25. Zürcher Herzkurs – Cardiology Today, Teil 2

Der traditionelle Zürcher Herzkurs fand in diesem Jahr zum 25. Mal statt. Das von Prof. Franz Wolfgang Amann und Prof. Christian Schmied (HerzGefässMedizin Hirslanden, Klinik im Park) zusammengestellte Programm stiess auf grosses Interesse, was sich in einer Rekordbeteiligung widerspiegelte. Aus dem breit gefächerten Programm werden in diesem zweiten Teil drei Referate vorgestellt.

LDL-Cholesterin oder Lipoprotein(a) – worauf kommt es in der Praxis an?

Prof. Stephen Gloekler vom Diagnostischen und Therapeutischen Herz­zentrum Zürich gab zunächst einen Überblick über die Lipoproteine, deren Metabolismus und Grössenverhältnisse. Anschliessend erläuterte er die Grundlagen der Atherosklerose als chronisch inflammatorischen Prozess, der wesentlich durch Lipide angetrieben wird. Anhand intrakoronarer Bildgebung verdeutlichte er die zentrale Rolle von LDL-Cholesterin als kausalen Faktor der Atherosklerose.

Risikostratifizierung in der klinischen Praxis

Für die kardiovaskuläre Risikostratifizierung stehen im klinischen Alltag verschiedene validierte Instrumente zur Verfügung. Bei mutmasslich gesunden Personen im Alter von 20 bis 69 Jahren kann der AGLA-Score eingesetzt werden, während für ältere Personen SCORE2 beziehungsweise SCORE2-OP zur Anwendung kommen. Für Patienten mit Diabetes ohne manifeste atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankung und ohne Endorganschäden steht ein spezifischer SCORE2-Diabetes-Rechner zur Verfügung. Diese Instrumente sind allerdings nicht geeignet für Patienten mit bereits manifester koronarer Herzkrankheit, Diabetes mit Organschaden, Niereninsuffizienz oder anderen Hochrisikokonstellationen.

Wer gehƶrt zur Hochrisikogruppe?

Ein sehr hohes kardiovaskuläres Risiko liegt insbesondere bei Patienten mit dokumentierter atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankung vor, sei diese klinisch manifest oder bildgebend eindeutig nachgewiesen. Dazu zählen unter anderem Patienten mit chronischem Koronarsyndrom, nach koronarer Revaskularisation oder mit signifikanten Plaques in der Koronarangiografie, im CT oder in der karotiden oder femoralen Gefässbildgebung. Ebenfalls dieser Risikokategorie zuzuordnen sind Patienten mit Diabetes mellitus und Endorganschaden, mit schwerer chronischer Nierenerkrankung bei einer eGFR unter 30 ml/min/1,73 m² oder mit familiärer Hypercholesterinämie in Kombination mit ASCVD oder einem weiteren Hauptrisikofaktor.

Von einem hohen Risiko spricht man zudem bei stark erhöhten Einzelrisikofaktoren wie einem Gesamtcholesterin von mehr als 8 mmol/l, einem LDL-Cholesterin über 4,9 mmol/l oder einem Blutdruck von mindestens 180/110 mmHg. Auch Patienten mit Diabetes mellitus ohne Endorganschaden oder mit chronischer Nierenerkrankung bei einer eGFR zwischen 30 und 59 ml/min/1,73 m² fallen häufig in diese Kategorie. Moderates Risiko besteht unter anderem bei jüngeren Patienten mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes von kurzer Dauer ohne weitere Risikofaktoren sowie bei Personen mit intermediärem berechnetem 10-Jahresrisiko. Niedriges Risiko liegt schliesslich bei entsprechend niedrigen SCORE2- oder SCORE2-OP-Werten vor.

Verdacht auf familiƤre HypercholesterinƤmie

Bei Verdacht auf eine familiƤre HypercholesterinƤmie kƶnnen der AGLA-FH-Score oder die Dutch Lipid Clinic Network-Kriterien herangezogen werden. In diese Beurteilung fliessen unter anderem die Familienanamnese mit vorzeitiger koronarer Herzkrankheit oder Xanthomen, die persƶnliche Anamnese, klinische Zeichen wie Sehnenxanthome oder ein Arcus lipoides vor dem 45. Lebensjahr, die Hƶhe des LDL-Cholesterins sowie der genetische Nachweis einer pathogenen Mutation ein. Je nach erreichter Punktzahl gilt eine familiƤre HypercholesterinƤmie als unwahrscheinlich, mƶglich, wahrscheinlich oder definitiv.

Lebensstil als Grundlage jeder Therapie

Die Basis jeder lipidsenkenden Therapie bleibt ein konsequent gesundheitsfördernder Lebensstil. Dazu gehören eine Gewichtsreduktion bei Übergewicht, eine Reduktion gesättigter Fettsäuren zugunsten ungesättigter Fettsäuren, eine ballaststoffreiche Ernährung sowie die Reduktion von Zucker und Alkohol, insbesondere bei Hypertriglyzeridämie. Hinzu kommen regelmässige körperliche Aktivität, die Reduktion sitzender Zeiten und ein konsequenter Nikotinverzicht. Entscheidend ist dabei ein möglichst früher Therapiebeginn mit nachhaltiger Umsetzung.

Die Bedeutung der kumulativen LDL-Exposition

Ein wichtiges Konzept ist die kumulative Expositionshypothese. Mit zunehmender Dauer und Hƶhe der LDL-Exposition wird mehr Cholesterin in der Arterienwand eingelagert. Dadurch nimmt die atherosklerotische Plaquelast kontinuierlich zu, was das Risiko akuter kardiovaskulƤrer Ereignisse erhƶht. Das ASCVD-Risiko hƤngt somit nicht nur von der Hƶhe des LDL-Cholesterins, sondern auch von der Dauer der Exposition ab.

Medikamentƶse Optionen zur LDL-Senkung

Zur Senkung des LDL-Cholesterins stehen heute verschiedene Substanzklassen zur Verfügung. Statine hemmen die hepatische Cholesterinsynthese und führen über eine vermehrte Expression von LDL-Rezeptoren zu einer LDL-Senkung von etwa 30 bis 55 %. Ezetimib hemmt die enterale Cholesterinresorption im Dünndarm und senkt das LDL-Cholesterin um etwa 15 bis 25 %. PCSK9-Inhibitoren erhöhen durch Hemmung von PCSK9 die Verfügbarkeit von LDL-Rezeptoren und erreichen eine Reduktion um etwa 50 bis 60 %. Auch siRNA-basierte Therapien, welche die hepatische PCSK9-Synthese hemmen, zeigen Senkungen in der Grössenordnung von 45 bis 55 %.
Weitere Optionen sind Bempedoinsäure mit einer LDL-Senkung von etwa 15 bis 25 %, Gallensäurebinder mit einer Senkung von etwa 10 bis 25 %, Lomitapid mit einer Reduktion von 40 bis 50 % sowie Evinacumab, das über eine Hemmung von ANGPTL3 den Lipoproteinabbau fördert und zu einer LDL-Senkung von etwa 45 bis 55 % führt. In besonders schweren Fällen kann eine Lipoproteinapherese eingesetzt werden, mit der LDL und Lipoprotein(a) physikalisch aus dem Blut entfernt werden.

Verlaufskontrollen und praktische Umsetzung

Bis zum Erreichen des Therapieziels werden erste Kontrollen nach vier Wochen und anschliessend weitere Kontrollen in vierwöchigen Abständen empfohlen. Nach stabiler Zielwerterreichung genügen in der Regel jährliche Verlaufskontrollen. Im Labor sollten Lipidprofil, ALAT, ASAT und CK bestimmt werden. Lipoprotein(a) sollte einmal im Leben gemessen werden.

Lipoprotein(a) als zusƤtzlicher Risikofaktor

Lipoprotein(a), kurz Lp(a), ist ein LDL-Ƥhnliches Partikel, das aus ApoB, Cholesterin und Apo(a) besteht. Apo(a) ist ein plasminogenƤhnliches Protein, das kovalent an ApoB gebunden ist. Lp(a) ist nicht nur atherogen wie LDL, sondern weist zusƤtzlich thrombogene und proinflammatorische Eigenschaften auf. Aufgrund der strukturellen Ƅhnlichkeit zu Plasminogen kann es prothrombotisch wirken. Zudem ist ein erhƶhtes Lp(a) mit einem gesteigerten kardiovaskulƤren Risiko assoziiert, selbst bei normalen LDL-Werten. Insgesamt resultiert daraus eine besonders aggressive Form der GefƤssschƤdigung.

Klinische Konsequenzen

Die kardiovaskulƤre PrƤvention basiert auf einer strukturierten Risikostratifizierung und einer konsequenten Beeinflussung modifizierbarer Risikofaktoren. LDL-Cholesterin sollte bestimmt, behandelt und kontrolliert werden. Lipoprotein(a) sollte einmalig gemessen werden. Bei erhƶhtem Lp(a) ist eine besonders konsequente Kontrolle klassischer Risikofaktoren angezeigt, einschliesslich einer intensiven LDL-Senkung. In ausgewƤhlten FƤllen kommen PCSK9-Inhibitoren oder eine Lipoproteinapherese infrage.

Hot Topic Kardiomyopathie

Genetische Grundlagen der hypertrophen Kardiomyopathie

Dr. Judith Schwaiger von der Hirslanden Klinik im Park ging auf die hypertrophe Kardiomyopathie und insbesondere auf die hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie ein. Etwa 40 bis 60 % der linksventrikulƤren Hypertrophien bei HCM sind auf Mutationen in Sarkomerprotein-Genen zurückzuführen. Bei 25 bis 30 % bleibt die Ursache unklar, und bei 5 bis 10 % liegen andere Ursachen zugrunde.

Pathophysiologie und klinische Folgen

Die Sarkomerdysfunktion ist die Hauptursache der genetisch bedingten HCM. Mutationen in Proteinen des Sarkomers, des molekularen Motors des Herzens, führen zu einer abnormalen Kontraktilität, gestörter Relaxation, erhöhter myokardialer Steifigkeit und Fibrose. Die Folgen sind Hyperkontraktilität, eine dynamische linksventrikuläre Ausflusstraktobstruktion sowie eine diastolische Dysfunktion. Klinisch manifestiert sich dies unter anderem durch Palpitationen, Synkopen und ein erhöhtes Risiko für plötzlichen Herztod.

Die Rolle der Stressechokardiographie

Die Stressechokardiographie dient bei HCM der Beurteilung einer Obstruktion im linksventrikulären Ausflusstrakt unter körperlicher oder pharmakologischer Belastung. Sie hilft bei der Einschätzung des Obstruktionsgrades und der Krankheitsausprägung und ist damit für die Therapieplanung zentral.

HCM ist heute behandelbar

Die HCM ist keine einheitliche Erkrankung, sondern zeigt unterschiedliche klinische VerlƤufe. Ein Teil der Patienten bleibt lange stabil und hat eine nahezu normale Lebenserwartung. Andere entwickeln Komplikationen wie plƶtzlichen Herztod, progrediente Herzinsuffizienz bei obstruktiver Form, Endstadien einer nicht obstruktiven Verlaufsform oder Vorhofflimmern mit entsprechend erhƶhtem Schlaganfallrisiko. Je nach klinischem Bild kommen Medikamente, ICD-Therapie, Septummyektomie, Katheterablation, Antikoagulation oder in fortgeschrittenen FƤllen eine Herztransplantation infrage.

LVOT-Obstruktion als therapeutisch relevantes Merkmal

Eine Obstruktion des linksventrikulären Ausflusstrakts kann in Ruhe oder erst unter Provokation auftreten und ist ein zentrales Merkmal der HOCM. Ihre Identifikation ist entscheidend für die Symptomkontrolle, die Prognoseeinschätzung und die Wahl der Therapie.

Mavacamten als neue Therapieoption

Mavacamten ist ein oraler, reversibler, allosterischer Inhibitor der kardialen Myosin-Aktin-Interaktion und stellt einen first-in-class-Wirkstoff zur Behandlung der symptomatischen obstruktiven HCM dar. In der EXPLORER-HCM-Studie führte eine 30-wöchige Behandlung mit Mavacamten zu einer signifikanten Reduktion des linksventrikulären Ausflusstrakt-Gradienten, zu einer Verbesserung der Symptome, der Lebensqualität und der NYHA-Klasse. Auch in der VALOR-HCM-Studie zeigte Mavacamten eine anhaltende Wirksamkeit über 56 Wochen. Zudem konnte die Notwendigkeit einer Septumreduktion deutlich gesenkt werden.

Keynote Lecture: Medizinstudium heute – Lernen, Google oder AI?

Prof. Jörg Goldhahn vom Institut für Translationale Medizin der ETH Zürich und Studiendirektor Humanmedizin gab einen Einblick in die aktuellen Herausforderungen des Medizinstudiums und in die Veränderungen durch künstliche Intelligenz.

Wo künstliche Intelligenz bereits relevant ist

Zu den bereits relevanten oder absehbaren Einsatzbereichen zählen die automatisierte Bild- und Datenanalyse einschliesslich EKG und EEG, die Mustererkennung in grossen Datensätzen, die KI-gestützte klinische Entscheidungsunterstützung, die Automatisierung administrativer und logistischer Prozesse, die Integration in klinische Software sowie die In-silico-Arzneimittelentwicklung.

Ersetzt KI den Arzt?

Maschinen, die lernen und sich selbst korrigieren kƶnnen, erzielen in einzelnen eng umrissenen Aufgabenbereichen bereits bessere Resultate als Menschen. Dennoch wurde betont, dass KI die Arzt-Patienten-Beziehung, klinische Kontextualisierung und zwischenmenschliche Interaktion nicht ersetzen kann. Realistisch ist daher keine Ablƶsung des Arztberufs, sondern eine schrittweise Integration von KI in klar definierten Anwendungsfeldern, etwa in der Bildanalyse oder Mustererkennung.

Begriffe und Einordnung

Künstliche Intelligenz bezeichnet Technologien, die Maschinen befähigen, Aufgaben mit menschenähnlichen kognitiven Leistungen auszuführen.

Machine Learning ist ein Teilgebiet der KI, bei dem Systeme auf Basis statistischer Verfahren aus Daten lernen. Deep Learning wiederum ist eine spezielle Form des maschinellen Lernens mit mehrschichtigen neuronalen Netzen zur Modellierung komplexer ZusammenhƤnge.

Auswirkungen auf das Gesundheitswesen

Als besonders einflussreiche Technologien für die digitale Transformation des Gesundheitswesens wurden unter anderem Telemedizin, Gesundheits-Apps, Sensoren und Wearables für Diagnostik und Remote Monitoring, Genomsequenzierung, Spracherkennung und natürliche Sprachverarbeitung, virtuelle und erweiterte Realität, KI-gestützte Bildinterpretation, interventionelle und rehabilitative Robotik sowie prädiktive Analytik genannt.

Konsequenzen für die medizinische Ausbildung

Die Integration von KI erfordert eine Anpassung des Medizinstudiums. Neben einem technologischen GrundverstƤndnis sind insbesondere interprofessionelle Zusammenarbeit, verantwortungsvolle Einführung neuer Technologien, SensibilitƤt für soziale Gerechtigkeit, Informationskompetenz und kontinuierliche Weiterbildung relevant. Ebenso wichtig bleiben die realistische Einordnung der Mƶglichkeiten und Grenzen von KI sowie die kompetente Kommunikation gegenüber Patienten. Gerade in den klassischen Ƥrztlichen Kernkompetenzen – klinische Einordnung, Kommunikation, Verantwortung und ethische Reflexion – bleibt die Ƥrztliche Expertise zentral.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

Mammographie-Screening in der Schweiz

Das Mammographie-Screening ist ein zentraler Bestandteil der Brustkrebsfrüherkennung. In der Schweiz existieren kantonal organisierte Programme, ergƤnzt durch opportunistisches Screening. Ziel ist die Senkung der brustkrebsspezifischen MortalitƤt durch frühere Diagnose und weniger invasive Therapien. Randomisierte Studien und Beobachtungsstudien zeigen eine relative MortalitƤtsreduktion von etwa 20–30 %, mit der hƶchsten Evidenz für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren. Gleichzeitig treten potenzielle Nachteile wie falsch-positive Befunde und Überdiagnosen auf. Der Beitrag fasst die aktuelle Evidenzlage, Screening-Kennzahlen und Bias-Diskussionen zusammen und ordnet sie für die gynƤkologische Praxis ein. Zudem werden rechtliche Rahmenbedingungen in der Schweiz sowie zukünftige Entwicklungen wie KI-basierte Auswertung und risikoangepasste Screeningstrategien diskutiert.

Mammography screening is a key component of early breast cancer detection. In Switzerland, screening is organized at the cantonal level and supplemented by opportunistic screening. The aim is to reduce breast cancer–specific mortality through earlier diagnosis and less invasive treatment. Randomized studies and observational studies show a relative reduction in mortality of about 20–30 %, with the strongest evidence for women between 50 and 69 years of age. At the same time, potential harms such as false-positive findings and overdiagnosis occur. This article summarizes the current evidence base, key screening performance indicators and ongoing debates regarding bias, and contextualizes these aspects for gynecological practice. In addition, the legal framework in Switzerland as well as future developments – such as AI-based evaluation and risk-adapted screening strategies – are discussed.
Keywords: Mammographie-Screening, Brustkrebsfrüherkennung, Schweiz, Mortalität, Überdiagnosen

Bedeutung des Mammographie-Screenings in der Schweiz

Brustkrebs ist die hƤufigste maligne Erkrankung der Frau in der Schweiz mit einem Lebenszeitrisiko von etwa 1 : 8. Zwischen 2018 und 2022 wurden jƤhrlich etwa 6758 Neuerkrankungen bei Frauen und 59 bei MƤnnern registriert (1). Im gleichen Zeitraum verstarben durchschnittlich 1370 Frauen und 7 MƤnner pro Jahr an einem Mammakarzinom (2). WƤhrend die Inzidenz steigt, ist die MortalitƤt seit den 1990er-Jahren rücklƤufig, was neben verbesserten Therapien vor allem auch auf Früherkennung zurückgeführt werden kann (3). GynƤkologinnen und GynƤkologen spielen eine zentrale Rolle als erste Anlaufstelle für Screeningberatung, RisikoeinschƤtzung und Einordnung von Screeningresultaten.

Organisation des Screenings in der Schweiz

Das Mammographie-Screening richtet sich primƤr an Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, teilweise bis 74 Jahre, mit einem zweijƤhrlichen Untersuchungsintervall. Für Frauen mit durchschnittlichem Risiko zeigt die Evidenz für dieses Intervall ein günstiges Nutzen-Schaden-VerhƤltnis (4). In der Schweiz bestehen heute in den meisten Kantonen organisierte Screeningprogramme, darunter Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Bern, Genf, Waadt, Freiburg, Solothurn, Wallis, St. Gallen, Thurgau, Graubünden und Tessin. In anderen Kantonen erfolgt weiterhin ein opportunistisches Screening (5). Technischer Standard ist die digitale Vollfeldmammographie mit zwei Ebenen (CC, MLO). In vielen Programmen erfolgt eine Doppelbefundung, wodurch falsch-positive Rückrufe reduziert und Detektionsraten gesteigert werden kƶnnen (6).

Evidenz für die Mortalitätsreduktion

Randomisierte kontrollierte Studien zeigen für das Mammographie-Screening eine relative Reduktion der brustkrebsspezifischen MortalitƤt von etwa 20 % (7). EuropƤische Beobachtungsstudien berichten eine MortalitƤtsreduktion von 25–31 % bei eingeladenen Frauen und von 38–48 % bei tatsƤchlich teilnehmenden Frauen (8). Modelle bestƤtigen diesen populationsbezogenen Nutzen: Bei Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren kƶnnen – abhƤngig vom Screeningintervall – etwa 400–740 BrustkrebstodesfƤlle pro 100 000 Frauen verhindert werden (9). Massnahmen der Sensibilisierung für BrustverƤnderungen und klinische Früherkennung ergƤnzen diese bildgebende Früherkennung.

Die Brustselbstuntersuchung kann die Wahrnehmung für VerƤnderungen der eigenen Brust fƶrdern und zur frühzeitigen Ƥrztlichen AbklƤrung beitragen, ohne dass bislang eine eigenstƤndige MortalitƤtsreduktion eindeutig belegt werden konnte (10). Die klinische Brustuntersuchung im Rahmen der gynƤkologischen Vorsorge zeigt hingegen in randomisierten Studiendaten eine signifikante Verschiebung zu früheren Tumorstadien bei Diagnosestellung und in der Altersgruppe ≄ 50 Jahre eine MortalitƤtsreduktion (11). Im Vergleich zur klinischen Brustuntersuchung zeigt die Mammographie im populationsbasierten Screening hƶhere Detektionsraten und ist mit einer deutlich stƤrkeren Reduktion der brustkrebsspezifischen MortalitƤt (RR 0.59) sowie fortgeschrittener Tumorstadien (RR 0.70) assoziiert (12).

Für die Schweiz wird geschätzt, dass unter 1000 Frauen, die über 20 Jahre am Screening teilnehmen, etwa vier brustkrebsbedingte Todesfälle verhindert werden (13).

Screening-Performance und diagnostische Kennzahlen

Typische Leistungskennzahlen moderner MammographieĀ­programme umfassen (14):
• Detektionsrate: etwa 5–8 Karzinome pro 1000 Untersuchungen
• SensitivitƤt: ca. 87 %
• SpezifitƤt: ca. 89 %
• positive prƤdiktive Werte: PPV1 etwa 4–5 %, PPV2 etwa 25 %
In Schweizer Screeningprogrammen lag zwischen 2019 und 2021 die Detektionsrate zwischen 5.3 und 9.7 pro 1000 Untersuchungen, mit positiven prƤdiktiven Werten von 4.3–11.1 % (15) (Abb. 1).

Die Mehrheit der diagnostizierten Tumoren befindet sich im frühen Stadium (15): 70.6 % UICC 0–I, 84 % nodal-negative invasive Tumoren und ca. 19.5 % DCIS. Die Recall-Rate (Ā«RückrufrateĀ») liegt typischerweise zwischen 3 und 7 %. Studien zeigen, dass hƶhere Recall-Raten nur geringe zusƤtzliche Detektionsgewinne bringen, wƤhrend die Zahl falsch-positiver Befunde steigt (16) (Abb. 2).

Falsch-positive Befunde und psychologische Auswirkungen

Rückrufe zur weiteren AbklƤrung sind ein unvermeidbarer Bestandteil jedes Screening-Programms. Die 10-Jahres-Wahrscheinlichkeit für eine falsch-positive Biopsie liegt bei etwa 4.8 % bei zweijƤhrlichem Screening (7).

Falsch-positive Screeningbefunde führen häufig zu kurzfristiger psychischer Belastung, zeigen jedoch keine nachweisbaren langfristigen psychologischen Folgen und beeinträchtigen die Teilnahmebereitschaft langfristig meist nur gering (18).

Biases und Überdiagnose im Screening

Die Interpretation von Screeningstudien wird durch verschiedene Biases beeinflusst. Der Lead-Time-Bias beschreibt eine scheinbare ÜberlebensverlƤngerung durch frühere Diagnosestellung. Für Mammakarzinome wird eine mittlere Lead-Time von etwa 2.3 Jahren geschƤtzt (19). Der Length-Time-Bias entsteht durch bevorzugte Detektion langsam wachsender Tumoren mit günstiger Biologie (20, 21). Aggressivere Tumoren treten hƤufiger als Intervallkarzinome auf (22). Die Überdiagnose wird in europƤischen Analysen auf etwa 1–10 % der Screeningdiagnosen geschƤtzt (23).

Besondere Risikogruppen

Für Frauen mit erhöhtem Risiko gelten in der Schweiz spezielle Überwachungsprotokolle (BAG), exemplarisch (24):
• Lebenszeitrisiko 17–29 %: jƤhrliche Mammographie 40–59 Jahre
• Lebenszeitrisiko ≄ 30 %: jƤhrliche MRI- und Mammographie
• BRCA1/2, STK 11: jƤhrliche MRI ab 25 Jahren
• PTEN, CDH1 und PALB2: jƤhrlich MRI und Mammographie ab 30 Jahren
Die Risikobewertung kann beispielsweise mit IBIS-RisikoĀ­modellen erfolgen (z. B. https://ems-trials.org/riskevaluator/).

Dichtes Brustgewebe und ergänzende ­Bild­gebung

Frauen mit extrem dichtem Brustgewebe (ACR D) haben mit einer Odds-Ratio von ca. 4.7 ein deutlich erhƶhtes Brustkrebsrisiko (25, 26). Die EUSOBI-Empfehlungen sehen hierbei ein MRI-Screening bei sehr dichtem Brustgewebe vor (27), was allerdings auf nationaler Ebene in der Schweiz noch nicht gestützt wird. In der prospektiven multizentrischen Studie EA1141 Trial zeigte ein verkürztes Brust-MRT-Protokoll bei Frauen mit dichtem Brustgewebe eine signifikant hƶhere invasive Krebsdetektionsrate als die digitale Brusttomosynthese (11.8 vs. 4.8 pro 1000 untersuchte Frauen) sowie eine deutlich hƶhere SensitivitƤt (95.7 % vs. 39.1 %) bei geringerer SpezifitƤt (86.7 % vs. 97.4 %) (28), wƤhrend die Intervallkarzinom-Rate um ca. 50 % gesenkt werden konnte (29).

Perspektiven: KI und personalisiertes Screening

Neue Entwicklungen kƶnnten das Screening künftig verƤndern. Beispielsweise zeigte die randomisierte MASAI-Studie (n ~ 80000 Frauen) mit KI-gestütztem Screening eine hƶhere Krebsdetektionsrate (6.4 vs. 5.0 pro 1000) bei gleichbleibender Recall-Rate und einem um 44 % reduzierten Befundungsaufwand (30). Langfristig kƶnnten risikobasierte Screeningstrategien entstehen, die individuelle Risikofaktoren, Bilddaten und genetische Marker kombinieren.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Dr. med. Raphael Sexauer

MIBB akkreditiert (Minimalinvasive Brustbiopsien),
Leitender Arzt für Radiologie, Schwerpunkt Mamma­diagnostik
und Onkologie
Kantonsspital Baselland
Rheinstrasse 26
4410 Liestal

Dr. med. Sonja Ebner

Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Schwerpunkt gyn. Senologie
Stv. ChefƤrztin Frauenklinik Baselland
Leiterin Brustzentrum Baselland
Kantonsspital Baselland
Rheinstrasse 26
4410 Liestal

Die Autorenschaft hat keine Interessenskonflikte in Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

  • Das Mammographie-Screening reduziert die BrustkrebsmortalitƤt um etwa 20–30 %.
  • In der Schweiz bestehen überwiegend organisierte kantonale Screeningprogramme für Frauen zwischen 50–69 Jahre.
  • Falsch-positive Befunde und Überdiagnosen treten auf, liegen jedoch in einem vertretbaren VerhƤltnis zum Nutzen.
  • GynƤkologinnen und GynƤkologen spielen eine zentrale Rolle bei der Risikoberatung und dem Shared Decision Making.
  • Zukünftige Screeningstrategien werden wahrscheinlich risikoadaptiert und KI-gestützt sein.

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PrƩvention du virus respiratoire syncytial (RSV) chez le nouveau-nƩ

Le virus respiratoire syncytial (RSV) reprĆ©sente la principale cause d’infection respiratoire basse sĆ©vĆØre et d’hospitalisation chez le nourrisson durant les premiers mois de vie. Depuis 2023, deux stratĆ©gies prĆ©ventives efficaces sont disponibles en Suisse: la vaccination maternelle par vaccin bivalent RSVpreF administrĆ©e au troisiĆØme trimestre de grossesse et l’immunisation nĆ©onatale par anticorps monoclonal Ć  longue durĆ©e d’action (nirsevimab). La recommandation suisse actualisĆ©e (Recommandation de pratique clinique n°91, AFMM/SGGG 2025) prĆ©cise qu’il n’existe pas de prĆ©fĆ©rence entre ces deux approches, toutes deux Ć©tant couvertes maintenant par l’assurance maladie de base. Toutefois, la mise en œuvre soulĆØve des questions pratiques et scientifiques, notamment concernant le signal de prĆ©maturitĆ© observĆ© dans certains essais de vaccination maternelle. Cet article propose une synthĆØse des donnĆ©es actuelles et des implications pour la pratique gynĆ©cologique en Suisse.

Respiratory syncytial virus (RSV) is the leading cause of severe lower respiratory tract infection and hospitalisation in infants during the first months of life. Since 2023, two effective preventive strategies have been available in Switzerland: maternal vaccination with the bivalent RSVpreF vaccine administered in the third trimester of pregnancy and neonatal immunisation with long-acting monoclonal antibodies (nirsevimab). The updated Swiss recommendation (Clinical Practice Guideline No. 91, AFMM/SGGG 2025) specifies that there is no preference between these two approaches, both of which are now covered by basic health insurance. However, implementation raises practical and scientific questions, particularly regarding the signal of prematurity observed in some maternal vaccination trials. This article provides a summary of the current data and implications for gynaecological practice in Switzerland.
Keywords: Respiratory syncytial virus (RSV), pregnancy, infants, vaccination, prevention

Une question nouvelle pour les gynƩcologues

Ā«Anticorps ou vaccin?Ā» La question, qui aurait semblĆ© purement pĆ©diatrique il y a encore trois ans, concerne dĆ©sormais directement les gynĆ©cologues suisses. Le virus respiratoire syncytial (VRS) est la premiĆØre cause d’infection respiratoire basse sĆ©vĆØre et d’hospitalisation chez le nourrisson. Depuis 2023–2025, deux stratĆ©gies prĆ©ventives efficaces sont disponibles: l’immunisation passive du nourrisson par anticorps monoclonal Ć  longue durĆ©e d’action (nirsevimab) et la vaccination maternelle par vaccin bivalent RSVpreF (AbrysvoĀ®).
En Suisse, ces deux stratĆ©gies sont dĆ©sormais recommandĆ©es et intĆ©grĆ©es dans les cadres rĆ©glementaires et de remboursement. L’enjeu n’est plus scientifique mais organisationnel et stratĆ©gique: comment protĆ©ger au mieux les nouveau-nĆ©s suisses dĆØs leur premiĆØre saison VRS?

Impact du VRS chez les nouveau-nƩs: donnƩes Suisses

L’impact du VRS en Suisse est loin d’être marginal. On estime Ć  environ 6000 hospitalisations hivernales par an le nombre d’enfants hospitalisĆ©s pour VRS en Suisse, toutes classes d’âge pĆ©diatriques confondues. Chez les enfants de moins d’un an, le pic d’incidence se concentre durant les trois premiers mois de vie.

Les donnĆ©es issues de la cohorte suisse (Stucki 2024, 348002 naissances) montrent que la proportion d’hospitalisations VRS est fortement dĆ©pendante du mois de naissance, avec un risque maximal chez les nourrissons nĆ©s juste avant ou au dĆ©but de la saison hivernale. En pĆ©riode Ć©pidĆ©mique, environ 500 cas de VRS par semaine sont rapportĆ©s chez les enfants de moins de deux ans en Suisse. MĆŖme si la mortalitĆ© reste faible en valeur absolue dans un pays Ć  haut niveau de soins, elle n’est pas nĆ©gligeable.

Il est important de rappeler que la majoritĆ© des nourrissons hospitalisĆ©s sont nĆ©s Ć  terme et ne prĆ©sentent pas de comorbiditĆ© majeure. Les prĆ©maturĆ©s et enfants porteurs de pathologies cardiorespiratoires sont Ć  risque accru, mais ils ne reprĆ©sentent qu’une minoritĆ© des hospitalisations totales.

Impact sociĆ©tal: Au-delĆ  de l’hospitalisation

Le VRS ne se limite pas Ć  un problĆØme hospitalier. L’impact social est considĆ©rable. Aux Ɖtats-Unis, on estime Ć  environ 700 000 le nombre de jours de travail perdus chaque hiver par les parents en raison d’une infection VRS chez leur enfant. Si l’on extrapole proportionnellement Ć  la population suisse, cela reprĆ©senterait plusieurs dizaines de milliers de journĆ©es de travail perdues chaque saison.

Chaque hospitalisation implique en moyenne plusieurs jours d’absence parentale, une dĆ©sorganisation familiale importante, et parfois une hospitalisation en soins intensifs. En France, les donnĆ©es hospitaliĆØres montrent que 27 % des nourrissons hospitalisĆ©s pour VRS nĆ©cessitent un passage en soins intensifs. Le coĆ»t moyen par hospitalisation dĆ©passe 3000 euros, et le coĆ»t annuel national excĆØde 130 millions d’euros. TransposĆ© au systĆØme suisse, le poids Ć©conomique direct et indirect est important.

La surcharge hospitaliĆØre hivernale est Ć©galement documentĆ©e. Durant les pics Ć©pidĆ©miques, les unitĆ©s de pĆ©diatrie et de soins intensifs pĆ©diatriques fonctionnent Ć  capacitĆ© maximale, avec un effet domino sur l’ensemble du systĆØme hospitalier.

eux stratƩgies de prƩvention: un changement de paradigme

Les stratƩgies actuelles reposent sur deux approches immunologiques distinctes.

L’immunisation passive consiste Ć  administrer directement au nouveau-nĆ© un anticorps monoclonal ciblant la protĆ©ine F du VRS. La protection est immĆ©diate et ne dĆ©pend pas de la rĆ©ponse immunitaire du nourrisson. L’avantage principal rĆ©side dans la rapiditĆ© d’action et l’indĆ©pendance vis-Ć -vis du statut immunitaire maternel.

La vaccination maternelle repose sur un mĆ©canisme diffĆ©rent. L’administration du vaccin RSVpreF entre 32 et 36 semaines d’amĆ©norrhĆ©e induit une production d’anticorps neutralisants chez la mĆØre, transfĆ©rĆ©s activement au fœtus par voie transplacentaire. L’avantage rĆ©side dans l’absence d’injection Ć  l’enfant Ć  la naissance et dans la protection concomitante de la mĆØre.

Nirsevimab (Beyfortus®): Données cliniques

Les essais cliniques randomisĆ©s ont inclus plus de 10 000 nourrissons, montrant une rĆ©duction des hospitalisations de plus de 80 %. Les donnĆ©es de vie rĆ©elle confirment une rĆ©duction d’environ 80 % des hospitalisations liĆ©es au VRS, avec une efficacitĆ© contre les admissions en soins intensifs Ć©galement siĀ­gnificative.

En Suisse, la recommandation prƩvoit une administration intramusculaire unique, idƩalement en maternitƩ pour les nouveau-nƩs nƩs entre octobre et mars.

Les nourrissons nĆ©s hors saison reƧoivent une dose en dĆ©but de saison suivante. Les enfants atteints de maladies chroniques peuvent bĆ©nĆ©ficier d’une dose supplĆ©mentaire lors de leur deuxiĆØme saison.

Vaccination maternelle (AbrysvoĀ®)

Les essais cliniques de phase 3 (MATISSE) ont inclus plus de 7300 femmes enceintes. L’efficacitĆ© contre les hospitalisations sĆ©vĆØres liĆ©es au VRS chez les nourrissons est d’environ 70–80 % durant les six premiers mois de vie. Les donnĆ©es en vie rĆ©elle en Argentine confirment une efficacitĆ© de 78.6 % contre les hospitalisations jusqu’à trois mois et de 71.3 % jusqu’à six mois. Le vaccin RSVpreF est disponible depuis 2024 en Suisse et pleinement remboursĆ© depuis janvier 2026.

La question de la prƩmaturitƩ: Analyse critique

Un point central du dĆ©bat concerne le risque d’accouchement prĆ©maturĆ©. Dans les donnĆ©es prĆ©sentĆ©es, la prĆ©maturitĆ© Ć©tait observĆ©e chez 5.7 % des femmes vaccinĆ©es versus 4.2 % dans le groupe placebo, diffĆ©rence non statistiquement significative. L’analyse dĆ©taillĆ©e de l’étude MATISSE publiĆ©e dans Obstetrics & Gynecology 2025 confirme l’absence d’augmentation significative des naissances prĆ©maturĆ©es lorsque le vaccin est administrĆ© entre 32 et 36 SA. Les mĆ©ta-analyses rĆ©centes et une synthĆØse NEJM 2025 concluent Ć©galement Ć  l’absence d’association significative dans la fenĆŖtre recommandĆ©e. Plusieurs registres nationaux de suivi de patientes vaccinĆ©es n’ont pas retrouvĆ© d’augmentation des naissances prĆ©maturĆ©es.

Il est fondamental de rappeler que la restriction Ć  32–36 SA vise prĆ©cisĆ©ment Ć  minimiser tout risque thĆ©orique, tout en optimisant le transfert d’anticorps.

Hospitalisations ƩvitƩes: Projections

Les modĆ©lisations britanniques suggĆØrent une rĆ©duction potentielle de plus 15 000 hospitalisations par saison en cas de couverture Ć©levĆ©e. RapportĆ© Ć  la Suisse, une rĆ©duction proportionnelle pourrait Ć©viter plusieurs milliers d’hospitalisations annuelles, dont une part significative en soins intensifs.

Conclusion: Quel choix pour la Suisse?

Le VRS reprĆ©sente chaque hiver un fardeau significatif pour les nouveau-nĆ©s suisses, les familles et le systĆØme hospitalier. Les deux stratĆ©gies disponibles offrent une rĆ©duction de 70 Ć  80 % des hospitalisations, sans signal de sĆ©curitĆ© dĆ©montrĆ© Ć  ce jour.

L’immunisation passive offre une protection immĆ©diate indĆ©pendante du statut maternel. La vaccination maternelle offre une protection transplacentaire et s’intĆØgre naturellement dans le suivi du troisiĆØme trimestre.

Pour les gynĆ©cologues suisses, la vaccination maternelle contre le VRS s’inscrit dĆ©sormais dans la continuitĆ© des stratĆ©gies de prĆ©vention pĆ©rinatale. Cependant, les deux options doivent ĆŖtre discutĆ©es par le gynĆ©cologue. La dĆ©cision entre anticorps et vaccin n’est pas exclusive, mais stratĆ©gique et organisationnelle. L’objectif reste unique: qu’aucun nourrisson suisse n’entre dans sa premiĆØre saison VRS sans protection.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

PrDavid Baud MD PhD

CHUV, Department Woman-Mother-Child
Materno-Fetal Medicine (MFM) specialist
Bureau MaternitƩ CI/04-209
Avenue Pierre-Decker 2
CH-1011 Lausanne

L’auteur n’a dĆ©clarĆ© aucun conflit d’intĆ©rĆŖts en rapport avec cet article.

36. St. Galler Fortbildung für Klinische Onkologie

Am 26. und 27. Februar 2026 fand in St. Gallen die traditionelle Fortbildung für Klinische Onkologie statt. Unter der Leitung von Prof. Martin Früh, Chefarzt a. i. der Klinik für Medizinische Onkologie und HƤmatologie am Kantonsspital St. Gallen, prƤsentierten renommierte Expertinnen und Experten aktuelle Entwicklungen aus Radioonkologie, Systemtherapie, Thorax , GynƤko  und HƤmatologie. Dieser Bericht fasst die wesentlichen Inhalte zu den gynƤkologischen Tumoren zusammen.

Antibody-Drug-Conjugates (ADCs) in der GynƤkologie

Univ.-Prof. Dr. Dr. Sabine Heublein (UniversitƤtsklinikum Ulm) stellte die wachsende Rolle von Antikƶrper-Wirkstoff-Konjugaten (ADCs) in der Therapie gynƤkologischer Tumoren vor. ADCs vereinen die Zielgenauigkeit monoklonaler Antikƶrper mit der zytotoxischen Potenz klassischer Chemotherapeutika.

Zugelassene Vertreter sind:
- Trastuzumab Emtansin (T-DM1) und Trastuzumab Deruxtecan (T-DXd) bei HER2-positiven Tumoren
- Sacituzumab Govitecan und Tisotumab Vedotin bei fortgeschrittenen Karzinomen
- Mirvetuximab Soravtansin bei FRα-positivem Ovarialkarzinom
- Datopotamab Deruxtecan in klinischer Prüfung

In der MIRASOL-Studie zeigte Mirvetuximab signifikante Verbesserungen des progressionsfreien Überlebens (PFS) und des Gesamtüberlebens (OS) gegenüber einer Chemotherapie bei gleichzeitiger Reduktion hochgradiger Nebenwirkungen. Die häufigste spezifische Toxizität waren okuläre Epithelschäden.
Die DESTINY-PanTumor02-Studie (Phase II) bestƤtigte einen anhaltenden Nutzen von T-DXd, mit der besten Wirksamkeit bei HER2-IHC-3+-Tumoren.

Datopotamab Deruxtecan zeigte in TROPION-03 eine robuste AktivitƤt bei metastasierten Ovarial- und Endometriumkarzinomen.

Fazit

ADCs entwickeln sich damit zu einem neuen Grundpfeiler der zielgerichteten gynƤkologischen Onkologie.

Fortgeschrittenes Zervixkarzinom

Dr. Frederik Fuchs (LMU München) gab ein Update zur Therapie des fortgeschrittenen Zervixkarzinoms.

Grundlagen und Risiken

Das Zervixkarzinom ist nach wie vor die vierthäufigste Krebserkrankung der Frau und ist stark mit einer HPV-Infektion assoziiert (> 90 %). Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen Rauchen, Immunsuppression, früher Geschlechtsverkehr und ein niedriger sozialer Status.

Therapieprinzipien

In den Stadien IB–IIA haben Operation und Radiotherapie vergleichbare Heilungsraten. Die Therapieentscheidung erfolgt unter Berücksichtigung von Alter, Menopausenstatus und Tumorgrƶsse.

Standard beim lokal fortgeschrittenen Stadium ist die Radiochemotherapie (RT plus Cisplatin 40 mg/m² wƶchentlich) mit anschliessender HDR-Brachytherapie (≄ 90 Gy).
Die Brachytherapie bleibt essenziell für die lokale Kontrolle. Ein Verzicht zugunsten von IMRT-/SBRT-Boost-Konzepten ist mit einer höheren Mortalität assoziiert.

Neue Evidenz

- EMBRACE II: prƤzisionsgesteuerte, MR-basierte Brachytherapie und Teletherapie mit 5-Jahres-OS von 82 % und einer lokalen Kontrolle von 94 %
- KEYNOTE-A18: Zusatz von Pembrolizumab zur Radiochemotherapie mit einer Risikoreduktion für Progression und Tod um 43 % bei unverƤndertem Sicherheitsprofil
- INTERLACE: kurze Induktionschemotherapie vor Standard-RT mit signifikanter Verbesserung von OS und PFS

Fazit

Die Integration von Immuntherapie und Induktionschemotherapie in die etablierte Radiochemotherapie verbessert die Langzeitergebnisse. Die Brachytherapie bleibt unverzichtbar. Ihr Erhalt ist entscheidend für das Erreichen kurativer Behandlungsziele.

Therapie des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms

Prof. Isabell Witzel, Direktorin der Klinik für Gynäkologie und des gynäkologischen Krebszentrums am Universitätsspital Zürich, präsentierte zunächst die Zahlen zur Krebsinzidenz und Mortalität in der Schweiz für das Jahr 2022.

Warum ist dieses Thema wichtig?

Für das Ovarialkarzinom existiert kein effektives Screening, die Erkrankung wird häufig erst in einem späten Stadium diagnostiziert, und die Mortalität ist hoch. Daher kommt der Qualitätssicherung eine besondere Bedeutung zu.

Ein effektives Screening-Programm konnte bislang nicht etabliert werden. In der UK Collaborative Trial of Ovarian Cancer Screening (UKCTOCS) wurden 200 000 Frauen im Alter von 50 bis 74 Jahren untersucht. Verglichen wurden ein jƤhrliches Screening mittels CA-125 plus transvaginalem Ultraschall (TVUS), TVUS allein sowie keine Untersuchung. Nach 16 Jahren zeigte sich in allen Gruppen eine Ovarialkarzinomrate von 1 % und eine MortalitƤt von 0,6 %.

Fazit daraus: Ein Screening zur Früherkennung des Ovarialkarzinoms kann derzeit nicht empfohlen werden.

Der Schweizer Ansatz umfasst daher kein nationales Screening-Programm in der Allgemeinbevƶlkerung, sondern fokussiert auf AufklƤrung, Familienanamnese sowie genetische Beratung und Testung zur Identifikation von Hochrisikopatientinnen, etwa bei BRCA1/2-Mutationen oder Lynch-Syndrom. Bei gynƤkologischen Eingriffen nach abgeschlossener Familienplanung sollte eine opportunistische Salpingektomie erwogen werden, um potenzielle Hochrisiko- oder VorstufenlƤsionen in den Eileitern zu entfernen. Dies entspricht einem multimodalen PrƤventionsansatz.

Management-Prinzipien in der Schweiz

Die Zentralisierung der Versorgung im Bereich der hochspezialisierten Medizin ist das Ergebnis eines mehrjährigen, gesundheitspolitisch geprägten Prozesses. In diesem Rahmen dürfen in der Schweiz ab Januar 2026 nur noch ausgewählte Spitäler Patientinnen mit Ovarialkarzinom behandeln.

Die Behandlung erfolgt in spezialisierten onkologischen Zentren mit multidisziplinƤren Teams aus GynƤkologen, Onkologen, Pathologen, Radiologen und Genetikern. Hinzu kommen standardisierte Behandlungspfade sowie ein registerbasiertes Monitoring.

Das fortgeschrittene Ovarialkarzinom ist als chronische Erkrankung mit multiplen Rezidiven zu verstehen.

Neue Optionen

Pembrolizumab

In der ENGOT-ov65/KEYNOTE-B96-Studie ergaben sich unter Pembrolizumab in Kombination mit wƶchentlichem Paclitaxel plus Bevacizumab statistisch signifikante und klinisch relevante Verbesserungen des progressionsfreien Überlebens unabhƤngig vom PD-L1-Status. Zudem zeigte sich ein Vorteil im Gesamtüberleben bei Patientinnen mit PD-L1 CPS ≄ 1 bei beherrschbarem Sicherheitsprofil.

Mirvetuximab Soravtansin (ADC) beim platinresistenten Rezidiv
Bei Patientinnen mit platinresistentem, FRα-positivem Ovarialkarzinom führte Mirvetuximab Soravtansin gegenüber einer Chemotherapie zu signifikanten Vorteilen hinsichtlich progressionsfreiem Überleben, Gesamtüberleben und objektiver Ansprechrate.

Trastuzumab Deruxtecan (T-DXd) – DESTINY-PanTumor02
Der grösste Nutzen wurde in der IHC-3+-Population beobachtet. Die Daten stützen die potenzielle Rolle von T-DXd als tumoragnostische Therapie bei Patientinnen mit HER2-exprimierenden soliden Tumoren.

Operation im Rezidiv
Wie die DESKTOP-III-Studie zeigte, war bei Frauen mit rezidivierendem Ovarialkarzinom eine zytoreduktive Chirurgie gefolgt von Chemotherapie mit einem längeren Gesamtüberleben assoziiert als eine alleinige Chemotherapie.

Das Follow-up erfolgt in den ersten drei Jahren alle drei Monate, im vierten und fünften Jahr alle sechs Monate und danach jährlich. Es umfasst die gynäkologische Untersuchung sowie die transvaginale Sonographie. Eine Tumormarker-Kontrolle erfolgt nur unter Maintenance-Therapie. Eine CT von Thorax und Abdomen beziehungsweise ein PET-CT wird nur bei klinischem Verdacht auf ein Rezidiv durchgeführt.

Fazit

- Es gibt derzeit kein effektives Screening-Programm.
- Ein multimodaler Ansatz mit genetischer Testung kann Hochrisikopatientinnen identifizieren; opportunistische Salpingektomien im Rahmen gynƤkologischer Eingriffe kƶnnen prƤventiv relevant sein.
- Die Behandlung sollte zentralisiert erfolgen, auch wenn dieser Prozess nur schrittweise umgesetzt wird.
- Die Therapie umfasst Chirurgie, Chemotherapie und Erhaltungstherapie.
- Eine genetische Testung und HRD-Testung bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom ist wichtig, um Kandidatinnen für eine Erhaltungstherapie mit PARP-Inhibitoren zu identifizieren.
- Es besteht ein strukturiertes Follow-up-Programm über fünf Jahre.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

Neoadjuvante Taxane plus Trastuzumab/Pertuzumab mit oder ohne Carboplatin bei HER2-positivem Brustkrebs

Die neoCARHP-Studie hatte zum Ziel, die Wirksamkeit und Sicherheit von vom Prüfer ausgewähltem Taxan (Docetaxel, Paclitaxel oder Nab-Paclitaxel) plus Trastuzumab und Pertuzumab mit Carboplatin (TCbHP) oder ohne Carboplatin (THP) bei HER2-positivem Brustkrebs im Stadium II und III zu untersuchen.

Methoden

Die Studie war eine multizentrische, randomisierte Phase-III-Nichtunterlegenheitsstudie. Teilnahmeberechtigt waren Frauen ab 18 Jahren mit zuvor unbehandeltem, HER2-positivem invasivem Brustkrebs im Stadium II und III. Die Patientinnen wurden randomisiert (1 : 1) einer Behandlung mit sechs 3-wƶchigen Zyklen TCbHP oder THP zugewiesen. Der primƤre Endpunkt war die pathologische Komplettremissionsrate (pCR) in der Brust und der Achselhƶhle (ypT0/is ypN0) in der modifizierten Intent-to-treat-Population (mITT) (alle randomisierten Patientinnen, die mindestens eine Dosis der Studienbehandlung erhielten). Die Sicherheit wurde bei allen Patientinnen bewertet, die eine Studienbehandlung erhielten.

Ergebnisse

Zwischen dem 30. April 2021 und dem 27. August 2024 wurden 774 Patientinnen randomisiert und 766 in die mITT-Population aufgenommen (382 in THP und 384 in TCbHP). Eine pCR wurde bei 245 (64.1 % [95 % CI, 59.1 bis 69.0]) Patienten in der THP-Gruppe und bei 253 (65.9 % [60.9-70.6]) in der TCbHP-Gruppe erreicht (absolute Differenz, –1.8 % [95 % KI, –8.5 bis 5.0]; Odds Ratio, 0.93 [95 % KI, 0.69 bis 1.25]; P-Nichtunterlegenheit = 0.0089). Die THP-Gruppe wies weniger unerwünschte Ereignisse des Grades 3 und 4 (20.7 % gegenüber 34.6 %) und schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (1.3 % gegenüber 4.7 %) auf als die TCbHP-Gruppe. Die hƤufigsten unerwünschten Ereignisse der Grade 3 und 4 unter THP waren Neutropenie (6.8 % gegenüber 16.4 % unter TCbHP), Leukopenie (5.5 % gegenüber 14.8 %) und Diarrhoe (2.6 % gegenüber 4.2 %). Es traten keine behandlungsbedingten TodesfƤlle auf.

Schlussfolgerung

THP zeigte im Vergleich zu TCbHP nicht unterlegene pCR-Raten und eine verbesserte VertrƤglichkeit. Der Verzicht auf Carboplatin kƶnnte bei HER2-positivem Brustkrebs in Betracht kommen.

Kommentar

Diese Studie reiht sich in der Perspektive der selektiven De-Eskalation in der Behandlung von Brustkrebs, in dieser konkreten Studie sogar bei Patientinnen mit hohem Rückfallrisiko, unabhƤngig vom Hormonrezeptorstatus und Ausmasses des Lymphknotenbefalls. Obwohl bei so hohem Risiko in dieser Studie angezeigt, zeigen die Resultate die reale Gefahr der Überbehandlung durch die neoadjuvante Vorgehensweise. Die neoadjuvante Vorgehensweise ist der zu Ā«bezahlende PreisĀ» für die Ā«JagdĀ» nach pathologisch kompletter Remission und für die Information für allfƤllig weitere Behandlungsschritte, all diejenigen Patientinnen, die mit weniger (adjuvanter) Therapie ohnehin krankheitsfrei geworden wƤren, respektiv krankheitsfrei geblieben wƤren. Zudem haben wir beschrƤnkte Informationen über LangzeittoxizitƤt vieler der eingesetzten Substanzen. Schon niedrige Platinexposition kann zu Langzeit-GefƤssschƤden zum Beispiel mit spƤter auftretender NierenfunktionseinschrƤnkung und Hypertonie führen. Über 90 % der Frauen mit niederem und moderatem Sterberisiko überleben die HER2-positive Krankheit ohne Rückfall und die Mehrheit hat eine brustkrebspezifische Lebenserwartung von 30 und mehr Jahren.

Quelle
Gao HF et al. Neoadjuvant Taxane Plus Trastuzumab and Pertuzumab With or Without Carboplatin in Human Epidermal Growth Factor Receptor 2–Positive Breast Cancer: The Randomized Noninferiority Phase III neoCARHP Trial. J. Clin. Oncol. 2026 DOI: 10.1200/JCO-25-02

Prof. Dr. med. Beat Thürlimann

SwissBreastCare
Bethanienspital
Toblerstrasse 51
8044 Zürich

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