MangelernƤhrung und kardiale Kachexie – eine unterschƤtzte Herausforderung bei Herzinsuffizienz

Die chronische Herzinsuffizienz stellt eine der häufigsten kardiologischen Erkrankungen dar und ist stark mit ernährungsassoziierten Begleitsyndromen wie krankheitsbedingter Malnutrition, kardialer Kachexie, Sarkopenie oder Gebrechlichkeit (Frailty) assoziiert. Trotz ähnlicher Pathomechanismen müssen diese Syndrome voneinander abgegrenzt und in der Behandlung rechtzeitig erkannt werden. Hierfür ist jedoch eine Sensibilisierung des klinisch tätigen Personals in der stationären und ambulanten Versorgung sowie eine korrekte Diagnosestellung notwendig. Das Ziel sollte eine strukturierte Integration ernährungsmedizinischer Behandlungsabläufe in der Kardiologie sowie eine enge Zusammenarbeit mit der Ernährungstherapie bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz sein.

Chronic heart failure is one of the most common cardiological diseases and is strongly associated with nutrition-related comorbidities such as disease-related malnutrition, cardiac cachexia, sarcopenia, and frailty. Despite similar pathomechanisms, these syndromes must be distinguished from one another and recognised in good time during treatment. However, this requires raising awareness among clinical staff working in inpatient and outpatient care, as well as accurate diagnosis. The goal should be the structured integration of nutritional treatment procedures in cardiology and close cooperation with nutritional therapy for patients with chronic heart failure.
Keywords: Herzinsuffizienz, Malnutrition, Kachexie, Sarkopenie, Gebrechlichkeit

Die Herzinsuffizienz ist ein klinisches Syndrom, das auf eine strukturelle oder funktionelle Stƶrung des Herzens zurückzuführen ist und mit erhƶhten intrakardialen Drücken und/oder einer unzureichenden Herzleistung in Ruhe oder bei Belastung einhergeht (1). Die PrƤvalenz der Herzinsuffizienz betrƤgt etwa 1–3 % der Bevƶlkerung und steigt aufgrund der vermehrten HƤufigkeit von kardiovaskulƤren Erkrankungen altersabhƤngig auf bis zu 16 % bei über 80-jƤhrigen Personen an (2). Ein unwillkürlicher Gewichtsverlust und Muskelschwund mit mƶglichen Folgeerkrankungen wie Malnutrition, Kachexie, Sarkopenie oder Gebrechlichkeit (Frailty) treten insbesondere in fortgeschrittenen Krankheitsstadien der Herzinsuffizienz auf (3). Die frühzeitige Erkennung und Therapie dieser miteinander verknüpften, jedoch per Definition voneinander abzugrenzenden medizinischen Syndrome wird in den aktuellen Herzinsuffizienz-Leitlinien der EuropƤischen Gesellschaft für Kardiologie hervorgehoben und kann den Krankheitsverlauf sowie die LebensqualitƤt der Patienten wesentlich beeinflussen.

Pathophysiologische Grundlagen

Ein reduzierter ErnƤhrungszustand und ein zunehmender Muskelverlust bei Herzinsuffizienz-Patienten weisen gemeinsame pathophysiologische Merkmale auf (4). Typische Herzinsuffizienz-Symptome wie eine verstƤrkte Leistungsintoleranz und Atemnot erhƶhen den Energieverbrauch im Kƶrper, wƤhrend die NƤhrstoffaufnahme durch ein frühzeitiges SƤttigungsgefühl, eine vermehrte Nausea sowie eine gastrointestinale Malabsorption aufgrund von intestinalen Ɩdemen reduziert ist (5). HƤufig empfohlene Nahrungsrestriktionen (z. B. salzreduzierte Kost) und eine Polypharmazie kƶnnen einen Appetitverlust verstƤrken. Neurohormonelle Anpassungen und systemische Entzündungsreaktionen, die im Rahmen einer chronischen Herzinsuffizienz im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf auftreten, führen zudem zu einem Ungleichgewicht zwischen anabolen und katabolen Stoffwechselprozessen (6). Insbesondere bei Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz und einer Ā«kardialen KachexieĀ» lassen sich erhƶhte inflammatorische Marker und HormonverƤnderungen (u.a. CRP, TNF-α, IL-6, Ghrelin, GH/IGF1) nachweisen, die wiederum mit verstƤrkten katabolen Stoffwechselprozessen, oxidativem Stress und einer vermehrten Proteolyse assoziiert sind (7). Zusammen mit einer reduzierten kƶrperlichen AktivitƤt und Insulinresistenz kƶnnen diese Prozesse zusƤtzlich eine Ā«anabole ResistenzĀ» in der Muskulatur bewirken, durch die eine Muskelproteinsynthese gehemmt und der Muskelabbau verstƤrkt wird (8).

HƤufig vorhandene chronische Begleiterkrankungen (z. B. Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz oder COPD) sowie psychosoziale Aspekte (z. B. kognitive Defizite, Depression, soziale Isolation) sind weitere Risikofaktoren für das Auftreten einer MangelernƤhrung und erhƶhen die VulnerabilitƤt der Patienten. Die Kombination dieser im chronischen Krankheitsprozess hƤufig auftretenden Faktoren, allen voran der erhƶhte Energiebedarf bei gleichzeitig reduzierter NƤhrstoff- und Proteinaufnahme, die Zunahme kataboler Stoffwechselprozesse sowie die kƶrperliche InaktivitƤt, führt bei Patienten mit Herzinsuffizienz schliesslich zu einem erhƶhten Risiko für die Entwicklung einer krankheitsbedingten Malnutrition, kardialen Kachexie, Sarkopenie und Gebrechlichkeit (4).

Krankheitsbedingte Malnutrition

Eine MangelernƤhrung (Malnutrition) ist definiert als ein Zustand, der aus einer unzureichenden Zufuhr oder Aufnahme von Energie und NƤhrstoffen resultiert und mit einer BeeintrƤchtigung der kƶrperlichen und mentalen Funktionen einhergeht (9). Neben altersbedingten und sozioƶkonomischen Ursachen ist in unserer Gesellschaft vorwiegend eine Ā«krankheitsbedingte MalnutritionĀ» mit oder ohne Inflammation von Bedeutung. Die PrƤvalenz der krankheitsbedingten MangelernƤhrung bei Ƥlteren Personen wird abhƤngig von den verwendeten Assessment-Tools in der Gesamtbevƶlkerung auf etwa 5 % und bei hospitalisierten Patienten zwischen 20–50 % geschƤtzt (10). Bei Patienten mit einer Herzinsuffizienz lƤsst sich ebenfalls bei über 40 % der Patienten eine MangelernƤhrung feststellen (11). Dabei konnte in mehreren Studien gezeigt werden, dass ein reduzierter ErnƤhrungszustand mit signifikant erhƶhten MorbiditƤts- und MortalitƤtsraten sowie einer reduzierten LebensqualitƤt der Patienten einhergeht (12, 13, 14). Hingegen gibt es in den letzten Jahren zunehmende Evidenz, dass die Malnutrition auch ein modifizierbarer Risikofaktor ist. In der 2019 verƶffentlichten EFFORT-Studie wurde bestƤtigt, dass bei Patienten mit einem erhƶhten Risiko für eine MangelernƤhrung das Komplikationsrisiko und die 30-Tage-MortalitƤt durch eine individualisierte ErnƤhrungstherapie signifikant reduziert werden konnte (15). Auch bei Patienten mit akuter Herzinsuffizienz ergab sich durch eine ErnƤhrungsintervention wƤhrend und nach einem Krankenhausaufenthalt ein prognostischer Benefit (16). ZusƤtzlich zeigten sich durch eine ErnƤhrungstherapie bei Risikopatienten eine niedrigere Wahrscheinlichkeit für kardiale Ereignisse, kürzere Krankenhausaufenthalte sowie eine geringere Rate an Rehospitalisierungen (17, 18, 19). Letzteres kann insbesondere bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz gravierenden Einfluss auf deren gesundheitsbezogene LebensqualitƤt haben.

Screening und Diagnosestellung

Zur Erkennung einer mƶglichen MangelernƤhrung wird im ersten Schritt ein systematisches Screening empfohlen (20). Zu diesem Zweck sind in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Instrumente entstanden, die neben quantifizierbaren Parametern (z. B. Gewicht, Grƶsse, BMI, ungewollter Gewichtsverlust) teils auch psychosoziale Risiken für eine MangelernƤhrung (z. B. psychische Belastungen, MobilitƤt im Alltag) erfassen. Zwar müssen bei allen Instrumenten die eingeschrƤnkte Aussagekraft und ValiditƤt berücksichtigt werden, allerdings kƶnnen mit denen von der ESPEN (European Society for Clinical Nutrition and Metabolism) empfohlenen Screening-Instrumenten wie MUST (Ā«Malnutrition Universal Screening ToolĀ», vorwiegend bei nicht-hospitalisierten Patienten), MNA bzw. MNA-SF (Ā«Mini Nutritional Assessment – Short FormĀ», vorwiegend bei Ƥlteren Personen ab 65 Jahren) oder NRS-2002 (Ā«Nutrition Risk Screening 2002Ā», vorwiegend bei hospitalisierten Patienten) Personen mit einem erhƶhten Risiko für eine Malnutrition auf einfache Weise identifiziert werden (21, 22, 23). Bei Herzinsuffizienz-Patienten müssen Fehlinterpretationen aufgrund von Flüssigkeitsretention (Ɩdeme) beachtet werden. Bisher wurde keines der Instrumente zur Risikoerkennung oder Diagnosestellung einer Malnutrition speziell bei Herzinsuffizienz-Patienten validiert. Zwar kƶnnen die genannten Screening-Tools selbst bei einer dekompensierten Herzinsuffizienz ein ErnƤhrungsrisiko hƤufig korrekt erfassen, allerdings scheint die Anwendung multidimensionaler Tools (z. B. MNA-SF) mit Beurteilung von zeitlichen und subjektiven ErnƤhrungsinformationen in dieser Patientengruppe besonders wichtig zu sein (24, 25).

Im Falle eines auffälligen Screenings muss im zweiten Schritt überprüft werden, ob tatsächlich eine Mangelernährung vorliegt. Hierfür wurden im Jahr 2019 die international standardisierten «Global Leadership In Malnutrition» (GLIM)-Diagnose­kriterien veröffentlicht (26). Zur Diagnosestellung einer Mangelernährung ist sowohl ein phänotypisches Kriterium (ungewollter Gewichtsverlust, niedriger BMI, reduzierte Muskelmasse) als auch ein ätiologisches Kriterium (reduzierte Nahrungsaufnahme bzw. Malassimilation, Inflammation bzw. hohe Krankheitslast) notwendig. Im dritten Schritt kann daraufhin (anhand der Ausprägung der phänotypischen Kriterien) der Schweregrad der Malnutrition («moderat» oder «schwer») definiert werden. Es ist jedoch zu betonen, dass die GLIM-Kriterien nicht als Ersatz zu einem professionellen Ernährungsassessment dienen, da eine detaillierte Anamnese sowie eine Beurteilung des Ernährungsstatus für die weitere Therapie von Bedeutung sind.

Therapie und Nachsorge

Sobald die Diagnose einer MangelernƤhrung gestellt und ein ausführliches ErnƤhrungsassessment durchgeführt wurde, sollte eine ErnƤhrungsintervention zur Stabilisierung und Verbesserung des ErnƤhrungszustandes erfolgen. Hierfür wird zunƤchst die orale Nahrungsaufnahme durch individuell angepasste Haupt- und Zwischenmahlzeiten sowie ggf. durch eine Hinzugabe von angereicherten Lebensmitteln oder oralen Trinknahrungen optimiert (20). Ein Monitoring und Reassessment (alle 24–48 Stunden) ermƶglicht die frühzeitige Erkennung von allenfalls notwendigen Therapieanpassungen. Patienten, die durch eine orale Nahrungsaufnahme innerhalb weniger Tage nicht mindestens 75 % des ermittelten Energie- und Proteinbedarfs erreichen, sollten eine zusƤtzliche enterale ErnƤhrung und bei anhaltend unzureichender Bedarfsdeckung eine zusƤtzliche parenterale ErnƤhrung erhalten (20).

Zur AbschƤtzung des individuellen Energiebedarfs ist die Bestimmung des Gesamtenergieverbrauchs (Total Energy Expenditure, TEE) notwendig, der sich aus Grundumsatz (Resting Energy Expenditure, REE), nahrungsinduzierter Thermogenese und aktivitƤtsabhƤngigem Energiebedarf zusammensetzt. Da eine indirekte Kalorimetrie zur Messung des Energieumsatzes im klinischen Alltag selten verfügbar ist, werden meist Formeln (z. B. Harris-Benedict-Formel) oder gewichtsadaptierte SchƤtzungen (z. B. 25–30 kcal/kgKG/Tag) verwendet (20). Diese SchƤtzungen kƶnnen eine Ausgangsbasis für eine ErnƤhrungsintervention darstellen, müssen jedoch aufgrund der hƤufigen Abweichungen vom tatsƤchlichen Energieverbrauch mit besonderer Vorsicht interpretiert werden (27). Als empfohlene Proteinmenge wird bei polymorbiden Ā­Patienten ein Ziel von 1.2–1.5 g/kg Kƶrpergewicht pro Tag angestrebt, sofern keine schwere Nierenfunktionsstƶrung (eGFR < 30 ml/min/1.73 m2) vorliegt (20, 28). Bereits zu Beginn der ErnƤhrungstherapie sollte zusƤtzlich eine ausreichende Zufuhr von MikronƤhrstoffen zur Deckung des Tagesbedarfs gewƤhrleistet und ein laborchemisch dokumentierter Mangel korrigiert werden (20, 29).

Bei der Behandlung einer MangelernƤhrung muss zudem auf ein mƶgliches Refeeding-Syndrom geachtet werden. Hierbei handelt es sich um eine lebensbedrohliche Stƶrung des Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushaltes, sofern ein Nahrungsaufbau (oral, enteral oder parenteral) zu schnell oder inadƤquat erfolgt (9). Der rasche Wechsel von einem katabolen zu einem anabolen Stoffwechsel kann vor allem in den ersten 72 Stunden zu einer schweren HypophosphatƤmie (Reduktion > 30 % vom Ausgangswert oder < 0.6 mmol/l), anderen Elektrolytstƶrungen (u. a. Magnesium- und Kaliummangel) oder Flüssigkeitsverschiebungen führen, die wiederum mit kardiorespiratorischen, hƤmatologischen und neuromuskulƤren Funktionsstƶrungen einhergehen kƶnnen. Zudem kann sich ein vorbestehender Thiamin-Mangel durch eine Laktatazidose, Wernicke-Enzephalopathie oder auch Herzinsuffizienz (Ā«Wet-BeriberiĀ») demaskieren (30). Bei Risikopatienten (BMI < 18.5 kg/m2, Gewichtsverlust > 10 % in den letzten 3–6 Monaten, sehr geringe bzw. fehlende Nahrungsaufnahme > 5 Tage, Alkohol- oder Drogenabusus, vorbestehende Elektrolytstƶrungen) ist eine Elektrolyt- und Volumenkorrektur, eine Thiamin-Supplementation vor Beginn des Nahrungsaufbaus sowie die Gabe eines Multivitamin- und SpurenelementprƤparates von Bedeutung. Die Kalorienzufuhr sollte zudem stufenweise je nach Risiko über 5–10 Tage unter initial tƤglicher laborchemischer Kontrolle gesteigert werden (30, 31).

Nach Abschluss der Krankenhaus-Behandlung stellt die Fortführung einer ambulanten Therapie bei Patienten mit Ernährungsrisiko oder manifester Malnutrition ein wesentliches Element der Behandlung dar. Das Ziel ist es, das Körpergewicht und den Ernährungsstatus langfristig zu stabilisieren und auf diese Weise den funktionellen Status und die Lebensqualität zu erhöhen (20).

Kardiale Kachexie

Die Kachexie ist als Unterform der krankheitsbedingten Malnutrition zu verstehen und beschreibt ein multifaktorielles Syndrom, das durch einen starken Gewichtsverlust mit Abbau von Muskelmasse und Fettgewebe sowie einer krankheitsbedingten Inflammation Ā­gekennzeichnet ist (9). Es tritt vorwiegend bei Patienten mit Organerkrankungen (z. B. Tumorerkrankungen, COPD, chronische Herzinsuffizienz oder Niereninsuffizienz) auf, die im fortgeschrittenen Stadium mit einer katabolen StoffwechselaktivitƤt einhergehen. Die kardiale Kachexie ist Ā­definiert durch einen Gewichtsverlust von mehr als 5 % des Kƶrpergewichts innerhalb von 12 Monaten (oder einem BMI < 20 kg/m2) sowie dem Vorhandensein von mindestens drei weiteren Kriterien (verminderte Muskelkraft, Fatigue, Anorexie, niedriger fettfreier Masse-Index oder abnorme Laborwerte mit AnƤmie, erhƶhten Entzündungsmarkern oder reduziertem Serumalbumin) (32). Die PrƤvalenz wird bei Herzinsuffizienz-Patienten auf etwa 5–15 % geschƤtzt, wobei keine eindeutige Korrelation zur linksventrikulƤren Funktion (LVEF) festzustellen ist (33, 34, 35). Kachektische Patienten weisen eine niedrigere funktionale KapazitƤt, eine geringere LebensqualitƤt sowie eine deutlich erhƶhte MortalitƤt auf (36, 37). Aufgrund der chronischen inflammatorischen und katabolen Stoffwechselprozesse kann einer kardialen Kachexie durch ErnƤhrungsinterventionen und kƶrperliche AktivitƤt nur zum Teil entgegengewirkt werden. In einer SekundƤranalyse der EFFORT-Studie wurde gezeigt, dass Patienten mit einer hohen Inflammation (CRP > 100 mg/l) im Vergleich zu Patienten mit niedrigeren Entzündungsmarkern nicht in gleicher Weise von einer ErnƤhrungstherapie wƤhrend des Krankenhausaufenthaltes profitieren kƶnnen (38).

Eine ErnƤhrungsintervention mittels einer kalorien- und proteinreichen ErnƤhrung in Kombination mit einem kƶrperlichen Training stellt dennoch die wichtigste Behandlungsmassnahme für unterernƤhrte oder kachektische Herzinsuffizienz-Patienten dar, um sowohl eine Gewichtstabilisierung als auch eine Verbesserung der kardiorespiratorischen Fitness und funktionalen KapazitƤt zu erzielen (39, 40). Zum aktuellen Zeitpunkt existieren jedoch keine spezifischen ErnƤhrungsempfehlungen für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und einer MangelernƤhrung bzw. kardialen Kachexie. Die kardiologischen Gesellschaften empfehlen bei chronischer Herzinsuffizienz vorwiegend AnsƤtze einer mediterranen ErnƤhrung oder einer DASH-DiƤt (Dietary Approaches to Stop Hypertension), da diese am ehesten kardioprotektive und antiinflammatorische Eigenschaften aufweisen (41, 42, 43, 44, 45). HƤufigere Mahlzeiten mit kleineren Portionen kƶnnen zur Vermeidung einer postprandialen Dyspnoe beitragen und die Compliance der Patienten erhƶhen. Bei Ɩdemen sollte eine Flüssigkeitsrestriktion (1.5–2 Liter/Tag) und eine begrenzte Salzaufnahme (ca. 5 g pro Tag) erwogen werden (1). Allerdings bleibt der Nutzen einer Salzrestriktion aufgrund widersprüchlicher Studienergebnisse und allenfalls sogar negativen Auswirkungen (u. a. durch eine verstƤrkte neurohumorale Aktivierung) umstritten (46, 47, 48). Die Supplementierung von mehrfach ungesƤttigten Omega-3-FettsƤuren (PUFA) zeigte in einigen Studien ebenfalls positive Effekte auf die linksventrikulƤre Funktion, die Rehospitalisierungsrate und die MortalitƤt, jedoch wurden auch diese Empfehlungen aufgrund inkonsistenter Studiendaten und einem mƶglicherweise erhƶhten Risiko für das Auftreten von Vorhofflimmern abgeschwƤcht (49, 50, 51, 52, 53). Bezüglich der Substitution von MikronƤhrstoffen wird in den aktuellen kardiologischen Leitlinien eine intravenƶse Eisengabe bei Herzinsuffizienz-Patienten mit reduzierter linksventrikulƤrer Funktion (LVEF < 40 %) und einem Eisenmangel (Serum-Ferritin < 100 ng/ml oder 100–299 ng/ml mit TSAT < 20 %) zur Verbesserung der BelastungsfƤhigkeit und LebensqualitƤt empfohlen (54, 55). Trotz einzelner vielversprechender Studien zu weiteren MikronƤhrstoffen oder NahrungsergƤnzungen (z. B. Thiamin, Coenzym Q10), kann aufgrund der heterogenen Studiendaten bisher keine klare Empfehlung zur zusƤtzlichen MikronƤhrstoff-Substitution bei Herzinsuffizienz-Patienten gegeben werden (56, 57, 58, 59, 60). Hingegen konnte durch eine medikamentƶse Therapie mit Betablockern, ACE-Hemmern und Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten, unabhƤngig von einer Verbesserung der linksventrikulƤren Funktion, ein Gewichtsverlust und die Entwicklung einer kardialen Kachexie verzƶgert werden (61, 62). Weitere mƶgliche Therapieoptionen wie z. B. Immunmodulatoren (TNF-α-Hemmer), anabole Hormone (Ghrelin, Testosteron) oder appetitanregende Substanzen werden trotz vereinzelt positiver Ergebnisse in kleineren Studien bisher nicht im klinischen Alltag zur Behandlung der Kachexie eingesetzt (63).

Sarkopenie und Gebrechlichkeit (Frailty)

Bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz treten neben der Malnutrition und kardialen Kachexie hƤufig auch eine Sarkopenie und eine vermehrte Gebrechlichkeit (Frailty) auf. Die Sarkopenie ist ein eigenstƤndiges Syndrom, das durch einen progressiven und generalisierten Verlust von Muskelkraft und Muskelmasse (unabhƤngig von der Fettmasse) gekennzeichnet ist und mit negativen Folgen wie Sturzneigung und FunktionseinschrƤnkungen einhergeht (64). Dieser Verlust tritt im Rahmen von natürlichen Altersprozessen auf, wird jedoch durch krankheitsbedingte entzündliche und hormonelle Prozesse, eine verminderte kƶrperliche AktivitƤt sowie einer MangelernƤhrung (insbesondere durch eine unzureichende Proteinzufuhr) verstƤrkt (65, 66). Die PrƤvalenz bei Herzinsuffizienz-Patienten wird je nach Einschlusskriterien zwischen 10 % und 69 % geschƤtzt (67). Sofern nicht bereits typische klinische Zeichen den Verdacht auf eine Sarkopenie nahelegen, wird ein 5-Punkte-Screening (SARC-F) empfohlen, dessen SensitivitƤt durch eine Messung des Wadenumfangs verbessert werden kann (68, 69). Eine Messung der Handkraft mithilfe eines Dynamometers oder alternativ die Messung der Beinmuskelkraft mithilfe des Ā«Chair-Stand-TestĀ» kann eine Verdachtsdiagnose erhƤrten (Handkraft < 16 kg für Frauen und < 27 kg für MƤnner, Chair-Stand-Test < 15 Sekunden) (64). Zur tatsƤchlichen Diagnosestellung erfolgt anschliessend die Messung der Muskelmasse (appendikulƤre Magermasse, ALM), wofür sowohl die Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA), die Dual-Rƶntgen-Absorptiometrie (DXA) als auch bildgebende Verfahren (MRI, CT) eingesetzt werden kƶnnen. Im Falle eines relativen Skelettmuskelindex (SMI) von < 5.5 kg/m2 bei Frauen bzw. < 7 kg/m2 bei MƤnnern ist eine Sarkopenie bestƤtigt (64). Die Einordnung des Schweregrades kann durch zusƤtzliche Funktionsuntersuchungen (Ganggeschwindigkeit, Timed-up-and-go-Test, SPPB oder 400 m-Gehtest) erfolgen (64). Bereits das Vorliegen einer beeintrƤchtigten Muskelkraft sollte eine UrsachenabklƤrung und einen Therapiebeginn einleiten. In diesem Zusammenhang konnte in mehreren Studien gezeigt werden, dass vor allem die Kombination aus einem Krafttraining und einer gesteigerten Proteinzufuhr positive Auswirkungen auf die PrƤvention und Behandlung einer Sarkopenie haben kann (70, 71, 72, 73, 74). Eine Substitution von Proteinen mit einem hohen Leucin-Gehalt (z. B. Molkenprotein) ist mƶglicherweise mit weiteren positiven Effekten auf die Muskelproteinsynthese assoziiert (75, 76).

Gebrechlichkeit (Frailty) wird hƤufig als biologisches oder geriatrisches Syndrom betrachtet, das durch den Verlust an kƶrperlichen Funktionen und kognitiven FƤhigkeiten gekennzeichnet ist. Als Grundlage dienen vor allem die PhƤnotyp-Kriterien nach Fried (3 von 5 Kriterien: unĀ­gewollter Gewichtsverlust > 5 kg/Jahr, Abnahme der Muskel- bzw. Handkraft, langsame Gehgeschwindigkeit, reduzierte kƶrperliche AktivitƤt, subjektives Erschƶpfungsgefühl) sowie das Defizit-Modell nach Rockwood (Ermittlung eines Frailty-Index anhand von funktionellen, kognitiven und sozialen EinschrƤnkungen) (77, 78). Hierbei ist jedoch zu betonen, dass die Gebrechlichkeit nicht nur als ein physiologischer Altersprozess betrachtet werden sollte. Insbesondere bei Herzinsuffizienz-Patienten besteht sehr hƤufig ein altersunabhƤngiger Zustand aus klinischen, funktionalen, kognitiv-psychologischen und sozialen DomƤnen, die zu einer erhƶhten VulnerabilitƤt gegenüber endogenen oder exogenen Stressoren (z. B. leichte Entzündungen, kleinere Eingriffe, Medikamentenanpassungen) führen (79). Das Vorhandensein einer Gebrechlichkeit ist daher ein zusƤtzlicher Faktor, der die Prognose von Herzinsuffizienz-Patienten aufgrund erhƶhter MorbiditƤts- und MortalitƤtsraten negativ beeinflusst (80, 81, 82). In der Behandlung ist folglich eine frühzeitige Identifizierung dieser vulnerablen Patientengruppe durch multidimensionale Assessment-Tools (z. B. Clinical Frailty Scale, Essential Frailty Toolset) sinnvoll, um potenziell reversible Faktoren wie MangelernƤhrung oder Sarkopenie durch individuelle ErnƤhrungsinterventionen und kƶrperliches Training, optimalerweise im Rahmen einer kardialen Rehabilitation, adƤquat zu behandeln (83, 84, 85).

Fazit

Zusammenfassend ist es in der Behandlung von chronischen Herzinsuffizienz-Patienten essenziell, dass die Therapie nicht auf interventionelle oder medikamentöse Massnahmen beschränkt bleibt. Die frühzeitige Erkennung einer krankheitsbedingten Mangelernährung sowie häufig assoziierter Begleitsyndrome wie kardiale Kachexie, Sarkopenie oder Gebrechlichkeit (Frailty) sind von wesentlicher Bedeutung für den weiteren Krankheits- und ­Therapieverlauf. Daher sollte die Einführung von strukturierten Behandlungsabläufen mit Integration von ernährungsmedizinischen Interventionen, die Sensibilisierung und systematische Schulung von klinischem Personal sowie eine enge Zusammenarbeit mit den Fachpersonen der Ernährungstherapie fester Bestandteil in der Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz sein.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Zweitabdruck aus der Ā«informierte arzt / die informierte ƤrztinĀ» 02/26

Dr. med. Marvin Grossmann, MHBA

Facharzt Kardiologie und Allgemeine Innere Medizin,
Leitung stationƤre kardiovaskulƤre Rehabilitation
Zentrum für Rehabilitation & Sportmedizin
Freiburgstrasse 18
3010 Bern

Der Autor hat keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

  • Malnutrition, Kachexie, Sarkopenie und Frailty sind hƤufige, oft übersehene Begleitsyndrome der chronischen Herzinsuffizienz und stehen in direktem Zusammenhang mit erhƶhter MorbiditƤt, MortalitƤt und reduzierter LebensqualitƤt.
  • Zur Diagnose einer MangelernƤhrung sollte ein dreistufiger Ansatz erfolgen: Screening (z.B. MNA-SF, NRS-2002), Ā­Diagnosesicherung nach GLIM-Kriterien und anschliessend ein umfassendes ErnƤhrungsassessment zur Therapieplanung.
  • Die Kombination aus individualisierter ErnƤhrungstherapie, kƶrperlichem Training und multiprofessionellem Management, idealerweise im Rahmen eines strukturierten Rehabilitationsprogramms, ist essenziell für eine nachhaltige Verbesserung der LebensqualitƤt und der Prognose von Herzinsuffizienz-Patienten.

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Behandlung der Herzinsuffizienz mit kardialer Resynchronisationstherapie

Bei vielen Patienten mit kardialer Dyssynchronie, die aufgrund eines rechtsventrikulƤren Pacing oder eines Linksschenkelblocks auftritt, verschlechtert sich die Herzfunktion mit der Folge einer Herzinsuffizienz. Die kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) kann die Herzfunktion in diesem Fall wieder verbessern und teilweise sogar normalisieren. Wichtig ist, die elektrische VerspƤtung der linksventrikulƤren Erregung im EKG zu erkennen, d.h. die Verbreiterung des QRS > 140msec mit Linksschenkelblockbild. Neben der Implantation der linksventrikulƤren Elektrode im Koronarsinus stehen uns heute auch weitere Mƶglichkeiten mit direkter Stimulation des His-Bündels oder des linken Schenkels über das interventrikulƤre Septum zur Verfügung, welche eine ausgezeichnete elektrische Resynchronisation ermƶglichen.

In many patients with cardiac dyssynchrony, which occurs due to right ventricular pacing or left bundle branch block, cardiac function deteriorates, resulting in heart failure. Cardiac resynchronization therapy (CRT) can improve cardiac function in this case and in some cases even normalize it. It is important to recognize the electrical delay of left ventricular excitation in the ECG, i.e., the widening of the QRS >140 msec with left bundle branch block pattern. In addition to implanting the left ventricular electrode in the coronary sinus, we now also have other options available to us with direct stimulation of the His bundle or the left bundle branch via the interventricular septum, which enable excellent electrical resynchronization.
Keywords: Kardiale Resynchronisationstherapie (CRT), Dyssynchronie / Linksschenkelblock (QRS-Breite), Koronarsinus-Pacing, Linksbündel-Pacing (LBBP)

Seit über 20 Jahren wird die kardiale Resynchronisation (CRT), das heisst die Stimulation der rechten und linken Herzkammer zur Behandlung der Herzinsuffizienz, mit teilweise sehr guten Resultaten eingesetzt. Bei Patienten mit Dyssynchronie, d. h. nacheinander erregten rechten und linken Herzkammern, kann durch eine gleichzeitige Stimulation (Pacing) der beiden Herzkammern die Systole kürzer und effizienter werden, wƤhrend sich die Diastole verlƤngert und das Schlagvolumen vergrƶssert. Den besten Therapieerfolg erzielt man natürlich, wenn das Herz keine Narben aufweist und die HerzschwƤche nicht durch den Verlust von Herzmuskelzellen infolge eines Infarkts oder einer Entzündung verursacht wurde, sondern vor allem durch eine asynchrone Erregungsausbreitung entstanden ist, wie zum Beispiel bei einem Linksschenkelblock oder einem rechtsventrikulƤren Pacing von über 40 %. Vor dem Einsetzen eines Herzschrittmachers sollte also immer die Herzfunktion bestimmt werden (Echokardiographie) und überlegt werden, ob der Patient von einer zusƤtzlichen linksventrikulƤren Elektrode profitieren würde. Die Indikationen zur CRT sind in Tab. 1 zusammengefasst.

Interessanterweise hƤngt der Therapieerfolg bei CRT dabei von der elektrischen VerspƤtung der linken Herzkammer ab, d. h. also von der QRS-Breite und der Linksschenkelblockmorphologie. Das Ausmass der Dyssynchronie in der Echokardiographie kann den Therapieerfolg leider nicht voraussagen.

Die verschiedenen Therapiemƶglichkeiten zur kardialen Resynchronisation (CRT)

Pacing im Koronarsinus

Seit über 20 Jahren werden Schrittmacherelektroden in der Herzvene (Coronarsinus) platziert, um die linke Herzkammer direkt zu stimulieren. Hierbei muss ein genügend grosser Venenast posterolateral gefunden werden, in welchem die Elektrode stabil platziert werden kann. Zudem darf sich keine Narbe am Ort der Stimulation befinden, da diese die Reizschwelle erhöht. Es darf zu keiner störenden Stimulation des Zwerchfells (N. phrenicus) kommen und der QRS-Komplex muss bei der Stimulation einen Rechtsschenkelblock aufweisen und schmaler werden. Nicht immer kann dies erreicht werden. Umso besser ist es, wenn auch alternative Möglichkeiten der Elektrodenplatzierung zur Verfügung stehen.

His-Bündel-Pacing

Bei Patienten mit gesundem Reizleitungssystem führt eine Stimulation des His-Bündels zur physiologischsten Aktivierung beider Herzkammern. Diese Option ist natürlich für Patienten mit Linksschenkelblock oder einer diffusen Reizleitungsstörung im His-Purkinje-System nicht geeignet. Zudem ist die Reizschwelle für eine erfolgreiche Stimulation des His-Bündels häufig recht hoch, was die Batterielebensdauer verkürzt. Die Lokalisation des His-Bündels im Bereich der AV-Klappen kann Schwierigkeiten für die Platzierung und Stabilität der Elektroden verursachen, was zum Sensing von Vorhofsignalen führt. Das His-Bündelpacing eignet sich deshalb nur für wenige Patienten, z.B. nach Ablation des AV-Knotens.

Linksbündel-Pacing (left bundle branch pacing (LBBP))

Diese relativ neue und vielversprechende Therapiemethode wurde in den letzten Jahren als Alternative zur Elektrodenplatzierung im Koronarsinus entwickelt. Dabei wird die linke Herzkammer über eine direkte Stimulation des linken Schenkels bzw. des His-Purkinje-Systems der linken Herzkammer synchron erregt. Der linke Schenkel und seine AuslƤufer, vor allem der posteriore Faszikel, breiten sich über eine relativ grosse FlƤche am Septum aus, sodass eine erfolgreiche Stimulation an verschiedenen Orten mƶglich ist (Abb. 1). Wenn eine Elektrode so tief im Ventrikelseptum eingeschraubt wird, dass sich der QRS-Komplex verschmƤlert und ein Rechtsschenkelblock entsteht, kann eine Stimulation der linksseitigen Reizleitungsstrukturen angenommen werden. Wichtig ist dabei, dass die Erregungszeit des linken Ventrikels verkürzt wird, d.h. das Intervall vom Pacing Spike bis zur R-Zacke lateral in V6 oder I unter 75–100 msec betrƤgt. Erste Erfahrungen zeigen eine sehr gute elektrische Resynchronisation, welche analog zum CRT-Pacing im Koronarsinus auch zu einer besseren klinischen Antwort führen sollte. Langzeitstudien fehlen aber noch und die StabilitƤt der Elektroden ist unklar (erhƶhte Bewegung durch Septumkontraktion, Bruchgefahr). Deshalb ist diese Therapieoption erfahrenen Operateuren vorbehalten und vor allem für Patienten mit Problemen beim Koronarsinuspacing geeignet. Abb. 2 zeigt einen Patienten mit einer CS-Elektrode und einer LBBB-Elektrode. Üblicherweise wird natürlich nur eine Elektrode für den linken Ventrikel implantiert, entweder im CS oder im LBBB.

Wann soll die kardiale Resynchronisationsbehandlung mit einem Defibrillator (ICD) kombiniert werden?

Grundsätzlich ist ein ICD bei jedem Patienten mit Herzinsuffizienz indiziert, erst recht bei anhaltenden ventrikulären Tachykardien oder kardialen Synkopen. Wenn man aber davon ausgeht, dass sich die Herzfunktion durch die CRT wieder normalisiert, z.B. bei Herzinsuffizienz aufgrund von rechtsventrikulärem Pacing, Linksschenkelblock oder tachykardem Vorhoflimmern, kann auf einen ICD verzichtet und stattdessen ein gewöhnlicher Schrittmacher für die CRT-Funktion verwendet werden. Dies gilt erst recht bei älteren Patienten, bei denen die Verbesserung der Lebensqualität wichtiger ist, als eine Lebensverlängerung zum Preis der Schockabgabe.

Nachsorge

Bei der Nachsorge von CRT-Patienten sollte neben der üblichen Elektrodenausmessung auch ein EKG geschrieben werden, um die korrekte linksventrikulƤre Stimulation zu überprüfen. Dies ist an einem Rechtsschenkelblock-Bild in V1-3 erkennbar. Zudem sollte darauf geachtet werden, dass ein bereits verkürztes AV-Intervall von weniger als 150msec bei Anstrengung nicht weiter verkürzt wird, sondern fix programmiert ist. Sonst kommt es zur gleichzeitigen Vorhof- und Ventrikelerregung, weil ja eine P-Welle bereits 120–140 msec dauert (3). Bei Patienten mit Vorhofflimmern muss zusƤtzlich zur CRT eine AV-Knotenablation durchgeführt werden, damit die Ventrikel regelmƤssig stimuliert werden kƶnnen. Sonst nützt die CRT nichts.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

PD Dr. med. Christoph Scharf

Rhythmologie-Zürich AG
Seestrasse 247
8038 Zürich

Assoc. Prof. M. Didenko MD, PhD, FESC, FEHRA

Herz- und Diabeteszentrum NRW,
UniversitƤtsklinik (Ruhr-UniversitƤt Bochum)
Medizinische FakultƤt OWL (UniversitƤt Bielefeld)
Georgstrasse 11
32545 Bad Oeynhausen
Deutschland

Die Autoren haben keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

1. ESC 2021 Guidelines für pacing and CRT: European Heart Journal (2021) 00,1 94 doi:10.1093/eurheartj/ehab364
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3. Scharf C, Li P, Muntwyler J, et al. Rate-dependent AV delay optimization in cardiac resynchronization therapy. Pacing Clin Electrophysiol. Apr 2005;28(4):279-284

Kardiologie Reviewkurs Zürich 2026 – Teil 1

Der traditionelle Zürcher Kardiologie-Reviewkurs fand dieses Jahr zum 26. Mal statt. Das von Prof. Christine Attenhofer, Prof. Franz Wolfgang Amann, Prof. Christian Schmied, Dr. Helene Hammer, PD Dr. med. S. Caselli und Dr. med. M. Giacchi (Herzgefässmedizin Hirslanden, Klinik im Park) zusammengestellte Programm stiess auf grosse Aufmerksamkeit, was die Rekordbeteiligung verdeutlicht. Namhafte Referenten aus dem Inland sowie von der Mayo Clinic in Rochester diskutierten interessante Themen aus der aktuellen kardiologischen Praxis. Dieser Bericht fasst einige der zahlreichen Referate zusammen.

Lipide – News

Patient mit erhƶhtem Lipoprotein(a) und erhƶhtem LDL-Cholesterin: Was mache ich im Alltag?

Ā«Lipoprotein(a): kleines Molekül, grosses ProblemĀ» – mit dieser Aussage führte Dr. med. Kostantinos Koskinas von der UniversitƤtsklinik für Kardiologie am Inselspital Bern in das Thema ein. Lipoprotein(a), kurz Lp(a), besteht aus zwei Komponenten: einem LDL-Ƥhnlichen Partikel mit atherogener Wirkung und einem plasminogenƤhnlichen Molekül mit prothrombotischen Eigenschaften. Dieses Molekül enthƤlt mehrere sogenannte Kringle-IV-Anteile, deren Anzahl die Grƶsse des Proteins bestimmt. Etwa 80 % der Allgemeinbevƶlkerung weisen Lp(a)-Werte unter 50 mg/dl auf, wƤhrend rund 20 % erhƶhte Werte haben. Dies gilt für MƤnner und Frauen gleichermassen. Werte über 50 mg/dl sind mit einem erhƶhten lebenslangen Risiko für schwere kardiovaskulƤre Ereignisse assoziiert.

Fallvignette

Vorgestellt wurde ein 49-jƤhriger asymptomatischer Mann ohne bekannte Herzerkrankung. Als Risikofaktoren bestanden ein Nikotinkonsum von 25 Pack Years sowie eine positive Familienanamnese: Der Vater hatte im Alter von 49 Jahren einen Myokardinfarkt erlitten.

Das Lipidprofil zeigte ein Gesamtcholesterin von 5,6 mmol/l, ein LDL-Cholesterin von 3,9 mmol/l, ein HDL-Cholesterin von 0,9 mmol/l und Triglyzeride von 1,8 mmol/l. Das gesamte kardiovaskulƤre Risiko nach SCORE2 betrug 6,4 %. GemƤss SCORE2-Empfehlungen sollte der LDL-C-Wert bei diesem Risikoprofil unter 2,6 mmol/l liegen.

Nach aktuellen Empfehlungen sollten Lp(a)-Werte über 50 mg/dl als Risikofaktor betrachtet werden, der das kardiovaskulƤre Risiko zusƤtzlich verstƤrkt. Hƶhere Werte sind mit einem stƤrkeren Risikoanstieg verbunden. Lp(a) wirkt somit als Risiko-Enhancer: Beim vorgestellten Patienten führt der erhƶhte Lp(a)-Wert zu einer Reklassifizierung vom moderaten in ein hohes kardiovaskulƤres Risiko. Daraus ergibt sich eine Ƅnderung der Behandlungsstrategie – weg von reinen Lebensstilmassnahmen hin zu einer medikamentƶsen LDL-C-senkenden Therapie mit einem Zielwert von unter 1,8 mmol/l.

Konsequenzen eines hohen Lp(a)-Wertes in der ­Primärprävention

• Potenzial für Reklassifizierung
• Indikation für frühere LDL-C-senkende Therapie
• Indikation für intensivere LDL-C senkende Therapie
• Indikation für intensiveres Management anderer Ā­kardiovaskulƤrer Risikofaktoren

Gibt es neue Lp(a)-Daten?

Erhƶhte Lp(a)-Werte sind hƤufig: Etwa 20 % der Patienten weisen ein erhƶhtes Lp(a) auf, rund 10 % ein stark erhƶhtes Lp(a).
Lp(a) kann als Risikomultiplikator verstanden werden. Werte über 50 mg/dl erhöhen das Risiko etwa um den Faktor 1,25, Werte über 75 mg/dl um den Faktor 1,5, Werte über 125 mg/dl um den Faktor 2 und Werte über 175 mg/dl um den Faktor 3. Werte über 75 mg/dl werden damit zunehmend therapierelevant. Bei niedrigem Ausgangsrisiko fällt dieser Multiplikationseffekt weniger stark ins Gewicht; bei hohem kardiovaskulärem Risiko kann bereits eine Risikoerhöhung um den Faktor 1,5 klinisch relevant sein.
Lp(a) kann durch LDL-Apherese gesenkt werden. In einer Metaanalyse wurde nach Beginn der Apherese eine Reduktion schwerer kardiovaskulƤrer Ereignisse um 80 % sowie eine Stabilisierung der KHK-Progression beschrieben. Randomisierte Studien liegen hierzu allerdings nicht vor.

Therapieoptionen zur Senkung von Lp(a)

Zu den unspezifischen Lp(a)-senkenden Therapien zƤhlen PCSK9-Inhibitoren, die Lp(a) um etwa 15–30 % senken kƶnnen. Obicetrapib, ein Cholesterinester-Transferprotein-Inhibitor, senkt Lp(a) um etwa 57 %.

Darüber hinaus befinden sich gezielt gegen Lp(a) gerichtete Therapien in klinischer Entwicklung. Dazu gehƶren Pelacarsen, ein Antisense-Oligonukleotid von Novartis, mit einer Lp(a)-Senkung von etwa 80 %, sowie mehrere siRNA-basierte AnsƤtze wie Olpasiran, Zerlasiran und Lepodisiran, die Reduktionen von etwa 94–95 % erreichen kƶnnen. Muvalaplin ist der erste oral aktive Lp(a)-Senker und kann Lp(a) um bis zu etwa 65 % reduzieren.

Als zukünftiger Therapieansatz wird auch die CRISPR-basierte Geneditierung diskutiert, mit dem Ziel eines Knock-outs des LPA-Gens, das für Apolipoprotein(a) kodiert.

Optimales Lipid Management – meine Empfehlung


Prof. Dr. med. Isabella Sudano, leitende Ƅrztin der Klinik für Kardiologie am USZ, widmete sich der primƤren PrƤvention von DyslipidƤmie – von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter. Die Leitlinien empfehlen ein gesundes ErnƤhrungsmuster, die Aufrechterhaltung eines gesunden Gewichts, gesunden Schlaf und StressbewƤltigung. Das Vermeiden von Tabakprodukten sollte ein Leben lang gefƶrdert und verstƤrkt werden, um das Risiko für DyslipidƤmie und ASCVD zu verringern (Empfehlung I/A). Das kardiovaskulƤre Risiko sollte richtig eingeschƤtzt werden. Die LDL-Zielwerte sind dem globalen Risiko gemƤss zu senken, wobei eine entsprechende Therapieempfehlung auszusprechen ist.

Sie präsentierte die Risikomodifikatoren, die neben den SCORE2- und SCORE2-OP-Algorithmen beachtet werden müssen, wie beispielsweise subklinische Koronaratherosklerose, die durch Imaging diagnostiziert wurde, oder ein erhöhter CAC-Score im CT. (Empfehlung IIa/B).

Die Referentin betonte jedoch, dass nicht die Zahlen allein, sondern die persönliche Untersuchung des Patienten entscheidend sei. «Ich muss dem Patienten in die Augen schauen», sagte sie.

Notfallmanagement

Wie diagnostiziert man einen Herzinfarkt?

Ein akuter Herzinfarkt ist lebensbedrohlich und gehört zu den häufigsten Todesursachen in der Schweiz. Wenn er frühzeitig erkannt wird, ist er sehr gut behandelbar», stellte Prof. Dr. med. Christian Müller vom Cardiovascular Research Institute der Universität Basel eingangs fest.
Akute Thoraxschmerzen kƶnnen harmlos sein, aber auch Ausdruck einer lebensbedrohlichen Erkrankung – etwa eines Myokardinfarkts, eines akuten Aortensyndroms oder einer Lungenembolie. In diesem Fall ist eine unmittelbare Einweisung auf die Intensivstation und eine Herzkatheteruntersuchung notwendig.

Akuter Thoraxschmerz

Niedriges Risiko
Ein niedriges Risiko liegt vor bei unauffälligem klinischem Setting, stabilen Vitalzeichen, normalem EKG oder allenfalls milder ST-Senkung sowie negativem Troponin ohne relevanten Anstieg innerhalb von 1, 2 oder 3 Stunden. In diesem Fall lautet die Triage-Entscheidung: Myokardinfarkt ausgeschlossen, also «Rule-out». Die Diagnose ist meist nicht-kardial.

Mittleres Risiko
Ein mittleres Risiko besteht bei entsprechender Symptomatik und stabilen Vitalzeichen, normalem EKG oder milder ST-Senkung, jedoch unklaren Troponinwerten beziehungsweise unklarem Troponinanstieg innerhalb von 1, 2 oder 3 Stunden. Auch eine ST-Depression kann in diese Risikokategorie fallen. Diese Patienten sollten beobachtet und weiter abgeklƤrt werden. Mƶgliche Diagnosen sind instabile Angina pectoris oder andere Herzerkrankungen.

Hohes Risiko
Ein hohes Risiko liegt vor bei ST-Hebung, positivem Troponin oder eindeutigem Troponinanstieg innerhalb von 1, 2 oder 3 Stunden. Hier lautet die Triage-Entscheidung «Rule-in».
Mƶgliche Diagnosen sind NSTEMI oder STEMI.

1. Stolperfalle
Bei akutem Thoraxschmerz gilt: Tel. 144 wählen, nicht primär die Hausärztin oder den Hausarzt anrufen und nicht zu Hause abwarten. «Time is muscle.»

Als Beispiel wurde ein 45-jähriger Mann vorgestellt, der sich vormittags als Walk-in-Patient mit seit 30 Minuten bestehenden thorakalen Schmerzen vorstellte. Die Schmerzen wurden als drückend beschrieben, mit einer Intensität von 6/10. Es bestanden keine Ausstrahlung und kein Schwitzen; ähnliche Beschwerden waren zuvor nie aufgetreten. Nach zwei Stunden in der Praxis war der Patient beschwerdefrei. Die Beschwerden wurden als unklare Thoraxschmerzen interpretiert, differenzialdiagnostisch wurde an eine hypertensive Entgleisung gedacht. Es wurde eine Therapie mit Amlodipin 5 mg begonnen und eine Überweisung an den Kardiologen veranlasst.

Vier Tage spƤter kam es erneut zu akutem Thoraxschmerz, nun mit einer IntensitƤt von 10/10 und Ausstrahlung in den linken Arm. Diagnostiziert wurde ein STEMI mit thrombotischem 100%-Verschluss der rechten Koronararterie.

Retrospektiv zeigte sich ein dynamischer Troponinanstieg: hs-cTnT lag bei 0 Stunden bei 11 ng/l, nach 1 Stunde bei 22 ng/l, nach 2 Stunden bei 31 ng/l und nach 3 Stunden bei 33 ng/l.

2. Stolperfalle
Es gibt zu wenige sensitive cTn-POC-Assays. 80 % aller POC-GerƤte in der Schweiz sind zu wenig sensitiv und verpassen ca. 25 % aller NSTEMI.

Als Beispiel wurde ein 61-jähriger Mann mit thorakalem Druckgefühl über eine Stunde vorgestellt. Die Schmerzintensität betrug 5/10, mit Ausstrahlung in den linken Arm. In der Anamnese bestanden paroxysmales Vorhofflimmern, eine Pulmonalvenenisolation vor vier Jahren und eine leichte Mitralinsuffizienz. Als Risikofaktoren lagen Nikotinkonsum und erhöhtes Cholesterin vor; der Patient nahm keine Medikamente ein.

Das hs-cTnT lag initial bei 4 ng/l bei einem Normwert von ≤14 ng/l. Der Patient wurde nach Hause entlassen und ambulant weiter kontrolliert. Das anschliessende Stressechokardiogramm war unauffƤllig. Der Fall unterstreicht, dass ein einzelner negativer Troponinwert nicht genügt, wenn Anamnese und klinische PrƤsentation weiterhin verdƤchtig sind.

Zusammenfassung:
Bei akutem Thoraxschmerz entscheidet die Kombination aus klinischem Setting, Symptomen, Vitalzeichen, EKG und serieller Troponinmessung über die weitere Triage. Bei niedrigem Risiko, stabilen Vitalzeichen, normalem EKG oder lediglich ­milder ST-Senkung sowie negativem Troponin ohne relevanten Anstieg innerhalb von 1 bis 3 Stunden kann ein Myokardinfarkt in der Regel ausgeschlossen werden. Die Ursache ist dann häufig nicht-kardial.

Bei mittlerem Risiko, unklaren Troponinwerten oder unklarer Dynamik sowie mƶglichen EKG-VerƤnderungen ist eine Beobachtung und weitere AbklƤrung erforderlich. Differenzialdiagnostisch kommen eine instabile Angina pectoris oder andere Herzerkrankungen infrage.

Bei hohem Risiko, ST-Hebung, positivem Troponin oder eindeutigem Troponinanstieg muss von einem akuten Koronarsyndrom ausgegangen werden. Die Triage lautet «Rule-in», mit den möglichen Diagnosen NSTEMI oder STEMI.

Diagnose der kardialen Amyloidose


Prof. Dr. Dr. med. Christoph Gräni, Leitender Arzt an der Universitätsklinik für Kardiologie des Inselspitals Bern, gab einen Überblick über die kardiale Amyloidose. Im Zentrum standen die Bildgebung zur Diagnose der ATTR-Amyloidose, typische klinische Szenarien sowie der mögliche Einsatz von Imaging und künstlicher Intelligenz zur Risikostratifikation.

Amyloidose ist eine Proteinfehlfaltungserkrankung, bei der normalerweise lƶsliche Proteine ausfallen, sich ablagern und dadurch die Organfunktion beeintrƤchtigen. Unter dem Begriff kardiale Amyloidose werden Amyloidoseformen zusammengefasst, bei denen sich fehlgefaltete Proteine, sogenannte Amyloidfibrillen, im Myokard ablagern.

Die hƤufigsten Amyloidoseformen mit kardialer Beteiligung sind die AL-Amyloidose, also die Immunglobulin-Leichtketten-Amyloidose, und die ATTR-Amyloidose, die durch Transthyretin bedingt ist. Nur ein kleiner Anteil entfƤllt auf die kardiale AL-Amyloidose; die Mehrzahl der FƤlle betrifft die ATTR-Amyloidose, die sich hƤufig als isolierte senile kardiale Amyloidose prƤsentiert.

Klinische PrƤsentation

Klinische Zeichen einer kardialen Amyloidose sind Herzinsuffizienz, Arrhythmien, Leitungsstƶrungen, Synkopen, Hypotonie und Brustschmerzen.

Die Zahl der Diagnosen hat seit 2008 deutlich zugenommen. Am Inselspital wurden in den Jahren 2019 bis 2026 etwa 450 Fälle von ATTR-Amyloidose behandelt. Diese Zunahme dürfte wesentlich auf ein gesteigertes Bewusstsein für die Erkrankung zurückzuführen sein.

Wichtige Gründe für die häufigere Diagnose sind das Erkennen klinischer Warnsignale, der gezielte Einsatz von EKG und transthorakaler Echokardiographie sowie die Berücksichtigung von Risikopopulationen wie Patienten mit HFpEF oder Aortenstenose. Zudem ist die Diagnostik heute in vielen Fällen nicht-invasiv möglich, insbesondere mittels Knochenszintigraphie und kardialer Magnetresonanztomographie.

Klinische Warnzeichen

Zu den klinischen Hinweisen zählen Dyspnoe, Fatigue und Herzinsuffizienzsymptome. Extrakardiale Hinweise können ein beidseitiges Karpaltunnelsyndrom, lumbale Spinalkanalstenose, Hüft- oder Kniearthrose, periphere Neuropathie, autonome Dysfunktion und orthostatische Hypotonie sein. Auch gastrointestinale Beschwerden wie ein Wechsel zwischen Diarrhoe und Obstipation können auftreten.

Im EKG kƶnnen eine niedrige QRS-Spannung, eine Diskrepanz zwischen QRS-Spannung und Wanddicke sowie ein Pseudoinfarktmuster auffallen. Echokardiographisch kƶnnen eine neu aufgetretene linksventrikulƤre Hypertrophie, apical sparing, eine eingeschrƤnkte longitudinale Deformation, eine erhƶhte Wanddicke des rechten Vorhofs und rechten Ventrikels sowie eine paradoxe Low-flow-low-gradient-Aortenstenose Hinweise liefern.

ATTR-Imaging

Interstitielle Amyloidablagerungen führen zu einer Verdickung des Myokards und zu einer Zunahme des extrazellulären Volumens. Anhand dieser Merkmale oder anhand von EKG-Befunden lässt sich eine Amyloidinfiltration jedoch nicht immer eindeutig von einer echten Myokardhypertrophie unterscheiden. Hier kommt der gezielten Amyloidbildgebung mit Radiotracern eine zentrale Bedeutung zu.

Knochenszintigraphie

Die Differenzialdiagnose zwischen TTR-bezogener und AL-Amyloidose kann komplex und zeitaufwendig sein. Die Ƅtiologie, das betroffene Organ und der verwendete Tracer beeinflussen die VariabilitƤt der szintigraphischen Befunde bei kardialer Amyloidose. Die 99mTc-DPD-Szintigraphie ist ein wichtiger diagnostischer Schritt bei der AbklƤrung der Differenzialdiagnose zwischen ATTR- und AL-Amyloidose bei Patienten mit dokumentierter kardialer Beteiligung.

Kardiale Magnetresonanztomographie

Die nicht-invasive kardiale Magnetresonanztomographie (CMR) weist bei kardialer Amyloidose eine hohe diagnostische Genauigkeit auf. In Kombination mit Untersuchungen auf monoklonale Proteine kann die CMR helfen, ATTR- und AL-Amyloidose mit hoher Genauigkeit zu unterscheiden. Die endomyokardiale Biopsie bleibt jedoch ein invasiver Goldstandard und ermƶglicht es, die kardiale Amyloidose von anderen Kardiomyopathien abzugrenzen, die ebenfalls mit linksventrikulƤrer Hypertrophie einhergehen kƶnnen.

ESC-Leitlinien zum Management von Kardiomyopathien

Die ESC-Leitlinien zum Management von Kardiomyopathien betonen die Bedeutung einer multimodalen Bildgebung. Zur Charakterisierung des kardialen PhƤnotyps, einschliesslich der Gewebecharakterisierung zur Erkennung nicht-ischƤmischer Myokardnarben, sind Bildgebung, persƶnliche und familiƤre Anamnese, klinische Untersuchung, Elektrokardiographie und Laboruntersuchungen gemeinsam zu interpretieren.

Bildgebungsergebnisse sollten stets im gesamten klinischen Kontext bewertet werden, einschliesslich genetischer Befunde. Bei bestimmten Mustern, etwa posterolateralem Late Gadolinium Enhancement und konzentrischer linksventrikulƤrer Hypertrophie, muss differenzialdiagnostisch auch an andere Speichererkrankungen wie Morbus Anderson-Fabry gedacht werden.

T1/T2-Mapping

T1- und T2-Mapping sowie die Bestimmung des extrazellulƤren Volumenanteils sind quantitative Verfahren der kardiovaskulƤren Magnetresonanztomographie. Sie dienen der pixelgenauen, nicht-invasiven Gewebecharakterisierung des Myokards. Mithilfe dieser Methoden kƶnnen diffuse Fibrose, Ɩdem und Amyloidinfiltration durch Messung von Relaxationszeiten und extrazellulƤrer Raumausdehnung erkannt werden. Damit unterstützen sie Diagnose, PrognoseabschƤtzung und Therapiekontrolle bei verschiedenen Kardiomyopathien und Myokarditiden.

Ein diffuses subendokardiales Late Gadolinium Enhancement im Kardio-MRT zeigt eine flächige Kontrastmittelanreicherung unterhalb der inneren Myokardschicht. Dies spricht häufig für nicht-ischämische Ursachen wie kardiale Amyloidose, bestimmte entzündliche Erkrankungen oder ausgedehnte Fibrose, da ischämische Infarkte typischerweise koronare Versorgungsgebiete betreffen.

Die Gewebecharakterisierung mittels CMR ist für Diagnose, Verlaufsbeurteilung und Risikostratifikation bei den wichtigsten Kardiomyopathie-Phänotypen von grossem Wert. Die DPD-, PYP- oder HMDP-Knochenszintigraphie beziehungsweise SPECT gilt als zentraler diagnostischer Standard für ATTR-assoziierte kardiale Erkrankungen.

Take Home Messages

• ATTR-Amyloidose wird weiterhin unterdiagnostiziert. Daher ist es entscheidend, auf klinische Warnsignale zu achten.
• Die Echokardiographie ist hƤufig die erste bildgebende Untersuchung. Bei linksventrikulƤrer Hypertrophie und hohem klinischem Verdacht sollten CMR und/oder Knochenszintigraphie folgen.
• Ein Perugini-Grad 2–3 bei fehlendem Nachweis eines monoklonalen Proteins spricht für die Diagnose einer ATTR-Kardiomyopathie.
• Doppelte Pathologien sind mƶglich, insbesondere ATTR-Amyloidose in Kombination mit Aortenstenose oder HFpEF.
• Seltene Subtypen und Überlappungen müssen berücksichtigt werden. In ausgewƤhlten FƤllen bleiben Biopsie und multimodale Bildgebung erforderlich.
• Künftig kƶnnten Bildgebung und multimodale KI-gestützte Risikostratifikation eine noch grƶssere Rolle spielen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

DĆ©nutrition et cachexie cardiaque: un dĆ©fi sous-estimĆ© dans l’insuffisance cardiaque

L’insuffisance cardiaque chronique est l’une des maladies cardiovasculaires les plus frĆ©quentes. Elle est Ć©troitement liĆ©e Ć  des syndromes associĆ©s Ć  l’alimentation tels que la dĆ©nutrition liĆ©e Ć  la maladie, la cachexie cardiaque, la sarcopĆ©nie ou la fragilitĆ©. MalgrĆ© des mĆ©canismes physiopathologiques similaires, ces syndromes doivent ĆŖtre clairement distinguĆ©s et identifiĆ©s Ć  temps dans le cadre de la prise en charge. Pour cela, il est toutefois nĆ©cessaire de sensibiliser le personnel clinique travaillant dans les soins hospitaliers et ambulatoires et d’établir le bon diagnostic. L’objectif en cardiologie devrait ĆŖtre l’intĆ©gration structurĆ©e des traitements nutritionnels et la collaboration Ć©troite avec la thĆ©rapie nutritionnelle pour les patients souffrant d’insuffisance cardiaque chronique.

Chronic heart failure is one of the most common cardiological diseases and is strongly associated with nutrition-related comorbidities such as disease-related malnutrition, cardiac cachexia, sarcopenia, and frailty. Despite similar pathomechanisms, these syndromes must be distinguished from one another and recognised in good time during treatment. However, this requires raising awareness among clinical staff working in inpatient and outpatient care, as well as accurate diagnosis. The goal should be the structured integration of nutritional treatment procedures in cardiology and close cooperation with nutritional therapy for patients with chronic heart failure.
Keywords: Heart failure, malnutrition, cachexia, sarcopenia, frailty

L’insuffisance cardiaque est un syndrome clinique dĆ» Ć  un dysfonctionnement structurel ou fonctionnel du cœur, qui s’accompagne d’une augmentation de la pression intracardiaque et/ou de symptĆ“mes d’insuffisance cardiaque au repos ou Ć  l’effort (1). La prĆ©valence de l’insuffisance cardiaque est d’environ 1 Ć  3 % de la population et augmente avec l’âge en raison de la frĆ©quence accrue des maladies cardiovasculaires, atteignant jusqu’à 16 % chez les personnes Ć¢gĆ©es de plus de 80 ans (2). Une perte de poids involontaire et une fonte musculaire, pouvant entraĆ®ner des complications telles que la dĆ©nutrition, la cachexie, la sarcopĆ©nie ou la fragilitĆ© (frailty), surviennent notamment aux stades avancĆ©s de l’insuffisance cardiaque (3). La dĆ©tection prĆ©coce et le traitement de ces syndromes mĆ©dicaux (qui sont liĆ©s entre eux, mais distincts par dĆ©finition) se trouvent au premier plan dans les directives actuelles de la SociĆ©tĆ© europĆ©enne de cardiologie sur l’insuffisance cardiaque et peuvent avoir une influence significative sur l’évolution de la maladie et la qualitĆ© de vie des patients.

Bases physiopathologiques

Une alimentation insuffisante et une perte musculaire croissante chez les patients atteints d’insuffisance cardiaque prĆ©sentent des caractĆ©ristiques physiopathologiques communes (4). Les symptĆ“mes typiques de l’insuffisance cardiaque, tels qu’une intolĆ©rance accrue Ć  l’effort et un essoufflement, augmentent la consommation d’énergie dans l’organisme, tandis que l’apport nutritionnel est rĆ©duit en raison d’une sensation de satiĆ©tĆ© prĆ©coce, de nausĆ©es accrues et d’une malabsorption gastro-intestinale due Ć  des œdĆØmes intestinaux (5). Les restrictions alimentaires souvent recommandĆ©es (p. ex. un rĆ©gime pauvre en sel) et la polypharmacie peuvent accentuer la perte d’appĆ©tit. Les adaptations neurohormonales et les rĆ©actions inflammatoires systĆ©miques qui surviennent dans le cadre d’une insuffisance cardiaque chronique Ć  un stade avancĆ© de la maladie entraĆ®nent Ć©galement un dĆ©sĆ©quilibre entre les processus mĆ©taboliques anaboliques et cataboliques (6). En particulier chez les patients atteints d’insuffisance cardiaque avancĆ©e et de Ā«cachexie cardiaqueĀ» en particulier, on observe une augmentation des marqueurs inflammatoires et des modifications hormonales (notamment CRP, TNF-α, IL-6, ghrĆ©line, GH/IGF1), qui sont Ć  leur tour associĆ©es Ć  des processus mĆ©taboliques cataboliques accrus, au stress oxydatif et Ć  une protĆ©olyse accrue (7). AssociĆ©s Ć  une activitĆ© physique rĆ©duite et Ć  une rĆ©sistance Ć  l’insuline, ces processus peuvent Ć©galement entraĆ®ner une Ā«rĆ©sistance anaboliqueĀ» dans les muscles, qui inhibe la synthĆØse des protĆ©ines musculaires et augmente la dĆ©gradation musculaire (8).

Des maladies chroniques frĆ©quentes (p. ex. le diabĆØte sucrĆ©, l’insuffisance rĆ©nale ou la BPCO) ainsi que des aspects psychosociaux (p. ex. les dĆ©ficits cognitifs, la dĆ©pression, l’isolement social) sont d’autres facteurs de risque de dĆ©nutrition et augmentent la vulnĆ©rabilitĆ© des patients. La combinaison de ces facteurs frĆ©quents dans le processus pathologique chronique, notamment l’augmentation des besoins Ć©nergĆ©tiques associĆ©e Ć  une rĆ©duction de l’apport en nutriments et en protĆ©ines, l’augmentation des processus mĆ©taboliques cataboliques et l’inactivitĆ© physique, entraĆ®ne finalement chez les patients atteints d’insuffisance cardiaque un risque accru de dĆ©velopper une dĆ©nutrition liĆ©e Ć  la maladie, une cachexie d’origine cardiaque, de la sarcopĆ©nie et de la fragilitĆ© (4).

DƩnutrition liƩe Ơ la maladie

La dĆ©nutrition est dĆ©finie comme un Ć©tat rĆ©sultant d’un apport ou d’une absorption insuffisants d’énergie et de nutriments accompagnĆ© d’une altĆ©ration des fonctions physiques et mentales (9). Outre les causes liĆ©es Ć  l’âge et au statut socio-Ć©conomique, la Ā«dĆ©nutrition liĆ©e Ć  la maladieĀ», avec ou sans inflammation, est prĆ©dominante dans notre sociĆ©tĆ©. Sa prĆ©valence de la dĆ©nutrition liĆ©e Ć  la maladie chez les personnes Ć¢gĆ©es est estimĆ©e, selon les outils d’évaluation utilisĆ©s, Ć  environ 5 % dans la population gĆ©nĆ©rale et entre 20 et 50 % chez les patients hospitalisĆ©s (10). Chez des patients souffrant d’insuffisance cardiaque, une dĆ©nutrition est Ć©galement constatĆ©e chez plus de 40 % d’entre eux (11). Plusieurs Ć©tudes ont montrĆ© qu’un Ć©tat nutritionnelĀ­ dĆ©ficient s’accompagne d’une augmentation significative des taux de morbiditĆ© et de mortalitĆ© ainsi que d’une diminution de la qualitĆ© de vie des patients (12, 13, 14). En revanche, ces derniĆØres annĆ©es, une Ć©vidence croissante tend Ć  prouver que la dĆ©nutrition reprĆ©sente un facteur de risque modifiable. L’étude EFFORT publiĆ©e en 2019 a confirmĆ© que chez les patients prĆ©sentant un risque accru de dĆ©nutrition, le risque de complications et la mortalitĆ© Ć  30 jours pouvait ĆŖtre considĆ©rablement rĆ©duit grĆ¢ce Ć  une thĆ©rapie nutritionnelle personnalisĆ©e (15). Chez les patients souffrant d’insuffisance cardiaque aiguĆ«, une intervention nutritionnelle pendant et aprĆØs une hospitalisation a Ć©galement eu un effet bĆ©nĆ©fique sur le pronostic (16). De plus, une prise en charge nutritionnelle chez les patients Ć  risque a permis de rĆ©duire la probabilitĆ© d’évĆ©nements cardiaques, la durĆ©e des sĆ©jours Ć  l’hĆ“pital et le taux de rĆ©hospitalisations (17, 18, 19). Ce dernier point peut avoir une influence considĆ©rable sur la qualitĆ© de vie liĆ©e Ć  la santĆ©, en particulier chez les patients souffrant d’insuffisance cardiaque chronique.

DƩpistage et diagnostic

Afin de dĆ©tecter une Ć©ventuelle dĆ©nutrition, il est recommandĆ© de procĆ©der dans un premier temps Ć  un dĆ©pistage systĆ©matique (20). Au cours des derniĆØres dĆ©cennies, de nombreux outils ont Ć©tĆ© dĆ©veloppĆ©s. Outre des paramĆØtres quantifiables (p. ex. le poids, la taille, l’IMC, la perte de poids involontaire), certains d’entre eux Ć©valuent Ć©galement les risques psychosociaux liĆ©s Ć  la dĆ©nutrition (p. ex. le stress psychologique, la mobilitĆ© au quotidien). Bien que la pertinence et la validitĆ© limitĆ©es de tous ces instruments doivent ĆŖtre prises en compte, ceux recommandĆ©s par l’ESPEN (European Society for Clinical Nutrition and Metabolism), tels que le MUST (Ā«Malnutrition Universal Screening ToolĀ», principalement pour les patients non hospitalisĆ©s), le MNA ou le MNA-SF (Ā«Mini Nutritional Assessment – Short FormĀ», principalement chez les personnes Ć¢gĆ©es de plus de 65 ans) ou NRS-2002 (Ā«Nutrition Risk Screening 2002Ā», principalement chez les patients hospitalisĆ©s) permettent d’identifier facilement les personnes prĆ©sentant un risque accru de dĆ©nutrition (21, 22, 23). Chez les patients souffrant d’insuffisance cardiaque, il faut tenir compte des erreurs d’interprĆ©tation dues Ć  la rĆ©tention d’eau (œdĆØmes). ƀ ce jour, aucun des instruments utilisĆ©s pour dĆ©tecter le risque ou diagnostiquer la dĆ©nutrition n’a Ć©tĆ© validĆ© chez des patients atteints d’insuffisance cardiaque. Bien que les outils de dĆ©pistage mentionnĆ©s ci-dessus permettent souvent d’évaluer correctement le risque nutritionnel, mĆŖme en cas d’insuffisance cardiaque dĆ©compensĆ©e, l’utilisation d’outils multidimensionnels (p. ex. MNA-SF) avec Ć©valuation d’informations nutritionnelles temporelles et subjectives semble particuliĆØrement importante dans ce groupe de patients (24, 25). En cas de dĆ©pistage suspect, il s’agit dans un deuxiĆØme temps de vĆ©rifier s’il existe effectivement une dĆ©nutrition. ƀ cette fin, les critĆØres diagnostiques internationalement standardisĆ©s Ā«Global Leadership In MalnutritionĀ» (GLIM) ont Ć©tĆ© publiĆ©s en 2019 (26). Pour diagnostiquer la dĆ©nutrition, il faut Ć  la fois un critĆØre phĆ©notypique (perte de poids involontaire, faible IMC, masse musculaire rĆ©duite) et un critĆØre Ć©tiologique (apport alimentaire rĆ©duit ou malassimilation, inflammation ou charge de morbiditĆ© Ć©levĆ©e). Dans un troisiĆØme temps, le degrĆ© de gravitĆ© de la dĆ©nutrition (Ā«modĆ©rĆ©eĀ» ou Ā«sĆ©vĆØreĀ») peut ĆŖtre dĆ©fini (en fonction de l’importance des critĆØres phĆ©notypiques). Il convient toutefois de souligner que les critĆØres GLIM ne remplacent pas une Ć©valuation nutritionnelle professionnelle, car une anamnĆØse dĆ©taillĆ©e et une Ć©valuation de l’état nutritionnel sont importantes pour la suite du traitement.

Traitement et suivi

Une fois le diagnostic de dĆ©nutrition posĆ© et une Ć©valuation nutritionnelle dĆ©taillĆ©e rĆ©alisĆ©e, une intervention nutritionnelle doit ĆŖtre mise en place afin de stabiliser et d’amĆ©liorer l’état nutritionnel du patient. Pour ce faire, l’apport alimentaire oral est tout d’abord optimisĆ© moyennant des repas principaux et des collations adaptĆ©s individuellement et l’ajout, selon besoin, d’aliments enrichis ou de complĆ©ments nutritionnels oraux (CNO) (20). Un suivi et une rƩƩvaluation (toutes les 24 Ć  48 heures) permettent de dĆ©tecter Ć  un stade prĆ©coce les ajustements thĆ©rapeutiques Ć©ventuellement nĆ©cessaires. Les patients qui, aprĆØs quelques jours, n’atteignent pas au moins 75 % de leurs besoins Ć©nergĆ©tiques et protĆ©iques dĆ©terminĆ©s par le biais d’une alimentation orale, doivent recevoir une nutrition entĆ©rale supplĆ©mentaire et, si leurs besoins ne sont toujours pas couverts, une nutrition parentĆ©rale complĆ©mentaire (20).

Pour estimer les besoins Ć©nergĆ©tiques individuels, il est nĆ©cessaire de dĆ©terminer la dĆ©pense Ć©nergĆ©tique totale (Total Energy Expenditure, TEE), qui se compose du mĆ©tabolisme basal (Resting Energy Expenditure, REE), de la thermogenĆØse induite par l’alimentation et des besoins Ć©nergĆ©tiques liĆ©s Ć  l’activitĆ© physique. La calorimĆ©trie indirecte Ć©tant rarement disponible dans la pratique clinique quotidienne pour mesurer le mĆ©tabolisme Ć©nergĆ©tique, on utilise gĆ©nĆ©ralement des formules (p. ex. la formule de Harris-Benedict) ou des estimations adaptĆ©es au poids (p. ex. 25–30 kcal/kgPC/jour) (20). Ces estimations peuvent constituer une base de dĆ©part pour une intervention nutritionnelle, mais doivent ĆŖtre interprĆ©tĆ©es avec une prudence particuliĆØre en raison des Ć©carts frĆ©quents par rapport Ć  la consommation Ć©nergĆ©tique rĆ©elle (27). La quantitĆ© de protĆ©ines recommandĆ©e pour les patients polymorbides est de 1,2 Ć  1,5 g/kg de poids corporel par jour, Ć  condition qu’il n’y ait pas d’insuffisance rĆ©nale grave (DFGe < 30 ml/min/1,73 m²) (20, 28). DĆØs le dĆ©but de la prise en charge nutritionnelle, il convient de garantir un apport suffisant en micronutriments pour couvrir les besoins quotidiens et de corriger toute carence documentĆ©e par des analyses de laboratoire (20, 29).

Lors du traitement d’une dĆ©nutrition, il faut Ć©galement tenir compte d’un Ć©ventuel syndrome de renutrition inappropriĆ©e (SRI). Il s’agit d’un trouble potentiellement mortel de l’équilibre Ć©lectrolytique et hydrique qui survient lorsque la rĆ©alimentation (par voie orale, entĆ©rale ou parentĆ©rale) est trop rapide ou inadĆ©quate (9). Le passage rapide d’un mĆ©tabolisme catabolique Ć  un mĆ©tabolisme anabolique peut entraĆ®ner, en particulier au cours des 72 premiĆØres heures, une hypophosphatĆ©mie sĆ©vĆØre (rĆ©duction > 30 % de la valeur initiale ou < 0,6 mmol/l), Ć  d’autres troubles Ć©lectrolytiques (notamment une carence en magnĆ©sium et en potassium) ou Ć  des dĆ©placements de liquides, qui peuvent Ć  leur tour s’accompagner de troubles fonctionnels cardiorespiratoires, hĆ©matologiques et neuromusculaires. En outre, une carence prĆ©existante en thiamine peut se manifester par une acidose lactique, une encĆ©phalopathie de Wernicke ou une insuffisance cardiaque (Ā«bĆ©ribĆ©ri humideĀ») (30). Chez les patients Ć  risque (IMC < 18,5 kg/m2, perte de poids > 10 % au cours des 3 Ć  6 derniers mois, apport alimentaire trĆØs faible ou inexistant > 5 jours, abus d’alcool ou de drogues, troubles Ć©lectrolytiques prĆ©existants), une correction Ć©lectrolytique et volumique, une supplĆ©mentation en thiamine avant le dĆ©but de la rĆ©alimentation ainsi que l’administration d’une prĆ©paration multivitaminĆ©e et d’oligo-Ć©lĆ©ments sont importantes. L’apport calorique doit en outre ĆŖtre augmentĆ© progressivement en fonction du risque sur une pĆ©riode de 5 Ć  10 jours, sous contrĆ“le chimique quotidien initial (30, 31).

Une fois le traitement hospitalier terminĆ©, la poursuite d’un traitement ambulatoire chez les patients prĆ©sentant un risque nutritionnel ou une dĆ©nutrition manifeste constitue un Ć©lĆ©ment essentiel du traitement. L’objectif est de stabiliser le poids corporel et l’état nutritionnel Ć  long terme et d’amĆ©liorer ainsi l’état fonctionnel et la qualitĆ© de vie (20).

Cachexie cardiaque

La cachexie doit ĆŖtre comprise comme une sous-forme de dĆ©nutrition liĆ©e Ć  la maladie. Elle dĆ©crit un syndrome multifactoriel caractĆ©risĆ© par une perte de poids importante accompagnĆ©e d’une diminution de la masse musculaire et du tissu adipeux, ainsi que par une inflammation liĆ©e Ć  la maladie (9). Elle survient principalement chez les patients atteints de maladies organiques (p. ex. cancers, BPCO, insuffisance cardiaque chronique ou insuffisance rĆ©nale) qui, Ć  un stade avancĆ©, s’accompagnent d’une activitĆ© mĆ©tabolique catabolique. La cachexie cardiaque est dĆ©finie par une perte de poids supĆ©rieure Ć  5 % du poids corporel en 12 mois (ou un IMC < 20 kg/m2) ainsi que par la prĆ©sence d’au moins trois autres critĆØres (diminution de la force musculaire, fatigue, anorexie, faible indice de masse maigre ou valeurs de laboratoire anormales avec anĆ©mie, marqueurs inflammatoires Ć©levĆ©s ou albumine sĆ©rique rĆ©duite) (32). La prĆ©valence est estimĆ©e Ć  environ 5-15 % chez les patients atteints d’insuffisance cardiaque, sans corrĆ©lation claire avec la fonction ventriculaire gauche (FEVG) (33, 34, 35). Les patients cachectiques prĆ©sentent une capacitĆ© fonctionnelle rĆ©duite, une qualitĆ© de vie moindre et une mortalitĆ© nettement plus Ć©levĆ©e (36, 37). En raison des processus mĆ©taboliques inflammatoires et cataboliques chroniques, la cachexie cardiaque ne peut ĆŖtre que partiellement combattue par des interventions nutritionnelles et l’activitĆ© physique. Une analyse secondaire de l’étude EFFORT a montrĆ© que les patients prĆ©sentant une inflammation importante (CRP > 100 mg/l) ne bĆ©nĆ©ficient pas de la mĆŖme maniĆØre d’une thĆ©rapie nutritionnelle pendant leur sĆ©jour Ć  l’hĆ“pital que les patients prĆ©sentant des marqueurs inflammatoires plus faibles (38).

Une prise en charge nutritionnelle au moyen d’un rĆ©gime hypercalorique et riche en protĆ©ines associĆ©e Ć  un entraĆ®nement physique reste nĆ©anmoins la mesure thĆ©rapeutique la plus importante pour les patients souffrant d’insuffisance cardiaque et prĆ©sentant une dĆ©nutrition ou une cachexie, afin de stabiliser leur poids et d’amĆ©liorer leur condition cardiorespiratoire et leur capacitĆ© fonctionnelle (39, 40). ƀ l’heure actuelle, il n’existe toutefois aucune recommandation nutritionnelle spĆ©cifique pour les patients atteints d’insuffisance cardiaque chronique et de dĆ©nutrition ou de cachexie cardiaque. Les sociĆ©tĆ©s de cardiologie recommandent en cas d’insuffisance cardiaque chronique principalement un rĆ©gime mĆ©diterranĆ©en ou un rĆ©gime DASH (Dietary Approaches to Stop Hypertension) car ceux-ci prĆ©sentent les propriĆ©tĆ©s cardioprotectrices et anti-inflammatoires les plus efficaces (41, 42, 43, 44, 45). Des repas plus frĆ©quents avec des portions plus petites peuvent contribuer Ć  Ć©viter la dyspnĆ©e postprandiale et Ć  amĆ©liorer l’observance des patients. En cas d’œdĆØmes, il conviendrait d’envisager une restriction hydrique (1,5 Ć  2 litres/jour) et une limitation de la consommation de sel (environ 5 g par jour) (1). Toutefois, l’utilitĆ© d’une restriction en sel reste controversĆ©e en raison de rĆ©sultats d’études contradictoires et d’effets nĆ©gatifs Ć©ventuels (notamment en raison d’une activation neurohumorale accrue) (46, 47, 48). La supplĆ©mentation en acides gras polyinsaturĆ©s omĆ©ga-3 (AGPI) a Ć©galement montrĆ© des effets positifs sur la fonction ventriculaire gauche, le taux de rĆ©hospitalisation et la mortalitĆ© dans certaines Ć©tudes, mais ces recommandations ont Ć©galement Ć©tĆ© attĆ©nuĆ©es en raison de donnĆ©es d’études incohĆ©rentes et d’un risque potentiellement accru de fibrillation auriculaire (49, 50, 51, 52, 53). En ce qui concerne la substitution en micronutriments, les directives cardiologiques actuelles recommandent l’administration intraveineuse de fer chez les patients atteints d’insuffisance cardiaque avec une fonction ventriculaire gauche rĆ©duite (FEVG < 40 %) et une carence en fer (ferritine sĆ©rique < 100 ng/ml ou 100-299 ng/ml avec CTS < 20 %) afin d’amĆ©liorer leur capacitĆ© d’effort et leur qualitĆ© de vie (54, 55). MalgrĆ© certaines Ć©tudes prometteuses sur d’autres micronutriments ou complĆ©ments alimentaires (p. ex. la thiamine, la coenzyme Q10), aucune recommandation claire ne peut ĆŖtre donnĆ©e Ć  ce jour concernant la supplĆ©mentation en micronutriments chez les patients atteints d’insuffisance cardiaque en raison de l’hĆ©tĆ©rogĆ©nĆ©itĆ© des donnĆ©es issues des Ć©tudes (56, 57, 58, 59, 60). En revanche, un traitement mĆ©dicamenteux Ć  base de bĆŖtabloquants, d’inhibiteurs de l’ECA et d’antagonistes des rĆ©cepteurs de l’angiotensine II a permis de retarder la perte de poids et le dĆ©veloppement d’une cachexie cardiaque, indĆ©pendamment de l’amĆ©lioration de la fonction ventriculaire gauche (61, 62). D’autres options thĆ©rapeutiques possibles, telles que les immunomodulateurs (inhibiteurs du TNF-α), les hormones anabolisantes (ghrĆ©line, testostĆ©rone) ou les substances stimulant l’appĆ©tit, ne sont pas encore utilisĆ©es dans la pratique clinique quotidienne pour traiter la cachexie, malgrĆ© des rĆ©sultats positifs isolĆ©s dans des Ć©tudes Ć  petite Ć©chelle (63).

SarcopƩnie et fragilitƩ (frailty)

Les patients atteints d’insuffisance cardiaque chronique souffrent souvent, outre de dĆ©nutrition et de cachexie cardiaque, de sarcopĆ©nie et d’une fragilitĆ© accrue (frailty). La sarcopĆ©nie est un syndrome Ć  part entiĆØre qui se caractĆ©rise par une perte progressive et gĆ©nĆ©ralisĆ©e de la force et de la masse musculaires (indĆ©pendamment de la masse grasse) et qui s’accompagne de consĆ©quences nĆ©gatives telles qu’une tendance aux chutes et des limitations fonctionnelles (64). Cette perte survient dans le cadre du processus naturel de vieillissement, mais elle est aggravĆ©e par des processus inflammatoires et hormonaux liĆ©s Ć  la maladie, une activitĆ© physique rĆ©duite et une dĆ©nutrition (en particulier due Ć  un apport insuffisant en protĆ©ines) (65, 66). La prĆ©valence chez les patients atteints d’insuffisance cardiaque est estimĆ©e entre 10 % et 69 % selon les critĆØres d’inclusion (67). En l’absence de signes cliniques typique faisant suspecter une sarcopĆ©nie, le dĆ©pistage en 5 points (SARC-F) est recommandĆ©, dont la sensibilitĆ© peut ĆŖtre amĆ©liorĆ©e par la mesure du tour du mollet (68, 69). Une mesure de la force de prĆ©hension Ć  l’aide d’un dynamomĆØtre ou, Ć  dĆ©faut, la mesure de la force musculaire des jambes Ć  l’aide du Ā«Chair-Stand-TestĀ» peut confirmer un diagnostic prĆ©sumĆ© (force de prĆ©hension < 16 kg pour les femmes et < 27 kg pour les hommes, Chair-Stand-Test < 15 secondes) (64). Pour Ć©tablir le diagnostic dĆ©finitif, on procĆØde ensuite Ć  la mesure de la masse musculaire (masse maigre appendiculaire, ALM), pour laquelle on peut utiliser l’analyse d’impĆ©dance bioĆ©lectrique (BIA), l’absorptiomĆ©trie biphotonique Ć  rayons X (DEXA) ou des techniques d’imagerie (IRM, CT). En cas d’indice relatif de masse musculaire squelettique (SMI) < 5,5 kg/m2 chez les femmes ou < 7 kg/m2 chez les hommes, la sarcopĆ©nie est confirmĆ©e (64). La classification du degrĆ© de gravitĆ© peut ĆŖtre effectuĆ©e Ć  l’aide d’examens fonctionnels supplĆ©mentaires (vitesse de marche, test Timed-up-and-go, SPPB ou test de marche de 400 m) (64). Le simple constat d’une force musculaire rĆ©duite devrait dĆ©jĆ  inciter Ć  rechercher les causes et Ć  commencer un traitement. ƀ cet Ć©gard, plusieurs Ć©tudes ont montrĆ© que la combinaison d’un entraĆ®nement en force (musculation) et d’un apport accru en protĆ©ines peut avoir des effets positifs sur la prĆ©vention et le traitement de la sarcopĆ©nie (70, 71, 72, 73, 74). La substitution de protĆ©ines Ć  forte teneur en leucine (p. ex. les protĆ©ines de lactosĆ©rum) serait associĆ©e Ć  d’autres effets positifs sur la synthĆØse des protĆ©ines musculaires (75, 76).

La fragilitĆ© (frailty) est souvent considĆ©rĆ©e comme un syndrome biologique ou gĆ©riatrique caractĆ©risĆ© par une perte des fonctions physiques et des capacitĆ©s cognitives. Son diagnostic repose principalement sur les critĆØres phĆ©notypiques dĆ©finis par Fried (3 critĆØres sur 5: perte de poids involontaire > 5 kg/an, diminution de la force musculaire ou manuelle, lenteur de la marche, rĆ©duction de l’activitĆ© physique, sensation subjective d’épuisement) et sur le modĆØle dĆ©ficitaire de Rockwood (dĆ©termination d’un indice de fragilitĆ© Ć  partir des limitations fonctionnelles, cognitives et sociales) (77, 78). Il convient toutefois de souligner que la fragilitĆ© ne doit pas ĆŖtre considĆ©rĆ©e uniquement comme un processus physiologique liĆ© Ć  l’âge. Les patients souffrant d’insuffisance cardiaque en particulier, prĆ©sentent trĆØs souvent un Ć©tat indĆ©pendant de l’âge, qui comprend des domaines cliniques, fonctionnels, cognitifs, psychologiques et sociaux, entraĆ®nant une vulnĆ©rabilitĆ© accrue aux facteurs de stress endogĆØnes ou exogĆØnes (p. ex. inflammations lĆ©gĆØres, interventions mineures, ajustements mĆ©dicamenteux) (79). La prĆ©sence d’une fragilitĆ© est donc un facteur supplĆ©mentaire qui influence nĆ©gativement le pronostic des patients atteints d’insuffisance cardiaque en raison de taux de morbiditĆ© et de mortalitĆ© plus Ć©levĆ©s (80, 81, 82).

Dans le cadre du traitement, il est donc judicieux d’identifier prĆ©cocement ce groupe de patients vulnĆ©rables Ć  l’aide d’outils d’évaluation multidimensionnels (p. ex. Clinical Frailty Scale, Essential Frailty Toolset) afin de traiter de maniĆØre adĆ©quate les facteurs potentiellement rĆ©versibles tels que la dĆ©nutrition ou la sarcopĆ©nie par des interventions nutritionnelles individuelles et un entraĆ®nement physique, idĆ©alement dans le cadre d’une rĆ©adaptation cardiaque (83, 84, 85).

Conclusion

En rĆ©sumĆ©, dans le traitement des patients atteints d’insuffisance cardiaque chronique, il est essentiel que la thĆ©rapie ne se limite pas Ć  des mesures interventionnelles ou mĆ©dicamenteuses. La dĆ©tection prĆ©coce de la dĆ©nutrition liĆ©e Ć  la maladie et des syndromes associĆ©s frĆ©quents tels que la cachexie cardiaque, la sarcopĆ©nie ou la fragilitĆ© (frailty) est d’une importance capitale pour l’évolution de la maladie et du traitement. C’est pourquoi la mise en place de protocoles thĆ©rapeutiques structurĆ©s intĆ©grant des interventions nutritionnelles, la sensibilisation et la formation systĆ©matique du personnel clinique ainsi qu’une collaboration Ć©troite avec les spĆ©cialistes en thĆ©rapie nutritionnelle devraient faire partie intĆ©grante du traitement de l’insuffisance cardiaque chronique.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG
Cet article est une traduction de Ā«der informierte arzt – die informierte ƤrztinĀ» 02_2026

Dr Marvin Grossmann, MHBA

SpƩcialiste en cardiologie et
mƩdecine interne gƩnƩrale,
Responsable de la rƩadaptation
cardiovasculaire stationnaire
Inselspital, Centre de rƩadaptation et de mƩdecine sportive
Freiburgstrasse 18, 3010 Berne

L’auteur n’a pas dĆ©clarĆ© de conflit d’intĆ©rĆŖts en rapport avec cet article.

La dĆ©nutrition, la cachexie, la sarcopĆ©nie et la fragilitĆ© sont des syndromes concomitants frĆ©quents, souvent nĆ©gligĆ©s, de l’insuffisance cardiaque chronique et sont directement liĆ©s Ć  une morbiditĆ© et une mortalitĆ© accrues ainsi qu’à une qualitĆ© de vie rĆ©duite.

Le diagnostic de la dénutrition doit suivre une approche en trois étapes: dépistage (p. ex. MNA-SF, NRS-2002), confirmation du diagnostic selon les critères GLIM, puis évaluation nutritionnelle complète pour planifier le traitement.

La combinaison d’une thĆ©rapie nutritionnelle personnalisĆ©e, d’un entraĆ®nement physique et d’une prise en charge multiprofessionnelle, idĆ©alement dans le cadre d’un programme de rĆ©adaptation structurĆ©, est essentielle pour amĆ©liorer durablement la qualitĆ© de vie et le pronostic des patients atteints d’insuffisance cardiaque.

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Psychostimulants et vieillissement – repenser le traitement du TDAH tardif

Le trouble du dĆ©ficit de l’attention avec ou sans hyperactivitĆ© (TDAH) est un trouble neurodĆ©veloppemental frĆ©quent pouvant persister jusqu’à un Ć¢ge avancĆ©. Sa prise en charge chez la population gĆ©riatrique demeure peu documentĆ©e et codifiĆ©e. En pratique clinique, le traitement pharmacologique du TDAH tend, pour des raisons essentiellement assĆ©curologiques, Ć  s’interrompre avant 60 ans, alors mĆŖme que les symptĆ“mes persistent dans la majoritĆ© des cas. L’utilisation de psychostimulants chez le sujet Ć¢gĆ© soulĆØve des questions de pertinence et de risque cardiovasculaire. Cet article propose une approche clinique de l’utilisation de psychostimulants chez le sujet Ć¢gĆ©.

Attention-deficit/hyperactivity disorder (ADHD) is a common neurodevelopmental disorder that may persist into older age. However, its management in the geriatric population remains poorly documented and insufficiently standardized. In clinical practice, pharmacological treatment of ADHD often tends to be discontinued before the age of 60, mainly for insurance-related reasons, even though symptoms persist in most cases. The use of psychostimulants in older adults raises questions regarding their clinical relevance and potential cardiovascular risks. This article proposes a clinical approach to the use of psychostimulants in older adults.
Keywords: TDAH, MƩthylphƩnidate, Risque cardiovasculaire, Psychiatrie gƩriatrique, Bonne pratique

Introduction

Le trouble du dĆ©ficit de l’attention avec ou sans hyperactivitĆ© (TDAH) est caractĆ©risĆ© par une triade associant inattention persistante, hyperactivitĆ© et impulsivitĆ© (1). Le TDAH dĆ©bute durant l’enfance et peut persister Ć  l’âge adulte, avec parfois une diminution progressive de l’intensitĆ© symptomatique au fil du temps (2). Chez certains patients, des symptĆ“mes cliniquement significatifs peuvent ĆŖtre observĆ©s Ć  un Ć¢ge avancĆ©, bien que les donnĆ©es spĆ©cifiques au-delĆ  de 65 ans restent limitĆ©es.

Chez l’adulte, l’intensitĆ© des symptĆ“mes n’est pas homogĆØne au cours de la vie. Elle peut ĆŖtre modulĆ©e par des facteurs environnementaux. En particulier, l’activitĆ© professionnelle, lorsqu’elle s’exerce dans des environnements structurĆ©s et hautement stimulants, peut constituer un facteur de compensation partielle du TDAH pendant de nombreuses annĆ©es. ƀ l’inverse, l’arrĆŖt de cette stimulation structurante Ć  l’âge de la retraite peut rĆ©vĆ©ler ou majorer des symptĆ“mes jusque-lĆ  contenus. Cette observation clinique est cohĆ©rente avec les modĆØles d’autorĆ©gulation du TDAH, qui soulignent l’importance des contraintes environnementales et des renforcements externes dans la modulation symptomatique (3). Avec l’avancĆ©e en Ć¢ge, les structures de soutien qui ont permis Ć  certains adultes atteints de TDAH de s’adapter peuvent progressivement s’effriter, voire disparaĆ®tre, notamment en cas de perte ou de maladie du conjoint, de dĆ©part des enfants jouant un rĆ“le de soutien, ou de rĆ©duction des capacitĆ©s Ć  maintenir une activitĆ© physique rĆ©guliĆØre. Ces changements peuvent contribuer Ć  une dĆ©compensation tardive des symptĆ“mes. Par ailleurs, le vieillissement s’accompagne d’une diminution progressive de la flexibilitĆ© et des rĆ©serves cognitives, ce qui peut rĆ©duire les capacitĆ©s de compensation face aux exigences attentionnelles et exĆ©cutives (4). Chez les personnes prĆ©sentant un TDAH sous-jacent, cette rĆ©duction des ressources cognitives peut ainsi favoriser l’émergence ou l’aggravation progressive des symptĆ“mes.
Chez les femmes, certaines pĆ©riodes de transition hormonale, comme la prĆ©mĆ©nopause et la mĆ©nopause, pourraient Ć©galement influencer l’expression des symptĆ“mes. Les œstrogĆØnes modulent en effet les processus cognitifs dĆ©pendants de la dopamine, notamment les fonctions exĆ©cutives et l’attention, suggĆ©rant que leur diminution pourrait contribuer Ć  une majoration des symptĆ“mes du TDAH (5).

Sur le plan Ć©pidĆ©miologique, la prĆ©valence du TDAH est estimĆ©e en Europe entre 2 et 4 % chez l’adulte (6). En revanche, les donnĆ©es concernant les sujets Ć¢gĆ©s demeurent limitĆ©es. Cette lacune s’explique en grande partie par un sous-diagnostic historique du TDAH dans cette population. Celui-ci est liĆ© Ć  une reconnaissance tardive du trouble et Ć  des biais de cohorte, les gĆ©nĆ©rations plus Ć¢gĆ©es n’ayant pas bĆ©nĆ©ficiĆ© des critĆØres diagnostiques actuels (1).

La prise en charge du TDAH repose sur une approche multimodale, au sein de laquelle le traitement pharmacologique occupe une place centrale. Les recommandations cliniques europĆ©ennes soulignent la place centrale du traitement pharmacologique dans la prise en charge du TDAH chez l’adulte. Les psychostimulants constituent les traitements de premiĆØre intention, le mĆ©thylphĆ©nidate Ć©tant recommandĆ© comme molĆ©cule de premier choix en Suisse en raison de son efficacitĆ© dĆ©montrĆ©e et de son profil de tolĆ©rance globalement favorable (7). En Suisse, la lisdexamfĆ©tamine est l’autre psychostimulant disponible pour traiter le TDAH chez l’adulte, gĆ©nĆ©ralement utilisĆ© lorsque le mĆ©thylphĆ©nidate n’est pas suffisamment efficace ou mal tolĆ©rĆ©. Le problĆØme qui se pose est que ces donnĆ©es reposent majoritairement sur des populations jeunes ou d’âge moyen. Leur extrapolation aux patients Ć¢gĆ©s demeure donc incertaine pour les cliniciens. Ce constat soulĆØve la question de la place et de la sĆ©curitĆ© d’utilisation du mĆ©thylphĆ©nidate et de la lisdexamphĆ©tamine chez les sujets Ć¢gĆ©s. Dans ce contexte, cet article se focalise sur l’utilisation de formulations Ć  base de mĆ©thylphĆ©nidate chez les patients de plus de 65 ans, en mettant l’accent sur les donnĆ©es disponibles concernant leur tolĆ©rance et leur sĆ©curitĆ© d’emploi. Le terme mĆ©thylphĆ©nidate sera utilisĆ© dans le reste de l’article.

TDAH et vieillissement: une rƩalitƩ clinique sous-estimƩe

En pratique clinique, les psychiatres prenant en charge des patients Ć¢gĆ©s de plus de 65 ans prĆ©sentant un TDAH se heurtent Ć  deux obstacles majeurs lorsqu’un traitement par mĆ©thylphĆ©nidate est envisagĆ©. Le premier concerne les limitations de remboursement en Suisse pour cette tranche d’âge. En effet, certaines formulations Ć  courte durĆ©e d’action ne sont remboursĆ©es que chez l’enfant et l’adolescent (par exemple la Ritaline ou le Medikinet), tandis que plusieurs formulations Ć  libĆ©ration prolongĆ©e (telles que la Concerta ou la Focaline) ne sont remboursĆ©es que jusqu’à l’âge de 65 ans. Ces restrictions limitent l’accĆØs au traitement chez les patients plus Ć¢gĆ©s. Le second relĆØve des prĆ©occupations relatives Ć  la sĆ©curitĆ© cardiovasculaire, notamment le risque d’infarctus du myocarde, d’accident vasculaire cĆ©rĆ©bral ou d’arythmie chez des patients perƧus comme fragilisĆ©s par l’âge.

Si l’argument de la productivitĆ© et de l’apprentissage est frĆ©quemment avancĆ© dans la prise en charge du TDAH chez l’enfant et l’adulte jeune, les enjeux chez le sujet Ć¢gĆ© ne se limitent pas Ć  la performance cognitive. Le TDAH s’accompagne frĆ©quemment d’impulsivitĆ© persistante et d’une labilitĆ© Ć©motionnelle marquĆ©e, avec des rĆ©percussions significatives sur les relations interpersonnelles (3). Ne pas traiter efficacement un patient Ć¢gĆ© atteint de TDAH peut contribuer Ć  un isolement social, favoriser la survenue de comorbiditĆ©s psychiatriques telles que les Ć©pisodes dĆ©pressifs caractĆ©risĆ©s ou les troubles anxieux, et altĆ©rer l’hygiĆØne de vie (8). Certaines donnĆ©es suggĆØrent par ailleurs une association entre TDAH tardif et maladies physiques chroniques ainsi qu’une perception subjective de santĆ© plus dĆ©favorable (8).
La question du traitement du TDAH chez le sujet Ć¢gĆ© ne se rĆ©sume pas Ć  une simple Ć©valuation du risque mĆ©dicamenteux, mais doit intĆ©grer les consĆ©quences fonctionnelles, psychologiques et sociales d’une absence de prise en charge.

Le risque cardiovasculaire: une crainte lƩgitime mais parfois disproportionnƩe

L’évaluation du risque cardiovasculaire constitue l’un des principaux freins Ć  l’utilisation des psychostimulants chez le sujet Ć¢gĆ©. Cette prudence est lĆ©gitime dans une population dont le risque cardiovasculaire de base augmente avec l’âge (9).

Avant tout, il convient de ne pas considĆ©rer les patients gĆ©riatriques comme un ensemble homogĆØne. La littĆ©rature distingue classiquement les 65–74 ans (Ā«jeunes vieuxĀ»), les 75–84 ans et les sujets de 85 ans et plus (9).

ƀ mesure que l’âge avance, la rĆ©serve physiologique diminue et la prĆ©valence des comorbiditĆ©s cardiovasculaires augmente, ce qui peut rĆ©duire la tolĆ©rance aux substances susceptibles d’augmenter la frĆ©quence cardiaque et la pression artĆ©rielle.

De grandes cohortes longitudinales ont montrĆ© une augmentation marquĆ©e de l’incidence de la fibrillation auriculaire, des accidents vasculaires cĆ©rĆ©braux et de l’insuffisance cardiaque avec l’avancĆ©e en Ć¢ge, en particulier aprĆØs 75 ans (10). Une revue synthĆ©tique souligne Ć©galement l’augmentation de la charge cardiovasculaire aprĆØs 75 ans, en lien avec la rigidification artĆ©rielle et l’altĆ©ration de la fonction diastolique, Ć©lĆ©ments clĆ©s de la vulnĆ©rabilitĆ© cardiovasculaire du sujet Ć¢gĆ© (10).

NĆ©anmoins, plusieurs autres Ć©tudes menĆ©es chez les personnes Ć¢gĆ©es rapportent des rĆ©sultats nuancĆ©s et hĆ©tĆ©rogĆØnes concernant le risque cardiovasculaire associĆ© Ć  la prise de psychostimulants. L’étude de Tadrous et al., menĆ©e sur une large cohorte de sujets Ć¢gĆ©s de 66 ans et plus, montre que l’initiation d’un traitement stimulant est associĆ©e Ć  une augmentation modĆ©rĆ©e du risque cardiovasculaire au cours des 30 premiers jours (HR ā‰ˆ 1,4), sans excĆØs de risque significatif Ć  6 ou 12 mois. Le surrisque apparaĆ®t donc prĆ©coce et transitoire. Il est important de rappeler que les patients inclus prĆ©sentaient frĆ©quemment une hypertension artĆ©rielle, un diabĆØte ou des antĆ©cĆ©dents cardiovasculaires, tandis que les sujets les plus fragiles Ć©taient exclus (11). D’autres mĆ©ta-analyses invitent Ć  une vigilance clinique, sans mettre en Ć©vidence d’augmentation claire du risque de mort subite, d’arythmie, d’accident vasculaire cĆ©rĆ©bral, d’infarctus du myocarde ou de mortalitĆ© globale sous traitement du TDAH. Un lĆ©ger surrisque, en particulier pour les troubles du rythme, ne peut ĆŖtre totalement exclu (12). Des signaux similaires ont Ć©galement Ć©tĆ© rapportĆ©s dans des populations plus jeunes traitĆ©es par psychostimulants, notamment dans une cohorte d’adultes exposĆ©s au mĆ©thylphĆ©nidate (13), suggĆ©rant que ce phĆ©nomĆØne ne semble pas spĆ©cifique au sujet Ć¢gĆ©.

En conclusion, chez les adultes plus Ć¢gĆ©s, les psychostimulants semblent globalement bien tolĆ©rĆ©s lorsqu’ils sont prescrits avec prudence, mĆŖme si des essais contrĆ“lĆ©s restent nĆ©cessaires pour confirmer ces observations (14). Les diffĆ©rentes Ć©tudes disponibles plaident en faveur d’une vigilance, reposant sur une Ć©valuation cardiovasculaire initiale et un suivi rĆ©gulier de la frĆ©quence cardiaque et de la pression artĆ©rielle (Tab. 1).

Approche clinique décisionnelle chez le sujet âgé

La question de l’efficacitĆ© du mĆ©thylphĆ©nidate chez le sujet Ć¢gĆ© se pose lĆ©gitimement. Les recommandations europĆ©ennes chez l’adulte ne rapportent pas de diminution de l’efficacitĆ© des psychostimulants avec l’âge, malgrĆ© le manque de donnĆ©es spĆ©cifiques chez les personnes Ć¢gĆ©es (7). Au vu des donnĆ©es disponibles dans la littĆ©rature et de notre expĆ©rience clinique, l’exclusion systĆ©matique du mĆ©thylphĆ©nidate chez le sujet Ć¢gĆ© ne paraĆ®t pas justifiĆ©e sur le seul critĆØre de l’âge chronologique. Il convient de distinguer au moins deux profils cliniques.

Le premier concerne les patients diagnostiquĆ©s avant 65 ans, ayant bĆ©nĆ©ficiĆ© d’un traitement psychostimulant avec une bonne tolĆ©rance et un bĆ©nĆ©fice fonctionnel clair. Chez ces patients, la question porte principalement sur la poursuite du traitement aprĆØs 60–65 ans, dans une logique de rƩƩvaluation rĆ©guliĆØre du rapport bĆ©nĆ©fice/risque et de surveillance cardiovasculaire adaptĆ©e.

Le second profil correspond aux patients jamais diagnostiquĆ©s auparavant et sollicitant un bilan tardif. Si le diagnostic est confirmĆ©, l’introduction d’un traitement psychostimulant ne nous paraĆ®t gĆ©nĆ©ralement pas indiquĆ©e en premiĆØre intention. Le fait qu’un patient ait pu maintenir un fonctionnement personnel et socioprofessionnel stable jusqu’à un Ć¢ge avancĆ© suggĆØre souvent une sĆ©vĆ©ritĆ© modĆ©rĆ©e du trouble ou la mise en place de stratĆ©gies compensatoires efficaces. Dans ce contexte, l’exposition Ć  un traitement stimulant, au regard du risque cardiovasculaire croissant avec l’âge, doit ĆŖtre discutĆ©e avec prudence et rĆ©servĆ©e aux situations de retentissement fonctionnel marquĆ© ou de trajectoire de vie chaotique.

D’un autre cĆ“tĆ©, il est vrai que l’âge ne peut ĆŖtre totalement ignorĆ© dans la prise de dĆ©cision. Nous avons dĆ©jĆ  affirmĆ© plus haut qu’un patient de 65 ans ne prĆ©sente pas le mĆŖme profil de risque cardiovasculaire qu’un patient de 85 ans. L’indication d’un traitement psychostimulant ainsi que l’intensitĆ© de la surveillance doivent donc ĆŖtre adaptĆ©es Ć  l’âge et aux comorbiditĆ©s du patient, en particulier aux Ć¢ges trĆØs avancĆ©s (Tab. 2).

La surveillance cardiovasculaire fait dĆ©jĆ  partie des recommandations internationales standards lors de l’initiation d’un traitement stimulant, indĆ©pendamment de l’âge (15).

En cas de profil cardiovasculaire, l’introduction d’un psychostimulant doit ĆŖtre Ć©vitĆ©e ou discutĆ©e de maniĆØre collĆ©giale. Une concertation interdisciplinaire permet de sĆ©curiser la dĆ©cision thĆ©rapeutique et d’adapter la prise en charge aux spĆ©cificitĆ©s du patient Ć¢gĆ©. Les facteurs liĆ©s au mode de vie: tabagisme actif, obĆ©sitĆ©, sĆ©dentaritĆ© doivent Ć©galement ĆŖtre intĆ©grĆ©s dans la balance bĆ©nĆ©fice/risque.

ModalitƩs pratiques et prƩcautions de prescription

Chez le sujet Ć¢gĆ©, les formes Ć  libĆ©ration prolongĆ©e (LP) sont Ć  privilĆ©gier afin de limiter les fluctuations plasmatiques, rĆ©duire les pics tensionnels et Ć©viter un rebond symptomatique vespĆ©ral. Le traitement dĆ©bute Ć  faible dose, Ć  5–10 mg/j de mĆ©thylphĆ©nidate, selon le principe Ā«start low, go slowĀ». Les donnĆ©es observationnelles suggĆ©rant un surrisque cardiovasculaire prĆ©coce aprĆØs l’initiation des psychostimulants chez les sujets Ć¢gĆ©s (11) plaident en faveur d’une titration lente, avec une rƩƩvaluation clinique attentive au cours du premier mois. Une pĆ©riode d’observation prolongĆ©e, de l’ordre de minimum quatre semaines, permet d’évaluer la tolĆ©rance et le bĆ©nĆ©fice clinique avant toute adaptation posologique. Une augmentation progressive peut ĆŖtre envisagĆ©e en cas de rĆ©ponse insuffisante, en tenant compte du profil individuel du patient.

Les modifications pharmacocinĆ©tiques et pharmacodynamiques liĆ©es au vieillissement peuvent contribuer Ć  une rĆ©ponse clinique obtenue Ć  des posologies plus faibles que chez l’adulte plus jeune, justifiant une titration prudente et individualisĆ©e.

Un ECG de base est recommandĆ© avant l’instauration du traitement, avec exclusion prĆ©alable d’un glaucome ou d’une hyperthyroĆÆdie. Une surveillance rĆ©guliĆØre de la pression artĆ©rielle et de la frĆ©quence cardiaque est indiquĆ©e, en particulier durant les premiĆØres semaines de traitement.

Les effets indĆ©sirables sont le plus souvent lĆ©gers et transitoires, dominĆ©s par une diminution de l’appĆ©tit et des troubles du sommeil. Une surveillance pondĆ©rale est recommandĆ©e. En cas d’insomnie, la mĆ©latonine peut ĆŖtre proposĆ©e, tandis que les benzodiazĆ©pines sont Ć  Ć©viter en raison du risque de chute et de confusion.

Repenser un traitement passe par un bon Ā­diagnostic

Chez le sujet Ć¢gĆ©, le diagnostic de trouble du dĆ©ficit de l’attention avec ou sans hyperactivitĆ© (TDAH) doit ĆŖtre posĆ© avec une prudence particuliĆØre. ƀ cet Ć¢ge, le diagnostic diffĆ©rentiel avec un trouble neurocognitif, en particulier d’origine neurodĆ©gĆ©nĆ©rative, s’impose de maniĆØre immĆ©diate (1).

De faƧon classique, la maladie d’Alzheimer, qui constitue le trouble neurodĆ©gĆ©nĆ©ratif le plus frĆ©quent, affecte en premier lieu la mĆ©moire Ć©pisodique plutĆ“t que l’attention dans ses phases initiales (16). Les plaintes attentionnelles chez le sujet Ć¢gĆ© peuvent Ć©galement relever d’un Ć©pisode dĆ©pressif, d’un trouble anxieux ou encore du vieillissement cognitif normal.

Dans ce contexte, poser un diagnostic de TDAH aprĆØs 65 ans constitue un vĆ©ritable dĆ©fi clinique et exige une dĆ©marche diagnostique rigoureuse. Le caractĆØre neurodĆ©veloppemental du TDAH impose de rechercher la prĆ©sence de symptĆ“mes dĆØs l’enfance ou l’adolescence, leur persistance au cours de la vie ainsi que leurs expressions dans plusieurs contextes de vie.

Il convient de prĆ©ciser qu’un trouble neurocognitif n’exclut pas la prĆ©sence d’un TDAH, les deux entitĆ©s pouvant coexister chez un mĆŖme patient (8).

Enfin, le traitement du TDAH ne saurait ĆŖtre exclusivement pharmacologique. Il implique Ć©galement des interventions environnementales et comportementales, parmi lesquelles le maintien d’une activitĆ© physique rĆ©guliĆØre, reconnue pour ses effets bĆ©nĆ©fiques sur les systĆØmes dopaminergiques (17), une psychoĆ©ducation sur le TDAH ainsi qu’une psychothĆ©rapie cognitivo-comportementale.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Dr Oussama Latroche

MƩdecin chef de clinique
HÓpitaux universitaires de Genève (HUG)
DĆ©partement de psychiatrie – Service de psychiatrie gĆ©riatrique – Centre
ambulatoire de psychiatrie et de psychothĆ©rapie de l’âgĆ©
FacultĆ© de mĆ©decine – UniversitĆ© de GenĆØve
Rue des Ɖpinettes 10, 1227 Carouge, Suisse

Pr Nader Perroud

Chef de service
HÓpitaux universitaires de Genève (HUG)
DĆ©partement de psychiatrie – Service des mesures institutionnelles
FacultĆ© de mĆ©decine – UniversitĆ© de GenĆØve
Rue Gabrielle-Perret-Gentil 4, 1205 Geneva

Pr Paul G. Unschuld

Chef de service
HÓpitaux universitaires de Genève (HUG)
DĆ©partement de psychiatrie – Service de psychiatrie gĆ©riatrique
FacultĆ© de mĆ©decine – UniversitĆ© de GenĆØve
Chemin du Petit-Bel-Air 2, 1226 ThƓnex, Suisse

Oussama Latroche n’a aucun conflit d’intĆ©rĆŖt Ć  dĆ©clarer.

Nader Perroud a reƧu des honoraires pour des confƩrences soutenues par Takeda, Salmon-Pharma/Medice.

Paul Unschuld n’a aucun conflit d’intĆ©rĆŖt Ć  dĆ©clarer.

Le TDAH peut persister aprĆØs 65 ans et avoir un retentissement fonctionnel significatif.

La poursuite du mĆ©thylphĆ©nidate peut ĆŖtre envisagĆ©e entre 65 et 74 ans chez des patients ayant un diagnostic Ć©tabli, un bĆ©nĆ©fice fonctionnel antĆ©rieur documentĆ© et une bonne tolĆ©rance, sous rĆ©serve d’une titration lente et surveillance cardiovasculaire.

L’initiation tardive d’un psychostimulant doit rester exceptionnelle et limitĆ©e aux situations de retentissement fonctionnel majeur.

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Methylome and Chromosomal Copy Number Profiling for Precision Oncology: Are You Ready?

Over the past decade, the availability of DNA methylation analyses has not only led to major advances in diagnostic tumor classification, but has also brought about significant improvements in oncological management through optimized stratification of tumor patients. The interpretation of results is largely based on the comparison of a tissue sample with thousands of reference cases. This comparison is typically performed using supervised or unsupervised machine learning, whereby the composition and quality of the available reference data sets determine the diagnostic granularity. In addition to the diagnosis of tumors of the nervous system, this approach mitigates further challenges, e.g., in organ mapping in CUP syndrome, low-invasive tumor detection in cerebrospinal fluid or other body fluids (so-called «liquid biopsy»), as well as grading of tumors and their prognostic stratification. Enabling broad access to clinicians, native tissue and liquid biopsies can easily be shipped at room temperature in cytological and liquid biopsy preservation media.

Die Verfügbarkeit von DNA-Methylomanalysen hat in den zurückliegenden 10 Jahren nicht nur zu entscheidenden Fortschritten in der diagnostischen Tumorklassifikation geführt, sondern durch optimierte Stratifizierung von Tumorpatienten auch signifikante Verbesserungen des onkologischen Managements mit sich gebracht. Die Befundauswertung beruht derzeit überwiegend auf dem Datenabgleich einer Gewebeprobe mit tausenden Referenzfällen. Dieser Abgleich erfolgt typischerweise mittels supervidiertem oder unsupervidiertem maschinellen Lernen, wobei die Zusammensetzung und Qualität der Kurierung der zur Verfügung stehenden Referenzdatensätze die diagnostische Granularität determinieren. Neben der Diagnostik von Tumoren des Nervensystems löst dieser Ansatz weitere Herausforderungen, beispielsweise bei der Organzuordnung beim CUP-Syndrom, der gering-invasiven Tumor-Detektion im Liquor oder anderen Körperflüssigkeiten (sog. «liquid biopsy»), wie auch der Dignitätseinstufung von Tumoren und deren prognostischer Stratifizierung. Die Methode ist für die Klinik breit verfügbar, da natives Gewebe und «liquid biopsies» in zytologischen bzw. für «liquid biopsy» vorgesehenen Medien bei Raumtemperatur mit der Post versandt werden können.
Keywords: DNA-methylation, Liquid Biopsy (CSF/cfDNA), tumor classification

Same-Day Tumor Classification

Even before the Heidelberg brain tumor classifier (1), utilizing DNA methylation-specific microarrays, was released in 2018, the underlying reference brain tumor database draft was made available for nanopore sequencing data, enabling same-day tumor classification (2). Subsequently, this approach was successfully adapted for routine use (3) and also expanded into the non-CNS tumor spectrum (4–6). A proof-of-concept study from Norway demonstrated feasibility even for intraoperative diagnostics during open brain surgery (7, 8), which has since then been recapitulated in larger cohorts by several centers (9). Despite its clinical significance, the approach remains hindered by rapid product cycles of the manufacturer (Oxford Nanopore Technologies) which can compromise the supply chain of sequencing hardware and reagents. Hence, routine use currently remains so far limited to academic institutions with required technological expertise at hand to continuously adapt their diagnostic workflows.

Robust Tumor Typing for Everyone

As anticipated during the early years of brain tumor methylation classification, the 2021 edition of the WHO CNS tumor classification (10) has dramatically gained in granularity. Beyond the Heidelberg classifier, a plethora of additional classifiers has emerged, with the shortcoming that these systems often behave like Ā«black boxesĀ». This lack of transparency in decision-making processes impedes clinical implementation of gained information. Recent work from our lab (11) now democratizes patient-centered methylome and copy number profiling (Fig. 1). In addition to static supervised (1, 2, 12) and unsupervised (5) classification algorithms, tumor methylome array data can now be examined on a standard office computer. This very recent development now enables relevant insights into individual tumors, such as information on potentially targetable chromosomal gains and losses, available to clinical oncologists in real-time.

From a practical perspective, native tissue and body fluids can be submitted by regular mail at room temperature using preservation media (tissue in ThinPrepĀ® or SurePathĀ® / liquid biopsies in Streck BCTĀ® tubes), enabling universal clinical access (5). Of note, formalin is unsuitable for nanopore sequencing, as it fragments the DNA. According to previous experience, cost approval is not required.

Why Expand Methylome Analysis into Liquids?

The Ā«liquid biopsyĀ» concept was practically introduced with PSA screening for early prostate cancer detection, at that time under the umbrella term Ā«biomarker screeningĀ». The analysis target is a protein and the method stems from an era when nucleic acid characterization was too complex for routine implementation on low analyte quantities. Decades later, the term Ā«liquid biopsyĀ» became mostly restricted to circulating tumor DNA (ctDNA) and circulating tumor cell analyses in blood and other body fluids (13). Despite its vast potential for cancer progression and therapy resistance detection, tumor diagnostic utilization of somatic variants present in fluids remained technically unresolved. In contrast to blood which physiologically contains substantial DNA amounts, cerebrospinal fluid (CSF) from healthy individuals mostly consists of water. In case of a rapidly growing (i.e. malignant) neoplasm that has direct contact to the CSF, quantitatively sufficient ctDNA can be shed into CSF through necrosis and apoptosis. The same happens in inflammatory processes where leukocyte DNA shedding increases. Apart from CSF, this diagnostic approach is also applicable to pleural effusions, where ctDNA levels are usually much higher compared to CSF. Mutation analysis typically targets a single stretch of each genome in the analyte to detect mostly heterozygous oncogenic variants and is blind for non-neoplastic phenomena. By contrast epigenetic DNA methylation marks are found on many of the ~500 bp DNA fragments released from necrotic cells. This vastly increases the pool of analytes from one mutant nucleotide in ~12*106 DNA fragments per decayed cell to ~5 methylation sites per fragment, representing a 60*106-fold increase. Additionally, classification of DNA methylation patterns is mostly based on supervised (1) or unsupervised (5) machine learning and is highly gap-tolerant. As a rule of thumb, epigenetic tumor classification requires solely ~1000 methylation sites for rough and ~5000 for robust diagnostic differentiation (5, 14). It is hence possible to detect, e. g., diffuse large B-cell lymphoma (15) or inoperable high-grade glioma (16) from a CSF tap. Overall costs are in the range of 2nd generation parallel sequencing (so-called NGS panels). For CSF, the current primary choice is 3rd generation direct sequencing (through nanopores) which delivers both epigenomic and copy number variant information (Fig. 2). It is usually possible to have a nanopore sequencing-based Ā«first glanceĀ» at the methylation signatures present on CSF cell-free DNA (cfDNA) and, depending on the findings, proceed with select confirmatory mutation-based tests on the leftover DNA, e. g., sequencing of MYD88 in case of a B-cell lymphoma methylome profile, or TERT promoter for suspected IDH-wildtype glioblastoma. In an internal retrospective study at the Institute for Medical Genetics and Pathology in Basel from 90 routinely examined CSF tap liquid biopsies, 5 yielded a comprehensive tumor diagnosis, eliminating the need for tissue biopsy. 35 taps had too low overall DNA content precluding further analysis. Of note, a negative finding due to low CSF DNA concentration suggests that the respective lesion does not release significant amounts of DNA.

Outlook – Future of Methylome Analysis

While early studies (17, 18) suggested DNA methylation analysis from blood for early cancer screening, current use remains limited to start-up companies and academic institutions (19). Nevertheless, already today, methylome profiling of CSF taps (15, 16) represents a viable approach to the diagnosis of malignant CNS tumors located adjacent to the ventricular
system, which minimizes inherent surgical risks in cases of presumably inoperable brain tumors such as CNS lymphoma and certain gliomas.

PD. Dr. med. Jürgen Hench
Dr. rer. nat. Claus Hultschig
Dr. rer. nat. Benjamin Freyter
Dr. rer. nat. Ivana Bratic Hench
Prof. Dr. med. Stephan Frank
UniversitƤtsspital Basel
Institut für Medizinische Genetik und Pathologie
Schƶnbeinstrasse 40
4031 Basel

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

PD. Dr. med. Jürgen Hench

UniversitƤtsspital Basel
Institut für Medizinische Genetik und Pathologie
Schƶnbeinstrasse 40
4031 Basel

Prof. Dr. med. Stephan Frank

UniversitƤtsspital Basel
Institut für Medizinische Genetik und Pathologie
Schƶnbeinstrasse 40
4031 Basel

Die Autoren haben keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

  • Methylome analysis simultaneously determines epigenetic signatures and chromosomal copy number variations, both of which enable objective tumor classification.
  • Epigenetic fingerprinting is applicable to paraffin-embedded biopsy material, native intraoperative consult specimens, and body fluids like CSF and pleural effusions.
  • Native tissue and liquid biopsies can be shipped at room temperature in cytological and liquid biopsy preservation media, enabling broad access to molecular diagnostics.

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