Wirksame Prophylaxe bei rezidivierenden Harnwegsinfektionen

Harnwegsinfekte (HWI) gehören zu den häufigsten bakteriellen Infektionen bei Frauen und stellen aufgrund der zunehmenden antimikrobiellen Resistenzen (AMR) eine wachsende Herausforderung dar. Obwohl Antibiotika eine wirksame Therapie darstellen, sind sie mit Risiken wie Resistenzentwicklung, Nebenwirkungen und Störungen des Mikrobioms verbunden. Daher rücken nicht-antibiotische Präventionsstrategien für nicht-komplizierte, rezidivierende HWIs bei nicht-schwangeren Frauen zunehmend in den Fokus. Der Artikel beleuchtet die epidemiologischen Hintergründe, Risikofaktoren in verschiedenen Lebensphasen sowie differenzialdiagnostische Aspekte und stellt evidenzbasierte nicht-antibiotische Massnahmen wie Verhaltensänderungen, lokale Östrogentherapie oder Phytotherapeutika vor.

Urinary tract infections (UTIs) are among the most common bacterial infections in women and represent a growing challenge due to increasing antimicrobial resistance (AMR). Although antibiotics are an effective therapy, they are associated with risks such as development of resistance, side effects and disruption of the microbiome. Therefore, non-antibiotic prevention strategies for non-complicated, recurrent UTIs in non-pregnant women are increasingly coming into focus. The article highlights the epidemiological background, risk factors in different life stages as well as differential diagnostic aspects and presents evidence-based non-antibiotic measures such as behavioral changes, local estrogen therapy or phytotherapeutics.
Keywords: Harnwegsinfekte, Nicht-antibiotische Prophylaxe, Antimikrobielle Resistenzen, Urogenitales Mikrobiom

«Für einen Menschen ist es unmöglich, das zu erlernen, was er bereits zu wissen meint.»
Epiktet, griechischer Philosoph (ca. 50–138 n. Chr.)

Einführung

Antibiotika wirken sowohl beim akuten Harnwegsinfekt (HWI) als auch in der Prophylaxe rezidivierender HWI. Doch angesichts der Zunahme der antimikrobiellen Resistenzen (AMR) und der damit assoziierten Komplikationen sind wirksame Alternativtherapien und eine nicht-antibiotische Prophylaxe notwendig. Im folgenden Artikel sei – Epiktets Einsicht folgend – unser Blick auf in der Schweiz aktuell zur Verfügung stehende, wirksame alternative, nicht-antibiotische Präventionsansätze bei nicht-schwangeren Frauen mit wiederkehrenden nicht-komplizierten Harnwegsinfekten gerichtet. Damit leisten wir auch einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung von Antibiotikaresistenzen.

Definition

Ein HWI ist eine Infektion des Urogenitaltrakts mit typischen Symptomen einer Zystitis wie Dysurie, Harndrang, Pollakisurie, suprapubischem Schmerz oder Hämaturie. Beim aufsteigenden Infekt wie Pyelonephritis kommen Flankenschmerzen, Fieber, Übelkeit oder Erbrechen hinzu. Diagnostisch wegweisend sind eine Pyurie und eine positive Urinkultur mit Nachweis eines spezifischen Uropathogens. Ein HWI gilt als kompliziert bei anatomischen oder funktionellen Anomalien, Dauerkatheterisierung, Schwangerschaft oder Nierentransplantation. Rezidivierende HWIs sind mindestens 2 Infektionen innerhalb von 6 Monaten oder mindestens 3 innerhalb von 12 Monaten. Ein erneuter Infekt durch denselben Erreger innerhalb von 2 Wochen nach Therapieende heisst dagegen Relapse. Die Symptome einer idiopathischen überaktiven Blase oder eines Bladder-Pain-Syndroms ähneln gelegentlich einem HWI, was bei fehlender Besserung trotz Antibiotika und unauffälliger Urinanalyse bedacht werden sollte.

Epidemiologie

HWI zählen zu den häufigsten bakteriellen Infektionen weltweit und zu den häufigsten bei der Frau: Jede zweite Frau erleidet in ihrem Leben einen HWI und jede vierte mehrere (1). Die erste Häufung fällt mit dem Beginn der sexuellen Aktivität zusammen, und die weiteren stehen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Menopause. 20 % aller Antibiotika im klinischen Alltag werden wegen HWI verordnet (2, 3). Damit lassen sich akute und rezidivierende HWI effizient behandeln, wenn nicht-antibiotische Therapien versagen (4–7). Weltweit übergeordnet steht dagegen eine der grössten medizinischen Herausforderungen: der Anstieg antimikrobieller Resistenzen (AMR) (Abb. 1) mit multiresistenten Erregern und eine dadurch substanzielle Zunahme der Morbidität und Mortalität (8).

Dies beschäftigt auch die World Health Organisation WHO (https://www.who.int/health-topics/antimicrobial-resistance). Mittlerweile ist AMR weltweit eine der häufigsten Todesursachen und übertrifft HIV/AIDS oder Malaria. 2019 schätzte ein Review, dass AMR direkt zu 1.27 Millionen Todesfällen führte und bei weiteren 4.95 Millionen Todesfällen eine Rolle spielte (9). Daher werden dringend neue Antibiotika benötigt, doch Neuzulassungen sind rar.

Antimikrobielle Resistenzen

Erst seit kurzem steht mit Gepotidacin (FDA-Zulassung am 25.3.2025) ein neues Antibiotikum zur Behandlung unkomplizierter Harnwegsinfekte und der Gonorrhoe zur Verfügung (10). Dessen dualer Wirkmechanismus hemmt die bakterielle DNA-Gyrase und die Topoisomerase IV und könnte damit die Entwicklung von Resistenzen reduzieren. Ob dies in vivo funktionieren wird, bleibt abzuwarten. Life finds a way, und so auch die Bakterien. Ob in neue Antibiotika investiert wird oder nicht, ist vor allem ein ökonomischer Entscheid. Doch mit einem rationalen Einsatz können AMR reduziert und unsere Gesundheitssysteme geschützt werden (11). Deshalb hat der Bundesrat am 26. Juni 2024 den One-Health-Aktionsplan im Rahmen seiner Strategie gegen Antibiotikaresistenzen (StAR) 2024–2027 gestartet (12). Ziel ist die Stärkung erfolgreicher Massnahmen und die Umsetzung von StAR mit verbindlichen, innovativen und nachhaltigen Massnahmen in Zusammenarbeit mit den Bundesämtern für Gesundheit, Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, Landwirtschaft und Umwelt sowie den Kantonen und weiteren Akteuren. Somit sind präventive Massnahmen gegen HWI sinnvoll, um den Antibiotikaverbrauch und die Resistenzentwicklung zu reduzieren. Davon abgesehen ist der Antibiotikaeinsatz auch wegen folgender Nebenwirkungen nachteilig: Häufig treten gastrointestinale Beschwerden oder Vaginalsoor auf, seltener allergische Reaktionen oder, wie unter Nitrofurantoin, eine induzierte Lungenfibrose. Zudem kann die Beeinträchtigung des Mikrobioms von Blase, Scheide und Darm das Risiko für erneute Harnwegsinfektionen und andere Infektionen, wie z. B. mit Clostridioides difficile, erhöhen (4–7, 10) (13, 14). Auch die Nieren- und Leberfunktion der Patientinnen sollte bei einer Antibiotikatherapie berücksichtigt werden, ebenso wie mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, insbesondere bei älteren Patientinnen mit Polypharmazie. Übrigens endet der antibiotische Schutz erfahrungsgemäss nach Therapieende.

Kann auf Antibiotika verzichtet werden?

Doch wann ist der Einsatz von Antibiotika sinnvoll? Der Nachweis uropathogener Keime in der Urinkultur erfordert jedenfalls ohne Symptome eines HWI (asymptomatische Bakteriurie) ausserhalb von Schwangerschaft oder urologischen Eingriffen meist keine Antibiotikagabe. Auch bei einem nicht-komplizierten HWI kann zumindest bei ausgewählten Patientinnen ohne Vorgeschichte einer Pyelonephritis und bei einer Symptomdauer von maximal 5 Tagen symptomatisch für 48 Stunden ein nicht-antibiotischer Therapieversuch mit erhöhter Hydratation und nichtsteroidalen Entzündungshemmern unternommen werden (Guideline SSI).

Risikofaktoren für rezidivierende HWI

2012 kam es zum Paradigma-Wechsel: Urin ist auch bei gesunden Frauen nicht steril (15, 16). Überhaupt scheinen gewisse E. coli und Enterokokken einen protektiven Effekt zu haben (17). Wenn die antibiotische Therapie also nicht immer zielführend und mitunter kontraproduktiv ist, dann wären nicht-antibiotische Optionen sinnvoll. Ein wichtiger Ansatz ist somit die Reduktion von Risikofaktoren. Diese variieren für Frauen vor und nach der Menopause (Abb. 2).

Zu den anatomischen Risikofaktoren zählen die periurethralen Schleimhäute, die kurze Urethra sowie die Abstände ihrer äusseren Mündung zu Vagina und Anus, was die Exposition gegenüber den meist der Darmflora entstammenden uropathogenen Keimen und deren Aufstieg in die Harnwege und damit HWIs begünstigt (18, 19). Und je kürzer diese Abstände, desto eher kommt es zu Rezidiven. Prämenopausale Risikofaktoren sind v.a. Geschlechtsverkehr, die Anwendung von Spermiziden, ein neuer Sexualpartner, wenn die eigene Mutter rezidivierende HWIs in der Anamnese hat, HWIs in der Kindheit sowie die Behandlung einer asymptomatischen Bakteriurie. Postmenopausale Risikofaktoren sind die atrophe Kolpitis infolge des Östrogenmangels, eine Zystozele und erhöhte Restharnmengen (20). Der Östrogenmangel und das dadurch veränderte Urothel mit verändertem urogenitalem Mikrobiom bzw. «Urobiom» erhöhen das Risiko für HWIs (21, 22). Postmenopausale Frauen mit wiederkehrenden HWIs und täglicher Antibiotikaeinnahme zeigen ein verändertes Urobiom mit vermehrt anaeroben Bakterien im Vergleich zu Frauen ohne HWIs (23). Vermutlich ist aber nicht ein einzelner spezifischer Mikroorganismus im Urobiom mit rezidivierenden HWIs assoziiert, sondern vielmehr ein verändertes Gleichgewicht und Verhältnis bestimmter Lactobacillus-Arten zu den anaeroben Bakterien. Antibiotika beeinflussen das Mikrobiom negativ und erhöhen damit wiederum das Risiko für HWIs. Zukünftige therapeutische Strategien könnten auf die Beeinflussung des Urobioms abzielen.

Diagnostik

Bei rezidivierenden HWIs ist eine gynäkologische oder urogynäkologische Abklärung indiziert. Zur Basisabklärung gehören Anamnese (Beginn der HWIs, auslösende Faktoren, Begleiterkrankungen und Risikofaktoren), die Urinanalyse (Urinteststreifen, Urinsediment sowie Urinkultur mit Resistenzprüfung), die Erhebung des gynäkologischen Status (Beurteilung eines allfälligen Genitaldeszensus, der Trophik und des Nativpräparats) und die (sonographische) Restharnbestimmung. Die Sonographie des Harntrakts dient dem Ausschluss anatomischer Anomalien (Urethraldivertikel, Urolithiasis). Bei Risikofaktoren oder schmerzloser Hämaturie ist eine Zystoskopie im infektfreien Intervall indiziert. Zur Abgrenzung einer überaktiven Blase oder eines Blasenschmerzsyndroms bzw. einer interstitiellen Zystitis dienen die urodynamische Untersuchung und der Uroflow.

Therapie- und Prophylaxeoptionen

Akute HWIs können nach Möglichkeit in den ersten Tagen symptomatisch und antibiotikafrei behandeln werden (24). Bis zu 50 % der unkomplizierten HWIs heilen damit ab, es dauert dafür einige Tage länger (25, 26). Grosse Angst vor einem aufsteigenden Infekt muss man trotzdem nicht haben: Nur 0.4 bis 2.6 % der unkomplizierten HWIs entwickeln sich unbehandelt zu einer Pyelonephritis (27), welche sich typischerweise mit Fieber oder Flankenschmerzen zeigt. Zur Linderung von Blasenbeschwerden und zur Förderung der Heilung empfiehlt es sich, genügend zu trinken, was die Ausschwemmung der Bakterien begünstigt. Zusätzlich können nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder auch Phytotherapeutika helfen (26, 28). Letztlich sind Antibiotika den NSAR bei unkomplizierten Harnwegsinfekten überlegen, da sie auch eine bessere bakterielle Eradikation erzielen. Bei rezidivierenden HWIs wiederum stehen die Prophylaxe und das Erkennen und Reduzieren der Risikofaktoren im Vordergrund. Ausgewählte evidenzbasierte Massnahmen sind in Tab. 1 zusammengefasst.

PD Dr. med. David Scheiner, 1, 2, 3
PD Dr. med. Daniele Perucchini 1
Dr. med. Olivia Ziviello 1
Dr. med. Rebecca Zachariah 2, 3
Dr. med. Sören Lange 2, 3
Dr. med.Nicole Keller 2, 3, 4
Prof. Dr. med. Cornelia Betschart 2, 3

1 Blasenzentrum Zürich, Gottfried Keller-Strasse 7, 8001 Zürich
2 Klinik für Gynäkologie, Universitätsspital Zürich, Frauenklinikstrasse 10, 8091 Zürich
3 Universität Zürich, Rämistrasse 71, 8006 Zürich
4 Gynäkologie und Geburtshilfe, Spital Grabs, Spitalstrasse 44, 9472 Grabs

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

PD Dr. med. David Scheiner 

Blasenzentrum Zürich
Gottfried Keller-Strasse 7
8001 Zürich

Klinik für Gynäkologie, Universitätsspital Zürich
Frauenklinikstrasse 10
8091 Zürich

Universität Zürich
Rämistrasse 71
8006 Zürich

Universität Zürich
Rämistrasse 71
8006 Zürich

Die Autorenschaft hat keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

  • Die wachsende Problematik der Antibiotikaresistenzen erfordert die Anwendung und Entwicklung alternativer, nicht-antibiotischer Ansätze zur Prävention rezidivierender Harnwegsinfektionen.
  • Rezidivierende Harnwegsinfektionen sind definiert als mindestens zwei Infektionen innerhalb von sechs Monaten oder drei innerhalb von zwölf Monaten.
  • Anatomische und funktionelle Risikofaktoren unterscheiden sich bei prä- und postmenopausalen Frauen und beeinflussen die Anfälligkeit für Harnwegsinfektionen sowie die therapeutischen Massnahmen.
  • Bei akuten Harnwegsinfektionen kann zuerst eine symptomatische Behandlung ohne Antibiotika versucht werden.

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Pulmonale Hypertonie – Volkskrankheit oder Orphan disease?

Die pulmonale Hypertonie (PH) ist häufig und betrifft rund 1 % der Weltbevölkerung. Sie darf nicht mit der seltenen pulmonal-arteriellen Hypertonie (PAH, «Orphan disease») verwechselt werden. Die PAH stellt eine spezifisch therapierbare Untergruppe der PH dar. Die Prävalenz der PAH wird in westlichen Ländern auf rund 50 Fälle pro Million Einwohner geschätzt. Klinisch präsentiert sich die PH anfangs meist unspezifisch mit Belastungsdyspnoe und Müdigkeit, was oft zu einer verzögerten Diagnosestellung führt. Für Hausärztinnen und Hausärzte ist es daher entscheidend, bei unklarer Dyspnoe frühzeitig an eine PH zu denken. Eine strukturierte Abklärung ermöglicht die Einordnung in die verschiedenen PH-Gruppen und identifiziert diejenigen Patientinnen und Patienten, die von einer gezielten Therapie profitieren. Die frühzeitige Überweisung in ein spezialisiertes Zentrum, wie auch die hausärztliche Betreuung sind zentral für Prognose und Versorgungsqualität.

Pulmonary hypertension (PH) is common and affects approximately 1 % of the global population. It should not be confused with the rare pulmonary arterial hypertension (PAH), an orphan disease that represents a specifically treatable subgroup of PH. The prevalence of PAH in Western countries is estimated at around 50 cases per million inhabitants. Clinically, PH typically presents with non-specific symptoms such as exertional dyspnea and fatigue, often leading to delayed diagnosis at more advanced stages of the disease. For primary care physicians, it is therefore crucial to consider PH early in the evaluation of unexplained dyspnea. A structured diagnostic approach allows classification into the different PH groups and helps identify those patients who may benefit from targeted therapy. Early referral to a specialized center, as well as continued primary care management, are essential for improving prognosis and quality of care.
Keywords: Pulmonale Hypertonie; pulmonal-arterielle Hypertonie; Dyspnoe; Grundversorgung

Unspezifische Symptome

Die Symptome der pulmonalen Hypertonie beginnen oft schleichend mit Anstrengungsdyspnoe, allgemeiner Leistungsminderung, Müdigkeit, Palpitationen und Dyspnoe beim Vornüberbeugen (Bendopnoe). In fortgeschrittenen Stadien treten Zeichen der Rechtsherzinsuffizienz und Synkopen auf, selten kommt es zur Hämoptyse. Die unspezifischen Beschwerden und häufig vorhandenen Komorbiditäten führen dazu, dass von Symptombeginn bis zur Diagnosestellung trotz zunehmender Sensibilisierung für das Krankheitsbild weiterhin 1–2 Jahre vergehen. Bei Diagnosestellung ist die Symptomlast erheblich, häufig liegt eine Dyspnoe NYHA III–IV vor (1). Unabhängig von der Grunderkrankung ist die Entwicklung einer PH mit einer verminderten Lebensqualität und ungünstiger Prognose verbunden.

Diagnostisches Vorgehen bei Verdacht auf eine pulmonale Hypertonie

Bei unklarer Dyspnoe sollte initial eine Basisdiagnostik (Labor inkl. NT-proBNP, EKG, Thoraxröntgen, Lungenfunktion) durchgeführt werden. Bleibt die Ursache unklar oder besteht ein klinischer Verdacht auf eine PH, sollte eine Echokardiographie zur Abschätzung der PH-Wahrscheinlichkeit erfolgen. Bleibt der Verdacht einer PH, folgt eine strukturierte Abklärung zur Abschätzung der Wahrscheinlichkeit und zur Zuordnung in eine der fünf PH-Gruppen.
Bereits in der Anamnese können Hinweise auf die Ursache der PH oder eine zugrunde liegende Erkrankung gefunden werden (Tab. 1). In der körperlichen Untersuchung findet sich je nach Krankheitsstadium ein prominenter 2. Herzton, Zeichen der Rechtsherzinsuffizienz wie Unterschenkelödeme, positiver hepato-jugulärer Reflux (HJR), eine Hepatomegalie und ggf. Ascites oder eine Zyanose. Es ist aber möglich, dass die körperliche Untersuchung fast normal ausfällt. Klinische Hinweise auf eine Ursache der PH sind in Tab. 2 zusammengestellt.

Apparativ folgen Lungenfunktion inklusive Diffusionsmessung, arterielle Blutgasanalyse, 6-Minuten-Gehtest sowie CT-Thorax. Zur Diagnostik der chronischen thromboembolischen pulmonalen Hypertonie (CTEPH) sind Perfusionsdefizite entscheidend. Hierzu kann ein CT-Thorax mit Kontrastmittel mit der sogenannten «dual energy»-Technik oder alternativ eine Perfusionsszintigraphie durchgeführt werden. Die Echokardiographie dient zudem dem Ausschluss einer Linksherzerkrankung.

In unklaren Fällen kann eine Spiroergometrie zusätzliche Informationen liefern. Die diagnostische Aussagekraft ist hoch und auch zur Risikobeurteilung gewinnt die Spiroergometrie an Bedeutung (2, 3). Das NT-proBNP ist ein wichtiger Marker für Verlauf und Prognose.

Definition

Die definitive Diagnose erfolgt mittels Rechtsherzkatheter. Eine pulmonale Hypertonie liegt bei einem mittleren pulmonalarteriellen Druck (mPAP) > 20 mmHg vor. Die Differenzierung in prä- und postkapilläre PH erfolgt anhand des pulmonalkapillären Verschlussdrucks (PCWP) und des pulmonalen Gefässwiderstands (PVR). Kombinationen aus prä- und postkapillärer PH sind möglich.

Die Relevanz der klinischen Klassifikation

Die umfangreiche Diagnostik dient der Zuordnung der PH in eine der 5 Gruppen, da hiervon die Therapie abhängt. Eine Übersicht dieser Einteilung bietet Abb. 1.

Die häufigsten Ursachen sind Linksherz- und Lungenerkrankungen (ca. 95 % der Fälle) (4). Nur Patienten mit einer PAH oder einer CTEPH qualifizieren für eine PH-spezifische medikamentöse Therapie, bei den anderen Gruppen steht die Therapie der Grunderkrankung im Vordergrund. Bei der CTEPH gibt es je nach Lokalisation der Gefässobstruktion in den Lungenarterien chirurgische (Thrombendarterektomie) und interventionelle (Ballonangioplastie) Therapieoptionen in Referenzzentren.

Therapie: supportive Massnahmen

Unabhängig von der zugrundeliegenden PH-Form sind supportive Massnahmen ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Dazu gehören insbesondere eine sorgfältige Volämiekontrolle sowie eine Sauerstoffsupplementierung bei relevanter Hypoxämie (pO₂ < 8 kPa). Regelmässige, angepasste körperliche Aktivität – idealerweise im Rahmen eines strukturierten Rehabilitationsprogramms – wird empfohlen.

Ebenfalls wichtig sind präventive Massnahmen wie konsequente Impfungen. Bei Frauen im gebärfähigen Alter sollte eine zuverlässige Kontrazeption besprochen werden, da Schwangerschaften bei PH mit einem hohen Risiko für Mutter und Kind verbunden sind und daher davon abgeraten wird. Tritt dennoch eine Schwangerschaft ein, ist eine engmaschige Betreuung in einem spezialisierten Zentrum erforderlich. Psychosoziale Unterstützung ist ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Betreuung.

Insgesamt kommt der hausärztlichen Mitbetreuung eine entscheidende Rolle in der langfristigen Versorgung dieser Patientinnen und Patienten zu.

PH-spezifische Therapien nur bei ausgewählten Formen

Seit den 1990er-Jahren stehen uns spezifische Medikamente für die PAH (Gruppe 1) zur Verfügung. Am Anfang war es lediglich ein intravenöses Prostacyclin-Analogon, welches mittels Pumpe kontinuierlich verabreicht werden musste. Unterdessen stehen uns 4 Medikamentenklassen zur Verfügung. Diese Therapien sind zwar sehr teuer, aber auch effektiv; die Sterblichkeitsrate ist immer noch deutlich erhöht, sie hat sich über die vergangenen 30 Jahre aber fast halbiert (5). Eine Übersicht über die Therapien und typische Nebenwirkungen bietet Tab. 3. Die Therapieempfehlungen basieren auf einer Risikostratifizierung.

Eine Antikoagulation wird ausser bei der CTEPH nicht mehr generell empfohlen. In ausgewählten Fällen sollte frühzeitig die Möglichkeit einer Lungentransplantation evaluiert und mit den Betroffenen besprochen werden.

Komorbiditäten

In frühen Studien waren jüngere Patientinnen ohne relevante Komorbiditäten übervertreten. In der Sprechstunde sehen wir aber häufig ältere und polymorbide Patientinnen und Patienten. Dies spiegelt sich auch in Registerdaten, wo unterdessen bis zu 85 % der Patientinnen und Patienten mit PAH kardiopulmonale Komorbiditäten aufweisen und das Alter bei Diagnosestellung > 60 Jahre beträgt. Die Abgrenzung zwischen den Gruppen 1, 2 und 3 ist deshalb nicht einfach. Dieser Tatsache wurde in den Leitlinien Rechnung getragen, es gibt unterdessen einen Therapiealgorithmus für PAH-Patienten mit kardiopulmonalen Komorbiditäten (6) und es steht die Frage im Raum, ob PAH-Patienten mit Komorbiditäten in künftigen Leitlinien nicht eine eigene PH-Gruppe darstellen sollten.

Der PAH-Patient in der Hausarztpraxis

In der hausärztlichen Praxis ist zu beachten, dass die überwiegende Mehrzahl der PH-Fälle durch Linksherzerkrankungen oder chronische Lungenerkrankungen verursacht wird, während die PAH eine seltene Differenzialdiagnose darstellt.

Patientinnen und Patienten mit einer PAH sind heute älter und weisen relevante Komorbiditäten sowie eine komplexe Medikation auf. Die hausärztliche Betreuung ist deshalb für eine ganzheitliche Versorgung entscheidend. Neben der Behandlung der Begleiterkrankungen und den oben erwähnten supportiven Massnahmen sind Kenntnisse der PH-spezifischen Medikamente inklusive deren Nebenwirkungen und potenziellen Interaktionen wichtig (Tab. 3).

Warnzeichen einer klinischen Verschlechterung müssen frühzeitig erkannt werden. Dazu gehören eine zunehmende Belastungsdyspnoe, Leistungsknick, Zeichen der Rechtsherzinsuffizienz (periphere Ödeme, Gewichtszunahme) oder Synkopen. Bei entsprechenden Veränderungen sollte zeitnah Rücksprache mit dem betreuenden PH-Zentrum erfolgen oder eine erneute spezialisierte Beurteilung initiiert werden. Ein frühzeitiges Reagieren ist entscheidend, da eine rasche Eskalation der Therapie einen Einfluss auf die Prognose hat.

Welche Patienten sollen in eine Spezialsprechstunde für PH überwiesen werden?

Eine Überweisung zur Abklärung einer PH sollte bei klinischem Verdacht frühzeitig erfolgen, insbesondere wenn die Symptomatik nicht durch häufige kardiale oder pulmonale Erkrankungen erklärt werden kann. Eine unbehandelte PH verläuft progredient und ist mit einer hohen Morbidität und Mortalität verbunden. Leitsymptom ist dabei meist eine progrediente Belastungsdyspnoe unklarer Genese oder eine Diskrepanz zwischen subjektiver Symptomatik und objektivierbaren Befunden.

Ein weiterer Zuweisungsgrund können auffällige bildgebende Befunde sein. Hierzu zählt zum Beispiel ein dilatierter Truncus pulmonalis (ab 30 mm) im CT-Thorax (6), vor allem wenn gleichzeitig eine ungeklärte Dyspnoe besteht. Ebenso sollte bei echokardiographischem Verdacht auf eine PH eine weiterführende Abklärung erfolgen, sofern keine hinreichende Erklärung durch eine linksventrikuläre Erkrankung oder eine Lungenerkrankung vorliegt.
Besondere Aufmerksamkeit erfordern Patientinnen und Patienten mit Grunderkrankungen, die mit einer erhöhten Prävalenz einer P(A)H einhergehen, wie z. B. bei der Systemsklerose oder den Mischkollagenosen. In diesen Risikogruppen ist ein regelmässiges Screening empfohlen.

Schliesslich sollte bei Patientinnen und Patienten nach Lungenembolien an eine CTEPH gedacht werden, wenn die Belastungsdyspnoe trotz adäquater Antikoagulation nach drei bis sechs Monaten persistiert.

Fazit

Die pulmonale Hypertonie (PH) ist häufig und stellt ein facettenreiches Syndrom dar. Demgegenüber stellt die pulmonal-arterielle Hypertonie (PAH) eine definierte Patientengruppe dar, welche mit PH-spezifischen Medikamenten behandelt werden kann.

Das Ziel einer Spezialsprechstunde ist es, mittels einer strukturierten Abklärung herauszufinden, bei welchen Patienten diese Therapien eingesetzt werden können. Unterdessen gibt es 4 potente Medikamentenklassen. Die Mehrheit der Patienten mit PAH sind > 60 Jahre alt und polymorbide. Eine abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Hausärzt/-innen und spezialisierten Zentren ermöglicht ein frühzeitiges Erkennen von Komplikationen und verbessert die Prognose und Versorgungsqualität.

Abkürzungen
ABGA Arterielle Blutgasanalyse
CTEPH Chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie
mPAP Mittlerer pulmonalarterieller Druck
NYHA New York Heart Association (Funktionsklassifikation)
PAH Pulmonal-arterielle Hypertonie
PCWP Pulmonalkapillärer Verschlussdruck
PH Pulmonale Hypertonie
PVR Pulmonalvaskulärer Widerstand
TTE Transthorakale Echokardiographie

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

KD Dr. med. Urs Bürgi

Pneumologie und Schlafmedizin
Stadtspital Triemli
Birmensdorferstrasse 497
8063 Zürich

Der Autor hat keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

  • Pulmonale Hypertonie ist häufig – die PAH ist selten. Die Mehrheit der PH-Fälle ist Folge von Linksherz- oder Lungenerkrankungen; die PAH ist eine spezifisch therapierbare Form der PH
  • Unklare Belastungsdyspnoe sollte immer an eine PH denken lassen. Besonders bei progredienter Symptomatik oder fehlender Erklärung durch häufige Erkrankungen
  • Die Zuordnung zur PH-Gruppe bestimmt die Therapie. Nur ausgewählte Patientinnen und Patienten (PAH, CTEPH) profitieren von spezifischen Therapien – bei den anderen steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund.
  • Die hausärztliche Rolle ist entscheidend für Früherkennung und Verlauf. Frühe Zuweisung, Erkennen von Verschlechterungen und Betreuung von Komorbiditäten verbessern Prognose und Versorgungsqualität wesentlich.

1. Khou V, McGoon MD, Strange G, et al. Diagnostic delay in pulmonary arterial hypertension: Insights from the Australian and New Zealand pulmonary hypertension registry. Respirology. 2020;25(8):863–871.
2. Zhao L, et al. Cardiopulmonary exercise testing improves diagnostic specificity in patients with echocardiography-suspected pulmonary hypertension. Clin Cardiol. 2017;40(2):95–101.
3. Baccelli A, et al. Prognostic value of cardiopulmonary exercise testing in pulmonary arterial hypertension. Eur Respir J. 2025;66(2):2402026.
4. Hoeper MM, Humbert M, Souza R, Idrees M, Kawut SM, Sliwa-Hahnle K, et al. A global view of pulmonary hypertension. Lancet Respir Med. 2016;4:306–322.
5. Boucly A, Weatherald J, Savale L, Jaïs X, Cottin V, Prevot G, Picard F, de Groote P, Jevnikar M, Bergot E, Chaouat A, Chabanne C, Bourdin A, Parent F, Montani D, Simonneau G, Humbert M, Sitbon O. Risk assessment, prognosis and guideline implementation in pulmonary arterial hypertension. Eur Respir J. 2017;50(2):1700889.
6. Humbert M, Kovacs G, Hoeper MM, Badagliacca R, Berger RMF, Brida M, Carlsen J, Coats AJS, Escribano-Subias P, Ferrari P, Ferreira DS, Ghofrani HA, Giannakoulas G, Kiely DG, Mayer E, Meszaros G, Nagavci B, Olsson KM, Pepke-Zaba J, Quint JK, Rådegran G, Simonneau G, Sitbon O, Tonia T, Toshner M, Vachiery JL, Vonk Noordegraaf A, Delcroix M, Rosenkranz S; ESC/ERS Scientific Document Group. 2022 ESC/ERS Guidelines for the diagnosis and treatment of pulmonary hypertension. Eur Respir J. 2023;61(1):2200879.

Medikamenteninduzierte Kiefernekrosen – selten, aber schwerwiegend

Medikamenteninduzierte Nekrosen des Kieferknochens sind selten, können aber potenziell schwerwiegend ­verlaufen. Kiefernekrosen treten bevorzugt als bekannte Nebenwirkung von antiresorptiven und antiangiogene­tischen Medikamenten auf. Zudem sind Co-Faktoren in der Entstehung von Knochennekrosen bekannt. Die Prävention sowie die frühzeitige Erkennung der Erkrankung sind für den Erhalt einer hohen Lebensqualität unserer Patientinnen und Patienten entscheidend. Der Trend geht in Richtung frühzeitiger, minimalinvasiver chirurgischer Intervention. In seltenen, ausgedehnten Fällen kommen mikrovaskuläre Rekonstruktionstechniken zum Einsatz. An der Klinik für Mund-, Kiefer-, Gesichts- und Oralchirurgie am Luzerner Kantonsspital kommen zur Diagnostik und Therapie modernste Techniken zum Einsatz.

Medication related osteonecrosis of the jaw is a rare, but potentially severe side effect of different medication groups, predominantly antiresorptive and antiangiogenetic drugs. Several known co-factors increase the risk for osteonecrosis. Prevention and early detection are crucial to ensure a high quality of life for our patients. The trend in treatment modalities is pushing towards early, minimally invasive interventions. However, in exceptional cases, extended surgical interventions up to microvascular reconstructions are required. At our clinic of oral and maxillofacial surgery at the Luzerner Kantonsspital necrosis of the jawbone are clarified and the treatment individually tailored, applying the latest, state-of-the-art technologies.
Keywords: Medication related osteonecrosis of the jaw (MRONJ); Prevention; antiresorptive drugs; risk factors; Quality of life

Einleitung

Knochennekrosen des Kiefers wurden bereits vor knapp 200 Jahren in Zusammenhang mit der Produktion phosphorhaltiger Streichhölzer bei Streichholzfabrik-Mitarbeitenden beschrieben. 2003 wurde erstmalig von Robert Marx der Zusammenhang von antiresorptiven Medikamenten mit der Entstehung von Nekrosen des Kieferknochens untersucht. Ein bereits bekanntes, aufgrund des Verbotes von weissem Phosphor kaum noch aufgetretenes Krankheitsbild, wurde erneut zu einem wichtigen Thema. Weitere Medikamentengruppen konnten im Verlauf als Risikofaktoren für die Entstehung einer Kiefernekrose identifiziert werden. Die Behandlung reicht von konservativen Massnahmen über minimalinvasive Operationen bis hin zur ausgedehnten Resektion mit technisch anspruchsvoller, mikrochirurgischer Rekonstruktion. Das Bewusstsein der verordnenden Ärztinnen und Ärzte muss geschärft und die Entstehung der Osteonekrosen verhindert werden (1).

Definition

Knochennekrosen können verschiedene Ursachen haben. Nebst der medikamenteninduzierten Kiefernekrose können auch bestrahlungsbedingte oder selten auch ischämische Nekrosen des Kiefers vorkommen. Die medikamenteninduzierte Osteonekrose des Kiefers wird durch das Vorliegen folgender Punkte definiert (2, 3):
1. Antiresorptiva in der Anamnese, allein oder in Kombination mit immunmodulierender oder antiangiogenetischer Medikation.
2. Freiliegender oder über eine Fistel sondierbarer Knochen, während > 8 Wochen.
3. Ausschluss einer stattgehabten Bestrahlung im Kopf-Hals Bereich, Ausschluss von Metastasen des Kieferknochens.

Da anfänglich ausschliesslich Bisphosphonate als Auslöser einer Osteonekrose des Kiefers bekannt waren, wurde der Begriff der bisphosphonate-related osteonecrosis of the jaw (BRONJ) eingeführt. Im weiteren Verlauf kam das ebenfalls osteoprotektiv, respektive antiresorptiv ­wirkende Denosumab hinzu, weshalb die Bezeichnung korrigiert wurde. Der Terminus wurde auf antiresorptive-drug-related osteonecrosis of the jaw (ARONJ) abgewandelt. Nach Einschluss weiterer Medikamentengruppen als mögliche Risikofaktoren, wurde der Begriff medication-related osteonecrosis of the jaw (MRONJ) festgelegt (2). Dieser Begriff hält sich bis heute und widerspiegelt die Vielfältigkeit der auslösenden Agentien.

Pathogenese und Risikofaktoren

Antiresorptive Medikamente wie Bisphosphonate, Denosumab und die neue Generation monoklonaler Antikörper, beispielsweise Romosozumab, sind in der Behandlung von primär ossären und ossär metastasierten Tumorerkrankungen sowie zur Behandlung einer manifesten Osteoporose indiziert. Durch die Applikation bei Patienten mit Osteoporose resultiert eine flächendeckende Verabreichung in der Bevölkerung. Antiresorptive Medikamente finden zudem ihren Einsatz bei der Behandlung des multiplen Myeloms, des Riesenzellgranuloms, des Morbus Paget, der fibrösen Dysplasie, der Osteogenesis imperfecta und bei primär chronischen, aseptischen Knochenentzündungen. Bevacizumab und Sunitinib werden zur Inhibition der Angiogenese verabreicht und finden ihren Einsatz bei verschiedenen Tumorleiden. Auch diese Medikamentengruppe kann eine MRONJ induzieren. Pathogenetische Erklärungsversuche fokussieren sich auf die Inhibition des Knochenumbaus sowie auf die ­Hemmung der Angiogenese. Durch Ihren antiresorptiven Effekt wird bei Osteoporose die Knochendichte ­verbessert und das Frakturrisiko vermindert. Bei ossär metastasierten Tumoren wird das Risiko einer Tumor-Hyperkalzämie vermindert, Knochenschmerzen können reduziert und konsekutiv die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten verbessert werden (7).

Der genaue Pathomechanismus sowie das Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren ist bis heute nicht gänzlich geklärt. Es ist davon auszugehen, dass bei der Pathogenese die Verminderung des Knochenumbaus, die Hemmung der Perfusion sowie immunologische Faktoren eine entscheidende Rolle spielen. Insbesondere dann, wenn diese Effekte kombiniert auftreten oder mit lokalen und weiteren Risikofaktoren zusammentreffen (6). Beim Pausieren der antiresorptiven Behandlung mit Denosumab kann es zu einem Rebound-Effekt mit erhöhtem Frakturrisiko kommen, weshalb das Pausieren oder Absetzen im Sinne eines «drug holiday» interdisziplinär besprochen werden muss. Auch hier ist der Pathomechanismus nicht geklärt.
Als Hauptrisikofaktor mit hoher Evidenz für die Entstehung einer MRONJ gelten Antiresorptiva und Angiogenesehemmer. Zudem können selten auch Immunosuppressiva (Kortison), Fusionsproteine (Aflibercept), mTOR-Inhibitoren (Everolimus), Radiopharmazeutika (Radium 223) und selektive Oestrogen Rezeptor Modulatoren (Raloxifen) eine MRONJ induzieren. Das Risiko an einer MRONJ zu erkranken ist nicht nur abhängig von der Art der Medikation, sondern auch von der applizierten Dauer und der Dosis. Dies ergibt ein deutlich höheres Risiko für die Verabreichung bei Tumorleiden (ca. 5 %) im Vergleich zur Applikation bei Osteoporose (0.02–0.3 %) (1).

In der Regel reicht die Medikation mit den oben genannten Therapeutika nicht aus, um eine MRONJ zu induzieren. Hierfür braucht es zusätzliche, lokale Faktoren wie beispielsweise Zahnextraktionen, welche in über 80 % der Fälle als auslösender Faktor gelten. Entzündliche Herde, wie Pulpitiden, eine Parodontitis, infizierte Zysten oder vorbestehende Knochenentzündungen sind dabei massgebend. Eine MRONJ tritt häufiger im Unter- als im Oberkiefer auf, dies als Folge der besseren Perfusion des Oberkiefers. Insuffizienter Zahnersatz führt zu Druckstellen und im Extremfall kann sich in diesen Bereichen eine MRONJ entwickeln. Überbeine, sogenannte Tori, können die Entwicklung von Druckstellen mit oder ohne Prothese begünstigen und Co-Faktoren in der Entstehung einer MRONJ darstellen (1).

Personen mit Immundefizienz, Diabetes mellitus, rheumatoider Arthritis, Malnutrition oder Malignomen haben ein höheres Risiko an einer MRONJ zu erkranken. Genetische Faktoren werden ebenfalls als mögliche Co-Faktoren diskutiert, dabei scheinen Single Nucleotide Polymorphisms mit einem erhöhten Risiko einherzugehen. Für den Nikotinkonsum ist die Datenlage nicht konklusiv. Das erhöhte Risiko bei Rauchern scheint aber klinisch offensichtlich zu sein (8).

Symptome, Befunde und Stadieneinteilung

Die klinischen Symptome reichen von unspezifischen Beschwerden über Schmerzen, Schwellung, Fistelbildung und «Foetor ex ore» bis hin zu Zahnlockerungen, Nervenfunktionsstörungen, Kieferfrakturen oder Abszedierungen (Abb. 1). Radiologische Befunde können sehr diskret sein, von Veränderungen der Knochentrabekulierung über Osteosklerosen, bis hin zur ausgedehnten Knochendestruktion (4). Typisch dabei ist die Formation von abgestossenen, nekrotischen Knochenbereichen, welche als Sequester bezeichnet werden (5) (Abb. 2). Wie üblich in der Medizin wird die Krankheitseinteilung nach Schweregrad, respektive nach Stadien angestrebt, so auch bei der Beschreibung der MRONJ. Es werden 5 klinisch­radiologische Stadien unterschieden. Die Stadienein­teilung dient als Grundlage für Therapieentscheidungen (3, 6) (Tab. 1).

Diagnostik, Therapie und Prävention

Eine detaillierte Medikamentenanamnese ist für die Diagnose entscheidend. Häufig werden diese Medikamente von den Patientinnen und Patienten nicht aufgeführt, da das Applikationsintervall sehr hoch ist. Es gilt explizit danach zu fragen. Nebst der klinischen Untersuchung erfolgt routinemässig eine dreidimensionale radiologische Abklärung. Diese besteht üblicherweise aus einem digitalen Volumentomogramm, da zweidimensionale Bildgebungen nicht aussagekräftig genug und für eine Therapieplanung insuffizient sind. In jedem Fall muss die bakteriologische Untersuchung, inklusive der Gewinnung einer Gewebeprobe, angestrebt werden. In seltenen Fällen imponiert ein maligner Prozess ähnlich wie eine Nekrose des Kieferknochens. Da die Behandlungen gänzlich unterschiedlich sind, ist deren Unterscheidung essenziell (9). Marker, welche den Knochen-Turnover erfassen, wurden in der Literatur diskutiert, konnten sich in der Diagnostik der MRONJ bislang jedoch nicht durchsetzen (1, 3, 6). Die Behandlung folgt den klinischradiologischen Stadien und besteht üblicherweise aus engmaschiger Patientenbetreuung, Schmerzkontrolle und Infektionsprävention (Tab. 2).

Die Lebensqualität unserer Patientinnen und Patienten steht dabei im Fokus und eine Ausbreitung muss eingedämmt werden (10). Der definitive Entscheid zur chirurgischen Therapie richtet sich einerseits nach dem Stadium der Erkrankung und andererseits nach den Komorbiditäten der Patientinnen und Patienten. Insbesondere dann, wenn der operative Eingriff in Intubationsnarkose durchgeführt werden muss, gilt es die konservativen Behandlungsoptionen, wie lokale Antiseptik, Analgesie und Antibiotikatherapie auszuschöpfen. Die chirurgische Intervention beinhaltet in jedem Fall die Entfernung des nekrotischen, infizierten Knochens. Scharfe Knochenkanten müssen geglättet und ein dichter Wundverschluss angestrebt werden, bei Bedarf durch lokale Verschiebeplastiken (Abb. 3 und Abb. 4). In der Regel können die chirurgischen Eingriffe minimalinvasiv durchgeführt werden. Die Eingriffe sollen möglichst schonend und unter antibiotischer Abschirmung erfolgen. In ausgedehnten Fällen mit Beteiligung grosser Kieferknochenabschnitte müssen diese reseziert und bei Bedarf aufwendig mit mikrovaskulären Rekonstruktionsverfahren rehabilitiert werden. Dabei können Transplantate vom Unterschenkel, dem Beckenkamm oder dem Schulterblatt zum Einsatz kommen. Hierfür setzen wir an der Klinik für Mund-, Kiefer-, Gesichts- und Oralchirurgie modernste computerassistierte Techniken ein. Ein temporäres Absetzen der Medikation während der chirurgischen Behandlungsphase wird in der Literatur kontrovers diskutiert. Insbesondere beim Absetzen von Denosumab muss das Risiko eines Rebound-Effekts mit erhöhtem Frakturrisiko, typischerweise der Wirbelkörper, in den Entscheidungsprozess einfliessen. Eine Rücksprache mit den verschreibenden Ärztinnen und Ärzten ist dabei zwingend (11).

Die Low-Level-Lasertherapie, photodynamische Therapie, hyperbare Sauerstofftherapie oder die Gabe von Antioxidantien wie Pentoxifyllin in Kombination mit Vitamin E Präparaten sowie Teriparatide werden als mögliche Behandlungsoptionen in der Literatur diskutiert. Die Evidenz ist noch sehr schwach und gut strukturierte Studien müssen deren Wirksamkeit belegen.

Die Prävention einer MRONJ hat höchste Priorität. Dabei spielt die Aufklärung der verschreibenden Ärztinnen und Ärzte sowie der Patientinnen und Patienten eine zentrale Rolle. Ähnlich wie vor Radiotherapie, Herzklappenersatz oder Organtransplantation wird auch vor Einnahme der oben genannten Medikamente dringend eine dentale Herd­abklärung mit folglicher Sanierung empfohlen. Sowohl die Abklärung als auch die Herdsanierung oder die Behandlung einer manifesten MRONJ sollte durch eine erfahrene Fachärztin/Zahnärztin oder einen erfahrenen Facharzt/Zahnarzt erfolgen. Sollten trotz sorgfältiger Herdabklärung Zahnextraktionen während einer laufenden Therapie notwendig sein, werden diese unter antibiotischer Abschirmung, möglichst atraumatisch und mit dichtem Wundverschluss durchgeführt. Auch hier empfiehlt sich die Zuweisung an eine Spezialistin oder einen Spezialisten (3, 12).

Zusammenfassung

Die Aufklärung von Ärztinnen und Ärzten, welche Medikamente mit potenziellem MRONJ-Risiko verordnen, sowie der einnehmenden Patientinnen und Patienten ist von höchster Wichtigkeit. Durch die Information und durch eine professionelle Sanierung von Infektionsherden vor Einleitung einer Risikomedikation, kann eine MRONJ vermieden werden. In jedem Fall soll die Prävention wie auch die Behandlung einer manifesten Kiefernekrose durch eine erfahrene Zahnärztin, einen erfahrenen Zahnarzt oder eine dafür spezialisierte Klinik erfolgen. Wir an der Klinik für Mund-, Kiefer-, Gesichts- und ­Oralchirurgie pflegen den engen Austausch mit den zu­weisenden Fachdisziplinen und informieren über regelmässige interne und externe Fortbildungen. Die Lebensqualität unserer Patientinnen und Patienten steht dabei im Zentrum.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Thomas Gander

Luzerner Kantonsspital
Klinik für Mund-, Kiefer-,
Gesichts- und Oralchirurgie
Spitalstrasse
6000 Luzern 16

Dr. med. dent. Nathalie Knechtle

Luzerner Kantonsspital
Klinik für Mund-, Kiefer-,
Gesichts- und Oralchirurgie
Spitalstrasse
6000 Luzern 16

Med. dent. Sonja Schärer

Luzerner Kantonsspital
Klinik für Mund-, Kiefer-,
Gesichts- und Oralchirurgie
Spitalstrasse
6000 Luzern 16

Die Autorenschaft hat keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

  • Ausführliche Patienteninformation vor Medikamenten­verabreichung und engmaschige Begleitung im Falle einer manifesten MRONJ
  • Awareness von medikamentenverabreichenden Spezialisten muss geschärft werden
  • Dentale Entzündungsherde müssen vor Beginn einer Behandlung mit Risikomedikamenten saniert werden
  • Vor dentalen Eingriffen muss explizit die Einnahme poten­zieller Risikomedikamente erfragt werden
  • Dentale Eingriffe erfolgen unter Antibiotikatherapie und mit dichtem Wundverschluss

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Der Spitz-Nävus ist kein Melanom im Kindesalter

Der klassische Spitz-Nävus ist im Kindesalter eine gutartige, biologisch stabile melanozytäre Läsion und weder mit einem Melanom noch mit einer Vorstufe davon gleichzusetzen. Spitzoide Tumoren insgesamt bilden eine heterogene Gruppe melanozytärer Neoplasien mit variabler Biologie, die neben benignen Nävi auch intermediäre Läsionen mit unsicherem biologischem Verhalten sowie seltene maligne Spitz Melanome umfasst. Die differenzierte Einordnung stützt sich auf eine integrative Bewertung klinischer, histologischer und immunhistochemischer Befunde, ergänzt durch molekulargenetische Analysen in ausgewählten Fällen. Die altersabhängige Risikobewertung, das Wachstumsverhalten, die architektonische Symmetrie sowie Reifungs- und Proliferationsmarker sind zentrale Entscheidungsfaktoren. Ziel ist nicht die begriffliche Klassifikation, sondern die möglichst präzise Einschätzung des biologischen Potenzials. Dieses diagnostische Vorgehen ermöglicht es, unnötige Eingriffe bei stabilen Läsionen zu vermeiden und zugleich seltene progressive Verläufe frühzeitig zu erkennen. Eine strukturierte, altersgerechte und interdisziplinär abgestimmte Diagnostik bildet die Grundlage für eine differenzierte, klinisch verantwortungsvolle Entscheidungsfindung.

The classic Spitz nevus is a benign, biologically stable melanocytic lesion in children and should not be equated with melanoma or its precursors. In contrast, Spitz tumors as a group represent a heterogeneous spectrum of melanocytic neoplasms, ranging from benign nevi to intermediate lesions with uncertain biological behavior and, rarely, malignant Spitz melanomas. Accurate classification relies on an integrative assessment of clinical, histological, and immunohistochemical features, complemented by molecular analyses in selected cases. Age-related risk stratification, growth behavior, architectural symmetry, and markers of maturation and proliferation are key determinants. The primary objective is not semantic categorization but rather a precise estimation of biological potential. This diagnostic approach helps to avoid overtreatment of stable lesions while enabling early detection of rare progressive cases. A structured, age-appropriate, and interdisciplinary diagnostic strategy is essential for informed and responsible clinical decision-making.
Keywords: Spitz nevus, spitzoid tumors, melanoma, pediatric skin tumors

Einleitung

Spitz-Tumoren stellen eine eigenständige, heterogene Gruppe melanozytärer Neoplasien dar, die ein breites Spektrum biologischer Verhaltensweisen aufweisen können (1). Innerhalb dieses Spektrums werden drei Hauptgruppen unterschieden: der klassische Spitz-Nävus, der atypische Spitz-Tumor (auch Spitz-Melanozytom genannt) und das Spitz-Melanom (2). Der klassische Spitz- Nävus manifestiert sich überwiegend im Kindes- und Jugendalter und zeigt typischerweise ein rasches, lokalisiertes Wachstum (3). Weniger als 1 % aller im Kindesalter exzidierten melanozytären Läsionen entfallen auf Spitz- Tumoren (4). Die Prädilektionsstellen sind der Kopfbereich sowie die Extremitäten (5). Etwa 70 % aller Spitz-Tumoren werden in den ersten beiden Lebensdekaden diagnostiziert, ein erstmaliges Auftreten im Erwachsenenalter ist jedoch ebenfalls möglich (3). Klinisch präsentiert sich der klassische Spitz-Nävus in der Regel als symmetrische, kuppelförmige oder flache Hautläsion mit klarer Begrenzung, die eine rötliche, rosafarbene oder bräunliche Pigmentierung aufweisen kann (6). In einzelnen Fällen können jedoch auch atypische Merkmale auftreten, etwa asymmetrische Strukturen, inhomogene Pigmentierung oder eine rasche Grössenzunahme, wodurch ein klinisches Bild entstehen kann, das einem kutanen Melanom ähnelt (6). In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle erlaubt die histopathologische Analyse jedoch die beruhigende Diagnose eines benignen Spitz-Nävus. Entscheidend bleibt, dass der klassische Spitz-Nävus biologisch stabil bleibt und keinen malignen Verlauf nimmt (7).

Während klassische melanozytäre Läsionen meist klinisch und histopathologisch eindeutig als benigne eingestuft werden können, umfasst das Spektrum der Spitz-Tumoren neben klar benignen Nävi und sehr seltenen malignen Spitz-Melanomen auch intermediäre Formen mit uneindeutigen Eigenschaften, wobei klinisch meist ein gutartiger Verlauf beobachtet wird (6). Atypische Spitz-Tumoren weisen histopathologische Auffälligkeiten wie asymmetrisches Wachstum, Reifungsverlust, ausgeprägte zytologische Atypien und eine erhöhte mitotische Aktivität auf (6). Sie können in lokoregionäre Lymphknoten metastasieren, ohne dass dies die Prognose wesentlich beeinflusst, und eine hämatogene Metastasierung wird bei diesen Tumoren in der Regel nicht beobachtet (8). Eine Sentinel-Lymphknotenbiopsie ergibt daher bei atypischen Spitz-Tumoren keine prognostisch relevante Information (8). Spitz-Melanome hingegen weisen ein deutlich erhöhtes Risiko für extranodale und hämatogene Metastasierung auf und sind mit einem potenziell letalen Verlauf assoziiert (9).

Die historische Grundlage für das Verständnis dieser Tumorgruppe legte Sophie Spitz im Jahr 1948 mit ihrer Publikation «Melanomas of Childhood», in der sie 13 kindliche Hautläsionen beschrieb (10). Obwohl diese Läsionen histologisch Merkmale eines Melanoms aufwiesen, verliefen die meisten klinisch indolent. Nur ein Patient entwickelte eine fernmetastasierende Erkrankung, was zur Hypothese führte, dass altersabhängige Faktoren das biologische Verhalten dieser Tumoren günstig beeinflussen könnten (10). In späteren Jahren wurde erkannt, dass die meisten dieser Läsionen keine klassischen kutanen Melanome darstellen, sondern eine eigenständige Gruppe überwiegend benigner melanozytärer Tumoren (11). Dies führte Ende der 1960er-Jahre zur Einführung des Begriffs Spitz-Nävus, um gutartige Spitz-Läsionen klar von echten Melanomen abzugrenzen (11). Über mehrere Jahrzehnte galt dieser Tumor als vollständig benigne, und vereinzelte Fälle mit metastasierendem Verlauf wurden retrospektiv als fehldiagnostizierte Melanome mit Spitz-ähnlicher Morphologie interpretiert (12). Mit zunehmender Erfahrung zeigte sich jedoch, dass innerhalb dieses Spektrums auch atypische Spitz-Tumoren mit intermediärem Verhalten sowie Spitz-Melanome mit eindeutig malignem Potenzial existieren. Die differenzierte Betrachtung von Spitz-Tumoren ist nicht nur für die histopathologische Klassifikation, sondern auch für die therapeutische Strategie und die Einschätzung der Pro­gnose von wesentlicher Bedeutung, insbesondere da viele betroffene Patientinnen und Patienten sehr jung sind (3). Trotz aller Fortschritte in der histopathologischen, immunhistochemischen und molekulargenetischen Diagnostik existieren bis heute keine verlässlichen Kriterien, die eine sichere Unterscheidung zwischen benignen und malignen Spitz-Tumoren in jedem Einzelfall ermöglichen würden (13, 14). Der einzige definitive Beweis für das Vorliegen eines malignen Spitz- Tumors bleibt das Auftreten von Fernmetastasen oder ein letaler Verlauf (15). Trotz der beschriebenen diagnostischen Herausforderungen ist hervorzuheben, dass sowohl klassische Spitz-Nävi als auch atypische Spitz-Tumoren in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle eine exzellente Prognose aufweisen (8, 16). Fernmetastasen oder ein letaler Verlauf stellen eine Seltenheit dar (16). Insgesamt erlaubt das biologische Verhalten dieser Läsionen eine ausgesprochen günstige Einschätzung für die betroffenen Patienten und Patientinnen (17). Eine integrative dia­gnostische Abklärung ist daher insbesondere bei unklaren Befunden essenziell. Ziel bleibt es, unnötige Übertherapien zu vermeiden und gleichzeitig eine frühzeitige Erkennung seltener, potenziell progressiver Spitz-Tumoren zu ermöglichen.

Spitz-Tumoren: Definition und ­Abgrenzung gegenüber spitzoiden ­melanozytären Läsionen

Nicht jede melanozytäre Läsion mit Zügen einer histopathologischen spitzoiden Morphologie gehört zur Gruppe der echten Spitz-Tumoren. Nach der aktuellen WHO-Klassifikation wird ein Spitz-Tumor sowohl durch eine charakteristische spitzoide Histomorphologie als auch durch spezifische genetische Alterationen definiert (2). Histologisch zeichnen sich Spitz-Tumoren durch das Vorherrschen von spindelzelligen und/oder epitheloidzelligen Komponenten aus (1). Auf genetischer Ebene finden sich typischerweise translokationsinduzierte Fusionen, die Gene für Rezeptor-Tyrosinkinasen wie ALK, ROS1, NTRK1–3, RET oder MET betreffen können, oder sehr selten aktivierende Punktmutationen in HRAS (18–21). Diese genetischen Veränderungen stellen die primären Treiber der Tumorentstehung dar und sind somit für das initiale Wachstum und die morphologische Ausprägung der Läsion verantwortlich.

Es existieren jedoch auch konventionelle Nävi oder Melanome, die Züge einer spitzoiden Morphologie aufweisen können, deren genetisches Profil jedoch typische Treibermutationen wie BRAFV600E-, NRAS- oder inaktivierende Punktmutationen in NF1 zeigt (21–23). Solche Läsionen sind formal nicht Teil der Spitz-Tumoren-Familie, obwohl sie histologisch spitzoide Merkmale imitieren können. Dieses Verständnis ist zentral für die korrekte Einordnung spitzoider Läsionen. Da die spitzoide Morphologie allein keine zuverlässige Aussage über die biologische Natur einer melanozytären Läsion erlaubt, ist eine integrative Bewertung von klinischen, dermatoskopischen, histologischen und in ausgewählten Fällen teils molekulargenetischen Befunden essenziell. Nur durch diese gesamtheitliche Betrachtung kann eine präzise diagnostische Einordnung erfolgen, mit unmittelbaren Konsequenzen für Prognose und therapeutisches Vorgehen. Abb. 1 zeigt die molekulare Einteilung melanozytärer Tumoren basierend auf den genetischen Alterationen, die jeweils als Treiber der Tumorentstehung gelten.

Klinische Erscheinungsbilder und ­diagnostische Herausforderung

Der klassische Spitz-Nävus kann ein charakteristisches klinisches und dermatoskopisches Erscheinungsbild aufweisen, das die Diagnosestellung in vielen Fällen erleichtert. Typischerweise zeigen diese Läsionen entweder ein sogenanntes Sternmuster (starburst pattern) mit zentraler homogener Pigmentierung und symmetrisch angeordneten, radial ausstrahlenden Pseudopodien, regelmässig verteilte punktförmige Gefässe bei nicht pigmentierten Varianten oder ein globuläres Muster mit begleitender retikulärer Depigmentierung (24). Allen diesen klassischen Mustern ist eine ausgeprägte Symmetrie der Farb- und Strukturverteilung gemeinsam. Diese Symmetrie gilt als diagnostisches Kennzeichen gutartiger Spitz-Nävi und erleichtert die Abgrenzung gegenüber malignen Läsionen (24). Sie allein bietet jedoch keine absolute Sicherheit, da insbesondere das Alter eine entscheidende Rolle für die diagnostische Einordnung spielt (13). Während Spitz-Läsionen mit symmetrischem Erscheinungsbild im Kindes- und Jugendalter überwiegend benigne verlaufen, steigt das Risiko einer malignen Entartung mit zunehmendem Alter deutlich an (25). So liegt bei Patientinnen und Patienten unter 30 Jahren die Wahrscheinlichkeit, dass eine symmetrisch erscheinende Spitz-Läsion ein Melanom darstellt, bei etwa 7 %, während sie bei über 50-Jährigen auf etwa 50 % ansteigt (25). Abb. 2 zeigt drei unterschiedlich erscheinende Spitz-Tumoren aus der klinischen Praxis.

Ein weiteres klinisch relevantes Merkmal ist das Wachstumsverhalten der Läsion. Klassische Spitz-Nävi zeigen typischerweise eine kurze Phase rascher Grössenzunahme, die sich über Wochen bis wenige Monate erstreckt, gefolgt von einer Phase der Stabilität oder sogar partieller Regression (26). Zeichen einer beginnenden Regression wie zentrale Aufhellung oder Depigmentierung können klinisch erkennbar sein. Im Gegensatz dazu wächst ein Spitz-Melanom meist kontinuierlich weiter, ohne Anzeichen einer spontanen Stabilisierung. Diese unterschiedliche Dynamik liefert zusätzliche Hinweise auf das biologische Verhalten und sollte bei der Beurteilung mitberücksichtigt werden (24). Besonders anspruchsvoll gestaltet sich die klinische Einschätzung, wenn das architektonische Muster der Läsion untypisch ist. Spitz-Tumoren können ein breites Spektrum an Erscheinungsformen zeigen, das von symmetrischen, regelmässigen Befunden bis hin zu stark melanomverdächtigen Konstellationen reicht (27). In einzelnen Fällen ist die klinische Präsentation nicht von einem malignen Melanom zu unterscheiden, obwohl es sich histologisch um eine benigne Veränderung handelt. Umgekehrt kann eine unauffällige Läsion in der Histologie Kriterien eines malignen Tumors erfüllen (28). Solche Diskrepanzen unterstreichen die begrenzte Aussagekraft klinischer und dermatoskopischer Merkmale bei atypischer Präsentation. Die histopathologische Untersuchung ist in diesen Fällen zwingend erforderlich, um eine sichere diagnostische Einordnung zu ermöglichen.

Rolle der Histopathologie und ­Molekularbiologie

Die histopathologische Beurteilung ist der zentrale diagnostische Ansatz zur Einschätzung des biologischen Verhaltens von Spitz-Tumoren. Bei klassischen Spitz-Nävi genügt in der Regel die Beurteilung histologischer und immunhistochemischer Merkmale, um eine gutartige Diagnose zuverlässig zu stellen. Typisch sind eine ausgeprägte Symmetrie, eine gewisse Reifung der Melanozyten und eine geringe mitotische Aktivität (6, 13, 29). Ergänzend liefern immunhistochemische Marker wie p16, Ki-67 und HMB45 Hinweise auf Seneszenz, Proliferation und Differenzierung (30, 31). Auch bei vielen atypischen Läsionen, die histopathologisch vom klassischen Bild eines Spitz-Nävus abweichen, kann ein Melanom ausgeschlossen werden, sofern zentrale Merkmale einer malignen Entartung fehlen. Dazu zählen eine geringe mitotische Aktivität in der Tiefe, eine regelhafte Reifung der Melanozyten und das Fehlen signifikanter zytologischer Atypien (32). In einzelnen Fällen mit auffälliger Zellmorphologie, asymmetrischer Architektur oder tief reichender Proliferation ist ein sicherer Ausschluss jedoch nicht möglich, sodass eine weiterführende diagnostische Abklärung erforderlich werden kann (32). In solchen Fällen kann eine molekulargenetische Analyse mittels Next-Generation-Sequencing zur erweiterten diagnostischen Einschätzung beitragen (17). Ziel ist eine möglichst fundierte Einschätzung, ob zentrale Kontrollmechanismen wie Zellzykluskontrolle, Apoptose oder Seneszenz gestört sind, wie es auch bei Melanomen vorkommt und Rückschlüsse auf die biologische Stabilität und das Progressionsrisiko ermöglicht (33). Spitz-Tumoren mit intermediärem biologischem Potenzial zeigen in der Regel nur einzelne genetische Veränderungen in isolierten Signalwegen (13). Meist handelt es sich um kleine heterozygote Deletionen oder vereinzelte Punktmutationen in Genen, die an der Zellzykluskontrolle, Apoptose oder Seneszenz beteiligt sind (beispielsweise CDKN2A, TERT-p, TP53, PTEN oder ARID2) (33). Solche Veränderungen lassen zwar auf eine gewisse genetische Instabilität schliessen, weisen jedoch in ihrer isolierten Form nicht auf eine umfassende Störung der zellulären Regulation hin (13). Demgegenüber finden sich bei Spitz-Melanomen häufig komplexere molekulare Veränderungen, bei denen mehrere zentrale Kontrollmechanismen gleichzeitig betroffen sind. Diese gehäufte Beeinträchtigung regulatorischer Signalwege deutet auf eine erhöhte biologische Aggressivität hin (9, 13). Ergänzend bietet die Analyse der Tumormutationslast und von Kopienzahlveränderungen zusätzliche Hinweise auf das Ausmass genomischer Veränderungen, wobei höhere Werte typischerweise mit einem gesteigerten Malignitätsrisiko einhergehen (34–36). Insgesamt ergänzt die molekulargenetische Diagnostik die histopathologische und immunhistochemische Beurteilung in ausgewählten Fällen mit intermediärem Profil oder unklarer Biologie. Sie liefert zusätzliche Informationen zur Einschätzung des Progressionspotenzials und unterstützt die therapeutische Entscheidungsfindung.

Diagnostisches Vorgehen und ­Managementempfehlungen

Das diagnostische und therapeutische Vorgehen bei Spitz-Tumoren richtet sich nach dem Alter der Patientin oder des Patienten, der klinischen Präsentation sowie den histologischen, immunhistochemischen und gegebenenfalls molekulargenetischen Befunden. Abb. 3 und Abb. 4 geben einen Überblick über das diagnostische Vorgehen sowie das daraus abgeleitete Management bei Spitz-Tumoren. Zu den zentralen klinischen Kriterien zählen die architektonische Symmetrie, das Alter sowie das Verlaufsmuster der Läsion. Während spitzoide Läsionen im Erwachsenenalter grundsätzlich vollständig entfernt werden sollten, kann bei Kindern unter zwölf Jahren mit kleinen symmetrischen Läsionen und homogener Pigmentierung zunächst eine engmaschige Beobachtung erfolgen (24, 25). Eine rasche Grössenzunahme ist in dieser Altersgruppe häufig und per se nicht verdächtig (3). Entscheidend ist vielmehr der weitere Verlauf: Zeigt sich eine Stabilisierung oder gar Regression, kann unter dokumentierter Kontrolle zugewartet werden. Bei Persistenz, erneutem Wachstum oder dem Auftreten asymmetrischer Strukturen, polychromatischer Pigmentierung oder atypischer Gefässarchitektur ist eine Exzision indiziert (24). Bei Jugendlichen und Erwachsenen empfiehlt sich aufgrund der erhöhten Wahrscheinlichkeit eines malignen Verlaufs grundsätzlich die operative Entfernung (24).

Nach erfolgter Exzision erfolgt die histopathologische Beurteilung, ergänzt durch eine immunhistochemische Untersuchung (p16, Ki-67, HMB45, Melan A). Diese Marker liefern Hinweise zur Reifung, Proliferationsaktivität und Differenzierung und bilden den diagnostischen Mindeststandard (30, 31). In Fällen mit auffälliger Morphologie oder diskrepanten klinisch-histologischen Befunden kann eine molekulargenetische Analyse mittels Next-­Generation-Sequencing zusätzliche Hinweise zur biologischen Einschätzung liefern (13). Die Befundinterpretation sollte interdisziplinär und vorzugsweise an einem erfahrenen Zentrum erfolgen, das mit der differenzierten Diagnostik von Spitz-Tumoren vertraut ist. Die Einteilung in benigne, intermediäre oder maligne Spitz-Tumoren bestimmt das weitere therapeutische Vorgehen. Benigne Läsionen erfordern nach vollständiger Entfernung keine weiterführende Therapie, jedoch werden jährliche klinische Nachkontrollen empfohlen. Intermediäre Tumoren sollten nach Nachresektion mit Sicherheitsabstand klinisch engmaschig kontrolliert werden, ergänzt durch eine regelmässige sonographische Kontrolle der lokoregionären Lymphknoten. Eine Sentinel-Lymphknotenbiopsie wird in diesen Fällen aufgrund der fehlenden prognostischen Relevanz einer nodalen Manifestation nicht empfohlen (8). Bei eindeutig malignen Spitz-Melanomen erfolgt die stadiengerechte Behandlung gemäss den aktuellen ESMO-Leitlinien zum kutanen Melanom, inklusive Sentinel-Lymphknotenbiopsie und gegebenenfalls systemischer Therapie (37).

Dieses strukturierte, altersdifferenzierte Vorgehen ermöglicht eine individualisierte Entscheidungsfindung, bei der unnötige Eingriffe bei biologisch stabilen Läsionen vermieden, aber potenziell progressive Verläufe frühzeitig erkannt und adäquat behandelt werden.

Klinischer Ausblick

Spitz-Tumoren stellen insbesondere im Kindes- und Jugendalter häufig eine besondere diagnostische Herausforderung dar. Ihre klinisch auffällige Morphologie steht nicht selten in Kontrast zu ihrem biologischen Verhalten. Ausschlaggebend ist nicht ein einzelnes Merkmal, sondern das Zusammenspiel aller relevanten klinischen und pathologischen Faktoren im jeweiligen Kontext. Der klassische Spitz-Nävus ist in diesem Zusammenhang klar einzuordnen. Er stellt im Kindesalter eine eigenständige, biologisch stabile Entität dar, die weder einem kutanen Melanom noch dessen Vorstufen zuzuordnen ist. Seine gutartige Natur erlaubt ein zurückhaltendes, altersgerechtes Management, sofern die Befundkonstellation eindeutig auf ein biologisch stabiles Verhalten hinweist. Seit der Erstbeschreibung durch Sophie Spitz im Jahr 1948 hat sich das Verständnis von Spitz-Tumoren stetig weiterentwickelt. Die Einführung immunhistochemischer Marker und moderner molekularer Techniken hat die diagnostische Präzision verbessert und liefert insbesondere bei unklaren Befunden zusätzliche Anhaltspunkte. Dennoch bleibt die Abgrenzung im Einzelfall anspruchsvoll und erfordert klinische Erfahrung sowie eine interdisziplinäre Bewertung. Mit dem weiteren Fortschritt der molekularbiologischen Diagnostik ist zu erwarten, dass auch künftig neue Erkenntnisse zur Einordnung spitzoider Tumoren beitragen werden. Entscheidend bleibt, dass solche Entwicklungen mit Augenmass in die klinische Praxis integriert werden. Der Spitz-Nävus im Kindesalter steht exemplarisch für die Bedeutung eines differenzierten, verantwortungsbewussten und patientenzentrierten diagnostischen Vorgehens, das sich am biologischen Verhalten orientiert und nicht allein an morphologischen Auffälligkeiten.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Zweitabdruck aus «Therapeutische Umschau» 4/2025

Dr. med. Mario Teufer

Dermatologische Klinik
Universitätsspital Zürich
The Circle 59
8058 Zürich-Flughafen

mario.teufer@usz.ch

Prof. Dr. med. Reinhard Dummer

– Senior Consultant
Klinik für Dermatologie
Universitätsspital Zürich
Rämistrasse 100, 8091 Zürich
reinhard.dummer@usz.ch

– Leiter Hautkrebszentrum
Kantonsspital Aarau, Hautkrebszentrum
Bahnhofplatz 3C
5001 Aarau
reinhard.dummer@ksa.ch

Die Autoren haben keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

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PAVK, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronisch-venöse Insuffizienz

Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) und die chronisch venöse Insuffizienz (CVI) werden im klinischen Alltag oft als unterschiedliche Entitäten betrachtet. Chronisch venöse Erkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben gemeinsame Risikofaktoren und eine gemeinsame Pathophysiologie. Studien konnten zeigen, dass häufig eine Koexistenz beider Krankheitsbilder vorhanden ist, die sich gegenseitig beeinflussen. Dieser Artikel soll eine Übersicht verschaffen über die epidemiologische Koexistenz, die pathophysiologischen Interaktionen sowie die therapeutischen Herausforderungen im klinischen Alltag.

Cardiovascular diseases such as peripheral arterial disease (PAD) and chronic venous insufficiency (CVI) are often regarded as distinct entities in clinical practice. However, chronic venous disorders and cardiovascular diseases share common risk factors and pathophysiological mechanisms. Studies have demonstrated that the coexistence of both conditions is frequent and that they can mutually influence each other. This article aims to provide an overview of the epidemiological coexistence, pathophysiological interactions, and therapeutic challenges in clinical practice.
Keywords: PAVK, CVI, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Komorbidität, Gesamtsterblichkeit

Epidemiologie und Relevanz der Komorbidität im klinischen Alltag

Die PAVK manifestiert sich häufig im Rahmen einer systemischen Arteriosklerose und betrifft in Europa ca. 15–20 % der über 65-Jährigen (1). Kardiovaskuläre Erkrankungen wie die zerebrovaskuläre Verschlusskrankheit und die koronare Herzkrankheit sind häufige Komorbiditäten bei der PAVK und führen zu einer deutlich erhöhten Mortalität. Als kardiovaskuläre Risikofaktoren gelten die positive Familienanamnese, Bewegungsmangel, Nikotin, Diabetes mellitus, Adipositas, arterielle Hypertonie und Dyslipidämie. Die CVI hat eine Prävalenz von 30–40 % in der erwachsenen Bevölkerung, wobei mit zunehmendem Alter und Adipositas die Prävalenz der schweren Fälle zunimmt (2, 4). Als rein venöse Erkrankung wird die CVI im klinischen Alltag häufig als alleinstehende Entität betrachtet.

Obwohl die PAVK und CVI unterschiedliche Gefässsysteme betreffen, zeigen Studien, dass eine CVI das Risiko für Arteriosklerose und kardiovaskuläre Ereignisse erhöht (3, 4). In einer grossen Untersuchung von Prochaska et al. wurde bei 12‘423 Teilnehmern der bevölkerungsbasierten Kohortenstudie zwischen 40 und 80 Jahren nachgewiesen, dass das Risiko, in den nächsten 10 Jahren an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz oder Vorhofflimmern zu erkranken, bei Patienten mit einer chronisch venösen Insuffizienz doppelt so hoch ist wie bei Patienten ohne CVI (4). In einer weiteren Untersuchung mit PAVK-Patienten konnte eine gleichzeitige Prävalenz einer CVI von 21 % nachgewiesen werden (5).

Pathophysiologie, Risikofaktoren

Die Pathophysiologie beider Erkrankungen ist zwar im Wesentlichen unterschiedlich, da die PAVK auf arteriosklerotischen Veränderungen der Arterien beruht, während die Ursache der CVI auf eine venöse Hypertension bei Venenklappeninsuffizienz oder auf eine funktionelle venöse Insuffizienz bei intakten Venenklappen zurückgeführt werden kann.

Sie teilen jedoch gemeinsame Risikofaktoren und Schnittstellen in der Pathophysiologie (Abb. 1). Gemeinsame Risikofaktoren wie Adipositas, arterielle Hypertonie, Nikotin, Diabetes mellitus und Alter spielen eine zentrale Rolle bei der Ausbildung beider Erkrankungen. In einer Studie von Rabe et al. (2) konnte gezeigt werden, dass 37 % der Patienten mit chronischen Venenerkrankungen eine arterielle Hypertonie und 12 % einen Diabetes mellitus haben (Tab. 1).

Auf pathophysiologischer Ebene findet man als Gemeinsamkeit der Erkrankungen die endotheliale Dysfunktion, Inflammation und Thromboseneigung. Eine chronisch venöse Stauung bewirkt über eine Endothelaktivierung eine Mikroangiopathie und lokale Hypoxie (6), die durch eine arterielle Minderperfusion noch verstärkt wird. Bei einer fortgeschrittenen CVI kommt es zu einer erhöhten Kapillarpermeabilität und fibrinogener Exsudation in das Interstitium, so dass die Diffusion von Sauerstoff und Nährstoffen beeinträchtigt wird und dadurch die Ischämietoleranz im Gewebe sinkt. Durch eine gleichzeitig vorhandene PAVK potenziert sich die Hypoxie.

Eine relevante PAVK wird bei ca. 10–15 % der Patienten mit schwerer CVI übersehen, da die venösen Beschwerden die arterielle Symptomatik überlappen können. Das führt dazu, dass die Symptome einer falschen Ätiologie zugeordnet werden, was die adäquate Versorgung des Patienten verzögert. Eine eingeschränkte arterielle Perfusion kann wie die CVI zu trophischen Störungen wie Ulzerationen führen und diese bei bestehender CVI noch verschlechtern. Ödeme können wiederum die arterielle Perfusion kompromittieren und ebenfalls zu einer eingeschränkten Wundheilung von Ulzera führen.

Die Kombination aus PAVK und CVI bleibt im klinischen Alltag oft unterdiagnostiziert. Dabei treten beide Erkrankungen häufig zusammen auf und sind prognostisch relevant. Eine Komorbidität mit der PAVK führt ausserdem zu einem höheren Risiko für Ulzerationen, schlechte Wundheilung und eingeschränkte Mobilität.

Diagnostische und therapeutische Herausforderungen

Das gleichzeitige Auftreten einer PAVK und CVI kann im klinischen Alltag die Diagnosestellung erschweren, insbesondere da ähnliche Symptome sowie Ulzerationen arteriell, venös oder arterio-venös auftreten können. Die parallele Diagnostik der arteriellen und venösen Strombahn ist klinisch anspruchsvoll.

Die PAVK-Diagnostik in der hausärztlichen Praxis orientiert sich an der Anamnese (kardiovaskuläre Risikofaktoren, typische Claudicatio), der klinischen Untersuchung und dem Knöchel-Arm-Index (ABI). Die Einteilung der PAVK erfolgt in den Stadien I–IV nach Fontaine, um den Schweregrad der Erkrankung anhand der klinischen Symptome zuzuordnen. Die ABI-Messung zur Abschätzung einer möglichen PAVK kann durch Symptome der CVI wie Ödemen und Ulzerationen an den unteren Extremitäten nur erschwert durchgeführt werden. Da viele dieser Patienten auch einen Diabetes mellitus haben, können die Arterien im Knöchelbereich bei einer Mediasklerose oftmals nicht oder nicht mehr vollständig komprimiert werden, so dass es zu falsch hohen Messwerten kommt. Der ABI-Wert kann so nicht mehr für die Diagnostik herangezogen werden. Auch bei Patienten mit gut kollateralisierten, chronischen arteriellen Verschlüssen, kann die Diagnose einer PAVK aufgrund einer alleinigen ABI-Messung verpasst werden, da diese Patienten auch normale Druckwerte aufweisen können. In diesen Situationen ist die Durchführung einer Duplexsonographie sinnvoll.

Die CVI-Diagnostik erfolgt in der hausärztlichen Praxis primär durch die Anamnese und klinische Untersuchung. Die chronisch venöse Insuffizienz ist eine klinische Diagnose mit Nachweis einer Corona phlebectatica paraplantaris. Zusätzlich kann es zur Ausbildung von Varizen, Ödemen, Ulzerationen, Hyperpigmentationen sowie Zeichen einer Stauungsdermatitis kommen. Im klinischen Alltag wird die CVI im Rahmen der CEAP-Klassifizierung (C0–C6) eingeteilt oder in die ältere, einfachere Klassifikation nach Widmer. Im Rahmen der CEAP-Klassifikation werden die pathophysiologischen Kategorien auf nachweisbare strukturelle Venenklappenveränderungen oder postthrombotische Veränderungen fokussiert. Aber nicht jeder Patient mit Zeichen einer chronisch venösen Insuffizienz weist sonographisch relevante Klappeninsuffizienzen oder postthrombotische Veränderungen auf. Durch Faktoren wie Immobilität, Muskelschwäche oder neurologische Erkrankungen kann eine funktionelle venöse Insuffizienz vorliegen, bei der die muskuläre Venenpumpe unzureichend arbeitet. In dieser Situation kommt es trotz suffizienter Venenklappen zu einer chronisch venösen Hypertonie.

Therapeutisch sind bei der PAVK und CVI verschiedene Massnahmen notwendig. Bei der PAVK steht je nach Stadium eine konservative Behandlung im Vordergrund mit Elimination der kardiovaskulären Risikofaktoren, strukturiertem Gehtraining und einer medikamentösen Therapie mit Statinen und eventuell weiteren cholesterinsenkenden Substanzen (LDL-Ziel: <1,4mmol/l) und einem Thrombozytenaggregationshemmer. In weiter fortgeschrittenen Stadien stehen bei entsprechender Symptomatik revaskularisierende Massnahmen zur Verfügung.

Bei der CVI steht die Kompressionstherapie im Vordergrund, mittels Kompressionsverbänden oder -strümpfen der Klasse 2. Ausserdem stehen venotonische Medikamente zur Verfügung sowie interventionelle Verfahren zur Varizensanierung wie die Thermoablation und das klassische Varizenstripping.

Die Herausforderung liegt im Management der Behandlung der chronisch venösen Insuffizienz bei gleichzeitig vorhandener PAVK, da eine Kompressionstherapie bei einem ABI unter 0.5 kontraindiziert ist. Bei einem ABI von 0.5–0.8 besteht eine relative Kontraindikation, eine Kompressionstherapie sollte dann nur unter strenger Indikationsstellung und Monitoring stattfinden. Daher ist eine genaue Standortbestimmung mittels nicht-invasiver Messmethoden und Duplexsonographie der arteriellen Strombahn notwendig, bevor eine Kompressionstherapie durchgeführt werden darf. Mittels farbkodierter Duplexsonographie kann eine simultane Beurteilung des arteriellen und venösen Gefässsystems erfolgen.

Klinische Relevanz

Die PAVK und die CVI sind Ausdruck einer systemischen vaskulären Dysfunktion, insbesondere bei älteren Patienten oder solchen mit multiplen kardiovaskulären Risikofaktoren. Es konnte gezeigt werden, dass die CVI das Risiko für Arteriosklerose und kardiovaskuläre Ereignisse erhöht. Im klinischen Alltag wird die Koexistenz von PAVK, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronisch venöser Insuffizienz häufig unterschätzt. Folge davon ist, dass die kardiovaskuläre Risikokonstellation von CVI-Patienten leicht übersehen werden kann. Eine weitere Folge sind inadäquate Therapien, insbesondere die unkritische Verordnung einer Kompressionstherapie bei fortgeschrittener PAVK, die zu ischämischen Ereignissen führen kann. Auch für die Bewertung von Ulzerationen ist eine Standortbestimmung beider Gefässsysteme essentiell, da diese je nach Ätiologie arteriell, venös oder arterio-venös auftreten können und jeweils einer anderen Therapie bedürfen.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Zweitabdruck aus «der informierte arzt» 09-25

Dr. med. Silviana Spring

Innere Medizin und Angiologie FMH
Römerhofplatz 5
8032 Zürich

Die Autorin hat keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

  • PAVK, kardiovaskuläre Erkrankungen und CVI treten häufig zusammen auf und teilen sich die typischen kardiovaskulären Risikofaktoren.
  • Die häufige chronisch venöse Insuffizienz sollte als Indikator für eine kardiovaskuläre Erkrankung in Erwägung gezogen werden.
  • Eine arterio-venöse Erkrankung ist mit einer erhöhten Morbidität und einer eingeschränkten Lebensqualität assoziiert. Die Patienten haben eine signifikant schlechtere Prognose hinsichtlich kardiovaskulärer Ereignisse, Ulcusheilung, Mobilität und Gesamtsterblichkeit.
  • Eine unerkannte Komorbidität kann zu Komplikationen und Fehleinschätzungen führen.
  • Eine differenzierte Diagnostik beider Gefässsysteme ist essentiell für eine optimale Patientenversorgung.
  • Eine Kompressionstherapie ist bei schwerer PAVK kontraindiziert ohne vorherige Abklärung der arteriellen Strombahn.

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Update Hypertensive Notfälle

Hypertensive Notfälle (HN) sind durch einen deutlichen Anstieg des Blutdrucks (BD) in Verbindung mit einer akuten Zielorganschädigung (ZOS) gekennzeichnet, die eine schnelle und kontrollierte Blutdrucksenkung erfordern. Sie müssen von schwerer arterieller Hypertonie (AHT) ohne ZOS unterschieden werden, die in akuten Situationen häufig auftritt und oft kontextabhängig ist und keine sofortige intravenöse Behandlung erfordert. Die Erstuntersuchung basiert auf der Bestätigung der AHT, der Identifizierung klinischer oder paraklinischer Anzeichen einer ZOS und der Suche nach einem auslösenden Faktor. Die Behandlung der HN umfasst eine titrierbare intravenöse Therapie, die an den klinischen Kontext angepasst ist, sowie eine kontinuierliche hämodynamische Überwachung. Im Gegensatz dazu wird eine schwere, unkomplizierte AHT meist ambulant mit oraler Medikation und engmaschiger Überwachung behandelt. Dieser Artikel bietet eine praktische Zusammenfassung der aktuellen europäischen und nordamerikanischen Empfehlungen.

Hypertensive emergencies (HE) are characterized by a significant increase in blood pressure (BP) in conjunction with acute target organ damage (AOTD), which requires rapid and controlled BP reduction. They must be distinguished from severe arterial hypertension (AH) without ZOS, which often occurs in acute situations and is often context-dependent and does not require immediate intravenous treatment. The initial examination is based on confirmation of AH, identification of clinical or paraclinical signs of ZOS, and search for a triggering factor. Treatment of HN includes titratable intravenous therapy tailored to the clinical context and continuous hemodynamic monitoring. In contrast, severe uncomplicated AH is usually treated on an outpatient basis with oral medication and close monitoring. This article provides a practical summary of current European and North American recommendations.
Keywords: Hypertensiver Notfall, Schwere Hypertonie, Zielorganschädigung (ZOS), Intravenöse Blutdrucksenkung

Einführung

Arterielle Hypertonie (AHT) ist weltweit der wichtigste veränderbare Risikofaktor für kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität (1). In akuten Situationen kann ein starker Anstieg des Blutdrucks (BD) zu einer Schädigung von Zielorganen (ZOS) – Gehirn, Herz, Nieren, Augen, Gefässe oder Blut – führen oder diese verschlimmern, was kurzfristig lebensbedrohlich sein kann.

Diese Situationen, die unter dem Begriff hypertensive Notfälle (HN) zusammengefasst werden, erfordern eine sofortige Behandlung im Krankenhaus mit einer intravenösen blutdrucksenkenden Therapie, die auf die Ätiologie und den klinischen Kontext abgestimmt ist. Sie müssen von schweren Blutdruckanstiegen ohne ZOS unterschieden werden, die eine nicht dringende Therapieoptimierung erfordern und nicht unbedingt einen längeren Krankenhausaufenthalt notwendig machen. Die schnelle Erkennung eines akuten Koronarsyndroms, die Interpretation des Kontextes und die Beherrschung der Empfehlungen sind unerlässlich, um sowohl Behandlungsverzögerungen als auch potenziell schädliche, unangebrachte Eingriffe zu vermeiden.

Definition

Die Klassifizierung schwerer Blutdruckanstiege basiert auf dem Vorliegen oder Nichtvorliegen einer organischen Schädigung. Die aktuellen Empfehlungen verschiedener Fachgesellschaften betonen die Abschaffung bestimmter historischer Begriffe, die zu Verwirrung führen, und die Einführung einer standardisierten Terminologie, die in Tab. 1 dargestellt ist (2–4).

Epidemiologie

Weltweit sind etwa 1.3 Milliarden Erwachsene von Bluthochdruck betroffen, wobei die Blutdruckkontrolle insgesamt sehr unzureichend ist: Fast die Hälfte der Patienten weiss nichts von ihrer Erkrankung, weniger als jeder Zweite wird behandelt und nur 20 % erreichen die therapeutischen Ziele (8). Diese ohnehin schon hohe Prävalenz dürfte mit der Alterung der Bevölkerung und der Veränderung der Lebensgewohnheiten weiter zunehmen.

In der klinischen Praxis machen schwere Blutdruckerhöhungen 4 bis 5 % der Gründe für Notaufnahmen aus (9). Echte Notfälle, die bei bekannten Bluthochdruckpatienten häufiger auftreten, sind jedoch selten und machen nur etwa 0.6 % der Notaufnahmen aus (10). Im Laufe ihres Lebens erleben etwa 1–2 % der hypertensiven Patienten eine Episode von hypertensiver Krise (11). Dieser Anteil scheint seit mehreren Jahrzehnten stabil zu sein oder sogar zu steigen, während die Krankenhaussterblichkeit zurückgegangen ist, was die Fortschritte in der Patientenversorgung widerspiegelt und heute je nach Serie zwischen 0.2 % und 11 % liegt (11–13). Der eingeschränkte Zugang zur Gesundheitsversorgung, anhaltende und unkontrollierte Hypertonie (sehr oft verbunden mit einer mangelnden Therapietreue) sowie bestimmte klinische Faktoren wie fortgeschrittenes Alter, männliches Geschlecht, chronische Niereninsuffizienz und vorbestehende kardiovaskuläre Erkrankungen sind die wichtigsten Risikofaktoren oder Faktoren für eine schlechte Prognose im Zusammenhang mit einer HN (14–16).

Pathophysiologie

Die Pathophysiologie der HN ist nach wie vor unzureichend charakterisiert. Sie ist das Ergebnis einer komplexen, multifaktoriellen Kette von Ereignissen, deren Hauptelemente wie folgt lauten: Die am weitesten verbreitete Hypothese basiert auf einem akuten Versagen der vaskulären Autoregulationsmechanismen, was zu einem plötzlichen Anstieg des systemischen Gefäss­widerstands führt. Diese Kaskade führt zu diffusen mikrozirkulatorischen Läsionen, einer übermässigen Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS), einer ausgeprägten Vasokonstriktion sowie einer druckinduzierten Natriurese, was zu einem Volumenmangel führt. All dies ist Teil eines sich selbst verstärkenden Teufelskreises, der für einen raschen und anhaltenden Anstieg des Blutdrucks verantwortlich ist (17).

Im Gehirn führt eine längere Exposition gegenüber unkontrollierter Hypertonie zu einer strukturellen und funktionellen Umgestaltung der arteriellen Gefässwände, wodurch die obere Schwelle der Autoregulation auf höhere Werte verschoben wird. So können bestimmte Patienten einen deutlich über den physiologischen Werten liegenden mittleren Blutdruck ohne unmittelbare klinische Symptome tolerieren. Diese Anpassung, die mittelfristig unter Behandlung reversibel ist, stellt ein grosses Problem dar, da sie das Risiko einer Hypoperfusion und Ischämie bei einer zu schnellen Blutdrucksenkung, insbesondere im Gehirn und im Herzen, erklärt (18–21).

Diagnostische Beurteilung bei Vermutung eines hypertensiven Notfalls

Die Untersuchung eines Patienten mit stark erhöhtem Blutdruck (Hypertonie Grad III), sei es in der Arztpraxis oder in der Notaufnahme, muss unbedingt mit der Bestätigung beginnen, dass es sich tatsächlich um eine echte Hypertonie handelt. Tatsächlich kann ein schwerer Blutdruckanstieg aufgrund verschiedener kontextbezogener Faktoren wie technische Fehler bei der Blutdruckmessung, einer stressigen Umgebung, Schmerzen oder dem Weisskittel-Effekt häufig in akuten Situationen beobachtet werden (3). In der Notaufnahme treten solche Blutdruckanstiege häufig auf, und obwohl sie mit einem erhöhten langfristigen kardiovaskulären Risiko verbunden sind, stellen sie in den meisten Fällen keinen echten lebensbedrohlichen Notfall dar (22). Daten zeigen sogar, dass ein erheblicher Teil der in der Notaufnahme festgestellten Blutdruckerhöhungen nach 30 Minuten Ruhe spontan abklingt (23). Eine randomisierte Studie hat sogar gezeigt, dass eine zweistündige Ruhepause den Blutdruck um etwa 30 mmHg senkt, ein Ergebnis, das mit einer blutdrucksenkenden Behandlung vergleichbar ist (24). In Übereinstimmung damit haben kleinere Studien gezeigt, dass Anxiolytika wie Diazepam, aber auch Entspannungsmassnahmen (Achtsamkeit, langsame Atmung) ebenfalls den Blutdruck senken, was die Rolle von Stress und kontextbezogener Angst bei diesen Blutdruckanstiegen unterstreicht, obwohl dieses Thema weiterhin umstritten ist (25).

Aus diesen Gründen betonen die aktuellen Empfehlungen nachdrücklich die Notwendigkeit, die Messungen nach einer Ruhephase zu wiederholen, eine standardisierte Methodik (angepasste Manschette, korrekte Position, Patient seit ≥ 15 min in Ruhe) und, wenn möglich, eine automatisierte, unbeaufsichtigte Messung zu verwenden, um den Einfluss des Pflegepersonals zu begrenzen (2).

Sobald eine schwere und anhaltende Hypertonie bestätigt ist, besteht der zweite Schritt darin, eine echte HN von einer schweren Hypertonie ohne ZOS zu unterscheiden, was für die Behandlungsstrategie und die Prognose entscheidend ist (Abb. 1).

Eine hypertensiver Notfall erfordert nämlich eine sofortige Krankenhausaufnahme, die Einleitung einer titrierbaren intravenösen blutdrucksenkenden Behandlung, die an die Art der hypertensiven Krise angepasst ist, sowie eine kontinuierliche hämodynamische Überwachung. Eine schwere Hypertonie ohne ZOS kann hingegen in den meisten Fällen ambulant behandelt werden, mit einer schrittweisen Senkung des Blutdrucks durch orale Medikation und einer engen Überwachung durch den behandelnden Arzt.
Zu diesem Zweck muss ein diagnostischer Ansatz verfolgt werden, der auf einer gezielten Befragung und einer systematischen klinischen Untersuchung basiert, um Anzeichen oder Symptome zu identifizieren, die auf eine neurologische, kardiovaskuläre, renale oder ophthalmologische Beeinträchtigung hindeuten. Die wichtigsten Elemente sind in Tab. 2 zusammengefasst. Es müssen auch dringende, dem Kontext angepasste Zusatzuntersuchungen durchgeführt werden, um eine ZOS zu bestätigen und eine auslösende Ursache zu identifizieren, deren Details in Tab. 3 dargestellt sind.

Behandlung von hypertensiven Notfällen

Allgemeine Grundsätze

Bei Vorliegen einer ZOS muss der Blutdruck in den meisten Fällen (ausser bei ischämischem Schlaganfall) schnell gesenkt werden, vorzugsweise intravenös mit titrierbaren Wirkstoffen (z. B. Labetalol, Nicardipin) und unter kontinuierlicher hämodynamischer Überwachung (Notaufnahme, Intermediate Care oder Intensivstation). Die Geschwindigkeit und das Ausmass der Senkung hängen vom Kontext ab: schnelle Senkung bei Lungenödem oder Aortendissektion, äusserste Vorsicht bei ischämischem Schlaganfall, individueller Ansatz bei intrakranieller Blutung (27). Wie oben erwähnt, muss bei diesen Behandlungen stets das Risiko einer Hypoperfusion aufgrund einer übermässigen Senkung berücksichtigt werden, was die Einhaltung der Prinzipien der zerebralen und renalen Autoregulation erfordert (19). Tatsächlich zeigen mehrere Studien, dass eine übermässige (> 50 % des mittleren Blutdrucks) und/oder zu schnelle Senkung des Blutdrucks, insbesondere in Situationen mit zentraler Beeinträchtigung (hypertensive Enzephalopathie oder ischämischer Schlaganfall), mit einem erhöhten Risiko für ischämischen Schlaganfall, Erblindung und Mortalität korreliert (28, 29).

Spezifische Behandlung je nach Art des hypertensiven Notfalls

Tab. 4 fasst die empfohlenen Blutdruckziele und die Geschwindigkeit der Blutdrucksenkung je nach Art des hypertensiven Notfalls sowie die Erstlinienbehandlungen auf der Grundlage der neuesten Empfehlungen der Europäischen Gesellschaft für Hypertonie aus dem Jahr 2023 zusammen (2). Diese Elemente bilden die Grundlage für die Behandlung und ermöglichen es, die Therapie an jeden klinischen Kontext anzupassen.

Auswahl des Therapeutikums

Die Wahl der blutdrucksenkenden Mittel hängt stark vom klinischen Kontext und der lokalen Verfügbarkeit ab. Am häufigsten wird Labetalol (α- und β-Blocker) verwendet, das oft als erste Wahl bevorzugt wird, insbesondere bei neurologischen Notfällen und Aortendissektionen, sowie Nicardipin, ein weit verbreiteter und gut verträglicher Kalziumkanalblocker, der auch bei Niereninsuffizienz eingesetzt werden kann. Weitere Optionen sind Esmolol (ein sehr kurz wirksamer β-Blocker), Nitroglycerin (insbesondere bei Lungenödem oder akutem Koronarsyndrom) oder Natriumnitroprussid, dessen Verwendung bei intrakranieller Hypertonie vermieden werden sollte, können je nach Indikation in Betracht gezogen werden. In der Praxis hängt die Auswahl des Wirkstoffs von der klinischen Situation, den Begleiterkrankungen, der Fachkompetenz des behandelnden Teams und den Überwachungsmöglichkeiten ab. Die pharmakologischen und praktischen Eigenschaften der einzelnen Wirkstoffe sind Tab. 5 zu entnehmen.

Behandlung von schwerer arterieller Hypertonie ohne akute Zielorganbeschwerden

Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass unabhängig von einer akuten Schädigung eines Zielorgans eine Episode schwerer Hypertonie mit einer erhöhten langfristigen kardiovaskulären Mortalität einhergeht und nicht bagatellisiert werden darf (30). Darüber hinaus sind schwere Blutdruckerhöhungen in der Notaufnahme oder in der Arztpraxis sehr häufig und bieten eine einzigartige Gelegenheit, eine bisher unerkannte chronische Hypertonie zu erkennen, die bei fast der Hälfte der Patienten auftritt, die wegen eines schweren Blutdruckanstiegs die Notaufnahme aufsuchen (31). Nachdem ein hypertensiver Notfall ausgeschlossen wurde (siehe oben), besteht der zweite Schritt darin, die Wahrscheinlichkeit einer zugrunde liegenden chronischen Hypertonie zu beurteilen: Diese ist umso wahrscheinlicher, je länger der Blutdruckanstieg bei wiederholten Messungen in Ruhe, mit einer geeigneten Manschette und korrekter Positionierung, anhält. Es ist zu beachten, dass die Nichteinhaltung der verschriebenen blutdrucksenkenden Behandlung eine sehr häufige Ursache für schweren Bluthochdruck ist. Bei hoher Wahrscheinlichkeit einer chronischen zugrunde liegenden Hypertonie, insbesondere bei Patienten, bei denen eine Nachsorge unwahrscheinlich ist oder die keinen Hausarzt haben, sollte die Einleitung einer blutdrucksenkenden Behandlung in Betracht gezogen und eine engmaschige ambulante Nachsorge organisiert werden (17). Bei Patienten, die sich nicht an die Therapie halten, kann die Behandlung unter Berücksichtigung der Gründe für die Nicht-Compliance (Nebenwirkungen, Unverträglichkeit usw.) erneut begonnen werden. Eine enge Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums ist dabei unerlässlich.

Wie oben erwähnt, gibt es in solchen Situationen in der Literatur keinen klar definierten Blutdruckgrenzwert, ab dem eine sofortige Senkung des Blutdrucks erforderlich wäre. Es scheint jedoch klar zu sein, dass eine schnelle Senkung des Blutdrucks in der Notaufnahme ohne akutes Koronarsyndrom keinen klinischen Nutzen hat und sogar schädliche Auswirkungen haben kann, indem sie die Durchblutung der Organe beeinträchtigt (32, 33). Dies wurde insbesondere mit sublingualem Nifedipin nachgewiesen, dessen Anwendung zu unvorhersehbaren, manchmal gefährlichen Blutdruckabfällen (Schlaganfall oder akute Erblindung) führt, ohne dass ein dokumentierter prognostischer Nutzen vorliegt. Ausserhalb geburtshilflicher Situationen (Präeklampsie/Eklampsie) wird seine Verwendung von wissenschaftlichen Gesellschaften mittlerweile nicht mehr empfohlen, obwohl es immer noch zu oft als Erstbehandlung eingesetzt wird (34). Gleiches gilt für schnell wirkende Antihypertensiva wie bestimmte Vasodilatatoren.

Es stellt sich daher die Frage nach der Wahl der Therapie in der Notaufnahme. Derzeit gibt es keine klar festgelegten Empfehlungen speziell für diesen Kontext. Dennoch scheint die Einleitung oder Anpassung einer Behandlung in der Notaufnahme sicher und wirksam zu sein: In der Studie von Brody et al. ist die Verschreibung in der Notaufnahme mit einem signifikanten Rückgang des systolischen Blutdrucks bei der kurzfristigen ambulanten Nachsorge verbunden, ohne dass es zu einer Zunahme von Nebenwirkungen oder zu einer Blutdrucksenkung über potenziell schädliche Schwellenwerte hinaus kommt (35). In Ermangelung spezifischer Empfehlungen werden die Behandlungsprinzipien aus der Behandlung der chronischen Hypertonie in Übereinstimmung mit den aktuellen Empfehlungen abgeleitet (2).

Diesen Empfehlungen zufolge müssen diese Patienten in der Regel nicht stationär aufgenommen werden. Die Senkung des Blutdrucks muss oral, schrittweise über 24–48 Stunden erfolgen, entweder durch die Wiedereinführung oder Intensivierung der vorherigen Behandlung oder durch die Einführung eines neuen Behandlungsschemas. Bei einem unbehandelten Patienten wird ein langwirksamer Kalziumkanalblocker vom Dihydropyridin-Typ als Erstbehandlung empfohlen (wenig Kontraindikationen, beeinträchtigt die Untersuchung auf sekundäre Hypertonie nicht). Es ist auch möglich, andere langwirksame orale Kombinationen zu verabreichen, beispielsweise einen Renin-Angiotensin-Aldosteron-System-Blocker mit einem langwirksamen Kalziumkanalblocker und/oder einem ­Thiaziddiuretikum.

Wie bereits erwähnt, sollten intravenöse Behandlungen oder schnell wirkende orale Wirkstoffe in diesem Zusammenhang nicht angewendet werden. Eine kurze Überwachungsphase auf der Beobachtungsstation vor der Entlassung ist in der Regel angezeigt. Da der Blutdruck nach der Entlassung aus der Notaufnahme weiterhin erhöht sein kann, sind weitere Messungen in der Praxis und ausserhalb der Praxis (ABPM) erforderlich. Eine engmaschige ambulante Nachsorge ist daher von grundlegender Bedeutung, um die Wirksamkeit, Verträglichkeit und Therapietreue zu beurteilen. Da es sich um eine schwere Hypertonie handelt, sollte schliesslich auch eine Untersuchung auf sekundäre Hypertonie gemäss den aktuellen Empfehlungen organisiert werden.

Fazit

Die unverzügliche Unterscheidung zwischen einer echten HN und einer schweren Hypertonie ohne ZOS bleibt entscheidend. Ersteres erfordert eine schnelle, kontrollierte und titrierbare intravenöse Blutdrucksenkung mit auf den klinischen Kontext abgestimmten Zielen. Letzteres erfordert eine vorsichtige und strukturierte Strategie: Bestätigung des Blutdruckanstiegs, Bewertung des Risikos einer chronischen zugrunde liegenden Hypertonie, schrittweise Senkung des Blutdrucks mit langwirksamen oralen Medikamenten. Notfälle bieten daher eine hervorragende Gelegenheit, eine unerkannte chronische Hypertonie zu erkennen, eine Behandlung einzuleiten oder zu optimieren und die Kontinuität der Versorgung im ambulanten Bereich sicherzustellen. Schliesslich gibt es nur wenige randomisierte Studien zur Behandlung schwerer Hypertonie in der Notaufnahme, was die Notwendigkeit zusätzlicher Daten zur Orientierung in der klinischen Praxis unterstreicht.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Zweitabdruck aus «der informierte arzt» 11/2025

Dr. med. Maxime Berney

Abteilung für Innere Medizin
Ensemble Hospitalier de La Côte
Hôpital de Morges
Chem. du Crêt 2
1110 Morges

Prof. em. Dr. med. Michel Burnier

Fakultät für Biologie und Medizin,
Universität Lausanne

Die Autoren haben keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

  • Hypertensive Notfälle sind durch einen schweren Blutdruckanstieg in Verbindung mit einer akuten Schädigung eines Zielorgans definiert und nicht allein durch die Blutdruckwerte.
  • Die Wahl der Behandlung, die Geschwindigkeit und das Ausmass der Blutdrucksenkung müssen an die Art des betroffenen Organs und den klinischen Kontext angepasst werden.
  • Intravenös verabreichte, titrierbare Antihypertensiva sind nur in hypertensiven Notfällen unter kontinuierlicher hämodynamischer Überwachung angezeigt.
  • Eine schwere Hypertonie ohne Zielorganschädigung rechtfertigt keine intravenöse Behandlung; eine schrittweise orale Behandlung auf ambulanter Basis wird empfohlen.
  • Eine engmaschige Nachsorge nach einer Episode schwerer Hypertonie mit oder ohne Organbeteiligung ist unerlässlich, um die Blutdruckkontrolle sicherzustellen und langfristige kardiovaskuläre Komplikationen zu verhindern.

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