Notfälle im Blutbild

Das Blutbild ist eine zentrale Untersuchung und wichtige Hilfestellung in vielen Notfallsituationen. Natürlich werden Laborwerte stets im klinischen Kontext interpretiert und vom behandelnden Arzt kritisch hinterfragt. Veränderungen im Blutbild können auch eine unerwartete Notfall-Situation induzieren, die Fragen aufwerfen und gelegentlich akuten Handlungsbedarf zur Folge haben. Im Folgenden besprechen und illustrieren wir typische «Blutbildnotfälle», die im hämatologischen Konsiliardienst häufig sind und auch zum allgemein-internistischen «Rucksack» gehören.

Der Pseudo-Blutbildnotfall

Insbesondere bei asymptomatischen Patienten mit ungewöhnlichen Abweichungen von den Referenzbereichen muss an Artefakte gedacht werden.

Pseudothrombozytopenie:
Erniedrigte Thrombozyten bei der Zählung im EDTA-Blut können durch Aggregation oder Anlagerung der Plättchen an Leukozyten auftreten (1) (Abb. 1). Gleichzeitig kann eine Pseudoleukozytose gemessen werden, wenn die Thrombozyten-Aggregate fälschlicherweise maschinell als Leukozyten gezählt werden. Die Aggregatbildung kann durch den Ersatz durch andere Antikoagulantien, z.B. Natriumcitrat, verhindert werden. Die Thrombozytenaggregate lassen sich durch mikroskopische Ausstrichuntersuchung erkennen. In der Regel wird ein medizinisch-analytisches Labor direkt bei der Erfassung einer Thrombozytopenie (<100 000/μl) einen Ausstrich durchführen und die Thrombozytenzahl mikroskopisch schätzen.

Pseudoleukozytose
Eine Pseudoleukozytose oder Pseudohyperleukozytose (Abb. 2) kann bei Patienten mit Thalassämien (intermedia und major) irrtümlicherweise gemessen werden, wenn die Zellzahlen mit einem Hämatolologie-Analyser gemessen werden. Seit mehreren Jahren bieten aber die grösseren Hämatologie-Analysen die Möglichkeit einer Diskriminierung zwischen Erythroblasten und «echten» (d.h. myeloisch/monozytären oder lymphatischen) Leukozyten. Die korrigierten Leukozytenzahlen werden als NRBC-korrigierte Leukozyten bezeichnet. Es empfiehlt sich eine Kontrolle mittels Blut-Ausstrich, wo die Diskrepanz zwischen «echten» Leukozyten und Erythroblasten/Normoblasten deutlich erkennbar wird (1). Um die korrekte Leukozytenzahl zu erfassen, sollte bei Patienten mit Thalassämien das Blutbild in einer venösen Blutentnahme bestimmt werden.

Der «weisse» Blutbildnotfall

Neutropenie
Eine schwere Neutropenie (Neutrophile Granulozyten < 0,5 x 109/l) stellt immer einen Notfall dar, weil diese Patienten ein deutlich erhöhtes Risiko aufweisen, schwere Infektionen zu erleiden (2). Die Neutropenie kann auch bei einer normalen Gesamtleukozytenzahl vorliegen und wird erst anhand des Differentialblutbildes festgestellt.
Eine erwartete Neutropenie tritt am häufigsten bei Patienten nach einer Chemotherapie oder seltener unter einer Immunsuppression auf (z.B. Azathioprin, Methotrexat) und ist in der Regel nicht isoliert.
Bei einer unerwarteten isolierten Neutropenie muss vor allem an eine medikamentös-induzierte Agranulozytose gedacht werden. In diesem Fall ist die genaue Medikamentenanamnese elementar. Zu den Medikamenten, die eine Neutropenie induzieren können, gehören z.B. Nichtsteroidale Antirheumatika, Antiepileptika oder Neuroleptika. Eine schwere Neutropenie kann sehr selten auch bereits nach einmaliger Anwendung von Metamizol auftreten (immunologisch induzierte Agranulozytose) (2). Diese kann rasch nach Reexposition auftreten, weshalb das Medikament nie mehr bei diesen Patienten eingesetzt werden darf (Ausweis!).
Bei klinisch stabilen asymptomatischen afebrilen Patienten werden engmaschige Kontrollen empfohlen. Diese Patienten können vom Einsatz myeloischer Wachstumsfaktoren profitieren. Meist ist eine fachärztliche Beurteilung einschliesslich einer Knochenmarkpunktion indiziert.
Bei Patienten mit schwerer Neutropenie, Fieber und/ oder Anzeichen einer Infektion, ist eine notfallmässige Hospitalisation indiziert. Das Fieber (>38°C) kann das einzige Symptom sein, weil bei Agranulozytose die klinischen, bekannten Symptome der Infektion oft fehlen respektive fälschlicherweise als leicht erscheinen.
Eine unerwartete Neutropenie mit Thrombozytopenie oder/und mit Anämie weist auf eine schwere hämatologische Krankheit und erfordert umgehend fachärztliche Abklärungen einschliesslich Knochenmarkpunktion (2). Eine mikroskopische Ausstrichbeurteilung hilft, die Morphologie der Zellen im peripheren Blut unmittelbar zu beurteilen.

Leukozytose
Eine Leukozytose muss immer im Kontext mit anderen Symptomen und Befunden interpretiert werden. Die Leukozytosen sind überwiegend reaktiv und nur selten maligne.
Die maligne Form muss rasch erkannt und behandelt werden.
Die Höhe der Leukozytenzahl allein kann nicht sicher zwischen einer reaktiven oder malignen Ursache unterscheiden. Es bedarf einer mikroskopischen Beurteilung (Ausstrich), um die Morphologie der Zellen im peripheren Blut zu charakterisieren und die Dringlichkeit der Situation einzuschätzen (3).
Als Linksverschiebung bezeichnet man unreife Vorformen der Granulozyten, oft mit basophilen Schlieren und toxischen Granulationen (Abb. 3).
Bei einem Hiatus leukaemicus finden sich Blasten in Kombination mit reifen Granulozyten bei gleichzeitiger Abwesenheit der Zwischenformen wie Promyelozyten, Myelozyten und stabkernigen Neutrophilen; es besteht hier der dringende Verdacht auf eine akute Leukämie (Abb. 4).
Ein monomorphes Bild identisch aussehender Blutzellen im Ausstrich, z.B. Blasten oder Lymphozyten, suggeriert eine bösartige Erkrankung (3). Im Scattergramm des Differentialblutbildes erkennt man eine abnorme Verteilung der Lymphozyten- und der Monozyten-Population. Der Hämatologie-Analyser meldet dann allenfalls einen «Blasten»-Alarm.
Ein pleomorphes Bild, d.h. das Auftreten vieler morphologisch unterschiedlicher Zellen, kann hingegen sowohl bei reaktiven als auch bei malignen Leukozytosen vorliegen.
Bei einer Sepsis sehen wir im Rahmen der reaktiven Linksverschiebung eine pleomorphe Leukozytose (Abb. 3). In ähnlicher Form findet man diese ebenfalls bei der Chronischen Myeloischen Leukämie (CML, Abb. 5).

Infektiöse Mononukleose
Bei infektiöser Mononukleose findet sich ein typisches «buntes» Bild mit Lymphozytose und Vermehrung lympho-monozytoider Zellen («Virozyten», Abb. 6). Auffällig ist die morphologische Variabilität der Zellen. Obwohl einzelne Lymphozyten an leukämische Lymphozyten erinnern können, sind die Lymphozyten pleomorph, was bei Leukämien unwahrscheinlich ist (1). Eine vermehrte Anzahl von «aktivierten» Lymphozyten wird vom Hämatologieautomaten ebenfalls erkannt und mit den klassischen Warnhinweisen («Abn. Lymph/L-Blast» und/oder «Atyp. Lymph») quittiert.

Bei einer Leukozytose mit Polyglobulie und/oder Thrombozytose muss an eine myeloproliferative Erkrankung gedacht werden.

Hyperleukozytose
Eine Hyperleukozytose (Leukozytenzahlen ≥ 100*10³/µl) ist immer ein Notfall, da hier eine lebensbedrohliche Leukostase mit Hyperviskosität und verminderter Gewebeperfusion auftreten kann (3). Für das Auftreten einer Leukostase ist nicht allein die Leukozytenzahl, sondern auch das Zellvolumen wichtig. Deshalb sind Patienten mit einer akuten myeloischen Leukämie (AML) oder chronischen myeloischen Leukämie (CML) mit grossen myeloischen Vorläuferzellen im peripheren Blut eher gefährdet.

Warnzeichen bei einer Leukozytose sind in Tabelle 1 zusammengefasst:

  • Blasten im peripheren Blutbild
  • Leukozytenzahl > 50*10³/µl
  • Hyperleukozytose (Lc ≥ 100*10³/µl) mit den Symptomen: Schwindel, Sehstörungen, Delir, Dyspnoe, Blutungen
  • Leukozytose mit Anämie und/oder Thrombozytopenie
  • Leukozytose mit Polyglobulie und/oder Thrombozytose
  • Leukozytose mit B-Symptomatik, Lymphadenopathie und Verschlechterung des Allgemeinzustands

Der «rote» Blutbildnotfall

Anämie
Entscheidend für die Beurteilung einer Anämie als Notfall sind das Tempo der Entstehung, die Klinik und die weiteren Laborbefunde.
Eine schwere megaloblastäre Anämie oder eine Eisenmangelanämie bei chronischer Blutung, die sich jedoch sehr langsam entwickelte, wird oft überraschend gut vertragen.
Eine akute hämolytische Anämie stellt immer einen Notfall dar. Die Morphologie der Erythrozyten (Makrozytose, Polychromasie, Normoblasten, Retikulozytose), der Nachweis von Fragmentozyten und die Thrombozytenzahl spielen bei Abklärung einer Hämolyse eine wichtige Rolle.
Bei einer Coombs-positiven hämolytischen Anämie kann es zu einer raschen Dekompensation der Hämolyse mit relevantem Hämoglobinabfall und entsprechender Symptomatik kommen.
Der Nachweis zahlreicher Fragmentozyten bei einer Coombs-negativen, hämolytischen Anämie ist dringend verdächtig auf eine Erkrankung aus dem Formenkreis der mikroangiopatischhämolytischen Anämien, wie z.B. die thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP) und das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS). Zudem weisen diese Patienten eine Thrombozytopenie, eine deutlich erhöhte LDH, ein erniedrigtes Haptoglobin, Fieber, neurologische Symptome und eine Niereninsuffizienz auf (4).
Polyglobulie und erhöhter Hämatokrit
Bei erhöhtem Hämatokrit sollten zuerst die häufigeren und naheliegende Ursachen wie Flüssigkeitsmangel bzw. -verlust sowie eine chronische obstruktive Pneumopathie ausgeschlossen werden. Bei deutlich erhöhte Hämatokrit muss an eine chronische myeloproliferative Erkrankung wie z.B. die Polycythaemia vera gedacht werden.
Klinisch stehen in der Regel Symptome im Vordergrund, welche durch die erhöhte Blutviskosität und Mikrozirkulationsstörungen bedingt sind (z.B. gerötete Gesichtshaut, Kopfdruck/Kopfschmerzen, Hypertonie, Sehstörungen, Parästhesien, Erythromeralgie) oder thromboembolische Komplikationen. Die Therapie besteht im Aderlass und dem Beginn mit niedrig dosierter Acetylsalizylsäure.

Der «Plättchen»-Blutbildnotfall

Eine akute Thrombozytopenie (Plättchen < 100 ’000/ µl) stellt immer eine Notfall-Situation dar. Es muss sichergestellt werden, dass die Labordiagnostik rasch und eindeutig berichtet, ob es um eine Pseudo-Thrombozytopenie oder eine echte Thrombozytopenie handelt. Eine Pseudothrombozytopenie ist wahrscheinlich, wenn sich entweder im EDTA-antikoagulierten Vollblut Gerinnsel zeigen oder wenn im Ausstrich Thrombozytenaggregate gefunden werden. Diese Thrombozytenaggregate müssen aktiv am Rande der Ausstrichfahne gesucht werden
Bei einer Thrombozytenzahl < 5-10 x 109/l besteht ein hohes Risiko für Spontanblutungen (5).
Alter, Therapie mit Aggregationshemmern, Antikoagulantien und Comorbiditäten können bereits bei höheren Thrombozytenzahlen spontane Blutungen begünstigen. Klinik (Fieber, neurologische Symptome, Durchfälle) und Labor (Hämolyse, Fragmentozyten, Niereninsuffizienz, Gerinungstörungen) bestimmen die weiteren Massnahmen und die Dringlichkeit (4). Die Messqualität der Hämatologie-Analyser hat sich in den letzten Jahren in allen Belangen erfreulich verbessert, womit die untere Messgrenze der Thrombozytenkonzentration im Bereich von 1000 Plättchen/μl definiert wird und auch Aussagen zum Reifegrad sowie zur Anisozytose validiert sind.
An eine immunthrombozytopenie (ITP) denken wir bei asymptomatischen Patienten mit isolierter Thrombozytopenie. Erhöhte Fraktion der unreifen Thrombozyten (auf Sysmex-Analyser als IPF, «immature platelet fraction», bezeichnet) deutet auf gesteigerte Thrombopoiese bei peripherem Verbrauch. Bei Patienten über 60 Jahren wird meist eine Knochenmarkpunktion gemacht, da mit dem Alter das Risiko für andere Ursachen steigt. Eine Therapieindikation besteht in der Regel bei Thrombozytenzahl < 30 x109/l(5).
Ein absoluter Notfall ist eine Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT). Die HIT ist dosisunabhängig, tritt in der Regel 5-10 Tage nach Beginn der Heparinisierung (UFH > LMWH > Heparinoide) auf. Nach Heparin-Reexposition kann sie auch innerhalb weniger Stunden auftreten und zu thrombotischen Komplikationen führen (5). Heparin muss sofort abgesetzt werden.

Zusammenfassend ist die Kenntnis der wichtigsten Blutbildnotfälle sowohl für die Aerzteschaft als auch für das medizinische Personal zusammen mit der Klinik als Weichenstellung für die weiteren Massnahmen und die Erkennung der Dringlichkeit von grossem Nutzen.

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Dr. med., M.D.Veronika Ballova

Departement für Innere Medizin Kantonsspital Baden Im Ergel 1, 5404 Baden

veronika.ballova@ksb.ch

Dr. med.Hans-Rudolf Schmid

Departement für Innere Medizin Kantonsspital Baden Im Ergel 1, 5404 Baden

Prof. Dr. med.Jürg Hans Beer

Leiter Gerinnungssprechstunde Kantonsspital Baden, 5404 Baden
Labor für Molekulare Kardiologie, Leiter Plättchenforschung,
Universität Zürich
Wagistrasse 12
8952 Schlieren

hansjuerg.beer@ksb.ch

Die Autoren haben deklariert, in Zusammenhang mit diesem Artikel keine Interessenskonflikte zu haben.

  • Bei asymptomatischen Patienten mit ungewöhnlichen Abweichungen von den Referenzbereichen muss an Artefakte gedacht werden.
  • Eine schwere Neutropenie (Neutrophile Granulozyten <0,5×109/l) stellt immer einen Notfall dar, weil diese Patienten ein deutlich erhöhtes Risiko aufweisen, schwere Infektionen zu erleiden.
  • Eine Leukozytose muss immer im Kontext mit anderen Symptomen und Befunden interpretiert werden. Eine Hyperleukozytose (Leukozytenzahlen ≥ 100*103/μl) ist immer ein Notfall, da hier eine lebens- bedrohliche Leukostase mit Hyperviskosität und verminderter Gewebeperfusion auftreten kann.
  • Entscheidend für die Beurteilung einer Anämie als Notfall sind das Tempo der Entstehung, die Klinik und die weiteren Laborbefund.
  • Eine akute Thrombozytopenie (Plättchen <100000/ μl) stellt immer eine Notfall-Situation dar. Es besteht das Risiko für Spontanblutungen, vor allem bei Patienten besteht ein hohes Risiko für Spontanblutungen, insbesondere bei Behandlung mit Aggregationshemmern, Antikoagulantien und Comorbiditäten (5).

1. H. Löffler, J. Rastetter, T. Haferlach. Atlas der klinischen Hämatologie. Springer
2004.
2. J.L. Frater. How I investigate Neutropenia. Int J Lab Hematol. 2020;42 (Suppl.
1):121-132.
3. N. Abramson, B. Melton. Leukocytosis: Basics of Clinical Assessment. Am Fam
Physician. 2000 Nov 1;62(9):2053-2060ent.
4. J.J. Shatzel, MDa, J.A. Taylor. Syndromes of thrombotic microangiopathy. Med
Clin N Am 101 (2017) 395-415.
5. R.L. Gauer, M.M. Braun. Thrombocytopenia. Am Fam Physician. 2012 Mar 15;
85(6):612-622

Sonographie von Nierenzysten

Nierenzysten sind ein häufiger Zufallsbefund in der Ultraschall-Untersuchung. Ein erster Artikel in «der informierte arzt» 03-2021 war den gutartigen, einfachen Nierenzysten gewidmet, die etwa die Hälfte der Fälle ausmachen und häufig in Autopsien von über 50-Jährigen gefunden werden (1). Komplexere Zysten und zystische Tumore sind seltener und werden in 5 Kategorien nach Bosniak (2-7) eingeteilt. Neben diesen gibt es auch angeborene Zystennierenerkrankungen (autosomal-dominante und autosomal-rezessive polyzystische Nierenerkrankung) sowie die erworbene Zystenniere. Letztere kommt typischerweise bei langjährigen Dialysepatienten vor (8, 9).

Einteilung der Zysten nach Bosniak

Ursprünglich wurden diese Kategorien nur für die kontrastmittel-verstärkte Computeromographie (CT) gebildet, später folgten auch die kontrastmittel-verstärkte Magnetresonanzbildgebung (MRI) und die kontrastmittel-verstärkte Sonographie (CEUS). Diese Kategorien sind nicht ganz identisch. Deshalb ist es sinnvoll, jeweils die Art der Bildgebung zu spezifizieren, auf deren Basis die Bosniakklassifiktion vorgenommen wurde, z.B. Kategorie Bosniak II nach CEUS.

Folgende Kategorien werden unterschieden:
• Bosniak I: einfache Zyste (benigne)
• Bosniak II: minimal komplexe Zyste (benigne)
• Bosniak IIF (Follow): leicht komplexer als II, noch nicht III (95 % benigne)
• Bosniak III: komplexe Zysten (40-60% maligne)
• Bosniak IV: gemischt zystisch-solide Läsion (85-100% maligne)

Kriterien für die Einteilung sind:
• Wand • Kontrastierung
• Septen • Solide Anteile
• Zysteninhalt

Bosniak III komplexe Zyste
• Wand teils verdickt >4mm und unregelmässig
• Septe viele, z.T. verkalkt, verdickt > 3mm
• Zysteninhalt echofrei oder homogen echogen
• Kontrastierung vorhanden
• Solide Anteile keine

Die Bosniak-III-Zysten haben sehr deutlich verdickte und gut perfundierte Septen und in 55% handelt sich um ein Nierenzellkarzinom (Abb. 9 a, b).

Bosniak IV komplexe Zyste
• Wand dünn, teils > 4 mm verdickt und unregelmässig
• Septen viele, z.T. verkalkt, knotig
• Zysteninhalt echofrei oder homogen echogen
• Kontrastierung vorhanden sind auch solide Anteile > 4 mm
• Solide Anteile vorhanden

Die Bosniak-IV-Kategorie entspricht meist soliden Tumoren mit zystischen Anteilen. Die meisten davon sind Nierenzellkarzinome, in unserem Beispiel war es ein papilläres Nierenzellkarzinom (Abb. 10 a-c.), doch auch benigne Nephrome können ähnlich aussehen (Abb. 11 a, b). Auch die multizystisch dysplastische Niere (10) (MCDK, Multicystic dysplastic kidney, Abb. 12) ist manchmal schwer von zystischen Nierenzellkarzinomen zu unterscheiden (Abb. 13).

Hereditäre zystische Erkrankungen

Dazu gehören die autosomal-dominante und autosomal-rezessive polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD, ARPKD), die tuberöse Sklerose (TSC tuberous sclerosis complex), die medulläre zystische Nierenerkrankung (engl. medullary cystic kidney disease MCKD) wie auch die Nephronopthise (engl. Nephronopthisis NPHP).

ADPKD (autosomal dominant polycystic kidney disease) Die häufigste Form der hereditären zystischen Nierenerkrankungen ist die autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung. Sie kommt in ca. 1‰ der Neugeborenen vor und lässt sich manchmal bereits früh mittels Ultraschall diagnostizieren. Die ADPKD-betroffenen Patienten bleiben meist bis ins junge Erwachsenalter asymptomatisch. Später kommen Hypertonie, Hämaturie, abdominale Beschwerden dazu, welche den Patienten zum Arzt führen. Es werden dann oft sehr grosse Nieren gefunden, wobei die Nierenfunktion noch erhalten ist (Abb. 14). Heute kann man Patienten mit ADPKD ab dem 18. Lebensjahr mit Tolvaptan, einem Antagonisten des antidiuretischen Hormons behandeln, was das Zystenwachstum und das Fortschreiten der Niereninsuffizienz verlangsamt. Differentialdiagnostisch sind die erworbenen Zystennieren zu erwähnen (engl. acquired cystic kidney disease, ACKD) welche typischerweise bei langjährigen Dia-lysepatienten gefunden werden (Abb. 15).

Beispiele der selteneren hereditären Nierenerkrankungen
ARPKD kommt deutlich seltener vor als ADPKD, allerdings entwickelt sich die Niereninsuffizienz bereits im Kleinkindesalter (Abb. 16 a,b). Bei der TSC findet man neben Zysten auch multiple Angiomyolipome (Abb. 17). Ebenfalls selten sind die medulläre zystische Nierenerkrankung (Abb. 18) und die Nephronophthise (Abb. 19) (10).

PD Dr. med.Jan Tuma

Zentrum für Nephrologie und Dialyse, Kompetenzzentrum für
Zystennieren, Klinik Hirslanden, Witellikerstrasse 40, 8008 Zürich

jan.tuma@hin.ch

Prof. Dr. med. Andreas Serra

Zentrum für Nephrologie und Dialyse, Kompetenzzentrum für Zystennieren, Klinik Hirslanden, Witellikerstrasse 40, 8008 Zürich

Die Autoren haben in Zusammenhang mit diesem Artikel keine Interessenskonflikte deklariert.

  • Einfache Nierenzysten sind häufig und können mit einer B-mode-Sonographie meist sicher diagnostiziert werden.
  • Komplizierte Zysten sollten immer mit Kontrastverstärkung der Bildgebung (CEUS, CT, CEMR) beurteilt werden. Die CEUS zeigt eine gute räumliche und zeitliche Auflösung und vermeidet nephrotoxische Sub-stanzen und ionisierende Strahlen, weshalb wir sie den anderen Methoden vorziehen (7).
  • Hereditäre zystische Nierenerkrankungen sind selten. In nur wenigen Zentren können heute ADPKD mit Tolvaptan oder TSC mit Votubia behandelt werden. Gerne bietet unser Zentrum in der Klinik Hirslanden Patienten mit diesen seltenen Erkrankungen Betreuung gemeinsam mit dem behandelnden Hausarzt bzw. der Hausärztin an.

Literatur:
1. Grantham JJ, Winklhofer F. Cystic Disease of the Kidney. In: Bren- ner B-M, Rector F-C, editors. Volume: 2, The Kidney. Philadelphia: Saunders; 2004. p. 1743–70.
2. Bosniak MA. The current radiological approach to renal cysts. Radiology 1986; 158: 1–10.
3. Israel GM, Bosniak MA. An update of the Bosniak renal cyst clasification system. Urology 2005; 66: 484–88.
4. Silverman SG, Pedrosa I, Ellis JH et al: Bosniak Classification of Cystic Renal Masses, Version 2019: An Update Proposal and Needs Assessment. Radiology 2019;292:475-488.
5. Terada N, Ichioka K, Matsuta Y, Okubo K, Yoshimura K, Arai Y The natural history of simple renal cysts. J Urol. 2002; 167: 21–23.
6. Carrim ZI, Murchison JT: The prevalence of simple renal and hepatic cysts detected by spiral computed tomography. Clin Radiol. 2003;58(8):626.
7. Cantisani v et al: EFSUMB 2020 Proposal for a Contrast-Enhanced Ultrasound-Adapted Bosniak Cyst Categorization – Position Statement Ultraschall in der Medizin – European Journal of Ultrasound 2020 (efirst) DOI: 10.1055/a-1300-1727
8. Grantham JJ, Torres VE, Chapman AB, Guay-Woodford LM, Bae KT, King BF, Jr. et al. Volume Progression in Polycystic Kidney Disease. N Engl J Med 2006;354:2122–30.
9. Taves DH. Acquired cystic disease of the kidney in patients on hemodialysis. Can.Assoc.Radiol.J 1986;37:161–63.
10. O‘Neill WC. Other Multicystic Disorders. In: O‘Neill WC, editor. Atlas of renal Ultrasonography. 2000. p. 99–105.

Sarkoidose

Die Lebensqualität der betroffenen Patienten ist nicht nur durch die direkte Organschädigung, sondern auch durch Sarkoidose-assoziierte Symptome wie Müdigkeit und Erschöpfung stark eingeschränkt. Die Inzidenz der Sarkoidose ist je nach Alter, Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit unterschiedlich und weist saisonale und geografische Unterschiede auf. Ausserdem spielen Umweltfaktoren wie Mikroorganismen oder anorganische Materialien bei genetisch prädisponierten Personen wahrscheinlich eine relevante Rolle. Aufgrund unterschiedlicher Pathogenese ist personalisierte Medizin hier im besonderen Masse wichtig.

Häufigkeit und Ursache

In der Schweiz tritt die Sarkoidose mit einer Häufigkeit von ca. sieben Neuerkrankungen pro 100 000 Personen pro Jahr auf, wobei ein erhöhtes Risiko in Gebieten mit Metallindustrie und intensiver Landwirtschaft gefunden wurde. Dies sowie die Tatsache, dass die Lunge das am häufigsten betroffene Organ ist, könnte auf einen kausalen Zusammenhang zwischen inhalativen Noxen und Sarkoidose hinweisen, welche die Erkrankung bei entsprechend genetisch prädisponierten Personen auslösen oder begünstigen könnte. Mehrere Studien konnten zudem auch einen Zusammenhang zwischen Sarkoidose und beruflicher Exposition herstellen. Es ist somit naheliegend, dass es nach der Inhalation von gewissen Antigenen (anorganische Partikel, nicht-tuberkulöse Mykobakterien) zu einer Immunreaktion mit Granulombildung kommen könnte. Nicht-nekrotisierende, epithelioidzellige Granulome sind gemeinhin der histologische Indikator für eine Sarkoidose, obschon auch andere Erkrankungen zu ähnlich aussehenden Granulomen führen können. Die Aufrechterhaltung und das Fortschreiten der Granulombildung können schliesslich zu chronischen Entzündungen und Fibrosierung führen.

Klinische Präsentation

Die Sarkoidose ist eine potentielle Multisystemerkrankung, die abhängig von den Organmanifestationen und dem zeitlichen Verlauf der Erkrankung mit einem breiten Spektrum von Symptomen auftreten kann (Tab. 1). Bei ca. 50% der Patienten verläuft die Sarkoidose innerhalb von zwei Jahren selbstlimitierend. Umgekehrt ist eine vollständige Remission nach einem Krankheitsverlauf von fünf Jahren wenig wahrscheinlich (1).
Die pulmonale Sarkoidose umfasst die Beteiligung der Lunge und / oder der mediastinalen / hilären Lymphknoten und ist die häufigste Manifestation (80-90% der Fälle). Das klinische Erscheinungsbild umfasst Husten, Atemnot und Brustschmerzen, die mit Müdigkeit, Gewichtsverlust, Fieber und Unwohlsein einhergehen können (2). Die Ergebnisse von Lungenfunktionstests sind unspezifisch, da die Lungensarkoidose obstruktive, restriktive, gemischte oder normale Muster aufweisen kann. Die Lungenfunktionsmessung ist jedoch ein wichtiges Instrument zur Beurteilung des Schweregrads der Lungenbeteiligung sowie für Therapie-Indikation und -Ansprechen. Interstitielle Lungenerkrankungen («Interstitial Lung Disease», ILD) im Rahmen der Sarkoidose reichen von subklinischer Manifestation bis zur Lungenfibrose im Endstadium (Stadium 4). Letzteres ist ein irreversibler Organschaden, während eine leichte bis mittelschwere ILD aufgrund von Sarkoidose ein potenziell behandelbarer und reversibler Zustand ist. Die auf der konventionellen Röntgenuntersuchung basierende Stadieneinteilung nach Scadding reflektiert diese pulmonalen Phänotypen und findet bis heute noch Anwendung (Scadding Typ 1: Hilusvergrösserung, unauffälliges Lungenparenchym; Scadding Typ 2: Hilusvergrösserung und retikulonoduläre Verschattung der Lunge; Scadding Typ 3: Keine Hilusvergrösserung, aber retikulonoduläre Verschattung der Lunge; Scadding Typ 4: Retikuläres Muster im Sinne einer Lungenfibrose).
Extrapulmonale Manifestationen treten bei bis zu 30% der Patienten auf. Grundsätzlich kann jedes Organ betroffen sein, einschliesslich Haut (ca. 25%), Auge (25-50%), Leber (ca. 20%), extrathorakale Lymphknoten (40%), Milz (ca. 6%), Herz (2-7%), Nervensystem (5-10%), Niere (interstitielle Nephritis 20%, Nephrokalzinose 5%), Gelenke (bis zu 15%), Muskeln (bis zu 10%), exokrine Drüsen (ca. 5%), Knochenmark, Magen-Darm-Trakt (ca. 1%)

und obere Atemwege (ca. 1%) (3, 4-6). Die einzelnen Manifestationen variieren je nach Geschlecht, Alter und ethnischer Zugehörigkeit, was wiederum den Vergleich mit eingangs erwähntem Chamäleon rechtfertigt.
Die kardiale Sarkoidose ist eine seltene, aber potentiell lebensbedrohliche Manifestation, die bei 2-7% der Sarkoidose-Patienten und je nach Studie bis zu 83% der Fälle in Autopsie-Reihen beschrieben wurde (7, 8). Gemäss eigenen, bislang nicht publizierten Erfahrungen kann mit modernen bildgebenden Verfahren, wie kardiale Magnetresonanztomographie (c-MRT) oder 18FDG-PET/CT sogar eine Prävalenz der Herzbeteiligung von ca. 50% beobachtet werden. Daher wird angenommen, dass ein signifikanter Anteil der asymptomatischen Herzbeteiligung in diesem Stadium unerkannt bleibt. Eine Herzbeteiligung kann zu ventrikulären Arrhythmien, Reizleitungsstörungen oder Herzinsuffizienz aufgrund einer granulomatösen Myokardinfiltration und / oder Fibrose führen. Da bei bis zu 25% der Patienten mit Herzsarkoidose ein plötzlicher Herztod auftreten kann, ist eine frühzeitige Diagnose und angemessene Behandlung von grosser Bedeutung (9).
Para-Sarkoidose-Syndrome umfassen heterogene Symptomkomplexe, welche keinem spezifischen Organ zuzuordnen sind. Das Post-Sarkoidose-Müdigkeitssyndrom ist eine der problematischsten Manifestationen, da keine spezifischen Behandlungsmöglichkeiten bestehen und die Lebensqualität stark beeinträchtigt wird. Zudem können die Symptome, wie Müdigkeit, Erschöpfung und Konzentrationsschwierigkeiten sogar über die eigentliche Krankheitsremission hinaus bestehen bleiben (10).
Das Löfgren-Syndrom ist eine akute Form der Sarkoidose mit Fieber, bilateraler Knöchelarthritis und/oder Erythema nodosum und bilateraler Hilus-Lymphadenopathie (11). Es hat eine gute Prognose mit einer Remission bei 70-80% dieser Patienten (12). Das Heerfordt-Syndrom ist eine äusserst seltene Variante, die durch Uveitis, Vergrösserung/Entzündung der Speicheldrüsen und Parese der Hirnnerven, insbesondere des N. facialis, definiert ist.

Differenzialdiagnose

Die Liste der Differenzialdiagnosen ist vielfältig, was auch den heterogenen Phänotypen der Sarkoidose geschuldet ist (Tab. 2). Prinzipiell unterscheiden sich klinische, radiologische und histologische Differenzialdiagnosen.

Diagnose

Die histologische Bestätigung ist insbesondere bei symptomatischen Patienten empfohlen, um die oben erwähnten Differenzialdiagnosen auszuschliessen und eine korrekte, in der Regel entzündungshemmende und/oder immunsupprimierende Therapie einzuleiten. Schlussendlich ist die Sarkoidose aber meist eine Ausschlussdiagnose. Bei Löfgren-Syndrom, Heerfordt-Syndrom oder einer zufällig entdeckten, asymptomatischen, symmetrischen, bi-hilären Lymphadenopthie ist eine klinische Diagnose ausreichend (13).
Da Sarkoidose eine Multisystemerkrankung mit unterschiedlichen Verläufen ist, wird nach Diagnosestellung initial ein minimales Organscreening empfohlen (Tab. 3). Die Häufigkeit und die Dauer der Verlaufsuntersuchungen hängen von der Erkrankungsschwere und -aktivität sowie von der jeweiligen Organbeteiligung ab. Als Faustregel gilt, dass Patienten unter aktiver Behandlung mindestens alle drei Monate, Patienten mit asymptomatischem oder selbstlimitierendem Verlauf während der Remission zwei Jahre lang zweimal jährlich, dann drei Jahre lang in jährlichen Intervallen kontrolliert werden sollten.

Bisher gibt es keine spezifischen Laboruntersuchungen für Sarkoidose. Einige sarkoidose-assoziierte Serum-Biomarker wie Angiotensin-Converting-Enzym (ACE), löslicher Interleukin-2-Rezeptor Alpha (sIL-2Rα) und Neopterin sowie die Kalziumbestimmung im Spot-Urin können, sofern positiv, zur Aktivitäts- und Verlaufsparameter herangezogen werden.
Bei Anzeichen auf andere Organbeteiligungen sollten spezifische weitere Untersuchungen durchgeführt werden, da jede extrapulmonale Manifestation potentiell die Indikation für eine Systemtherapie sein könnte und prognostische Relevanz hat. Bei Verdacht auf Herzsarkoidose stehen heute entweder eine c-MRT, ein 18FDG-PET / CT oder eine Kombination von beiden (18FDG-PET / MRT) zur Verfügung (14). Die Abfolge von Diagnostik bis hin zur Therapie ist in (Abb. 1) veranschaulicht.

Behandlung

Die Krankheitsverläufe der Sarkoidose sind individuell sehr verschieden und im Einzelfall schwierig vorherzusagen. Darüber hinaus gibt es derzeit keine verlässlichen, einheitlich akzeptierten Prädiktoren für Progress oder ein Rezidiv. Generell gilt aber, dass in milden pulmonalen oder kutanen Formen eine topische Behandlung und / oder eine konservative Verlaufsbeobachtung gerechtfertigt sind. Absolute Behandlungsindikationen für eine systemische Behandlung bei anhaltender Krankheitsaktivität sind eine symptomatische Beeinträchtigung der Lungenfunktion, signifikante radiologische Manifestationen oder fortschreitende Lungenfibrose, pulmonale Hypertonie, Herzbeteiligung, Neurosarkoidose, ausgeprägte Leberfunktionsstörung, Hyperkalzämie und Nierenbeteiligung sowie therapierefraktäre kutane Beteiligung. Da in der Schweiz formal kein Immunsuppressivum für die Behandlung der Sarkoidose zugelassen ist, muss bei der Auswahl einer geeigneten Behandlung auf Konsensempfehlungen zurückgegriffen werden (15, 16). Orale Glukokortiko-Steroide gelten gemeinhin als Erstlinientherapie der Wahl (17, 18). Ein typisches Dosierungsschema besteht aus einer anfänglichen Tagesdosis von 0,5–0,75 mg Prednison pro kg Körpergewicht für vier Wochen. Danach kann die Steroid-Dosis über 6 bis 12 Monate langsam verringert werden. In refraktären oder chronisch-aktiven Fällen sollte das Steroid, sofern möglich, in niedriger Dosis in Kombination mit einem (oder mehreren) steroidsparenden Medikament(en) fortgesetzt werden. Für die Zweitlinienbehandlung (bei schwerer Organbeteiligung, bei steroid-refraktären, chronisch-aktiven oder rezidivierenden Fällen) oder als steroidsparendes Regime (bei nicht-tolerierbaren Nebenwirkungen, Kontraindikationen gegen Steroide oder Notwendigkeit

einer längerdauernden Steroidbehandlung) sind alternative Immunsuppressiva in Betracht zu ziehen. So konnte in kleinen randomisierten Studien und Fallserien über positive Effekte von Azathioprin, Methotrexat, Mycophenolat-Mofetil, Leflunomid und den Tumor-Nekrose-Faktor-α-Inhibitoren (TNFα-Blocker) Infliximab oder Adalimumab berichtet werden (19-25). Chloroquin und Hydroxychloroquin sind immunmodulatorisch wirksame Arzneimittel, die ursprünglich als Malariamedikamente bekannt waren. Hydroxychloroquin wird zur Erstbehandlung bei Hautbeteiligung eingesetzt und zeigt bei einigen Patienten mit Polymyalgie / Arthralgie und Müdigkeit vorteilhafte Wirkungen (21). Ein Behandlungsalgorithmus für systemische Behandlungsoptionen ist in (Abb. 2) zusammengefasst. Da TNFα eine Schlüsselrolle bei der Pathogenese der Sarkoidose zu spielen scheint, haben mehrere entzündungshemmende Arzneimittel, die mit dem TNF-Metabolismus interagieren wie Thalidomid, Lenalidomid und Pentoxifyllin in kleinen Fallserien oder Berichten ebenfalls eine therapeutische Wirkung gezeigt (26, 27). Andererseits können TNFα-Inhibitoren auch Sarkoidose-ähnliche Erkrankungen begünstigen (28). Mittlerweile ist jedoch bekannt, dass die Pathogenese der Sarkoidose über den TNF-Metabolismus weit hinausgeht und Störungen auf verschiedenen Ebenen der erworbenen und angeborenen Immunität vorliegen. Daher wurden alternative Ansätze in Fallserien und Berichten mit dem IL-17-Inhibitor Secukinumab, dem IL-6-Rezeptorantagonisten Tocilizumab, dem JAK-1/3-Inhibitor Tofacitinib und dem monoklonalen chimären Anti-CD20-Antikörper Rituximab publiziert. Derzeit laufen zudem Studien zum Phosphodiesterase-Inhibitor Roflumilast und zum Fusionsprotein Abatacept. In schweren, therapierefraktären Fällen oder bei Neurosarkoidose kann auch Cyclophosphamid in Betracht gezogen werden, obwohl das Evidenzniveau dafür tief ist.
Zusätzlich zu entzündungshemmenden Behandlungen sollte die ICD / Schrittmacher-Implantation bei Herzsarkoidose mit schweren ventrikulären Arrhythmien, hochgradigem AV-Block oder beeinträchtigter linksventrikulärer Funktion sowie ausgedehnter Myokardfibrose in Betracht gezogen werden. Nintedanib, ein Tyrosinkinase-Inhibitor, der für die idiopathische Lungenfibrose zugelassen ist, erhielt kürzlich eine erweiterte Zulassung für chronisch fibrosierende interstitielle Lungenerkrankungen mit progressivem Phänotyp, zu denen unter anderem auch Sarkoidose gehört (29, 30).
Bei Sarkoidose im irreversiblen Endstadium könnte eine Allotransplantation (Lunge, Herz, Niere oder Leber) die letzte Möglichkeit sein. Bei einer langfristigen Immunsuppression von Steroiden > 20 mg/d über 1 Monat empfiehlt sich zudem 3x/Wo. eine Prophylaxe gegen P. jiroveci mit Trimethoprim-Sulfamethoxazol 160/800 mg (31).
Bei längerfristiger Steroid-Therapie ist an eine Osteoporoseprophylaxe und regelmässiges Monitoring des Serumskalziums zu denken.
Die umfassende Betreuung von Sarkoidose-Patienten schliesst auch nicht-pharmakologische Massnahmen ein wie Sauerstofftherapie, Physiotherapie und Ergotherapie, körperliches Training, Lungenrehabilitation, kognitive Verhaltenstherapie, psychosoziale Beratung, multimodale Sprachpathologietherapie, achtsamkeitsbasierte Therapie und vieles mehr (32). Je nach Organbefall ist ein interdisziplinärer Ansatz erforderlich. An grösseren Zentren in der Schweiz sind bereits interdisziplinäre Sarkoidose-Sprechstunden etabliert, wo personalisierte Therapieansätze basierend auf entzündungs-Profiling im Gewebe oder Blut durchgeführt werden können. Ein Sarkoidose-Netzwerk (www.SARNET.ch) ist im Aufbau als Austausch- und Vermittlungs-Plattform.

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Prof. Dr. med.Daniel Franzen

Departement Innere Medizin
Spital Uster
Brunnenstr. 42
8610 Uster

daniel.franzen@spitaluster.ch

Die Autoren haben deklariert, in Zusammehang mit diesem Artikel keine Interessenskonflikte zu haben.

  • Die Sarkoidose ist eine multisystemische granulomatöse Erkrankung mit verschiedenen klinischen Symptomen.
  • Je nach Organbefall ist eine interdisziplinäre Betreuung erforderlich.
  • Besonderes Augenmerk sollte auf schwerwiegenden Manifestation mit Beteiligung von Lunge, Herz, Nervensystem, Augen und Nieren liegen.
  • Die umfassende Patienten-Betreuung beinhaltet pharmakologische und nicht-pharmakologische Massnahmen, auch unter Einbezug der psychosozialen Belastung und Behandlung der Para-Sarkoidose-Symptome wie Müdigkeit.

Paradigmenwechsel hin zur Rhythmuskontrolle und Katheterablation

Das Vorhofflimmern ist eine sehr häufige Erkrankung. In den letzten Jahren hat sich die Technologie für die elektrophysiologische Ablation stark weiterentwickelt und diese Behandlungsstrategie zeigt nun gar prognostische Vorteile. Ziel des Artikels ist es, die wichtigsten neuen Erkenntnisse darzulegen.

La fibrillation auriculaire est une maladie très courante. Ces dernières années, la technologie de l’ablation électrophysiologique a considérablement évolué, et aujourd’hui cette stratégie de traitement offre même des avantages sur le plan du pronostic. L’objectif de cet article est de présenter les nouvelles découvertes les plus importantes.

Das Vorhofflimmern ist die häufigste Rhythmusstörung in westlichen Ländern und die Inzidenz nimmt mit dem Alter zu. Es kann sowohl idiopathisch vorkommen, wie auch durch auslösende Faktoren begünstigt werden. Dabei spielen die konventionellen kardiovaskulären Risikofaktoren, aber auch Komorbiditäten und Operationen eine Rolle. Viele Jahre wurde die Wahl in Bezug auf Rhythmus- oder Frequenzkontrolle ausschliesslich von der Symptomatik beeinflusst.
Die Rhythmus-wirksamen Medikamente haben viele Kontraindikationen oder ein erhebliches Nebenwirkungsprofil und die Ablation des Vorhofflimmerns eine kurze Geschichte.
Auf der einen Seite gab es seit dem eher selten eingesetzten Dronedarone/Multaq, welches vor gut 10 Jahren auf den Markt kam, keine neuen Rhythmus- oder Frequenz-kontrollierenden Medikamente mehr für das Vorhofflimmern. Auf der anderen Seite hat die Ablation des Vorhofflimmerns grosse technologische Fortschritte gemacht, so dass das Vorhofflimmern invasiv immer besser behandelt werden kann. In den letzten Jahren ergaben sich zusätzlich neue Erkenntnisse, welche zu einem Umdenken bei der Wahl der Therapiestrategie geführt haben. In diesem Artikel werden diese neuen Entwicklungen diskutiert.

Beurteilung des Vorhofflimmerns

Wichtig bei der Charakterisierung des Vorhofflimmerns ist die Herzfrequenz (bradykard, normokard, tachykard), die Symptomatik (mittels EHRA Klassifikation I-IV, wobei I asymptomatisch ist und IV massiv symptomatisch) und die Vorhofflimmerlast (1). Letztere wird mit der folgenden in den aktuellen ESC Guidelines neu definierten Einteilung beschrieben (1):

Paroxysmales Vorhofflimmern terminiert spontan oder mit Kardioversion innerhalb von 7 Tagen.
Persistierendes Vorhofflimmern dauert länger als 7 Tage inklusive Kardioversion nach 7 Tagen.
Long-Standing persistent Vorhofflimmern dauert >12 Monate mit einem Entscheid zur Rhythmuskontrolle.
Permanentes Vorhofflimmern dauert >12 Monate oder nach dem Entscheid zur alleinigen Frequenzkontrolle.

Neue Erkenntnisse in der Behandlung des Vorhofflimmerns: Rhythmus- vor Frequenzkontrolle

In den letzten Jahren kam es zu einem Paradigmenwechsel in der Behandlung des Vorhofflimmerns. Der Erhalt des Sinusrhythmus dient nicht mehr nur der Symptomkontrolle, sondern kann auch für die Prognose der Patientinnen und Patienten wichtig sein. Voraussetzung dafür waren die technologischen Fortschritte und die damit einhergehende Verbesserung der Effektivität der Katheterablation.
Die CIRCA-DOSE Studie, welche mit implantierbaren Loop Recordern die Vorhofflimmerlast nach der Cryoballoon-Ablation auswertete, zeigte, dass durch eine Ablation eine Abnahme der Vorhofflimmerlast um >98% erreicht werden konnte. Ein Jahr nach der Ablation waren etwas mehr als 50% der Patienten noch Rezidiv frei. Subjektiv waren fast 80% der Patienten innerhalb des ersten Jahres beschwerdefrei (2). Die CLOSE TO CURE Studie, in der Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern mittels Radiofrequenzablation behandelt wurden, zeigte nach 1 und 2 Jahren ebenfalls eine Reduktion der Vorhofflimmerlast von 100% (3).
Zwei neue Studien (4, 5) bestätigen ältere Daten (6), die zeigen, dass die Katheterablation auch als first line Therapie, d.h. ohne vorgängigen Versuch einer pharmakologischen Rhythmuskontrolle, den Antiarrhythmika überlegen ist.
Als erste Gruppe profitieren Patienten mit einer Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern von der Katheterablation. Herzinsuffiziente Patienten leiden besonders häufig unter Vorhofflimmern. Nicht nur kann ein tachykardes Vorhofflimmern zu einer Tachykardiomyopathie führen, auch die Herzinsuffizienz begünstigt das Auftreten von Vorhofflimmern. In zwei randomisierten kontrollierten Studien zeigte sich, dass die Katheterablation einer medikamentösen Therapie (u.a. mit Amiodarone) bezüglich Hospitalisationsrate und Gesamtmortalität überlegen war (7, 8). Eine zweite Gruppe, bei der für die Rhythmuskontrolle ein prognostischer Vorteil nachgewiesen werden konnte, bilden Patienten mit neu diagnostiziertem Vorhofflimmern. Die EAST-AFNET4 Studie untersuchte Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren, bei denen Vorhofflimmern innerhalb der letzten zwölf Monate diagnostiziert worden war. Es zeigte sich, dass die Rhythmuskontrolle mit Antiarrhythmika oder einer Katheterablation zu einer deutlichen Verbesserung der kardiovaskulären Endpunkte (inkl. Hirnschlag und Gesamtmortalität) führte. Die Studie musste, weil der Unterschied zu gross war, frühzeitig abgebrochen werden (9).
Den Nutzen der Katheterablation gegenüber der medikamentösen Behandlung in einem allgemeinen Patientenkollektiv mit Vorhofflimmern wurde in der CABANA Studie untersucht. Da mehr als ein Drittel der Patienten während der Studie die Behandlungsgruppe wechselte (cross-over), ist die Interpretation der Studie nicht einfach. Während die Auswertung nach Randomisierung (intention to treat) keinen signifikanten Unterschied zwischen den zwei Behandlungsgruppen zeigte, ergab die Auswertung aufgrund der effektiven Behandlung (per protocol, as treated) für die Katheterablation eine signifikante Reduktion des primären Endpunktes (Tod, Hirnschlag, Blutung, Herzstillstand) und der Gesamtmortalität (10).

Es gibt verschiedene Gründe, die die Vorteile der Rhythmuskontrolle durch eine Katheterablation bei Patienten mit Vorhofflimmern erklären können:
1. Im Sinusrhythmus leistet der Vorhof durch die physiologische Sequenz von Vorhofs- undVentrikelkontraktion ca. 20% des Herz-Minuten-Volumens. Diese Pumpleistung fehlt beiPatienten mit Vorhofflimmern.
2. Die Förderung des Sinusrhythmus verhindert das mit Tachykardien und Arrhythmien assoziierte Auftreten einer Kardiomyopathie (11).
3. Die Reduktion der Vorhofflimmerlast kann, wie Analysen der grossen Antikoagulantienstudien zeigen, auch zur Verminderung der thromboembolischen Komplikationen, insbesondere des Hirnschlags beitragen (12-14).
Neben der Prognose ist auch die Lebensqualität für die Patientinnen und Patienten von grosser Wichtigkeit. Auch in diesem Bereich zeigte die Katheterablation in mehreren Studien im Vergleich zu den anderen Therapieoptionen die besten Ergebnisse (3, 15, 16) (Abb. 1).

Technik der Katheterablation

Bei 90% aller Vorhofflimmern ist der Ursprung in den Pulmonalvenen am Übergang zum linken Vorhof lokalisiert (17). Bei 10% der Patienten liegt der Trigger für das Vorhofflimmern im linken Vorhof, seltener auch in der Vena cava superior oder im rechten Vorhof.
Für die Katheterablation wird ein Zugang über die Leiste gewählt. Via Vena cava inferior gelangt man in den rechten Vorhof. Es erfolgt eine transseptale Punktion, das heisst eine Punktion des Vorhofseptums, um in den linken Vorhof zu gelangen. Der linke Vorhof und der Eingang zu den Pulmonalvenen wird mit Hilfe eines technischen Systems dreidimensional abgebildet. Bei der Radiofrequenzablation wird im Bereich der Ostien der Pulmonalvenen Wärme abgegeben um Linien zur elektrischen Isolation zu ziehen. Bei Cryo-Ablationen wird mittels eines Ballons, welcher in die Ostien der Pulmonalvenen gelegt wird, Kälte abgegeben, um eine elektrische Isolation der Pulmonalvenen zu erzeugen. Die vollständige elektrische Isolation ist bei beiden Methoden erreicht, wenn keine elektrischen Signale mehr vom Vorhof in die Pulmonalvenen gelangen. (Abb. 2). Im Falle eines Rezidivs werden bei der Reintervention die wieder leitenden Gaps in den Isolationslinien gesucht und erneut verschlossen. Die Hospitalisation dauert 2-3 Tage. Die Untersuchung kann, je nach Wunsch und Komorbiditäten des Patienten, in Analgosedation oder in Intubationsnarkose durchgeführt werden. Die periinterventionellen Komplikationen sind selten. Am wichtigsten sind der Hirnschlag 0.5%, vaskuläre Probleme (Zugang), wobei nur 0.5% der Patienten eine Intervention oder Operation brauchen, sowie die Perikardtamponade 0.8% (1, 18). Extrem selten sind atrio-oesophageale Fisteln.

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Dr. med. Stephan Andreas Müller-Burri

Klinik für Kardiologie, Stadtspital Triemli
Birmensdorferstrasse 497
8063 Zürich

andreas.mueller@triemli.zuerich.ch

Dr. med. Annina Stauber

Oberärztin Rhythmologie
Stadtspital Triemli
Birmensdorferstrasse 497
8063 Zürich

annina.stauber@triemli.zuerich.ch

AS hat keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel.
AM erhielt Fellowship- und Ausbildungsunterstützung von Biotronik, Boston Scientific, Medtronic, Abbott/St. Jude Medical und Biosense Webster; Referentenhonorare von Biosense Webster, Medtronic, Abbott/St. Jude Medical, AstraZeneca, Daiichi Sankyo, Biotronik und MicroPort. AM ist Consultant für Biosense Webster, Medtronic und Abbott/St. Jude Medical.

◆ Für Patienten mit Vorhofflimmern kann die Rhythmuskontrolle gegenüber der Frequenzkontrolle einen Überlebensvorteil haben. Dies gilt insbesondere für Patienten mit neudiagnostiziertem Vorhofflimmern
(<1 Jahr) und ausgewählte Patienten mit einer Herzinsuffizienz (19-11).
◆ Die Katheterablation des Vorhofflimmerns ist der pharmakologischen Rhythmuskontrolle bezüglich Effektivität und klinischem Nutzen überlegen (4-6).
◆ Bei der Wahl der Behandlungsstrategie und -modalität müssen weitere Faktoren wie der Patientenwunsch und die zu erwartenden Erfolgschancen und Risiken der Behandlung berücksichtigt werden (1).

Messages à retenir
◆ Pour les patients atteints de fibrillation auriculaire, le contrôle du rythme peut présenter un avantage en termes de survie par rapport au contrôle de la fréquence. Cela est particulièrement vrai pour les patients chez qui la fibrillation auriculaire vient d’être récemment diagnostiquée (<1 an) et pour certains patients souffrant d’insuffisance cardiaque (19-11).
◆ L’ ablation par cathéter de la FA est supérieure au contrôle pharmacologique du rythme en termes d’efficacité et de bénéfice clinique (4-6).
◆ Le choix de la stratégie et des modalités de traitement doit tenir compte d’autres facteurs tels que les souhaits du patient, les chances de réussite et les risques du traitement. (1).

am Online-Beitrag unter: www.medinfo-verlag.ch

Trikuspidalklappeninsuffizienz

Eine Trikuspidalklappeninsuffizienz (TI) ist echokardiographisch bei 65-85% der Bevölkerung nachweisbar (17a). Während eine leichte TI hämodynamisch irrelevant ist und als Normvariante betrachtet werden kann, hat eine mittelschwere oder schwere TI einen erheblichen Einfluss auf die Morbidität und Mortalität. Der folgende Bericht umfasst die moderne Therapie (Teil 2) der TI.

L’ insuffisance de la valve tricuspide (IT) peut être détectée par échocardiographie chez 65 à 85 % de la population (17a). Alors qu’une IT légère n’a pas d’importance sur le plan hémodynamique et peut être considérée comme une variante de la norme, une IT modérée ou sévère a un impact significatif sur la morbidité et la mortalité. L’article suivant couvre la thérapie moderne (partie 2) de l’IT.

Patienten mit einer relevanten TI präsentieren häufig spät im Krankheitsverlauf und es muss sichergestellt werden, dass linksseitige Herzklappenfehler behandelt sind. Aufgrund des erhöhten Komplikations- und Mortalitätsrisikos, werden chirurgische Korrekturen im klinischen Alltag bei isolierter TI selten durchgeführt (18, 19, 20, 21). Es ist daher entscheidend, dass eine Intervention frühzeitig vor dem Auftreten einer rechtsventrikulären Dysfunktion oder schweren Dilatation evaluiert wird.

Medikamentöse Therapie

Eine schwere TI tritt häufig im Rahmen einer fortgeschrittenen linksseitigen Herzerkrankung auf. Die medikamentöse Therapie spielt daher eine zentrale Rolle und richtet sich nach der Symptomatik und der zugrundeliegenden Ursache. Im häufigen Fall einer eingeschränkten linksventrikulären Funktion sollte eine leitliniengerechte Herzinsuffizienztherapie begonnen und ausgebaut werden. Bei Nachweis einer präkapillären pulmonalen Hypertonie sollte der Einsatz von vasoaktiven Substanzen erwogen werden. Bei klinischen Zeichen der Rechtsherzbelastung steht zur Symptomreduktion die diuretische Therapie im Vordergrund, um die Volumenbelastung des rechten Ventrikels zu vermindern (9).

Chirurgie

Gemäss den aktuellen europäischen Leitlinien besteht eine Klasse I C-Empfehlung für die chirurgische Korrektur beim Vorliegen einer schweren symptomatischen primären TI sowie bei einer sekundären TI bei Pateinten, welche einer linksseitigen Klappenoperation unterzogen werden. Wenn technisch machbar, ist die Rekonstruktion (meist mittels Ring-Anulopastie) einem Klappenersatz vorzuziehen. Beobachtungsstudien haben gezeigt, dass die Rekonstruktion der Trikuspidalklappe (TK) während einer linksseitigen Klappenoperation die TI langfristig relevant reduziert, das Remodeling des rechten Ventrikels (RV) begünstigt und die Lebensqualität der Patienten verbessert ohne das operative Risiko signifikant zu erhöhen (22, 23). Somit wird eine Rekonstruktion bereits bei einer leichten oder mittelschweren sekundären TI im Falle einer Anulusdilatation (>  40mm, 21mm/m2) empfohlen (Klasse IIa, Level C). Der Nutzen einer Operation im Falle einer isolierten TI ohne begleitende linksseitige Klappenerkrankungen konnte bislang nicht gezeigt werden. Tabelle 1 fasst die aktuellen Richtlinien für die chirurgische Behandlung der TI basierend auf den derzeit geltenden Leitlinien zusammen. Obwohl die Chirurgie als Standardverfahren betrachtet wird, ist die Evidenz eines Überlebensvorteils verglichen mit einer rein medikamentösen Therapie limitiert und das perioperative Risiko in multizentrischen Registern trotz steigender Erfahrung weiterhin hoch (geschätzte perioperative Mortalität 9-10%) (20, 21). Neuere Studien zeigen allerdings, dass sorgfältig ausgewählte Patienten mit hoher Erfolgsrate und tiefem Risiko in erfahrenen Zentren operiert werden können.
Nichtdestotrotz wird ein grosser Anteil (>80%) der Patienten mit behandlungsbedürftiger TI für eine offene chirurgische Operation meist aufgrund des Alters, vorliegender Komorbiditäten oder fortgeschrittener Erkrankung nicht evaluiert oder abgelehnt (24). In dieser Patientenpopulation, für welche bis anhin ausser der medikamentösen Behandlung keine therapeutische Alternative vorlag, kann die interventionelle Transkathetertherapie eine effektive Behandlungsmöglichkeit darstellen, um Symptome und möglicherweise Prognose zu verbessern.

Interventionelle Verfahren

Mehrere Transkatheter-Therapieansätze zur Behandlung der schweren TI werden aktuell genutzt und entwickelt. Aktuell vorliegende Daten beruhen auf Beobachtungsstudien, während randomisiert kontrollierte Studien im Vergleich zur alleinigen medikamentösen Therapie in Vorbereitung sind. Kürzlich wurde in einer Propensity-matched Kohortenstudie berichtet, dass eine Überlegenheit der Transkatheter-Therapie der TI gegenüber einer alleinigen medikamentösen Behandlung bestehen könnte (25). Die aktuellen Systeme verfolgen 4 Grundprinzipien, die weitgehend chirurgische Techniken nachahmen: die Edge-to-Edge-Rekonstruktion, die direkte oder indirekte Anuloplastie, der Klappenersatz und die heterotope Klappenimplantation in die Vena cava superior und/oder inferior (Abb. 1) (26, 27).

Edge-to-Edge-Rekonstruktion

Die «Edge-to-Edge»-Technik ist die derzeit am häufigsten angewandte Transkathetertechnik zur Behandlung der TI (26, 28). Obwohl das Verfahren ursprünglich zur Korrektur der Mitralklappeninsuffizienz entwickelt wurde, ist es inzwischen für die Korrektur der TI modifiziert worden. Das Ziel der Transkatheter Edge-to-Edge-Rekonstruktion ist eine Wiederherstellung der Klappenkompetenz, indem der freie Rand des Segels an der entsprechenden freien Kante des gegenüberliegenden Segels mit einem Clip verbunden wird (Fall-Beispiel 1). Dies geschieht üblicherweise unter Vollnarkose. Die Technik ist vorwiegend für die Behandlung von antero-septal und postero-septal lokalisierten kommissuralen Jets mit einer Koaptationslücke <10mm geeignet, weil sie mit einer Reduktion des Anulusdurchmessers einhergeht. Derzeit sind zwei Systeme für diese Indikation in Europa zugelassen: das TriClip®-System (Abbott Vascular, Chicago, USA) und das PASCAL®-System (Edwards Lifesciences, Irvine, USA). Die Sicherheit und Effizienz des TriClip-Systems wurden in der TRILUMINATE-Studie bei 85 Patienten untersucht (29). Eine Reduktion der TI um mindestens einen Schweregrad wurde bei einem Grossteil (91%) der Patienten beobachtet und damit korrespondierend auch eine Verbesserung der Herzinsuffizienzsymptomatik. So verbesserte sich der Anteil an Patienten, welcher in New York Heart Association (NYHA) Klasse I-II eingestuft wurde von 25% vor der Intervention auf 86% innerhalb von 6 Monaten nach dem Eingriff. Nach 12 Monaten wurde zudem ein günstiger Effekt hinsichtlich positivem Remodeling des RV festgestellt. Ein ähnlicher Effekt wurde im Rahmen der kürzlich publizierten einarmigen multizentrischen, prospektiven CLASP TR-Studie zur Untersuchung des PASCAL-Transkatheter-Klappenreparatursystems beobachtet. Unter den 34 in die Studie eingeschlossenen Patienten wurde eine Reduktion der TI um einen Grad bei 85% erreicht, wobei 52% eine mittelgradige oder geringere TI nach der Prozedur aufwiesen. Komplikationen waren selten und nach 30 Tagen befanden sich 89% der Patienten in den NYHA-Klassen I oder II (30).

Direkte Anuloplastie

Ist der Hauptinsuffizienzjet bei einer rein sekundären TI zentral lokalisiert, kann eine direkte Transkatheter-Anuloplastie erfolgen, für welche derzeit allein das Cardioband®-System (Edwards Lifesciences, Irvine, USA) in Trikuspidalposition zugelassen ist. Bei diesem System handelt es sich um ein Polyesterband, welches mit einer verstellbaren Spule verbunden ist. Durch das Band wird eine variable Anzahl von Schrauben (bis zu 17) in den Trikuspidal-Anulus implantiert, welcher dann durch das abschliessende Anziehen des Bandes (Cinching) in seiner Zirkumferenz verkleinert wird. Das Verfahren wird unter fluoroskopischer und echokardiographischer (TEE) Kontrolle durchgeführt. Interaktionen (Perforation oder Okklusion) mit der rechten Kranzarterie, welche in unmittelbarer Nähe zum TK-Anulus liegt, müssen vermieden werden. Hierzu ist eine Computertomographie der TK zur Evaluation der anatomischen Eignung, sowie regelmässige Angiographien der rechten Kranzarterie während der Prozedur erforderlich (Fall-Beispiel 2) (31, 32). Die europäische Zulassungsstudie mit 30 Patienten zeigte einen technischen Erfolg in allen Fällen. Klinisch relevante Komplikationen innerhalb der ersten 30 Tage nach Interventionen waren Blutungskomplikationen (in 4 Fällen), Komplikationen der rechten Kranzarterie (in 3 Fällen) und Rhythmusstörungen (in 3 Fällen). Nach 6 Monaten hatten sich 76% der Patienten um mindestens eine NYHA-Funktionsklasse verbessert, 88% waren in der NYHA-Funktionsklasse I oder II, mit ebenfalls signifikanter Besserung der Sechs-Minuten-Gehdistanz (33). Nach 6 Monaten betrug die Mortalität 10%.

Klappenersatz

Der Transkatheter TK-Ersatz ist eine Technik, welche sich aktuell in der klinischen Entwicklungsphase befindet. Trotz technischer und anatomischer Herausforderungen, insbesondere des Fehlens einer robusten fibrösen Landungszone sowie den grossen Dimensionen des TK-Anulus, stellt das Ersatzverfahren eine Methode dar, welche weitgehend unabhängig von der Ursache der TI eingesetzt werden kann. Mehrere Systeme werden zurzeit untersucht: Die NaviGate-Klappe (NaviGate Cardiac Structures, Inc, Lake Forest, USA) ist eine selbstexpandierende Klappe, welche 2018 als erstes Ersatzsystem beim Menschen implantiert wurde (34). Implantationen werden am schlagenden Herzen durch einen transatrialen Zugang durchgeführt. Erste klinische Erfahrungen zeigen eine akzeptable Komplikationsrate, wobei einzelne Fälle von Rechtsherzversagen beschrieben wurden, insbesondere bei Patienten mit vorbestehender RV-Dysfunktion durch die Zunahme der Nachlast nach Elimination der TI (35, 36). Die EVOQUE-Klappe (Edwards Lifesciences, Irvine, USA) (37), welche für die Korrektur der Mitralklappeninsuffizienz entwickelt wurde, konnte ebenfalls mit einer hohen technischen Erfolgsrate (92%) bei bisher 25 Patienten implantiert werden. Todesfälle, koronare Komplikationen oder Klappenmigrationen wurden innerhalb der ersten 30 Tage nicht beobachtet. In 8% aller Fälle kam es zu Reizleitungsstörungen, welche die Implantation eines Herzschrittmachers erforderten. Der Anteil der Patienten in NYHA Klasse I oder II war 76% 30 Tage nach dem Eingriff (38).

Heterotope cavale Stent-/Klappenimplantation

Die heterotopen Klappenprothesen werden in die obere und/oder untere Vena cava implantiert, ohne die Funktion der nativen TK zu beeinflussen. Dieses Verfahren ist bei Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung der TK und manifesten Zeichen einer Rechtsherzinsuffizienz geeignet (symptomatische Indikation). Ziel ist es, den systolischen Rückfluss und somit den venösen Druck in den Körperorganen zu vermindern und somit die Symptome der TI zu lindern. Das TricValve®-System (P&F Products & Features Vertriebs GmbH, Vienna, AU) besteht aus zwei Klappen, welche unabhängig voneinander in die Vena cava superior und inferior implantiert werden (39). Die TRICENTO®-Transkatheter-Herzklappe (NVT, Hechingen, DE) besteht aus einem bicaval verankerten Stent mit einem lateralen bikuspiden Klappenelement mit niedrigem Verschlussdruck (40).

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Dr. med. Joanna Bartkowiak

Inselspital Bern
Kardiologie
3010 Bern

PD Dr. med. Fabien Praz

Universitätsklinik für Kardiologie
Freiburgstrasse 18
3010 Bern

fabien.praz@insel.ch

Prof. Dr. med. Stephan Windecker

Universitätsklinik für Kardiologie
Freiburgstrasse 18
3010 Bern

Dr. med. Mirjam Winkel

Universitätsklinik für Kardiologie
Freiburgstrasse 18
3010 Bern

Dr. med. Nicolas Brugger

Inselspital Bern
Kardiologie
3010 Bern

Dr. med. David Reineke

Abteilung für Herzchirurgie
Inselspital, Universität Bern
Bern

S. Windecker reports research and educational grants to the institution from Abbott, Amgen, BMS, Bayer, Boston Scientific, Biotronik, Cardinal Health, CardioValve, CSL Behring, Daiichi Sankyo, Edwards Lifesciences, Johnson&Johnson, Medtronic, Querbet, Polares, Sanofi, Terumo, Sinomed. He serves as unpaid member of the steering/excecutive group of trials funded by Abbott, Abiomed, Amgen, BMS, Boston Scientific, Biotronik, Cardiovalve, Edwards Lifesciences, MedAlliance, Medtronic, Polares, Sinomed, V-Wave and Xeltis, but has not received personal payments by any pharmaceutical company or device manufacturer. He is also member of the steering/excecutive committee group of several investigated-initiated trials that receive funding by industry without impact on his personal remuneration. F. Praz reports travel expenses from Edwards Lifesciences, Abbott Vascular and Polares Medical. All other authors have no conflicts of interest to declare.

◆ Alle Patienten sollten einer leitliniengerechten medikamentösen Therapie der zugrundeliegenden Herzerkrankung zugeführt werden.
◆ Verschiedene Transkatheter-Techniken sind für die Behandlung der TI zugelassen und andere befinden sich in der klinischen Entwicklungsphase. Sie können bei sorgfältig abgeklärten symptomatischen Patienten mit hohem chirurgischem Risiko zur Anwendung kommen und stellen eine willkommene Erweiterung des Behandlungsspektrums dar.
◆ Gezielte diagnostische Massnahmen und eine frühzeitige Evaluation durch ein spezialisiertes Zentrum mit Heart Teams bestehend aus kardialen Bildgebungsspezialisten, invasiven Kardiologen und Herzchirurgen sind von entscheidender Bedeutung, um den optimalen Zeitpunkt und Modalität einer Intervention zu determinieren.

Messages à retenir

◆ Tous les patients doivent recevoir un traitement médicamenteux de la maladie cardiaque sous-jacente conformément aux directives.
◆ Plusieurs techniques de transcathéter sont approuvées pour le traitement de l’TI et d’autres sont en phase de développement clinique. Elles peuvent être utilisées chez des patients symptomatiques soigneusement sélectionnés et présentant un haut risque chirurgical. Ces méthodes représentent une extension bienvenue du spectre du traitement.
◆ Des mesures de diagnostic ciblées et une évaluation précoce par un centre spécialisé doté d’équipes composées d’experts de l’imagerie cardiaque, de cardiologues invasifs et de chirurgiens cardiaques sont essentielles pour déterminer le moment et les modalités optimales d’une intervention.

17a. J. P. Singh et al., «Prevalence and clinical determinants of mitral, tricuspid, and aortic regurgitation (The Framingham Heart Study),» Am. J. Cardiol., vol. 83, no. 6, pp. 897–902, 1999, doi: 10.1016/S0002-9149(98)01064-9.
18. A. N. Kadri et al., «Outcomes of patients with severe tricuspid regurgitation and congestive heart failure,» Heart, vol. 105, no. 23, pp. 1813–1817, 2019, doi: 10.1136/heartjnl-2019-315004.
19. A. Kilic, P. Saha-Chaudhuri, J. S. Rankin, and J. V. Conte, «Trends and outcomes of tricuspid valve surgery in north america: An analysis of more than 50,000 patients from the society of thoracic surgeons database,» Ann. Thorac. Surg., vol. 96, no. 5, pp. 1546–1552, 2013, doi: 10.1016/j.athoracsur.2013.06.031.
20. F. Alqahtani, C. O. Berzingi, S. Aljohani, M. Hijazi, A. Al-Hallak, and M. Alkhouli, «Contemporary Trends in the Use and Outcomes of Surgical Treatment of Tricuspid Regurgitation,» J. Am. Heart Assoc., vol. 6, no. 12, 2017, doi: 10.1161/JAHA.117.007597.
21. C. J. Zack et al., «National Trends and Outcomes in Isolated Tricuspid Valve Surgery,» J. Am. Coll. Cardiol., vol. 70, no. 24, pp. 2953–2960, 2017, doi: 10.1016/j.jacc.2017.10.039.
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Sinn und Unsinn des Salzevangelismus

Übermässiger Salzkonsum kann den Blutdruck und das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen erhöhen. Es gibt berechtigte Bestrebungen, exzessiven Salzkonsum bei Risikopatienten zu reduzieren. Neuere Studien haben jedoch gezeigt, dass Salzrestriktion und Versuche, die Salzaufnahme in der Allgemeinbevölkerung so gering wie möglich zu halten, das kardiovaskuläre Risiko erhöht haben.

Une consommation excessive de sel peut augmenter la pression artérielle et le risque de maladies cardiovasculaires. Des efforts justifiés existent pour réduire la consommation excessive de sel chez les patients à risque. Cependant, des études récentes ont montré qu’en maintenant la consommation de sel aussi faible que possible dans la population générale, le risque cardiovasculaire est augmenté.

Diese Ergebnisse führten zu einer medizinischen Kontroverse, deren Hintergründe, respektive den Sinn und Unsinn am Festhalten an der Maxime der vermeintlich lebensrettenden Salzrestriktion – einem richtigen Salz(restriktions)evangelismus – wir im Verlauf erörtern möchten:

Hintergründe

Eine ausgesprochen gesundheitsschädigende Wirkung des Salzkonsums wurde früh vermutet: Bereits 1949 bezeichnete der amerikanische Arzt Dennison AD Jr. das Salz als «cardiac nemesis» (1); Derzeit empfiehlt die European Society of Cardiology ESC nicht nur die Reduktion des Salzkonsums, sondern dessen Restriktion auf eine tägliche Einnahme < 5,0 g pro Person bei Hypertonikern (IA) (2); die American Heart Association AHA empfiehlt eine Restriktion auf maximal 3,5 g nicht nur bei Hypertonikern, sondern auch bei Normotensiven (IA) (3), entsprechend hat sich die World Health Organization WHO eine Salzrestriktion <5,0 g pro Tag in der Gesamtbevölkerung zum Ziel gemacht (4). Dieser Grenzwert basiert auf der in mehreren Studien erreichten Reduktion des Blutdruckes durch eine Salzrestriktion (5, 6). Von dieser Salzrestriktion verspricht sich die WHO eine weltweite Reduktion der jährlichen kardiovaskulären Todesfälle um bis zu 2,5 Millionen (!) (4). Basierend auf einer Hochrechnung geht man davon aus, dass ein nationales Programm zur Reduzierung der täglichen Salzzufuhr um 3 g (1200 mg Natrium) in den USA die jährliche Zahl der neuaufgetretenen Schlaganfälle um 32.000 bis 66.000, die Zahl der Herzinfarkte um 54.000 bis 99.000 und die Zahl der Todesfälle jeglicher Ursache um 44.000 bis 92.000 reduzieren könnte (7).
Um das von der WHO angestrebte Ziel zu erreichen, müsste ein Grossteil der Weltbevölkerung seine Ernährungsgewohnheiten umstellen (8). Weltweit werden ca. 9-12 g Salz pro Tag pro Person konsumiert, wobei das Gros der Salzaufnahme in westlichen Ländern in Form von verarbeiteten Speisen erfolgt (9). In der Schweiz liegt der durchschnittliche Salzkonsum bei ca. 9-10 g (10).

Physiologische Wirkungen des Salzkonsums auf den Blutdruck

Salz ist als Geschmacksträger ein wichtiges Genussmittel, aber im Gegensatz zu anderen Genussmitteln wie z.B. Alkohol oder Tabak sind seine Bestandteile Natrium und Chlorid überlebenswichtige Elektrolyte, deren Konzentration für das Überleben einen bestimmten physiologischen Bereich nicht verlassen sollte.
Der genaue Wirkmechanismus des Salzes im menschlichen Körper ist unklar. Es ist durch das RAAS System eng mit dem Volumen- und Flüssigkeitshaushalt und natürlich mit dem Blutdruck verbunden.
Eine der ersten Theorien besagte, dass der Bluthochdruck, ein wichtiger Regulationsmechanismus der Nieren ist, Wasser und Natrium auszuscheiden. Salzkonsum führt über den osmotischen Druck zu einer Erhöhung des intravasalen Volumens. Dies erhöht das Herzminutenvolumen und somit den Blutdruck und den Nierenperfusionsdruck. Ziel des Blutdruckanstieges ist, das überschüssige Volumen abzubauen. Eine chronische Erhöhung ist demnach darauf zurückzuführen, dass die Nieren das überschüssige Natrium nicht ausscheiden können (11). Es gibt Patienten, deren Blutdruck stärker («salt sensitive») und solche, bei denen er weniger stark («salt resistant») auf hohen bzw. niedrigen Salzkonsum reagiert (12). Es zeigte sich, dass diese beiden Gruppen bei den gleichen Salzkonzentrationen das gleiche intravasale Volumen und das gleiche Herzzeitvolumen aufwiesen (13), so dass sich die Auswirkung der Salzeinnahme auf den Blutdruck nicht alleine auf diesen Mechanismus zurückführen lässt. Auswirkungen des Salzkonsums auf die Gefässfunktion, z.B. die Vasodilatation der peripheren Gefässe und der Nierengefässe werden diskutiert (14). Eine positive aber recht flache Korrelation der Salzeinnahme mit dem Blutdruck wurde in mehreren grossen Studien gefunden. Wobei anzumerken ist, dass sich auch bei Studien, die eine ungünstige Auswirkung der Salzreduktion aufweisen, eine solche positive Korrelation fand (15-17).
In der Schweiz fand sich in der Analyse von knapp 3000 Probanden im Alter von 18 bis 90 Jahre eine schwache Korrelation zwischen erhöhter Salzexkretion und 24h Blutdruckwerten (18). Die enge physiologische Einbindung des Salzkonsums in unseren Kreislauf und die Auswirkungen auf unseren Blutdruck lassen vermuten, dass übermässiger Salzkonsum gesundheitsschädigende Auswirkungen haben kann:

Negative Auswirkungen des zu hohen Salzkonsums

Erhöhter Salzkonsum ist in mehreren Studien mit einer erhöhten kardiovaskulären Morbidität und Mortalität verbunden, wobei der Grenzwert für eine schädliche Salzeinnahme bei ca. > 10 Gramm pro Tag liegt (17, 19, 20). Dieses kardiovaskuläre Risiko lässt sich gemäss der aktuellen Studienlage nicht allein auf eine Erhöhung des Blutdruckes zurückführen: zu hoher Salzkonsum geht auch unabhängig des Blutdruckes mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko einher (19), er schädigt die Gefässe auf mikrovaskulärer Ebene (21), wahrscheinlich über vermehrten oxidativen Stress (22). Eine Abnahme der Gefässelastizität durch ihn ist ebenfalls beschrieben (23). Eine aktuelle Studie zeigte ausserdem, dass er zu erhöhter Glukokortikoidproduktion und eingeschränkter Funktion der neutrophilen Granulozyten führte (24). Im Tierversuch führt er zur mikrovaskulären Gefässrarifikation (25).
Die Auswirkungen des Salzkonsums auf das kardiovaskuläre Risiko wurde in mehreren grossen Studien untersucht: In einer 2016 von Mente et al. publizierten gepoolten Analyse mehrerer Studien mit insgesamt knapp 135.000 Patienten über einen Beobachtungszeitraum von median 4,2 Jahren zeigten Patienten mit erhöhtem Salzkonsum ein signifikant erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.
Allerdings war auch die niedrige Einnahme (< 3 g/d) unabhängig von potentiellen Einflussfaktoren wie Blutdruck, Alter, Diabetes, kardiovaskulären Vorerkrankungen und Nierenerkrankungen mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko verbunden (19). Aufgrund dieses paradoxen Ergebnisses sorgte diese Studie für gespaltene Meinungen und wurde von der AHA schärfstens kritisiert (26).
2018 publizierten Mente et al. eine Kohortenstudie, in welcher knapp 95.000 Menschen aus 18 verschiedenen Ländern, mit einem medianen Follow-up von 8,1 Jahren analysiert wurden. In dieser Studie zeigte sich nur noch ein signifikanter Zusammenhang zwischen niedriger Salzeinnahme und kardiovaskulärem Risiko. Darüber hinaus war der Zusammenhang zwischen dem Blutdruckanstieg und der Natriumeinnahme schwächer als erwartet und nur in den Gemeinden mit dem höchsten Natriumkonsum (oberstes Terzil mit 5,0 g Natrium entsprechend ca. 12,9 g Speisesalz pro Tag) statistisch signifikant (20).
Die damit entstandenen J-Kurven für Morbidität und Mortalität warfen einige Fragen auf, zeigten sich aber bereits in der Vergangenheit in anderen, kleineren Studien (27, 28).
Die entstandene Kontroverse führte unter anderem zur Gründung des International Consortium for Quality Research on Diet­ary/Sodium Salt (TRUE: International Consortium for Quality Research) welches die Verwendung des Spoturins zur Bestimmung des 24h Natriumausscheidung als fehlerhaft bezeichnete, ausdrücklich vor «Low-qualtiy» Forschung warnte und Empfehlungen zur idealen Bestimmung der 24h Natriumausscheidung abgab (29). Wobei allerdings anzumerken ist, dass sich die J-Kurve auch in Studien fand, die auf einer 24h Urinbestimmung beruhten (27, 28).
Zur genaueren Beurteilung dieser Vorwürfe ist eine Analyse der physiologischen Auswirkungen der Salzrestriktion vonnöten:

Salzrestriktion

Salzrestriktion führt sowohl in hypertensiven als auch normotensiven Patienten tatsächlich zu einer Verringerung des arteriellen Blutdruckes (5, 30, 31) und zwar unabhängig von Geschlecht oder Rasse (31), wobei hierfür eine starke Restriktion des konsumierten Salzes notwendig war (6, 30, 31) und sich zeigte, dass diese z.B. bei Nichthypertonikern den Blutdruck nur marginal verringerte (30).
Starke Blutdruckreduktionen durch eine reine Ernährungsumstellung konnten bisweilen auch erreicht werden, z.B. durch die radikale Reisdiät des prominenten deutsch-amerikanischen Arztes Walter Kempner, welcher eine Diät aus gekochtem Reis (ohne Zugabe von Salz!), Obst und Obstsäften unter strenger ärztlicher Überwachung, mit teilweise sogar körperlicher Züchtigung, propagierte. Seine Vorzeigepatienten erreichten bereits nach wenigen Wochen eine Normalisierung stark hypertoner Blutdruckwerte. Retrospektiv fällt jedoch auf, dass seine Patienten aufgrund der Ernährungsumstellung eine starke Gewichtsabnahme erlebten und die Senkung des Blutdruckes nicht alleine auf die salzarme Ernährung zurückzuführen war (32).

Schädlichkeit einer (übertriebenen) Salzrestriktion

Potentielle Erklärungen für das beschriebene erhöhte kardiovaskuläre Risiko bei Salzrestriktion finden sich in folgenden Mechanismen: Salzrestriktion erhöht die Ausschüttung von Renin, Aldosteron, Adrenalin und Noradrenalin (30), Hormone, für welche ein Zusammenhang mit einer erhöhten kardiovaskulären Morbidität und Mortalität beschrieben ist (33, 34), aktiviert das sympathische Nervensystem und hemmt den Barorezeptorreflex (34), ebenso wird eine vermehrte Insulinresistenz (35) und ein (marginaler) Anstieg der Ruheherzfrequenz beschrieben (36). Im Tiermodell führte die chronische Salzrestriktion zu einer vermehrten Atherosklerose (22) und zu einer verminderten Effektivität des Sympathikus und des RAAS; so zeigten Björn Folkow et al. dass chronisch salzdepletierte Ratten bei Blutverlust viel schlechter mit einem Verlust des Blutvolumens umgehen konnten (37). Es gibt wenige Studien, welche den Effekt der Salzreduktion und den Zusammenhang mit der kardiovaskulären Mortalität und Morbidität untersuchten. Diese führten darüber hinaus zu unterschiedlichen Ergebnissen:

Populationsbasierte Studien einer Salzreduktion

Eine randomisierte kontrollierte Studie zeigte eine signifikante Reduktion der kardiovaskulären Mortalität in einer Gruppe von taiwanesischen Alterswohnheimen für Veteranen durch die Verwendung eines kaliumangereicherten Substituts (38). Verschiedene Metaanalysen lassen eine Reduktion der kardiovaskulären Ereignisse mit (39) oder ohne Einfluss auf das Gesamtüberleben (40), vermuten. In retrospektiven Analysen zeigten sich mitunter ernüchternde Ergebnisse: Die Reduktion der Kochsalzeinnahme in China (einer der Spitzenreiter im Pro-Kopf-Salzkonsum) von 1999 bis 2009 um knapp 4,9 g pro Person und Tag zeigte keine signifikante Reduktion der Häufigkeit von Schlaganfällen (41), Zahlen einer Studie, welche eine Reduktion der zerebro- und kardiovaskulären Mortalität in England um 42% bzw. 40% von 2003 – 2011 beschrieb, welche zeitgleich mit einer Reduktion des Salzkonsumes um 1,4g einherging (42), bestätigte sich in einer weiteren Studie nicht mehr (43).
Paradoxerweise konnten wir zudem in der Vergangenheit zeigen, dass Länder mit einer vergleichsweise hohen Salzeinnahme (die Schweiz eingeschlossen) tendenziell Länder mit höheren Lebenserwartungen sind, als Länder mit niedrigem Salzkonsum (44). Diese Daten sprechen dagegen, dass die Natriumzufuhr über die Nahrung eine Ursache für die Verkürzung der Lebensspanne oder einen Risikofaktor für einen vorzeitigen Tod darstellt. Es handelt sich hierbei allerdings um Beobachtungsdaten, welche nicht als Grundlage für Ernährungsumstellungen verwendet werden sollten! (siehe Abb. 1).
Die Ergebnisse sind ernüchternd. Es existiert derzeit keine randomisierte, kontrollierte Studie, welche einen Benefit der Salzrestriktion auf das kardiovaskuläre Risiko beschreibt. Deswegen kann man kaum Empfehlungen zur Salzrestriktion in der Allgemeinbevölkerung abgeben. Es ist generell sehr schwer, die Voraussetzungen für eine derartige Studie zu schaffen: Es werden eine grosse Anzahl an Patienten benötigt, die über einen längeren Zeitraum streng überwacht werden müssen, da es sich letzten Endes um eine Überwachung der täglichen Nahrungseinnahme handelt. Daher veröffentlichten Daniel W. Jones et al. gegen Ende von 2018 ein Positionspaper: Hier diskutierten sie die Schwierigkeiten verschiedenster untersuchbarer Patientenkollektive, wie z.B. Soldaten (meist junge gesunde Männer, grosse Mengen an Elektrolyten werden durch körperliche Betätigung ausgeschwitzt) oder Patienten in Alten- und Pflegeheimen (heterogene zugrundeliegende Erkrankungen). Als Vorschlag äusserten sie die Studie in amerikanischen Gefängnissen durchzuführen (45), was derzeit für kontroverse ethische Diskussionen sorgt, aber letztendlich unterstreicht, wie schwierig es ist, ein optimales Umfeld für eine kontrollierte Studie zur Salzrestriktion zu schaffen.

Positive Wirkung eines hohen Kaliumkonsums

Interessanterweise fand sich übrigens in der zweiten Studie von Mente ausserdem ein weiterer Zusammenhang: Im untersuchten Kollektiv ging eine höhere Kaliumeinnahme in allen Ländern mit dem geringeren Auftreten von schweren kardiovaskulären Erkrankungen einher (20). Wobei der Autor anmerkt, dass höhere Kaliumwerte im Urin mit ein Hinweis auf eine ausgewogene Diät, reich an Obst und Gemüse, sein können und der Benefit nicht auf das Kalium per se zu reduzieren ist (46). (Siehe Abb. 2).

Empfehlung zum Salzkonsum

Salzreduktion in herzkranken Patienten mit übermässigem Konsum ist sinnvoll: Die Studien mit der stärksten Evidenz deuten derzeit darauf hin, dass ein erhöhter Salzkonsum schädlich sein kann. Im Umkehrschluss, kann man aber nicht behaupten, dass Salz in jedem Fall schädlich ist. Ziel der weltweiten Bestrebungen sollte nicht die Salzrestriktion, sondern die Salzreduktion bei denjenigen Patienten sein, denen sie gut tut. Es müssten also diejenigen identifiziert werden, welche von einer Reduktion profitieren, z.B. ausgeprägte Hypertoniker oder Patienten mit einem besonders hohen Salzkonsum (17, 19, 20). Die Rolle von anderen Risikogruppen z.B. Nierenkranken, Herzinsuffizienten etc. bleibt unklar, da diese in vielen Studien ausgeschlossen wurden; Jedoch haben gerade diese Patienten ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. Ebenso unklar bleibt das kardiovaskuläre Risiko für Patienten, welche bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben.
Der Zusammenhang zwischen kardiovaskulären Erkrankungen und Salzeinnahme ist zu komplex, um sich auf das Dogma «weniger Salz = besser» reduzieren zu lassen. Dieser Grundsatz gilt zumindest nicht für alle. Der bei Diäten oft angeführte Grundsatz «Hilfts nicht, schadet es auch nicht» ist jedoch in jedem Fall fehl am Platze.
Erst wenn wir die richtigen Patienten ausfindig gemacht haben, können wir uns übrigens Gedanken über das «Wie?» der Salzreduktion machen, welches die nächste grosse Hürde darstellt.

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Dr. med. univ. Arnulf Holzknecht

Abteilung Kardiologie
Inselspital , Universität Bern
Freiburgstrasse
3010 Bern

PD Dr. med. Emrush Rexhaj

Inselspital, Universitätsspital Bern
Universitätsklinik für Kardiologie
Herz Gefäss Zentrum
Freiburgstrasse 20
3010 Bern

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Franz Messerli

Abteilung Kardiologie
Inselspital Universität Bern
Freiburgstrasse
3010 Bern

messerli.f@gmail.com

Die Autoren deklarieren keinen Interessenskonflikt im Zusammenhang mit der vorliegenden Arbeit.

◆ Übermässiger Salzkonsum zeigte in mehreren Studien eine positive Korrelation zu einem Anstieg des Blutdruckes. In diesen Patienten ist es angezeigt (nebst anderen Lifestyleumstellungen) den Salzkonsum zu reduzieren.
◆ Die oftmals geforderte radikale Salzrestriktion in der Gesamtbevölkerung scheint nicht eine Reduktion der kardiovaskulären Todesfälle um meh-
rere Millionen Fälle pro Jahr zu bewirken, sondern erhöht möglicherweise das kardiovaskuläre Risiko.
◆ Die tatsächliche Salzeinnahme zu überwachen ist schwierig. Der Vorschlag, eine solche Ernährungsstudie im amerikanischen Gefängnis-
milieu durchzuführen zeigt, wie schwierig es ist, geeignete Untersuchungsbedingungen zu schaffen.
◆ Faktoren wie die positive Wirkung des erhöhten Kaliumkonsums als Marker für eine ausgewogene Ernährung deuten darauf hin, dass in diesem Bereich einiges zur Reduktion des kardiovaskulären Risikos getan werden kann.

Messages à retenir

◆ La consommation excessive de sel a montré une corrélation positive avec une augmentation de la pression artérielle dans plusieurs études. Chez ces patients, il est indiqué (en plus d’autres changements de mode de vie) de réduire la consommation de sel.
◆ Les régimes pauvre en sel souvent exigée dans la population générale, ne semble pas réduire les décès cardiovasculaires, s’élevant à plusieurs millions de cas par an, mais peuvent au contraire, augmenter le risque cardiovasculaire.
◆ Il est difficile de surveiller l’apport réel en sel. La proposition de réaliser une telle étude nutritionnelle dans le milieu carcéral américain, montre au combien il est difficile de créer des conditions d’étude adéquates.
◆ Des facteurs tels que l’effet positif d’une consommation accrue de potassium comme marqueur d’un régime alimentaire équilibré, suggèrent qu’il y a encore du travail à faire dans ce domaine pour réduire le risque
cardiovasculaire.

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