der PISA-Methode (Proximal Isovelocity Surface Area) kƶnnen somit zu einer relevanten Ćber- oder UnterschƤtzung der TI führen. Andere Parameter wie die biplan gemessene Vena contracta, die Grƶsse des anatomischen Koaptationsdefektes und das Flussmuster der Lebervenen sollten ebenfalls berücksichtigt werden.
Aus diesen Gründen spielen bei der Planung jeder Trikuspidalklappenintervention auch weitere diagnostische Methoden wie die (zwei-/dreidimensionale) TEE und die hämodynamische Ausmessung in der Rechtsherzkatheteruntersuchung eine wichtige ergänzende Rolle. Für die anatomische Beurteilung kann des Weiteren eine Computertomographie erfolgen. Das MRI gibt weitere Informationen bezüglich der rechtsventrikulären Funktion und ermöglicht die Berechnung von Regurgitationsfraktion und -volumen (13, 14, 15).
2. Transƶsophageale Echokardiographie
Aufgrund der anterioren Position der TK im Thorax ist die Beurteilung mittels TEE anspruchsvoller im Vergleich zur Untersuchung der linksseitigen Klappen (16). Aufgrund der höheren örtlichen Auflösung ermöglicht das TEE jedoch eine genauere Beurteilung des zugrundeliegenden TI-Mechanismus sowie der Lokalisierung des Regurgitationsjets. Bei liegender Schrittmacher- oder Defibrillatorelektrode kann deren Position (zentral vs. kommissural) und die Beziehung zu den Segeln (mobil vs. anhaftend) untersucht werden. Die morphologischen Parameter sind entscheidend für die Selektion der bestgeeigneten Therapiemodalität. Von besonderer Bedeutung ist die transgastrische Kurzachsenansicht, oder alternativ die dreidimensionale Aufnahme aus der transösophagealen Position, welche wertvolle Informationen bezüglich Jetlokalisation und Katheterposition während der Intervention liefern (Abb. 3A). Bei Patienten mit Schattenbildung (Aortenklappenprothese, Mitralklappenprothese oder Lipomatose des Septums) kann eine tief-transösophageale Sicht ebenfalls hilfreich sein, um die TK direkt durch das Dach des rechten Vorhofes darzustellen. Die Verfügbarkeit eines transgastrischen Schallfensters ist Voraussetzung für die Durchführbarkeit eines Transkatheter-Verfahrens und sollte im Rahmen der Vorabklärung sorgfältig überprüft werden. Während der Intervention sind zudem transösophageale Aufnahmen in zwei zueinander orthogonalen Ebenen (X-plane) für das Greifen der Segel von Bedeutung, welche üblicherweise die Visualisierung der antero-septalen (Abb. 3B) oder der postero-septalen Kommissur (Abb. 3C) je nach Position der Schnittebene ermöglichen (17).
3. Invasive AbklƤrung
Die Rechtsherzkatheteruntersuchung hat einen wichtigen Stellenwert in der Risikostratifizierung bei Patienten mit einer schwergradigen TI. Es bleibt die Untersuchung der Wahl für die Messung des Herzminutenvolumens, der pulmonal-arteriellen Druckwerte sowie die ätiologische Abklärung einer allfälligen pulmonalen Hypertonie (prä-/postkapillär). Bei einer schweren TI mit oder ohne RV-Dysfunktion sind die pulmonalen Druckwerte, wegen des erniedrigten Schlagvolumens, kein guter Anhaltspunkt für die Beurteilung des pulmonalen Widerstandes (der mittlere pulmonale Druck kann trotz deutlich erhöhtem Widerstand tief sein). Aus diesem Grund ist die Berechnung dieses Parameters anhand der invasiv gemessenen Werte hilfreich, um eine allfällige erhöhte Gefässresistenz zu demaskieren. Nach Behandlung der TI ist die Zunahme der Nachlast vom Widerstand des kleinen Kreislaufes abhängig, weswegen dieser Wert von besonderer Bedeutung ist, um das Risiko eines RV-Versagens abzuschätzen. Bei einer schweren TI sind die rechtsatrialen Druckwerte erhöht und es liegt eine W-Druckkurvenkonfiguration vor.
S. Windecker serves as unpaid member of the steering/excecutive group of trials funded by Abbott, Abiomed, Amgen, BMS, Boston Scientific, Biotronik, Cardiovalve, Edwards Lifesciences,
MedAlliance, Medtronic, Polares, Sinomed, V-Wave and Xeltis, but has not received personal payments by any pharmaceutical company or device manufacturer. He is also member of the steering/excecutive committee group of several investigated-initiated trials that receive funding by industry without impact on his personal remuneration. F, Praz reports travel expenses from Edwards Lifesciences, Abbott Vascular and Polares Medical. All other authors have no conflicts of interest to declare.
Eine relevante TI ist mit einer schlechten Prognose verbunden und erschwert eine begleitende Herzinsuffizienz.
 Sie entsteht am häufigsten auf dem Boden einer linksseitigen Herzerkrankung oder pulmonal-arteriellen Hypertonie. Betroffene Patienten werden selten und oft zu spät für eine chirurgische Behandlung evaluiert, weshalb trotz zunehmender Erfahrung die peri-operative Mortalität weiterhin relevant ist.
Zentral ist eine detaillierte diagnostische AbklƤrung mittels TTE und falls notwendig TEE, CT, MRI und Rechtsherzkatheteruntersuchung.
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