Dopplersonographie zur Überwachung der intrauterinen Wachstumsretardierung

Die intrauterine Wachstumsretardierung (intrauterine growth restriction, IUGR) ist eine häufige Schwangerschaftskomplikation, welche mit einer erhöhten fetalen Morbidität und Mortalität assoziiert ist. Eine Unterscheidung zwischen kon­­stitutionell kleinen und wachstumsrestringierten Feten ist fundamental nicht nur für die Überwachung sondern auch für das Outcome der Schwangerschaft und die Definierung des Entbindungszeitpunktes. Ein wichtiges Tool dafür ist unter anderem die dopplersonographische Kontrolle des Feten.

Als small for gestational age (SGA) gelten die Feten oder Neugeborenen, deren Schätz- oder Geburtsgewicht unterhalb der 10. Perzentile liegt. Es handelt sich um konstitutionell kleine Feten mit einem kontinuierlichen Wachstum auf perzentilengerechtem Niveau (Abb. 1. links). Obwohl nicht alle SGA Kinder zwangsläufig mit einem erhöhten Morbiditätsrisiko behaftet sind, ist die perinatale Morbidität und Mortalität bei einem fetalen Schätzgewicht unterhalb der 3. Perzentile deutlich erhöht (1).
Eine intrauterine Wachstumsretardierung (IUGR) besteht, wenn sich das fetale Schätzgewicht unter der 10. Perzentile befindet und/oder eines der folgenden Charakteristika vorliegt:

a) wenn kein perzentilengerechtes Wachstum vorhanden ist (die Wachstumskurve im Verlauf abflacht) oder
b) bei pathologischer Dopplersonographie der Arteria umbilicalis oder
c) bei pathologischer Dopplersonographie der Arteriae uterinae oder
d) bei Vorliegen eines Oligohydramnions
Diese Feten können ihr Wachstumspotential plazentar bedingt nicht ausschöpfen (Abb. 1 rechts).
Neben einer erhöhten Mortalität haben diese Neugeborenen ein erhöhtes Risiko für Zerebralparese, Kleinwuchs, Frühge-
burtlichkeit oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselerkrankungen im spä­te­ren Leben (2).
Deswegen ist eine frühe Erkennung und diesbezüglich richtige Betreuung dieser Feten von grosser Bedeutung. Man unterscheidet zwischen einer frühen (early onset, < 34 SSW) IUGR und einer späten (late onset, ≥ 34 SSW) IUGR.

Ätiologie

Die IUGR tritt in ca. 5-10% aller Schwangerschaften auf. Ihre Ätiologie ist multifaktoriell und kann in mütterliche (präplazentare), plazentare und fetale (endogene und exogene) Ursachen eingeteilt werden (Tab. 1).

Diagnostik

Bei Verdacht auf eine intrauterine Wachstumsretardierung ist zunächst die Überprüfung des Gestationsalters (mit evtl.Terminkorrektur) gemäss Scheitel-Steiss-Länge wichtig.
Es sollen sequentielle Messungen zur Gewichtsschätzung mit Überprüfung des Wachstumsverlaufs erfolgen.
Falls das fetale Schätzgewicht unter der 10. Perzentile liegt oder kein perzentilengerechtes Wachstum vorhanden ist, kann durch die Bestimmung der Fruchtwassermenge und der Dopplerparameter zwischen einem SGA- und einem IUGR- Feten unterschieden werden. Plazenta und Nabelschnurmorphologie sowie –insertion sollten ebenfalls überprüft werden.
Bei Verdacht auf frühe IUGR sollte zusätzlich noch eine infektiologische Abklärung oder eine Feindiagnostik mit Karyotypisierung zum Ausschluss chromosomaler oder struktureller Anomalien in Erwägung gezogen werden. Im Rahmen der Schwangerenvorsorge empfiehlt sich eine Kardiotokographie (CTG), wenn möglich mit Beurteilung der Mikrofluktuation.

Überwachung bei IUGR

Nach der Diagnosestellung einer IUGR soll durch regelmässige klinische und sonographische Verlaufskontrollen der fetale und maternale Zustand motorisiert werden. Bei Hinweiszeichen für eine Präeklampsie erfolgen zusätzlich klinische und laborchemische Kontrollen. Sonographische Verlaufskontrollen des fetalen Wachstums, der Fruchtwassermenge und der Dopplerparameter erlauben eine ganzheitliche Überwachung der feto- und uteroplazentaren Funktion. Die fetale Gewichtsbestimmung erfolgt in der Regel alle 2 Wochen. Bei Auffälligkeiten in den Dopplerparametern sollte eine Verlaufssonographie je nach Schweregrad der IUGR in kürzeren Intervallen stattfinden.
Die Dopplersonographie der Arteria umbilicalis (UA) trägt zur Reduktion der perinatalen Mortalität bei. Pathologische Zeichen sind ein erhöhter Resistence-Index (RI>95.P) oder Pulsatilitäts- Index (PI>95.P), ein diastolischer Nullfluss (AED-flow) oder ein reverser diastolischer Blutfluss (RED-flow) in der A. umbilicalis (Abb. 2). Diese Zeichen sind eher mit einer schlechteren Prognose assoziiert (4).
Bei auffälligen Befunden der Arteria umbilicalis sollten ebenfalls die Dopplerparameter der Arteria cerebri media (MCA) und der Arteria uterinae gegebenenfalls des Ductus venosus (DV) kontrolliert werden. Die Dopplersonographie der Arteria cerebri media ermöglicht die Überwachung vom hämodynamischen Status des Feten. Ein pathologischer Befund der MCA ist ein erniedrigter Resistence-Index (RI<5.P) oder Pulsatilitäts-Index (PI<5.P) aufgrund einer zerebralen Vasodilatation des Feten auch bezeichnet als brain-sparing effect (Abb. 3) (5).
Als weiterer wichtiger Parameter zur fetalen Überwachung bei IUGR gilt die cerebroplacentare Ratio (CPR), der Quotient aus dem PI der A. cerebri media und dem PI der A. umbilicalis. Pathologische CPR- Werte unter der 5. Perzentile gelten als aussagekräftiger Indikator einer fetalen Hypoxie (6).
Eine fehlende a-Welle im Ductus venosus (DV) oder ein reverse flow der a-Welle sind Zeichen für eine drohende oder auch bereits bestehende Azidämie (Abb. 4). Die Dopplersonographie der Arteria uterinae (AU) kann Hinweise auf eine potentiell gestörte Plazentation und Trophoblastinvasion bereits ab dem 1. Trimester geben. Zeichen der gestörten Blutströmung ist das Ausbleiben der Widerstandsabsenkung der uterinen Durchblutung, was sich oft mit einem doppelseitigen Inzisur (Notch) manifestiert (Abb. 5). Durch Bestimmung vom mittleren uterinen Widerstand im 3. Trimenon ist die Differenzierung zwischen konstitutionell kleinen und wachstumsretardierten Feten möglich. (7)

Management

Das Management und das Festlegen des Entbindungszeitpunkts sollen individuell je nach Schweregrad der IUGR entschieden werden (Abb. 6). Im Falle einer geplanten Entbindung vor der abgeschlossenen 34. Schwangerschaftswoche sollte die Gabe von Kortikosteroiden antenatal im Sinne einer Lungenreifung erfolgen (9). Eine Entbindung im Perinatalzentrum für die bestmögliche Betreuung des Neugeborenen ist empfohlen. Der Entbindungsmodus soll individuell unter Berücksichtigung vom gesamten klinischen Bild je nach Schwangerschaftswoche und fetalen Reserven bestimmt werden.

Prävention

Falls es anamnestisch ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer gestörten uteroplazentaren Perfusion bzw. einer intrauterinen Wachstumsretardierung gibt, soll die prophylaktische Gabe von niedrig-dosiertem Acetylsalizylsäure (ASS) 100-150 mg vor der 16. Schwangerschaftswoche empfohlen werden (10). Eine Abstinenz von Nikotin scheint ebenfalls das Risiko für eine IUGR zu reduzieren.

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Dr. med. Stylianos Kalimeris

Universitätsspital Zürich
Rämistr.100
8091 Zürich

Dr. med. Carolin Blume

Chefärztin Geburtshilfe Kantonsspital Graubünden
Frauenklinik Fontana
Departement Gynäkologie und Geburtshilfe
Lürlibadstrasse 118
7000 Chur

carolin.blume@ksgr.ch

Die Autoren haben keine Interessenkonflikte in Zusammenhang mit diesem Artikel

◆ Die intrauterine Wachstumsrestriktion (IUGR) ist eine häufige Schwangerschaftskomplikation, die mit einer Vielzahl von perinatalen Komplikationen assoziiert ist.
◆ Durch sonographische Verlaufskontrollen des fetalen Wachstums sowie der verschiedenen Dopplerparameter erfolgt die Differenzierung eines wachstumsretardierten von einem konstitutionell kleinen Kind.
◆ Im Fall einer IUGR können durch regelmässige sonographische Kon­trollen potenzielle Komplikationen vermieden werden.
◆ Je nach Schwergrad der intrauterinen Wachstumsrestriktion kann der Intervall der Verlaufskontrollen sowie der definitive Entbindungszeitpunkt und der Geburtsmodus individuell definiert werden.

1. Uhl B. Intauterine Wachstumsretardierung. Gynäkologie und Geburtshilfe compact 2013 (5): 229
2. Kehl S et al. Intrauterine Growth Restriction. Deutsche Gesellschaft Gynäkologie und Geburtshilfe (S2k-Level, AWMF Registry No. 015/080, October 2016) Version 1: 26-27
3. Kehl S et al. Intrauterine Growth Restriction. Deutsche Gesellschaft Gynäkologie und Geburtshilfe (S2k-Level, AWMF Registry No. 015/080, October 2016) Version 1: 29
4. Aliferevic Z. et al. Fetal and umbilical Doppler ultrasound in high-risk pregnancies. The cohrane database of systematic reviews 2013; 11: CD007529
5. Suzanne L. Miller et al. The consequences of fetal growth restriction on brain structure and neurodevelopmental outcome. The Journal of Physiologie 594.4 (2016) pp 807–823

Fahreignung trotz Tumor im Gehirn

Es gibt in der Schweiz, wie auch in den meisten europäischen Ländern, keine spezifischen Leitlinien zur Frage der Fahreignung bei Patienten mit einem Tumor im Gehirn. Für einzelne Symptome, wie z.B. Epilepsie, gibt es von den entsprechenden Fachgesellschaften verbindliche Empfehlungen zur Fahreignung. Im Folgenden wollen wir bestehende Richtlinien für neuro-onkologisch tätige Kliniker zusammenfassen und eine strukturierte Fahreignungsabklärung für Patienten mit einem Tumor im Gehirn vorschlagen.

En Suisse, comme dans la plupart des pays européens, il n’existe pas de directives spécifiques sur la question de l’aptitude à conduire chez les patients atteints d’une tumeur au cerveau. Pour les symptômes individuels, tels que l’épilepsie, il existe des recommandations contraignantes sur l’aptitude à la conduite de la part des sociétés professionnelles concernées. Dans ce qui suit, nous voulons résumer les lignes directrices existantes pour les cliniciens travaillant en neuro-oncologie et proposer une évaluation structurée de l’aptitude à conduire pour les patients atteints d’une tumeur au cerveau.

Der Wunsch nach Fahrtätigkeit nach der Diagnose und Behandlung eines Tumors im Gehirn (primärer Hirntumor oder Metastasen) wird von Patienten häufig geäussert. Die involvierten Ärzte suchen Kriterien, woran sie sich orientieren können, um eine Balance zwischen einem möglichst sicheren Strassenverkehr und dem Bedürfnis ihrer Patienten zu finden.
Im Prinzip gibt es vier Grundpfeiler, auf denen die Einschätzung und Entscheidung für eine temporäre Fahreignung attestiert werden kann und Regeln, wann eine solche wieder aufgehoben wird. Der behandelnde Arzt hat dabei laut Strassenverkehrsgesetz (SVG, Art. 15d) ein Melderecht an die zuständige Behörde, falls der Patient den Empfehlungen nicht nachkommen sollte oder wenn Zweifel an der Fahreignung bestehen. Es besteht eine ärztliche Aufklärungs- und Dokumentationspflicht, vorteilhaft mit einer Unterschrift des Patienten. Der Fahrzeugführer selber steht laut SVG Art. 31 in der Pflicht, das Fahrzeug sicher zu beherrschen im Sinne der Selbstverantwortung. Im Folgenden beschränken wir uns auf das Fahren von Motorwagen der Kategorie B und B1 und Motorräder der Kategorie A und A1, von landwirtschaftlichen Fahrzeugen (Kat. G) und Fahrzeugen bis 45km/h (Kat. F) sowie Mofa und E-Bikes (Kat. M), d.h. auf die Kategorien der 1. medizinische Gruppe, und auf Personen mit einem gültigen Fahrausweis.
Bevor eine ausführliche Untersuchung zur Wiedererlangung der Fahreignung initiiert wird, ist eine Lebenserwartung des Patienten von mindestens einem halben Jahr vom behandelnden Arzt einzuschätzen.

1. Neurologie: Anamnese, fachärztlicher Untersuch und EEG

Hinsichtlich Fahreignung und Epilepsie gibt es in der Schweiz ausführliche Richtlinien (1). Bei einem hohen Risiko für das Auftreten epileptischer Anfälle (> 40% im nächsten Jahr) ist die Fahreignung in der Regel aufgehoben, auch wenn bislang Anfallsfreiheit besteht. Nach Auftreten eines epileptischen Anfalls kann eine Erst- oder Wiederzulassung als Motorfahrzeuglenker in der Regel erfolgen, wenn eine Anfallsfreiheit (mit oder ohne Antiepileptika) von einem Jahr besteht. Abb. 1 illustriert die zu erwartende Anfallshäufigkeit nach Tumorart mit der geforderten 40% Grenze (2-5).
Ob bei fehlenden anamnestischen Hinweisen auf ein epileptisches Geschehen ein EEG vor Wiedererlangen der Fahreignung bei Patienten mit einem Tumor im Gehirn gefordert werden soll, wird von Schweizer Neurologen kontrovers beurteilt. Aus rechtlichen Aspekten könnte ein normales EEG aber von Vorteil sein.
Ärztlich und selbstverordnete Medikamente, die Compliance bei der Einnahme von Antiepileptika (bei Unklarheit ist ein Medikamentenspiegel anzuordnen) und alle eigen- oder fremdanamnestisch aufgefallenen Symptome müssen genau erfragt werden.
Die fachärztlich-neurologische Untersuchung prüft Ausfälle, auch diskreter Art, wie zum Beispiel sensorische oder motorische Schwächen, welche die Bremsfähigkeit beeinträchtigen könnten, sucht Hinweise für einen Neglekt und prüft Visus und Gesichtsfeld. Liegt der Tumor oder die Metastase im Bereich der Sehbahn/Sehrinde oder bei unklaren Befunden ist eine ophthalmologische Untersuchung inklusive apparativer Gesichtsfelduntersuchung notwendig (3).

2. Repetitive Bildgebung

Die bildgebende Nachsorge mittels MRI erfolgt in regelmässigen und der Tumorart angepassten zeitlichen Abständen. Der Befund wird nach RANO-Kriterien beurteilt, welche auch den Steroidbedarf und die neurologische Beurteilung beinhalten (6). Ist der Befund in einer Domäne nicht stabil oder zweifelhaft, wird kurzfristig (z.B. in zwei Monaten) das Bild wiederholt und die Freigabe einer Fahreignung aufgeschoben. Die Fahreignung ist jeweils nur temporär, d.h. von einer Bildgebung zur nächsten und zusammen mit einer neurologischen Anamnese und Untersuch zu gewähren.

3. Ophthalmologische Erfordernisse

Die Erfordernisse für Gesichtsfeld und Visus sind für die Fahreignung in der Schweiz klar im Anhang 1 der Verkehrszulassungsverordnung (VZV) geregelt (sog. Mindestanforderungen).

Der Fernvisus muss mindestens 0.5 beim besseren Auge und 0.2 beim schlechteren Auge betragen, bei Einäugigkeit minimal 0.6. Das Gesichtsfeld muss mindestens 120° betragen und zwar mit einer Ausdehnung nach links und nach rechts von jeweils mindestens 50°, nach unten und oben von jeweils mindestens 20°. Homonyme Hemi- oder Quadrantenanopsie sind ebenso wenig mit Fahreignung kompatibel, wie Doppelbilder. Das zentrale Gesichtsfeld (20°) muss normal sein, d.h. es dürfen keine deckungsgleichen Defekte mit einer relativen Defekttiefe von mehr als 10 dB vorliegen. Bei einäugigem Sehen muss das Gesichtsfeld bei normaler Augenbeweglichkeit normal sein (Abb. 2).

4. Neuropsychologisches Assessment

Neuropsychologische Test-Batterien können sehr subtile Defizite aufdecken, die aber für Aufmerksamkeit und Reaktionszeit am Steuer bedeutend sind. Solche Defizite können der fachärztlichen neurologischen Untersuchung entgehen (7). Das neuropsychologische Assessment konzentriert sich auf Tests, welche für die Fahreignung relevant sind und neben der geteilten Aufmerksamkeit, der höheren visuellen Wahrnehmung (Visuokonstruktion), das Gedächtnis, und die Exekutivfunktionen berücksichtigen.
Wir empfehlen ein einmaliges Assessment vor der Wiederaufnahme der Fahrtätigkeit und danach erneut bei Auffälligkeiten oder einmal jährlich bei infiltrativ wachsenden Tumoren wie z.B. den Gliomen. Da dies die zeitlich und organisatorisch aufwendigste Untersuchung zur Fahreignung darstellt, wird sie als letzte eingeplant, nämlich wenn keine Kontraindikationen für die Fahreignung in den Untersuchungen unter 1.-3. aufgefallen sind.

 

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Lesen Sie auch den Artikel von Frau Dr. med. Kristina Keller «Fahreignung von Tumorpatienten – was ist zu beachten?» in «info@onkologie»
Ausgabe 01-2019

Dr. med. Silvia Hofer

Universitätsspital Zürich
Institut für Pathologie und Molekularpathologie
Schmelzbergstrasse 12
8091 Zürich

silvia.hofer@usz.ch

Dr. med. Kristina Keller

Universität Zürich
Institut für Rechtsmedizin
Abteilung Verkehrsmedizin
Kurvenstrasse 31
8006 Zürich

Kristina.Keller@irm.uzh.ch

Die Autorinnen haben im Zusammenhang mit diesem Artikel keine Interessenskonflikte deklariert.

◆ Um die Fahreignung für Patienten mit einem Tumor im Gehirn zu ermöglichen, braucht es minimale Erfordernisse, die der Sicherheit auf
der Strasse geschuldet sind.
◆ Um solche Untersuchungen im zeitlichen Ablauf zu strukturieren und in der Schweiz zu harmonisieren ohne Mehrkosten zu verursachen,
läuft zur Zeit eine Pilotstudie für Glioblastom-Patienten, welche am Universitätsspital Zürich und am Luzerner Kantonsspital offen ist (GLIODRIVE, BASEC ProjectID 2020-00365, Kontakt: silvia.hofer@usz.ch, Abb. 3).
◆ Bei Akzeptanz von Seiten der behandelnden Ärzte und der Patienten können die Abläufe auf alle hirneigenen Tumoren und auf Hirnmetastasen ausgeweitet und angepasst werden.

Messages à retenir

◆ Pour que les patients atteints d’une tumeur cérébrale soient aptes à conduire, il faut des exigences minimales qui sont dues à la sécurité
sur la route.
◆ Afin de structurer ces examens en termes de calendrier et de les harmoniser en Suisse sans engendrer de coûts supplémentaires, une
étude pilote est actuellement en cours pour les patients atteints de glioblastome, qui est ouverte à l’Hôpital universitaire de Zurich et à l’Hôpital cantonal de Lucerne (GLIODRIVE, BASEC ProjectID 2020-00365, contact : silvia.hofer@usz.ch, Fig. 3).
◆ Si elles sont acceptées par les médecins traitants et les patients, les procédures peuvent être étendues et adaptées à toutes les tumeurs
cérébrales et aux métastases cérébrales.

1. Arnold P et al. Fahreignung mit Epilepsie, Swiss Medical Forum 2019;19(45-46):737-740. doi.org/10.4414/smf.2019.08402
2. Liigant A et al. Seizure disorders in patients with brain tumors. Eur Neurol 2001; 45:46-51. doi.org/10.1159/000052089
3. Skardelly M et al. Predictors of preoperative and early postoperative seizures in patients with intra-axial primary and metastatic brain tumors: A retrospective observational single center study. Ann Neurol. 2015;78(6):917–928. doi:10.1002/ana.24522.
4. van Breemen MSM et al. Epilepsy in patients with brain tumours: epidemiology, mechanisms, and management. Lancet Neurol 2007; 6:421–430. doi.org/10.1016/S1474-4422(07)70103-5
5. Wolpert F et al. Risk factors of the development of epilepsy in patients with brain metastases. Neuro-Oncology 2020; 22(5), 718-728. DOI: 10.1093/noz172
6. Wen Pet al. Response assessment in neuro- oncology clinical trials. J Clin Oncol 2017; 35:2439-2449. DOI:10.1200/JCO.2017.72.7511
7. Valencia-Sanchez C et al. Clinical evaluation of fitness to drive in patients with brain metastases. Neuro-Oncology Practice 2019; 6(6): 484–489. doi:10.1093/nop/

Deutlich geringere Mastektomieraten bei Patientinnen

Brustkrebs (BC) ist der häufigste Krebs bei Frauen in der Schweiz, so wie in den meisten europäischen Ländern (1), und seine Inzidenz gehört zu den höchsten weltweit. Die Daten unseres Krebsregisters zeigen, dass die 5-Jahres-Überlebens­rate von Patientinnen mit Brustkrebs bei etwa 85% liegt, was einer deutlichen Verbesserung entspricht im Vergleich zu den Raten vor einigen Jahrzehnten. Die 5-Jahres-Überlebensrate ist auch deutlich besser als in manchen asiatischen Ländern, wo sie bei etwa 40% liegt. Es ist nicht ganz klar, inwieweit dieses − international gesehen − ausgezeichnete Behandlungsergebnis der Früherkennung, der verbesserten operativen und strahlentherapeutischen Möglichkeiten, der wirkungsvolleren medikamen­tösen Therapien oder der zunehmenden Behandlung in zertifizierten Brustzentren zuzuschreiben ist.

Le cancer du sein (BC) est le cancer le plus fréquent chez les femmes en Suisse, comme dans la plupart des pays européens (1), et son incidence est parmi les plus élevées au monde. Les données de notre registre du cancer montrent que le taux de survie à 5 ans des patients atteints d’un cancer du sein est d’environ 85 %, ce qui représente une amélioration significative par rapport aux taux d’il y a plusieurs décennies. Le taux de survie à 5 ans est également nettement meilleur que dans certains pays asiatiques, où il se situe autour de 40 %. Il n’est pas tout à fait clair dans quelle mesure cet excellent résultat de traitement −en termes internationaux − peut être attribué à un dépistage précoce, à l’amélioration des options chirurgicales et de radiothérapie, à des pharmacothérapies plus efficaces ou à l’augmentation des traitements dans des centres mammaires certifiés.

In früheren randomisierten Studien konnte gezeigt werden, dass durch regelmässige Teilnahme am Screening die Mortalität im Vergleich zu einer nicht gescreenten Gruppe um ca. 20% gesenkt werden konnte (2). Über andere Auswirkungen, insbesondere auf die Lebensqualität, wird weniger berichtet. Eine Niederländische Simulationsstudie (3) kommt allerdings zu dem Schluss, dass Screening nicht nur Leben verlängert, sondern teilnehmende Frauen zusätzlich noch eine bessere Lebensqualität haben. Inwieweit solche Effekte bei uns gefunden werden können, ist Gegenstand dieser Studie. Insbesondere interessiert es uns, ob durch ein organisiertes Screening der Anteil Mastektomien gesenkt werden konnte.

Systematische Screeningprogramme in der Schweiz

Das erste Brustkrebsfrüherkennungsprogramm in der Schweiz startete 1993 mit einem Pilot im Kanton Waadt. Danach folgten weitere Westschweizer Kantone (Genf, Waadt, Neuenburg, Freiburg, Wallis, Jura und Berner Jura) und ab 2010 das erste Deutschweizerprogramm in St.Gallen, sowie in der Folge Graubünden, Thurgau, Basel-Stadt, Bern und Tessin. Die einzelnen Programme sind unterschiedlich aufgebaut, beruhen jedoch alle auf Mammographien für Frauen ab 50 Jahren in zweijährlichen Abständen.
Basierend auf einem entsprechenden kantonalen Gesetz wurde die Krebsliga Ostschweiz im Jahre 2008 durch einen Leistungsauftrag vom Kanton St. Gallen damit beauftragt, ein systematisches, qualitätskontrolliertes Brustkrebsfrüherkennungsprogramm aufzustellen und durchzuführen. Dies wurde von der Krebsliga Ostschweiz 2010 unter dem Namen donna gestartet und das gleich aufgebaute Programm wurde in den folgenden Jahren durch Leistungsaufträge der betroffenen Kantone ausgeweitet auf die Kantone Graubünden (2011), Bern (2019) und Solothurn (2020). Das Programm donna ist somit das grösste Mammographiescreening Programm der Schweiz.
Die Screeningzentrale in St.Gallen versendet auf der Grundlage von Daten des Einwohnerregisters des Kantons St.Gallen allen Frauen zwischen dem 50. und 69. Altersjahr in zweijährigen Abständen eine Einladung für eine Mammographie. Radiologen und deren Institutionen konnten sich für eine Teilnahme bewerben und wurden nach Erfüllen von Qualitätskriterien und nach einer erfolgreich durchgeführten Schulung in das Programm aufgenommen. Alle Mammographien werden jeweilen unabhängig von zwei Radiologen befundet und die Befunde standardisiert in ein Computerprogramm übertragen. Bei diskrepanter Beurteilung erfolgt eine Drittlesung durch den ärztlichen Programmleiter und Besprechung unter den Radiologen in den wöchentlichen Konsensuskonferenzen. Das Programm erstellt einen jährlichen Qualitätsbericht, der von einem Fachexpertengremium kritisch beurteilt und auch im Rahmen des nationalen Monitoring durch Swiss Cancer Screening veröffentlicht wird.
Falls aufgrund des Mammographiebefundes eine weitere Abklärung nötig wird, empfiehlt die Programmzentrale der Frau eine Abklärung möglichst innerhalb der akkreditierten Mammographieerstellungs- und Abklärungsinstitution in Wohnortnähe, aber auf Wunsch auch anderswo.

Für die Teilnehmerinnen ist die Erstellung der Screening- Mammographie kassenpflichtig und im Rahmen der kantonalen Screeningprogramme auch von der Franchise befreit und die teilnehmende Frau zahlt somit nur den Selbstbehalt von 10%.
Falls beim Screening etwas Auffälliges entdeckt wird, erfolgen weitere Abklärungen mittels Ultraschall und/oder zusätzlichen gezielten radiologischen Aufnahmen, einer Biopsie, Besprechung im Tumorboard und je nach Befund auch eine Operation. Dieses Vorgehen erfolgt in einer eingespielten, koordinierten und interdisziplinären Behandlungskette nach strikten qualitativen und zeitlichen Vorgaben nach Möglichkeit in einem zertifizierten Brustzentrum.
Die Teilnahmerate bei diesem Programm ist über die Jahre angestiegen und liegt aktuell kantonsweit bei knapp 50%. Viele Frauen in der Zielgruppe lassen sich ausserhalb dieses Screening-Programms untersuchen. Frauen mit hohem Krebsrisiko, wie genetische Prädisposition bei pathogenen Mutationen in den BRCA 1/2 Genen, PABL2 und weiteren Konstellationen werden risikoadaptiert intensiver untersucht, so unter Einsatz von MRI, und sind vom populationsbasierten Screening ausgeschlossen. Nicht im Screening sind auch Frauen nach erfolgter Brustkrebsdiagnose. Zahlenmässig sind für die Nicht-teilnehmenden allerdings in der Schweiz keine verlässlichen Angaben erhältlich, auch nicht, wie viele Frauen gar keine regelmässige Brustkrebsvorsorge durchführen.

Kleinere Tumore im donna Brustkrebsprogramm im Kanton St.Gallen

Das donna-Programm hat sein Ziel der Früherkennung erreicht: Es wurden kleinere Tumoren gefunden, als in der gleichen Altersgruppe (50 – 69 Jahre) ohne ein Screening. 61% der Screening-Teilnehmerinnen haben das vorteilhafteste Stadium I, bei Nicht-Teilnehmerinnen sind es lediglich 32%. Drei Viertel der im Programm gescreenten Tumoren sind höchstens 2 cm gross (T1). Ausserhalb des Screening-Programms misst die Hälfte der Tumoren mehr als 2 cm. Kleinere Tumoren können oft schonender behandelt werden. Bei 70% der Screening-Teilnehmerinnen ist der Tumor auf die Brust beschränkt (kein Lymphknotenbefall), bei Nicht-Teilnehmerinnen nur bei 58%. Dies ist neben der kleineren Tumorgrösse ein weiterer Vorteil für die Betroffenen, was die Prognose der Brustkrebserkrankung betrifft. Karzinome im fortgeschrittensten Stadium IV kommen im Screeningprogramm nur sehr selten vor, 1% vs. 12% ausserhalb des Programms.

Halb so viele Mastektomien mit dem donna-Programm

10% der Patientinnen, deren Krebserkrankung im donna-Programm entdeckt wurde, werden mit einer Mastektomie behandelt. Bei den Patientinnen, welche nicht am Programm teilgenommen haben, sind dies dagegen 24%. Der Effekt der niedrigeren Stadien im Screening ist dabei aber nur einer von mehreren Faktoren. Denn, überaus bemerkenswert: Selbst wenn man einzig Patientinnen mit gleichem Schweregrad der Erkrankung (Stadium, Grösse, Lymphknotenbefall) miteinander vergleicht zeigt sich, dass Patientinnen im donna-Programm viel eher brusterhaltend therapiert werden. Die Grösse eines Tumors ist ein wichtiges Entscheidungskriterium für eine Mast-
ektomie – aber auch andere Faktoren, wie die Wünsche der Patientinnen und Einstellungen von Ärzten spielen gewichtige Rollen. Bei Tumoren kleiner als 2 cm war nur bei 6,5% der Frauen aus dem donna-Programm eine Brustamputation (Mastektomie) nötig. Bei Patientinnen ausserhalb des Programms waren es mit 13% doppelt so viele Brustamputationen. Bei Tumoren mittlerer Grösse (2-5cm) waren es 18% bei donna und 28% ausserhalb, und bei den grössten Tumoren 60% vs. 74%.
Dabei spielte das Alter der Frauen keine Rolle, wie wir mit weiteren statistischen Tests festgestellt haben. Das mittlere Alter ist bei beiden Gruppen 60 Jahre.

Diskussion

Die vorliegende Auswertung ergab, dass ein organisiertes Brustkrebsscreening mittels zweijährlichen Mammographien ab dem Alter 50 bis 69 Jahren in erwarteter Weise dazu führt, dass Tumore in einem früheren und somit auch besser kurablen Stadium diagnostiziert werden.
Die Mortalität von Brustkrebs hat in den letzten Jahrzehnten in der Schweiz, aber auch im übrigen Europa und den USA stark abgenommen. In diesen Jahren sind sowohl Verbesserungen im Screening, so die Einführung der digitalen Mammographie, wie auch sehr bedeutende Änderungen in der Behandlung, vor allem auch der adjuvanten medikamentösen Therapie erfolgt. Beobachtende Untersuchungen legen nahe, dass diese hauptsächlich für die verminderte Mortalität verantwortlich ist. (4). Eine regelmässige Teilnahme am Screening reduziert die Sterblichkeit aber nach wie vor um ca. 20%, wie vor kurzem bestätigt wurde (5).
Das Screening darf jedoch keinesfalls, wie leider immer noch häufig gemacht, nur in Bezug auf einen möglichen Überlebensvorteil beurteilt werden. So ist bekannt, dass die Einführung von Screening in Zusammenhang mit Schulung und Qualitätskontrollen ganz allgemein die Qualität der Brustkrebsbehandlung erhöht. So führte die Qualitätskontrolle bei der Erstellung und Beurteilung von Screening-Mammographien gemäss Erfahrungen von betreuenden Ärzten auch bei uns dazu, dass Mammographien sogar ausserhalb der Screeningpopulation eine höhere Qualität als früher aufweisen.
Heutzutage bewertet man Screeningprogramme in Bezug auf Qualitäts-adjustierte Lebensjahre (QALY). Diese haben zudem den Vorteil, dass sie sämtliche positiven und negativen Effekte des Screening berücksichtigen können. Dadurch liess sich feststellen, dass das Screening nicht nur Leben verlängert, sondern auch insgesamt für eine höhere Lebensqualität sorgt (3).
Der Entscheid zwischen brusterhaltender Operation und Mastektomie erfolgt auf der Basis verschiedener Faktoren, wobei neben der Tumorgrösse auch die Grösse der Brust, Erfahrungen, Ausbildung und Einstellungen der beteiligten Ärzte eine Rolle spielen, wie auch der Wunsch der betroffenen Patientinnen. Eine weniger eingreifende brusterhaltende Operation bedeutet einen kleineren, weniger belastenden Eingriff für die Patientin, welcher das Körperbild weniger beeinträchtigt als eine Mastektomie, und trägt damit zu einer besseren Lebensqualität bei gleich guten Behandlungsresultaten bei. Dass dieser positive Effekt auch in unserem Kanton nachgewiesen werden konnte, ist ein wichtiges Resultat unseres Früherkennungsprogramms und ein gutes Argument, dieses Programm weiterzuführen, bzw. auch in anderen Kantonen, wo es noch nicht läuft, einzuführen. Zudem sind die Gesamtkosten für organisiertes Screening nur etwa halb so hoch gegenüber freiwilligem, sogenannten opportunistischen Screening (6).
Mit unserer Untersuchung konnten wir zeigen, dass der deutliche Unterschied in den Mastektomieraten bei Screeningteilnehmerinnen zu Nichtteilnehmerinnen nicht nur durch niedrigere Stadien erklärt wird. Vielmehr konnten wir beobachten, dass bei im Screening entdeckten Karzinomen ganz unabhängig von Stadium oder Tumorgrösse stets deutlich weniger häufig eine Mastektomie durchgeführt wird. Mögliche Faktoren können sein, dass sich die Frauen in der gescreenten Population von der nicht gescreenten in ihren Ansichten, Wünschen und Inanspruchnahme von medizinischen Dienstleistungen unterscheiden. Wir vermuten, ohne dies mit den vorliegenden Daten beweisen zu können, dass in der Screeningpopulation bei einem diagnostizierten Karzinom die weiteren Abklärungs- und Behandlungsschritte inklusive Vorstellung an einem prä- und postoperativen Tumorboard in eingespielten Teams zertifizierter Brustzentren auch wesentlich zu diesem Unterschied jenseits der Auswirkungen der Tumorgrösse beigetragen hat.
Ergebnisse einer vorherigen Studie (7) zeigen, dass Patientinnen mit Brustkrebs in Regionen der Schweiz mit einem bevölkerungsbasierten Screening-Programm generell eher brusterhaltend operiert werden, verglichen mit Regionen ohne ein Programm. Es ist also möglich, dass ein zusätzlicher, stadienunabhängiger Unterschied auch in diesen Kantonen besteht.
Um den weiteren Nutzen der Screening Programme zu dokumentieren auch unter geänderten Screening Methoden, verbesserter Behandlung und generell sinkender Mortalität bleibt eine wiederholte Überwachung und Reevaluation der laufenden Programme notwendig. Zurzeit ist jedoch die Screening Mammographie weiterhin die am besten dokumentierte und anerkannte Screeening Methode.

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Dr. phil.Christian Herrmann

Krebsregister Ostschweiz, Flurhofstrasse 7, 9000 St. Gallen

Christian.Herrmann@krebsregister-ost.ch

Dr. med.Rudolf Morant

Krebsliga Ostschweiz
Flurhofstrasse 7
9000 St. Gallen

Dr. med.Esther Walser

Krebsregister Ostschweiz, Flurhofstrasse 7, 9000 St. Gallen

Dr. med.Mohsen Mousavi

Krebsregister Ostschweiz, Flurhofstrasse 7, 9000 St. Gallen

Prof. Dr. med. Beat Thürlimann

SwissBreastCare
Bethanienspital
Toblerstrasse 51
8044 Zürich

Alle Autoren bestätigen, dass ihre Institutionen oder Dritte keinen Einfluss auf die Analysen und das Manuskript hatten.
CH, EW, MM arbeiten für das Krebsregister Ostschweiz, das von der Krebsliga Ostschweiz betrieben wird und die auch das donna-Programm
durchführt. RM ist Präsident der Krebsliga Ostschweiz. BT und RM waren an Institutionen beschäftigt, die Screeningaufnahmen getätigt haben.

◆ Das 5-Jahres-Überleben mit Brustkrebs verbessert sich aus mehreren Gründen kontinuierlich und liegt bei uns aktuell bei 85%.
◆ Die Mammographiescreeningprojekte führen allgemein zu einer besseren Versorgung auch bei Frauen, die nicht am Screening teilnehmen.
◆ Die Mastektomierate bei im Screening diagnostizierten Karzinomen ist halb so hoch wie bei nicht im Screening diagnostizierten Tumoren.
◆ Dieser Beitrag zu einer besseren Lebensqualität ist nur teilweise durch die früheren Stadien bei screening diagnostizierten Tumoren erklärt.

Messages à retenir

◆ Le taux de survie à 5 ans pour le cancer du sein s’améliore continuellement pour plusieurs raisons et chez nous s’élève actuellement à 85%.
◆ Les projets de dépistage par mammographie permettent généralement d’améliorer les soins, même pour les femmes qui ne participent pas au dépistage.
◆ Le taux de mastectomie pour les carcinomes diagnostiqués lors du dépistage est deux fois moins élevé que pour les tumeurs non diagnostiquées lors du dépistage.
◆ Cette contribution à une meilleure qualité de vie ne s’explique que partiellement par les stades précoces des tumeurs diagnostiquées lors du dépistage.

Literatur:
1. Bray, F., et al., Cancer Incidence in Five Continents, Vol. XI in IARC Scientific Publications, IARC, Editor. 2017, IARC. : Lyon.
2. Marmot, M.G., et al., The benefits and harms of breast cancer screening: an independent review. Br J Cancer, 2013. 108(11): p. 2205-40.
3. Sankatsing, V.D., et al., Cost-effectiveness of digital mammography screening before the age of 50 in The Netherlands. Int J Cancer, 2015. 137(8): p. 1990-9.
4. Autier, P., et al., Breast cancer mortality in neighbouring European countries with different levels of screening but similar access to treatment: trend analysis of WHO mortality database. BMJ, 2011. 343: p. d4411.
5. Beau, A.-B., et al., Limitations in the Effect of Screening on Breast Cancer Mortality. Journal of clinical oncology : official journal of the American Society of Clinical Oncology, 2018. 36(30): p. 2988-2994.
6. de Gelder, R., et al., Cost-effectiveness of opportunistic versus organised mammography screening in Switzerland. European Journal of Cancer. 45(1): p. 127-138.
7. Herrmann, C., et al., Regional differences and trends in breast cancer surgical procedures and their relation to socioeconomic disparities and screening patterns. Journal of Public Health, 2019.

Stellenwert der Radiologie bei Osteoporose

Der Formenkreis der rheumatischen Erkrankungen gehört weltweit zu den häufigsten chronischen Krankheiten und die Osteoporose stellt mit steigender Prävalenz in unserer Gesellschaft ein erhebliches gesundheitliches Risiko dar. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, dem Kliniker einen Überblick über die aktuelle Bildgebung bei beiden Entitäten zu geben. Im ersten Teil, erschienen in «der informierte arzt» im Januar 2021, wurde die Radiologie bei inflammatorischen Arthritiden beim Erwachsenen abgehandelt. Dieser zweite Teil hat die Möglichkeiten der Bildgebung sowie Ausblicke auf minimalinvasive Interventionen des Radiologen zur Schmerzlinderung bei Osteoporose zum Inhalt.

Aufgrund der steigenden Lebenserwartung in unserer Gesellschaft werden Ärzte immer häufiger mit Osteoporose und den mit ihr einhergehenden Komplikationen konfrontiert. Ungefähr 50% aller Frauen und 20% aller Männer über 50 Jahren werden in ihrem Leben eine Insuffizienzfraktur erleiden (1). Frakturen der Hüfte, der Wirbelkörper und des Handgelenks gehören zu den häufigsten osteoporotischen Frakturen. Eine verminderte Knochendichte und -qualität erhöhen jedoch das Risiko für Frakturen des gesamten Skeletts. Diese können mit einer signifikanten Morbidität einhergehen. Umso wichtiger ist es, bei Risikopatienten die Diagnose der Osteoporose frühzeitig zu stellen und mit entsprechenden Medikamenten zu therapieren. Im Frakturstadium kann der Radiologe mit minimalinvasiven Interventionen wie Vertebro- oder Kyphoplastien zudem eine wirksame Therapie zur Schmerzbehandlung anbieten und so zu einer verbesserten Lebensqualität von Patienten mit Osteoporose beitragen.

Quantitative Messung von Knochendichte und -struktur

Die Standardtechnik zur Messung der Knochendichte ist die Dual-energy X-ray absorptiometry (DXA). T-scores werden verwendet, um Osteoporose, Osteopenie und normale Knochendichte entsprechend der Definition der World Health Organization (WHO) zu definieren (2). Der T-score ist die Standardabweichung verglichen mit einer jungen, normalen Referenzpopulation. Ein T-score > -1 bedeutet eine normale Knochendichte, während ein T-score >1 und < 2.5 eine Osteopenie und ein T-score ≥ 2.5 eine Osteoporose definiert. Die DXA wird zur Knochendichtemessung im Bereich des proximalen Femurs und der Lendenwirbelsäule (LWS) verwendet. Falls in diesen Regionen aufgrund höhergradiger degenerativer Veränderungen oder bilateraler Hüfttotalendoprothesen keine Messungen durchgeführt werden können, so kann alternativ der distale Radius verwendet werden.
Die WHO-Definition wurde ursprünglich nur für postmenopausale Frauen über 50 Jahren verwendet, sie kann jedoch gemäss aktuellen Guidelines auch für Männer über 50 Jahren angewendet werden (3).
Die International Society for Clinical Densitometry (ISCD) hat auch Guidelines für DXA von prämenopausalen Frauen, Männern unter 50 Jahren und Kindern veröffentlicht (4). Bei diesen Populationen werden Z-scores verwendet, um die individuellen Knochendichtemessungen mit gleichaltrigen Referenzpopulationen zu vergleichen. Ein Z-score < -2 wird definiert als Knochendichte unter der für das Alter erwarteten Spannbreite. Die Strahlendosis eines DXA-Scans ist tief (1-50 microSv) (5).
Alternativ zur DXA kann auch eine quantitative Computertomografie (QCT) zur Messung der Knochendichte verwendet werden (6). Hierbei werden die Trabekel des Knochens gemessen. Anstelle von T-scores werden bei dieser Methode absolute Werte bestimmt. Knochendichtewerte über 120 mg Hyodroxyapatite/ml sind normal, 120-80 mg/ml definieren eine Osteopenie und Werte unter 80 mg/ml entsprechen einer Osteoporose (7). Die Strahlendosis einer QCT ist höher als diejenige eines DXA-Scans (50-60 microSv für single-slice QCT bzw. 1500-3000 microSv bei volumetrischen Messungen) (5, 8). Es wird empfohlen, QCT anstatt DXA zu verwenden bei: 1) sehr kleinen oder sehr grossen Patienten; 2) älteren Patienten mit fortgeschrittenen degenerativen Veränderungen der LWS; 3) Patienten, welche mit Parathormon (PTH) oder Kortikosteroiden behandelt werden (9).
Neuere Techniken zur Messung der Knochenqualität bieten neben der Bestimmung der Knochendichte auch Möglichkeiten zur Errechnung der Knochensteifigkeit basierend auf hochaufgelösten 3D-Daten. Verfügbare Methoden sind die hochauflösende, periphere Computertomografie (HR-pQCT; Abb. 1), quantitativer Ultraschall (QUS), MR Spektroskopie des Knochenmarks oder Texturanalyse der DXA-Bilder.


Diagnose von osteoporotischen Frakturen

Osteoporotische Knochen gehen mit einem erhöhten Frakturrisiko einher. Die Diagnose von osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen kann mittels sämtlicher bildgebender Modalitäten gestellt werden. Wichtig bei der Durchsicht von Schnittbildern sind insbesondere die sagittalen Rekonstruktionen, da diese Frakturen ansonsten oftmals verpasst werden (10, 11).
Insuffizienzfrakturen des Sakrums sind etwas schwieriger zu diagnostizieren. Studien haben gezeigt, dass mittels konventioneller Röntgenbilder nur 20-38% dieser Frakturen korrekt identifiziert werden (12). Mittels CT können Insuffizienzfrakturen des Sakrums besser diagnostiziert werden. Aufgrund des oftmals signifikanten Knochenverlusts kann es jedoch schwierig sein, eine eindeutige Frakturlinie nachzuweisen. Die MRT ist hier deutlich sensitiver und kann Knochenmarksödem mittels flüssigkeitssensitiver, fettgesättigter Sequenzen (z.B. STIR) nachweisen. Frakturlinien können besser in T1-gewichteten Spin-echo Sequenzen gesehen werden. In chronischen Stadien findet sich oftmals mehr Sklerose, welche in T1-gewichteten und STIR-Sequenzen hypointens zur Darstellung kommt.
Neben Insuffizienzfrakturen des Sakrums können osteoporotische Frakturen am Beckenskelett auch an den Schambeinästen oder supraazetabulär auftreten, insbesondere bei Patienten mit Hüftgelenks­prothesen aufgrund veränderter biomechanischer Belastung. Eine weitere Prädilektionsstelle für osteoporotische Frakturen sind der Femurkondylus und -kopf. Solche Frakturen führen typischerweise zu Arthrose und machen nicht selten einen Kniegelenksersatz nötig.

Therapie von Insuffizienzfrakturen

Von Seiten der Radiologie stehen grundsätzlich zwei Möglichkeiten zur Therapie von Insuffizienzfrakturen an der Wirbelsäule zur Verfügung: Vertebroplastie und Kyphoplastie. Unter Vertebroplastie versteht man die perkutane Injektion von Knochenzement in einen frakturierten Wirbelkörper, normalerweise über einen unilateralen oder bilateralen transpedikulären Zugang (Abb. 2). Bei einer Ballon-Kyphoplastie wird der frakturierte Wirbelkörper meist über einen bilateralen transpedikulären oder extrapedikulären Zugang mittels eines expandierenden Ballons wieder aufgerichtet und anschliessend mit Knochenzement fixiert. Der Vorteil der Ballon-Kyphoplastie liegt darin, dass signifikant weniger Komplikationen (z.B. pulmonale Zementembolien oder neurologische Schädigungen) auftreten im Vergleich zur Vertebroplastie (13). Ausserdem kann die Kyphoplastie eine Wirbekörperdeformität, wie z.B. einen Keilwirbel, wieder aufrichten, was bei einer Vertebroplastie nicht möglich ist. Bezüglich Schmerzreduktion sind beide Methoden effektiv (14).
Eine etwas neuere Methode zur minimalinvasiven Behandlung von Insuffizienzfrakturen des Sakrums stellt die Sakroplastie dar. Analog zur Vertebroplastie wird hier meist unter CT-grafischer Fluoroskopie Knochenzement in die Frakturzone eingebracht.

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Dr. med. Jonas M. Getzmann

Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie
Universitätsspital Zürich
Rämistrasse 100
8091 Zürich

jonas.getzmann@usz.ch

PD Dr. med. univ. Roman Guggenberger

Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie
Universitätsspital Zürich
Rämistrasse 100
8091 Zürich

jonas.getzmann@usz.ch

Die Autoren haben im Zusammenhang mit diesem Artikel keine Interessenskonflikte deklariert.

◆ Die Standardtechnik zur Messung der Knochendichte ist die Dual-energy X-ray absorptiometry (DXA). T-scores werden verwendet, um Osteoporose, Osteopenie und normale Knochendichte zu definieren.
◆ Alternativ zur DXA kann auch eine quantitative Computertomografie (QCT) zur Messung der Knochendichte verwendet werden. Hierbei werden die Trabekel des Knochens gemessen. Anstatt von T-scores werden bei dieser Methode absolute Werte bestimmt.
◆ Osteoporotische Knochen haben ein erhöhtes Frakturrisiko. Frakturen des Beckens, der Wirbelkörper und des Handgelenks gehören zu den häufigsten osteoporotischen Frakturen. Vertebroplastien, Kyphoplastien und Sakroplastien sind wirksame Methoden zur Schmerztherapie, welche vom Radiologen angeboten werden können.

1. Bone health and osteoporosis: a report of the Surgeon-General. In: U.S. Department of Health and Human Services OotSG. Rockville, MD: Services DoHaH; 2004.
2. WHO. Technical Report: Assessment of Fracture Risk and Its Application to Screening for Postmenopausal Osteoporosis: A Report of a WHO Study Group. Geneva, Switzerland: World Health Organization; 1994.
3. Baim S, Binkley N, Bilezikian JP, et al. Official positions of the International Society for Clinical Densitometry and executive summary of the 2007 ISCD Position Development Conference. J Clin Densitom 2008;11(1):75-91.
4. Lewiecki EM, Gordon CM, Baim S, et al. Special report on the 2007 adult and pediatric Position Development Conferences of the International Society for Clinical Densitometry. Osteoporos Int 2008;19(10):1369-1378.
5. Damilakis J, Adams JE, Guglielmi G, Link TM. Radiation exposure in X-ray-based imaging techniques used in osteoporosis. Eur Radiol 2010;20(11):2707-2714.
6. Link TM, Lang TF. Axial QCT: clinical applications and new developments. J Clin Densitom 2014;17(4):438-448.
7. American College of Radiology, Society for Pediatric Radiology, Society of Skeletal Radiology. ACReSPReSSR practice guideline for the performance of quantitative computed tomography (QCT) bone. Densitometry 2013 (Resolution 32).
8. Engelke K, Adams JE, Armbrecht G, et al. Clinical use of quantitative computed tomography and peripheral quantitative computed tomography in the management of osteoporosis in adults: the 2007 ISCD Official Positions. J Clin Densitom 2008;11(1)123-162.
9. Link TM. Osteoporosis imaging: state of the art and advanced imaging. Radiology 2012;263(1):3-17.
10. Muller D, Bauer JS, Zeile M, Rummeny EJ, Link TM. Significance of sagittal reformations in routine thoracic and abdominal multislice CT studies for detecting osteoporotic fractures and other spine abnormalities. Eur Radiol 2008;18(8):1696-1702.
11. Williams AL, Al-Busaidi A, Sparrow PJ, Adams JE, Whitehouse RW. Under-reporting of osteoporotic vertebral fractures on computed tomography. Eur J Radiol 2009;69(1):179-183.
12. Lyders EM, Whitlow CT, Baker MD, Morris PP. Imaging and treatment of sacral insufficiency fractures. AJNR Am J Neuroradiol 2010;31(2):201-210.
13. Taylor RS, Taylor RJ, Fritzell P. Balloon kyphoplasty and vertebroplasty for vertebral compression fractures: a comparative systematic review of efficacy and safety. Spine 2006;31(23):2747-2755.
14. Xing D, Ma JX, Ma XL, et al. A meta-analysis of balloon kyphoplasty compared to percutaneous vertebroplasty for treating osteoporotic vertebral compression fractures. J Clin Neurosci 2013;20(6):795-803.

Magnesium: der Publikumsliebling

Magnesium ist eines der am häufigsten vorkommenden Elemente und scheint ein wahrer Alleskönner zu sein. In der Medizin wird es für eine ganze Bandbreite von Indikationen eingesetzt, die von Asthma und Arrhythmien über Eklampsien und Obstipation reichen. Da es in zahlreichen Lebensmitteln enthalten ist und auch dem Publikum in verschiedensten Formen zur Verfügung steht, findet es in der Selbsttherapie rege Anwendung. Dieser Artikel gibt eine Übersicht über Einsatzmöglichkeiten und deren Evidenz.

Magnesium ist eines der am häufigsten vorkommenden Elemente. Während es in Pflanzen das Zentralion des Blattgrüns Chlorophyll bildet, ist es in Wirbeltieren das wichtigste intrazelluläre Kation nebst Kalium. Der Körper eines 70 kg schweren Menschen enthält schätzungsweise 1 000-1 120 mmol bzw. 24 g, damit aber deutlich weniger als Calcium (ca. 1 000 g). Das meiste Magnesium findet sich im Knochen und dem Muskelgewebe, mehr als die Hälfte davon gebunden an ossäres Hydroxyapatit. (1) Mit im Alter fortschreitenden degenerativen Prozessen verringert sich die Menge, wobei sowohl Muskel als auch Knochen eine Pufferfunktion übernehmen können. Hier ist zu erwähnen, dass hierfür lediglich etwa 15% zur Verfügung stehen, da der Rest nur sehr langsam bzw. gar nicht mobilisierbar ist. (2) Der Spiegel ist eng reguliert, bewegt sich zwischen 0.8 und 1.2 mmol/L (1.8-3.0 mg/dL) und liegt in drei Fraktionen vor: frei (ionisiert), proteingebunden oder komplexiert. Physiologische Aktivität geht von der freien Fraktion aus.
Intrazellulär, wo das meiste Magnesium zu finden ist, ist es Kofaktor zahlreicher enzymatischer Prozesse, stabilisiert Enzyme, hat Teil an der Muskelkontraktion, neuronalen Überleitung, DNA- und RNA-Synthese, und ist ein Gegenion zu ATP, das vor allem mit Magnesium komplexiert (MgATP) vorliegt. (3) Es übernimmt somit zentrale Rollen u.a. in der Regulation des Vasotonus, der Herzaktionen und Knochenbildung.
Gemäss der auch in der Schweiz massgeblichen Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (http://www.dge.de) liegt der Tagesbedarf zwischen 300-400 mg/d (Erwachsene) bzw. 310-390 mg für Schwangere und Stillende. Dieser wird teils durch Wasser gedeckt, teils durch grüne Pflanzen. Nüsse (Mandeln) und Getreide (Weizen, Hafer, Reis) haben einen hohen Gehalt, aber auch Obst (Bananen), Gemüse (Avocados, Bohnen) sind Quellen wie tierische Produkte. Stark verarbeitete Lebensmittel weisen jedoch einen geringen Anteil auf.
Die Homöostase wird durch Dünndarm (Absorption), Knochen (Puffer) und Nieren (Exkretion) reguliert, obwohl auch im Dickdarm absorbiert werden kann (Abb. 1). Die intestinale Absorption läuft v.a. passiv parazellulär ab. Ein Teil der Regulation geschieht über die transcellular transporter transient receptor potential channel melastatin members (TRPM) 6 und 7. Die Bioverfügbarkeit variiert zwischen 24-76%, der Rest wird fäkal eliminiert. (4) Am bedeutsamsten sind die Nieren, die in circadianem Rhythmus Magnesium ausscheiden (nachts am stärksten). (5, 6) Deren Exkretion kann 1-70% betragen, wodurch bei einer Minderzufuhr konserviert bzw. ein Überangebot kompensiert werden kann. (7, 8)


Bestimmung von Magnesium

Blut ist das Standardmedium bei der Magnesiumbestimmung in der klinischen Labordiagnostik. Erythrozyten enthalten ca. 70% des Magnesiums, weswegen ein zu langes Stauen und Hämolyse zu falsch hohen Konzentrationen führen können. Da sich nur etwa 0.3% des Magnesiums im Plasma (62% ionisiert, 33% albumingebunden, 5% komplexgebunden) befinden, ist die Bestimmung im Blut nur bedingt aussagekräftig. (9) So kann zwar eine Hypomagnesiämie (Referenzbereich 0.7-1.0 mmol/L) hinweisend auf eine Unterversorgung auch der anderen Kompartimente sein, andererseits schliesst ein Normwert einen Magnesiummangel im Gewebe nicht aus. Ein Wert < 0,75 mmol/L gilt als sicheres Zeichen einer Mangelversorgung. (10, 11) Mit dem Retentionstest ist es möglich, chronische Mängel zu finden. Dazu wird die Konzentration im 24-h-Sammelurin bestimmt und mit der Konzentration nach i.v.-Gabe verglichen. Werden < 60% des infundierten Magnesiums ausgeschieden, spricht dies für einen Mangel. Da dieser aufwändigere Test für die klinische Praxis weniger gut geeignet ist, besteht die praktische Diagnostik somit aus den Säulen Mangelsymptomatik, Labordiagnostik und Risikofaktoren. (12, 13)

Hypo- und Hypermagnesiämie

Magnesium erscheint selten auf Routine-Labors, sollte aber bestimmt werden, wenn der Verdacht einer Hypomagnesiämie naheliegt, bspw. bei Alkoholabusus, Diarrhöe oder Therapie mit Diuretika oder Protonenpumpenblockern, aber auch in Situationen erhöhten Bedarfs (Sport, Schwangerschaft). Hypomagnesiämie kann sich zunächst nur durch Nausea oder Schwäche äussern. Klinische Zeichen schwerer Formen sind Muskelkrämpfe, Parästhesien, Arrhythmien und eine gesteigerte neuromuskuläre Erregbarkeit (bis hin zu Tetanie und epileptischen Anfällen). Nebst Faszikulationen kann man hier auch ein positives Chvostek- (Mundwinkelzucken nach Beklopfen des N. facialis im Wangenbereich) oder Trousseau-Zeichen (Blutdruckmanschette über systolischen RR aufpumpen führt nach Minuten zu Ellbogenflexion / Fingerextension) finden. Im EKG zeigen sich ST-Senkungen, flache T-Wellen und long QT.
Nebst Therapie der Grunderkrankung wird je nach Schweregrad unterschiedlich substituiert. Bei Krampfgeschehen oder Arrhythmien wird parenteral behandelt (s.u.). Oligo- oder asymptomatische Patienten können bei erhaltener Nierenfunktion mit 240-1000 mg (10-40 mmol) Magnesium substituiert werden. Die Bioverfügbarkeit ist eher schlecht, sodass es schnell zu Diarrhöe kommen kann (höhere Konzentrationen im Darm gegenüber niedrigeren systemisch). Sollte dies unter Therapie mit z.B. Brausetabletten auftreten, kann auf Retard-Präparate ausgewichen werden: die langsame Freisetzung führt zu weniger gastrointestinalen Beschwerden und niedrigeren renalen Verlusten.
Hypermagnesiämien sind selten ohne gleichzeitiges Vorliegen einer Niereninsuffizienz oder Substitution, insbesondere bei isolierter Form. Weitere Ursachen können Hyperparathyreoidismus, Ketoazidosen, Nebenniereninsuffizienz, Tumorlysen, oder auch Exoten wie das Milch-Alkali-Syndrom (Einnahme von Milch und Bikarbonat zur (Selbst-)Therapie eines Ulcus) oder Verschlucken grösserer Mengen an Meerwasser sein. Dieses wurde in einer kleinen Fallserie im Rahmen von Intoxikationen mit Wasser aus dem Toten Meer beschrieben. (14) Hypermagnesiämie kann ebenfalls oligosymptomatisch verlaufen mit Nausea oder Parästhesien (2.0 - 4.0 mmol/L). Schwere Formen (> 4.0 mmol/L) imponieren durch Hypoventilation, kardiovaskuläre Depression (Hypotonie, Bradykardie), Areflexie und Koma. Nebst Absetzen allfälliger Substitution sollte zunächst die Nierenfunktion beachtet werden. Während bei erhaltener Funktion die Autoregulation (evtl. unterstützt durch Schleifendiurese) ausreichen kann, muss bei Einschränkungen die Dialyse erwogen werden.

Behandlung spezifischer Indikationen

Zahlreiche Magnesiumsalze stehen dem Publikum zur Selbstbehandlung zu Verfügung. Im angelsächsischen Sprachraum sind Suspensionen von Magnesiumhydroxid wegen ihres Aussehens als «Milk of Magnesia» bekannt und werden auch als Hausmittel betrachtet. Auch gibt es unter den Antazida magnesiumhaltige (gegenüber solchen mit Aluminium) Präparate, welche nicht direkt zur Substitution eines Mangels eingesetzt werden. Der Gebrauch sollte – wie auch für andere OTC-Präparate – gezielt erfragt werden, da es zu Interaktionen mit rezeptierten Arzneimitteln kommen kann. So kann die Absorption von bspw. Antibiotika (Chinolone, Tetrazykline), Bisphosphonaten oder Kalziumkanal­blockern gestört werden und ein Wirkverlust auftreten.

Obstipation
Diarrhöe kann Symptom eines Überangebots an Magnesium sein, weshalb manche Patienten mit einer Obstipation zu Salzen wie Mg(OH)2 als Laxanz greifen. Bei Kindern ist die Wirksamkeit auch im Vergleich zu Polyethylenglykol (PEG, z.B. in Transipeg® oder Movicol®) zwar vereinzelt in Studien belegt, in Metaanalysen jedoch nicht mehr. (15-17) Ähnlich steht es bei der Therapie von Erwachsenen. (18) Sollte der Einsatz erfolgen, dann punktuell und nicht bei Vorliegen von Risikofaktoren wie Niereninsuffizienz oder Herzrhythmus-Störungen.

Kopfschmerzen
Patienten mit Clusterkopfschmerz, verschiedenen Migräneformen und auch menstruellem Kopfschmerz haben häufig eine Hypomagnesiämie. (19-21) In der Akutbehandlung der Migräne ist die intravenöse Therapie mit Magnesium 1-2 g der Behandlung mit bspw. Metoclopramid 10 mg i.v. oder Placebo nicht sicher überlegen. (22) Jedoch kann die tägliche orale Einnahme von 400 - 800 mg Magnesium die Häufigkeit von Attacken signifikant reduzieren. (23, 24) In anderen Kopfschmerzformen ist der Nutzen weniger gesichert. (25)

Muskuloskeletale Beschwerden
Krampfhafte Verspannungen der Muskulatur treten unter physiologischen Bedingungen wie beim Sport oder während der Schwangerschaft ebenso auf wie bei zahlreichen neurologischen oder metabolischen Grundleiden. So kann ein Mangel an Vitamin D genauso ursächlich sein wie Übergewicht. (26, 27) Der Nutzen einer Substitution ist allerdings kaum belegt. So untersuchte ein dieses Jahr erschienener Cochrane-Review (11 Studien, n = 735) die Effekte täglicher oraler Substitution (100-250 mg) bzw. während 5 Tagen i.v.-Therapie (486 mg, 20 mmol) gegenüber Placebo. In der Beobachtungszeit von einem Monat waren weder die Frequenz noch die Intensität idiopathischer Krämpfe reduziert. Dafür klagten 11-37% der Teilnehmenden über gastrointestinale Beschwerden wie Diarrhöe. (28)

Eklampsie und Präeklampsie
Eklampsie bezeichnet das Auftreten tonisch-klonischer Krampfanfälle während einer Schwangerschaft ohne andere Ursachen, am ehesten als akute Komplikation einer Präeklampsie. Magnesiumsulfat (z.B. 1-2 g-weise i.v.) ist der Standard, was in systematischen Reviews bestätigt wurde. (29, 30)

Arrhythmien
Für die i.v.-Verabreichung von Magnesiumsulfat besteht gute Evidenz zur Behandlung der ventrikulären Torsade-de-Pointes-Tachykardie (TdP VT) und im akuten Management von Vorhofflimmern. (31-34) Die intravenöse Verabreichung von 1.2-10 g Magnesiumsulfat erwies sich als sichere und effiziente Therapie in der Akutbehandlung von Vorhofflimmern. Magnesium zeigte signifikante Effekte in der Frequenzkontrolle und Rhythmuskontrolle sowie ähnliches Risikoprofil wie Placebo. (33) Diese Erkenntnisse sind nicht als Empfehlung in den aktuellen ESC-Guidelines implementiert. (35) Zur Rezidivprävention eines Vorhofflimmerns spielt Magnesium eine untergeordnete Rolle. (32)
Der häufigste Auslöser für TdP VT sind QT-Zeit verlängernde Medikamente, insb. Klasse-III-Antiarrhythmika (z.B. Amiodaron). (31, 32) Über die Modulierung der Aktivität von spannungsabhängigen L-Typ-Calciumkanälen kann Magnesiumsulfat 1-2 g i.v. eine TdP VT effizient und ohne relevante Nebenwirkungen terminieren, wobei das QT-Intervall und die Herzfrequenz nicht beeinflusst werden. (31, 32, 36) Zur Behandlung von polymorphen VT, die nicht auf einer QT-Verlängerung basieren, konnten diese Effekte von Magnesium jedoch nicht nachgewiesen werden. (32)
Die Bedeutung in der Akutbehandlung monomorpher ventrikulärer Tachyarrhythmien, Kammerflimmern und Reentry-Tachykardien ist in der Literatur weniger klar. (32) Nachgewiesen ist hingegen eine Reduktion asymptomatischer ventrikulärer Arrhythmien unter langfristiger peroraler Supplementation mit Magnesiumaspartat in herzinsuffizienten Patienten mit stabiler koronarer Kardiopathie. (37)

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

PD Dr. med.Felix Hammann

Inselspital, Universitätsspital Bern, Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin
Abteilung für Klinische Pharmakologie & Toxikologie Freiburgstrasse, 3010 Bern

felix.hammann@insel.ch

Vanessa Bütler

Inselspital, Universitätsspital Bern, Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin
Abteilung für Klinische Pharmakologie & Toxikologie Freiburgstrasse, 3010 Bern

Mirjam Kummer

Inselspital, Universitätsspital Bern, Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin
Abteilung für Klinische Pharmakologie & Toxikologie Freiburgstrasse, 3010 Bern

Die Autorinnen und der Autor haben deklariert, in Zusammenhang mit diesem Artikel keine Interessenskonflikte zu haben.

  • Zur Diagnose einer Störung des Magnesiumhaushaltes sind nicht nur das Labor, sondern auch Anamnese und Klinik massgeblich.
  • Selbstmedikation kann im Beisein von Grunderkrankungen wie Niereninsuffizienz oder Therapie mit gewissen Medikamenten riskant sein.
  • In der Behandlung von verbreiteten Beschwerden wie Obstipation, Muskelkrämpfen oder primärem Kopfschmerz ist der Nutzen nicht gesichert.

Literatur:
1. Jahnen-Dechent, W. and M. Ketteler, Magnesium basics. Clin Kidney J, 2012. 5(Suppl 1): p. i3-i14.
2. Ford, E.S. and A.H. Mokdad, Dietary magnesium intake in a national sample of US adults. J Nutr, 2003. 133(9): p. 2879-82.
3. Grober, U., J. Schmidt, and K. Kisters, Magnesium in Prevention and Therapy. Nutrients, 2015. 7(9): p. 8199-226.
4. Graham, L.A., J.J. Caesar, and A.S. Burgen, Gastrointestinal absorption and excretion of Mg 28 in man. Metabolism, 1960. 9: p. 646-59.
5. Fox, C., D. Ramsoomair, and C. Carter, Magnesium: its proven and potential clinical significance. South Med J, 2001. 94(12): p. 1195-201.
6. Felsenfeld, A.J., B.S. Levine, and M. Rodriguez, Pathophysiology of Calcium, Phosphorus, and Magnesium Dysregulation in Chronic Kidney Disease. Semin Dial, 2015. 28(6): p. 564-77.
7. Quamme, G.A., Control of magnesium transport in the thick ascending limb. Am J Physiol, 1989. 256(2 Pt 2): p. F197-210.
8. Dai, L.J. and G.A. Quamme, Intracellular Mg2+ and magnesium depletion in isolated renal thick ascending limb cells. J Clin Invest, 1991. 88(4): p. 1255-64.
9. Swaminathan, R., Magnesium metabolism and its disorders. Clin Biochem Rev, 2003. 24(2): p. 47-66.
10. Vormann, J., Zur Biochemie des Magnesiums: Transportsysteme der Zelle. Pharmazeutische Zeitung, 1992(137): p. 9-14.
11. Elin, R.J., Assessment of magnesium status. Clin Chem, 1987. 33(11): p. 1965-70.
12. Pham, P.C., et al., Hypomagnesemia: a clinical perspective. Int J Nephrol Renovasc Dis, 2014. 7: p. 219-30.
13. Micke, O., et al., (Magnesium: Relevance for general practitioners – a position paper of the Society for Magnesium Research e. V.). Dtsch Med Wochenschr, 2020. 145(22): p. 1628-1634.
14. Porath, A., et al., Dead Sea water poisoning. Ann Emerg Med, 1989. 18(2): p. 187-91.
15. Loening-Baucke, V. and D.S. Pashankar, A randomized, prospective, comparison study of polyethylene glycol 3350 without electrolytes and milk of magnesia for children with constipation and fecal incontinence. Pediatrics, 2006. 118(2): p. 528-35.
16. Southwell, B.R., Treatment of childhood constipation: a synthesis of systematic reviews and meta-analyses. Expert Rev Gastroenterol Hepatol, 2020. 14(3): p. 163-174.
17. Gordon, M., et al., Osmotic and stimulant laxatives for the management of childhood constipation. Cochrane Database Syst Rev, 2016(8): p. CD009118.
18. Ramkumar, D. and S.S. Rao, Efficacy and safety of traditional medical therapies for chronic constipation: systematic review. Am J Gastroenterol, 2005. 100(4): p. 936-71.
19. Mauskop, A., et al., Intravenous magnesium sulfate rapidly alleviates headaches of various types. Headache, 1996. 36(3): p. 154-60.
20. Mauskop, A. and B.M. Altura, Role of magnesium in the pathogenesis and treatment of migraines. Clin Neurosci, 1998. 5(1): p. 24-7.
21. Mauskop, A., B.T. Altura, and B.M. Altura, Serum ionized magnesium levels and serum ionized calcium/ionized magnesium ratios in women with menstrual migraine. Headache, 2002. 42(4): p. 242-8.
22. Choi, H. and N. Parmar, The use of intravenous magnesium sulphate for acute migraine: meta-analysis of randomized controlled trials. Eur J Emerg Med, 2014. 21(1): p. 2-9.
23. Peikert, A., C. Wilimzig, and R. Kohne-Volland, Prophylaxis of migraine with oral magnesium: results from a prospective, multi-center, placebo-controlled and double-blind randomized study. Cephalalgia, 1996. 16(4): p. 257-63.
24. Sun-Edelstein, C. and A. Mauskop, Role of magnesium in the pathogenesis and treatment of migraine. Expert Rev Neurother, 2009. 9(3): p. 369-79.
25. Miller, A.C., et al., Intravenous Magnesium Sulfate to Treat Acute Headaches in the Emergency Department: A Systematic Review. Headache, 2019. 59(10): p. 1674-1686.
26. Gimigliano, F., et al., The combination of vitamin D deficiency and overweight affects muscle mass and function in older post-menopausal women. Aging Clin Exp Res, 2018. 30(6): p. 625-631.
27. Iolascon, G., et al., Can vitamin D deficiency influence muscle performance in postmenopausal women? A multicenter retrospective study. Eur J Phys Rehabil Med, 2018. 54(5): p. 676-682.
28. Moretti, A., What is the role of magnesium for skeletal muscle cramps? A Cochrane Review summary with commentary. J Musculoskelet Neuronal Interact, 2021. 21(1): p. 1-3.
29. Duley, L., A.M. Gulmezoglu, and D.J. Henderson-Smart, Magnesium sulphate and other anticonvulsants for women with pre-eclampsia. Cochrane Database Syst Rev, 2003(2): p. CD000025.
30. Duley, L. and D. Henderson-Smart, Magnesium sulphate versus diazepam for eclampsia. Cochrane Database Syst Rev, 2003(4): p. CD000127.
31. Banai, S. and D. Tzivoni, Drug therapy for torsade de pointes. J Cardiovasc Electrophysiol, 1993. 4(2): p. 206-10.
32. Delva, P., Magnesium and cardiac arrhythmias. Mol Aspects Med, 2003. 24(1-3): p. 53-62.
33. Onalan, O., et al., Meta-analysis of magnesium therapy for the acute management of rapid atrial fibrillation. Am J Cardiol, 2007. 99(12): p. 1726-32.
34. Guerrera, M.P., S.L. Volpe, and J.J. Mao, Therapeutic uses of magnesium. Am Fam Physician, 2009. 80(2): p. 157-62.
35. Hindricks, G., et al., 2020 ESC Guidelines for the diagnosis and management of atrial fibrillation developed in collaboration with the European Association for Cardio-Thoracic Surgery (EACTS): The Task Force for the diagnosis and management of atrial fibrillation of the European Society of Cardiology (ESC) Developed with the special contribution of the European Heart Rhythm Association (EHRA) of the ESC. European Heart Journal, 2020. 42(5): p. 373-498.
36. El-Sherif, N. and G. Turitto, Electrolyte disorders and arrhythmogenesis. Cardiol J, 2011. 18(3): p. 233-45.
37. Bashir, Y., et al., Effects of long-term oral magnesium chloride replacement in congestive heart failure secondary to coronary artery disease. Am J Cardiol, 1993. 72(15): p. 1156-62.

Nichtalkoholische Fettleberkrankheit

Die nichtalkoholische Fettleberkrankheit (NAFLD) ist eine der häufigsten Ursachen für chronische Lebererkrankungen, von denen 17-46% der Allgemeinbevölkerung betroffen sind. In Verbindung mit einer Entzündung (alkoholfreie Steatohepatitis, NASH) kann sie zur Entwicklung einer Leberfibrose und dann einer Leberzirrhose führen und ist derzeit eine der Haupt­ursachen für chronische Lebererkrankungen. NAFLD gilt als die hepatische Manifestation des metabolischen Syndroms und ist weltweit zu finden, insbesondere in Regionen mit nied­rigem bis mittleren Einkommen aufgrund einer dramatischen Epidemie von Adipositas und Diabetes Typ 2 (T2DM). Die NAFLD-assoziierte Zirrhose wird in den nächsten 10  bis  20 Jahren die führende Indikation für eine Lebertransplantation werden, noch vor der Hepatitis-C-Zirrhose und einer Zirrhose äthylischen Ursprungs. Aktuelle Forschungsbereiche konzentrieren sich auf Screening-Programme in Hochrisikopopulationen und die Entwicklung neuer medikamentöser Therapien zur Verhinderung des Fortschreitens der Krankheit zur Zirrhose.

NAFLD ist durch die Ansammlung von Lipiden in der Leber in mehr als 5% der Hepatozyten gekennzeichnet. Sie umfasst ein Spektrum von Lebererkrankungen, darunter die einfache Steatose (nichtalkoholische Fettleber  -  NAFL), die nichtalkoholische Steatohepatitis (NASH), die durch eine Entzündung der Hepatozyten bei Vorliegen einer durch Fibrose oder Zirrhose komplizierten Lebersteatose gekennzeichnet ist. Freie Fettsäuren können zu einer Schädigung der Parenchymzellen führen und eine Entzündung auslösen, die zur Zerstörung von Hepatozyten und zur Entwicklung einer Fibrose führt. Die hepatische Fibrose basiert auf einem komplexen Mechanismus, der durch die Bildung und Ablagerung von faserigem Bindegewebe gekennzeichnet ist und zu einer fortschreitenden Remodellierung des Leberparenchyms sowie zu erhöhter Morbidität und Mortalität führt. Die Diagnose von NAFLD erfordert den Ausschluss anderer sekundärer Ursachen von Lebererkrankungen wie übermässiger Alkoholkonsum (definiert als täglicher Alkoholkonsum von mehr als 30 g bei Männern und mehr als 20 g bei Frauen) und Virusinfektionen mit Hepatitis-B- und -C-Viren (Abb. 1) (1, 2).
Auf epidemiologischer Ebene ist der Einfluss des NAFLD beträchtlich, wie eine kürzlich durchgeführte Meta-Analyse zeigt, die eine globale Prävalenz des NAFLD von 25% ergab. Die höchsten Raten wurden aus Südamerika und dem Nahen Osten gemeldet. Diese Daten schätzten auch eine Prävalenz von NASH von 1,5% bis 6,5% in der Allgemeinbevölkerung (3).

Metabolisches Syndrom und NAFLD

Mehrere Studien haben gezeigt, dass NAFLD stark mit Insulinresistenz und metabolischem Syndrom assoziiert ist, definiert als die Kombination von drei der folgenden fünf Merkmale, die mit Insulinresistenz assoziiert sind: Glukoseintoleranz oder T2DM, Hypertriglyceridämie, niedriges High-Density-Lipoprotein (HDL)-
Cholesterin, erhöhter Bauchumfang und Bluthochdruck (1). Die Insulinresistenz, die im Zentrum dieser Krankheit steht, führt zur Lipolyse und Freisetzung freier Fettsäuren, die sich als ektopisches Fett, hauptsächlich als intrazelluläre Lipide, ansammeln und oxidativen Stress und Entzündung der Hepatozyten verursachen können (4).

Anamnese und Verlauf der Krankheit

Im Allgemeinen ist die NAFLD eine über mehrere Jahre langsam fortschreitende Krankheit. NASH ist eine schwerere Erkrankung, und die Entwicklung einer Fibrose verläuft rascher als bei der einfachen NAFL ohne Leberentzündung (5). Es hat sich gezeigt, dass die fortgeschrittene Leberfibrose der prädiktivste Faktor für die Mortalität infolge NAFLD ist, was darauf hindeutet, dass Patienten mit Steatose mittels Biomarkern oder Leber-Elastographie auf Fibrose untersucht werden sollten (2).
NAFLD ist auch ein Risikofaktor für die Entwicklung eines hepatozellulären Karzinoms (HCC) (6). Die Prävalenz des NALFD-bedingten HCC nimmt zu und die Inzidenz erreicht bei Patienten mit fortgeschrittener Fibrose oder Zirrhose 0,25% bis 7,6% nach 5 Jahren (7). HCC tritt in der Regel im Zusammenhang mit einer Zirrhose auf, aber etwa 20-50% der Fälle können sich in einer nicht zirrhotischen Leber entwickeln. Eine NALFD prädisponiert für ein HCC, mit oder ohne NASH (8). Europäische und amerikanische Richtlinien empfehlen die Vorsorge des HCC mittels Leber-Ultraschall (allenfalls in Kombination mit einer Bestimmung von Alpha-Fetoprotein) alle 6 Monate bei Personen mit fortgeschrittener Fibrose oder Zirrhose (9).
Es ist interessant festzustellen, dass Patienten mit NAFLD häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen versterben, als aufgrund von Lebermorbidität (10). Die Ergebnisse der jüngsten Meta­analysen deuten darauf hin, dass Menschen mit NAFLD ein Risiko für einen akuten Myokardinfarkt oder Schlaganfall haben. Die unabhängige Assoziation der NAFLD mit dem kardiovaskulären Risiko ist jedoch umstritten. In diesem Zusammenhang sammelten Alexander et al. kürzlich Daten über eine Kohorte von 120 000 Patienten mit NAFLD und zeigten, dass der Zusammenhang zwischen dem Risiko, ein kardiovaskuläres Ereignis zu entwickeln, und NAFLD mit einem Risikoverhältnis von 1,2 niedriger ist als zuvor geschätzt (11). Diese Daten deuten darauf hin, dass NAFLD kein unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse ist, sondern von metabolischen Kofaktoren und anderen kardiovaskulären Risikofaktoren abhängig sein kann.

Aktuelle Empfehlungen und Behandlungen

Bei Verdacht auf NAFLD sollte die Lebersteatose dokumentiert werden. In der Praxis sollten Patienten mit Adipositas und T2DM nicht-invasiv auf NAFLD untersucht werden. Die Steatose sollte als Erstlinien-Diagnoseverfahren mit Ultraschall dokumentiert werden. Screening-Serum-Biomarker wie der Fettleberindex (FLI) oder Steatotest wurden entwickelt und können auch für den Nachweis von Lebersteatose verwendet werden, aber die Leberbiopsie bleibt der Goldstandard für die NASH-Diagnose (2).
Die Identifizierung und Überwachung der Fibrose ist für die Nachsorge unerlässlich, da sie der wichtigste prognostische Faktor bei NAFLD ist (12). Die Kombination von nicht-invasiven Verfahren unter Verwendung von Biomarkern und Leber-Elastographie kann wirksam zum Nachweis von leichter bis mittelschwerer Fibrose eingesetzt werden (13). Bei Verdacht auf eine fortgeschrittene Fibrose oder Zirrhose sollte zur Bestätigung der Diagnose eine Leberbiopsie durchgeführt werden (14).
Es besteht eine deutliche Verbindung zwischen Lebensstil und NAFLD (15). Die wirksamsten Therapien zielen auf Lifestyle-Interventionen ab. Gewichtsverlust ist bei Patienten mit T2DM mit verbesserter Steatose und Insulinresistenz assoziiert und bei adipösen und übergewichtigen Patienten mit verbesserten Leberenzymen und geringeren histologischen Läsionen verbunden. Ernährungsumstellungen, Änderungen des Lebensstils hin zu einer gesunden Ernährung und regelmässiger körperlicher Aktivität sind für die meisten Patienten mit NAFLD die Behandlung der ersten Wahl (2, 23).
Gegenwärtig ist keine pharmakologische Behandlung für die Therapie der NAFLD zugelassen. Obwohl keine festen Empfehlungen ausgesprochen wurden, haben sich einige medikamentöse Therapien bei gut ausgewählten Patienten als vorteilhaft erwiesen. Im Allgemeinen ist die medikamentöse Therapie Patienten mit NASH und fortgeschrittener Fibrose vorbehalten (2). Es wurden Insulinsensibilisatoren getestet, und Metformin zeigte bei Patienten mit NAFLD im Vergleich zu Placebo nach 6 Monaten Behandlung keine Verbesserung der histologischen Läsionen (16). Studien mit Pioglitazon bei Nicht-Diabetikern zeigten eine signifikante Reduktion von hepatozellulärer Steatose, Entzündungen und Ballonierung sowie eine Verbesserung der Insulinresistenz und der Leberenzyme (17, 18). Die PIVENS-Studie zeigte auch, dass eine Vitamin-E-Behandlung bei Nichtdiabetikern im Vergleich zu Placebo mit einer Verbesserung der NASH-bezogenen Läsionen verbunden war (17).
Wenn Lebensstiländerungen und medikamentöse Therapie das Fortschreiten der Fibrose nicht reduzieren und verhindern können, kann eine bariatrische Operation als Option zur Gewichtsreduktion eingesetzt werden (2). Es hat sich gezeigt, dass die bariatrische Chirurgie NAFLD-assoziierte Leberschäden und histologische NASH-Schäden reduziert (19, 20).
Zukünftige medikamentöse Therapien zielen direkt auf die molekularen Mechanismen der Fibrogenese ab. Zu den Molekülen, die derzeit getestet werden, gehören Farnesoid-X-Rezeptor (FXR)-Agonisten (Obeticholsäure, nicht-steroidale FXR-Agonisten), Acetyl-CoA-Carboxylasehemmer, Agonisten der Peroxisom-Proliferator-aktivierten Rezeptoren (PPARs) (Elafibranor, Lanifibranor, Saroglitazar) und Aktivatoren des Fibroblasten-Wachstumsfaktors FGF-21 oder FGF-19. Andere Arzneimittel zielen auf Zelltod oder Entzündung ab, wie z.B. Caspase-Inhibitoren (Emricasan), Galectin-3-Inhibitoren und die Verringerung der Rekrutierung von Entzündungsmakrophagen durch Blockierung der CCR2/CCR5-Chemokinrezeptoren (Cenicriviroc). Eine Phase-3-Studie, die ermutigende Ergebnisse mit Obeticholsäure bei Probanden mit NASH zeigt, wurde kürzlich veröffentlicht, und wir hoffen, dass innerhalb der nächsten 5 Jahre wirksame Therapien zur Verfügung stehen werden (21, 22).

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine Übersetzung des in «la gazette médicale» 06_2020 erschienen peer-reviewten Originalartikels.
https://doi.org / 10.23785 / Gazette.2020.06.001

Copyright Aerzteverlag medinfo

Dr Laurent Teasca

Service de médecine interne
Hôpital Riviera-Chablais
Route du Vieux-Séquoia 20
1847 Rennaz

laurent.teasca@hopitalrivierachablais.ch

Dr Nicolas Goossens

Service de gastroentérologie et d’ hépatologie
Hôpital Universitaire de Genève
Rue Gabrielle-Perret-Gentil 4
1205 Genève

nicolas.goossens@hcuge.ch

Die Autoren haben deklariert, dass in Zusammenhang mit diesem Artikel keine Interessenskonflikte bestehen.

◆ NAFLD ist eine häufige Ursache für Leberschäden und kann zu Leberfibrose und Leberzirrhose führen. Diese Krankheit steht in engem
Zusammenhang mit dem metabolischen Syndrom.
◆ Die Erstuntersuchung sollte mit einer Ultraschalluntersuchung der
Leber beginnen.
◆ Wenn der Verdacht auf Leberfibrose besteht, sollte sie durch nichtinvasive Verfahren oder eine Biopsie untersucht werden.
◆ Die derzeitige Behandlung besteht in der Behandlung des metabolischen Syndroms durch Lifestyle-Interventionen. Eine Gewichtsreduktion um 10% und regelmässige Bewegung dreimal wöchentlich kann
die Fibrose messbar verbessern.
◆ Eine Pharmakotherapie ist derzeit gut ausgewählten Patienten vorbehalten. Es besteht grosse Hoffnung, dass in den kommenden Jahren
Medikamente zur Verfügung stehen werden, welche der Entwicklung
einer Fibrose entgegenwirken.

Literatur:
1. Ratziu V, Bellentani S, Cortez-Pinto H, Day C, Marchesini G. A position statement on NAFLD/NASH based on the EASL 2009 special conference. J Hepatol.
2010;53(2):372-384. doi:10.1016/j.jhep.2010.04.008
2. European Association for the Study of the Liver (EASL), European Association for the Study of Diabetes (EASD), European Association for the Study of Obesity (EASO). EASL-EASD-EASO Clinical Practice Guidelines for the management of non-alcoholic fatty liver disease. J Hepatol. 2016;64(6):1388-1402.
doi:10.1016/j.jhep.2015.11.004
3. Younossi ZM, Koenig AB, Abdelatif D, Fazel Y, Henry L, Wymer M. Global epidemiology of nonalcoholic fatty liver disease—Meta-analytic assessment of prevalence, incidence, and outcomes. Hepatology. 2016;64(1):73-84. doi:10.1002/
hep.28431
4. Gaggini M, Morelli M, Buzzigoli E, DeFronzo RA, Bugianesi E, Gastaldelli A.
Non-Alcoholic Fatty Liver Disease (NAFLD) and Its Connection with Insulin Resistance, Dyslipidemia, Atherosclerosis and Coronary Heart Disease. Nutrients.
2013;5(5):1544-1560. doi:10.3390/nu5051544
5. Singh S, Allen AM, Wang Z, Prokop LJ, Murad MH, Loomba R. Fibrosis Progression in Nonalcoholic Fatty Liver versus Nonalcoholic Steatohepatitis: A Systematic
Review and Meta-analysis of Paired-Biopsy Studies. Clin Gastroenterol Hepatol.
2015;13(4):643-654.e9. doi:10.1016/j.cgh.2014.04.014
6. Byrne CD, Targher G. EASL-EASD-EASO Clinical Practice Guidelines for the management of non-alcoholic fatty liver disease: is universal screening appropriate?
Diabetologia. 2016;59(6):1141-1144. doi:10.1007/s00125-016-3910-y
7. Dyson J, Jaques B, Chattopadyhay D, et al. Hepatocellular cancer: the impact of
obesity, type 2 diabetes and a multidisciplinary team. J Hepatol. 2014;60(1):110-
117. doi:10.1016/j.jhep.2013.08.011
8. Desai A, Sandhu S, Lai J-P, Sandhu DS. Hepatocellular carcinoma in non-cirrhotic
liver: A comprehensive review. World J Hepatol. 2019;11(1):1-18. doi:10.4254/
wjh.v11.i1.1
9. European Association for the Study of the Liver. Electronic address: easloffice@easloffice.eu, European Association for the Study of the Liver. EASL Clinical Practice Guidelines: Management of hepatocellular carcinoma. J Hepatol.
2018;69(1):182-236. doi:10.1016/j.jhep.2018.03.019
10. Targher G, Day CP, Bonora E. Risk of Cardiovascular Disease in Patients with
Nonalcoholic Fatty Liver Disease. http://dx.doi.org/10.1056/NEJMra0912063.
doi:10.1056/NEJMra0912063
11. Alexander M, Loomis AK, van der Lei J, et al. Non-alcoholic fatty liver disease and
risk of incident acute myocardial infarction and stroke: findings from matched cohort study of 18 million European adults. BMJ. 2019;367:l5367. doi:10.1136/
bmj.l5367
12. Ekstedt M, Hagström H, Nasr P, et al. Fibrosis stage is the strongest predictor for
disease-specific mortality in NAFLD after up to 33 years of follow-up. Hepatology.
2015;61(5):1547-1554. doi:10.1002/hep.27368
13. Petta S, Vanni E, Bugianesi E, et al. The combination of liver stiffness measurement and NAFLD fibrosis score improves the noninvasive diagnostic accuracy
for severe liver fibrosis in patients with nonalcoholic fatty liver disease. Liver Int.
2015;35(5):1566-1573. doi:10.1111/liv.12584
14. European Association for Study of Liver, Asociacion Latinoamericana para el Estudio del Higado. EASL-ALEH Clinical Practice Guidelines: Non-invasive tests for
evaluation of liver disease severity and prognosis. J Hepatol. 2015;63(1):237-264.
doi:10.1016/j.jhep.2015.04.006
15. Zelber-Sagi S, Ratziu V, Oren R. Nutrition and physical activity in NAFLD: An overview of the epidemiological evidence. World J Gastroenterol. 2011;17(29):3377-
3389. doi:10.3748/wjg.v17.i29.3377
16. Haukeland JW, Konopski Z, Eggesbø HB, et al. Metformin in patients with non-alcoholic fatty liver disease: a randomized, controlled trial. Scand J Gastroenterol.
2009;44(7):853-860. doi:10.1080/00365520902845268
17. Sanyal AJ, Chalasani N, Kowdley KV, et al. Pioglitazone, vitamin E, or placebo for nonalcoholic steatohepatitis. N Engl J Med. 2010;362(18):1675-1685.
doi:10.1056/NEJMoa0907929
18. Aithal GP, Thomas JA, Kaye PV, et al. Randomized, placebo-controlled trial of pioglitazone in nondiabetic subjects with nonalcoholic steatohepatitis. Gastroenterology. 2008;135(4):1176-1184. doi:10.1053/j.gastro.2008.06.047
19. Caiazzo R, Lassailly G, Leteurtre E, et al. Roux-en-Y gastric bypass versus adjustable gastric banding to reduce nonalcoholic fatty liver disease: a 5-year controlled longitudinal study. Ann Surg. 2014;260(5):893-898; discussion 898-899.
doi:10.1097/SLA.0000000000000945
20. Lassailly G, Caiazzo R, Buob D, et al. Bariatric Surgery Reduces Features of
Nonalcoholic Steatohepatitis in Morbidly Obese Patients. Gastroenterology.
2015;149(2):379-388; quiz e15-16. doi:10.1053/j.gastro.2015.04.014
21. Tacke F, Weiskirchen R. An update on the recent advances in antifibrotic therapy.
Expert Review of Gastroenterology & Hepatology. 2018;12(11):1143-1152. doi:10
.1080/17474124.2018.1530110
22. Younossi ZM, Ratziu V, Loomba R, et al. Obeticholic acid for the treatment of nonalcoholic steatohepatitis: interim analysis from a multicentre, randomised, placebo-controlled phase 3 trial. Lancet. 2019;394(10215):2184-2196. doi:10.1016/
S0140-6736(19)33041-7
23. Vilar-Gomez E, Martinez-Perez Y, Calzadilla-Bertot L, et al. Weight loss through
lifestyle modification significantly reduces features of nonalcoholic steatohepatitis.
Gastroenterology. 2015;149:367e378