Aktuelle Therapieoptionen der atopischen Dermatitis

Die atopische Dermatitis (AD) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die durch Juckreiz, Ekzeme und eine gestörte Hautbarriere gekennzeichnet ist. Die Therapie der AD hat sich in den letzten Jahren durch neue topische und vor allem systemische Behandlungsoptionen deutlich erweitert. Neben der Basistherapie, klassischen, topischen Kortikosteroiden und Calcineurin-Inhibitoren stehen seit einigen Jahren auch andere Topika und bei schweren Formen systemische Biologika und Januskinase-Inhibitoren zur Verfügung. Die Auswahl der Therapie erfolgt individualisiert und stufenbasiert unter Berücksichtigung von Schweregrad, Komorbiditäten und Patientenpräferenzen. Dieser Beitrag gibt einen aktuellen Überblick über die evidenzbasierten Therapieoptionen, diskutiert deren Wirksamkeit und Sicherheit und gibt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.

Atopic dermatitis (AD) is a chronic inflammatory skin disease characterized by pruritus, eczema, and impaired skin barrier. In recent years we have seen significant advances in the treatment of AD, with the introduction of new topical and systemic therapies. In addition to basic therapy and classic topical steroids and calcineurin inhibitors other topical substances and for severe forms systemic biologics and Janus kinase inhibitors are now available. Therapy selection is individualized, level-based considering disease severity, and regarding comorbidities and patient preferences. This article provides an up-to-date overview of evidence-based therapeutic options, discusses their efficacy and safety, and offers an outlook on future developments.
Keywords: Atopic dermatitis, biologics, JAK inhibitors, systemic therapy, topical treatment

Einleitung

Die atopische Dermatitis (AD), auch Neurodermitis genannt, ist eine der häufigsten chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen. Sie ist gekennzeichnet durch einen chronischen Verlauf mit trockener Haut, einen oft sehr stark belastenden Pruritus und diverse Hautveränderungen wie symmetrische Beugeekzeme oder «Head and Neck Type» vor allem bei Erwachsenen. Zusätzlich gibt es diverse andere Hautstigmata (Abb. 1). Sie betrifft Kinder und Erwachsene und ist mit einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität verbunden (1, 2). Die Pathogenese ist multifaktoriell und umfasst genetische, immunologische und Umweltfaktoren (3, 4). In den letzten Jahren haben neue Erkenntnisse zur Pathophysiologie zu innovativen Therapieansätzen geführt und so die Behandlungsmöglichkeiten erweitert.

Pathogenese und neue Erkenntnisse

Die AD ist durch eine gestörte Hautbarriere und eine Fehlregulation des Immunsystems gekennzeichnet. Genetische Prädispositionen, insbesondere Mutationen im Filaggrin-Gen bei kaukasischen Patienten, führen zu einer erhöhten Permeabilität der Haut (5). Immunologisch dominieren Th2-vermittelte Entzündungsreaktionen mit erhöhter Produktion von Interleukin-4, -13 und -31 (6). Diese Erkenntnisse haben zur Entwicklung gezielter Therapien geführt, welche bei schweren Verläufen eingesetzt werden können. Das Therapieschema basiert auf einem stufenweisen Vorgehen, abhängig vom Schweregrad der Erkrankung sowie Ansprechen und Nebenwirkungen der jeweiligen Therapie (Abb. 2).

Basistherapie und nicht medikamentöse Massnahmen

Die Basistherapie bildet das Fundament jeder AD-Behandlung und umfasst die tägliche Anwendung von rückfettenden und feuchtigkeitsbindenden Emollientien (7). Ziel ist die Wiederherstellung und Erhaltung der Hautbarriere. Zusätzlich wird insb. bei Kindern weiterhin die Anwendung von desinfizierenden Bleichebädern empfohlen. Falls vorhanden, sollten individuelle Triggerfaktoren unbedingt gemieden werden sowie eine gute Patientenschulung erfolgen (8). Studien zeigen, dass eine konsequente Basistherapie die Schubfrequenz und den Bedarf an medikamentöser Therapie signifikant reduziert (9).

Topische Therapien

Topische Kortikosteroide

TKS sind weiterhin die wichtigste und kostengünstigste antientzündliche Therapie bei akuten Schüben. Sie werden je nach Schweregrad und Lokalisation in unterschiedlichen Wirkstärken eingesetzt (10). Nebenwirkungen wie Hautatrophie und periorale Dermatitis sind bei sachgemässer Anwendung selten (11).

Topische Calcineurin-Inhibitoren

TCI (Tacrolimus, Pimecrolimus) sind besonders für empfindliche Hautareale wie Gesicht und Intertrigines geeignet. Sie ermöglichen ein proaktives Therapiekonzept, bei dem nach Abklingen des akuten Schubs eine intermittierende Anwendung erfolgt, um Rezidive zu verhindern (12, 13). Eine Hautatrophie wird nicht induziert, sie erhöht aber das Risiko für weissen Hautkrebs im höheren Alter.

Weitere Topika

Phosphodiesterase-4-Hemmer (Crisaborole) stellen eine neue Option für milde bis moderate AD dar. Sie wirken entzündungshemmend und zeigen ein günstiges Nebenwirkungsprofil (14), sind aber in der Schweiz nicht zugelassen. Weitere entzündungshemmende Substanzen wie Produkte basierend auf Levomenol/Heparin-Natrium können bei leichteren Fällen eingesetzt werden, topische JAK-Inhibitoren wie Ruxolitinib sind aktuell noch in der aktiven Studienphase, Delgocitinib ist in der Schweiz fürs chronische Handekzem zugelassen. Andere, in der Schweiz (noch) nicht zugelassene Substanzen wie Roflumilast oder Tapinarof sind weitere, vielversprechende Topika in Entwicklung.

Vergleichende Studien zeigen, dass die Wirksamkeit von TKS und TCI ähnlich ist, wobei letztere insbesondere bei langfristiger Anwendung Vorteile bieten (15). Der proaktive Einsatz (Beginn bereits bei ersten Zeichen eines Schubs, Anwendung einige Tage über den Schub hinaus) von TKS wie TCI wirkt sich bei AD oft günstig aus und führt letztendlich zu einem geringeren Bedarf dieser Substanzen.

Lichttherapie

Die Phototherapie, insbesondere die UVB-Schmalband- und UVA1-Bestrahlung, ist eine bewährte Option für Patient/-innen mit moderater bis schwerer AD, die auf topische Therapien nicht ausreichend ansprechen (16). Die Balneo-Phototherapie kombiniert UV-Bestrahlung mit Solebädern und zeigt eine zusätzliche Wirksamkeit (17). Limitationen bestehen bei Kindern, Schwangeren und bei Langzeitgebrauch aufgrund des Hautkrebsrisikos (18), welches allerdings bei den modernen Lichtqualitäten (UVB narrowband) deutlich reduziert ist.

Systemische Therapien

Indikationen

Eine systemische Therapie ist bei mittelschwerer bis schwerer AD indiziert, wenn topische und Lichttherapien nicht ausreichend wirksam sind oder kontraindiziert erscheinen (19–21).

Klassische Immunsuppressiva

Ciclosporin A ist das am besten untersuchte klassische Immunsuppressivum zur Kurzzeitbehandlung schwerer AD und auch in dieser Indikation zugelassen. Es wirkt schnell, ist aber aufgrund von Nebenwirkungen wie Nephrotoxizität und Hypertonie auf maximal ein Jahr begrenzt (19). Andere Immunsuppressiva wie Methotrexat, Azathioprin oder Mycophenolatmofetil werden off-label eingesetzt, insbesondere bei Kontraindikationen für Biologika (22, 23).

Systemische Glukokortikoide

Systemische Glukokortikoide sollten aufgrund des ungünstigen Nebenwirkungsprofils nur kurzfristig zur Überbrückung schwerer Schübe eingesetzt werden (21, 22).

Biologika und Januskinase-Inhibitoren (JAKi)

Hier haben sich in den letzten Jahren entscheidende Veränderungen ergeben, sind doch mehrere Biologika und JAKi spezifisch für die atopische Dermatitis neu auf den Markt gekommen und in der Schweiz auch zugelassen (21, 22). Dadurch stehen für Patient/-innen mit moderater und schwerer atopischer Dermatitis erstmals hochwirksame und spezifische Substanzen zur Verfügung; für deren Erstattung durch die Krankenkassen sind allerdings gewisse Voraussetzungen notwendig. Neben einem ausreichenden Schweregrad muss vorangehend eine Lichttherapie als auch eine anderweitige erfolglose oder wegen Nebenwirkungen nicht durchführbare Therapie mit anderen Immunsuppressiva durchgeführt werden. Zusätzlich kann die Indikationsstellung nur durch eine/n Spezialärzt/-in für Dermatologie und Venerologie oder Allergologie und klinische Immunologie gestellt werden.

Dupilumab ist der erste, in der Schweiz seit 2017 zugelassene, monoklonale Antikörper für die AD-Therapie, der die Signalwege von Interleukin-4 und -13 blockiert. Studien belegen eine signifikante Reduktion von Ekzemschwere und Juckreiz bei guter Verträglichkeit (24, 25). Dupilumab ist in der Schweiz zudem für mehrere andere Indikationen wie Asthma bronchiale, eosinophile Oesophagitis, chronische Rhinosinusitis mit nasalen Polypen und Prurigo nodularis zugelassen und ist daher bei atopischen und anderen spezifischen Komorbiditäten oft gut geeignet.
Neuere Biologika wie Tralokinumab und Lebrikizumab richten sich spezifisch gegen Interleukin-13 und zeigen ebenfalls überzeugende Wirksamkeit in Phase-III-Studien (26–29) und werden bereits erfolgreich in der Praxis eingesetzt.

Die 3 Substanzen sind teilweise ähnlich in Wirkungsweise und Nebenwirkungen und unterscheiden sich teils in den weiteren Indikationen, Dosierungsintervallen und der Zulassung für verschiedene Altersstufen. Bei allen liegen bereits Langzeitdaten über mehrere Jahre sowie in der «Real World»-Anwendung vor. Diese zeigen eine persistierende Wirkung bei gleichbleibend niedrig bleibenden Nebenwirkungen; Laborkontrollen sind nicht notwendig.

Nemolizumab ist seit 2025 in der Schweiz für die Behandlung der mittelschweren bis schweren atopischen Dermatitis sowie der Prurigo nodularis zugelassen. Der monoklonale Antikörper blockiert den Interleukin-31-Rezeptor und adressiert damit gezielt den chronischen Pruritus, der ein zentrales Symptom der Erkrankung darstellt. In Phase-III-Studien zeigte Nemolizumab eine signifikante Reduktion vom Juckreiz und Schweregrad des Ekzems bei insgesamt guter Verträglichkeit. Besonders die Verbesserung der Schlafqualität und Lebensqualität der Patient/-innen wurde hervorgehoben (30).

Alle Biologika werden subkutan in Abständen zwischen 2 und 4 Wochen appliziert. Mittels Fertigspritzen können diese nach entsprechender Instruktion auch durch die Betroffenen selbst appliziert werden.

Januskinase-Inhibitoren (JAKi)

Abrocitinib, Baricitinib und Upadacitinib sind oral verfügbare JAK-Inhibitoren, die eine schnelle Linderung des Juckreizes, oft schon innert Tagen, und eine deutliche Verbesserung der Hautsymptome bewirken (31, 32). Sie bieten insbesondere bei schwerer, therapieresistenter AD eine wertvolle Alternative zu Biologika. Das Nebenwirkungsprofil umfasst Infektionen, Thromboserisiko und Laborveränderungen, weshalb ein Monitoring erforderlich ist (33). Es liegen auch für die JAKi ausgiebige Langzeitdaten und «Real World»-Daten vor. Alle diese JAKi werden in Tablettenform 1 x/Tag eingenommen.

Vergleichsstudien zeigen, dass JAK-Inhibitoren einen schnelleren Wirkeintritt als Biologika haben, während Biologika durch eine sehr gute Langzeitverträglichkeit überzeugen (34, 35). In Abb. 2 ist ein aktuelles stufenbasiertes Therapieschema der AD in Anlehnung an internationale Guidelines aufgezeigt (20).

Systemische Therapie bei Kindern unter 6 Jahren

Die systemische Therapie der atopischen Dermatitis im frühen Kindesalter stellt eine besondere Herausforderung dar. Für Kinder ab sechs Monaten ist Dupilumab zugelassen und stellt aktuell die wichtigste evidenzbasierte Option dar. Die Sicherheit und Wirksamkeit dieser Therapie wurde in einer aktuellen vierjährigen Langzeitstudie eindrucksvoll belegt (36), wobei über zwei Drittel der behandelten Kinder eine anhaltende Remission (EASI-90) erreichten. Ciclosporin A kann bei schweren, therapierefraktären Verläufen als Off-Label-Option in Erwägung gezogen werden, erfordert jedoch ein engmaschiges Monitoring. Die Anwendung anderer systemischer Immunsuppressiva bleibt in diesem Alter die Ausnahme und sollte individuell geprüft werden (4, 36).

Individualisierte und patientenzentrierte ­Therapie

Die Wahl der Therapie sollte individuell erfolgen und Komorbiditäten, Alter, Lebenssituation und Patientenpräferenzen berücksichtigen (37). Moderne Therapiealgorithmen ermöglichen eine flexible Anpassung an den Krankheitsverlauf. Die Einbindung der Patient/-innen in die Therapieentscheidung fördert die Adhärenz und verbessert die Behandlungsergebnisse (38).

Ausblick und zukünftige Trends

Die Pipeline neuer Wirkstoffe ist vielversprechend: Weitere Biologika und zielgerichtete Therapien befinden sich in fortgeschrittener Entwicklung (39). Personalisierte Medizin, Biomarker-basierte Therapieentscheidungen und digitale Tools zur Verlaufskontrolle werden die Versorgung weiter verbessern (40). Auch Aspekte wie verbesserte Patientenedukation, individuell auf die Patient/-innen abgestimmte Beratung und Schulungen (www.aha.ch) und digitale Hilfsmittel werden dazu beitragen, Patient/-innen mit atopischer Dermatitis besser betreuen zu können (41).

Unter den neueren immunmodulatorischen Ansätzen gewinnen auch OX40-gerichtete Therapien an Bedeutung. Amlitelimab (Anti-OX40L-Antikörper) und Rocatinlimab (Anti-OX40-Antikörper) befinden sich in fortgeschrittener klinischer Entwicklung. Beide Substanzen modulieren die T-Zell-Aktivierung und zeigen in Phase-III-Studien eine anhaltende Wirksamkeit mit teils lang anhaltenden Remissionen nach Therapieende. Erste Daten deuten auf ein günstiges Sicherheitsprofil und einen nachhaltigen Effekt auf das immunologische Gedächtnis hin (42, 43). Diese und wohl auch mehrere Therapien könnten künftig insbesondere für Patient/-innen mit chronisch-rezidivierendem Verlauf und unzureichendem Ansprechen auf etablierte Biologika eine relevante Option darstellen. Herausforderungen bleiben die Kosten und der Zugang zu modernen Therapien; zudem sind auch weiterhin Beobachtungen im «Real World»-Setting notwendig. Auch sind vergleichende Studien zwischen einzelnen Biologika, JAKi und zwischen den beiden Gruppen sinnvoll. Im Weiteren sind moderne Therapieansätze für Formen der atopischen Dermatitis mit lokalisierter Beteiligung etwa nur des Gesichts oder der Hände zurzeit in klinischer Erprobung und dürften bald für die Routine zur Verfügung stehen. Mit dem topischen angewendeten JAKi Delgocinib ist für das schwere Handekzem bereits ein solches Produkt in der Schweiz zugelassen (44).

Mittelfristiges Ziel ist neben einer möglichst vollständigen Langzeitkontrolle der Erkrankung auch eine Modellierung und Beeinflussung der Erkrankung im Sinne einer «Disease modification», die mit solchen innovativen Therapien angestrebt werden kann (45). Wichtig ist dabei auch, dass Unterschiede etwa im Geschlecht, Alter oder ethnischen Hintergrund im Sinne einer präzisierten Medizin auch im Bereich der atopischen Dermatitis mitberücksichtigt werden (46, 47).

Fazit

Die Therapie der atopischen Dermatitis hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Neben bewährten Basis- und topischen Therapien stehen heute hochwirksame und sichere systemische Optionen zur Verfügung. Die individualisierte, patientenzentrierte Therapie und die konsequente Umsetzung moderner Leitlinien ermöglichen eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität für Betroffene.

Dr. med. Claudia Lang 1
PD Dr. med. Matthias Möhrenschlager 2
Prof. Dr. med. Peter Schmid-Grendelmeier 3

1 Universitätsspital Zürich, Rämistrasse 100, 8091 Zürich
2 Dermatologische Abteilung, Hochgebirgsklinik Davos Wolfgang, Medizincampus Davos
3 Christine Kühne Center for Allergy research and Education CK-CARE, Davos

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Zweitabdruck von der «Therapeutische Umschau» 4/25

Dr. med. Claudia Lang

Universitätsspital Zürich
Rämistrasse 100
8091 Zürich

Claudia.lang@usz.ch

Die Autorenschaft hat keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

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Erkrankung der Gallenblase

Erkrankungen der Gallenblase zählen zu den häufigsten Ursachen für Oberbauchbeschwerden und umfassen ein breites Spektrum von symptomatischen Gallensteinen über akute Cholezystitis bis hin zu seltenen neoplastischen Veränderungen. Während asymptomatische Gallensteine in der Regel keiner Therapie bedürfen, ist bei symptomatischer Cholezystolithiasis und entzündlichen Komplikationen häufig eine Cholezystektomie indiziert. Die laparoskopische Cholezystektomie gilt hierbei als sicheres und effektives Standardverfahren mit niedriger Morbidität und Mortalität. Neue Techniken wie die roboterassistierte Chirurgie konnten bislang keinen Vorteil hinsichtlich Komplikationsraten nachweisen. Die Indikationsstellung, das Erkennen von Risikokonstellationen und die Wahl des geeigneten operativen Vorgehens sind entscheidend für die Vermeidung schwerwiegender Komplikationen.

Gallbladder disease is a frequent cause of upper abdominal pain, ranging from symptomatic gallstones and acute cholecystitis to rare neoplastic lesions. While asymptomatic gallstones usually require no intervention, cholecystectomy is indicated in symptomatic and complicated cases. Laparoscopic cholecystectomy remains the safe and effective gold standard with low morbidity and mortality. Emerging approaches such as robot-assisted surgery have not demonstrated a reduction in complication rates. Accurate indication, timely referral, and the choice of the appropriate surgical technique are key to preventing severe complications and optimizing patient outcomes.
Keywords: Gallstones; Cholecystitis; Gallbladder polyp; Laparoscopic cholecystectomy; Surgery

Einleitung

Beschwerden der Gallenblase gehören zu den häufigsten Ursachen für Oberbauchschmerzen in der hausärztlichen Praxis. Die meisten Patient/-innen berichten über unspezifische Verdauungsbeschwerden, typische Koliken oder akute Schmerzattacken. Gallensteine betreffen bis zu 10–15 % der erwachsenen Bevölkerung in westlichen Ländern (1). Während viele Gallensteine stumm bleiben und keinen Handlungsbedarf erfordern, können symptomatische Steine oder entzündliche Komplikationen zu erheblichen Morbiditäten führen. Das frühzeitige Erkennen, differenzialdiagnostisches Abgrenzen und die richtige Weichenstellung zwischen konservativer Betreuung und zeitgerechter Überweisung sind wichtig.

Der Artikel bietet einen Überblick über die wichtigsten Erkrankungen der Gallenblase, beginnend bei steinbedingten Beschwerden, über entzündliche Prozesse bis hin zu seltenen neoplastischen Veränderungen. Im Anschluss werden die aktuellen chirurgischen Therapieoptionen diskutiert.

Cholezystolithiasis

Als Cholezystolithiasis wird die Ansammlung von Konkrementen in der Gallenblase bezeichnet. Ohne begleitende Symptomatik handelt es sich dabei nicht um ein Krankheitsbild im engeren Sinne.

Die meisten Personen mit Gallensteinen sind asymptomatisch. Bei diesen werden Gallensteine zufällig im Rahmen einer abdominalen Bildgebung entdeckt. Die Mehrheit der Patienten mit inzidentellen Gallensteinen bleibt symptomlos. Patienten, die Symptome entwickeln, berichten typischerweise von Gallenkoliken. Nur selten manifestieren sich Komplikationen einer Cholezystolithiasis ohne vorausgegangene Episoden von Gallenkoliken.

Die Gallenkolik zeigt sich typischerweise als starkes, dumpfes Druckgefühl im rechten Oberbauch oder Epigastrium, seltener retrosternal, mit Ausstrahlung in den Rücken bzw. unter das rechte Schulterblatt (2–4). Begleitsymptome sind häufig Übelkeit, Erbrechen und Schwitzen. Trotz der Bezeichnung ist der Schmerz meist konstant und nicht wellenförmig. Patienten mit Gallenkoliken bei unkomplizierter Gallensteinerkrankung wirken meist nicht krank und haben weder Fieber noch Tachykardie. Laborwerte (Blutbild, Aminotransferasen, Bilirubin, alkalische Phosphatase, Amylase und Lipase) sind normal.

Häufig tritt er nach fettreichen Mahlzeiten auf, da die Kontraktion der Gallenblase den Schmerz auslösen kann. Ein klarer Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme besteht jedoch nicht immer, und viele Anfälle ereignen sich nachts (5, 6). Bewegung, Hocken, Stuhlgang oder Winde beeinflussen die Schmerzen nicht (7).

Eine Attacke dauert in der Regel mindestens 30 Minuten, erreicht innerhalb einer Stunde ihr Maximum und klingt dann langsam ab, insgesamt meist nach weniger als sechs Stunden (2). Ursache ist eine Kontraktion der Gallenblase, die einen Stein oder Sludge gegen den Ductus cysticus drückt und so den intravesikalen Druck erhöht. Mit der Entspannung der Gallenblase rutscht das Konkrement oft zurück, und die Beschwerden lassen allmählich nach. Am deutlichsten mit dem Vorliegen von Gallensteinen verbunden sind drei Symptome: Gallenkoliken, Schmerzen mit Ausstrahlung sowie die Einnahme von Schmerzmitteln (8).

Die Häufigkeit wiederkehrender Attacken variiert stark und kann von Stunden bis zu mehreren Jahren reichen; tägliche Beschwerden sind jedoch selten (7). Tritt einmal eine Symptomatik auf, ist ein Wiederauftreten sehr wahrscheinlich, und zugleich steigt das Risiko für Komplikationen (9, 10). In einer Studie mit 305 Patient/-innen mit Gallensteinen berichteten 70 % derjenigen, die bereits Gallenkoliken gehabt hatten, innerhalb von zwei Jahren erneut über Symptome (10).

Bisher wurden keine randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) durchgeführt, die den Nutzen einer Cholezystektomie bei asymptomatischen Patient/-innen belegen. Die jährliche Inzidenz von Komplikationen wie akuter Cholezystitis, akuter Pankreatitis, obstruktivem Ikterus oder Cholangitis liegt bei 0,1–0,3 % (11, 9). Zudem sind die Kosten bei asymptomatischen Gallensteinen geringer, wenn man das Auftreten von Symptomen oder Komplikationen abwartet, anstatt eine prophylaktische Cholezystektomie durchzuführen. Auch Diabetiker benötigen keine prophylaktische Therapie (12). Bei Patient/-innen mit symptomatischer Cholezystolithiasis wird in der Regel eine Cholezystektomie empfohlen. Hintergrund ist, dass etwa die Hälfte der Betroffenen nach der ersten Episode erneut Gallenkoliken entwickelt, wodurch die Krankheitslast deutlich zunimmt. Zudem besteht ein relevantes Risiko für schwerwiegende Komplikationen, darunter akute Cholezystitis, biliäre Pankreatitis, obstruktiver Ikterus und Cholangitis. Dieses Risiko wird in der Literatur mit etwa 0,5–3 % pro Jahr angegeben (11, 9, 13, 14), sodass die operative Entfernung der Gallenblase als kurative und komplikationsvermeidende Massnahme gilt.

Als mögliche Alternativen zur Operation kommen die Auflösung von Gallensteinen mit Ursodesoxycholsäure (UDCA) sowie die extrakorporale Stosswellenlithotripsie (ESWL) in Betracht. Diese Verfahren werden jedoch nicht empfohlen, da sie nur eine geringe Erfolgsrate aufweisen, mit einer hohen Rückfallquote verbunden sind und weder Symptome noch Komplikationen nach der Behandlung zuverlässig verhindern können.

Cholezystitis

Die akute Cholezystitis entsteht in der Regel durch eine Verlegung des Ductus cysticus, meist verursacht durch Gallensteine, seltener durch Sludge (15). Entscheidend für das Fortschreiten der Erkrankung und den Schweregrad der Entzündung sind Dauer und Ausmass der Obstruktion. Durch den Verschluss steigt der intraluminale Druck in der Gallenblase an, was zusammen mit cholesterinreicher Galle eine akute Entzündungsreaktion auslöst. In etwa 20 % der Fälle kommt es zusätzlich zu einer bakteriellen Superinfektion, vor allem mit enterischen Keimen wie Escherichia coli, Klebsiella oder Streptococcus faecalis (16). Die akute Cholezystitis verläuft nach einer Obstruktion des Ductus cysticus typischerweise in drei Phasen (4). In der ersten Phase, die etwa zwei bis vier Tage nach Symptombeginn auftritt, kommt es zu einer entzündlichen Reaktion mit Stauung und Ödem der Gallenblasenwand. In der zweiten Phase, meist nach drei bis fünf Tagen, können Hämorrhagien und Nekrosen der Gallenblasenwand entstehen, die im schlimmsten Fall zu einer Perforation im Bereich ischämischer Gangrän und zu einer biliären Peritonitis führen. Ab dem sechsten Tag entwickelt sich schliesslich die dritte Phase, die als chronisch-eitrig bezeichnet wird. Sie ist gekennzeichnet durch eine ausgeprägte Leukozyteninfiltration, nekrotisches Gewebe, eitrige Einschmelzung sowie die Ansammlung von intraluminalem Eiter mit manifester Infektion.

Bei der körperlichen Untersuchung zeigen 95,7 % der Patient/-innen eine Druckschmerzhaftigkeit im rechten Oberbauch, verbunden mit Zeichen einer lokalisierten Peritonitis (17). Das Murphy-Zeichen, Abbruch der Inspiration bei Palpation des rechten Oberbauchs aufgrund von Schmerzen, gilt als pathognomonisch für die akute Cholezystitis. Die Sensitivität des Murphy-Zeichens beträgt 62 %, die Spezifität 96 % (18). Typischerweise liegt zudem eine Leukozytose mit Linksverschiebung vor.

Die Sonographie ist das bildgebende Verfahren der ersten Wahl bei Verdacht auf eine akute Cholezystitis. Hier zeigen sich typischerweise Flüssigkeitsansammlungen um die Gallenblase, eine Dilatation der Gallenblase, eine ödematöse Gallenblasenwand sowie, falls vorhanden, Gallensteine oder Sludge. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2012 mit knapp 6000 Patient/-innen mit akuter Cholezystitis ergab für die Sonographie eine Sensitivität von 81 % und eine Spezifität von 80 %. Die Computertomographie ist bei der Diagnose der akuten Cholezystitis sehr ­empfindlich (Sensitivität ca. 94 %), jedoch weniger zuverlässig in der Abgrenzung gegenüber anderen Ursachen (Spezifität ca. 59 %) (19). Die Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie (MRCP) ermöglicht den Ausschluss einer begleitenden Choledocholithiasis im Rahmen einer Cholezystitis und kann dadurch zur Planung des therapeutischen Vorgehens beitragen (20).

Die Standardtherapie der akuten Cholezystitis ist die laparoskopische Cholezystektomie (21). Bei geeigneten chirurgischen Kandidaten sollte die Cholezystektomie so früh wie möglich während des Spitalaufenthalts durchgeführt werden. Der Autor dieses Artikels bevorzugt es, die Operation innerhalb der ersten 2 Tage vorzunehmen. Eine frühe Operation ist leichter durchzuführen, da die lokale Entzündung nach 72 Stunden ab dem Beginn der Symptome zunimmt. Dies erschwert die Präzision der Dissektion, erhöht die Schwere möglicher chirurgischer Komplikationen und macht eine Konversion zur offenen Operation wahrscheinlicher. In einer offenen, randomisierten klinischen Studie aus dem Jahr 2013 (n = 618) wurden Patient/-innen mit akuter Cholezystitis verglichen, die entweder innerhalb von 24 Stunden nach Aufnahme operiert wurden, oder zunächst eine antibiotische Therapie erhielten und erst nach 7 bis 45 Tagen einer Cholezystektomie unterzogen wurden. Die Studie zeigte eine deutlich geringere Häufigkeit postoperativer Komplikationen innerhalb der ersten 75 Tage in der Gruppe mit früher Cholezystektomie (11.8 % bei Operation innerhalb von 24 Stunden vs. 34.4 % bei Operation nach 7–45 Tagen). Zudem war die frühe Cholezystektomie mit einem kürzeren durchschnittlichen Spitalaufenthalt (5.4 Tage vs. 10.0 Tage) sowie über 30% niedrigeren Gesamtkosten verbunden.

Bei Patienten mit komplizierter Cholezystitis sind Breitspektrumantibiotika erforderlich. Nach Beginn der Therapie sollte die antibiotische Behandlung so lange fortgesetzt werden, bis entweder die Gallenblase entfernt ist oder sich die Cholezystitis klinisch zurückgebildet hat. Die Häufigkeit von Gallenblasenempyem und pericholezystischem Abszess ist insgesamt gering, jedoch können Patienten selbst aus einer unkomplizierten akuten Cholezystitis leicht eine lebensbedrohliche gramnegative Sepsis entwickeln. Daher werden Antibiotika häufig prophylaktisch verabreicht, um vor Sepsis und Wundinfektionen zu schützen (22). Ob Antibiotika für die Behandlung einer unkomplizierten akuten Cholezystitis erforderlich sind bleibt unklar (23–26).

Eine Drainage der Gallenblase in Kombination mit Antibiotika ist die Therapie der Wahl bei Patienten, die kritisch krank, septisch und initial nicht operabel sind (27–31). Darüber hinaus wird die Drainage auch bei Patienten empfohlen, die konservativ behandelt werden und trotz antibiotischer Therapie nach ein bis drei Tagen entweder eine Krankheitsprogression zeigen oder keine ausreichende klinische Besserung erfahren. Die Gallenblasen-Drainage führt zur Entlastung von infizierter Galle oder Eiter und ermöglicht die Rückbildung lokaler Entzündung sowie systemischer Krankheitszeichen. Dadurch kann die Cholezystektomie zu einem späteren Zeitpunkt mit geringerem Risiko erfolgen. Bevorzugt wird die perkutan-transhepatische Drainage aufgrund ihrer Einfachheit, Sicherheit und geringeren Kosten (32).

Die Mortalität einer einzelnen Episode einer akuten Cholezystitis hängt vom Allgemeinzustand und dem Operationsrisiko des Patienten ab. Insgesamt beträgt die Mortalität etwa 3 %, liegt jedoch bei jungen, sonst gesunden Patienten unter 1 % und erreicht bei Hochrisikopatienten oder bei Auftreten von Komplikationen bis zu 10 % (33, 34).

Tumoren der Gallenblase

Gallenblasenpolypen treten in der Allgemeinbevölkerung bei etwa 1–7 % auf (35–37), wobei Adenome als prämaligne Läsionen weniger als 5 % der Polypen ausmachen (38). Ab einer Grösse von 1 cm steigt das Risiko für Adenome oder Karzinome deutlich an, sodass in diesen Fällen eine Cholezystektomie empfohlen wird. Bei asymptomatischen Polypen zwischen 6 und 10 mm ist der Nutzen einer vorbeugenden Operation jedoch unklar, da die meisten dieser Polypen einen gutartigen Verlauf zeigen, auch wenn in seltenen Fällen maligne Veränderungen bereits bei kleineren Polypen unter 1 cm auftreten können (39). Zur genaueren Beurteilung, insbesondere in dieser Grössen­klasse, ist die Endosonographie der transabdominellen Sonographie überlegen.

Eine besondere Situation stellen Patienten mit primär sklerosierender Cholangitis (PSC) dar: Hier sind Gallenblasenläsionen häufig bösartig, weshalb bereits bei Polypen unter 1 cm eine Cholezystektomie angeraten wird (40, 41). Sehr grosse Polypen über 18–20 mm weisen ein erhebliches Malignitätsrisiko auf, sodass in diesen Fällen in der Regel eine offene Cholezystektomie empfohlen wird.

Für Polypen von 6–10 mm, die nicht entfernt werden, gilt ein engmaschiges Ultraschall- oder Endosonographie-Intervall, zunächst alle drei bis sechs Monate, später jährlich, sofern keine Grössenzunahme auftritt (37, 42, 35). Asymptomatische Polypen von höchstens 5 mm müssen in der Regel nicht weiter kontrolliert werden. Zur Unterscheidung von Gallensteinen kann die Lageveränderung des Patienten hilfreich sein, multiple kleine Polypen sprechen eher für Cholesterinpolypen, und mittels Farbduplexsonographie lassen sich in manchen Fällen Gefässstrukturen erkennen, die für Adenome typisch sind (43).

Ein Gallenblasenkarzinom, welches insgesamt eine sehr schlechte Prognose hat, wird entweder vor einer Operation, während des Eingriffs, meist im Rahmen einer Exploration bei zunächst anderweitig vermuteter Ursache abdomineller Beschwerden, oder erst nach der Operation anhand der histologischen Untersuchung des entnommenen Gallenblasenpräparats festgestellt. Nach aktuellen Serien gelingt die Diagnose nur in rund der Hälfte der Fälle bereits präoperativ (44). In sehr frühen Stadien des Gallenblasenkarzinoms (Tis, T1a) ist eine einfache Cholezystektomie ausreichend und führt in der Regel zur Heilung. Bei höheren Tumorstadien wird hingegen eine erweiterte Cholezystektomie empfohlen, bei der die Gallenblase zusammen mit einem mindestens 2 cm breiten Saum des angrenzenden Lebergewebes im Bereich des Gallenblasenbetts entfernt wird. Je nach Tumorsitz (Fundus, Korpus oder Hals) kann zusätzlich eine zentrale Leberresektion der Segmente IVb und V sinnvoll sein (45). Fernmetastasen sowie eine Peritonealkarzinomatose sind absolute Kontraindikation für eine Resektion. Die fünfjährige Überlebensrate beim Gallenblasenkarzinom liegt insgesamt bei nur rund 20 %. In Krankheitsstadien, die über T1N0 hinausgehen, sind die Langzeitergebnisse deutlich schlechter (46).

Chirurgische Aspekte

In der Schweiz wurden im Jahr 2023 laut dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium rund 18 000 Cholezystektomien durchgeführt. Die laparoskopische Cholezystektomie gilt insgesamt als sicheres und effektives Verfahren, bei dem sich die meisten Patient/-innen rasch und ohne Komplikationen erholen. Die prospektive, internationale AMBROSE-Studie untersuchte kürzlich über 21 000 Cholezystektomien aus 57 Ländern und berichtete eine 30-Tage-Komplikationsrate von 8 % sowie eine Mortalität von 0.4 %. Gallengangsverletzungen traten in 1.3 % (Leckagen) bzw. 0.2 % (schwere Verletzungen) der Fälle auf. Alter, Komorbiditäten, Operationssetting, chirurgischer Ansatz und intraoperative Schwierigkeit erwiesen sich als die stärksten Prädiktoren für postoperative Komplikationen (47) (Abb. 1). Ein Vorteil in Form einer reduzierten Komplikationsrate konnte für den Einsatz der roboterassistierten Chirurgie bisher nicht nachgewiesen werden, im Gegenteil, es wird sogar über erhöhte Komplikationsraten berichtet (48, 49).

Im deutschsprachigen Raum wird die elektive laparoskopische Cholezystektomie bei sorgfältig ausgewählten Patient/-innen in der S3-Leitlinie als ambulante Option mit hoher Evidenzstufe empfohlen (50). In der Schweiz findet diese Praxis bislang jedoch kaum Anwendung, was in erster Linie auf tarifäre und weniger auf medizinische Gründe zurückzuführen ist.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

PD Dr. med. Olivier de Rougemont

Chirurgie de Rougemont
Römerhofplatz 5
8032 Zürich

olivier.derougemont@usz.ch

Die Autoren haben keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

  • Gallenblasenerkrankungen reichen von häufigen, meist asymptomatischen Steinen bis hin zu akuten Entzündungen und seltenen Neoplasien.
  • Symptomatische Cholezystolithiasis und Cholezystitis stellen die Hauptindikationen zur Cholezystektomie dar.
  • Die laparoskopische Cholezystektomie ist das sichere und effektive Standardverfahren mit niedriger Morbidität und Mortalität.
  • Eine sorgfältige Indikationsstellung und rechtzeitige Überweisung sind entscheidend zur Vermeidung schwerwiegender Komplikationen.

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Morbus Osler Diagnose und Behandlung

Morbus Osler (hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie, HHT) ist eine seltene, autosomal-dominant vererbte Multisystemerkrankung mit einer Prävalenz von etwa 1 : 5000 bis 1 : 8000. Charakteristisch sind wiederkehrende, spontane Blutungen (vor allem Epistaxis), mukokutane Teleangiektasien sowie arteriovenöse Malformationen (AVMs) in Organen wie Lunge, Leber, Gehirn und dem Gastrointestinaltrakt. Die Diagnose basiert auf den klinischen Curaçao-Kriterien und wird durch genetische Analysen (ENG, ACVRL1, SMAD4) gesichert. Das Erkrankungsbild ist heterogen und reicht von milden Verläufen bis zu schwerwiegenden Komplikationen wie Schlaganfall, Herzinsuffizienz oder chronischer Blutungsanämie. Die Therapie umfasst symptomorientierte lokale Massnahmen sowie moderne systemische Ansätze, beispielsweise mit Bevacizumab oder Pomalidomid. Um Komplikationen frühzeitig zu erkennen und die Prognose zu verbessern, ist eine lebenslange, interdisziplinäre Betreuung der Patienten erforderlich.

Hereditary hemorrhagic telangiectasia (HHT, Osler’s disease) is a rare autosomal-dominant multisystem disorder with a prevalence of approximately 1 : 5000 to 1 : 8000. The disease is characterized by recurrent, spontaneous bleeding (most commonly epistaxis), mucocutaneous telangiectasias, and arteriovenous malformations (AVMs) in organs such as the lungs, liver, brain, and gastrointestinal tract. Diagnosis is based on the clinical Curaçao criteria and confirmed by genetic analysis (ENG, ACVRL1, SMAD4). The clinical spectrum is highly variable, ranging from mild manifestations to severe complications such as stroke, heart failure, or chronic anemia due to bleeding. Treatment includes local symptomatic measures as well as novel systemic approaches, for example with bevacizumab or pomalidomide. Lifelong, interdisciplinary management is essential to enable early detection of complications and to improve long-term prognosis for patients.
Keywords: Hereditary hemorrhagic telangiectasia, arteriovenous malformation, epistaxis

Einleitung und Übersicht

Die Pathophysiologie des Morbus Osler beruht auf einer gestörten Angiogenese mit Ausbildung fragiler Gefässverbindungen (1). Verursacht wird sie überwiegend durch Mutationen in den Genen ENG und ACVRL1 sowie seltener in SMAD4 (2-4). Diese Gene codieren für zentrale Komponenten des TGF-β-Signalwegs, der eine Schlüsselrolle bei der Gefässentwicklung und -stabilität spielt (5-8). Eine gestörte Signalübertragung im TGF-β/BMP-Signalweg führt zu einer Überaktivität des vaskulären endo-thelialen Wachstumsfaktors (VEGF), wodurch Teleangiektasien und arteriovenöse Malformationen (AVMs) in verschiedenen Organen wie Lunge oder Leber entstehen (1, 5, 6). Trotz hoher Penetranz zeigt die Erkrankung ein breites Spektrum klinischer Ausprägungen. Die Diagnose stützt sich auf die Curaçao‑Kriterien und wird durch bildgebende sowie molekulargenetische Untersuchungen ergänzt (9–12). Diese ermöglichen eine präzise genetische Klassifikation und sind essenziell für die familiären Abklärungen und das individuelle Risikomanagement.

Diagnostik des Morbus Osler

Bei der Diagnose von Morbus Osler sollten bereits in der Anamnese und bei der körperlichen Untersuchung typische Manifestationen systematisch erfasst werden. Hierzu zählen rezidivierendes, oft spontan auftretendes Nasenbluten (Epistaxis), Teleangiektasien der Haut und Schleimhäute (v. a. an Lippen, Zunge, Fingerkuppen) sowie Hinweise auf viszerale arteriovenöse Malformationen (AVMs).
Die klinische Präsentation dieser AVMs variiert je nach betroffenem Organ: pulmonale AVMs können sich durch Dyspnoe, Zyanose oder paradoxe Embolien äussern; zerebrale AVMs durch Kopfschmerzen, epileptische Anfälle oder hämorrhagische Insulte; hepatische AVMs durch Zeichen einer High‑Output‑Herzinsuffizienz oder einer Leberfunktionsstörung (13–15).

Obwohl erste Symptome häufig schon in der Kindheit auftreten, wird die Diagnose in vielen Fällen erst verzögert gestellt – in Studien mitteleuropäischer Kohorten lag die mittlere Zeit zwischen Symptombeginn bis zur Diagnosestellung bei etwa 15 Jahren (16).

Eine strukturierte Abklärung ist vor allem bei Patienten mit unklaren Anämien, ausgeprägter Epistaxis oder positiver Familienanamnese indiziert. Grundlage der klinischen Beurteilung sind die Curaçao‑Kriterien (10). Diese umfassen vier Hauptmerkmale: spontane und rezidivierende Epistaxis, multiple Teleangiektasien an typischen Stellen, viszerale AVMs sowie eine positive Familienanam-nese bei einem Verwandten ersten Grades. Die Diagnose gilt als gesichert, wenn mindestens drei Kriterien erfüllt sind; bei zwei Kriterien ist sie möglich, bei weniger als zwei unwahrscheinlich.
Zur Abklärung viszeraler AVMs werden organspezifische bildgebende Verfahren wie Transthorakale Kontrast-Echokardiographie (TTCE), Magnetresonanz-Tomographie (MRT) oder Sonographie eingesetzt (12, 13, 17); weiterführende Einzelheiten hierzu sind im Abschnitt zum Screening dargestellt.

Die molekulargenetische Untersuchung ist zentral für die Diagnosesicherung und das Familienscreening. Bei der Mehrzahl der Betroffenen lassen sich Mutationen in den Genen ENG, ACVRL1 und seltener SMAD4 nachweisen (2–4). Der Nachweis einer krankheitsverursachenden Variante ermöglicht eine eindeutige molekulare Klassifikation und eine gezielte prädiktive Testung von Angehörigen ersten Grades. In Einzelfällen kann eine genetische Analyse bereits bei unklarer klinischer Präsentation entscheidend sein, etwa bei Kindern vor Auftreten der typischen Symptome oder bei isolierten Organmanifestationen.

Genetische Varianten und neue Klassifikation bei Morbus Osler

Die genetische Heterogenität bei Morbus Osler ist ausgeprägt, da mehrere Gene an der Krankheitsentstehung beteiligt sein können. Dennoch entfallen etwa 85–90 % aller Fälle auf Mutationen in ENG und ACVRL1 (2, 3). Auf dieser Grundlage wurde eine erweiterte molekulare Klassifikation vorgeschlagen, die dabei helfen soll, unterschiedliche klinische Schwerpunkte besser einzuordnen und ein gezielteres Screening vornehmen zu können (11, 12). Die bekannten Subtypen sowie ihre typischen Organmanifestationen sind in Tabelle 1 zusammengefasst und werden nachfolgend näher erläutert.

HHT Typ 1 (ENG‑assoziiert)

Mutationen im ENG‑Gen (Endoglin) sind für etwa 40–50 % aller Erkrankungen von Morbus Osler verantwortlich (2,7). Endoglin kodiert für einen endothelialen Co-Rezeptor im TGF‑β‑Signalweg, der für eine stabile Gefässentwicklung und -reifung essenziell ist. Defekte in diesem Gen führen zu einer gestörten Signalübertragung und resultieren in einer inadäquaten Angiogenese mit erhöhter Gefässfragilität. HHT1 ist oft mit einem frühen Krankheitsbeginn verbunden. Typisch sind eine ausgeprägte Epistaxis und ein erhöhtes Risiko für pulmonale AVMs (PAVMs) und zerebrale AVMs (CAVMs). Studien zeigen, dass über 50 % der ENG‑Mutationsträger PAVMs entwickeln (1, 19). Aufgrund der hohen Penetranz wird bei Nachweis einer ENG‑Mutation ein regelmässiges Screening von Lunge und Gehirn empfohlen, auch bei asymptomatischen Patienten (12, 17).

HHT Typ 2 (ACVRL1‑assoziiert)

HHT Typ 2 beruht auf Mutationen im ACVRL1‑Gen, einem Serin/Threonin‑Kinase‑Rezeptor im TGF‑β‑Signalweg (3). Diese führen zu einer verminderten Kinaseaktivität und somit zu einer gestörten Signalübertragung. Klinisch manifestiert sich HHT2 häufiger mit hepatischen AVMs (HAVMs), die zu High‑Output‑Herzinsuffizienz oder biliären Komplikationen führen können (15, 20). Im Vergleich zu HHT1 treten die Symptome oft später auf und das Risiko für zerebrale AVMs scheint geringer zu sein. Aufgrund der Leberbeteiligung wird ein gezieltes Leber‑Screening (Sonografie und ggf. MRT) empfohlen (18).

JP‑HHT (SMAD4‑assoziiert)

Mutationen im SMAD4‑Gen verursachen eine seltene Sonderform der HHT, die als Juvenile‑Polyposis‑HHT‑Overlap‑Syndrom (JP‑HHT) bezeichnet wird. Diese Patienten erfüllen nicht nur die klassischen Kriterien der hereditären hämorrhagischen Teleangiektasie, sondern zeigen zusätzlich klinische Merkmale einer juvenilen Polyposis (4, 21). SMAD4 kodiert für ein intrazelluläres Signalmolekül des TGF‑β/BMP‑Signalwegs, das als Transkriptionsfaktor die Regulation der Gefässreifung und die Homöostase epithelialer Gewebe steuert (8). Neben den für Morbus Osler typischen Teleangiektasien und AVMs in Lunge, Leber und Gehirn treten bei SMAD4‑Mutationsträgern multiple juvenile Polypen im Gastrointestinaltrakt auf. Diese Polypen verursachen häufig bereits im Kindes- oder jungen Erwachsenenalter chronische Blutungen und Eisenmangelanämie und erhöhen langfristig das Risiko für gastrointestinale Malignome (12, 22). Daher werden neben dem Screening auf AVMs auch regelmässige Koloskopien empfohlen, um Polypen rechtzeitig zu behandeln und Komplikationen zu vermeiden.

HHT Typ 4 (GDF2‑assoziiert)

Seltene pathogene Varianten im GDF2‑Gen (Growth Differentiation Factor 2, kodiert für BMP9) wurden in den letzten Jahren als weitere Ursache eines HHT‑ähnlichen Phänotyps identifiziert. BMP9 ist ein Ligand des ALK1‑Rezeptors und spielt eine zentrale Rolle im TGF‑β/BMP‑Signalweg, insbesondere bei der Regulation der Angiogenese und Gefässhomöostase (8). Die bisher bekannten Fälle zeigen eine variable Klinik. In publizierten Einzelfallberichten und Fallserien wurden insbesondere hepatische und pulmonale AVMs beschrieben, die sich klinisch durch Dyspnoe, Hypoxie oder Zeichen einer High‑Output‑Herzinsuffizienz äussern können (23). Bei klinischem Verdacht auf Morbus Osler, jedoch ohne Nachweis einer Mutation in ENG, ACVRL1 oder SMAD4, sollte eine erweiterte genetische Diagnostik auf das GDF2-Gen in spezialisierten Zentren erwogen werden (9, 12).

HHT Typ 5 (RASA1‑assoziiert)

HHT Typ 5 wird mit Mutationen im RASA1‑Gen assoziiert, das für einen Regulator des RAS/MAPK‑Signalwegs kodiert und dadurch die Gefässentwicklung beeinflusst. Klinisch zeigt sich meist ein CM‑AVM‑Syndrom (Capillary-Malformation–Arteriovenous-Malformation-Syndrom), das durch multiple kapilläre Hautmalformationen und teils symptomatische AVMs gekennzeichnet ist. Anders als bei HHT1 oder HHT2 ist die Organbeteiligung weniger vorhersehbar. Die Literatur beschreibt heterogene Phänotypen von asymptoma-tischen Hautveränderungen bis hin zu schwerwiegenden viszeralen AVMs (24,25).

Die genetische Diagnostik sollte stets im Zusammenhang mit der klinischen Phänotypisierung erfolgen. Eine alleinige genetische Analyse ohne klinischen Kontext birgt die Gefahr von Fehlinterpretationen, insbesondere bei Varianten unklarer Signifikanz (VUS). Zudem ist zu berücksichtigen, dass bei etwa einem Drittel der Familien keine vollständige Penetranz besteht und sporadische Mutationen, insbesondere bei SMAD4‑assoziierten Formen, auftreten können (4, 7, 9). Die molekulare Diagnostik ist inzwischen ein integraler Bestandteil des Managements von Morbus Osler, da sie eine differenzierte Risikoeinschätzung, die gezielte Prävention potenziell lebensbedrohlicher Komplikationen und eine fundierte Familienberatung ermöglicht. Mit der Weiterentwicklung genomischer Technologien ist zudem mit der Identifizierung weiterer Gene und Signalwegkomponenten zu rechnen, die zur Pathogenese der HHT beitragen (17, 23, 26).

Sekundäre Organschädigungen bei Morbus Osler

Nach der Diagnose eines Morbus Osler (HHT) ist eine systematische Abklärung potenzieller Organbeteiligungen unerlässlich, da die Erkrankung durch AVMs in verschiedenen Organsystemen gekennzeichnet ist. Die häufigsten Manifestationen betreffen die Lunge, das zentrale Nervensystem (ZNS), die Leber sowie den Gastrointestinaltrakt. Auch wenn diese Organbeteiligungen in vielen Fällen lange asymptomatisch sind, können sie jedoch zu erheblichen Morbiditäten führen. Daher ist ein strukturiertes und frühzeitiges Screening essenziell, idealerweise bereits bei klinischem Verdacht auf Morbus Osler oder Nachweis von spezifischen molekulargenetischen Veränderungen (12, 17).

Die in Abbildung 1 dargestellte Übersicht zeigt den aktuellen Standard der Versorgung in vielen auf Morbus Osler spezialisierten Zentren: Beginnend mit der Diagnosesicherung folgen standardisierte Untersuchungen zur Erfassung pulmonaler, zerebraler, hepatischer und gastrointestinaler Manifestationen. Je nach Befund sind die Verlaufskontrollen in definierten Intervallen vorgesehen. Im Folgenden werden die organspezifischen Aspekte näher erläutert.

Pulmonale AVMs (PAVMs)

PAVMs sind bei bis zu 50 % der Betroffenen nachweisbar und können zu relevanten Komplikationen wie zentraler Zyanose, Schlaganfällen durch paradoxe Embolien oder septischen Infarkten führen (20). Das empfohlene Screening erfolgt mittels transthorakaler Kontrast-Echokardio­graphie (TTCE) mit Bubble-Test, idealerweise bereits im Kindesalter (27). Bei positivem TTCE‑Befund wird eine kontrastverstärkte Thorax‑CT (Computertomographie) zur genauen Lokalisation und Grössenbeurteilung durchgeführt. PAVMs ab einem Durchmesser von 2–3 mm oder mit relevanter Rechts-Links-Shuntfunktion sollten embolisiert werden, um Komplikationen zu vermeiden. Nach erfolgreicher Therapie ist eine Nachkontrolle nach 12 Monaten indiziert, anschliessend in Fünfjahresintervallen oder bei Symptomen (28, 29). Ist die TTCE unauffällig, spricht dies zunächst gegen das Vorliegen relevanter PAVMs. Da jedoch neue Läsionen im Verlauf entstehen können, wird eine Reevaluation in regelmässigen Intervallen empfohlen, in der Regel alle fünf Jahre oder bei neu auftretenden Symptomen (12). Aufgrund des erhöhten Risikos für septische Embolien wird bei Patientinnen und Patienten mit nachgewiesenen PAVMs eine konsequente Infektprophylaxe entsprechend einer antibiotischen Endokarditisprophylaxe bei invasiven Eingriffen oder zahnärztlichen Behandlungen empfohlen (12, 13).

Zerebrale AVMs (CAVMs)

CAVMs treten in etwa 10–20 % der Fälle auf (30). Die Manifestationen reichen klinisch von asymptomatischen Befunden über Kopfschmerzen bis zu Krampfanfällen oder hämorrhagischen Insulten (14). Ein einmaliges Screening mittels MRT des Schädels (mit oder ohne Kontrastmittel) ist bei neu diagnostiziertem Morbus Osler empfohlen, bevorzugt im Kindes- oder jungen Erwachsenenalter. Weitere Verlaufskontrollen erfolgen in der Regel nur bei neu aufgetretenen Symptomen oder Erstuntersuchung als Kind (12).

Hepatische AVMs (HAVMs)

HAVMs sind bei bis zu 70–80 % der erwachsenen M. Osler-Patienten nachweisbar, verlaufen aber häufig asymptomatisch (20). Sie können jedoch zu High-Output-Herzin­suffizienz, portaler Hypertension oder biliären Komplikationen füh­ren (15). Das Screening sollte mittels abdomineller Duplex‑Sonografie erfolgen, bei auffälligen Befunden oder klinischen Hinweisen ergänzt durch CT oder MRT (18). Eine prophylaktische Therapie ist nicht angezeigt, jedoch erfordert eine kardiale Belastung oder eine beginnende Leberfunktionsstörung engmaschige Überwachung (12).

Gastrointestinale Blutungen

Gastrointestinale Blutungen infolge von Teleangiektasien treten häufiger bei älteren M. Osler‑Patienten auf und führen oft zu chronischer Eisenmangelanämie. Bei therapieresistenter Anämie oder Verdacht auf okkulte Blutung ist eine obere und ggf. untere Endoskopie indiziert; bei Verdacht auf Dünndarmläsionen kann eine Kapselendoskopie hilfreich sein (22). In schweren Fällen kommen auch antiangiogenetische Therapien zum Einsatz, z. B. mit dem Anti-VEGF-Antikörper Bevacizumab (31).

Kardiale und vaskuläre Komplikationen

HAVMs und PAVMs können sekundäre kardiale Probleme verursachen, etwa chronische Hypoxie, High‑Output‑Herzversagen oder paradoxe Embolien (15,19). In Fällen mit pulmonalen oder hepatischen AVMs sollte daher eine echokardiographische Beurteilung des Herzens erfolgen. Bei nachgewiesenen Shunt‑bedingten Embolien ist eine kardiovaskuläre Sekundärprophylaxe in Erwägung zu ziehen (12).

Hämatologische Aspekte und Eisenmangelmanagement bei Morbus Osler

Insbesondere bei älteren Patientinnen und Patienten mit chronischer Eisenmangelanämie sind die Bestimmung der Eisenparameter, des Vitamin-B12- und Folsäurespiegels sowie ggf. weitere hämatologische Untersuchungen sinnvoll. Aufgrund häufiger gastrointestinaler Unverträglichkeiten können orale Eisenpräparate problematisch sein; in solchen Fällen bietet sich die parenterale Eisengabe als geeignete Alternative an. Der Hämoglobinzielwert sollte in der Regel über 100 g/l liegen, wobei Übertransfusionen zu vermeiden sind (12, 32).

Therapieoptionen bei Morbus Osler

Die Behandlung erfolgt bei Morbus Osler in erster Linie symptomorientiert und richtet sich nach den jeweils betroffenen Organen und der Schwere der Blutungsneigung. Neben der Kontrolle lokaler Blutungen spielt die Prävention von Komplikationen durch AVMs eine zentrale Rolle. Ein interdisziplinäres Vorgehen ist dabei essenziell, das HNO‑Medizin, Radiologie, Gastroenterologie, Kardiologie, Hepatologie und klinische Genetik umfasst (11, 12).

Epistaxis-Management

Nasenbluten ist das häufigste Symptom bei Morbus Osler und kann wesentlich zur Entwicklung einer Eisenmangelanämie beitragen. Die Leitlinien empfehlen ein stufenweises Vorgehen. Basismassnahmen umfassen die regelmässige Befeuchtung der Nasenschleimhaut sowie die Anwendung von pflegenden Nasensalben und Spülungen. Bei persistierender Epistaxis kommen interventionelle Verfahren wie Laserkoagulation (z. B. KTP‑ oder Nd:YAG‑Laser) oder Radiofrequenzablation zum Einsatz, die in Studien die Blutungsfrequenz signifikant reduzieren (33). Laserbehandlungen sind auch für Hautveränderungen möglich. Zusätzlich können in therapierefraktären Fällen topische Antiangiogenetika wie intranasales Bevacizumab eingesetzt werden (34). Bei besonders schweren Verlaufsformen werden chirurgische Massnahmen wie die Septodermoplastik oder als ultima ratio der permanente Verschluss der Nase (Young‑Operation) erwogen (35).

Systemische Therapien

Bei ausgeprägter oder transfusionspflichtiger Blutungsneigung werden zunehmend systemische Therapien eingesetzt. Bevacizumab ist ein monoklonaler Antikörper gegen VEGF-A, der das VEGF-Signaling in den Endothelzellen blockiert. Dadurch werden Gefässneubildung, Endothel-Proliferation, Migration und Gefässpermeabilität gehemmt. Die intravenöse Applikation von Bevacizumab konnte in mehreren Studien die Häufigkeit von Blutungen reduzieren, den Transfusionsbedarf senken und bei hepatischen AVMs Symptome eines High‑Output‑Herzversagens verbessern (36). Neuere Studien zeigen zudem vielversprechende Ergebnisse für Pomalidomid, ein Thalidomid-Derivat mit antiangiogenetischem Effekt. In randomisierten Studien konnte Pomalidomid nicht nur die Zahl transfusionspflichtiger Blutungen deutlich reduzieren, sondern auch die Schwere der Epistaxis signifikant senken und die Lebensqualität der Patienten verbessern. Anzumerken ist die orale Applikation von Pomalidomid, die in den bisherigen Studien mit einer guten Verträglichkeit assoziiert war. Diese Eigenschaften unterstreichen das Potenzial des Wirkstoffs als vielversprechende Ergänzung im therapeutischen Management schwerer, therapierefraktärer Blutungen bei Morbus Osler (37–39). Die Anwendung solcher Therapien erfolgt off label nach Einholung einer Kostengut­sprache und die Indikation sollte in erfahrenen Zentren gestellt werden.

Schwangerschaft bei Morbus Osler

Schwangerschaft stellt für Patientinnen mit Morbus Osler eine besondere Situation dar, da die physiologische hämodynamische Mehrbelastung zu einer Destabilisierung bestehender AVMs führen kann. Vor einer geplanten Schwangerschaft wird daher ein Screening auf pulmonale und zerebrale AVMs mit anschliessender Behandlung relevanter Befunde empfohlen, um das Risiko maternaler und fetaler Komplikationen zu senken (40, 41). Während der Schwangerschaft sollten Patientinnen in einem erfahrenen Zentrum interdisziplinär betreut werden. In ausgewählten Situationen kann eine Embolisation von AVMs auch im zweiten Trimenon durchgeführt werden, sofern der erwartete Nutzen für die Mutter das Eingriffsrisiko überwiegt (12).

Dieser Artikel wurde gemeinsam mit MUDr. Philippe Wöllenstein erstellt.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Dipl. Ärztin Christina Jagdfeld

Rare disease Sprechstunde, Klinik
und Poliklinik für Innere Medizin
Universitätsspital Zürich
Rämistrasse 100
8091 Zürich

Dr. med. Viktor Martos

Rare disease Sprechstunde, Klinik
und Poliklinik für Innere Medizin
Universitätsspital Zürich
Rämistrasse 100
8091 Zürich

Prof. Dr. med. Florence Vallelian

Rare disease Sprechstunde
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin
Universitätsspital Zürich
Rämistrasse 100
8091 Zürich

Die Autorenschaft hat keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

  • Morbus Osler (HHT) ist eine genetisch heterogene Erkrankung mit Mutationen in ENG, ACVRL1, SMAD4 und seltener GDF2 oder RASA1, die zu Teleangiektasien und AVMs in mehreren Organen führt. Die Diagnose stützt sich auf die Curaçao‑Kriterien und wird durch genetische Analysen bestätigt.
  • Pulmonale, zerebrale und hepatische AVMs können lebensbedrohlich sein, daher sind strukturierte und regelmässige Screenings essenziell.
  • Epistaxis ist das häufigste Symptom; bei therapierefraktären Blutungen können Bevacizumab oder Pomalidomid den Transfusionsbedarf senken und die Lebensqualität verbessern.
  • Frauen mit Morbus Osler sollten vor einer geplanten ­Schwangerschaft auf AVMs untersucht und während der Schwangerschaft interdisziplinär betreut werden.

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Orale GnRH-Antagonisten

Relugolix plus Add-back (Ryeqo®) kombiniert einen oralen GnRH-Antagonisten mit Estradiol und Norethisteronacetat zur Behandlung von Myom-assoziierter Hypermenorrhoe und Endometriose-assoziierten Schmerzen. Phase-3-Studien (LIBERTY, SPIRIT) zeigten signifikante Reduktionen von Menstruationsblutungen, Myomvolumen (> 50 %) und Endometriose-bedingten Schmerzen bei stabiler Knochendichte. Häufige Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen, Hitzewallungen und Zwischenblutungen; nach Therapieende traten teilweise Rezidive auf. Relugolix plus Add-back eignet sich für präoperative oder konservative Anwendungen sowie bei Endometriose als Alternative zu einer Gestagentherapie bei ungenügender Wirkung oder nicht akzeptablen Nebenwirkungen. Daten zur Langzeitanwendung (über 2 Jahre) fehlen.

Relugolix plus add-back (Ryeqo®) combines an oral GnRH antagonist with estradiol and norethisterone acetate for the treatment of myoma-associated hypermenorrhea and endometriosis-associated pain. Phase 3 studies (LIBERTY, SPIRIT) showed significant reductions in menstrual bleeding, fibroid volume (>50%) and endometriosis-related pain with stable bone density. Common side effects included headaches, hot flashes, and breakthrough bleeding; some patients experienced recurrence after the end of therapy. Relugolix plus add-back is suitable for preoperative or conservative applications as well as for endometriosis as an alternative to progestin therapy in cases of insufficient effect or unacceptable side effects. Data on long-term use (over 2 years) are lacking.
Keywords: orale GnRH-Antagonisten mit add back, Myome, Hypermenorrhoe, Endometriose

Myome und Endometriose zählen zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen im reproduktiven Alter und sind mit erheblicher Morbidität verbunden (1). Die hormonabhängige Pathogenese beider Erkrankungen bildet die Grundlage für medikamentöse Therapiestrategien, die eine Suppression der Östrogenproduktion anstreben. Relugolix plus add back (Estradiol 1 mg und Norethisteronacetat 0.5 mg), unter dem Handelsnamen Ryeqo®, ist ein Medikament zur Behandlung Endometriose-assoziierter Schmerzen sowie für die Behandlung von Myom-assoziierter Hypermenorrhoe.

Wirkungsweise

Ryeqo® beinhaltet eine Kombination aus Relugolix 40 mg sowie einer integrierten add-back-Therapie mit Estradiol 1 mg und Norethisteronacetat 0.5 mg. Relugolix ist ein nicht-peptidischer GnRH-Rezeptorantagonist, welcher kompetitiv an die GnRH-Rezeptoren im Hypophysenvorderlappen bindet und zu einer Suppression des luteinisierenden Hormons (LH) sowie des follikelstimulierenden Hormons (FSH) führt. Diese Suppression resultiert in einer ausgeprägten Reduktion der ovariellen Östrogen- und Progesteronproduktion.

Endometriosegewebe ist sensibel auf Östrogene und wird für die Proliferation und Inflammation des endometrialen Gewebes benötigt (2, 3). Auch Myomgewebe weist Rezeptoren für Östrogene und Progesteron auf. Sexualsteroide zählen zu den wichtigsten Faktoren für die Pathogenese von Uterusmyomen (4).

Relugolix als Monotherapie kann die Östradiolspiegel bis unter 60 pmol/l senken (5). Dadurch können Beschwerden wie myombedingte Hypermenorrhoe sowie mittelschwere bis starke Schmerzen im Zusammenhang mit Endometriose, einschliesslich Dysmenorrhoe, nichtmenstruellen Beckenschmerzen und Dyspareunie gelindert werden. Als Monotherapie ist die Anwendung von Relugolix jedoch mit Anzeichen und Symptomen eines hypoöstrogenen Zustands, wie Knochendichteverlust oder vasomotorischen Symptome, verbunden (6). Durch das add back von Estradiol 1 mg und Norethisteronacetat 0.5 mg wird die Östradiolblutkonzentration angehoben auf 90–150 pmol/l. Somit ist Östradiol in einem Bereich ohne Symptome eines hypoöstrogen Zustands, aber weiterhin in einem Bereich unter der Schwelle für die Stimulation von Myomwachstum und endometrialer Proliferation und somit von myom- und endometriosebedingten Symptomen und Schmerzen (7).

Ergebnisse der LIBERTY- und SPIRIT-Studien

LIBERTY 1 und 2-Studie

Die LIBERTY-Studien 1-und 2 sind multizentrische, randomisierte, doppelt-blinde, placebo-kontrollierte Phase-3-Studien (n=388 in LIBERTY-1 und n=382 in LIBERTY-2, 24 Wochen), welche die Wirksamkeit und Sicherheit von Relugolix mit add back bei der Behandlung von schweren Menstruationsblutungen aufgrund von Uterusmyomen prüfen.

Es wurde in drei Gruppen randomisiert: Frauen mit Relugolix und add back vs. Frauen mit 12 Wochen Relugolix-Monotherapie und dann 12 Wochen Relugolix mit add back vs. Placebo. Unter der Therapie mit Relugolix und add back konnte für signifikant mehr Patientinnen eine Reduktion des menstruellen Blutverlusts auf kleiner als 80 ml sowie um mehr als die Hälfte im Vergleich zum Ausgangswert in Woche 24 (LIBERTY-1 73 % vs. 19 %; LIBERTY-2 71 % vs. 15 %; p < 0.001 für beide Vergleiche) gezeigt werden. Zusätzlich kam es zu einer signifikanten Verbesserung myombedingter Schmerzen und Anämie, zu einer höheren Amenorrhoerate sowie zu einer signifikanten Verringerung des Gebärmuttervolumens (8).

LIBERTY long-term extension study

Die anschliessenden LIBERTY Long-Term Extension Study (n = 477, 52 Wochen) war eine offene, einarmige Langzeit-Extension mit der täglichen Gabe der Relugolix mit add-back-Therapie. Relugolix mit add back zeigte eine anhaltende Wirksamkeit bei Blutungskontrolle (Abb. 1), Verbesserung von Anämie und Symptomen, mit stabiler Knochendichte und guter Verträglichkeit. Des Weiteren konnte eine Reduktion der Myomgrösse von >50 % bei 36.6 % der Patientinnen in Woche 52 dokumentiert werden (9).

LIBERTY Randomized Withdrawal Study

In der anschliessenden LIBERTY Randomized Withdrawal Study (n=229, 104 Wochen) wurden Frauen nach Relugolix mit add back, welche die 24-wöchige LIBERTY1/2-Studien + 28-wöchige Extension abgeschlossen hatten, randomisiert für Relugolix mit add back vs. Placebo. Patientinnen, welche erneute Menstruationsblutungen mit > 80 ml nach Absetzen der Therapie zeigten, wurde eine Rescue-Therapie mit Relugolix und add back angeboten (10).

Die Ergebnisse zeigten in Woche 104 eine signifikante Wirkung von Relugolix mit add back auf die Blutungsstärke (69.8 % Relugolix vs. 11.8 % Placebo (Δ 58.0 %; p<0.0001). Die Rückfallrate lag beim Placebo bei 88.3 % bis Woche 104 (Median Zeit bis Rückfall: 5.9 Wochen). Eine Rescue-Therapie benötigten 97.8 % der Placebo-Patientinnen (10).

Zudem wurde 2025 eine post-hoc-Analyse der LIBERTY 1- und 2-Studien durchgeführt sowie eine Subgruppenanalyse der 111 Frauen mit Adenomyose, welche ebenfalls eine signifikante Verbesserung der Symptomatik zeigten (11).

SPIRIT 1 und 2, SPIRIT-Verlängerungsstudie

Die SPIRIT 1 und SPIRIT 2-Studien waren doppelblind-randomisierte Phase-3-Studien zur Überprüfung von Wirksamkeit und Sicherheit von Relugolix mit add back bei Endometriose-bedingten Schmerzen im Vergleich zu Placebo. Insgesamt wurden 638 (SPIRIT 1) bzw. 623 Frauen (SPIRIT 2) über 24 Wochen behandelt. Die Therapie mit Relugolix und add back zeigte hohe Ansprechraten und signifikante Reduktionen von Dysmenorrhoe (75 %), nicht-menstruellen Unterbauchschmerzen (59 % in SPIRIT 1, 66 % in SPIRIT 2) und Dyspareunie (12).

Die SPIRIT-Verlängerungsstudie (einarmig, 104 Wochen) bestätigte eine anhaltende Verbesserung von Dysmenorrhoe und Unterbauchschmerzen sowie eine Verringerung des Einsatzes von Analgetika (13) (Abb. 2).

Indikation

Seit Februar 2023 ist Relugolix plus add back in der Schweiz zugelassen für die Therapie einer Myom-assoziierten Hypermenorrhoe bei prämenopausalen Frauen sowie seit 2025 zur Behandlung mässiger bis starker Endometriose-assoziierter Schmerzen, welche auf eine Gestagentherapie unzureichend angesprochen haben oder wenn eine Gestagentherapie nicht möglich ist (14).

Anwendung

Eine Tablette Relugolix plus add back wird täglich etwa zur selben Tageszeit und ohne Unterbrechung eingenommen (15). Begonnen werden soll mit Relugolix plus add back in den ersten 5 Zyklustagen, sonst werden vermehrt unregelmässige Blutungen erwartet (15).

Vor Beginn mit Relugolix plus add back muss bei der Krankenkasse eine Kostengutsprache eingeholt werden. Meist werden die Kosten von einer Zusatzversicherung, aktuell jedoch (noch) nicht von der Grundversicherung übernommen. Dies zu erwähnen ist wichtig bei der Besprechung einer Ryeqo®-Therapie mit der Patientin. Relugolix plus add back ist für eine Therapiedauer von bis zu 24 Monaten zugelassen (14).

Häufige Nebenwirkungen umfassten Kopfschmerzen (13 %), Hitzewallungen (8.1 %), Hypertonie (5 %), Zwischenblutungen, Übelkeit und leichte gastrointestinale Beschwerden (8, 16).

Vor dem Therapiestart sollten Kontraindikationen wie zum Beispiel thromboembolische Erkrankungen und Risiken ausgeschlossen, im transvaginalen Ultraschall Myome oder die Endometriose/Adenomyose erfasst und der Blutdruck der Patientin gemessen werden. (Siehe Checkliste vor dem Verschreiben von Relugolix plus add back in Tab. 1).

Eine Kontrolle der Verträglichkeit mit Blutdruckmessung wird drei Monate nach Beginn mit Relugolix plus add back empfohlen.

Knochendichte

Dank der add-back-Therapie mit Östradiol ist das Risiko einer Abnahme der Knochendichte im Vergleich zur alleinigen Anwendung eines GnRH-Antagonisten deutlich reduziert. In der SPIRIT 1 und 2 Studie konnte gezeigt werden, dass nach einer anfänglichen, klinisch meist nicht relevanten, Abnahme der Knochendichte nach ca. 24 Wochen (Durchschnittliche Abnahme um 0.69 %) ein Plateau erreicht wurde. Danach blieb die Knochendichte bis zu 2 Jahre stabil (12, 17). Über den Verlauf der Knochendichte über mehr als 2 Jahre liegen keine Daten vor.

Eine Dual Energy X-Ray Absorptiomerie (DEXA) wird nach einem Anwendungsjahr empfohlen und danach im zweijährigen Intervall, sofern die Knochendichte unauffällig war (15).

Über die Anwendung von Relugolix plus add back vor dem Erreichen der endgültigen Skelettreife (Peak-Bone-Mass) mit ca. 25 Jahren ist die Datenlage begrenzt und erfordert daher bei diesen Patientinnen eine strenge Risiko-Nutzen-Analyse. Bei Patientinnen unter 18 Jahren sollte Ryeqo® nicht angewendet werden.

Schwangerschaft und Fertilität

Zur möglichen Auswirkung auf die Fertilität liegen keine Daten vor. Eine regelmässige Ovulation und Menstruation treten nach Absetzen von Relugolix plus add back rasch wieder auf, sofern vor der Einnahme keine ovulatorische Störung bestand (10).

Diskussion

Relugolix plus add back reduziert die Hypermenorrhoe bei Frauen mit Uterus myomatosus, und das Volumen der Myome (um bis zu 50 %) sowie Adenomyose- und Endometriose-assoziierte Schmerzen. Dank dem integrierten Östradiol können vasomotorische Symptome grossteils verhindert werden und der Effekt auf die Knochendichte ist minimal und meist klinisch nicht relevant (8, 9, 12).

Was bedeutet nun eine Reduktion des Myomvolumens um 50 % für den Durchmesser im Ultraschall? Bei einem Myomdurchmesser von 50 mm bedeutet eine 50 % Reduktion des Volumens, dass sich der Durchmesser hier auf 40 mm verkleinert, was klinisch zwar relevant ist.

Nach dem Absetzen von Relugolix plus add back erlebten die meisten Frauen ein Wiederauftreten von starkem Menstruationsblutverlust, typischerweise innerhalb von etwa 6 Wochen (10).

Es gibt keine Daten zur Langzeitanwendung von Relugolix plus add back. Die Liberty- und die Spirit-Studien zeigen uns Daten über die Anwendung des Medikamentes über zwei Jahre. Aus diesem Grund ist Relugolix plus add back (zum aktuellen Zeitpunkt) eher für die kurzzeitige Anwendung in Betracht zu ziehen und nicht als Langzeittherapie (17). Somit eignet sich Relugolix plus add back gut präoperativ zum Anheben des Hämoglobins vor hysteroskopischer oder laparoskopischer Myomenukletaion, zum konservativen Management bei perimenopausalen Patientinnen mit Wunsch nach Uteruserhalt ohne chirurgischen Eingriff bis zum Erreichen der Menopause oder als Second-line-Alternative zu Dienogest für Patientinnen mit Endometriose/Adenomyse.

Ebenso sind die Langzeitdaten zur Fertilität und Schwangerschaft nach Beendigung der Therapie bislang limitiert, jedoch sprechen bisherige Studien für eine reversible Wirkung und rasche Wiederherstellung der ovulatorischen Funktion (10), wenn vor der Therapie keine ovulatorische Störung vorlag. Interessant wären auch Untersuchungen zu Relugolix plus add back im «adjuvanten» Bereich nach Myomenukleation vor Kinderwunschtherapie.

Mit Relugolix plus add back haben wir eine Alternative für die kurzzeitige Anwendung für Patientinnen mit Myom-assoziierter Hypermenorrhoe und Endometriose-assoziierten Schmerzen, welche unzureichend auf eine Dienogesttherapie angesprochen haben, oder bei Patientinnen, welche Dienogest nicht vertragen. Die Frage nach der Langzeittherapie bleibt zum aktuellen Zeitpunkt offen.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Dr. med. Sandra Brylski

Oberärztin Frauenklinik
Kantonsspital Winterthur
Brauerstrasse 15
8401 Winterthur

Dr. med. Karin Camastral

Leitende Ärztin Frauenklinik
Kantonsspital Winterthur
Brauerstrasse 15
8401 Winterthur

Die Autorinnen haben keine Interessenskonflikte in Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

  • Relugolix plus add back reduziert die Hypermenorrhö bei Frauen mit Uterus myomatosus, das Volumen der Myome (um bis zu 50%) und adenomyose- und endometriose-assoziierte Schmerzen
  • In der Schweiz ist Relugolix plus add back bei Frauen mit myom-assoziierter Hypermenorrhö und bei Endmetriose/Adenomyoseassoziierten Schmerzen (als second line) zugelassen.
  • Dank dem integrierten Östradiol sind vasomotorische Symptome selten und der Effekt auf die Knochendichte ist minimal und meist klinisch nicht relevant.
  • Die Frage zur Langzeittherapie bleibt offen und Reugolix mit add back wird daher aktuell eher kurzzeitig angewandt.

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14. Swissmedic: https://www.swissmedic.ch/swissmedic/de/home/ueber-uns/publikationen/public-summary-swiss-par/public-summary-swiss-par-ryeqo.html (stand 17.09.2025
15. Schweizerisches Arzeimittelcompendium: https://compendium.ch/product/1541674-ryeqo-filmtabl-40-mg-1-mg-0-5-mg/mpro
16. Taylor HS, Giudice LC, Lessey BA, et al. Treatment of endometriosis-associated pain with relugolix combination therapy: a randomized controlled trial. Obstet Gynecol. 2021;138(5):553-563.
17. Donnez J, Taylor HS, Taylor RN, et al. Effects of relugolix combination therapy on bone mineral density and vasomotor symptoms: a phase 3 trial analysis. Fertil Steril. 2021;116(6):1503-1511

Grossesse et abdomen aigu

L’  abdomen aigu pendant la grossesse est une situation rare mais potentiellement grave, tant pour la mère que pour le fœtus. Moins de 1 % des femmes enceintes nécessitent une chirurgie non-obstétricale au cours de la grossesse. Le diagnostic étiologique peut s’ avérer complexe en raison des modifications physiologiques induites par la grossesse. Les examens complémentaires, en particulier l’ imagerie, ne doivent pas être retardés du seul fait de la grossesse, car une prise en charge précoce est essentielle afin de limiter les complications maternelles et fœtales. Lorsque la chirurgie est indiquée, la laparoscopie est privilégiée car elle a montré son innocuité sur le fœtus. Cependant, dans certaines situations, la laparotomie peut s’ avérer nécessaire. L’ abord laparoscopique est possible jusqu’ au 3ème trimestre de la grossesse mais doit suivre un ensemble de règles de sécurité strictes afin de limiter l’ impact fœto-maternel et de garantir la sécurité de l’ intervention: position en décubitus latéral gauche, technique de création du pneumopéritoine et placement des trocarts adaptés au volume utérin, limitation de la pression intra-abdominale.

Acute abdomen during pregnancy is a rare but potentially serious condition for both the mother and the fetus. Fewer than 1% of pregnant women require non-obstetric surgery during gestation. Determining the etiology can be challenging because of the physiological changes associated with pregnancy. Complementary investigations, particularly imaging, should not be delayed solely due to pregnancy, as early management is crucial for reducing maternal and fetal complications. When surgery is indicated, laparoscopy is preferred, as it has been shown to be safe for the fetus. However, in certain cases, laparotomy may be necessary. Laparoscopic approaches can be performed up to the third trimester, provided strict safety measures are observed to minimize maternal–fetal risks. These include left lateral decubitus positioning, appropriate techniques for pneumoperitoneum creation and trocar placement according to uterine size, and limitation of intra-abdominal pressure.
Keywords: pregnancy, emergency, acute abdominal pain, surgery

Introduction: douleurs et abdomen aigu

Certaines douleurs sont considérées comme physiologiques durant la grossesse, mais d’ autres, notamment aiguës, peuvent indiquer une urgence, justifiant une évaluation médico-chirurgicale rapide et systématique.

La douleur aiguë est définie comme «une expérience sensorielle et émotionnelle désagréable associée à une lésion tissulaire réelle ou potentielle» (1), d’ apparition récente (2).

Le terme d’  «abdomen aigu» sous-entend une urgence immédiate, et qu’ une indication chirurgicale est potentiellement envisagée (3).
Nous proposons dans cet article de discuter la stratégie diagnostique et thérapeutique de l’ abdomen aigu pendant la grossesse.

I. Abdomen aigu pendant la grossesse: diagnostic

Première étape: diagnostic de gravité

(voir Fig. 1, «Algorithme de prise en charge de l’ abdomen aigu pendant la grossesse»). L’ état de choc chez la femme enceinte doit prendre en compte ses particularités physiologiques: l’ hypotension survient souvent tardivement et la tachycardie modérée est parfois physiologique (4). Il faut rester attentif aux autres signes d’ hypoperfusion tels que nausées, vomissements, lipothymies, marbrures et augmentation de temps de recoloration cutanée. En cas de choc hémorragique, l’ utilisation de l’ «indice de choc» (fréquence cardiaque divisée par la pression artérielle systolique) peut être plus informative que la pression artérielle systolique seule (5), alors que pour le sepsis, l’ omQSOFA (obstetrically modified Sequential Organ Failure Assessment (omSOFA)) est utilisé (6). De plus, la défense et/ou la détente abdominale, qui signent l’ urgence chirurgicale, peuvent être absentes pendant la grossesse, notamment en raison de la relaxation des muscles abdominaux et de l’ éloignement des feuillets péritonéaux.

Enfin, l’ évaluation fœtale (mouvements, bruits du cœur ou cardiotocogramme (CTG)) doit être systématiquement prise en compte dans le diagnostic de gravité.

Deuxième étape: diagnostic étiologique

(voir Fig. 1, «Algorithme de prise en charge de l’ abdomen aigu pendant la grossesse»).

La connaissance des modifications physiologiques au cours de la grossesse peut éviter de retarder le diagnostic et la prise en charge, et ainsi minimiser les complications potentiellement graves (perforation digestive, sepsis, etc…). Par exemple, le déplacement anatomique progressif de l’ appendice jusqu’ au flanc droit au cours de la grossesse est un phénomène physiologique à prendre en compte (7). Autre exemple, devant un tableau d’ «hyperémèse gravidique» survenant durant la seconde moitié de la grossesse, une occlusion intestinale sur bride doit être évoquée, surtout en cas d’ antécédents de chirurgie abdominale (8).

Les modifications hormonales rendent plus fréquents les calculs biliaires en échographie (9), mais le risque de maladie lithiasique reste faible, autour de 0,2 % (10). L’ augmentation de l’ incidence de la pancréatite aiguë au cours du troisième trimestre pourrait être liée à l’ augmentation de la pression intra-abdominale sur les voies biliaires (11), ou à la position fœtale.

La grossesse entraîne une fragilité vasculaire et une augmentation de la pression artérielle notamment au 3e trimestre, or ces facteurs sont contributifs des anévrismes. La rupture utérine et l’ hémorragie intrapéritonéale spontanée («SHIP» en anglais) sont exceptionnelles, mais à risque de mortalité maternelle et foetale (12–14). Leurs facteurs de risque principaux sont les antécédents de cicatrice utérine (notamment après myomectomie) et l’ endométriose profonde (21). La grossesse entraîne une fragilité vasculaire et une augmentation de la pression artérielle notamment au 3e trimestre, or ces facteurs sont contributifs des anévrismes. La SHIP est liée le plus souvent à des ruptures vasculaires (anévrisme de l’ artère splénique, varices utéro-ovariennes (15–17), vaisseaux du ligament ovarien (18), vaisseau de myome utérin (19,20), ou des ligaments larges), notamment au moment de l’ accouchement. Les facteurs de risque principaux sont les antécédents de cicatrice utérine (notamment après myomectomie) et l’ endométriose profonde (21).

Examens complémentaires: laboratoire

Les examens biologiques doivent être interprétés en prenant en compte la grossesse, qui confère une hémodilution (22), alors que le volume sanguin est augmenté, d’ où des signes tardifs en cas de déplétion sanguine. Le syndrome inflammatoire peut être masqué ou surdiagnostiqué du fait de l’ augmentation physiologique des globules blancs (23), davantage marquée après cure de corticoïdes dans le contexte de prématurité (24).

Examens complémentaires: imagerie

L’ échographie abdominale reste l’ examen de 1ère intention car il n’ est pas irradiant et facilement accessible, même si sa sensibilité diminue avec l’ avancée de l’ âge gestationnel et s’ il est opérateur-dépendant (25). De manière générale, si un examen d’ imagerie est indiqué et peut modifier le diagnostic et la prise en charge, il ne doit pas être différé du fait de la grossesse.

Concernant les rayonnements liés au scanner, les effets décrits sur le fœtus sont de deux types: les effets déterministes ou réactions tissulaires, qui apparaissent au-delà d’ un seuil de dose et peuvent entraîner malformations ou avortement, et les effets stochastiques, sans seuil, dont la probabilité augmente avec la dose, pouvant provoquer cancers ou maladies héréditaires. La période la plus sensible aux radiations se situe entre la 3e et la 15e semaine de grossesse. La dose d’ irradiation lors d’ un scanner reste bien inférieure à 50 mGy (dose fœtale en moyenne de 8 mGy lors d’ une acquisition abdominopelvienne), seuil en-dessous duquel les effets déterministes n’ existent pas. Le risque de développer une tumeur fœtale en cas d’ irradiation est environ deux fois plus élevé au premier trimestre qu’ au cours des deux trimestres suivants (RR = 3.2 contre 1.3) (26, 27). Le risque théorique d’ hypothyroïdie chez le nouveau-né en cas d’ injection de produits de contraste iodés n’ a pas été démontré (24–26), mais il est recommandé de vérifier la fonction thyroïdienne chez le nouveau-né au cours de la première semaine de vie (ESUR 2018) (27).

L’ IRM abdominale ≤ 1.5 Tesla (26) peut être utilisée. Les indications d’ injection de gadolinium sont rares, à discuter uniquement si l’ examen modifie la prise en charge, comme par exemple pour certaines lésions hépatiques ou ovariennes suspectes de malignité (28). La plus petite dose possible peut alors être administrée. Aucun effet mutagène ou tératogène n’ a été décrit sur la base de données limitées disponibles (29), donc aucun test néonatal supplémentaire n’ est nécessaire, mais les données au 1er trimestre sont insuffisantes (30, 31).

A noter que la cholangiographie per-opératoire est sans effet néfaste démontré (32). Dans tous les cas à risque potentiel, une discussion en concertation entre l’ équipe d’ obstétrique et celle de radiologie est indispensable.

II. Abdomen aigu pendant la grossesse: prise en charge

Prise en charge antalgique

Une prise en charge multimodale de l’ antalgie est encouragée. Les anti-inflammatoires sont à éviter au 1er trimestre et à partir de 20 semaines d’ aménorrhée (SA) (33, 34). En l’ absence d’ alternative, l’ utilisation des morphiniques est possible quel que soit le terme de la grossesse, en limitant la durée au strict nécessaire (35).

Chirurgie pendant la grossesse: informations et bonnes pratiques

Modalités d’ hospitalisation
Lorsqu’ une chirurgie non obstétricale est pratiquée, un obstétricien doit être prévenu et disponible, et l’ opération doit être effectuée dans un établissement disposant d’ un service de néonatalogie adapté au terme de la grossesse. Après l’ intervention, la patiente est préférentiellement hospitalisée dans le service de chirurgie dédié, avec la visite quotidienne d’ une sage-femme ou d’ un obstétricien, comprenant évaluation maternelle et fœtale. En cas de risque d’ accouchement imminent, l’ hospitalisation en maternité avec passage quotidien du chirurgien est une alternative.

Informations des patientes en cas de chirurgie pendant la grossesse

Moins de 1 % des femmes enceintes nécessitent une chirurgie non-obstétricale au cours de la grossesse, le plus souvent abdominale (36).

Des données historiques ou de pays à faibles revenus indiquent que la chirurgie pendant la grossesse entraînerait des risques accrus, notamment de fausse couche, de mort in utero, et d’ accouchement prématuré (37–40). Ces risques sont néanmoins limités avec les protocoles actuels: un surrisque spécifique reste faible (Tab. 1) (36). La chirurgie est sûre quel que soit le trimestre, alors que le retard de prise en charge chirurgicale peut mener à des complications sévères (41). Cependant, toute intervention chirurgicale non urgente doit être reportée après l’ accouchement (28).

Voie d’ abord et position de la patiente

Pendant la grossesse, la laparoscopie doit être privilégiée (28, 42), sauf si une césarienne est indiquée au même moment. ­Cependant, en cas de choc hémorragique avec hémopéritoine massif, la laparotomie est indiquée d’ emblée, et peut être médiane pour permettre l’ accès aux vaisseaux parfois mis en cause dans ce contexte (anévrisme splénique).

A partir de 18 SA, la patiente est positionnée en décubitus latéral gauche de 15 ° pendant la chirurgie afin de réduire la compression aorto-cave (43), et donc l’ effet d’ hypotension en décubitus dorsal (44).

Laparoscopie: bonnes pratiques

Une démarcation du fond utérin aidée par une échographie abdominale est conseillée avant la création du pneumopéritoine. Même si de multiples techniques d’ entrée (aiguille de Veres, trocart optique) peuvent être utilisées (45), l’ open-laparoscopy, abord chirurgical sous contrôle de la vue, est privilégiée surtout après 16SA, afin de limiter les risque de lésion utérine. Le positionnement des trocarts doit impérativement prendre en compte le volume utérin. Notamment, le trocart ombilical peut être placé en sus-ombilical, et les autres trocarts peuvent être tous placés du côté de l’ abord prévu afin de garantir un espace de travail suffisant (Fig. 2). Des trocarts atraumatiques (sans lame) sont utilisés et introduits sous contrôle endoscopique visuel strict, jamais en direction de l’ utérus gravide, pour éviter tout traumatisme et saignement de l’ utérus.

Nous recommandons par ailleurs de limiter au maximum la manipulation de l’ utérus et des anses digestives.

Même si les recommandations considèrent qu’ une pression intra-abdominale de CO2 entre 10 et 15 mmHg peut être utilisée en toute sécurité chez la patiente enceinte (32), nous préconisons une pression de 12 mmHg lors de l’ introduction des trocarts (atraumatiques), puis 10 mmHg pendant l’ intervention. En dépit des craintes liées à une éventuelle diminution du flux sanguin utérin en raison de l’ augmentation de la pression intra-abdominale liée à l’ insufflation, et à l’ absorption fœtale éventuelle de dioxyde de carbone (46), des modèles animaux (47) puis l’ expérience internationale acquise depuis la première cholécystectomie par laparoscopie durant la grossesse en 1991, ont apporté des données rassurantes.
Concernant la réhabilitation post-opératoire, le sondage urinaire est à éviter et la mobilisation et la réalimentation précoces sont à favoriser.

Traitements médicamenteux péri-opératoires spécifiques ou adaptés à la grossesse

La laparoscopie n’ est pas considérée comme un événement à risque d’ allo-immunisation fœto-maternelle et l’ administration d’ immunoglobuline anti-D n’ est donc pas systématique (28), mais reste à effectuer pour les cas d’ hémorragie intra-abdominale par exemple. De même, les tocolytiques ou la cure de maturation pulmonaire par corticoïdes ne sont pas systématiques, le surrisque de prématurité lié à la chirurgie en elle-même étant faible, et ces traitements représentant des risques spécifiques (48, 49). Ils restent à discuter dans les cas d’ infection et de dégradation rapide de l’ état maternel avant 34 SA (chirurgies cardio-vasculaires, état de choc, etc).

Les protocoles de choix en anesthésie sont adaptés à l’ état de grossesse, et l’ anticoagulation prophylactique post-opératoire d’ indication large du fait de l’ état d’ hypercoagulabilité, alors que l’ indication à l’ antibioprophylaxie n’ est en général pas modifiée du fait de la grossesse (50, 51).

Surveillance fœtale péri-opératoire

A partir de 24–26 SA, la surveillance fœtale par CTG pré- et post-opératoire est recommandée de principe et pour rassurer la patiente. Elle n’ est basée cependant que sur des niveaux de preuves faible (32). En période post-opératoire, le CTG doit être interprété en fonction de l’ utilisation de morphiniques et d’ autres médications spécifiques (diminution fréquente de la variabilité et du rythme de base) (52).

Dans les situations les plus à risque de souffrance fœtale, notamment les chirurgies cardio-vasculaires et les perforations digestives, le CTG per-opératoire continu peut être justifié, et réalisé stérilement en protégeant les capteurs dans des sacs plastique, à distances des incisions cutanées (11). Le CTG doit alors être interprété en fonction du contexte péri-opératoire, c’ est-à-dire que les anomalies du rythmes cardiaque fœtal sont fréquentes mais souvent résolutives (53).

Dre Océane Pécheux
Dre Catherine McCarey
Dre Sarah Belin
Dre Elena Tonsigh
Dre Elena Scorrano
Dre Sara de Oliveira
Dr Jean Dubuisson
Département de Pédiatrie Gynécologie et d’ Obstétrique
Hôpitaux Universitaires de Genève
1205 Genève, Suisse

ORCID 0000-0002-4450-2534

Remerciements:
Marta Sans Merce (Physicienne médicale, PhD) et Pr Poletti (radiologue).

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Dre Océane Pécheux

Département de Pédiatrie Gynécologie et d’ Obstétrique
Hôpitaux Universitaires de Genève
1205 Genève, Suisse

Dre Sara de Oliveira

Département de Pédiatrie Gynécologie et d’ Obstétrique
Hôpitaux Universitaires de Genève
1205 Genève, Suisse

Dr Jean Dubuisson

Département de Pédiatrie Gynécologie et d’ Obstétrique
Hôpitaux Universitaires de Genève
1205 Genève, Suisse

Les auteurs n’ ont pas déclaré de conflit d’ intérêts en rapport avec cet article.

  • L’ évaluation anamnestique et clinique d’ un abdomen aigu au cours de la grossesse doit prendre en compte les modifications ­physiologiques liées à la grossesse, tant pour l’ appréciation du degré de gravité que pour l’ orientation étiologique, parfois complexe. Les examens d’ imagerie ou une exploration chirurgicale en urgence
    ne doivent pas être différés du fait de la grossesse, afin de prévenir l’ apparition de complications materno-fœtales potentiellement sévères.
  • Les traitements antalgiques et l’ utilisation des produits de
    contraste pour l’ imagerie doivent être adaptés en fonction du terme de la grossesse et de la «balance bénéfices – risques».
  • Les bonnes pratiques en cas de laparoscopie sont: position de ­décubitus latéral gauche de 15°; délimitation pré-opératoire du fond utérin au deuxième et troisième trimestre avant la création du ­pneumopéritoine; open-laparoscopy avec trocart sus-ombilical; ­évitement de toute manipulation utérine; pression intraabdominale de CO2 à 12 mmHg lors de l’ introduction des trocarts atraumatiques puis 10 mmHg au cours de l’ opération; éviter le sondage urinaire post-opératoire; favoriser la mobilisation et la réalimentation ­précoces.

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Berufsbedingte Lungenerkrankungen

Berufsbedingte Lungenerkrankungen (BL) entstehen durch Schadstoffexpositionen am Arbeitsplatz und bleiben trotz Arbeitsschutzmassnahmen ein relevantes Gesundheitsproblem. In der Schweiz werden sie nach Art. 9 UVG anerkannt, wenn der gesetzlich geforderte kausale Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit besteht. Häufige BL sind Pleuraplaques, berufsbedingtes Asthma, Pneumokoniosen und COPD. Die Diagnostik und Anerkennung hängen stark von der genauen arbeitsmedizinischen Expositionsabklärung und den klinischen Befunden ab. Präventive Massnahmen erfolgen auf drei Ebenen (Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention). Eine frühzeitige Diagnose bei Verdacht ist essenziell, um Erkrankungsverläufe positiv zu beeinflussen und Betroffene zu schützen.

Occupational lung diseases (OLD) are caused by exposure to harmful substances in the workplace and remain a significant health concern despite occupational safety measures. In Switzerland, they are recognized under Article 9 of the Accident Insurance Act (UVG) if the legally required causal link to occupational activity is established. Common OLDs include pleural plaques, occupational asthma, pneumoconioses, and COPD. Diagnosis and recognition depend heavily on detailed occupational exposure assessment and clinical findings. Preventive measures are implemented on three levels (primary, secondary, and tertiary prevention). Early diagnosis in suspected cases is essential to positively influence disease progression and protect affected individuals.
Key words: Occupational lung diseases; Work-related asthma; Pneumoconiosis; Hypersensitivity pneumonitis; occupational disease prevention

Einleitung

Hinweis: Aufgrund der uns vorgegebenen begrenzten Zeichenzahl für diesen Artikel wird nicht auf maligne und infektiöse Berufserkrankungen der Lunge eingegangen.

In der Schweiz erfolgt die Anerkennung einer Berufskrankheit gemäss Art. 9 des Unfallversicherungsgesetzes (UVG). Dabei unterscheidet man zwischen zwei Hauptarten der Anerkennung: Art. 9.1 UVG umfasst Erkrankungen, die oder deren verursachende Expositionen ausdrücklich in einer Liste (1) genannt sind und somit bekanntermassen einer beruflichen Ursache zugeordnet werden können. Hierbei erfolgt die Anerkennung vereinfacht, wenn diese durch die berufliche Tätigkeit ausschliesslich oder vorwiegend (≥ 50%) verursacht worden sind. Bei Art. 9.2 UVG hingegen handelt es sich um Erkrankungen, die nicht explizit aufgelistet sind oder deren verursachende Stoffe nicht auf der Liste genannt sind, jedoch im Einzelfall nachweislich ausschliesslich oder stark überwiegend (≥ 75 %) durch berufliche Tätigkeiten verursacht wurden.
Eine Berufskrankheit kann auch als «Verschlimmerung einer vorbestehenden Erkrankung» anerkannt werden, wenn berufliche Einwirkungen nachweislich zu einer signifikanten und objektivierbaren Verschlechterung des Krankheitsverlaufs geführt haben. Davon abzugrenzen ist eine sogenannte «ungünstige Beeinflussung», bei der die beruflichen Faktoren lediglich Symptome verstärken, aber nicht zu einer nachweisbaren dauerhaften oder wesentlichen Verschlechterung der bestehenden Grunderkrankung führen.

Berufsbedingte Lungenerkrankungen (BL) sind Erkrankungen der Lunge und Atemwege, die durch Expositionen am Arbeitsplatz ausgelöst oder verschlechtert werden. Trotz Fortschritten im Arbeitsschutz sind sie weiterhin ein wichtiges Thema, da sie einen relevanten Anteil an chronischen Atemwegserkrankungen ausmachen. Je nach Art der Einwirkung – durch alveolengängige Stäube, chemische Reizstoffe in Form von Gasen, Rauch oder Dämpfen – können sich unterschiedliche Krankheitsbilder entwickeln. Diese reichen von reversiblen Erkrankungen wie dem berufsbedingten Asthma bis hin zu chronisch-fibrosierenden Veränderungen, wie man sie etwa bei der Silikose findet.

Betroffene haben nicht selten eine dauerhaft eingeschränkte Lungenfunktion, was sich negativ auf ihre Lebensqualität und Erwerbsfähigkeit auswirken kann. Um dem entgegenzuwirken, legen wir in diesem Artikel ein besonderes Augenmerk auf die Prävention.

Epidemiologie in der Schweiz

Zwischen 2014 und 2023 wurden in der Schweiz rund 2700 Fälle von berufsbedingten Atemwegs- und Lungenerkrankungen von UVG-Versicherern anerkannt (Erkrankungen der oberen Atemwege, Infektionen und Krebserkrankungen ausgenommen). In diesen Jahren machten die BL etwa jeweils 10 % aller anerkannten Berufskrankheiten aus. Die häufigsten anerkannten Berufskrankheiten aus diesem Bereich waren (Abb. 1):
• Pleuraplaques ca. 50 %
• Berufsasthma ca. 34 %
• Pneumokoniosen ca. 9 %
• Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ca. 1 %
• Hypersensitivitätspneumonitis (HP)/ Exogen allergische Alveolitis ca. 1 %
Diese Zahlen zeigen, dass klassische berufsbedingte Lungenerkrankungen auch heute noch häufig vorkommen und daher klinisch relevant bleiben.

1. Pleuraplaques

Pleuraplaques stellen die häufigste radiologische Manifestation einer beruflichen Asbestexposition dar. Es handelt sich dabei um umschriebene Verdickungen der parietalen Pleura, typischerweise an der Thoraxwand oder dem Zwerchfell, die meist beidseitig auftreten und Verkalkungen aufweisen. Klinisch sind Pleuraplaques in der Regel asymptomatisch und führen nicht zu einer Einschränkung der Lungenfunktion (2).
Trotzdem haben sie aus arbeitsmedizinischer Sicht eine grosse Bedeutung: Ihr Nachweis gilt als objektives Zeichen einer zurückliegenden Asbestexposition ohne histologische Diagnostik. In der Schweiz werden Pleuraplaques unter bestimmten Voraussetzungen als Berufskrankheit anerkannt, insbesondere bei belegbarer UVG-versicherter beruflicher Asbestexposition.

Wichtig: Pleuraplaques stellen keine Präkanzerose dar und erhöhen das Risiko für maligne Erkrankungen nach Asbestexposition nicht (3). Betroffene Personen werden nichtsdestotrotz im Rahmen der arbeitsmedizinischen Nachsorge «Asbest» in 5-jährigen Intervallen zu klinischen Kontrollen eingeladen.

Hinweis: Pleuraplaques erfüllen die Krankheitsdefinition des ATSG (Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts) nicht, werden jedoch trotzdem als Berufskrankheit registriert, da sie in Zusammenhang mit anderen asbestinduzierten Erkrankungen als Expositionsmarker relevant sein können.

2. Obstruktive Lungenerkrankungen

Berufsbedingtes Asthma bronchiale

Das Berufsasthma ist die häufigste arbeitsbezogene Atemwegserkrankung neben den asbestverursachten Erkrankungen. Die Diagnose des Asthmas erfolgt nach den GINA-Empfehlungen (4). Innerhalb des berufsbedingten Asthmas unterscheidet man, wie in Abb. 2 grafisch dargestellt, zwei wesentliche Kategorien: das «Berufsasthma» und das «arbeitsplatzexazerbierte Asthma» (5).

Das Berufsasthma selbst kann weiter in zwei pathogenetische Subtypen gegliedert werden: Zum einen in das sensibilisierende Berufsasthma, welches durch immunologische Mechanismen infolge einer Sensibilisierung gegenüber spezifischen beruflichen Allergenen entsteht, und zum anderen in das irritativ-toxische Berufsasthma resp. irritant induced Asthma, einschliesslich des Reactive Airways Dysfunction Syndroms (RADS), das durch eine irritative Schädigung der Atemwege verursacht wird (5).

Demgegenüber beschreibt das arbeitsplatzexazerbierte Asthma (WEA) keine primär arbeitsbedingte Entstehung, sondern eine Verschlimmerung einer bereits bestehenden asthmatischen Erkrankung durch berufliche Einflüsse. Dieses Phänomen kann in ausgeprägter Form als «Verschlimmerung einer vorbestehenden Erkrankung» auftreten, wodurch es ähnlich wie eine Berufskrankheit nach Art. 9 UVG durch den Versicherungsträger übernommen wird.

Die Differenzierung zwischen diesen verschiedenen Formen des Berufsasthmas ist entscheidend für eine korrekte Diagnosestellung, Prävention und Anerkennung im Rahmen der arbeitsmedizinischen Beurteilung.

Das Berufsasthma lässt sich in zwei Hauptformen unterteilen:

• Sensibilisierend induziertes Asthma: Dieses entsteht durch allergische Reaktionen auf berufliche Substanzen wie Mehlstaub, Isocyanate, Tierhaare oder Enzyme (6). Grossmolekulare Substanzen lösen dabei überwiegend IgE-vermittelte oder selten Typ-IV-Reaktionen aus, während niedermolekulare Substanzen neben diesen bekannten Wegen auch über bislang nicht vollständig geklärte Pathomechanismen wirken können (5, 7). Typisch ist ein zeitlich verzögerter Beginn, der sich unter fortgesetzter Exposition verschlechtert. Die Zusatzdiagnostik (neben den GINA-Empfehlungen) erfolgt durch eine genaue berufliche Anamnese, wenn möglich Lungenfunktionstests am Arbeitsplatz (serielle Lungenfunktionsmessung oder Peak-Flow-Protokolle), allergologische Abklärungen und ggf. spezifische bronchiale Provokationstests (aktuell in der Schweiz nicht verfügbar).

• Irritativ induziertes Asthma resp. irritant induced Asthma – zu dem auch das Reactive Airways Dysfunction Syndrome (RADS) zählt, wird diagnostisch in drei Subgruppen unterteilt. Definitiv irritativ induziertes Asthma (resp. RADS) liegt vor, wenn eine einmalige massive Reizstoff-Exposition (etwa durch Unfall) ohne Latenz zur Erkrankung führt: In der Erstbeschreibung durch Brooks müssen die Symptome innerhalb von 24 Stunden nach dem Ereignis beginnen. Die anfängliche Symptomatik ist meist so ausgeprägt, dass sie noch am selben Tag medizinisch betreut werden muss, und die Beschwerden persistieren über mindestens drei Monate; zudem darf nach Brooks keine vorbestehende Atemwegserkrankung bestanden haben und in der Lungenfunktionsprüfung muss eine reversible Obstruktion oder eine bronchiale Hyperreagibilität nachweisbar sein (8). Sind diese strengen RADS-Kriterien nicht vollständig erfüllt, erscheint ein irritativ induziertes Asthma zwar möglich, aber nicht gesichert. Man spricht dann von einem wahrscheinlich irritativ induzierten Asthma, das «mit überwiegender Wahrscheinlichkeit» durch die irritative Exposition verursacht wurde. Schliesslich gibt es Hinweise, dass auch über Jahre andauernde Expositionen zu leicht irritativen Stoffen über der «Maximalen Arbeitsplatz-Konzentration» das Risiko für Asthma erhöhen können (beispielsweise Mitarbeiter in Grossdruckereien). Ein dadurch neu ausgelöstes Asthma lässt sich beim einzelnen Patienten jedoch meist nicht zuverlässig als irritativ induziert nachweisen – in solchen Fällen wird allenfalls von einem möglichen irritativ induzierten Asthma gesprochen (5). Die gesetzlich geforderte Kausalität zum Arbeitsplatz lässt sich in dieser Subgruppe häufig nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen, da die relevanten Expositionen schon Jahre zurückliegen.

• Definite IIA (RADS): Plötzlicher Beginn der Beschwerden innerhalb von 24 Stunden nach Exposition, nachweisbare Hyperreagibilität, keine Asthma-Vorgeschichte. BK-Anerkennung aufgrund der vorhandenen Belege für die arbeitsbedingte Kausalität meist einfach.

• Probable IIA: Ähnliche Symptome, aber nach längerer oder wiederholter Exposition. BK-Anerkennung bei vorhandenen Belegen einer entsprechenden beruflichen Exposition möglich.
• Possible IIA: Beschwerden bestehen, aber die Kriterien für eine eindeutige BK-Anerkennung nach UVG sind meist schwer zu erfüllen.

Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)

COPD kann ebenfalls durch berufliche Exposition entstehen oder verstärkt werden. Besonders gefährdet sind Nichtraucher, die über Jahre hinweg Feinstäuben, Rauch oder Reizgasen ausgesetzt waren. Typische Risikobranchen sind Tunnel- und Bergbau, Baugewerbe und Metallverarbeitung.

COPD beruht auf einer chronischen Entzündungsreaktion der kleinsten Atemwege. Die typischen Symptome (chronischer Husten, Auswurf und Belastungsdyspnoe) entwickeln sich schleichend über viele Jahre. Eine genaue arbeitsmedizinische Anamnese ist entscheidend, da sich beruflich bedingte Formen klinisch nicht von raucherassoziierten unterscheiden lassen.

Die COPD wird in Industrieländern am häufigsten durch Tabakrauch verursacht, kann neben den bekannten nicht beruflichen Risikofaktoren wie niedrigem Geburtsgewicht, wiederholte Atemwegsinfekte in der Kindheit, genetische Prädisposition (unter anderem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel), Luftverschmutzung sowie Passivrauchen aber auch durch arbeitsplatzbezogenen Schadstoffexpositionen beispielsweise in der Landwirtschaft entstehen (9).

Es gilt als erwiesen, dass hohe kumulative Lebensdosen an alveolargängigem Staub eine COPD verursachen können (10). Als andere verursachende Stoffe werden Quarzstaub (11), Schweissrauche, Dieselabgase und andere diskutiert. Diese Schadstoffe verursachen chronische Entzündungsreaktionen in den kleinsten Atemwegen, die zu einer irreversiblen Obstruktion und teilweise zu einem Lungenemphysem führen können. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge sind etwa 10–20 % aller COPD-Fälle wesentlich auf berufliche Expositionen zurückzuführen (12). Dabei wirkt die berufliche Schadstoffbelastung synergistisch mit dem Tabakrauchen, was insbesondere bei starken Rauchern eine Abgrenzung der beruflichen Verursachung erschwert. In der Schweiz wird die COPD als Berufskrankheit anerkannt, wenn die berufliche Exposition als wesentliche Ursache der Erkrankung eindeutig nachgewiesen werden kann. Beispielsweise ist die Anerkennung bei bestehender fortgeschrittener Silikose als Folgeerkrankung möglich.

3. Interstitielle Lungenerkrankungen

Pneumokoniosen

Pneumokoniosen sind Erkrankungen, die durch das Einatmen anorganischer Stäube über viele Jahre entstehen können. Sie führen per Definition zu einer narbigen Veränderung des Lungengewebes. Wichtige Beispiele sind:

• Silikose: Verursacht durch Quarzstaub, z. B. im Steinbruch, Tief- und Tunnelbau oder in Giessereien. Typisch sind ein noduläres Ausbreitungsmuster mit apicobasalem Gradienten im CT und eine restriktive Lungenfunktion (13).

• Asbestose: Kann nach ausgeprägter Exposition zu Asbestfasern entstehen. Typische radiologische Zeichen hierfür sind ein retikuläres Gesamtbild mit baso-apicalem Gradienten (gegenteilig zur Silikose). Typisch sind senkrecht zur Pleura stehende und von der Pleura aus ins Lungengewebe ziehende Fibrosebänder. Eine Spezialform dieser Bänder bilden die sog. «Krähenfüsse», die im CT als strahlenförmig verlaufende, feine Linien ausgehend von Pleuraverdickungen in das Lungenparenchym ziehen. Ein weiteres charakteristisches Merkmal ist die Rundatelektase. Besonders die Kombination von interstitiellen Veränderungen und pleuralen Auffälligkeiten, vorrangig verkalkte Pleuraplaques, sind charakteristisch für diese Pneumokoniose.

• Berylliose: Eine seltene Form, ausgelöst durch Beryllium. Klinisch und histologisch ist sie kaum von der Sarkoidose zu unterscheiden. Betroffen sind v. a. Personen in der Luftfahrt-, Elektronik-, Rüstungsindustrie und Zahntechnik. Wichtig sind: gezielte Expositionsanamnese mit Frage nach Beruf und Berylliumexposition. Als Beleg einer Sensibilisierung ist der Lymphozyten-Proliferationstest (BeLPT) der Goldstandard (14).

Hypersensitivitätspneumonitis/Exogen allergische Alveolitis

Die HP ist eine entzündliche Immunreaktion auf eingeatmete organische Stoffe wie Pilze, Tierproteine oder Bakterienbestandteile. Sie tritt meist subakut oder chronisch auf. Symptome sind Atemnot, Husten, Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl. Für die Anamnese wird der Fragebogen des Schweizerischen Pneumologenverbands empfohlen (https://pneumo.ch/wp-content/uploads/2024/12/HP-Fragebogen-deutsch_NEU.pdf). Die Diagnostik besteht aus grosser Lungenfunktion mit Diffusionskapazität ggf. ergänzt durch eine aBGA. Die empfohlene Bildgebung wäre ein hochauflösendes CT-Thorax. Zur weiterführenden spezifischen Diagnostik gehört dann eine Bronchoskopie mit bronchoalveolärer Lavage, ggf. Zytologie und Histologie. Als in vitro Diagnostik können bei suggestiver Anamnese spezifische IgG-Antikörper nachgewiesen werden. Die Basis der Therapie ist eine vollständige Allergenkarenz, die auch durch medikamentöse Immunsuppression ergänzt werden kann.

Prävention

In der Arbeitsmedizin wird Prävention in drei Stufen unterteilt: Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention. Sie alle basieren auf dem sogenannten STOP-Prinzip, einem bewährten Modell zur Reduktion von Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz. Das Kürzel «STOP» steht für Substitution (Ersatz gefährlicher Stoffe durch ungefährlichere Alternativen), technische Massnahmen (wie Absaugungen oder geschlossene Systeme), organisatorische Massnahmen (z. B. kürzere Expositionszeiten oder rotierende Schichten, eingehende Information und Schulung der Arbeitnehmenden) sowie persönliche Schutzausrüstung (wie Atemschutzmasken oder Schutzkleidung). Dieses Prinzip wird je nach Präventionsstufe angepasst und durch weitere, situationsspezifische Massnahmen ergänzt.

Die Primärprävention zielt darauf ab, Erkrankungen gar nicht erst entstehen zu lassen. Hier steht der Schutz vor potenziellen Gefahren im Mittelpunkt, etwa durch den Ersatz gesundheitsschädlicher Substanzen, bauliche und technische Schutzmassnahmen oder organisatorische Veränderungen, die die Belastung verringern. Ergänzend spielt auch die Aufklärung eine wichtige Rolle: Personen in gefährdeten Berufsgruppen sollen bereits während der Ausbildung lernen, Gefährdungen zu erkennen und richtig darauf zu reagieren. Ziel ist es, das Risiko von arbeitsbedingten Erkrankungen möglichst frühzeitig zu minimieren.

Die Sekundärprävention versucht in Hockrisikokollektiven durch spezielle Screeninguntersuchungen Erkrankungen möglichst frühzeitig zu erkennen. Ein typisches Beispiel ist die Quarzstaubvorsorgeuntersuchung der SUVA. Regelmässige arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen, Gesundheitskontrollen und strukturierte Informationen helfen den Versicherten, Veränderungen früh zu identifizieren. Parallel werden Arbeitsbedingungen überprüft und bei Bedarf angepasst – zum Beispiel durch technische Nachbesserungen oder die Installation von Absauganlagen, um die Exposition gezielt zu senken.

Die Tertiärprävention richtet sich an Menschen, die bereits eine arbeitsbedingte Erkrankung haben. Ihr Ziel ist es, eine Verschlechterung zu verhindern und die Lebensqualität sowie die berufliche Teilhabe zu erhalten. Hier ­kommen Massnahmen wie Rehabilitationsangebote, eine angepasste Arbeitsplatzgestaltung mit individueller persönlicher Schutzausrüstung oder einem betriebsinternen Wechsel an einen ungefährlichen Arbeitsplatz zum Tragen. Die Frage, ob eine Person ihre bisherige Tätigkeit weiterhin ausüben kann, wird in diesem Rahmen stets sorgfältig geprüft. In der Schweiz kann die SUVA gemäss Artikel 78 der Verordnung über die Unfallverhütung (VUV) als letztes Werkzeug der tertiären Prävention eine sogenannte Nichteignungsverfügung aussprechen, wenn beim Weiterführen der Tätigkeit eine erhebliche gesundheitliche Gefährdung besteht – ein Schutzinstrument für betroffene Mitarbeitende.

Fazit

Berufsbedingte Lungenerkrankungen sind nach wie vor häufige und ernstzunehmende Diagnosen. Für Ärztinnen und Ärzte ist es zentral, Expositionen gezielt zu erfragen, Symptome richtig einzuordnen und geeignete diagnostische sowie präventive Massnahmen zu ergreifen, um Krankheitsverläufe frühzeitig zu beeinflussen und arbeitsbedingte Belastungen gezielt zu minimieren. Bei Verdacht auf eine Berufskrankheit sollte diese mit Einverständnis der betroffenen Person, von der Person selbst oder dem Arbeitgeber möglichst frühzeitig der zuständigen Unfallversicherung gemeldet werden. Nur so kann eine adäquate Versorgung sowie ein effektiver Schutz der betroffenen Personen gewährleistet werden.

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Aerzteverlag medinfo AG

Zur sprachlichen Unterstützung wurde ChatGPT (OpenAI) verwendet; sämtliche Inhalte wurden auf Richtigkeit und fachliche Korrektheit überprüft.

Dr. med. Felix Mangold

Suva
Fluhmattstrasse 1
6004 Luzern

Dr. med. Susanna Stöhr

Suva
Fluhmattstrasse 1
6004 Luzern

Die Autorenschaft haben keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

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